„ ee e Jpeites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ srogen“ erscheinen monatlich zwennal. e 1 25 * 165.4 Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Uriegsbriefe aus dem Osten. *— 2 Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Am Rigaischen Meerbusen. 5. Tuckum, 19. Nobbr. Am 13. Juli setzte sich die Gruppe, die den äußersten linken Flügel der Niemenarmee decken sollte, in Bewegung, die Spitzen erreichten noch am gleichen Tage nach einem Marsch von 52 Kilo⸗ metern Goldingen. Die Rusen leisteten keinen nachhaltigen Wider⸗ stand, die Reichswehr⸗Druschinen marschierten, was die Knochen ten wollten, rückwärts.„Sie treiben uns wie die Gänse, die eutschen,“ sagten sie.„Väterchen muß aus Mitau marschieren, Väterchen wird Riga auch verlieren,“ sangen sie. Was immerhin ein eigenartiges, russisches Soldatenlied ist. Die Brücke über die Windau wollten sie sprengen, natürlich, aber es ging eben sehr schnell. 35 Sprengkasten kamen nicht zur Entzündung. Die deutschen Pioniere entfernten mit kaltblütiger Verachtung der Gefahr die Kästen, und die rheinischen Jungens konnten trocken über die Windau. Der Marsch ging schnell weiter. Das natürliche Ziel war Tuckum. Zwar waren russische Kavallerie, die ausgezeichneten 20. finnischen Dragoner, in dem ausgedehn⸗ ten Waldgebiet nördlich der Straße sestgestellt, aber preußische Kürassiere und Ulauen sicherten die Flanke, der Marsch ging schnell weiter Am 17. Juli wurde Samiten erreicht, am 18. Tuckum. Die sehr starken Stellungen vor Tuckum wurden nicht nachhaltig verteidigt. Es kam zu kleinen Gefechten, Kavalleriezusammen⸗ 5 20 in denen die Petersburger Reitschule blutige Verluste erlitt. Die einrückenden Truppen fanden in Tuckum vielleicht noch 400 Einwohner. Auch über Tuckum und aus Tuckum war ein brei⸗ ter Flüchtlingsstrom gegen Riga geströmt. Bei Schlock versank die verwitterte alte Floßbrücke unter der Last der Wagen und sich drängende Menschen. Die deutschen Vorhuten näherten sich schon, da schossen die Russen vom andern Ufer der Aa unbarmherzig in die Masse, bei Kalezen spielte sich die gleiche entsetzliche Szene ab. Ein grausamerer Ausropttungskrieg als ihn der russische„Vetter“ gegen den Letten geführt hat, ist auch in Polen nicht gegen die „Schwesternation“ geführt worden, er ist in seiner Wirkung für die Letten entscheidender, denn der kleine Volksstamm wird die Vernich⸗ tung wohl der Hälfte seiner Seelenzahl kaum überstehen. Man kann über die Letten denken, wie man mag, ihre Eigenschaften schwan⸗ ken im Lichte der Darstellung, dieses Schicksal hat das fleißige Volk nicht verdient. Die Kurländer, die die Handlungsweise der Russen voraussahen, bedauern das verführte Volk. Ihre War⸗ mungen hätten nichts gefruchtet. Verhetzt, verdorben von lettischen auf russischen Seminaren deten Lehrern, die das Deutsche und den Deutschen haßten, konnte sich der kleine Stamm nicht leicht auf den klugen Weg finden. Ganz allmählich sieht ihn der Lette 1125 1 die Tiefe des Volksbewußtseins ist die Erkenntnis des russischen rnichtungsschlages gegen die Letten noch nicht gedrungen. Aber es sind Anzeichen, daß man auch mit den verdorbenen Augen wieder sehen lernt, obwohl der klare Blick kaum zu viel Anderem dienen könnte, als die Gründe der Volksvernichtung deutlich mit Anklage gegen sich selbst und mit Haß gegen Rußland zu erkennen. Zum Teil mit dem Rest der flüchtenden lettischen Landbevöl⸗ ferung erreichten die deutschen Truppen die Linie vor der Aa und ben Strand des Rigaischen Meerbusens in ungefähr der Linie, die auch heute noch immer gehalten wird. Landoperationen von ent⸗ 4 Stile finden in dem sumpfigen Gelände schwere Hinder⸗ nisse. Schon General Pork hat 1812 bei seiner Operation in Kur⸗ land die Schwierigkeiten der Sumpfwälder, die dicht hinter den Dünen begisnen, kennen gelernt. Einen Knüppeldamen, den York hat anlegen lassen, fand man beim Waldhauen vor ein paar Ih⸗ ren in Großspirgen bei Tuckum. Die preußischen Vorposten standen damals am Meeresufer bei Dubbeln, bei Holenhof am Babit⸗See und von dort im anschließenden weiten Bogen über Olai bis zur Düna bei Dahlenkirchen. Eine Linie also, die mit der heutigen viel Aehnlichkeit hat. Die englische Flotte fuhr damals mit Kanonenbooten in die breite Mündung der Aa und zeigte sich ziemlich tätig. Die Tätigkeit der 1 fi n Flotte beschränkt, 155 bei der jetzigen Operation gegen Riga auf Abstreifen der Küste mit Torpedo⸗ und Kanonenbooten und gelegentlichen Beschießungen der offenen Hakel⸗ werke(kleine Flecken) längs der Küste. Einmal, im September, kam es zu einer größeren Operation von See aus. Im September liefen zehn Einheiten der russischen Flotte aus Dünamünde aus, legten sich vor die Küste zwischen Raggasen und Angern und be⸗ gannen eine stundenlange Beschießung aus den schwersten Kalibern in der Richtung der vermuteten deutschen Stellungen, die natürlich von der See her flankiert werden. 4000 Granaten wurden auf das Gelände bei Dumbo geworfen, ohne daß eine Wirkung erzielt worden wäre, weil jede Beobachtung der Wirkung von See ausgeschlossen ist und die Flachbahngeschütze gewisse Winkel der Stellungen überhaupt nicht erreichen können. Als unsere Langrohre antworteten und die Kommandobrücke und den Schornstein eines Kreuzers trafen, zog sich die Flotte zurück.(Daß auf der Brücke hohe russische Marineofsiziere tötlich verwundet worden sind, ist inzwischen russi⸗ scherseits zugegeben worden. Man war der Meinung, daß durch das gewaltige Bombardement unsere Leute völlig erschüttert sein müssen, und in dichten Kolonnen stieß nach dieser Artillerievor⸗ bereitung die russische Infanterie vor. Mit großer Ruhe ließen die Rheinländer die Russen bis dicht an das Draltverhau, und dann begann das Mähen. Nach russischer Anweisung an die Regimentskommandeure sind beim Sturmangriff 50 Prozent Ver⸗ luste unter der Wirkung der heutigen Feuerwaffen als normal zu bezeichnen und erst bei 70—80 Prozent als schwere anzunehmen. Der russische Oberst, der sein eben abtransportiertes Regiment beim Mühlenbach einsetzte, dürfte seine Verluste auch nach dieser russischen Auffassung als recht schwere festgestellt haben. Seitdem ist es zu bedeutenden russischen Angriffen mit größerem Einsatz an dieser Küstenfront nicht mehr gekommen. Kemmern, der hübsche Villen⸗ und Badeort, der an den Schweselquellen das„elegante Riga“ sah— eine Dampfbahn führte zum Badestrand, der von hier bis Riga Badeort neben Badeort zeigt— Kemmern liegt in Trüm⸗ mern zwischen den beiden Linien. Der beherrschende Kirchhof von Wisman an der Aa ist fest in unserer Hand. In den ersten No⸗ vembertagen wurde er unter blasendem Horn,„Gewehr rechts, Sprung auf, marsch, macsch!“ mit Hurra wie auf dem Ererzier⸗ platz im Morgengrauen genommen, nachdem am Tage vorher eine Offizierspatrouille den zuerst nur mit russischer Feldwache be⸗ setzten als besonders wichtig erkannt hatte. Das russische Bataillon, das sich dann in der Nacht einnistete, wurde dann eben bei dämmern herausgeworsen. l Der zunehmende Wellengang macht inzwischen auch alle kleinen Operationen und Beunxuhigungen von der See her schwieriger. Landungen haben die Russen überhaupt zu militärischen Zwecken auch in der günstigen Jahreszeit nicht versucht. Sie setzten ge⸗ legentlich ein paar Mann an Land, um längs der Küste zu reguirieren, auch der etwas größere Landungsversuch südlich Kap Tomesnees hatte leinen anderen Zweck. Inzwischen ist der Küsten⸗ schutz ausgebildet, die stürmische See unser Bundesgenosse⸗ Von der Beobachtungsstelle einer schweren Kanonenbatterie in dem Dünengelände sah ich auf die grau und weiß aufschim⸗ mernde zackige Fläche des Rigaer Merbusens. Der Wind riß die Wellen in weißen Brechern an den Strand und faßte hart den winterlichen Wald hinter uns. 5 Die Brandtuinen der zerschossenen Fischerdörfer standen in der winddurchheulten Einsamkeit. Weit, stahlhart, großartig war dies Bild. Die rheinischen Jungens dachten an das liebliche Bild ihrer Heimat, sahen durch das Scherenfernrohr und vergaßen! Hebt sich nicht dort ein schmaler Strich über die Horizontlinie? Aller Wille sitzt in den Augen Nichts, Wellenrauschen, ein Sturm⸗ vogel, Wind. Die rheinischen Augen sehen hart auf das harte, bal⸗ tische Meer.. 5 Wellenrauschen, Einsamkeit, Dienst Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Morgen⸗ Aus Stadt und Land. Gießen, 29. November 1915. Landesverrat. Verrat am eigenen Vaterlande galt stets als schweres Verbrechen, und in Kriegszeiten als das schwerste Ver⸗ brechen. Wer wissentlich und in Erkenntnis der Tragweite seines Tuns irgend eine Handlung begeht, die unserer Kriegsführung Hindernisse und Schwierigkeiten bereitet, ist ein Landesverräter. Unser Vaterland hat heute zwei Fron⸗ ten, draußen den eisernen Wall der Schützengräben: um diese Front ist uns nicht bange, denn wir wissen, daß der Heldengeist unserer Leute sie schützt; und im Lande selbst eine Front, von deren Sicherung der Erfolg alles Opfer⸗ mutes und alles Blutvergießens unserer Leute draußen ab⸗ hängt: unsere Volksernährung. Wer diese Front ge⸗ fährdet, ist auch ein Landesverräter. Wer Lebensmittel vom Markt hält, um sich zu bereichern, wer Wucherpreise verlangt, Aunft und Wissenschaft. — Wiener Bilder eines Dänen. Obgleich die Haupt⸗ n Nordens Mitteleuropa e in der lenzialisch was macht Wien, gesteht, er habe haltend⸗teil⸗ Totenhaus be⸗ die er an jeder in einem Privathause Zimmer und dect gebau Gang änderun die P auch! wandten aufgefunden worden ist. Ein schmales Köpfchen mit konnte, der bisher über Spitzwegs Liebesleben lag. Wie er in in dieser schweren Zeit all ihren Reiz und all ihre Schönheit zu bewahren, so ist das, wie der Besi gestehen muß, gelungen. Leben und Gedränge in den Kaffee häusern, wie nur je, und es wird wohl auch jetzt Tag für Tag die halbe Million Tassen. Kaffee getrunken. Die Theater gefüllt, und nirgends eine Spur von vordringlichem Chauvinismus Man spielt englische fran⸗ zösische und russische Stücke; die Hofoper führt Donizetti auf und als Vertreter der Wiener Literatur erklärt bei einem Mahle im bekannten Schriftstellervereine„Concordia“ Raoul Auernheimer, daß man Englands Bann über„feindliche Kunstwerke“, Frank⸗ reichs Ausftoßung feindlicher Forscher aus der Akademie mit der Mahnung beantwortet: lernt englisch und französisch! Das ist die Stimmung und der Geist, den Anker Kirkeby in Oesterreichs Hauptstadt fand; das berichtet er in„Politiken“ seinen dänischen Landsleuten. Ob sie sich wohl endlich überzeugen lassen werden? — Spitzwegs einzige Liebe. Karl Spitzweg, der un⸗ übertroffene Schilderer der Kleinbürger und Philister und zugleich einer der Bahnbrecher moderner Malerei in Deutschland ist Zeit seines Lebens Junggeselle geblieben. Sollte es möglich sein, daß diesem zart und lebhaft empfindenden Künstlerherzen die echte Liebe fremd geblieben ist, wo wir doch wissen, daß Spitzweg auf der Höhe seines Lebens, so um das dreißigste Lebensjahr, bei allen Festen unter den Ersten war und sich schon ganz gern von dunklen Augen und weißen Schürzenbändern gefangen nehmen ließ. Einem glücklichen Zufall verdankt es Hermann Uhde⸗Bernays, der treffliche Biograph des Meisters, daß er kürzlich den Sleier lüften der eben beim Delphin⸗Verlage in München erscheinenden Volks⸗ ausgabe seines schönen Spitzweg⸗Buches mitteilt, war des Künstlers einzige Liebe ein lustiges Abenteuer, das traurig endete und das vielleicht die Ursache geworden ist, daß Spitzweg Junggeselle blieb. Er hatte einem bildsauberen Tischlermeisterstöchterlein aus Tölz, Klara Lechner, die jung mit einem Webermeister Raab in München verheiratet worden war, zu tief in die Augen gesehen und mußte die ganzen Unerfreulichkeiten eines Ehescheidungsprozesses über⸗ winden, ehe er die Geliebte zu sich nehmen konnte W wie weit es Spitzweg gelungen war. die durch die religiösen Be⸗ stimmungen einer Heirat mit Klara Raab entgegenstehenden Hinder⸗ risse zu ent enen, da der Tod sie ihm plöglich von der Seite riß. Dieses Ereignis hat den fröhlichen Künstler völlig verwandelt, er hielt ernsthaft innere Einkehr und fuchte in stiller Arbeit Er⸗ satz für das verlorene Glück. Klaras Bild hielt er ständig im Herzen fest, ohne jedoch jemals ihren Namen zu nennen: und wenn Uhde⸗Bernays das Geheimnis seiner Liebe jetzt doch hat enthüllen können, so ist Spitzwegs Kunst die Schuld daran geworden. Denn er, der niemals Bildnisse gemalt hat, schuf doch ein kleines Brust⸗ bild Klara Raabs, das nun kürzlich im Versteck bei ihren Ver⸗ ir wissen nicht, End 4 Montag, 20. November 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗ Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: 8 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. wer seine Lebensverhältnisse nicht einschränkt im Maße, wie es die Umstände jetzt erfordern und die Regierung teilweise angeordnet hat, kann kaum auf eine andere Bezeichnung An⸗ spruch erheben. Wer heute noch die Phrase erhebt von der „Pflicht“ zur Wahrung des höchsten Selbstinteresses,— sei er Händler, Erzeuger oder Verbraucher— versündigt sich am Vaterlande, am Volke, an sich und seinen Kindern. Ueber die deutsche Gewissenhaftigkeit und das deutsche Pflichtgefühl, über die staatliche Disziplinierung der deutschen Bürger hat man oft im Auslande gewitzelt. Aber die Tugenden müssen uns jetzt helfen, siegreich durchzuhalten. Wir stellen an alle Händler, Produzenten und Verbraucher die unbedingte Forderung: mehr Pflichtgefühl gegen unser Volk, gegen unser schwer ringendes Vaterland. Eure Gewissen⸗ haftigkeit sei der eiserne Wall der inneren Frontlinie, ohne den die Schützengrabenfront geschwächt wird und zusammen⸗ brechen muß. Allen im Volke, die es angeht, muß es in die Köpfe gehämmert werden; es ist eine Zeit, die von jedem Opfer verlangt, von jedem restlose Einspannung in die Zwecke des Vaterlandes beansprucht. Denke keiner, auf ihn komme es nicht an. Es kommt auf jeden Einzelnen an, da gibt es keine Entschuldigung und keine Ausnahme. In diesem Kriege ist jeder Einzelne des Volkes Soldat, und von seinem Verantwortungsgefühl und seinem verantwortungsbewußten Handeln hängt unsere Zukunft ab. Der Ring unserer Feinde zwingt uns alle dazu, Diener des Staates zu sein. Wer anders handelt, handelt ehrlos und kuxzsichtig. Die Ver⸗ braucher, aber auch die rechtschrffenen Händler und Produ⸗ zenten sollten ihrerseits mithelfen, alle Fälle von Bewuche⸗ rung und Hinterziehung von Waren unerbittlich zur Be⸗ strafung zu bringen. Jeder, der das tut, erfüllt eine Gewissenspflicht von öffentlichem Interesse. * „ Vom Publikum verschuldete Brandunfälle, denen Feldpostsendungen zum Opfer gefallen sind, haben sich in letzter Zeit besonders gehäuft. So sind in Brand ge⸗ raten: am 9. Oktober auf dem östlichen Kriegsschauplatz ein Eisen⸗ bahngüterwagen mit Feldpostpäckchen für eine Reservedivision. Die Ladung ist bis auf 30 Beutel ein Raub der Flammen gewor⸗ den; am 16. Oktober im Osten ein Kraftwagen mit Post für eine Landwehrdivision. Von der Ladung sind 2 von der Postsammel⸗ stelle in Leipzig abgesandte Beutel mit Feldpostpäc chen fast voll⸗ ständig verbrannt. Größerer Schaden ist nur durch die besondere Umsicht und Geistesgegenwart des Wagenführers verhiltet worden: am 16. Oktober ein Eisenbahngüterwagen mit Feldpostpäckchen für das Ostheer. Von der aus 360 Beuteln bestehenden Ladung sind 150 vernichtet worden, außerdem war der Inhalt von 60 Beuteln teilweise beschädigt; am 20. Oktober ein mit Feldpost, und Paketen für das Ostheer beladener Eisenbahngüterwagen. Als das Feuer bemerkt wurde, hatte es bereits soweit um sich gegriffen, daß vom Wageninhalt bis auf wenige Palete und Gegenstände aus verbrann⸗ ten Sendungen nichts mehr geborgen werden konnte; am 26. Ok⸗ tober auf dem westlichen Kriegsschauplatz die Ladung eines Güter⸗ postwagens. Trotz sofortiger Löschversuche breitete sich das Feuer infolge des herrschenden starken Windes schnell aus, so daß der Inhalt von 5 Beuteln vollständig und von weiteren 10 zum Teil dernichtet wurde.— All diese Fälle sind nach dem Ergebnis der Feststellungen höchstwahrscheinlich auf Selbstentzündung feuergefährlicher Gegenstände zurückzuführen. Die beklagenswerten Vorkommnisse beweisen, daß die aus Anlaß frühe⸗ rer Brände wiederholt ergangenen dringenden Warnungen vor Ver⸗ sendung feuergefährlicher Gegenstände, wie Streichhölzer, Benzin, Aether usw., mit der Feldpost zum Schaden der Allgemeinheit wie unserer Krieger und ihrer Angehörigen noch immer nicht die er⸗ forderliche Beachtung finden. Die Mahnung, die Versendung sol⸗ cher verbotenen Gegenstände unbedingt zu unterlassent nird daher nachdrücklichst wiederholt und zugleich erneut darauf hingewiesen, daß Zuwiderhandlungen nach 8 367 unter 5 a StGB. trafbar sind und im Betretungsfalle ausnahmslos gerichtlich verfolgt werden. 5 Kreis Friedberg. 0 a Nieder⸗Wöllstadt, 28. Nov Zu Leutnants beför⸗ dert wurden die Brüder Richard und Wilhelm Luley. i Burg⸗Gräsenrode, 28. Nov. Zum Leutnant d. N befördert wucde der Lehrer Karl Schäfer. dunklem Lockenhaar und großen dunklen Augen schaut uns ent⸗ gegen: das war Meister Spitzwegs erste und letzte Liebe. 0 — Ein Held des Kriegs und des Humors. Ein solcher war Friedrich von Kyau, der am 5. Mai 1654 zu Oberstrohwalde in der Oberlausitz als der Sohn eines Kurbranden⸗ burgischen Oberstwachtmeisters geboren ward und als humoristi⸗ scher Hofrat August des Starken, sächsischer Generalleutnant und Kommandant der sächsischen Festung Königstein im Jahre 1733 starb. Diese Karriere hatte er ebenso seiner kriegerischen Tüchtig⸗ keit wie seinem Humor zu danken. Sein Gönner Oberst von Schö⸗ ning brachte den lustigen Kyau in vornehme Kreise zu deren Be⸗ lustigung und sorgte dafür, daß er, der als gemeiner Soldat eingetreten war, zum Fähnrich aufrückte. Freilich waren seine Scherze nach dem 8 Geschmack recht derb, aber sie ent⸗ sprachen dem seiner Zeit. So ließ er sich einmal tot sagen und einsargen. Als man den Sarg in aller Förmlichkeit zu Grabe trug, entstand plötzlich im Sarge Lärm, und während die Träger entsetzt flohen, stieg der lustige Fähnrich vergnügt aus dem Sarge. Der Scherz schien denn doch zu arg, und der auferstandene Fähn⸗ rich ward auf die Festung nach Spandau geschickt. Als die Kur⸗ fürstin bald darauf die Festung besichtigen kam, ließ Kyau, der dies vorher erfahren hatte, ein Transparent anfertigen, das allerlei zerbrochene Gegenstände darstellte, wozu er ein Verschen machte, das besagte, daß das Bild sein Glück darstelle. Mit diesem Transparent schmückte er das Fenster seiner Zelle um Empfange der Fürstin. Diese lachte über den Scherz und sorgte für Kyaus Begnadigung. Ein Duell zwang ihn später, über die Grenze zu fliehen und in Sachsen Dienste zu nehmen Da August der Starjʒte ein Freund lustiger Streiche war, stieg Kyau hier schnell empor und wurde Generaladjutant des Kurfürsten und Königs von Polen, der den anstelligen Mann auch zu diplomatischen Mis; sionen benutzte. Als er dem Greisenalter nahe war, sehnte er sich nach Ruhe und wurde auf seine Bitte Kommandant der Festung Königstein. Als der Neujahrstag des Jahres 1733 herannahte, fühlte er sich kränklich, und er war sicher, daß es mit ihm zu e gehe. Er ließ die ganze Garnison der Festung zusammen⸗ berufen und zur Parade aufmarschieren, nahm die Glückwünsche entgegen und hielt folgende Anrede:„Hameraden und Freunde! Ein gewaltiger, unbesiegter und unbesiegbarer Feind naht in den nächsten Tagen unserer Festung. Aber er hat es nur auf einen abgesehen, und der bin ich. Ich werde mich ihm ergehen als rechtschaffener Kommandant, der seiner Pflicht getreu seine Schanze bis zum letzten Augenblick behauptet hat!“ Rührung erstickte seine Stimme, auch alle Zuhörer waren tief ergriffen, denn Kyau war allgemein beliebt. Dann ging er auf sein Zimmer, das er bis zu seinem Tode, der am 19. Februar 1733 erfolgte, nicht mehr verließ. — FTT 7 JJ... Machts Verkauf des NModewarenhauses 2 S. 8 r Giessen, Seltersweg 85 beginnt Dienstag, den so. 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Manschetten Mk.—— Tu Iblusen m Err. 4 115 Iblusen ze nnen. 4 8 A 4. 25 8 4 in elfendein⸗ Ja blusen az rs& 25 Spachtelblusen bf 52 . weisse Waschblusen Weisse UVoileblusen ent hasen 1. 322 Weisse Voileblusen e Hands tekee.. 42 farbige Weisse Voileblusen etwas tree Mk. 22 . 2 Restbestände in reiner Wolle Hausblusen in blau, grün, kariert, mit Samtkragen 1.285 Schwarze b Zlusen 0 Mk 430 — in reiner Wolle, neue lose Hausblusen in schwarz weiss kariert, mit langen 1 Schwarze 4 lasen Form mit langen Aermeln Mk. 830 Winterblusen fn d en e Schwarze Blusen 1122 div. Restbestände, in einfarbigen grössere Partie in schwarz und farbig Rein woll. Blusen Wollstoften 5 e Mk 830 Seitdlen- Blusen bedeutend„ Morgen-Röcke und-Jacken Morgenjacken ene e 1 Morgenröcken!! 9⁵⁰ Morgenröcke n 62 Flegante warme Morgenräcke f Grösste Auswahl in Unterröcken, wie Trikot, Wolle und Moire 5 12 Weisse Voilekleider, sehr reich bestickt Mk. 5.50 f Farbige Kleider in reinwollenem Crepeeee: Mk. 6.00 88 28 An 1 perlüberhänge, früherer Preis Mk. 38.00. jetzt Mk. 8.50 Theaterhauben in Seide und Chiffon. Mk. f. 00 bis. 50 . r 5 5 e C a e 8 257 3486 5% 816 32 88 828 78 83070 276 817 99 17. Aehung 8. Kl. 6. Preuss.-Süddeutsche (232. Röniglich Preuss.) Klassen- Lotterie Tlehung vom 28. November 1913 vormittags. Ant jede gezogene Nummer alnd zwel glelch hehe de- inne gefallen, aad zwar je einer auf dle Lese gleieher Nummer in den deldan Abtellungen I und II Nur dle Gewimne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (ohne Gewähr.) Nachdruck verboten.) 168 78 252 87 740 84 78 800 86 1087 100 218 63 826 85 494 608 722 984 22382 65 68 603 56 1000] 3016 117 304 412 839 878 4027 62 105 268 353 722 852 5234 62[1000] 70 329 88 480 00 800 864 718 44 94 50 1000] 24 6054 130 L500] 279 L500] 352 510 607 971 7027 L500] 54 288 328 488 578 624 68 727 87 94 528 80 90 3002 107 78 64 812 423 585 692 763 803 98 905 30 86 9009 83 72 384 455 662 937 65 19251 81 227 64 75 41d 84 814 97 11048 284 824 leo 741 938 12101 73 258 502 38 36 853 837 800] 13033 131 03 236 65 369 842 763 62 94 963 14075 252 64[1000] 525 33 98/ 1507 184 203 98 477 690 808 12 16127 206 63 400 17 64 654 808 17022 117 44 281 300 9 60 448 72[500] 886 416 28 38 48 834 71 18023 117 214 808 402 628 19137 91 401 13 44 721 42 890 20177 88(soo 301 878 L500] 611 954 21042 88 229 561 653 917 22 22063 334 61(so 400 22088 L000] 37 571 600 638 754 60 829 92 931 24022 305 482 717 834 25034 124[1000] 85 201 289 481 74 Lso00 88 703 827 80 23033 45 68 178 381 11000 500 42 647 778 881 68 911 60 27432 571 86 659 378 940 28022 55 91 338 468 521 623 sos 29022 142 616 732 839 50 oog L500] 172 247 810 412 814 21 47 Ls00] 60 850(1000 766 848 6% 28 31019 142 11000) 441 828 71 60 874 768[50% 802 22826 180 95 377 621 33054 182 257 88 826 890 705 987[500 34388 468 502 L800] 86 82 6838 748 819 38023[300] 157 22 207 60 828 79 921 28 8001 3[800 16 118 448 78 614 500] 834 988(10001 37047 78 691 729 880 84 920 24 L500] 67 38089 190 21 862(1000 50 611(10001 42 888 39014 152 92 201 84 336 50 407 78 522 402%(soo 48 448 762 78[1000] 98 283 088 4 Tos 278 327 439 564 628 58 42014 69 68 720 43164 368 592 808 703 880 9/7 975 44080 399 588 867 86 832 43 4110 212 63 J500] 350(s00] 46 585 714(100 4½˙, 102 31 357 530 664 918 71 72 lLso0 9 959[500] 73 47275[1000] 80 360 Leco! 4½ 61(500 822 4053 484 808 81 11000] 869 12 50 7 48440 52 24 608 68 69 76 984 1500] N 50202 816 402 19(8000 46 89 800 674 790 1500 801(soo 51504 828 783 823 908 52036 77 883 8e 403 52 317 83248 470 548 72 948 34299 418 636 54[3000 02 920[soo] 923 83033 153 67 80 448 700 62 834 8 56051 52(1000 78 109 10 307 W 750 71 901 57008 11000] 143 89 286 825 2e SSoof kao 162 237 40 420 68 552 733 65 846 89145 221 40 379[1000] 807 97 Soosg 42 640 680 82 501 962 81008 130 801 25 68 487 886[1000] 34 62033(5000 108 1000] . dos 19 23 7150 63 800] 63008 12 181 304 3000] 36 581 817 20 3/ 84048 83 11000] 50 344 s 20 651 718 L500] 88[1000] 89 88227 43 85 884 489 589 7s 660 737 6800 61 18000] 67042 1500] 170 348 422 38 687 809 702 332 38 48 88200 27 402 86 90 69s 95 22 40 82 36 626 687 887 953 700 77 327 417 88 006 720 840 908 71218 820 718 940 56(L800 76 87 72088 243 78 507 57 952 705 89 62 844 78 73078 111 228 55 84 345 58 71 839(500) 885 70 74230 461 504 75008 431 2 6, 527 80s 780 922(SO] 76009 278(1000 309 225 687 7/ 875 97d 77128 32(500 209 450 737 780 òbsoe] 124(500 29 220 4/2 609 21 74 4 Loo! 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Ziehung 5. Kl. 6. Preuss.-Süddeutsche (232. Königlich Preuss.) Klassen- Lotterie Ziehung vom 28. November 1915 nachmittags. Auf jede gerogene Nummer sind zxel glelch hohe Ge- Winne gefallen, and zwar je elser auf die Lose gleicher Nummer In den beiden Abtellaugen I und II Nur die Gewinne über 240 Mark sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. (Ohne Gewähr.)(Nachdruck verboten.) 92 125 230 421 608 736 66 918 42 98[3000] 1034 309 11 84 468 672 789 42 808 23 801 2072 760 78 847 964 3053 82 103 42 229 68 810 463 582 98 661 816 4022 e8 184 252 67 311 428 507 17 739[8000] 8044 55 74 121 91 527 800 89 L500 217[3000] 84 6163 207 14 64 L500] 88 357 L500] 401 638 707 54 393 959 70865 188 421 6381 792[1000] 842 8000 683 116 415 L100] 597 802 48 51 748 9058 134 328 410 18 13000] 538 58 698 924 10118 4300 308 460 726 15001 843 991 11084 [500] 110 214 54 378 48% 729 61 990 12059 323 43 95 414 L500] 813 94 701 907 L500] 26 13148 50 210 623 26 756 838 14088 218 69 380 18000] 70 404 1800] 720 857 15054 388 479 L500] 83 775 984 74 16064 11000] 107 323 489 571 677 89 787 56 804 967 17025 181 206 387 454 689 737 925 49 18131 484 545 79 663 71 700 382 96[500] 838 19068 148 812 478 82 684 881 20419 72 92 605 759 971 21187 283 375 690 608 870 95 22020 72 188 79 256 68 333 39 558 1000] 866 836 89 23044 132 208 18000] 413 11000) 688 733 81 87 971 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N Das unter dem 21. September 1910 erlassene Aufent⸗ In unser Handelsregister Abt. A wülde heute haltsausschretben gegen den Kaufmann Alfred Ernst ist Prokura erteilt. bezüglich der Firma Karl Frensdorf, Gießen ein— getragen: Dem Kaufmann Carl Baer zu Gießen 5 KaufhausKatz Gießen, den 24. November 1915. Großherzoͤgliches Amtsgericht. Selinme 9274 B Paar Rasch e Reisem D 85 fur 2 Bahnhofstrasse 14 — dus RHegenhaut. Aae& Vs. ** n 5 e, Ugen Himmelreich, geboren am 15. Januar 1881 in Braunfels, ist erledigt. Wiesbaden, den 24. November 1915. Der Erste Staatsanwalt. 92780 Ap u. Geliulienscluls Asslinge Die besten Gaben ins Feld. Shin m Fabrik Reparaturen u. Neuüberziehen Mein Pflanzen-Fleisch ist ein brauchbarer und gediegener Ersatæ für Fleischl Machen Sie damit einen Versuch und Sie werden durchaus zufrieden sein und dieses Fabrikat auch gern Ihren Freunden empfehlen. 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Mitesser fur Taps nden Pickel im Gesicht u. am Körper empfiehlt billigst heseltigt raschund zuverlässig Versanddosen und age dece ah Sten Pappschachteln dgar Borrmann sowie Fubrleistungen jeder Art werden ausgeführt 06²⁸8⁰ Brandgasse 7. FFF Allg. Deutsch. Trauenrerein 460 Pf., M. 1.—u. M. 1.50). Na Ortsgruppe Gießen. f 5 jed. Waschung m. Zuckooh- Creme, Tube 60 und 85 Pf., Auskunftstelle nachbehandeln. Frappante Eisenbandlung. ent Wirkung, von Tausenden be⸗ 70 für Frauenberufe. Apenbele, 110 ehe Fluß⸗ u. See ische 5 5 eke, Hirsch⸗Apotheke.— beste nnen gei eden i Sa el E. Sele, und Auskunft für alle e Reuß Nen,.—— Berufe im alten Rathaus, Schrader, Otto Winter: Marktplatz 14, Dienstag abends von 7 bis 8 Uhr.] boff u. Ed. Gutb, Drogerien. — 9—.— J. M. Schulhof Telephon 119.— Promptex Versand nach auswarts. 42 Versteigerung. 4⁰78 bezüglich der Firma F. Schott, Gießen Die Firma ist erloschen. Gießen, den 26. November 1915. 9289 Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A wurde heute Großherzogliches Amtsgericht. Dienstag, den 30. Nopbr. 915, vorm. 10lihr, werden Frauen u. Mädchen im Hause Frankfurter Str. 79 erhalten unentgeltlich zu Kleinlinden öffentl. gegen bax versteigertt 1 Regulgtor, Rat und Auskunft% Sekretär, 1 Weißzeugschr. ö Rechtsschutzstelle. Violinspieler sucht Partner od. Partnerin (Klavier, nicht berufsmäßig. Gefl. schriftl. Angeb. unt. 92884 eingetragen: 5 zweit Kleiderschr. 1 Spiegel- an d. Gleß. Auzeiger erbet. 8 in Rechtsangelegenheiten schrank, 3 vollst. Betten, eine Brustbeute mit 106.— Mk. 9275 8 imalten Natbaus Markt. Beitstelle, Nachttischchen u. v. Bahnhofstr. platz 14 Mittwoch abends dal. m. Versteigerung sicher. b. Walltorstr. 33 verlor. Dem von 7—90 Uhr.„[Saintonges, stellvertr. Wiederbringer gute Beloh Abzugeb. a. Polizei 06 Gerichts vollzieher in Gießen.!