Der Gießener Anzesger erscheint täglich, außer Sonmtags.— Benagen: viermal wöchentlich Sießener Familienblätter; wennatwöcheml.Kreis⸗ lalt fur den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Nermprech e Anschlusse: für die Schristleuung 112 Verlag, Geschäftsstelleö! Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Hießen. Annahme von Anzelgen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 165. Jahrgang 1 7 Gelleral- Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Fange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. ——— — R Mittwoch, 17. November 1015 Bezugsvrets: monatl. 85 Pf., viertel⸗ Kort. Me. 2.50; durch 5 Röbole- u. Zweigstellen monatl 75 f.; durch die Post Me. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., cus w. 20 N.— Haupt⸗ schriitleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den olitischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. 7. Beck, sänitlich in Gießen. l——————— Ein griechisch⸗bulgarischer Vertrag über eine neutrale one unterzeichnet. Churchills Abschiedsrede. (WT B.) Großes Hauptquartier, 16. November. Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Drei Versuche der Franzosen, uns den am 14. November nordöstlich von Ecurie genommenen Graben wieder zu entreißen, sche terten. Auf der übrigen Front außer Ar⸗ tillerie- und Minenkämpfen an verschiedenen Strecken nichts wesentliches. 8 Die vielfache Beschiezung von Lens durch die feind⸗ liche Artillerie hat in dem Zeitraum vom 22. Oktober bis 12. November 33 Tote und 55 Verwundete an Opfern unter den Einwohnern gefordert. Militärischer Schaden ist nicht entstanden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist auf der ganzen Front unverändert. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Verfolgung ist in rüst gem Fortschreiten. Es sind ern übertausend Serben gefangen genommen, zwei Maschinengewehre, drei Geschütze erbeutet. . 5 Oberste Heeres leitung. 8* * 0 Es war seit längerer Zeit bekannt, daß zwischen Sofia und Athen wegen Abgrenzung einer neutralen Zone ver⸗ handelt wurde, und darum bedeutet es keine Ueberraschung, wenn heute die„Südslavische Korrespondenz“ verkündet, das Abkommen sei nunmehr in aller Form unterzeichnet worden. Um diese Meldung völlig verläßlich zu machen, bedürfte es einer amtlichen Veröffentlichung durch die beteiligten Re⸗ . Darauf wird man indessen vergehlich warten, enn selbstverständlich würde damit das Abkommen zugleich zu einer Kundgebun 5 mit politischer Spitze gemacht, für die weder i in Sofia noch in Athen eine Notwendigkeit erkannt 1 w icht mehr an Wundor glauben und ohnedies die Hoffnung auf Griechenlands Hilfe aufgeben. Sie hören die verdächtigen Töne beim Heranreifen der Entscheidung und lassen sich durch keine noch so geräuschvolle Zukunftsmusik aus London darüber täuschen. Churchill, der alte Wundertäter und Redekünstler, hat vor dem englischen Unterhaus noch einmal seine Ausicht von den Dingen dargetan, indem er seine eigenen Verdienste ins 121 7 Licht stellte und durch allerlei Prophezeiungen einen eifallssturm hervorrief. Was könnte es, so werden seine politisch gut geschulten Zuhörer sich selbst gesagt haben, auch nützen, ihn mit sichtbarer Unzufriedenheit fortzujagen oder seinen Glauben an glücklichen Sieg durch Zweifel an⸗ zufechten? In gerechter Weise gewägt, muß die letzte Leistung Churchills freilich als ein trostloses Aschenhäuschen von hoch⸗ tönenden Phrasen bezeichnet werden. Man urteile selbst: „Deutschland werde wahrscheinlich in dem zweiten oder dritten Kriegsjahr vollständiger geschlagen werden können, als wenn die Truppen der Verbündeten schon im ersten Jahr in Verlin eingezogen wären.“ Churchill freut sich also, daß die indischen Lanzenreiter bisher noch nicht in Berlin eingeritten sind, denn sonst könnten wir ja später nicht so gründlich unterliegen. Indessen denkt sich der brave Prophet diesen Sieg des Vierverbandes in einer eigentüm⸗ lichen Gestalt. Große Frontendurchbrüche brauchen die Fran⸗ zosen und Engländer danach nicht mehr zu leisten, ja, es wird überhaupt nicht nötig sein, die Deutschen aus Frankreich und elgien zu vertreiben, denn diese werden aus Mangel an daten von selbst zugrunde gehen.„Wir bilden die Roserve der Verbündeten“, so 16 17 Churchill hinzu, womit er wahrscheinlich zugeben will, daß die Herren Engländer bloß noch die glimmenden Funken auf den Schlachtfeldern auszutreten brauchen. Englische Ohren hören solche schmeich⸗ lerischen Töne gerne, und die Franzosen und Russen können sich etwas darauf diger tun, daß ihr bisheriger Opfersinn so 9 gelobt wird, der es zuwege gebracht hat, vorläufig aus Mangel an Schießmaterial nicht zu siegen, aber der englischen Reservekunst das Erforderliche vorzubehalten. „Da lehret man Euch“, so flüstert A E„daß was Ihr 25 auf einen Schlag getrieben, wie Essen und Trinken rei, eins, zwei, drei dazu nötig sei.“— Die Rede Churchills war wirklich ein Wunderwerk in der Kunst, an Strohhalmen emporzuklettern. Ob sie in e und Rußland Heiterkeit oder Wut hervorrufen wird? 5 Wie die Dinge im Osten heranreifen wird im Berner „Bund“ mit folgender Betrachtung dargelegt: Der serbische Feldzug rechnet jetzt, wie vorauszusehen war, mit einer Verlangsamung der Operationen, da das verschneite wilde Hochland, durch welches die Armee Mackensen den Ser⸗ ben in der Richtung Novipazar⸗Mitrowica folgt, sich als der beste Bundesgenosse des ausweichenden serbischen Heeres er⸗ weist. Die Verfolgung hat jetzt im Norden, und zwar von Westen nach Osten bestimmt, eine Linie überschritten, die durch die Orte Ivdanjica, Banja. Dupei, Vukan ja, Gresad bezeich- net wird. Der rechte Flügel Köveß nähert sich Novi Va ros, bon dem er noch durch einen hohen Gebirgsriegel trennt wird, dürfte aber Jabor von Ivanjica her 2 erreich haben. Die serbische Verteidigung stützt sich, durch die montene⸗ f 1 Sandschakarmee flankiert, hier auf die Linie Novi Varos⸗ Si.enjica⸗Novipazar. Im Ibartal drängen die Deutschen über Asce und Raska vor. Die querlaufende Josanlca, einen rechten Naebenfluß des Ibar, haben sie überschritten und in dem e astiv zt chen Ibar und Binacka Morawa die Paßhohen * 15 ührer der Entente⸗Truppen in Saloniki jedoch ld erreicht] T erreicht. Sind diese einmal forciert, wird der Abstieg in das Toy⸗ licatal rasch vonstatten gehen. i Die Bulgaren haben die füdliche Morawa auf der Linie Aleksinac⸗Leskovac überschritten und drängen die Serben in das Toplica⸗ und Jablonicatal. Gelingt es ihnen, sich von Leskovac westlich Bahn zu brechen, so geraten die von Kursumlje durch das Tal der Lab nach Mitrowica⸗Prisrina abziehenden serbischen Kolonnen in Gefahr, doppelseitig umfaßt zu werden. Die englisch⸗französische Front erhält immer noch paketweise Derssärkungen und sucht den rechten Flügel, auf dem die englische Divisten kämpft, nach Strumica vorzuschieben, mit dem linken über Krivolac⸗Gradslo in der Richtung auf Veles Raum zu ge⸗ 2 bleibt aber im großen ganzen in Stellungskämpsfe ver⸗ rickt. ** * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 16. Nov.(WTB. Nichtamilich.) Amtlich wird verlauthart: 16. November 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Der Nordabschnist der Hochfläche von Doberdo war auch gestern der Schauplatz hartnäckigsten Ringens. Um die Stellungen beidersests des Monte San Michele wird Tag und Nacht gekämpft. Am Nordhange dieses Berges drangen die Italiener wiederholt in unsere Linien ein. In den Abendstunden gelang es jedoch, den Feind fast völlig zu vertreiben. Auch die Nahkümpfe im Raume von San Mar⸗ tino dauern fort. Vor dem Görzer Brückenkopf wurde ein gegnerischer Angriff auf die Podgora⸗ Höhe abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. 8— 5 Garazda an der montenegrinischen Grenze Ge⸗ blänkel. e. Auf dem serbischen Schauplatz schreitet die Verfolgung überall vorwärts. Oesterreichisch un⸗ garische Truppen gewannen die Gegend von Uvac, die Ci⸗ gota⸗Planina und de Höhen von Ja vo r. Eine deutsche Kolonne des Generals von Koeveß nahm, beiderseits der von Kralievo nach Novi Pazar führenden Straße vorrückend, ÜUsze in Besitz. Die weiter östlich 3 öster⸗ reichisch⸗ungarischen Kräfte überschritten bei Babica die Straße Raska—Kursum ja und erstürmten die serbischen Verschanzungen auf dem Berg Lucak(östlich von Babieg), wobei die Besatzung(3 Offiziere, 110 Mann und ein Ma⸗ schinengewehr) in unsere Hand fiel. Deutsche und bulgarische Divisionen nähern sich von Nord und Ost dem Straßenknotenpunkt Kursumlja. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * 1* 0 Bulgarien und Griechenland. Wien, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Süd⸗ slawische Korrespondenz“ meldet aus Saloniki: Die bereits vor längerer Zeit von der griechischen und bulgarischen Heeresleitung beschlossene Errichtung Einer neu tralen Zone zwischen beiden Armeen längs der 11 samen 12 5 ist nunmehr nach der Durchführung aller Vor⸗ arbeiten in die Tat umgesetzt worden. Nachdem die Truppen schon seit geraumer. in gleicher Entfernung von der Grenze gehalten worden waren, um allem Zwischenfällen vorzubeugen, ist jetzt das Abkommen in aller Form unter⸗ zeichnet worden. Damit ist ein wichtiger Schritt zur Auf⸗ rechterhaltung der guten Beziehungen zwischen Bulgarien und Griechenland getan, den man hier mit sichtlicher Ge⸗ nugtuung begrüßt. Die Verteidigung Nustschuts. Sofia, 16. Nov.(WTB. Nicktamtlich.) Meldung der Agence Bulgare Nach dem Bombardement Warnas sah sich die bulga⸗ rische Regierung selbstperständ ich veranlaßt, die Möglichkeit eines Angriffes russischer Donaudampfer oder Flug⸗ zeuge auf Rustschuk in Erwägung zu ziehen. Im Hinblick auf diese Möglichkeit ersuchte die bulgarische Regierung die rumä⸗ nische Regierung, Maßnahmen zu ergreifen, um alle Unglücks⸗ fälle und andere unerwünschte Folgen hinanzuhalten, die sich aus einer Beschießung ergeben könnten, die aus Rustschuk im Falle eines Angriffes auf die russischen Augriffsmittel gerichtet würde. In der Tat würden in Anbetracht der Breibe des Donaustromes die Geschosse auf rumänisches Gebiet fallen, wo sie Unglüasfälle her⸗ vorrufen würden. Der bulgarische Bericht. Sofia, 16. Novbr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Kriegs⸗ bericht vom 13. Nopember. Nach dem Fall der Festung Nisch hatten die Serben sich auf das linke Moravaufer zurückgezogen und alle vorhandenen Brücken zerstört. Hier hat der Fluß eine Breite von 150 bis 200 Metern und eine Tiefe von 1 bis 2 Metern. Die Serben bemühten sich, gestützt auf befestigte Plätze, mit schwerer Artillerie versehen, durch mit bedeutenden Streitkräften ausgeführte erbitterte Gegenangriffe unsere Truppe darau zu hindern, den Fluß zu überschreiten. König Peter wohnt diesen Kämpfen bei. Im Laufe der letzten Tage brachen unsere ruppen den verzweifelten Widerstand der Serben und gin endgültig auf das linke Ufer des Flusses über. Heute rückten 5 Truppen in Prokublje ein. Sie erbeuteten dort sechs 12 Zenti⸗ meter⸗Mörser, 19 mit Artilleriegranaten beladene Karren und 1 1 machten 7000 Gefangene. Auf dem Bahnhof von Grajesz erbeuteten sie 150 Waggons. Das erste serbische Landwehrregi⸗ ment meuterte und tötete seinen Befehlshaber, 52 Ziel zu erreichen, für das die Menschheit jemals gekämpft e . Genc gage, dar sseg eiche Ufer Ge. bulgar hend m den Obersten Prebitschewitsch, einen hauptsächlichen An⸗ 1 des Komplotts zur Ermordung des Erzherzogs Franz Fer⸗ inand. Tas Regiment zerstreute sich dann in die umliegenden Dörfer. In der Nacht zum 13. November versuchten die Fran⸗ N unsere Stellungen am Wardarflusse anzugreifen. Unser ruppen machten einen kräftigen Gegenangriff und warfen si auf das rechte Ufer der Korassu zurück. Gleichzeitig erbeuteten zwei Maschinengewehre mit Bespannung und zwei Gebirgsgeschütze; sie nahmen 50 Mann gefangen, darunter 3 Offiziere. 2 Die Operationen entwickeln sich an der ganzen Front günstig für unsere Truppen. Bei Prokuple erbeuteten unsere Truppen 480 Kisten Artilleriemunition, 220 Kisten Infanteriemunition. 12 mit Kriegsmaterial beladene Karren und schen mi 16 Pontons. Unser Gegenangriff am westlichen Karaschuser 5 lich Veses endete damit, daß die 95 das östliche Ufer dirses Flusses zurückgeworfen wurden. Dort nahmen unsere Truppen in einem kräftigen Ansturm unter dem Gesang des Liedes„Schäume Mariza die mächtig be⸗ festigten Stellungen der Franzosen.. Aus Rumänien. Bukarest, 16. Novbr.(We. Nichtamtlich) Der Unterrichtsminister hat den Professor Athanasiu als Rektor der Universität Bukarest bestätigt. Athanasiu hatte bei der Wahl 44 Stimmen erhalten, während Jo nes⸗ cu 53 und Mischu Cantacuzene 51 Stimmen auf sich ver⸗ einigten. Es ist nicht das erste Mal, daß die Entscheidung des Unterrichtsministers nicht zugunsten desjenigen Kan⸗ didaten mit absoluter Stimmenmehrheit ausfällt. 1910 wurde Pan men auf sich vereinigt hatte. 1 1* Churchill über den Krieg. 5 London, 15. Nov.(Zens. Frkft.) Im Unter hause har Winston Churchill eine Rechtfertigungsrede gehalten. Er sagte, er habe keinen Grund, die Tatsachen zu veröffentlichen, die im Zusammenhang mit der Seeschlacht bei Coronel stehen und be⸗ züglich des Verlustes der drei Schiffe in der Nordsee, der Expedition nach Antwerpen und den Operationen an den Dardanellen. * Bei letzterem Gegenstand verweilte er einige Zeit und legte dar, daß der Plan mit Sorgfalt erwogen und durch die Sachverständigen von französischer sowie englischer Seite untersucht worden sei, und daß Lord Fisher den Plan gebilligt habe. Hinsichtlich der Zukunft sagte Churchill: Wenn der Feldzug von 1915 gänzlich! durch den Mangel an Munition beherrscht gewesen sei, so müsse der Feldzug von 1916 gewonnen werden, da in Deutschland Mangel an 1 lichem Beifall durch Ministerpräsidenten Asquith mit, daß er die militäxische Lauf wieder betreten werde. 5 „Es ist nicht nötig,“ so sagte er weiter,„daß wir, um den Krieg zu 1 1 5 die Deutschen aus den gesamten besetzten Gebieten, in denen sie sich jetzt befinden, vertreiben. Auch haben wir nicht nötig, eine Bresche in die n deutschen Linien sich noch stets weit über die Grenzen ausdehnen, wird Deutschland vielleicht endgültiger im zweiten oder dritten Jahre geschlagen werden können, als wenn die vereinigten Heere im er Jahre in Berlin eingezogen wären.“ Die ein für alle Mal befestigte Herrschaft Englanbs zur See und die rasche und unerhörte nichtung deutscher Männer seien Faktoren, auf die sich England mit Vertrauen verlassen könne. Während Deutschland urückginge, werde England sowohl relativ als praktisch eine stets siärkere Macht, und dies habe England dem Opfermute des fran⸗ zösischen und russischen Volkes zu danken, die die Schläge bisher für England aufgefangen hätten. England sei die Reservemacht für die Aufgaben der Verbündeten und die Zeit sei nun gekommen, die Reserven mit aller Macht in die Wagschale zu wersen.(Beifall.) Der Kampf müsse nun durch Deutschlands Mangel an Männern entschieden werden. 5 Es sei wohl hart für 5 7 zu sehen, wie eine Regierung, wie die bulgarische, insolge nicht zu kontrollierenter Um⸗ stände überredet werden konnte, daß der Sieg schließsich den Zentralmächten zufallen werde.„Einige kleinere Staaten werden hypnotisiert durch das Auftreten und durch die Macht und Ge⸗ nauigkeit des deutschen Militarismus. Sie sehen nur die Gescheh⸗ nisse, aber sie sehen nicht oder begreifen nicht die Frast der alten mächtigen Nation, gegen die Deutschland nun Krieg führt, eine Nation, die jedes Mißgeschick ertragen, Enttäuschungen und Fehler ausmerzen, ihre Krast erneuern und mit unbeschränkter Hart⸗ näckigleit und Opfersähigkeit alles ins Werk sezen kann, um das ranzosen vollkommen auf ais bestätigt, obgleich er nur 40 von 81 Stimn⸗ ännern eintrete. Churchill teilte darauf unter herz⸗ 9 tschen Reihen zu schlagen. Da dig Ein englisches Lob der deutschen Flieger. bFVondon, 16. Nov. berichtet aus dem britischen Hauptquartier: Die Deutschen haben sich als sehr tapfere Flieger erwiesen und werden von unseren Leuten gerühmt. Die deutschen Flieger bewiesen nach allgemeinem Urteil unserer Offiziere Sportsgeist. Zwischen den feindlichen Fliegerkorps besteht ein ritterlicher Geist, der sonst leider durch das schlechte Verhalten anderer Waffengattungen der deutschen Armee ausgetilgt wurde. Wenn ein 50 een einer Armee niedergezwungen worden ist, so meldet der Gegner sofort, was aus den Insassen wurde. Ein deutsches Flugzeug über Dünkirchen. Berlin, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Ein deutsches Flugzeug warf Bomben auf die Vorstadt Dünkir⸗ che n. Einige Zivilpersonen wurden getötet. Euglische Humanität. Berlin 16. Nov.(WTB Nichtamtlich.) Die„Nordd. Allg. Zeitung“ schreibt unter dem Titel„Englische Humanität“: Der Vorsitzende des deutschen Roten Kreuzes hat von der Leitung des amerikanischen Roten Kreuzes ein Schreiben er⸗ halten, in dem das amerikanische Rote Kreuz bedauert, zum Zwecke der Liebestätigkeit Gegenstände nach Deutschland deswegen nicht schicken zu können, weil die englische Regierung die Erlaubnis zur Verschiffung verweigerte. In dem Schreiben heißt es:„Was ng gewisser Nährstoffe für Kranke anlangt, um die Sie in Ihrem Briefe vom 24. August baten, und die wir sehr gern besor⸗ gen würden, muß ich Ihnen leider mitteilen, daß die englische Re⸗ gierung sich weigert, die nötige Verschiffungserlaubnis zu geben. Schiffe, womit wir Nährstoffe verschicken, verweigern die Mit⸗ nahme, wenn nicht ein Erlaubnisschein von der englischen Botschaft vorliegt. Wir sind daher außerstande, Ihrem Wunsche zu ent⸗ sprechen, so gern wir es täten. Denn ohne Erlaubnisschein nehmen die Schiffe Nährstoffe nicht an, weil sie fürchten, angehalten zu werden. Wir versuchten, mit dem letzten Schiff dem deutschen Roten Kreuz eine Anzahl Gummiwaren zu senden, aber auch hier ver⸗ weigerte die britische Regierung den Erlaubnisschein, so daß das Schiff die Sachen nich! mitnehmen wollte. Wir versuchen jetzt, von der britischen Regierung eine direkte Antwort wegen der Be⸗ Handlung solcher Sendungen zu bekommen. Erlaubt die englische Regierung nicht, solche Sachen für die deutschen Hospitäler zu verschiffen, so werden wir sie auch keinem anderen Lande senden. Denn das amerikanische Rote Kreuz vertrat immer den Stand⸗ kunkt, daß es Dinge, die es nicht an alle Länder schicken kann, auch nicht an ein einzelnes Land abgibt. Aus diesem Grunde fürchten wir, daß es nicht möglich sein wird, Automobilreifen für Kranken⸗ wagen oder andere Gummisachen zu schicken. Wir bedauern dies sehr; denn wir würden es sehr gern tun.“ 1 Das Schreiben zeigt, daß England in seiner Absperrungs⸗ manie gegen Deutschland anfängt, kleinlich zu werden, sodaß es nicht steht, daß derartige Maßregeln kein gutes Zeichen für die Ge⸗ sinnung sind, die sie diktiert. Dies Verfahren steht auf einem Brett mit dem Transport von Kriegsmaterial unter dem Deck⸗ mantel von„soft soap“ durch f Lazarettschiffe, wofür hier beeidete Zeugnisse vorliegen. Humanitätsreklame läßt sich mit solchem Verfahren schlecht machen. * * Frankreichs Kriegsausgaben. Paris, 16. Novbr.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet: Der Generalberichterstatter für den Haushaltsaus⸗ schuß Perret hat der Kammer über die Ergänzungs⸗ kredite für 1914, soweit sie für Kriegszwecke bewilligt wor⸗ den sind, Bericht erstattet. Die Kredite betragen 122613 688 Francs. Der Haushaltsausschuß bedauert, wie aus dem Bericht hervorgeht, daß die Erklärungen, die gegeben wor⸗ den sind, als die Kredite gefordert wurden, unzureichend gewesen seien. Er fordert, daß besonders bei der Entschädi⸗ weng der Intendanturbeamten Ersparnisse vorgenommen en. Bei den Krediten für die militärischen Ausgaben für Marokko hat der Ausschuß 1090 000 Francs gestrichen. Die„Nordd. Allg. Ztg“ über die Eröffnung der Warschauer Universität. 5 Berlin, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Nordd. Allg. Zeitung“ schreibt zur Eröffnung der Warschauer Univ ersi⸗ tät: Mitten im Kriegsgetümmel verwirklicht die deutsche Regie⸗ rung den alten Wunsch Kongreßpolens nach einer Universität, in ber in polnischer Sprache gelehrt wird. Unter russischer Herrschaft bestand in Varschau eine sich Universität nennende Anstalt nach russischem Muster mit uniformierten Studenten, die nach dem Gut⸗ bDiünken der Behörden, unter Beschränkung der Konfessionen und un⸗ ter Bevorzugung des griechisch⸗katholischen Elements in dem katho⸗ Uschen Lande ausgewühlt wurden Von Freiheit und Wissenschaft war auf dieser Anstalt leine Rede. Professoren polnischer Nationalität * (WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ d kamen nur vereinzelt vor; ech russische Leute besetzten die Lehr⸗ stühle. Die Vortragssprache war russisch. Die sogenann⸗ ten Studenten waren streng kontrolliert und durften untereinander ö nur russisch sprechen. In ihren Wohnungen waren sie ständig Haussuchungen unterworfen Der geringste Verdacht, politisch miß⸗ liebig zu sein, brachte die Verbannung nach Sibirien oder Haft in der Zitadelle von Warschau mit sich— Die neue Universität hat die polnische Lehrsprache. Sie erfreut sich der Hochschul⸗ freiheit nach deutschem Muster. Die Lehrer sind Koryphäen der polnischen Wissenschaft. Für die Hörer gibt es keine Aufnahmebe⸗ schränkung nach Glauben und Abstammung. Die Eröffnung der Univerfilät mitten im Kriege ist eine Kulturtat, der unsere Feinde nichts an die Seite zu stellen haben. Der Schah von Persien verläßt Teheran. Petersburg, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Mel⸗ dung der Petersburger Telegraphenagentur. Der Minister⸗ präsident hat dem Befehlshaber einer Kosakenbrigade erklärt, daß der Schah die Stadt in Begleitung der Mi⸗ nister verlasse. Teheran bleibt unter dem Schutz der Kofakenbrigade. Die Polizei und die Gendarmerie bereiten sich zur Abreise vor. der wechsel im hessischen Finanzministerium. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Die amtliche Bekanntgabe in der Darmstädter Zeitung, daß der Großherzog Finanzminister Dr. Braun auf sein Ansuchen unter dankbarer Anerkennung seiner langjährigen treuen und aus⸗ gezeichneten Dienste mit Wirkung vom 1. Januar 1916 ab in den Ruhestand versetzt und Staatsrat Dr. Becker zum Prisidenten des Ministeriums der Finanzen berufen habe, wird gewiß in weilen Kreisen des Landes nicht geringe lleberraschung hervorgerufen haben. Es war zwar längst ein offenes Geheimnis, daß Minister Braun seit seiner schweren Nervenerkrankung vor etwa vier Jahren in seinem körperlichen Befinden 15 gelitten habe, aber er hatte doch mit Anspannung aller Kräfte das besonders in der jetzigen Kriegszeit so schwierige und verantwortungsvolle Amt kraftvoll und vorbildlich weiter geführt und auch dem Verlangen der beiden Ständekammern auf Vorlegung eines möglichst genauen Staats⸗ voranschlags für 1916 Rechnung zu bragen versprochen. Man nahm daher auch in parlamentarischen Kreisen an, daß das Ministerium während des Krieges keine Veränderung erfahren würde. Wenn diese nun doch erfolgt, so können dafür ohne Frage nur Gesund⸗ heitsrücksichten maßgebend gewesen sein, da irgend welche Unstimmigkeiten im Schoße des Ministeriums nicht vor⸗ handen waren. Es bietet sich zudem gerade jetzt durch den Rücktritt des siebzigjährigen Präsidenten der Abrechnungskammer eine selten wiederkehrende Gelegenheit, dem Scheidenden eine ruhigere Tätigkeit zuzuführen, was ohnedies auch den finanziellen Vorteil hat, daß eine Ministerpension erspart wird. Minister Braun hat 7 5 Jugend in Darmstadt verlebt, und unter der Obhut seines nkels, Oberbürgermeister Ohly, die eigentlichen Grund agen für seine Lebensbahn erhalten. Er trat im Alter von 29 Jahren als Amtmann in Lauterbach(Oberhessen) in den Staatsdienst ein und wurde 1889 als Regierungsrat nach Mainz berufen. Dort hatte er reiche Gelegenheit, sich mit dem Gemeindeverwaltungsdienst gründlich vertraut zu machen und die sozialpolitische Gesetzgebung in der Praxis kennen zu lernen. Er erwies sich bald als ein ganz 0 veranlagter Beamter und erweckte auch bald die ufmerksamkeit der vorgesetzten Behörde, was zur Folge hatte, daß er im Jahre 1896 zum Oberfinanzrat befördert und in das Finanzministerium berufen wurde. Aber die mehr einförmige Bureautätigkeit schien dem energisch vorwärts Strebenden nicht zu behagen und zwei Jahre darauf(1898 sehen wir ihn als Kreisrat wieder in Lauterbach; doch nur für kurze Zeit, denn schon im Juli 1898 wurde er zum Ministerialrat im Ministerium des Innern be⸗ rufen und ihm die landwirtschaftliche Abteilung übertragen. Für diesen Verwaltungszweig hatte er schon von frühester Jugend eine be⸗ sondere Vorliebe gezeigt, und so ging er denn auch mit voller Be⸗ geisterung ans Werf Er entwickelte dabei eine solche Arbeitskraft . Befähigung, daß ihm im Jahre 190) bei der Etrichtung der Abte lung III im Mini erium des Innern(Landei tschaft, Han⸗ bel und Industrie) sosort die Oberleitung übertragen wurde, in der sich sechs Jahre hindurch seine hervorragende Kraft aufs glän⸗ zendste bewährt hat. Schon in jungen Jahren hatte er sich aus⸗ gezeichnet, indem er als vortragender Rat im Finanzministerium die Administration der fürstlich Birsteinschen Verwaltung übernahm und den Ankauf der großen Waldungen im Kreise Offenbach in die Wege leitete. So glänzend mit Geistes gaben ausgestattet, wurde er beim Ableben des Staatsministers Rothe, der zugleich das Ressort des Innern führte, 1906 zum Minister des Innern beru⸗ fen, während Reichsgerichtsrat Dr. Ewald das Amt des Staats⸗ nrinisters und des Ministers der Justiz übernahm. Auch auf diesem Posten bewährte sich Ernst Braun aufs glänzendste und seine große Sachkenntnis und Geschicklichkeit, wie seine Bered⸗ samkeit und volkstümliche Veranlagung sicherten ihm auch leicht das volle Vertrauen in der Volksvertretung. Als ihm dann im ahre 1910 beim Rücktritt des Finanzministers Gnauth das inisterium der Finanzen übertragen wurde, schied er nur mit schwerem Herzen und widerstrebend aus er ihm so lieb gewordenen Tätigkeit Wurde er doch nun auh vor eine ebenso schvir g; und verantwortungsvolle neue Aufgabe g. c aber auch hier zeigte er sich voll gewachsen Es gelang ihm, in verständnisvollem Zu⸗ sammenwirken mit beiden Kammern der Stände das drohende Ge⸗ spenst der Steuererhöhung wenigstens zum Teil zu verscheuchen und die hessischen Finanzen wieder in geordnete Verhältnisse zu bringen, nach dem Fünf⸗Millionen⸗Defizit dank der günstigen Ent⸗ wickelung der preußisch⸗hessischen Eisenbahngemeinschaft Reserve⸗ fonds von über acht Millionen anzusammeln und daneben auch die so 7 vergeblich ersehnte Besoldungsresorm für die Beamten und die Lehrerschaft und die geordnete Sclelldentilgung durchzu⸗ führen, Dabei hat er auch für die soziale, staatliche Fürsorge eine offene Hand gezeigt und manche Efuxichtung geschaffen, die bisweilen 3. B. auf dem Gebiet der Denkmalspflege, fast über den Rahmen eines kleineren Staatswesens hinausging. 5 Hatte sich Minister Braun auch gelegentlich seiner Mainzer Tätigkeit einmal als nationalliberater Reichs agskandidat auf⸗ stellen lassen, so war er doch in politischer Hinsicht durchaus kein ausgesprochener Parte mann, sondern verstand es, sich in der Kammer mit allen Parteien gut zu stellen. Als sein Haupt⸗ verdienst kann die glücklich gelungene Regelung der hes ichen Finanzen angesprochen werden. Nur dadurch it unser Hessenland in der gün igen Lage gewesen, beim Ausbruch und während der langen Dauer des tkrieges eine sichere finanzielle Position einzunehmen und den enormen staatlichen Anforderungen des Krieges in jeder Weise gerecht zu werden, den Staatskredit im vollen Maße aufrecht zu erhalten. Der neue Finanzminister, zunächst Präsident des Mi⸗ nisteriums der Finanzen, Herr Dr. Johannes Becker, erscheint in jeder Hinsicht berufen, das Land mit froher Hoffnung und Vertrauen zu erfüllen. Er ist vom Finanzminister Gnauth erkannt und berufen worden und war schon in einem Alter(33 Jahre) Ministerialrat, in dem man sonst einen so verantwortungsvollen en niemand anzuvertrauen pflegt. Als geborener Rheinhesse hatte der in seiner vollen Tatkraft Stehende(er ist am 3. Februar 189 geboren) sich nicht auf das Fach udium an der he sischen oder benachbarten Universitäten beschränkt, sondern Blick und Kenntnisse auch in Berlin, Leipzig und München zu erweitern sich bestrebt. Hatte er sich 977 5 im wesentlichen den An⸗ schaun gen seines früheren Chefs, Mini der Gnauth, angeschlossen, so weiß man doch, daß er stets auch seine eigene, auf genauestem prüfenden Studium begründete Anschauung be⸗ wahrte und gegebenen Falles verteidigte. Er hat die Entwürfe zu dem großen Werk der ersten hessischen Gemeindesteuerreform vom Jahre 1904/05 bearbestet und sie auch mit Zähigkeit und Scharfsinn in der Ersten Kammer verteidigt, trotzdem ihm klar sein mußte, daß er mit den von ihm vertretenen Auschauungen nicht durchdringen würde. Dr. Becker wurde 4 diese Schlappe aber nicht entmutigt, sondern arbeitete als kluger Kopf und verständnis⸗ voller Finanzpolitiker unermüdlich weiter, indem er auch dem Gegner gerecht zu werden sich bemühte. Und indem er so sich mit den Wünschen und Bedürfnissen aller e e ee gemacht und die Grundlagen dafür in neuer rastloser Arbki chaf⸗ sen hatte, gelang es ihm, auch mit der Ersten Kammer einen Kom⸗ promiß zu schließen und die Gemeindesteuerreform zu einem glück⸗ lichen Abschluß zu bringen. Ihm ist vor allem die gerechtere Aus⸗ gestaltung der hessischen Besteuerungsverhältnisse zu berdanten, er hat sich aber auch in seiner Eigenschaft als langjähriger Leiter des direkten Steuerwesens die größten Verdienste erworben. Präsident Dr. Becker war schon vor fünf Jahren beim Rück⸗ tritt Gnauths allgemein als der„kommende Mann“ bezeichnet norden und gilt seit längerer Zeit als der eigentliche Spiritus rector des Finanzministeriums. Er ist ein Mann von gründlichem Wissen und ein Meister in der parlamentarischen Debatte, der furchtlos und mit klaren Gründen den Kampf um die Ueberzeugung seiner Sache aufnimmt. Wie man zu ihm das Vertrauen haben darf, daß der jetzige gesunde Kurs eine zielbewußte Fortführun, erfahren wird, so kann man auch zu ihm die Erwartung hegen, da er nach seiner bisherigen Laufbahn und den oft bewiesenen Fähi keiten als Steuerpolitiker auch der rechte Mann, der„essig Helferich“, sein wird, die enormen Aufgaben zu lösen, die durch die Neugestaltung unserer ganzen politischen und wirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse nach dem Weltkriege auch für unser Hessenland sich ergeben werden! 5 che. Aus dem Rei Berlin, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Der„Reichs⸗ anzeiger“ veröfsentlicht die Bestimmungen über die But⸗ tereinfuhr aus dem Auslande und die Bekannt⸗ machung wegen Aenderung der Ausführungsbestimmungen ur 1 betreffend Ein⸗ und Durchfuhr von rzeugnissen feindlicher Länder vom 12. Februar 1915. Königsberg, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir hören, wird die Ostbank für Handel und Ge⸗ eee Brabant und hessen. VI. Heute ist das ehemalige Herzogtum Brabant mit Ausnahme des zu Holland geschlagenen nördlichen Teiles in deutscher Hand. Die Frage der hessischen Ansprüche ist wieder auf⸗ getaucht. Hat sie heute für uns eine mehr als rein historische Be⸗ deutung? Bevor wir darauf antworten, gilt es, die Vorfrage zu erledigen, ob diese Ansprüche überhaupt zu Recht bestanden haben oder noch bestehen. 5. 5 15 In der 1 55 Literatur ist sie unbedingt bejaht worden. Die vielen Schriften, die darüber im 18. und 19. Jahrhundert geschrieben worden sind, haben ein umfangreiches Beweismaterkal zusammengetragen. Kein Geringerer als Leibniz hat sein Wort . ö 55 Feder der Verteidigung des Erbrechts seines Landesherrn, des Landgrafen von Hessen⸗Kassel, geliehen. Der letzte von allen, die sich vor dem Wiederauftauchen der Frage in neuester Zeit mit der Rechtsfrage befaßt haben, ein hervor⸗ 1 ragender Kasseler Jurist, ist zu dem„Ergebnis des heute noch durchaus begründeten Rechts des Hauses Hessen an Brabant gekommen“. Etwa gleichzeitig mit ihm hat ein belgischer Ge⸗ ehrter, Baron von Reiffenberg, Mitglied der Königlichen Akademie zu Brüssel, in einer vorzüglichen Abhandlung das Für und Wider klar und ausschlaggebend erörtert, um zu dem Schlusse zu kommen:„Kein Anspruch war besser begründet, als der des . 5 Hessen auf Brabant, aber keiner wurde schwächlicher er⸗ hoben, mehr mißachtet und mehr übersehen. darüber wundern? Es fehlte ihm der Rückhalt der Macht“ Tnetsch und v. Pfister lassen sich auf die rechtliche Seite nicht näher ein, gehen aber doch wohl von der Unanfechtbarkeit und Unverjährbarkeit der hessischen Ansprüche aus. Nachdem die Frage, ob die von Landgraf Heinrich I., dem Kinde, von Brabant begrün⸗ dete Nebenlinie des brabantischen Herzogshauses nach dem Tode Herzog Johanns III. erbberechtigt war oder nicht, in der hes⸗ sischen handschriftlichen und gedruckten Literatur mit soviel Auf⸗ wand an Gelehrsamkeit und Scharfsinn bejaht worden war, mochte es 1 7 überflüssig erscheinen, sie noch einmal aufzurollen. 5 ist hier nicht der Ort, weitläufige Ergänzungen nach der rechtlichen und rechtsgeschichtlichen Seite zu ihren Darstellungen 15 geben. 3 darf hingewiesen werden einmal darauf, ß die von Knetsch aufgeführten Schriften mit drei einzigen Aus⸗ nahmen Parteischriften waren, dann aber auch 1 daß sich 5 te unsere Anschauungen über das deutsche Fürstenrecht im Mittelalter seit der Zeit der Kopp und Genossen in mehr als einer Hinsicht gewandelt unb vertieft haben, endlich aber auch darauf, daß wir heute über ein viel ausgedehnteres Vergleichsmateriak verfügen als jene Wenn sich heute ein Rechtshistorlker ent⸗ schlösse, die rechtliche Seite der hessischen Erbansprücle nach neu⸗ zeitlichen Begriffen zu untersuchen, so würde er voraussichtlich in für die hessischen Ansprüche in die Wagschale geworfen. Der bedeutend 5 Rechtshistoriker des 18. Jahrhunderts, Johann Adam Kopp, hat Muß man sich f. So fehlt den älteren Darstellungen, um hier nur einiges herauszuheben, die in Fragen des mittelalterlichen fürstlichen Erb⸗ rechts notwendige scharfe Scheidung des Erbes nach lehns⸗ und landrechtlichen Gesichtspunkten. Der Nachlaß Herzog Johanns III. war nicht einheitlich, er setzte sich zusammen aus Lehn⸗ und Eigen⸗ ütern. Unter Lehen waren wieder die Reichslehen die wichtigsten. Vom Reiche zu Lehen rührten, abgesehen von einigen wenigen, minder bedeutsamen Stücken, das Herzogsamt in Brabant, das Herzogsamt in Limburg, und das Markgrafenamt in Antwerpen. Diese Fahnenlehen vererbten sich nach dem Reichslehenrecht. Der Familienbesitz bestand aus den schier unermeßlichen Do⸗ mänen, den an den meist landsässigen Adel verliehenen Lehens⸗ gütern und den reichen Hausklöstern. Unmittelbare Herrschaften, gab es in den Grenzen der Herzogtümer und des Markagrafentums nur so wenige und so wenig bedeutende, daß Herzog Johann III. berechtigt war, Brabant als sein Allod und das ganze von ihm beherrschte Gebiet als Erbe und Eigentum seines Hauses zu be⸗ zeichnen. Die Vererbung dieses Familienguts unterlag den Bestimmungen des Landrechts. Im allgemeinen erkannte das Reichslehensrecht bis ins 15. Jahrhundert einen Anspruch der Seitenverwandten eines ohne männlichen Nachkommen gestorbenen Lehnsträgers auf dessen Reichslehen nicht an. Die Lehen galten dann ve mehr als heim⸗ gefallen. Daneben war die Regelung der Erbfolge zugunsten von Töchtern, das beweisen Dutzende von Beispielen, durchaus nicht selten. Die Frage, ob die bisher noch unwidersprochene Auf⸗ fassung, nicht Herzogin Johanna und ihr Gatte Herzog Wenzel, sondern Landgraf Heinrich der Eiserne hätten in den Reichs⸗ lehen Johanns III. folgen müssen, richtig ist oder nicht, bedarf deshalb einer erneuten sorgfältigen Prüfung. Eng damit hängt zusammen die Auslegung des vielbesprochenen Privilegs von 1204, in dem König Philipp dem Großvater Landgraf Heineichs des Kinds, Herzog Heinrich I., gestattet, seine Lehen,„wenn es ihm au einem männlichen Erben mangele“, auf seine Töchter zu ver⸗ erben. Versteht dieses Privileg, das zuletzt 1349 von Kaiser Karl IV. für Herzog Johann III. erneuert wurde, unter diesem männlichen Erben“ ausschließlich den damals noch einzigen Sohn Herzog Heinrichs I., Heinrich II., den Vater Lakdgraf Heinrichs J., dann wäre die Nachfolge Johannas in die Fahnenlehen Johanns III. rechtmäßig und der von den Späteren behauptete Anspruch der hessischen Landgrafen von vornherein nichtig gewesen. In der Nachbarschaft Brabants war die Weiberfolge in Reichs⸗ lehen nichts Ungewöhnliches. Das beweist u. a. die Geschichte der Grafen von Luxemburg, Namur, Geldern und Holland. Da⸗ neben fehlt es freilich auch nicht an Beispielen von ungesetzlichen Erbfolgen. E⸗ sei hier nur auf zwei Fälle aus der brabantischen Geschichte verwiesen. Richilde, die Witwe des letzten Grafen von Sennegau aus dem Hause Giselberts von Maasgau, hat zum Schaden der Agnaten, der Grafen von Löwen, den Hennegau ihrem zweiten tten, mehr als einer Hinsicht zu neuen Ergebnissen kommen. * 1 Andererseits hat sich Herzog Johann J. von Brabant etwa 200 einem Grafen von Flandern, zugewandt. D 7VV(ãã dd Jahre später das Herzogtum Limburg unter Bei 0 0 e seiteschieben der limburgischen Agnaten widerrechtlich angeeignet.* 5 5 Das Unrecht bestand in beiden Fällen weniger darin, daß die Reichslehen Hennegau und Limburg, die beide Male dem Reiche heimgefallen waren und vom Kaiser frei verliehen werden konnten, in fremde Hände übergingen, als darin, daß zugleich die Agnaten von der Erbfolge in die Familiengüter aus⸗ eschlossen wurden. Genau so lag anscheinend der Fall Brabant⸗ e Weniger in der Verweigerung des Reichslehens, das sie rechtlich wohl kaum beanspruchen konnten, sondern in dem Vor⸗ enthalten des Familienguts bestand das Unrecht, das der hessi⸗ sche Zweig der Brabanter durch den Uebergang von beiden auf Johanna und Wenzel erlitt. Tie Ansprüche auf das Familiengut, d. h. nach Lage der Dinge den wichtigsten und wertvollsten Teil der Erbmaßse, war den Agnaten durch das in Brabant geltende Landrecht gewährleistet. Denn hier herrschten, daran ist wohl nicht zu zweifeln, im Gegen⸗ satz zu andern Teilen Deutschlands, wo es sich erst 1 9 5 durchsehte, damals 1851 das. agnatische Prinzip,„kraft dessen der entfernteste Agnat den rzug hat vor den Töchtern und Nachkommen“. Johann III. hat selbst einmal in feierlichster Form erklärt, daß in Brabant den Töchtern, solange noch männ⸗ liche Erben lebten, kein Erbrecht zustände. Mit diesem Prinzip hat sich Herzog Johann III. selbst, als er seine Erblande unter seine Töchter verteilte, ebenso in Widerspruch gesetzt, wie Kaiser Karl IV., der berufene Hüter des Rechts, als er 1354 diese Teilung bestätigte. Der Einwand, daß der Verzicht Landgraf Heinrichs des Kinds vom 25. November 1279, in dem er 90155 seinen Nefsei Herzog Johann J. allen Ansprüchen auf die Eigen⸗ und Erog eiter des Hauses Brabant entsagte, auch für den Erbfall des Jihres 1355 Geltung gehabt hätte, ist von hessischer Seite ausreichend wider⸗ legt worden Ebensowenig dürfte ein zwester Einwand, der gegen die Erbfähigkeit der hessischen Nebenlinie erhozden werden könnte, stichhaltig sein der nämlich, daß die Landgzasen als Abkömm inge der zweiten Ehe Herzog Heinrichs II. auf Grund des sogenann ten Verfangenschaftsrechts von dem Familiengut ausgeschlossen gewe en wären. Schon die Tatfache, daß Landgraf Heinrich l. 1279 fhrmllich auf die Allode in Brabant vorzichtet, spricht dafür, daß seine Nach⸗ kommen in Brabant erbfähig und erbberechtigt wären. Die Frage, ob die Rechte des Hauses Hessen, mögen sie immer⸗ hin nur beschränkt gewesen sein, unverjährbar waren, ob sie mithin auch heute noch und für alle Zeit bestehen, bedarf einer besonderen Erörterung. 4 m. werbe, Posen⸗Königsberg i. Pr, in nächster Zeit eine Zweigniederlassung in Kowno eröffnen. Sie hat auch die Errichtung einer Zweigniederlassung in Wilna in Aussicht genommen. Die vorbereitenden Schritte sind bereits eingeleitet. Aus Stadt und Cand. Gießen, 17. November 1915. N Das Mold heraus! Geh. Finanzrat Bastian⸗Darmstadt bittet uns um Aufnahme folgender Auslassung: Wer Goldmünzen zurückhält, Feen sich, ohne e de wollen oder zu wissen, am Vaterland, das des Goldes edarf: um die Volkswirtschaft gesund, unser Geldwesen leistungsfähig zu erhalten, um gerüstet zu sein für die . Anforderungen von Handel und Industrie in der iedenszeit, um unseren Bundesgenossen die Wirtschafts⸗ führung erleichtern und um solche Dinge im Ausland be⸗ schaffen zu können, die wir sonst überhaupt nicht oder nur teuer bekommen. Jedes Goldstückisteine wirksame Waffe im Wirtschaftskrieg. Nur Einsicht wird verlangt, nicht auch ein Opfer, denn: Für den landsverkehr hat die Banknote in jedem Falle den gleichen Wert wie das Gold⸗ stück. An Belehrungen in der Presse hat es nicht gefehlt. Auch haben Vaterlandsfreunde sich eifrig und erfolgreich in den Dienst der Werbetätigkeit gestellt, um 9 münd⸗ lichen Einfluß Verständnis zu wecken. Aber noch verspricht jede Werbearbeit großen Erfolg. Nur sollte man sie e osganisferen, indem man allerorts Werbevereine gründet, damit planmäßig an allen Orten die Goldschätze gehoben werden können. Der große Zweck mag die neue Vereinsgründung ausnahmsweise rechtfertigen. Die verdienstliche Aufgabe der Mitglieder wäre es, nach vereinbartem Arbeitsplan in persönlicher Dienstleistung Haus für Haus, Familie für Familie mit Werbeblättern zu versehen, diesen aber münd⸗ lich Nachdruck zu geben und sich zum Goldumtausch alsbald bereit zu erklären. Es gilt eine nochmalige Auskehr zu ver⸗ anstalten und auch die Nhten der Säumigen zu finden. Bare Vergünstigungen zu gewähren, ist untunlich. Der Gold⸗ umtausch muß für den Besitzer ein freiwilliger sein, über⸗ strahlt von dem Glanze vaterländischen Gemeinsinns. Zu wissen, daß man zum wirtschaftlichen Siege und damit um Enderfolg im blutigen Ringen beitragen konnte, ist 9 senug, und wer der Allgemeinheit hilft, nützt ja doch auch sich. Der Erfolg des einen Vereinsmitgliedes aber wird auf den Eifer des anderen wirken, und für die Werbe⸗ tätigkeit wird ein fester Träger geschaffen. Darin sehe ich den Wert des Zusammenschlusses, der ganz formlos sein kann. Landes⸗ und Provinz⸗Zentralen mögen für die ge⸗ 5 Beschaffung der Werbeblätter sorgen, an den örtli daß 515 Netz der Ortsvereine ein lückenloses werde in allen deutschen Landen. Auch in den kleinsten Orten muß 1 J Verein erstehen, von kurzem aber kräftigem Leben erfülktl Amtliche Personalnachricht. Der Großherzog hat am 13. November ds. Is. dem Pfarrer Ferdinand Heß zu Michelstadi die evangelische Pfarrstelle an der Kaplaneigemeide zu Darmstadt übertragen. * Von der Landesuniversität. Wie schon mit⸗ geteilt, ist der Andrang 1 den an der Universität eingerich⸗ teten türkischen 5 ursen außerordentlich stark. Man beabsichtigt daher die Anstellung eines Lektors für tür⸗ kische Sprache. Diesbezügliche Schritte beim Ministe⸗ rium sind bereits unternommen worden.— Der außer⸗ ordentliche Professor der Theologie Dr. Bousset in Göt⸗ tingen hat einen Ruf nach Gießen als ordentlicher Professor der neutestamentlichen Wissenschaft erhalten. Er ist als Nachfolger Prof. Dr. Baldenspergers ausersehen. * Zum diesjährigen Versand der Weih⸗ nachtsliebesgaben. Die Zentral⸗Kriegsfür⸗ sorge in Frankfurt a. M. teilt mit: In einer grundlegen⸗ den Verfügung des Kriegsministeriums und in einem Auf⸗ ruf, der vom Hessischen Landesverein vom Roten Kreuz Darmstadt, dem irkskomitee vom Roten Kreuz Wies⸗ baden, den ellen Jund II und der Zentral⸗Kriegs⸗ . in Frankfurt a. M. veröffentlicht wurde, ist zum usdruck gebracht, daß die Weihnachtsliebesgabensendungen dieses Jahres für alle im Bezirk des 18. Armeekorps be⸗ heimateten Truppen einheitlich geregelt werden sollen. Es sind zu diesem Zwecke Kistenpackungen für je 100 Mann vorgesehen, die alle zurzeit von den Truppen im Felde endung Gegenstände enthalten. Um die Weihnachts⸗ endung nach diesen. erfolgreich ausgestalten du können, ist es erforderlich, daß alle ondersammlungen urch Vereine, Zeitungen, Ersatztruppenteile, Schulen usw. der mit den Arbeiten beauftragten„Z3entral⸗Kriegs⸗ fürsorge“ in Frankfurt a. M., Theaterplatz 14,— für das Großherzogtum Hessen durch Vermittlung des Hessi⸗ schen Landesvereins vom Roten Kreuz Darmstadt— zu⸗ fließen. Zur Bereicherung des Liebesgaben⸗Versandes ist also die Errichtung derartiger Sammlungen nach vor⸗ heriger Anmeldung beim stellvertretenden Generalkom⸗ mando in Frankfurt a. M. erwünscht, und zwar käme be⸗ sonders die Zuwendung von Geldspenden in Frage, deren Ertrag im Sinne der Spender innerhalb der 85 0. amten ihnachts abensendung Verwendung findet. Auch kleine Feng ele die den Wert von 5 Mk. nicht übersteigen, werden zur Beschenkung von Kranken und Verwundeten in Lazaretten auf den Kriegsschauplätzen und zur Verwendung für weniger reich bedachte Truppenteile von obenbezeichneten Stellen gern entgegengenommen, da sie die Gef e aller Truppen im Reiche wesentlich fördern. Die Kenntlichmachung des Absenders durch Einlegen von Namen und Adressen für diese Pakete ist erwünscht, amit der Empfänger sieht, von wem er bedacht ist. Pakete mit Adressen für bestimmte Emp⸗ nde sind selbstverständlich, wie bis er, durch das zu⸗ tändige Militär⸗Paketdepot zu befördern. * Mehlverteilung. Die in der Vorbereitung be⸗ findliche Mehlabgabe in unserer Stadt wird am Montag deginnen und dann an vier verschiedenen Stellen die ganze Woche hindurch bewirkt werden. Bekanntlich erhält jeder B ein Pfund Weizenmehl bester Sorte um Preise von 20 Pfg. Zählt demnach z B. eine Familie fünf versorgungsberechtigke Personen, so stehen derselben 5 Pfund Mehl zur Verfügung, vorausgesetzt, daß sie sich bei ber letzten Brotkartenverausgabung die entsprechende Anzahl Marken für Mehl beschafft hat, was, wie man uns sagt, nicht bei allen Brotkartenempfängern der Fall sein soll. Wer also keine Zuweisungskarten für Mehl hat, kann solches auch nicht erhalten. Das Mehl wird in Tüten zu 1, 2 und Pfund verpackt, damit die Abfertigung der Empfänger zöglichst schnell vor sich gehen kann. Damit das Vertei⸗ asgeschäft schlank und möglichst olme allzu großen Zeit⸗ b* n Gründungen beratend mithelfen und überwachen, verlust für die Empfänger vor sich 1 kann, muß jeder das Geld für das zu empfangende Mehl abgezählt mit⸗ bringen. Ein Geldwechseln soll vermieden werden. Weiter aber wird darauf hingewiesen, daß bei dem zu erwarten⸗ den starken Andrang zu den Mehtausgabestellen die Ab⸗ holer durch Unruhe und Drängen durchaus nichts erreichen. Es ist bei der Verteilung wie bei allen derartigen Maß⸗ nahmen die Mahnung am Platze:„Nur die größte Ruhe kann es machen.“ Die Stadt legt übrigens bei dem Preis von 20 Pfg. pro Pfund Auszugsmehl die Kosten der Ver⸗ packung und der Verteilung zu. Geldsendungen an Gefangene in Frankreich. Auf Posefendungen, insbesondere auf Postanwerfungen an Kriegsgefangene in Frankreich ist zur Verhü ung der Aushändigung der Sendung oder des Besrages an Unberechtigte gleichen oder ähnlichen Namens hinter dem Namen des Empfängers tunlichst noch die Matrikelnummer(Kontrolfnummer an⸗ 9 unter der der Gefangene in Frankreich geführt wird. Bei ostanweisungen gehört diese Angabe auf den Abschnitt(Rückseite). Siebe s gaben; die Marine Die Bate, die in der gestrigen Nummer des„Gieß. Anz.“ Professor Völzing an die Bitre 2 richtete, auch unserer Helden zur See durch reiche Liebesgaben zu gedenken, wird nicht vergeblich verklingen. Sind unsere blauen Jungen schon in Friedenszeiten dem Herzen der Nation lieb und nahe, um wie viel mehr, als sie jetzt im Kriege eine der gewaltigsten Aufgaben unserer Streitmacht erfüllen: unsere Küsten von unserem schlimmsten und tückischsten Feinde freizuhalten. Was dazu gehört, tagaus tagein unter Anspannung aller lörperlichen und geistigen Kräfte die nervenerregende Wacht auf der Wüste des stürmischen Meeres zu halten, davon machen sich die wenigsten einen rechten Begriff; und doch schaut jeder unserer blauen Jungen dem Tode und der Gefahr täglich und stündlich ebenso gut ins Auge wie seine feldgrauen Brüder. Die Bitte um Gaben für unsere Ma⸗ rine, die der Unterzeichner des erwähnten Aufrufs im Auftrag des Großadmirals v. Koester in seiner Wohnung, Goethestraße 19, entgegennimmt, sei deshalb aufs wärmste der Beachtung und der Freigebigkeit empfohlen. ** Silberne Hochzeit. Morgen Donnerstag, 18. No⸗ vember, sind 25 Jahre vecflossen, da die Eheleute Kaufmann Karl Gessert, Krofdorfer Straße 11, in den Stand der Ehe eingetreten sind. 5 Kreis Büdingen. i. Nidda, 16. Nov. Am Sonntag abend hielt Professor Lampas“⸗ Friedberg, ein Sohn unserer Stadt, in einer Versamm⸗ lung des Evangelischen Bundes einen Vortrag über Lu⸗ thers deutsches Christentum. In Farer, tiefdurchdachter, packender Rede verstand er es, den zahlreichen Zuhörern Lulhers deutsches Wesen in seinem Leben, Wirken und Kämpfen vor Augen 125 stellen, ohne im mindesten Andersgläubige abzustoßen. Seine usführungen fanden ungeteilte Anerkennung. i Wolli, 16. Nov. An eimer schweren Verwundung starb im Feldlazarett zu Palanka in Serbien der Landsturmmann Henrich. Kreis Lauterbach. 0 s. Grebenhain, 14. Nov. Dein jetzt im Westen stehenden Leutnant emer Fuß-Artillerie-Batterie Oito Schäq von hier wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille veeliehen. Kreis Schotien. b Kölzenhain, 16. Nov. Fürs Vaterland starb der Unterossizier Appel im Infante ie-Regiment 118. Kreis Friedberg. A Friedberg, 16. Nov. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Lentnant d. Res. Stein. t Nieder⸗ Roßbach, 16. Nov. Nach längerem Leiden verstarb hier der Althürgermeister Johannes Groh VI. im Alter von 80 Jahren. Ueber 30 Jahre stand er in treuer Pflicht- erfüllung an der Spitze unserer Gemeinde. A Pohlgöns, 15. Nov. Landsturmmann Friedrich Diehl starb im Feldlazarett an einer Verwundung, die er in den Septemberkämvfen erhalten hat. Er ist aus unserer kleinen Ge- meinde der achte, der den Heldentod für das Vaterland ge— storben ist. = Rodheim v. d. H, 15. Nov. Auf dem Wege nach Holzbausen wurde Sonntag früh in der Nähe des Laicher Feldes von Kirchgängern die Leiche eines kleinen Kindes auf⸗ gefunden. Die Mutter konute noch nicht ermittelt werden. Starkenburg und Rheinhessen. Darmstadt, 16. Nov. Die Stadtverwaltung hat eine weitere Sendung Zwiebeln beschafft, die nunmehr eingetrof⸗ fen ist. Die Abgabe erfolgt an jedermann ohne Ausweis, jedoch nicht in größeren Mengen wie 10 Pfund an eine Haushaltung. Die Abgabe an Händler ist ausgeschlossen.— Um dem Mangel an Fetten zu steuern, hat die Stadtverwaltung 26 500 Pfund dä⸗ nische Molkereibutter beschafft, die in den nächsten Ta⸗ gen an die Einwohner der Stadt, und zwar an alle, ohne Rücksicht auf das Einkommen, abgegeben wird. Die Abgabe erfolgt nur an Einwohner Darmstadts und gegen Vorzeigen der Brotausweiskarte, auf der ein entsprechender Vermerk angebracht wird. Der Preis der Butter beträgt 2.20 Mk. für das Pfund. Kreis Wetzlar. ra. Wetzlar, 16. Nov. Für die durch den Tod des Ober— Pfarrers Günder erledigte Pfarrstelle waren folgende Herren zur Probepredigt zugelassen worden: Hartig aus Kirchherten, Hel⸗ bing aus Matschdorf bei Frankfurt a. d. O. und Schmidt aus Issalburg, Kreis Rees. Der Wahlausschuß der Kirchenvertretung hat nunmehr einstunmig Herrn Piarrer Schmidt gewählt. b Hessen⸗Nassau. g. Ebsdorf, 16. Nov. Dem Wehrmann Leonhard Schnell von hier, zurzeit verwundet im Res.⸗Lazarett in Marburg, wurde das Eiserne Kreuz II. Klasse verliehen. Er stand beim Jä⸗ ger⸗Bataillon Nr. 24 und wurde am 31. Oktober durch Arm⸗ und Beinschuß schwer verwundet.: An versitäts⸗ Nachrichten. — Berlin, 16. Nov.(Privattelegramm.) Das„Berliner Tageblatt; berichtet aus Leiozig: Geheimrat Proessor Adolf Wach begeht sein fünfziajähriges Doktorsubiläum. Aus diesem Anlaß sind gestern abend dem Jubilar in der Unt⸗ e von seinen Hörern Sympathiekundgebungen dargebracht worden. vVermischtes. Stürme. Berlin, 16. Nov. Die„B. Z. a. M.“ meldet aus Amslerdam: Das hestige Sturmwetter der vorigen Woche hat den Schiffen empfindlichen Schaden zugefügt. Der fran— zösische Dampfer„Saint Malo“ schlug 5 Meilen nördlich Guerssey um. Die Besatzung von 20 Mann versauk. Weitere a Schiffe sind an verschiedenen Punkten der Irischen See zerschellt 5 London, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Am Samstag herrschte in Irland und auf der Irischen See der stärkste Or⸗ kan seit zwa 1 00 ahren. Eine beträchtliche 1 von Schiffen wurden an Land getrieben und beschädigt. Die Städte Dublin und Kingstown haben großen Schaden erlitten. Ein Großfeuer bei Genua. Mailand, 16. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Sec lo“ meldet: Am Sonntag früh brack in einem der Firma Gondrand gehörenden Dock in Rivarolo bei Genua ein gewaltiger Brand aus, der die Eisenbetonbauten mit großen Vorräten an Fetten, Oelen, Samen und Baumwolle vernicktete. Der Schaden übersteigt eineinhalb Millionen. Trotz des raschen Eingreifens der Feuer⸗ wehren nahm die Feuersbrunst am Nachmittag einen größeren Um⸗ fang an. 1 „Das kulanteste Angebot aller Zeiten“. Die „Daily Mail“ verössentlicht folgende ersrischende und euernde Werbeanzeige:„10000 Lstrl. für Abonnenten! Das kulanteste Angebot aller Ze ten! Wir zahlen: 200 Lfirl. für jede ge ötete erwachsene Person. 25 Estrl. für jedes getötete Kind eines Abonnenten(unter 21 Jahren) 200 Estrl. für den Verlust zweier Gliedmaßen oder beider Augen, oder eines Auges und emies liedes einer erwachsenen Person. 100 Lstrl. sür den Verlust eines Auges oder emes liedes einer erwachsenen Person 2 Estrl. pro Wo be fer zeitweilige gänzliche Ar eitsunsäbigkest einer erwachsenen Person bis zur Höchsidauer von 15 Wochen. is zu 300 Hstil. Schadenersag für beschädigtes Eigentum unserer Abonnenten, gleichviel ob der Schaden durch Luftangriffe, Bombardement von er See aus oder dureh Ballon-Abwehrgeschüne verursacht ist. Abonniert auf die„Taily Wail“ und hr seid versichert! Schützt euch noch heute!“(Aus dem„Türmer“[Herausgeber F. E. Frhr. v. Grot huß; Verlag von Greifer& Pfeiffer, tuttgart]. Mürkte. ö so. Frankfurt a. M., 1. oo. Auf dem heutigen Heu⸗ und Strohmarkt war nichts angefahren. Tie Näarltpreise für Vieh und Frucht und die Ciesener Fleisch⸗ und Brotpreise am 15. November 915 Schlachtviehpreite in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gie zen Ochsen 50 Kg. Schlachtgewicht ½ Kg. 120 124 Pfg. 110, 188 Mk. Kälber Kg. Schlachtgew 102.133 Pf. ½„ 120-124 Pfg. Schweine gz 5 7129 r Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 Ka.— Pfq., Schwarzbrot 2 Ka. 68 Pf. Getreidepreise in Mannheim: Weizen 100 Kg 27.00 Pik. Rogen 10 dg 23 00 Mk Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2 2 2 2 K 223 2 55 35 25 8 S S 2 Wetter 5 2 2 22 S8 SS 3„ 60 65 388 8.81 75—— 9[Bed. Himmel 15„ 1„ 2 9 5 5 Höchste Temperatur am 15. 16. Nov. 1915= J 3,7 C. Niedriaste.„„ Ii„, i ee Niederschlag: 0,0 mm. — Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 18. Nov. 1915: Wolkig bis heiter, mocken, elwas kälter. 5 Letzte Nachrichten. Schwere deutsche Geschütze in Konstantinopel eingetroffen. Lugano, 17. Nov. Wie der italienische Korrespondent Magrini dem„Secolo“ aus Saloniki berichtet, sind die ersten schweren, für die Türkei bestimmten deutschen Geschütze in Konstantinopel eingetroffen. Der griechische Marineminister auf Reisen. Amsterdam, 17. Nov. Der griechische Marine⸗ minister ist laut Londoner Pressemeldungen auf der Fahrt nach Rom in Neapel eingetroffen.(Voss. Ztg.) Englandfeindliche Ereignisse in Persien. Rotterdam, 17. Nov. Das englische Ministerium des Aeußern behauptet, daß Angriffe auf englische Kon⸗ sularbeamte in Teheran stattgefunden haben. In Schiras sei auf zwei Sekretäre der Gesandtschaft geschossen worden; einer wurde getötet. Der englische Konsul und der Direktor der eng⸗ lischen Bank seien gefangen genommen worden. 3 Indiens. 5 Amsterdam, 17. Nov. Nach Berichten aus Batavia ist der Post⸗ und Telegraphen verkehr zwischen Nieder⸗ ländisch Indien und dem Königreich Indien auf Veranlassung der englisch⸗indischen Behörden eingestellt worden. Einberufung der Duma. Kristiania, 17. Nop.„Tidens Tegn“ meldet aus Peters⸗ burg: Die Einberufung der Duma, die im November statt⸗ finden sollte, ist vom Ministerrat wegen Verzögerung in der Fertig⸗ stellung des Budgets auf den 8. Dezember verschoben worden. Schönherrs„Weibsteufel“ auch in Hamburg verboten. Berlin, 17. Nov. Wie der Direktor des Hamburger Deut⸗ schen Schauspielhauses telegraphiert, wurde die Aufführung von Schönherrs„Weibsteufel“, die Dienstag abend stattfinden sollte, mittags verboten. Hamburg gibt es keine Zensur. n Das Verbot ist demnach vom Bbertmande erlassen. A wie: Tolette-Aüsten Nabeheceszalez Spiegel in verschied. Ausführungen Toilette-Seifen. Parfüm Kölnisches Wasser zu Original-Preisen in reichhaltigster Auswahl eingetroffen. 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