Der Gleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: dlermal wöchentlich Sießener Familienblätter; wennal wöchentl. Kreis⸗ lattfür den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirischaftliche 8eitfragen Fernsprech⸗ Anschlusse: für die Schrütleunung 112 Verlag, Geschäfts stelleö! Adresse für Drahtnach— richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnunumer bis zum Abend vorher. General⸗ Anzeiger für Oberhesse Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.-Buch⸗ und steindruckerei R. cange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Dienstag, 10. November 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50. durch Ubhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.: durch die Vost Me. 2.30 viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ [chriitleiter: Aug. Chetz. Verantwortlich für den polinschen Teil und das Feuille ton: Aug. Goet; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H.. Beck, sämilich in Gießen. * (TB.) Großes Hauptquartier, 15. November. (Amtlich.) f Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich von Ecurie wurde ein vorspringender französischer Graben von 300 Meter Breite nach heftigem Kampfe genommen und mit unserer Stellung verbunden. Auf der übrigen Front keine Ereignesse von Bedeutung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. In der Gegend von Smorgon brach ein russischer Teilangriff unter schweren Verlusten vor unserer Stellung zusammen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Im Anschluß an den Einbruch in die feindliche Linie hei Podgacie griffen deutsche und österreichisch⸗ungorisch⸗ Truppen gestern die russischen Stellungen auf dem Bestufer des Styr in ganzer Ausdehnung an. Die Russen sind geworfen. Das westliche Ufer ist von ihnen gesäubert. 5 Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Verfolgung blieb überall im Fluß. Gestern wurden im ganzen über achttausend fünfhundert Gefan⸗ 17 ne und zwölf Geschütze eingebracht, davon durch die ulgarischen Truppen etwa siebentuusend Mann und sechs Geschütze. Oberste Heeresleitung. *** Wir dürfen uns heute in politische Betrachtungen über die Zukunft Polens noch nicht verlieren, und es hätte auch keinen Zweck, die Eröffnung der polnischen Hochschulen weitgehend ausdeuten zu wollen. Die deutsche Regierung hat über ihre Absichten und Ziele noch nichts verlautbart und worauf es ihr bei der akademischen Feier in Polens Hauptstadt ankam, das hat der Generalgouverneur mit ein paar kurzen Worten gesagt:„Beide Hochschulen sollen die Jugend des Landes aus der Unruhe und unfreiwilligen Muße der schweren Zeit des Krieges wieder in die Bahnen friedlicher und fruchtbringender geistiger Tätigkeit zurück⸗ führen.“ Briefe aus Belgien haben uns schon sehr viel früher darauf ee daß dort in gleichem Sinne ge⸗ arbeitet wird. Deütsche Offiziere haben mit Lust und Liebe die zeitweilige Rolle als Lehrer übernommen, um die Ju⸗ gend von dem Gefahren bergenden Leben auf der Straße zu erlösen.. 5 Im allgemeinen ist es doch nur der Stolz auf deutsche Arbeit und Kultur, den wir als Triebfeder für diese Werke des Friedens über unserer Ost⸗ und Westgrenze erkennen wollen. Daß an den polnischen Hochschulen die polnische Sprache als Lehrsprache angewendet wird, darf nicht als ein hochpolitisches i ausgelegt werden. Es wäre sehr unklug, wenn die deutsche Verwaltung in dem besetz⸗ ten Gebiete die nationalen Eigentümlichkeiten der ansässigen Bevöllerung, vor allem die Sprache, ausblasen und beseitigen wollte. Es bleibt ihr auf alle Fälle ein sehr großes Feld, um der deutschen Kultur und dem deut chen Ansehen auch bleibende Stätten in dem eroberten Osten zu gründen. Deutschland kommt, das wird den Polen jetzt gezeigt, nicht als rauher, gewalttätiger Eroberer. Der Gegensatz zum Russentum muß in fühlbarer und anschaulicher Weise zur Geltung kommen. Der fortschrittliche Abg. Dr. Wiemer, der mit anderen Parteifreunden eine Insormationsreise in das Generalgouvernement Warschau unternommen hatte, er⸗ zählt in der„Voss. Ztg.“ seine Eindrücke, von denen wir, un⸗ gemischt mit politischem oder kritischem Beiwerk, einiges hier wiedergeben wollen: Die Verwaltung der von uns besetzten Gebiete im Osten ist vor eine Fülle neuer und schwerer Aufgaben gestellt. Die Fahrt durch das Generalgouvernement Warschau hat bei den Teilnehmern der Reise den Eindruck hinterlassen, daß unter schwierigen Ver⸗ hältnissen tüchtige Arbeit erfolgreich geleistet wird. Die Schwierigkeit der Verwaltung eines okkupierten Landstrichs in der Kriegszeit, in der das erste Gebot die Wahrung deutscher und insbesondere militärischer Interessen ist, wird erhöht durch die Eigenart der Bevölkerung in Polen, durch mannigfache Gegensätze und Parteiungen im Lande, wie insbesondere durch den Umstand, daß 70 v. H. der Bevölkerung Analphabeten sind. Schon allein die Zählung der Bevölkerung, um notwendige Grund⸗ lagen für Verwaltungsmaßnahmen zu gewinnen, stößt auf erheb⸗ liche Schwierigkeiten; Versuche, wenigstens durch Strsche zu zählen, sind auch nicht völlig gelungen. In Warschau findet am 30. No⸗ vember die Volkszählung statt, die unter Mitwirkung von 5 1 von Zählpersonen mittels Zählkarten vorgenommen werden soll. Es ist selbstperständlich, daß bei einer Bevölkerung, deren Mehrheit nicht lesen und schreiben kann, die Verwalkung in erster Reihe den Schulfragen Aufmerksamkeit und Fürsorge uwendet. Die oberste Leitung und Aufsicht über das gesamte nterrichts- und Erziehungswesen steht der Zivilverwaltung zu und wird durch die von ihr bestellten Organe Schulauffichtsbehör⸗ den) ausgeübt. Die Einrichtung von Privatschulen jeder Art und besonderen Lehrkursen ist nur nach vorher eingeho'ter Genehmigung der deutschen Zivilverwaltung zulässig. Sämtliche Volks⸗ und mittleren Schulen im Verwaltungsgebiete sind den Kindern aller inwohner ohne Einschränkung und ohne Unterschied des Glaubens⸗ t ugänglich. 291 die Volksschulen bleibt jedoch wie satz der Konfessionalität maßgebend. Eine russische niederlage am Styr. 1 Eröffnung der Hochschulen in Warschau.. Die Verunglimpfungen, die uns von den romanischen Völkern entgegengeschleudert werden, wobei uns Verwi l de⸗ rung, Barbarentum vorgeworfen wird, bedürfen keiner Widerlegungen durch Worte mehr. Der Krieg ist freilich ein blutiges und hartes Handwerk, und er wird ja auch von unseren Feinden, wie so vielfach nachgewie sen worden ist, nicht „ mit Handschuhen gefahrt, im Gegenteil, Gefühllosig⸗ eiten, Verte gegen soldatische Moral und Ehre, waren auf der gegnerischen Seite so stark vertreten, daß die deutschen Truppen häufig in schwierigste Konflikte kommen mußten. Auch unsere Bundesgenossen vor der italienischen Front lernen jetzt die Fampfmittel unserer Feinde zur Genüge kennen, denn die Italiener haben den Franzosen gar vieles abgeguckt. So erheben die ftalsonchen Blätter jetzt ein großes Gezeter übe ö err ich ech Barba e, weil unter den Vol ben, die auf militärische Anlagen e. Hestung Veuedig gewor en wurden, eine die Kirche Santa Maria degli Scalzi mit dem darin befindlichen Deckengemälde Tiepolos beschädigte. Aus dem Wiener Kriegspressequartier werden diese Vorhaltungen durch ein paar erquickende, kräftige Sätze abgewiesen: Zur Ehre der menschlichen Vergunft mag zugegeben werden, daß die Jaliener uur Entrüstung heucheln, um auf das sih nik verleugnende Gemüt der Barbaren zu spekul eren, denen Kunst⸗ schätze stets ein heilig Gut waren. Es möchte ihnen passen, daß wir in Hiakunft ihre ntilitärischen Rüstungs kärten aus Be⸗ sorgnis, durch Feh treffer Kunstschätze zu beschädigen, ungeschoren ließen. Di ze Sentimetalität haben uns aber die Feinde grünß⸗ lich abgewö idem sie in diesem uns aufezwaengenen Kampfe vor keinem Mittel zurückschreckten, das uns ihrer Meinung nach 5 nur irgendwie schaden könnte Wir empfinden den idee en Ver ust, der die ganze geit ete Welt durch de Ver⸗ nichtung von Kunstwerken trifft, schmerzlich, doch wird er Schmerz durch die Tatsache gemildert, daß ein tückischer Feind materiellen Schaden erleidet, wenn ihm das Erbe großer Vorfahren durch die Kriegsereignisse geschmälert wird, ein Erbe, das ihm we⸗ niger aus Kunstbegeisterung, denn als ergiebige Ein⸗ F von Trinkgeldern und als Fremden⸗ lockungsmittel lieb und teuer ist. Das klingt ganz deutsch, und der Hinweis auf die Trinkgelder wirkt so boshaft und grimmig nicht, als daß er nicht eine stille, zustimmende Heiterkeit auszulösen ver⸗ möchte. *** Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht. Wien, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 15. November 1915. 5 RNussischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe bei Czartorysk hiben gestern den vollen Erfolg herbeigeführt. Der geschlagene Feind wurde aus dem Strybogen über den Fluß zurückgeworfen. Bei seinem eiligen Rückzuge hat der Gegner alle verlorenen Ort⸗ schaften angezündet. g Hierdurch haben die vierwöchigen zähen und ruhmvollen Kämpfe um Czartorysk ebenso zum Rückzuge der Russen in ihre ursprünglichen Stellungen geführt, wie die seinerzeit von den russischen Trupen hoffnungsvoll angekündigten Durch⸗ bruchsversuche bei Siemikowce an der. Strypa. Die schon gestern angegebene Beute erhöhte sich. Sonst sind keine nennenswerten Ereignisse zu ver⸗ zeichnen. Italienischer Kriegsschauplatz. Die feindliche Angriffstä igkeit an der Jsonzofront hat gestern, vielleicht infolge des strömenden Regens, sicht⸗ lich nachgelassen. Im Abschnitte der Hoch läche von Doberdo wurde jedoch heftig weiter g⸗kämpft. Am Nordhange des Monte San Michele gelang es den ee e wieder in eine durch schweres Artilleriefeuer geschlagene Lücke unserer Stellung einzudringen. Starke feindliche Kräfte, die abends nördlich dieser Einbrucßsteste um Ang siff vorg ngen wurden blu i! abg wies en. Hier uf fette unser Angriff ein, der das verlorene Frontstück voll⸗ ständig zurückgewann und dem Feinde außerordentlich große Verluste zufügte. Auch ein starker italienischer Angriff gegen den Monte dei sei Busi brach wie alle früheren zu ammen. Durch die n von Görz wurden bisher 58 Zivilpersonen getötet, 50 verwundet, etwa 300 Häuser und fast alle Kirchen und Klöster schwer be⸗ schädigt. Eines unserer Fliegergeschwader belegte neuerdings Verona mit zahlreichen Bomben.. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Alle Armeen verfolgen. Nur stellenweise hält noch der Feind. Unsere Visegrader Grupye hat die Monte⸗ negriner über den Lin zurückgeworfen und Skolovac, sowie die östlichen Anhöhen erreicht. Bei der Armee v Köveß wurden wieder 850 Gefangene eingebracht und zwei Maschinengewehre erbeutet. Im Toplica⸗Tale ist Prokuplje erreicht. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. *** Die Zurückwerfung der Russen über den Styr. Berlin, 16. Nov. In einem Bericht des„Berliner Tage⸗ blatt“ über die Zurückwerfung der Rissen über den Styr heißt es u. a.: In Ausnutzung ihres Erfolges am Styr⸗Brücken⸗ kopf hat Linsingens Nordarmee die Russen nunmehr vollen Monat hindurch immer wieder erneuerten Durchbruchs⸗ versuchen der Russen ein Ende gemacht. Nach manchen Wechsel⸗ fällen gelang es der durch“ ostpreußische und kurhessische Regimenter verstärkten kaiserlichen und königlichen Armee, bei Kalodia und bei Komarow die Russen an den sumpfigen Styr zurückzudrängen. Der Kaiser bei den Truppen in deu Pripetsümpfen. Berlin, 14. Nov. Aus dem Großen Haupt⸗ 73 quartier wird uns geschrieben: J Der Kaiser weilte am Anfang der letzten Woche bei unseren Truppen in den Pripetsümpfen. Nachmittags fuhr er im Bahnhof Brest⸗Litowsk ein. Der Bahnhof selbst ist eine Ruine, auf dem die deutsche Kriegsflagge weht. Vor den aufgeräumten Trümmern stand die Ehrenkompagnie, 1 von einem bei Brest⸗Litowsk liegenden Landstürm⸗ ataillon. Unter den Klängen der Nationalhymne schritt der Taiser nach Begrüßung der unmittelbaren Vorgesetzten die Front der ergrauten Soldaten ab und ließ die Kompagnie im Parademarsch vorbeimarschieren. Haltung und Ausse 5 der Leute war vorzüglich, stramm aufgerichtet blickten sie ihrem obersten Kriegsherrn ins Wige. 1 13 Dom Bahnhof begab sich der Kaiser im Kraftwagen zur Zitadelle. Hier hatte er beim Manöver im Jahoe 1886 alas Gast des garen gewohnt. Was die Russen bei der Schnellig⸗ keit der Räumung der Festung zerstören konnten, haben sie zerstört. Die ausgedehnten Kasernen der Zitadelle liegen in Trümmern. Auch bei dem Fort Kowaljewo, wohin die Fahrt weiter ging, sind die Betonbauten zum Teil gesprengt, zum Teil aber ebenso wie die Hindernisse noch voll erhalten. Dann ging die Fahrt am 5 7. 045 Pugatschewo vorbei zur Stadt. Brest⸗Litowsk, noch vor wenigen Wochen eine von 60000 Einwohnern bevölkerte Stadt, ist zu vier Fünfteln verbrannt. Die Russen haben Hab und Gut der Bevölkerung planmäßig vernichtet und die Bevölke⸗ rung mit sich ins Elend weggeschleppt. Im Bereiche der Festung gibt es keinen einzigen Landesbewohner mehr, nur Sp aller Gattungen bildeten in den Ruinenstraßen palier. 1 Am nächsten Morgen traf der Kaiser vorn in der Front in Pinsk ein. In der von den Russen für ihren Rilckzug neuangelegten Haltestelle Pinsk⸗Wald verließ er den Zug. Die trübe Novemberstimmung des Vortages hatte trahlen⸗ dem Hohenzollernwetter Platz gemacht. Auf dem Bahnhofe stand die Ehrenkompagnie, diesmal gestellt von jungen Soldaten. Hinter dem Bahnhof reihten sich in Parade 5 mehrere Brigaden der Bugarmee. Vom brausenden Hurra vieler tausend junger Soldatenkehlen begrüßt, schritt der Kaiser die Front der Truppen ab, deren Haltung und Aus⸗ sehen dem obersten Kriegsherrn die unerschütterte Kraft und den unverminderten Siegeswillen seiner T eigte, trotz der gewaltigen Leistungen der Verfolgung und es 5 stattfindenden Stellungskampfes in unwirtlichsten Gegend. 5 75 Von hier begab sich der Kaiser zu einem kurzen der Kathedrale nach Pinsk. Auf den Straßen drängte sich, anders als in Brest⸗Litowsk, das Volk der 40—50 000 Ein- wohner zählenden Stadt. Die Weiterfahrt führte den Kaiser bis in die Stellungen der Truppen östlich Pinsk, am Schilf⸗ meer der Pripetsümpfe. Auf den Sanddünen am Ostufer des Strumen und der Jasiolda waren die russischen Stellungen und Hindernisse sichtbar. Am Abend des Tages fuhr dex Kaiser, der den Truppen 75 seine Freude über ihre vorzügliche Verfassung und seinen Dank für ihre Leistungen hakte übermitteln lassen, über Brest⸗Litowsk zu einer anderen Armee auf dem östlichen Kriegsschauplatze. 9 5 Baron Burian und Herr v. Bethmann⸗Hollweg. Wien, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Polit. Korresp.“ meldet: Der jüngste Aufenthalt des Ministers des Aeußern Baron Burian hat ihm und dem deutschen Reichskanzler Gelegenheit zu längeren Unterredungen geboten. Solche Zusammenkünfte haben, wie bekannt, zwi⸗ schen den beiden Staatsmännern schon wiederholt statt⸗ gefunden und jedesmal erfreulicherweise die zwischen f Verbündeten herrschende Uebereinstimmung der Auffassung festzustellen gestattet. Man darf annehmen, daß auch dies⸗ mal die durch den Krieg aufgeworfenen allgemeinen Fra⸗ gen und Probleme besprochen und die Lösung, die sie er⸗ heischen können, in 1 gezogen wurden. Eine be⸗ sondere Angelegenheit oder bestimmte Abmachungen als Grund der Berliner Reise des K. und K. Ministers des Aeußern anzunehmen, liegt kein Anlaß vor. Baron Burian ist, wie verlautet, von den Eindrücken seines Berliner Auf⸗ enthalts sehr befriedigt zurückgekehrt.. Sendungen für unsere Truppen im Südosten. Berlin, 13. Nov.(WTB. Amtlich.) Die Frei⸗ gabe des Privatpaket⸗ und Frachtstückgutver⸗ kehrs zu den Truppen in Serbien ist in absehbarer Zeit in beschränktem Maße zu erwarten. Schon jetzt sind für einzelne Verbände günstige Beförderungsmöglichkeiten vorhanden oder in Aussicht. Damit diese Gelegenheiten ge⸗ gebenenfalls ausgenutzt werden, empfiehlt es sich, besonders dringende Sendungen für Angehörige der Truppen im Süd⸗ osten unverzüglich den zuständigen Militärpaketdepots zuzu⸗ senden. Bei Zweifeln über die Zuständigkeit des letzteren wird eine Anfrage beim nächsten Militärpaketdepot mittels der bei allen Postanstalten erhältlichen grünen Doppel⸗ karten empfohlen. über den Fluß selbst zurückgeworfen und damit auch diesen einen 3 an Ff- Wa! 7 on 1. e 2 8 5 8 Vom serbischen Kriegsschauplatz. Berlin, 16. Nov. Vom serbischen Kriegsschau⸗ platz wird der„Deutschen Tageszeitung“ berichtet: Nur drei von den 15 Regimentsbezirken Altserbiens sind noch zum Teil in der Hand serbischer Truppen. Der große Rest ist von den Verbündeten viollständig besetzt. b 5 Berlin, 16. Nov. Ber dem glücklichen und raschen Vor⸗ marsch in Serbien fiel, wie verschiedene Morgenblätter berichten, eein großer Anteil den Eilsenbahntruppen zu. Ant 31. Ok⸗ tober traf die erste deutsche Lokomotive auf serbischem Boden ein. Die Landungen in Saloniki. a Berlin, 15. Nov.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z. a. M.“ meldet aus Sofia: Nachrichten aus Saloniki zufolge trafen dort am Mittwoch 12 weitere französische und 14 englische Dampfschisse mit etwa 5000 Mann und vielem Kriegsmaterial und Proviant an Bord ein. Die Ententetruppen gebärden sich wie Herren der Skadt, legen neue Telegraphen⸗ und Telephonverbindungen an, repa⸗ rieren die Straßen und Brücken und legen neue Schienen⸗ 5 50 Bei dem letzten Kampf bei Strumitza gegen die Bulgaren hatten die ee en ungeheure Ver⸗ lust e. Die Verwundeten werden auf die im Hafen liegen⸗ den Spitalschiffe gebracht. Das italienischerseits verbreitete Gerücht, Italien entsende etwa 50000 Mann Hilfstruppen nach Serbien, wird aber nicht ernst genommen. Venizelos. Athen, 15. Nov.(WDB. Nichtamtlich.) Industrielle und Kaufleute aus Athen und dem Piräus haben Venkzelos ersucht, sich der Teilnahme am Wahlkampf nicht zu enthalten. Venizelos ärte, daß es den Liberalen, selbst wenn sie mit einer Mehrheit in die Kammer zurückkehrten, unmöglich sein werde, ihr Programm durchzuführen. Die liberale Partei werde erst in einigen Tagen einen Beschluß fassen. Lord Kitchener. Berlin, 16. Nov. Nach einer Meldung des„Corriere della Sera“ aus Saloniki befindet sich seit einigen Tagen Kitchener mit dem Generalkommissar von Aegypten auf der Insel Lem⸗ 1 n os in Mudros. 85 8 . g Churchills Nachfolger.. London, 15. Nov.(WTB. Ni. Der politische 5 1 der„Daily Chronicle“ schreibt, es sei mög⸗ lich, daß Lord Derby Churchills Stelle im Kabinett einnehmen werde. 1 5„ E 1 1 8 5 Verona mit Bomben belegt. Verona, 15. Nov.(WTB. Kichtamtlich.) Drei öster⸗ de Flieger haben am Sonntag früh 15 Bom⸗ ben auf die Stadt geworfen. 30 Personen wurden ge⸗ tötet, 31 schwer, 19 leicht verletzt. Der Sachschaden ist unbeträchtlich. 85 5 Der türtische Bericht. Konstantinopel, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Auf der Dardanellenfront fand der zeitweise aussetzende gewöhnliche Artillerie- und Bomben⸗ kampf statt.— Auf der Front des Kaukasus überraschte eine unserer Patrouillen in der Gegend von Mils eine feindliche Ab⸗ teilung von 100 Mann, die zur Flucht gezwungen wurde und un⸗ gefähr 50 Mann an Toten und Verwundeten verlor. Die türkische Thronrede. Konstantinopel, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die Thronrede bei der gestrigen Eröffnung des Partaments hatte solgenden Wortlaut: Ehrenwerte Senatoren und Deputlerte. Die Ereignisse, die sich seit dem 1. Dezember abgespielt haben, ver⸗ wirklichen dank dem Allmächtigen die von mir aufgestellten Wünsche, ebenso wie sie der Hoffnung ent prechen, der ich Ausdruck gegeben habe, daß diese Ereignisse das Heil und das Glück der ganzen muselmanischen Welt und der Ottomanen sichern würden. Die heftigen Angriffe, die von den Land⸗ und Seestreitkräften der Engländer und Franzosen gegen die Dardanel⸗ . len und Gallipoli gerichtet worden sind, um die Verwirk⸗ lichung der Invasionsabsichten auf Konstantinopel und auf die Meerengen zu erleichtern, die die Russen hegen und seit zwei⸗ einhalb Jahrhunderten hartnäckig verfolgen, sind durch den Wider⸗ 1 und die entsagungs⸗ und opfervolle Begeisterung meines seeres und meiner Flotte zurückgewiesen worden. Beide ließen die Waffentaten unserer verehrungswürdigen Vorfahren in ruhmvollster Weise in neuem Glanze leuchten und zogen sich die Bewunderung der ganzen Welt zu. Unsere Feinde haben da ungeheuere und entsetzliche Verluste erlitten. Diese Niederlage — S n O S. o See 2 a OS e, en ane ae,— 0* 25 5 ee ene eee 25 28 — h 7 5. 2 e en, 5 75 11 2 2 2 al N .„„,„ b L 2* e bene blur,,——— Orig hie e e ee 2 *, r. 3 ro Hegincs nu 2 Oelipes el Are N 2 eures e,* 2 e 8* anne„ S Jane. c 1 mne„ 5„ La n 2 4 F. He„. ee 12 f 2 Frese In, ann las 3 w Wrenjas N ue, Ge, 11. ne. 9 46 ls. e, nee 8 0 i eV See e 2. 85 5 8 Saunde 8 88 „ ane o Sepp, Malkandelen e„ 4 ig enn 5 5 3 Hg, 5, r 2 — ist, und hat unsere stolzen Feinde gezwungen, bei den Balkan⸗ staaten Hilfe zu suchen. Sie hat dazu gedient, alle Ränke zu zerstören, die auf der Habskasel gesponnen worden sind. Se er⸗ möglichte es unseren mächtigen Verbündeten, die russische Armee von den Karpathen zu vertreiben, sie durch Galizien und Polen zurückzudrängen und alle befestigten Piätze unseres Erbfeindes zu erobern, sowie alle Hoffnung, die der Dreiverband in die krussische Flotte gesetzt hat, zu vernichten. Voll Dankbarkeit werfe ich mich vor dem Allerhöchsten nieder, der der türkischen Armee Gelegenheit gegeben hat, auf so glänzende Weise ihren Ruhm und ihre Ehre zurückzugewinnen. Ihm widme ich allen Dank und bitte ihn, den endgültigen Sieg auch meinen anderen ruhmreichen [Soldaten zu gewähren, die mit Selbstverseugnung die Grenzen des Vaterlandes an den anderen Fronten schützen.— Als die ruhm⸗ vollen Armeen unserer Verbündeten, die mit bewundernswerter Organisation und Tapferkeit alle befestigten Plätze genommen und die Angriffskraft der russischen Armee gebrochen hatten, sich nun nach dem Balkan wandten, schloß sich ihnen auch die 1 Armee an. Dieses bedeutende Ereignis, das den Dreibund in einen Vierverband verwandelt hat, beschleunigte die Verwirklichung des endgültigen Sieges. Um diese Entwicklung der Balkanlage zu unseren Gunsten zu erleichtern und sicher⸗ zustellen, haben wir in eine Berichtigung der türkisch⸗ bulgarischen Grenze gewilligt. Der herüber abgeschsossene Vertrag ist unserer Versammlung zur Zufimmung unterbreitet worden. Das meineidige und freche Serbien ist heute von den Armeen der Verbündeten besetzt, der Verkehr auf der Donau ge⸗ sichert undder Weg Berlin— Wien— Konstantinopel eröffnet. Dank und Ruhm sei Gott für die glückliche Her⸗ stellung diefer Verbindungen, die den verbündeten Völkern im Kriege den Sieg und im Frieden Fortschritt und Wohlstand ver⸗ bürgen. Ich spreche der Nationa versammlung meine Anerkennung für die Hilfe aus, die sie in diesen schweren Zeiten der Kaiser⸗ lichen Regierung einstimmig gelcistet hat. Un'ere politischen Be⸗ 1 8 zu unseren Verbündeten stützen sich jetzt und für immer auf das täglich wachsende ge jenseitige Vertrauen und die g ößte gegenseitige Aufrichtigkeit. Unsere gemeinsame Po itif gegenüber unseren Feinden wird sein, unter gegenseitiger Unterstüzung auf allen Fronten und in allen Dingen im Kriege auszuharren, bis wir für unsere Staaten und Völker einen vorteilhaften Frieden erlangen können, der die volle Entwickelung a ler persön ichen und natürlichen Kräfte ermög icht. Unsere Beziehun zen zu den neu⸗ tralen Staaten sind, wie früher, aufrichtig und herzlich. Ich bitte den Allmächtigen, Ihren löblichen Bestrebungen um die Wohlfahrt unseres Staates und Landes Erfolg zu gewähren und erkläre das Parlament für eröffnet. Der Seekrieg. Lyon, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Wie„Lyon Répu⸗ blicain“ aus Oran meldet, ist der englische Dampfer „Mortian“ dort eingetroffen, der auf hoher See von einem deutschen U-Boot beschossen worden ist. Die„Mor⸗ tian“ benachrichtigte zwei andere englische Schiffe, welche einige Meilen hinter ihr fuhren. Die„Mortian“ wurde unterdessen von dem U-Boot heftig beschossen, versuchte verschiedene Male das U-Boot zu rammen, so daß die beiden anderen englischen Schiffe fliehen konnten. Erst nachdem die„Mortian“ das Unterseebvot nach Osten davonfahren gesehen hatte, fuhr sie nach Oran und lan⸗ dete dort 24 Tote, etwa 70 Verwundete, darunter 30 Schwerver⸗ wundete. Lyon, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die hiesigen Blätter melden aus Kandia, daß am 12. November der Dampfer „Lassithion“ mit 22 Mann Besatzung des englischen Dampfers „Macalister“, welcher von einem deutschen Unterseeboot ver⸗ senkt wurde, in Kanadig eingetroffen ist. Von dem übrigen Teil der Besatzung, 8 9 05 76 Mann betrug, fehlt jede Nachricht. Die Geretteten erzählen, daß dasselbe Unterseeboot an demselben Tage zwei weitere Dampfer versenkt hat. 5 London, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds meldet: Der norwegische Dampfer„Wacousto“ (3521 Bruttotonnen) ist gesunken. Die Besatzung wurde gerettet. London, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich) Wie Lloyds mel⸗ det, ist der spanische Dampfer„Bernabe“(2263 Ton⸗ nen), von Cardiff nach Bordeaux unterwegs, unweit Bordeauy mit einer Besatzung von 10 Mann verloren gegangen. die Eröffnung der Universität Warschau. Warschau, 15. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Bei herr⸗ lichstem Sonnenwetter fand die Eröffnung der polnischen Universität und der Technischen Hochschule statt. Die Universität tritt an die Stelle der russifizierten Hauptschule, die vor der Russifizierung die Pflegestätte geistigen Lebens urnserer 1 1 51 hat überall die Ueberzeugung entstehen lassen, daß der Weg nach Konstantinopel nicht zu nehmen e⸗ wesen war. Das Fest wurde durch ein in der katholischen Kathe⸗ drale von dem Erzbischof o. Kakowski unter großer Afsistenz zelebriertes Pontiftkalamt eingelei et.. 1 Mittags fand in der Aula der Unspersität ein Festakt zur Eröffnung dieser Hochschule statt. Ein dichtgedrängtes Aud torium erwartete de Ehrengäste, die von dem Rektor Dr. v. Brudzinski empfangen wurden. Es erschien zunächst der Erzbischof v Katowsei mit dem Suffragansischof Ruszkiewicz, der Stadtpräsident die Mitglieder der Zivilverwaltung, an ihrer Spitze Exzellenz v Kries. Nachdem der Generalgouverneur v. Beseler mit dem mili⸗ tärischen Gefolge die Pätze eingenommen hute, hielt der Rektor Dr. v. Brudzinski eine von wiedecholtem Beifall unter⸗ brochene, die Bedeut des Tages würdigende Festrede. As der Rektor in deutscher Sprache dem Gen teralgouverneur den Dank der Universität ausdrückte, erfolgte wiederum anha tend freudiger Beifall. Exzellenz v» Beseler dankte hierauf, wiederum rau⸗ schend begrüßt. Das Gaudeamus, gesunsen vom Musikperein, schtoß die Feier ab, an der u. a. die überlebenden Professoren der ehemaligen Hauptschule, der berühmte Kliniker Bara ⸗ nowski, der Romanist von Holewinski und Professor Mik⸗ laszeweki teilnatzmen. Diese Veteranen der Wissenschat wur⸗ den von dem General gouverneur besonders ehrend begrüßt, ebenso der österreichische Vertreter, durch dessen Mitwirkung die rufung österreichischer Kräfte sehr erleichtert wurde. Sodann begab sich der Generalgouverneur mit den anderen Festgästen zur Technischen Hochschule, wo er von dem Rektor Dr. Straßewicz empfangen wurde. Der Rektor er⸗ öffnete die Feier mit einer gehaltvollen Festrede, deren Ausfüh⸗ rungen in einem gefühlvollen Dank an den Generalgonverneuß, gisselten. General v. Beseler sprach ausdrücklich seine 5 stimmung zu den Darlegungen des Rektors aus und drückte wiedereröffneten Hochschule zu ihren Arbeiten die herzlichsten Glückwünsche unter dem leb sten Beifall der dichtgedrängten Stu⸗ dentenschaft aus. Auch diese Feier machte einen vornehmen, er⸗ hebenden Eindruck. Nach der Eröffnungsseier empfing der General⸗ gonverneur die anw⸗senden Vertreter der deutschen und der neu⸗ tralen Presse im Schloß. 5 2. Bei der feierlichen Eröffnung der Universität hielt der Rek⸗ tor Dr. med. Josef von Brudzinski eine Rede, in der er ausführte: um dritten Male nach Jahren von Niederlagen öffnet die Warschauer UIniver izät ihre Pforten, schüttelt den Staub einer fremden Kultur ab, zum dritten Male während ihres hundert⸗ jährigen Bestehens wird die auferstehende Universität feierlich er⸗ öffnet. Der heutige Tag bedeutet eigentlich keinen N Die Warschauer Universität und ihr alter Glanz haben niemals auf⸗ gehört zu bestehen und die Universität lebte weiter in den Seelen. — Der Redner warf sodann den Blick zurück auf die Geschichte der Universität, deren Gründungsurkunde Ende November 1816 vom König unterzeichnet wurde und die im Januar 1817 mit fünf Fakultäten ihre Tätigkeit begann. Er gedachte der störenden Ein⸗ flüsse der russischen Verwaltung in alter und neuer Zeit, die aber die Universität nicht untergehen ließen, weil die zwei Seelen, unsere westliche und ihre östliche, einander so fremd waren, daß alle Einflüsse und Verfolgungen an uns wie an einem Panzer abprallten. Dank dieser Widerstandskraft gegen die Einflüsse im Osten haben wir einen großen Nutzen für unser kulturelles Leben sogar aus dem so kurzen Bestehen der königlichen Universität zu Warschau gezogen, trotz der verderblichen Einwirkung fremder Kräfte auf deren Organisation, welche zuerst so schöne Hoffnungen erweckte. Die königliche Universität 1 755 in ihrem Album 3600 Hörer, von denen viele hohe wissenschaftliche Stellungen hierzulande und in der Fremde erreicht haben. Alle anderen Hörer aber hat an Berühmtheit Alexander Wielopolcki übertroffen, denn auch die Hauptschule, die vier Fakultäten um⸗ faßte— die theologische fehlte— hat, im Augenblick einer für das Land unheilvollen Krise ins Leben gerufen, im ganzen sieben Jahre bestanden. Aber auch ihre kurze, mit Hindernissen kämpfende Be⸗ tätigung hat dem Lande grofen Nutzen gebracht und weiter für die Zukunft gewirkt.— Mit Rührung gedachte der Rektor der drei anwesenden noch lebenden Professoren der Hauptschule, um sich dann mit Worten aufrichtigen Dankes an den Generalgouverneur zu wenden, der nicht versäumt e, inmitten des Kriegsgetümmels das wichtigste kulturelle Bedürfnis des polnischen Volkes durch die Eröffnung seiner Hochschulen zu befriedigen. Unser Volk, dem die Frage der Bildung, überhaupt der höheren Bildung im besonderen, tets am Herzen lag, wird diese Tat gebührend zu würdigen wissen, indem es beiden Hochschulen sorgfältigste Pflege an hen lassen wird, und die Universität wird denjenigen in dankbarem Ange⸗ denken bewahren, der ihr Satzungen verliehen, wie sie die west⸗ europäischen Universttäten haben, mit einem akademischen Senat an der Spitze, mit autonomer Organisation der Fakultäten, vor allem mit der polnischen Sprache als Unterrichts⸗ und Amtssprache. 175 Warschauer Universität ist sich der Tatsache bewußt, daß sie ihre Wiedereröffnung Ew. Exzellenz verdankt. Als Sohn des großen Rechtslehrers erkannten Ew. Exzellenz, daß Lernen allein der Jugend die richtigen Wege für das Leben weist. Diese neue Pflanestätte per Wi enschaft, g welcher viele Generationen zu tüchtigen Männern und brauchbaren Bürgern erzogen werden mögen, bringt Ew. Exzellenz den Ausdruck bleibenden nkes dar. — Nun haben wir also die so heiß ersehnte polnische Universität, aus den Fluten eines furchtbaren Sturmes taucht sie 1 unsere schwachen Arme mögen sie steuern, daß sie in hellere Tage hinüber⸗ komme, um dann all ihre Söhne mütterlich zu umfassen, alle die⸗ jenigen, welche bisher in der Welt verstreut, der Wissenschaft auf fremder Erde dienten, sehnlich die Stunde erwartend, in welcher sie ihre Kräfte der Pflege der vaterländischen Wissenschaften widmen können. So 5 wir unsere Ausgabe auf. Wir wissen, daß sie un⸗ endlich schwer ist, und so werden wir an die Arbeit gehen, nicht in einer festlichen Toga, sondern in dem Gewande eines bescheidenen fleißigen Arbeiters. ir betreten die Mauern der Universität nicht als Hauptarmee, sondern als Pioniere, die über die von der fremden Wirtschaft zurückgelassenen Sümpfe Brücken und Fahr⸗ wege bauen, auf denen die Hauptarmee unserer wissenschaftlichen Arbeiter einziehen soll. Doch, wie der unvergeßliche Mianomski gesagt hat:„In unseren 15 liegt bloß die Verwaltung der neubegründeten Schule und in Eurer Hand, edle Jugend, liegt ihr Schicksal.“ So wende ich mich denn zuletzt an Euch, weil wir für Euch arbeiten möchten, für Euch und mit Euch. Ohne gegen⸗ eitiges Vertrauen, ohne Cure Arbeit, ohne Euer Verständnis ür die Wichtigkeit dieser Stunde und ohne Euer Festhalten an dem polnischen und rein wissenschaftli Charakter der Uni⸗ versität werden wir allein nichts ausrichten können. An die Ar⸗ beit also, junge Fir dad Möge die Würde eines akabemi⸗ schen Bürgers, welche Ihr bald erwerben werdet, Euch 15 Ar⸗ beit anspornen; bedenkt, daß auf dem Wappen unserer Universi⸗ tät sich der alte polnische Adler befindet, der in seinen Klauen einen Palmenzweig einen Lorbeerzweig hält, Zeichen an⸗ dauernden Fleißes und der Belohnung. Ihr müßt auch unter schwierigsten Bedingungen bei der Arbeit ausharren, danach stre⸗ ben, nicht nur den Verstand mit nüßlichem Wissen zu bereichern, sondern vor allem die Empfindung für wissenschaftliche Wahrheit in Euch zu erziehen und das Verlangen wachzuhalten, stets neue Wahrheiten zu decken.“ Aus dem Reiche. l Eine Viehzählung. f Berlin, 15. Nov.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrats wurde dem Entwurf einer Verordnung über die Vornahme einer Viehzählung am 1. Dezember die Zustimmung erteilt. Nach einem Bundes⸗ ratsbeschlusse aus dem Jahre 1912 haben in allen Jahren. in denen eine Viehzählung erweiterten Umfanges nicht stattfindet, sogenannte kleine Viehzählungen am 1. mber stattgefunden. Der Bundesrat beschloß in seiner Sitzung vom 15. November, daß die en 1. Dezember dieses Jahres mit einigen kleinen Abänderungen een früher veranstaltet werden soll, die im Interesse der Vergleichbar⸗ keit der Ergebnisse mit den bisher während des Krieg Zählung erstreckt sich auf Pferde, Rindvie — beranstalteten Viehzählungen„Rindvieh, erschienen. ö Schafe„Schwe „ 5 5 8 e wendig.“ 8 5 0 . r Ueversuht der Zahlungsergeb⸗ st bis zum 15. Dezember, eine endgültige Zusammen⸗ lung bis zum 15. Januar 1916 dem Kaiserlichen Statisti⸗ chen Amt einzusenden. — Aus Stadt und Cand. Gießen, 16. November 1915. Odenwalddichter Karl Schäfer f. Der weit über Hessens Grenzen hingus bekannte und hochge⸗ schätzte Odenwalddichter Karl Schäfer ist am Samstag hier nach langem Leiden im Al er von 66 Jahren gestorben. Mit ihm ist ein Mann dahingegangen, dessen Ableben allenthalben lebhafte Teilnahme erwecken wird. Im Odenwald, und zwar in Brensbach geboren, hat er nrit innigster Liebe und Begeisterung an seiner engeren Heimat festgehalten und sie unermüdlich in Poesie und Prosa befungen. Von seiner frühesten Jugend bis zu seiner schweren Erkrankung vor mehreren Jahren hat er die herrlichen Wälder und Wiesen durchstreift, jeder Berggipfel und feder Weiler war ihm bekannt und hatte in ihm seinen reund. Er zog nicht wie die meisten Wanderer teilnahmslos durch die Fluren, sondern mit dem offenen Auge des Natürfreundes und dem tiefen Emp⸗ finden für die Schönheiten der herrlichen Gottesnatur. Und zu diefer Freude gesell e sich bei Schäfer ein tieser Sinn und neit⸗ gehendstes Verständnis für die heimatsgeschichtlichen Dinge. Wie er in zahllosen stimmungsvol en Gedich en und vaterländischen Liedern die Schönheiten des Odenwaldes besang, so schuf er in einer ganzen Reihe von Erzählungen und Romanen gehaltvolle ieschichtliche Werke, durch die auch die 5 U des Odenwaldes ich einen ehrenvollen Platz in der deutschen Literatur gesichert hat. Werke, wie der„Einsiedler von Auerbach“, das in der Zeit Karls des Großen spielt und das„Klosterkind“, ein großangelegter Ro⸗ man aus der Zeit der Kreuzzlge, haben in der ganzen deutschen Presse gebührende Würdigung gefunden. Karl Schäfer war Lehrer von Beruf und nahezu 40 Jahre als solcher vorzugsweise in Darm⸗ stadt tätig; als ihn ein hartnäckiges Augenleiden zum Eintritt in den Ruhestand zwang, wurde ihm außer zahlreichen anderen Ehrungen auch das Ritterkreuz zweiter Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. In Darmstadt war Schäfer eine stadt⸗ bekannte und beliebte Persönlichkeit und kein Odenwaldfest verstrich ohne eine neue Gelegenheitsdichtung von ihm, wie ihn auch der Odenwaldklub bei jedem Anlaß auszeichnete. Von seinen zahl⸗ reichen Werken seien außer den schon erwähnten noch genannt: die ersten Gedichtsammlungen„Knospen“ und„Heiderosen“, dan! die Odenwaldgeschichten:„Der Falkner vom Rodenstein“, die„Sage vom Rodensteiner“,„Die Lindelgret“,„Heimatlos“,„Eine Mond⸗ nacht im Odenwald“,„Die Bachprinzessin“,„Im Hirtenhaus“, „Als die Drossel sang“ und im Jahre 1911 die Erzählung„Eulen⸗ spiegel im Ode wald Als letztes seirer Werke erschien vor einigen Jahren ein Baud Gedichte„Heimatlieder“, in denen noch einmal seine ganze Liebe zum heimatlichen Boden ergreifenden Ausdruck findet und der Dichter zugleich in elegischen Worten mit don Schilderungen von dem Absterben der Natur gewissermaßen das Empfinden seines eigenen Lebensabends verknüpfte. Karl Schäfer wird als der hervorragendste Odenwalddichter in der Geschichte unseres Hessenlandes fortleben und in seinem großen Kreis von Freunden und Verehrern unvergessen bleiben. n * » Auszeichnung. Dem Vizefeldwebel der Reserve Heinrich Nicolai aus Gießen, un Infanterie-Aegiment Nr. 30(früher 116) wurde das Eiserne Kreuz verlieben. Amtliche Personalnachrichten. Der Groß⸗ 9 hat durch Entschließung vom 10. November d. J. die ne zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philiyos des Großmütigen dem Wachtmeister und Stationsführer Poter Berth im Großh. Gendarmeriekorps verliehen.— Der Groß⸗ herzog hat am 15. November den Präsidenten der Oberrechnungs⸗ kammer Ludwig Ewald auf sein Nach suchen, unter Anerkennung seiner langjährigen, treuen und vorzüglichen Dienste, mit Wirkung vom 1. Januar 1916 an in den Ruhestand versezt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter als„Wirklicher Geheimerat“ mit dem Prädikat„Exzellenz“ verliehen.— In den Ruhestand versetzt wurde am 10. November d. J. der Lehrer Peter Göckel zu Angers⸗ bach, Kreis Lauterbach, auf sein Nach uchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, mit Wirkung vom 16. No⸗ vember 1915 an. 70. Geburtstag. Heute(16. November) vollendet Geheimer Kommerzienrat Dr. Adolf Clem m in Mannheim, ein Sohn unserer Universitätsstadt, einer der bahnbrechen⸗ den chemischen Industriellen Deutschlands, sein 70. Le⸗ bensjahr. Um unsere Universität, namentlich die Uni⸗ versitätsbibliothek, hat er sich durch wiederholte hochherzige Stiftungen hochverdient gemacht. Be aufsichtigung der Jugend. Man braucht nicht lange durch die Straßen zu gehen, um die von vielen beklagte Wahrnehmung bestätigt zu sehen, daß die herrschende Kriegszeit auch auf dem wichtigen Gebiet der Jugendbeauf⸗ sichtigung böse Lücken gerissen hat. Erst kürzlich wurde an dieser Stelle im Anschluß an die beiden traurigen Straßenbahnunfälle, denen zwei Kinder zum Opfer fielen, einer Zuschrift Raum gegeben, die namentlich dafür eintrat, die Kleinen und Kleinsten von der Straße möglichst fern zu halten und sie auf die Gefahren der Straßenbahn aufmerksam zu machen. Man kann nicht gerade sagen, daß diese Mahnung von zuständiger Stelle gerade großen Erfolg 5 hat. Nach wie vor sieht man kleinere und größere nder ihre Kapriolen vor und hinter den Straßenbahn⸗ wagen treiben, und es bleibt nur zu verwundern, daß die Zahl der Unfälle bei einem solchen Treiben nicht größer wird. Gar mancher wird zu diesem Kapitel seine eigenen Wahr⸗ nehmungen beisteuern können. Wie groß die Schwierigkeiten sind, die sich heuer durchweg dem geordneten Familienleben entgegenstellen, darf nicht verkannt werden; aber mit den gegebenen Mitteln müßte sich doch mehr erzielen lassen, als wirklich geschieht. Der Krieg darf nicht dazu führen, daß unter unserer Jugend das einreißt, was viele schon Ver⸗ wilderung und Verwahrlosung genannt wissen wollen. Wir 5 folgende Zuschrift wieder:„Ueb' Herz und Hand für's aterland! Aber nicht durch Einwerfen der Straßen⸗ laternen! Das sei den bösen Buben gesagt, welche unter dem Schutze der Dunkelheit und der Mütze einer höheren Schule sich am Samstag abend mit bestem Erfolge bemühten, an der Kinderkinlik eine Laterne einzuwerfen. Es wäre viel⸗ leicht angebracht, wenn sich die Polizei in der angegebenen Gegend umschaute, besonders nachmittags und an schulfreien Tagen. Langsam und allmählich wächst sich die unbeaufsich⸗ tigte Jugend hier und an anderen Stellen zur Landplage aus, die frisch gefüllten Löcher in der Straße werden auf⸗ gerissen, friedliche Spaziergänger, Kinder und Hunde mit Steinen beworfen, Fenster zertrümmert usw. Greift auch einmal einer der Belästigten zur Selbsthilfe und versorgt eine Bubenkehrseite kräftig mit Pfeffer und Salz, so macht das doch nur vorübergehend Eindruck. Weniger schulfrei und strengere Beaufsichtigung könnte gerade in der Jetztzeit nichts schaden, wo die Väter fehlen und die Mütter selbst einer Beschäftigung nachgehen, sich also um ihre Kinder meist kaum kümmern können. In der Dunkelheit sollte überhaupt Kin⸗ dern streng verboten sein, sich auf der Straße herumzutreiben. u erwägen wäre auch, ob es nicht möglich ist, in den freien tunden für die Jugend Beschäftigungskurse ein⸗ zurichten. Unter Aufsicht geeigneter Persönlichkeiten könnten sie sich dann jedenfalls nützlicher betätigen, als es jetzt viel⸗ 8 sach geschieht. Dringende Abhilfe erscheint hier durchaus not⸗ Versteigerung können nur hessische durchwehten Stadt und Kreis 2 e Lazarettzeitung. Von diesem ver⸗ dienstvollen Unternehmen, dem kürzlich bereits einige geilen gewidmet waren, ist am 11. November die Nr. 7 er⸗ schienen. Sie enthält einen Aufsatz über die Rentenansprüche der Kriegsbeschädigten, einen solchen über„Friegsbeschä— digte und Buchbinderhandwerk“, einen Arbeitsmarkt für Kriegsbeschädigte, Briefkasten, reichhaltige Rätselecke und gute feuilletonistische Neitpäge aus der Feder von Feld⸗ 5 Ein 9 Gedanke ist es auch, das Deutsch⸗ and aus der Zeit des Tacitus in Uebersetzungen aus dessen „Germania“ vor den Nachfahren erstehen zu lassen. Auch die Gießener Beilage zu der Lazarettzeitung zeichnet sich durch sorgsältig gesichteten und unterhaltsamen Skoff aus. Die Verwundeten dürfte besonders die Ankündigung der mannigfachen Unterrichtskurse in der Gewerbeschule, den Lazaretten und dem Soldatenheim interessieren. * Der Vorstand des Obst- und Gartenbau⸗ vereins war am Sonntag vormittag zur Besichtigung der an der Wollspinnerei im vergangenen Jahre von ihm verpachteten Gärten versammelt. Es wurde bei dieser Gelegenheit festgestellt, daß sich die Uebernahme der her⸗ gerichteten 46 Gärten bei einzelnen Pächtern sehr lohnend estaltet hat. Diese haben es verstanden, auf dem ihnen über⸗ assenen Gelände eine vorzügliche Ernte in Frühkartoffeln sowohl wie in Gemüsen zu erzielen; aber auch die übrigen Pächter sind mit den Erfolgen, welche sie für den Anfang gehabt haben, recht zufrieden. Der Vorstand, dessen Tätig⸗ keit gleich nach Ausbruch des Krieges es besonders zu danken ist, daß das Kleingartenwesen in unserer Stadt einen kräftigen Anfang genommen hat, war sich einig, daß die Art, wie er die Sache behandelt, zum Ziele führt und be⸗ schloß, in gleicher Weise wie bisher den Kleingartenbau zu fördern und dafür einzutreten, daß auch seitens der städli⸗ schen Verwaltung die Anlage von Kleingärten kräftig in die Hand genommen wird. Stadttheater. Mit Rücksicht auf das auswärtige Pu⸗ blikum wird die morgige Vorstellung der„Fünf Frankfurter“ schon um ½ 8 Uhr beginnen und um ¼10 Uhr beendet sein. „ Oberhessischer Kunstverein. Die emälde-⸗Aus- stellung ist morgen Püttwoch von 11 bis Ullor und am Nachmittag von 2 bis 5 Uhr geöffnet, an den übrigen Werktagen, mit Aus- nahme der Samsta e, von 11 bis 1. Ubr. e Die Verpflegungsgelder für die im Oktober 1915 in Bürgerwohnun en untergebrachten wanuschasten des Landsturm- Infanterie-Ersatz⸗ Bataillons II(5. und 6. Kompagie) werden! it woch, den 7. November, vormittags von 8—12 und nachmittags von 2—5 lIür, im Stadthaus Zimmer Nr. 4 ausbezahlt. e Im Kreisblatt wird unter Hinweis auf die scharfen Strafbestimmungen noch einmal an die Melde- und Einsendepflicht für Gummibereifungen erinnert.— Eine Bekanntmachung betr. die Meldepflicht der dienst⸗ untauglichen Wehrpflichtigen sei ebenfalls der Aufmerksamkeit der davon Betroffenen empfohlen, zumal sie bei dem einen oder andern etwa noch bestehende Unklarheiten beseitigen kann. a . Pferdeversteigerung. Samstag, den 20, November, vormittags 10 Uhr, kommen auf dem städtischen Schlachthofe in DTarmstadt 50 Stück Beutefohlen, französischen Typs, im Aller von 5 Monaten bis 3 Jahren zur Versteigerung. An der Landwir e teilnehmen. Die Ver⸗ steigerung erfolgt gegen Barzahlung. Eine Rückvergütung auf die Steigpreise wird für diese Fohlen nicht gewährt. Landtreis Gießen. 3 Grünberg, 15. Nov. Am Sonntag fand hier im Saale des„Rappen“ eine von den Verwundeten unseres Lazarettes ausge ührte„V aterländische Veranstal⸗ tung“ statt. Es fanden zwei Vorstellungen statt, eine am Nachmittag für Kinder und Auswärtige, und eine am Abend für die hiesigen Bewohner. Der Erlös der beiden Vorstellungen, die überaus zahlreich besucht waren— am Abend etwa 500 Personen— soll zum Besten des hiesigen Lazaretts verwandt werden. Den Hauptteil der Veranstal⸗ tung bildeten die beiden von echt. Geiste Theaterstücke„Im Zeichen des Roten Kreuzes“ und„Weihnachten in Feindesland“, die von den Verwundeten, sowie den freiwilligen Helferinnen am Laza⸗ rett sehr gut dargestellt wurden. Einige gut vorgetragene vierstimmige Chöre der Verwundeten, sowie mehrere Duette und Sologesänge hiesiger masikalischer Kräfte bildeten eine würdige Umrahmung der wohlgelungenen, auf einen ernsten Ton gestimmten Veranstaltung. b Kreis Büdingen. z Büdingen, 15. Nov. Tas Eiserne Kreuz erbielt der Feldvo setretär Seppelt 8 A Usenborn, 15. Nov. Das dessische Sanitätskreuz erhielt der Assistenzarzt Luzius im Landwehr⸗Infanterie-Reu⸗ ment 7. 3 A Blofeld, 15. Nov. Das Eiserne Kreuz erhielt der Wehrmann Koburger im 21. Pionier- Bataillon. Hessen⸗Nassau. 15. Nov. Von morgen ab sind auch für arburg Höchstpreise für Speise⸗ kartoffeln festgesetzt worden. Sie betragen in der Stadt im Kleinhandel 4 Pfg. für das Pfund, bei Verkäufen von 110 Zentnern durch den Erzeuger frei Haus 3.50. Mk., durch den Händler 3.75 Mk; für den übrigen Teil des Kreises durch Erzeuger oder Händler im Kleinverkauf 4 Pfg., bet Mengen bis zu 10 Hentnern für den Erzeuger 3.10 Mk., für den Händler 3.30 Mk. Bei Stellung der Säcke dürfen für diese 10 Pfg. zugeschlagen werden. Höhere Preise dürfen weder gefordert noch gegeben werden.— Bei den Ba Stadtverordneten⸗Ergänzungswahlen er dritten Wählerklasse wurden die ausscheidenden Stadtver⸗ ordneten Metzgermeister Keppler, Lohgerbermeister Weintraut und S uhmachermeister Krantz wieder⸗ gewählt. Die Wahlbeteiligung war sehr schwach. Frankfurt g. M., 15. Nov. Vor einer Wirtschaft im Stadtteil Niederrad kam es in der vergangenen Nacht zwischen mehreren Arbeitern zu Streitigkeiten, in deren Verlauf der verheiratete Eisendreher Karl Schulz von einem Gegner, dessen Persönlichkeit bislang nicht er⸗ mittelt werden konnte, durch einen Stich ins Herz ge⸗ tötet wurde.— Gegen eine große Anzahl von Klein⸗ händlern, die für einzelne Sorten Kartoffeln, be⸗ sonders Salatkartoffeln, erheblich höhere Preise verlangt hatten, als durch die Höchstpreise vorgeschrieben sind, wurde das Strafverfahren wegen Wuchers eingeleitet. 8 e An versitäts⸗ Nachrichten. Frankfurt a. M., 15. Nov. Für die innere Gestaltung der Unive sität sind nunmehr nach Verlauf des ersten Jahres die sesten Grundlagen geschaffen worden. Die Vorschristen für die Studierenden, die Satzungen der Fakultäten, die Promotions: und Habilitations⸗Ordnungen erhielten ihre endgültige Form. Als eine Vesonderheit der Universität muß die weiten Kreisen erschlossene Möglichkeit zu allgemeiner Bildung hervorgehoben werden, die durch die neuen Bestimmungen üver Gasthörer und Besucher ae⸗ boten wird. In Znkunst wird Über alle wichtigen Vorkommnisse an der Un verstat, uber ire Gelanae von der d rundung ait eine besondere Zeitschrist unterrichten, die den Titel Fran k⸗ furter Universttäts-Chrontk führt. Das erste Hest er⸗ scheint bereits in den nachsten Tagen. Märkte. f Geben, 16. Nov. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte lostete: Butter das pid 1, 0,00, Hühnereier das Siück 17„—20 Pig., Käse das Stück 7—9 Pfg., Käsematte 1 Stück 3—0 Pig.) Kartoffeln der Zentner 3,75 bis 0,00 Mark, Milch das Liter 26 Pig. Aepfel der Zentner 6 bis 8 Ml., Spinat 20 2 Pig. das Pfund; Wirsing 10-15 Pfg. das Stück, Gelbe⸗ rüben 10—12 Pennig das Pfund, Rotkraut 15—25 Pfennig das Stück, Rotenkohl 20-25 Pfg. das Pfund, Kohlrabi 6 bis 8 Pa. das Stück, Weißkraut 15—25 Pig. das Stück, Birnen 7 bis 15 Pfa, bessere(0-00 Pfennig das Pfund, rote Rüben 7—8 Pfg., rön isch Kohl 6—8 Pfennig. Zwiebeln der Zentner 27—28 Mk. Rüsse 100 Stück 4050 Pig. Blumenkohl 20-50 1g Tomaten d. Pfd. 253 Pig. Sellerie 0-10 Pig. d. St. Endivien 10—12 Pfg. Marktzeit von 8 bis 2 Uhr. — Herborn, 15. Nov. Auf dem heute abgehaltenen 13. dies- jährigen Markte waren aufgetrieben 104 Stück Rindvieh und 56 Schweine. Es wurden bezahlt für Fettvieh und zwar Ochsen 1. Qualitat 60-40 Mk., 2. Qualuät 00 00 Mark, Kühe und Rinder 1. Qualität 170—120 Mk., 2. Qualität 90-95 Mark für 0 Kilo Schlacht ewicht.— Auf dem Schweinemarkt kosteten Ferkel 5880 ik. Läufer 100— 120 Pk. und Eimlegschweine 14 210 Mk. das Paar. Der nächste Markt findet am 6. Dezember 1915 statt. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 17. Nov. 1915: Wechselnd bewollt, mein trocken, Temperatur wenig geändert. Letzte Nachrichten. Eine Entscheidung Griechenlands gegen die Entente? 1 16. Nov. Entgegen anderslautenden Meldungen er⸗ fährt der Korrespondent des„Echo de Paris“, daß die Entschei⸗ dung in der Frage er Entwaffnungder Ententearmee, falls sie auf griechisches Gebiet verfolgt werden sollte, bereits ge⸗ fallen sei und zwar gegen die Entente. i Entspannung in Rumänien. Wien, 16. Nov. Aus Bukarest wird gemeldet, daß ru⸗ mänische Studenten, die im Auslande studieren, und die infolge der bedrohlichen politischen Lage nach Rumänien zurück⸗ ekehrt waren, von dem Kriegsminister die Erlaubnis erhalten ben zur Fortsezung ihrer Studien das Land wieder zu ver⸗ assen. Japanische Spione in Bulgarien. Lugano, 16. Nod. In der Umgebung von Dedeagatsch und Porto Lagos tauchen zahlreiche Japaner auf, die über Griechenland eintrafen, anscheinend als Kriegshilfsarbeiter, Kut⸗ scher und Träger. Da sie verdächtig sind, wurden mehrere verhaftet und im Landesinnern interniert. Mehrere wurden aus Bulgarien ausgewiesen. Lord Fisher wieder erster Lord der Admiralität? Haag, 16. Nov. Die„Daily News“ meldet, daß in parlamentarischen Kreisen der Plan, Lord Fisher wieder um ersten Lord der Admiralität zu ernennen, lebhaft be⸗ ee werde. Die revolutionäre Bewegung in Indien. Kopenhagen, 16. Nov. Die Meldungen über eine Aus⸗ dehnung der revolutionären Bewegung in Indien werden durch in Petersburg eingetroffene Berichte aus japanischer Quelle bestäligt. In Schanghai befinde sich der Hauptsitz der antienglischen Propaganda. Von dort aus sind in den letzten Monaten Flug⸗ schriften gegen die englische Regierung in Indien sowie Waffen und Munition eingeschmuggelt worden.(Nach glaubwürdigen Mel⸗ dungen sind die Japaner selbst die Schürer der Bewegung.) Verlobung einer Tochter des Erzherzogs Friedrich. Berlin, 16. Nov. Wie der„Berliner Lokalanzeiger“ er⸗ fährt, hat sich die Tochter des Armeeoberkommandanten Erzher⸗ og Friedrich, Erzherzogin Isabella, die als Schwester rmgard beim Roten Kreuz tätig ist, mit Professor Wil⸗ helm Albrecht, einem Wiener Arzt, verlobt. Erzherzogin Ifabella ist am 17. Oktober 1888 in Preßburg geboren Im Jahre 1912 vermählte sie sich mit dem Prinzen 1 von Bayern. Die Ehe wurde aber nach kurzer Zeit für nichtig erklärt und aufgelöst. — Seorq N. d metzi Akliengeselchaff Dresden Sie erweisen unseren tapferen Soldaten einen. wirllichen Liebesdienst wenn Sie Ihren Sendungen 1 ins Feld 1 bis 2 Schachteln a Fay's ächte Sodener Mineral⸗Pastillenbeifügen 862388 29. Hauptbersammlung des vereins „hHessisches Lehrerinnenheim“ Samstag, den 20. November 1915, nachmittags 4 Uhr, im Rathaussaal zu Tarmstadt. Die Versammlung ist auf jeden Fall beschlußfäbig. um zahlreiches Erscheinen bittet 17. Friedhof statt. 1. Bericht über die 2. Kassenbericht. 3. Bericht über die Hilfskasse des Hess. Landes⸗ 4 Feen nend setzen wir unsere Kameraden in ge ziemende Kenntnis. Die Bestauung findet Miltwoch, den Statt besonderer Anzeige. Gestern abend /½ 1 Uhr entschlief nach kurzem Leiden mein Bruder, innigstgeliebter Mann, unser treubesorgter Vater, Grossvater, Schwager und Onkel Georg Zeidter im kaum vollendeten 67. Lebensjahre. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Giessen(Buddestr. 7), Offenbach a. M., den 14. November 1918. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 17. d. ts, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 9 Von dem Ableben unseres 375 lieben Kameraden Georg Zeidter unseren herzlichen Dank. d. Mis, nachmittags 3 Uhr, auf dem neuen 89691) Der Vorstand. Heinrich Keil und Familie. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die überaus zahl⸗ reichen Blumenspenden bei dem Hin— scheiden unseres lieben Vaters, Schwieger— vaters und Großvaters sagen wir allen 8966 88D Am 13. Oktober erlitt den Heldentod unser lieb er A. H. Dr. Philipp Zorn Leutnant d. Res. im 17. bayr. Infanterie Regiment Inhaber des Eisernen Kreuzes II. Klasse und des bayerischen Militärverdienstordens 4. Klasse mit Schwertern. Sein Andenken wird uns heilig sein. Burschenschaft Arminia Giessen. I A. Professor Pfa sf. Im vergangenen Semes' er gaben ihr junges Leben für das Vaterland unsere lieben Bundesbrüder Sludl. med. Albrecht Selbst aus Giessen fefsrendar Josef Müller aus Bingen Stud. forest. Fritz Grohe aus Butzbach stud. pharm. Karl ftiess aus Nieder-ingelheim. Ehre den Helden! Die V. K. D. 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