J%ͤöÜͤ ur. 207 Zweites Blatt Erscheinl täglich mit Ausnahme des Sonntags. J Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. nn. —— Gener 165. Jahrgang Bundesratsverordnungen. Berlin, 11. Nov.(WTB. Amtlich.) In seiner heutigen Sitzung hat der Bundesrat eine Verordnung über die „Regelung des Verkehrs mit Kaffee, Tee und Kakao beschlossen, die dem Reichskanzler in dieser Hinsicht eine ge⸗ wisse Ermächtigung erteilt. In drei weiteren Verordnungen hat der Bundesrat dem Reichskanzler die Ermächtigung er⸗ teilt, Höchstpreise für Buchweizen, Hirse, Obst mus, Zonig und sonstige Stoffe, die anstatt des Fettes zum Brotaufstrich dienen, und für Gemüse, Obst und Sauerkraut sestzusetzen. Die Höchstpreise werden für den Verkauf des Er⸗ zeugers festgesetzt. Des weiteren können dann die Gemeinden Höchstpreise für den Kleinhandel festsetzen. Gemeinden mit mehr als 10 000 Einwohnern sind hierzu verpflichtet. Die⸗ selbe Verpflichtung kann auch kleineren Gemeinden von den Landesregierungen auferlegt werden. Die obere Grenze der Höchstpreise im Kleinhandel kann vom Reichskanzler be⸗ stimmt werden. Für Buchweizen und Hirse ist außerdem die Verarbeitung zu Branntwein verboten worden. Der Bundesrat hat in seiner Sitzung am 11. November beschlossen, daß Verträge über Lieferung von Butter, Kartoffeln, 88 Wild, Milch, Buchwei⸗ zen, Hirse, deren Verarbeitungen, Obstmus, sonstige Fettersatzstoffe zum Brotaufstrich, Obst, Gemüse, Zwiebeln und Sauerkraut, die zu höheren Preisen als den auf Grund der betreffenden Bun⸗ desratsverordnungen sestgesetzten Höchstpreisen abgeschlossen sind, mit Inkrafttreten der Höchstpreise als zum Höchstpreis abgeschlossen gelten, soweit die Lieferung zu diesem Zeit⸗ punkt noch nicht erfolgt ist. Ist der Höchstpreis vor dem 12. November festgesetzt, so tritt er insoweit an die Stelle des Vertragspreises, als eine Lieferung vor Inkrafttreten dieser Verordnung noch nicht erfolgte. Streitigkeiten zwi⸗ schen den Vertragsparteien entscheidet ein Schiedsgericht. Bei einem Lieserungsvertrage über die obengenannten Ge⸗ genstände, der vor dem 12. November abgeschlossen ist und für den ein Höchstpreis nicht besteht, steht die Befugnis zur Anrufung des Schiedsgerichts dem Käufer zu, wenn er be⸗ hauptet, daß ihm mit Rücksicht auf die veränderten wirt⸗ schaftlichen Verhältnisse die Erfüllung des Vertrages zu den vereinbarten Bedingungen nicht zugemutet werden kann. Auch hier ist jedoch die Anrufung des Schiedsgerichts aus⸗ geschlossen, soweit die Lieferung vor dem Inkrafttreten ieser Verordnung erfolgt ist. Bei Verträgen über Lieferung von Milch und Butter hat auch der Verkäufer das 1 91055 1 bei den anderen Gegenständen nur dem Käufer usteht. 4 0 Der Bundesrat hat ferner beschlossen, die Kartoffel⸗ verordnung vom 28. Oktober dahin zu ergänzen, daß nicht nur der Reichskanzler, sondern auch die Landeszentral⸗ behörden oder die von diesen bestimmten Behörden befugt sein sollen, Großhandelshöchstpreise für Kartoffeln festzu⸗ setzen. Außerdem sollen die Landeszentralbehörden oder die von ihnen bezeichneten Behörden bestimmen können, daß eine Enteignung von Kartoffeln auch gegenüber Kartoffeler⸗ zeu mit weniger als einem Hektar Kartoffelanbaufläche zulässig sein soll. Kriegsbriefe aus dem Gsten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Die Kämpfe 11 5 Dünafront. Der Schloßberg und Illuxt. Jelowka, 30. Oktober 1915. In Verbindung mit den Operationen der deutschen Kräfte, die auf der Straße Wilkomir—Nowo⸗Alexandrowsk.— Dünaburg vorgingen, stieß eine deutsche Gruppe über Schawli aus dem Jara⸗ Abschnitt ungefähr von der Linie Ponedeli⸗Skopischki in südöstlicher Richtung gegen Dünaburg vor. Am 12. September stand diese Gruppe ungefähr 70 Kilometer vor dem Brückenkopf Dünaburg; eine Strecke, die unter leichten Nachhutgefechten in zwei Tage⸗ märschen bewältigt wurde. Dann begann das kunstvolle System der russischen Brückenkopfverteidigung auch hier, man hatte die Auf⸗ gabe, die moderne Festung anzufassen. Die Russen haben aus den Erfahrungen dieser 15 Kriegsmonate gelernt, daß nur die Feld⸗ stellung vor schwerer und schwerster Artillerie schützt, und sie haben vor Dünaburg ein fast geniales System von Schützengräben an⸗ al⸗Anzeiger für Oberhessen HGreitag, 12. November 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühlschen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul ⸗ 8 straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 1, Schrift⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. K ͥ ͥ ͥ00ÄT200 ˙ gelegt. In einem Halbkreis von über 22 Kilometer Radius er⸗ strecken sich gegenseitig flankierende Gräben und Graben⸗ stücke, die durch Pioniere und Armierungsbataillone sorg⸗ sam ausgebaut sind. Bei Gut Schödern und bei Poppe (nordwestlich vom Schloßberg) hat dieses Labyrinth einen Ausbau erhalten, der es fast uneinnehmbar erscheinen ließ. In drei Etagen erstrecken sich die Schügenstellungen über das hügelige Land, so angeordnet, daß die obere Enie Schußfeld über die beiden anderen hat. Jeder Graben in sich ist so tief angelegt, daß beim Sturmangriff von einer Erdballustrade eine zweite Schützen⸗ linie, die hochspringt, über die erste hinweg schießen kann. Eine Doppelreihe ist so imstande, zu feuern. 5 i Nachdem die Stellungen bei Poppe im plötzlichen Handstreich erstürmt waren, konnte auch diese starke Festungslinie bei Schödern nicht mehr bei ernstlichem Anfassen gehalten werden. In der darauf folgenden Linie, die zum größten Teil im Waldgebiet lag, spielte der fast 150 Meter hohe Schloßberg eine beherrschende Rolle. Trotz seiner Stärke wurde er am 22. Oktober als Angriffsziel bestimmt, weil er der schweren Artillerie wenigstens Objekt zum Wirken bot. Am 23. Oktober nach eineinhalbstündiger Einwirkung der schweren und schwersten Artillerie wurde der Schloßberg gestürmt. Die Trupzge ging sofort nach seiner Einnahme durch das zu Füßen des Schloßberges liegende Städtchen Illuxt hindurch und grub sich an den Kirchhöfen am Ost⸗ und Nordrande von e Vis auf 80 Meter liegt man sich hier in den Stellungen. gegenüber. Bei den bisherigen Durchbrüchen dieser deutschen Gruppe durch 15 Linien des Brückenkopfes Dünaburg einschließlich dieses letzten Sturmes auf den Schloßberg wurden 85 Offiziere und über 5 Mann gefangen, 35 Maschinengewehre, 3 Minenwerfer erbeutet. „Die Ruine von Schloß Lassen bleibt zur Linken. Das mächtige steinerne Portal mit dem Pförtnerhaus, das am Wege liegt, ver⸗ sprach am Abend, als wir vorgestern von Nowo⸗Alexandrowsk kamen, ein fürstliches Quartier. Wir gingen durch den Park, in dem die hochstämmigen Rosen längs des Weges in der bitter⸗ kalten Nacht erfrieren mußten. Als ob es etwas gilt, wenn Schlösser verbrennen und Dinge, die jahrhundertelang vielen Augen eine Freude waren, verderben— aus einer Scheune klang Musik, ein Armierungsbataillon spielte dadrinnen das Lied vom Prinzen Eugen, der Schnee glänzte unter dem Sternenhimmel. Der Weg schiebt sich ein wenig höher, jetzt mußte das Schloß kommen: Ruinen, die noch in ihrer sinnlosen Traurigkeit schön waren. Nur die Kapelle hatte der Brand verschont. Ein paar Land⸗ sturmmänner waren eben dabei, sich neben dem eichenen Chor⸗ gestühl zum Schlafe niederzulegen. Kosaken hatten das Gut beim Abzug angezündet. Es war ein Bild hier des ganzen Zipfels, da Kurland und Litauen zusammenstoßen: die Kirchen sind geblieben, damit man wissen kann, wo die Dörfer einmal standen. Was die abziehenden Russen nicht vernichteten, war vorher unter dem Häm⸗ mern unserer Artillerie gefallen, und was wir dann noch besetzten, was den beiden entronnen war, das zerschoß die russische schwere Artillerie. Man merkt es bei jedem Weg durch das Land hinter der Düna, daß die Russen wieder über genügend Munition verfü⸗ gen. Die Unterschiede zwischen den Kriegsschauplätzen im Osten und Westen fangen an, weniger scharf zu werden Schloß Lassen bleibt zurück. Wir fahren dann geraden Wegs auf Illuxt, vorbei an den starken Waldstellungen von Wiltschany. Von Wiltschany an fängt die Luft an dick zu werden. Die Straße ist von den Russen eingesehen. Die Hügel auf dem rechten Düna⸗ ufer, auf dem eichn Teil der schweren russischen Artillerie steht, überhöhen das linke. Bei dem strahlend hellen Wintertag muß man jeden Mann auf der Straße erkennen können. Eine Vermutung, die sich auch bald genug bestätigt. Die Kirchtürme von Illuxt heben sich aus der Senkung, schräg links flimmern die Reste des roten Ziegelbaues der Brauerei Schloßberg, die zu dem Gutskomplex, der die Hügelkuppe einnimmt, gehört. Wir kommen an den Stel- lungen am Südhang des Schloßberges entlang, die Stellungen, die am. des 23. unter dem deutschen Trommelfeuer lagen. Hinter den Linien haben sich die Russen nach Art der Gräben auf dem westlichen Kriegsschauplatz Fuchslöcher gegraben, die tief unter der Erde liegen. Wenn unser Trommelfeuer einsetzt, verschwinden die Verteidiger in den Gräben, und wenn die Infanterie zum Sprung hoch geht, besetzen sie die Gräben wieder. Eben betrachteten wir die Gräben, da sahen die Russen die kleine Gruppe. Man hörte den zweimaligen Abschuß, und dann kam auch der russische Gruß. Recht gut war der Einschlag etwa 40 Meter von der Stelle. Man mußte sich entlang der russischen Gräben ziehen. Es war doch ratsamer so. Auf dem Schloßberg hatte am Sturmtage unsere schwerste Artillerie gelegen. Die mächtigen Krater saßen neben dem Guts⸗ haus, das durcheinander geworfen war, als hätte ein Riese mit den alten Mauern gespielt. Ein kleines Nebengebäude war ver⸗ schont geblieben, sonst war das große Gut mit Schloß und Brauerei, mit Ställen und Gärtnerwohnungen, mit Kavalierhaus und Kapelle ein Trümmerhaufen. In einem Keller, den sich ein Offizier als Quartier gesucht hatte, standen ein paar Möbelreste und an den weißgetünchten Wänden hingen ein paar Oelbilder — gute Oelbilder— aus der Kapelle. Die Maria lächelte still auf den Knaben in ährem Arm hernieder, die heimatlose Mutten Gottes, die der deutsche Offizier vor dem russischen Feuer bewahrt hatte. Der jetzige„Besiter“ des Kellers war bei dem Sturm mit dabei gewesen. Hinter den Häusern hatten sich die russischen Reserven sammeln wollen, als die ersten Schweren einschlugen, waren sie auscinandergerannt, sie hatten gar nicht mehr ein⸗ gegriffen.„Unten brannte Illuxt, wir stießen herunter. Durch. In der Kirche— wer wußte, wie es weiter gehen sollte?— lagen die paar Einwohner, die geblieben waren, auf den Ruinen, als wir eintraten. Ein Organist aus unserer Kompagnie getzte sich an, die Orgel und spielte:„Ein feste Burg“. Die Geschütze schriem laut dazwischen. Da fingen wir alle an zu singen. Offiziere Mannschaften. Die ganzen Verse. Man hörte das Brausen in der Luft nicht mehr. Dann ging's weiter gegen die Kirchhöfe.“ Jetzt sind gestern die letzten Einwohner aus der Stadt entfernt worden. Eine tote Stadt liegt da unter dem russischen Feuer. Nur in den Kellern ist manchmal heimliches Leben. Die Straßen sind nur im Sprungschritt passierbar. Ein Haus nach dem andern fressen die Flammen. J 1 Eben da ich über dem Hügel hinter dem Herrenhaus nach der Stadt hinunter blickte, fing das russische Feuer auf die Stadt und die Hänge des Schloßbergs wieder an. 11 sah aus, als wollte der Russe seine Artillerie für künftige Dinge einschießen. Auch unsere Batterien setzten ein. Nicht gerade ernstlich.„Es ist noch kein erregter Wortwechsel, sie sprechen über das gute Artilleriewetter“, sagte der Leutnant. 5 5 Im Park liegt ein kleiner Stein: Ma douce petite chienne Folie, fidele amie de six ans 1892—98. Was war das für eine merkwürdige Zeit, da man kleinen Hunden Denkmälerchen setzte? Das Schloß ist Ruine, die alten Baumriesen des Parkes sind zer⸗ splittert, über dem gelben Laub leuchtet der Stein der Spielerei des Grafen Plater⸗Siebert, und sein lebendiger Jagdhund streift durch das tote Schloß. Ist nicht fortzubringen aus dem Gewirr von Steinen, wie die Pförtnerin auch, die mit ihren Kindern in den Ruinen kauert. 5 Wieder beginnen die russischen Geschütze. Die deutschen Lang⸗ rohre antworten. Es dröhnt in den Lüften herüber und hinüber über den Schloßberg und Illuxt. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 13. Nov. 1915: Trüb und regnerisch, zeitweise aufklärend, etwas kühler. 5 1 Cetzte Nachrichten. Aus Bagern. 5 München e Nos im F anzausschuß der Kammer gab der Minister des Innern eine Erklärung ab, wonach er alle Polizeibehörden angewiesen habe, der Zurück⸗ haltung von Kartoffeln und der Ueberschreitung der Höchstpreise aufs schärfste entgegenzutreten. Türkisch⸗bulgarische Vorstellungen bei Griechenland. Budapest, 12. Nov. Der türkische und der bulgarische Gesandte in Athen haben in einer neuen freundschaftlich gehaltenen Form bei dem griechischen Auswärti⸗ gen Amt Verwahrung dagegen eingelegt, daß sich in griechisch Mazedonien englische und französische Truppen auf⸗ halten können. Sie erklärten, daß in der dauernden Anwesenheit dieser Truppen eine Verletzung der griechischen Neutralität erblickt werden müsse und daß dieser Zustand nicht im Einklang stehe mit der griechischen Neutralität. Der neue griechische Ministerpräsi⸗ dent Skuludis erklärte, daß das Kabinett alles getan habe, was in seiner Macht stehe, und auch weiterhin alles tun werde, die Lage zu klären. Der Lebensmittelmarkt in Frankreich. Paris, 11. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Verordnung des Polizeipräfekten bestimmt, daß in den Kaufläden Groß⸗ handels⸗ und Kleinhandelspreise für die gangbarsten Lebensmittel veröffentlicht und angeschlagen werden. Die Preise 0 werden allwöchentlich von Vertretern des Groß⸗ und Kleinhandelss festgesetzt. Aufstände in Indien. Von der russischen Grenze, 12. Nov. Wie russische Konsularvertreter mitteilen, ist in Bombay und zahlreichen an⸗ deren Städten Indiens ein großer Aufstand der Mohameda⸗ ner und teilweise Hin dus gegen die englische Herrschaft ausge⸗ brochen. Mohamedanische und Matrosen anderer Massen gingen gegen die Engländer vor. In Bom bay ist es zu einem heftigen Straßenkampf gekommen. Aus den anderen Teilen des Lan⸗ des fehlen zuverlässige Nachrichten, da die Uebermittelungsmög⸗ lichkeiten zum größten Teil unterbrochen sind. Zahlreiche Eng⸗ länder, darunter auch die in Bombay sich befindl russischen Kaufleute, haben auf Veranlassung des englischen Regierungsper⸗ 5 treters die Stadt verlassen. Auch von Ceylon werden neue Un⸗ ruhen größeren Umfanges gemeldet. Der Verkehr ist teilweise unterbrochen. . Gießener Stadttheater. 5 Kabale und Liebe. Trauerspiel von Friedrich von Schiller. literarischen U Stücke selbs. jubel, der mit dem Eifer und der vollen Anteilnahme der ersten 12—16 Lebensjahre nach jedem Aktschluß das Haus durchbrauste, kurzerhand überschwänglich zu nennen. Mit vorbehaltloser An⸗ erkennung sei auch an diesem Abend ein Kranz gereicht. Walter Dworkowski hatte mit sauberster Kleinarbeit und voller Be⸗ herrschung des überquellenden Stoffs die Szenen zu einem Ganzen von eindringlichster Leidenschaft geschichtet. Die Linien, in denen sich das alles hielt, atmeten Sicherheit und Würde. Es ist keine Alltagsaufgabe, dahinter das mit groben Hammerschlägen ge⸗ zimmerte Gerüst der Handlung zurücktreten zu lassen. Unsere Bühnenmitglieder unterstützten die Spielleitung mit vorbildlicher Hingabe. Martha Schild, zum ersten Male in dieser Spielzeit recht eigentlich am richtigen Platze, schenkte als Luise Außer⸗ ordentliches. In diesem unendlichen, gleich zu Beginn ohne Schranken einherflutenden Meer des Jammers immer noch Mög⸗ lichkeiten einer Steigerung der Teilnahme zu finden, das ist eine Forderung, die sich aus einer einfachen Entwicklung ergibt; gleich⸗ wohl kann sie nur von einer künstlerischen Persönlichkeit gelöst werden. Daß es sich dabei um eine Aufgabe von äußerster Delikatesse handelt, braucht nicht gesagt zu werden, denn das Mitgefühl wird vor solchen Abgründen menschlichen Leids nur zu leicht ratlos und schwankend. Frl. Schild fand den rechten Weg durch die furchtbare Zerrissenheit des unglücklichen Musikanten⸗ kindes mit intuitiver Sicherheit. Nirgends ein Schwanken, nir⸗ gends ein Uebermaß, aber in jedem Wort, in jeder Bewegung ein Erleben bis in die zartesten Seelenregungen und in jeden Nerv hin⸗ ein. Die Giftszene war trotz dieser Ausgeglichenheit noch ein Ding für sich, ein reines Kunstwerk von tieferschütternder Wirkung, des⸗ sen psychologische Seite hoch über das rein Stoffliche des Sterbens triumphierte. Vor solchen Darbietungen hat jede Ausstellung zu ver⸗ stummen, und es kann durch sie nur der Wunsch befestigt werden, daß die Künstlexin unserer Bühne recht lange erhalten bleibe.— In Ferdinand Stein hofer als Major hatte sie den rechten Partner. Der trug das lodernde Feuer der Leidenschaft und den reinen Schild seiner Ehre hoch in den Händen und brachte den zähne⸗ knirschenden Schmerz so gut wie die Makellosigkeit des zwanzig⸗ jährigen Ritters ohne Furcht und Tadel zu Anschauung und Geltung. Es wäre dann des alten Miller von Wilhelm Hell- muth freudig zu gedenken, der mit vollkommener Wahrheit unter der grobsten Kraftsprache das weichste und kindlichste Gemüt versteckte und besonders in der Aussprache mit dem Präsidenten den erstickenden, anfangs noch von der Untergebenenscheu an der und zu hören bekam, wird man gern. darauf verzichten, den Beifalls⸗ Kette gehaltenen Grimm des betrogenen Vaters überzeugend her⸗ ausbrachte. Eine stilpolle Leistung voll kluger, reich modellierter Gegensätze war die Milford von Anna Rubens. Dem Sekretär, dem schleichenden Schurken und Seelenhenker, lieh Walter Dwor⸗ kowski eine vam pyrhafte Unheimlichkeit, dabei durch Maßhalten am rechten Ort dem Eindruck des Theaterbösewichts geschickt aus dem Wege gehend. Wohldurchdacht und durcharbeitet war auch der Präsident Ernst Theilings. Was der Figur vielleicht am Alter des grauen Sünders abgehn mochte, ersetzte ein aus⸗ gezeichnet verteiltes und motiviertes Spiel. Arthur Eugens holte aus dem Hofmarschall, diesem Typ von. entzückend boshafter Kenienschilderung, die entsprechenden Wirkungen heraus. Es würde nicht leicht fallen, an der Vorstellung schwache Seiten zu entdecken. Einige Unebenheiten können nach Lage der Zeitver⸗ hältuisse mit gutem Gewissen übersehen werden. Jedenfalls dür⸗ fen Spielleitung und Künstler den enthusiastischen Beifall auf allen Plätzen als einen ehrlich verdienten Gewinn in Anspruch nehmen! Mögen diesem Abend noch manche gleichwertige folgen. * — 40 Jahre Briefkasten. Jedes Ding währt seine Zeit, pflegt man zu sagen! Aber der Briefkasten hat seine Zeit schon überdauert und genügt auch heute noch allen Ansprüchen. Als man im Januar 1875 zum ersten Male den neuen der viel größer, fast doppelt so groß als der frühere ist, benutzte, war dem Verkehrswohl sehr geholfen, die Fortschritte des deutschen Postwesens unter seinem damaligen genialen Leiter überhaupt gehören zu den bedeutendsten unserer Zeit. Nicht jeder denkt— so schrieb man damals— bei seinem Anblick an die Bedeutung dieses Detailstückes im Postdienste und mancher wird lächelm, wenn er liest, daß dieser Kasten sowohl für das Publikum größere Be⸗ quemlichkeit gewährt, ja ganz neue Möglichkeiten der kürzesten Aufgabe umfangreicherer Probesendungen, Bücher, Broschllren bietet,— als auch für die Postbeamten selbst eine Entlastung wesentlicher Art, endlich auch dem Streben nach kunstgewerblichem Fortschritt Genüge leistet. Letzteres geschieht durch die durchdachte, post⸗emblematische, kunstgerechte Gestaltung, die nun dem Publikum Jahre hindurch vorschweben und durch diese stete Anschauung helfen wird, den Sinn für schöne Form im Publikum wieder all⸗ gemeiner wachzurufen. Entlastung für den Postbeamten aber bringt die Konstruktion des Kastens mit sich, da sie den früher gebräuch⸗ lichen Einschubkasten erspart, der mühsam vom Beamten von Kasten zu Kasten geschleppt werden mußte.„ N Briefkasten, 5 Statt besonderer Anzeige. i Gestern nachmittag um 6³⁰ Uhr entschlief sanft nach kurzem, schwerem Leiden meine innigst- geliebte Gattin, die treusorgende Mutter ihrer Kinder, unsere gute Tochter, Schwester, Schwägerin f Auguste Hanauer, geb. Woll im vollendeten 40. Lebensjahre. 5.. f Im Namen der tieftrauernden Flinterbliebenen: Wilhelm Hanauer, Großh. Feldbereinigungsgeometer. Gießen(Crednerstr. 10 J), Alsfeld, den 12. November 1015. ö Die Beerdigung findet statt: Sonntag, den 14. ds. Mts, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus. Von Beileidsbesuchen bittet man absehen zu wollen. 8875 Voll Jugendkraft zogst du hinaus, Ach, Scheiden ist ein hartes Los, Für's Vaterland zu streiten, Die Trennungstränen glänzen. 5 1 1 5. r 8 5 nach Haus 1 1„ Nach langer Ungewissheit erhielten wir die trau- n deiner Eltern Seite. it Lorbeer nie ekränzen. 5 ö f 1 Die deutsche Erde bleibe frei, Wir müssen trauernd seitwärts steh'n, rige Nachricht, dass unser lieber Sohn, Bruder, War auch dein hei Bestreben; Wenn andere wiederkommen. Schwager und Onkel getroffen von des Feindes Blei, Doch Gott gibt frohes Wiederseh'n. Entfloh dein junges Leben. f 6 Im Friedensland der Frommen. f 1 1 1 Die Eltern und Geschwister dein, 5 Ruh' sanft! Die Erde sei dir leicht! 5 Nebst allen trauernd stehen, Schlaf wohl in fernen Gründen! ir können dich nun nimmermehr Du hast das schöne Ziel erreicht, Hier wiedersehen. Wo wir uns wiederfinden. 1 f Den Heldentod fürs Vaterland starb plötzlich und unerwartet am 27. Oktober Musbcetier im 57. Infanterie-Regiment, 2. Kompagnie inkolge seiner am 18 Oktober erhaltenen schweren Verwundung nach kurzer, treuer 5 2 5 am 24. Dezember 1914 im Alter von 22 Jahren für 1 n im Kriegslazarett unser treuer, unvergesslicher Sohn, Bruder, Schwager 5 das Vaterland gefallen ist. Ras Ar Vo el g 885 Für die trauernd Hinterbliebenen: a ae SD e 085 N Heinrich Schneider, Lokomotivführer. im B. Lebensjahre. 8 Giessen(Crednerstrasse 42), Frankfurt, Posen, 5 In tiefem Schmerz: den 11. November 1915. 06126 Die Eltern: Ludwig Vogel II. und Frau, geb. Kreiling Ludwig Vogel VI., z. Zt. im Felde, und Familie Kaspar Vogel, z. Zt. im Felde, und Familie Wilhelm Vogel und Familie Heinrich Vogel III., z. Zt. im Felde, und Frau. Mainxlar, den 10. November 1915. 06108 Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung; 5 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dass unser lieber Vater, Schwiegervater und Grossvater 2 Leb wohl, mein Vaterland, du Heimat mein, g N In Feindesland dein treues Auge brach,. Joh Ann SS Keil N Der Kaiser rief, es muss geschieden sein. Dein gutes Herz tat seinen letzten Schlag. 8 Ihr meine Lieben, lasst mich geh'n, bu warst 80 gut, du starbst zu früh. 0 Ich streit für Euch! Auf Wiederseh'n! 910 Vergessen werden wir dich nie! 5 nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden i hlafen ist. Es war des Höchsten Ratschluss, wir müssen fügen uns hinein. im Alter von 73 Jahren sanft entschlafen ist Der himmlische Vater droben durchschaute deine Bahn. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: 4 Den Hag ange 1550 Motette 12 15 plöteueb, and anenngrtet am 12 Oktober 9 Heinrich Keil, Kgl. Wagenmeister, 2. Zt. in Russland an der am esselben Monats erhaltenen schweren Verwundung im Feldla t b 5 unser treuer, unvergesslicher Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe N Bertha Keil, geb. Jacobi Anna und Willi Keil. . Heinrich Hormann ä Giessen(Schillerstrasse 34), den 10. November 1915. Musketier im Infanterie-Regiment Nr. 129, I. Kompagnie Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 2½ Uhr, im 21. Lebensjahre. vom neuen Friedhof aus statt. In tiefer Trauer: 8861 H. Hormann VII.. Schuhmachermeister Frau Harie Hormann, geb. Decker L. Hormann f Vizefeldwebel Spaar, 2. Zt. im Felde, und Familie. 3 8 a Reservist Friedrich Becker, 2z. Zt. im Felde, und Familie 5 7 ö nebt allen Angehörigen. Mainzlar, den 10. November 1915. 06107 Am 8. November entschlief sanft im Reserve-Lazarett ö infolge seiner am 23. September eingetretenen schweren Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung. Krankheit unser lieber, guter Sohn Philipp Michel Landsturmmann im Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 118 im Alter von 24 Jahren. Nachruf... Auf dem Felde der Ehre starb unsen Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: liebes Mitglied Den Heldentod fürs Vaterland starb plötlich tebe itglie 1 Familie Balthaser Michel 0 9 3 5 Familie Heinrich Michel am 27. Alb infolge seiner ee Heinrich Hormann f f Familie Philipp Jungk ert Kreiling Vuastetier im Inf.⸗Regiment 129. Familie Ludwig Becker. e e eee Rob 5 Ehre seinem Andenken. 45 Treis a. d. Lda., den 12. November 1915. 1 Die Beerdi findet 8 tag, den 13. N 0 3¼ Ubr. werden süm fiele eln ehrendes Aubenken e Gesangverein Germania und n,, wahren. 88 Turnverein Mainzlar. 75 1 a 5 Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung. Va˖esangverein Teutonia, Heuchelheim. 1 Mainzlar, den 11. November 1915. PV 8835 Den Heldentod fürs Vaterland starb am 10. November infolge seiner am 22. September 1915 erlittenen schweren Verwundung im Reserve-Lazarett Bad- Mergentheim unser einziger innigstgeliebter Sohn, mein herzensguter Bruder, Schwager und Onkel Unteroffizier Carl Pfaff im Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 349, 9. e im gerade vollendeten 32. Lebensjahre. Gießen(Kaiser-Allee 5), den 12. November 1915. Die Beerdigung findet Sonntag, den 14. November, nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Familie Gg. Pfaff Familie W. Bachmann. 8872 Aus dem Kreise unserer ins Feld gezogenen Arbeiter erlitten bis jetzt im heldenmütigen Kampfe den Ehrentod fürs Vaterland: Am 22. August 1914 Nasehinenseblasser Wihelm Wehn aus Gießen Gelreiter im Infanterle-Regiment Nr. 116 am 23. Oktober 1914 rise Heinrich Becker aus Klein-Linden Im Infanterie-Regiment Nr. 116; am 2. November 1914 Aisbeicher Kar! Gerhard aus Steinbach im Infanterle-Reglment Nr. 116; am 6. November 1914 eher K. F. Friedr. Schmidt aus Gießen im Reserve-Infanterle-Regiqment Nr. 116; am 3. Dezember 1914 cher Ludwig Gilbert Nachruf. Am 18. Oktober ds. J. starb unser lieber Kamerad Schulamtsaspirant Otto Müller Garde-Grenadier im Res.⸗Infanterie⸗ Regiment 262, 2. Kompagnie den Heldentod für unser liebes Vater⸗ land. Ehre seinem Andenken. 90111 Seine Kameraden. Lang⸗Göns, den 10. Novbr. 1915. Durch Auflösung meines Geschäftes verkaufe selten schöne Perserteppiche in allen Größen zu sehr billigen Preisen. Rasch ent⸗ schlossene Cassakäufer mögen ihre Adresse niederlegen 886988 f Am 30. Oktober starb unser lieber Verbindungsbruder Dr. phil. Hermann Sanders. Unterofflzier im Res.-Inf.-Regt. 72 den Heldentod fürs Vaterland. In tiefer Trauer: Die studentische Reformverbindung,, Adelphia“ Heute abend 10½ Uhr entschlief nach kurzen, aber schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwiegersohn und Schwager Fritz Urban im 46. Lebensjahre. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen M. Urban Ww. Giessen, Vacha, Burghaun, Berlin, Böck(Meklenburg), den 10. November 1915. Die Beerdigung findet Samstag, 13. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 06129 Gestern abend 6% Uhr wurde mein lieber Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Justus Scheld von seinen langen, schweren Leiden erlöst. Die trauernden Hinterbliebenen: Anna Scheld, geb. Eise Untereffizler im Bandwehr-Infant.-Regt. Nr. 116 denken, sei uns eine heilige Pflicht. Werkzeuqmaschinenfabrik 1 Benner aus Heuchelheim unter F. N. V. 8098 an den Gießener eee im Reserve-Infanterie-Reniment Nr. 222; am 10. Februar 1915 fer Wilhelm Spaar aus Reiskirchen Im Infanterle- Regiment Nr. 168; am 18. April 1915 flsrrbeier Wilhelm Briegel aus Garbenteich im Plonier-Regiment Nr. 21; am 26. Juli 1915 kormer Otto Henche aus Niedershausen Im Inlanterle-Regiment Nr. 99; am 17. September 1915 ilserbeier Philipp Wehrum aus Gießen Im 14. Infanterle-Reglment„Gral Schwerln““ am 22. September 1915 Man verlange stets in den Apotheken u. Drogerien die Original-Packungen von von Liebig u. Fehling empfohlen, ist ein besonders eiten cult. s Atustigunqs mittel für Kinder und Erwachsene. Hund Honmbons g als beste Husten-Bonbons seit 50 Jahren bewährt. Ze Iarber Peter Wagner aus Gießen im Reservs-Infanterle-Regiment Nr. 14 am S. September 1915 former Christoph Rohrbach aus Grosen-Buseck am 1. Oktober 1915 flsarbeler Heinrich Schäfer aus Steinberg vom Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 87 am 14. Oktober 1915 Aaehienseblosser Ernst Mandler aus Steinberg vom Infanterle-Regiment Nr. 349. Dieser Tapferen allzeit in Ehren zu ge- Gießen, 11. November 1915. Heyligenstaedt& Comp. Aktiengesellschaft 8848 D Fuller Sete Ae Petroleum Ersatz Gral, Futtermühle, breiswürdig zu haben bei Auerbach 12, Hessen. 1415 5h in Feldpostpackung Ei- ters weg 39, Otto Schaaf. August Wallenfels e ee 70 Teleph. 262. 2 Pulver frisch eingetr. 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Friedberg, den 10. November 1915. 5 205 Kulturinspektion „V. Hauck. 8867 B N Johanna Scheld 5 Marie Scheld. Giessen(Sonnenstrasse 18), den 12. November 19 15. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 3½ Uhr Nachhilfe ür Quartaner der Ober⸗ ealschule gesucht. Schriftl. Angebote unt. 06124 an den Gießener Anzeiger erbeten. 2000 Mark 06125] Der Verkauf von Hauspänen und Abfallholz ist bis auf weiteres einge⸗ stellt. Inl. Wellhöfer. 8. Schriftliche Angebote alten Schiffenberg. Weg verl. Grosse 3 angekleideter 3—— 1 3 Sperxsitz nur— be Brei 85 Puppen Siabt⸗ Cheater Freitag, 3 115 1915, abends 8 Uhr: Freitag⸗Abonn.⸗Vorstellg. Gewöhnl. Preise(ermäßigt) Neuheit Neuheit Die Venus mil dem fgale Keine erotische Komödie in 3 Akten von Lothar W Ende nach 10 Uhr. esse Sonntag, 14. Nopbr. 1915 nachmittags 3½ Uhr: Kleine Preisel Kleine Preise l Dirnen ene Diener gesucht. Schwank in 3 Akten v. Eugen Burg und Louis Taufstein. Ende gegen 5½ Uhr. Abends 7½ Uhr: Kleine Freise! Leine preise! 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Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Die im Oktober 1898 geborenen Landsturmpflich⸗ tigen der Stadt Gießen müssen sich am 15. November d. Js. vormittags von 8—12 Uhr und nachmittags von 2—6 Uhr im Rathaus am Marktplatz zur Landsturmrolle Auswärts Geborene melden. haben ihren Geburtsschein vorzulegen. Gießen, den 8. November 1915. 8775 Der e EI Es wird wiederholt darauf hingewiesen, daß die An⸗ meldung der beschlagnahmten Gegenstände aus Kupfer, Messing und Reinnickel unter Verwendung des Melde⸗ vordrucks bis zum 16. November 1915 auf dem Stadt⸗ haus, Zimmer Nr. 7, zu erfolgen hat. Die vorgeschriebe⸗ nen Meldevordrucke sind im Stadthaus, Zimmer Nr. 7, sowie in den Brotmarkenausgabestellen zu erhalten. Letz⸗ tere sind täglich von 8—9 Uhr vormittags geöffnet. Nichtanmeldung, und wer unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft. Gießen, den 10. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 88548 Die Auszahlung der Reichs⸗ und Kreisunterstützung für 16. bis Ende November an die Familien der zum Heeresdienst Einberufenen findet statt: An diejenigen, deren Namen beginnen mit A—K Dienstag den 16. November 1915, IL Mitt„den 17. November 1915. Zahlstelle: Stadthaus, Zimmer Nr. 16. Zahlstunden von 8—1 Uhr vormittags. Letmathe in Westfalen. Die Unterstützungen dürfen nur an den vorgenannten Tagen abgeholt werde. 8853B [früher Bekanntmachung. Die Musterung und Aushebung der beim Erfatzgeschäft im Mai ds. Is. zurück⸗ gestellten, in den Jahren 1895, 1894 und geborenen Militärpflichtigen, so wie der im Jahre 1897 geborenen Land⸗ sturmpflichtigen der Stadt Gießen findet am 18., 19. und 20. November ds. Is in der Turnhalle der Stadtmädchenschule . Schillerstraße 8) statt. Es n sich zu stellen: ne, en e eee bor mittags; i die Militär⸗ und Landsturmpflichtigen von Buchstabe A bis], Freitag, den 19. November 1915, vormittags 7% Uhr, 5 die Militär⸗ und Landsturmpflichtigen von Buchstabe K bis R, Samstag, den 20. November 1915, vormittags% Uhr, 5 die Militär⸗ und Landsturmpflichtigen von Buchstabe S bis Z. 5 Die Militärpflichtigen und unausgebildeten Land⸗ sturmpflichtigen fordere ich hiermit auf, sich an den vor⸗ genannten Tagen rechtzeitig im Musterungslokal einzu⸗ finden. Besondere Ladungen ergehen nicht. Diese Be⸗ [[kanntmachung gilt vielmehr als Ladung. „Die Dienstpflichtigen haben reinlich und in ordent⸗ lichem Anzuge zu erscheinen. Die den Militärpflichtigen von den Ersatzbehörden erteilten Musterungsausweise find mitzubringen. Wer Brille oder Kneifer trägt, hat diese bei der Untersuchung vorzuzeigen. 5 Sollte ein Militär- oder Landsturmpflichtiger infolge Krankheit oder körperlicher Gebrechen nicht im Muste⸗ rungslokale erscheinen können, dann ist mir ein beglau⸗ bigtes, ärztliches Zeugnis rechtzeitig einzureichen. Wer sich der Gestellung entzieht, wird Olnach den Militärgesetzen bestraft, es kann 8 auch im Falle der Tauglichkeit sofortige Einstellung als unsicherer Heeres⸗ oder Landsturmpflichtiger erfolgen. Gießen, den 10. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Bekanntmachung. Herbstkontrollbersammlungen 1915 in Kreise Gießen Es haben ohne weiteren Befehl in Gießen, Hof der Zeughauskaserne, zu erscheinen: Montag, den 15. November 1915, vormittags 9 Uhr. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften der Reserve, Landwehr J und II aller Waffen, der Seewehr J und II. Ferner sämtliche Ersatzreservisten, die zur Verfügung der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften und sämtliche Ersatzrekruten. Militärpflichtige, die die Entscheidung:„zurück bis zur nächsten Musterung“ erhalten haben, brauchen nicht zu erscheinen. Montag, den 15. November 1915, nachmittags 2 Uhr. Sämtliche Unteroffiziere und Mannschaften des aus⸗ gebildeten Landsturms aller Waffen, sowie alle dem Heere und der Marine angehörenden Personen, die sich zur Erholung, wegen Krankheit oder auf Grund häus⸗ licher Verhältnisse usw. auf Urlaub befinden und so weit marschfähig sind, daß sie den Kontrollplatz er⸗ reichen können. Dienstag, den 16. November 1915, vormittags 9 Uhr. Sämtliche in 1896 geborenen unausgebildeten Land⸗ sturmpflichtigen, einerlei welche Entscheidung sie erhal⸗ ten haben, mit Ausnahme derjenigen, die die Entschei⸗ dung:„vorerst weder feld⸗ noch garnisondkenstfähig“ er⸗ halten haben. Dienstag, den 16. November 1915, nachmittags 2 Uhr. Sämtliche unausgebildeten Landsturmpflichtigen— aus⸗ schließlich derjenigen die an der D. U.⸗Musterung teil⸗ genommen haben—, einerlei welche Entscheidung sie er⸗ halten haben, die in den Jahren 1895—1880 einschließ⸗ lich geboren sind. Ausgenommen bleiben diejenigen welche die Entscheidung„dauernd weder feld- noch garni⸗ sondienstfähig“ erhalten haben.. Mittwoch, den 17. November 1915, vormittags 9 Uhr. Sämtliche unausgebildeten Landsturmpflichtigen— aus⸗ schließlich derjenigen, die an der D. U.⸗Musterung teil⸗ genommen haben—, einerlei welche Entscheidung sie er⸗ halten haben, die in den Jahren 1879— 1874 einschließ⸗ lich geboren sind. Ausgenommen bleiben diejenigen, welche die Entscheidung;„dauernd weder feld⸗ noch garnisondienstfähig“ erhalten haben. Mittwoch, den 17. November 1915, nachmittags 2 Uhr. Sämtliche unausgebildeten Landsturmpflichtigen, einer⸗ lei, welche Entscheidung sie erhalten haben, die in den Jahren 1873 und 1872 geboren sind. Ausgenommen bleiben diejenigen, welche die Entscheidung;„dauernd weder feld⸗ noch garnisondienstfähig“ erhalten haben. Donnerstag, den 18. November 1915, vormittags 9 Uhr. Sämtliche unausgebildeten Landsturmpflichtigen, einer⸗ lei, welche Entscheidung sie erhalten haben, die in den Jahren 1871 und 1870 geboren sind. Ausgenommen bleiben diejenigen welche die Entscheidung:„dauernd weder feld⸗ noch garnisondienstfähig“ erhalten haben. Donnerstag, den 18. November 1915, nachmittags 2 Uhr. Sämtliche in 1869 geborenen unausgebildeten Land⸗ sturmpflichtigen, einerlei welche Entscheidung sie erhalten haben, sowie sämtliche Personen, die an der D. U⸗Muste⸗ rung teilgenommen haben, ohne Rücksicht darauf, ob sie gedient haben oder nicht und welche Entscheidung sie er⸗ halten haben. 5 8 8 Ausgenommen bleiben diejenigen, welche die Ent⸗ scheidungen„dauernd weder feld⸗ noch garnisondienst⸗ fähig, zeitig untauglich, und dauernd untauglich“ erhal⸗ ten haben. Es haben sämtliche bis auf weiteres oder bis zu einem bestimmten Zeitpunkte vom Heeresdienste befrei⸗ ten oder zurückgestellten Personen teilzunehmen. Erscheinen in bürgerlicher Kleidung. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpässe und Führungszeug⸗ nisse sowie sonstige Ausweise(Land⸗ sturm⸗ und Ausmusterungsscheine usw.) sind mitzubringen.. Unpünktlichkeit und Verscumnis der Kontrollver⸗ sammlungen we nach den Kriegsgesetzen auf das Strengste bestraft. Gießen, den 9. November 1915. Der Oberbürgermeister. 8849 Keller. 8846 öchstpreise für den Kleinhandel mit Butter 1 aber Stadt Gießen. 5 Nachdem durch Anordnung Großh. Ministeriums des Innern vom 30. Oktober 1915 der Preis für Butter, den der Hersteller beim Verkauf im Großhandel einschl. Ver⸗ packung fordern kann(Grundpreis), mit 15 vom Hundert Abschlag gegen die unter J der Bekanntmachung des Stell ⸗ vertreters des Reichskanzlers und über die Festsetzung der Grundpreise für Butter und die Preisstellung für den Weiterverkauf vom 24. Oktober 1915 festgesetzt worden ist, werden für den Kleinhandel mit Butter im Bezirl der Stadt Gießen folgende Höchstpreise sestgesetzt: für ein Pfund Süßrahmbutter(Handels- Würr));„„„„ für ein Pfund Landbutter(Handelsware III) 1,90„ für ein Pfund Auslands butter. 2,55„ Nach§ 10 der Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers vom 22. Oktober 1915 gilt als Klein⸗ handel der Verkauf an den Verbraucher, soweit er nicht Mengen von mehr als 10 Pfund zum Gegen- stand hat. 8876 B Gießen, den 11. November 1915. 5 Der Oberbürgermeister:* Keller. Bekanntmachung. Betr.: Erhebung der Vorräte von Brotgetreide, Hafer und Mehl der landwirtschaftlichen Bevölkerung am 16. November 1915. Daurch Bundesratsbeschluß vom 22. Oktober 1915 ist am 16. November 1915 eine Erhebung der Vorräte von Brotgetreide, Hafer und Mehl der land⸗ wirtschaftlichen Bevölkerung angeordnet. Es sollen erhoben werden: 1. alle Vorräte von Roggen, Weizen, Spelz, deren Gemenge, Mengkorn, Mischfrucht und Hafer der landwirtschaftlichen Bevölkerung; 2. die Mehlvorräte der Selbstversorger, soweit in der Nacht vom 15. bis 16. November vorhanden. 5. 3. Außerdem soll die Anzahl der Selbstver⸗ sorger festgestellt werden, ferner ob sie mit ihren Vorräten bis zum 15. August 1916 aus⸗ reichen oder nicht und wieviel Brot etreide sie von ihren Vorräten noch für ihre Aussaat im Frühjahr benötigen. 5 Zur landwirtschaftlichen Bevölkerung gehören alle Personen, welche Landwirtschaft im Haupt⸗ oder Nebenberuf ausüben, also auch Bäcker, Schrei⸗ 9255. usw., welche Landwirtschaft nebenher etreiben. Bei dieser Erhebung sollen nicht ermittelt werden die Brotgetreide⸗, Hafer- und Mehlvorräte, die sich im Gewahrsam von Kommunalverbänden befinden, oder von diesen bereits an Bäcker, Konditoren und Händler, sowie an Pferdebesitzer(Hafer) abgegeben sind. Diese Vorräte werden durch die Kommunalverbände besonders festgestellt. Auf die Ger stevorräte erstreckt sich die Erhebung überhaupt nicht. 1 55 a) Es sind mit Ausnahme der nachstehend unter b genannten Vorräte alle Vorräte anzugeben, wobei das zur Aussaat im Frühjahr bestimmte Getreide ebenfalls mit einzuxechnen ist. 8 2 Die Selbstversorger haben auch diejenigen Vorräte von Brotgetreide und Mehl anzugeben, die ihnen zur Er⸗ nährung ihrer Angehörigen einschl. des Gesindes gesetz⸗ lich zustehen. 8 Die Pferdebesitzer haben die Hafermengen, die ihnen aus der eigenen Ernte zur Fütterung ihrer Pferde frei⸗ gegeben sind, ebenfalls mit anzugeben, während die ihnen vom Kommunalverband überwiesene Menge in diese Zählliste nicht eingetragen werden soll. Die den Selbst⸗ versorgern und den Pferdebesitzern gesetzlich zustehenden Mengen von. und Mehl bezw. Hafer bleiben ihnen auch ferner belassen, müssen aber trotzdem hier mit angegeben werden.. 8 Vorräte, die der Anzeigepflichtige guf fremden Spei⸗ chern, Getreideböden, Lagerräumen, Schiffsräumen und dergl. lagern hat, sind von ihm auch dann anzugeben, wenn er die Vorräte nicht unter eigenem Verschlusse hat. Insbesondere müssen mit den übrigen Vorräten auch diejenigen angegeben werden, welche bereits an Mühlen oder Trockenanstalten zum Vermahlen oder T n übergeben worden sind. E p) Nicht festgestellt sollen werden diejenigen Vorräte, welche im Eigentum des Reiches, eines Bundesstagtes, eines Militärfiskus, der Reichsgetreidestelle oder der Zen⸗ traleinkaufs⸗Gesellschaft stehen, ferner Vorräte von Hin⸗ terkorn, Schrot, Brotgetreide und Mehl, welche zum Verfüttern freigegeben worden sind. 5 c) Die gedroschenen und ungedroschenen Vorräte sind getrennt, wie dies auch in den Formularen vorgesehen ist, einzutragen.. Die noch ungedroschenen Vorräte, die in Scheunen, Mieten und dergl. untergebracht sind, sind schätzungs⸗ weise nach dem Körnerertrag anzugeben, während die Menge des ausgedroschenen Getreides nicht durch Schätz⸗ ung, sondern durch Abwiegen festgestellt sein muß. Spelz ist nach seinem Ertrag in Kernen anzugeben. Hierbei sind für je 100 Pfund Spelz 70 Pfund Kerne zu rechnen. g d) Alle Vorräte müssen in Zentnern und Pfund angegeben werden. Jede Gewichtsangabe ist verboten. Die Aufnahme erfolgt am 16. November durch mit besonderem Ausweis versehene Zähler. Sollten landwirtschaftliche Betriebe, die Vorräte der genannten Art im e wahrsam haben, bei der Aufnahme über⸗ gangen worden sein, so sind diese ver⸗ pflichtet, diesbezügliche Anzeigen bis spätestens am 17, November ds. Is. mit⸗ tags 12 Uhr, im Stadthaus, Zimmer Nr. 9, zu mache n. ö N Mit Rücksicht auf die außerordentliche Wichtig⸗ keit diefer Aufnahme wird die genaueste Angabe der im Besitz befindlichen Vorräte erwartet. Die Zähler sind berechtigt, zur Ermittelung rich⸗ tiger Angaben die Vorrats⸗ und Betriebsräume der An⸗ zeigepflichtigen zu untersuchen und ihre Bücher zu prüfen. Wenn dem Zähler Angaben verweigert werden, oder, wenn er augenscheinlich unrichtige Angaben erhält, so hat er dies sofort dem Oberbürgermeister mitzuteilen. Wer vorsätzlich die Anzeige, zu der er au Grund dieser Bekanntmachung verpflichtet ist, nicht in der ge⸗ setzten Frist erstattet, oder wissentlich 1 e oder un⸗ vollständige Angaben macht, wird mit gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10 000 Mark bestraft; auch können die Vorräte, die verschwiegen sind, im Urteil als dem Staat verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Anzeige, zu der er auf Grund dieser Bekanntmachung verpflichtet ist, nicht in der ge⸗ setzten Frist erstattet, oder unrichtige oder unvollständig⸗ Angaben macht, wird mit Geldstrafe bis zu 3000 Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. Gießen, den 10. November 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 88608