ur. 262 Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, 5 85 Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sießener Familienblätter; eimal wöchentl. Kreis: latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung? Verlag, Geschäftsstelleß l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 165. Jahrgang Seleral⸗ Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Samstag, 6. November 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Weitere Siege in Montenegro und Serbien. Die französischen Balkantruppen von den Bulgaren geschlagen. WTB.) Großes Hauptquartier, 5. November. Amtlich.). Westlicher Kriegsschauplatz. 5 Der von den Franzosen noch besetzte kleine Graben nord⸗ östlich von Le Mes nil(vergleiche Tagesbericht vom 26. 10.) wurde heute nacht gesäubert. Ein Gegenangriff gegen den von unseren Truppen erstürmten Graben nordöstlich von Massiges wurde blutig abgewiesen. Am Ostende des Grabens wird noch mit Handgranaten gekämpft. Die Zahl der Gefangenen ist auf drei Offiziere, neunzig Mann ge⸗ stiegen, acht Maschinengewehre, zwölf kleine Minenwerfer wurden erbeutet. * Der englische Oberbefehlshaber Feldmarschall French hat in seinem amtlichen Telegramm behauptet:„Aus den Verlustlisten von sieben deutschen Bataillonen, die an den Kämpfen bei Loos teilgenommen haben, geht hervor, daß ihre Verluste ungeführ 80 Prozent ihrer Stärke betrugen“. Die Angabe ist glatt erfunden. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Ohne Rücksicht auf die ganz außergewöhnlich gohen Verluste haben die Russen ihre vergeblichen Angriffe zwischen Swenten⸗ und Ilsen⸗See, sowie bei Gateni fortgesetzt. Bei Gateni brachen wiederum vier starke Angriffe vor unseren Stellungen zusammen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Es hat sich nichts von Bedeutung ereignet. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nordwestlich von Czartorysk wurden die Russen nuͤch einem kurzen Vorstoß über Kosziuchnowka auf Wolczeck wieder in ihre Stellungen zurückgeworfen. Oestlich von Budka machte unser Angriff Fortschritte. Mehrfache russische Gegen⸗ stöße nördlich von Komarow wurden abgeschlagen. * Bei den Truppen des Generals Grafen v. Bothmer führte unser Angriff gegen die noch einen Teil von Siemi⸗ kowee haltenden Russen zum Erfolge. Abermals fielen über zweitausend Gefangene in unsere Hand. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Im Moravica⸗Tal wurden die Höhen bei Arilje in Besitz genommen. f Südlich von Cacak ist der Kamm der Jelica Planina überschritten. Beiderseits des Kotleufk⸗Berglandes haben unsere Truppen den Feind geworfen und in der Verfolgung das Nordufer der westlichen(Golijska⸗) Morava beiderseits von Kraljevo erreicht. Sie nahmen zwölfhundert Serben gefangen. „HOestlich der Gruza hat die Armee des Generals von Gallwitz den Feind über die Linie Godocica⸗Santarovac zurückgeworfen, hat die Höhen südlich des Lugomir gestürmt und im Morava⸗Tal die Orte Cuprija, Tres⸗ njevica und Paracin genommen. Fünfzehnhun⸗ dert Gefangene wurden eingebracht. 5 Oberste Heeresleitung. * 5 Während sich der Ring der deutschen, österreichisch-unga⸗ rischen und bulgarischen Heere immer enger um Serbiens Brust schließt, so daß Paracin und das südwestlich davon gelegene Gelände im Knie der Morava in unsere Hände ge⸗ 15 ist, während die Bulgaren nach einer letzten Mel⸗ ung schon in Nisch eingedrungen sind, hört man endlich auch einiges von den Bemühungen der hohen Protektoren Ser⸗ biens. Die ungeduldigen französischen Landungstrup⸗ pen sind nordöstlich von Prilep von den Bulgaren geschlagen worden und haben sich zurückziehen müssen. Und jetzt sollen auch die Engländer die warmen Oefen von Saloniki verlassen und die zweite Linie der Franzosen bei der Hilfeleistung für Serbien einnehmen. Auch hier, auf dem Kampfplatz an der griechisch⸗serbischen Grenze haben wir jenes Bild pon dem Gefährt, das von Franzosen bespannt, von Engländern leicht geschoben wird. Aus Griechenland kommen heute nur spärliche Nach⸗ richten über die dort neu geschaffene politische Lage. Der König hat noch keine Entscheidung gefällt. Uebereinstimmend vermutet man sowohl in Berlin wie in den Hauptstädten des Vierverbandes, daß Venizelos nicht wieder ans Ruder kommt. Wenn man nachliest, was heute von seiner letzten Kammerrede bekannt wird, schwindet auch der letzte Zwei⸗ fel: Der König kann diesen Mann, der seine Fähigkeiten öffentlich zu kritisieren gewagt hat, nicht mehr in seinen Aemtern dulden. Die Offenherzigkeiten dieses ehemaligen Ministerpräsidenten stellen allzusehr den Ausfluß von Wut über seine mißlungenen Pläne dar. Es 50 möglich, daß Zaimis an der Spitze des Ministeriums bleibt, das vielleicht um einige Persönlichkeiten verstärkt wird, wobei vielleicht ein Wechsel des Kriegsministers vorgenommen wird, um der Kammermehrheit ein Entgegenkommen zu beweisen. Da⸗ mit würde der König sich die Auflösung des Parlaments ersparen und eine Agitation im Volke, die jetzt, wo kühle Ueberlegung und entschlossene Tat von den Staatslenkern gefordert werden, doppelt unerfreulich wäre. Die Nachricht von der neuesten Niederlage der Franzosen wird im Lager der Anhänger Venizelos' wohl auch eine ernüchternde Wir⸗ kung ausüben. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 5. November 1915. Russischer Kriegsschauplaß. Die Kämpfe um Siemikowee dauerten auch gestern den ganzen Tag über fort. Sie endeten mit der völligen Vertreibung der Russen aus dem Ort und von dem westlichen Strypaufer. Der Feind ließ neuerdings 2000 Gefangene in unserer Hand. Die siebenbürgische Honveddivision, die durch vier Tage und vier Nächte ununterbrochen im Kampfe stand, hat an der Wiedergewinnung aller unserer Stellun— gen hervorragenden Anteil. Nördlich von Komarow am unteren Sthr wurden einige russische Gräben genommen. Westlich von Rafalowka brach der Feind in unsere Stel⸗ lungen ein. Ein Gegenangriff warf ihn zurück. Die Kämpfe sind noch nicht abgeschlossen. Sonst im Nordosten an zahl⸗ reichen Teilen der Front erhöhte russische Artillerietätigkeit. Italienischer Kriegsschauplatz. Der gestrige Tag verlief auch im Görzischen ruhiger. Nachmittags standen einzelne Abschnitte des Brückenkopfes von Görz und der Nordteil der Hochfläche von Doberdo unter heftigem Geschützfeuer. Vereinzelte Vorstöße der Italiener brachen in unserem Feuer zusammen. Nachts wurden sechs feindliche Angriffe auf Zagora abgeschlagen. Ein italie⸗ nisches Lenkluftschiff warf wieder über Miramar Bom⸗ ben ab. Südöstlicher Kriegsschauplatz. „ Unsere im Orjen⸗Gebiet kämpfenden Truppen er⸗ stürmten gestern im umfassenden Angriff den westlich von Grahovo aufragenden Berg Mici Motika, zersprengten die montenegrinische Besatzung und machten einen großen Teil derselben zu Gefangenen. Auch östlich von Trebinje wurden mehrere Grenzhöhen genommen. Südlich von Optovac räum⸗ ten vorgeschobene Abteilungen vor überlegenem Gegner einige auf feindlichem Boden befindliche Stellungen. Die Armee des Generals v. Köveß drängt die Serben bei Arilje und südlich von Cacak ins Gebirge zurück. Die deutschen Truppen dieser Armee nähern sich Kraljevo. Die über die Höhen östlich des Gruca⸗Tales vorgehenden österreichisch⸗ ungarischen Kräfte warfen feindliche Nachhuten. Die Armee des Generals v. Gallwitz ist in Paracin eingerückt. Auch das Vordringen der bulgarischen ersten Armee macht Fortschritte. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Urisis in Griechenland. Berlin, 6. Nov. Aus Athen wird übereinstimmend von verschiedenen Seiten gemeldet, daß König Konstantin die Leiter der verschiedenen Parteien zu einer Beratung rief. Ein Athener Blatt will wissen, in den meisten politischen Kreisen nehme man als sicher an, daß der König die Entlassung Zaimis nicht annehmen werde. Das Kabinett werde nur durch neue Elemente verstärkt werden. In der„Kölnischen Zeitung“ wird die Auffassung vertreten, daß man die Sachlage der Kabinettskrise in Griechenland wohl richtiger beurteile, wenn man diese als einen parlamentarischen Zufall und nicht als eine politische Wandlung ansehe. Das grie⸗ chische Volk habe zu seinem König das Vertrauen, daß sein Kurs bisher der richtige war. London, 5. Nov.(zens. Frkft.) Die Times“ vernimmt aus Akhen, daß die Auflösung der Kammer als sicher angesehen wird. Die Krise entstand 8 In der De⸗ batte über den Militärkredit kritisierte der venizelistische Abgeord⸗ nete Vlachos einen Posten. Er sprach seine Verwunderung darüber aus, daß der General PNankitsa einen Vorschlag gemacht hatte, obwohl er kein Abgeordneter war. Der Minister verließ hierauf wütend das Haus. Er nahm seine Papiere mit und bemerkte, daß er nicht berichten könne. Es entstand ein schrecklicher Tumult. Zurufe und Proteste wechselten ab. Der Abgeordnete Vlachos bot Entschuldigungen an, aber die Sitzung wurde aufgehoben. Die Minister zogen sich zurück, um miteinander zu beraten. Als die Sitzung wieder aufgenommen wurde, nahm ein Ver⸗ treter an Stelle des Kriegsministers seinen Platz im Hause ein. Venizelos drang darauf, daß der General ebenso seine Ent⸗ schuldigung ausdrücken solle, daß er die Kammer auf ungehörige Weise verlassen habe. Daraufhin erklärte Zaimis, daß nach der Meinung der Regierung die Haltung des Generals Pankitsa vollkommen korrekt sei. Er bot hierauf das Vertrauensvotfum an. Venizelas antwortete darauf mit einem Ausfall auf die aus⸗ ständische Politik der Regierung, die, wie er sagte, durch die Majorität der Kammer nicht gutgeheißen werde. Er bedauere, daß man es zuließ, daß Serbien durch Bulgarien, den Erb⸗ feind Griechenlands, zerschmettert werde, und daß Bul⸗ garien späten durchaus nicht zögern werde, Griechenland zu überfallen, Ein Abgeordneter verwies Venizelos darauf, daß er die Vaterlandsliebe des Königs in Zweifel ziehe. Venizelos sagte hierauf, ein konstitutioneller Fürst ohne persönliche Verantwortlich keit verurteile die Absicht derjenigen, die sich hinter der Souveräni⸗ tät verbergen wollen. In einem konstitutionellen Staat könne keine„königliche“ Politik geführt werden. Unser System bestehe darin, daß das Volk durch das Parlament und die Verantwort⸗ lichkeit der Regierung regiert werde, wenn auch die Krone das 1 8 habe, mit der ministeriellen Regierung nicht übereinzu⸗ stimmen. Athen, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agende Havas veröffentlicht folgende bemerkenswerte Stellen aus der Rede Veni⸗ zelos in der Kammersitzung: i Im Laufe der Tage empfanden wir den Schmerz noch tiefer, unser Land durch unseren Erbfeind bedroht zu sehen, der sich nach der Zerschmetterung Serbiens gegen uns wenden wird. Morgen werden wir allein, ohne Verbündete, ohne Freunde, vor einem mächtigen Feinde stehen. Unser Regime ist konstitutionell. Die Regierung allein ist verantwortlich. Die Krone ist berechtigt, mit der Regierung uneinig zu sein, wenn die Regierung mit dem Volke uneinig ist. Aber nach den letzten Wahlen konnte kein Miß⸗ verständnis bestehen bleiben. Der Hönig ist ein ausg. ezeich⸗ neter Heerführer, aber er hat keine genügende poli⸗ tische Erfahrung. Venizelos macht diejenigen verantwortlich, die den König nicht benachrichtigt hätten, daß die Krone das Ver⸗ trauensvotum der Kammer für die vorhergehende Regierung nicht verkennen dürfe. Hier griff Gunaris ein und erklärte, daß die Politik Venizelos das Land unfehlbar ins Verderben stürzen würde. Theotokis sprach in demselben Sinne und sagte, wenn Griechen⸗ land in den Kampf eingegriffen hätte, so wären sein Heer und seine Flotte zerschmettert worden. Venizelos hob sodann die Vor⸗ teile seiner Februarpolitik hervor und sagte: Wenn wir aus der Neutralität herausgetreten wären, so wären Bulgarien und Ru⸗ mänien uns gefolgt. Wir hätten jetzt große Entschädigungen in Kleinasien für ein kleines Opfer erhalten. Serbien hätte damaß 150 000 Mann aufstellen können. Eure Politik macht, indem sie der deutschen Politik dient, die Verwirklichung unserer nationalen Träume unmöglich. Wir werden die Verwirklichung der bul⸗ garischen Träume und die Stärkung der türkischen Macht erleben. Warum nicht heute den Krieg beginnen, da er doch morgen un⸗ vermeidlich sein wird? Venizelos flehte schließlich die Regierung an, die Gelegenheit nicht vorübergehen zu lassen, die sich nur alle tausend Jahre einmal biete. Vom serbischen Kriegsschauplatz. Berlin, 6. Nov. Zur Ueberflügelung der serbischen Armeeteile an der westlichen Morava wird dem„Berliner Tageblatt“ aus dem k. k. Kriegspresseguartier gemeldet: Die von Trebinje gegen Montenegro vorrückende Gruppe der Armee Sarkotic erstürmte nach kräftiger Artillerie⸗ vorbereitung die den Weg sperrenden Höhen des Trebinjoica⸗ Gebietes, wobei ein montenegrinisches Bataillon gänzlich zersprengt wurde. In Serbien folgt der rechte Flügel der Armee Köveß von Pozegar aus dem Bogen der west⸗ lichen Morava südwärts, erreichte Arlje und brachte im oberen Flußtale 20 Kilometer hinter sich. Diese Gruppe hat damit jene serbischen Armeeteile überflügelt, die vom Zen⸗ trum der Armee Köveß aus Cacak und im Tale der west⸗ lichen Morava in das unwegsame Jelica-Gebirge ab⸗ gedrängt wurden. Die Armee Gallwpitz rückte nach der Ein⸗ nahme von Parazin im Tale der großen Morava weiter flußaufwärts in der Richtung Cicevar vor. Das bul⸗ 27. Heer machte kräftig auf allen Fronten Fort⸗ ritte. Berlin, 6. Nov. Aus Cetinje wird verschiedenen Mor⸗ genblättern zufolge gemeldet, daß eine große Schar gut bewaff⸗ neter mohamedanischer Albanier die serbisch-albant⸗ sche Grenze überschritten haben und sich gegen O chrida bewege. Die Bulgaren in Nisch. (GTB.) Sofia, 5. Nov.(Nichtamtlich.) Meldung det Bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Eine bulgarische Division ist in Nisch eingerückt. Der bulgarische Bericht. Sofia, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht über die Operationen vom 3. November: Fortgesetzte Offensive auf der ganzen Front. In der Richtung Bolevac⸗Paracin eroberten wir das Defils von Krivivirski⸗Timok bei dem Dorfe Lukovo. Wir erbeu⸗ teten sechs Kanonen und machten 500 Gefangene. In der Um⸗ gegend von Nisch stehen unsere Truppen schon vor der Fort⸗ linie der Festung. Im Tale der bulgarischen Morava be⸗ setzten wir Cemernik Planina, Pana Planina und Crnatraba. Südlich der Strumitza wurden die Bulgaren durch beträcht⸗ liche französische Streitkräfte angegriffen, die aber z u⸗ rückgeschlagen wurden. 5 London, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus Saloniki unter dem 3. November: Ein heftiger Kampf zwischen den Serben und Bulgaren am Babuna⸗ Paß, der den Weg nach Prilep und Monastir schützt, ist im Gange, Das Artillerieduell zwischen den Franzosen und Bul⸗ garen bei Valandovp und in der Gegend von Strumica dauerte fast den ganzen Tag. Nähere Einzelheiten sind noch nicht be⸗ kannt. Wie verlautet, ziehen sich die Serben angesichts der Uleber⸗ macht der Feinde in guter Ordnung von Tetovo zurfick. Vom 4. November meldet das Reutersche Bureau aus Sa⸗ loniki: Am 30. Oktober erreichten erhebliche englische Verstärkungen den französischen Abschnitt und besetzten die zweite französische Linie. Sie werden später einen englischen Abschnitt bilden, der südlich von der französi⸗ schen Linie gelegen ist und die Franzosen in Stand setzen wird, vorzurücken. Dadurch wird der rechte Flügel der Alliierten in die vorgesehene Stellung gebracht werden. Bulgarische Staatsmänner in Berlin. Berlin, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Der bulgarische Finanzminister Tontscheff und der Direktor der bul⸗ garischen Staatsschuldenverwaltung Stojanoff trafen, von Wien kommend, heute vormittag auf dem Anhalter Bahnhof ein. Zum Empfang hatten sich der bulgarische Ge⸗ sandte Rizow mit dem Gesandtschaftspersonal und der bulgarische Konsul Mandelbaum eingefunden. Die Lage im Lichte der amerikanischen Presse. New Nork, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Die hiesige Presse bespricht die militärischen Mißerfolge der Alliierten und die daraus sich ergebenden politi⸗ schen Verhältnisse in England eingehend und rück⸗ haltlos. Die„World“ schreibt, wenn der Krieg günstig verllefe, hätte die englische Regierung kaum zu Hause eine politische Un⸗ zufriedenheit zu fürchten. Ein ansehnlicher Sieg würde den Kriti⸗ kern der Regierung die Waffen aus der Hand nehmen, aber keine noch so glänzende staatsmännische Lerstung vermag den verzweifelten Widerstand der Tür⸗ ken zu überwinden und die lange Reihe der rus⸗ sischen Niederlagen auszulöschen. Die Verhältnisse in England sind jetzt ähnlich wie zur Zeit des Bürgerkrieges. Die„New Nork Tribune“ schreibt: Wenn der letzte Zeppelinangriff die Rekrutenanwerbung in London günstig be⸗ einflußt hat, so hatte er auch andere Folgen, die Deutschland als hoch befriedigend betrachten wird.— Die Deutschen wissen, daß London von Entsetzen erfüllt war, wo immer die Bomben nieder⸗ fielen. N. „Sun“ bespricht den Mißerfolg des Generals Hamilton und schreibt: Es war immer zweifelhaft, ob er die Befühigung für ein hohes Kommando besaß. Es kann angenommen werden, daß die Regierung, als sie ihn nach den Dardanellen entsandte, das Gebiet nicht kannte und nicht verstand, welche riesenhafte Auf⸗ gabe dem General anvertraut wurde. 3 Die„New York Times“ schreibt: Das Mißlingen des Dardanellenunternehmens muß auf die englisch⸗französische Dr⸗ plomatie eine verhängnisvolle Wirkung ausüben Was geschieht, wenn die Alliierten diesen Feldzug verlieren? Es wäre vielleicht besser gewesen, diese Unternehmung nie zu beginnen. Jetzt tau⸗ chen Gerüchte auf, daß dieser Feldzug ebenso plötzlich abgebrochen mird, wie er begonnen worden ist. Das würde das Ansehen der Alliierten in Osteuropa zweifellos noch mehr schwächen. Am Be⸗ ginne des Krieges gegen die Türkei sagte jeder: Das ist das Ende der Türken; ihre Zeit in Europa ist abgelaufen. Aber es war doch nicht so,— wie es aussah. ö Aus dem englischen Parlament. London, 5. Nov.(WTB. Nicktamtlich.) Oberhrus. Lord St. Davids(liberal) sagte, die frühere Regierung habe Fehler gemacht, aber den Krieg mit großer Energie geführt. Seit die Koalitionsregierung bestehe, sei keine besondere Energie der Regierung bemerkbar gewesen. England befände sich jetzt in einer schweren Krisis. Keine Nation habe sich jemals in gefähr⸗ licherer befunden. Er erinnere an die Lage Frankreichs nach der Revolution. Er wolle nicht das Verfahren der Schreckens herr⸗ herrschaft gegen unfähige Generale empfehlen, aber sie müßten wenigstens entlassen werden. Lord Willoughby de Broke richtete einen scharfen Angriff gegen Asquith. Seine gestrige Rede t aug e e 15 5— 1 5 5 N Zeitungsleser nicht längst gewu abe. Sie manches sehr belastende Material gegen Asquith selbst enthalten. Ein wirklich eindrucksvoller Teil sei die Mitteilung gewesen, daß Asquith im Amte bleiben wolle, solange er könne Die Franzosen entfernten einen Minister nach dem anderen. Wenn die Russen während des Krieges einen Großfürsten loswerden konnten, könne man auch Asquits loswerden. Asquith gleiche Pitt, den er in seiner Rede erwähnt habe, jedenfalls nicht darin, daß er nach dem Worte Macaulays in jedem Palast von Lissabon bis Moskau mit heiliger Scheu genannt wurde. Es wäre schlimm, wenn man unter 1200 Parlamentsmitgliedern nicht einen Nachfolger finden könnte. Lord Morley bedauerte die persönlichen Angriffe auf As⸗ quith, sagte aber, daß der Vorredner im Grunde recht habe. Er bemängelte die Art, wie die Zensur arbeite, und erklärte, daß sie sich überaus töricht benehme. Man führe die notwendige Rücksicht auf die Verbündeten an, aber einige von ihnen besäßen noch nicht die Presse⸗, Rede⸗ und Meinungsfreiheit. Die Zensur verfälsche direkt gewisse Nachrichten, zum Beispiel amtliche Berliner Berichte. Ein Holländer habe kürzlich zu einem Freunde gesagt:„Früher galt die britische Presse als die zuverlässigste in der ganzen Welt, jetzt aber nicht mehr.“ Morley erinnerte an die unglückliche englische Expedition im Jahre 1809, die Vlis⸗ fingen und Antwerpen erobern sollte. Sie mußte aufgegeben wer⸗ den. Der Ausschuß im Unterhause habe die Schuldfrage unter⸗ sucht. Wenn das Unternehmen an den Dardanellen ebenso verlaufe, würde das Parlament auch eine Untersuchung verlangen. Lord Crewe suchte in einer längeren Rede die Regierung zu ver⸗ teidigen. Lord Ribblesdabe sagte, die Politik der Regierung sei in verschiedenen Fällen, wie bei der Frage, ob Baumwolle Banngut sei, und bei der Munitionsfrage, von der„Times“ beeinflußt worden. Es sei bedauerlich, daß diese Zeitung ein neues Regierungswerkzeug geworden sei. g Der Lordkanzler sagte: Als ich das Pressebureau geleitet habe, war die Schwierigkeit wegen der amtlichen deutschen Berichte akut. Ich gab die amtlichen deutschen Berichte frei, vorausgesetzt, daß sie nicht Dinge enthielten, von denen wir be⸗ gründeterweise annahmen, daß sie unrichtig waren oder einen un⸗ serer Verbündeten beleidigten. Wenn zum Beispiel der amtliche deutsche Bericht sagte, daß die Franzosen Grausamkeiten gegen deutsche Verwundete begangen hätten, so schnitt ich sie aus. Ich selbst konnte die Wahrheit nicht feststellen und lehnte es ab, durch die britische Presse Nachrichten verbreiten zu lassen, die wahr⸗ scheinlich falsch waren. Die Deutschen haben zwei Arten Funken⸗ telegramme. Die einen sind die Berichte des Hauptquartiers, die anderen ein phantasievoller Auszug von Nachrichten mit der aus⸗ drücklichen Absicht, sie von der englischen Presse verbreiten zu lassen, damit sie aus dieser in die neutrale Presse übergehen. Als die Deutschen übrigens merkten, daß wir die amtlichen Berichte des Hauptquartiers freigaben, hingen sie andere Meldungen an, um sie durchzubekommen. Die britische Zensur schnitt diesen Anhang weg und es wäre wahnsinnig, in einem Krieg gegen uns gerichtete Nachrichten zu verbreiten, die die Deutschen veröffentlichten, um unsere auswärtigen Beziehungen zu stören. Der Lordkanzler deutete schließlich an, daß die Pressefreiheit infolge der Angriffe auf die Regierung eingeschränkt werden möchte. Lord Bry es sagte, die Unzufriedenheit mit dem Pressebureau sei daher entstanden, daß die Zensur in den 16 Monaten und in. den Debatten wenig gelernt habe.— Die Debatte wurde darauf vertagt. Eine englische Niederlage an der südarabischen Küste. Konstankinopel, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das im Bagdad erscheinende arabische Blatt„Sada⸗i⸗Islam“ erfährt: Die englische Expedition gegen Mesopotamien hat unter den Arabern der Küste Südarabiens von Bab el Mandeb bis Maskat große Exregung hervorgerufen. Seit der Einnahme von La Hadj durch türkische und arabische Truppen ist die Er⸗ regung sen. Die das Bergland von Hadraumant be⸗ wohnenden Stämme griffen unter dem Gouverneur von Djebel, der den heiligen Krieg verkündete, zu den Waffen; sie griffen die englischen Kolonien an der Küste an. Nachdem die Engländer in Makalla Verstärkungen gelandet hatten, fand im Innern des Landes ein Kampf statt. Obwohl die Engländer über Kanonen und Maschinengewehren verfügten, wurden sie von 12 000 Ara⸗ bern umzingelt, die drei Kanonen, sieben Ma⸗ schinengewehre, über 800 Gewehre und Munition erbeuteten. Eine große Zahl der Engländer wurde getötet, der Rest flüchtete nach Makalla in die Kanonenboote und räumte Makalla in Erwartung indischer Verstärkungen. Die Nieder⸗ c lage, die von den Engländern geheimgehalten wird, hat bei der indischen Regierung lebhafte Beunruhigung hervorgerufen. Die Kämpfe in Kamerun. London, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Presse⸗ bureau teilt mit, daß Truppen aus Nigeria am 22. Okt. Bamenda und am 24. Oktober Banyo, beide in Kame⸗ run gelegen, eingenommen haben. In dem Gefecht bei Banyo wurden drei Deutsche und 25 Eingeborene getötet; die britischen Verluste betrugen vier Tote und neun Verwun⸗ dete, alles Eingeborene. (Die Station Bamenda liegt etwa 80 Kilometer östlich der deutsch-englischen Grenze auf dem Bali⸗Hochlande. Ob der Angriff auf Bamenda von den bei Ossidinge versam⸗ melten englischen Truppen ausgeführt wurde, oder ob andere Truppen von Nigerien den Donga⸗Fluß entlang gegen Bamenda vorgedrungen sind, läßt sich aus den vor⸗ liegenden Nachrichten noch nicht ersehen. Ebensowenig läßt sich bereits jetzt über die Bedeutung der Einnahme von Bamenda durch feindliche Truppen ein Urteil abgeben. Bamenda liegt etwa 200 Kilometer nordöstlich vom Ba⸗ menda⸗Nordrande des Kameruner Hochplateaus. Mit dem Fall dieser Station wurde gerechnet, nachdem die englischen und französischen Truppen Ende Juni 1915 Ngaundere besetzten und nachdem am 16. August 1915 auch Gaschka von einer englischen Abteilung, die anscheinend den Ta⸗ bara⸗Fluß aufwärts gekommen war, eingenommen wor⸗ den war. Eine Bestätigung dieser Meldung bleibt indessen abzuwarten. Anm. d. WTB.) 0 5 5 Eine türkische Anleihe. Konstantinopel, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht die von der Kammer an⸗ genommenen 9 durch welche die Regierung ermäch⸗ tigt wird, mit der deutschen Regierung ein Abkom⸗ men betreffend einen Vorschuß von 6 Millionen Pfund abzuschließen, der von der deutschen Regierung ge⸗ währt wird, und durch die ferner der Finanzminister zur Ausgabe von Kassenscheinen im Betrage von 6 Millionen ermächtigt wird, deren Gegenwert vollständig in Schatz⸗ scheinen der deutschen Regierung 1 01 ist, die der Ver⸗ waltung der osmanischen Staatsschuld übergeben sind. Die Kassenscheine werden einen Zwangskurs haben und ein Jahr nach Abschluß des Friedens rückzahlbar sein. Eine Abordnung aus Syrien an der Dardanellenfront und Konstantinopel. Konstantinopel, 4. Nov.(Nichtamtlich.) Die Abord⸗ nung von Schriftstellern, Rechtsgelehrten und Geistlichen aus Syrien ist von ihrem Besuch an der Dardanellenfront zu⸗ rückgekehrt, wo sie aus eigener Anschauung feststellen konnte, wie unendlich klein trotz ihrer seit neun Monaten erlittenen enormen Verluste das Gebiet ist, auf dem sich die Engländer noch halten können. Alle Mitglieder der Abordnung hoben die in der Geschichte einzig dastehende Tapferkeit der türkischen Truppen hervor und gaben ihrer Anerkennung für ihre Leistungen lebhaften Ausdruck. Sie erklärten, daß sie, nach der Rückkehr in ihre Heimat, es sich angelegen sein lassen werden, ihren Landsleuten die empfangenen Eindrücke schildern und dadurch alle Zweifel, wenn es solche noch geben sollte, zu zerstreuen.— Zu Ehren der Abordnung veran⸗ staltete die türkische Presse heute abend unter dem Vorsitz des Direß⸗ tors des Pressebureaus, Hikmet Bey, ein Bankett, bei dem Reden in türkischer und in arabischer Sprache gehalten wurden. Sämtliche Redner hoben den Wert der brüderlichen Eintracht zwischen Türken und Arabern hervor, dank welcher die gerettete Türkei und der gerettete Islam ein neues Leben beginnen und sich einer glänzenden Zukunft erfreuen werden. Die Disziplin bei den Italienern. Wien, 4. Nov. Aus dem Kriegspressequartier wird unter dem Titel„Disziplin im italienischen Heere“ gemel⸗ det: Bei einem gefallenen italienischen Offizier wurde ein vom 29. September datierter Zirkularerlaß des italieni⸗ schen Armeeoberkommandos gefunden, der beweist, daß die Disziplin im italienischen Heere, namentlich nach der Isonzo⸗ schlacht, sehr im argen gelegen haben muß, wenn solche drakonische Gefehle nötig waren. Zugleich beweist das Schriftstück, daß die in einem unserer Preßberichte seinerzeit gemeldete Tatsache, daß die Italiener in die eigenen Trup⸗ pen hineinschießen, auf Wahrheit beruht. An dieser für die italienische Oeffentlichkeit allerdings recht bitteren Wahr⸗ heit können nunmehr auch alle italienischen Regierungs⸗ communiques nicht mehr rütteln. Der Zirkularerlaß lautet wie folgt: „Armeeoberkommando, Operationsabteilung, Bureau für ver⸗ schiedene Angelegenheiten, Sektion für Instruktionen und Diszi⸗ plin. Zirkularerlaß. Nr. 3525(an alle Offiziere auszugeben). In Ergänzung der im Zirkularerlaß Nr. 1 festgelegten Grundsätze über die Disziplin im Kriege gebe ich noch nachfolgendes bekannt und verlange, daß es sofort in die Tat umgesetzt werde: 1. Die Disziplin ist die geistige Flamme des Sieges. Es siegen die best⸗ disziplinierten Truppen, nicht die bestausgebildeten. Es siegt, wer im Herzen den hartnäckigen Willen zu siegen und die unerschütter⸗ liche Zuversicht auf Erfolg hat. 2. Wahre Disziplin zeigt sich im Geist und in der Form: Sie muß aus innerstem Herzen hervorgehen und Vorgesetzte und Untergebene in heiliger Liebe verbinden. Sie muß aber auch stets unbedingten Respekt in allen Handlungen, auch in Aeußerlichkeiten fordern 3. Jeder Soldat muß si⸗ sein, in einem Vorgesetzten im Notfall Bruder oder Vater zu finden. Er muß aber auch überzeugt sein, daß der Vorgesetzte die heilige Vollmacht besitzt, Widerspenstige oder Feiglinge niederzumachen. 4. Jeder muß wissen, daß im Angesicht des Feindes nur ein Weg für alle offensteht: jener der Ehre, der zum Siege oder Tode in den feindlichen Linien führt. Jeber muß wissen, daß, wer versuchen sollte, 1 12 ergeben oder zurückzuweichen, raschestens, noch bevor er diese nde auf sich ladet, vom Blei der hinter ihm stehenden Truppen oder von den Kugeln der hinter den Kampftruppen zur Beaufsichtigung verwendeten Carabinieri ereilt werden wird, wenn er nicht schon früher von seinem Offizier kalt gemacht wurde. 5. Wem es gelingen sollte, diesem heilsamen abgekürzten Ver⸗ fahren zu entkommen, der wird der unerbittlichen exemplarischen und sofortigen Aburteilung durch die Militärgerichte verfallen. Zur Schande des Betreffenden und zum warnenden Beispiel für die anderen ordne ich an, daß die Todesstrafen stets in Anwesenheit von entsprechenden A ungen der Truppenkörper zu vollziehen sind. 6. Wer sich ergibt und lebend in die Hände des Feindes fällt, wird sofort„in contumaciam“ verurteilt werden. Die Todes⸗ strafe wird nach Beendigung des Krieges vollzogen werden. Die Vorgesetzten aller Grade sind mir persönlich für die genauesto Durchführung aller dieser Bestimmungen verantwortlich. Der Chef des Generalstabes des Cadorna.“ 1—— Der Seekrieg. Die Versenkung eines englischen Transportdampfers. ö Heeres. Madrid, 5. Nov.(zens. Frkft.) Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist der englische Transportdampfer„Woodfield“, mit Kriegs material an Bord, von einem Unterseeboot ver⸗ senkt worden. Der Dampfer, der 3581 Registertonnen groß ist, war von Gibraltar nach dem österreichischen Mittelmeer unter⸗ Aus dem Reiche. Berlin, 5. Nov.(WDB. Nichtamtlich.) In der Bun⸗ desratsverordnungüber die Regelung der Preise für Schlachtschweine und Schweinefleisch sind mit Wirkung vom 12. November die„ für 50 Kilo⸗ gramm Lebendgewicht nach den Abstufungen für Schwei im Lebendgewicht erstens über 80 bis 100 Kilogramm, zweitens über 60 bis 80 Kilogramm, drittens unter 60 Kilo⸗ gramm, viertens für Sauen wie folgt festgesetzt: Für Frank⸗ furt a. M., Wiesbaden, Mainz, Karlsruhe und Mannheim auf 155 Mk., 155 Mk., 78 Mk. und auf 110 fk 995 A im Breisgau, Straßburg und M 7. 50 M. und 10 W. 8 5 a München, 5. Nov.(WTB. Nichtamtlich.) Staats⸗ minister Graf Hertling hat in Begleitung des Mimiste⸗ rialdirektors v. Meinel und des Legationsrates Freiherrn v. Stengel gestern abend eine zehntägige Reise nach Bel⸗ gien und Nordfrankreich angetreten. 5 Aus Stadt und Cand. Gießen, 6. November 1915. Sonntagsgedanken. Als die Menschen aus dem Paradiese vertrieben wurden, traf sie ein schwerer Fluch. Darum muß der Mann im Schweiße seines Angesichts sein Brot essen und mit Mühsal seinen Acker bauen. Das Weib soll mit Schmerzen gebären. Und zum Staub, wovon der Mensch genommen ist, muß er wieder zurückkehren. In alter, alter Zeit also hat man schon so gedacht, wie es auch in unserer Zeit viele N haben. Tag für Tag mühevolle Arbeit, Sorgen und Mühen: so geht es das ganze Leben hindurch. Es scheint nicht anders, als ruhe ein schwerer Fluch auf der 1 5. tele, die diese Meinung haben, suchen zwar diesem Fluche zu entgehen. Sie peitschen die Triebe ihrer Natur auf, daß sie zu scheinbar unbändigem Leben chossen. Aber es sind Schößlinge, die dennoch von Anfang i Keim der Krankheit in sich tragen. Man will Ablenkung haben, will vergessen. Aber was nützt es? Wir werden des⸗ 15 nicht vergessen. Wer den Fluch zu fürchten hat, den rifft er. Aber wir atmen auf, denn der Furchtsamen sind weni geworden. So alt die Klage ist, so when ste at mit tausend Gründen, so oft sie immer wieder ihr zu erheben wagte, so ist sie dennoch wiederum überwunden durch das wirkliche Leben. Und noch mehr könnte sie auch bei uns zu Hause überwunden sein, wenn wir uns mehr erinnerten an das Beispiel derer, die draußen kämpfen. Sie müssen Mühsale erdulden, und doch sind sie fröhlich; sie werden müde, und doch ermatten sie nicht; sie stecken in Schmutz und Nässe, und doch wer ist ihnen gleich; sie sterben, und erst recht sind sie ewig Sieger. Wo sind nun die, die da reden von dem Fluche, von dem Elend und der Mühsal des Lebens, von dem Kampf und den Opfern, die töricht, von den unheilbaren Wunden, die der Krieg ft 5 selbst das Doch 5 Sie sind nur sich selbst zum Fluche, sie sind sich größte Elend, und sie schlagen sich selbst die 5 — der Furchtsamen sind weniger 2 Denn da ist ja nichts, was sie fürchten sollten. Mühsal ist nicht Mühsal, Sorge ist nicht Sorge, Trauer ist nicht Twauer, Tod ist nicht Tod, sondern Sieg. 0 ck. * Die Politik des Kochtopfs. Gestern im Laufe des Tages und zwar um die Mittags⸗ und Abendessenszeit öffnete sich manche Haus⸗ bezw. Klchen⸗ tür und herein trat freundlich lächelnd die Polizei: „Bitte, lassen Sie sich nicht stören; ich wollte nur einmal nachsehn, was heute zu Mittag(oder zu Abend) gegessen wird!“—„2!“—„Es ist wegen der fleischlosen Tage! Sie ditrfen doch heute kein Fleisch an ihre Gäste und Pensionäre verabreichen!“— Richtig, erst da ging manchem ein Licht auf, und man ließ den Boten des Gesetzes seines appetit⸗ anreizenden Amtes walten und nahm mit gutem und auch, wie man uns erzählt, stellenweise mit schlechtem Gewissen seine Wünsche für eine gedeihliche Mahlzeit entgegen. Ja, wer uns das vor einem Jahre erzählt hätte, daß das Auge des Staates sogar in die Kochtöpfe gucken werde, den würde man für einen Mies⸗ oder günstigstenfalls für einen Spaßmacher gehalten haben. Und nun ists doch Wahr⸗ heit wie so manches andere Ungeahnte geworden, daß man den Küchenzettel mit der Polizei überlegen muß. Freilich, so intensiv wie gestern wird die Mitwirkung derselben ja wohl nicht bleiben; ihre Rolle muß das patriotische Gewissen über⸗ nehmen und ihr Auftreten mag gestern noch einmal dazu gedient haben, stumpfe Gewissen zu schärfen. Ob das nötig ist, das zu entscheiden kann nicht Sache der Oeffentlichkeit sein; aber nach den Erfahrungen, die man in verwandten Dingen gemacht hat, muß mans annehmen. J. 8 zeigt es, daß man mit allem Ernst gewillt ist, den neuen Verfügungen zur beabsichtigten Wirkung zu verhelfen. Und ein winkendes Strafmandat tut bei manchem Lauen Wunder. Nun soll ein Fachmann ein paar Worte über das sagen, was er von den fleischlosen Tagen erwartet. St Zucht reift die tüchtigsten Leistungen; das ist eine alte Er⸗ 8 und danach ist die Hoffnung nicht unbegründet, daß die Verpflichtung der fleischlosen und fleischarmen 0 sielleicht gar zur Begründung einer wirkli Kirche führen werde. Wie bekannt, gibt es wohl eine franzö⸗ sische, österreichische, italienische, englische, es gibt aber keine deutsche Küche Wohl haben die einzelnen deutschen Gaue und Stämme ihre Eigen⸗ und Sonderart auch in der Küche und ihre Lieblingsgerichte, indes hat sich in Deutschland bisher noch kein übereinstimmender Geschmack in ug auf die Zubereitung der Nahrungsmittel herausbilden kön⸗ nen. Der große Fehler, an dem bi die Wirtshäuser und Gasthöfe in Betracht kommen, leidet, ist unzweifelhaft die Uebertreibung der Fleischkost. Gemüse werden als Nebensache, f behandelt, Salate arg vernachlässigt, und auf die Zuberei⸗ tung der Gemüse wird im allgemeinen viel zu wenig Sorg⸗ falt verwandt. Das Gebratene herrscht durchaus vor, und daran kann sich eine feinere Kochkunst niemals entwickeln. An der Einrichtung der fleischarmen und der fleischlosen Tage könnten die Speisewirte sich nun gewöhnen, ein besseres, bekömmlicheres und geschmackvolleres Gleichgewicht 1 60 55 den verschiedenen Bestandteilen der Nahrung her⸗ zustellen, sodann aber der schmackhasten Zubereitung der Gemüse weit mehr Aufmerksamkeit zuwenden, als dies bisher der Fall war. Schließlich ist es ja eine wohlbekannte Tatsache, daß in den deutschen Speisehäusern selbst die Fleischgerichte in zahlreichen Fällen nicht sorgfältig und liebevoll genug zubereitet sind. Jene„Wirtshaustunke“, die jedem A nur zu gut bekannt ist, und die, wie wegs, um den Alliierten neues Kriegsmaterial zu bringen. sie auch auf der Speiselarte genannt sei, immer 19 und immer gleich schmeckt, ist schon zu einer geschi hen 9 85 am Ende zu einem Fortschritte der biellichen Kochkunst, vielle deutschen e deutsche Küche, so weit eln nur als Zugabe * . schluß Mitgliedern in B nicht minder unerfreulichen Eigen⸗ aber deswegen tümlichkeit deutscher Speisewirtschaften geworden; denn was ein Volk ißt und wie seine Nahrungsmittel zubereitet sind, das ist, wie schon Schopenhauer hervor⸗ gehoben hat, durchaus keine geringfügige, sondern eine recht wichtige Frage. Gebessert hat sich trotz aller Klagen noch immer 1 5 wenig, und 25 allen 8 55 wie vor zu französischen oder allenfalls österreichis Köchen gegriffen. Jetzt wird der Zwang, mehrere Tage in der Woche mit fleischarmer oder fleischloser Kost auszu⸗ kommen, die Gastwirte wohl oder übel nötigen, die Gemüse durch schmackhafte Zubereitung ihren Gästen reiz⸗ voll zu machen, der feinen Behandlung des Fisches ihre Aufmerksamkeit zu widmen und schließlich auch dafür zu sorgen, daß die nz die das ewige Gebratene zu ersetzen haben, angenehm und bekömmlich zubereitet wer⸗ den. Und damit wären die fleischlosen Tage eine Klappe für zwei Fliegen. 5 9 * Priegsmittagstisch. Die Nahrungsmittel sind so teuer geworden, daß weite Kreise nicht mehr in der Lage sind, sich genügend zu ernähren. Um diese Sorge nach Kräften zu lindern, und von der Erfahrung ausgehend, daß für viele Personen gemeinsam zu kochen, billiger ist, als für wenige, hat die Ortsgruppe des Allg. D. Fraue n⸗ vereins beschlossen, einen nahrhaften und ausreichenden Mittagstisch zu billigem Preis für Frauen, Mädchen und Kinder einzurichten. Das Essen soll auch über die Straße abgeholt werden können. Die Eröff⸗ mung der ersten Speisestelle ist für den 15. November ge⸗ plant. Weitere Stellen in verschiedenen Stadtteilen sollen folgen, wenn die Einrichtung Anklang findet. Die Angabe des Lokals und vorgesehenen Preises erfolgt rechtzeitig im Anzeigenteil des Blattes. a n Heimstätten für unsere Krieger. Um die Mü⸗ hen und Entbehrungen zu mildern, die unsere braven Truppen im Kampfe gegen eine Welt von Feinden gern und willig auf sich nehmen, hat seit Kriegsbeginn eine mannigfache Liebestätig⸗ keit in der Heimat eingesetzt. Eine Flut von Liebesgaben hat ihren Weg zu den Kämpfern genommen und nimmt ihn noch immer; alles Zeichen der Dankbarkeit, die wir Daheimgebliebenen auf diese Weise zum Ausdruck bringen möchten. Das ist gewiß gut und soll auch weiter so bleiben, denn all diese Gaben bringen 115 Kämpfenden nicht mur Erleichterungen, sondern auch das Ge⸗ ühl der Zugehörigkeit zu einem großen Volk von Brüdern. Das allein aber genügt nicht. Wir müssen den Männern, die draußen stehen und mit ihven Leibern einen Wall zum Schutze des heimat⸗ lichen Herdes bilden, noch in ganz anderem Maße unsere Dankbar⸗ leit bezeugen. Nicht nur ist es unsere Pflicht, befriedigende Zu⸗ stände für die Dauer des Krieges in der Heimat zu schaffen und au erhalten, darüber hinaus müssen schon jetzt die Grundlagen für eine gesunde, gedeihliche Weiterentwickelung des Staats⸗, Volks⸗ und Wirtschaftslebens nach einem glücklichen Kriege ge⸗ funden werden. So hat sich denn auch im Verlaufe des Krieges ein Gedanke entwickelt und bereits zu fest umrissenen Vorschlägen verdichtet, der Gedanke zur Schaffung von Kriegerheim⸗ stätten. Am 20. März hat sich der Hauptausschuß für Krieger⸗ heimstätten gebildet, dem sich sofort 28 große Organisationen an⸗ schlossen, deren Zahl inzwischen auf 1954 gestiegen ist. Er er⸗ strebt ein Reichsgesetz, durch das den heimkehrenden Kriegern die Möglichkeit geboten wird, mit öffentlicher Hilfe eine Heimstätte zu erwerben, sei es zum Zwecke ländlicher oder gärtnerischer Sied⸗ lung, sei es zum Erwerb eines Wohnheims. Ueber diese große u i Frage, die jetzt die Oeffentlichkeit stark beschäftigt, wird auf Veranlassung des Evangel. Arbeitervereins, der Orts⸗ gruppe Gießen des Verbandes der unteren Post⸗ und Telegraphen⸗ Beamten und der Ortsgruppe Gießen des Deutschen Vortrupp⸗ Bundes am Montag, den 8. November im großen Hörsaal der Universität Herr Generalsekretär P. O. Rüppel aus Berlin sprechen, der durch seine zahlreichen Vorträge inner⸗ und außerhalb Deutschlands als Redner einen guten Ruf genießt. „ Der Frauenbund der Deutschen Kolonial ⸗ gesellschast, Abteilung Gießen, schreibt uns:„Die Hinaus- fendung von Büchern und Zeitschristen an die Front, in die Lazarette und Gefangenenlager hat vorläufig einen gewissen Ab- esunden. Viele Bitten unserer Landsleute in Südwest um Hilfe sind jetzt zur Heimat gelangt, so daß wir unsere Kräste wieder mehr kolonialen Aufwendungen zuwenden müssen. Wir sagen daher allen, die uns seinerzeit in bereitwilliger Weise mit Lesestoff oder Geldspenden in die Lage versetzt haben, unseren Kriegern draußen eine Freude zu bereiten, herzlichen Dank. er Gemeinnützige Baugenossenschaft. Am 4. l. Mts. hielt die gemeinnützige Baugenossenschaft im Hotel Schütz ihre diesjährige Generalversammlung ab, die einen verhält⸗ nismäßig guten Besuch aufzuweisen hatte. Herr Dr. Rosen⸗ berg, rsitzender des Aufsichtsrates, eröffnete die Versamm⸗ lung und gedachte in warmen Worten des im Felde gefallenen Mitgliedes des Aufsichtsrates, Herrn Prof. Dr. Klein, der allzeit ein treuer Mitarbeiter gewesen sei, wie ihm überhaupt das Wohl der minderbemittelten Bepölkerung sehr am Herzen ge⸗ legen habe. Aus dem Bericht des Vorsitzenden ist hervorzuheben, daß der Verein seit seinem Bestehen mit den größten Schwierig⸗ keiten in Bezug auf Erwerb von geeignetem Baugelände zu kämpfen hatte. Nunmehr sei jedoch Aussicht vorhanden, daß den älde Bau gelegenheit in zwei Stadtteilen geboten sei. Vor allen Dingen sei es gelungen, von der Stadt in der Parallelstraßeder Landmannstraße Bauplätze un⸗ ter günstigen Bedingungen zu erhalten. Wenn auch die vertrag⸗ lichen Einzelbestimmungen noch nicht ganz zum Abschlusse ge⸗ * 1 kommen seien, so lassen die Verhandlungen schon jetzt in aller Kürze ein günstiges Resultat erwarten. Hinzu komme, daß die Stadt, um den Bauliebhabern erste Hypotheken bis zu 80 Prozent der Taxe zu ermöglichen, sich für weitere 20 Prozent über die üb⸗ lichen 60 Prozent verbürge. Es sei hierfür von den Stadtverord⸗ neten bereits ein Betrag von 22 000 Mk. bewilligt worden. Wei⸗ ter sei aber mit dem derzeitigen Besitzer des früheren Troßschen Geländes an der Rodheimer Straße ein gerichtlich ein⸗ getragener Vertrag abgeschlossen worden, nach dem der Genossen⸗ schaft das Vorkaufsrecht auf 22 Bauplätze zu äußerst günstigen Bedingungen auf 10 Jahre eingeräumt sei. Die Vorarbeiten für dieses Projekt seien auch bereits in Angriff genommen, so daß auch hier, in nicht allzugroßer Ferne die Bau⸗ kätigkeit einsetzen könne. Alles in allem genommen, glaubte der Redner mit Zuversicht sagen zu dürfen, daß die Genossenschaft in aller Kürze mit ihrer eigentlichen Tätigkeit beginnen könne. Ohne fl erfülle hiermit die Genossenschaft eine hohe, vater⸗ ländische Pflicht, und man könne mit Rücksicht hierauf auf die Mitarbeit der zuständigen Instanzen rechnen. Nach dem Kriege werde das Wohnungsproblem akut werden und alle, die mit⸗ arbeiteten, daß in Gießen jetzt schon die richtige Vorarbeit vor⸗ genommen werde, seien des Dankes der Allgemeinheit sicher. Die Versammlung erklärte sich mit den Ausführungen einver⸗ standen und billigte die seither unternommenen Schritte von Vor⸗ stand und Aufsichtsrat.— Aus dem Berichte des Rechners war zu entnehmen, daß die Mitgliederzahl 73 beträgt. Der Reserve⸗ fonds beträgt nach den Neuzuweisungen 590,47 Mk. Der Spezial⸗ reservefonds 3208,27 Mk. Die Mitgliederguthaben betragen 9075 Mk., die Haftsumme 19 400 Mk. An Stelle des von hier verzogenen Bürgermeisters Mosig wurde Herr Kreistechniker Müller in den Vorstand und an Stelle des Herrn Dr. Klein Herr Prokurist Kuhl in den Aufsichtsrat gewählt. Die turnus⸗ mäßig ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder Gundrum, Koch und Braun wurden wiedergewählt. Landkreis Gießen. „ Annerod, 5. Nov. Der seit Ende März d. Is. vermißte Musketier Ludwig Wehrum, Sohn des Pflastermeisters K. Wehrum hier, befindet sich nach Mitteilung eines seiner Kameraden in russischer Gesangenschaft.. Villingen, 5. Nov. Schwer heimgesucht wurde die Familie unseres früheren ersten Lehrers Thöt, jetzt in Nieder- Ramstadt. Die Eltern erhielten an einem Tage gleichzeitig die Mitteilungen, daß ihr ältester Sohn in der Champagne durch einen Granatsplitter den Heldentod fürs Vaterland gestorben und ihr zweiter Sohn am 28. September in Südgalizien von einer Patrouille nicht mehr zurückgekehrt sei. Alle Nachsorschungen nach ihm waren ergebnislos. Die beiden jungen Leute zeigten große Anhänglichkeit an ihre frühere Heimat und besuchten hier alljährlich ihre Jugendsreunde und Bekannte, die an ihrem harten Schicksal innigsten Anteil nehmen. — Lich, 5. Nov. Prinz zu Solms⸗Hohensolms⸗ Lich, der als Oberleutnant im Jägerbataillon 11 steht, wurde das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen. Hessen⸗Nassau. n. Fulda, 4. Nov. In der hohen Rhön ist der Winter bereits eingezogen. Auf dem Kreuzberg hat es schon tüchtig geschneit, und unwillkürlich lenkt sich der Blick auf das dortige Kloster, eine Siedelung der Franziskaner. Ist der Kreuzberg 1 77 zur Sommerzeit rauh und unwirtlich(er ist mit 932 Metern er zweithöchste Gipfel der Rhön, die sich auf der Wasserkuppe bis nahezu an 1000 Meter erhebt), so bietet er im Winter ständig das Bild grausiger Oede und, zumal bei hohem Schnee, erschüt⸗ ternder Großartigkeit. Eisige Sturmwinde heulen über die kahlen Bergflächen und treiben dem mutigen Wanderer das Blut in die Wangen. Wenn er nicht rüstig ausschreitet, so überraschen ihn kurz nach Mittag aufwallende Nebel und verwehren ihm den Blick. Im Januar sinkt hier das Thermometer oft auf 20 Grad minus; dann hängen armdicke, bis 2 Meter lange Eiszapfen am des Klosters, Schneestürme peitschen gegen die grauen Mauern, bei jedem Schritt quietscht und knarrt der Schnee. Mit welcher Gewalt der Sturmwind hier oben einherfegt, dafür legt das mächtige, 23 Meter hohe Kreuz auf dem Wipfel des Berges Zeugnis ab. Dieses schon seit dem frühen Mittelalter hier auf⸗ gerichtete Wahrzeichen, das dem Berge seinen Namen gab, ist häufig geknickt worden. Ein furchtbarer Boreas, der am 16. Ok⸗ tober 1882 über den Kreuzberg hinweg brauste, zerbrach das aus mächtigen Baumstämmen gefügte Kreuz just so, als wenn es aus schwächlichen Latten gezimmert worden wäre. Die Höhe der Schneedecke war oft 2 bis 2½ Meter, wiederholt wuchs sie bis zum ersten Stockwerk des Klostergebäudes an. In solchen Zeiten ist jeder Verkehr vom Kloster mit der Außenwelt aus⸗ geschlossen; selbst mit Skiern kann man nicht ins Tal hinter kommen. Ein Aufstieg ist gänzlich unmöglich. Die Klosterbrüder müssen daher vom November bis zum April ein hartes, welt⸗ abgeschiedenes Leben führen; sie sehen in diesen Monaten oft kein fremdes Gesicht. ul. Limburg, 5. Nov. In der heutigen Stadtverord'⸗ netensitzung wurde mitgeteilt, daß der seitherige langjährige Stadtverordnetenvorsteher Kommerzienrat Casensly der Stadt seinen Garten schenkungsweise überlassen hat.— Um die Lahnwasserkräfte in den Dienst der Stadt zu stellen, hat die Stadt Limburg die in Konkurs geratene Burkhartsche Mühle an der oberen Lahn käuflich zum Preise von 50 000 Mark erworben. Mit der vor kurzem angekauften Engelmannschen Mühle hat sich die Stadt durch die Erwerbungen die eigene Erzeugskraft für Elektri⸗ zität zum städtischen Gebrauch gesichert. Vermischtes. Berlin, 4. Nov.(W. T. B. Amtlich.) Heute nachmittag 2 Uhr 30 Min. stieß der von Püttlingen an der Saar nach Völk⸗ lingen abgelassene Personenzug 3708 bei Kilometer 1,2 auf den Schluß des dort vor dem Einfahrtssignal des Bahnhofes ————————— „ Völklingen haltenden Güterzuges 7234. Die beiden Schluß; wagen des Güterzuges wurden dabei ineinander gedrück 4 Ein Schaffner wurde schwer, ein zweiter leicht verletzt. Der Materialschaden ist unerheblich. Die Schuld teisst den Jahrdienst⸗ leiter der Blockstelle Heidstock, der vom Dienste zurückgezogen worden ist. Spielplan des Gießener Stadttheaters. Direktion: Hermann Steingovetter Sonntag, den 7. November, nachmittags 3% Preisen:„Die fünf Frankfurter.“ Ende 5 ¼ Uhr. bei kleinen Preisen:„Herrschastlicher Diener gesucht.“ Ende gegen 9% Uhr. Dienstag, den 9. November, abends 8 Uhr, bei gewöhn⸗ lichen Preisen(ermäßigt), 4. Dienstags Abonnement Vorstellung: „Mein alter Herr.“ Ende nach 10 Uhr. Mittwoch, den 10. Nop., abends 8 Uhr, bei Volkspreisen: Zu Schillers Geburtstag: Volks- und Schliler-Vorstellung:„Kabale und Liebe.“ Ein bürgerliches Trauerspiel in 5 Akten von Friedrich von Schiller. Ende nach 11 Uhr. Freitag, den 12. November, abends 8 Uhr, bei gewöhn⸗ lichen Preisen(ermäßigt), 5. Freitags-⸗Abonnement⸗Vorstellung:„Die Venus mit dem Papagei.“ Ende nach 10 Uhr. Sonntag, den 4. November, nachmittags 3½ Uhr, bei kleinen Preisen:„Herr- schaftlicher Tiener gesucht.“ Ende gegen 575 Uhr. Abends 77¼ Uhr, bet kleinen Preisen:„Wie einst im Mai.“ Ende nach 10% Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 1 Uhr, bei kleinen Abends 7½ Uhr, 2 2 ä 2 3 3 8 822 222 1 7 25 2 2 wos, Je 5 e e e eee 3 2„„ r 58 1015 E83 88 S S 8„ 5 I 5 2 D 2 0 g J 5. 2— 7,6 5,1 66— 6 Sonnenschein 5. 8— 4,7 5,5 87—-— Heller Himmel 6. 7— 0,9 44 90— 3 Bew. Himmel g Höchste Temperatur am 4. bis 5. Nov. 1915 + 8.30. Niedrigste„ F Un + 2,4“„ Miederschlag: 0,0 mm. . Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 7. Nov. 1915: Wechselnd bewölkt, doch meist trocken, Temperztur wenig geändert. Letzte Nachrichten. Ein deutscher U-Bootsangriff bei Saloniki. Budapest, 6. Nov.„A Vilag“ meldet aus Saloniki: In der Nähe von Saloniki versenkte ein deutsches Unterseeboot mit einem gut gezielten Torpedoschuß ein englisches Transportschiff. Das Schiff sank binnen wenigen Minuten. Die an Bord befindlichen 800 Personen sind umgekommen. Das Unterseeboot entkam unversehrt. Bratianu über die rumänische Politik. Budapest, 6. Nov. Der, Ministerpräsident und Führer der rumänischen liberalen Partei, Bratianu, versammelte heute bei sich eine Anzahl Kammerabgeordnete, Senatoren aus der Kammermehrheit, Hauptleute und Bürgermeister, denen er den Stand der auswärtigen Politik auseinandersetzte und zu ihnen sagte, daß die bisherige Politik der Regierung die einzig mögliche war. Er betonte, Rumänien habe sich bisher nach keiner Seite hingeneigt. Die bisherige Politik habe gute Ergebnisse gehabt. Die Versammelten sprachen Bratianu ihr Vertrauen aus. g Die verzweifelte Lage Montenegros. Sofia, 6. Nov. In Gesprächen, die König Nikolaus von Montenegro mit den diplomatischen Vertretern der Entente führte, lenkte er die Aufmerksamkeit auf die traurige wirtschaftliche Lage des Landes, dessen Not durch den Zuzug zahlreicher Flüchtlinge aus Serbien ins Unermeßliche steige. Der König erklärte den Gesandten, er werde, wenn auch blutigen Herzens, sich entschließen müssen, den Flücht⸗ lingen den Einzug in sein Land zu verwehren, falls die Enkente nicht rasch und ausgiebig materielle Hilfe gewähre. Kritik gegen die englische Kriegführung. 5 Stockholm, 6. Nov. Die Morning Post stellt in Aus⸗ sicht, daß bei der Debatte über die neuen Kriegskredit⸗ von 250 Millionen Pfund Sterling nicht nur die Frage d Dardanellenaktion, sondern die ganze Krie führung beleuchtet werden soll. Die Ankündigung des„Dai Chronicle“, daß auch Lord Morlei wie Lord Cromer der Seite der Opposition Platz genommen haben, deuten dar hin, daß die Regierung einen Ansturm schärfster Kritik auch liberaler Seite zu gewärtigen haben wird. Viele 100 000 schon ius Feld gegangen. 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IA he 2——— — ldd!!! ß ̃ ̃ ͤ—. ˖» N 5 i Weihnachtsgabe 19 i . i N. eihnachtsgabe 1915. 5 85 AaauaeaeebbededdadaaadaadaadaddloddadadaddadadadadaddaddadadaaddaddandaddadddaddadandandadLsntoenxxx s; 0 8 „ 1 8 Zum zweiten Male in diesem Kriege naht sich das Weihnachtsfest unseren Tapferen draußen 1 97 im Feld und in den Lazaretten, fern vom Kreise ihrer Lieben. Und wiederum erwächst uns die 97 9 Aufgabe, ihnen allen eine Freude zu bereiten. Darum wenden wir uns heute wieder an die Opfer⸗ 9 9 willigkeit unserer Mitbürger mit der Bitte: 5 90. 7 HOffnet Herz und Hand zu einer Weihnachtsgabe g ** de J * N für unsere Feldgrauen und Verwundeten. 1 N 5 9 Der allgemeine Hessische Opfertag zum Geburtstag Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wird jedem 80 5 Gelegenheit geben, zu diesem Zweck etwas beizusteuern und zugleich damit auch seine Anhänglichkeit 955 2 an unser angestammtes Fürstenhaus zu bekunden. 9 0 g 0 9 b Der Oberbürgermeister. 0 1 Keller. 9 1 Die Vorsitzende des Alicefrauenvereins Der Vorsitzende des Zweigvereins 9 5 Zweigverein Gießen. Gießen vom Roten Kreuz.* 4 Frau Gebhardt. Wiener. J 9 95 7 Naturalspenden werden jederzeit an der Liebesgabensammelstelle des Roten Kreuzes in der Alten Klinik, Liebigstraße, 7 N ebenso auch Geldspenden an der Kasse daselbst und bei den hiesigen Banken und der Bezirkssparkasse entgegengenommen. 1 ** Am 25. und 26. November, dem allgemeinen Hessischen Opfertag, wird eine Büchsensammlung in den Häusern und auf N75 5 den Straßen, verbunden mit Postkartenverkauf, stattfinden. 86750** * 0 77. ³¹ w SS S SSS 5 GIESSENER KONZ ERT-VEREI 2 Sonntag, den 14. November 1913 — 5½ Uhr, in der neuen Aula Generalmusikdirektor mit dem Leipziger Gewandhaus-Ouartett Reger, Sonate für Vigline und Klavier, op. 139, C- moll.— Beethoven, Quartett op. 74(Harfen- quartett). Reger, Quartett für Violine, Bratsche, Cello und Klavier, op. 133, A-moll. onzertilügel uach aus dem Hagazin von A. Förster In diefen. franzoͤsischer Gesangen⸗ schaft Ausgetauschten kann Auskunft geben über Major van Asten der am 10. Sept. 14 schwer verwundet in Sermaize in Gefangenschaft fiel; über Oberleutnant Firmenich verwundet und vermißt am 10. Sept. 14 bei Maurupt le Montois; über Oberleutnant Bethge vermißt seit 31. Okt. 14 bei Le Quesnoy en Santerre. Alle aktiven Offiziere vom Inf.⸗Regt. 116 Verein der Gastwirt von Gießen und Umgegend e. V. Die Bundesratsverordnung betr.: Die Einschränkung des Fleisch⸗ und Fettverbrauchs, die mit dem 1. d. M. in Kraft getreten, schreibt vor, daß ein Abdruck der Ver⸗ ordnung in den Verkaufs⸗ und Betriebsräumen, also in den Gastzimmern und in der Küche, ausgebäugt werden muß. Unseren Mitgliedern werden die ersorderlichen Exem⸗ plaxe der Verordnung demnächst kostenlos zugestellt, und wolle Jeder im eigensten Interesse für den Ausbang be⸗ sorgt sein, da sonst Strafe bis 1500 Mk. oder Gefängnis⸗ strase verhängt werden kann. Nichtmitglieder des Vereins können den Abdruck der Verordnung von der Geschäftsstelle, Plockstr. n 87 and. 8 Backpulver, bewährte Rezepte und Vorschriften l 6.40, bei Voreinsendung des Betrages 6.20. Herren und Damen, welche ihr Einkommen erhöhen, sparsam wirtschaften oder sieh selbständig machen wollen, bietet sich die günstigste Gelegenheit. Folgend ein kleiner Auszug von denvielen Rezepten: An⸗ strichfarben, Bohnermassen Backware, 985 Honigpulver, Limonaden, Lehtspielhaus Bahnhofstraße 34 8721 te- Weine. mittel, Polituren, Punsch- Kosmetische Artikel, Seifen lauch-Pulver und Toilette-, Schuhputzmittel, Likör essenzen, Bouillonsuppen- taf., Früchte-Kaffee, Früch- Tinten, Farb- Extrakte, Zahnpulver, ( rropfen,- Wasser ete. ste. Eintrittskarten: 1. Platz JI. 3.—, 2. Platz M. 2.—,. g. Platz Kaiser Wilhelm, Gießen. 8 ee ee Platz l 050, samtlnumeriert, 5 4 905 E 0 Srucenfentarfen II. I.—, für Schüler n. Militärpersonen Auskunft an Frau Oberleutnant Firmenich, Ab heute der spannende 5 enst Sandler die nicht im Offtziersrange stehen, 30 Pfg. sind in der Musikalienhandlung von Erust Challier, Tel 671, und abends an der Kasse zu haben. 8717 Der Ueberschuss kommt Kriegswohlfahrtszwecken zugute! Montag, den 8. November, abends 8/ Uhr im großen Hörsaal der Universität Vortrag des Herrn Generalsekretär Rüppel über: 1 AN Licgerheinstäten eine Lebensfrage unseres Volkes. Eintritt 30 Pfennig, Militär ohne Offiziersrang 15 Pfennig, Verwundete sind Gäste. Evangelischer Arbeiterverein. Drtsgruppe Gießen des Verbandes der unt. Post⸗ und Telegraphen⸗Beamten. Ortsgruppe Gießen des Deutschen Vortrupp⸗Bundes. 8681 0 Tenissenhalte Auebiadung von Kratsabrern übernimmt jederzeit 18605 Erste Deutsche Automobil-Fachschule Seltersweg 81/8, Gießen. 06055 Für die uns anlässlich unserer silbernen Hochzeit erwiesene Aufmerk- samkeit danken herzlich 98088 L. Kronenberg und Frau. Telephon 940 Mainz-Zahlbach Telephon 940 zum Anfertigen sämtlicher Wäsche, Blusen und Unterricht Kinderkleider Wall⸗ torstraße 24.— Wleder- 5 8 beginn der Abendkurse. 0803 Wäbrend des Winterkursus Preisermäßigung. eee Ralionaler Frauendienst Allgem. Deutscher Frauenverein Ortsgruppe Gießen. Das Verpacken, Schreiben und Adressieren von Feldpost⸗ sendungen besorgt bereitwilligst und unentgeltlich: Mon⸗ tag, Mittwoch und Freitag von 10 bis 12 Uhr vorm.: Süd⸗Anlage 4 11, Frau Professor Kalbfleisch. Außerdem erteilt Auskunft über Adresse und Rat für Jeldpostbriefe gern u. unentgeltlich in ihrer Sprechstunde: die Frauenrechtsschutzstelle Gießen. Mittwoch Nachm. 6½—8 Uhr im alten Rathaus. 13 Sensaàtionsfilm Auf der Sehwole les Todes JAltee! und Darstellung 3 Akte! 105 ann das brgg ershlass. inrogrann Fesselnd u. hervor- Ab Dienstag: Henny poften in dem dramatischen Liebes- u. Lebensroman Märtyrerin der Liebe Ab Dienstag: 25 Wernigerode a. H. Naturheilverein. Wir bitten unsere Mit⸗ glieder, den am Montag, den S. Novbr., abends 8½ Ubr, im Hörsaale der Universität stattfindenden Vortrag des Herrn Rüppel über: Aicgerheimstäben besuchen zu wollen. Der Vorstand. DNION Astoria. dle be Olr.: Hermann Stelngoetter. (Sonntag, 7. Nopbr. 1913, nachmittags 3½ Uhr: meine Freise Kleine Preise! Die fünf Frankfurter. Lustspiel in 3 Akten von Carl Rößler. Ende 5½ Uhr. le Abends 7½ Uhr: Kleine Prelsel Kleine Prolsel Herrschaftlicher Dieuer gesucht. Schwank in Akten v. Eugen . 2* 7 [[Bura und Louis Tauffstein. N 2 Ende gegen 9½ Uhr. Soldaten vom Feldwebel abwärts zahlen bei allen n l E 1„ . 50 Vorstellungen auf 3. Sperrsitz nur halbe 2 und Preise.