Nr. 255 Der Sießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Glezener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen „(Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 165. Jahrgang 8 General⸗Anzeiger für Obehessen Rotationsdruck und verlag der Brühl schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Mittwoch, 27. Oktober 1015 Bezugsvrel,⸗ monatl. 85 Pf., viertel⸗ K ährl. Mk. 2.50; durch Aohole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Ein erheblicher Erfolg der Armee Linsingen. Gute Fortschritte in Serbien. e.) Croßes Hauptquartier, 26. Oktober. Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Nordöfstlich von Souchez wurden feindliche Hand⸗ granatenangriffe abgewiesen. In den Kämpfen vom 24. Okt. sind an der vorspringenden Ecke nördlich von Le Mesnil in der Champagne etwa 250 Meter unserer Stellung vorüber⸗ gehend in Feindeshand gekommen. Gestern wurden die Fran⸗ zosen wieder daraus vertrieben. Fünf Offiziere und über 150 Mann blieben gefangen in unserer Hand. Nordöstlich von Le Mesnil hält der Feind noch einen kleinen deutschen Graben besetzt. Auf der Combreshöhe hatten un⸗ sere Sprengungen guten Erfolg. Französische Sprengungen im Priesterwalde blieben erfolglos. g Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Illuxrt⸗Abschnitt nördlich von Illuxt ist wieder überschritten. Das bereits vorgestern vorübergehend genommene Gehöft Kasimirschki ist fest in unserer Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Russische Angriffe östlich Baranowitschi und gegen unsere Kanalstellung südlich des Wygonowskoje⸗Sees sind abgeschlagen. 5 Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Oestlich von Kukli(westlich von Czartorysk) wurden in der Nacht vom 25. Oktober die feindlichen Stellun⸗ gen gestürmt; ein allgemeiner russischer Gegenangriff blieb erfolglos. Gestern wurden weitere Fortschritte gemacht. Der Feind ließ vier Offiziere, 1450 Mann und zehn Maschinengewehre in unserer Hand. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Oestlich von Visegrad ist die Höhenlinie Suhagora— Panos erreicht. Der Angriff der Armeen der Generäle b. Köveß und v. Gallwitz schreitet gut fort. Südlich von Palanka sind die Nordhänge des Racg⸗Tales in unserem Besitz. Weiter östlich sind Marcovac, Vk. Laole, Kurevo ge⸗ nommen. In den letzten drei Tagen sind 960 Serben gefangen genommen. 8 5 5 g Von der Armee des Generals Bojad jeff liegen keine neuen Meldungen vor.„ 8 7 Oberste Heeresleitung. * „ Der preußische Minister des Innern v. Loebell hat etwas vorzeitig um die Bedürfnisse der künftigen inneren Politik sich bekümmert, insofern er schon jetzt ein Programm über die Beeinflussung der deutschen Presse aufrollt. Der „Vorwärts“ veröffentlicht den entsprechenden Erlaß des Ministers an die Landräte. Wahrscheinlich liegt ein Ver⸗ trauensmißbrauch vor, aber der Inhalt des ministeriellen Programms ist so bedeutungsvoll, daß man daran nicht vorbeigehen kann, wenn auch aus begreiflichen Gründen heute nicht mit voller Gründlichkeit in die Beurteilung der Angelegenheit eingetreten werden kann. In dem auch von der„Frankf. Ztg.“ abgedruckten Aktenstück weist Herr v. Loebell seine Untergebenen darauf hin, daß die bisher von der Regierung angewandten Mittel weder dem Bedürf⸗ nis der kleinen Zeitungen genügt, noch auch eine nachhaltige politische Beeinflussung hätten sicherstellen können. „Ich habe aus diesen Gründen für die Bedürfnisse und die nachhaltige Beeinflussung der kleinen Presse einen Korrespon⸗ denz⸗ Apparat berektgestellt, der technisch und inhalt⸗ lich die verschiedenartigen Bedürfnisse der kleinsten und kler⸗ nen Zeitungen unter Berücksichtigung der verschiedenen Lei⸗ stungsfähigkeit der Zeitungsverleger befriedigen. Die im Verlage des„Zentralbureaus für die deutsche Presse“ G. m. b. H., Berlin SW 48, herausgegebenen Korrespondenzen werden künftig den erwähnten Zwecken der Versorgung und Beeinflussung der kleinen Kreis⸗ und Lokalpresse dienen.“ 3 Der Minister will das künftige Geistesleben, wie er weiter mitteilt, auch mit Hilfe billiger, fertiger Ma⸗ trizen beleben; er beruft sich dabei auf den bisherigen 7 auch bei der deutschen Parteipresse und fährt dann fort: 5 „Der Text dieses gesamten Korrespondenzapparqtes esd von meinem Referenten überwacht und nachdrücklich beeinflußt. Eure Hochwohlgeboren ersuche ich, mit den Zeitungsverlegern und Re⸗ daktionen, soweit sie Ihrem Einfluß zugänglich sind, Fühlung zu nehmen, sie auf die erwähnten Korrespondenzen aufmerksam zu machen, ihnen die Benutzung ans Herz zu legen und ihnen des weiteren zu empfehlen, sich mit dem„Zentralbureau für deutsche Presse“(Berlin SW. 48, Friedrichstraße 16) wegen der Bezugs⸗ bedingungen der Korrespondenzen in Verbindung zu setzen.“ Ein paar gänzlich unpolitische Anmerkungen kann man 7 diesem Vorhaben heute schon machen. Es ist richtig, daß ie fertig stereotypierten Zeitungen vielfach im Brauche waren, aber sie stellten keine Kulturblüte dar. Ganz allge⸗ mein sollte auf diese Weise keine öffentliche Meinung ge⸗ macht werden, und man kommt dabei auf ähnliche Betrach⸗ tungen wie beim Kapitel über billige Fabrikware und solide Handwerksarbeit im Sinne des Werkbundes. Die rein poli⸗ 118 Seite des Vorgehens Herrn v. Loebells soll unerörtert bleiben. * 3 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 26. Oktober 1915. Rusfsischer Kriegsschauplatz. Die südwestlich von Czartorysk kämpfenden k. und k. Truppen wiesen mehrere Angriffe russischer Schützen⸗Divi⸗ sionen ab, wobei sie zwei Offiziere und 500 Mann gefangen nahmen und ein Maschinengewehr erbeuteten. Deutsche Regimenter warfen den Feind beider⸗ seits der von Nordwest nach Czartorysk führenden Straße. Insgesamt ließen die Russen in diesem Raume gestern 1450 Mann und zehn Maschinengewehre in der Hand der Ver⸗ bündeten. Sonst blieb im Nordosten die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Der gestrige Schlachttag verlief im Verhältnis zu den vorangegangenen an der Hochfläche von Dober do ruhiger. Dagegen wurde um unsere Brückenkopfstellungen von Görz und Tolmein sowie im Abschnitt nördlich Tolmein bis zum Krn wieder äußerst heftig gerungen. Alle diese Kämpfe endigten mit dem vollen Mißerfolg des angreifenden Feindes. Am Krn brachen drei Vorstöße der Italiener in un⸗ serem Feuer zusammen. Vor dem Mrzli Brh scheiterte ein feindlicher Nachtangriff. Gegen den Tolmeiner Brückenkopf bereitete nachmittags ein besonders leb⸗ haftes Artilleriefeuer neue Angriffe starker Kräfte vor. Spät abends schlugen unsere Truppen einen solchen Angriff auf die Höhe westlich von St. Lucia, heute zeitlich früh einen zweiten gegen die Stellung nördlich von Cocarsce, der bis zum Handgemenge führte, unter schwersten Verlusten für den Feind zurück. Der Raum von Descla stand zeitweise unter Trommelfeuer. Ein schwächlichet italienischer Angriff gegen Zagora wurde leicht abgewiesen.. Der Monte Sabotino, vor dem der Gegner in den letzten Tagen mindestens 2500 Mann verlor, wurde gestern nicht mehr angegriffen, wohl aber von der italienischen Ar⸗ tillerie heftig beschossen. Zahlreiche Granaten fielen auch in den Südteil von Görz. Abends griffen sehr starke feindliche Truppen die Padgora⸗Höhe an. Es half ihnen nichts, daß sie Bomben mit giftigen Gasen verwendeten. Sie wurden blutig zurückgeschlagen. e Gestern ließen sich die Verluste der Italiener bei ihren Angriffen gegen die Hochfläche von Doberdo stellenweise übersehen. So liegen vor der Front eines unferer Infanterie⸗ Regimenter 3000 Feindesleichen. An der Tiroler Front wiesen die Verteidiger der Lafraun⸗Stellung einen Angriff des italienischen 116. In⸗ fanterie-Regiments ab. Südöstlicher Kriegsschauplaßz. Die östlich von Visegrad vorgehenden österreichisch⸗ ungarischen Streitkräfte warfen den Feind an die Grenze zurück. Unter den Gegnern befanden sich neben serbischen Bataillonen auch montenegrinische. Die im Nordwestwinkel Serbiens operierenden k. und k. Truppen der Armee des Generals v. Kö veß nähern sich der oberen Kolubarg und der von den Serben vor unferer Reiterei geräumten Stadt Valjevo. Die von Obre⸗ no vac südwärts entsandten österreichisch-ungarischen Divi⸗ sionen entrissen dem Gegner nach erbitterten Kämpfen die starken Höhenstellungen südlich und südöstlich von Lazarevac. Deutsche Truppen trieben den Feind über Arangje⸗ lovac zurück. In Topola und auf den Höhen östlich davon stehen österreichisch⸗-ungarische Kräfte im Gefecht. Die beiderseits der Morava vordringende deutsche Armee be⸗ müchtigte sich der Höhen nördlich Raca, des Ortes Markovac und weiterer serbischer Stellungen südöstlich von Petrovac. Das Gebirgsland an der Donauschleife östlich der Klissura⸗Enge ist zum größten Teil vom Feinde ge⸗ säubert. Es wurden hier drei von den Serben verlassene Geschütze eingebracht, darunter ein schweres. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Am 24. Oktober nachmittags suchte ein italienischer Flieger die Stadt Triest mit Bomben heim, wobei er, ohne einen Materialschaden anzurichten, drei Einwohner tötete und mehrere verwundete. Der Besuch wurde wenige Stunden später durch unsere Marineflieger in Venedig erwidert, wo sie von ½11 Uhr nachts bis 1 Uhr früh in rascher Folge Arsenal, elektrische Zentrale, den Bahnhof, einige Festungswerke und andere militärische Baulichkeiten ausgiebig und erfolgreich mit Bomben mittleren und schwer⸗ sten Kalibers belegten und zahlreiche Brände verursachten. Am nächsten Morgen um 8 Uhr griff ein Seeflugzeuggeschwa⸗ der neuerdings Venedig an, wo noch ein vom nüchtlichen Bombardement herrührender Brand emporloderte. Außer den früher aufgezählten Gebäuden wurden diesmal auch Flugzeughalle und Kriegsfahrzeuge erfolgreich bombardiert. Schwächliche Versuche zweier feindlicher Flieger, unsere Aktionen zu stören, wurden durch unser Gewehrfeuer in kür⸗ zester Zeit vereitelt. Bei beiden Unternehmungen wurden unsere Flieger von starker Artillerie heftig, aber ganz erfolg⸗ los beschossen. Alle kehrten unversehrt zurück. 5 Flottenkommando. * Ein Fliegerangriff auf Venedig. Berlin, 27. Okt. Oesterreichische Flieger griffen am 24. Oktober gegen 10 Uhr abends in Venedig verschiedene Stadtteile an. Eine Bombe traf, wie die Morgenblätter melden, das Dach einer Kirche und beschädigte ein bekanntes Wand⸗ gemälde von Tiepolo. Eine Brandbombe fiel auf den Markus⸗ platz nieder ohne Schaden anzurichten. Fünf andere Bomben fielen in die Kanäle, sowie auf verschiedene Stadtteile, wobei angeblich nur leichter Schaden verursacht wurde. Genau zu der⸗ selben Stunde und Minute, als die österreichischen Flieger Vene⸗ dig bombardierten, fand in dem allen Venedig⸗Reisenden wohl⸗ bekannten früheren Restaurant„Stadt Pilsen“, neben dem Mrrr⸗ kusplatz, ein großes Bankett zu Ehren der Venedig be⸗ schützenden französischen und italienischen Flieger statt. Die Flieger saßen mit dem Bürgermeister zusammen, als die Bomben herab⸗ fielen. Die italienischen Zeitungen überbieten sich in Ausdrücken der Entrüstung wegen der Beschädigung des Wandgemäldes von Tiepolo.— Der„Berliner Lokalanzeiger“ meint dazu: Die Italiener wollen jetzt wieder das gleiche falsche Spiel treiben, das seinerzeit mit der Beschießung der Kathedrale von Reims getrieben wurde. Die Sentimentalität hat im Kriege keinen Raum; nach diesem Grundsatz handeln unsere Feinde, deshalb müssen auch wir danach handeln. Ein deutsch⸗schweizerischer Fliegerzwischenfall. Berlin, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Am 17. Oktober warf ein„deutscher Doppeldecker über schweizerischem Gebiet bei dem OrtgLa chaux de Fonds einige Bomben ab. Der Führer des Flugzeucs war durch Wolken und Dunst in der Orientierung voll⸗ ständig behindert und befand sich in dem besten Glauben, auf französischem Gebiet zu sein. Durch den Bombenwurf ist ma⸗ terieller Schaden angerichtet und auch vier Personen sind, glück⸗ licherweise nur leicht, verletzt worden. Auf den Protest der schweizerischen Regierung ist seitens der zuständigen deutschen Behörden eine Untersuchung eingeleitet worden, die die Rich⸗ tigkeit des oben geschilderten Tatbestandes ergeben hat. Selbst⸗ verständlich haben die deutschen Militärbehörden die für den Unfall Verantwortlichen, die damit gegen wieder⸗ holte Befehle verstoßen haben, zur entsprechenden Verant⸗ wortung gezogen. Gleichzeitig sind alle Fliegerabteilungen erneut vor dem Ueberfliegen neutralen Gebietes nachdrücklich gewarnt worden. Der schweizerischen Regie⸗ rung hat die kaiserliche Regierung unverzüglich ihr lebhaf⸗ tes Bedauern über den Vorfall ausgesprochen, sie von den getroffenen Maßnahmen in Kenntnis gesetzt und Leistung von Schadenersatz und Gewährung von Schmerzensgeldern zugesagt. Die schweizerische Regierung ist bei der Regelung dieses Zwischen⸗ falles der kaiserlichen Regierung in jeder Beziehung entgegen⸗ gekommen, so daß er nunmehr als vollständig erledigt betrachtet werden kann. * 8 1 Vom serbischen Uriegsschauplatz. Die Hilfe des Vierverbandes für Serbien. Paris, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Parisien“ glaubt bestätigen zu können, daß die russische Regierung in den letzten Tagen Vertretern des Vierverbandes ihre Absicht bekräftigt habe, sobald als möglich Serbien zu Hilfe zu eilen. Es handele sich nicht nur um eine Entsendung zur See, sondern um eine Entsendung beträchtlicher Truppen. Es seien Maßnahmen getroffen, damit diese Hilfe Serbien an be⸗ sonders empfindlichen Stellen der Ostfront wirksame Unterstützung bringe. Lyon, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Progres“ meldet aus Paris: Frankreich und England haben sich verpflichtet, je 150 000 Mann zu stellen, welche Serbien gemäß seinem Bündnisvertrag mit Griechenland Bulgarien gegenüber stellen soll. Eine Niederlage der Franzosen und Serben bei Strumitza. Berlin, 27. Okt. Ueber eine Niederlage der Fran⸗ zosen und Serben bei Strumitza meldet laut„Berl. Tagebl.“ die„Times“ aus Athen: Der Kampf zwischen Krivolac und Strumitza ging am Freitag abend zu Ende. 3 Dies serbischen und die Truppen wurden zurück⸗ e eee—— verfolgt. Die Beschießung der bulgarischen Küste. Paris, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet aus Athen: Die Flugzeuge der Alliierten bombar⸗ dierten erneut Dedeag atsch und Porto Lagos. Berlin, 27. Okt. Daß die Flotte der Alliierten die Beschießung von Dedeagatsch und Porto Lagos fortsetzt, wird verschiedenen Morgenblättern zufolge aus Lon⸗ don gemeldet. Die Ausschiffung von Truppen in Dedeagatsch habe gestern begonnen. Die Stadt werde von den Türken verteidigt. Die Bahnverbindung zwischen Salo⸗ niki und Adrianopel sei unterbrochen. Sir Edward Grey über seine Abfuhr in Griechenland. London, 28. Okt.(WWB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Auf eine Frage über das Angebot Cyperns an Grie⸗ chenland antwortete Sir Edward Grey: Wir fühlten uns verpflichtet, in der sehr kritischen Lage, in der sich die serbischen Verbündeten befanden, alles zu versuchen, um ihnen die einzige Hilfe, die sofort zur Verfügung stand, zu sichern. Die britische Regierung ließ deshalb wissen, daß, wenn Griechenland Serbien seine volle sofortige Unter⸗ stützung gewähre, Großbritannien bereit wäre, den Grie⸗ chen Cypern zu geben. Da Griechenland sich nicht in der Lage sah, Serbien zu unterstützen, wurde die Bedingung, unter der das Angebot gemacht wurde, nicht erfüllt. Das Angebot ist deshalb hinfällig. Eine Kabinettskrisis in Griechenland? Paris, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter er⸗ fahren auts Athen, daß die griechische Kammer sich ge⸗ weigert habe, den Antrag betr. Rückzedierung der Güter an Mohamedaner in Mazedonien zu unterstützen. Infolge dieser Weigerung wurde die Sitzung aufgehoben. In den Wandel⸗ gängen wurde angekündigt, daß die Regierung bei Wiederaufnahme der Sitzung die Vertrauensfrage stellen werde. * 8 7 * Aus der türkischen Kammer. Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) In der gestrigen Sitzung der Kammer unter dem Vorsitz des Vize⸗ wräsidenten Hussein Djahid bestieg der Präsident Halil Bey die Rednertribüne und sagte, daß der Sultan ihn auf Vor⸗ schlag des Großwesirs zum Minister des Aeußern ernannt habe. Er übernehme die Verantwortung dieses sehr wichtigen Amtes auf der Grundlage des Vertrauens der Kammer. Unter andauern⸗ den Beifallsbezeugungen wünschte die Kammer dem neuen Minister besten Erfolg. Als der Vizepräsident den Tod des deutschen Botschafters Frhr. v. Wangenheim ankündigte und sagte: „Die türkische Kammer vernimmt ohne Zweifel mit Bedauern den Tod dieses Diplomaten, der dem türkisch⸗deutschen Bündnis so große Dienste erwiesen hat“, drückte die Kammer einstimmig ihr lebhaftes Beileid aus. Nachdem die Kammer als Zeichen der Trauer eine halbe Stunde die Sitzung unterbrochen hatte, schritt sie zur Wahl des Präsidenten und wählte den früheren Wali von Adrianopel, Hadji Adil, der kürzlich zum Abgeordneten von Brussa gewählt worden war, mit 128 gegen 25 Stimmen zum Präsidenten. Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Partei für Einheit und Fortschritt hielt eine Ver⸗ sammlung ab, in deren Verlauf von dem Entschluß der Regierung Kenntnis genommen wurde, die Leitung des Ministeriums des Aeußern dem Ministerpräsidenten Halil Bey anzuvertrauen. Aus diesem Anlaß wurde von verschiedenen hervorragenden Mit⸗ gliedern der Partei hervorgehoben, daß Halil in Anbetracht seiner Helegenheit zutage getreten seien, die berufenste Persönlichkeit sei, die Leitung des Ministeriums des Aeußern zu übernehmen, das eine 5 solche Bedeutung gewonnen habe. Aus Rumänien. Burkarest, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich) In einem Leit⸗ artifel unter dem Titel„Zusammenbruch einer Champagne“ schreibt der„Bittorul“ in einer Besprechung der Vorgänge am Sonntag: Nicht einer der Versammlungsredner gab an, wa⸗ rum er den sofortigen Eintritt Rumäniens in den Krieg verlange. Hingegen ergingen sich alle in den heftigsten Angriffen gegen die Regierung, deren Rücktritt sie fordern. Sie zeigten damit, daß für sie der Eintritt des Landes in den Krieg nur der Sturz des Ministeriums bedeutet. Es ist begreiflich, daß unter solchen Um⸗ ständen die der Versammlung folgende Kundgebung ein Fiasko werden mußte. Bei einer kleinen Schlägerei, die zwischen der vordersten Gruppe der Manifestanten, deren Führer allerdings bereits verschwunden waren, und der Soldatenkette stattfand, wurde ein dreizehnjähriger Junge verwundet; er erlag gestern seinen Verletzungen. Außerdem sind vier junge Leute verwundet worden. Die Poltzei nahm keine Verhaftungen vor. Die Truppen wurden gegen Mitternacht zurrückgezogen, worauf die Manifestanten die genster in den Räumen des Blattes„Minerva“ im liberalen und in dem Klub von Marghiloman einschlugen. * 3 E„ 8 Eine energische Note Amerikas an England. London, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Die Exchange Telegraphe Co, meldet aus Washington vom 24. Oktober: Die amexrikanische Note an England über die Blockade der deutschen Häfen und die Beschlagnahme amerikanischer Ladungen erklärt die englischen königlichen Verordnungen für völkerrechtlich ungesetzlich und nichtig. Sie behandelten außerdem die Länder verschieden insofern, als Skandinavien nach Deutschland aus⸗ führen könne, die Vereinigten Staaten jedoch nicht. Die Note betont, daß die Blockade Neutrale nicht bindet, wenn sie nicht tatsächlich durchgeführt wird. Die Note bestreitet, daß die ver⸗ mehrte amerikanische Ausfuhr beweise, daß Ladungen nach Deutsch⸗ land gehen, fernen daß die Beweislast den Exporteuren zufalle. Die Note besteht endlich darauf, daß Neutrale in jedem Falle das Recht haben, Güter, die keine Konterbande sind, nach Deutsch⸗ land auszuführen und enthält die nachdrückliche Forderung nach der Freiheit der Meere. l Amsterdam, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die hier ein⸗ getroffene Zeitung„New York World“ enthält bemerkenwerte Ein⸗ zelheiten über die willkürliche Behandlung der Kabel⸗ telegramme durch die britische Zensur. Hierdurch werde dem amerikanischen Handel ein Schaden zugefügt, der sich auf Millionen belaufen dürfte. Beispielsweise sei der Handel mit getrockneten Früchten zwischen den Vereinigten Staaten und Griechenland vollständig unterbunden worden. Telegraphische Auf⸗ träge von Amerika nach Europa und umgekehrt würden zurück⸗ gehalten. Die britische Zensur habe u. a. die ihr amtlich gewährte Einsicht in die amerikanischen Handelsbeziehungen dazu benutzt, um Munitionsaufträge, die eine unabhängige Firma erlangt hatte, ungültig zu machen und sie dem beglaubigten Vertreter der briti⸗ schen Regierung in Amerika, der Firma J. P. Morgan u. Co. zu übertragen. Alle bisherigen Einsprüche des amerikanischen Staats departements seien bisher vergeblich gewesen. Die englische Stimmung. London, 26. Okt(WTB. Nichtamtlich.) Die Presse fährt fort, die Regierung heftig anzugreifen. Die„Ti⸗ mes“ schreibt: Die Regierung in der gegenwärtigen Zusammen⸗ setzung steht sicherlich sar in Gefahr, zu stürzen. Die Gefahr liegt allein in der eigenen Schwerfälligkeit und Unfähigkeit, den Krieg unter Umständen zu führen, die Schnelligkeit und Ent⸗ schiedenheit besonders erheischen. Eine unmittelbare Ursache der 4 Eigenschaften und diplomatischen Fähigkeiten, die bei so mancher werde Rücktritt Carsons veranlaßt habe. Es schadet nichts, vuß ern Hrise über eine Frage entstanden ist, die in jeder Ctappe die un⸗ heilvolle Wirkung der schlecht zusammengesetzten Regierung ent⸗ hüllt. Beide Häuser des Parlaments werden jetzt mit dem ent⸗ schiedenen Wunsche zusammentreten, unsere ganze Geschäftsführung von der Dardanellenexpedition bis zu den konfusen, halbent⸗ schlossenen Operationen bei Saloniki zu prüfen. Die NAussich⸗ ten draußen sind trübe und werden vielleicht noch trüber werden.“— Aehnlich schreibt die„Morning Post“:„Wir beklagen uns nicht nur über bloße Fehler der Regierung. Die Unfähigkeit, Deutschland zu blockieren, war kein Fehler, sondern sie kommt einem Verrate nahe; es war nicht nur ein Fehler, Bulgarien Vorteile auf Kosten unserer Freunde zu versprechen und Griechenland einen Teil des britischen Reiches anzubieten; es ist nicht nur ein Fehler, keinen„Entschluß fassen zu können, während kostbare geit verloren geht.“ Das Blatt fordert Asquith auf, ehe es zu spät se, die Zahl der Mitglieder des Kabinetts auf etwa fünf zu vermindern und nicht die Parlaments⸗ debatten ins Kabinett zu verlegen.— Nur der„Obser ver wendet sich gegen die Regierungsstürzer und schreibt, Asquith biete als Premierminister trotz unleugbarer Mängel Vorteile, die kein anderer aufweisen könne. Sein Rücktritt und der einiger Kollegen ersten Ranges würde Streitigkeiten entfesseln, die wäh⸗ rend des Krieges nie zur Ruhe kommen würden. London, 26. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Lovat Fra z er schreibt in der„Daily Mail“: Kein Zweifel kann bestehen, daß das Vertrauen der Nation zu der jetzigen Regierung merklich abgenommen hat. Die Regierung ist selbst daran schuld: sie verlangte Vertrauen, gewährte aber keines. Frazer erwähnt, daß ihm bei Kriegsbeginn von amtlicher Seite mitgeteilt worden war, daß die Hospital⸗Einrichtungen zu den Gegenständen gehörten, über die er nicht schreiben dürfe. Er führt das Urteil der„New York Tribune“ an, daß die britischen Schlachtberichte zum Spott der ganzen Welt geworden seien, was ganz richtig sei. Frazer kritisiert, daß nichts über das Entkommen des deutschen Schiffes„Goeben“ verlautbar wurde, was vielleicht der größte Fehler der Engländer im Krieg gewesen sei. Ueber die Landung in der Suvlabai sollte die Wahrheit gesagt werden. Die Regierung hindere die Presse, die auswärtigen Fragen zu erörtern, das Publi⸗ lum wisse noch immer nicht, daß, wenn Nisch falle, die direkte Bahnverbindung nach Konstantinopel sofort möglich werde, was an den Dardanellen schnell fühlbar werden müsse. Der Verfasser des Aufsatzes fordert, die Regierung solle den Arg⸗ wohn beseitigen, daß sie die Zensur nicht sowohl aus militärischen Interessen benutze, als um unangenehme Tatsachen zu verheim⸗ lichen, die ihre eigene Stellung beeinflussen könnten. Das Sinken des Sterlingkurses. London, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus New Pork: Das Sinken des Sterling⸗ kurses hat nicht viel Ueberraschung erregt, da es durch die große Ausfuhr, namentlich von Baumwolle und Getreide, verur⸗ sacht wurde. Man erwartet ein beträchtlich weiteres Sinken, wenn nicht der Verkauf amerikanischer Wertpapiere in größerem Maß⸗ stab geschieht oder das Anleihesyndikat Hilfe gewährt. Der par⸗ lamentarische Mitarbeiter des„Daily Chronicle“ teilt mit, daß die Zuschüsse Englands an die Alliierten am 31. März 1916 ver⸗ mutlich eine Summe von neunhundert Millionen Pfund über⸗ steigen werden. Die Finanzlage Rußlands. Kopenhagen, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Berlingske Tidende“ meldet aus Petersburg: Der Finanzminister Bark empfing Vertreter der Presse Petersburgs und Moskaus, gab ihnen eine Uebersicht über die finanzielle La ge und er⸗ klärte, daß ein ausgearbeiteter vorläufiger Steuerüberschlag einem 11 5 Ausschuß zur Beratung überwiesen worden ist, der aus eitgliedern der Duma, des Reichsrates, sowie aus Vertretern der leitenden Finanzinstitute zusammengesetzt sei. Der Kern der ge⸗ planten großen Finanzreform sei die Einführung der Einkom⸗ mensteuer, die die Duma bereits grundsätzlich genehmigt habe. Diese Steuer werde bedeutende Beträge einbringen. Allein die Einnahme aus der Textilindustrie werde auf 150 Millionen Rubel jährlich veranschlagt. In Verbindung mit der Einkommensteuer 0 die Einführung von Staatsmonopolen vorgeschlagen, die bereits sehr günstige Ergebnisse erzielt haben. Bisher sei die Einführung des Tee⸗, Streichholz⸗ und Zuckermonopols ge⸗ plant, aber es bestehe die Absicht, auf diesem Wege noch weiter⸗ b Bezüglich der inneren Anleihe äußerte sich der Minister dahin, er sei überzeugt, daß sie eine günstige Auf⸗ nahme im Publikum finden werde. Der russische Geldmarkt ver⸗ füge über gewaltige flüssige Mittel, die Einlagen der Banken und Sparkassen Aperschritlen vier Milliarden Rubel. Das letzte Jahr habe allein eine Vermehrung um 700 Millionen gebracht. Unter diesen Umständen sei man berechtigt, mit einem unbedingten Er⸗ folge zu rechnen, der es möglich machen werde, große Mengen der umlaufenden Reichsbanknoten einzuziehen, einen Teil der äußeren Anleihe von fünf Milliarden zu amortisieren, sowie neue sechs⸗ prozentige Schatzanweisungen auszustellen. Der Minister machte darauf aufmerksam, es sei für die russischen Kapitalisten vorteil⸗ haft, Geld in neu ausgestellten fünfprozentigen Staatsobligationen anzulegen, die von der Staatskasse garantiert und mit Kupons für dreimal zwölf Monate versehen sind, so daß die Inhaber sie mit einem Verdienste von einen Prozent realisieren könnten. Schließlich erklärte der Minister, es habe sich als unpraktisch er⸗ wiesen, Freimarken anstatt Scheidemünzen zu verwenden; er plane jetzt die Ausstellung von kleinen Noten, wie die jtalienischen Lire⸗Noten. Der Ausschuß für Flüchtlinge unter der Leitung Ehwostows habe dem Statthalter im Kaukasus eine halbe Million Rubel angewiesen und eine halbe Million zur Vorbeugung gegen Epidemien überwiesen, ferner 26 Millionen Rubel zur Deckung der Ausgaben der Semstwos Letztere hätten bereits einen Betrag von über drei Millionen Rubel zur Deckung von Staats⸗ ausgaben verauslagt. — Der Seekrieg. Köln, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Kölnische Zei⸗ tung“ meldet aus Athen unter dem 24. Oktober: Der von einem deutschen Unterseebvot nahe der Bucht von Tsageszi torpedierte englische Trans portdampfer„Ma v⸗ chetti“ hatte 1000 englische Soldaten, 20 Kranken⸗ pfleger, 12 Aerzte, 500 Maultiere und eine große Menge Munition für Saloniki an Bord. Nur 82 Mann wurden gerettet, die in Pappapuli ankamen. Zwei Zerstörer hatten den Dampfer bis kurz vor der Angriffsstelle begleitet, 5 Aus dem Reiche. Der Kaiser über Wangenheim. Konstantinopel, 26. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der deutsche Kaiser hat an Freifrau von Wan gen⸗ heim nachstehendes Beileidstelegramm gesandt: Ich bin tief erschüttert von dem Heimgange Ihres vortrefflichen Gemahls und spreche Ihnen meine allerherzlichste Teil⸗ nahme aus. Er hat mir und dem Vaterlande in den schwersten Lagen immer ausgezeichnete Dienste geleistet und vers auch, in Zukunft eine meiner besten Stützen zu we Seine hervorragenden Verdienste im letzten großen„Kriege sichern ihm für alle Zeiten bei mir ein dankbares Andenken. Gott tröste Sie in Ihrem schweren Leide. Die Haiser in schließt sich der aufrichtigen Teilnahme aus vollstem Herzen an. Wilhelm. Die Haiserin drahtete: Tieferschüttert spreche ch Ihnen mein von Herzen kommendes Beileid aus. Gott stehe Ihnen bei in Ihrem schweren Kummer. Welch schwerer * Beunruhigung ist natürlich die Balkanlage, die bereits den 0 Schlag für den Kaiser ist der Tod Ihres Mannes, der so segensreich gewirkt hat. Auguste Viktoria. f * 5 Der pulgarische Minfsterpräsidens Rados lawonw richte eblafalls sein Beileid aus. Er werde n den letzten Aufenthalt des Frhrn. von Wangenheim in Sofia vergessen.— Auch der König von Bulgarien sandt⸗ ein Beileidstelegramm. 5 5 1 5 Berlin, 26. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der außer⸗ ordentlichen, durch die Verhältnisse nicht begründeten Steige⸗ rung der Preise für Dauergemüse und Zwiebeln wird voraussichtlich in allernächster Zeit durch die Festsetzung von Höchstpreisen begegnet werden, nachdem auch der zuständige Ausschuß des Beirats der Reichsprüfungsstelle für Lebensmittel eine solche Maßnahme für unerläßlich und dringend befürwortet hat. Eine ähnliche Regelung schwebt wegen des Buchweizens.. 5 Berlin, 26. Okt.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z. am Mittag“ meldet: Wie verlautet, wird der Reichstag aller Voraus⸗ sicht nach am 9. Dezember zusammentreten, während das Abgeordnetenhaus seine neue Session am 11. Januar 1 11(Priv--Tel) g Lola erlin, 26. Okt.(Priv.⸗Tel.) Dem, 5 erhielten der Oberbürgermeister Wer mu 19. Verfa als Vorsitzender des Deutschen Städtetages, und Oberbürger⸗ meister Dr. v. Borscht⸗ München als stellvertretender Vor⸗ sitzender des Städtetages vor einiger Zeit das Eiserne Kreuz mit dem schwarz⸗weißen Bande. Berlin, 27. Okt. Der Deutsche Landwirt⸗ schaftsrat hat an die zuständigen Stellen die dringende Bitte gerichtet, daß für die Ablieferungen von Kar⸗ toffeln die erforderliche Anzahl Eisenbahnwagen 919 werden, wenn nicht in der Kartoffel⸗ n Winter Schwierigkeiten eintreten sollen. ——ů—ůů ů ů ů ů ä—̃äů Aus Stadt und Cand. f Gießen, 27. Oktober 1915. Auf Herbstes Spuren. Der braune Spätherbst mit seinem zerschlissenen, bunten Mantel ist ins Land gezogen und e Waldrand und hinter der Schlehenhecke, am Ackerrain und auf den Stop⸗ peln sein seltsam Schelmenlied. Zieht Ihr mit auf den zur Verfügung versorgung für Spuren des einsamen Spielmanns, der sich selber tanzend sein Totenlied geigt? 5 Fröstelnd und schauernd in dem buntgeflickten Wams ist er schon am frühen, frühen Morgen ruhelos durch den dichten Nebel gestrichen. Die Sonne hat sich erst spät den Schlaf aus den müden Augen gerieben und einen unlustigen Kampf gegen das zähe Gespinst, das ihre Strahlen 127 und erblinden macht, aufgenommen. Durch die nasse Wiese, wo noch ein paar späte Zeitlosen ihre blassen Köpfchen heben, ist der Herbst in den Wald gegangen, der sich groß und farblos aus dem Nebel hebt. Es tropft von den Kiefern, daran wie mattblinkende, wassergesponnene Tüch⸗ lein die Spinnweben hängen. Es war fill und einsam zwischen den Stämmen. Das Fallaub duftete herb und raschelte bei jedem Schritt. Dem kranken Spielmann hat sich der verschwiegene Wald in der unbeschreiblich zarten Schönheit der im Nebelduft zerfließenden Farben gezeigt; langsam ist der stille Wanderer durch die Stille gegangen, in die nur der verschwimmende Hall ferner Morgenglocken e Wer seinem Wege folgte, hat ihn vorerst nur ahnen können. i Dann trat der Weg aus dem Walde wieder ins Freie. Da sah man den Herbst in seiner wehmütigen Schönheit, denn die Sonne hatte kleine Lücken ins Nebelnetz gerissen, und es war Licht in die Landschaft gekommen. Und wer mit offenen Sinnen zu sehen und höven verstand, der schaute die verbrauchte Pracht von des Herbstes 2 10— kleid und hörte sein Lied. Nur auf kleinen Stellen ruhte di Sonne. Dort lag es in der Landschaft wie das kalte ten eines riesengroßen, flachen Edelsteins. Bald da, dort flammte ein hellgrünes Feld, eine fahlgelbe Wiese unter den durch die Wolkenlücken irrenden Strahlen. Und in den Nebel kam langsam ein Drängen und Bewegen, als ob ein unsichtbarer Besen ihn zusammenfege. Große Schwa⸗ den rissen sich los, die braunen Felder dampften, der Erd⸗ geruch erhob sich— und weiter und immer weiter wurde der Blick. Krähenschwärme flogen mit mißtönendem ee davon. Dann hatte die Sonne den Kampf siegreich e heil er Der Himmel kam allgemach zum Vorschein. Und je chter es wurde, um so zwingender wurde das Lied, und li das der Spielmann Herbst auf seiner braunen ergeige strich. Wars nicht, als sehe man ihn selber an den Apfelbaum dort an der Wegscheide lehnen? Einen flamm⸗ roten Mantel trug er über der braunen Jacke und einen verschabten, zerbeulten Filz mit langer Feder auf dem wirren Haar; und seltsam, eine goldene Kette glitzerte dem nicht d eine son d 1 seischenbem Feuer nicht die eines Bettlers, sondern von hei 5 süß und verwegen, unheimlich und vertraut, bald in einem fremden Gassenhauer, bald in traurigem Abschiednehmen, bald in frechem Trotz, bald in rührender Bitte, klangen die Saiten 0 5 Das war um die Mittagsstunde, da der Wald znter der Sonne wie eitel Gold und Purpur glühte, die Fichten in tiefem Smaragdgrün prunkten und die Birken schlohweiß am Rande der Lichtung standen. Späte Blumen sah man am Straßenrand; Löwenzahn und Hornklee leuchteten wie gefallene goldene Sternlein; Glockenblumen und Pechnelke kosten mit den milden Sonnenstrahlen; ein Pfauenauge wiegte sich in der trügerischen Wärme. Ein einziger Teppich, phantastisch gewebt aus allen Farben, lag über dem Land. Dann sank die Sonne nach kurzem Lauf wieder nieder. Die Berge am Horizont schwanden langsam im Dunst. Aus den Wiesen krochen wieder die werdenden Nebelschleier, und die Kühle drang aus den Wäldern. Zwischen den Bäumen an der Landstraße tanzten Tausende und Abertausende von Mücken in der Abendsonne ihre Hochzeitsreigen. Rehe stan⸗ den in der Schneise, ein ganzer Sprung; vertraut äugten sie herüber und hatten es nicht eilig, als sie mit zwei, drei zierlichen Sprüngen ins Unterholz gingen. 5 Noch eiumal konnte man da den Spielmann vernehmen. Aber seine Weise klang zitternd und truͤb; es war keine Zu⸗ versicht mehr darinnen; von Abschiednehmen und Aller⸗ seelen, von Sterben und Verderben sang sie noch in immer schwächer werdenden Tönen und schwieg. Und der Herbst schlug den Mantel um die frierenden Schultern und ging langsamen Schritts mit traurig gesenktem Kopfe querfeldein, wo er im Nebel verschwand. * Zur Abwehr der Lebensmittelteuerung. Der Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen, der Gieße⸗ ner Hausfrauenverein und die hiesige Ortsgruppe des All⸗ gemeinen Deutschen Frauenvereins haben in vergangener Woche in einer gemeinsamen Vorstandssitzung die Mißftände auf dem Lebensmittelmarkt erneut zum Gegenstand einer ausgedehnten Besprechung gemacht. Als deren Er, 18 wurde die Aae Kundgebung, die inzwischen bereits an die in Betracht kommenden Stellen weiter⸗ gegeben worden ist, eschlossen: f 1 0 Die gemeinschaftlich tagenden Vorstände des Hriegs⸗ aus schusses für KHonsumenteninteressen als Vertreters von 20 großen wirtschaftlichen Vereinen der Stadt Gießen, des Hausfrauenvereins Gießen und des Allgemeinen Deutschen Frauen vereins, Ortsgruppe Gießen, sind der U ng, daß die gegen⸗ wärtigen Verhältnisse auf dem Lebensmittelmarkt eine 1 r für die Ernährung und den inneren Frie⸗ den deuts. Volkes und damit für seine Kraft und seinen a Durchhalten bedeuten. Nach eingehender Aussprache sind sie zu der wohl begründeten 0 gekom⸗ men, daß die 1 Verordnungen und Maßnahmen des Bundesrates und unterstellten Behörden nicht aus⸗ reichen, um die bereits bestehende, fast unerträgliche Lebens⸗ mittelteuerung zu mäßigen bezw. einer noch drohenden Steigerung derselben vorzubeugen. Die Anwesenden glau⸗ ben, daß erträgliche Verhältnisse erst dann eintreten, wenn es ech ahr, den rat zu veranlassen, daß er unver⸗ züglich Anordnungen machstehenden Inhalts trifft: a 1. Herabsetzung der jeßigen ungerechtfertigt hohen Preise für die notwendigsten Lebensmittel auf angemessene Höhe durch Festsetzung von Höchstpreisen für ganz Deutschland nach größeren, bestimmt ab⸗ gegrenzten Bezirken bei gleichzeitigem Ausfuhr⸗ verbot aus den Bezirken. 2. 118 Beschlagnahme aller Fette und ele. 8. Sofortige Beschlagnahme aller Kartoffelvor⸗ räte bei Händlern und Erzeugern, die mehr als 3 Hektar mit Kartoffeln bepflanzt haben. 4. Festsetzung von Gefängnisstrafen für Verheim⸗ lichung von vorhandenen Vorräten. 5. Ausgabe von Verbrauchs marken, wie sie für Brot und Mehl mit vollem Erfolg schon seit Jahres⸗ frist im Gebrauch sind. Kriegsausschuß für Konsumenteninteressen. Hausfrauenverein Gießen.. Allgemeiner Deutscher Frauenverein, Ortsgruppe Gießen. * Die Kartoffelversorgung. Die Stadtver⸗ waltung fordert in einer Bekanntmachung dazu auf, sich ihrer Vermittlung beim Kartoffeleinkauf zu bedienen. Wer seinen Winterbedarf an Kartoffeln noch nicht beschafft hat, kann denselben bei den zuständigen Brotmarkenaus⸗ gabestellen anmelden und verpflichtet sich damit zur Abnahme der betreffenden Menge. Die Stadt betont aus⸗ drücklich, daß es sich um Abgabe guter Speisekartoffeln zu Selbstkostenpreisen handelt. 5 Kreis Büdingen. A Büdingen, 26. Okt. Vom Kreisausschuß wurden folgende Butterhöchstpreise sestgesetzt: Molkereibutter 2,40 Mk., Land⸗ butter 2 Mk. pro Pfund bester Qualität. A Bingenheim, 26. Okt. Die Hessische Tapferkeits-⸗ medaille erhielt Pionier Sargk. wie sie sich ohne Scheu selbst in einer größeren Stadt hätten sehen lassen können. Aus Lauterbach hobene Tellersammlung für die Kriegsblinden er⸗ brachte an lauter freiwilligen Gaben, die dankbare Hände dar⸗ reichten, den schönen Betrag von über 200 Mark. M. Bermuthshain, 27. Okt. Gestern abend traf die seit Kriegsbeginn im Gefangenenlager zu Angers(Frankreich) inter- nert gewesene Ehesrau des von hier stammenden Georg Dietrich nit ihren fünf Kindern im Alter von 14 bis 1¼ Jahren hier ein. Sie war mit noch 660 Frauen und Kindern, die dasselbe Schicksal mit ihr teilten, über die Schweiz nach der Heimat befördert worden. Der Mann wurde, weil noch im kriegspflichtigen Alter, im Ge⸗ fangenenlager zurückbehalten. Die Frau klagt über schlechte Be⸗ handlung in dem Lager; nur wenn die Franzosen einen Sieg zu verzeichnen hatten, seien sie etwas höflicher gewesen. Kreis Friedberg. 25 Friedberg, 26. Okt. Die Hessische Tapferkeits- medaille erhielt Leutnant Nöding. a Holzhausen, 26. Okt. Im Lazarett zu Mainz starb n einer schweren Verwundung der Landsturmrekrut Wall im Infanterie-Regiment 118. %%ͤ 1 Kreis Wetzlar. ra. Aus dem Kreise Wetzlar, 25. Okt. Den Ehrentod für das Vaterland starben bis jetzt 8 Lehrer und Schulamts⸗ kandidaten unseres Kreises, zuletzt Schulamtsbewerber Laur in Klein-Rechtenbach. Durch Verleihung des Etsernen Kreuzes konnten bis heute 11 Lehrer und Schulbewerber ausgezeichnet werden. ra. Dutenhosen 25. Okt. Wehrmann Wilhelm Hahn (Res.-Inf.-Regt. 81, 10. Komp.), starb im 30. Lebensjahr den Tod fürs Vaterland. 5 Hessen⸗Nassau. a ra. Rodheim a. d. Bieber, 26. Okt. Den Ehrentod starb der 20jährige Philipp Schmidt(Ins.⸗Regt. Nr. 250), Sohn des Bergmanns Georg Ludwig Schmidt. Es stehen noch 4 Söhne dieser Familie im Dienste des Vaterlandes. ul. Limburg, 26. Okt. Seitens der beiden Bürgervereine und dem Zentrumsverein ist ein Abkommen getroffen worden, wonach bei den im November stattfindenden Stadt verord⸗ netenwahlen jede Uneinigkeit beseitigt ist. Kirche und Schule. Oberhessischer Verein für die Baseler Mission. tt. Gießen, 26. Okt. Der Oberhessische Verein für die Baseler Mission hielt heute nachmittag im oberen Gemeinde⸗ saal, Kirchstraße 9, seine diesjährige Jahres versammlung ab, die von vielen Mitgliedern und Missionsfreunden besucht war. Der Vorsitzende, Dekan Gußmann⸗ Kirchberg, sprach im An⸗ schluß an Psalm 145, Vers 18 ein kurzes Eröffnungwort und Gebet. Darnach erstattete er den Jahresbericht und der Rechner die Rechnungsablage. 5 An Stelle des durch die Grenzsperre zurückgehaltenen Direktors der Baseler Mission, Dipper, sprach darauf Pfarrer Würz⸗ Basel über den Einfluß des Weltkrieges auf die Baseler Mission. Er berichtete, daß die Arbeit der Baseler Mission mit Ausnahme von China auf den meisten Gebieten Aten ist. Von allen deutschen Missionsgesellschaften, zu denen die Baseler nach Vergangenheit und Gegenwart gehört, ist sie gleich von Anfang des Krieges an am. schwersten getroffen worden. Viele Missionsarbeiter sind in feind⸗ licher Gefangenschaft, über 100 stehen unter den Waffen, wovon schon 20 gefallen sind. Das Küstengebiet von Kamerun ist in Feindeshand, die Missionsstationen geplündert, nur im Inneren des Landes befinden sich noch einige Miffionare auf ihren Arbeitsgebieten; doch liegen keine näheren Nachrichten von ihnen vor. Auf der Goldküste kann die Ar⸗ beit infolge der freundlichen Haltung des dortigen englischen Statthalters, der ein katholischer Irländer ist, zurzeit ruhig weitergehen, doch ist sie nur geduldet. In Indien stand es in den ersten Kriegsmonaten günstig, doch entstand mit der Zeit. durch den britischen Lügenfeldzug ein Sturm gegen die deutschen Missionare, die darauf interniert worden sind und in die Heimat abgeschoben werden sollen. Dies betrifft etwa 300 Personen, wo⸗ von etwa 100 der Baseler Mission angehören. Die dortige Ar⸗ beit wird zurzeit von einigen schweizerischen Missionaren zur Not zusammengehalten. Die Einnahmen der Mission sind naturgemäß bedeutend zurückgegangen, doch findet sich immerhin noch große Liebe zu dem schönen Gotteswerk der Mission, dem selbst aus den Schützengräben Gaben zufließen. Beim Blick auf die Zukunft der Missionsarbeit wird es heißen: Wie Gott will! Doch bei aller Unklarheit darüber wird die deutsche Christenheit bedenken müssen, daß sie im Sinne Jesu ein Schuldner der Heiden ist, daher umso tatkräftiger für die Ausbreitung des Evangeliums eintreten muß. Mit einem herzlichen, von Missionsprediger Greel-Frank⸗ furt a. M. gesprochenen Gebet wurde die Versammlung geschlossen. Dekanatssynode in Nidda. qu. Nidda, 26. Okt. Gestern nachmittag tagte hier im Saal der Kleinkinderschule die Dekanatssynode des Dekanates Nidda. Eingeleitet wurde die Tagung durch den gemeinschaftlichen Gesang des Liedes„Ein feste Burg“ Die erbauliche Ansprache hielt sodann nach vorausgegangenem Gebet Pfarrer Dr. Koch- Langd. Die Verhandlungen wurden eröffnet mit einer der Zeitlage ent⸗ sprechenden Ansprache des Vorsitzenden der Tagung, des Dekans Brill⸗Ober⸗Widdersheim. Die Feststellung der Anwesenheits⸗ liste ergab die Anwesenheit von 14 geistlichen und 19 weltlichen Mitgliedern der Synode. Zu Schriftführern der 55 wurden die Pfarrer Naumann ⸗Schwickartshausen und eidner⸗ Ober⸗Lais bestimmt. Die Ersatzwahl des weltlichen Abgeordneten zur Dekanats⸗ synode für Gettenau wurde von der Synode genehmigt. Darauf erfolgte die Mitteilung des Synodalbescheides Großh. Oberkon⸗ sistoriums zur Synode 1914. Bei der Wahl eines stellvertreten⸗ den geistlichen Mitgliedes des Dekanats⸗Ausschusses wurde Pfar⸗ rer Werner⸗Nidda gewählt. Ueber die äußere Mission erstattete näheren Bericht Pfarrer Wiegel⸗Bingenheim. Er konnte mit⸗ teilen, daß im Kriegsjahr für die äußere Mission, die bekannt⸗ lich durch den Weltkrieg in große Not gekommen ist, 1563,53 Mk. im Dekanat gespendet wurden. Ueber die innere Mission berich⸗ tete Dekan Brill, über den Gustav⸗Adolf⸗Verein Pfarrer Wer⸗ ner⸗ Nidda, über den evangelischen Bund Pfarrer Hamann⸗ Nidda und über den Erziehungsverein Pfarrer Naumann Schwickartshausen. 5 5 Aus dem Jahresbericht über den kirchlichen und religiös⸗ sittlichen Zustand der Gemeinden des Dekanates Nidda im Jahre 1914 ist folgendes besonders erwähnenswert: Das kirchliche Leben des Dekanates hat während der Kriegszeit in Bezug auf den Ein Jahr Frankfurter Universität. Frankfurt a. M., 26, Okt. Die Frankfurter Uni⸗ versität beging heute unter den üblichen akabemischen Zerrmonien die Feier des ersten Rektoratswechsels. Der scheidende Rektor, Prof. Dr. Wachsmuth, dankte in seiner Abschieds⸗ rede den Streitern im Felde dafür, daß sie das Verschwinden des deutschen Geisteslebens von der Erde verhindert haben. Die Zahl der Studierenden, die am Schluß der ersten Immatrikulation 500 überstieg, betrug am Jahresende 854. Der Redner gedachte der Verluste der Universität, vor allem des verstorbenen Oberbürger⸗ meisters Adickes, dessen lebensgroße Büste von Konsul Koßen⸗ berg der Universität geschenkt wurde. Die Namen der gefallenen Lehrer, Beamten und Studierenden werden in der Vorhalle ver⸗ ewigt; später soll den Helden ein Denkmal gesetzt werden. So⸗ dann überreichte Prof. Dr. Wachsmuth seinem Amtsnachfolger, Prof. Dr. Pohle als Zeichen der Amtswürde die goldene Amts⸗ kette. Prof, Dr. Pohle hielt seine Antrittsrede über den„Ein⸗ fluß des Weltkrieges auf die Gestaltung des Zinsfußes und die voraussichtliche Lage des Kapitalmarktes nach dem Kriege“ Die Universitätsneubauten mit ihren zahlreichen oͤrsälen werden morgen in Benutzung genommen. Neu eingerichtet sind auch ein Arbeitssaal, in dem während der kollegienfreien Zeit Studierende arbeiten können, eine stattliche Handbibliothek und schließlich ein großer Speisesaal, in dem Mittag⸗ und Abend⸗ essen berabfolgt wird. Für die studierenden Damen wurde eim 1 8 85 Damenzimmer und ein besonderes Schreibzimmer ge⸗ haffen. —— ä— ů ů ů ů— Gerichtsfaal. Berlin, 27. Okt. der vor 5 Jahren am Comer See seine Frau, die Marie Scott ermordete und ihre Leiche in einem Koffer in dem See versenkte, ist laut einer Meldung des„Berliner Lokalanzeigers“ aus Chiasso unter Zubilligung mildernder Umstände zu sechs Jahren acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. Er werde infolge der gewährten Amnestie am 21. November seine Freiheit wiedergewinnen.! Vermischtes. Die größte unterseeische Hochspannungs anlage der Welt. Eine elektrische Krastanlage größten Stiles ist gegenwärtig in Skandinavien im Werke und bereits der Vollendung nahe. Es ist dies die Anlage, die vom Lagan-Falle in der schwe⸗ dischen Landschaft Schonen den elekrischen Strom unter dem Sunde hindurch nach Nordseeland, also nach Dänemark, überführen oll. Das dieser Anlage dienende unterseeische Kabel ist schon seit langer Zeit gelegt; in den letzten Wochen wurde mit großem Nachdruck an der Fertigstellung der Leitung zwischen Lagan und Helsingborg gearbeitet. Vor kurzem waren die Arbeiten auch an diesem Teile der Strecke abgeschlossen und kurz darauf wurde eine erste Probe auf dieser größten unterseeischen Hochspannungsanlage der Welt unternommen. Als Zuverlässigkeitsprobe wurde ein bedeutend stärkerer Strom durch das Kabel geschickt als der, der in der Regel zur Anwendung gelangen wird. Die Prüfung bezog sich zuerst auf eine Spannung von 25 000 Volt, die später bis auf 40 000 Volt erhöht wurde. Ueber das Ergebnis des Probebetriebes ist bisher jede Auskunft verweigert worden, woraus wohl zu schließen ist, daß die Anlage noch weiterer Regelung bedarf, um vollkommen befriedigend zu arbeiten. —.—. i Märkte. je. Frankfurt a. M. Schweinemarktbertcht vom 27. Okt. Ausgetrieben waren 592 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 137.00— 145.00 Mk., Schlachtgewicht 179.00 180.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 135.00—140.00 Mt. Schlachtgewicht 160.00 170.00 Me. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Schlachtgewicht 170.00—180 Mk., vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 136.00 145.00 Mt., Schlachtgewicht 170.00 180.00 Mk. Geschäft mittelmäßig. fe. Frankfurt a. M., 27. Okt. Frucht⸗ und Futter mittel- markt. Aeußerst lebhafter Handel bei sesten Preisen und nicht genügendem Angebot. Kokoskuchen 64 bis 65,50 Mk., Raps. kuchen 50,50—52 Mark. Alles für 100 Kg. fe. Frankfurt a. M., 27. Okt. Kartoffelmarkt. Kar⸗ toffeln Industrie und Up u to date) 7,50 7,70 Mk. für 100 Kg. ab Station Frankfurt a. M. Kieler Bücklinge Kieler Sprotten Fir k eldy geräuch. Schellfische[ 8 geräuch. Lachs a sind eingetroffen bei: bbrg Wallenels Marktplatz 21, gegenüber der Engelapotheke. 7331 Frau Uhl, Zaden 405851 Fernsprecher 706 8412 LIKURE d. Firmen Hart- WigKantorowiez A.-G. Posen, KarlMampe, Berlin Bevorzugte Marken sind: Berliner Kümmel Cherry Brandy Kurfürstl Magenbitter Sicher wirkende Ungeziefer-Mittel Mediz.-Drogerie z. Kreuzplatz Holz packung gegengenommen. höherer Schulen eintreten. Schulgeld 140.— M. jährlich. Ludwigstr. 70, Fernruf 633. Vorschule des Paedagogiums. Anmeldungen von Kindern, die Ostern 1916 75 schulpflichtig werden, werden vom 23. Oktober bis 1. November täglich zwischen 3 und 4 Uhr ent⸗ Der Geburtsschein ist mitzu⸗“ bringen.— Die Kinder können nach dreijährigem F Besuche der Vorschule in die Sexta öffentlicher, In treuer Pflichterfüllung starb am 21. Ok⸗ tober den Heldentod fürs Vaterland mein lieber Sohn, unser guter Enkel und Neffe Wilhelm Haun Unteroffizier im 14. Bayr. Juftr.⸗Regt., 9. Kompagnie im Alter von 22 Jahren. In tiefem Schmerz: 391 7 Halb& Halh 8803 D Täglich eintreffend: en e eee Brackemann, Direktor. Er. Fleischwurst 1.50 MH. p. Pf. 0 5 Fr. Freßwurs! 1.50 H. f. Pf.— Prakt. Feldkocher 1 l 5 Kreuzplatz 9 S Noel n, Ie. 4 Ares Gegen Husten Hänge⸗ u. Stehlicht⸗ Strümpfe für Gas sowie elektrische Birnen d. A.⸗E.⸗G. empf. zu billigsten Preisen 8058 Edgar Borrmann, Eisenhdl. Rindfleisch wieder zu haben. 8431 Per Pfund 1 Mark. Der Verkauf beginnt Donnerstag 8 Uhr vorm. M. Keßler an, an seine Mitglieder: 1 Zentner 5.50 Mk. 8445 D biessener Hausfrauen-Verein verkauft am Donnerstag, den 28, Oktober von 10 Uhr] Weisskraut an der Nordrampe(Lenz'scher Felserkeller). Der Vorstand. Lina Haun Margarete Balser, Großmutter Familie Wilh. Balser Familie Karl Gerlach. 105848 Gießen Sicher Str. 39), den 26. Oktober 1915. Todes⸗Anzeige. . N ee e Bürstenfabrikation und und Heiserkeit— e Fase enger dies unser ener 0 Danksa un Sohn und Schwager empfehle 7 gung. ede Bayrische Kräuter- Bürstenwaren i and ene ae Bea Kehlen bert Adolf Nunenthal alzbonbons 11 0 6* e zahlreichen ume enden et 8 2 e 6711 Türvorlagen Em Klascheiden unserer eben Tochter und 0 5 N 20 Jahren auf dem Felde der Ehre ee eee Kämme Schwester nefaen? un dine Teige bitten sowie Krügerol u. andere Sorten Schwämme usw Luise die tieftrauernden Hinterbliebenen: * N lie N* geb. De 0 DD empfiehlt 10 sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 1. real. geb. David a F l 9 8 3 10 Daniel Nunentbal und Fran Arden Wilhelm Leichtweis Familie Heinrich Lotz. Hedwig David Nr Handlung Wieseck, den 28. Oktober 1915. 8 putz Sonnenstraße Nr. 18.— Wir erhielten beute die Nachricht, daß am 29. September mein innigst⸗ obanna Stern ugo Stern. Watzenborn, Ohligs, Düsseldorf. 8401 U. U Der junge Amerikaner Charlton, Sängerin Lebendgewicht 136.00 145.00 Mk., Voll Jugendkraft zogst du bin aus, Ach, scheiden ist ein hartes Los, Gestern abend ist unser lieber Gatte, Vater, Schwieger- Für's Vaterland zu streiten. Die Trennungstränen glänzen. Doch kehrst du nicht zurück nach Haus, Wir können dich beim Friedensschluss, vater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel, der An deiner Gattin Seite. Mit Lorbeer nicht bekränzen. Die deutsche Erde bleibe frei, Wir müssen trauernd seitwärts steh'n,* War auch dein heiss Bestreben. Wenn andere wiederkommen. 1 getroffen von des Feindes Blei, Doch Gott gibt sel'ges Wiederseh'n, 60 nun 81 a III ur d 1. dein 18 1 1 0 del 1 5 8 1 10 ie Gattin und die Tochter dein, uh' sanft! Die Erde sei dir leic 3 5 Nebst Vater trauernd stehen. Schlaf wohl in fernen Gründen! Kgl. Preussischer Obergütervorsteher Wir können dich nun nimmermehr Du hast das schöne Ziel erreicht, Hier Wiedersehen. Wo wir uns wiederfinden. nach einem arbeitsreichen opferfreudigen Leben, im 62. Jahre plötzlich sanft verschieden. Nach Gottes unerforschlichem Ratschluss starb am 13. September im Feld- lazarett infolge einer am 12. September erhaltenen schweren Verwundung mein herzens- guter Mann, der stets treusorgende Vater seines einzigen Kindes, mein lieber einziger Sohn, unser guter Schwiegersohn, Schwager und Onkel Postschaffner Andreas Lindner Unteroffizier im Reserve-Infanterie-Regiment 254, 6. Kompagnie Im Namen der Hinterbliebenen: Elise Neurath, geb. Bernd. Karl Neurath und Familie Otto Neurath, Leutnant d. Res., z. Zt. im Felde. Giessen(Bismarckstrasse 9), Mainz, Santiago(Chile), im blühenden Alter von 36 Jahren den Heldentod fürs Vaterland. den 27. Oktober 1915. 1145 In tiefem Schmerz: Frau Ottilie Lindner, geb. Lindner, und Kind Andreas Lindner, als Vater. Giessen(Wetzsteinstrasse 34), den 28. Oktober 1915. 05⁵³²⁰0 Lieber Vater, schlaf in Frieden, unsere Liebe deckt dich zu. Nach kurzem, aber schwerem Leiden verschied am Sonntag abend im Reservelazarett Höchst a. M. mein innigstgeliebter treuer Gatte, der treusorgende Vater seines Kindes, unser lieber Bruder, Schwager und Onkel Wehrmann Heinrich Insel Ersatz-Landwehr- Infanterie-Regiment Nr. 87 Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung! Den Heldentod füs Vaterland starb am 25. September infolge eines Kopfschusses mein herzensguter, innigstgeliebter Mann, seines Kindes treusorgender Vater, mein lieber Sohn, unser guter Schwiegersohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe, der Wehrmann Wilhelm Schmict l. Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 116, 11. Kompagnie im 32. Lebensjahre. im Alter von 40 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Lina Insel Ww. geb. Seng und Kind. Gießen(Steinstraße 84), den 27. Oktober 1915. 8448 Die Beerdigung findet Donnerstag, den 28. Oktober, nachm. 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. In tiefem Schmerz: Frau Elisabethe Schmidt, geb. Niebeh Otto Schmidt und Kind Ernst Schmidt, z. Zt. verwundet ö Karl Schmidt, Vater Heinrich Exner, z. Zt. Antwerpen Wilhelm Niebch und Familie und Familie 2. Timoth. 4, V. 7. Ich habe einen guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe Glauben gehalten. Nach Gottes unerforschlichem Willen traf plötzlich und unerwartet uns die tieferschütternde Nachricht, dass mein innigstgeliebter, herzensguter Mann und unvergesslicher, treusorgender Vater seiner zwei unmündigen Kinder, unser treuer, lieber Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager u. Onkel Reservist Conrad Jak. Hensel Gefreiter i. Res.-Inf.-Regt. Nr. 253, 6. Kompagnie am 3. September im Alter von 28 Jahren den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. Heinrich Schmidt und Familie Heinrich Wagner und Frau. Karl Schmidt, z.Zt. Antwerpen u. Fam. f Krofdorf, Klein-Altenstädten, den 24. Oktober 1915. 8405 Mit frohem Mute nahmst du Abschied von den teuren Deinen, Die in der Heimat unaufhörlich um dich weinen. Es kehrt der Mutter Stolz. des Vaters höchstes Glück Nie mehr ins irdsche Vaterhaus zurück. Nahezu vor einem Jahre warst du ausgezogen, Doch allzu schnell die Schmerzenskunde kam zu uns geflogen. Trotzdem du lange hofftest auf ein frohes Wiedersehen, Hieß Gottes Ratschluß dich zu einer bess'ren Heimat gehen. H. K. In ferner Erd', in fremdem Land, Die große Hoffnung, die dich stets 5 da ruht mein Glück, ein teures 5 belebte. Den Heldentod starb auf des Feindes blutgetränkten Fluren am 2. Oktober Zerrissen ist das ird'sche N eee. Vand. b in einem Gefechte unser treuer, unvergeßlicher, lieber Sohn, Bruder, Enkel und Neffe doch droben wird's ein 1 und auch die Sehnsucht tief erbe pte sehen geben. ebte nach deinem jüngst gebornen Kind. Wenn diese Hoffnung lieget auch versenket mit dir in kühler Grabesruh, so ruhe sanft! Stets unsre Liebe dein gedenket bis an den Tod, dann eilen wir dir zu. Johannes Michel Ersatz-Reservist im Infanterie-Regiment Nr. 88, 10. Kompagnie. 5 71 In tiefer Trauer: * Joh. Phil. Michel und Familie Joh. Wil. Kehr und Familie Ww. Kath. Hensel, geb. Jung und Kinder. . Bruder Wilhelm z. Zt. Rudolstadt, G arnison- Joh. Friedr. Kehr und Familie 5 5; Familie H. Wolf lazarett Joh. Heinrich Wilh. Will und Familie Kernckke e ee Anna Kath. Wolf H. Kehr und Familie i 3 2 Treis an der Lumda, den 24. Oktober 1915. Mit blutendem, von tiefem Weh zerrissenem Herzen traf uns die erschütternde Nachricht, dass unser heiss- geliebter, herzensguter Sohn und Bruder Du hast gestrebt in Deinem Leben, Drum ruhe sanft, Du Edler, Preuer! Hast auch erreicht ein schönes Ziel; Wir müssen g 3 6. H 2 2. 8 H d Warst unser Stolz. warst unser Leben. Schlaf wohl, Mien ee 5 Palvcdes Erde, O An 1 El 1 11 C C 10 t Wer Dich gekannt, vergisst Dich nie! Nein! Die Lieb' der Deinen deckt Dich zu! Landsturmrekrut im Alter von fast 23 Jahren an seiner schweren Ver- wundung im Feldlazarett zu Vouziers den Heldentod . gestorben ist. 5 8440 In tiefer Trauer: Den Heldentod fürs Vaterland starb am 15. Oktober unser innigst- geliebter, braver Sohn, Bruder, Enkel, Neffe und Vetter 5 Georg Zimmer Familie Peter Schrodt Familie Gust. Stroh Musketier im Land wehr-Infanterie-Regiment Nr. 349, 11. Kompagnie, 5 F 17 0. Fe e „ Merkenfritz, Frankfurt a. M., Wissmar b. Giessen, In tiefem Schmerz: Holzhausen b. Homb., den 7. Oktober 1915. — Heinrich Zimmer und Frau Katharine, geb. Wirth Heinrich Zimmer, 2. Zt. im Felde Marie Zimmer Emil Zimmer Nieder-Bessingen, Georg Wirth Witwe 27. Oktober 1915. Familien Heinrich und Ludwig Zimmer in Lauter Familie Karl Zimmer in Lehnheim. Artikel fur Tufo. Tg- pe felgen Chemischekei nigung Färben in gr 5 V. Uniformen, Herren- und] von Kleidungsstücken, mad: e een Damenkleidern, Pelzen,[Stoffen— Trauersachen 2. Handschuhen, Federn in kürzester Zeit 18136„Für 8 1 ——orhang- Waschen As Beste Spezialität: Färben von Eandestrachten, Beiderwand, empfiehlt 17952 Leinen, Wollgarn, 8 Ermil Fischbach. Wiedersehn war seine und unsere Hoffnung! 84360