nr. 248 erscheint täglich, außer e der deutschen Vergangenheit pulsiert. Mit Der Gleßener Anzeiger Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener amilienblätter; wennal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freilag); zweimal monatl. Land⸗ wolrischaftliche Zeitfragen Ferusprech- Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäits stelleödl Adresse sür Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. General⸗ Anzeiger iir Oberhe 1 Rotatlonsdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und Druckerei: Schulstr. 7. Donnerstag, 21. Oktober 1015 Bezu gsvreis: monatl. 85 Pf., viertel ⸗ jährl. Mk. 2.50; durch VAobhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz! für Stadt und Land Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. 2 (Wer.) Großes Hauptquartier, 20. Oktober. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei einem Erkundigungsvorstoß nordöstlich Prun ay in der Champagne machten wir vier Offiziere, 364 Mann zu Gefangenen und erbeuteten drei Maschinengewehre, drei Minenwerfer und viel Gerät. Bei Middelkerke wurde ein englisches Flugzeug ab⸗ geschossen, die Insassen fielen in Gefangenschaft. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Nordöstlich und nordwestlich von Mitau machten un⸗ sere Truppen weitere Fortschritte. Wir nahmen mehrere feindliche Stellungen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die örtlichen Kämpfe am Styr dauern noch an. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Oesterreichisch⸗ungarische Truppen dringen auf Sabac In der Gegend südlich von Ripanj sind weitere Kämpfe im Gange. Südlich von Lucica⸗Bozevac ist der Feind erneut geworfen. g Bulgarische Truppen setzten sich durch schnelle⸗ Zufassen in Besitz des Sultan Tepe(südwestlich Egri Palankg); sie machten beim Vormarsch auf Kumanovo 2000 Gefangene und eroberten 12 Geschütze. Oberste Heeres leitung. vor. 1 5 d„ Am 21. Oktober 1415 haben im Landtage zu Berlin die Stände der Mark Brandenburg ihrem neuen Herrn, Mark⸗ grafen und Kurfürsten Friedrich VI. von Nürnberg, ihre Huldigung dargebracht. Am 30. April 1415 hatte ihm der Kaiser das Land, in dem er seit 1411 als Statthalter den Frieden hergestellt, als erbliches Eigentum übertragen. Der Burggraf hatte sich große Verdienste um König Sigismund erworben. Die Länder, die ihm dieser zunächst als Pfand gab, erstreckten sich an der Donau bis Pest hin; aber nicht in Ungarn sollte der Adler der Hohenzollern sich niederlassen, sondern oben im Norden Deutschlands, in des heiligen römi⸗ schen Reiches Streusandbüchse. Der König gab seinem treuen Burggrafen die Mark Brandenburg. Dort hat das Haus Hohenzollern, das aus Schwaben, wo nah dem Hohenstaufen seine Burg ragt, stammt, Fuß gefaßt, von da hat es seine weltgeschichtliche Sendung durchgeführt. Wenn wir heute auf ein halbes Jahrtausend Hohen⸗ zollernschen Glanzes zurückblicken, so entrollen sich uns un⸗ gemein reizvolle Bilder, wie sie die Geschichte auf keinen andern Blättern aufzuweisen hat. Denn es sind historische Ereignisse, die uns ans Herz gewachsen sind, in denen wir wie auf traute und liebgewordene Kindheit unseres Vater⸗ landes zurückblicken. Alle deutschen Stämme haben an diesem Tage der Hohenzollernkrone, seit der Träger dieser Krone das Oberhaupt des Reiches ist, die herzlichste Anteilnahme gezeigt, und es ist ein All⸗ gemeinempfinden des deutschen Volkes geworden, daß in brandenburgischen und preußischen Sehe das Herz oppelter Liebe und Treue blicken wir heute auf unser Kaiserhaus, das in den Stürmen des Weltkrieges so heimatfest, stolz, ergeben und pflichterfüllt dasteht, wie es die uns in die Seele ge⸗ wachsene, Ehrfurcht gebietende und Treue fordernde Ueber⸗ lieferung des alten Fürstenhauses gebot. Im Gewoge der Waffen, das sich auf beinahe ganz Europperstreckt, sehen wir, zurückblickend zur Welt vergangener Größe, die Hel den unter den Ahnen unseres Kaisers, das farbige und impo⸗ nierende Soldatenlager, das dem preußischen Staat die Grundlage lieferte und ihm zur Höhe hinaufhalf. Wer sich den goldenen Schimmer hohenzollernscher Geschichte leb⸗ haft vor das Auge rufen will, der betrachte die reichhaltige, überaus fesselnde Ausstellung Menzelscher Kunst, die gegen⸗ wärtig im Städelschen Museum zu Frankfurt zu andachts⸗ vollem Rundgang einladet. Friedrich der Große und seine tiefbewegte Epoche sind es ja vor allem, die heute unsere Gedanken auf sich lenken und uns ethischen Rückhalt im Streite gewähren. Dem kleinen Preußen war ja das⸗ selbe Geschick widerfahren, wie dem neuen Deutschen 1 Reiche im Großen. Nur durch Kampf und Krieg konnte es sich seinen Platz in der Welt behaupten, der ihm von Fein⸗ den ringsum streitig gemacht wurde. Preußen und die Hohen⸗ zollern haben aber dem deutschen Geiste nicht nur den schar⸗ fen Atem kriegerischer Tüchtigkeit gegeben, sondern auch Auf⸗ klärung, staatspolitische Führung und modernen Aufbau der Städtekultur. Der„Philosoph auf dem Thron“ selbst war ein Lehrer echt liberaler Auffassung und wohlverstandenen . 8. Und wenn wir in die neuere Zeit der Ent⸗ stehung des Deutschen Reiches hineinblicken, dann wird uns, was verschwand, auch wieder zu leuchtenden Wirklich⸗ leiten: König und Kaiser Wilhelm und seine Pala⸗ dine waren echte Träger und Pfleger hohenzollern⸗ scher Hoheit und preußischer Zielbewußtheit, und sie waren damit mehr, nämlich die Ebner und Ver⸗ wirklicher des deutschen Gedankens, der heute erst zur vollen Größe emporwächst. So führt uns heute das Hohen⸗ zollernhaus in die Herrlichkeit alter Stauffenzeit zurück, wo die deutschen Wege bis in den Orient gebahnt wurden. Möge dem Kaiser und seinem Hause der helle Glanz der alten deutschen Kaiserkrone verliehen werden, möge er Glück und Segen in der Aufgabe finden, der erste Diener eines großen und machtvollen Staates zu sein! Berlin 21. Okt. Zum heutigen Hohenzollerntage bringen alle Blätter ernste, dankbare und zuversichtlich gehaltene Artikel. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Mit dem mor⸗ gigen Tage ist die Erinnerung an die Uebernahme der Re⸗ gierungsgewalt durch den neuen Landesherrn verknüpft. Weit⸗ hin leuchtet und strahlt seitdem durch die Jahrhunderte der Schwur des Markgrafen Friedrich I. Ihm selbst war es tiefer Ernst mit seiner hohen Auffassung des Herrscherberufes, dem Nachfolger auf dem Hohenzollernthron. wurde sie zu einem heiligen Ver⸗ mächtnis. In Liebe und Treue gedenkt unser Volk an diesem Tage besonders innig des Hohenzollern⸗Geschlechts und seines gegenwärtigen erlauchten Sprossen, unseres Kaisers und Königs, dessen ganze Regierung Zeugnis ablegt für die ner jenes hehren Geistes in unserem Herrscherhause, der schon den ersten aus ihm hervorgegangenen Markgrasen von Brandenburg erfüllte. Der Kaiser hat während dieser schwersten Prüfung, die unsere Nation betroffen, mehrfach dem Volke seinen Dank ausgesprochen für die herrlichen Taten, die es vollbracht. Aber auch das Volk wird alle das Große nicht vergessen, was es seinem Kaiser und König zu danken hat, jetzt und immerdar. Im„Berliner Lokalanzeiger“ heißt es: Mitten im Weltkrieg feiern wir den 21. Oktober, an einem Zeitpunkte des Krieges, in dem das Ringen der Weltmächte die gigantischsten Formen angenommen hat. Der tiefe Ernst der Zeit und die völlige Anspannung aller Volksgenossen auf ein einziges Ziel verbietet jetzt ebensosehr wie der würdevolle Stolz eines unerhörten Kraft⸗ bewußtseins jedes Gepränge und jede Rethorik. Die da draußen ersetzen alles, was die Heimat in festlicher Erregung niederhalten muß, durch die Le densch ift der Tat und sie geben der Hohenzollern⸗ feier von 1915 ihren Grundton. Auf den unermeßlichen Ebenen des russischen Landes halten preußische Lanzenreiter ihre Turniere mit Kosaken. Von der Nordsee bis zu den Alpen flammen die Feuerzeichen brüllender Batterien und stößt in Funkenwellen. der Führerwille durch Divisionen und Heere. An der Pforte des Orients aber dröhnt bereits der Faustschlag Deutschlands und seiner Verbündeten. Fürwahr ein Schauspiel auf der Szene der Weltgeschichte, wie es die Menschen noch nicht sahen. Das„Berliner Tageblatt“ sagt: Wie vor 100 Jah⸗ ren das Hohenzollernhaus recht eigentlich erst mit dem preußischen Volke zusammenwuchs, so wird dieser Krieg das Kaiserhaus erst recht mit dem Reiche zu einer untrennbaren Einheit zusammen⸗ schweißen und noch ein anderer Ausgleich, so hoffen wir, wird sich in diesem Waffengange vollziehen. Das Kaisertum der Hohen⸗ zollern konnte das Reich nur einen im Gegensatz zum Hause Oesterreich. Mit seiner Waffenhilfe, die das geeinte Reich ohne Zaudern dem bedrohten Nachbarstaat geleistet hat, darf der Be⸗ weis als erbracht gelten, daß sie sich künftig inniger zusammen⸗ schließen werden. Ein halbes Jahrhundert sind sie getrennt mar⸗ schiert und mit wachsendem Grauen bemerkt eine feindliche Welt, wie sie nun erst vereint zu schlagen vermögen. So bestätigt uns der Krieg auch die innere Notwendigkeit dieses Kapitels unserer gemeinsamen Geschichte. Und aus dieser Erkenntnis schöpfen wir die zuversichtliche Hoffnung für die Zukunft des Reiches und seines Kaiserhauses, wie der gemeinsamen Sache, wofür wir und unsere Verbündeten im Kriege stehen. In der„Vossischen Zeitung“ wird ausgeführt: 500 Jahre in der Mark, wenn die Menschen schwiegen, würden die Steine veden. Sie würden erzählen, was die Hohenzollern ge⸗ leistet und geschaffen haben, im Kriege, wenn es sein mußte, im Frieden, wenn es sein durfte. Alles aber steht wieder auf dem 2 1 85 alles zu verteidigen gilt es heute, wo einem durch und durch friedliebenden Hohenzoller der fürchterlichste Krieg der Welt⸗ geschichte aufgezwungen wurde, Fürst und Volk brauchen nicht zu bangen. Die blutige Feier ist nicht der Anfang vom Ende, son⸗ dern nur ein Punkt in stetig fortschreitender Entwickelung. Es wird weiter vorwärts gehen, auch in der zweiten Hälfte des Jahr⸗ tausends und auch weiter wird ein festes inniges Band die Märker, die Preußen, die Deutschen mit den Hohenzollern verknüpfen, die ihren alten vom großen Friedrich in scharsen Formen geprägten Wahlspruch noch lange führen dürfen: Der Fürst ist der erste Diener des Staates. In der„Freisinnigen Zeitung“ wird gesagt: Das Haus Hohenzollern und das Deutsche Reich sind so eng miteinander verknüpft, daß ein Widerstreit der Interessen zwischen ihnen nicht denkbar ist. Mit der Treue, die uns die Herrscherfamilie be⸗ wahrt, halten wir auch an ihr fest. Die Kreuzzeitung“ hebt hervor: Alle unsere Feinde bewundern heute in uns die deutsche Organisation, daß jeder an seinem Teil tätig mitarbeitet, wohin er auch gestellt ist, keiner den anderen hindert, und daß ein riesenhafter Gesamterfolg her⸗ auskommt. Zu diesen Fähigkeiten haben die Hohenzollern den preußischen Staat erzogen und das ganze deutsche Volk. Ohne sie wäre die Mark geblieben, was sie war, des heiligen römischen Ri Streusandbüchse, die niemand hat haben wolllen, und sie ist jetzt das Herzstück eines gewaltigen 1 85 Reiches geworden, das seine Schiffe sendet über alle Meere, das friedlich die Welt erobert, und heute einer Welt von Feinden siegreich gegenübersteht. *** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Im Gebiete von Kolki dauerten, ohne daß es zu einer Aenderung der allgemeinen Lage gekommen ist, die Kämpfe der Tag der Hohenzollern. auch gestern an. An der Putilowka erbeutete ein Streif⸗ lommando des Infanterie⸗Regiments Nr. 49 bei der Demo⸗ lierung eines russischen Panzerzuges, dessen Lokomotive einige hundert Schritte vor unserer Stellung einen Granat⸗ volltreffer erhalten hatte, zwei Maschinengewehre, zahlreiche japanische Handfeuerwaffen und viel Munition und Kriegs⸗ material. Sonst im Nordosten nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Das starke Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen an der Jsonzofront hielt auch gestern den ganzen Tag über an. Gegen die Hochfläche von Dober do nahm es in den Nachmittagsstunden noch an Heftigkeit zu. Die italienische Infanterie griff im Krn⸗Gebiet, gegen den Brückenkopf bon Tolmein dann gegen den Monte Sabotino, Monte San Michele und östlich von Vermegliano an, wurde aber überall unter großen Verlusten abgeschlagen. Auch an der Tiroler Front kam es gestern zu größeren Kämpfen. Bei Tre⸗Sassi und auf der Hochfläche von Vil⸗ gereuth schlugen unsere Truppen je zwei Angriffe ab; die Gefechte bei Trevac führten stellenweise zum Handgemenge⸗ In Judicarien, wo der Feind in der letzten Zeit gleich⸗ falls eine erhöhte Tätigkeit entfaltet, zogen sich unsere vorgeschobenen Abteilungen auf die Hauptwiderstandslini⸗ zurück. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die in der Mac va vordringenden österreichisch⸗ungari⸗ schen Truppen nähern sich Zabac. Bei Ripani und südöstlich von Grocka warfen wir den Feind aus einer stark besetzten Höhenstellung. Deutsche Streitkräfte erkämpften sich südlich von Semendria den Uebergang über die untere Ralia und gewannen südöstlich von Poza⸗ revac in der Richtung von Petrovac erneuert Raum. Die Bulgaren entrissen dem Feinde seine starken Stellungen auf dem„Sultan Tepe“, südwestlich von Egri⸗Palanka. Sie nahmen gegen Kumanova vor⸗ dringend 2000 Serben gefangen und erbeuteten 12 Geschütze⸗ Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * * Die Landungen in Saloniki. 5 Paris, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der „Temps“ aus Athen meldet, landen französische und englische Truppen unausgesetzt in Saloniki. Die Franzosen bilden weitaus die Mehrzahl. die Eisen⸗ bahnlinie für den Transport ungenügend ist, werden große Truppenmengen auf den Straßen in Eilmärschen nach dem Norden geschafft. Paris, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sonderbericht⸗ erstatter der„Stampa“ meldet aus Athen, daß die bis jetzt in Saloniki gelandeten 30 000 Mann Ententetruppen ausschließlich von Gallipoli weggenommen worden sind. 3 Der bulgarische Bericht. Budapest, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Az Est“ mel⸗ det aus Sofia: Amtlicher Bericht vom 18. Oktober: Gestern setzten unsere Truppen das Vordringen auf serbischem Gebiete an der ganzen Front fort. Im Moravatale eroberten wir Vran ja, wodurch die Eisenbahnlinie Uesküb Nisch abgeschnitten ist. Bei dem Einzuge in Vranja empfing die Bevölkerung unsere Truppen mit Zivig⸗Rufen und hißte weiße Fahnen. Dann überschüttete sie unsere Soldaten mit einem Geschoßhagel. Unsere Truppen sind im Vordringen von Egri Palanka gegen Stracin; sie nahmen ein serbisches Bataillon mit drei Offizieren gefangen. In dem Bregalnica⸗ Tale eroberten unsere Truppen Kotschana; sie dringen wei⸗ ter gegen Westen vor. Sofia, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Heeresbericht vom 18. Oktober: Unsere in Serbien vor⸗ rückenden Heere erzielten nachstehende Erfolge: Im Timoktals besetzten sie die Linie Tscherni Vrh⸗Dorf, Charbonvec⸗Dorf, Aditschevac⸗Dorf, Balinca⸗Inovo⸗Palta⸗Berilowici. Sie nahmen südlich des Wlassinasumpfes die Höhe Pandjin Grob. Der Angriß auf diese Höhe wurde unter Teilnahme unserer Kavallerie durch⸗ geführt, die 180 Serben niedergemacht und 50 gefangen genom⸗ men hat. Infolge eines mutigen Angriffs von Norden aus, der mit einem geschickten Manöver von Süden aus verbunden war, bemächtigten sich unsere Truppen des strategisch wichtigen Punktes Sultan Tepe. An der Front bei Stracin wurden etwa 2000 Gefangene gemacht und zwölf Geschütze erbeutet. Sofia, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die bulgarische Telegraphen⸗Agentur meldet: Die bulgarischen Truppen sind in die mazedonischen Städte Stip und Rado⸗ wist eingezogen. Bulgarien und Griechenland. Sofia, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Von dem Pri⸗ vatkorrespondenten des W. T. B. Die griechischen Be⸗ hörden haben den bulgarischen Reservisten aus eigenem Antriebe freie Eisenbahnfahrt be⸗ willigt, was hier einen vortrefflichen Eindruck hervorgerufen hat. Bezeichnend für das zielbewußte Vorgehen der Bulgaren ist es, daß sie in dem am Samstag besetzten Peh schewo tags darauf eine bulgarische Schule eröffneten. Die Serben hatten bekanntlich alle bulgarischen Schulen und Kirchen in 8 Mazedonien gesperrt. In dem am Montag eroberten Egri Palanka wurde bereits eine bulgarische Verwaltung ein⸗ gesetzt. Amtlichen Ein Erlaß des Zaren über den „Verrat Bulgariens“. Pekeraburg, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Ein kar⸗ serlicher Erlaß besagt: Wir tun allen unseren getreuen Untertanen zu wissen, daß der Verrat Bulgariens an der flawischen Sache, der mit Treulosigkeit seit Kriegsausbruch vorbereitet, aber dennoch unmöglich schien, vollzogen ist. Die bulgarischen Truppen haben unseren treuen Verbündeten Serbien angegriffen, der von dem Kampfe gegen einen stärleren Feind blutet. Rußland und die Großmächte, unsere Verbündeten, suchten die Regierung Fer⸗ dinands von Koburg von diesem verhängnisvollen Schritt zu⸗ rückzuhalten. Die Verwirklichung der alten Bestrebungen des bulgarischen Volkes auf Angliederung Mazedoniens war Bul⸗ garten auf einem anderen Wege, der den Interessen des Slawen⸗ tums angepaßt war, zugesichert. Aber geheime Berechnungen und Interessen, die von den Deutschen eingegeben waren und der brudermörderische Haß gegen Serbien blieben Sieger. Bul⸗ garien, unser Glaubensgenosse, seit kurzem aus türkischer Skla⸗ verei befreit durch die brüderliche Liebe und das Blut des russi⸗ schen Volkes, hat sich offen auf die Seite der Feinde des christ⸗ lichen„des Slawentums und Rußland gestellt. Das xussische Volk sieht den Verrat Bulgariens mit Schmerz; mit blutendem Herzen zieht es das Schwert gegen Bulgarien und über⸗ Abt das Schicksal der Verräter der slawischen Sache der gerechten Strafe Gottes. Griechenland und die„Entente“. Berlin, 20. Okt.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z.“ meldet aus Amsterdam: Nach einer Reutermeldung aus Athen haben die Gesandten Rußlands und Englands dem griechi⸗ schen Ministerpräsidenten Zaimis eröffnet, daß ihre Regierung mit der griechischen Auslegung der Vertragsverpflichtungen Grie⸗ chenlands gegenüber Serbiens nicht übereinstimmen. Englische Betrachtungen der Lage. London, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„West⸗ minster Gazette“ schreibt: Der große Schlag, den die grie⸗ chische Neutralität uns versetzt, ist, daß wir uns plötzlich in der Notwendigkeit befinden, den Feldzug in einem sehr schwierigen Gelände zu führen, ohne Hilfe eines Verbündeten, der das Gelände kennt und unserem Mangel an Kenntnissen abhelfen könnte. Nun müssen wir den Man⸗ gel aus eigenen Kräften ersetzen. Das Blatt tröstet sich, daß, auch wenn Deutschland sich den Weg nach Konstantinopel bahne, der Hauptkriegsschauplatz Frankreich und Rußland sei. London, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Daily Mail“ schließt einen Leitartikel, in dem sie die Ver heim⸗ lichungs politik der Regierung scharf angreift, mit den Worten: Wenn die Regierung fortfährt, die Tatsachen zu ver⸗ heimlichen, und wenn das Volk erfährt, in welchem Umfange es getäuscht und irregeführt worden ist, wird eine gewaltsame Umwälzung entstehen, für die die englische Geschichte seit 250 Jahren kein Beispiel bietet. London, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ erklärt, außer dem Rücktritt Carsons sei ein langer Be⸗ such Bonar Laws im Buckingham⸗Palast ein bemerkenswer⸗ tes Ereignis des Tages. London, 20. Okt.(WTB.. Ueber die Wah⸗ len in Südafrika schreibt die„Times“: Wenn Botha und seine Anhänger geschlagen werden, wird die Reichssache in Süd⸗ afrika schwer gefährdet sein. Auch wenn sie siegen, wird die Zukunft durch die alten Schwierigkeiten gestört werden, die jeder Ausfall der Wahlen eher verstärken als lösen wird.— Die„Daily News“ bezweifelt in einem Leitartikel, daß Bo⸗ a die absolute Mehrheit gewinnen wird Das Blatt spricht die efürchtung aus, daß die vermutliche Vereinigung der Botha⸗ Partei und der Unionisten wenig Gutes bedeute. Aus dem englischen Unterhaus. London, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus Das Unterhaus war, da man mit der Möglichkeit politischer Zwischenfälle rechnete, ge⸗ drängt voll. Es ereignete sich aber nichts Besonderes. Carson war nicht anwesend. Lloyd George beant⸗ wortete verschiedene Fragen, die eigentlich an Asquith ge⸗ richtet waren; dieser war abwesend. Dal ziel(liberal) fragte, ob italienische Truppen zusammen mit den eng⸗ lischen und französischen Truppen in Serbien vorgehen werden. Darauf antwortete Lloyd George: die Art, wie sich Italien am wirksamsten an dem Unternehmen be⸗ teiligen könnte, werde von den Alliierten erwogen.(Bei⸗ a fall.) Der parlamentarische Unterstaatssekretär im Kriegs⸗ 25 000 britische Kriegsgefangene in Deutschland befunden hätten. 5 5 Die Erkrankung Asquith'. 5 ö London, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ueber Asquiths Befinden wurde ein Bulletin ausgegeben, wonach der Kranke eine gute Nacht verbracht hat und eine Besserung eingetreten ist; er darf jedoch das Zimmer nicht verlassen. 1„„ 1 Der türkische Bericht. Konstantinopel, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet von der Dardanellenfront: Bei Anaforta beschoß unsere Artillerie feindliche Truppen, welche BVerschanzungen aufwarfen und ein Torpedoboot, welches Kiretsch Tepe beschoß.— Bei Ari Burnu wurde in der Nacht zum 19. Oktober ein feindliches Torpedoboot, welches unseren rechten und unseren linken Flügel wirkungslos beschoß, durch das Feuer unserer Artillerie vom linken Flügel gezwungen, das Feuer ein⸗ zustellen und sich zurückzuziehen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr zeit⸗ weise aussetzendes Artilleriefeuer und Bombenwerfen von beiden Seiten.— Sonst nichts von Bedeutung. ö Die Bagdadbahn. Konstantinopel, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Strecke der Bagdadbahn von Islahie nach Rad⸗ ju wurde heute dem Betrieb übergeben. Die beiden genann⸗ ten Stationen liegen östlich Amanus im Norden von Aleppo. Die Eröffnung dieser Teilstrecke bringt das syrische Netz um 447 Kilometer näher an den bekanntlich schon durchgeschla⸗ genen Haupttunnel der ganzen Bahn bei Baatsche. f 1 Eine osmanisch⸗israelitische Union. 1 onstantinopel, 19. Okt. Die jüdischen Gemeinden Armee mehrere Waggons Sanitätsmaterial zukommen lassen. Dr, Alfred Nossig, der zwecks Uebergabe der Spende an die Behörden in Konstantinopel eintraf, wurde vom Sultan, dem Thronfolger Jussuf Izzedin, Enver Pascha, Tallat Bey und Halil Bey empfangen. Die Vertreter der Regierung sprachen siich in sehr anerkennender Weise über die jüdische Bevölkerung aus, der ihr Wohlwollen gesichert sei. Dr. Nossig und Kommer⸗ zienrat Simon wurden durch Verleihung des Medjidieordens dt Während des Aufenthaltes in Konstantinopel grün⸗ dete ein Kreis von angesehenen türkischen Juden mit Einwilligung der Regierung eine Vereinigung„Osmanisch⸗israelitische Union“ Die Vereinigung, an deren Spitze der Deputierte Carosso steht, strebt die festere Angliederung der Juden an die anderen Be⸗ völkerungsgruppen der Türkei an. Sie gedenkt ferner, mit den die ostjüdische Bevölkerung betreffenden Fragen gelegentlich der in⸗ anmte Tennant teilte mit, daß sich im September etwa Deutschlands haben als Zeichen ihrer Sympathie der türkischen dem In dieser Angelegenheit fand auch zwischen der türkischen Regierung und der deutschen Botschaft ein Meinungsaus⸗ tausch statt, der ergab, daß die türkische Regierung ebenso wie die deutsche und die österreichisch⸗ungarische den Bestrebungen zur Besserung des Loses der Juden des Ostens durchaus wohlwollend gegenüberstehen. Aus Belgien. Brüssel, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Gene⸗ ralgouverneur fordert erneut alle Personen, die wäh⸗ rend des Krieges dem feindlichen Heer angehörten und sich im Gebiete des Generalgouvernements aufhalten und alle diejenigen, die im Auftrage einer feindlichen Regierung hergekommen sind, auf, ihrer Meldepflicht binnen 24 Stunden nachzukom⸗ Generalgouverneur wird l 0 gefangene begnügen. Wer aber nach dieser Frist ergriffen wird, oder solchen Personen Unterkunft, Nahrung oder sonstige Un⸗ terstützung gewährt, hat die strengste Bestrafung nach dem Kriegs⸗ recht zu gewärtigen. Die neuen Kriegssteuern in Italien. Lugano, 20. Okt.(Zens. Frkft) Das Amtsblatt wird heute abend die Verfügung über die in der letzten Kabinetts⸗ sitzung beschlossenen Steuern veröffentlichen. Eingeführt wer⸗ den eine Wehrsteuer von sechs bis mehreren hundert Lire und Gebühren auf postlagernde Sendungen und Telegramme; erhöht werden die Kinosteuer und Stempelgebühren. Das. der neuen Maßregeln wird auf 50 Millionen angeschlagen, so daß mit den 50 Millionen im September eingeführten Neulasten Italien bisher hundert Millionen dauernde Kriegssteuern einge⸗ führt hat.(Irkft. Ztg.) Eine päpstliche Vermittlung beim Kaiser. Rom, 20. Okt(WTB. Nichtamtlich) Der„Osservatore Romano“ meldet, der Papst sei von mehreren Seiten, be⸗ sonders durch die englische und belgische Gesandtschaft an⸗ gegangen worden, sich für die Begnadigung oder Um⸗ N der Todesstrafe der Gräfin Belle⸗ vil le und des Fräuleins Thulier, sowie sieben anderer belgischer Untertanen, die der Begünstigung und Entwei⸗ chung französischer und belgischer Gefangener angeklagt waren, zu verwenden. Der Papst 8 durch den Kardinal⸗ staatssekretär den Erzbischof von Köln telegraphisch ersucht, diese Bitte dem Kaiser zu übermitteln. Erzbischof Hartmann drahtete zurück, der Fatser habe die Hinrichtung aufschieben lassen und einen eingehenderen Bericht eingefordert. Der Seekrieg. Der Verkehr in der Ostsee und die Tätigkeit 5 feindlicher u⸗Boote. Berlin, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Von zustän⸗ diger Seite wird uns mitgeteilt: Gegenüber den in der Presse unserer Gegner verbreiteten, weit übertriebenen Gerüchten über die Störung in der Schiffahrt in der Ostsee durch feindliche U-Boote sei folgendes festgestellt. Erstens: Die vom russischen Generalstab gebrachte Mit⸗ 5 7 über das Versenken von sechs deutschen Trans⸗ portdampfern beruht auf Erfindung. Es sind nur Handelsdampfer versenkt worden, wie in der Presse gemeldet worden ist. Zweitens: Bei dem Versenken meh⸗ rerer der vorerwähnten Dampfer ist die schwedische Neutralität auf das Gröblichste verletzt worden. Drittens: Der Handelsverkehr vollzieht sich im übrigen wie bisher. In der Zeit vom 1. bis 15. Oktober sind in der Ostsee allein in bedeutende Handelsorte wegen fehlender Daten noch nicht mitgerechnet sind, 1188 Handelsschiffe abgefertigt worden. Von diesen sind 568 eingelaufen, 620 ausgelaufen. Ihre Ge⸗ samttonnage betrug 514446 Registertonnen. Davon sind 244 966 eingelaufen, 269 460 ausgelaufen. Ausdrücklich sei hierbei bemerkt, daß weder die Küstens chiffahrt der einzelnen Häfen noch die Fischereifahrzeuge, noch örtlich verkehrende Fahrzeuge, wie Fähren usw., in den vorstehenden Zahlen enthalten sind. Viertens: Die von der deutschen Marine getroffenen Gegenmaßregeln, über die Näheres noch nicht gesagt werden kann, lassen zuversichtlich erwarten, daß es den feindlichen U-Booten nicht gelingen wird, die Ostseeschiffahrt in erheblichem Umfange zu schädt en, ge⸗ chweige— 5 ihr Ziel, die Unterbindung dieser Schiffahrt, zu erreichen. Trelleborg, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach hier eingetroffenen Meldungen wurden auf die Meldung z weter deutscher Flieger, daß sich bei Stubben kammer zwei englische Unterseeboote befänden, Torpedojäger auf Jagd 57 den Unterseebooten ausgesandt. Sie zwangen diese, sich in nördlicher Richtung zurückzuziehen. Die Unterseeboote blieben die 75 5 unter Wasser, so daß es unmöglich war, sie zu be⸗ Die Erfolge unserer u⸗Boote. Berlin, 20. Okt.(Priv.⸗Tel.) Nach jetzt vorliegenden abschließenden Meldungen hinsichtlich des Handelskrieges 8 8 tember wurden insgesamt durch unfere Unterseeboote versenkt: 29 Dampfer mit 103 316 Brutto⸗Reg.⸗Tonnen; 7 Fischereifahrzeuge mit ca. 1200 Tonnen, 2 Transportdampfer mit 19 849 Tonnen; ferner durch Minen: 6 Dampfer mit 20612 Tonnen. Im ganzen 144977 Brutto⸗Registertonnen. Englische Kampfesweise. 19 5 S überreichte dem brieflich, unter, dringend bezeichnet. —— Aus dem Reiche. Die Regelung der Butterpreise. Berlin, 20. Okt.(Priv. ⸗Tel.) Wie verlautet, soll die in Aussicht genommene weitere Regulierung der Butterpreise ternationalen Verhandlungen nach Beendigung des Krieges sich zu lefassen. a g 5 1 darin bestehen, daß der Reichskanzler die Großhandelspreise für Butter am Berliner Markt Tee Der Buttersachverständigen⸗ men. In diesem Falle wird ihnen Straffreiheit zugesichert. Der f sich mit ihrer Abführung als Kriegs⸗ 14 T sieben Küstenstädten, unter welchen zwei d ausschuß wird aller Voraussicht nach an diesen wangsnotie⸗ rungen beratend mitwirken. Da die Markt⸗ und Preisverhält⸗ nisse in den verschiedenen Gegenden des Reiches verschieden sind, werden die einzelnen Landesregierungen Abweichungen nach oben oder unten erlassen können. Ueber die Preisstellung bei den Produzenten und Zwischenhändlern werden besondere Vorschrif⸗ ten vom Reichskanzler erlassen werden. Größere Gemeinden, pflichtet sein— kleinere Gemeinden und Kommunalverbände be⸗ rechtigt sein—, nötigenfalls für den Kleinhandel mit Butter un⸗ ter Berücksichtigung der besonderen örtlichen Verhältnisse die Preise festzusetzen. Die Landesxegierungen können hier wieder unter bestimmten Voraussetzungen eine Höchst⸗ und Mindest⸗ grenze für die Festsetzung des Höchstpreises anordnen. Die Fest⸗ eßung der Preise soll in gewissen Zwischenräumen, etwa alle age, neu erfolgen. Wie weiter verlautet, soll eine Reihe von Verordnungen erlassen werden über den Fleischverkehr, den Milchverkehr usw. 4 Berlin, 20. Okt.(WTB. Amtlich) Es ist nicht ausge⸗ schlossen, daß die von den Zivil⸗ und Militärbehörden getroffenen Maßnahmen sen eine Steigerung der und vorbereiteten 5 Butterpreise in Kürze eine Verminderung der Butterein⸗ wahrscheinlich solche mit über 10 000 Einwohnern, werden ver⸗ fuhr vom Ausland zur Folge haben werden. Da die Inlands⸗ erzeugung an Butter den einheimischen Bedarf bei der Menge des bisherigen Verbrauchs nicht deckt, ist mit dem Ausbleiben oder einer Verringerung der Buttereinfuhr aus dem Ausland eine Knappheit an Butter auf dem Markte unvermeidbar. Es darf im Interesse der Durchführung der auf eine dauernde Verbilli⸗ 115 der Butter hinzielenden Maßnahmen von der Einsicht der Bevölkerung erwartet werden, daß jedermann einen zeitweiligen Mangel an Butter in Ruhe hinnimmt und daß insbesondere die besserbemittelten Bevölkerungskreise durch Einschränkung im Verbrauch die Wirkungen der Butter⸗ knappheit für die minderbemittelten Kreise zu mildern suchen wer⸗ den. Mit Bestimmtheit kann erhofft werden, daß die Knapp⸗ heit in Kürze vorübergehen wird. Alle Maßnahmen gegen eine wucherische Zurückhaltung der einheimischen Vorräte sind„ erlin, 20. Okt.(Privattelegramm.) Das„Berliner Tage⸗ blatt“ schreibt: Eine Regelung der Milchverforgung steht unmittelbar bevor. Voraussichtlich werden Milchkarten aus⸗ gegeben werden, wobei namentlich Familien mit Kindern bis zu einem bestimmten Alter besondere Berücksichtigung finden sollen. 2 Berlin, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Kaiser hat bei seiner Anwesenheit an der äußersten Westfront und an der a belgischen Küste dem kommandierenden Admiral des Marinekorps, 1 von Schroeder, den Orden Pour la merite ver⸗ iehen. Berlin, 20. Okt.(WTB. Amtlich.) Die Einzahlungen auf die dritte Kriegsanleihe beliefen sich bis zum 18. Oktober einschließlich, dem ersten Pflichteinzahlungstermin, auf 8269 Millionen Mark, gleich 1 Prozent der gezei⸗ Summe, ge enüber einem Soll von 30 Prozent. 5 Berlin, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Chef⸗ redakteur der„Volkszeitung“, ehemaliger Reichstagsabgeord⸗ neter für den Kreis Breslau und stellvertretender Vorsitzen⸗ der des Vereins Berliner Presse, Karl Vollrath, ist heute nachmittag im Alter von 58 Jahren gestorben. Aus Hessen. Gegen den Lebensmittelwucher. Wie die Ver⸗ tretungen anderer nationalliberaler Organisationen im Reich rich tete auch die Geschäftsstelle der Freien Ve reinigu 11 hes⸗ sischer Nationalliberaler in Mainz, wie sie uns schreibt, an den Geschäftsführenden Ausschuß der Nationalliberalen Partei in Berlin das dringende Ersuchen, gegen die ungerecht⸗ fertigten Preistreibereien in der Lebensmittelversorgung die nö⸗ tigen Schritte zu unternehmen. Die Eingabe weist besonders dar⸗ auf hin, daß das, Durchhalten“ nicht nur auf militärischem son⸗ ern auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine unbedingte Pflicht 1 für unser ganzes Volk ist und daß die Stoß⸗ kraft, die wir zum militärischen Durchhalten brauchen, gerade durch Verhinderung des eingerissenen Lebens⸗ mittelwuchers ermöglicht wird. Es erscheine daher von größter Wichtigkeit, daß die Vertretung einer volkstümlichen Forderung in erster Linie durch eine Mittelpartei, wie die Nationalliberale Partei erfolge, damit nicht in weiteren Volksschichten die Meinung platzgreife, daß für offenbare Leiden der minderbegüterten Volks⸗ schichten nur von der Sozialdemokratie der Anstoß zur Abhilfe zu erwarten sei. Die Eingabe gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Parteileitung in einer Kundgebung ihre grundsätzliche Stellung⸗ 1 zu der Frage des e zum Ausdruck bringt und die am 25. Septen d. Is vom Bundesrat erlassene Ver⸗ ordnung ausdrücklich als seinem Empfinden durchaus entsprechend begrüßt. Soweit das noch möglich erscheint, bittet die Eingabe auf die zweckmäßige Ausgestaltung der geplanten Maßnahmen hinzuwirken. Vor allem sei auch darüber zu wachen, daß die Ver⸗ ordnung mit der nötigen Festigkeit unter kraftvollem Schutz der Verbraucherinteressen durchgeführt und, soweit sie sich als un⸗ zureichend erweisen sollte, gehörig ergänzt und ausgebaut wird. Aus Stadt und Land. Gießen, 21. Oktober 1915. eichnung. Dem Unteroffizier Heinr. Haas „ e Aus im aktiven Inf 0 0 5 ier, wurden das Eiserne Kreuz und die Hessische Tap⸗ erte e verliehen. 15 Ruhestandsversetzung. Der Großherzog haf am 16, Oktober d. J. den Kanzlei⸗ und Registraturbeamten beim Verwaltungsausschuß der Landesuniversität Gießen Karl Klees auf sein Nachsuchen, unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste, zum 1. November 1915 in den Ruhestand versetzt unter Verleihung des Charakters als Kanzleirat. Milch und Butter. Der Lebensmittelausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung beschlossen, die hessische Re⸗ gierung zu ersuchen, beim Bundesrat dahin vorstellig zu werden, daß Milchkarten einheitlich für das ganze Reich nach dem Muster der Brotkarten eingeführt werden.— Die Festsetzung von Höchstpreisen für Butter für unsern Bezirk dürfte morgen erfolgen. N * Militärische Ausbildung der Jugend. Am letzten Sonntag unternahmen die hiesigen Jung⸗ mannschaften einen Uebungsmars Ohmtal. Um 8 Uhr traten 132 Teilnehmer am Bahnhof an und benutzten den Zug nach Kirchhain. Mit klingendem Spiel ging es durch das Städtchen der steilaufragenden Amöneburg zu. Leider war der Nebel noch so dicht, daß von dem Rundgang um die Stadt aus die herrliche Um⸗ gebung nicht übersehen werden konnte. Am Fuße des Basalt⸗ kegels, an der Brücker Mühle, wurde kurze Rast ge⸗ halten, während der Vorsitzende N 1 5 Vortrag 15— das Gefecht am 21. September 1762 hielt. Nach Besichti⸗ gung der Denksäule im doe des Brücker Wirtshauses ging es in flottem Marsch durch Rüdigheim nach Schweins⸗ berg. Von hier aus war eine Uebung über den Hoch berg gegen die Jungwehr Homberg vorgesehen. Da diefe leider nicht zur Ausführung kommen konnte, wurde gegen einen markierten Feind geübt. In schön entwickelter Schützen⸗ linie wurde um ½3 Uhr die Stellung des Gegners an der Nordseite des Hochbergs gestürmt. Nach kurzem Aufenthalt an dem Kieselguhrbergwerk ging es gen Fam 2 5 Angesichts des r gelegenen Städtchens wurde ab⸗ gekocht. Das geschäftige Treiben der Pad e hatte zahlreiche Freunde herbeigerufen. Bald konnten die einzelnen Gruppen das sachverständig zubereitete Mittags⸗ „Regt. 116, Sohn des Kalkbrennereibesitzers Haas durch das I 7 e eee mahl einnehmen. Nach zwe in flottem Marsch 18 90 istunbiger Rast ging es dann l mberg und Wäldershausen nach der Station Burg⸗ und Nieder⸗ Gemünden. Kurz nach 8 Uhr konnte die jugendliche Schar zur Stadt marschieren. 1 5 einem strammen Vorbeimärsch, der keine Ermüdung durch den 24.Kilometer⸗Marsch zeigte, wurde in der Alicestraße weggetreten.— Am Mittwoch abend schilderte Prof. Dr. Mittermaier in e Weise seine Reise⸗ eindrücke von einem Truppentransport nach dem östlichen Kriegsschauplatz. Mit lautem Beifall wurden seine Aus⸗ führungen aufgenommen. * Stadttheater. Auch die Freitagsvorstellung bringt ein für Gießen neues Lustspiel„Mein alter Herr“ von F. u. V. Arnold. Das liebenswürdige Werk hat zum Schluß der Sommerspielzeit in Bad⸗Nauheim einen großen Erfolg erzielt, an dem in erster Reihe beteiligt waren die Herren Goll, Steinhofer, Hellmuth und die Damen Schild, Burghoff und Rubens. Vortragsabend. Wir weisen noch einmal auf den heute abend im Anatomischen Museum stattfindenden Vortragsabend hin, in dem Frl. Berta Noelting in Poesie und Prosa ein Bild unserer großen Zeit entwerfen wird. Die Veranstaltung, deren Ertrag für Kriegsblinde bestimmt ist, beginnt um 6 Uhr. 5 * Den Vergessenen. Auf den unter diesem Motto stehenden Künstlerabend, den die Gießener Frei⸗ lichtbühne am kommenden Samstag veranstaltet, sei noch einmal besonders aufmerksam gemacht. Das, was der Abend bieten wird, steht hinsichtlich der besonders sorgfälti⸗ gen Zusammenstellung, die namentlich allerlei Beziehungen zwischen dem lokalpatriotischen Interesse und dem Pro⸗ amm herstellt, auf einer Stufe, die neben dem künstleri⸗ chen Genuß auch eine gute Unterhaltung verspricht. Eine Reihe von Gießenern und Gießenerinnen, wozu auch zwei Mitglieder unserer Bühne zu rechnen sind, kommen mit aus⸗ eee und fesselnden Rezitationen von alten und neuen, teilweise noch nicht gedruckten Dichtungen zu Wort. Das Schulorchester des Landgraf⸗Ludwigs⸗Gymnasiums im Verein mit der Militärkapelle wird Haydns prächtige Mili⸗ tärsymphonie zu Gehör bringen, unnd in Frau Anng Flohn⸗ Burckhard wird der hoffentlich zahlreiche Besuch eine Sängerin von sympathischer Eigenart kennen lernen. Bringt der Abend also an und für sich Schönes und Wertvolles, so dürfte namentlich der Zweck, unter dem er stehen folk, manchen zu seinem Besuch veranlassen. Es gilt, Vergessenen im Felde, in erster Linie Angehörigen unseres Regiments, um Weihnachtsfest eine Gabe der Heimat zu bieten. Da die Brant ung, die abends pünktlich 8 Uhr in der Neuen Aula beginnt, an einem Samstag stattfindet, ist auch Schü⸗ lern der Besuch wesentlich erleichtert.— Für Herrn Hof⸗ schauspieler Haffner, dem der Arzt ein Auftreten noch nicht gestatten zu können glaubt, ist Herr Ferdinand Stein⸗ hofer vom hiesigen Theater eingesprungen. Näheres besagt die Anzeige in heutiger Nummer. 5. 5 ** Im Kaffeehaus Astoria findet heute abend aus Anlaß des Hohenzollerngedenktages Konzert von Militärmu⸗ sikern statt, wobei Gelegenheit gegeben ist, der Kriegsfürsorge mit freiwilligen Gaben zu gedenken. * Vorsicht bei der Straßenbahn. Die letzten Unfälle bei der elektrischen Straßenbahn haben wieder ein⸗ mal gezeigt, daß das Benehmen der Kinder auf der Straße und die Aufsicht über sie viel zu wünschen übrig lassen. Anstatt die Bahn für den Wagen frei zu machen, laufen viele Kinder ihm entgegen, stellen sich ihm scherzeshalber in den Weg und versuchen kurz vor ihm die Geleise zu überqueren oder gar auf das Trittbrett des fahrenden Wagens zu springen. Die Kinder sind sich der großen Gefahr nicht bewußt, in welche sie sich begeben. Ein unvorsichtiger Stoß eines Kameraden oder ein Fehltritt genügt, um ein furchtbares Unglück 19710. zu lassen, da bei noch so großer Vorsicht vom 5 der Wagen nicht sofort sicht Stehen gebracht wer kann. Ermahnungen der Auf⸗ sichtsstellen und der Lehrer in ihren Klassen genügen nicht, um diesem Unwesen zu steuern. Gerade in letzter Zeit hat das Umhertreiben der Kinder im ern der Stadt erheblich zugenommen, so daß es der Straßenbahn kaum möglich ist, den Betrieb ohne Gefahr aufrechtzuhalten. In erster Linie ist es die Pflicht der Eltern, hier einzu⸗ greifen. Will man die Kinder nicht zu Hause halten, so verbiete man ihnen streng, die von der Straßenbahn be⸗ rührten Straßen zum Spielen zu benutzen und warne immer wieder vor den Gefahren der Straßenbahn. Auch vor dem un⸗ vorsichtigen Ueberschreiten der Geleise muß gewarnt werden. Viel zu häufig vergehen sich die Eltern dadurch, daß kleine Kinder Besorgungen für den Haushalt verrich⸗ ten müssen. Kinder im Alter von 3— Jahren aus den ent⸗ ferntesten Stadtteilen sieht man recht häufig Hand in Hand in den belebtesten Straßen herumwandern. Am glei Tage kurz nach dem letzten Unfall bestieg auf dem Markt⸗ platz ein kleines Mädchen den hinteren Aufstieg eines Wa⸗ dens und fuhr so mit zur Walltorstraße. Abends gegen 7 Uhr wurde in der Nähe des Postamts II abermals ein Hind umgeworfen und dadurch, daß es der Wagen⸗ führer 1 sah, wurde durch dessen Umsicht ein größe⸗ res Unglück vermieden. Die Feststellung ergab, daß die Mutter des Kindes mit anderen Frauen sich unterhielt, und das kleine Kind trotz des herannahenden Straßenbahn⸗ wagens unbeachtet herumlaufen ließ. Ein jeder, chen tenausschuß für den Bereich des 18. Armeekorps hielt der Interesse fur Aufrechterhaltung des Betriebes der Straßenbahn während der Kriegsdauer hat, sollte mit⸗ helfen, daß die gerügten Uebelstände verschwinden, damit weitere Un bab ll die über die betreffenden Familien so großes Leid bringen, vermieden werden. 5 n Der gestrige Zwiebelmarkt auf Oswalds⸗ garten zeigte, wie uns ein Marktbesucher schreibt, ein mehr als klägliches Bild. Es standen im ganzen etwa 30 Zentner 1 15 5 zum Verkauf, während das Angebot sonst um diese eit das zehnfache Quantum ausmachte. Die Verkäufer be⸗ standen nur aus Zwischenhändlern, welche einem Handels- mann, der aus Villingen Ware nach Gießen gebracht hatte und diese für 20 Mark bei Anahme von mindestens 25 Pfund anbot, seinen Vorrat abkauften, um sich diese Konkurrenz vom Halse zu schaffen. Zwiebel waren daher nicht unter 25 Pfg. pro Pfund zu haben, gleichviel ob man ein kleines oder ein größeres Quantum erhandeln wollte. Unter diesen Umständen konnte von einem preisbildenden Handel, wie ihn sonst dieser Markt zuwege bringt, keine Rede sein. Die Zwiebel scheint heuer in der Wetterau nicht geraten zu sein, da doch sonst von dort her durch Produzenten der Gießener Zwiebelmarkt stark mit Ware versorgt wurde. Landkreis Gießen. i Langsdorf, 20. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der Unteroffizier Fay im Feld-Artillerie-Regiment 18. A Lang⸗Göns, 20. Okt. Das Eiserne Kreuz erhielt der Wehrmann Bergk, die Hessische Tapferkeitsmedaille der Gesreite Hock im Res.-Ins.⸗Rgt. 116. = Burkhardsselden, 20. Okt. Die in unserer Gemeinde veranstaltete Sammlung für unsere Gefangenen in Rußland ergab 120,70 Mark. O Röthaes, 20. Okt. Feldwebel Karl Möll von hier, der im Westen bereits das Eiserne Kreuz erhalten hat, hat sich 8 in Serbien auch die Hessische Tapferkeitsmedaille erworben. 5 Kreis Büdingen. i 4 z Büdingen, 19. Okt. Leutnant Schäfer im Landwehr e e 116 erhielt das Eiserne Kreuz erster asse. b Calbach, 20. Okt. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Gefreite Kraft im Garde-Regt. zu Juß. Kreis Alsfeld. up. Ruppertenrod, 20. Okt. Ein weiteres Opser hat der große Durchbruchsversuch der Franzosen aus unserer Gemeinde gefordert. Der Musketier Georg Stock ist im Lazarett seiner schweren Verletzung erlegen, die er am 25. September durch eine Granate erhalten hatte. Kreis Schotten. 5 Ai Ruppertsburg, 20. Okt. In der Septemberschlacht im Westen fiel der Unteroffizier Scheel. Er ist das 16. Opfer aus unserer Gemeinde. 7 b Sellnrod, 20. Okt. Den Tod fürs Vaterland starb der Gesreite Merz im Reserve-Insanterie-Regiment 116. Kreis Friedberg. ib Friedberg, 20. Okt. Der Offiziers⸗Stellvertreter Eg ly erhielt das Eiserne Kreuz; die Hessische Tapferkeits⸗ medaille der Musketier Kögler im Res.-Inf.-Regt. 116. Ober- Roßbach, 19. Okt. Den Tod fürs Vaterland starb der Musketier Hock.— Das Eiserne Kreuz erhielt der Unteroffizier Vogt im Insanterie-Regiment 168. ga. Pohl⸗Göns, 20. Okt. Für kriegsgefangene Deutsche in Rußland gingen bei dem hiesigen Pfarramte an frei⸗ willigen Gaben 695 Mk. ein, sicher ein anerkennens⸗ werter hoher Betrag für die kleine Gemeinde.— Nach eingetroffe⸗ nen Nachrichten starben Landsturmmann Wilhelm Steiger und Torpedo-Oberheizer Otto Zöller von hier den Heldentod. Starkenburg und Rheinhessen. w. Darmstadt, 20. Okt. Geh. Oberbergrat Dr. Rich. Lepsius, ordentlicher Professor der Mineralogie und Geologie an der Technischen Hochschule und Direktor der Geologischen Landesanstalt, ist heute im Alter von 64 Jah⸗ ren gestorben. Kreis Wetzlar. ra. Wetzlar, 20. Okt. Regierungslandmesser Schütz, Hauptmann im Res.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 98, wurde mit dem Eiser⸗ nen Kreuz 1. Klasse ausgezeichnet. ra. Kinzenbach, 19. Okt. Auf dem im Frühjahr um⸗ gepflügten Bahnhofsgelände wurden über 400 Zentner Kartoffeln geerntet; die Versuchsfläche war 80 Ar groß. Weiteres Gelände wurde für ähnliche Zwecke urbar gemacht. ra. Dutenhofen, 20. Okt. Der Familie Georg Loh wurde die erfreuliche Nachricht, daß ihr Sohn, den sie bis jetzt tot geglaubt, in englische Gefangenschaft geraten sei. ra. Waldgirmes, 20. Okt. Res. Ludw. Schmidt Inf.⸗Regt. 167, 2. Komp.) wurde mit dem Eisernen Dreuz ausgezeichnet. Hessen⸗Nassau. Frankfurt a. M., 20. Okt. Der Konsumen⸗ 171 eine Sitzung ab, die sich mit der Lartoffelbeschaf⸗ ung für den Bezirk befaßte. Die Aussprache ergab, daß trotz der bundesrätlichen Bestimmungen die Kartoffeln nur in ganz ungenügenden Mengen erhältlich sind. Der Reichs⸗ kanzler und der Bundesrat wurden telegraphisch davon in Kenntnis gesetzt und ersucht, sofort die Beschlagnahmung der Kartoffeln und die Festsetzung von Höchstpreisen für Kartoffeln zu verfügen. An den hohen Butter, Fett⸗ und Oelpreisen wurde scharfe Kritik geübt. Von den neuerdings geschaffenen Preisprüfungsstellen for⸗ e derte die Versammlung eine grünolichere Handhabung oer Verordnungen zur Bekämpfung des Wuchers und der Spe⸗ kulation. Als wirksame Mittel zur Herabsetzung der hohen Lebensmittelpreise schlägt der Ausschuß vor: Gesetzliche Be⸗ standsaufnahme aller Lebensmittel, Festsetzung von Höchst⸗ preisen und Einführung von Rationskarten für die ge⸗ bräuchlichsten Lebensmittel. ul. Limburg, 20. Okt. Der Landrat hat für den Kreis und der Magistrat für die Stadt Limburg Höch st⸗ preise für Butter festgesetzt. Danach darf ab heute der Preis für Süßrahm⸗Butter 2,40 Mk., für Landbutter 1,80 Mk. nicht übersteigen. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu 1 Jahr oder Geldstrafe bis zu 10000 Mk. bestraft. Gleichzeitig ist die Ausfuhr von Butter aus dem Kreis bis auf weiteres verboten worden.— Eine Verfügung des Kreisausschusses bestimmt, daß von heute an Kartoffeln aus dem Kreise nicht mehr aus⸗ geführt werden dürfen. Zweck dieser Verfügung ist, der Bevöllerung den Bedarf an Kartoffeln zu decken. Wer gegen die Verfügung handelt, wird mit Geldstrafe bis zu 1500 Mark oder Gefängnis bis zu 6 Monaten bestraft. Aniversitäts⸗ Nachrichten. Frankfurt a. M., 20. Okt. An der Universität wurde der Prosektor am anatomischen Inftitut. Dr. Hans Bluntschli, zum Pro essor ernannt; den gleichen Titel erhielten die Dozenten ür Zahnheilkunde Oberstabsarzt Dr. Otto Loos und Zahnarzt Frig Schaeffer⸗Stuckert. Bei der philosophischen Fakultät wurde Pfarrer D. Erich Foerster zum Honorarprofessor für Kirchengeschichte ernannt. 5 Wetteraussichten in Hessen am Fretag, den 22. Oktober 1915: Trüb, nebelig, sonst meist trocken, kühl. Letzte Nachrichten. Die bulgarische Artillerie. »Budapest, 21. Okt. Der Sofioter Berichterstatter des Blattes„A Vilag“ meldet: Die bulgarische Artillerie leistet in der Beschießung feindlicher Stellungen Hervorragendes. Die Geschosse der bulgarischen schweren Artillerie fallen bereits in die Straßen von Pirot, dessen Vorwerke Krupec und Prisjan nach zweitägigem Widerstand fielen. Bei Krupec erlitten die Serben schwere Verluste. Die Bulgaren erbeuteten bedeutende Mengen Kriegsmaterial. Die Serben widerstehen erbittert und bringen große Blutopfer. Am blutigsten war der Kampf um Valandowo. Die bulgarische Artillerie ist hier besonders tätig. Einige Vorposten gelangten bis Vardar und beschädigtem die Brücke zwischen Mirowioe und Bodanci. a 1 Die Stimmung in Konstantinopel. i. Köln, 21. Olt. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Konstan⸗ tinopel: Die bulgarischen Erfolge über die Serben werden hier mit Jubel begrüßt. Massenhaft melden sich Arnauten frei⸗ willig zum Eintritt ins türkische Heer, in Konstantinopel al⸗ lein 5000. Man ist der Ansicht, daß in spätestens drei Wochen die Vereinigung der Deutschen mit den Bulgaren erfolgt sein wird. Den Vorrat von Rohmaterial in der Türkei für Kriegszwecke be⸗ rechnet man auf fünf Jahre. Eine gute Organisation sorgt fütr die Sicherstellung seiner Nutzbarmachung. 5 Die Leitung von Frankreichs auswärtigen Angelegenheiten. i. Köln, 21. Okt. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der fran⸗ zösischen Grenze: Mehrere Pariser Blätter bestätigen die Aeuße⸗ rung Vivianis, daß er das Ministerium des Aeuße⸗ ren nicht behalten werde, sondern im Begriffe set, es einem anderen zu übertragen. Pichon schreibt im„Petit Jour⸗ nal“, daß unter den Namen, die an erster Stelle als Nachfolger genannt werden, sich derjenige Briands befindet. . Archangelsk friert ein. i. Köln, 21. Okt. Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Christiania: Der norwegische Generalkonsul in Archangelsk telegraphierte dem Auswärtigen Amt, daß seit dem 15. Oktober Eisgang auf dem Mesenfluß die Schiffahrt verhindere. Ein politisches Attentat in Tokio. Amster dam, 21. Okt. Aus Tokio meldet Reuter: Tschi⸗ angschili, ein treuer Freund Juanschikars und des chinesischen Monarchistischen Verbandes, wurde durch einen von einem chinesischen Arbeiter abgegebenen Revolverschuß töd⸗ lich verwundet. Er hatte gerade den Besuch eines Sekretärs der Pekinger japanischen Gesandtschaft bei sich, der dem Uebel⸗ täter, als er Einlaß begehrte, ahnungslos die Tür öffnete. So⸗ fort wandte sich der Fremde gegen Tschiangschili und schoß ihn nieder, worauf er sich zur Flucht wandte und entkam. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Maul⸗ und Klauenseuche im Kreise Wetzlar. In Krofdorf ist die Maul⸗ und Klauenseuche ausge⸗ brochen. Gießen, den 19. Oktober 1915. 8 . Großherzogliches Kreisamt Gießen. g. Om nerde Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Arbeiten am Straßenbahngeleise wird die Frankfurter Straße von der Alicestraße bis zur Liebig⸗ straße für jeglichen Fuhrwerksverkehr von Montag, den 25. Ok⸗ tober l. Is. bis auf weiteres gesperrt. Gießen, den 19. Oktober 1915. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hemmerde. Giesener Frelicht⸗ Bühne. Samstag den 23. Oktober findet in der neuen Aula der Universität ein Künstler⸗Abend statt.— Von dem Reinertras soll im Felde steben⸗ Hohenzollern-Abend Militär-Konzert zum Besten der Kriegsfürsorge. Kaffeehaus Astoria. Heute, Donnerstag, abends 7 Uhr: Eil den„Vergessenen“, in erster Linie Angebörigen des biesigen Regiments, eine Weibuachtsfreude bereitet werden. 1.„Den ede Prolog von Alfred Bock, ge⸗ sprochen van Frl. Gretel Leist. 2. Gesang: Irgu Anny Flohn⸗Burckbard⸗Frank⸗ furt a. M.— Am Flügel: Frau Nebelung⸗Kunappv⸗ Gießen. 3. Mufikalische Darbietungen: Schülerorchester des Landgraf⸗Ludwigs⸗Gymnastums, verstärkt durch dens Mitglieder der Kapelle des Ersatz⸗Batail⸗ ons Infanterie-Regiments 116. stheumatismus-,Ischias- und Gichtleidende Petrin- Tabletten anerkannt bestes Mittel, da vollständig unschud- lieh, ohne jegliche Nebenerscheinungen und wirkend.— Zu haben in allen Apotheken. NB. Rat und Hilfe wird noch erteilt Moltkestr. 168 nehmen die glänzend bewährten Name gesetzlich geschützt 275 sicher 4. Rezitationen: Poesie und Prosa aus neuerer Zeit. Frl. Martha Schild, Ferdinand Steinbofer, Mit⸗ glieder des hiesigen Stadttheaters. eise der Plätze: An der Saalkasse: M. 2.—, M. 1.50, S M. 0.80. Studenten und Schüler zahlen auf allen Plätzen die Hälfte.— Für Militär vom Feldwebel abwärts sind Plätze zu 30 Pfg. vor⸗ gesehen.— Vorverkauf bei Ernst Ebhalliex, Musi⸗ kaltienhandlung, Neuenweg 9(Telephon Nr. 671). Anfang 8 Uhr pünktlich.(Saalöffnung 7½ Uhr). Ende gegen 10 Uhr. nee Für die Freilicht⸗Bübne: Pr. Bernbeck. An Carl Worms auch für stationäre Motore sehr geeignet, vorzügliche Qualität, nicht rußend und nicht schmierend, im Gebrauch sehr vorteilhaft, fobenzin(Ersat offeriert preiswert Hisgen, Chemische Fabriken am Rhein 82910] gegründet 18681 Den Heldentod fürs Vaterland starb am S. Oktober unser treuer innigstgeliebter Sohn, Bruder, Neffe und Pathe Erzatz-Reservist im aktiven Inlanterie- Regiment Nr. 116, 11. Kompagule im Alter von 27 Jahren. Londorf, den 18. Oktober 1915. Trennung ist unser Los. Fern von der Heimat, fern von deinen Lieben, Ruhst du nun aus in fremdem Land Bei den Helden, die auch fielen, Für das teuere Vaterland. Ach, viel zu früh verließest du hier die Deinen, Die in der fernen Heimat um dich weinen. Können wir dein Grab nicht schmücken, Trauernd an der Gruft nicht stehn, Auf zum Himmel wollen wir getrost nur blicken, Denn dort gibts ein Wiedersehn. Wilhelm Fabel 0 89D In tiefem Schmerz: Die trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Fabel IV. Familie Göbel Frau Margaretha Fabel, geb. Göbel Famllie Aumann nebst Geschwister Familie Fabel Bruder Ludwig, z. Zt. im Felde und Großmutter. Bruler Karl, z. Zt. in der Garnison Wiedersehen war seine Freude. 3 tember den Heldentod fürs Vaterland gestorben Todes-Anzeige. Am 6. Oktober fiel in Feindesland mein innigst- geliebter Mann, unser lieber Vater, Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Carl Dietzel Gardist im Garde-Regiment Königin Augusta Nr. 4. Im Namen der trauernd Hinterbliebenen: Marie Dietzel, geb. Belz, und Kinder. Giessen(Licher Strasse 9), den 20. Oktober 1915. 8275 Nach 5 Monate langer Ungewissheit traf die traurige Nachricht ein, dass der liebevolle Vater seines Kindes, unser innigstgeliebter Sohn, Bruder, Schwager und Bräutigam Ludwig Lemmer Pionier i. 21. Pionier-Regt., 3. Feldkompagnie im Alter von 24 Jahren am 1. Mai 1915 den Heldentod fürs Vaterland gestorben ist. In tiefster Trauer: Familie Lemmer Familie Schlapp. Mainzlar, den 19. Oktober 1915. 8248 ern von der Heimat, fern von deinen Lieben, Ruhst du nun aus in fremdem Land. Bei den Helden, die auch noch fielen Für das teure Vaterland. Können wir dein Grab nicht schmücken, Trauernd an der Gruft nicht stehn, Auf zum Himmel wollen wir blicken, Denn dort gibts ein Wiedersehn. Am 2 September starb den Heldentod fürs Vaterland mein braver, unvergesslicher Mann, der treusorgende Vater seiner Kinder, unser lieber Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Wilhelm Meisensee Wehrmann im Infanterie- Regiment 116, 10. Kompagnie im 36. Lebensjahre. In tiefem Schmerz: Frau Kath. Weisensee und Kinder. Albach, den 18 Oktober 1915. Du hast gestrebt in deinem Leben, Hast auch erreicht ein schönes Ziel, Warst unser Stolz, warst unser Leben, Wer dich gekannt, vergißt dich nie! Prum ruhe sanft, du Edler, Treuer! Wir müssen gönnen dir die Ruh. Schlaf wohl, dich deckt nicht Feindes Erde, Die Lieb' der Deinen deckt dich zu! Todes- Anzeige. Plötzlich und unerwartet erhielten wir die traurige Nachricht, unser innigstgeliebter, herzensguter, un vergeblicher, treuer, braver Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Neffe Musketier Karl Walter im Infanterle-Regiment Nr. 49, 12. Kompagnie im blühenden Alter von 22 Jahren in einem Gefecht am 28. Sep- ist. In tiefem Schmerze: Familie Dietrich Walter nobs! allen trauernden Augehörigen. Daubringen, den 19. Oktober 1915. 8262 Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung! 2 5 Nachruf. Den Heldentod fürs Vaterland starb unser treuer Kamerad Adolf Hillgärtner Wehrmann im Landw.-Infant.-Regiment Nr. 118, 8. Komp. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken be- wahren. Radfahrverein Edelweiss. Allertshausen, im Oktober 1915. 8255 Karl Mit krohem Aut nahmst Abschied von den Deinen, Pie in der Heimat unaufförlich um dich weinen, 25 Du warst der Mutter Stolz, des Vaters grösstes Glück, Nun kehrst Du nimmęermehr ins Elternhaus zurück. u Warst der Eltern S ütze un ihre rechte Hand. Du starbst Ja schon zu früh den Heldentod fürs Vaterland. Kaum 14 Tage warst du ausgezogen, Da kam die Schmerzenskunde schon zu uns geflogen. och Gottes Ratschluss hiess dich gehen, Wir hoffen auf ein Wiedersehen! Auf Feindes Erde starb am 11. Oktober nach kurzer, treuer Pflicht- erfüllung im Alter von 20 Jahren den Heldentod fürs Vaterland unser treuer, unvergesslicher, herzensguter Sohn und Bruder Musketier im Reserve-Infanterie-Begiment 81, 8. Kompagnie. In tiefem Schmerz im Namen aller Angehörigen: Familie Balthasar Pfeffer. Grossen-Buseck, 20. Oktober 1915. Pfeffer 8261 Schwägerin und Tante sanft entschlafen ist. Karl Schmidt WW. und Kind Verwandten, Freunden und Bekannten machen wir die traurige Mitteilung, dass meine innigstgeliebte, herzensgute Tochter, unserè liebe gute Schwester, Elisabethe Schmidt nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenen Leiden im Alter von 18 Jahren In tiefem Schmerz: Ludwig Schmidt WWòW. und Familie Ludwig Schmidt, 2. Zt. i. Feld u. Familie Minn Rodenhausen Wieseck. Bieber, den 20. Oktober 1915. Die Beerdigung findet Freitag, den 22. Oktober, nachmittags 2 Uhr, in Wieseck, vom Sterbehause, Kornblumenstrasse 30, aus statt. Georg Waldschmidt u. Familie Heinrich Rohm. Den Heldentod für das Vaterland starben weitere hochgeschätzte Mitglieder unseres Vereins: Herr Erich Jaeger Herr Louis Schmidt Herr Hans Franz Herr Otto Bätz. Wir verlieren in denselben eifrige Förderer des Rudersports und werden denselben allezeit ein ehrendes Andenken bewahren. 05721 Ruderklub„Haff“ Gießen 100h. Am 8. Oktober starb den Heldentod für das Vaterland unser Mitglied Wilhelm Fabel Ersatzreservist im Infant.⸗Regt. Ur. 110 im Alter von 27 Jahren. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. . Der Turnverein Londorf. „ Am 5. Oktober starb den Heldentod fürs Vaterland an seinen am 4. Oktober erhaltenen schweren Wunden unser lieber, unvergeßlicher Sohn, Bruder und Enkel Wilhelm Block Musletier im Res.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 88, 4 10. Kompagnie im Alter von 25 Jahren. Die trauernden Eltern, Geschwister und Großvater: Ludwig Block und Frau Richard Block, z. Zt. im Felde Ida Block Familie Lindemeier. Obbornhofen und Utphe, den 18. Okt. 1915. 4 8276 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die reichen Blumenspenden bei dem plötzlichen Hinscheiden unseres lieben Söhnchens Karlchen sagen wir allen herzlichsten Dank. Jakob Rosenkranz und Familie. Gießen(Kreuzplatz 10), den 20. Oktober 1915. —1 Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil⸗ nahme, für die außerordentlichen Kranz- und Blumenspenden, sowie für die trostreiche Grabrede des Herrn Pfarrassistenten Bröckel⸗ mann bei dem Heimgange unserer teuren! Entschafenen Frau Hebamme 2 Elisabethe Jung Ww. sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Klein-Linden, 19. Oktober 1915. 05738 7688 Nene Packungen für Gelee, Butter ete. Feld postpaplere in großer Auswahl 2 Zilligste Bezugsduelle für Wiederverkäufer 2 Ernst Balser. Giessen, Mäusburg. sacaaaaamaaaanaaaaagaagaa pana: sind unsern Kriegern im Felde eine hochwillkommene In Wind und Wetter schützen Wy⸗ bert⸗Tabletten vor Erkältungen und lindern Husten und Katarrh. Als durstlöschendes Mittel leisten sie un⸗ schätzbare Oiensie. Senden Sie da⸗ her Ihren Angehörigen an die Front Wybert⸗Tabletten; sie werden mit Jubel begrüßt. Feldpostbriefe mit 2 oder 1 Schachtel Wybert⸗ Tabletten kosien in allen Aposhelen und Brogersen — Mk. 2.— oder Mk. 1.—. Sfllalldddldaangaauanan can . — — ö