Nr. 247 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Famlillenblätter; wennal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und a a zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feltfragen Fernsprech⸗ Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleö! Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. 165. Jahrgang General⸗Anzeiger für Gberhe sen Rotafionsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr.? Mittwoch, 20. Oktober 101d Bezugövrei): monatl. 85 Pf., viertel⸗ A lährl. Mk. 2.50; durch Vuohole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel · jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pl., ausw. 20 Pi.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. —— Er olge bei Riga. Obrenovac von den Oe terreichern, Vranje von den Bulgaren genommen. WTB.) Großes Hauptquartier, 19. Oktober. (Amtlich.) f Westlicher Kriegsschaublatz. Keine wesentlichen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Südlich von Riga stürmten unsere Truppen mehrere russische Stellungen und erreichten die Düna öftlich Borkowitz, ein Offizier, 240 Mann wurden gefangen, zwei Maschinengewehre erbeutet. 1 10 russischer Angriff nordwestlich Jacobstadt wurde gewiesen. In Gegend von Smolwy wurde durch eines unserer Kampfflugzeuge ein französischer Doppeldecker, der von einem russischen Stabskapitän geführt wurde und mit einem eng⸗ lischen Maschinengewehr ausgerüstet war, abgeschossen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die gestern gemeldeten Kämpfe am Styr nehmen einen für uns günstigen Verlauf. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Bei der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen wurde von der Armee des Generals v. Koeveß durch österreichisch⸗ungarische Truppen die Stadt Obre⸗ novac genommen. Südlich von Belgrad erreichten deutsche und österreichisch⸗ungarische Verbände nach Kampf die Höhen öͤstlich von Vranic, südlich von Ripanj und südlich von Grocka an der Donau. Die Armee des Generals von Gallwitz erkämpfte mit dem rechten Flügel die Gegend westlich von Seone, sowie die Orte Vodanj und Mala Krsna. Das Höhen⸗ gelände bei Lucica sowie südlich und östlich von Boze⸗ vac bis Misljeno vac wurde dem Feinde entrissen. Die Armee des Generals Bojadjeff drang gegen . Knjazevac, über Inowo und gegen den essel von Pirot weiter vor. Andere bulgarische Truppen haben Vranje im oberen Morawatal genommen und weiter südlich die Linie Egri⸗Palanka—Stiy bereits überschritten. 5 Oberste Heeresleitung. a 5. Nach nahezu 15 Monaten Kampf zeigt es sich, daß der Krieg nicht auf viele Jahre berechnet ist, wie am Anfang einige englische Autoritäten drohten— wenn sie nicht vor⸗ zogen, anzukündigen, daß sie und ihre Verbündeten in weni⸗ 255 Wochen in Berlin und Wien ihren Einzug halten wür⸗ Es waren große Worte, um das deutsche Volk, von dem man annahm, es könne wegen seiner abgeschnittenen Lage eine lange Kriegsdauer nicht ertragen, einzuschüchtern. In dem blutgetränkten Garten, wo Mars der Gärtner war, sind bereits mancherlei Früchte herangereift, die jene feindlichen Großsprecher Lügen strafen: Nikolai Nikolajewitsch ist ge⸗ fallen, Delcassé hat sich zurückziehen müssen, und heute spricht man auch von„drohendem“ Kabinettswechsel in London und Rom. Es sind Zeichen der Zeit, die hohen Eindruck in der Welt machen müssen. Denn wenn auch unsere Verbündeten an der Donau ihr Auswärtiges Amt mit einem neuen Mann dort waren dafür doch Negotin vorrückende österreichisch⸗ungarische oder deutsche Streit⸗ kriste finden hann Weg zur Vereinigung mit den Bulgaren frei. Die Serben berharren auch gegenüber den Bulgaren in strategischer Defensive und verteidigen jeden Paß und jeden Fluß⸗ abschnitt von Zajecar bis Pirot und weiter südlich in der Richtung auf Prauje verzweifelt, um die Verbindung mit Saloniki und die schwache Möglichkeit einer großen Kooperation mit eng⸗ lisch⸗französischen Streitkräften offen zu halten. Ob die Bahnlinie Saloniki⸗Uesküb⸗Nisch noch ganz unbeschädigt ist, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen. Sie bildet jetzt, da die Donauufer im Besitz der Angreifer sind, die einzige Zu⸗ fahrtslinie der Serben.. 5 Der Berner„Bund“ meint, die Entente müsse min⸗ destens ein Heer von etwa 300 000 Mann vollständig opera⸗ tionsfähig in Bewegung setzen, wenn sie nicht mehr auf die griechische Armee rechnen kann. Zur Aufstellung und Vorbringung einer solchen Armee bedürfe sie einer breiten Operationsbasis, die ganz Griechisch⸗Mazedonien umfaßt und einer Frist von Monaten. Die letzten Tagesberichte melden neue Erfolge, die bei der obigen Betrachtung noch nicht herangezogen werden konnten. Obrenowac ist in den Händen der Verbündeten, und weiter östlich stehen die Truppen der Armee des Generals v. Köveß nach dauernden Kämpfen auf den Höhen östlich von Wranitschi und süd⸗ lich von Ripani, einer Station der Bahn, 16 Km. von Belgrad, won das Gebirge durch einen 1600 Meter langen und 1 kleinere Tunnels durchbrochen wird. Hier läuft die Wasserscheide zwischen der nach Osten zur Donau fließen⸗ den Ralja und der Sawe, Der linke Flügel der Armee ist über Grodska hinaus an der Donau, wo am 23. Juli 1739 der österreichische Feldmarschall Graf Wallis von den Türken völlig geschlagen wurde. Die Armee des Generals v. Gall⸗ witz hat ihren rechten Flügel nach Westen geschoben über Seona hinaus und damit die Fühlung mit der Armee Köveß aufgenommen. Die Mitte dringt an der Morawa aufwärts vor, und der linke Flügel hat die Linie Bosche⸗ watz— Mischlenowtze überschritten. Der Vormarsch der ersten bulgarischen Armee vollzieht sich in breiter Front. Eine Flügeldeckung ist über den un⸗ teren Timok gegangen und hat zwischen Negotin und Saitschar den Ort Tamnic genommen. Beiderseits des Passes über die Grenzgebirge bei Sweti Nikola waren nach Meldung des bulgarischen Generalstabs von Norden nach Süden die Orte Gorni, Karito, Aldinci, Repuznica, Rawno Bucwe und Tschrui Wrh am Sonntag exreicht wor⸗ den, so daß der Angriff auf das westlich liegende Knjaschewatz weitergeführt werden konnte. Ebenso gehen die Bulgaren über Injewo, etwas weiter südlich und gegen Pixot vor. General Bojadjeff besehligte im Balkankrieg die vierte Preslawdivision mit Auszeichnung. Er ist, so teilt die„Köln. Ztg.“ mit, noch nicht 50 Jahre alt, in Italien ausgebildet, wie viele bulgarische Generalstabsoffiziere, ein ernster, ge⸗ diegener Mann, der sich bei Vorgesetzten und Untergebenen gleicher Beliebtheit erfreut. Wie auch unser amtlicher Bericht meldet, haben die Bulgaren Wranja im oberen Morawatal genommen. Damit ist die Bahn von Nisch nach Uesküb unterbrochen, Alt⸗ und Neuserbien voneinander getrennt. Wranja ist eine aufblühende Stadt, die etwa 12 000 Ein⸗ wohner zählt und erst 1878 von den Serben erobert und ein⸗ verleibt wurde. Auch die Offensive von Küstendil über Eg ri Palanka nach Westen gegen Kumanowo und Uesküb macht Fortschritte. Sie ist südlich dieser Straße schon in das Becken von Istip gelangt und hat im Vorgehen über die obere Bregalnitza nach bulgarischen Angaben die Orte Zarewo Selo, Petschewo und Berowo hinter sich. Von den bulgarischen Truppen, die nach Meldungen in Blättern des Vierverbandes aus Nisch gegen die Bahn von Salspniki nach Uesküb in der Richtung auf die Station Strumitz a vorgestoßen sind und bei Walandowo im Kampf, auch mit den Spißen des Landungskorps stehen, sagt unser amt⸗ licher Bericht nichts. 5 ö 5 4 4 2* 1 l Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht. Wien, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Oktober. Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen setzten gestern ihre Angriffe im Sumpf und Waldgebiete des unteren Styr fort. Bei dem nordwestlich von Derazno liegenden Dorf Boguslawka stürmte der Feind dreimal vergebens gegen die Stellung einer Honved⸗ Division an. Er wurde durch Feuer und im Nahkampf in die Flucht geschlagen und ließ drei Offiziere, über 500 Mann und zwei Maschinengewehre in unserer Hand. Auch eine über Kulikowice vordringende russische Dibision wurde wieder auf das Ostufer zurückgetrieben. In der Gegend von Czartorysk gewann der Gegner an einigen Punkten das Westufer des Styrflusses. Dort wird noch gelämpft. Nördlich von Nafaloweka griffen die Russen gleichfalls mit starken Kräften an. Sie wurden abgewiesen, wobei wir 100 Mann gefangen nahmen. Sonst ist die Lage im Nordosten un⸗ verändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe an der Jsonzofront nahmen an Aus⸗ dehnung zu. Gestern mittag setzte gegen unsere Stellungen am Ken, am Tolmeiner Brückenkopf, bei Tonale und Plava, gegen den Görzer Brückenkopf und das Plateau von Doberdo starkes feindliches Geschützfeuer ein, das mit großer 2 9 leit bis in die Abendstunden anhielt und in einzelnen Ab⸗ schnitten auch nachts andauerte. Unter dem Schutz dieses Feuers ging die italienische Infanterie an zahlreichen Stellen zum Angriff vor. Am Krn, am Mrzli Brh und vor den Stellungen des Tolmeiner Brückenlopfes brachen alle feind⸗ ichen Angriffsversuche in unserem Infanterie⸗- und Ma⸗ hinengewehr⸗ und flankierendem Geschützfeuer zusammen. Die gegnerische Infanterie flüchtete, wo sie angegangen war, unter den schwersten Verlusten in ihre Deckungen zurüg. Stellenweise zog sie es vor,„Avanti!“ zu schreien, ohne ihre Deckungen zu verlassen. 5 Ein gegen den Monte Sabotino(westlich von Sal⸗ canv) gerichteter Angriff und mehrere starke Vorstöße gegen die schon seit einigen Tagen heiß umstrittene Stellung bei Peteano wurden gleichfalls zurückgeschlagen. Auch hier erlitt die italienische Infanterie große Verluste. In Kürn⸗ ten und Tirol herrscht weiter rege feindliche Artillerit⸗ tätigkeit. Südöstlicher Kriegsschauplatz. „Die Angriffe der verbündeten Heere machten auch gestern überall Fortschritte. Die Mac va ist zum größten Teil in unserem Besitz. Die beiderseits der Kolubara⸗Mündung über⸗ schifften k. und k. Truppen nahmen um Mitternacht die Stadt Obrenovac und die Höhen südöstlich davon. Die von Belgrad vordringenden Streitkräfte gelangten in der Ver⸗ folgung des Feindes über Ripani hinaus. Eine öster⸗ reichisch⸗ungarische Kolonne erstürmte mit dem Bajonett den Zigeunerberg südlich von Grocka und nahm mit den beider⸗ seits der unteren Morawa erfolgreich vorrückenden deutschen Divisionen die Verbindung auf. In den dreitägigen Kämpfen um den Avala und um die Stellungen nordwestlich von Grocka sind von unseren Truppen 15 serbische Offiziere und 2000 Mann als Gefangene eingebracht worden. 9 Die Bulgaren entrissen dem Feinde die erste be⸗ festigte Linie östlich von Pirot und drangen bis in die Gegend von Vranji vor. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. *** vom serbischen Kriegsschauplatz. Berlin, 20. Okt. Ein deutsches Flugzeuggeschwader hat, einer Meldung des„Berliner Lokalanzeigers“ zufolge, Rraku⸗ jevac, wo sich ein serbisches Arsenal befindet, mit Bomben belegt. Verzweifelt kämpfen die Serben im Timokgebiet, um die Verbindung der bulgarischen Armee Bofadjeff mit der Armee Gallwitz zu verhindern. Es kommt hier stets zu Kämpfen Mann gegen Mann.— Meldungen aus Sofia besagen, daß dort der Zustrom freiwilliger Mazedonier stark sei. Etwa 50 000 Mann seien bereits eingekleidet; sie bilden eigene Divisionen mit eigener Artillerie und Kavallerie. Die siegreichen Bulgaren. Bu dapest, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Az Est“ meldet aus Sofia: Wie der bulgarische amtliche Bericht vom 16. Oktober meldet, sind die Bulgaren am 15. Oktober in die Stadt Vranja eingezogen; sie haben außerdem Egri Palanka und Kotschana besetzt. Berlin, 20. Okt. Die Einnahme von Vranja hat in Sofia, wie dem„Berliner Tageblatt“ vom 18. Oktober gemeldet wird, große Freude hervorgerufen. Mit der Besetzung dieses Ortes ist das eigentliche Königreich Serbien von Mazedonien abgeschnitten. — Nachrichten aus Budapest zufolge, heißt es weiter, habe die Unterbrechung der Verbindung Saloniki—Nisch, die die Folge des Verlustes von Vranja ist, im serbischen Hauptquartier große Ver⸗ wirrung hervorgerufen. Die Staatsarchive seien von Nisch nach Nitrowitza gebracht worden. Der Sitz der Regierung ist nach Prischtina verlegt worden, wohin der König und die diplomatischen Vertreter der Entente folgen werden. Der Ruf nach der Hilfe Rußlands werde immer dringender, die Verstimmung, vor allem gegen England, wachse.— Die Zahl der Gefangenen, die die bulgarischen Truppen bisher gemacht hätten, betrage ungefähr 3000, darunter zahlreiche Offiziere. Ein türkisches Schlachtschiff an der bulgarischen Küste. Berlin, 19. Okt.(Privattelegramm.) Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Lugano: Der Schlachtkreuzer„Sul⸗ tan Jawus Selim“ kreuzte eine halbe Stunde vor Konstanza und fuhr mit Volldampf nach Varna weiter. Aus Saloniti. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Preß⸗ bureau teilt mit, General Sir Charles Monro ist zum Oberbefehlshaber des Expeditionsheeres er⸗ nannt worden. General Sir Jan Hamilton kehrt nach England zurück, um Bericht zu erstatten. Bis zur Ankunft des Generals Monro wird Generalleutnant Birdwook mit der Führung der Truppen aut. Athen, 19. Okt.(WT. Nichta ch.) Meldung der Agence Havas. Die gemeldete Unterbrechung der Eisenbahnlinir Nisch— Saloniki wird in Abrede gestellt. Ein Eisenbahn⸗ zug mit den ersten, in den Kämpfen mit den Bulgaren verwun⸗ deten Franzosen ist in Saloniki eingetrofsen. a Monastir als Zufluchtsort? Paris, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Information“ meldet aus Athen: Es wird hier bestätigt, daß der Staats⸗ schatz der serbischen Nationalbank und die serbischen Staats⸗ archive nach Monastir gebracht worden sind Italiens Kriegserklärung an Bulgarien. Rom, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der „Agencia Stefani“: Da Bulgarien die Feindseligkeiten gegen Serbien eröffnet hat und mit den Feinden Ibaliens 0 dessen Verbundete betampft, ertlart die Italtenische Regie⸗ rung auf Weisung des Königs, daß zwischen Italien und Bulgarien der Kriegszustand herrscht. Telegrammwechsel zwischen Viviani und Grey. Haag, 19. Okt.(Zens. Frkft.) Reuter meldet aus London: Der französische Ministerpräsident Viviani tele⸗ graphierte an Grey: In dem Augenblick, in dem eine Aende⸗ rung in der Zusammenstellung des Ministeriums vorgenom⸗ men worden ist, dessen Vorsitzender zu sein ich die Ehre habe, beeile ich mich, während ich Ew. Exzellenz die Versicherung meiner persönlichen Gefühle übermittle, Ihnen zu sagen, daß die Regierung der Republik die Absicht hat, ohne irgend welche Aenderung die Politik fortzusetzen, die sie bis jetzt mit der Politik der Regierung Seiner britischen Majestät verbunden hat. Grey antwortete darauf mit folgendem Tele 44 „Indem ich Ihnen für den herzlichen Bericht danke, den Sie mir nach der Aenderung Ihres Kabinetts gesandt haben, be⸗ eile ich mich, Ihnen aufs neue die Versicherung unserer fortdauernden und steten Zusammenarbeit zu geben, die durch die Geschehnisse des abgelaufenen Jahres und den Heldenmut der englisch⸗französischen Truppen, die Seite an Seite für dieselbe große Sache kämpfen, nur verstärkt worden ist.“ Englische Scharfmacherei gegen Griechenland. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times bezeichnet in einem Leitartikel den griechisch⸗serbi⸗ schen Vertrag, den Zaimis verleugnet habe, als einen Aktipbestand in der Gesamtlage der Alliierten. Falls die griechische Regierung an der Verleugnung festhalte und damit den Aktivbestand der Alliierten zerstöre, seien diese berechtigt, dem mit allen verfügbaren Mitteln entgegen⸗ zutreten. Das Blatt befürwortet einen revolutio nären Appell an dasgriechische Volk. Venizelos sei gegen die nur nominell konstitutionelle Regierung. Das Blatt schließt: Die englische und französische Regierung würden sich den Zorn ihrer Völker zuziehen, wenn sie von diesem Mittel in dem kritischen würden. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ erfährt über Mailand aus Athen, daß Gunaris und Theotokis an Einfluß gewännen. Zaim is drohe mit seiner Demission. Ein Unfall des Prinzen Alexander von Griechenland. Mailand, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Cor⸗ riere della Sera“ meldet aus Athen: Prinz Alexan⸗ der von Griechenland stürzte bei Uebungen mit seiner Batterie vom Pferde; er wurde in einem Sanitäts⸗ wagen nach Athen gebracht. 5 Die englische Stimmung. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Morning Post“ sagt in einem Leitartikel: Der Sieg, der allgemein als ein Vorrecht der britischen Waffen gegolten hat, wird nicht mehr als selbstyerständlich angesehen. Das Blatt fordert, daß alle Minister, die sich unfähig erwiesen haben, beseitigt würden, vor allem, daß leitet werde. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Daily Tele⸗ graph“ schreibt: Lord Milners direkte Erklärung, daß das Expeditionskorps von den Dardanellen zurückgezogen werden olle, hat eine Frage eröffnet, über die es schwer ist, ruhig zu ken. Der Beschluß, daß eine so große kühne Unternehmung, auf welche so glänzender Mut und so viele unersetzliche Menschen⸗ leben verwendet wurden, aufgegeben werden solle, wäre ein Beweis grober Unfähigkeit, für welche keine Strafe hart genug sei. Die englischen Verluste. 5 Berlin, 20. Okt. Laut„Berliner Tageblatt“ gelangen die„Times“ nach Aufzählung der Verlustlisten bis 25. September zu einer Gesamtzahl von 1541 Offi⸗ zieren und 13 486 Mann. Von Offizieren seien 474 ge⸗ fallen, 847 verwundet, 220 vermißt; von Mannschaften 12093 gefallen, 1101 Mann verwundet, 280 vermißt. 5 Berlin, 19. Okt. r Die„B. Z. am Mit⸗ tag“ meldet aus Bern: Schweizer Blätter melden aus London: Die beiden letzten Verlustlisten zählen die Namen von drei Generalen auf; ein anderer wird vermißt. Aus den näheren Angaben ist ersichtlich, daß eine türkische Granate in das britische Hauptquartier auf Gallipoli gefallen ist. Die Stellung des Ministeriums Salandra Zitrich, erschüttert. 9 8 Okt.(WB Nichtamtlich.) Nach einer * er„Neuen Zürcher Nachrichten“ aus Mai⸗ land wird die Stellung Salandras als ernstlich er⸗ schüttert angesehen, so daß sein baldiger Rücktritt zu er⸗ warten sei. Es ist anzunehmen, daß das gegenwärtige Kabinett nach seinem Ausscheiden auf die Dauer nicht be⸗ stehen bleibt, sondern durch ein Ministerium abgelöst wird, dessen Vierverbandsgefolgschaft keinesfalls einen so aus⸗ geprägten Charakter tragen wird, wie das Salandras. In politischen Kreisen gewinnt die Gegnerschaft gegen die Teil⸗ nahme Italiens an dem Balkanabenteuer, wofür Salandra und Sonnino eintreten, immer schärfere Formen. Hinter ihr steht die ganze öffentliche Meinung Italiens, soweit sie sich nicht unter der Diktatur Salandras befindet. ** 77 Die„Times“ über die Offensive im Westen. Berlin, 20. Okt. Wie mehrere Morgenblätter melden, erklären die„Times“, daß die große Offensive an der Westfront nunmehr offenbar zum Stillstand gekommen sei und wahrscheinlich auch in diesem Jahre nicht mehr aufgenommen werden solle. Die Erfolge seien noch nicht zu übersehen, jedenfalls aber könne man ihn an den deutschen Verlustlisten messen. Auch haben die Anstrengungen Frankreichs und Englands zweifelsohne 3 Druck gegen Rußland in einem kritischen Augenblick erleichtert. Es hat sich herausgestellt, daß wir und unsere französischen Kame⸗ raden mit einer genügenden Anzahl von Leuten und Munition die undurchdringlichsten deutschen Linien nehmen können und daß der englische und der französische Soldat dem stärksten Gegner mehr als gewachsen ist. Dagegen ist es klar, daß es den Verbündeten nicht gelungen ist, die deutschen Linien aufzurollen. Ein Telegramm des Kaisers an den König von Sachsen. Dresden, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Haiser hat folgendes Telegramm an den König gesandt:„Bei meinem heutigen Besuch an der Front sah ich das General⸗ kommando und Teile Deines Reservekorps. Es gereicht mir ur Freude, Dir mitzuteilen, daß alles, was ich von diesem Korps, welches 15 vielen Tagen in den schwersten Kämpfen steht, gehört und gesehen habe, mir den allerbesten Eindruck machte.“— Der König richtete am 16. Oktober an den Kommandierenden General des Reservekorps im Hinblick auf die aus dem Felde gemeldeten Erfolge von Teilen des l Moment nicht Gebrauch machen der Seekrieg durch eine seemännische Autorität ge⸗ „Nach langwierigen, gegen eme Acαluναν,ν c ονννννE&ynt ger führten Kämpfen, haben einige Truppenteile Ihres Korps den Beweis erbracht, daß sie den alten Offenfivgeist sich bewahrt haben. Jich beglückwünsche die Truppen zu, dem schönen Erfolge der Säuberung eines ee bei Auberive und spreche Ihnen meinen wärmsten Dank aus. Gott helfe weiter! S. M. der Kaiser hat heute ein sehr anerkennendes Telegramm über das Korps an mich gesandt.“ Staatssekretär Dr. Solf im Haag. Hagg, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der deutsche Staats⸗ sekretär Dr. Solf ist hier angekommen. e Haag, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Niederländische Korrespondenzbureau erfährt, daß der Besuch des deutschen Kolo⸗ nialstaatsselretärs Dr. Solf, der sich auf der Durchreise nach Brüssel im Haag aufhält, rein privater N atur sei. Dr. Solf beabsichtige, dem Minister des Aeußern einen Besuch abzustatten. Die Flüchtlingsnot in Livland. Moskau, 20. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Rußkoje Slowo“ schreibt: Die ganze Gegend um Riga, von der Düna bis tief nach Livland hinein, ist jetzt ein großes Flüchtlingslager, geworden. Den wenigsten ist es geglückt, leidlich unterzukommen, der größte Teil hält sich in Wäldern, Erdhöhlen oder in Wald⸗ hütten aus Zweigen auf; sie leiden Mangel an allem. Die Ver⸗ waltungsstelle für Nahrungsmittel müsse demnächst aus Mangel an Lebensmitteln ihre Tätigkeit einstellen. Fleisch ist überhaupt nicht mehr vorhanden. Die Vorräte an Korn gehen zu Ende, Weder in Livland, noch in den angrenzenden Gouvernements ist etwas zu kaufen. Die Zufuhr ist durch die Kriegsverhältnisse gänzlich aufgehoben. In den Dörfern Livlands hat der Ge⸗ brauch von Lichtern, Zucker, Seife, Tabak, Streichhölzern und an⸗ deren Dingen ganz aufgehört. Unter den Flüchtlingen sind viele Verdauungskrankheiten ausgebrochen; die Sterblichkeit wächst zu⸗ sehends. Polizisten hinter der Front! Auffällig trat in Joffres Armeebefehl das Bestreben hervor, in jeder erdenklichen Weise den Geist der Truppen im Hinblick auf die Aufgaben der großen Offenstve zu heben. Die politischen Folgen des nahen Sieges wurden auseinander gesetzt; die gewaltigen An⸗ strengungen im Munitionswesen wurden aufgezählt; auf den günstig gewählten Augenblick wurde hingewiesen. Erscheinen schon derartige moralische Reizmittel deutscher Auffassung von soldati⸗ schem Pflichtbewußtsein gegenüber verwerflich, weil unnötig, so hat es die englische Heeresleitung bei moralischen Vorbereitungen keineswegs bewenden lassen. In richtiger Einschätzung des Geistes der neuen Kitchenertruppen hat sie zu Polizeimaßregeln gegriffen. Den Beweis dafür liefert nachstehender Befehl: a 5 Nr. S. C. 459 Uebersetzung. 5 27. Infanterie Brigade, 19. Sept. 1915. Polizeiliche Maßnahmen. Die Brigade Hauptquartierwache wird gestellt vom 10. Ba⸗ taillon der Argyll and Sutherland Highlanders; sie wird bis 10 Uhr vormittags am 23. d. M. beim Brigade Haupt⸗ guartier bleiben und alsdann zu ihrem Verbande zurück⸗ treten. 5 Geheim. 5 2. Jedes Bataillon hat 4 Regimentspolizisten, einschließlich eines Unteroffiziers zu stellen, die sich am 23. d. M. um Uhr vorm im Brigade Hauptquartier zu melden haben. „Diese Polizeigruppe kritt unter den Befehl des Sergeanten Simpson, M. M. P. und wird dazu verwandt, eine Ab⸗ sperrungslinie im Rücken der Brigade zu bilden, um das 8 Ae zu verhindern. 855 erpflegung erhalten sie vom Brigade Hauptquartien Zur Kenntnis. 8 gez.(Unterschrift unleserlich). 5 Major, Stabs⸗Kapitän der 27. Inf. Brigade. *** Der türkische Bericht. ö Konstantinopel, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Hauptquartier meldet von der Dardanellenfront: In der Nacht zum 18. Oktober grifsen unsere Aufklärungsabteilungen feindliche Aufklärungsabteilungen an, warfen sie bis in die Schützengräben ihver Hauptlinie zurück und fügten ihnen schwere Verluste zu. Bei Ari Burnu und Sedd⸗üll⸗Bahr örtlich beschränkter Feuerkampf und Bombenwerfen. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. Konstantinopel, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Ueber den russischen Angriffsversuch an der Kaukasusfront vom 15. Oktober wird aus Erzerum gemeldet: Unter dem Schutze dich⸗ ten Nebels griffen die Russen das türkische Zentrum nördlich von dem Flusse Arax an; sie wurden aber durch heftiges Maschinen⸗ gewehrfeuer und durch Bomben sosort zurückgeschlagen, wobei sie ahlreiche Tote und Verwundete, eine Menge Waffen und anderes Material zurrückließen. Ebenso wurden die an einem anderen 1 Punkte der gegen unseren rechten Flügel mit überlegenen Kräften durchgeführten Ueberfallsversuche russischer Kavallerie zu⸗ rückgewiesen. Eine russische Patrouille fiel in einen Hinterhalt und verlor mehrere Tote, Verwundete und Gefangene. Da die festigen sie schleunigst ihre Stellungen. Russische Soldaten kommen ssische Offiziere kamen zu türki Offizieren und ersuchten um l Als ie don e der Bulgaren 115 dem Mißerfolg der englisch⸗französischen O sive erfuhren, waren sie sehr bestitrzt.— An dieser Front hat der Winter bereits begonnen. Wahlkampfkrawalle in der südafrikanischen union. London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus Bloemfontein vom 12 Oktober: Es laufen Berichte ein über böse Zwischenfälle beim Wahl⸗ bhampf, Ein ernster Krawall entstand in einer Versammlung der Nationalisten in Bethulie. Stöcke, Eisenstäbe und Tischmesser wurden als Waffen benutzt und eine Anzahl Personen wurde er⸗ heblich verwundet. 1 London, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Kapstadt: Die Aufregung des Wahlkampfes, der am Mittwoch endet, ist bis zur Fieberhitze gestiegen, besonders in den ländlichen Wahlbezirken, in denen der Kampf zwischen den Nationalisten und der Südafrikapartei sich zu einer beispiellosen Bitterkeit entwicket. Nur 8 von 130 Sitzen lind unbestritten. Die alte Südafrikapartei ist völlig gespalten. Die nationalistischen Redner und Zeitungen führen die Wahl⸗ kämpfe mit äußerster Bosheit, Giftigkeit und Lügenhaftigkeit gegen die Regierung und waxen leider nur zu erfolgreich, um einen Geist des wütendsten Streites zu entzünden, der kaum minder England⸗ wie Bothafeindlich ist. Das Kennzeichen des Wahl⸗ kampfes ist. daß namentlich in der Kapprovinz arme Buren zur Geltung kommen. Die Engländer rechnen auf die Negerstimmen. der Seektieg. aris, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet aus 9 arseille: Der Postdampfer„Eugene Pareira“ ist am 16. Oktober in Marseille mit den Ueberlebenden des Postdampfers„Admiral Hamelin“ eingetroffen, der kürzlich von einem deut schen Unterseeboot im Mittelmeer ver⸗ senkt worden ist. Fünfzig Menschen sind umgekommen und etwa genannten Korps bei Auberive nachstehendes Telegramm: 1 dreißig wurden verletzt. Russen jetzt einen Ueberfall der türkischen Truppen fürchten, be⸗ wese zu den türkischen Vorposten und bitten um Brot und Tabak. Zwei R ar, 19. Ott. O. Zeichtantllch.“ O dee Ser e kung des französischen Dampfers„Admiral Ha⸗ melin“ erfährt der„Petit Parisien“: Der Dampfer verließ Marseille am 1. Oktober, um nach Saloniki zu fahren, er hatte 312 Soldaten und 360 Pferde an Bord. Am 7. Ol⸗ tober begegnete ihm nördlich Kreta ein deutsches Untersee⸗ boot, welches den Dampfer e Die Kanonade, in deren Ver⸗ lauf das Unterseeboot 40 Kanonen 185 abgab, dauerte über eine Stunde. Durch den Lärm der Schüsse aufmerksam gemacht, eilten französische und englische Torpedoboote herbei. Das Unterseeboot hatte noch 155 sechs Schüsse abzugeben. Der„Admiral Hamelin“, an der Wasserlinie getroffen, begann vollzulaufen. Die Soldaten und die Besatzung wurden von den Torpedobooten gerettet. Die Soldaten wurden nach Saloniki, die Besatzung nach Malta ge⸗ bracht. Bei der Beschießung des Dampfers wurden 21 Soldaten getötet, 48 verletzt; sechs Soldaten werden vermißt.(Vermutlich e der Dampfer zu entfliehen, daher die längere Beschießung. Stettin, 19. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Stetli⸗ ner Neuesten Nachrichten“ melden: Der Da mpfer„Sco⸗ tia“ von der Reederei Emil R. Retzlaff⸗Stettin, mit Erz von Schweden nach Stettin bestimmt, wurde auf der Höhe von Hasle(Bornholm) von einem englischen Unter⸗ seeboot verfolgt. Der Dampfer wäre⸗ sicherlich dem feindlichen Unterseeboot zum Opfer efallen, wenn nicht Fee ein Zeppelin über der Ostsee erschienen wäre, em die„Scotia“ signalisterte, daß ihr ein feindliches Unterseeboot auf den Fersen sei! Als das Unterseeboot den Zeppelin sichtete, der sosort die Verfolgung aufnahm, tauchte es unter und verschwand.„ 5 Sur Kriegszeit in London. Von Karl** Die Londoner Klubs während des Krieges. f Meine letzte Zeit in London. In wenigen Tagen wird mir das Glück zuteil, Albion 0 zu können. Ich gehe gerade an mehrere für die ae eineswegs gefahrlose Re se nötigen Einkäufe im Londoner Westend und treffe die letzten Vorbereitun⸗ gen, als ich am Trafalgar Square auf einen mir seit vielen Jahren bekannten Schriftsteller stoße.„Hello!“ ruft er unwilltürlich aus und das Monokel fällt ihm aus dem Auge,„Sie noch hier?“ Ich fürchtete, Sie seien längst schon in einem concen ion camp verschwunden. J am so glad to 25 gou. Was, in wenigen Tagen verlassen Sie uns? Wahrhaftig? Da müssen Sie jetzt noch rasch nrit mir in meinen Klub und eine halbe Stunde plaudern. Sie sollen übrigens zuletzt noch sehen, wie würdevoll wir English folk den Krieg ertragen.“ 5 7 N Ich nehme die Einladung sofort und mit Vergnügen an. Der Schriftsteller ist zwar konservat v⸗britisch bis in die Fingerspitzen, aber er hat bis jetzt, wenn auch viel Törichtes und Unwissendes, so doch nichts Niederträchtiges wie die meisten seiner Kollegen in den englischen Blättern über die Germans und Germany ver⸗ öffentlicht. Auch interessiert mich der Klub, einer der aristokra⸗ tischsten Londons, dem mein Bekannter nicht etwa aus literarischem oder künstlerischem Bedürfnis, sondern einzig und allein aus angeborenem Snobismus angehört. 8 In wenigen Minuten stehen wix vor der Glastür des stolzen Baues. Ein Diener im tadellosen Frack öffnet sie uns In der prachtvollen„Hall“ leuchtet uns die weiße schimmernde„Statue der Freiheit“ entgegen, die ich schon von einem früheren Besuch her kenne. Es geht hier furchtbar vornehm zu, und ich erinnere mich, daß die Leute anstatt zu sprechen, stets mit einander flüsterten. Daher fällt mir sogleich das laute, fieberhafte Rufen und Rennen einzelner Klubmitglieder auf.„Eine Extraausgabe“, erklärt der Schriftsteller,„eine neue deutsche Niederlage in Flandern— aber noch nichts Entscheidendes. An Ihrer Stelle möchte ich jetzt gar nicht von London fort. Sie sind hier sicherer als irgendwo“ Ich erwiderte ihm, die Reise sei jetzt i lä er das Thema fallen und spricht über seinen Klub, wie wir die dem lieben Herrgott jeden Tag:. ften, wunderbar bequemen Stühlen hingestreckt, zum Teil in deutlich hörbarem Dämmerzu⸗ Krieg berührt sie wenig. das ganze Jahre Findung K 0 Kamin, und oft nach feinstem Holze duftend, übt natürlich seine trotz der Extra⸗ „old country“ jetzt Ruhe auf. Nein, nicht allein die Dardanellen sind es, die liegen doch etwas viel Näherliegendes, Bekannten vergessen läßt, . Aug' zu klemmen— eine vielsagende Tat⸗ sache. Selbst dieser Mann der Ruhe, des Gleichgewichts verfärbt sich, sein Gesicht mit der früher gefunden, lebensfrischen Farbe wird fahl und unwillkürlich ballt sich seine Hand zur Faust, die er erhebt und auf jemand Unsichtbaren niedersausen lassen möchte. Ich fühle, daß es taktlos wäre zu fragen. Taher warte ich. 1 Unverschämtheit,“ dringt es endlich gedämpft, zwischen seinen leise zuckenden Lippen hervar,„schon wieder die Ostküste bombardiert! Schon wieder offene Städte angegriffen und unschuldige Frauen und Kinder gemordet!. Wenn ich nicht zu alt wäre und nur noch Kraft genug hätte Es fällt mrir bei diesen Worten ein, daß der Mann 88 ist und sich blühendster Gesundheit erfreut.) Dann nimmt sein Gesicht wieder jenes starre Lächeln an, das ich an ihm gewöhnt bin, wenn er alle Kraft aufbieten muß, um sich zu beherrschen; er zieht die Uhr hervor und sagt freund⸗ lich:„Ich darf meine Frau nicht warten lassen,“ und wir schreiten beide zur Garderobe. 5 5 Germanh wird dafür zu zahlen haben,“ hören wir einen Gentleman mit schimmerndem Scheitel und blitzenden Zähnen zu einem wohlbeleibten Klubmitglied voll wildem Zorne gaben „sobald wir Belgien befreit und den Rhein überschritten ha en, werden wir kein deutsches Haus, keine deutsche Kirche schonen. Keinen Stein lassen wir auf dem andern. Kein Schiff darf von der deutschen Flotte zurückbleiben. Kein Fim er stammelt und bringt vor Aufregung kein Wort hervor. 1 „So besiegeln Ihre Aristokraten im ub statt im Felde die Geschichte Deutschlands,“ flüsterte ich meinem Schriftsteller⸗ Begleiter zu,„das ist allerdings leichter und einfacher.“ a Kellner!“ ruft der beleibte Herr lebhaft dem vorüber⸗ „ N eilenden Bedienten zu, rasch zwei Glas Whisky für uns zur Stärkung!“ Aus Stadt und Cand. f Gießen, 20. Oktober 1915. Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilse. Nach längerer Pause fand vorigen Donnerstag im hiesigen Regierungsgebäude eine Sitzung des Kreiskomitees für [Rotes Kreuz und Kriegsfürsorge statt. 5 1 7 licher Weise verbreitete sich der Vorsitzende, Herr Geheimer Rat Dr. Usinger, über das, was der Kreis— abgesehen von der Stadt Gießen— in den 14 Monaten geleistet hat auf den ver⸗ schiedenen Gebieten. 3 f An Geld für allgemeine Zwecke wurden nahezu 50 000 Mk. aufgebracht, die an die Zentrale in Darmstadt 0 für die Zwecke des Kreiskomitees selbst gingen über 20 000 Mk. bar ein, wovon etwa 6000 Mk. für die Weihnachtssendungen verbraucht wurden, so daß noch über 14000 Mk. zur Verfügung stehen. Auch für einige besondere Zwecke wurde noch Geld aufgebracht, so daß durch die hiesige Kasse insgesamt über 83 400 Mk. liefen. Da⸗ neben gingen besonders im vorigen 19115 noch viele Lebensmittel ein, deren Wert sich auf 25 737 k. beziffert, und für etwa 77000 Mk. Kleidungsstücke aller Art. Alle Gaben zusammen 77 7 einen Wert von 218157 Mark dar, wobei aber nicht ie heutigen, erheblich, 22 67 Preise zugrunde gelegt sind. Es ist dabei auch noch zu bedenken, daß durchaus nicht alle Gaben aus den Landgemeinden an das Kreiskomitee gekommen sind, vor allem, natürlich nicht aus den Orten, die selbst Lazarette haben, und deren Umgebung, so daß das Ergebnis in Geld ausgedrückt noch erheb⸗ lich höher zu bewerten ist. Und daneben geht auch noch die direkte Fürsorge für die eigenen, beim Heere stehenden Angehörigen. Der ank, i allen aussprach, die geschenkt und gearbeitet haben, damit ab ane Ergebnis erreicht wurde, ist wohlverdient. Die sich anschließende Besprechung war nur kurz. Herr Pfarrer Hepding aus Hausen übertrug den Dank auch auf den Vorsitzenden Darauf verbreitete sich Ministerialrat Kratz aus Darmstadt über die Zwecke und Ziele des Alicefrauenvereins. War dieser ursprünglich— im Jahre 1868— gegründet zur Ausbil⸗ dung von schwestern, so haben sich im jetzigen Kriege seine Aufgaben erheblich erweitert; er will jetzt im wesent⸗ lichen das, was das hiesige Kreiskomitee während des Krieges auch tut. Ter Referent sprach daher den Wunsch aus, es möge nach dem Kriege 0. die Organisation des Kreiskomitees in eine solche des icefrauenvereins überzuführen. Die Fürstin zu Solms⸗Lich— die anwesend war— hat sich bereit er⸗ klärt, den Vorsitz inr Kreise zu übernehmen. Die Zahl der Mitglie⸗ der des Vereins ist von 7 200 auf 22 300 gestiegen: auch die man⸗ cherorts bestehenden kirchlichen Frauen⸗Vereine können sich als außerordentliche Mitglieder anschließen. Von den Einnahmen der Zweigvereine braucht nur Weniges an die Zentrale in Darmstadt abgeliefert zu werden, den bei weitem größten Teil können sie behalten. An der Besprechung beteiligten sich vor allem Herr Pfarrer Barth aus Großen⸗Buseck, der auf die Erfahrungen seines 355 Mitglieder aller Parteien umfassenden Vereins hin⸗ 7 0 15 Herr Dekan Gußmann und Frau Geh. Justizrat debhardt. b e 5 Es wurde dann gesprochen über die weitere Tätigkeit. Frau Geh. Kommerzienrat Dr. Gail teilte mit, daß es der Mili⸗ tärverwaltung jetzt vor allem ankomme auf Strümpfe, während für die übrigen Kleidungsstücke die Militärverwaltung jetzt selbst sorge. Frau Geh. Justizrat Gebhardt ergänzte das, indem sie wünschte, daß vor allem Füßlinge zu stricken wären, die Beinlinge kann man wiederholt verwenden. Die Wolle soll die Leitung des Komitees in Berlin kaufen. Ferner ist erwünscht, wenn wieder Ge⸗ mise, Obst und Sauerkraut geschenkt wird. f 8 5 Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Musk. 70 Rössel, Inf. Regt. 118, aus Butzbach.— Wehrmann Karl Diehl, Inf.⸗Regt. 118, aus Hochweisel.— Gefr. Karl Droß, Inf.⸗Regt. 88, aus Ahausen.— Wehrmann Heinr. Hagner V., Landwehr⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Oberbiel.— Res. Reinhard Zimmer, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Wetzlar.— Grena⸗ dier Fritz Rottmann, 2. Garde⸗Regt. z. 55 aus Wetzlar.— Musk Wilh. Kunz, Inf.⸗Regt. 221, aus Werdorf.— Musk. Au⸗ ton Dörr, Res.⸗Inf.⸗Regt. 223, aus Niederlemp.— Wehrmann Wilh. Haus, Res.⸗Inf.⸗Regt. 81, aus Hohensolms.— Landsturm⸗ mann Friedr. Zör b. 45. Armierungsbataillon, aus Groß⸗Rech⸗ — We iedrich Becker, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Wetzlar. f 5 Musk. Heinrich Schaub, Inf.⸗Regt. 88, aus Wetzlar.— Land⸗ sturmmann Ludwig Weimer, Res.⸗Inf.⸗Regt. 40, aus Naun⸗ heim.— Musk. Georg Hock, Inf.⸗Regt. 118, aus Ober⸗Rosbach. — Wehrmann Heinr. Feyh, Inf.⸗Regt. 116, aus Gonters⸗ hausen.— Ersatz⸗Res. Karl Häuser, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 118, aus Harbach.— Grenadier Kurt Krömmelbein, Kaiser⸗Franz⸗ Garde⸗Gren.⸗Regt. 2, aus Lauterbach.— Pionier Karl Mah, Pionier⸗Regt. 25, aus Friedberg.— Musk. Friedrich Gla⸗ den, 0 136, aus Ehringshausen.— Ersatz⸗Res. Lorenz Hederich, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Wetzlar⸗Niedergirmes. — Wehrmann Hermann Berchter, Inf.⸗Regt. 116, aus Bü⸗ dingen.— Wehrmann Max Stern aus Düdelsheim. f* Auszeichnung. Husar Heinrich Fersch, Sohn des Pedellen Johannes Fersch, Husaren⸗Regiment Nr. 14, erhielt das Eiserne Kreuz. 5 Die Epangelische Konferenz für das Groß⸗ herzogtum Hessen(Friedberger Konferenz) hält am Diens⸗ tag, 26. Oktober, nachmittags 2¼ Uhr, in Frankfurt a. M. Kellnerheim Kronenhof, Scharnhorststraße 20) ihre diesjährige ee ee ab. Die Tagesordnung enthält außer nun Jahresbericht, ablage und Wahlen einen Vortrag (mit Aussprache) des Prof. lic. Matthes, Darmstadt, über die Frage:„Was kann unsre Kirche aus den Erfahrungen dieser Kriegszeit für ihr Wirken lernen?“ Der Konzert⸗Verein wird am Sonntag, den 24. Oktober, mit seinen winterlichen musikalischen Veran⸗ staltungen beginnen. Die Erfolge des vergangenen Vereins⸗ jahres ließen es rätlich erscheinen, auch im Musikleben durchzuhalten und, wenn auch in bescheidenerem Rah⸗ men als sonst, doch eine kleine Anzahl auserlesener Konzerte zu bieten. Statt der üblichen zehn werden im bevorstehenden Winter nur se Konzerte veranstaltet, davon drei vor Weihnachten und die anderen drei im neuen Jahre. Auf Orchesterkonzerte muß aus finanziellen Rücksichten diesmal Verzicht geleistet werden. Dafür bietet der Verein in Ver⸗ bindung mit dem Akademischen Gesangverein und dem Evangelischen Kirchengesangverein am uns 10. Dezember, unter Professor Trautmanns tung ein Chorkonzert in der Stadtkirche mit Orgelbegleitung und unter Mitwirkung eines kleinen Or⸗ chesters. Die übrigen Aufführungen sind im wesentlichen Solistenkonzerte, für die allererste Kräfte bereits . onnen sind. Mit Backhaus, der 179 im vergangenen ahre eine große Anzahl neuer Freunde erworben hat, werden die Solistenabende eröffnet. Kein geringerer als Generalmusikdirektor Dr. Max Reger hat fir das zweite Konzert am 14. November sein Erscheinen zugesagt. Reger ist als Komponist, Virtuos und Dirigent der Meininger hier zur Genüge bekannt. Er wird diesmal zwei neue Kompositionen bringen, die erst in den letzten zwei Jahren entstanden sind; eine Violin⸗Sonate in Moll mit Klavierbegleitung und ein Klavierquartett. Reger wird mit dem Leipziger Gewandhaus Quartett mustzieren, das bei dieser Gelegenheit zum erstenmal hier in Gießen zu hören ist. Im weiteren on⸗ zert vom 16, Januar wird Hermine Bosetti, die ge⸗ o rsängerin der Münchener Hofoper, auf⸗ — Gardist Aug. Thielmann aus Wetzlar.— treten. Bot sich im vergangenen Jahr Gelegenheit, sie als hervorragende Liede 2 kennen zu lernen, so wird sie dieses Mal ihre Meisterschaft als Koloratursängerin zeigen. Sie beabsichtigt, mit dem hier so beliebten jugend⸗ lichen Geiger Joseph Szigeti mehrere Koloratur⸗Arien vorzutragen, die im Original für Violinbegleitung ge⸗ schrieben sind; ein ganz eigenartiges Programm, mit dem beide in Augsburg, München und an anderen Orten großes Aufsehen erregten. Für dieses Konzert hat Professor Trautmann die Begleitung übernommen. Das vorletzte, der herrlichen intimen Kunstgattung der Kammermusik ge⸗ widmete Konzert vom 6. Februar vermittelt die inter⸗ essante Bekanntschaft des Ross⸗Quartetts aus Wien, das zum erstenmal nach Gießen kommt. Das gilt auch von dem gefeierten Mitgliede des Kgl. Opernhauses Cläre Dux in Berlin, die die Konzertzeit mit einem Liederabend am 20. Februar schließt. * Ober hessischer Kunstverein. Die Gemälde⸗ Ausstellung, welche am nächsten Sonntag eröffnet wird, verspricht, so viel bis jetzt zu übersehen ist, künstlerisch wertvoll und interessant zu werden. Außer den Gemälden der Dr. Hans⸗Bock⸗Gedächtnis⸗Stiftung wird die Ausstel⸗ lung u. a. auch Werke von Prof. v. Bartels f⸗München, Prof. Firle⸗ München, Prof. Kröh⸗Darmstadt, Prof. Liesegang⸗Düsseldorf, Prof. Morgenstern⸗Frank⸗ furt, Prof. Pape⸗Berlin und Otto Ubbelohde⸗Goß⸗ felden aufzuweisen haben. f ** Wehrpflichtige Offiziere, die noch nicht im Heeresdienst Verwendung gefunden haben, seien auf die im Anzeigenteil befindliche Bekanntmachung des Bezirks⸗ kommandos aufmerksam gemacht. ** Die letzte freiwillige Metallabliefserune hat noch 540 Personen veranlaßt, von der Einrichtung Gebrauch zu machen. Bis Ende September sind an Metallgegenständen im ganzen 240 Zentner freiwillig abgeliefert worden. Im ganzen wurden bisher von der Stadtkasse schon Mk. 46 800 an 2140 Ab⸗ lieferer ausgezahlt. Kenner unserer Verhältnisse behaupten, daß der Wert der nicht abgelieferten Waschkessel, Geschirre und Geräte in Kupfer, Messing und Reinnickel, die nunmehr beschlagnahmt sind, in unserer Stadt mehr als Mk. 50 000 beträgt. * Der Kartoffelpreis in unserer Stadt hat sich jetzt auf 8 Mark pro Doppelzentner frei Keller gebildet. Täglich kann man jetzt in den Straßen beobachten, wie unsere Bevölkerung sich für den Winterbedarf eindeckt. hat wohl so lange mit dem Einkauf des notwendigen Nahrungsmittels gewartet, weil man auf einen billigeren Einkauf bei dem heurigen Kartoffelsegen rech⸗ nete. Die städtischen Beamten haben ihren Kartoffelbedarf, im ganzen ca. 240 Zentner, durch die Stadt bezogen und zahlen dafür 7,50 Mark pro Malter. Auch die Militärbehörden als Groß⸗ abnehmer legen diesen Preis an. Alle diese Momente sprechen dafür, daß der Kartoffelpreis vorläufig nicht mehr abschlagen wird, obgleich in Anbetracht der reichen Kartoffelernte 8 Mark ein sehr hoher Preis ist. f 5 f * Vieh⸗ und Geflügelhaltung. Durch Vermittlung des Großherzoglichen Kreisamts werden den Bürgermeistereien des Kreises Gießen größere Mengen von rumänischem Mars und rumänischer Gerste überwiesen, womit einer dringenden Nach⸗ frage nach Vieh⸗ und Geflügelfutter entgegengekommen wird.“ n Reife Himbeeren. Ein Strauß großfrüchtiger]? reifer Himbeeren wurde uns heute vorgezeigt, die im Walde bei Klein⸗Linden gepflückt wurden. Landkreis Gießen. 2 Klein⸗Linden, 19. Okt. Bei den Angehörigen des Wehrmannes Ludwia Mandler traf eine Karte ein, daß sich Mandler seit dem 2. Oktober in russischer Gefangenschaft be⸗ finde.— Die Sammlung für deutsche Gesangene in Rußland ergab hier 380 Mark.— Die Gemeinde hat für Kriegsfürsorge an Ortsangehörige 1000 Mik. bewilligt. s Großen⸗Buseck, 18. Okt. Die Sammlung in hie⸗ iger Gemeinde für deutsche Kriegsgefangene in Rußland ergab en Betrag von 620,40 Mark, die Sammlung für Minde Krieger den Betrag von 612,90 Mark, zusammen 1233,30 Mk. s. Allendorf a. d. Lahn, 20. Okt. Die Sammlung für die deutschen Kriegsgefangenen in Rußland ergab die Summe von 190 Mark.. 5 5 m. Allendorf a. d. da., 18. Okt. Die Haussammlung für die Gefangenen in Rußland ergab hier den erfreulichen Betrag von 519 Mark.— Musketier Ludwig Dörr, der bei Kriegsausbruch im 168. Infanterie-Regitment diente und schon im vorigen Jahre in französische Gefangenschast geriet, ist nach einer durch Ver- mittelung des Roten Kreuzes aus Genf heute hier eingetroffenen Benachrichtigung am 21. v. Mts. in Algier an Nierenentzündung gestorben. 5 » Utphe, 19. Okt. Als zweiter in unserer Gemeinde erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse der Gardist Otto Beltzer. Kreis Lauterbach. 5 M. Landenhausen, 19. Okt. Nach langer Ungewißheit über das Schicksal ihres Sohnes haben die Angehörigen des seit Anfang September 1914 als vermißt gemeldeten Dragoners Falk von hier die erste Nachricht von diesem erhalten. In einem vor kurzer Zeit eingetroffenen Briese teilt er mit, daß er sich auf der Insel St. Martini in französischer Gefangenschaft be⸗ fdet. Wie in einer früheren Nummer bereits berichtet wurde, sollte Falk wegen einer bei ihm gefundenen Damenuhr von einem französischen Kriegsgericht zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden sein. Da er von einer solchen Verurteilung in seinen Briefen nichts erwähnt, scheint das aus Amerika stammende Gerücht keine seste Grundlage zu haben; es müßte denn der Fall sein, daß die französische Zensur eine derartige Mitteilung nicht durchläßt. Das Merkwürdige an der Sache ist nur, warunt erst nach Jahressrist der erste Brief in die Heimat gelangte, der unter gewöhnlichen Um- ständen doch sicher schon früher befördert worden wäre, wenn keine Hindernisse der Beförderung im Wege gestanden hätten. Aus dem vorderen Vogelsberg, 19. Okt. Ge⸗ genwärtig ist man mit dem Einernten der Hackpflanzen: Dickwurz und Kohlrabi, Kraut und Wirsing beschäftigt. Wie die Kartoffeln, so liefern auch alle übrigen Gemüsepflanzen vortreffliche Erträge. Dickwurz und Kohlrabi sind vollendet ausgewachsen. In diesem Jahre werden die Keller bis zum letzten Plätzchen gefüllt. Sie dürften stellenweise nicht reichen, um alle Früchte zu bergen. Da die männlichen Arbeitskräfte mangeln, so müssen die Schulkinder kräftig mitarbeiten. Deshalb bewilligen die Behörden Notstands⸗ ferien.. Kreis Schotten. n. Schotten, 20. Okt. Wegen Ausbruchs der Maul⸗ und Klauenseuche wurde der für heute festgesetzte Markt nicht abgehalten. n Einartshausen, 19. Okt. Der Wehrmann Heinrich Bünzel, vom Inf.⸗Regt. 116, starb im 30. Lebensjahre den Tod fürs Vaterland. 5 n Sellnrod, 19. Okt. Im Alter von 28 Jahren fiel im Kampfe fürs Vaterland der Gefreite August Merz vom Inf.⸗ Regt. 116. Hessen⸗Nassau. sm. Rodheim a. d. Bieber, 20. Okt. Karl Rösser, Sohn des Wagnermeisters Karl Rösser von hier, der zusammen mit seinem Bruder Georg in einer Pionierkompagnie im Westen stand, star b den Heldentod am 9. Oktober. Tags darauf wurde sein Bruder durch einen Granatsplitter verwundet. „ 2. a, M., 20. Okt. Im Mittelpunkt der Bera⸗ tungen der gestrigen Stadtverordneten versammlung stand die Lebensmittelteuerung. Die Antwort des Staatssekretärs des Innern auf eine Eingabe der Stadt in Sachen der Lebensmittelversorgung wurde von den Sprechern aller Par⸗ teien als unbefriedigend erklärt. Unter dem Beifall des Hauses er⸗ klärte Oberbürgermeister Voigt, daß die Politik der Eingaben vorüber sei, die deutschen Städte harrten der Taten und seien be⸗ reit zu Taten. Die Stadt habe sich mit den im gleichen Wirt⸗ schaftsgebiet liegenden Städten bereits telegraphisch in Verbindung gesetzt, um ihre sveben erfolgten Preis⸗ festsetzungen nicht wirkungslos werden zu las⸗ se n. Von bem Unterwesterwaldkreise hat die Stadt 40000 Zentner Kartoffeln gekauft, die sie zum Selbstkostenpreis von 3,55 Mk. den Zentner abgibt. Auch für Butter setzte der Magistrat Höch st⸗ preise fest, und zwar 2,40 Mk. für beste Butter und 2,10 Mk. für Londbutter, alles pro Pfund. Diese Preise hat der Vorsitzende der Wiesbadener Landwirtschaftskammer, Bartmann⸗Lü⸗ dicke, als für die Landwirtschaft durchaus ausreichend bezeichnet, Außerdem soll die in⸗ und ausländische Butter sichtbar gekenn⸗ zeichnet werden.— Dem Kriegshilfsverein für den Kreis Lötzen, über den die Stadt Patenschaft übernahm, bewilligte die Versamm⸗ lung 100 000 Mk. Ferner erhält seit dem ersten Oktober jeder Urlauber aus der städtischen Arbeiterschaft für die Dauer seines Ur⸗ laubs täglich 1 Mark Urlaubsgeld. Ein Antrag auf Ein⸗ richtung eines städtischen Stellennachweises für kaufmännische An⸗ gestellte zeitigte zwar einen ausgedehnten Meinungsaustausch, kam 5 nicht zur Abstimmung, da das Haus beschlußunfähig gewor⸗ en war. Märkte. le. Frankfurt a. M. Schweinemarktberkcht vom 20. Okt. Ausgetrieben waren 08 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 137.00— 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00— 180.00 Pk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 133.00— 136.00 Pik, Schlachtgewicht 170.00— 178.00 Mk, vollfleischige Schweine von 100— 120 kg. Lebendgewicht 137.00 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00— 180 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 137.00 145.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00 180.00 Mk. Geschäft ziemlich rege. 10. Frankfurt a. M., 20. Oltt. Frucht- und Futtermittel⸗ markt. In Getreide kein Handel. Futtermittel sest bei geringem Angebot. Kokoskuchen 64 bis 65 Mk., Rapskuchen 50,50 52 Mk. Alles zu 100 Kg. 1e. Frankfurt a. M., 20. Okt. Kartoffelmarkt. Kar⸗ toffeln(Industrie und Up to date) 7,10 7,0 Mk. Andere Sorten etwas billiger, frachtfrei Franksurt a. M. le. Frankfurt a. M., 19. Okt. Auf dem heutigen Heu und Strohmarkt war nichts angefahren. Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Aufragen bleiben unberücsichtigt.) E. L. B. Nach§ 70 des Handelsgesetzbuchs kann das Dienst⸗ verhältnis von jedem Teile ohne Einhaltung einer Kündigungssrist aufgelöst werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Die hier in Betracht kommenden Verhältnisse dürften als wichtiger Grund im Sinne des Gesetzes wohl kaum in Frage kommen. Meteorologische Beobachtungen der Stalson Pfeßen. 35 5 Okt. 38 8 8 5 2 30 3 S S2 % SSS ö d e 1 8 S N I 14.% 936 78—— 2 19.%— 82 87—— 10 20.%— 86 80— 8 10 ö 0 ö ö ö ö ö 5 Höchste Temperatur am 18. bis 19. Okt. 1915 10% Niedrigste JJV 6,„ Niederschlag: 0, mm. —.—— K— Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 21. Okt. 19158: Fortdauer der bestehenden Witterung. 2 Letzte Nachrichten. Der Zar des Oberbefehls müde? 8 Wien, 20. Okt. Aus Petersburg wird gemeldet, der Zar wolle den Oberbefehl über das Feldheer wieder ab⸗ geben. Furopatkin ist zu einem höheren Führerposten ausersehen. Rußland für die Aufgabe des Dardanellenunternehmens. Wien, 19. Okt. Die maßgebenden russischen Kreise, insbesondere auch die Militärs, treten mit zunehmendem Nachdruck für die Einstellung des Dardänellen⸗ unternehmens ein. In der„Birshewija Wjedemosti“ erklärt Oberst S chumski, er habe das Dardanellen⸗ unternehmen stets für überflüssig gehalten, da es selbst im Falle des Gelingens niemals praktischen Wert gehabt hätte. Truppenlandungen bei Enos? Berlin, 20. Okt. Nach einer Meldung verschiedener Morgenblätter sind laut„Messagero“ Truppen der Entente bei Enos an der bulgarischen Südküste gelandet. Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“ erfährt jedoch aus Lon⸗ don, daß dort die Meldung von einer Landung bei Enos als unwahrscheinlich angesehen werde. Die Note Griechenlands an den Vierverband. Wien, 20. Okt. Das Blatt„A Vilag“ meldet aus Athen: In der Note Griechenlands an den Vierverband wird in ent⸗ schiedener Form der sofortige Rücktransport der auf Saloniki gelandeten Truppen gefordert. Falls dieser Forderung nicht nachgekommen werde, werde Griechenland die Landungstrup⸗ pen internieren(7). Der Krieg in Deutsch⸗Südwestafrika. Köln, 20. Okt. Die„Kölnische Volkszeitung“ erhält von einem Mitarbeiter einen Brief eines Offiziers, der den Krieg in Deutsch⸗Südwestafrika mitgemacht hat. Danach haben die Engländer schwere Schlappen erlitten. Englische Offiziere bezif⸗ ferten ihre eigenen Ver luste auf 9000 Mann, das Doppelte der ganzen deutschen Schutztruppen überhaupt. Streitigkeiten zwi⸗ schen den zwangsweise unter die englischen Uniontruppen gesteckten Buren und den Engländern waren an der Tagesordnung. Die Buren waren meistens wegen irgendwelcher Insubordination stand⸗ rechtlich erschossen. Die Engländer bemühen sich jetzt hartnäckig, die deutschen Untertanen zu naturalisieren, was aber bisher von allen Seiten zurückgewiesen wurde., Man glaubt fest an den end⸗ gültigen deutschen Sieg. Ein aufrichtiger Kolonial⸗Engländer ver⸗ licherte, daß die deutsche Sache in Europa ausgezeichnet stehe. iii e e eh N05 cih N ic te ccc ert ct erte rcraddenter W e d e Wan 3 1 5 . R 1 „ Werlerenss Edel Für's Vaterland starb am 13. September mein geliebter Gatte, meines Kindes guter Vater, mein Ausnahme- f g f lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwiegersohn, Angebote Hemdentu Chen N Schwager und Onkel, der Vonigl. Zugführer a Feinfudige Hemdentuche für Leibwäsche, 10 Meter Mk. 7.00, Mk. 7.25, Mk. 7.50 . 22 Schwere Cretonnes für Bettwäsche... 10 Meter Mk. 7.00, Mk. 7.25, Mk. 7. 75 Herm ann Müller Echte Hako-Hemdentuchk e 10 Meter Mk. 8.75, Mk. 9.00, Mk. 9.50 Feldwebel-Leutnant im Reserve-Infanterie-Regt. 253, Sämtliche Qualitäten sind ca. 30 Prozent unter heutigen Preisen! ö Ritter des Eisernen Kreuzes, im 33. Lebensjahre. 1 f In tiefem Schmerz: rstag, den 21. Oatober, 6 Chr: 5 Frau Elisabeth Müller, geb. Müller, Im anatomischen Huseum: 8099 b und K ind 5 Die heilige! Sonntag, den 24. Oktober 1915 5 — 5¼ Uhr, in der neuen Aula KLAVIER-ABENI MIRHEL x, Klavierwerke von Beethoven, Mendelssohn, Die Militär⸗Anwärter versammeln sich Preßkopf U. Leberwarst ene denen, 6 265, biene vis bn. Frtilag abb. 9 Uhr im Reflaurant Posfteller B 18 8. fe Konzertflagel: Stel& Sons, Hamburg New Vork. 5 E 8. von Wilh. Enflolph, Seltersweg. 05723 Der Vorstand. Lebenem.-Haus, Harkistr. 13. 5 Eintrittskarten: 1. Platz M. 4—, 2. Platz M. 2.—, 3. Platz Obsthochstämme 9 0 4. Platz M. 8 N Zwerge e 8 K 1.—(fü 2 2z gültig), für Zwerg Nosenstöcke, Studenten karten!(für den atz gülti für Sine an eee Schüler und Militärpersonen, die nicht im Offiziersrange 5 e 5 1 Pfg, sind in der Musikalienhandlung von 0 5 1 2 1 d Pee Billiaste Anne bene 8 2 E men Baumschulen W. Weber, Klein⸗Linden. 05714 Heute Mittwoch, 8 Uhr: O 5 Andreas Müller . Familie Peter Müller. Vortrag mit Rezitation von B. Noelting. 5. Eintrittspreis 0 Pfg. Giessen, Dingelstedt, Biebrich a. Rh., 20. Oktober 1915. Die Einnahme ist für Kriegsblinde bestimmt. 9 Bruchs'vasse 9 5*. 5 2 ex Auf dem Felde der Ehre fiel am 6. Oktober 1915 im Artilleriefeuer unser lieber, guter Sohn, Bruder, Enkel und Neffe Otto Bätz Musketier im Jufauterie⸗Regt. 88 6. Kompagnie 1 allier, Tel. 671, und abends an der Kasse zu haben. Der Ueberschuss Tommt Kriegswohlfahrtszwocken zugute. 9 .... ͤ. g 3232“!) 8* 8 Viehfutterdämpfer. 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