Nr. 250 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich 0 Sießener Familienblätter; Han 15 latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche zeitfragen Ferusprech ⸗ Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. Gelernt agen für Oberhessen Notaffonsdruck und verlag der Brühl schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei u. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr.? Montag, u. Oltober 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ A ährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.: durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Jeuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssagl: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Die Einnahme von Belgrad. Deutsche Erfolge auf allen Kriegsschauplätzen. 0 rs.) Srodes Hauptquartier, 9. Oktober. Amtlich.) 7 8 g Westlicher Kriessschau platz er 3 18 r 1 105 18 in starker englischer Angriff unter großen Verlusten fe 5 Bei einem örtlichen deutschen Angriff wurden südwestlich des Dorses Loos kleine Fortschritte erzielt. In der Champagne griffen die Franzosen nach stunden⸗ langer Artillerievorbereitung die Stellung östlich des Navarin⸗ Gehöftes gelangten stellenweise bis in die Gräben, wurden aber burg Gegenangrif wieder hinausgeworfen nud ließen bel erheblicher blutiger Einbuße einen Offizier und 100 Mann als Gefangene in nuseren Händen. 5 Ju Französisch⸗Lothringen verloren die Franzosen Re vielumstrittene Höhe südlich Leintrey; 1 Offizier und 70 Mann, 1 Maschinengewehr und 4 Mineuwerfer blieben bei uns. 9 Oestlicher Kriegsschaublatz. Herresgruppe des Gen'ralfeldmarschalls von Hindenburg. Bor Dünaburg ist Garbunowka(südlich von Illuxt) nud die feindliche Stellung beiderseits des Ortes in vier Kilo⸗ ucter Breite erstürmt; fünf Offiziere, 1356 Maun sind ge⸗ sangen genommen, zwei Maschinengewehre erbeutet. In einem Gefechte bei Nefedy(südlich des Wiszniew⸗Sees) wurden 139 Gefangene eingebracht. Von einer Wiederholung größerer Angriffe nahm der Feind Abstand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls 1 Prinzen Leopold von Bayern. a Nördlich von Korelitschi, sowie bei La Busy und Salnszie sind russische Borstöße leicht abgewiesen. Heeresgruppe des Geuerals u. Sinsingen. Südwestlich von Pirsk sind die Orte Komorz und Prykladuiki im Sturm genommen; bei Wolka— Berez⸗ ntauska uud füdwestlich von Kuchoca⸗Wola sind Kuvalleriegefechte im Gange. Nördlich und nordwestlich von Czartochfk ist der Feind hinter den Styr zurückgeworfen. Seine Angrisse nördlich der Bahn Kowel— No wu o scheiterten. g 5 Balkan⸗Kriegsschauplaßz. Zwei Armeen einer unter dem Generalfeldmarschall . Mackensen neu gebildeten eeresgruppe haben mit ihren Hauptteilen die Save und die Donau i erschritten. Nachdem die dentschen Truppen der Armee des k. und k. Generals ber Jufauterie v. Köveß sich der Zigeunerinsel aud ber Höhe südwestlich von Belgrad bemächtigt hatten, ge⸗ lang es der Armee, auch den größten Teil der Stadt Belgrad iu die Hand der Verbündeten zu bringen. Oesterreichische Truppen stürmten die Zitadelle und den Nordteil Belgrads, bentsche Truppen den neuen Konak. Die Truppen sind im weiteren Vordringen durch den Südteil der Stadt. 5 Die Armer des Generals der Artillerie v. Gallwitz erzwang den Donauübergang an vielen Stellen an der Strecke abwärts Semendria und drängt den Feind überall kach Süden vor sich her. e 8 Oberste Heeresleitung. TB.) Großes Hauptquartier, 10. Oktober. Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. „ An der Höhe östlich von Souchez verloren die Fran⸗ 30 sen einige Gräben und büßten ein Maschinengewehr ein. Bei Tahure in der Champagne gewannen wir von dem verlorenen Boden auf einer Frontbreite von etwa vier beilometern im Gegenangriff mehrere hundert Meter zurück. Destlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. „„Die Russen versuchten, die ihnen bei Garbunowla(west⸗ lich von Dünaburg) entrissene Stellung wiederzunehmen; es zam zu hestigen Nahtämpfen, die mit dem Zurückwerfen des Feindes endigten. Nördlich der Bahn Dünaburg— Poniewiez, twestlich von Illurt, wurde die feindliche Stellung in etwa acht Kilometer Breite genommen. Sechs Offiziere, 750 Ge⸗ fangene fielen in unsere Hand, fünf Maschinengewehre wur⸗ K den erbeutet.„ Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Nichts Neues. f Heeresgruppe des Wenerals v. Linsingen. Südwestlich von Pinsk ist das Dorf Sinczyezy im Sturm genommen. Die Kavalleriekämpfe bei Kuchoga— Wola sowie in der Gegend bon Jeziercy dauern an. Auf der Front zwischen Rafalomwka und der Bahn bürgten Meldung, Kowel— Row no wurden mehrfache Vorstöße des Feindes abgewiesen und 383 Gefangene eingebracht. Die Armee des Generals Graf Bothmer schlug starle russische Angriffe nordwestlich von Tarnopol zurück. „Balkan⸗Kriegsschauplatz. Die Stadt Belgrad und die im Südwesten und Südosten vorgelagerten Höhen sind nach Kampf in un⸗ serem Besitz. 4 5 Auch weiter östlich wurde der Feind, wo er standhielt, geworfen. Unsere Truppen sind im weiteren Vorschreiten. Oberste Heeresleitung. 57** Die Schleier über den nächsten Kriegszielen der Zentral⸗ mächte sind gefallen; unsere oberste Heeresleitung teilt uns, wie an jenem Tage nach dem Durchbruch von Gorlice, mit, daß eine neue Heeresgruppe unter dem Oberbefehl Macke n⸗ sens neue Vorstöße eingeleitet hat. Bereitwillig haben unsere Bundesgenossen auch einen Teil ihrer eigenen Kräfte dem verdienstvollen deutschen Feldherrn unterstellt. Wir wissen nun auch, daß von dem russischen Kriegsschauplatz seit längerer Zeit deutsche Truppen abgezogen worden sind: der bekannte erfolgreiche Unterführer Hindenburgs, General v. Gallwitz ist östlich von Belgrad über die Donau vor⸗ gedrungen und hat den österreichisch-ungarischen Bundes⸗ genossen geholfen, die serbische Hauptstadt zu erobern. Der Schlag ist außerordentlich rasch und wirksam geführt worden, obgleich der Widerstand der Serben erbittert gewesen ist. Die deutschen und österreichisch⸗ungarischen Fahnen wehen in Belgrad und verkünden eine neue siegreiche Etappe in den vielseitigen und erfolgreichen Unternehmungen der Zentral⸗ mächte. Wo haben diese nicht überall festen Fuß gefaßt? In allen Lagern überrascht die Folgerichtigkeit und keit der deutschen Führung, die durch nichts sich aus dem Konzept bringen läßt. Die Franzosen rennen sich im Westen die Köpfe blutig, während unsere Heeresleitung erklärt, sie brauche deshalb ihre Verteilung der deutschen Streit⸗ mächte auch nicht um einen Mann zu verändern; der Zar und Oberbefehlshaber darf sich angesichts der ein st⸗ weilen etwas abgedämpften, aber immer noch täglich er⸗ folgreichen deutschen Offensive mit angeblichen lokalen Erfolgen brüsten, soweit ihm dazu die allgemeine russische emmung noch Luft läßt, Deutschlands Heere gehen ihren großzügigen, weitsichtigen Aufgaben nach. In den englischen und französischen Blättern erhebt sich ein allgemeines Jammern über die Zerfahrenheit der Absichten und Unterne en der Entente; mit jedem Tage werden aber auch die amtlichen Stellen der 8 Länder und ihre Heeresleitungen mehr von Ratlo igkeit überwältigt. In welcher Verlegenheit befindet man sich neuerdings wieder wegen der Truppenlandungen in Salbniki! Der Umschwung in Griechenland hat den englisch⸗französischen Plan im Grunde genommen jetzt schon über den Haufen geworfen. Jeder neue Erfolg der Zentralmächte auf dem serbischen Kriegsschauplatz wird die Aussichten unserer Feinde, im Orient noch einen Umschwung zu ihren Gunsten herbeizufüh⸗ ren, vermindern. Nach einer neuesten, allerdings unver⸗ soll der englische Ministerrat angesichts von Forderungen aus Frankreich und Rußland beschlossen haben, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen! Londoner Blätter fordern in heftigen Tönen den Rücktritt Sir Edward Greys. Ebenso regt sich eine heftige Opposition. gegen den französischen Minister des Auswärtigen, Delcassé, der in, der Hauptsache für den mißglückten Wagestreich in Saloniki verantwortlich zu machen wäre. Der Minister soll leidend sein und von Vivian vertreten werden, der in Gesellschaft des Marine⸗ ministers Augagneur in London angekommen sein soll, um mit dem englischen Kabinett zu beraten. Man sieht: eine Fülle von Aufregung, angstvoller Hast und Unentschlossen⸗ heit. Die noch neutralen Balkanstaaten werden aufmerksame Zuschauer bleiben Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 9. Okt.(d TB. Nichtamtlich.) Amtlich wird berlautbart: 9. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind setzte gestern seine Angriffe gegen unsere ga⸗ lizische und wolhynische Front mit starken Kräften erfolglos fort. In Ostgalizien fuhrte er seine Sturmtruppen gegen unsere Stellung südlich von Tluste und bei Burkanow; ar wurde überall zurückgeschlagen. Oestlich von Buczacz jagte unser Artilleriefeuer ein Kosakenregiment in die Flucht. Auch bei Kremieniez wiederholten die Russen ihre Angriffe mit dem gleichen Ergebnis wie bisher. Das russische Jufanterie⸗Regiment Nr. 140 wurde südlich von remieniez zersprengt. Bei der erfolgreichen Abwehr der russischen Vorstoße im wolhynischen Festungsgebiet zeichnete sich das Infanterie⸗Regiment Nr. 99 durch standhaftes Aus⸗ harren in seinen stark beschossenen Graͤben besonders aus. Die nördlich von Kolki vordringenden österreichisch⸗ungari⸗ schen und deutschen Streitkräfte warfen den Feind wieder über den Styr zurück. Die gestern mitgeteilte Gefau⸗ genenzahl erhöhte sich auf 6000. Italienischer Kriegsschauplatz. , Gestern vormittag wiederholten die Italiener unter Einsetzung frischer Truppen noch zweimal den Angriff gegen lanmäßig⸗ unsere Stellungen auf der Hochfläche von Vilgereuth. Als diese Anstürme unter schweren Verlusten zusammen⸗ gebrochen waren, gelang es dem Feinde nicht mehr, stärkere Kräfte vorwärts zu bringen; einzelne Kompagnien, die noch vorgingen, wurden mühelos abgewiesen. Auf der Hochfläche von Lafraun stand der Abschnitt von Vezzene nach⸗ mittags unter heftigem Geschützfeuer. Auch im Raume von Flitsch beginnt sich die feindliche Artillerie wieder zu rühren. Im Abschnitt von Doberdo wurden zwischen San Martino und Polazzo Annäherungsversuche italienische⸗ Handgranatenmänner leicht verhindert. a Südöstlicher Kriegsschauplatz. Oesterreichisch⸗ungarische Truppen der Armee des Gene⸗ rals der Infanterie v. Kö veß drangen gestern in die Nord⸗ teile von Belgrad ein und erstürmten das Bollwerk der Stadt, die Zitadelle. Heute früh bahnten sich deut sche Kräfte von Westen her den Weg zum Konak. Auf dem Schloß der serbischen Könige wehen die Fahnen Oe sterre ich⸗ Ungarns und Deutschlands. Auch stromaufwürts und stromabwärts von Belgrad vermochte der das Ufer be⸗ wachende 17 nirgends den Verbündeten standzuhalten An der serbischen Posawina und Macva wurde er von öster⸗ reichisch⸗ungarischen Streitkräfte zurückgeworfen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalftabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 10. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Russen haben auch gestern ihre nach wie vor er. gebnislosen Angriffe nicht aufgegeben. In Ostgalizien, wo bei den Vorstößen der letzten Tage einzelne russische Trup⸗ benkörper mitunter die Hälfte ihres Bestandes einbüßten, wurde die Strypa⸗Front angegriffen. Der zuruͤckgeschla⸗ gene Feind verließ das Kampffeld stellenweise in regelloser Flucht. In Wolhynien zählte eine unserer Divisionen nach einem abgewiesenen Angriff 500 russische Leichen vor ihren Hindernissen. Die gestern gemeldete Gefangenenzahl wuch⸗ abermals um 1000 Mann. Die Absicht des Gegners, im Raume nördlich von Czartoryfk neuerlich das Westufer de⸗ Styr zu gewinnen, wurde durch Feuer vereitelt. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage ist an der ganzen Kampffront unverändert. Gegen die Hochfläche von Vilgereuth raffte sich der Feind zu keinem größeren Angriff mehr auf. Vorstö ße schwacher Abteilungen brachen kläglich zusammen. Die Ver⸗ 2000 15 Italiener betrugen hier in den letzten Tagen eta ann. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die k. und k. Truppen in der Mac va und nördlich von Obrenooac dringen erfolgreich vor. Die deutschen Regi⸗ menter haben die Stadt in erbitterten Straßenkämpfen vom Feinde gesäubert und befinden sich im Angriff auf die süd⸗ östlich und südwestlich liegenden Höhen. Weiter stromabwärts haben unsere Verbündeten schon mit starken Krüften das Südufer der Donau gewonnen und den Feind aus mehreren Stellungen geworfen. a Mit warmer Anerkennung gedenken die Führer und Truppen nach Ueberwindung der großen Stromlinie in ihren Berichten der unermüdlichen heldenhaften Tatigkeit unferer braven Pioniere und der aufopfernden Mitwirkung der Donauflottille. 5 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs . 1 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. „ Die Straßenkämpfe in Belgrad. Berlin, 11. Okt. Ueber die Straßenkämpfe in Belgrad teilt der„Berliner Lokalanzeiger“ nach einer Korrespondenz des„Az Est“ mit: Trotz aller Anstrengungen der Serben, in deren Reihen englischen Angaben zufolge auch englische Artillerie kämpfen soll, ist die Forcierung der Flüsse überall planmäßig bewerkstelligt worden. Der Feind suchte mit allen Kräften die natürliche Verteidigungslinie zu hal⸗ ten, aber trotz des mörderischen Feuers, mit dem die Ko⸗ lonnen, die die Flußüberquerung unternahmen, überschüttet wurden, gelang es doch, den serbischen Boden zu erreichen und den Widerstand der Uferpositionen zu brechen. Sehr schwer war der Kampf um Belgrad. Hier hatten die Serben starke Kräfte zum Widerstande eingesetzt. Dennoch gelang es den Truppen, die im heftigsten Feuer der neu angelegten Be⸗ festigungen über die Save geworfen wurden, in den Nordteil der Stadt einzudringen und sich dort festzubeißen, bis Ver⸗ stärkungen nachkamen. Sie wurden wütend angegriffen, und um die Straßen des Nordteiles von Belgrad ging ein zwei Tage und zwei Nächte andauernder furchtbarer Nahkampf. In seinem Verlauf wurden die Serben aber immer mehr zurückgedrängt, bis Jie schließlich die Stadt ganz aufgeben mußten. Die Verbündeten nahmen sofort von ihr Besitz und 8 . 8 2 1 A . auf der Zitadelle gingen die österreichisch-ungarische und die deutsche Fahne hoch. Der Eindruck in Sosia. Berlin, 11. Okt. Telegramme aus Sofia berichten, daß dort das Ereignis der Einnahme von Belgrad nachts bekannt wurde und stürmische Kundgebungen für die Mittelmächte auslöste. Die Truppenlan dungen in Saloniki eingestellt? . Berlin, 11. Okt. Der„Kreuzzeitung“ zufolge ver⸗ lautet in Wien aus zuverlässiger Quelle, daß die englisch⸗ ffranzösischen Truppenlandungen in Saloniki eingestellt worden seien. Bezüglich der Besetzung der von Saloniki nach Norden führenden Bahn kann festgestellt werden, daß diese Besetzung bezweckt, die Bahn gegen alle fremden Elemente, also auch gegen die Ententetruppen, zu sichern. Die neue Regierung in Athen hofft, Mon⸗ tag in der Kammer eine Mehrheit zu bekommen. Eine serbische Militärmission in Rom. Lyon, 9. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Progres“ meldet aus Rom: Eine aus acht Offizieren bestehende serbische Militärmission ist in Rom eingetroffen. Die Offi⸗ ziere, die eine lange Unterredung mit dem Kriegsminister und dem Minister des Aeußern hatten, reisten in das Haupt⸗ quartier ab, wo sie mit dem König und mit Cadorna Bera⸗ tungen haben werden. f ö Die Haltung Griechenlands. Paris, 10. Okt.(WD. Nichtamtlich.) Meldung der hat von seiner Regierung den Auftrag erhalten, der fran⸗ zösischen Regierung mitzuteilen, daß die griechische Neu⸗ tralität 1 fernerhin den Verbandsmächten gegenüber den Charakter des aufrichtigsten Wohlwollens, bei⸗ behalten wird. 5. . Berlin, 11. Okt. Aus Athen wird dem„Berliner Lokalanzeiger“ vom 10. Oktober berichtet: Als der König heute im offenen Automobil von der Trauerfeier für den verstorbenen General Damianos zum Schloß fuhr, brachte ihm eine Volksmenge jubelnde Sympathiekund⸗ gebungen dar. Es herrscht hier in allen Volkskreisen die Ansicht vor, daß zum zweiten Male das griechische Volk vor einem blutigen Kriege gerettet worden ist. 8 Paris, 10. Okt. 992 Frft.) Aus Athen wird der Agence Hapas berichtet: Der Hofmarschall stattete Venizelos einen Besuch ab und überreichte ihm im Auftrage des Königs dessen Photographie mit der Widmung„Zum Andenken an un⸗ sere gemeinsamen Anstrengungen“. Aus Bulgarien. . Sofia, 9. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Meldung der bul⸗ garischen Telegraphenagentur aus Dedeagatsch: Die Gesandten ö de Italiens und Großbritanniens ha⸗ 0 an den Ministerpräsidenten Radoslawow das folgende Telegramm gerichtet: Indem wir Bulgarien verlassen, bitten wir Eure Exzellenz, den lebhaften Dank für die uns bei der Ab⸗ fahrt und während der Reise bewiesene aufmerksame Höf⸗ lichkeit entgegenzunehmen. Aehnliche Depeschen wurden von englischen Staatsangehörigen, die Bulgarien verlassen, abgesandt. a Sofia, 11. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der bulgarischen Telegraphen⸗Agentur. Das Kabinett wird in seiner Zusammensetzung eine leichte Aenderung erfahren. Ministerpräsident Radoslawow übernimmt endgültig das Portefeuille des Ministers des Aeußern und überläßt das des Innern dem früheren Bürgermeister Christo Po⸗ pow. General Najdenow wurde anstelle des Generals Joe kow, der mit dem Ob. der Truppen betraut wurde, zum Kriegsminister ernannt. 5 Englische Anklagen gegen Grey. 1 London, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich)„Globe“ erklärt im Leitartikel: Es ist für ein Blatt mit Selbstachtung nicht länger möglich, über das Versagen der englischen Diplo⸗ matie zu schweigen. Die Leitung der auswärtigen Beziehungen fann nicht mehr mit Sicherheit in den Händen des Foreign 4 wie es A ildet ist, bleiben. Der diploma⸗ tische 1 0 dem Balkan ist zu entsetzlich. Es gibt kein anderes Wort dafür. In einem solchen Konflikt, wie demjenigen, in dem wir uns befinden, wäre ein im Foreign Office ein Armeekorps und ein Geschwader von Schlachtschiffen wert gewesen. Aber nichts wurde vorausgesehen, gegen nichts wurden 1 getroffen. Grey s mehr an die Zu⸗ kunft als an die 5 zu denken. Er teilte liebenswürdig seine Geneigtheit mit, die Freiheit der Meere, d. h. die Aus⸗ schaltung der britischen Seemacht, zu erörtern, sobald die gegen⸗ wärtigen Unruhen beseitigt sind. Wir verfolgten mit bösen Ah⸗ nungen das Schauspiel, wie unsere Diplomatie von einem Staats⸗ sekretär, der keine fremde Sprache spricht, und Sir Eyre Crewe n geleitet wird, der eine deutsche Mutter und eine deutsche Gemahlin hat. Nur Fehlschläge ergeben sich aus dieser ver⸗ hängnisvollen Gemeinschaft. Diese müßten beendet werden, wenn den Fee nicht Unheil folgen soll. f 5 on don, 9. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der„Manchester Guardian“ schreibt: Venizelos hat gegen die Landung un Salonilk protestiert, obwohl sein Protest nicht sehr ernst gemeint sein kann. Tas neue Kabinett wird vermutlich den Protest wieder⸗ holen, aber mit dem Unterschied, daß er ernst gemeint ist. In dem kritischen Augenblick, wo die Streitkräfte der Alliierten guf der Linie über Salonik operieren, kann ihre Basis durch Griechenland bedroht werden. Das Blatt betont die Wichtigkeit der Linie und fährt fort: Die englisch⸗französische Armee auf Ga⸗ lipoli wird, wenn sie nicht, bevor der Winter einsetzt, Fort⸗ schritte macht, in einer sehr unbequemen Lage, und, wenn die Deutschen nach der Türkei vorstoßen, in einer äußerst gefährlichen Lage sein. Hinter dieser Armee haben wir Aegypten und den Suezkanal zu verteidigen. Wir haben allen Grund, zu wün⸗ schen, daß die Entscheidung dieser gewaltigen militärischen Pro⸗ bleme in Europa und nicht in Asien, lieber auf der Salonik⸗Linie als in der Nähe Konstantinopels falle. Die Alliierten glaubten, daß Griechenland die Salonik⸗Linie gegen Bulgarien verteidigen b würde. Diese Berechnung schlug fehl. Es besteht die Gefahr, daß Griechenland uns Salonik und unsere Basis unter den Füßen wegzieht und uns zum Sturze bringt. Das Blatt hofft, daß eine Verständigung mit Griechenland noch möglich ist. London, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich.); 7 fordert in einem Leitartikel den Rücktritt Greys. 8 Blatt schreibt:„Das Versagen des Auswärtigen Amtes ist vollständig und schimpflich. Das Amt hat Fehler gehäuft, die bei einem Kirchspielrate erstaunlich wären. Wenn im Auswärtigen Amt und in der Gesandtschaft in Sofia niemand die Lage ver⸗ standen hat, so hätte man wohl schließlich jemanden finden kön⸗ nen, der sie verstanden hätte und hätte seinen Rat annehmen müssen, denn solche Leute gibt es. Aber das Auswärtige Amt ist ebenso taub gegen Mahnungen, wie ängstlich vor der Oeffentlich keit. Oft setzte es seinen Weg der hoheitsvollen Geheimnistuerei fort, bis es an allen Punkten geschlagen war.“— Das Blatt wirft Grey vor, daß er vor Kriegsausbruch geschwankt habe, um weder ja noch nein zu sagen, kritisiert feine schwächliche Seerechtspolitik und seine neuerliche Erklärung, daß er nach dem Kriege bereit wäre, die Frage der Freiheit der Meere zu erörtern, sowie den neuen Plan, ein internationales Schieds⸗ gericht als Berufungsstelle gegen die Urteile der Prisengerichte vor⸗ zuschlagen. Das Blatt fährt fort:„Sollte das wahr sein, so „Morning Agende Havas. Der griechische Gesandte in Paris B VVFTVTCVCV 2 sagen wir offen, daß im Namen der nationalen Ehce und Sicher⸗ heit der Rücktritt Greys und die gründliche Umgestaltung des Auswärtigen Amtes gefordert werden muß.“ Der Artikel schließt: Die Leitung des Auswärtigen Amtes ist zweideutig genug. Viel⸗ leicht ist die Reihe beispielloser Fehler nur der Unfähigkeit zu⸗ zuschreiben. Wenn es nicht Unfähigkeit ist, was ist es denn sonst? London, 10. Okt.(WTB. Nichtamilich. Die„Westmin⸗ ster Gazette“ schreibt in einem Leitartikel: Wenn die Deut⸗ schen eine neue Türkenarmee ins Feld stellen und sie unter deutscher Führung gegen Aegypten werfen, dann könnten und würden sie eine große Truppenmacht der Alliierten dorthin ziehen, welche sie sonst an der Westfront bedrohte. Dies bedeutet eine erheb⸗ liche Ausdehnung und eine Verlängerung des Krieges; wir müssen die Bewegung aufhalten, wenn wir können. Diese neue Notwendig⸗ keit, welche die Aktion Bulgariens uns aufzwang in dem Augenblick, wo die Lage im Westen und im Osten sich besserte, ist natürlich eine ernste Enttäuschung. Das Blatt verteidigt das Foreign Office; man könnte ebensogut die Kriegsämter der Alliierten an⸗ klagen. Das Ergebnis wäre ein anderes, wenn die Offensive der Russen in Galizien geglückt und wenn die Alliierten die Dardanellen bezwungen und Konstantinopel erreicht hätten. 1. Die„Times“,„Daily Mail“ und„Morning Post“ fahren mit scharsen Angrissen auf das Auswärtige Amt fort, das, wie sie sagen, die Lage am Balkan verpfuscht hätte. Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in England? Berlin, 10. Okt.(zens. Blu.) Verschiedene Morgenblätter melden aus Rotterdam, daß dort Nachrichten aus London ein⸗ getroffen sind, wonach die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in England im Ministerrat beschlossen worden sei. Sir Edward Grey habe Mitteilungen der russischen und fran⸗ zösischen Regierung verlesen, wonach diese eine ausgiebigere eteiligung Englands an den neuen Aktionen fordern. Kitchener habe erklärt, daß ohne die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht dies nicht möglich sei. Darauf sei der Beschluß ge⸗ faßt worden, alle Männer zwischen dem 17. und 50. Lebensjahre der allgemeinen Wehrpflicht zu unterwerfen. Clemenceau gegen Delcasseé. Paris, 9. Okt. WTB Nichtamtlich.) Anläßlich der grie⸗ chischen Krisis greift Clemenceau im„Homme enchalne“ die Politik Delcassés auf das Schärfste an: Es fehle ihr von Anbeginn am Zusammenhang und nötigen Ueberblick. Man leitete Unterhandlungen und Unternehmungen ein, ohne die Haltung der⸗ jenigen Mächte in Erwägung zu ziehen, mit denen man monate⸗ lang umsonst verhandelte, und stand plötzlich vor der vollendeten Tatsache. Wenn man später einmal Geschichte schreibt, werde man sich fragen müssen, ob der große Minister des Aeußern Frank⸗ reichs von Sofia, karest oder Athen am meisten hinters Licht geführt worden ist. Um in diesen diplomatischen Unterhandlungen als Genie dazustehen, hätte es nur eines mittelmäßigen Kopfes bedurft. Aber Poincarés Fürsorge habe Frankreich diesen Vorteil verweigert. Jetzt segelten die Verbündeten nach Saloniki, ohne daß man wisse, was sich in Griechenland vorbereite. Man müsse nach Serbien, weil unklare strategische Erwägungen es er⸗ forderten. Die Alliierten, so schließt Clemenceau ironisch, hätten ja nur die Offensive der Deutschen, Oesterreicher und Ungarn und jener mit guten Messern ausgestatteten Freunde, welche Ferdinand, Bratianu und Konstantin hießen, vor sich. Solche Er⸗ fahrungen mache man, wenn man während allzu langer Monate sich einbilde, mit Leuten Hand in Hand zu gehen, deren Absichten doch nur darauf ausgegangen seien, daß die Alliierten die Zeit zum Handeln verpassen möchten. Eine würdige Krönung der zahl⸗ und maßlosen Fehler! ruft Clemenceau aus. Englisch⸗französische Meinungsverschiedenheiten. Von der Schweizer Grenze, 10. Okt.(Zens. Frkft Die„Agence Havas“ hat heute nacht mitgeteilt, daß der Minister des Aeußern Delcassé leidend ist und an dem gestern abgehaltenen Ministerrat nicht hat teil⸗ nehmen können. Der Ministerrat hat den Ministerpräsi⸗ denten Viviani ermächtigt, die Leitung des Auswärtigen Amtes interimistisch zu übernehmen. Infolge der Erkran⸗ kung Delcasses wird auch Viviani morgen vor den ver⸗ einigten Kammerkommissionen des Krieges, der Marine und der auswärtigen Angelegenheiten Rede stehen über die diplomatische Lage Frankreichs. Zu dieser Infor⸗ mation der„Agence Havas“ kann man nur die Vermutung hinzufügen, daß es sich offenbar um einen Konflikt inner⸗ halb des französischen Ministerrats handelt, hervorgerufen durch eine Differenz zwischen der englischen und französt⸗ schen Regierung in bezug auf die Behandlung der Balkan⸗ angelegenheiten.(Frkf. 8099. London, 10. Okt.(WTB Nichtamtlich) Amtlich wird 1 Der französische Ministerpräsident Viviani und französische Marineminister Augagneur sind in London angekommen, um mit Pvemierminister Asquith und den anderen Kabinettsmitgliedern zu verhandeln. Pessimismus in Italien. Turin, 10. Okt.(WWB. Nichtamtlich.) Ueber Bern. Die„Stampa“ bezweifelt, daß die Entente mit ihren Truppenlandungen in Saloniki die Deutschen an dem Marsch nach Konstantinopel verhindern kann. Das Unternehmen der Verbandsmächte erscheint dem Blatte als ein Zugeständnis an die öffentliche Meinung der Länder der Entente, die über die Vorgänge auf dem Balkan enttäuscht und besorgt sei. Auch die neue französische Offen⸗ sive könne bereits als gescheitert angesehen werden und werde außerdem die Deutschen von ihren Balkanplämen nicht abbringen. ö 5[Die innere Anleihe Frankreichs. London, 9. Okt.(WD Nichtamtlich) Nach dem „Daily Chronicle“ hat man an der Börse erfahren, daß die 5 erwähnte) fünfprozentige innere An⸗ eihe in Frankreich zu einem Kurse von 96 Prozent ausgegeben werde; der Anleihebetrag sei unbegrenzt. „„„ Die Angriffe der Franzosen. Berlin, 11. Okt. Ueber die Champagneschlacht be⸗ richten alle Kriegskorrespondenten aus dem Großen Hauptquartier, daß sie mit vorübergehenden Unterbrechungen mit größter Heftig⸗ keit weiter tobt. Bernhard Kellermann schreibt im„Ber⸗ liner Tageblatt“ vom 10. Oktober: Gestern abend steigerte sich das Feuer unserer schweren Artillerie zu ganzen Salven von Ex⸗ plosionen. Wie im Mai und Juli bei der Lorettohöhe und bei Souchez warf Joffre ohne jede Rücksicht auf Verluste Regimenter um Regimenter ins Feuer. Am 6. und 7. Oktober begann eine neue Reihe von Angriffen. Sie wurden durch ein Trommelfeuer vorbereitet, das zeitweise die Heftigkeit der Septembertage über⸗ traf. Man berechnet die Zahl der seit dem 20. September ge⸗ schleuderten Granaten auf mehrere Millionen. Die Verluste auf beiden Seiten sind bei der Heftigkeit der Kämpfe schwer, indessen ist die Zuversicht unserer Truppen unerschüttert. Karl Rosner telegraphiert aus der Champagne an den „Berliner Lokalanzeiger“: Ich hatte Gelegenheit, eine große Zahl von Verwundeten zu sprechen, die an den Kämpfen der letzten Tage teilgenommen haben. Sie alle berichten mit Stolz, daß die wie⸗ derholten, mit rücksichtsloser Einsetzung des Menschenmaterials durchgeführten Angriffe der Franzosen restlos abgewiesen wer⸗ den konnten. Auch die Schwerverletzten sind gegenüber dem Neu⸗ aufflackern der Offensive voll von unerschütterlicher Zuversicht. Ein Wann, den eine franzosische Meine besonders übel zuge chtet hatte, sagte: Kein einziger Franzose kommt jemals durch un⸗ sere Linien. Es ist ganz ausgeschlossen, daß sie unsere Front durch⸗ brechen könnten. Die Verwundeten erzählen, daß die Angriffskraft der Franzosen durch die Kriegsmüdigleit wesentlicher Teile der f Truppen stark beeinträchtigt sei. Die lebhafte Fliegertätigkeit in Frankreich wird durch unsere Kampfflugzeuge gedämpft. Ein Bericht Freuchs. London, 10, Okt.(WD., Feldmarschall French meldet: Seit dem 4. Oktober bes der Feind an⸗ dauernd unsere neuen Schützengräben südlich des Kanals von La Bassse. Der Feind unternahm wiederholt Angriffe mit Bom⸗ ben auf einen Teil der Hohenzollernschanze, die von uns besetzt ist; alle diese Angriffe wurden abgeschlagen. Troß des feind⸗ lichen Artilleriefeuers kamen wir nordwestlich Loos zwischen dem Hügel 70 und Hulluch stetig vorwärts. Wir gewannen Gelände in einer Tiefe von 500 bis 1000 Yards. Gestern beschoß der Feind heftig das ganze Gebiet, das wir kürzlich eroberten; er ging hierauf zum Angriff auf der ganzen Front südlich Loos bis zur Hohen⸗ zollernschanze über, Tie Angriffe wurden überall mit schweren Verlusten für den Feind abgeschlagen. Durch einen weennangeng gelangten wir in den Besitz eines feindlichen Schützengrabens westlich St. Elie Eine große Zahl toter Feinde lag vor unseren Linien. Unsere Verluste sind unbedeutend. * 5* Der russische Landsturm. Petersburg, 10. Okt.(WTB. Nichtamtl.)„Rjetsch“ meldet: Ein Ukas des Zaren beruft den gesamten Landsturm 1. Klasse, sowie die fünf ersten Jahrgänge der zweiten Klasse zum 29. Oktober(alten Stils) ein. Die rufsischen Flüchtlinge.: Moskau, 10. Okt.(WT. Nichtamtlich.)„Rußkoj Slowo“ berichtet: Nach Moskau wurden bereits 1000 Kin⸗ der von Flüchtlingen gebracht. Jeden Tag werden 200 weitere e racht, so daß sie in Moskau keinen Platz mehr finden können. Die Kinder werden regelmäßig von den Vertretern der Semstwos mitgenommen. Ueberall auf den Straßen und in den Konzentrationsplätzen gehen buchstäblich unzählige Kinder zugrunde. 1 Der türkische Bericht. Konstantinopel, 9. Okt. WTB. Nichtamtl.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront beschoß unsere Artillerie bei Anaforta ein feindliches Lager in der Gegend von Bujuk und Gemikli und verursachte dort viel Unordnung und Schaden. Bei Ari Bur nu Feuergefecht der Infanterie und Artillerie mit Unterbrechun⸗ gen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr richteten eine vom Feinde ge⸗ sprengte Mine und das gewohnte Geschützfeuer gegen unsern linken Flügel keinen Schaden an. Ein feindlicher Monitor versuchte Gallipoli mit indirektem Feuer zu beschießen. Als er von unserer Artillerie, die das Feuer erwiderte, getroffen wurde, entfernte er sich. Sonst nichts Neues. *** Ein Amerikaner über seine Erfahrungen mit der englischen und russischen Kriegszensur. Berlin, 10. Okt.(WTB.„ Der amerikanische Kriegskorrespondent Oberst Edwin Emerson sprach gestern abend im Choralion⸗Saal über seine Erfahrungen mit der lischen und russischen Kriegszensur. Der Einladu des America⸗Instituts und des Deutsch⸗amerikanischen Wirtschafts⸗ verbandes waren zahlreiche Zuhörer gefolgt, die den lebhaften und anschaulichen Gedankengängen des Vortragenden verdienten W zollten. Der erer 11 cart ee 5 eine eigene ahrung als ieg i war, von 788 meiner Kriegsdepeschen von Deutschland nach Amerika überhaupt nur vier in Amerika ankamen. Von diesen vier Depeschen, die vom englischen Zensor durchgelassen wurden, war die eine vollständig gefälscht, so daß sie einen rich⸗ tigen Bericht über einen deutschen Sieg in einen falschen über eine angebliche deutsche Niederlage verwandelte. Ich halte es für angemessen, zu bemerken, daß ich ähnliche Sachen nie von einem deutschen Zensor zu erleiden hatte, obgleich meine Berichte durchaus nicht nur von deutschen Siegen handelten. Viele Mil⸗ lionen meiner Landsleute in Amerika wissen von diesem gro Weltkriege nur das, was ihnen die englische Zensur zu wissen erlaubt. Eine gediegene Kriegsberichterstattung ist aber nicht mehr oder weniger, als die Geschichtsschreibung der Gegenwart. So kommt es, daß eine falsche Geschichtsschreibung zustande kommt. Wenn ich mir die Kriegszensur unter den verschiedenen Völ⸗ kern ansehe, so gelange ich zu dem Schlusse, daß die Deutschen jetzt am allermeisten von den gegenwärtigen großen Kriegsereig⸗ nissen unterrichtet sind. Der Grund dafür liegt in der großen Wahrheitsliebe und den militärrschen Fachkennt⸗ nissen der deutschen Berichterstattung, sowie in der mehr auf⸗ geklärten und prompten Erledigung ihrer amtlichen Pflichten durch die deutschen Militärzensoren. Nach deutscher militärischer Auffassung ist der eigentliche Zweck der Kriegszensur, einfach zu verhindern, daß eine der deutschen Sache wirklich gefährliche Kenntnis von deutschen militärischen Unternehmungen zum Feinde gelangen soll. In anderen Ländern aber hat man die unglaublich⸗ sten Vorstellungen von dem, was Kriegszensur überhaupt zu be⸗ deuten hat. Daher kommen auch alle jenen weißen Lücken in den Spalten der seindlichen Zeitungen. Die ganze englische Zeitungs⸗ presse ist darauf angewiesen, ihre Berichte über die Begebenheiten an Dardanellen von einem einzigen Berichterstatter zu be⸗ ziehen, nämlich von Ashmead Bartlett. So kommt es, daß die französischen, russischen und italienischen Zeitungen, denen eine eigene Berichterstatnung offenbar nicht gestattet worden ist, darauf angewiesen sind, ihre sogenannten Sonderberichte von der Front einfach von den großen englischen Zeitungen abzuschreiben. Diese Art der Handhabung der englischen und französischen Kriegszensur ist demnach schuld an der Unwissenheit des Auslandes. Vom rein milttärischen Standpunkt aus mag es ganz gut sein, daß der Feind und diejenigen, die dem Feinde helfen, so dumm und un⸗ wissend wie möglich bleiben. Je schärfer, je beschränkter und dümmer, desto besser für die deutsche Sache.“ Aus Stadt und Cand. Gießen, 11. Oktober 1915. Die Militärhinterbliebenenversorgung. Ueber die Gebührnisse und Renten, die den Hinter⸗ bliebenen verstorbener und gefallener Militärpersonen zustehen, besteht im Publikum, wie Anfragen aller Art er⸗ kennen lassen, noch mancherlei Unklarheit. Wir geben des⸗ halb im folgenden eine kurze Uebersicht über die einschlägi⸗ gen Bestimmungen: Nach dem Militärhinterbliebenengesetz vom 17. Mai 19070 ist zu unterscheiden zwischen der allgemeinen Versorgung und der Kriegsversor gung. Nach der e Versorgung haben Witwen und eheliche oder legitimierte Kinder von Militärpersonen An⸗ spruch auf Witwen⸗ und Waisengeld, wenn der Tod des Er⸗ nähvers nach 10jähriger Dienstzeit oder infolge einer Dienst⸗ beschädigung eingetreten ist. Das Gleiche trifft für Witwen und Waisen ehemaliger Militärpersonen zu, sofern die letzteren nach 18jähriger Dienstzeit eine Rente zu bezie hatten, oder infolge einer Dienstbeschädigung vor Ablauf von 6 Jahren nach der Ent⸗ lassung gestorben sind. Das Witwengeld beträgt für die Hinterbliebenen von Militärpersonen der Unterklassen(vom Feld⸗ 7 5 0 88 1010 4 e 1 1 5 als 0 ee noch gewisse Zuschläge en. zaisengeld beträgt ein Fihiftel des Wee(also 60 Mk. kh es erhöht sich 1 100 ek, wenn auch ole custer Urlgceen it. Cine Kurzitug Waisengeldes erfolgt, wenn die Witwe des verstorbenen Kriegs⸗ nehmers mehr als 15 Jahre jünger war, als der letztere: hat dagegen die Ehe länger als 5 Jahre bestanden, so wird für jedes weitere angefangene Jahr wieder 10 Prozent zugelegt, bis zur Erreichung des vollen Betrags. Hinterbliebenen von Personen der freiwilligen Krankenpflege kann, sofern der Tod infolge dienst⸗ licher Verwendung auf dem Kriegsschauplatz erfolgt ist. Witwen⸗ und Waisenrente in gleicher Höhe, jedoch ohne die Steigerung beim Witwengeld, gewährt werden. Neben Witwen⸗ und Paisen⸗ geld kommen den Hinterbliebenen bei der allgemeinen Versor⸗ gung etwaige Ansprüche aus der Anstellung oder Beschäftigung des 5 im Zivildienst(3. B. Pension bei Beamten) zu⸗ gu. Die Kriegsversorgung gewährt Witwen sowie ehe⸗ lichen und legitimierten Kindern der an Kriegsverwundung oder sonstiger Kriegsdienstbeschädigung verstorbenen Militärbersonen, so⸗ wie den unter den gleichen Umständen gestorbenen Personen der freiwilligen Krankenpflege Kriegswitwen⸗ und Kriegs⸗ waifengeld. Erfolgt der Tod infolge Kriegsdienstbeschädigung päter als nach Ablauf von 10 Jahren nach dem Friedensschluß, o fällt der Anspruch weg. Das Krte gswitwengeld beträgt, wenn die a ine Versorgung, die neben der Kriegsversorgung gewährt wird, zusteht, für die Witwe eines Feldwebels 300 Mk. jährlich, für die Witwe eines Sergeanten zoder Unteroffiziers 200 Mk. jährlich, für die Witwe eines Gemeinen 100 Mk. jähr⸗ lich. Das Kriegswaisengeld beträgt in diesen Falle für das vaterlose Kind von Militärpersonen der Unterklassen und Personen der freiwilligen Nriegskrankenpflege 108 Mk. jährlich. — Steht die allgemeine Versorgung nicht zuf so betrügt das Kriegswitwengeld: für die Witwe eines Feldwebels 600 Mk. jähr⸗ lich, für die Witwe eines Sergeanten oder Unteroffiziers Mark jährlich, für die Witwe eines Gemeinen 400 fMNk. jährlich. Das Kriegswaisengeld beträgt in diesem Falle für das vaterlose Kind 168 Mk., für das elternlose 240 Mk. jährlich. An uneheliche Kinder gebliebener Kriegsteilnehmer wird unter bestimmten Vor⸗ ausfetzungen eine einmalige Unterstützung gewährt. Eltern und Großeltern kann im Falle der Bedürftigkeit Kriegseltern⸗ geld gewährt werden, sofern der verstorbene Kriegsteilnehmer vor Eintritt in das Feldheer oder nach seiner Entlassung zurzeit seines Todes oder bis zu seiner letzten Krankheit ihren Lebens⸗ unterhalt ganz oder überwiegend bestritten hat. 5 Die Zahlung des Witwen⸗ und Waisengeldes und der Gebühr⸗ nisse aus der Kriegsversorgung beginnt mit dem Ablaufe der Zeit, für die Gnadengebührnisse(Gnaden vierteljahr, Gnadenmonat, nadenlöhnung) gewährt sind, oder wenn dies nicht der Fall, mit dem auf den Sterbetag folgenden Tage. Das Recht des Bezugs von Witwen- und Waisengeld, sowie egsversorgung erlischt für jeden Berechtigten, wenn er sich verheiratet oder stirbt; für jede Walse außerdem mit dem Ablaufe des Monats, in dem sie das 18. Lebensjahr vollendet. 5 8 Anträge wegen Gewährung von Witwen⸗ und Waisengeld sowie Kriegsversorgung sind ber der Ortspolizeibehörde des Wohn⸗ orts oder des während des Krieges gewählten Aufenthaltsorts unter Vorlage der erforderlichen Unterlagen(Geburtsurkunde, 8 Heirats⸗ und Sterbeurkunde uw) zu stellen. Die Entscheidung über die Ansprüche steht der obersten Militärverwaltungsbehörde (Kriegsministerium, Reichsmarineamt) zu. Gegen die Entscheidung ist innerhalb sechs Monaten nach Zustellung derselben Klage bei demjenigen Landgericht, in dessen Bezirk das betr. Kriegsmini⸗ sterium bezw. das Reichsmarineamt seinen Sitz hat, zulässig. Sind die Befugnisse der Entscheidung einer anderen Behörde übertragen, so ist die Klage ausgeschlossen, wenn nicht gegen die Entscheidung dieser Behörde Einspruch, beim Kriegsministerium bezw. Reichs⸗ marineamt eingelegt worden ist.. 5 5 Bemerkt sei noch, daß abgesehen davon, daß demnächst eine Neuregelung des Mannschaftsversorgungs⸗ und Militärhinterblie⸗ benengesetzes erfolgen wird, der Reichstag in seiner Sitzung vom 29. Mai 1915 seine Zustimmung dazu erteilt hat, daß bis zum Erlaß des neuen Gesetzes bei der Versorgung der Kriegsteilnehmer und deren Hinterbliebenen nicht der militärische Rang, sondern das Arbeitseinkommen des betr. Kriegsteilneh⸗ mers maßgebend sein soll. 0 * .* Getreiderevisionen. Wie uns aus Oden⸗ haufen mitgeteilt wird, erschien dort in der vergangenen Woche die Gendarmerie, um die vom Kreisamt angekündig⸗ ten Nachrevisionen bei den Landwirten vorzunehmen. Es soll sich dabei herausgestellt haben, daß etwa 11 Landwirte ir Getreide anscheinend nicht richtig angemeldet hatten, denn bei der Revision hat sich eine nicht angemeldete Brotgetreidemenge von angeblich 187 Zentnern herausgestellt. Nun wird wohl die Staatsanw alt⸗ schaft eingreifen, da einzelne Landwirte dem wohlgemein⸗ ten Rat der Behörde, Irrtümer, die bei ihren früheren Angaben unterlaufen sind, W zu berichtigen, nicht befolgt haben. An Warnungen dem Reiche zu geben, was des Reiches ist, hat es seit 9 Monaten nicht gefehlt. Jetzt scheint Ernst gemacht zu werden. Auch die Stock⸗ hausener Landwirte wurden am 5. d. M. von Gen⸗ barmen besucht, die den angemeldeten Getreidevorräten eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt haben. Auch dort haben sich ganz überraschende Ergebnisse herausgestellt, denn eine größere Anzahl von bäuerlichen Grundbesitzern scheint es mit ihrer Anmeldepflicht sehr wenig genau ge⸗ nommen zu haben. Bei einigen, bei denen nachkontrolliert wurde, haben sich ganz erhebliche Differenzen zwischen den angemeldeten Mengen und dem tatsächlich vorhandenen Bestand her estellt, um die der Kommunal⸗ verband zugunsten der Besitzer geschädigt werden sollte. Die Anzeigen sind schon bei dem Gericht. 4* Die Sammeltage für die gefangenen Deutschen in Rußland dürften, da der Sonntag von einigermaßen er⸗ träglichem Wetter begleitet war, ein recht schönes Ergebnis gezeitigt haben, wenn man aus der Tatsache, daß manche Sammlerinnen vier⸗, fünfmal oder gar noch öfter die ge⸗ füllten Rote⸗Kreuz⸗Büchsen gegen leere umtauschen konnten, Schlüsse 1 darf. Das dankbarste 155 für die Betäti⸗ gung bot sich natürlich in der Nähe der Konzerte, die von den Kapellen des Ersatzbataillons 116 und des Landsturm⸗ erfatzbataillons veranstaltet wurden. Dort kam so leicht nie⸗ mand ohne Zoll durch. Das Zählgeschäft ist natürlich noch nicht beendet; genaue Angaben über das Ergebnis können deshalb einstweilen noch nicht gemacht werden. * Stadttheater. Von morgen, Dienstag, ab wer⸗ den an der Tageskasse des Stadttheaters jeweils von 10—1 Uhr die Abonnements ausgegeben. An der gleichen Stelle werden von jetzt ab auch die weiteren Abonnementsanmeldungen entgegengenommen. „ Konzert für die Gießener Verwundeten. Für unsere Verwundeten fand gestern nachmittag in der Universitätsaula ein von Landsturmleuten der fünsten Kompagnie veranstaltetes Konzert statt. Es nahm in allen Teilen einen recht guten Verlauf und erfreute sich eines regen Besuches. Das Gesangsquartett der Kompagnie erfreute durch Vor⸗ trag einiger wohlgelungener Lieder. Konzertsängerin Fräulein Scherer ⸗ Gießen, die sich in liebenswürdiger Weise in den Dienst 3 der Sache gestellt hatte, sang mit schöner Altstimme und warmem Vortrag einige Schubert-Lieder, von denen wohl das„Ave Maria“ und„Der Wanderer“ am besten gefielen. Reicher Beifall lohnte die Künstlerin. Herrn Opernsänger Kötschau(5. Kompagnie) bewunderte man bei dem Vortrag der Lieder„Tom der Reimer“ von Loewe,„Lied an den Abendstern“ aus Tannhäuser und„Das Grab auf der Heide“ von Heiser. Ein fein ausgebildetes Organ von kräftiger Fülle sichert dem jungen Künstler eine gute Zukunft. Als vortrefflicher Pianist führte sich Herr Kapellmeister Zaun 6. Kompagnie) ein. Er brachte zwei Phantasien aus„Troubadour“ und„La Traviata“ von Verdi zum Vortrag. Herr Weidig * (5. Kompagnie, brachte, agber, Rezitationen neuerer Art auch den Humor zur Geltung und erntete mit seinen Couplets usw. reichen Beifall. Die Begleitung der Gesänge lag in den Händen von Kapellmeister Zaun. 5 e „ Straßenbahnunglück. Gestern nachmittag um 2 Uhr trug sich auf der Walltorstraße ein Straßenbahn⸗ unfall mit tödlichem Ausgang zu. Ein Kind versuchte, vor einem herankommenden Wagen der Elektrischen über die Straße zu laufen, wurde aber von dem Wagen erfaßt und tödlich verletzt. Der Wagenführer ist an dem traurigen Vorfall unschuldig. 5 * Festgenommene Ausreißer. Zwei kriegs⸗ gefangene Engländer, die kürzlich aus dem Gefangenenlager in Gießen entsprungen waren, sind vorgestern nachmittag auf dem Aschaffenburger Schießplatze von einer Abteilung Jäger festgenommen worden. Eine Frau hatte die beiden Engländer in einem dortigen Felde gesehen und hiervon dem Jägerbataillon Mitteilung gemacht, da ihr die Sache verdächtig vorgekommen war. 5 Vo m Postscheckverkehr. Im Reichs postgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende September 1915 auf 109 592 gestiegen.(Zugang im Monat September 681.) Auf diesen Postscheckkonten wurden im September gebucht 1998 Millionen Mark Gutschriften und 1975 Millionen Mark Last⸗ schriften. Bargeld wurden 2169 Millionen Mark des Umsatzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im September durchschnittlich 270 Millionen Mark. Im inter- nationalen Postüberweisungsverkehr wurden 4, Millionen Mark 500 umgesetzt. Landkreis Gießen. ne. Bellersheim, 9. Okt. Der gewaltige Kampf im Westen hat auch aus unserer Gemeinde wieder ein Opfer gefordert. Gustav Dörmer wird seit Ende September nach den erneuten Angriffen der Franzosen vermißt. Ueber sein Schicksal ist bis jetzt noch nichts Näberes bekannt. Im Osten fiel Ernst Müller im Alter von 20 Jahren. Er war erst kurz vorher mit seinem Kameraden Wil⸗ helm Gyäf von hier ausgerlickt. Innerhalb einer Woche starben beide den Heldentod fürs Vaterland. Kreis Büdingen. 5 8 — Büdingen, 8. Ott. Zur Versorgung der Kreis insassen mit billigen Lebensmitteln beschloß die Kreis“ verwaltung den Einkauf großer Mengen von Gerstengraupen, Schnitt⸗ und Suppennudeln, Erbsen, Bohnen, Heringen und Wetzen⸗ gries. Die Waren werden zum Selbsikostenpreis an Kleinhändler, Konsumvereine und auch Lazarette abgegeben. Für den Wieder⸗ verkauf der Lebensmittel an die Bevölkerung werden den Klein- händlern für jede Sorte Ware seste Preise vorgeschrieben, so daß jede Bewucherung ausgeschlossen ist. * Borsdorf, 10. Okt. Noch nie seit Menschen⸗ edenken ist soviel Ob st hier geerntet worden wie in diesem ahr. Wurden doch auf dem Bahnhof Nidda von Borsdorf allein 21 Waggon Spee verladen. Dazu kommt noch das zum Teil in Ober⸗Widdersheim und auch in Nidda verladene Brechobst. Der Erlös für die diesjährige Obst⸗ ernte dürfte 25—30 000 Mark betragen.— Der Reservist Heinrich Döll verstarb in einem Kriegslazarett in Rußland. Stockheim, 9. Okt. Nächsten Sonntag, den 17. d. Mts., findet in der Umgebung eine größere Uebung der Jung⸗ mannschaften des Kreises statt. Die Führung haben Offi⸗ ziere, die Oberleitung ein Friedberger Major übernommen. Ranstadt, 9. Okt. Auf dem Felde der Ehre fiel im Westen der Landsturmmann Wolf. Kreis Schotten. ** Rudingshain, 9. Okt. Auf dem Felde der Ehre fiel in den Kämpfen Ende vorigen Monats im Westen der Landwehr⸗ mann Frank. qu. Steinberg, 9. Okt. Das neuerbaute Schulhaus unserer Gemeinde, das am Ende des Ortes an der Straße nach Merkenfritz erbaut worden ist, ist soweit fertiggestellt. Es soll in Kürze seiner Bestimmung übergeben werden. Größere Einweihungs- seierlichkeiten werden nicht stattfinden. qu. Aus dem südlichen Vogelsberg, 9. Okt. Allent⸗ halben ist man jetzt mit der Einbringung der letzten diesjährigen Ernteerträgnisse beschäftigt. Die Kartoffelernte ist in Menge und Güte geradezu vorzüglich ausgefallen. Viele Landwirte haben weit über ihren Bedarf geerntet, so daß, wenn auch kein billiger, so doch ein der Ernte entsprechender mäßiger Preis für Kartoffeln in hiesiger Gegend zu erwarten steht. Wie die Kartoffelernte, so sind auch die anderen Erdgewächse— vor allem das Weiß⸗ kraut— recht gut geraten. Seit langer Zeit ist nicht so gut und reichlich geerntet worden wie in diesem Herbst; das gilt auch ins⸗ besondere für die Obsternte unserer Gegend. Kreis Friedberg. Friedberg, 10. Okt. Der Steuerwert des Ver⸗ mögens der Gemeinden des Kreises Friedberg wurde vom Kreis ⸗ amt mit 499979100 Mk. festgestellt, Die steuerkräftigsten Ge⸗ meinden sind Bad⸗Nauheim mit 110 508 400 Mk., Friedberg mit 73826 200 Mk., Butzbach mit 26 343 400 Mk., Vilbel mit 19 442 900 Mk. und Rodheim mit 11 112 000 Mk. Die übrigen Orte verfügen über weniger als 10 Millionen Mk. Vermögen. „ Bruchenbrücken, 9. Okt. Der Sohn des hiesigen Pfarrers Knab, Hauptmann Knab, steht schon einige Zeit auf Gallipoli in türkischen Diensten. Der Sultan verlieh ihm bereits eine höhere Kriegsauszeichnung. Hessen⸗Nassau. Marburg, 10. Okt. Bei der Marburger Obstver⸗ kaufsvermittlungsstelle wurden insgesamt 209 Abschlüsse gemacht und 119,75 Ztr. Obst für 1392,20 Mark verkauft. Der Durchschnittspreis beträgt 1160 Mark pro Zentner.— Der Höchstpreis für Milch ist auf 24 Pfg. festgesetzt.— Auf den letzten Wochenmärkten kostete die Butter 1,90 bis 2,00 Mark. Trotz der gewaltigen Kartoffelernte werden hier so wenig Kartoffeln angeboten, daß wohl behördliche Maß⸗ nahmen nicht zu umgehen sind. Während in normalen Zeiten bei einer Mittelernte die Kartoffeln hier für höchstens 3 Mark zu kaufen waren, werden jetzt durchschnittlich 4 Mark gefordert. X Hanau, 10. Okt. Im Einverständnis mit dem Orts⸗ kuratorium hat die Landwirtschaftsklammer für den Re⸗ gierungsbezirk Kassel beschlossen, die landwirtschaft⸗ lichen Winterschulen in Fritzlar, Fulda, Hersfeld und Ziegenhain mit Rücksicht auf den herrschenden Kriegszustand nicht zu eröffnen. Dagegen ist beabsichtigt, den Schulbetrieb an den landwirtschaftlichen Winterschulanstalten in Esch⸗ wege, Hofgeismar, Marburg, Melsungen und Rodenberg weiterzuführen, sofern sich die genügende Schülerzahl findet. Ueber die Eröffnung der landwirtschaftlichen Winterschule in Gelnhausen ist eine Entscheidung noch nicht getroffen. = Bad Homburg v. d. H., 10. Okt. Der Obertaunus⸗ kreis hat in Geweinschaft mit dem Kreise Usingen einen Ver⸗ sorgungs verband für Brotgetreide und Mehl ge⸗ bildet. Durch diesen wirtschaftlichen Zusammenschluß erfahren die Mehl- und Brotpreise in Zukunst eine nicht unwesentliche Ver⸗ billigung. Im Kreise Usingen erhält serner durch Beschluß des Kreisausschusses die versorgungs berechtigte Bevölkerung für den Kopf in jeder Woche 250 Gramm Brot mehr als bisher. Außer- dem kostet von heute ab im Usinger Gebiet der Doppelzentner Roggenmehl statt 38 nur noch 35 und der Doppelzentner Weizen- mehl statt 42 nur noch 40 Mark. Das Vierpfundbrot kostet nur noch 70 Pfg. ul. Limburg, 9. Okt. Auf der Landstraße von Limburg nach Steinbach fiel gestern nachmittag die 24 Jahre alte Ehe⸗ fran Häuser aus Steinbach derart unglücklich vom Wagen, daß sie schwer verletzt liegen blieb. Man brachte die Ver⸗ unglückte, deren Mann im Felde steht, ins hiesige St. Vinzenz⸗ hospital. N ö X Kassel, 10. Ott. Auf eine Erngabe der Landwirt⸗ schaftskammer Kassel hat die Kgl. Regierung, Abteilung für Kirchen⸗ und Schulangelegenheiten, verfuͤgt, daß da, wo die örtlichen Verhältnisse es fordern und eine l⸗ liche Beeinträchtigung des Schulunterrichts nicht zu be⸗ fürchten ist, Schulkindern im Herbst zum Viehhüten möglichst weitgehender Urlaub erteilt wird. Die Kartoffelversorgung. Berlin, 8. Oktober.(WTB. Amtlich.) Der Bu n⸗ desrat hat in seiner heutigen Sitzung eine Bekanntmachung über die Kartoffelversorgung er⸗ lassen. Danach wird eine Reichskartoffelstelle mit einer behördlichen Verwaltungsabteilung und einer kauf⸗ männisch geleiteten Geschäftsabteilung errichtet. Die Ge⸗ schäftsabteilung ist eine G. m. b. H. Insoweit die zur Er⸗ nährung der Bevölkerung eines Kommunalverbandes für Herbst und Winter erforderlichen Kartoffeln nicht ander⸗ weitig beschafft sind, oder zu angemessenen Preisen beschafft werden können, meldet der Kommunalverband den Fehl⸗ betrag bei der Reichskartoffelstelle an. Diese deckt den an⸗ gemeldeten Bedarf zu den bestimmten Grundpreisen freihändig. Soweit dies nicht möglich ist, werden die an⸗ geforderten Mengen auf die Produktionskreise zur Liefe⸗ rung umgelegt. Zum Zwecke der Sicherstellung dieser Men⸗ gen haben alle Kartoffelerzeuger mit mehr als 10 Hektar Kartoffel⸗Anbaufläche zehn vom Hundert ihrer gesam⸗ ten Kartoffelernte bis zum 29. Februar 1916 zur 5 Verfügung des Kommunalverbandes zu a halten. Diese Kartoffeln müssen Speisekartoffeln oder Kartoffeln sein, die als Speis können. Hinsichtlich dieser Mengen ist die Enteignungs⸗ befugnis gegeben. Der Enteignungspreis wird unter Berücksichtigung der Güte und Verwertbarkeit der 5 Kartoffeln bestimmt, darf jedoch den Grundpreis nicht über⸗ 0 steigen, der nach Bezirken festgesetzt ist und zwischen 55 5 und 61 Mark pro Tonne loko der Eisenbahnversand⸗ station sich bewegt. Die Preise gelten für Lieferung ohne Sack und für Barzahlung bei Empfang. Bei Enteignungen nach dem 31. Dezember 1915 kann neben dem Enteignungs⸗ preis eine Verwahrungsgebühr gewährt werden Die Reichs⸗ lartoffelstelle gibt Bezugsscheine an die Bedarfstommunal⸗ verbände aus, auf Grund deren diese ihren Bedarf aus den festgelegten Kartoffelmengen durch Erwerb decken können. ekartoffeln verlesen werden Eingesandt. ü (Für Form und Juhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artiket übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) f „Oktroi.“ Jeder Fremde schüttelt den Kopf, wenn er das Bild am Selterstor ansieht mit der Aufschrift:„Oktroi⸗ Erhebung der Stadt Gießen“. Die Gegner von Zollschranken wun⸗ dern sich, daß in Gießen diese zweifellos veraltete Steuer noch besteht. Wenn man aber diese Verbrauchsabgaben im Interesse der städtischen Finanzen noch nicht abschaffen kann, so soll man diesen Stadtzoll wenigstens mit einem deuts chen Wort am Zollhaus unserer deutschen Stadt Gießen bezeichnen. el⸗ Meieoroleogsische Beobachlüngen der Jaston Gießen. 337 ͤͤͤUm]ꝗ œwꝛ] 3 8 2. 2 5 2„„ 1 2 2 Ott. 2 2 8 S 2 25 f S 8 i e eee Wee. 1115 8 8 88 88 2 8 5 „„— 8 2 b 4 8 888 10. 2,“— 25 84 74—— 9 Bed. Himmel 10. 8— 9,2 7,8 90—— Heller Himmel 11.7.— 70 6,9 92—— o Sonnenschein 5 1 1 1 Höchste Temperatur am 9. bis 10. Okt. 1915. 13,2, 0. Niedrigste„„ d.„. Niederschlag: 2,3 mm. 5 Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 12. Otto- r 1515 Meist heiter, trocken, tags warm, nachts kalt. Letzte Nachrichten. Wiener Betrachtungen. Wien, 10. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Neben der militäri⸗ schen und strategischen Bedeutung der Besetzung Belgrads und der glücklich begonnenen Offensive gegen Serbien, die durch ihre Raschheit und Ausdehnung neuerlich die Offensivpkraft der öster⸗ reichisch⸗ungarischen und deutschen Streitkräfte und ihre Ueber⸗ legenheit gegenüber den Feinden vor der ganzen Welt bekunde, heben die Blätter auch die politische Wichtigkeit der neuen Kriegs⸗ phase hervor, die nunmehr verheißungsvoll eingeleitet sei.— Das„Fremdenblatt“ sagt: Alle weitschauenden Pläne der Entente schienen unfehlbar, weil sie alle auf überwältigende nu⸗ merische Mittel gestütt waren, so der Aushungerungskrieg, die Dampfwalzentheorie, die zahlreichen Offenswen im Westen, bis auf die letzte, deren Energie sich schließlich als Verzweiflungsstrategie deklarierte und endlich alle Maßnahmen in Orient, von der For⸗ cierung der Dardanellen bis zur Landung in Saloniki. Die En⸗ tente, namentlich England, rechnete stets neben den rein ma⸗ teriellen wie finanziellen Mitteln mit ihrem Prestige Alle diese Faktoren sind bereits geschlagen. Aber anhaltender als der Verlust des Prestiges auf den Schlachtfeldern ist der e den der Vierverband in Punkto Realpolitik geliefert hat.. 1 Die„Neue Freie Presse“ führt aus: Die Armeen der derhün⸗ deten Kaiserreiche überschritten die Donau als Helfer der Balkan⸗ völker. Sie 1 ihnen Freiheit, eigenes Leben zu leben, zu wachsen und zu blühen. Die Balkannationen wissen dies und das Vertrauen, das ihnen die Zentralmächte einflößen, ist die wahre Ursache der diplomatischen Erfolge der beiden Kaiserreiche, eine kaum zu überschätzende Katastrophe, von der der Vierverband getroffen worden ist. 0 Eine Aeußerung eines griechischen Diplomaten. Wien, 11. Okt. Der Sonderberichterstatter des„Az Est“ in Konstantinopel hatte eine Unterredung mit dem grie⸗ chischen Gesandten, der sagte: Ich kann sagen, daß es in 8 Griechenland keinen Menschen 1175 der ein gemeinsames Vorgehen mit Italien billigen würde. Unsere Interessen und Hoffnungen stehen im Gegensatz zu denen Italiens, darum bin ich überzeugt tral bleiben werden. Unser Heer wird die Interessen des Landes Kopenhagen, 11. Okt.„Berlingske Tidende“ beschäftigt wenigstens Englands, die Unterschätung von Deutschlands sagt hierzu: Deutschland war schon vor dem Kriege das Land der c ernähren kann, sowie daß nirgends Hungerpreise wie in einer be⸗ Bevölkerung für England. und Frankreich auch weiterhin neu⸗ Die Unterschätzung von Deutschlands Fähigkeiten. 1 5 5 „Times“, wonach einer der größten Irrtümer, verhinderte Einfuhr von Rohprodukten behelfen konnte. Das Blatt daß kein wirklicher Mangel besteht und daß Deutschland sich selbst daß wir trotz der Sympathien Venizelos und der Mehrheit den nach jeder Richtung hin verteidigen. mit den Ausführungen eines neutralen Berichterstatters in Fähigkeiten gewesen sei, daß dieses sich ohne die durch den Krieg Ersatzmittel und ist es besonders jetzt im Kriege. Die Wahrheit ist 2 lagerten Festung bezahlt werden. f 9 5 „ Am 27. September fand bei am 24. September infolge seiner schweren 5 geliebter Sohn, Bruder und Enkel Den Heldentod fürs Vaterland starb Verwundung im Feldlazarett unser innigst⸗ Kriegsfreiwilliger eudwig euh L.⸗Inf.⸗Regt. Nr. 349, 10. Komp. im Alter von 17 Jahren. N In tiefem Schmerze: Johannes Luh VI. Ww., geb. Weis Wilhelm Luh, zurzeit im Felde Luise, Emma, Maria, Anna u. Erich 7998 40 einem Sturmangriff in der Champagne an innigstgeliebter Sohn, unser lieber, guter Bruder, Schwager und Onkel, der Oberlehrer Dr. Theodor Ranft Leutnant der Reserve und Kompagnieführer Heuchelheim, den 11. Okt. 1915. 77 gung. 1 Danksa Ludwig Nesseldreher III. und Familie. . Für die vielen Beweise herzlicher Teil⸗ nahme bei dem Tode und Begräbnis unserer lieben Entschlaf die trostreichen Worte de Dörr sagen wir au lichsten Dank. enen sowie für 3 Herrn Pfarrer f diesem Wege herz— 8015 Familie Ludwig Weis I. der Spitze seiner Kompagnie den Heldentod mein Inhaber des Eisernen Kreuzes und der Hessischen Tapferkeitsmedaille. Im tiefsten Schmerz: Luise Ranft Wwe. Wilhelm Ranft Karl Ranft, z. Zt. im Felde Lina Jöckel, geb. Ranft Ludwig Ranft, 2. Zt. im Felde 5 und Kinder. Giessen, Charlottenburg, Darmstadt, Grünberg(Hessen), Lerdingen(Rhein). Marie Ranft, geb. Hennig Lina Ranft, geb. August Jöckel, z. Zt. im Felde Lieschen Ranft, Schultheis geb. 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