Ar. 236 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener gamilienblätter; zweunalwöchentl.Kreis⸗ blattfür den kreis Gehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Seitfragen Ferusprech⸗Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled! Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Donnerstag, 7. Oltober 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel jährl. Mk. 2.59 durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Der Abbruch der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und Bulgarien. Petersburg, 6. Oktober.(WTB.) Nach einer Meldung der Petersburger Telegraphenagentur aus Sofia vom 5. Oktober ift die Antwort der bulgarischen Regierung auf das russische Ultimatum dem russischen Gesanden um 2.40 nachmittags übergeben worden. Da der Inhalt unbefriedigend ist, hat der russische Gesande dem bulgarischen Ministerpräsidenten den Abbruch der diplomatischen Beziehungen notifiziert und den Schutz der Interessen der russischen Untertanen dem niederländischen Geschäftsträger anvertraut. (r) Großes Hauptquartier, 6. Oktober. (Amtlich.). Westlicher Kriegsschauplatz. An der Höhe nordöstlich Neuville wurde ein fran⸗ zösischer Handgranatenangriff abgewiesen. In der Champagne versuchten die Franzosen auch gestern auf der bisherigen Angriffsfront die Offensive wieder aufzunehmen. Mit starkem Artilleriefeuer, das sich nachmittags zu großer Heftigkeit steigerte, glaubte der Feind unsere Stellung für den allgemein beabsichtigten An⸗ griff sturmreif machen zu können, während er auf der ganzen Front seine Sturmtruppen bereit stellte. Unter unserem auf der feindlichen Ausgangsstellung liegenden Artilleriefeuer gelang es den Franzosen nur an einigen Stellen, ihre Trup⸗ ben zum Sturm vorzubringen und, wo sie stürmten, wurden sie wieder unter schweren Verlusten zurückgeworfen. So brachen die an der Straße Somme⸗ Py— Souain mehrfach wiederholten Sturmanläufe gänzlich zusammen. Auch nördlich wie nordöstlich von Beauséjour⸗ Ferme und nordweftlich von Ville sur Tourbe waren die Angriffe völlig erfolglos. 5 In dem englischen Bericht vom 1. Oktober 1915 wird behauptet, daß die Engländer im Luftkampf die Oberhand über unsere Flieger gewonnen hätten. Hierüber gibt folgende Zusammenstellung den besten Aufschluß: Im Monat September sind an deutschen Flugzeugen verloren gegangen: eee Eff. 2 durch Abschuß von der Erde aus 2 im ganzen 7 Flugz. Im gleichen Zeitraum verloren unsere Gegner: * e eee, durch Abschuß von der Erde 5 . 1 4 durch Landung in und hinter Füfter Linie 3 7 8 22 im ganzen.*. Flugzeuge Oestlicher Kriegsschauplaßtz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Feind hat gestern zwischen Dryswjaty⸗See und Krewo erneut zu größeren Angriffen angesetzt. Sie sind abgeschlagen oder im Feuer zusammen⸗ gebrochen. Anfangserfolge erzielte der Feind bei Kosjany und hart südlich des Wyszniew⸗Sees. Durch Gegenangriffe wurde die Lage von uns unter schweren Verlusten für den Feind wieder hergeftellt. Heeresgruppe der Generalfeldmarschälle Prinzen Leopold von Bayern u. v. Mackensen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. In der Gegend nordwestlich von Czartorysk haben sich Kämpfe entwickelt. Oberste Heeresleitung. 5 Wie vorauszusehen war, hat Bulgarien die russischen Zumutungen abgelehnt, und Rußland hat seine„Drohung“ verwirklicht. Nun müssen die maßgebenden Kreise in Sofia sich damit abfinden, die Gesellschaft des russischen Gesandten und womöglich auch diejenige der Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens zu entbehren, aber das wird ihnen keinen Kummer bringen. Es klingt ja. daß vier Großmächte einem kleineren Staat den Fehdehandschuh hin⸗ werfen, aber— Bulgarien hat mächtige und tatkräftigeHelfer. Und die letzten Ereignisse in Griechenland sind nicht ge⸗ eignet, ihm verstärkte Besorgnisse einzuflößen. Venizelos, der vor der griechischen Kammer noch einmal sein heißes Herz entdeckt hat, geht, und die Franzosen schäumen vor Wut und Enttäuschung. Der Kreter war bekanntlich von lange her ihr Liebling, und es ist sehr glaublich, daß, wie heute in der Presse versichert wird, Delcassé es war, der die Lawine durch die Truppenlandungen in Saloniki in Gang bringen wollte, während das verschämte England zuerst dagegen gewesen sein soll. Heute pfeifen alle Spatzen ein Spottlied von den Dächern über die herrliche Konsequenz der hohen englischen Politik in Bezu auf die Achtung der Neutralität kleinerer Staaten, un obendrein hat der Gewaltakt gegen Griechenland noch keineswegs die erklügelte Wirkung verbürgt. Wer tritt an Venizelos Stelle? König Konstantin hat die Auswa zwischen mehreren bewähgten Staatsmännern. Sowo Gunaris, der Vorgänger des Kreters im Amte, wie Dra⸗ gumis, Rhallis, Theotokis, sollen, nach einem Bericht der „FIrkf. Ztg.“, in der entscheidenden Kammersitzung nach⸗ drücklich gegen die Politik Venizelos' das Wort ergriffen haben. Es wurde ihm vorgeworfen, daß er Gefühls⸗ politik treibe und das Land in Unglück und nachteilige Ab⸗ hängigkeit 15 Die Abstimmung zeigte, daß Venizelos nur eine sehr kleine Mehrheit in der Kammer fand, und da einige Minister und Abgeordnete sich der Abstimmung enthielten oder bei der Sitzung nicht zugegen waren, so war nichts begreiflicher und verständiger, als daß der König seinem bisherigen Geschäftsführer den Abschied erteilte. Es wird heute bekannt, daß die deutsche Regierung in Athen einen Protest gegen die Truppenlandungen in Saloniki vorgelegt und die griechische Regierung aufgefor⸗ dert hatte, ihre Neutralität aufrechtzuerhalten. Zugleich erfahren wir, daß damit auch eine Gesamtbeleuchtung des englisch⸗französisch⸗russischen Vorgehens verbunden war, wie sie zurzeit für die ganze Welt von höchstem Interesse ist. Denn auch Bulgarien gegenüber schlägt die„Entente“ absonderliche Wege ein. Durch Drohungen sucht man Nei⸗ gungen zu erwecken und Abneigungen zu ersticken, und im Verkehr der Staaten waren bisher solche Schritte wie das russische„Ultimatum“ gänzlich ungewohnt. Auch hier lag eine Verletzung der Neutralität, eine Mißachtung der Rechte eines selbständigen Staates, vor. Es zeigt sich in beiden Fällen, daß solche Mittel der Einwirkung, die nicht wurzeln auf dem festen Grund staatspolitischen Geschehens, sondern der Treibhausluft von Aengstlichkeit und Voreiligkeit ent⸗ sprossen sind, bald absterben. Der fiebernde Geist des er⸗ matteten Frankreich, dess besiegten Rußland und des am Rande des Abgrundes stehenden und darum nicht mehr streng prüfenden und wägenden England weht uns an. Eine halbamtliche deutsche Darlegung, die wir nach⸗ stehend wiedergeben, will dieses Kapitel der„Entente“⸗Diplo⸗ matie mit dem Motto„Die Geschichte der Heuchelei“ ver⸗ sehen. Das ist sehr zutreffend, aber wir sind am Schluß dieses Dramas angelangt, wo die Helden als beschämte 2 10 abgeführte Heuchler noch einmal vor dem Vorhang en! 2 Die Entscheidung in Sosia. Berlin, 7. Okt. Die Budapester Abendblätter berichten laut„Berl. Lokalanz.“ vom 6. d. M. aus Sofia: Die Mitglieder des Kabinetts hielten in der Wohnung des Ministerpräsidenten einen Ministerrat ab. Die Be⸗ ratungen dauerten von 8 Uhr abends bis 3 Uhr morgens. Sodann erschien dortselbst der Hofmarschall General Sa⸗ wow, der Generalissimus im Balkankriege, und hatte mit dem Ministerpräsidenten eine kurze Besprechung. Darauf fuhren beide im königlichen Automobil nach dem Badeort Franja, wo König Ferdinand zurzeit weilt. Dort angekommen, wurden beide vom König sofort in gemeinsamer Audienz empfangen. Die Beratung bei dem König dauerte von ½5 Uhr bis 8 Uhr. Nachmittags fuhren der Minister⸗ präsident und General Sawow unverzüglich nach Sofia zu⸗ rück. Ministerpräsident Radoslawow lud dar⸗ auf die Gesandten Oesterreich-Ungarns, des Deutschen Reiches undder Türkeizueiner Be⸗ sprechung zu sich. Die Konferenz mit den Diplomaten endete nach vier Stunden. Während dieser letzteren Kon⸗ ferenz erschien der englische Geschäftsträger im Ministerpräsidium, konnte aber von Radoslawow nicht empfangen werden und wurde an den ersten Sekretär verwiesen. Für heute wird die Kriegserklärung und zwar nicht nur von Rußland, sondern auch von den übrigen Ententemächten erwartet. Petersburg, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Peters⸗ burger Telegraphenagentur verbreitet eine Meldung des„Rjetsch“, wonach England, Frankreich und Italien an die bul⸗ garische Regierung kein Ultimatum richten, jedoch sofort nach der Abreise des russischen Gesandten aus Sofia ihre Vertreter ab⸗ berufen werden. Die Verbandsmächte stehen gleich Rußland auf dem Standpunkte, daß deutsche und österreich⸗ungarische Of⸗ fiziere bereits in den Bestand der bulgarischen Armee, besonders in Stäbe, aufgenommen seien. Falls Bulgarien Rußlands Ul⸗ timatum annimmt, so wird es offen und ohne daß ein Zweifel zurücbleibt, die Beziehungen zu Deutschland, Oesterreich⸗Ungarn und der Türkei abbrechen müssen. Mit Rücksicht auf die volle Un⸗ abhüngigkeit Bulgariens würde die Forderung einer Demobilisie⸗ rung nicht gestellt. Die Schritte der Vierverbandsmüchte legen Griechenland nicht die Pflicht auf, gleiche Maßnahmen zu ergreifen. Aale Griechenland und den vier Mächten bestehen keine dahingehenden vertragsmäßigen Abmachungen. Daher bleibt die diplomatische Vertretung Griechenlands wohl bis zum bul⸗ arischen Ueberfall in Sofia. Bis zu dem Augenblicke, da Griechen⸗ and vertragsmäßig für Serbien eintritt, gilt es als neutral. Taher fand es die griechische Regierung auch für nötig, gegen die von England und Frankreich begonnene Ausschiffung von Truppen in Salonik Verwahrung einzulegen. Natürlich trägt der Einspruch nur formellen Charakter; die Truppenlandung der Alliierten begegnet keinerlei Schwierigkeiten. 5 Budapest, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach hier ein⸗ getroffenen Sofioter Berichten veröffentlicht das Organ Ra⸗ doslawows,„Narodni Prava“, einen Artikel, be⸗ titelt„Das Schwerthatdas Wort“, worin an das Manifest des Königs an die Soldaten vor zwei Jahren erinnert wird. Das Wort des Königs, sagt das Blatt, daß wir unsere ruhm⸗ vollen Fahnen eingerollt für bessere Tage bewahren sollen, be⸗ zog sich auf die jetzige Zeit. Wir entfalten nunmehr unsere Fahnen und die Nation schart sich um das Panier, auf das der Ruhm des Vaterlandes und die Freiheit Mazedoniens geschrieben ist. Noch ist das Zeichen zum Aufbruch nicht gegeben, aber die Luft bebt schon von dem Rufe:„Vorwärts, bulgarische Soldaten!“ Die Diplomaten sind mit ihrem Latein zu Ende. Das bulgarisch⸗ Schwert muß nun erweisen, daß es stärker ist als alle Umtriebe der feindlichen Diplomaten. Der feurige Appell des Blattes schließt: Bürger! Eure Sehnsucht wird in Erfüllung gehen. Das Zeichen zum Aufbruch kann nicht mehr lange ausbleiben! London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Mor⸗ ning Post“ meldet aus Petersburg: Der russische Ge⸗ sandte in Sofia kann infolge einer Blinddarmope⸗ ration unmöglich abreisen und wird wahrscheinlich als Privatmann in Sofia bleiben, bis er hergestellt ist. Offi⸗ ziell verläßt die russische Gesandtschaft heute abend Softa, die andern Gesandtschaften der Alliierten werden folgen. Der Vertreter Grie chenlands würde wahrscheinlich bleiben, bis eine offene kriegerische Handlung gegen sein Land die Ab⸗ reise herbeiführe. Die Haltung der griechischen Kammer. Paris, 5. Okt.(Zens. Frkft.) Venizelos erklärte in der Kammer, daß Griechenland die durch den serbisch⸗ griechischen Vertrag eingegangenen Verpflichtungen pein⸗ lich respektieren werde, selbst wenn sie dazu führen sollten, daß Griechenland gegen Deutschland Stellung nehmen müßte, was er aufrichtig bedauern würde. Venizelos hat die Ueberzeugung ausgesprochen, daß es im Interesse Grie⸗ chenlands sei, sich auf seiten des Vierverbandes zu stellen. Diese Erklärung wurde mit einer Mehrheit von 50 Stimmen genehmigt. Die muselmanischen Depu⸗ tierten stimmten dagegen. Ein weiteres Telegramm derselben Agentur von heute besagt: Die gestrige Kammersitzung endete mit einem Ver⸗ trauensvotum. Von 257 Abstimmenden stimmten 142 für die Regierung und 102 dagegen. 13, darunter die Minister, enthielten sich der Abstimmung. 50 Deputierte waren abwesend in den Provinzen, wo Er⸗ gänzungswahlen stattfanden.(Frkf. Ztg.) Ein deutscher Protest in Athen⸗ Berlin, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Am Montag nach⸗ mittag haben die Vertreter der Entente in Sofia an die bulgarische Regierung die Forderung gerichtet, binnen 24 Stunden die diplo⸗ matischen Beziehungen zu Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn abzubrechen und sämtliche(NB. gar nicht vorhandene) deutschen Offiziere aus der bulgarischen Armee zu entlassen. Es sind wohl⸗ gemerkt 1 0 der drei Mächte, die unter dem Motto: „Für Freiheit und Recht“, für den Schutz und die Unabhängig⸗ keit der kleinen Staaten in den Kampf gezogen sind, die diese in das Selbstbestimmungsrecht Bulgariens so tief einschneidende Forderung gestellt haben. Die bul⸗ garische Regierung wird die gebührende Antwort auf diese Zu⸗ mutung zu finden wissen, die das wahre Gesicht der Entente ent⸗ hüllt, die von hohlen Phrasen über die humanitären und völker⸗ befreienden Ziele des gegenwärtigen Krieges überfließt, alle schönen Grundsätze aber fallen läßt, sobald sie glaubt, daß das ihren Interessen dienlich jst. Gleichzeitig mit dieser diplomatischen De⸗ marche in Sofia notifizierten unsere Gegner der griechischen Re⸗ gierung die beabsichtigte Ausschiffung französischer und englischer Truppen in Salonik, angeblich zur Unterstützung Serbiens. Eng⸗ land riß sich durch diesen Schritt die selbstheuchlerische Maske vom Gesicht, mit der es seit Beginn des Krieges die Verletzung der belgischen Neutralität dazu benutzt hat, um in der ganzen Welt in der würdelosesten Weise gegen Deutschland Stimmung zu machen. Wie verschieden liegen aber die beiden Fälle: Im Falle Belgiens war das Vorgehen Deutschlands durch den drohenden französischen Vormarsch begründet; es handelte sich um Notwehr in einer Lebensfrage für das Deutsche Reich. Die Verletzung der griechischen Neutralität durch Frankreich und England ist ein Völkerrechtsbruch lediglich zur Wahrung egoistischer Interessen. Weder hätte die Existenz Englands und Frankreichs auf dem Spiele gestanden, wenn die Landung unterblieben wäre, noch hatte die Entente Gründe für die Annahme, daß die Verletzung der griechischen Neutralität durch ihre Gegner geplant war. Auch ist die Hilfeleistung an Serbien nur ein Vorwand. Der wahre Grund ist, Serbien in dem Wider⸗ stand gegen Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn zu ermutigen, damit es sich, ebenso wie Belgien auf dem Altar der Interessen der Entente weiter verblutet. Deutschland soll der Weg nach Konstantinopel mit Hilfe Serbiens verlegt werden, nachdem der ersuch, den Bundesgenossen des Deutsck N reich⸗Ungarns an den Dardanellen niederzuzwingen, dank des eldenmütigen Widerstandes der ottomanischen Armee kläglich ge⸗ cheitert ist. Dieses militärische Fiasko vor der öffentlichen Mei⸗ nung der eigenen Länder zu verschleiern, ist die Ueberführung der 1 1 5 5 a 5 * 15 n Reiches und Oester⸗ JJC 0 englischen und franzosischen Truppen auf griechisches Gebiet gleich⸗ falls bestimmt. Die griechische Regierung hat gegen die Verletzung ihrer Territorialhoheit durch England und Frankreich Protest er⸗ hoben. Die Kaiserliche Regierung hat in Athen ge⸗ gen die Zulassung der Landung protestiert, die mit der von Griechenland beim Beginne des Krieges verkündeten Neutralität in Widerspruch stehen würde. Eine Antwort aufdie deutschen Vorstellungen liegt noch nicht por. Eröffnet sich jetzt ein neues Kapitel in der militärischen Geschichte dieses Krieges, so bilden die jüngsten Demarchen der Entente in Sofia und Athen das Schlußwort zu einem Kapitel in der diplomatischen Geschichte der Entente, das die Nachwelt einmal mit dem Motto versehen wird: Die Geschichte der Heuchelei! niki schreibt der„Berliner Lokalanzeiger“: Mag die Kabi⸗ nettskrise ausgehen wie sie will, der deutsche Protest behält seine Gültigkeit. Die„Deutsche Tageszeitung“ sagt zu dem Protest: In dieser Note hat die deutsche Regierung Gelegenheit genommen, nicht nur den Schritt der Vierver— bandsmächte Griechenland gegenüber in ein scharfes und rich⸗ großbritannischen Balkanpolitik klar hervorzuheben. Die Landung und die sich anschließende Expedition nach Maze⸗ donien ist offenbar berufen, wie eine Lawine zu wirken. Man glaubt, das Erscheinen der englischen und französischen Truppen werde dasselbe Ergebnis haben, wie dereinst das Erscheinen Napoleons, als er von Elba kommend auf französischem Boden landete. Delcassé als Treiber. Berlin, 7. Okt. Ueber Genf wird dem Berliner „Dokalanz.“ gemeldet: Auf die Unerschütterlichkeit der Stellung Venizelos' stützte der durch die Athener Be⸗ richte des französischen Gesandten irregeleitete Minister Delcassé seinen Plan von der Landung in Saloniki und wußte dafür auch den vor übertriebenen Hoffnungen war⸗ nenden englischen Minister Sir Edward Grey zu gewinnen. Die Truppenlandung in Saloniki. Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Eine von der Agence Havas verbreitete Note meldet, daß die Landung von Trup⸗ pen in Saloniki gestern begonnen hat. Seit mehreren Tagen hätten die verbündeten Regierungen die Beschlüsse festgelegt und die notwendigen Befehle erteilt. Die Note sagt ferner, sie hätten zuerst mit der griechischen Regierung verhandelt, die als noch neu⸗ trale Regierung Protest erhoben habe. Gleichzeitig bereiteten die französischen Offiziere in aller Freiheit die Truppenlandung vor. Die französischen und englischen Offiziere fanden sowohl bei den Zivilbehörden, wie bei den Militärbehörden in Saloniki den herz⸗ lichsten Empfang und konnten sofort nach der Ankunft die Arbeiten in aller Freiheit beginnen, denn die öffentliche Meinung begriff die Notwendigkeit der Unterstützung, welche die Vierverbands⸗ mächte in diesen schwierigen Verhältnissen den serbischen Freunden bringen, mit welchen Griechenland übrigens durch den Bündnis⸗ vertrag verbündet sei. Aeußerungen holländischer Blätter. 1 Amsterdam, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Mit be⸗ sonderem Interesse verfolgen die Zeitungen die Entwicklung der Balkan⸗Ereignisse.„Nieuws van den Dag“ chreibt: Der Vierverband will ein Ende machen. Dabei verdient festgestellt zu werden, daß die Alliierten durch ihr Vorgehen eingestehen, das Spiel am Balkan so N ziemlich verloren zu haben. Ihre Absicht war nicht, einen Balkanstaat gegen den anderen auszuspielen und durch Truppenlandungen den europäischen Krieg nach der Balkan⸗ albinsel verpflanzen, sondern einen neuen, dem Vier⸗ 5 en Balkanbund gegen die Türkei, Deutsch⸗ land und Oesterreich⸗Ungarn zustande zu bringen. Die bul⸗ 8 und griechische Armee sollten mithelsen, die Dar⸗ 55 en 1 1 nicht, wie es jetzt im günstigsten alle geschehen wird, einander zu bekämpfen. Nur so hätte die Teilnahme der Balkanstaaten am Kriege eine Entschei⸗ dung zugunsten der Alliierten herbeiführen können. Der Plan ist gescheitert. Selbst der für die Alliierten günstigste Fall, daß Bulgarien neutral bleibt, erscheint wegen der Landung der Alliierten in Saloniki ausge⸗ schlossen.— Der„Rotterdamsche Courant“ hält es für nicht unwahrscheinlich, daß die Alliierten einfach ihre Operationsbasis von Gallipoli Saloniki verlegen, weil die Herbststürme ohnehin die Verbindung mit den Truppen auf Gallipoli unsicher machen. Essad Pascha. . Genf, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des„Progres de Lyon“ aus Durazzo hat Essad Pascha 30 dor⸗ tige Einwohner hinrichten lassen, die beschuldigt und angeblich überführt waren, als Agenten Oesterreich⸗Ungarns einen Versuch zur Anstiftung von Unruhen gemacht zu haben. **.* Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht. Wien, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. Oktober 1915. . Russischer Kriegsschauplatz. Keine Aenderung. Italienischer Kriegsschauplatz. Auf der Hochfläche von Vilgereuth wurde um Mit⸗ ter nacht ein starker italienischer Angriff, der stellenweise nahe an unsere Hindernisse herankam, restlos abgewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs 5 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ** b 5 1 . . c 5 * Die dritte österreichisch⸗ungarische Kriegsauleihe. Wien, 6. Okt.(WT. Nichtamtlich.) Nach dem heute veröffentlichten Prospekt für die dritte österreichische Kriegsanleihe beträgt der Zeichnungspreis 93,60 Proz. und die Verzinsung 5½ Proz. Die Kriegsanleihe ist steuer⸗ frei. Die Stücke lauten über 100, 200, 1000, 2000 und 10 000 Kronen, sowie die Mehrfachen von 10000. Für die Zeich⸗ nungen bis 200 Kronen ist der Gegenwert bei der Anmel⸗ dung sogleich voll zu entrichten. Für die Zeichnungen über 200 Kronen sind bei der Anmeldung 10 Proz., am 6. De⸗ ö. und am 5. Januar je 20 Proz., am 5. Februar 72 oz. und am 6. März der Rest von 25 Proz. einzu⸗ Jahlen. Die österreichisch⸗ungarische Vank und die Kriegs⸗ Harlehenskasse gewähren auf die Stücke bezw. auf die Zwischenscheine Darlehen zu einem um ein halbes Prozent ermäßigten Zinsfuß, nämlich zu dem jeweiligen amtlechen Berlin, 7. Okt. Zu dem vom W. T. B. gemeldeten deutschen Protest in Athen gegen die Landung in Salo⸗ tiges Licht zu setzen, sondern auch die treibenden Motive der“ Kampfe an der bessarabischen Grenze. Czernowitz, 6. Okt. 9157 Nichtamtlich.) An der bessarabischen Grenze nordöstlich Czernowitz fand in der Nähe des Pruthufers nachts ein äußerst heftiger Angriff der Russen statt. Der Angriff dauerte von 9 Uhr abends bis Mitternacht. Die Russen stürmten fünfmal. Sämtliche Angriffe wurden gut abgewiesen. Die Russen erzielten nirgends irgendwelche Erfolge. An einer Stelle beabsich⸗ tigten sie den Pruth zu durchschwimmen und unsere in der Nähe der russischen Grenze befindlichen Positionen anzu⸗ greifen. Viele russische Soldaten ertranken dabei. Aus Rußland. Petersburg, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Hier fand eine Versammlung von Sozialdemokraten und Ver⸗ tretern der Arbeiter schaft statt, die den Zweck hatte, der Lohndrückerei der Flüchtlinge ent. wirken. Die Arbeiter versuchten, in allen Or; 9100 ionen für Flüchtlinge Zutritt zu erhalten, um diese Organisa⸗ tionen in ihrem Interesse leiten zu können. * Der französische Bericht. Paris, 5. Okt.(Zens. Frkft.) Die amtlichen Kriegsberichte vom 5. Oktober lauten: 3 Uhr nachmittags: Im Artois ziemlich heftiges gegen⸗ seitiges Bombardement auf der ganzen 1 nördlich der Scarpe; Bomben und Minenkampf in den Abschnitten von Quennedieres, Vic⸗sur⸗Aisne und auf dem Plateau von Nouvron. In der Champagne die übliche gegenseitige Kanonade, besonders in der Gegend von l'Epine de Vedegrange, bei der Ferme Navarin und auf der Anhöhe von Souain. In den Argonnen Kämpfe von Schützengraben zu Schützengraben mit Handgranaten und Petarden in aur und bei Fille Morte. Im Norden von Verdun in der Gegend von Ornes hat unsere Artillerie einen deutschen Eisenbahnzug getroffen und eine heftige Explosion verursacht. Auf dem Reste der Front ist nichts zu melden. Eines unserer Luftgeschwader warf 50 Granaten auf den Bahnhof von Biaches bei Péronne. N Abends 11 Uhr: Gegenfeitiges ziemlich heftiges Bombardement im Norden der Scarpe und im Osten von Arras, Schützen⸗ grabenkämpfe mit Granaten und Bomben in den Abschnitten von Lihons und Andechy. In der e ne setzte der Feind mit Hilfe von Granaten und erstickenden Gasen die Beschießung der Gegenden, die hinter unserer Front im Süden der Ferme von Navaxin und in der Gegend von Souain gelegen sind, fort. Unsere Artillerie antwortete sehr energisch auf die deutschen Schützengräben und Werke. Der nämliche Artilleriekampf dauert fast ununterbrochen fort in den Argonnen, in dem Abschnitte von La Houyette, bei Les Eparges, in Walde von Apremont und in Lothringen in der Nähe von Moncel, von Aracourt und von Auberviller. Am Abend des 4. Oktober versuchte der Feind einen Handstreich auf unsere Posten im Osten von Orbey in den Vogesen. Er wurde vollständig zurückgeschlagen. Ein Zeppelin über Chalon. Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Havas meldet: Ein Zeppelin überflog in der Nacht vom 8. zum 4. Oktober Cha⸗ lon und warf mehrere Bomben ab, die einigen Sachschaden an⸗ richteten. 2 Ans Frankreich. Paris, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet, daß der Vorsitzende des Finanzausschusses des Senats, Pe 1 15 192 eine neue Organisation der französischen Mini⸗ sterien für die Dauer des Krieges vorzuschlagen beabsichtige. Augenblicklich bestehen in Frankreich 14 Ministerien, davon zwei ohne Portefeuille, sowie acht Unterstaatssekretariate. Peyptral schlägt vor, für die Dauer des Krieges die Zahl der Ministerien auf acht und die der Unterstaatssekretariate auf fünf herabzusetzen. Nach ber neuen Organisation sollen folgende Ministerien bestehen: 1. Vorsitz ohne Portefeuille, 2. Auswärtige Angelegenheiten, 3, Krieg, 4 Marine und Kolonien, 5. Finanzen, 6. Oeffentliche Arbeiten, Handel, Post und Telegraphen, 7. Inneres, Justiz und Arbeit, 8. QOeffentlicher Unterricht, schöne Künste und Ackerbau. Das zweite Ministerium ohne Portefeuille soll e werden, ebenso die Unterstaatssekretarigte der Auswärtigen Angelegenheiten, der schönen Künste und des Innern, so daß nur vier Unterstaats⸗ sekretariate des Krieges und das Unterstaatssekretariat der Han⸗ delsmarine bestehen bleiben. Der Vorschlag Peytral wird augen⸗ blicklich geprüft und wird erst in parlamentarischer Form nieder⸗ elegt werden, wenn Peytral über den Umfang der Ersparnisse g chenschafk abzulegen vermag, die sein Vorschlag zur Folge haben önnte. Die Kartoffelernte in den Niederlanden. Haag, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die diesjährige Kartoffelernte in den Niederlanden steht um acht Millionen Hektoliter gegen derjenigen im Jahre 1914 zurück. Die Wiedereröffnung der Grenzen für die Kartoffel⸗ ausfuhr dürfte Schwierigkeiten begegnen. Die Rekrutierung in England. London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Rote Formulare mit den Namen aller Männer im militärischen Alter, die diese Woche für Rekrutierungszwecke 91 wurden, bilden das allgemeine Gesprächsthema. Lord Derby, der die Leitung der Rekrutierung übernahm, sagte in einer ammlung, er habe es aus persönlicher Freundschaft für Kitchener getan. Er komme sich wie ein Mann vor, der eine Konkursmasse liquidieren müsse. Er werde danach trachten, die Angelegen⸗ heit in Ordnung zu bringen. Wenn die Sache nicht so gehe, wie sie solle, werde er die Leitung niederlegen. Der Ar⸗ beiterparteiler Thomas sagte, Lord Derby spreche mit Unrecht von einem Bankerott. Er hege volles Vertrauen zum Volke. Man müsse auf die Opferwilligkeit der Nation stolz sein und nicht pessimistisch urteilen. Seiner Meinung nach sei nur nötig, daß die Regierung deutlich sage, was sie brauche. Die Männer und Frauen Englands würden antworten wie nie zuvor. Deutschland und Amerika. Washington, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Frage der zu zahlenden Schaden vergütung in der Angelegenheit der„Arabic“ wird durch direkte Verhandlungen mit Bernstorff erledigt werden. In einem Briefe an Lansing teilt Bernst ff mit, der Kommandant des Unterseebootes, das die „Arabic“ versenkt hat, sei nach seinen und der Besatzung dienst⸗ lichen eidlichen Aussagen fest davon überzeugt gewesen, daß die „Arabic“ das Unterseeboot angreifen wollte. Die Kaiserliche Regierung habe andererseits den eidlichen Aussagen der englischen Offiziere der„Arabic“, die das Unterseeboot nicht gesehen haben wollen, den Glauben nicht versagen wollen und gebe danach 6 daß ein Rammversuch tatsächlich nicht vorgelegen habe. Der An⸗ griff des Unterseebogtes habe somit zu ihrem Bedauern den er⸗ teilten e icht entsprochen, was dem Kommandanten mitgeteilt wurde. Washington, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nachdem Graf Bernstorff das Staatsdepartement besucht hatte, keilte Lansing mit, Deutschland gehe zu, daf der Angriff des Unterseeboots auf die„Arabic“ den erteilten Instrukttonen nicht entsprochen habe. Deutschland sei bereit, jedoch ohne An⸗ erkennung einer Verpflichtung, eine Entschädigung für den Wechseldiskontsatz. Die Zeichnungsdauer erstreckt sich vom 67. Oktober bis zum 6. November. Verlust der amerikanischen Menft chenleben zu zahlen. 525 einem Schreiben, das Bernstorff Lansing überreichte, werde gesagt, die Befehle des Kaisers an die UÜL⸗Boot⸗Kommandan⸗ und naß ist. Dagegen währt die Kälte nicht ren fetten b. e st i in nt 1, daß eine Wlieberholung bes Vorfalles ausgeschlossen sei. 5 Der Seekrieg. London, 6. Okt.(WTB Nichtamtlich.)„Lloyds“ meldet: Die britischen Dampfer„Sailor Prince“ und„Haynd“ wurden versenkt. Tie Besatzung des„Haynd“ ist in Sicherheit; 1 192 dem Dampfer„Sailor Prince“ wurden einige Leute London, 6. Okt. WI Nichtamtlich.) Meldung des Reu⸗ terschen Bureaus. Eine Mitteilung der Admiralität macht darauf aufmerksam, daß die Fahrt durch den Pentland⸗Firth mit den größten Gefahren verbunden sei. 1 London, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der britische Dampfer„Nova Castrian“(1060 Bruttotonnen) ist ge⸗ sunken. Die Besatzung, von der zwei Mann verwundet waren, wurde gelandet. Aus dem Reiche. 5 Vom Feldmarschall v. Hindenburg. auptguartier⸗Ost, 6. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nen Hindenburg bittet um die Veröffent⸗ lichung fo gender Zeilen: Zu meinem Geburtstage sind mir zahlreiche Glückwünsche zugegangen; insbesondere wurde ich durch verschiedene Spenden für die mir anver⸗ trauten Truppen hoch erfreut Allen, die meiner freundlich sedacht haben, bitte ich, auf diesem Wege meinen herz⸗ ichsten Dank aussprechen zu dürfen. Feldmarschall von Hindenburg. Brotgetreide und Fütterung. Berlin, 6. Okt.(WTB. Amtlich.) Der Bundesrat hat der Reichsgetreidestelle auf ihr Betreiben durch Verordnung vom 2. Oktober 1915 die Ermächtigung erteilt, Brotgetreide, das ihr gehört, zu Futterzwecken verschroten zu lassen. Die Reichsgetreidestelle hat ferner das Recht er⸗ halten, nicht mahlfähiges Brotgetreide zu Fut en verwenden oder verarbeiten zu lassen. Am 4. Oktober 1915 hat nun der Aufsichtsrat der Reichsgetreidestelle darauf⸗ hin beschlossen, zunächst bis zu drei Millionen Doppel⸗ zentner Brotgetreide verschroten zu lassen und zum Preise von 30 Mk. ohne Sack frachtfrei Empfangsstation für den Doppelzentner abzugeben. Da zurzeit in erster Linie für reichlichere e und eee nament⸗ lich für die Säuglinge in den dichtbevölkerten ebieten, zu sorgen ist, 5 nach übereinstimmender Absicht der Reichs⸗ e e und der Reichsfuttermittelstelle in erster Linie Rilchvieh und mästungsreife Schweine bedacht werden. Die Reichsfuttermittelstelle wird ihrem Beirat die näheren Be⸗ stimmungen über die Verteilung an die Kommunalverbände nach diesen Grundsätzen vorschlagen. Die Verschrotung wird schon jetzt in die Wege geleitet, so daß die Versendung an die Kommunalverbände in Kürze beginnen kann. Dies FJutterschrot wird mit Eosin gesärbt, um dadurch Um⸗ gehungen zu verhüten. Die Bundesratsverordnung vom 2. Oktober 1915 ordnet an, daß nur die Reichsgetreidestelle, ber kein Kommunalverband und kein Selbstwirtschaften ohne Genehmigung der Reichsgetreidestelle Brotgetreide zu Futterzwecken berschrdten lassen f. Die sparsame und einheitliche Bewirtschaftung des Brotgetreides, wie sie durch die Reichsgetreidestelle für die Ernährung des Volkes er⸗ reicht wird, hat es ermöglicht, daß in diesem Jahre Getreide⸗ bestände, die unmittelbar für die menschliche oternährung entbehrlich sind, mittelbar für die Volksernährung mit Fett, Fleisch und Milch verwendet werden. Aus Stadt und Cand. Gießen, 7. Oktober 1915. Der Herbst als Winterprophet. Das Landvolk, das in unmittelbarer Verbindung mit der Natur steht, bewahrt die Wettererfahrungen seiner Vor⸗ väter aus alter Zeit als einen sichern Weisheitsschatz. Nach ihm beurteilt es die Blüte des frühen, die Früchte des späteren Jahres im voraus, und auch von der Zeit der toten Natur macht es sich schon im Herbst ein bestimmtes Bild. Und so denkt das Volk über den Herbst: Ist der Anfang des Herbstes klar, so folgt ein„windiger“ Winter.„Hart“ wird dieser sein, wenn das Laub„ungern“ von den Bäu⸗ men fällt, und„gemeiniglich lang“, wenn der Herbst warm U ange wenn 5 das Laub„bald“ rasch ee Gibt es um e (29. September) viel Eicheln, so fällt viel Schnee um Weih⸗ nachten. Sind um diese Zeit die Eichäpfel inwendig schön a und frisch, so bedeutet es, daß künftigen Sommer die Früchte wohl geraten werden; sind sie naß und faul, so verkünden sie einen nassen, sind sie mager und dürr, einen heißen und schlechten Sommer. Findet sich darin eine Mücke, so bedeutet es ein mittelmäßiges Jahr. Mitte Oktober kom⸗ men noch in der Regel 5 warme Tage, die man den „Gallen⸗Sommer“ nennt. F. 1 5 die Kraniche und Wild⸗ gäuse weg, so bleibt auch der Winter noch lange„außen“ Bedeutungsvoll ist der Tag, an dem es im Oktober zum erstenmal schneit. Es wird im nachfolgenden Winter gerade so viel mal schneien, als Oktobertage vor dem n Schneefall vergangen sind. Schneit es z. B. am 30. Oktober, so ist demgemäß ein dreißigmaliger Schneefall zu erwarten. Nach der Art des ersten Oktoberschnees läßt sich aber auch f auf den Winter oder seine Dauer schließen. Bleibt jener lange liegen, so wird dieser lange anhalten. Dagegen wird es soviel mal Tauwetter geben, als man vom ersten e⸗ fall im Oktober bis zum„nächst⸗künftigen“ Neumond Tage zählt. Wenn es donnert, während Sonne und Mond im Zeichen des Skorpion stehen,„so soll ein großer Hunger entstehen“. Für den November ist es ahnlich Allerheiligen (1. November) bringt„gemeiniglich“ noch einen kleinen Nachsommer. An diesem Abend pfle die Landleute einen Span von einer Birke zu hauen und danach das Wetter zu beurteilen; ein trockner Span zeigt an, daß der Saft schon in die Wurzel gewichen und ein kalter Winter folgen werde; ist jener aber feucht so soll keine große Kälte zu befürchten sein. Bringt der Martinstag(11. November) einen bewölk⸗ ten Himmel, dann soll ein beständiger, jedoch„leidentlicher Winter folgen. Regnets, so bedeutet es einen unbeständigen Winter. Klarer Himmel mit Sonnenschein zeigt einen harten Winter und große Kälte an. Drei Tage vor Martini geht, nach Meinung der Landbewohner, der„Wolfsmonat“ an. Er endigt am 7. Dezember. Fällt im November der erste Schnee in den Kot, so soll es eine Teuerung bedeuten; fällt er aber auf trocknes Erdreich, dann wird ein fruchtbares Jahr vermutet. Wie das Wetter im Wolfsmonat ist, so soll es auch„wittern“ im künftigen März. Nach dem Bauern⸗ kalender sind dann noch der Andreastag(9. November) und der Kathrinentag(25. November) nicht unwichtig. Wenn sich der Kathrinentag bei einem Gewitter zeigt,„also soll sich der Christmonat im Januar verspüren“ lassen. Und wie der 26. November ist, so soll auch der Horn 1 5 5* * Militärische Ausbildung der Jugend. Am n der vorletzten Woche fand eine Nacht⸗ übung, am Mittwoch abend fanden turnerische und Bajonet⸗ tierübungen, am Sonntag nachmittag en e auf den Wiesen vor Annerod statt. Am nächsten Sonntag werden die Jungmannschaften einen Uebungsmarsch mit Ab⸗ kochen durch das Ohmtal unternehmen. » Die Wormser Jungmannschaft in Gie⸗ ßen. Am Dienstag rückten um 2 Uhr die hiesigen Jung⸗ mannschaften und die Jugendwehr nach dem Schiffenberg aus, um gegen die Wormser Jungmann⸗ . zu üben. Da die Zeit zu kurz war, konnte die ebung leider nicht beendet werden. Nur auf dem westlichen Flügel kamen beide Parteien zum Gefecht. Nachdem alle Jungmannschaften in den Hof des Schiffenbergs ein⸗ marschiert waren, entbot der Führer der Gießener Jung⸗ wehren den Wormser Freunden herzlichen Willkommens⸗ gruß, der in einem begeisterten dreifachen„Hurra“ auf die Gäste ausklang. Und nun ging es singend der Vaterstadt zu. Unter den bataillons, die Herr Major Stephan zur Verfügung gestellt hatte, wurde einmarschiert. Auf Oswaldsgarten. nkte der Führer der Wormser Jungmannen, Oberlehrer Prof. Schmidt, für den herzlichen Empfang, wies auf den Zweck der achttägigen Uebungsreise der Wormser, Land und Leute in Oberhessen kennen zu lernen, hin und brachte. auf Kaiser, Großherzog und das tapfere Heer in Ost und West ein begeistertes dreifaches„Hurra“ aus. Nach Empfang der Quartierzettel und Brotmarken eilten die Wormser Gäste, geführk von den Gießener Jungmannen und Mit⸗ gliedern der Jugendwehr, ihren Quartieren zu, herzlich empfangen von ihren Quartierwirten. Am Mittwoch morgen fuhren die Wormser Jungmannschaften nach Bad⸗Nauheim, um gegen die Nauheimer und Friedberger Jungwehren zu üben. Mit der Bahn ging es abends der Heimat zu. Der Obstverkauf des Kreises Gießen hat vor zwei Tagen im Keller des Regierungsgebäudes auf dem Landgraf⸗Philipp⸗Platz seinen Anfang genommen. Es ist die alte, schon jahrelang bestehende Stammkundschaft, die die Aepfel und Birnen abnimmt, welche weniger darauf sieht, billiges Obst zu erstehen, aber Wert darauf legt, gut sortier⸗ tes Tafelobst zu erhalten. Wer von den guten Sorten, welche der Kreis auf seinen Straßen selbst brechen läßt, Obst haben will, muß seine Bestellung schon vor der Ernte machen, wenn er sicher fein will, seinen Bedarf vom Kreise geliefert zu erhalten. Das aussortierte Obst wird als Misch⸗ ubst in zwei Sorten ebenfalls auf die schon früher gemachten Bestellungen abgegeben. Stadttheater. Wiederholt sei darauf hinge⸗ wiesen, daß Anmeldungen auf neue Theaterabonne⸗ ments, die sehr erwünscht sind, jederzeit in der Musi⸗ kalienhandlung von E. Challier angenommen werden.— Wenn auch die Verhältnisse dieses Jahr größeren Wechsel im Personal bedingt haben, so blieb doch eine größere An⸗ zahl bewährter Kräfte 5 Bühne erhalten, und gewiß werden die Damen Schild, Frenzel und Jüngling, sowie die Herren Goll, Dworkowski und Stein⸗ hofer gerne wieder begrüßt werden. Ueber die neuen 1 8 wird die nächsten Tage weiteres mitgeteilt werden. n Ein berechtigter Wunsch. Aus Kreisen des Schnei⸗ dergewerbes geht uns ein Schreiben zu, in dem bitter Klage über die Lässigkeit eines großen Teiles des Publikums im Be⸗ zahlen geführt wird. Es heißt da:„Schneider und hauptsächlich Schneiderinnen stehen in dieser Zeit wirtschaftlich ganz besonders ungünstig. Fabrikanten und Grossisten pumpen nicht. Nur gegen vorherige Zahlung oder höchstens gegen Nachnahme werden seit Kriegsbeginn Stoffe geliefert. Zutaten und Nähgarne sind im Preise um das Doppelte gestiegen. Das einzige Verdienst, den sauer erworbenen Arbeitslohn, müssen manche Schneider und Schneiderinnen monatelang stehen lassen, manchmal sogar noch ganz verlieren Bittet man bescheiden um Zahlung, fühlt sich ein Teil der Kundschaft auch noch unangenehm berührt und ent⸗ zieht einem die Aufträge. Bei den meisten und gerade beim besseren Publikum handelt es sich dabei nur um Saumseligkeit und Nach⸗ lässigkeit.“— Den Wunsch nach möglichst baldiger Bezahlung der Aufträge wird man namentlich in der jetzigen Zeit, wo die Kredit⸗ verhältnisse naturgemäß viel gespannter sind, wohl verstehen kön⸗ nen. ich die Handwerksvertretungen mahnen das Publikum ja eindringlich, nicht nur den Schneidern, sondern allen Handwerkern das Du nicht durch un vernünftige Ausnutzung des Kredits zu erschweren. * Kriegsgefangene flüchtig. Aus dem Gieße⸗ ner Gefangenenlager sind entwichen: 1. Der fran⸗ zösische Krie s reiwilli e Ferd. Stotzer, von Geburt Schweizer, 24 Jahre alt, 1,68 Meter groß schlank, blond, kleines Schnurr⸗ bärtchen, schmales Gesicht, bekleidet vermutlich mit grauer russi⸗ scher Mütze, franz. kurzem, blauem Uniformrock, dunkelblauer fran⸗ zösischer Militärhose oder grauer Manchesterhose mit gelber Biese und rotem Oelfarbenstreifen sowie Schnürschuhen oder mit Drillich⸗ Arbeitsanzug. Stogtzer spricht französisch, aber auch fließend deutsch mit rant e Anklang. 2. Eugen Ganne, Belgier, war vor dem 3 in New Nork wohnhaft, ist 26jährig, blond, bartlos, hat rundes Gesicht und 15 1,65 Meter groß, hat Brandnarben an bei⸗ den Händen und infolge Verwundung steifes rechtes Handgelenk. Die Bekleidung des Mannes besteht wahrscheinlich aus blauer lei⸗ nener Hose, grauem Mantel, beides mit roten Oelfarbenstrichen versehen, und aus runder belgischer Mütze.— Ferner sind aus dem Arbeitskommando Ober⸗ Roßbach zwei kanadische Sol⸗ daten in der Nacht vom 3. zum 4. dieses Monats flüchtig ge⸗ angen. Die Personalbeschreibung der Leute ist folgende: M. C. Simmons, Sprache englisch, 1,78 Meter groß, blaue Augen, gewöhnliche Kopfform, bartloses Gesicht, kräftige Statur, blonde List Haare, ein Backenzahn fehlt, trägt englische Uniform, ist 28 Jahre alt. S. hat auf der rechten Schulter eine Narbe.— Thomas Brombay, 33 Jahre alt, Sprache englisch, 1,78 Meter groß, kräftige Statur, blaue Augen, gewöhnliche Kopfform, lange Nase, 75 schwarz melierte Hagre und trägt englische Uniform. Dem B. ehlt ein Vorderzahn. Es wird gebeten, auf die Flüchtlinge zu fahnden und dieselben festzunehmen sowie der Lagerkommandantur Gießen telegraphisch Nachricht zu geben. u Veräußerung dere Flachsvorräte. Man schreibt uns: In den Gegenden Deutschlands, in denen früher Flachsbau getrieben wurde und zum Teil heute no betrieben wird— Schlesien, Westfalen, Württemberg und Hessen— befinden sich noch größere Mengen ausgearbei⸗ teten Flachses im Besitze der Landwirte. Dieser Flachs ist vielsach schon vor Jahrzehnten geerntet und aufbewahrt worden in der Absicht, ihn selbst zu verarbeiten oder in der Hoffnung, ihn bei besseren Preisen gelegentlich zu verkaufen. le diese Flachsvorräte müssen, soweil das bisher noch nicht geschah, jetzt heraus aus den Kästen und Schränken, damit sie zum besten des Vaterlandes Verwertung finden. Jeder Landwirt hat dafür Sorge zu tragen, daß seine Bestände mittelbar oder unmittelbar an die deutschen. zur Verarbeitung gelangen. Mit der Erflllung dieser vaterländischen Pflicht verbindet sich für ihn der Vorteil, daß er für seinen Flachs einen Preis a 1 wie er in der Vergangenheit niemals gezahlt wor⸗ 75 75 ängen der Musikkapelle des Landsturm⸗ j! Wo die deutsche des en nicht klingt Einem Pfarrer unseres Kreises ging von einem seiner Gemeindeglieder, das sich an der serbischen Grenze befindet, ein Feldpostbrief zu, der u. a folgenden Beweis dafür ent⸗ hält, daß auch dort der Eierhandel seine Schwierigkeit hat: Ein Soldat sollte im Dorfe, dessen Bewohner die Truppen freundlichst aufnahmen, aber kein deutsches Wort verstan⸗ den, sondern nur Rumänisch redeten, Eier kaufen. Alle Zeichensprache, selbst das Deuten auf die Hühner, verstand die gute Frau nicht, die verlaufen sollte. In der Not kam der Feldwebel dazu. Er wußte schließlich keinen anderen Rat, als daß er in hockender Stellung das Freudengeschrei der biederen Henne nach vollbrachter Tat nachahmte. Nun hatte die Frau verstanden. Sie zeigte dem Feldwebel eine stille Ecke hinter dem Stalle, da man dort— keine Aborte kennt. Es ist zu verstehen, daß der Soldat schreibt:„Wir haben trotz der schweren Zeiten von Herzen lachen müssen.“ » Pferdeversteigerung. Samstag, den 9. Oktober, vormittags 10 Uhr, findet auf dem Pferdemarktplatz Darmstabt eine Versteigerung von 15 Stück ausrangierten Militär⸗ pferden statt. An der Versteigerung können nur hessische Landwirte teilnehmen. Die Steigerer müssen sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie während des Krieges nicht zu verkaufen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung. a. Landkreis Gießen. ü. Lollar, 6. Okt. Mit dem Eisernen Kreuze wurde neuerdings ausgezeichnet: Lehrer Ludwig Frank ohn von Eisenbahnassistent Frank, z. Zt. Unteroffizier im Inf.⸗Regt. 117; mit dem Eisernen Kreuz und der Hessischen Tapferkerts⸗ medaille Unteroffizier Karl Hofmann, Sohn von Landwirt Ludwig Hofmann, in der 8. Komp. Inf.⸗Regt. 116, Turnwart unseres hiesigen Turnvereins. Es wurden bis jetzt 283 Mann aus unserem Orte zur Fahne einberufen, hiervon sind 25 auf dem Felde der Ehre vor dem Feinde gefallen bezw. an ihren er⸗ littenen Wunden erben, 2 werden vermißt und 2 befinden sich in russischer Kriegsgefangenschaft. Kriegsauszeichnungen er⸗ hielten 14 Krieger und zwar wurden ausgezeichnet mit dem Eiser⸗ nen Kreuze 12, mit dem Eisernen Kreuze und der Großh. hessischen Tapferkeitsmedaille 2 und mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ebenfalls 2 Mann. 1 — Lich, 6. Okt. Die Sammlung der National; stiftung für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen er⸗ gab in unserer Stadt den ansehnlichen Betrag von 1330,90 Mk. Kreis Büdingen. A Büdingen, 6. Okt. An das hiesige Kreisamt wurde . Henrich aus Darmstadt zur Dienstleistung erufen. i Hainchen, 6. Okt. Den Heldentod fürs Vaterland starben die Wehrmänner Friedrich Reichard II. und Karl Reichard. 5 . ee 7. Okt. Bei der Pferdeaushebung im vorigen Jahre verlor der hiesige Gutspächter sein schönes Reit⸗ pferd. Dieser Tage kam ein Frankfurter Geschäftsmann mit einem Doppelgespann hierher, um Obst zu kaufen. Gutspächter K. exkannte in dem einen Pferd sein ehemaliges Reitpferd. Der jetzige Besitzer hatte es als dienstunbrauchbar von der Armeeverwaltung gekauft. Das auf so seltene Art wiedergefundene Tier wurde daxauf von seinem alten Herrn wieder erworben. Da es durch den Krieg ge⸗ litten hat, sind ihm vorerst einige Erholungswochen auf der Foh— lenweide gegönnt. 5 f Kreis Schotten. a Michelbach, 6. Okt. In Rußland starb der Gardist Otto Alt.— Das Eiserne Krenz erhielt Musketier Bischof im Reserve⸗Infanterie-Regiment 254. g §Hartmannshain, 5. Okt. Kriegsfreiwilliger Fritz Luft, Fahrer beim Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 63, erhielt vor kurzem die Hessische Tapferkeitsmedaille. Kreis Friedberg. Friedberg, 6. Okt. Der in weiteren Kreisen bekannte Gastwirt Heinrich Rausch, Inhaber der Apfelweinwirtschaft„zur Schillerlinde“, erhielt die Hessische Tapferkeitsmedaille.— Das Eiserne Kreuz erhielt der hiesige Geometer Staubach, Feldwebel der 241. Pionierkompagnie. Vermischtes. — Namens ⸗ Aberglaube. Daß das Luftschiff„Al⸗ sace“ in die Hände der Deutschen geraten ist, wird von vielen Franzosen als ein für sie böses Zeichen gedeutet werden. Die Nei⸗ gung, in dem Namen einer Person oder Sache gewissermaßen eine Prophezeiung zu sehen, ist allgemein. Als 1799 ein Schiff mit Na⸗ men„Italie“ auf dem Nil scheiterte, gab Lord Napier der Mei⸗ nung Ausdruck, das bedeute Unglück für die Sache Italiens. Die Neigung ist auch sehr alt; schon Ajax(griechisch Aias) bezeichnet sich nach dem Wehelaut ai als„Wehemann“. Gewöhnlich entdeckt man, daß der Name proyhetisch ist, erst, wenn das Ereignis, auf das er sich deuten läßt, schon eingetreten ist. Der erste römische König hieß Romulus, der erste Kaiser Augustus: daß der letzte römische, von Odoaker abgesetzte Kaiser Romulus Augustulus, das „Augustchen“ hieß, fand man hinterher bedeutsam. Die Franzosen, die 1870/71 geschlagen wurden,'sagten, sie wunderten sich nicht darüber, da Leboeuf und Lesourd, ein Ochse und ein Tauber, ihre Sache geführt hätten, wie etwa die Deutschen darauf kamen, daß Wilhelmshöhe, wo Napoleon saß, Napoleons Erniedrigung sei. Oft sucht man die im Namen liegende Prophetie selbst zu schaffen oder abzuändern. Forschungsreisende geben Orten, die sie entdeck⸗ ten,„glückverheißende“ Namen, und die Römer scheuten sich nicht, den Ort Mal ventum, was sie fälschlich von male ventum, das ist„schlecht gelungen“, ableiteten, in Beneventum umzuändern. So wurde auch der Ort Epidamnos, weil er an damnum, Scha⸗ den, anklang, in Dyrrhachium gewandelt. Wellington nahm gegen Ausgang des Krieges in Spanien noch eine Schlacht an, weil sie bei dem Orte Vittoria stattfand der Erfolg gab ihm recht, diese letzte Schlacht auf spanischem Boden war für ihn siegreich. Mitunter bezieht sich der Namens⸗Aberglaube nur auf bestimmte Gebiete, so werden deutsche Schiffe ungern nach deutschen Dich⸗ tern genannt, weil die, welche solche Namen führten, alle Un⸗ glück hatten.„Goethe“ ging im La Plata unter,„Schiller“ schei⸗ terte,„Lessing“ hatte Feuer an Bord,„Wieland“ brach die Schraube und„Herder“ hatte als Passagier den Massenmörder Thomas, und längsseit von ihm explodierte die verhängnisvolle Kiste. — Büchertisch. — Auskunst über die staatliche Unterstützung von Kriegsbeschädigten durch einen Beamten des Kriegsministeriums erhält jeder Kriegsteilnebmer wie auch seine Angehörigen durch ein kleines neues Schriftchen; Wie werde ich bei einer aus Anlaß des Krieges erlittenen Beschädigung ver- sorgt? Ein Merkbuch für jeden Krieger von Rechnungsrat Demmig, Geheimer exvedierender Sekretär der Pensions⸗ Abteilung des Königl. Preuß. Kriegsministeriums.(Verlag des Deutschen Offizierblattes, Gerhard Stalling in Oldenburg i. Gr. Preis 35 Pf.). —————.———— Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 6. Okt. Austrieb: 192 Rinder(darunter 18 Ochsen, 19 Bullen, 155 Kühe), 226 Kälber, 14 Schase, 138 Schweine. Geschäft lebhaft, Es bleibt nur geringer Ueberstand. Die Preise waren die gleichen wie am 4. Oktober. TLeirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 9. Oktober 1915: Freitag abend 5.15 Uhr. Samstag vormittag 8.30 Uhr. Predigt. Samstag nachmittag 3.30 Uhr. Sabbatausgang 6.30 Uhr Wochengottesdienst: morgens 6.30, abends 5.00 Uhr. e Israelitische Keligionsgemeinoe. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 9. Oktober 1915: Vorabend: 5.30 Uhr. Morgeus: 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbatausgang: 6.30 Uhr. ———— b—11ö——ñ—k Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen.. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 9. Oktober 1913 Meist bedeckt, zeitweise Niederschläge, keine wesentliche Temperatur⸗ Letzte Nachrichten. Abbruch der Beziehungen zwischen Bulgarien und England und Italien. Rom, 7. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani. Die Gesandten Englands und Ita⸗ liens haben der bulgarischen Regierung eine Note über⸗ reicht, in der sie sich dem von den Gesandten Rußlands und Frankreichs überreichten Ultimatum anschließen, und forderten ihre Pässe. 5 * Zum Rücktritt Venizelos! Lugano, 7. Okt. Der„Corriere della Sera“ schreibt zur Demission Venizelos“': Es wäre verfehlt, sich über die Schwere der Lage Illusionen hingeben zu wollen. Nie⸗ mand ist imstande, zu sagen, was nun folgen wird. Wird der König die Kammer noch einmal auflösen und sich mit dem Lande in Widerspruch setzen? 5 8 Genf, 7. Okt. Sveben eingelaufene Pariser Depeschen halten die Verabschiedung Venizelos' für äußerst bedeu⸗ tungsvoll und schwerwiegend. Sie bringe den Zentral⸗ mächten in einer Lage, die fitr sie beunruhigend wurde(7), unverhofft Hilfe. 5 Der Oberbefehlshaber des bulgarischen Heeres. Haag, 7. Okt. Der„Temps“ meldet, daß General Jostof zum Oberbefehlshaber des bulgarischen Heeres er⸗ nannt worden ist.— König Konstantin wird in den nächsten Tagen nach Saloniki gehen. Ein italienischer Zug nach dem Balkan? Lugano, 7. Okt. Umfangreiche Einberufun⸗ gen lassen auf einen wahrscheinlichen Zug Italiens nach Albanien schließen. Die uneinigen Kabinette der Entente. Genf, 7. Okt. Die einander widersprechenden Aufträge, die die Kabinette von Paris, London und Petersburg ihren Gesandten in Sofia in den letzten Tagen zugehen ließen, geben einzelnen Pariser Blättern Anlaß zu Bemängelungen. Das brüske Vor⸗ gehen Petersburg habe die Regierungen in Paris und London gezwungen, ihre Instruktionen zu widerrufen und sich der Petersburger Pression, die man als Ultimatum nicht mehr gelten lassen will, anzuschließen. Man befürchtet, daß die Meinungs⸗ verschiedenheiten, die sich ber dem diplomatischen Vorgehen gegen⸗ über Bulgarien gezeigt haben, auf den Gang der weiteren Ereig⸗ nissen von bedeutendem Einfluß sein werden. Kabelsperre. Kristiania, 7. Okt. Die Zeitung„Sjöforts Tidende“ meldet aus London: Am Freitag erließ der britische General⸗ postmeister die Weisung, Telegramme nach allen neutralen Staaten Europas, nach Rußland und nach Serbien 48 Stunden zurückzubehalten. Die Kabelverbindung zwischen Frankreich und dem übrigen Europa mit Amerika ist ebenfalls unterbrochen. Es ist dies das erstemal seit Erfindung des Telegraphen, daß eine derartige allgemeine Unterbrechung des Depeschenverkehrs statt⸗ fand. Die Telegramme, die Frankreich mit der Bestimmung nach Albanien, Bulgarien, Dänemark, Spanien, Holland, Portugal, Rumänien, Serbien, Schweden sowie das gesamte Amerila passie⸗ ren, wurden gleichfalls 48 Stunden aufgehalten. Ausgenommen waren Preßtelegramme und öffentliche Telegramme. Der Zweck war, Mitteilungen wichtiger militärische Dinge zu verhindern, die geheim gehalten werden sollen⸗ Vermutlich wird man bald nähere gen bevor. Ablösung der englischen Truppen in Aegypten durch Italiener. ö Kopenhagen, 7. Okt. Der italienische Publizist Gan⸗ dolfi schreibt in der„Idea Nazionale“: Die Anwesenheit des Generals Hunter⸗-Pascha, des Oberstkomman⸗ dierenden der englischen Streitkräfte in Aegypten, in Rom, soll die italienisch⸗englischen Vor⸗ besprechungen über eine Ablösung der englischen Truppen in Aegypten durch italienische beschleunigen. Die italienische Regierung stellt sich sehr wohlwollend gegen diesen eng⸗ lischen Plan, da Italien von Aegypten aus seine eigenen nordafrikanischen Kolonien scharf bewachen könne. Englisch⸗französischer Munitionsmangel. Köln, 7. Okt. Laut„Kölnischer Zeitung“ bezeichnet der Zürcher Anzeiger als Grund des Abflauens der englisch⸗franzo⸗ sischen Offensivstöße neben dem unerwarteten d Wider⸗ stand die Erschöpfung des Munitionsbestandes. Die großen Mu⸗ nitionsmengen seien nach verläßlichen Berichten so zusammen⸗ geschmolzen, daß für die nächsten Tage auf kräftigere Angriffe nicht zu rechnen sei und der Hauptangriff auf vielleicht einen Monat lang hinausgeschoben werden müßte, worauf die fran⸗ zösische Presse schon jetzt vorbereitet. Graf Königsmarck lebt. 1 Hannover, 7. Okt. Es ist dem Regiment der Königs⸗ ulanen, bei dem Graf Königsmarck bei Kriegsausbrüch wieder aktiv wurde, ebensowenig etwas von seinem an⸗ geblichen Tode bekannt, wie den Verwandten des Grafen. Die Eröffnung des Panamakanals. London, 7. Okt. Die„Times“ erfährt, daß die Er⸗ öffnung des Panamakanals jetzt für den 10. Ok⸗ tober 1 worden ist. üchte Sodener Mineral⸗ Pastillen Nachahmungen weise man zurück. Erklärungen darüber erhalten; vielleicht stehen große Ueberraschun⸗ N * 8 .. ̃ĩᷣͤ FFC 727 ˙ ¾d?Ldd N r Zelft unseren kriegsgefangenen Deutschen 1 in Außland! Groß ist die Not unter den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland. Ihnen zu helfen, die Not zu lindern, Leben und Gesundheit ihnen zu erhalten, ist jetzt für uns alle vornehmste Pflicht, da der russische Winter vor der Türe steht. Vertrauens würdige Neutrale werden unsere Gaben direkt in die Gefangenenlager überführen. Große Mittel sind dazu erforderlich, die durch eine Sammlung im ganzen Deutschen Reich aufgebracht werden sollen. Auch wir Gießener wollen uns von der Mithilfe nicht auss⸗ chließen. Kein Opfer dürfen wir scheuen. Verzichte jeder auf einen Genuß, auf ein Vergnügen, um das dadurch Ersparte unseren darbenden Volksgenossen zuzuwenden. Jedes Opfer ist klein gegenüber dem, was wir unseren Brüdern in russischer Gefangenschaft zu verdanken haben. Der 9. und Jo. Oktober sollen f allgemeine Opfertage für die Stadt Gießen * 7 5 * sein, an denen wir unseren Dank durch die Tat beweisen wollen. Drum weise keiner an diesen Tagen unsere Sammler 7 und Sammlerinnen zurück, sondern spende nach seinen Kräften. Unsere Sammlung soll auf allen Straßen und in allen ** Häusern erfolgen. i * Geldspenden nehmen außerdem die Niederlassung der Bank für Sandel und Industrie, die Bezirkssparkasse, die 0 Gewerbebank, die Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank und die Kasse des Roten Kreuzes(alte Klinik) entgegen. J 8 a i 5 Der Oberbürgermeister: 7 Keller. Die Vorsitzende d. Alice⸗Frauenvereins Der Vorsitzende des Zweigvereins * Zweigverein Gießen Gießen vom Roten Kreuz . Frau B. Gebhard. Wiener. 5 Verlegun 7 stheumatismus-, Ischias- und Gichtleidende nehmen die zSlänzend bewährten von Brotmarken⸗Ausgabestellen. Petrin- Tabletten Die Ausgabestelle des I. Bezirks nach Asterweg 9, 1. Obergeschoß, und die uz obne jegliche Nebenerscheinungen und sicher end.— u haben in allen Apotheken. Ausgabestelle des XI. Bezirks(früher alte Alieeschule Kirchstraße 20) nach deter. Achtung! Für Schuhmacher! Militärsobllederstangz per Ztr. Mk. 75.— weg 25, Erdgeschoß, verlegt. Gießen, 6. Oktober 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 7899 B Bekanntmachung. unge Damen sowie Schüler und bee eee nn, Schülerinnen der oberen Klassen (früher Gewerbeschule Kirchstraße 16) wird anerkannt bestes Hittel, da vollständig unschäd- die beim Einsammeln der Gaben an den Gießener[Opfertagen zugunsten der kriegsgefangenen Deutschen in Rußland mithelfen wollen, werden gebeten, sich möglichst bald bei der Geschäftsstelle des Roten Kreuzes(Alte Klinik, Liebig⸗ straße) zu melden. Die Zusammenkunft von Sammlern und Sammlerinnen 5„„ 25.— zur Entgegennahme von Anweisungen usw. findet daselbst am Freitag, den ab fälle, fur ener„ G 40.—8. ittags 3 Uhr, statt. 915 Frogzen pon 10 Pfund an versenber nul unt. Nachnahme 218. 9 Das Komitee. In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Gewerbebank Lollar e. G. m. u. H. wurde Herrn Rechtsanwalt Arnold in Gießen als Sonderverwalter für die Vertretung der Konkursmasse in dem Prozeß gegen den Königl. Oberbahnassistenten Hermann Förster als gesetzlicher Vertreter seines Sohnes D. Sieclen burg Ra 191 EMmII e Robert Förster bestellt. 78025 Nur an Händler. W Vertreter gesucht. uggo N eu FO RMA LIN 1 Bolländer Art. versteigere ich am Güterbahnhof dahier zu 5 slassen- Ariel! Versteigerung. ae riessschle en n dle ds nun z. uibbden le Leleht danerhaft hill. Lasten dessen, den es angeht Parkettwachs eto. 7640 Gießen, den 28. September 1915. Großherzogliches Amtsgericht. Hurbenpensbne Gobllesehule, Offenbaeh a. MI. 2 Prbpcl- 5 S5 Ueberwach. d. Schularbeit. Gr. Garten. Neubau m. 9 Maß. Pensionspreis. Gute e 7 55 Prospekte 88 Sandelsschule, verb. mit b.„ ertel ö aubachs Hoß verkaufe ich alle Sorten Tafeläpfel zu u. Ban dlelsschule, verb. mit Vorschule, erteilt ee 8, 9, und 10 Pig. das Pfund, 17 Posten Backäpfel urch b. Direktion. 7,50 Mk. per Ztr., somie eine Partie Glockenbirnen . Preift d G ro ße* V erkauf. 9 3 5 Gerichtevonzieber in Gießen. eee e 155 reitag früb von 7 Uhr an Hinter der West⸗Anlage 5 Otto Schaaf Selters- weg 39. nn isn Sts ee. für gen gn, und Elektro- 5 5 A1 ar, Ost eee 2 Tus. ds eeeeseees 7000 en. Nüsse 100 Stück 40 Pfd. Karl Löbsack. eegenleur-Akademle—— 8. 1 Ohl. L 0 Gt. Seiden Plüsch- Mantel Eehte Schwelzer Sammete für Mäntel, Kostüme Hochmoderne Kleider- u. Kostüm- Stoffe, Krimmer und Astrachan Elegante billigste Haflanfertlgung Maherinnen, Lehrmädchen werden noch angenommen 23% Frau Erhard, Steinstraße 66 ll. 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