Ur. 235 Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Famillenblätter; zwennal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche 5 FNerusprech- Anschlusse: sür die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsftelledl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Hleßen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnunimer bis zum Abend vorher. 105. Jahrgang Geleral⸗ Anzeiger für Oberhesen notationsdruc und verlag der Brühlschen Univ.⸗Buch⸗ und Steindrucerei k. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. A Mittwoch, 6. Oktober 4915 Bezuggvreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.: durch die Post Mk. 2.30 viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; Rücktritt des griechischen Ministerpräsidenten. Paris, 6. Oktober.(W. T. B. Nichtamtlich.) Agenee Haves erfährt aus Athen, daß Ministerpräsident Venizelos gestern vom König empfangen wurde, der ihm erklärte, er könne der Politik des gegenwärtigen Kabinetts nicht bis zum Ende folgen. Venizelos hat dem König sein Abschiedsgesu ch eingereicht. (WTB.) Großes Hauptauartier, 5. Oktober. Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplaß. 8 Englische Handgranatenangriffe auf das Werk nördlich von Loos wurden wieder abgewiesen. Bei den vergeblichen Angriffen auf dieses Werk haben die Engländer außer den sonstigen sehr beträchtlichen Verlusten an Toten und Ver⸗ wundeten über 80 Gefangene und zwei Minenwerfer in un⸗ serer Hand gelassen. 5.. Die von den Franzosen an der Höhe nordwestlich Gi⸗ venchy besetzte Grabenstück ist gestern zurückerobert, vier französische Maschinengewehre wurden dabei erbeutet. In der Champagne lag stärkeres feindliches Ar⸗ tilleriefeuer auf der Stellung nordwestlich von Souain, wo auch Angriffsabsichten beim Feinde erkennbar waren. Unser Artilleriefeuer verhinderte ein feindliches Vorgehen. Bei Vauquois kamen wir mit Minensprengungen dem Feinde zuvor, zahlreiche feindliche Minenstollen wurden abgequetscht. 5 Jeindliche Flieger bewarfen den Ort Biache St. Vaast nordöstlich Arras mit Bomben, ein Einwohner wurde getötet, sonst entstand kein Schaden. Oestlicher Kriegsschauplaß. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Nach ihren Niederlagen am 3. Oktober haben die Russen gestern die Angriffe gegen unsere Stellungen nur mit 1 Abteilungen wiederholt; sie wurden leicht ab⸗ gewiesen. ö ö Bei den anderen Heeresgruppen hat sich nichts ereignet. 5 Nussische Patrouillen tragen, wie einwandfrei festgestellt ist, zur Täuschung unserer Truppen deutsche Helme. Es ist selbstverständlich, daß solche russischen Mili⸗ tärpersonen, wenn sie in unsere Hände fallen, nach dem Kriegsrecht behandelt werden. Oberste Heeresleitung. . 1 Die überraschende Wendung in den Balkanereignissen, über die wir heute das obige inhaltschwere Telegramm erhielten, darf von Deutschland mit Genugtuung begrüßt werden. Zwar wissen wir damit noch nicht, ob König Kon⸗ stantin geneigt ist, die skrupellose i der griechischen Neutralität durch den Vierverband mit Nachdruck, das heißt, mit allen möglichen Mitteln, zurückzuweisen. Der schlaue Kreter Venizelos hatte bekanntlich mit einem formellen Protest sich begnügt, wobei in der Presse ziemlich un⸗ umwunden zugegeben worden ist, das Kabinett habe diesen Protest zuvor mit unseren Feinden in aller Form ver⸗ einbart. Es ist kein Zweifel, daß Venizelos sich anschickte, das Gewicht der griechischen Waffenmacht ganz in die Wag⸗ schale des Vierverbandes zu legen. Darauf deuten die sensa⸗ tionellen Meldungen der italienischen Blätter, von denen wir einige nachstehend wiedergeben, wonach in Athen große Begeisterung herrsche, der griechische Verkehrsminister in Saloniki bereits die von dort nach Serbien führende Eisen⸗ bahn mit Beschlag belegt habe, und das beweist vor allem die Tatsache, daß Venizelos selbst in der Kammer verkündet hat, er gedenke mit Zustimmung Serbiens den griechisch⸗ serbischen Vertrag zu veröffentlichen, aus welchem hervor⸗ gehe, daß Griechenland dem bedrohten Nachbarlande seine Hilfe gewähren müsse. Und nun hat im letzten Augenblick die Hand des Königs den alten deutsch⸗ feindlichen Ränkeschmied wieder kalt gestellt. Wir dürsen annehmen, daß die Hitze der kriegeris Begeisterung, die angeblich in Athen herrschen soll, lediglich dem italienischen Ofen entströmt, und wir hoffen, daß das griechische Volk, wie vor einigen Monaten, als Venizelos zum erstenmal die Zügel der Regierung niederlegen mußte, auch heute wieder treu zu seinem König stehen wird. Hat dieser durch die Ergebnisse des Krieges nicht eine glänzende Rechtfertigung seiner früheren, von Frankreich so übel ver⸗ merkten und von Venizelos später durch einen schlecht ver⸗ hüllten Widerruf bloßgestellten Meinung erhalten, daß die deutsche Kriegskunst das wahre Vorbild sei? König Konstantin hat den lockenden Verführungen der„Entente“ charakterfest widerstanden, er hat den Oberbefehl über die sogenannte Balbanaktion des Vierverbandes nicht an⸗ genommen und er hat die Demütigung Griechenlands zurückgewiesen. Denn die Truppenlandung in Saloniki ohne vorherige Anfrage in Athen war eine Demütigung, und sie lieferte den Beweis, wie England die Neutralität kleinerer Staaten zu achten gewillt ist. Der englische Lügendunst um Belgien ist zerflattert. Aber noch eins ist in dieser Stunde von Interesse. Ueber Rumänien wird berichtet, daß Ita⸗ lien Griechenlands Verlangen, die besetzten 12 Inseln zu räumen, abschlägig beschieden habe. König Konstantin hat alle Merkmale der Lage anscheinend sorgfältig erwogen und erkannt, daß Griechenland, wenn es Venizelos weiter folgte, Ungeheures aufs Spiel setzen würde, während seine Aus⸗ r sichten gering wären. Ist es nicht besser, den Anschluß an die Zentralmächte wieder herzustellen, nachdem die italie— nische Gefahr so beklemmend sich offenbart hat? Sieht das Hellenenvolk nicht ein, daß England einen Schleier für seine Niederlage und seinen Rückzug an den Dardanellen sucht? Es ist durchaus glaubhaft, daß nach der Entzündung des Brandes auf dem Balkan von den Verbündeten auf Galli⸗ poli ein erlösender Abschied genommen würde. Es läßt sich nicht verkennen, daß König Konstantin heute vor größeren Schwierigkeiten steht als damals, 75 Venizelos zum ersten Male das Staatsschiff verließ. enn heute genügt es nicht mehr, die neutrale Stille zu hüten, sondern wirklich das Steuerruder zu führen, um von den Klippen abzukommen, auf die der verblendete Kreter losgefahren war. Folgerichtig müßte der König den Vierverband auffordern, umzukehren, die griechische neu⸗ trale Zone zu verlassen. Und er müßte für den Fall einev Ablehnung seiner Forderung seine Entschließungen bereits gefaßt haben. Bleibt er auf halbem Wege stehen, so erntet seine Unentschlossenheit wenig Ruhm. So viel ist sicher, daß durch den Rücktritt Venizelos' vorläufig we⸗ nigstens das Ansehen der Vierverbandsmächte einen neuen empfindlichen Schlag erlitten hat. Wir müssen die Spannung der Stunde noch eine Weile weiter ertragen, bis wir zur Politik Griechenlands unsere volle Zustimmung und Freude äußern können. Wir hängen nicht mit ängst⸗ licher Erwartung an dieser Entscheidung, denn unsere Wege sind wohlerwogen, und auch Bulgarien wird, wie in den Ausführungen eines unserer Mitarbeiter im 2. Blatt näher gaben ist, alle Möglichkeiten scharf ins Auge gefaßt haben. 5 Aus Sofia ist bis zur Stunde noch nichts Entscheidendes gemeldet worden. Wenn es stimmt, daß das russische Ulti⸗ matum, angeblich von allen Vierverbandsmächten unter⸗ stützt, am Montag nachmittag überreicht worden ist, so wäre die Frist gestern bereits abgelaufen. Radoslawow hat vermutlich überhaupt keine Antwort erteilt, denn es heißt, daß die bulgarische Erwiderung auf die frühere gemeinsame Note der Vierverbandsmächte noch nicht abgegangen sei. Un⸗ sere Feinde aber machen sich dadurch ein wenig lächerlich, daß sie heute den„Temps“ melden lassen, sie hätten in Sosia ritte unternommen, um die bulgarische Regierung zu benachrichtigen, daß sie eine Fortsetzung der kriegerischen Vorbereitungen nicht dulden könnten, und man wisse noch nicht, ob diese Aufforderung den Charakter eines Ultimatums haben werde oder nicht. Es scheint, als ob bei den itten des Vierverbandes überhaupt nicht recht zu unterscheiden sei, was Wirklichkeit und Absicht, und was Bluff und Vortäuschung ist. Das sind Zeichen der Schwäche, die Bulgarien und Rumänien nicht entgehen können. Wir möchten namentlich hinter die eilfertigen Mel⸗ dun der strebsamen Italiener dicke Fragezeichen mach Es ist höchst unwahrscheinlich, daß, wie die römische„Tri⸗ bung“ meldet, vor dem bulgarischen Hafen von Varna bereits russische Kanonen gedonnert hätten. Wir begreifen zwar die Ungeduld des Zaren und seiner Ratgeber, wissen aber auch, daß Rußland an seinen eigenen Grenzen genug Gelegenheit zu kriegerischen Taten hat, so daß ihm anderes da unternehmen nicht mehr viel Kraft übrig bleibt. Auch s Prophezeien der zunächst eintreffenden Ereignisse ist eine fragwürdige Sache. Noch sind Neigungen und Ziele Bulgariens und Rumäniens nicht zu vollem Leben erwacht. Die aufmerksamsten Blicke sind vorläufig auf Sosia gerichtet. Berlin, 6. Okt. Ueber eine Antwort Bul⸗ gariens auf das russische Ultimatum war bis Mitternacht laut„Berliner Lobalanzeiger“ eine Meldung bei den hiesi⸗ gen Stellen, die man für unterrichtet halten darf, nichts chen eingegangen.— Nachrichten brauchen jetzt, wie das„Ber⸗ liner Tageblatt“ schreibt, um von Sofia nach Berlin zu ge⸗ langen, durchschnittlich 16 Stunden und häufig mehr. Die Entscheidung der bulgarischen Regierung kann also im Laufe des Morgens hier eintreffen. Es gelte, sagt das „Berliner Tageblatt“, fortgesetzt als selbstverständlich, daß die bulgarische Regierung sich dem Willen Rußlands nicht unterwerfen werde. Petersburg 5. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphenagentur. Das rufsische Ultimatum an Bulgarien ist dem Ministerpräsidenten Radoslawow gestern, Montag, den 4. Oktober, um 4 Uhr nachmittags, überreicht worden. Berlin, 6. Okt. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der italienischen Grenze, daß die„Tribuna“ aus Saloniki be⸗ richtet, zwei französische Geschwader hielten die bulgarischen Häfen von Varna unter Feuer. Berlin, 5. Oktober. 1 9 Die„B. Z. a. M.“ meldet aus Sofia: Ministerpräsident Rados lawow erklärte den Vertretern der regierungsfreundlichen Par⸗ keien: Wir stehen vor dem Kriege und müssen unsere nationalen Interessen verteidigen. Wir müssen unseren Geg⸗ nern alles das, was sie uns vor zwei Jahren genommen haben, mit bewaffneter Hand entreißen und uns für jede Beleidigung Genugtuung schaffen. 5 Mailand, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sonder⸗ berichterstatter des„Corriere della Sella“ drahtet aus Petersburg, das russische Ultimatum an Bulgarien sei im Namen aller Regierungen des Vierverban⸗ des überreicht worden, welche hinter dem Wortlaut des Ultimatums ebenso geschlossen stünden, wie sie in dem Ent⸗ schlusse einig seien, den Zaren Ferdinand für alle Folgerun⸗ rungen aus dem Ultimatum verantwortlich zu machen. Paris, 5. Okt.(WDB. e b Meldung des„Temps“ aus Saloniki zufolge haben die Alliier⸗ ten einen Schritt in Sofia unternommen, um die bulgarische Regierung zu benachrichtigen, daß sie eine Fortsetzung der kriegerischen Vorbereitungen nicht dul⸗ den könnten. Der Vierverband werde Radoslawow da⸗ von in Kenntnis setzen, daß die Haltung Bulgariens die Alliierten gezwungen habe, ihre Vorschläge zurück⸗ zuziehen und daß Bulgarien sich den Armeen der Alliier⸗ ten gegenüber sehe, falls es Serbien angreifen sollte. Man wisse nicht, ob diese Aufforderung den Charakter eines Ultimatums haben werde, das eine sofortige unbedingte Antwort Bulgariens verlangen würde. Mailand, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Secolo“ meldet aus Saloniki vom 3. Oktober, abends, daß bisher 16großefranzösische Truppentransporte vor der Brücke von Karaburun verankert sind, die aber noch nicht in den Hafen einliefen. Es wird behauptet, daß starke französische Abteilungen zum Schutze der Eisenbahnlinie Giewgieli—Veles gegen bulgarische Angriffe bestimmt sind, um dadurch die Eisenbahnverbindungen zwischen Saloniki und Serbien zu sichern.—„Idea Nazionale“ behauptet, Parte erste Landungskorps in Saloniki 30000 Mann ark sei. Amsterdam, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Ein hie⸗ siges Blatt meldet aus London: Die griechische Regierung hat die Bahnlinie Saloniki— Monastir bis Kenali und die Linie Saloniki—Uesküb bis Ghevgeli besetzt, da die griechischen Behörden diese Linie unter eigener Aufsicht haben wollen. Mailand, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Secolo“ sollen die Russen Truppensendungen nach Pra⸗ 258 an der Donau zur Unterstützung Serbiens vor⸗ ereiten. Bern, 5. Okk.(WB. Nichtamtlich) Mailänder Blät⸗ ter erfahren aus Athen, Venizelos habe gestern in der Kammer mitgeteilt, daß die Ententemächte ihre Angebote an Bulgarien zurückgezogen hätten. Er habe ferner hinzu⸗ gefügt, daß er von der serbischen Regierung die Ermächti⸗ gung zur Veröffentlichung des serbisch⸗griechischen Bündnis vertrages einholen werde, durch den sich Griechenland verpflichtet e, in jedem Falle jede Macht zu bekämpfen, die sich mit Bulgarien verbündet und Serbien angreifen würde. Die Erklärung machte in der Kammer großen Eindruck. Mailand, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Spezial⸗ berichterstatter des„Secolo“ drahtet aus Saloniki: Der griechische Verkehrsminister Diamantides ist am 3. Ok⸗ tober in Saloniki. Er ergriff am folgenden Nachmittag von der orientalischen Eisenbahn Saloniki⸗ser⸗ bische Grenze Besitz, welche bisher deutschen Kapitalisten gehörte. Die griechische Regierung wird wahrscheinlich die ausländischen Angestellten durch eigene ersetzen. Diese für Serbiens Verpflegung wichtige Linie wird somit dem frem⸗ den Einfluß entzogen. Die Ausschiffung französischer Trup⸗ pen ist für heute früh angesetzt. Die Alliierten werden den Bahnhof nicht besetzen. Ihre Truppen werden einige Tage in der Umgebung der Stadt kampieren, bevor sie nach Serbien marschieren. Die Ausschiffung wird rasch und mit Ordnung vor sich gehen, um die griechische Mobilmachung nicht zu behindern. 8 Berlin, 6. Okt. Der„Deutschen Tageszeitung“ zu⸗ folge läßt sich„Az Est“ aus Bukarest melden, daß auf das Verlangen Griechenlands an Italien, es möge die von ita—⸗ lienischen Truppen besetzten 12 Inseln her- ausgeben, Italien eine abschlägige Antwort er⸗ teilte. *** Der österreichisch⸗ungarische Ta gesbericht. Wien, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 5. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Die Lage an der Südwestfront ist unveründert. Auf den Oochflachen von Vligereurh und Lafraun gat der Feind soine Angriffe gestern nicht erneuert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere Truppen unternahmen von der Drinagren ze aus Streifungen auf serbisches Gebiet. Es wurden Gefangene eingebracht. Sonst keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 5* 0 * Der türtische Bericht. Konstantinopel, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Von der Dardanellenfront ist von Anaforta und Ari Burnu nichts Wesentliches zu melden. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr feuerte die feindliche Artillerie am 3. Oktober gegen unseren linken Flügel an tausend Geschosse ab, ohne irgend ein Ergebnis zu erzielen, wurde dann aber durch kräftige Erwiderung unserer Artillerie zum Schweigen ge⸗ bracht. Eine von uns auf diesem Flügel gesprengte Mine fügte dem Feind schwere Verluste zu. Unsere Geschütze trafen einen auf die Dardanellen feuernden feindlichen Kreuzer zweimal und zerstörtenseinen Panzer. Unsere Batterien auf asiatischem Ufer beschossen am 3. Oktober ein 5 Schleppschiff und die Landungsstelle des Feindes bei Sedd⸗ ül⸗Bahr und verursachten dem Feind schwere Verluste. Das Gegenfeuer des Feindes blieb ohne Wirkung. Von den anderen Fronten ist nichts zu melden. Berlin, 5. Okt.(zens. Blu.) Die„Vossische Zeitung“ berichtet aus Sofia: Sicheren Nachrichten zufolge hat die Entente bereits begonnen, die Truppen von der Halbinsel Galli⸗ poli zurückzuziehen. Es gilt als sicher, daß der Vier⸗ verband die Dardanellenaktion endgültig aufgibt. Die deutsch⸗türkische Vereinigung. Konstantinopel, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Unter Veorsitz des Kriegsministers En ver Pascha wurde heute die deutsch⸗türkische Vereinigung gegründet, die der hier anwesende Leiter der deutsch⸗türkischen Vereinigung in Berlin, Dr. Jäckh, vorbereitet hat. Im Ausschuß vertreten sind tür⸗ kische Minister und Staatsmänner, wie Enver Pascha und Talaat Bei, ferner Abgeordnete, Senatoren und der Kammerpräfident Halil Bei, der Generaladjutant des Sultans, wie Vertreter der ftürlkischen Literatur, Wirtschaft und Politik. an der Gründung Fürst Hohenlohe und Vertreter der deut⸗ schen Botschaft, des Generalkonsulats, von Handel und Industrie, sowie die Chefs verschiedener Missionen teil. Feldmarschall vonder Goltz und Marschall Liman von S anders sandten aus dem Felde Begrüßungstelegramme. folgenden Festmahle hielten der Fürst zu Hohenlohe, Enver Pascha, der Kammerpräsident Halil Bei, der Minister Talaat Bei und Dr. Jäckh Ansprachen. Dr. Jäckh behandelte dabei die kulturelle Annäherung beider Völker und die Aufgaben der türkisch⸗deutschen Vereinigung. Die Gründung findet in der öffentlichen Meinung allseitig freudige Aufnahme. An den Kaiser und Sultan wurde nachstehendes Telegramm gerichtet: Ich habe die Ehre, Eurer Majestät die Gründung der türkisch⸗deutschen Vereinigung zu melden. Eine solche Vereinigung in dieser Zeit ist ein Beweis der festen und gut begründeten Zuversitht; sie drückt auch den Willen zu einer segens reichen kultürellen Arbeitsgemeinschaft aus. 5 Möge nach einem glücklichen Ausgang des großen Krieges der Friede beide Völker durch Segnungen der Kultur und Organisation in solcher Innigkeit verbinden, wie sie jetzt durch die deutsch⸗ türkische Waffenbrüderschaft auf den siegreichen Schlachtfeldern geweiht und besiegelt ist. Enver Pascha, Kriegsminister und Vize⸗ generalissimus. Bei dem der Gründung ** * Neue französische Offensive im Westen? Berlin, 6. Okt. Wie verschiedenen Morgenblättern aus dem Haag gemeldet wird, kündigt die französische Re⸗ gierung eine baldige kräftige Wiederaufnahme der Offen⸗ sive an. 5 . Ein englisches Sittenbild. London, 5. Okt.(WDB. Nichtamtlich.) Die„Daily Mail“ teilt mit, daß Engländer am Sonntag abend den Gottesdienst der deutschen Kirche am Mont⸗ pellierplace in London gestört haben. Während die Dtgel das Präludium spielte und der Pastor vor dem Altar stand, erhob sich ein Engländer und fragte, ob der Pastor den Gottesdienst in englischer Sprache führen wolle. Der Pastor erwiderte: Nein, er werde das nicht tun. Der Eng⸗ länder fragte: Wollen Sie Ihr Bedauern über die Zeppelin⸗ angriffe aussprechen? Der Pastor erwiderte: Nein, auch das werde ich nicht tun! Darauf trat der Engländer vor den Altar und sagte: Ich erkläre den Deutf chen Kaiser für einen Schandfleck der Zivilisation und Schimpf für das Christen⸗ tum. Darauf verließ die Gruppe der anwesenden Engländer die Kirche und veranstaltete vor der Kirche eine Protestper⸗ sammlung. Der Gottesdienst wurde in deutscher Sprache fortgesetzt. Die englischen Munitionsfabriken. e London, 5. Oktober.(WTB. Nichtamtlich) Weitere 2 64 Munitions fabriken sind unter Kontrolle des Geschoß⸗ ministeriums gekommen. Ihre Gesamtzahl beträgt jetzt 979. Englische Aumaßungen gegenüber Dänemark. „Kopenhagen, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich)„National CTidende schreibt: Mit steigender Ueberraschung ist Dänemarf g e, daß England nicht nur die Zurückschaffung des bereits in Kopenhagen ausgeladenen amerikanischen Fleisches nach Eng⸗ land verlangt, obschon in Dänemark selbst starke Nachfrage nach, billigem Fleisch in den ärmeren Schichten besteht, sondern jetzt auch den dritten Dampfer„Frederick VIII“ zurückgehalten und von Kirkwall nach einem anderen englischen Hafen mit den Passagieren befördert hat, um dort die Fleischladung aus Amerika zu löschen. Es bedeutet dies die Verschärfung der Kontrolle und Mißtrauen. in das loyale Verhalten Dänemarks bei der Erfüllung der ihm von der englischen Regierung auferlegten Pflichten, es bedeutet ferner einen erheblichen Schaden für die Reedereien und Impor⸗ teure sowie eine starke Belästigung der gleichfalls in England zurückgehaltenen Passagiere. Ueber die Ursache dieser verschärften Order verlautet, daß England trotz klarer gegenteiliger Erklä⸗ rungen der dimischen Negierung behauptet, daß das amerikanische Fleisch das dänische Fleisch ersetzen solle, das Dänemark nach Deutschland lieferte. Die dänische Regierung versuchte durch den englischen Gesandten Vorstellungen über die Rechtswidrigkeit des 5 Verfahrens und die Notwendigkeit des Importes billigen ameri⸗ Kkanischen Fleisches für den dänischen Konsum zu machen, bislang aber erfolglos. Man verhehlt sich nicht, daß die Schwierigkeiten 5 größer sind, als man ursprünglich vermutete. i Rußlands Geldnot. a London, 5. Okt.(WTS. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Wie die„Times“ melden, hatte der Besuch des 5 Finanzministers Bark zur Folge, daß die Vank von England vorbereitende Schritte zur Einräumung eines großen russischen Handelskredits von 20 Milli⸗ onen Pfund getan hat. N 5 6 ö . 5 Deutscherseits nahmen“ e 5 N 5 Deutschland und Amerita. Washington, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Nach einer Unterredung des Präsidenten Wilson mit Staatssekretär Lansing über die am Samstag durch Graf Bernstorff in New Pork überreichte Note verlautet, daß Deutschland den Wunsch der Vereinigten Staaten, die Versenkung der„Ara⸗ bic“ zu mißbilligen und die Verantwortung dafür zu über⸗ nehmen, nicht erfüllt hat. Lansing weigerte sich, mitzu⸗ teilen, was man nun tun werde. Wie verlautet, wird Graf Bernstorff aufgefordert, nach Washington zu kommen, um die Ansichten der amerikanischen Regierung zu hören. Die endgültige i Deutschlands, den amerikanischen Forderungen enkgegenzukommen, würde, dem Reuterschen Bureau zufolge, zum Abbruch der diplomatischen Beziehun⸗ gen führen können. zeitiger Meinungsmache wirklich einverstanden ist? Unruhen in Südafrita. London, 5. Okt(WTB. Nichtamtlich) Das Kolonial⸗ amt gibt bekannt: Die Versammlung der südafrika⸗ nischen Partei am 23. September in Johannisburg ist gewaltsam gestört worden. Die Polizei erfuhr am Morgen, daß ein Angriff auf General Smut s, der sprechen sollte, vor⸗ bereitet war, Eine Menge von 1200 bis 2000 Personen, teil⸗ weise mit Stöcken und anderen Gegenständen bewaffnet, begann, als Smuts die Tribüne betrat, zu johlen, Eier und Steine zu werfen und stürmte schließlich die Tribllne. Die Polizei geleitete Smuts hinaus. Einige Mann seiner Begleitung wurden verletzt. Der Chauffeur wurde, als er den Wagen bestieg, heruntergerissen. Man versuchte, Smuts aus dem Wagen herauszuzerren. Die Stöcke wurden lebhaft benutzt und Steine flogen nach allen Richtungen. Die Lage wurde so ernst, daß ein Polizeibeamter seinen Revolver in die Luft abfeuerte. Aus der Menge wurden einige Schüsse abgegeben. Der Bericht schließt: Der Pöbel hätte Smuts ermordet, wenn nicht seine Begleitung mannhaften Wider⸗ stand geleistet hätte. London, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Daily News“ sagt in einem Leitartikel über die Unruhen in Johannes⸗ burg: Der Kampf der fünf Fraktionen, in die sich die alten Parteien zersplitterten, sei offenbar sehr scharf; es bestehe nur zuviel Anlaß zu der Befürchtung, daß das Ergebnis kein günstiges und eine ernste Schwächung der Stellung Bothas sein wird. Die Kundgebung war ausschließlich gegen Smuts gerichtet; sie war verursacht durch dessen schroffes Vorgehen bei den großen Streiks vom Jahre 1914 und veranschaulicht die Erbitterung, die die Anwendung des Kriegsrechtes hervorrief.* Haag, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich)„Nieuve Courant“ schreibt zu den jüngsten Unruhen in Johannesburg, bei denen Smuths angeblich ermordet wurde: e richt kommt nicht überraschend. Charakteristisch ist, daß die Vor⸗ gänge sich in einer Vorstadt Johannesburgs abspielten. Die „Times“ glauben, daß der Selbstverwaltung Südafrikas kein tödlicherer Schlag versetzt werden konnte, als durch die Ermordung von Smuths und sucht hinter dem Anschlag deutsche Intrigen. Das Blatt vergißt dabei den Widerstand gegen die Art, wie Botha und Smuths Südafrika in den Krieg hineingezogen haben, die Entrüstung über die Behandlung Dewets und seiner Mitschuldigen, garnicht zu sprechen davon, daß der plündernde Mob in Johannes⸗ burg straflos ausging und dadurch eine Stimmung erzeugte, für die der Anschlag auf Smuths ein Symptom ist. Der südafrikanische Bauer ist, wie die„Times“ selbst erkannt hat, ebensowenig ein Mörder wie der Johannesburger Arbeiter. Wenn es zu einer Ausschreitung wie dieser gekommen ist, so wirft das ein starkes Licht auf die herrschende Stimmung. der Seekrieg. Berlin, 6. Okt. Nach der„Köln. Zeitung“ glaubt der „Correo Espanol“ aus zuverlässiger Quelle zu wissen, daß eines der im Mittelmeer kreuzenden deutschen Tauch— boote vor einigen Tagen vor dem Eingang der Meerenge von Gibraltar ein mit Truppen der Kriegsmarine be⸗ ladenes Transportschiff torpediert und ver⸗ senkt habe. Englischerseits werde dies geheim gehalten.— Weiter wird gemeldet, daß die Abfahrt von sechs Truppen transportdampfern aus Gibraltar einstweilen aufgeschoben worden sei. London, 5. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Marseille: Ein Unterseeboot versenkte am 3. Oktober auf der Höhe von Cerigo an der griechischen Küste den französischen D ampfer„Pro⸗ vencia“ mit einem Gehalt von 3523 Tonnen. Die Befatzung durfte in die Boote gehen. g i Aus dem Reiche. Hauptversammlung des Vereins für das Deutschtum im Auslande. e In München fand am 2. und 3, Oktober die diesjährige Hauptversammlung des„V. D. A.“ statt. Der Verein hat seit Eren als einem Menschenalter in der Stille mit stetig wachsendem Erfolg für die Erhaltung und Stärkung des Deutschtums in außerdeutschen Landen gekämpft; er hat mit seiner sewaltigen Mitgliederzahl in allen deutschen Gauen Wurzel gefaßt und ist insbesondere allen deutschen Gemeinden im Ausland ein wohl⸗ bekannter und vertrauter Freund. Die Hauptversammlung, die sonst um Pfingsten stattzufinden pflegt, war infolge des Krieges auf den Herbst verschoben worden. Mit Rücksicht auf die ernste Zeit war auch von lauten festlichen Veranstaltungen, Ausflügen usw. Abstand genommen worden. Die Verhandlungen am Samstag fanden in dem prächtigen Gemeindevertretersaal des Neuen Rathauses statt. Vormittags tagte der 1 ß in vertrau⸗ licher Sitzung; nachmittags fand der geschäftliche Teil der eigent⸗ lichen Hauptvbersammlung statt. Die eitung der Verhandlungen führte der 2. Vorsitzende des Vereins, Konter⸗Admiral Recke, der durch den Hinweis auf den Ernst der Zeit und die Größe der Aufgabe die Verhandlungen würdig einzuleiken verstand, so daß sie einen einmütigen und erhebenden Verlauf nahmen. Generalsekretär Geiser erstattete einen umfangreichen und gründ⸗ lichen Jahresbericht, in dessen erstem Teil ein beachtenswerte Ueberblick über die durch den Krieg doche ere Lage des gesamten Deutschtums in der Welt gegeben wurde; die im zweiten Teile geschilderte Unterstützungsarbeit vor Ausbruch des Krieges gab ein Bild von der weltumspannenden Tätigkeit des Vereins. dritte Teil behandelt die vom Vereine geleistete 1 Hier tritt hervor die unter dem Protektorat Ihrer Kaiserl. Hoheit der Frau Kronprinzessin Cecilie veranstaltete große Volkssammlung, die sich als eine Sondersammlung der Auslanddeutschen für unsere Krieger darstellt und der Welt zeigt, daß die Deutschen auf dem ganzen Erdenrund sich in dieser gewaltigen Zeit als ein einig Volk von Brüdern fühlen. Ebenso bemerkenswert ist die Hilfs⸗ arbeit des Vereins an den aus Feindesland vertriebenen Ausland⸗ deutschen. Den vierten Teil des Jahresberichts bildete der eigent⸗ liche Geschäftsbericht. 5 3 Auch im Berichtsjahre ist wieder eine Anzahl größerer Körper⸗ schaften dem V. D. A, als körperschaftliches Mitglied beigetreten.— Die zur Förderung des völkischen Zusammenhangs in die Gebiete des Auslanddeutschtums unternommenen Gesellschaftsreisen werden nach dem Kriege in erhöhtem Umfange wieder aufgenommen werden.— Um den verschiedenen im Laufe der Kriegszeit auf⸗ tauchenden nationalen Wünschen und Bedürfnissen des deutschen Volkes Ausdruck zu verleihen, ist der Verein mehrfach an die lei⸗ „ tenden amtlichen Stellen des Reiches mit Anregungen und Ein⸗ 1 Es ist Reuter, der so spricht; ob Wilson mit so vor⸗ E — Obwohl die Werbearbeit mfolge des Vorstandsmitglieder in manchen Ortsgruppen so ist doch die Gesamtheit der Mitglieder von 56 892 auf 58 326 gestiegen; Neugründungen fanden statt in Berlin gaben derangerreren. Kriegsdienstes der völlig ruhte, Jugendortsgruppe und Ortsgruppe Südafrika), Königshütte, Bautzen(Frauengruppe), Altusried, Burghausen, Kaufbeuren, Lin⸗ dau, Memmingen, Ottobeuren, Rosenheim. 7 Der langiährige 1. Vorsitzende des Vereins, Se. E 81 Staqts⸗ minister z. D. Dr. von Hentig, sah sich mit Rückficht auf die Last seiner übrigen Arbeiten genötigt, den seit 10 Jahren mit großer Aufopferung und starkem Erfolg geführten Vorsitz nieder⸗ zulegen; die Hauptversammlung ernannte ihn einstimmig zum Ehrenmitglied. An seiner Stelle wurde einstimmig Se. Exz. der Gesandte a. D. von Reichenau zum 1. Vorsihenden gewählt. Berlin, 5. Okt.(Privattelegramm.) Der„Berliner Lokal⸗ anzeiger“ schreibt: Auf das an den Reichskanzler gerschtete Gesuch des Neichs verbandes deultscher Städe um rhöhung der Unterstütungen für Familien der Kriegs⸗ teilnehmer ist die Nachricht eingegzugen, daß eine Erhöhung ab I. November in Aussicht genommen sei. 5 Berlin, 4. Okt(WD. Nichtamtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht die Bekanntmachung über das Ver⸗ schroten von Brotgetreide zu Fütterzwecken, wonach die Reichsgetreidestelle ihr gehöriges Brotgetreide zu Futterzwecken verschroten lassen kann. — Aus Hessen. ö rb. Darmstadt, 5. Okt. Im Ständehaus am Luisen⸗ platz herrschte heute eine sehr lebhafte Tätigkeit. Zunächst trat der Aeltestenrat der Kammer zu einer Beratung zusammen, deren Mittelpunkt die allgemeine parlamentarische Lage bildete. Er beschloß, das Plenum der zweiten Kammer zur Wie⸗ deraufnahme seiner Verhandlungen auf Dienstag, den 12. Oktober einzuberufen. Im Laufe des Tages hielten auch sämtliche Fraktionen eingehende Besprechungen ab, die sich haupt⸗ sächlich um die beiden wichtigsten Beratungsgegenstände, den Gesetzentwurf über die Abänderung des Wah gesetzes(Ver⸗ längerung der Landtagsmandate bis zum Herbst 1916, Wahrung aller Rechte der Kriegsteilnehmer usw.) und die Beschlußfassung über die Tätigkeit des zu einem Kriegsaus chuß erweiterten Finanz⸗ ausschusses drehte. Dem Vernehmen nach stimmten in der Frage der Wahlgesetzänderung die Fraktionen den Vorschlägen der Regierung, und hinsichtlich des Kriegsausschusses den Vorschlägen des Präsidiums zu. b Nir ehe und Schule. „Der Weltkrieg und der internationale Bibelverbrau ch. Der Bericht der 111. Versammlung der„Internationalen Bibelgesellschaft“ hat, wie die„Ti⸗ mes“ bekanntgibt, gezeigt, daß„der Krieg und die durch ihn bedingten Opfer die Menschen zu Gott zurück treiben“. Die in dem Bericht veröffentlichte Statistik läßt erkennen, daß der Verbrauch an Bibelausgaben während des Krie⸗ ges gewaltig 5 ist. Im letzten Friedensjahre hatte die Gesellschaft 9000 000 Bibelüberse ungen herausgegeben. Im ersten Kriegsjahr aber ist die Za auf 10 162 413 Exem⸗ plare gestiegen. 1914 wurden mehr als 1 Million der durch die Gesellschaft gedruckten Bibeln in Deutschland und Oester⸗ reich in Verkehr gebracht. Dieselbe Zahl wurde nach Indien und Ceylon gesandt, und 2660 000 nach— China. Während des letzten Jahres wurden neue Uebersetzungen hergestellt, so daß das Bibelwerk jetzt in 487 verschiedenen Mundarten erhältlich ist. Der Bericht stellt fest, daß der Verbrauch an Bibeln in England durch den Krieg bisher um 700 000 Exemplare gesteigert wurde. (( Aus Stadt und Cand. Gießen, 6. Oktober 1915. Sie hat mir Treu' versprochen! Ein Wort an deutsche Wehrmannsfrauen! Deutsche Frauen, deutsche Treue! Immer wieder klingt dieses beides zusammen von den Tagen unserer Väter her, den alten grauen Zeiten, da der Römer Tacitus die Rein⸗ heit und Tugend der deutschen Frauen pries und bewun⸗ derte, hin durch die Jahrhunderte— wir denken an die zarten Weisen der Minnesänger, an unsere Volkslieder, an manch' Dichterwort aus neuerer Zeit!— 1 Frauen, deutsche Treue!— Dies Zusammenklingen im Liede ist doch nur ein Beweis dafür, wie im Bewußtsein unseres Volkes beides als eine unlösbare Einheit miteinander ver⸗ bunden ist. Und es gibt ein gutes altes deutsches Wort, das heißt: Getraute Treu' die beste Treu'!. Und nun sind seit mehr als Jahresfrist Tausende, nein, Millionen deutscher Männer draußen im Schützengraben oder auf hoher See, und deutsche Frauen leben allein, und haben eine große, verantwortungsvolle Aufgabe, mehr als je zu zeigen, daß getraute Treue ihnen heilig ist, damit neue Blätter hinzugefügt werden können zum Ruhmes⸗ kranz der deutschen Frauen vor aller Welt! Es ist eine so große, heilige Zeit, in der wir leben, und immer wieder kommen Nachrichten von draußen, die da reden von Helden⸗ tum und Opfermut, von Hingabe, die sich selbst vergißt, von Treue bis zum Tode! Wenn dann unsere Herzen höher schlagen im freudigen Stolz, daß wir Deutsche sind— so kommt zugleich an unser Gewissen die Frage, ernst und mahnend:„Sind wir hier in der Heimat unserer Helden draußen wert? Können wir frei und froh bekennen. Es ist auch bei uns hier daheim alles so, wie es sein müßte? Wir entsetzen uns dann wohl über einzelne traurige Fälle, da deutsche Frauen jetzt in dieser Zeit getrauter Treue vergessen, aber wir wollen alle bedenken, wie jeder einzelne von uns— ich rede als deutsche Frau zu deutschen Frauen, auf so vielen Gebieten jetzt Treue bewähren und beweisen muß. Die Kindererziehung liegt gerade jetzt, wo so mancher Vater nimmer wiederkehrt aus dem männermordenden Kriege, so sehr in der Hand der Mutter! Nur eine ganz reine Hand kann da Segen stiften! Ihr Frauen, eure Kinder sind euer heiliges Erbkeil von dem, der draußen ist, erzieht sie seiner würdig, gebt ihnen euer Bestes, tut an ihnen euer Bestes, und ihr werdet wieder und wieder erfahren, welcher Segen auf solchem Tun ruht.— Aber auch wenn der Vater wiederkehrt— sollte er dann eine zuchtlose, verwilderte Kinderhorde vorfinden, sollte er seiner Frau vorwurfsvoll sagen müssen: Was hast du aus unsern Kindern werden lassen?— Wir wollen danach streben, daß solche düstere Bilder, wie ich sie hier zur Warnung und Abschreckung zeichnete, niem⸗ls Wirk⸗ lichkeit werden mögen unter unserm Volk!— Jede Frau, die rein und treu bleibt, still ihre Pflicht erfüllt, ihre Last trägt und ihre Tränen weint, hilft mit zu einem Siege hier drinnen, einem Siege in der Seele unseres Volkes! Ist es nicht im Grunde ein Ehrendenkmal für die deutsche Frau, für die Frau überhaupt, wenn sittliche Verfehlungen des Weibes als etwas ganz besonders Entsetzliches empfunden werden? Liegt nicht hierin eine Werts zung der Frau, daß gerade, weil sie uns so 2 50 steht, wir es um sa schmerzlicher empfinden, wenn sie sich selbst erniedrigt? Deutsche Frauen, deutsche Treue! Um eurer selbst willen, um eurer Kinder willen, um der Zukunft unseres Volkes 8 5 5 0 — 51 mit, jede einzelne, dan das Wort von deutscher l reinheit und Treue seinen guten alten Klang behalte, daß neben deutschem Mannesmute und Feldentum edle 1 hell leuchte in dieser großen heiligen Zeit. eigt weiter eure Treue auch in kleinen Dingen des all⸗ täglichen Lebens, in Sparsamkeit und notwendiger Ein⸗ chränkung und Einfachheit! Je treuer jede deutsche Frau t ihre Pflicht tut in Häuslichkeit und e in mancherlei Arbeit, die sie als Vertreterin des Mannes jetzt leisten muß, um so mehr hilft sie mit, einzelne traurige Ausnahmen eben als Ausnahmen zu brandmarken, daß der Ehrenschild der deutschen Frau unbefleckt bleibe. Aber heili⸗ er Ernst wird damit gesordert von jeder unter uns; deutsche 3 müssen sich selbst für zu gut halten, um in dieser roßen Zeit an nichtigen Tand ihr Herz zu hängen, an irmenden Vergnügungen Freude zu finden. Man sagt wohl, Krieg ist Männersache; ja, aber ebenso auch heilige An⸗ gelegenheit der Frau; je treuer auch wir unsere ufgaben ersassen, um so mehr tragen wir bei zum Siege unseres Volkes. 4 5 Dank des Großherzogs an die hessische Landwehr. Der Großherzog hat der 49. Landwehr⸗ Brigade mit folgenden Worten 5 und Dank 25 die tapfere Haltung der Truppen während der schweren ranzösischen Angriffe vom 24. bis 26. Sept. ausgesprochen: „Wieder vernahm unser Hessenland von Helden-⸗ mut und Todesverachtung der hessischen Landwehr, welche dem feindlichen Ansturm erfolgreich standgehalten hat. Ich weiß, daß in der Heimat alle Herzen stolz und dankbar der hessischen Helden ge⸗ denken und mit mir Gottes weiteren Beistand inbrünstig erflehn. G71 Ernst Ludwig.“ z. von Blumenthal, Brigade⸗Kommandeur der 49. Landw. Brig., sprach den Dank der Brigade mit folgenden Worten aus: „Ew. Kgl. Hoheit alleruntertänigsten Dank für die der hessischen Landwehr⸗Brigade ausgesprochene aller⸗ höchste Anerkennung. gez. von Blumenthal, Generalleutnant und Komm. der 49. Landw. Brig.“ » Opfertage für die deutschen Gefangenen in Rußland. Samstag, den 9. und Sonntag, den 10. Ok⸗ tober, sind die Gießener Opfertage zugunsten der kriegsgefangenen Deutschen in Rußland. Versäume niemand, nach Kräften dazu beizutragen, die Not unserer Volks- genossen zu lindern. Auf den im Anzeigenteil veröffent- lichten Aufruf sei hier besonders hingewiesen. Die mit Sammelbüchsen und Ausweisen des Roten Kreuzes ver⸗ sehenen Sammler und Sammlerinnen sollen auf den Straßen und in den Häusern an den genannten Tagen um Gaben für diesen Zweck bitten. Freiwillige Helfer und Helferinnen zum Einsammeln mögen sich bald bei der Ge⸗ schäftsstelle des Roten Kreuzes(Alte Klinik, Liebigstraße) melden.(Siehe die Anzeige.) 5 * Kriegsspende. Geh. Kommerzienrat Heichel⸗ heim hat auch in diesem Jahre wieder in hochherziger Weise dem Oberbürgermeister den Betrag von 2000 Mk. ur Verwendung für Bedürftige überwiesen. Diesmal fell die Summe für bedürftige Familienangehörige im Felde stehender Mannschaften benutzt werden. * Wieder ein vom Publikum verschuldeter Feldpostbrand. Am 6. September ist ein vom 7 5— des 41. Reservekorps zur Bearbeitung der Feldvossfgn dungen benutztes Gebäude durch Feuer zerstört worden, wobei die zur Abholung durch die Truppen bereitliegende Post, in der Haupt⸗ sache Feldpostpäckchen, ein Raub der Flammen wurde. Aus den— explosionsartigen Geräuschen während des Brandes muß geschlossen werden, daß sich unter den Päckchen trotz der wiederholten Warnungen unzulässige Sendungen mit feuergefährlichen Gegenständen Streichhölzchen, Benzin usw.) be⸗ funden haben, die durch Selbstentzündung in Brand geraten sind. Es wäre dringend zu wünschen, daß das Publikum sich endlich die Warnungen der Poswerwaltung zur Nachachtung dienen lasse. Oelgewinnung aus Traubenkernen. Mit der von der Regierung angeregten Oelgewinnung aus Trauben- kernen beschästigte sich dieser Tage der Weinbauverein der Provinz Rbeinhessen. Nach den Mitteilungen von Sachverständigen enthalten die Traubenkerne 9 bis 10 Prozent Oel, von denen etwa 7 bis 8 Prozent seines Oel, das raifiniert in seiner Güte dem Provenceöl gleichlommt, gewonnen werden. Man rechnet auf 1000 Liter Wein etwa 50 Kilogramm Kerne, so daß also in den deutschen Weinbaugebieten bei durchschnittlich 2,3 Millionen Hekto- liter Wein etwa 11,5 Millionen Kilogramm Traubenkerne gewonnen werden können. Die Tonne Kerne hat in Friedenszeiten einen Handels wert von 200 Mark. Die Trestec werden in ein⸗ fachen Trockenanlagen getrocknet, beror man die Kerne heraus nimmt. Die getrockneten Trester können als Viebsutter verwendet werden. Der Weinbauverein beschloß, die Winzer und Brenner sogleich auf die Bedeutung der Traubenkerne für die Oelgewinnung und auf den Wert der Tresser auimerksam zu machen. “ Zigarettensteuer. Das Hauptsteueramt macht auf die einschneidende Bestimmung in 8 15 des Zigaretten; steuergesetzes besonders aufmerksam, wonach derjenige, der sich gewerbsmäßig mit dem Verkauf von Zigaretten, Zigaretten- tabak, Zigarettenhülsen und Blättchen besassen will, dies vorher der Steuerbehörde anzuzeigen hat. Die Anmeldung hat im Bezirk eines Steueramts bei diesem, im übrigen aber unmittelbar bei dem zuständigen Hauptsteueramt zu ersolgen.— Die Beachtung dürste umsomehr erforderlich sein, als Zuwiderhandlungen gegen die betressenden gesetzlichen Vorschriiten mit besonders hohen Strafen, bis zu 300 Mk. geahndet werden. l Kreis Alsfeld. a. Ehringshausen, 6. Okt. Am 5. Oktober fand hier die diesjährige Synode des Dekanats Grünberg statt. Sie wurde eröffnet mit einem Gottesdienst in hiesiger Kirche, in dem Pfarrer I ee und dem außer den Synodalen viele Einwohner des Dorfes beiwohnten. In der darauf Flgenden Ta⸗ gung erstattete Pfarrer Georgi rod in Vertretung des urn einen Trauerfall verhinderten Dekan Röschen den Rechenschaftsbericht des Dekanatsausschusses. Tieser zeigte, daß das kirchliche Leben des Dekanats während der Kriegszeit einen 5 zu verzeichnen hat. Auf die Mitwirkung der Kirche bei fe, Konfirmation, Trauung und digung wurde in keiner Gemeinde 807 der Kirchen⸗ und Abendmahlsbesuch zeigt eine nennenswerte Steigerung gegen die Vorjahre. Auch sanden in allen Gemeinden Kriegsbetstunden statt. Obgleich die Kriegshilfe im gangenen Jahre reiche Mittel beanspruchte, blieben doch die kollelten nur wenig hinter—— früheren Höhe zurück. In der Pfarrerschaft sind nur geringe Veräuberungen im vergangenen e zu bemerken, Der weit über seine Gemeinden hinaus belannte sarrer Otto Hafmann in Winnerod ist im vergangenen Früh- 2* durch den Tod seiner vielseitigen und segensreichen Wirksam⸗ it entrissen worden. Die Stellen in Grünberg II und Fhrings⸗ sen wurden mit den Pfarrern Grauling und Steiner et. Der Vetwalter der letzteren Stelle, Bornscheuer, wurde ver Ki nach Rheindtürkheim berufen. Bei der Beratung wurde auch hier die“ Notwendigkeit ausges„einen allgemeinen Buß⸗ und Bettag in n land zu haben. Auf der nächsten Synode soll ein a ellt werden, den hessischen Buß⸗ und Bettag mit dem keußischeu zusammenzulegen. Ueber die Auscha 5 s soll erst die nächste Synode beschli⸗ ig eines n. Den §F%% UN]... ̃ .* N N 7 Schluß der ung bildete der Vortrag des Pfarrers Jung- Ober ren Kfer:„Was kann von uns ges„ um aa reli⸗ giös-sittlichem Gebiet die segensreichen Wirkungen des Krieges zu vertiefen und sestzuhalten.“ Darauf legte der Korreferent Syno⸗ dale Schmidt⸗Weickartshain in begeisterten Worten dar, was nach seiner Ansicht im kirchlichen und religiösen Leben als dauernd wertvoll für die evangelischen Gemeinden sestgehalten werden müsse. Nachdem die Synode mit Gebet und Gesang geschlossen war, per⸗ einigte ein gemeinsames Mittagessen die Synodalen in der Gast⸗ wirtschaft von Weiffenbach. 9 Kreis Büdingen. ett Büdingen, 4. Okt. In San Franzisco(N.⸗A.) star b im 78. Lebenglahre der hier geborene 11 in weiteren Kreisen be⸗ kannte Fritz Stamm. 8 Kreis Schotten. O Bobenhausen, 6. Okt. Karl Scharmann, Sohn des Samenhändlers Scharmann aus Bobenhausen II, wurde das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Beten rod, 4. Okt. Zwei in gleichem Lebensalter ste⸗ Krieger hat unsere kleine Gemeinde durch den Tod verloren. Es sind dies der Musbetier Zinnel im Res.⸗Inf.⸗Regt. 222 und Theodor Lotz im Res.⸗Inf.⸗Rogt. 223. Kreis Friedberg. * Griedel, 4. Okt. Den Tod fürs Vaterland starb der Jäger Streb, Kriegsfreiwilliger im Res.⸗Jäger⸗Batl. 24. ir Ober⸗ Roßbach, 4. Okt. Das Eiserne Kreuz er⸗ hielt der Dragoner Giar im Garde⸗Dragoner⸗Regt. 23. Hessen⸗Nassau. 1 Marburg, 5. Okt. Mit der am Sonntag, den 24. Oktober, in der Aula der Universität stattfindenden Ein⸗ 15 hrung des neugewählten Rektors der Universität für as Amtsjahr 1915/16, Prof. Dr. Elster, wird auch zu⸗ gleich eine Gedenkfeier der 500 jährigen Herrschertätig⸗ keit des Hauses Hohenzollern verbunden.— Zum Vor⸗ sitzenden des am 22. November beginnenden Schwurgerichts wurde Landgerichtsrat Tilemann gewählt.— Auch in Feber Gegend bringt die Kartoffelernte in diesem Jahre einen Extrag, wie selten zuvor. Auf den Kartoffel⸗ äckern reiht sich Sack an Sack. Die Kartoffeln sind durch⸗ schnittlich dick. Die Konsumenten vereinigung hat unter Bezugnahme auf die so reiche Kartoffelernte beantragt, daß die Stadt, wenn sie Kartoffeln ankauft, sich so einrichtet, daß sie nicht mehr als 2,50 Mk. für den Zentner bei der Abgabe an die Bürger zu nehmen braucht. 5 — Bad Homburg v. d. H., 5. Okt. Der 26 jährige Blasius Trüb aus Frankfurt versuchte am Sonntag abend in der Geschäftsstube der Braunschen Holzschneiderei den Geldschrank aufzuknacken, wurde aber gestört und floh. Nach zwei Stunden kam er zur„Fortsetzung“ seines Werkes wieder. Diesmal fiel er mehreren Männern, die sich auf die Lauer gelegt hatten, in die Hände. Er wurde der Polizei übergeben. = Wiesbaden, 5. Okt. Der erst kürzlich zum Direktor des hiesigen Kgl. Gymnasiums ernannte Prosessor Dr. Freericks ist in Detmold, wo er als Hauptmann seiner Militärpflicht ge⸗ nügte, plötzlich gestorben. Fulda, 5. Okt. Vor 50 Jahren wurde die Eisen⸗ bahnlinie von Fulda nach Bebra in Betrieb genommen. Der damalige Kurfürst von Hessen hatte sich erst nach hartnäckigem Widerstande entschlossen, die Linie von Bebra bis Hanau als Staatsbahn auszubauen. ——— Der Lampertheimer Mordprozeß. rb. Darmstadt, 5. Okt. Das Schwurgericht der Provinz Starkenburg setzte heute früh die Verhandlungen in der Lampertheimer Mordsache fort. Ober⸗ staatsanwalt Dr. Schwarz vertrat in einer fast zweistündigen Rede die Anklage. Nur in dem Vorfall mit dem Agenten IJ ließ er die frühere Anklage auf Mord⸗ resp. Todschlagsversuch fallen und plaidierte auf räuberische Erpressung. Des Angeklagten Paliga reumütiges Geständnis erkannte er an, lehnte es aber ab, dem Angeklagten zu glauben, daß er den Mord an der Witwe ohne Ueberlegung begangen habe. Nach dessen eigenen Angaben sei ja die Mordtat eingehend besprochen und beschlossen worden. Die von den Rechtsbeiständen, Justizrat Dr. Bender und Rechtsanwalt Brücher geführte Verteidigung der beiden An⸗ geklagten machte zunächst geltend, daß mit dem Fortfall des Mord⸗ vers an J. auch für Drabik eine Mittäterschaft nicht mehr in Frage komme. Weiter bestritt der Vertreter Paligas, daß diefer den tödlichen Stich in das Herz der Witwe Frödert mit Ueberlegung ausgeführt habe. Es liege hier ein Schulfall des Artilal 214 des lr. Ges., B. vor, das Moment der Ueberlegung sei hier nicht gegeben, er habe die Tat erst nach dem volnischen uruf des Drabik„Ersteche sie usw.“ ausgeführt. Die Formu⸗ erung der Schuldfragen für die beiden Angeklagten, für Paliga 12, für Drabik 10, nahm längere Zeit in Anspruch. Die Verhandlung wurde gegen 1 Uhr abgebrochen und die Fortsetzung auf 3 Uhr anberaumt. Die Nachmittagsverhandlung begann mit der Rechtsbelehrung der Geschworenen, worauf sich diese zur Beratung zurückzogen. Nach mehrstündiger Beratung bejahten die Geschworenen die Schuldfragen auf Diebstahl, räuberische Erxpressung und im Gegen⸗ satz zum Antrag des Oberstaatsamwalts auch die Frage auf Tot⸗ schlag im Falle des Agenten Jankau. Bezüglich der Ermordung der Witwe Frödert erkannten die Geschworenen auf nicht mit Ueberlegung begangene Tötung. Der Oberstaatsanwalt beantragte darauf für beide Angeklagte ja 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und Stellung un⸗ ter Polizeiaufsicht auf 5 Jahre. Das Gericht verkündete abends 8 Uhr das Urteil dahin, daß Drabik und Poliga zu 15 Jah⸗ ren Gesamtzuchthausstrafe, Verlust der bürger⸗ lichen Ehrenrechte auf 10 Jahre und Zulässigkeit der Polizeiaussicht verurteilt werden. Beide Angeklagte erklärten, daß sie die Strafe annehmen. vermischtes. » Hamburg, 5. Okt.(W. T. B. Nichtamtlich.) Graf Königs- marck, der bekannte Herrenreiter, ist auf einem Probeflug Han- nover—Burnsbüttel abgestürzt und gestorben. Essen(Ruhr), 5. Olt.(Wen Nichtamtlich.) In der heutigen] Betratssizung des Rhein. Westf. Kohlensyndikats wurde beschlossen, die gegenwärtigen Richtpreise auch während der letzten beiden Monate des Jahres besteben zu lassen. Die Berufung der Gewerkschaft Graf Bismarck gegen die Festsetzung der Verrechnungspreise für Hochofenkoks wurde vertagt. Die im Anschluß an die Beiratssitzung abgehaltene Versammlung der Zechenbesitzer setzte die Beteiligungsanteile für Oktober in 9 ohlen und Briketts auf 80 Prozent fest, alles wie bisher. Sodann teilte der Vorstand einige am 1. Oktober in Kraft getretene Veränderungen der Koksbeteiligungszifsern mit. Schließlich 11 die konstituierende Versammlung der Zechenbesitzer es neuen Syndikates statt, in der die im neuen Syndikats⸗ 47 91 3 ständigen Ausschülsse gebildet wurden. Ge⸗ heimrat Dr. Kirdorf übernahnt den Vorsib der Versammlung. — 1* Märkte. le. raulfurt a. M. Schweinemarktberkeht vom 6. Okt. Außgetrleben waren 421 Schwelne. Vollflelschige Schweine von 80 bis 100 Lebendgewicht 140.00— 150.50 Mk., Schlachtgewicht 17 00 185.00 Mk., vollfleischige Schweine unter S0 cg Lebendgewicht 130.00 110 Mk., Schlachtgewicht 170.00— 400, Mk. vollfleischige 9 ff.. Schweine von 100—120 kg Lebendgeipicht 140,00— 14.0 Atte, Schlachtgewicht 175.00— 184 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 140.— 14.00 Mt., Schlachtgewich! 175.00—1 4.00 Mk. Geschäft ziemlich rege. 1 le. Frankfurt a. M., 6. Okt. Frucht markt. Bei kleinem Geschaft, geringem Angebot und lebhaster Nachfrage notierte man Gerste 7576 Mk.— Futtermittel genügten nicht der starken Nach⸗ frage. Kokoskuchen 63-65 Mk., Leinkuchen 67—68 Mk., Raps⸗ kuchen 5153 Mt. Alles für 100 kg. le. Frankfurt a. M., 6. Okt. Kartoffelmarkt. Welterauer Kartoffeln 6.75—7.00 Mk., Nassauische Industrie „00— 7,50 Mk. Alles per 100*g ab Station. le. Frankfurt a. M., 5. Olt. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkt war nichts angefahren. —— Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Giessener Jleisch⸗ und Brotpreise am 4. Oktober 1915. Schlachtviehpreise m Drankfurt a. M. Jleischpreise in Gie zen Ochsen 3 e„ Kg. 116—120 Pfg. 2— 138 Pek. Kälber% Kg. Schlachtgw. 115.137 W.. ½„ 114113 Pig. Schweine„ 170185, 2 1800 2 Getreidepreise m M ann he im Weizen 100 Kg. 27.00 Mk. Roggen 100 Kg. 23.00 Mt. — Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 ig.— 61. Schwarzbrot 2 Kg. 68 Bg. Acirchliche Nachrichten Evangelischer Gottesdlenst. Lollar: Mittwoch, den 6. Oktober, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 7. Oktober 1915 Unbeständig, meist trocken, keine Temperaturänderung. 2— 3—— Letzte nachrichten. Zur Lage im Westen. Haag, 6. Okt. Meldungen aus Paris stellen die wachsende Unzufriedenheit der französischen Bevölkerung mit dem Ergebnis der großen Westoffensive fest. Die Blätter müssen Mut predigen. Die Regierung veröffentlicht Niten, welche eine baldige kräftige Wiederaufnahme der Offensive ankündigen. Die Haltung Rumäniens. Bukarest, 6. Okt. In einer halbamtlichen Auslassung läßt die rumänische Regierung ihren Standpunkt dahin⸗ gehend festlegen, daß auch die auf dem Balkan eingetretene Wendung die rumänische Regierung von der bisher befolgten Politik der Aufrechterhaltung freundschaft⸗ licher Neutralität nicht abbringen werde. Es wird ausdrücklich betont, daß die rumänische Regierung weder den Ausbruch eines Krieges zwischen Bulgarien und Ser⸗ bien noch mit Bulgarien und Griechenland nicht als Grund u einem bewaffneten Eingreifen ansehen könne. Weiter wird ekanntgegeben, daß die rumänische Regierung die Not⸗ wendigkeit zwinge, angesichts der bedrohlichen Wendung der Lage weitere Schutzmaßregeln zu ergreifen. Die Londoner Regierung und die Balkanlage. Haag, 6. Okt. Londoner Regierungskreise beurteilen die Balkanlage pessimistisch, obwohl man erwartet, daß Griechenland sich mit einem Protest gegen die Landung der Ententetruppen begnügen werde, der Landung aber einen bewaffneten Widerstand nicht entgegensetzen werde. Was London besonders befürchtet, ist nicht die völlige Niederwerfung Serbiens, sondern der Marsch der Deutschen durch Serbien, Bulgarien, Kleinasien nach Aegypten, um sich des Suez⸗Kanals zu bemächtigen. Diese Befürchtung wird in London allgemein ausgesprochen. Die wei⸗ teren Vorbereitungen zu den Truppenlandungen in Saloniki werden fortgesetzt. Die Verbindung Schweden— Deutschland unterbrochen. Stockholm, 6. Okt. Infolge der Beschießung des deut⸗ schen Dampfers„Sionia“ durch ein feindliches Unterseeboot bei Arcona, nördlich von der Insel Rügen, wurde der schwedische Fährenverkehr zwischen Trelleborg und Saßmitz eingestellt. Somit hat die direkte Verbindung zwischen Schweden und Deutsch⸗ land, da auch zufälligerweise der Verkehr über Giedser— Warne⸗ münde eingestellt worden war, völlig aufgehört. Forderungen der französischen Bergarbeiter. Genf, 6. Okt. Ein außerordentlicher Kongreß, der von französischen Bergarbeitern in Commentry abgehal⸗ ten wurde, forderte den Achtstundentag, sowie eine Lohnerhöhung von 1,25 Francs pro Tag. Es wurde beschlossen. dieses Gesuch sofort dem Mimisterpräsidenten Viviani zu unter⸗ breiten. Ein neuer Ausstand der Grubenarbeiter in Südwales. Amsterdam, 6. Okt. In Aberdare in Südwales hat ein neuer Ausstand der Grubenarbeiter stattgefunden. 2000 Mann legten die Arbeit nieder und weigerten sich,—— organisterten Arbeitern zusammenzuarbeiten, worauf der Teil der Leute den Gewerkschaften beitrat. 8 8 fee e ü 5 Wan Amtlicher Teiln. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche im Kreise Schotten. 3 Eschenrod ist die Maul- und Klauenseuche ausge⸗ n. Gießen, den 4. Oktober 1915. dee e Kreisamt Gießen. J. V.: Hemmerde. 5 Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche im Kreise Wetzlar. In der Gemeinde Kröffelbach ist die Maul- und Klauen⸗ seuche ausgebrochen. g Ge ße*.. Oktober 5 roßherzogliches Kreisamt Gießen. J. Hemmerde. 2 8 TECC Flandarbeitsschuse und Pensjonat von ö 5 gZelft unseren eie e 0 9 0 9 in Rußland! 3 1 2 0 1 Groß ist die Not unter den deutschen Kriegsgefangenen in Rußland. Ihnen zu helfen, die Not zu lindern, Leben f 4 5 und Gesundheit ihnen zu erhalten, ist jetzt für uns alle vornehmste Pflicht, da der russische Winter vor der Türe steht. N 5 Vertrauenswürdige Neutrale werden unsere Gaben direkt in die Gefangenenlager überführen. 5 50 7 Große Mittel sind dazu erforderlich, die durch eine Sammlung im ganzen Deutschen Reich aufgebracht werden 4 f J sollen. Auch wir Gießener wollen uns von der Mithilfe nicht aussch ießen. Kein Opfer dürfen wir scheuen. Verzichte W 8 jeder auf einen Genuß, auf ein Vergnügen, um das dadurch Ersparte unseren darbenden Volksgenossen zuzuwenden. Jedes 4 4 N Opfer ist klein gegenüber dem, was wir unseren Brüdern in russischer Gefangenschaft zu verdanken haben. N f J Der 9. und Jo. Oktober sollen 9 N 95 5 N70* 79 7 7 N allgemeine Opfertage für die Stadt Gießen * 2 7 f N * sein, an denen wir unseren Dank durch die Tat beweisen wollen. Drum weise keiner an diesen Tagen unsere Sammler 0 9 und Sammlerinnen zurück, sondern spende nach seinen Kräften. Unsere Sammlung soll auf allen Straßen und in allen 70 7 Häusern erfolgen. N * Geldspenden nehmen außerdem die N siederlassung der Bank für Handel und Industrie, die Bezirkssparkasse, die 1 85 Gewerbebank, die Filiale der Mitteldeutschen Kreditbank und die Kasse des Roten Kreuzes(alte Klinik) entgegen. 0 a 7„ f 8 9 Der OGberbürgermeister: 10 7 Keller. 8 1 1 g s f 10 7 Die vorsitended. Alice⸗Frauenvereins Der Vorsitzende des Zweigvereins 0 87 Zweigverein Gießen Gießen vom Roten Kreuz 550 * Frau B. Gebhard. Wiener. g 8 a 5 —..!! ̃ ͤ:.:. ̃ ͤ... ͤ Darmstädter Paedagogium Aufnahme von Schülern(VI. bis Ia) jederzeit. Erfolgreichste Anstalt zur Vorbereitung für die Einjahrig-,Primaner-, Fähnrichs- u Abiturienten- AGhy Junge Damen sowie Schüler und Schülerinnen der oberen Alassen die beim Einsammeln der Gaben an den Gießener[Opfertagen zugunsten der kriegsgefangenen Deutschen in Rußland mithelfen wollen, werden gebeten sich möglichst bald bei der Geschästsstelle des Roten Kreuzes(Alte Klinik, Liebig— straße) zu melden. Die Zusammenkunft von Sammlern und Sammlerinnen zur Entgegennahme von Anweisungen usw. findet daselbst am Freitag, den 8. Oktober, nachmitt 3 8 8 787505 1 een Das Komitee. Café Amend Heute Mittwoch, 8 Uhr: Familien Konzert Prüfung(auch für Damen). M. Elias. Donnerstag frisch eintreffend Frl. Landmann, Giessen e. Puppen f 75 1 N Joldalen rd-Joheltssle pfd. 20 pig. Grundl. Ausbildung in allen Zweigen d. Hlausnalts. U 111 ioderverkäufer itte Tabelian 0 5 i 4 i 17. 5 Pfd. Pfg. 1 10 2 Grosse 15—— 1 0 8 6 b aus—*— la. Vollheringe et 14, 15, 10 v, 1 ö i 8 0 8 5 1 U 2 Neue 7871 N Bahnhofstrasse 34. 2 45 118 0— 163 0 1 5 Salzgurken. Stud 10 p. . 75 5 + Neues 5 5 Heute und 5 Tage 3 aus erlesener 8 b. 5 Sauerkraut.. Pfund 1 3 AMeuneiten-Spielplan 1 5 b 5 fü. Mafforon Pag A955. 1 mit dem wunderbaren Filmschauspiel— ö Mos t⸗S 0 U 1. 80 ite eiez dare besshentariten S r 88 15 5 ee psd. 2.80 4 assiges Küns rama in en. 1 Wetzlarer Weg 11 Halberstädter Delikazeb⸗ e nee ee id Giessen nb e au Wu sichen mi Kraut 5 5 Amor in Möten. Heitere Burleske. 5 Des Kutschers Traum. Trick film. abeine ehmacl. Ergreifende Tragödie in 2 Akten. 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