VV 2* 2 Nr. 235 Der Sießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Hießener Famillenblätter; weine wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl Adresse sür Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. General⸗ Anzeige Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Unid.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Montag, 4. Oltober 105 Bezugsvreis: monatl. 85 Y., viertel⸗ K ährl. Mk. 2.59: durch Aobbole- u. Zweigstellen die Post Mk. 2.90 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pi.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. 6 Ein russisches Ultimatum an Bulgarien. Petersburg, 3. Oktober.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der russische Gesandte in Sofia hat den Auftrag erhalten, Bulgarien zu verlassen, wenn die bulgarische Regierung icht binnen 24 Stunden ihre Be abbreche und nicht unverzüglich die Offiziere entferne, im Kriege befinden. (TB.) Großes Hauptauartier, 2. Okt.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die Engländer suchten heute nacht das ihnen in den Kämpfen der letzten Tage wieder abgenommene Gelände nördlich von Loos im Gegenangriff zurückzuerobern. De Versuch scheiterte unter schweren, blutigen Verlusten für den Feind. f Französische Angriffe südwestlich Angres, östlich Souchez, sowie nördlich Neuville wurden abgeschlagen. Die Anzabl der Gefangenen, die unsere Truppen in diesem englisch⸗französischen Angriffs⸗Abschnitt bisher machten, ist auf 106 Offiziere, 3642 Mann gestiegen. Die Beutt au Maschinengewehren beträgt 26. In der Champagne griffen die Franzosen mittags östlich Auberive in breiter Front an. Der Augriff mißglückte. Nur an einer Stelle drang der Feind in unsere Stellung ein. Badische Leibgrenadiere gingen zum 8 vor und nahmen einen Offizier, 70 Mann gefangen; der Rest des ein⸗ gedrungenen Feindes siel. Französische Angriffe nördlich Le Mesnil und nord⸗ westlich Ville⸗sur⸗Tourbe wurden abgewiesen. Bei der Ab⸗ wehr der Augriffe während der letzten Tage zeichnete sich nordöstlich von Le Mesnil besonders das Reserve⸗Regi ment 29 aus. Die Gesamtzahl der Gefangenen und die Beute aus den Kämpfen nördlich von Arras und in der Champagne er⸗ reichte gestern die 2 5 Gift 5 zieren, 10721 Mann, 35 Maschinengewehren. Der Bombenabwurf eines von Paris zum Angriff auf Laon anfgestiegenen Fluggeschwaders hatte den Tod einer Frau und eines Kindes und die schwere b eines Bürgers der Stadt als Erfolg. Unsere Abwehrkanonen schossen ein Flugzeug südlich Laon ab, dessen Insassen gefangen enommen wurden. Ein anderes feindliches Flugzeug stürzte tennend über Soissons ab.. 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls i von Hindenburg. 85 Nördlich von Postawy find Kavalleriegefechte im Gange. Siüdlich des Narocz⸗Sees bei Spiagla und östlich von Wischnew wurden russische Vorstöße abgewiesen. Von stär⸗ keren Angriffen nahm der Feind nach den verlustreichen Fehl⸗ schlägen des 30. September Abstand. Unsere Truppen haben gestern bei Smorgon drei Offi⸗ ziere, 1100 Mann zu Gefangenen gemacht und drei Maschinen⸗ gewehre erbeutet. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Vor der Front der Heeresgruppe herrscht im allgemeinen Ruhe. Auch hier verzichtete der Gegner auf dit Fortführung seiner Angriffe. Vor unseren Linien liegen viele Gefallene des Feindes. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls l von Mackensen. Nichts Neues. Heeresgruppe des Generals b. Linsingen. Die feindlichen Stellungen bei Czeruysz(am Kor⸗ min) wurden von unseren Truppen erstürmt. Der Feind wurde nach Norden geworfen. Er ließ 1300 Gefangene in uuseren Händen. An anderen Stellen der Front wurden weitere 1100 Ge⸗ fangene gemacht. * Bei der Armee des Generals Grafen Bothmer hatten die Russen in der Nacht vom 29. zum 30. September einen Durchbruchsversuch westlich Tarnopol unternommen. Der Versuch scheiterte völlig unter sehr erheblichen Ver⸗ lusten für den Gegner. Von nur einer unserer Divisionen sind bisher 1168 Russen bestattet, 400 bis 500 liegen noch vor der Front. Zahlreiche Gewehre wurden erbeutet. 5 Oberste Heeresleitung. (WT B.) Großes Hauptquartier, 3. Oktober. (Amtlich.) 5 g Westlicher Kriegsschauplatz. Feindliche Monitore richteten nachmittags ein wirkungsloses Feuer auf die Gegend von Westende⸗Bad. Abermalige Bersuche der Engländer, während der Nacht nördlich von Loos verborenes Gelände wie⸗ derzugewinnen, mißglückten vollständig. Mit schwe⸗ Verlusten nach stellenweise erbitterten Nahkümpfen gab seine Angriffe auf. . * Oestlich von Souchezmißlang ein französi⸗ scher Vorstoß trotz Einsatzes 18 erheblichen Menge von Gasgranaten. Ein feindlicher Angriffsversuch aus Neu⸗ ville heraus gegen die Höhenstellungen östlich wurde mit starken Verlusten für den Feind abgeschlagen. Im nächt⸗ lichen dem Angriff folgenden Handgranatenkampf ging uns ein 40 Meter langes Grabenstück verloren. Die Franzosen haben gestern die Infanterie ⸗An⸗ griffeinder Champagne nicht wiederholt. Das feind⸗ liche Artilleriefeuer hielt in wechselnder Stärke an. Nörd⸗ lich von Le Mesnil wurde der Feind aus einem gegen unsere Stellungen vorspringenden Graben hinausgeworfen, wobei er erhebliche Einbuße auch an Gefange⸗ nen hatte. Im Handgranatenkampf um die Stellung nord⸗ westlich von Ville⸗sur⸗Tourbe behielten wir die Oberhand. 6 Der Feind wiederholte seine Fliegerang riffe auf Laon und Vouziers; in beiden Orten fielen wieder mehrere Zivilpersonen den Bombenwürfen zum Opfer. In der Gegend von Rethel wurde das franzoösische Luftschiff Alsace“ zur Landung gezwungen, die Besatzung ist gefangen genommen. Heute 8 Uhr 30 vormittags wurden auf die neutrale Stadt Luremburg von französischen Fliegern Bom⸗ ben geworfen. Es sind zwei luxemburgische Soldaten, ein Arbeiter und ein Ladenmädchen verletzt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. In den Kavalleriekämpfen südlich von Kos ja ny 3925 der Gegner über die Miadsjolka zukückge⸗ orfen. m übrigen nichts von Bedeutung. Bei den Heeresgruppen der Generalfeldmarschalle Prinz Leopold von Bayern und von Mackensen ist die Lage unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Nach der Niederlage bei Czernycz und dem Scheitern aller russischen Angriffe gegen die Front nördlich dieses Ortes haben die Russen das westliche Korminufer bis 1 9 8 Postierungen an einzelnen Uebergängen preis⸗ gegeben. Die Zahl der von deutschen Truppen gemachten Ge⸗ fangenen hat sich auf 2400 erhöht. Oberste Heeresleitung. „ Seit einiger Zeit ist der Obersten Heeresleitung folgen⸗ der Befehl des französischen Generals Joffre bekannt: „Großes Hauptquartier der Westarmee. Generalstab 3. Bureau Nr. 8. 565 14. September 1915. Geheim! An die Kommandierenden Generäle! 8 33 Der Geist der Truppen und ihr Opfermut bilden die wichtigste Bedingung der Angriffe. Der französische Soldat schlägt sich umso tapferer, je besser er die Wichtigkeit der Angriffshandlungen be⸗ greift, an denen er beteiligt ist und je mehr er Vertrauen hat zu den von den Führern getroffenen Maßnahmen. Es ist des⸗ halb notwendig, daß die Offiziere aller Grade von heute an ihre Untergebenen über die günstigen Bedingungen auf⸗ klären, unter denen der nächste Angriff der französischen Streit⸗ kräfte vor sich geht. Folgende Punkte müssen allen bekannt sein: 1. Auf dem französischen Kriegsschauplatz zum Angriff zu schreiten, ist für uns eine Notwendigkeit, um die Deut⸗ schen aus Frankreich zu verjagen. Wir werden sowohl unsere seit 12 Monaten untexjochten Volksgenossen befreien, als auch dem Feind den wertvollen Besitz unserer besetzten Gebiete entreißen. Außerdem wird ein glänzender Sieg über die Deutschen die nme u⸗ tralen Völker bestimmen, sich zu unseren Gunsten zu ent⸗ scheiden und den Feind zwingen, sein Vorgehen gegen die russische Armee zu verlangsamen, um unserem Angrif entgegenzutreten. 2. Alles ist geschehen, daß dieser Angriff mit erheblichen Kräften und gewaltigen materiellen Mitteln unternommen werden kann. Der ohne Unterbrechung gesteigerte Wert der Verteidi⸗ gungseinrichtungen in erster Linie, die immer größere Verwendung von Territorialtruppen an der Front, die Vermehrung der nach Frankreich gesandten englischen Streitkräfte, haben dem Ober⸗ befehlshaber erlaubt, eine große Zahl von Divisionen aus der Front herauszuziehen und für den Angriff bereit zu halten, der in Stärke der mehrerer Armeen gleichlommt. Diese Streit- kräfte ebenso wie die in der Front gehaltenen verfügen über neue und vollständige Kriegsmittel. Die Zahl der Maschin e n⸗ gewehre ist mehr als verdoppelt. Die Feldkanonen, die nach Maßgabe ihrer Abnutzung durch neue Kanonen ersetzt wor⸗ den sind, verfügen über einen bedeutenden Munitionsvor⸗ rat. Die Kraftwagenkolonnen sind vermehrt worden, sowohl zur Verpflegung, als zur Truppenverschiebung. Die schwere Artillerie, das wichtigste Angriffsmittel, war Gegenstand erheblicher Anstrengungen. Eine beträchtliche Menge Batterien schweren Kalibers ist mit Rücksicht auf die nächsten Angriffshandlungen vereinigt und vorbereitet worden. Der für jedes Geschütz vorgesehene Munitionssatz übertrifft den bisher jemals festgestellten größten Verbrauch. 5 .Der gegenwärtige Zeitpunkt ist für einen allge⸗ meinen Angriff besondes günstig. Einerseits haben die Kit⸗ chener⸗Armeen ihre, e Frankreich be⸗ endet, andererseits haben die Deuts noch im letzten Monat ziehungen zu den Feinden der flawischen Sache die den Armeen der Staaten angehören, die sich mit den Enteute⸗Mächten 50 von unferer Front Kräfte Poeggczogen, um sie an der russischen Front zu verwenden. Die Deutschen haben nur sehr dürftige Re⸗ serven hinter der dünnen Linie ihrer Grabenstellung. 4. Der Angriff soll ein allgemeiner sein; er wird aus mehreren großen gleichzeitigen Angriffen bestehen, die auf einer sehr großen Front vor sich gehen sollen. Die englischen Truppen werden mit bedeutenden Kräften daran teilnehmen und auch die belgischen Truppen werden sich an den Angriffs⸗ handlungen beteiligen. Sobald der Feins erschüttert sein wird, erden die Truppen an den bis dahin untätig gehaltenen Teilen der Front ihrerseits angreifen, um die Unordnung zu pervollstän⸗ digen und ihn zur Auflösung zu bringen. Es wird sich für alle Truppen, die angreifen, nicht nur darum handeln, die ersten feind⸗ lichen Gräben wegzunehmen, sondern ohne Ruhe Tag und Nacht durchzustoßen über die zweite und dritte Linie bis ins freie Gelände. Die ganze Kavallerie wird an diesen Angriffen teilnehmen, um den Erfolg mit weitem Abstand vor der Infanterie auszunutzen. Die Gleichseitigteit der Angriffe, ihre Wucht und Ausdehnung, werden den Feind hindern, seine Infanterie⸗ und Artilleriereserven auf einem Punkte zu versammeln, wie er es im Norden von Arras tun konnte. Diese Umstände sichern den Erfolg.. Die Bekanntgabe dieser Mitteilung an die Truppen werd nicht verfehlen, den Geist der Truppen zu der Höhe der Opfer zu erheben, die Mitteilung mit Klugheit und Ueberzeugung geschieht. 5(gez.) J. Joffre.“ Hierzu gab ein französischer Regimentskom⸗ mandeur folgenden Zusatz: Diesen Befehl bringt der Oberst zur Kenntnis der Batafllons⸗ kommandeure und N und bittet Sie, während des Dienstes in den Gräben und im Lager jede Gelegenheit zu benutzen, um den Leuten begreiflich zu machen, daß die von ihnen geforderte Anstrengung derartige Folgen haben kann, daß der Frieg binnen kurzem mit einem Schlage zu Ende ist. Alle müssen bei dem beabsichtigten Angriff diejenige Kraft, Energie und Tapferkeit einsetzen, die nötig sind, um ein so großes Ergebnis zu erreichen. Wir müssen die deutschen Linien durchbrechen und dazu vorwärts gehen, trotz allem. Der Befehl des Generals Joffre wird in interessanter Weise durch nachstehende Aeußerung der Kommandeure der englischen Gardedivision ergänzt, die am 25. September in deutsche Hände fiel: Divisionsbefehl der Gardedivision. Am Vorabend der größten Schlacht aller Zeiten wünscht der Kommandeur der Gardedivision seinen Truppen viel Glück. Er hat den anfeuernden Worten des Kommandierenden Generals von heute morgen nichts hinzuzurfügen, es möchte sich aber jeder⸗ mann zwei Dinge vor Augen halten: 1. daß von dem Ausgang dieser Schlacht das Schicksal kommender englischer Diviftonen abhängt, 2. daß von der Gardedivision Großes erwartet wird. Als Gardist von über 30 Jahren weiß er, daß er niches mehr hinzuzufügen braucht Gez.: Lord Cauen. Aus diesen beiden Dokumenten geht zunächst hervor, wie schmählich man die Oeffentlichkeit täuscht, wenn ihr nach dem Fehlschlagen der am 25. September unternomme⸗ men Angriffe immer wieder versichert wird, der in der Vor⸗ bewegung eingetretene Stillstand lag von vornherein in der Absicht der verbündeten englischen und französischen Heeresleitungen, aber die Befehle gestatten auch noch andere Feststellungen. Zweck der Angriffe war, die Deutschen aus Frankreich zu vertreiben, das Ergebnis dagegen, daß die deutschen Truppen auf der etwa 840 Kilometer langen Front an einer Stelle in 23 Kilometer, an einer anderen, und an dieser nicht durch die soldatischen Leistungen des englischen Angreifers, sondern durch die gelungene Ueber⸗ 1 mit einem Gegenangriff, in 12 Kilometer Breite auf der vordersten Linie ihres Verteidigungssystems in die weite, die nicht die letzte ist, gedrückt wurde. Nach vor⸗ sichtigster Berechnung betragen die E Ver⸗ luste an Toten, Verwundeken und Gefange⸗ nen mindestens hundertdreißigtausend (130 000), die englischen sechzigtausend(60 000), die deutschen nochmicht ein Fünftel dieser Zahl. Ob die Gegner hiernach noch Aussicht haben, ihr Endziel zu erreichen, mag dahingestellt bleiben. Jedenfalls können solche örtlichen Erfolge, erkämpft durch den Einsatz sechs⸗ bis siebenfacher z. Ueberlegenheit und vorbe⸗ reitet durch vielmonatige Arbeit der Kriegsmaterialfabriken der halben Welt, einschließlich Amerikas, nicht ein„glän⸗ zender Sieg“ genannt werden. Noch weniger ist davon zu reden, daß der Angriff uns gezwungen hätte, irgend etwas zu tun, was nicht in unserem Plane lag, im besonderen unser Vorgehen gegen die russische Armee nach ihm zu richten, abgesehen davon, daß eine zum Abtransport bestimmte Division beim Einsetzen der Offensive auf dem westlichen Kriegsschauplatz angehalten und dafür eine im Antransport hierher befindliche andere Division nach dem Bestimmungsort der ersten gelenkt wurde, hat der An⸗ griff die Oberste Heeresleitung nicht ver⸗ anlaßt, auch nur einen einzigen Mann anders u verwenden, wie es seit langer Zeit be⸗ im mtwar. Andererseits ist der Angriff weder ohne Ruhe Tag und Nacht fortgeführt worden, noch gelangte er bisher an irgendeiner Stelle über unsere zweite Linie hinaus, noch hat er uns verhindert, unsere Reserven genau so sicher und wirksam zu verschieben, wie wir es bei der Mai⸗-Offensive. nördlich Arras tun konnten. Oberste Heeres leitung. monatl. 75 Pi. durch die von ihr gefordert werden. Es ist daher unbedingt nötig, daß 1 1 EPC N Das neue Ultimatum Rußlands. Aus dem seit langer Zeit stark bewölkten Balkan durch⸗ zittert ein neuer Donnerschlag das vom Krieg erschütterte Noch klangen Drohun den richtigen Schlüssel suchte, oder Europa; neue Völker werden am Kriege teilnehmen, Bul⸗ garien sicherlich an der Seite der Zentralmächte. Denn es ist natürlich ausgeschlossen, daß auf der Grundlage des russi⸗ schen Ultimatums noch eine Einigung unserer Feinde mit Bulgarien zustandekommt. Der neue Entschluß des Zaren, der sich noch einmal im alten Prunkgewand des Schutzherrn über das Slawentum gezeigt hat, ist ihm nicht aus eigener Kraft und eigenem Willen gekommen. Das Ultimatum ist ein Verlegenheitsprodukt, der dem König Ferdinand wütend hingeworfene Handschuh ist, unbrauchbar und zerschlissen, kein Wahrzeichen starken Heldentums. Wir lesen die letzten französischen Presseäußerungen über die Politik Sofias und wissen, daß das russische Ultimatum im Auftrage der Herren Grey und Delcassée vom Stapel gelassen worden ist. 5 Soeben wollte Rados lawow, der zielbewußteste aller Balkanpolitiker, sich anschicken, die letzte Note des Vier⸗ verbandes zu beantworten, in der noch einmal die hier schon erwähnte Greysche Drohung ausgesprochen war, die Verbün⸗ deten würden Serbien nicht im Stiche lassen. Bekanntlich hatte der bulgarische Ministerpräsident in den letzten Tagen mehrfach ausdrücklich amtlich erklären lassen, Bulgarien be⸗ absichtige mit seiner Mobilisierung keinerlei Angriff, selbst nicht gegen Serbien. Auch die jetzt in dem russischen Ulti⸗ matum gestellte Forderung, Bulgarien möge die dem Vier⸗ verband feindlichen Offiziere zurückweisen, hat Radoslawow im voraus erfüllt; wir haben am Samstag seine Erklärung mitgeteilt, wonach kein deutscher Offizier sich in Bulgarien aufhält als lediglich der deutsche Militärattachs. Es ist also auch hier wieder erwiesen, daß der Bruch des Friedens von England, Frankreich und Rußland ausgeht. Haben sie es gewollt, haben sie es damit so eilig gehabt? 5 Es war in den letzten Tagen öfters darauf verwiesen worden, daß ein Volk wie Bulgarien nicht auf lange Dauer einen so ungewöhnlichen, kostspieligen Zustand werde ertra⸗ en können, wie es eine Mobilisierung ist. Dennoch hat Konig Ferdinand, obgleich die Saat zur vollen Reife gedie⸗ hen war, nicht zuerst zu den Waffen gegriffen. Warum aber wollte Rußland keine Zeit mehr verlieren? Wa⸗ rum vor allem hat es nicht gewartet, bis die englisch⸗ französische Offensive, über deren Vorgeschichte und heutiges Ergebnis die deutsche Heeresleitung neuerdings so ungemein interessante Aufschlüsse gibt, noch mehr Eindruck in der Welt gemacht hatte? immer ja wurde das Buhlen um die Gunst Griechenlands und Rumäniens fortgesetzt. Hatten Rados⸗ lawows Argumente in Bularest und Athen einen Vor⸗ sprung, so war er doch durch Wendungen in den Kriegs⸗ ereignissen, die für die Feinde der Zentralmächte spra⸗ chen, wieder einzuholen? Es herrschte aber offensichtlich Hoffnungslosigkeit in den Ratschlüssen der das Zarenreich beratenden Mächte. Griechenlands vielgewandter Minister Venizelos hatte bereits kundgetan, daß auch seine Politik dahingehe, vorläufig nur, wie Bulgarien, bewaffnete Neutralität zu üben. Offenbar hatten die Di⸗ plomaten in Sofia mehr Aussicht, mit Rumä⸗ nien und Griechenland ins Reine zu kommen als Grey und Sasonow. Die militärische Lage und die schlechten Aussichten der„Entente“ vertragen ein längeres Zuwarten nicht mehr. Der griechische Generalstab sah den kommen⸗ den Sieg der Zentralmächte voraus, der König, dem unsere Feinde schmeichelnd den Oberbefehl der gegen Bulgarien geplanten Balkanaktion aufschwatzen wollten, blieb an⸗ scheinend fest auf seinem früheren Standpunkte. Schon en gegen Griechenland durch das Ver⸗ ten der Vierverbandsmächte. Truppenlandungen in Sa⸗ oniki sind vorbereitet worden, ohne daß man die griechische Entscheidung 1 hätte. General Lord Hamilton soll mit seinem Stabe, nach einer Privatmeldung der„Frkf. Ztg.“, bereits in Saloniki weilen, ebenso Teile des fran⸗ ß5ösischen Dardanellenstabes. Es ist uns völlig unbekannt, in welcher den 9 5 Bahn die Verhandlungen Bulgariens mit anderen Balkanmächten sich bewegten. Der rumänische Ministerpräsident hat sich noch schweigsamer als Venizelos gezeigt und jene Opposition, die den alsbaldigen Anschluß an die Heere des Vierverbandes forderte, mit einem bezeichnenden Wink auf die deutsch⸗österreichischen Truppen von sich abgewiesen. Auch der rumänische König soll keineswegs gesonnen sein, durch einen Krieg mit den Zentralmächten die Existenz seines Reiches aufs Spiel zu etzen. Man wird es bald gewahr werden, wer die klügere Politik befolgt hat. Radoslawow, der für die Balkanuhr noch Zar Nikolaus, der das stehen gebliebene Werk gewaltsam und ungeduldig schüt⸗ telte. Uns dünkt, die neueste Kraftgebärde der„Entente“ wird Bulgarien nicht einschüchtern und auch keine schnellere Entschließung der beiden anderen Balkanstaaten herbei⸗ 2 3 Diese werden vielmehr vermutlich warten wollen, bis as 1 Würfelspiel des Kriegsglücks weiter fortgeschritten ist. Wie auch die Zukunft sich gestalten mag: wir sind eines neuen, tapferen Bundesgenossen, nämlich Bulgariens, sicher. Wir vertrauen weiterhin der Diplomatie Hindenburgs und entnehmen aus den neuesten Beweisen unserer Heeres⸗ leitung über die Mißerfolge und Enttäuschungen unserer daß Feinde im Westen die besten Hoffnungen. 4*** Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 2. Okt.(WB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe am Korminbach nehmen ihren Fortg ang. Deutsche und österreichisch⸗ungarische Truppen warfen den Feind aus dem in den letzten Tagen heißumstrittenen Dorf Czerny sz. Die Zahl der gestern mitgeteilten Gefangenen erhöhte sich auf 5400. Unsere Reiterei hatte, in gewohnter Weise zu Fuß fechtend, an den hier errungenen Erfolgen ruhmreichen Anteil. 5 Sonst verlief der gestrige Tag im Nordosten ohne be⸗ sondere Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front fanden gestern im allgemeinen nur Geschützkämpfe statt In der Gegend östlich der Sopra Cor nella(nördlich Roncegno) war in der Nacht auf den 1. Oktober lebhaftes Gewehrfeuer hörbar. Von unserer Seite nahmen keine Truppen an diesem Gefecht teil. Im Erhstallo⸗ ebiet wurde abends ein Angriff einer Alpini⸗Abteilung auf 5 107 5 zwischen Nauchkofel und Schönleitenwand kurz abgewiesen. Ein gleiches Schicksal fanden an der Kärntner Front wiederholte Angriffe gegen unsere Stellungen auf dem Ma⸗ lurch und westlich des Bombasch⸗Grabens(nördlich Pontafel). Im Küstenlande hat die Kampftätigkeit im Raume nördlich Tolmein nachgelassen. Ein gestern abend angesetzter Angriff der Italiener gegen den Tolmeiner Brückenkopf brach in unserem Feuer zusammen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. An der Save⸗Front nächst der Kolubora⸗ Mündung beschossen unsere Batterien, feindliches Artilleriefeuer er⸗ widernd, mit Erfolg die serbischen Uferstellungen. Bei Go⸗ razde jagten wir eine etwa 300 Mann starke montenegrinische Abteilung in die Flucht. Oestlich von Trebinje unternahmen unsere Truppen, vom Feuer der Grenzsperren unterstützt, eine Streifung auf montenegrinisches Gebiet. Sie überfielen die feindlichen Posten und vernichteten einige Magazine. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. Oktober 1915. Russischer Kriegsschauplatz. erfolglosen und verlustreichen Angriffe, die er tags vorher unternommen hatte, das Westufer des unteren Kormin⸗ baches. Sonst im Nordosten bei unveränderter Lage keine besonderen Ereignisse. Italienischer Kriegsschauplatz. Gestern vor Tagesanbruch gruppierten sich die Italiener zu einem größeren Angriff auf den Nordwestabschnitt der Hochfläche von Doberdo. Unsere Artillerie überfiel die Angriffstruppen mit Feuer und zersprengte sie größtenteils. So endete die feindliche Unternehmung mit einem Vorstoß eines Bataillons läugs der Straße Sdraussina— San Martino. Dieser Vorstoß und ein ähnlicher gegen mittag angesetzter Angriff wurden abgewiesen. Ebenso scheiterten Versuche des Gegners, östlich von Redipuglia vorzu⸗ gehen. Gewisse Bewegungen hinter der feindlichen Front und der lebhafte Verkehr auf den venezianischen Eisenbahnen sind unserer Beobachtung nicht entgangen. An dem übrigen Teil der Südwestfront hat sich nichts von Belang ereignet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. *** Aus dem russischen Ministerrat. Kopenhagen, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Ber⸗ lingske Tidende“ meldet aus Petersburg: Ueber die Verhandlungen des Ministerrates im Hauptquar⸗ tier verlautet, daß zuerst eine Reihe wichtiger Fragen von aktuellem Interesse verhandelt wurden. Besonders wurden Maßregeln für die Zusammenarbeit der Zivil- und Militär⸗ behörden mitgeteilt, die Räumung bedrohter Gebiete be— sprochen und endlich Mitteilung von den Beschlüssen des Kongresses in Warschau gemacht, infolge deren der Zar den Empfang einer Deputation dieses Kongresses ablehnte. For⸗ derungen von Veränderungen im Ministerium und über die Einberufung der Duma vor einem bestimmten Zeitpunkt wurden nicht verhandelt, um nicht den Eindruck zu erwecken, als ob Spaltungen innerhalb des Ministeriums beständen. Im übrigen erstattete Sasonow Bericht über die aus⸗ wärtige Lage, besonders über Bulgarien. Die Mehrheit des Ministeriums war sich darüber einig, daß energische Maßregeln gegen Bulgarien not⸗ wendig seien, und daß man nicht davor zurück- schrecken solle, Bulgarien ein Ultimatum zu stellen.— Nach ihrer Rückkehr hatten die Minister eine lange Konferenz bei Kriwoschein. Die Rüstungen der„Ententd. Berlin, 4. Okt. Nach dem„Berliner Tageblatt“ sei, italie⸗ nischen Blättern zufolge, die Aus schiffung der Entente⸗ truppen in Zusammenhang mit der Balkanaktton bereits im Gange. Die hierzu nötigen Truppen werden dem Darda⸗ nellenheere entnommen. Nach der„Tribung“ hätte die Ausschiffung in einem griechischen Hafen begonnen; auch ständen russische Landtruppen in Varna und Buras bevor, während in Sebastopol und Odessa ausgedehnte militärische Vorbereitungen getroffen würden. Genf, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Sprache der fran⸗ zösischen Presse gegenüber Bulgarien ist äußerst scharf. Die Presse erklärt, Bulgarien könnte sich nur durch einen Angriff gegen die Türkei mit dem Vierverbande einigen. Da dieser Angriff unmöglich sei, so müsse Bulgarien logischerweise als Feind betrachtet werden. Man könne es mit Befriedigung, feststellen, daß sich die Vierverbandsmächte über ein Vorgehen auf dem Balkan verständigt hätten, Maßnahmen bereits in Ausfüh⸗ rung begriffen seien und die Möglichkeit der Entsendung eines Erpeditionskorps greifbare Form annehme. Man dürfe erwarten, Griechenland keine Einwendung erheben werde. Die Presse schmeichelt besonders König Konstantin, hebt dessen militärische Eigenschaften hervor und erklärt, die letzten Ereignisse in, Bulgarien müßten ihn über die Absichten Deutschlands aufge⸗ klärt haben, denn es bestehe kein Zweifel, daß Bulgarien auch An⸗ e e. gegen Griechenland habe. Die Presse versucht, diese ehauptung nicht zu begründen. Es genügt ihr, auf die Ereignisse des Jahres 1913 hinzuweisen. Die Blätter betonen, daß selbst, wenn Bulgarien einen Angriff nicht ausführt, Truppen der Alliierten in Mazedonien gelandet werden müßten, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Paris, 3. Okt.(WBB Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet, das Erscheinen französischer Truppen in Mazedo⸗ nien stehe unmittelbar bevor. Die Nachricht ihrer Landung in Salonik werde binnen kurzer Zeit erwartet. Sofia, 2. Okt.(WI. Nichtamtlich.) Der hiesige vus⸗ sische Gesandte Sawinski ist an Blinddarmentzündung 255 erkrankt. Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Temps“ zufolge haben die Erklärungen der Vertreter der Vierverbandsmächte in Sofia folgenden Wort⸗ laut: Wenn die bulgarische Mobilmachung Bulgarien Anlaß 955 sollte, eine aggressive Haltung an der Seite unserer Feinde einzunehmen, dann sind wir entschlossen, unseren Freunden auf dem Balkan jede Hilfe zu gewähren, über die wir verfügen sowie es ihnen am besten paßt, in Ueberein⸗ stimmung mit den Verbündeten und zwar ohne jede Ein⸗ schränkung und ohne jeden Vorbehalt. Aus Bulgarien. Wien, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Südslavische — Korrespondenz meldet aus Sofia: Nach Berichten dortiger Blätter fanden vor dem österreichisch-ungarischen und dem beutfen Kon⸗ Der Feind räumte gestern, erschöpft durch die vielen So sulat Sympathiekundgebungen statt. Gruppen von Stu⸗ denten zogen mit Fahnen in den Pausch österreichischen, un⸗ rischen und bulgarischen Farben unter Absingung patriotischer 9 durch die Ba der Stadt. Vor den Gebäuden des deutschen und österreichisch⸗ungarischen Konsulats hielten die Grup⸗ pen und brachen in vielhundertstimmige Hochrufe auf Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn aus. Vor dem serbischen Konsulat sangen sie das populäre Marschlied„Der verbündete Räuber“. Der Zug junger Leute wurde auf den Straßen vom Publikum lebhaft be⸗ grüßt. Die ganze Kundgebung verlief ruhig und würdevoll. Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der„Temps“ aus Sofia meldet, versucht die bulgarische Regierung angeblich mit Hilfe der Mittelmäche eine Einigung mit Rumänien und Griechenland zu erzielen. Regierungskreise versicherten, daß die Unterhandlungen demnächst zu einem aß pf führen würden. Aber die Opposition vertrete die Ansicht, da die Unter⸗ handlungen ergebnislos bleiben müßten, da sich Rumänien und Griechenland offensichtlich auf die Seite des Vierverbandes ge⸗ stellt hätten. f Sofia, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) 5000 Maze⸗ donier, die zum Eintritt in das ferbische Heer gepreß! worden wären, überschritten in den letzten Tagen an verschiedenen Stellen die Grenze, um in die bulgarische Armee einzutreten. Auch aus dem griechischen Heer ist eine Anzahl von Mazedoniern nach Bulgarien entwichen. Etwa hundert serbische daten mit zwei Offizieren sind nach Bulgarien geflüchtet, wo sie entwaffnet worden sind. Nach ihren Schilderungen herrscht im serbischen Heere große Entmutigung. Sofia, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zu⸗ folge mehren sich in der letzten Zeit die Verfolgungen der serbischen Behörden gegen die bulgarische Be⸗ völkerung Mazedoniens. Die Nachrichten erregen hier eine wach⸗ sende Erbitterung gegen Serbien. Sofia, 3. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der Agence Bulgare. Wie gemeldet wird, wird die Regierung unverzüglich eine Antwort auf die letzte Note des Vier⸗ verbandes erteilen. i Aus Rumänien. Bukarest, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Zu der unter Lei⸗ tung von Filipescu gebildeten neuen politischen Ver⸗ einigung zur Verwirklichung des nationalen Ideals eines Groß⸗ Rumäniens nimmt der offiziöse„Vittoru l lung, indem er in scharfer Weise dem Versuche entgegentritt, die Geister zu verwirren und eine Atmosphäre zu schaffen, die für Unternehmungen jeder Art günstig sei. Das Blatt erklärt, das ru⸗ mänische Volk sei viel zu reif und die Bande zwischen ihm und der Dynastie seien derart unlösbar, daß alle Versuche, sie zu lockern, nur das Ergebnis hätten, die Beziehungen zwischen Thron und Land nur noch fester zu gestalten. Die Ankündigung des„Ade⸗ verul“ von der Gründung einer neuen großen Partei der natio⸗ nalen Einigung, die den König in seiner Stellung bedrohe, wenn er nicht eines Sinnes mit den Aktionisten sein sollte, lege den unaussprechlich possenhaften Charakter der neuen Vereinigung bloß, deren eigentliches Ziel mit der aus⸗ wärtigen Politik nichts zu tun habe, sondern die lediglich den Sturz der gegenwärtigen Regierung wolle und deren Ersetzung durch eine nationale Regierung im Sinne der parlamen arischen Liga. 2 5 Die ergebnislose Offensive der Feinde im Westen. Berlin, 4. Okt. Zu der ergebnislosen Offen⸗ sive im Westen gibt Karl Rosner aus dem Kriegspresse⸗ quartier im„Berliner Lokalanzeiger“ das folgende Bild: Die Offensive der Engländer, die gleichzeitig mit jener der Fran⸗ zosen mit gewaltiger Feuervorbereitung eingesetzt hatte, ist am 25. September zum Stillstand gekommen. Obwohl die Engländer sich in großer Uebermacht befanden, haben sie einen größeren Angriff seit diefem Tage nicht mehr gewagt. Int Osten von Ypern sind die Deutschen zur Offensive geschritten. Es gelang ihnen, den Engländern furchtbare Verluste beizubringen. Der Vorteil, den die Engländer bei Loos erzielt hatten, wird ihnen in täglichen Kämpfen schrittweise wieder entrissen. Die Verluste der Engländer waren bei den Kämpfen der vergan⸗ genen Woche derart ungeheuer, daß neue Angriffe von ihrer Seite in der nächsten Zeit kaum zu erwarten sein dürften. Auf der Front zwischen Reims und den Argonnen blieb der Haupt⸗ plan des Feindes, unsere Stellung hier zu durchbrechen, er⸗ folglos und der Ansturm wurde durch die wunderbare Tapferkeit unserer Truppen, durch das rechtzeitige Einsetzen unserer Re⸗ serven und das Zusammenarbeiten der ganzen Kriegsmaschine abgeschlagen. Es wurden jetzt mehrfach starke Schanzarbeiten der Franzosen bemerkt. Es bleibt fraglich, ob und wann der Feind einen neuen Vorstoß in breiter Front versuchen wird. Mar Us born berichtet in den von ihm bedienten Blättern vom 3. Oktober: Heute, eine runde Woche nach Beginn der großen Champagneschlacht, kann man sagen, daß der völlige Mißerfolg des feindlichen Hauptplanes besiegelt ist. Gleich⸗ wohl dauern die französischen Teilangriffe fort. Sie werden stets durch schwere Artillerie und Wurfminen eingeleitet und in gewohnter Weise durch mächtige Vorstöße von Infanteriemassen in mehreren Wellen hintereinander ausgeführt. Sie sind ver⸗ hältnismäßig auf kleine Strecken beschränkt, waren bisher aber er⸗ folglos und haben das Bild der Lage in keinem Punkte ver⸗ schoben. Unsere Verluste sind gewiß groß und schmerzlich bei Offizieren und Mannschaften. Die heldenhafte Entschlossenheit unserer Truppen ist aber in diesen Tagen gewachsen. Was auch kommt, wir sind gerüstet! Die englischen Verluste. London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die Verlust⸗ liste vom 30. September weist 26 Offiziere und 1885 Mann auf, die vom 1. Oktober 28 Offiziere und 1197 Mann, die vom 2. Oktober 41 Offiziere und 1706 Mann. Die„Times“ vom 30. September bis 2. Oktober teilt außerdem noch den Tod von 115 Offizieren mit. 5 Der russische Finanzminister in Paris. Paris, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung det Ag. Havas. Der russische Finanzminister Bark ist gestern abend aus London in Paris eingetroffen. Der Kampf um die Wehrpflicht in England. London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Das Bureau Reuter meldet aus Sidney: Eine Arbeiterorgani⸗ sation, die 100 000 Gewer kschaftler vertritt, hat beschlossen, jede Form der Dienstpflicht zu bekämpfen, die nicht zuerst auf das Kapital Anwendung findet. Aus dem englischen Unterhaus. London, 3. Okt(WTS. Nichtamtlich.) Im Unter⸗ hause erklärte Asquith gestern, daß das Kabinett einstrmmig der Ueberzeugung gewesen sei, daß Einfuhrzölle nötig seien. Die Vermutung, daß die konservativen Mitglieder des Kabinetts die Einführung von Einfuhrzöllen vorgeschlagen hätten, ser grund⸗ los. Nach dieser Erklä wurde die. gegen die Zölle aufgegeben. Die Abstimmung über die Einfuhrzölle auf Automobile ergab 174 Stimmen dafür und 8 dagegen. London, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Verspätet eingetrof⸗ fen. Das Unterhaus ist bis zum 20. Oktober vertagt we den, um Me Kenna Zeit zu geben, die Finanzbill fertigzuste London in Duutelheit. f London, 3. Okt.(WSB. Nichtamtlich) Gestern abend sind neue Bestimmungen über die Beleuchtung von London in Kraft getreten. Die Straßen waren belebt wie gewöhnlich. Aber die Blätter betonen, daß den Fußgängern ernste Gefahr von Kraftwagen und Autobussen drohe.„Daily News“ schreiben, die Londoner müßten sich jetzt mehr auf ihr Gehör als auf ihr Gesicht ver⸗ lassen, um die Entfernung herankommender Wagen abzu⸗ schätzen. London zeige ein neues Bild voller geisterhafter lachthüber Dunkelheit brüte auf allen Straßen, Plätzen und Gassen. Die Kraftomnibusse müßten auf bestimmten Straßen alle Lichter löschen. In den Eisenbahnwagen. müßten die Vorhänge herabgelassen werden.„Daily Mail“ meint, daß man seinen Weg durch die Straßen ebenso schwer 1 wie in einer Nebelnacht im Dezember. Man erkennt ie Gebäude nicht und konnte sich in den gewohntesten Straßen nicht zurechtfinden. Die„Times“ meint, die Zeppe⸗ line würden jetzt keine dunklen Stellen mehr sehen, nach denen sie sich richten könnten. Holländische Butter. Haag, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Vom 3. Oktober bis 10. Oktober dürfen 60 Prozent der Buttererzeu⸗ gung ausgeführt werden. 5 J Von der schweizerischen Grenze. Genf, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die schweizerische Grenze ist für den Personen⸗ und den Postverkehr wieder geöffnet. Der Krieg in Südwestafrika. London, 3. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Daily Telegraph“ meldet aus Johannesburg, daß die auf⸗ ständischen Eingeborenen im Süden von Angola völlig unterworfen seien. Das Reutersche Bureau meldet: Die britischen und die portugiesischen Behörden unternahmen gemeinsame Schritte, um die Ordnung an den Grenzen von Angola herzu⸗ stellen. Die zwischen den Grenzlinien liegende Zone, die Deutschland und Portugal beanspruchen, wird als neutral betrachtet und gemeinsam von der portugiesischen und der südafrikanischen Regierung verwaltet werden. Der Seekrieg. Zwei englische Monitore durch Bombenwürfe beschädigt. Berlin, 3. Oktober.(WTB. Amtlich.) Am 2. Oktober sind zwei englische Monitore vor La Panne durch Bomben-⸗ wür fe unserer Wasserflugzeuge beschädigt worden. 5 Der Chef des Admiralstabes der Marine. Die heimtückische Kampfesart Englands. New Pork, 3. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der aus Eng⸗ land zurückgekehrte amerikanische Tierarzt Banke berichtet, daß ein britisches Wachtschiff unter amerikanischer Flagge sich einem deutschen U⸗Boot genähert habe, und als es herangekommen gewesen sei, das Sternenbanner nieder⸗ eholt und die brittische Flagge gehißt und das U⸗Boot be⸗ scho en und 55 Sinken gebracht habe. Banke, der den Angriff von Bord des von dem U-Boot angegriffenen und beschossenen Viehdampfers„Nicosan“ mit ansah, sagt ferner, den Offizieren und Mannschaften des Wachtschiffes, auf das die Be⸗ satzung des„Nicosan“ übergegangen war, sei strengstes Stillschwei⸗ 5 anbefohlen„In einem Privatbriefe, der in ameri⸗ ischen Blättern veröffentlicht worden ist, teilt Banke mit, daß die Briten rücksichtslos auf die im Waßser schwimmenden und auf die„Nicosan“ gekletterten 1 Matrosengeschossen hätten.(Anmerkung: Die Nachricht bezieht sich auf denselben Vorfall, über den die deutsche Presse am 8. September auf Grund von Mitteilungen aus London eingetroffener Amerikaner berichtete. Das deutsche Unterseeboot, um das es sich handelt, kann nur das am 6. September amtlich als verloren gegangen gemeldete U-Boot„U 27“ sein. 1 Christiansand, 2. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der Leichter„Florida“, der mit Grubenholz von Christianig nach Hul! 7 0 und von einem Dampfer begleitet war, ist süd⸗ westlich vom Kap Lindesnäs von einem deutschen Untersee⸗ boot in Brand gesteckt worden. Die Besatzung wurde von 5 8 in W e N 15 e aus wurden noch zwei e nen rzeuge gesehen. e 3. Oktober.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer amtlichen Meldung sind in der Woche, die mit dem 29. September endigte, 1387 Dampfer in den britischen Häfen ein⸗ und aus⸗ gelaufen, sechs Dampfer von zusammen 20 727 Tonnen wurden in dieser Zeit versenkt. . Die neuen Uniformen des heeres. Die große Entscheidung über die künftigen Friedens⸗ umiformen des Heeres ist gefallen und bekannt gegeben. Die soeben erschienene Nummer des Armee⸗Verordnungsblattes veröf⸗ fentlicht die allerhöchsten Bestimmungen über„Aenderungen an den Uniformen der Offiziere und Mannschaften“ nebst den Aus⸗ führungsbestimmungen des Kriegsministeriums. Auf Grund der außerordentlich günstigen Erfahrungen, die in dem gegenwärtigen Kriege mit der feldgrauen Uniform gemacht worden sind, ist die Einführung des Feldgrau auch für die Friedensuni⸗ formen beschlossen worden, wohl die durchgreifendste Aende⸗ rung in der Ausstattung unseres Heeres, die seine Geschichte auf⸗ weist, die aber außerordentlich erleichtert wird durch den Umstand, daß die große Anzahl neugebildeter Truppenteile wenigstens bei der Infanterie die Kammern völlig geleert hat und auch Bestände an Tuchen so gut wie nicht mehr vorhanden waren. Neben der Einführung der feldgrauen Friedensuniform geht eine beträcht⸗ liche Vereinfachung und Verbilligung einher. Das Grundtuch des Waffen rockes(Attila, Ulanka) und der Schirmmütze ist demnach. nd eldgrau, nur für Jäger und Schützen, Jäger zu Pferde as Reitende Feldjiägerkorps graugrün. Bei den Schirmmützen der Kürassiere, Dragoner und Husaren bleibt das bisherige Grundtuch. Es wird künftighin unterschieden zwischen dem Friedensrock, in dem der Soldat auf der Straße und im Verkehr sich zeigt, und der auch künftighin tadel⸗ los sitzen und schmuck sein soll und dem Feldrock, der Bluse, die ugleich als Arbeitsrock dient und die weit und bequem genug em muß, um das Unterziehen wollener Unterkleidung usw, zu ge⸗ 8 Der künftige Ausgehrock unseres Soldaten, der bisherige affenrock, 17 55 zu dem feldgrauen Grundtuch die altbekannten . Besätze. Die 1 28 sein: Weiß Friedensrock: nfanterie: U An der Bluse: Feldgrau mit weißem Vorstoß. 175 die Jäger; hellgrün. ür die Kavallerie: e Wie bisher im Frie⸗ den, also weiß mit Vene in der Regimentsfarbe; b) Dragoner: Kornblumblau mit Vorstoß in der Regimentsfarbe; c) Husaren: Schnüre in den Regimentsfarben(bisheriger roter 3. Hufar z. B. rotweiß); d) Ulanen! Rot mit Vorstoß in der Neglmentgfer be (weißer Ulan z. B. rot mit weißem Vorstoß); e) Jäger zu Pferde: Wie bisher im Frieden, also hellgrün mit Vorstoß in der Regi⸗ mentsfarbe. b 5 ür die Feldartillerie: Rot. Für die Fußartillerie: Goldgelb mit zwei gekreuzten Granaten.. 5 ür die 7 5 Schwarz mit rotem Vorstoß. Für die Berkehrstruppen: Hellgrau. ür den Train: Kaliblau(statt hellblau). völlige Vereinheitlichung ist bei den Hosen eingetreten; ue für die ganze Armee nur noch Hosen von einem Llterklappe wird Für die gesamte JJJCCCC C Der neue Mantel der Fußtruppen ist ein Mittelding wischen dem bisherigen ungefütterten, der sich als zu leicht 5 t und dem zu langen und zu schweren der berittenen Waffen. Auch der Mantel ist künftighin feldgrau, die Spiegel am Kragen sind weggefallen, die Schulterklappen sind dieselben wie an der Bluse. Mantel und Bluse haben einen vom Grundtuch abweichen⸗ den Kragen. 5 5 An 55 1 15 5 Mützen tragen künftighin auch die berittenen Waffen einen rm. An die Stelle des Halstuches und der schwarzen Hals⸗ binde tritt eine graue Halsbinde von verbessertem Schnitt. Das Schuhzeug der Fußtruppen bleibt, als glänzend be⸗ währt, völlig unverändert; für die berittenen Waffen wird ein schwarzer Einheits⸗Kavalleriestiefel eingeführt. Auch das Leder⸗ zeug ist künftighin einheitlich schwarz. Ferner ist für die gesamte Armee ein einheitlicher Leibriemen mit dem bisherigen Toppel⸗ schloß der Fußtruppen eingeführt. Bandelier und Kartusche für Unteroffiziere und Mannschaften sowie die Leibbinde der Ulanen sind abgeschafft. Auch die Ulanen schnallen das Koppel fortan über, nur die Husaren werden zur Schonung des Schnurbesatzes auch künftig unterschnallen. 5 1 Bei der Feldbekleidung sind die Unteroffiziertressen einheitlich für die ganze Armee durch graue Borden ersetzt. Die Nummer auf dem Helmüberzug wird künftig von allen Truppen getragen und zwar in grüner Farbe. Sämtliche Helme haben eine abnefraßere Sbitze der Tschayka einen abnehmbaren Deckel. Auch dabei haben die Erfahrungen des Krieges mitgewirkt. Wie für De.trahn und Brotocutel so wird auch fur den Tornister die graue Farbe eingeführt. 1 Die Offizierausstattung wird sich im Waffenrock, Bluse, Mantel und Hosen ganz eng der der Mannschaften anpassen und zwar muß Blusen⸗ und Manteltuch dem der Mannschaften völlig gleichen, während für die Friedensröcke ein feineres Tuch gestaktet, auch die Stickerei beibehalten ist. An der Bluse ist die Stickerei ähnlich wie bisher am Feldrock ersetzt. Für die Achselstücke sind dieselben Grundsätze wie bei den Schulterklappen durchge⸗ führt. Anstelle des nicht feldbrauchbaren blanken silbernen Achsel⸗ stücks wird im Kriege ein besonderes mattes Feldachselstück getragen. Dagegen sind die Epauletten gänzlich abgeschafft. Der zwer⸗ reihige Paletot ist durch einen einreihigen feldgrauen Mantel ersetzt, der Ueberrock und die Interimsattila werden durch die bisherige Litewka unter dem Namen Kleiner Rock“ ersetzt. Die Vor⸗ stöße des Kleinen Rocks und die Aufschläge sind für alle Offi⸗ ziere Ponceaurot, für alle Beamten kornblumenblau. Offiziere des Beurlaubtenstandes brauchen diesen Friedensrock nicht zu be⸗ sitzen. An die Stelle der silbernen Feldbinde tritt ein ledernes Feld⸗ koppel, die Mjutantenschärpe wird zum Feldanzug nicht mehr an⸗ 1 85 Schnürschuhe und Gamaschen der Offiziere sind fortan chwarz und dürfen auch zum Paradeanzug getragen werden. Zur Feldausstattung der Offiziere der Fußtruppen kreten Brot⸗ beutel, Feldflasche und Trinkbecher hinzu. 5 Die Ausführungsbestimmungen des Kriegsministeriums betref⸗ fen insbesondere das Auftragen der noch vorhandenen Bestände und das Zusammentragen von Stücken alter und neuer Art. Außerdem wird bestimmt, daß Offiziere Mäntel, Blusen, Reit⸗ und Stiefelhosen, sowie Brotbeutel, Feldflaschen und Trinkbecher gegen Erstattung der Selbstkosten aus Trubpenbeständen entnehmen können. Auch Tuch zu den obengenannten Bekleidungsstücken dürfen sie von den Belleidungs ämtern beziehen. f Am Schlusse der Allerhöchsten Kabinettsorder heißt es:„Ich erwarte, daß, nachdem nunmehr die Bekleidung und Ausrüstung des Heeres unter Berücksichtigung der Kriegserfahrungen neu ge⸗ regelt ist, alle von einzelnen Dienststellen erlassenen Sonder⸗ bestimmungen, erteilten Erlaubnisse und Zugeständnisse aufgehoben werden. Abweichungen von den Bestimmungen und die Einfüh⸗ rung besonderer Abzeichen bedürfen auch während des Krieges Meiner ausdrücklichen Genehmigung.“ a 8 Das Kriegsministerium weist dazu noch besonders auf ein⸗ zelne Stücke als vorschriftswidrig hin, so Offizierfeld⸗ mützen für Unteroffiziere und Mannschaften, Wickelgamaschen, Schnürschuhe mit Gamaschen für Unteroffiziere und Mannschaften, braune Handschuhe für Unteroffiziere und Mannschaften, Unter⸗ offiziereabzeichen in Form von Winkeln und dergleichen. Aus Stadt und Land. Gießen, 4. Oktober 1915. * Geh. Forstrat Wimmenauer. Der Groß⸗ herzog hat am 22. September d. J. den ordentlichen Professor der Forstwissenschaft bei der Philosophischen Fakultät der Landesuniversität, Geheimen Forstrat Dr. Karl Friedrich Wimmenauer auf sein Nachsuchen, unter An⸗ erkennung seiner langjährigen, mit Treue und Eifer ge⸗ leisteten, sehr ersprießlichen Dienste, mit Wirkung vom 1. Oktober 1915 in den Ruhest and versetzt. g u Hriegskinderspende deutscher Frauen. Aus Anlaß des Aufrufes Ihrer Kaiserlichen und König⸗ lichen Hoheit der Frau Kronprinzessin zur„Kriegs⸗ kinderspende deutscher Frauen“ sind bei der Privatkanzlei, Potsdam, bereits viele tausend Unter⸗ stützungsgesuche eingegangen, so daß die Erledigung derselben geraume Zeit erfordern wird. Um eine möglichst schnelle Abwickelung der Geschäfte zu erzielen, haben sich sowohl der Vaterländische Frauen⸗Verein wie die weiteren sieben Landesfrauenvereine in dankenswertester Weise be⸗ reit erklärt, bei der Prüfung der Gesuche mitzuwirken. Er⸗ freulicherweise sind schon eine große Anzahl von Spenden eingegangen. Bei der beträchtlichen Zahl wirk⸗ lich Bedürftiger sind weitere erhebliche Mittel erforderlich. Jede, auch die kleinste Spende ist darum will⸗ kommen für dieses große patriotische Werk. Helft, ihr deutschen Mütter, unserer geliebten Kronprinzessin. Es handelt sich um die Zukunft unseres teueren Vaterlandes! Beiträge nimmt entgegen die Diskonto⸗Gesellschaft, Pots⸗ dam, ener Straße 34 a, für das Konto:„Kriegskinder⸗ spende deutscher Frauen“. e Zuckerhaltige Futtermittel. Zuckerhaltige Futtermittel, d. h. Melasse, Futterzucker und Nachprodukte, Melassefutter, Trockenschnitzel, Melassetrockenschnitzel, Zucker⸗ schnitzel Verfahren Steffens), getrocknete Rüben(ganz oder zerschnitten) sind, worauf wiederholt hingewiesen sei, von jedem, der sie in Gewahrsam hat— getrennt nach Arten und Eigentümern unter Nennung des letzteren—, bis späte⸗ stens zum 5. Oktober 1915 der Bezugsvereinigung der deut⸗ schen Landwirte, Abteilung: Zuckerhaltige Futter⸗ mittel, Berlin W. 35, Potsdamer Straße 30, anzuzeigen. Anzeigepflichtig sind auch sämtliche zuckerhaltige Futtermit⸗ tel, die aus besetztem Gebiet stammen oder vor dem 26. Sep⸗ tember 1915 aus dem Auslande eingeführt sind. Ausgenom⸗ men sind lediglich diejenigen zuckerhaltigen Futtermittel, die nach dem 25. September 1915 aus dem Auslande eingeführt oder die infolge Zuweisung der Bezugsvereinigung durch Vermittelung der Kommunalverbände an die Verbraucher gelangt sind. 5 i * Teure Obstpreise und— Faulen des Obstes auf den Straßen. Aus einem Orte in der nächsten Umgebung wird uns geschrieben:„Wie überall hat es auch in unserer Gemarkung einen großen Obstsegen gegeben, der jetzt bis auf wenige Bäume bereits eingeerntet worden ist. Dadurch aber, daß manchen Leuten die nötigen Arbeitskräfte fehlen, wird vielfach das Obst als neben⸗ sächlich angesehen. So findet man, trotzdem das Obst ab⸗ erntet ist, noch recht vieles an den Bäumen vor, auch iegt noch unter manchen Obstbäumen eine sehr große Menge. So habe ich festgestellt, daß unter einem Baume ca. 40 bis 50 P feine Tafeläpfel lagen, die rung micht aufgelesen werden darf. Nun bitte ich die „Redaktion, in ihrem Blatte folgenden. zu machen: Man soll in den Dörfern durch Ortsschelle bekanntmachen, daß sämtliches Obst bis zu einem durch Gemeindebeschluß u bestimmenden Tage abgeerntet sein soll, widrigenfalls as Obst auf Kosten des Besitzers eingeerntet werden soll. Das noch hängen gebliebene und abgefallene Obst soll man doch durch Schulkinder sammeln und vielleicht von der Ge⸗ meinde selbst in den Gemeindebacköfen zu Dörrobst her⸗ stellen lassen oder zu sonstigen Zwecken verwenden(Honig und dergleichen) und der ärmeren Bevölkerung oder dem Roten Kreuz zur Verfügung stellen. Dadurch würde noch eine große Obstmenge zur. gewonnen werden.“— Die Wahrnehmung des Briefschreibers, daß durch Mangel an Arbeitskräften oder, wohl öfter noch durch Sorglosig⸗ keit, ein großer Teil der Obsternte verdirbt, wird in der einen oder anderen Form wohl schon jeder gemacht haben. Um einen Fall aus unserer eigenen Kenntnis an⸗ zuführen: An einer benachbarten— nicht hessischen— Landstraße sahen wir gestern zahlreiche Aepfelbäume, die anscheinend bei der Versteigerung keinen Liebhaber ge⸗ funden hatten. Während die anderen Bäume ziemlich rein abgeerntet waren, lagen unter den 55 die Aepfel so dicht, daß man buchstäblich den Boden nicht sehen konnte. Meistens waren sie schon angefault, viele zertreten und vom Fuhrwerk zermalmt. Es handelte sich um viele, viele Zentner, die verfaulten, während auf dem Markte die Obstpreise sehr wenig zum Einkauf ermutigen. * Eintatendurstiger„Liebes gabenonkel“. Aus Alsfeld wird uns auf Umwegen folgendes niedliche seldgraue Geschichtchen berichtet, für dessen abenteuerliche Einzelheiten wir jedoch nicht einstehen: Ein alter, ver⸗ dienter hessischer Offizier, der seines Alters wegen den jetzigen Krieg nicht mehr aktiv mitmachen kann, wollte doch wenigstens einmal sehen, wie es seinen Söhnen und Kameraden draußen im Osten erging. Als„Liebes⸗ gaben⸗Kutscher“ verkleidet kam er mit einer riesigen Ladung längst ersehnter Leckereien in Gestalt hessischer Wurst,„leichtem“ Rheingauwein und„brennbarem“ Korn bis in die vorderste Front. Aber was war denn das? Wie sahen seine so schmucken Reiter aus? Wie die Maikäfer eingebuddelt lagen sie mit den Nasen tief im Erdboden; statt des schweren Pallasches hatten sie Infanterieflinten in den Händen und während sie abwechselnd. die Schießlöcher lugten, machten sie in ganz eigenartiger Weise Jagd auf„grimme Feinde“, die auf ihnen herumkrabbelten. Das entlockte dem alten Haudegen doch ein mächtiges „Pfui Deibel, Kreuzdonnerwetter!“ denn er war etwas anderes gewöhnt und daher mit Recht enttäuscht. Im deutsch⸗französischen Kriege, den er als flotter Reiteroffi⸗ zier mitgemacht hat, da gab es derartige„Ruhépausen“ nicht; man kam einfach nicht aus dem Sattel und flotte Reiterlieder stiegen zum Himmel. Doch sollte der enttäuschte Alte doch noch seine Freude haben: In der Nacht gab es einen wütenden Angriff der Russen, der glänzend ab⸗ geschlagen wurde, und am nächsten Morgen war die Freude des alten Offiziers groß, er sah seine schmucken Dragoner wieder im Sattel. Das begeisterte ihn so, daß er sich ein Pferd aufgabelte und, allen Bestimmungen zuwider, in der 55 een ee mitrstt. 8 Ziviltracht sah er jedoch verdächtig genug aus, und als die tapferen Husaren ihre Verfolgung beendet hatten, fiel ihnen ein, den alten Herrn vjon ungefähr als Kosakenhetman einzufangen und als Beute einzubringen. Es gab eine hübsche Szene, als man den Liebesgabenonkel als verdäch⸗ tigen Gefangenen den Vorgesetzten vorführte. Obwohl man ihn inzwischen erkannt hatte, unterzog man ihn eines Verhörs und verdonnerte ihn alsdann sehr milde zur Her⸗ gabe der letzten Flaschen seines mitgeführten Weines. Der Tatendurst des alten Herrn ließ jedoch in den nächsten Tagen, da man größere Kämpfe erwartete, größere Schwie⸗ rigkeiten voraussehen, deshalb mußte man ihn an die un⸗ erbittlichen Bestimmungen erinnern, wonach Zivilisten nicht in die Front gehören. 1 5 Kreis Friedberg. f s. Butzbach, 4. Okt. Der Zweigverein Butzbach der Gustav-Adolf⸗ Stiftung hielt gestern sein Jahresfest ab. In dem um 3 Uhr beginnenden Gottesdienst sangen die ver⸗ einigten Chöre Hymnen von Gluck und Mendelssohn, Pfarrer Eckhard von Groß-Steinheim hielt die Festpredigt, Pfarrer Möbus Ostheim erstattete den Jahresbericht. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Butzbach, Pfarrer Loos, sprach das Schluß wort. An die Feier schloß sich eine Kollekte zum Besten des Gustav Adolf⸗Vereins. 5 Starkenburg und Rheinhessen. n. Offenbach, 3. Okt. Der in Gestalt des Ritters Götz von Berlichingen auf dem Aliceplatz vor dem Kriegerdenkmal er⸗ richtete Eiserne ann wurde heute vormittag feierlich ent⸗ hüllt. Vor dem Denkmal hatten Verwundete, Offiziere, Gesang⸗ und Kriegervereine, Pfadfinder und Jugendwehr Aufstellung ge⸗ nommen, die Fahnen der Vereine bildeten an beiden Flanken einen Fahnenwald, als e um 11 ¼ Uhr die Großher⸗ zogliche Familie nebst Gefolge in zwei Automobilen an⸗ kam, von den zahlreichen Anwesenden mit freudigem Hurra be⸗ grüßt. Nachdem die Kapelle und die verbündeten Gesangvereine mit „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ die Feier stimmungsvoll eröffnete, hielt Oberbürgermeister Dr. Dul lo die Fest⸗ und Weihe⸗ rede. Unter Führung von Prof. Hugo Eberhardt besichtigten der Großherzog, die Großherzogin und die beiden Prinzen den Mann aus Eisen und schlugen eigenhändig goldene Nägel ein. Indes sangen die verbündeten Gesangvereine das br 8 Dankgebet, während die Spitzen der Behörden, der Stadt, Bataillons die ersten Nagelungen vornahmen. Um 12 Uhr fuhren die Gäste unter den Hochrufen der Festpersammlung wieder nach Darmstadt zurück. Die Stadt hatte reichen Flaggenschmuck an⸗ elegt; in den Straßen wurden durch junge Damen Nagelkarten, ostkarten, Andenken verkauft. Auch die Nagelung nahm einen sehr erfreulichen Anfang, für Schilde à 100 Mk, sind allein be⸗ reits nahezu 10 000 Mk. gelöst. Das künstleris Modell des 2½ Meter hohen Götz ist von dem Ersatzreservisten Ernst Unger von Offenbach geschaffen, und alle Arbeiten sind von Kriegs ⸗ beschädigten des hiesigen hessischen Zentrallazaretts für Be⸗ rufsübungen hergestellt. um kommen, da das Obst von der ärmeren Landbevölke⸗ Frisch eingetroffen: keinster n Speise-Nougat mit ganzen Nüssen ½ Pfund 4 Plg. Lukullus- Brot / Pfund 35 Pfg. Feldpost- Packungen in allen Preislagen. cee ee Pa. Speisekartoffeln empfiehlt zum billigsten Tagespreise 71 W. Hankel, enen Biue? Telephon 612. 0 Sesse 0 übung ul eee 75 5 JSSSSCCßṍ!4!. . 77 Leiden unser lieber A. H. 7839 D gefühlten Dank Giessen, den 4. Oktober 1915. Am 1. Oktober verstarb nach langem, schwerem Dr. Ernst Drescher Oberlehrer in Quedlinburg. In tiefer Trauer: Math. Nat. Verbind„ I. N.: R. Kumpf Für die uns in so herzlicher Weise ent- gegengebrachte Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste sagen tief- Mathilde Bode Ww. und Kinder. Giessen(Bleichstrasse 33), 4. Oktober 1015. — 7840 Giessen, 4. Oktober 1915 7833 Versteigerung. Dienstag, den 5. Ottober d. Js., nachm. 2 Uhr, versteigere ich Neustadt 55 dahier gegen Barzahlung: ll. 17 Mille Zigarren. Versteigerung bestimmt. 1 Born, Gerichts vollzieher in Gießen. Ingenleur- Kademle— Wismar., Ostsee. far ohinen- and Elektro- . Neue 86880 SSeeeesaaseseeeeeaeee ese g a Glas-Lampen Otto Weisskopf eee Mali Weisskopf und Gassparherde geb. 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Bekannten mit der Bitte um fille Teilnahme an: Hermann Degenhardt und Familie. 7 Gießen(Schillerstraße 20, 3. Oktober 1915. Die Beerdigung finder am Mittwoch, den 6. d. M., von der Kapelle des neuen Friedhofs aus stati. Danksagung. 8 Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen, besonders für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Hartmann, sagen wir auf diesem Wege unseren berzlichsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Margarete Ruhl nebst Angehörigen. Alten⸗Buseck, den 4. Oktober 1915. 0⁵⁴4¹ Bekanntmachung. Vom 1. Oktober 1915 ab wird für die Angehörigen des Landsturm Infanterie⸗Ersatz⸗ Bataillons J 11., 2, 3. und Kompagnie) das Brot durch den Truppenteill geliefert. Die Qugrtierwirte haben demgemäß künftig weder Brot noch Brötchen zu verabfolgen. Die Vergütung beträgt vom 1. Oktober ab 185 Mk. statt seirber 2. Die Angehörigen des Landsturm⸗Infanterie-Ersatz⸗ Bataillons II. und 6. Kompagnie, sowie Rekruten⸗Depot) erhalten das Brot wie seither durch den Quarttergeber. Die Vergütung betrügt für diese 2— Mk. Gießen, den 1. Otiober 1915. Der Oberbülrgermelster. Kelle Vergebung. Für das Großh. Provinzial-Arresthaus zu Gießen soll die Lieferung von 6000 Kilo ab⸗ getrockneter guter Speise⸗Kartoffeln im Ver⸗ dingungswege vergeben werden. Versiegelte Angebote und Proben sind kosten⸗ frei bis zum Eröffnungstermin Donnerstag den 7. Ott. 1915, vorm. 10 Uhr, auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft hier — Justizgebäude, Zimmer Nr. 43— niederzulegen. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 ent⸗ haltenen allgemeinen und den von dem Unterzeich⸗ neten aufgestellten besonderen Bedingungen, die auf der Kanzlei Großh. Staatsanwaltschaft ein⸗ gesehen und gegen Erstattung der Schreibgebühren bezogen werden können. Gießen, den 21. September 1915. Der Oberstaatsanwalt am Großh. Landgericht der Provinz Oberhessen. Hofmann. 7558 D Ein vollkommen neues Spezial⸗Geschäftsra wegen veränderter Saison zu verkaufen, sowie einige 288 gebrauchte Damen⸗Fahrräder. 2 17²⁵ Göbel& Appel. Alicestraße 25. euanschaffung von Garderoben, sasse Damen-, Herren- und Kinder-Kleider che- misch reinigen oder umfärben. Ebenfalls b Vorhänge, Decken, Handschuhe, Federn ele. 80 2 0 5 Achtung 2 Ei 22 Lad Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. Oktbhr., um 3 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 2 Gießener Stadttheater Anmeldungen zum Abonnement für die Spielzeit 1915/16, beginnend am 15. Oktober, werden fernerhin bei Herrn Ernst Challier, Neuenweg 9 entgegengenommen, woselbst Liste zum Einzeichnen und der Plan des Theaters aufliegt. noch in genügender Zahl vorhanden. Direklion des Stadttheaters. Gute Plätze sind .* 25.— „„%%«ö;ͤ—ðm 8 Ohne Nachrahlung mm 2 Hebungen gültig. W 0 1 12 Wgltstigkelte Otterig zu Gunsten des Hlltstazaretts und sere Krfegsverwundeten in Bad orgenthelm. 5 I. Ziehung garantiert 8. Oktober 1916. 471 Geldgewinne Mark Erholungsstätte(Kursaal) für un“ III Z. Tlehung Geidgewinne Mark 55000 Hauptgewinn Mark L. lehung Gefdgewinne Mare f 6 Lose 11 M., Lospreis 2 H.,. ass 20 K. Porto und 2 LIsten 40 Pig.— Nachnahme 20 Pfg. mehr. In allen Verkaufsstellen u. d. Generalagentur J. Schweickert, Stuttgart Harktstrade 8. 8 ohne Nachzahlung zu 2 Ziehungen gütig. Hier bei Richard Buchacker, Frits Flimm, Jak. Dany, Wilh. Semmler, Wilh. Rappert II., Joh. Faber.(AAthv e Zöpfe e e Lockendreher sow. alle sonst. Haararbeiten werden schön und dauerhaft angefertigt in dem Spez.- Damen- Frisier- und Haar-Geschätt Hermann Plauk Ww. Kaplansgasse 2. 7251 5 9 5 1 Gasthaus Kobe Liebigstraße 9 Süßen Apfelwein eigener Kelterei. eee eee Die Formenschönheit in der Frauen- Kleidung wird man nie mit Hilfe billig. Reklameschnitte erreich. Wer Freude am Kleide haben will, ver- wende die zuverlässigen : Favorit- Schnitte:: Anleit. did. neue Favorit- Album(60 Pf.) Erhält! b. A. 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