o nr. 252 Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: Erstes Blatt viermal wöchentlich Sleßener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech- Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Abend vorher. Gießener General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle und druckerei: Schulstr. 7. Bg e 165. Jahrgang nzeig Samstag, 2. Oktober 1015 Bezugspreis: monatl. 85 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.50; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 75 Pf.; durch die Post Mk. 2.30 viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; itlich in Gießen. 1 Neue französische Angriffe zurückgeschlagen. Fortschreitende Erfolge im Osten. (TB.) Großes Hauptquartier, 1. Oktober. (Amtlich.) a Westlicher Kriegsschauplaßz. Feindliche Monitore beschossen wirkungslos die Um⸗ gebung von Lombartzyde und Middelkerke. Einen neuen An⸗ griff versuchten die Engländer gestern nicht wieder. Un⸗ sere Gegenangriffe nördlich von Loos machten bei heftiger Gegenwehr weitere Fortschritte. Einige Ge⸗ fangene, zwei Maschinengewehre und ein Minenwerfer fielen in unsere Hand. Versuche der Franzosen östlich von Souchez, nördlich von Neuville Raum zu gewinnen, miß⸗ glückten. In der Champagne scheiterte ein mit starken Kräf— ten unternommener feindlicher Angriff östlich Auberive. Ebenso erfolglos waren sämtliche französische Angriffe in Gegend nordöstlich Massiges, an denen Truppenteile von sieben verschiedenen Divisionen beteiligt waren. Die Zahl der bei den Angriffen in der Champagne bisher ge⸗ machten Gefangenen ist auf 104 Offiziere, 7019 Mann gestiegen. Erfolgreiche Minensprengungen beschädigten die fran— zösische Stellung bei Vauquois. Französische Flieger bewarfen Henin Listard mit Bom⸗ ben, durch die acht französische Bürger getötet wurden. Wir hatten keine Verluste. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg. Westlich von Dünaburg, bei Grendsen, wurde eine weitere Stellung des Feindes gestürmt. In Kämpfen östlich von Madziol, sowie auf der Front zwischen Smorgon und Wischnew sind russische Angriffe unter schweren Verlusten zusammengebrochen. Die Heeresgruppe machte gestern 13 60 Gefangene. f i Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Der Feind wiederholte seine vergeblichen Teilangriffe. Alle Vorstöße sind abgewiesen. Sechs Offiziere, 494 Mann, sechs Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen. Die Lage ist unverändert. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Unser Angriff schreitet fort. N Die Zahl der im Monat September von deut⸗ schen Truppen im Osten gemachten Gefangenen Rund die Höhe der übrigen Beute beträgt 421 Offiziere, 95 464 Mann, 37 Geschütze 298 Maschinengewehre, ein Flugzeug. Oberste Heeresleitung. ö* 55 Hindenburgs Geist beherrscht auch unsere Heere an der Westfront. Daß dies alles möglich ist, das Großartige, das unser Deutschland jetzt erlebt, die ruhige Zuversicht nicht nur an beiden Fronten in Ost und West, sondern auch die hoffnungskühnen Ausblicke in einen erweiterten Weltberuf Deutschlands, wäre es denkbar ohne Hindenburgs Taten? Wir haben viele stolze Namen unter unserem Volke in Waffen und wissen, daß die deutsche Kriegskunst sich als unerreicht gezeigt hat. Wo aber war das Rad, das den Or⸗ ganismus in den weiten Hallen der deutschen Kriegführung so planvoll und einheitlich in Bewegung setzte und uns alles Zaudern und Zweifeln ersparte? Es war bei unserem Meister im Osten, wo der Geist der deutschen Feldzüge und Siege seine Fittiche ausbreitete, seine großen Schlachten] haben die Zagenden und Unentschlossenen siegesmutig auf⸗ gerichtet und das Wahngerede, die Hoffnungen unserer Feinde überdonnert. Allmählich regt sich die Bewunderung für Deutschlands großen Feldherrn auch im Auslande, selbst beim Feinde. Und denken wir an unsere Bun⸗ desgenossen, die Oesterreicher und Ungarn, die Türken! Wurden nicht auch sie von der Sprache Hindenburgs er⸗ griffen, war er nicht eigentlich der Oberkommandierende auch im weiteren Orient? Heute sind wir nahe dabei, die Früchte zu ernten; Hindenburg hat die Bäume ge⸗ pflanzt, unsere Diplomaten haben sie gepflegt und behütet. Wenn die bulgarischen Studenten bei ihrer Abfahrt aus Berlin in Hochrufe auf Deutschland ausbrachen, so waren dies zugleich auch Glückwünsche zu Hindenburgs Geburts⸗ tag! Dort, an den Ufern der Maritza, geht sein Geist jetzt um, wenn auch, wie der bulgarische Ministerpräsident heute erklären läßt, kein deutscher Offizier in Bulgarien sich auf⸗ hält als der deutsche Militärattache. Und Hindenburg schaut auch durch die Fenster des Hauses, wo Venizelos wohnt. Die prophetischen Gemüter in London sehen uns schon auf dem Wege über Konstantinopel nach Bagdad. Es mag zu weit und voreilig gedacht sein, jedenfalls geht unser Weg bergan, zur Höhe! Nach harten Tagen an der Westfront sind neue Erfolge in Ost und West errungen. Die Eng⸗ länder und Franzosen liegen ermattet an der deutschen Mauer. Im Osten aber geht es mit ungeminderter Ent⸗ schlossenheit weiter. Die oberste Heeresleitung teilt uns zu Hindenburgs Geburtstag die Siegesbeute des Monats Sep⸗ tember mit: 421 Offiziere, 95464 Mann wurden allein von deutschen Truppen im Osten gefangen, die außerdem 37 Geschütze, 298 Maschinengewehre und ein Flugzeug er⸗ beutet haben. Es geht bergan, aber auch auf halber Höhe vergoldet uns am Ehrentage des Meisters von Tannen⸗ burg die Siegessonne unsere deutsche Zukunft. Still und freudig wird das Gelöbnis erneuert, auszuhalten bis zum siegreichen Ende. * 4* Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart. 1. Oktober: Russischer Kriegsschauplatz. In Ostgalizien fiel nichts Besonderes vor. Bei No wo⸗ Aleksiniet scheiterte ein russischer Angriffsversuch unter unserem Artilleriefeuer schon in der Vorbereitung. An der Ikwa und im wolhynischen Festungsgebiet keine Aenderung der Lage. Am Korminbach gewannen die Verbündeten erneut Raum. Russische Gegenangriffe wurden abgewiesen. Fünf österreichisch-ungarische Eskadronen nahmen bei einem solchen Vorstoß des Feindes 2 Offiziere und 400 Mann ge⸗ fangen und erbeuteten ein Maschinengewehr. An den letzten zwei Gefechtstagen fielen in diesem Raume 10 Offi⸗ ziere und 2400 Mann des Feindes in die Gefangenschaft. Italienischer Klegsschauplatz. An der Tiroler und Kärtner Front fanden ge⸗ stern nur Geschützkämpfe statt. Die bereits gemeldeten Vor⸗ stöße gegen unsere befestigten Linien westlich des Bom⸗ basch⸗Grabens wurden von den braven Salzburger Schützen abgeschlagen. f Gestern früh griffen die Italiener den Mrzli⸗Vrh und die Südwesthänge dieses Berges mit starken Kräften dreimal vergebens an. Dabei erlitten sie sehr schwere Verluste. Angriffsversuche gegen einzelne Punkte des Tol⸗ meiner Brückenkopfes wurden ebenfalls wie immer ab⸗ gewiesen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. Der Stellvertreter des Chefs des Genetalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. * 5* Aeußerungen des Kronprinzen von Bayern. Berlin, 2. Okt. Bernhard Kellermann berichtet im„Berl. Tagebl.“ aus Lille vom 29. Sept.: An zwei Punkten des westlichen Flügels, südlich des Kanals von La Bassée tobt die Schlacht mit unveränderter Heftigkeit. Die ohne jede Rücksicht auf Verluste geführten Angriffe und Anstürme machen den Eindruck eines Ver⸗ zweiflungskampfes. Soeben empfing mich der Kronprinz von Bayern. Er rühmte die Tapferkeit und Verläßlich⸗ keit seiner Truppen und sprach die bestimmte Zuversicht aus, daß die Schlacht mit einem vollen Siege für uns enden werde. Der Kronprinz sagte: Die Angriffe sind viel⸗ leicht die schwersten, jedenfalls die blutigsten des ganzen Stellungskrieges hier im Westen. Bei der Art dieser Kämpfe ist es ja naheliegend, daß der Angreifer vorerst örtliche Erfolge erzielen konnte, indessen sind sie ihm Stück für Stück wieder entrissen worden. Mit einer Bestimmtheit be⸗ merkte er, sie sollen wieder kommen, wenn sie wollen. Der französische Bericht. Paris, 30. Sept.(zens. Frkft.) Die amtlichen Berichte vom 30. lauten! 5 3 Uhr nachmittags: Der Feind hat im Artois mit einer sehr heftigen Beschießung unserer neuen Stellungen im Osten von Souchez geantwortet. In der Champagne haben wir an meh⸗ reren Punkten in den Gräben der zweiten Verteidigungslinie der Deutschen Fuß gefaßt, westlich des Hügels von Tahure und westlich des Gehöfts Na varin. An dem letzteren Punkte über⸗ schritten einige unserer Truppenteile die deutschen Linien und gingen entschlossen darüber hinaus. Ihre Fortschritte konnten jedoch nicht gehalten werden wegen der Artilleriesperre und eines sehr heftigen Flankenfeuers. Unsere Leute halten die eroberten Punkte auf der zweiten feindlichen Linie fest in Hän⸗ den. Im Süden von Ripont haben wir die Besetzung der ersten deutschen Linie vertieft und vervollständigt, indem wir einen Teil dieses wichtigen Stützpunktes, genannt„Duvrage de la Döfaite“, eroberten. Die Nacht war auf der übrigen Front ruhig. Trotz der ungünstigen Witterung haben unsere Luftgeschwader gestern die Verbindungswege hinter der deutschen en bombardiert. Grana⸗ ten wurden rfen auf die Bahnhöfe in dem Tale der Suippe: Bazancourt, rmeriville, Pont Favenger, St.⸗Hilaire le Petit, ebenso wie auf eine im Marsch begriffene Kolonne nahe von Somme Py. Abends 11 Uhr. In Belgien unterstützte unsere schwere Artillerie die Tätigkeit der britischen Flotte gegen die Küstenbatterien. Keine nennenswerte Aktion im Artois. Der Feind zeigte einige Tätigkeit in der Umgebung von Rohe. Wir erwider⸗ ten mit einem kräftigen Feuer. Wir ließen von Beuvraignes aus mehrere Minen explodieren, welche die deutschen Schützengräben in Unordnung brachten. In der Champagne haben wir im Norden von Le Mesnil und weiter östlich, zwischen der Höhe 191 im Norden von Massiges und der Straße von Ville sur Tourbe nach Cerney en Dormois Boden gewonnen, Wir machten auf dem letzteren Punkte Gefangene. Ein feindlicher Gegenangriff wurde unternommen, um wieder in der„Ouvrage de la Defaite“ Fuß zu fassen. Ein zweiter, sehr heftiger Gegenangriff im gleichen Abschnitt wurde vollständig zurückgeschlagen. Der Feind hat be⸗ trächtliche Verluste erlitten. Die Aufräumung der früheren deut⸗ schen Stellungen gestattete, die dem Feinde abgenommenen Ka⸗ nonen vollständig zu zählen. Ihre Anzahl ist bedeutend größer als die bisher angegebene Ziffer. Die Gesamtzahl der Feldkanonen und der schweren Geschütze, die dem Feinde seit dem 25. Septem⸗ ber allein auf der Champagnefront abgenommen wurden, beträgt zurzeit 121(2). Eine Flugzeuggruppe schleuderte 72 Bomben auf den Bahnhof von Guignicourt. Die Beschießung war sehr wirksam. Unsere Flugzeuge wurben heftig beschossen und kehrten unversehrt in ihren Ausgangsort zurück. Die enttäuschte belgische Regierung. Berlin, 1. Okt.(Priv⸗Tel.) Die„Vossische Zeitung“ meldet aus Brüssel: Es erregt hier großes Aufsehen, daß die englische Regierung sich geweigert hat, der belgischen Re⸗ gierung in Le Havre weitere Vorschüsse zu leisten, und daß Frankreich sich ebenfalls ablehend ausgesprochen hat. Die englische Regierung will zwar 200 Millionen Francs hergeben, verlangt aber Verschreibung der künftigen belgischen Zolleinn⸗ nahmen. Der russische Bericht. Petersburg, 1. Okt.(WTB. Nichtamtl.) Amtl. russischer Bericht vom 30. Sept.: An der Front und Gegend Riga einige nichtssagende Offensivversuche der Deutschen. Die Deutschen, welche versuchten, das östliche Ufer des Riwu⸗Baches in der Gegend von Kemmern(28 Kilometer östlich Takkum) zu befestigen, wurden auf das andere Ufer zurückgeworfen. Die Deutschen griffen ebenso den Kirchhof des Dorfes Roß nordwestlich Birsgalen(8 Kilometer westnordwestlich) an, aber auch hier wurden sie zurückgeworfen. Die Offensive der feindlichen Infanterie südlich des Sees Dris⸗ wijaty wurde durch unsere Kavallerie aufgehalten. Auf der Front südlich des Boginski⸗Sees(10 Kilometer östlich Widsy), wandten sich viele Kämpfe zu unserem Vorteil. An mehreren Orten gingen unsere Truppen nach Westen vor. In der Gegend des Dorfes Lubki, südlich des Narocz⸗Sees(20 Kilometer) wurde der Feind durch einen energischen Handstreich von uns zurück⸗ geworfen und zog sich in Unordnung zurück. Der Kampf bei dem Dorfe Daniuszewo an der Wilija stromabwärts von Smorgon (9 Kilometer nördlich) endete zu unserem Vorteil. Der Feind versuchte zur Offensive überzugehen, aber ohne Erfolg. Auf der Front Krewo(20 Kilometer südwestlich Smorgor—Kraschin, nordöstlich Baranowitsch(12 Kilometer)— an der oberen Szezara und am Oginskikanal zahlreiche örtliche Gefechte ohne wichtigen Einfluß auf die allgemeine Lage. In der Gegend des mittleren Styr bei Czartorysk und östlich Kolki dauern die Kämpfe an. Der Feind wurde aus dem Dorfe Kalilowicze am Styr, stromaufwärts von Czartorysk(10 Klm. südlich) geworfen. Ebenso wurde das Dorf Koszyscze östlich Kolkt (9 Kilometer) von uns zurückerobert. Wir nahmen dort fünf Offi⸗ ziere und 100 Mann gefangen. Oestlich Luck, welches wir vor zwei Tagen räum⸗ ten außerordentlich heftiger Kampf bei dem Dorfe Silno(33 Klm. nordöstlich Luck). Nach einem feindlichen Angriff mußten sich unsere Truppen aus einigen Abschnitten zurückziehen. Durch wiederholte Gegenangriffe bei dem Dorfe Cu man(10 Klm. süd⸗ östlich Silno) gelang es uns indessen, vorzudringen und den Feind aus den Schützengräben herauszuwerfen. Ein feindlicher Gegen⸗ angriff in det Gegend des Dorfes Karpiolwka bei Criman(5 Klm. nordwestlich) wurde zurückgeworfen. Ebensowenig Erfolg hatten Offensivversuche des Feindes in der Gegend des Dorfes Cebrow, nordwestlich Tarnopol(20 Klm.) und südöstlich Kozlow(20 Klm. westlich Tarnopol). Unsere Kavallerie hatte mehrere Zusammen⸗ stöße mit feindlichen Vorhuten am linken Ufer der Strypa in der Gegend der Dörfer Dobropole und Chielowka, südwestlich von Trembowla(22 und 17 Klm.). In Erwartung genauerer Nach⸗ richten von der Lage hielt der Generalstab, obgleich er viele für uns günstige Nachrichten besitzt, mit ihrer Veröffentlichung und Wiedergabe vorübergehend zurück. Gegenwärtig hält der General⸗ stab es für günstig, bekanntzugeben, daß nach einer Folge für uns günstig verlaufener Gefechte der Zu stand unserer Truppen ausgezeichnet war. Der Geist unserer Truppen, welcher sich lebhaft in seiner Größe in unzähligen Nachhutgefechten kundtat, erhielt neue Triebkraft durch die von uns errungenen Erfolge über die Deutschen in den Nahkämpfen in der letzten Zeit, welche be⸗ sondes häufig in der Front östlich der Linie Swenzjany O schmiz ny stattfanden und glücklich für uns verliefen. Die in den deutschen Reihen bemerkte Entmutigung bleibt auf den Geist unserer Truppen nicht ohne Einfluß. Die Entwickelung zeigt sich in den häufiger vorgekommenen Fällen, daß die Deutschen die Leichtverwundeten auf dem Schlachtfelde zurücklassen, Wagen auf der Rückzugsstraße stehen lassen, durch Innstichlassen von Waffen und Munition und in der Unordnung und Unruhe im Feuer. Die in breiter Front angesetzte und sachlich ausgeführte Offensive unserer Verbündeten an der deutschen Westfront, welche in gleicher Weise vorwärtsgeht, gibt den Verbündeten erneuten Antrieb und den festen Glauben an die gegenseitige Kraft und Kriegstüchtigkeit. Die vorbeugende Zensur in Rußland. Petersburg, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.)„Rjetsch“ schreibt: Nach Mitteilungen in der Presse hat das Ministe⸗ rium einen Plan über die Wiedereinführung der vorbeu⸗ genden Zensur ausgearbeitet, wie sie in Rußland vor dem Jahre 1905 bestand und auf dem berüchtigten§ 87 der russischen Verfassung beruhte. Sämtliche Blätter geben ihrer Empörung und ihrem Angstgefühl hierüber Ausdruck.— Der Präsident der Reichsduma, Rodzianko, der von der e Duma ermächtigt worden war, dem Zaren mündlich die Witz sche der Duma vorzutragen, hat nach einer Unterredung mit den Führern des liberalen Blocks sich entschlossen, die Eissabe schriftlich an den Zaren zu senden. Er selbstz ist auf sein Landgut abgereist. Französische Gäste beim Zaren. „Petersburg, 1. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Gestern ist im kaiserlichen Hauptquartier eine militärische Sonderkommission mit dem Divisionsgeneral d Amade an der Spitze aus Frankreich eingetroffen. d Amade wurde am gleichen Tage vom Kaiser empfangen und zur kaiserlichen Tafel gezogen. 8 N Kuropatkin. a Petevsburg, 1. Okt.(WB. Nichtamtlich.) General Kuropatkin ist zum Chef des Grenadierkorps ernannt worden. Brotmangel in Moskau. Moskau, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Die Mos⸗ kauer Bäcker haben eine Eingabe an den Stadthaupt⸗ mann gerichtet, wonach, wenn nicht in den allernächsten Tagen für genügende Mehlvorräte, Feuerung und Hefe Vor⸗ sorge getragen werde, die Stadt ohne Brot bleiben würde. Die Nachmusterung der Untauglichen in Oesterreich⸗ungarn. Budapest, 1. Oktober.(WTB. Nichtamtlich) Eine Kund⸗ machung des Landesverteidigungsministers fordert die Stel⸗ lungspflichtigen, welche in den Jahren 1873 bis 1896 geboren sind und bei früheren Musterungen für untauglich be⸗ funden wurden, zur Ersatzmusterung neuerdings auf, sich zu melden. Gleichzeitig wurde die Konskribierung der vom effek⸗ tiven Landsturmdienst befreiten Stellungspflichtigen der Jahrgänge 1873 bis 1896 angeordnet. ö Oesterreich⸗ungarns dritte Kriegsanleihe. Berlin, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt unter der Ueberschrift„Dester⸗ reich⸗Ungarns dritte Kriegsanleihe“. Wenige Tage nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der dritten deutschen Kriegs⸗ anleihe rüsten nun auch wieder die verbündeten Donaumonarchien zu einem neuen Appell an den Geldmarkt. Mit der gleichen Zu⸗ persicht, in welcher das deutsche Volk den draußen Kämpfenden die finanziellen Mittel für weiteres tatkräftiges Fortschreiten dar⸗ gebracht hat, werden auch die Daheimgebliebenen in der Nachbar⸗ monarchie dem Rufe des Vaterlandes um Bereitstellung neuer Summen folgen. Die Ergebnisse der beiden bisherigen inneren Anleihen Oesterreich⸗Ungarns haben bereits den Beweis erbracht, daß die wirtschaftliche und finanzielle Kraft der Monarchie den gewaltigen Anforderungen des Krieges gewachsen ist. Die erste Anleihe erbrachte 3306. Mill. Kronen, die zweite 3770 Millionen, so 125 insgesamt bisher über 7 Milliarden Kronen im Wege langfristiger Staatsanleihen aufgebracht worden sind, ein Er⸗ folg, wie ihn das reiche Frankreich bisher nicht zu erzielen vermochte. Alle Vorzeichen für die neue Kriegsanleihe unseres Bundesgenossen sind günstig. Die, Eisen⸗ und Kohlenindustrie die wichtigsten Gradmesser für die wirtschaftliche Kraft, erreichten die Friedensbeschäftigung zu völlig. Die großen galizischen In⸗ dustrien haben trotz monatelanger feindlicher Besetzung des Landes ihre Tätigkeit in erfreulicher Weise wieder aufgenommen. Der Einlagenbestand der Sparkassen hat sich trotz der starken Betei⸗ ligung an den beiden ersten Kriegsanleihen in überraschendem Maße erhöht. Weit in Feindesland stehen fast überall nach gewaltigen Schlachten und glänzenden Siegen die kampferprobten Truppen aller Stämme der Monarchie und sichern den ruhigen Fortgang des Handels und Wandels und damit den weiteren Sieg auch auf dem Felde der Wirtschaft und Finanzen. * * 4 Der türkische Bericht. Konstantinopel, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet: An der Front von Irak über⸗ raschten unsere vorgeschobenen fliegenden Abteilungen in der Nacht zum 26. September feindliche Streitkräfte, die unter dem Schutz von Kanonenbooten nördlich von Korna an den Ufern des Ti⸗ gris gelandet worden waren. Sie brachten ihnen schwere Ver⸗ luste bei. Am nächsten Tage machte unsere Artillerie abends einen Ueberfall. Der Feind antwortete. Die Größe der feindlichen Verluste ist unbekannt. Nichtsdestoweniger beobachteten wir, wie die Engländer eine beträchtliche Menge toter Soldaten und Pferde in . den Fluß warfen. Am 27. September ging der Feind am Morgen mit frischen, von hinten auf Kanonenbooten herbeigeführten Trup⸗ pen zur Offensive über, die die erste Abteilung verstärken sollten. Der Kampf war heftig und dauerte bis zum Abend an. Aber diese feindliche Offensive scheiterte vollkommen dank der Ausdauer unserer vorgeschobenen Abteilungen, die drei⸗ bis viermal so starken Streitkräften gegenüber erbitterten Widerstand leisteten. Ein feindliches Flugzeug wurde durch unser Feuer beschädigt und heruntergeschossen. Außerdem setzten ö wir 25 feindliche Segelschiffe, die mit Munition und Proviant be⸗ laden waren, in Brand und nahmen eine größere Abteilung ge⸗ fangen, die sich auf einem Schiffe befand. Die Engländer benützten auch auf dieser Front Dumdumgeschosse und betäu⸗ bende Gase. 0 i Auf der kaukasischen Front wurde bei einem Zusam⸗ menstoß auf dem rechten Flügel zwischen unseren aufklärenden Kolonnen und einer feindlichen Artillerieabteilung diese gezwungen, zu fliehen. Sie ließ einen Unteroffizier und mehrere Soldaten als Gefangene in unseren Ländern zurück. An den Dardanellen beschoß der Feind am 29. Sep⸗ tember bei Anaforta vormittags vergeblich unsere Stellungen mit Artillerie vom Lande und vom Meere aus. Unsere Ar⸗ tillerie antwortete und brachte einen feindlichen Mörser zum 5 Schweigen und zerstörte eine Maschinengewehrstellung. Bei Ari Burnu Artilleriegefecht mit Unterbrechungen. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr brachte der Feind bei unserem rechten Flügel eine Mine zur Ent⸗ zündung, ohne eine Wirkung zu erzielen. ** Die Spannung der Balkanstaaten. Bulgarien. Sofia, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Bulgare“ meldet: Angesichts der in der, ausländischen Presse verbreiteten irrigen oder geradezu tendenziösen Be⸗ richte betr. die Lage in Bulgarien sind wir ermächtigt, alle Gerüchte betr. die Ankunft deutscher Offiziere, die die Eisenbahnverwaltung oder die Heeresleitung in die Hand nehmen sollen, betr. die angeblichen Aeußerungen des Mi⸗ nisterpräsidenten Radoslawow, nach welchen Bulgarien, so lange der Krieg dauere, von Deutschland regelmäßig fünfzig Millionen Franken jährlich erhalten werde, ferner betr. zahl⸗ reiche Verhaftungen, die angeblich vorgenommen wurden, und Unru gen, die ausgebrochen sein sollen, und dergleichen mehr, au[ das formellstezudementleren. In Sofia befindet sich nur ein deutscher Offizier, nämlich der deutsche Militärattache. Was die Behauptung gewisser Blätter 5 5 191 93 . 3 4 5 4 5 Mehrheit besitze, müssen wir bemerken, daß in einem perrla⸗ mentarisch regierten Lande, wie es Bulgarien zweifellos ist, eine Regierung, die nicht von einer genügenden Mehrheit in der Sobranje unterstützt wäre, nicht im Amte verbleiben könnte. Nun hat das Kabinett Radoslawow seit mehr als zwei Jahren die Leitung der Angelegenheiten inne; seine a war niemals erschüttert. Außerdem hat die Politik, die es befolgt, für niemanden etwas Her⸗ ausforderndes. Bulgarien hat sich bisher von seiner be⸗ waffneten Neutralität nicht entfernt und man ist erstaunt, zu sehen, daß die Haltung der bulgarischen Regierung in einem Teil der ausländischen Presse angegriffen wird. New Pork, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Der Sonder⸗ berichterstatter der Assoziated Preß drahtet aus Sofia v. 29. Sept.: Der Führer der Demokraten, Malin ow, besuchte gestern, bevor er seinen Entschluß über den Vorschlag, einen Sitz im Kabinett Radoslawow anzunehmen, saßte, den russi⸗ schen und englischen Gesandten, um sich über die wahren Absichten der Alliierten gegenüber Bulgarien zu überzeugen. Am Nach⸗ mittag des 28. September hatte Malinow eine vierstündige Audienz beim König Ferdinand. Bis jetzt ist Malinows Entschluß noch unbekannt. 5 Die Hoffnungen, daß die Balkanlage eine friedliche Lösung erhalten werde, schwinden mehr und mehr infolge der Haltung der serbischen Regierung, wie sie die serbische Presse wiederspiegelt. Der Eindruck gewinnt Raum, daß ein Zurückgehen Bulgariens für dieses Land eine Lage schaffen würde, die nach dem Kriege gefährlich werden könnte, da Serbien eine feindliche Haltung einnimmt und sich nicht gewillt zeigt, Bulgariens Forderungen auf Mazedonien anzuerkennen. Als das einzige Mittel, einem Balkankrieg vor⸗ zubeugen, erscheint die sofortige und bedingungslose Abtretung der unbestrittenen Zone Mazedoniens durch Serbien und die so⸗ fortige Besetzung dieser Zone durch Bulgarien. Gut informierte Kreise heben hervor, daß der Schlüssel der Lage nicht in Sofia, sondern in Nisch liege und daß die Vierverbandsregierungen, um die Angelegenheit zu regeln, ihre Tätigkeit dort einsetzen müssen. Gestern erklärte Radoslawow bei dem Empfang der Führer der agrarischen Parteien, daß Bulgariens Hände durch keine Verpflichtungen gegenüber irgend einer krieg⸗ führenden Partei gebunden seien und die Verhand⸗ lungen betreffend Bulgariens Forderungen auf Mazedonien fort⸗ schreiten. Der Vertreter der Associated Preß erfährt indessen, daß die Zeit, die noch für Unterhandlungen übrig bleibt, sehr kurz ist, da die bulgarische Regierung darüber im klaren ist, daß ein weiterer Aufschub ohne jede positive Aktion Bulgariens Interessen wahrscheinlich schädigen würde. Erklärung Venizelos' in der Kammer. Von der Schweizer Grenze, 1. Okt.(Zens. Frkft.) Aus Mailand melden die Schweizer Blätter: Die Zeitungen berichten aus Athen: In der Kammer gab Venizelos heute (am 30. Sept.) eine kurze Erklärung ab und wies auf das Ende der Ministerkrisis hin. Er erklärte, daß er mit neutralen Ab⸗ sichten die Regierung übernommen habe. Nun sei aber durch die bulgarische Mobilmachung die Lage vollständig getrübt worden. Es sei notwendig gewesen, daß der bulgarischen die griechische Mobilisation folgte. Er schloß:„Radoslawow hat erklärt, daß die bulgarische Mobilmachung keinen aggressiven Zweck ver⸗ folge, weder gegen Griechenland noch gegen Serbien, sondern nur den Zweck habe, die bewaffnete Neutralität zu bewahren. Wenn dies die Absichten Bulgariens sind, so muß auch die grie⸗ chische Mobilmachung in diesem, jede aggressive Absicht aus⸗ schließenden Sinne ausgelegt werden. Das griechische Volk wird auch bei dieser Gelegenheit seine Pflicht zu erfüllen wissen.“ Die Regierung werde sich glücklich fühlen, wenn die Lage sich so stalte, daß die Mobilisation wieder rückgängig gemacht werden önne. Gunaris, der Vorgänger Venizelos“, schloß sich im Namen der Opposition den Erklärungen des Ministerpräsidenten an. Der Finanzminister forderte einen Kredit von 150 Millionen. Serbien und der Vierverband. London, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Der römische Vertreter des„Daily Telegraph“ meldet, der Vierver⸗ band habe sich verpflichtet, Serbien die in dem Bündnisvertrag mit Griechenland festgesetzte Zahl von Streitkräften zu liefern und sie in Saloniki oder 3 zu landen. *** Die englisch⸗amerikanische Anleihe. Haag, 1. Okt.(WTB Nichtamtlich.) Der„Nieuwe Cou⸗ rant“ meldet aus London: Die Morgenblätter befassen sich aus⸗ führlich mit der amerika ni schen Anleihe. Der allgemeine Eindruck ist, daß die Amerikaner ein gutes Geschäft machen und um 1¾ Prozent höhere Zinsen erhalten als die Engländer, die die Kriegsanleihe zeichneten. Die„Morning Post“ schreibt, Eng⸗ land mußte nicht unbedingt eine Anleihe im Ausland aufnehmen und konnte, wenn es sich nur darum handelte, die Mittel für die Fortsetzung des Krieges aufzubringen, das Geld im Inlande billiger bekommen. Es handele sich mur darum, die Schwierigkeiten des Wechselkurses zu beseitigen. Es sei billiger, fünfzig Millionen Dollars in Amerika aufzunehmen, als zehn Millionen Pfund Sterling im eigenen Lande und dieses ber dem jetzigen Kurse nach Amerika zu senden.— Die„Times“ erklärt, der Beweis der amerikanischen Sympathie sei bedeutungsvoller, als die finanzielle Transaktion. Englands Feinde würden zurzeit um keinen Preis einen derartigen Betrag in den Vereinigten Staaten erhalten. Ne w 2 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funkspruch von dem Sonderberichterstatter des W. T. B. Entgegen anders⸗ lautenden Meldungen kann festgestellt werden, daß deut sch⸗ uli am Bankkreise öffentlich keinen Teil der englisch-französischen Anleihe übernommen haben, da bisher über⸗ 5 f nicht zur Teilnahme aufgefordert worden ist. Es gilt auch ür sehr unwahrscheinlich, daß einige leitende deutsch⸗amerikanische Häuser sich an der Anleihe beteiligen werden. Die Stimmung be⸗ züglich der Anleihe ist namentlich im Westen nicht sehr begeistert. Der Umstand, daß die Zeitungen jetzt nicht mehr von einer Tau⸗ send⸗sondern nur noch von einer Fünfhundert⸗Millionen⸗Dollar⸗ Anleihe sprechen, macht einen schlechten Eindruck. Bei der Erwä⸗ gung der Aussichten für die Anleihe ist zu bedenken, daß der Amerikaner selbst in normalen Zeiten Geld nur ungern in frem⸗ den Anleihen anlegt, daß aber die e der Alliierten hier eine Milliarde bereits übersteigt. Die Hearstschen Blät⸗ ter bekämpfen die Anleihe in seitenlangen Leit⸗ artikeln. Eine unter Mitwirkung der American-Truth⸗Society veranstaltete Versammlung von 3000 Depositengläubigern der Ban⸗ ken erhob Einspruch gegen die Anleihe, bezeichnete sie als un⸗ klug und gefährlich vom geschäftlichen und nationalen Standpunkt aus und sprach Hearst ihren Dank für seine Haltung aus. Von der Versammlung wurde ein Aus schuß eingesetzt, der die Hal⸗ tung der hiesigen Banken im Sinne der angenommenen Ent⸗ schließung beeinflussen will. Eine italienische Finanzoperation. ö Rom, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht einen Erlaß, durch den der Schatzminister er⸗ mächtigt wird, Bonds mit fünfjähriger Laufzeit bis zu dem Höchstbetrag von 100 Millionen Lire auszugeben. Die Aus⸗ gabe der Bonds hat den Zweck, in der Staatskasse die für Eisenbahnbauten und Eisenbahnrückkauf vorgestreckten Summen wieder zu ergänzen.. „ Der Seekrieg. 0 sterium des Auswärtigen Mitteilung erhalten, in Bedauern aussprach über die Versenkung des Dampfers anlangt, daß das Kabinett Radoslawow nicht berufen sei, die Geschicke Bulgariens zu leiten, weil es nicht die „Malmland“ und sich bereit erklärte, Schadenersatz für den Verlust zu leisben. b Stockholm, 1. Oktober.(WTB Nichtamtlich) Das Mini⸗⸗ t von der Gesandtschaft in Berlin eine 10 die deutsche Regierung das] Aus Stadt und Cand. N Gießen, 2. Oktober 1915. Von Drinnen und Draußen. 17 Der Nebel klebte zäh und dicht in den Straßen, und zum Ueberfluß regnete es in feinem vom Himmel. Matt und unlustig mühten sich die paar Laternen, die man durch den Schleier sah, die nasse Luft zu durchdringen. Wie eine große, milchige Kugel schwamm das Licht unsicher um ihre Flamme, ohne die Straße hell machen zu können. So wars einer jener fröstelnden, verdrossenen Abende, wie sie der Herbstregen liebt. Wenig Menschen auf der Straße, alle in dem Gedanken, möglichst bald unter Dach zu kommen. Da hörte man weit hinter der Nebelwand, gerad als obs aus einer anderen Welt käme, verschwommen den Marschrhyth⸗ mus von Trommeln herübermurren. Einmal leiser, einmal lauter, und wieder lauter— dann klangen die Pfeifen da⸗ zwischen— und durch Nebel und„ des Herbst⸗ abends lams aus dem ungewissen Geriesel die Straße her⸗ auf. Bum— die Pauke fiel ein, die Pfeifen hörten auf zu schrillen, Hörner und Trompeten übernahmen die Führung. Herbstabend— und Soldaten zogen ins Feld. Hundertmal hat mans gesehen, wie die treuen Musikanten, die Freunde, die Mädel und wer weiß sonst dem Ersatz das Geleit zum Bahnhof geben. Aber ein ander Ding ists doch im lichten Sonnenschein, unterm sieghaften Blauhimmel als im halten Abend, wenn aus erloschenen Augen der Himmel dem ent⸗ schwundenen Sommer nachweint; wenn die W ihre Luft den Instrumenten das Klingen verschlägt, 5 Weise trüb und gedämpft ertönt, als schluchze einer ins naß⸗ geweinte Taschentuch. Und doch winken sie und und rufen nach re und nach links, die Ausziehenden. Nun, so will ich wacker streiten... Drum Mädel weine nicht Sie wissen, was sie wollen und müssen. Blumen ni am Helm und im Lauf, der Marsch klingt vorüber, die Zu⸗ schauer drängen sich— sie sind vorbei und der Nebel schlu Menschen und Töne wieder ein. So ziehn sie dahin. Na⸗ dem Osten? Nach dem Westen? In— den— Krieg! und schwächer wird der Trommelklang. An der horcht ein altes Mütterchen hinter dem Zuge her, dem laufen die hellen Tränen die runzeligen Wangen hinunter. habe zweitenmal ists Herbst geworden, seit wir Krieg nn i 33 a8g.gʃ“og.ù/:!!! n *„ Da hat uns aus einem Schützengraben im Westen einer einen Brief geschrieben, der für oder vielmehr gegen die M-undhelden gedacht war, die fern vom die Lehr⸗ meister der Heeresleitung und die Propheten spielen. Er sei im Urlaub daheim gewesen, aber die genannten Helden und ähnliches Gelichter hätten ihm den Geschmack am Urlaub dermaßen verdorben, daß er sich jetzt im ü e 5 erst wieder als ganzer Mensch fühle. Das war, ehe im Westen die Franzosen und Engländer losschlugen, wohlgemerkt; und darum wollen wir den Brief, der von den Vorgängen inzwischen überholt ist, nicht im Wortlaut wiedergeben. Um was es sich gehandelt hat, sei aber kurz gesagt, denn es kann dem einen oder andern vielleicht nicht sch⸗ wenn er drüber nachdenkt. Unser Urlauber ist also in ein Varietee ge⸗ kommen. Da hat ein dickbäuchiger Komiker mit einem un⸗ kontrollierbaren Bändchen im Knopfloch— es kann nicht schaden, wenn's einer für eine Tapferkeitsmedaille hält— auf dem Podium gestanden und ein Lied gesungen, das den Kehrreim hatte: Im Osten ind das tapfre Heer— Im Westen liegt die Feuerwehr. Und das Publikum hat gelacht wie über den besten Jahrmarktswitz. Unserm Urlauber aber war die Sache zu— dumm;(mehr will er in seinem Brief nicht sagen) er hat gezahlt und ist gegangen. Nun, daß im Westen keine. liegt, ist inzwischen auch wohl dem lautesten Lacher von damals klar geworden. Aber es fragt sich, ob ihm und dem bändchengeschmückten Sänger auch aufgegangen ist, daß sie nicht nur eine Dummheit, sondern auch eine Frechheit begangen haben? Der Briefschreiber er⸗ zählte noch mehr Beispiele davon, wie gewisse Leute daheim noch vor ein, zwei Wochen mitleidig über den Maulwurfs⸗ krieg im Westen die Achseln gezuckt haben. Mit der„Jeuer⸗ wehr“ sei es genug. Die Nutzanwendung ist ja hinreichend klar. Sie paßt nicht nur aufs Singen, sondern auch aufs Schwätzen. . * „Sie sind zu früh“, sagte der kleine, dicke Herr, der eben atemlos in die Elektrische einstieg, zu dem Fahrer. „Mindestens eine halbe Minute zu früh. Da rennt man f erst, um' noch mitzukommen, und jetzt steht man da, und muß auf den Gegenwagen warten.“ Auf den bescheidenen Einwand des Fahrers, daß es dann ja eigentlich gar keine Eile gehabt habe, wurde der Kleine noch hitziger.„Was? Vorschriften wollen Sie machen? Für mein gutes Gelb kann ich eine geregelte Beförderung erwarten. Fuß tee bekommt man nicht, Auto darf man nicht fahren, nächstens ziehen sie einem noch die Schuhe aus, da kann man doch ver⸗ langen, daß wenigstens die Elektrische ordentlich funktio⸗ niert. Ohnehin schon kein Vergnügen, in dem dumpfen Kasten zu sitzen—“ Der Fahrer dachte sich jedenfalls sein Teil, trat auf die Glocke und fuhr los.— An den kleinen, dicken Herrn erinnerte mich, was ich zufällig am Nach⸗ mittag des gleichen Tages draußen vor der Stadt auf einem Feldweg sah. Da kamen langsam und still zwei Feldgraue aus irgendeinem Lazarett heran. Der eine saß in einem kleinen Selbstfahrer, wie sie die Gelähmten benutzen. Eine Decke verhüllte mitleidig, was von seinen Beinen übrig sein mochte. Der zweite ging auf Krücken. Das rechte Hosenbein leer, umgeschlagen und mit einer Nadel fest⸗ gehalten. Als wir aneinander vorüber kamen und den Tagesgruß austauschten, meinte der eine:„Prachtvolles Wetter, um sich die Gegend mal anzusehen, was?“ Und dann sprachen sie von dem reichen Obstsegen, den sie unter wegs gesehen, von der guten Kartoffelernte, dem schönen Nachmittag— aber von einem schlechten Fortkommen oder vom Autofahren kein Wort.— Hätten sie nicht mehr Ur⸗ sache dazu gehabt, als der Herr von der Elektrischen 2 2 2* 0 Ne c e nnn. Sonntagsgedanken. Die Ernte vom deutschen Boden für dieses Jahr wird nun bald vollständig eingebracht sein. Und man kann Bauersleute mit Stolz und Genugtuung davon reden hören: Es hat mehr gegeben, als man gedacht hat. Dabei denken sie daran, wie frevelhafte Pläne England gegen unser Volk mitsamt hilflosen Frauen, Greisen und Kindern ausgeheckt hatte, und wie diese Pläne durch deutschen Fleiß, zumal auch der Frauen, zunichte gemacht worden sind. Dieses Sieges, zu dem noch die ungeahnten Erfolge unserer Geldtruppen hinzukommen, freut sich jeder Deutsche. 5 Aber wir wissen, daß die Tüchtigkeit dennoch nicht solche Erfolge unbedingt verbürgt, denn gar manchmal bringt alle Mühe doch nur eine Mißernte zustande. Wir sind abhängig vom Wetter, von der Natur. Und trotzdem, was uns auf diese Weise gegeben wurde, erscheint uns als unsere Ernte, unser Besitz, wodurch wir nicht bloß dem Aeußern nach, sondern auch dem inneren Werte nach ausgezeichnet sind vor den Widersachern. Wie kommen wir dazu? Etwas Großes ist der Wille eines Volkes zum Sieg. Wo kein Wille dazu vorhanden ist, ist der Sieg gewiß un⸗ möglich. Aber was wird, wenn ein Wille gegen den andern steht? Unser Wille kann uns nicht die Vollmacht zum Sieg geben. Und dennoch, wirhaben Vollmacht, wir haben Auftrag zu siegen. Es ist eine geheimnisvolle Macht und Kraft, in deren Willen wir uns ganz ergeben haben. Wo nicht eine solche innere Notwendigkeit, solcher unwidersteh⸗ licher innerer Zwang zu einer Sache da ist, da geschieht nichts Großes. Wo wir aber müssen, von einer inneren Ge⸗ walt bezwungen, alles Nebensächliche, Vergängliche und Gleichgültige zu vergessen, da wird die Welt umgewälzt, und da ist plötzlich auf wunderbare Weise neues, blühendes Leben. So ist es seltsam, daß auch die Natur mit ihren Kräften dazu hilft, daß unsere Feinde uns nichts anhaben können. Oder auch ist es zufällig? Uns ist es nicht seltsam und nicht zu⸗ fällig. Wir sollen, müssen jasiegen. Wir selbst tun nur dies, daß wir uns beugen unter dieses geheimnisvolle Gebot. Muß sich da nicht auch die Natur darunter beugen?«ck. * Zu Hindenburgs Geburtstag hat das Stadthaus heute Flaggenschmuck angelegt. Von 12—1 Uhr findet in der Süd⸗Anlage, ebenfalls zu Ehren des großen Heerführers, Konzert der Kapelle des Ersatz⸗ Bataillons Inf.⸗Regts. Nr. 116 statt. Auszeichnung. Vizefeldwebel und Offiziersaspirant Max Koppe vom Thür. Ins.-Reg. Nr. 153, Sohn des Geschästs⸗ führers Karl Koppe in Gießen, zurzeit verwundet in einem Kre⸗ elder Lazarett liegend, erhielt die Herzogl. Altenburgische Tapfer⸗ feitsmedaille. * Amtliche Personal nachrichten. Der e herzog hat zum 1. Oktober ds. 8 den Oberlehrern Josef Franz an der Oberrealschule zu rms, Ludwig Horst an der Realschule zu Butzbach, Heinrich Keller an der höheren Mädchenschule zu Offenbach, Dr. Eugen Köser an dem Real⸗ gymnasium zu Darmstadt, Rektor Hermann Rodenhausen an der höheren 5 Schlitz, Philipp Rupp an der höheren Mä schule und dem Lehrerinnenseminar zu Mainz, Dr. Lud⸗ wig Spilger an dem Ernst⸗Ludwigs⸗Seminar zu Bensheim, Franz Stein an der Realschule zu Butzbach, Karl Unverzagt an der Ernst⸗Ludwigs⸗Schule(Realschule) zu Bad⸗Nauheim, Otto Wassem an dem Realgymnasium zu rmstadt den Charakter als Professor erteilt.— Der Großherzog hat am 29. Sep⸗ tember ds. Is. dem Kreisbauinspektor des Kreises Alsfeld, Lud⸗ wig Fischer zu Lauterbach, zum 1. Oktober ds. Is den Charak⸗ ter als Baurat verliehen.— Durch Entschließung Großh. Mini⸗ steriums des Innern wurden die nachstehend genannten Lehramts⸗ referendare zu Lehramtsassessoren ernannt: Wilhelm Diepen⸗ bach zu Mainz, Abraham Ehrmann zu Nidda, Karl Gentil zu Reichelsheim, Dr. Heinrich Joest zu Mainz, Heinrich Keßler zu Gießen, Dr. Gustav Paul zu Darmstadt, Dr. Robert Schäfer zu Gießen, Friedrich Volz zu Offenbach. Kupfer, Messing und Nickel. Die Frist für die Entgegennahme der freiwillig abzuliefernden Gegen⸗ stände aus fer, Messing, Nickel usw. ist bekanntlich vor einigen Tagen bis zum 16. Oktober verlängert worden. Es empfielt sich, von der freiwilligen Ablieferungsmög⸗ lichkeit noch möglichst regen Gebrauch zu machen. Wenn auch die Enteignung der nicht abgelieferten Gegenstände erst zu einem späteren Termin(nach dem 16. 3 erfol⸗ gen wird, sei e allen Haushaltungen die Durch⸗ sicht der letzten Bekanntmachungen des Oberbürgermeisters über diesen Gegenstand(Gießener Anzeiger Nr. 228) emp⸗ fohlen. In jedem Haushalt ist etwas vorhanden, was unter die Bestimmungen fällt. Ein Verheimlichen der Gegen⸗ stände ist strafbar und außerdem auch kaum zu verbergen, da es auch nach Friedensschluß immer noch lange dauern kann, ehe neue Metallgebrauchsgegenstände auf den Markt kommen. 5 i Landkreis Gießen. * Garbenteichl 2. Okt. Dem Gesreiten Ludwig Ruhl von hier, z. Zt. wohnhaft in Duisburg ⸗Meiderich, vom Pionier-Bat. 10, 6. Bayr. Landwehr⸗Division, wurde das Eiserne Kreuz ver⸗ liehen. 5 Kreis Schotten. O Schlitz, 1. Okt. Gestern wurde unter großer Be⸗ teiligung der hiesige Ratsdiener Christian Otterbein zu Grabe getragen. Der gesamte Stadtvorstand gab ihm das letzte Geleit und ließ durch Bürgermeister Zinßer einen prächtigen Kranz niederlegen. Otterbein war seit dem Jahre 1877 in Diensten der städtischen Verwaltung und konnte noch kurz vor seinem Ende den 77. Geburtstag seiern. Sein Andenken wird hier in Ehren bleiben. fe. Ober⸗Lais, 1. Okt. Das Großh. Kreisamt ent⸗ eignete sämtliche Petroleumvorräte in der Gemeinde und läßt nunmehr das Petroleum durch die Bürgermeisterei ver- tellen. Die gleiche Maßregel wurde im benachbarten Steinberg getroffen. Diese Anordnung wurde getroffen, weil mehrere Petroleumhändler den Verkauf der Ware verweigerten oder gar die Abgabe abhängig von anderen Einkäusen machten. Kreis Friedberg. 0— Friedberg, 1.0 Der i für den Lebensmittelmarkt des Kreises Friedberg setzte den Höchstpreis für beste Süßrahmbutter auf 2,1 Mk. das Pfund sest. Der Durchschnittsverkaufspreis in den Molkereien beträgt 2 Mk. Frische deutsche Landeier dürfen nicht teurer als 17 Pfennig das Stück verkauft werden. Wegen der überreichen Obsternte wird eine Preisfestsetzung vorläufig nicht vorgenommen. Starkenburg und Rheinhessen. X. Hainstadt, 1. Okt. Auf der Braunkohlenzeche der Ge⸗ werkschast„Gustav“ bei Dettingen wurde der 18 Jahre alte Ar- beiter Albert Müller aus Groß⸗Welzheim von einem beladenen Kieszuge überfahren und getötet. 5 Kreis Wetzlar. — Wetzlar, 1. Okt. Der Bergmann Schmidt aus Wald⸗ girmes wurde in der Grube„Morgenstern“ verschüttet und getötet.— Auf der Grube„Vereinigte Henriette“ stürzte der Bergarbeiten Utsch aus Mudersbach aus dem Förderkorb in die Tiefe. Er wurde als Leiche geborgen. w. Wetzlar, 1. Okt. Auf der Strecke Weglar⸗Lollar ver⸗ kehrt von heute ab alltäglich zweimal ein Akkumulator-⸗ wagen. 5 Atzbach, 1. Okt. Aus Anlaß der Seuchengefahr 1 seit Sonntag hier eine große Wanderschafherde fest⸗ gehalten. 5 J Vetzberg, 1. Okt. Auf unserer Bergeshöhe ist die Kartoffelernte ganz vorzüglich ausgefallen und größtenteils geborgen. Gute Speisekartoffeln wurden im Doppelzentner zu 6,50 bis 7,00 Mk. verkauft. Hessen⸗Nassau. Il Marburg, 1. Okt. In der heutigen Strafkammer⸗ sitzung gab ein bekannter Bienenzüchter aus dem nahen Dörfchen Marbach, gegen den wegen Beleidigung einiger dortiger Einwohner verhandelt werden sollte, bei Beginn der Verhandlung die Erklärung ab, daß er den ge⸗ samten Gerichtshof und überhaupt sämtliche Marburger Richter wegen Befangenheit ablehnen müsse. Er wünsche, daß seine Sache vor einem anderen Ge⸗ richt in einer anderen Stadt zur Verhandlung käme. Das Gericht beschloß nach kurzer Beratung, das Oberlandesgericht zu Kassel entscheiden zu lassen.— Die neue Südpost, ein an der Ecke Kasernenberg-Universitätsstraße errichtetes stattliches Gebäude, konnte heute ihrem Zweck übergeben werden.— Wie aus Leipzig gemeldet wird, starb dort im Alter von 71 Jahren der Geh. Kirchenrat und Konsistorial⸗ rat Professor D. Dr. Karl Friedrich Georg Hein ric i. Der Verblichene gehörte von 1873 bis 1892 dem Lehrkörper der hiesigen Universität an. Er war auch Mitglied des Kasseler Konsistoriums. N 5 Frankfurt a. M., 1. Okt. Bankier Jacob H. Schiff aus New Pork, ein geborener Frankfurter, überwies der hiesigen Kriegsfürsorge 25000 Mark. X. Hanau, 1. Okt. Eine sinnige Ehrung unseres großen Heerführers im Osten durch Pflanzung einer Dindenburg⸗ eiche auf dem Gipfel des Hahnenkamms haben die drei Wander- vereine Freigerichter Bund, Verein der Spessartfreunde und Spessarttouristenverein vorgenommen. Der Geburtstag Hinden⸗ burgs soll Anlaß bieten zur Einweihung der Eiche und Abhaltung emes kleinen Festaktes ernsten Charakters. Der Standort der Eiche ist mit einer gärtnerischen Anlage versehen, auf einem großen Stein vor der Anlage ist eine Gußplatte mit der Inschrist„Zu Ehren des großen Heerführers gewidmet von den Hahnenkamm- Vereinen“ angebracht. ra. Usingen, 30. Sept. In Oberreifenberg glitt ein zwei⸗ jähriges Kind einen Abhang hinab und fiel unten in einen Wassertümpel, in dem es, da der Unfall nicht beobachtet wurde, ertrank. ———e— Vvermischtes. * Berlin, 1. Okt.(Priv.⸗Tel.) Der„Berliner Lokalanzei⸗ ger“ meldet aus Danzig: Aus der Provinzial⸗Heil⸗ und Pflege⸗ anstalt Fonradstein bei Preußisch⸗Stargard sind zwei gemein⸗ efährliche Geisteskranke entwichen. Als der Oberpfleger Schön mit drei anderen 1 bei der Verfolgung die beiden in einem Gebüsch bemerkte und sie festnehmen wollte, tötete ein Geisteskranker den Pfleger Kapahnke durch einen Stich in die Herz⸗ gegend. Die beiden Geisteskranken sind entflohen. Bern, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich.) Heute wurde die drei⸗ zehn Kilometer lange Linie Münster— Langnau mit dem Kilometer langen Tunnel durch den Jura der Berner Alpenba lschaft dem Betrieb übergeben. Sie bedeutet eine wesentliche Verbesserung der Zufahrtslinien des Loetschberges und der Verbindung Basel Westschweiz, sowie eine Abkürzung der Fahrzeit, die bei Personenzügen eine, bei Schnellzügen eine halbe Stunde beträgt. Die Kosten belaufen sich auf rund 25 Millionen Solothurn, 1. Okt.(WTB. Nichtamtlich) Die Ex plo⸗ sion in der Kammfabrik in Mümlisvil hat 25 Tote gefordert. Etwa zehn weitere Personen sind lebensgefährlich ver⸗ letzt, etwa 40 leichter. Vermutlich wurden einzelne Arbeiter durch die Explosion sofort getötet, die übrigen konnten wegen des Feuers und Rauches keinen Ausweg finden und verbrannten. Die Fabrik ist mit großen Vorräten an Celluloid und Horn bis auf das Mauerwerk niedergebrannt. Sie beschäftigte 350 Arbeiter. Spielplan der vereinigten Frantfurter Stadttheater. pernhaus. Sonntag, den 3. Oktober, abends 7 Uhr:„Aida.“ Montag, den 4. Oktober, geschlossen. Dienstag, den 5. Oktober, abends 7 Uhr:„Der Barbier von Bagdad.“ Hierauf:„Versiegelt.“ Mitt⸗ woch, den 6. Oktober, abends 6 Uhr:„Die Meistersinger von Nürn⸗ berg“. Donnerstag, den 7. Oktober, abends 7 Uhr:„Orpheus und Eurydite.“ Freitag, den 8. Oktober, abends 7¼ Uhr:„Mignon.“ Samstag, den 5. Okt., abends 7½ Uhr: Der Ring des Nibelungen. Vorabend:„Das Rheingold.“ Sonntag, den 10. Oktober, abends 7 Uhr:„Der Troubadour.“ Montag, den 11. Oktober, abends 6 Uhr: Der Ring des Nibelungen. 1. Tag:„Die Walküre.“ Dienstag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr:„Polenblut.“ Mittwoch, den 13. Oktober, abends 7 Uhr:„Der Postillon von Lonjumeau.“ Hierauf: Charaktertänze. Donnerstag, den 14. Oktober, abends Uhr: Der Ring des Nibelungen. 2. Tag:„Siegfried.“ Schauspielhaus. Sonntag, den 3. Okober, nachmittags/ Uhr: Theodor Körner⸗ Vorstellung: Einleitende Worte von Emil Claar. Hierauf:„Aus der Zeit der Freiheitskriege.“ Dann:„Josef Heyderich oder Deutsche Treue.“ Zum Schluß:„Der Nachtwächter.“ Abends 8 Uhr:„Der Dummkopf.“ Montag, den 4. Oktober, abends ½88 Uhr: Goethe ⸗ Abend:„Stella.“ Hierauf:„Der Bürgergeneral.“ Dienstag, den 5. Oktober, abends /8 Uhr:„Der Dummkopf.“ Mittwoch, den 6. Oktober, abends 7 Uhr:„Die Jungsrau von Orleans.“ Donners⸗ tag, den 7. Oktober, abends ½8 Uhr:„Nordische Heerfahrt.“ Frei ⸗ tag, den 8. Oktober, geschlossen. Samstag, den 9. Oktober, abends ½%8 Uhr: Gastspiel von Exls Tiroler Bühne:„Der heilige Rat.“ Bauernkomödie in 3 Akten von Ludwig Ganghoser. Sonntag, den 10. Oktober, nachmittags ¼ 4 Uhr: Gastspiel von Exls Tiroler Bühne: „Die Trutzige.“ Bauernkomödie mit Gesang in 5 Bildern von L. Anzengruber. Abends 7 Uhr: Zweiter Oesterreichischer Autoren⸗ abend: Zum ersten Male:„Der Tor und der Tod.“ Dram. Ge⸗ dicht in 1 Akt von Hugo von Hofmannsthal. Hierauf zum ersten Male:„Der Puppenspieler.“ Studie in 1 Aufzug von Arthur Schnitzler. Dann zum ersten Male:„Der Kuß auf der Redoute.“ Planderei in 1 Akt von Raoul Auernheimer. Ferner zum ersten Male:„Schöne Seelen.“ Komödie in 1 Akt von Felix Salten. Zum Schluß zum ersten Male:„Troubadour.“ Lustspiel in 1 Akt von Hans Müller. Montag, den 11. Oktober, abends 8 Uhr:„Der Dummkopf.“ Dienstag, den 12. Oktober, abends 7 Uhr:„Die Jungfrau von Orleans.“ Mittwoch, den 13. Oktober, abends ½8 Uhr: Zweiter Oesterreichischer Autorenabend:„Der Tor und der Tod.“ Hierauf:„Der Puppenspieler.“ Dann:„Der Kuß auf der Redoute.“ Ferner:„Schöne Seelen.“ Zum Schluß:„Troubadour.“ —* 2 2„ 5 Amtlicher Wetterbericht. g ODeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 2. Oktober 1915: Ziemlich heiter, trocken, nachts kalt, stellenweise Nachtsrost. Letzte Rachrichten. Das Scheitern der feindlichen Offensive im Weften. Großes Hauptquartier, 1. Okt. Wenngleich die Schlacht in der Champagne nicht mehr mit derselben Hestigleit 2 wie in den ersten Tagen wütet, so geht das Ringen doch in er⸗ bitterten Gefechten ohne Unterbrechung fort. Am östlichen 75 75 tobte am foittag ein schweres Artillerieduell. In der Gegend südlich Cernay, noch stärker weiter östlich, wo sich das hügelige Wald⸗ gelände der Argonnen hinzieht, war alles in gelbe und weißliche Rauchwolken gehüllt, die als dichte Wand über der Land⸗ schaft standen. Ohne Unterlaß folgten sich Mündungsblitze, Abschußdonner und Einschlagskrachen, das sich mit dumpfem Grol⸗ len über Hügel und Ebene wälzte. Die Luft war von Fliegern belebt. Am Nachmittag sand weiter westlich bei Auberville eim schwerer franzöfischer Infanterievorstoß statt, der ebenso glatt — e wie 11 folgen ö a 5 pa ühmten feindlichen Vorstöße 5 — 5 merklich 5— im Gegenstoß säuberten min. unsere Truppen auf dem linken Flügel mehrere noch vom de besetzte, durch das Einschla schwerer Geschosse entstandene Trichter. Die Nacht verlief 2 doch versuchte bet hellem Mofdenschein ein französisches Luftschiff die Vouziers, die schon in der Winterschlacht das Ziel des Feindes war, zu bombardieren, ohne jedoch Schaden anzurichten. Eine Bombe fiel in den Garten des Lazarettes. Nachdem das Luftschiff von uns unter Feuer genommen war, verschwand es. Die Ver⸗ luste des Gegners müssen ungeheuer sein, Hau⸗ fen von Leichen liegen vor unseren Stellungen. Ganze Truppenteile sind tatsächlich aufgerieben wor⸗ den. Der Oberst, der mit 800 Mann gefangen genommen worden war, sagte aus, er habe vorher schon 2000 Tote gehabt, so daß sein Regiment nicht mehr besteht. Dieser Abschnitt in den Kämpfen, die unsere Truppen vom 25. bis 27. September auszuhalten hatten, wird in der Kriegsgeschichte einzig dastehen. Gleiches ist einer Ar⸗ mee nie zugemutet worden. Die Franzosen hatten eine so große Macht gesammelt— über 30 Divisionen— übrigens waren auch Turkos dabei— aber selbst wenn sie jetzt einen neuen Sturm wagen werden, können wir dem Ausgang bei der übermenschlichen Tapferkeit unserer Truppen ruhig entgegenfehen. Ohne Kali kein Korn. Daß das Kali an der Bildung der Stärke und somit bei der Körnerbildung einen hervorragenden Anteil hat, ist schon lange wissenschaftlich festgestellt. Das Kali wirkt daher auch in erster Linie auf den Körnerertrag, weniger auf die Länge und Masse des Strohes. In der landwirtschaftlichen Praxis wird diese Kaliwirkung meistens nicht genügend geschätzt. In früheren Jahren gab es gute Körnererträge nur auf Bö die von Natur nicht arm an Kali sind; heute gibt es solche nun da, wo neben den übrigen Düngemitteln auch reichlich Kalisalze an⸗ gewendet werden. 2/10 D Rheinisches NMaschfnenpzu, ESKfrstee haft, echnikum Bingen g gg Sor HO ep Ee. 2.. 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September fiel nach 14- monatlicher treuester Pflichterfüllung fürs Vaterland unser innigst geliebter, unvergesslicher Bruder, Schwager und Onkel Hugo Prell Gefreiter der Seewehr im I. Marine-Inf.-Regt. Inhaber der Hess. Tapferkeitsmedaille. In tiefer Trauer: Wilhelm Prell Johanna Scherrer, geb. Prell Auguste Prell Stadttierarzt Scherrer Philippine Scherrer Hans Karl Scherrer. Giessen, Hornberg O Teurer, treu hast du gewirkt im Leben, Hast keine Arbeft, keine Müh gescheut, Der Deinen Wohl nur war dein Streben, Nun ruhst du fern in fremden Land! richt, dass mein lieber herzensguter gefallen ist. Wieseck, den 2. Oktober 1915. Wiedersehen war sohn, Bruder, Schwager und Onkel Mein treuer Mann, unser lieber Sohn, Schwieger- Leutnant d. L. im Reserve- Infanterie-Regiment 88 Lehrer Philipp Jäger Inhaber der Hessischen Tapferkeitsmedaille ist am 27. September gefallen. 7 In Trauer: Frau Lehrer Jäger, geb. Leidich Frau Jäger Witwe und Familie 6. Leidich, Lehrer, und Familie. Berstadt, Holzheim, Langsdorf. Nach langer Ungewissheit erhielten wir die traurige amtliche Nach- Kindes, unser einziger Sohn, Bruder, Schwager und Onkel Ludwig Kreiling, Wehrmann im Landwehr-Infanterie-Regiment 116, 5. Kompagnie am 15. September 1914 in der Schlacht bei Cerney im Alter von 33 Jahren Frau Katharine Kreiling und Kind nebst allen trauernden Angehörigen. Wenn Liebe könnte Wunder tun, Und Tränen Tose wecken. Pann würde dich gewiß nicht fern Die fremde Erde decken! 8 Mann, der treusorgende Vater seines Steinhauermeister In tiefem Schmerz: unsere Hoffnung! 780 Am 10. September 1915 starb den Heldentod an der Spitze seiner Jäger⸗Kompagnie der Leutnant der Reserve im Reserve⸗ Infanterie⸗Regiment Nr. 222 Wilhelm Bode kommandiert als Kompagnie-Führer zum Re⸗ serve⸗ Jäger-Bataillon Nr. 20. Ein tüchtiger, tapferer Offizier, ein treuer, liebenswürdiger Kamerad ist mit ihm dahin⸗ gegangen. Das Bataillon wird seiner stets in Treue gedenken. 7797 Wellenkamp, Oberstleutnant und Bataillons-Kommandeur. 8 Du hast gestrebt in deinem Leben, Hast auch erreicht ein schönes Ziel, Warst unser Stolz, warst unser Leben, Wer dich gekannt, vergißt dich nie! Drum rube sanft, du Edler, Treuer! Wir müssen gönnen dir die Ruh. Schlaf wohl, dich deckt nicht Feindes Erde, Margarethe Paulus, geb. Franz Elisabethe Paulus, geb. Leyerer Christoph Paulus und Frau Louis Kas und Frau geb. Paulus In fremder Erde ruhet nun mein G„ Du teurer Gatte kehrst nie mehr zurück. Auf Wiedersehn! sprachst du und zogst hinaus, Zu schützen unser Vaterland und Haus. Auf Wiedersehn! Sg rufen wir dir zu, in lichten Höhen, Am 22. September starb den Heldentod fürs Vaterland mein innigstgeliebter Mann, mein treuer Sohn, unser lieber Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel Johannes Paulus Wehrmann im Landw.-Inf.-Regt. II6, Inhaber d. Eisernen Kreuzes im Alter von 33 Jahren. * In tiefer Trauer: Katharine Vock, geb. Paulus Severin Franz und Frau Georg Franz und Familie Heinrich Franz und Familie. * Allendorf a. Lumda. 7747 Auf Wiedersehn! schriebst du in jedem Brief voll Freud; Nun hat die Freude sich gekehrt für uns in tiefstes Leid! Undtragenstill den Schmerz, denn Gottes Wille ist geschehen. Nein! Die Lieb der Deinen deckt dich zu! Den Heldentod fürs Vaterland starb am 16. September infolge seiner schweren Verwun⸗ dung im Feldlazarett mein innigstgeliebter Gatte, unser treusorgender unvergeßlicher Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Onkel, Schwager, Neffe und Enkel Musketier Ernst Kraft 1 Infanterie⸗Regiment Nr. 49, 3. Kompagnie. In tiefem Schmerz: Margarethe Kraft, geb. Lerch Familie H. Kraft und Großmutter Familie K. Lerch Karl Kraft, zur Zeit im Feld W. Klein, zur Zeit im Lazarett, und Jamilie A. Moos, zur Zeit im Feld, und Familie Ludwig Engel. Gießen(Buddestr. 8), den 1. Oktober 1915. 7758 Wiedersehen war seine und unsere Hoffnung! Danksagung. Allen denen, die anläßlich des Todes unseres Gatten und Vaters uns Beweise herzlicher Anteilnahme gegeben haben, Alten- Buseck, den 2. Oktober 1915. Ach, wer hätte das geahnt, Daf wir uns nie sollten wiedersehn, Als Du vor über einem Jahr In den Dienst des Vaterlandes mußtest gehn. Du hast gekämpft und hast gestritten, Hast treu erfüllt stets Deine. Pflicht, Gar manchmal Hunger und Durst gelitten, Jedoch geklagt hast Du's uns nicht. Gesehen hast Du Frankreich, Rußland, Oesterreich- Ungarn, Nur Deinen lieben Jungen nicht, 5 Doch wollen gerne wir Dir Deine Ruhe gönnen, Obgleich uns schon das Herz fast bricht. Den Heldentod für's Vaterland starb am 11. August mein innigstgeliebter, herzensguter Gatte, der liebevolle Vater seines Söhnchens, unser braver Sohn, Schwieger- sohn, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Arnold Reservist im Reserve-Infanterie-Regiment 116, I. Komp. im Alter von 28 Jahren. In tiefer Trauer: Frau Luise Arnold, geb. Körber und Kind Familie Schmiedemeister Arnold Familie Bürgermeister Körber. 7810 sowie denen, die während der Dauer seiner Krankheit uns hilfbereit zur Seite standen, sprechen wir hiermit unseren herzlichsten Dank aus. Karoline Thiemer Ww. Hans Thiemer. Gießen, den 1. Oktober 1915. ob vo im ersten Kriegsjahr. Vortrag von Prof. D. Schian am Montag, 4. Oktober, 8 Uhr, in der Stadtkirche. — Eintritt frei.— „ Diuerhessscher Verein für Innere Mission. Akademischer Gesangverein. Montag, den 4. Oktober, abends 8 Uhr, in der neuen Aua Wiederbeginn der Proben ur bevorstehenden Aufführung von: Beethovens(kleiner) Messe in C-dur, 15 Herzogenbergs Oratorium„Die Geburt Christi“. Anmeldungen stimmbegabter, musikalischer Damen und Herren, die dem Chor als singende Mitglieder oder Güste beizutreten wünschen, erbeten an den Leiter Prof. Traut⸗ mann, Moltkestraße 6(Sprechstunden täglich, außer Mitt⸗ woch und Sonntag, von 1—2½ Uhr! oder abends im Uebungslokale. 17715 D! Der Vorstand. Statt Karten Meine Verlobung mit Fraulein Else Kilbinger beehre ich mich anzuzeigen Ernst Hölzel Leutnant d. Res. im Inf.-Regt.„Kaiser Wilhelm“(2. Grossh. Hessisches) Nr. 116 2. Zt. im Felde Giessen, Oktober 1915 ob Statt Karten Paula Bonarius g Hermann Reitz Verlobte Giessen Offenbach a. M. die religiöse Bewegung. 3. Oktober 1915 7777 Evangeliscer Rirchengesangverein Die Proben beginnen am Dienstag, den 5. Oktober, K Uhr, in dem Konfirmandensaal der Johannes⸗ gemeinde. Annfeldungen neuer 1 werden von dem Leiter, Herrn Prof. Trautmann, Moltkestraße 6, oder dem Vor⸗ fitzenden entgegengenommen. 5 Für den Vorstand: 7786 Prof. Dr. Weimar, Ostaulage 40. Eafè Ernst Ludwigs K unstler-Konzert Ausgeführt von einem Teil des Gießener Orchesters Direktion: Hermann Weller.— Anfang 4 Uhr. 0 5 471 0 e 1 Uchrsplkr ads Bahnhofstr. 234 GIESSEN Bakrhefstr. 34 Ab heute:. Das Auge des Buddha Spannendes Schauspiel in 2 Akten. Im Sattel über Stock und Stein inter. Reiterbild. 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