Nr. 250 Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: Erstes Blatt viermal wöchentlich Slehener Familienblätter; 3 wöchentl. Krels⸗ latt für den Ureis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Sießen. Annahme don An für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Gießene 105. Jahtgang Anzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Donnerstag, 50. September 1915 Bezugsprei monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge- richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. — Die französisch⸗englischen durchbruchsversuche abgeschlagen. die Bresche bei Loos zum Teil wieder ausgefüllt. WTB.) Großes Hauptquartier, 29. Sept.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Die feindlichen Durchbruchsversuche wurden auf den bis⸗ herigen Angriffsabschnitten mit Erbitterung fortgesetzt. Ein Gegenangriff nach einem abermals gescheiterten englischen Gasangriff führte zum Wiedergewiun eines Teiles des nördlich von Loos aufgegebenen Geländes. Heftige engli che Angriffe aus der Gegend Loos brachen unter starken Verlusten zusammen. Wiederholte erbitterte französische Angriffe in Gegend Souchez-Neuville wurden teilweise durch heftige Feng zurückgewiesen. Auch in der Gegend Champagne blieben alle feindlichen Durchbruchs⸗ 3 721 erfolglos. Ihr einziges Ergebnis war, daß der Feind nordwestlich Sou ain in einer Strecke von 100 Metern noch nicht wieder aus unserem Graben vertrieben werden konnte. An dem unbeugsamen Widerstaud badischer Bataillone, sowie des rheinischen Reserve-Regiments Nr. 65 und des westfälischen Infauterie⸗Regiments Nr. 158 brachen sich die unausgesetzt vordringenden französischen Angriffswellen. Die schweren Verluste, die sich der Feind beim oft wieder⸗ holten Sturm gegen die Höhen bei Massiges zuzog, waren ——58 Die Höhen sind restlos von unseren Truppen ge⸗— alten. Die Versuche der Franzosen, bei Fillemorte ver⸗ lorene Gräben zurückzuerobern, scheiterten. Die Ge— fangenenzahl erhöhte sich. In Flandern wurden zwei englische Flugzeuge bheruntergeschossen; die Insassen gefangengenommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Der Angriff südwestlich von Dünaburg ist bis in die Nähe des Swenten⸗Sees vorgedrungen. Südlich des Driswjaty⸗Sees und bei Postawy daneru die Kavalleriegefechte an. Unsere Kavallerie hat, nachdem sie die Operationen der Armee des Generalobersten von Eichhorn durch Vorgehen gegen die Flanke des Feindes wirksam unterstützt hatte, die Gegend bei und östlich von Wilejka verlasseu. Der Gegner blieb untätig. Westlich von Wilejka wurden unvorsichtig vorgehende feindliche Kolonnen durch Artilleriefeuer zersprengt. Zwischen Smorgon und Wischnew sind unsere Truppen im siegreichen Vorschreiten. 5 Bei den Heeresgruppen des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern und des Generalfeldmarschalls von Mackensen hat sich nichts Wesentliches ereignet. Heeresgruppe des Generals v. Linsingen. Die Russen sind hinter den Kormin und die Putilowka geworfen. Oberste Heeres leitung. ** * . Die Lage, die unsere Feinde infolge ihrer Offensive im Westen umgewendet wähnten, hat plötzlich wieder ihr altes Aussehen. Alle Durchbruchsversuche sind abgeschla— gen, und nördlich von Loos haben die deutschen Gegen— angriffe zur Zurückeroberung eines Teiles des verlorenen Geländes geführt. Die französische Meldung, wonach im Artois deutsche Truppen festgestellt worden seien, die kürz⸗ lich noch im Osten gefochten hätten, beweist, vorausgesetzt, daß die Feststellung den Tatsachen entspricht, daß von deutscher Seite rechtzeitig für eine Verstärkung der West⸗ front gesorgt worden ist. Der französische Ofen, in den der Generalissimus Joffre nur zögernd und den Forderungen des Ministerrates gehorchend das brennende Zündholz ge⸗ halten haben soll, zieht nicht mehr. Er bleibt kalt und rauchend, obgleich der Zar Nikolaus sich beeilt hat, durch ein Glückwunschtelegramm an den Präsidenten der Repu⸗ blik mit seinem Atem die Funken wieder anzufachen. Es ist schon eine Enttäuschung in den feindlichen Län⸗ dern bemerkbar. Die englische Presse gibt zu, daß noch nichts erreicht worden ist, die„Times“ sagt bestimmter: „Wir hätten mit dem Angriff lieber noch etwas gewartet, aber die allgemeine Lage verbot einen längeren Aufschub“. Die allgemeine Lage verbot den Engländern vermutlich auch, über den Stand der Dinge an der französischen Ostfront der vollen Wahrheit die Ehre zu geben. In der„Köln. Ztg.“ wird nämlich festgestellt, daß die englischen Blätter die amtlichen 5 und französischen Berichte mit Sperr⸗ druck in vollem Wortlaut wiedergeben, dahinter aber die amtlichen deutschen Berichte tendenziös gekürzt. Die„Kölnische Zeitung“ führt an, welche bedeu⸗ vollen Sätze in dem von England verbrei⸗ teten angeblichen Wortlaut der deutschen Heeresberichte 22 So wurde dreist die Feststellung unterschlagen, daß e Engländer die Benutzung von Gasen und Stinkbomben versuchten. Auch in der Darstellung über die Angriffsver⸗ schel der englischen Schiffe auf Zeebrügge fehlte der ent⸗ cheidende Satz:„Nachdem ein Schiff gesunken und zwei andere beschädigt waren, zogen sie sich zurück.“ Der Schluß des zweiten Abschnitts des deutschen Berichts meldet?„Wir —. hier über 1000 Gefangene, darunter einen englischen Bri mandeur und mehrere Offiziere, gemacht und 3 0* 10 Maschinengewehre erbeutet.“ In der englischen Uebersetzung wird dieser Satz unterschlagen. Was den Engländern aber recht ist, ist den verbündeten Franzosen billig. Der dritte Abschnitt des deutschen Berichtes, der von dem Vorstoß in der Champagne handelt, schließt:„Mehr als 3750 Franzosen, darunter 39 Offiziere, wurden gefangen genommen.“ Die englische Uebersetzung verschweigt di Satz. Und selbst in der Luft darf es keine englischen Niederlagen geben. Im letzten Abschnitt melden wir:„Im Luftkampf hatten unsere Flie⸗ ger gute Erfolge. Ein Kampfflieger schoß ein englisches Flugzeug westlich Cambrai ab.“ In der Uebersetzung ist das Wörtchen„englisch“ gestrichen. Das englische c e e wieder, und vielleicht werden die alten Klagen über die Zensur dabei wiederkehren. Was das englische Volk jetzt noch nicht er⸗ fahren darf, kann man aus Asquiths neuer Aeußerung ent⸗ nehmen. Obgleich alle Welt darauf verweist, daß in diesen Tagen die Entscheidungen des großen Krieges heranreifen, sagt dieser leitende Minister über die wichtigste innerpoli⸗ tische Frage der allgemeinen Dienstpflicht noch immer nichts! Wieder die alte Vertröstung auf später! Dagegen hat Sir Edward Grey über die verworrene Balkanlage eine englische Leuchtkugel aufsteigen lassen, deren Leuchtkraft unsere Leser an der nachstehend wiedergegebenen Rede des Ministers prüfen können. In seiner vorsichtigen Art erhebt er gegen Bulgarien drohend den Finger: Wir sind gegebenenfalls bereit,„unseren Freunden dem Balkan alle Hilfe zu leisten“,—„soweit wir können“ fügt er hinzu. Ja, wo sind aber gegenwärtig die Freunde Englands auf dem Balkan? Hat man die dortigen Völker nicht mit Drohungen und Ver⸗ sprechungen durcheinandergejagt? Auf einmal soll Deutsch⸗ land die„Einigkeit“ des Balkans zu stören beabsichtigen. Der große Gleichgewichtspolit ker Grey wird durch seine nach Sofia gerichtete Drohungz ebensowenig erreichen, wie durch andere Manöver. Bekanntlich soll den Regierungen Griechenlands und Rumäniens mitgeteilt worden sein, daß England und Frankreich entschlossen seien, zum Schutze ihres serbischen Bundesgenossen und zur Sicherung ihrer Ver⸗ bündeten Truppen auf dem Balkan zu landen, und zwar hätten danach die Bulgaren mit einer Truppen⸗ Landung in Dedeagatsch, die Griechen mit einer solchen in Saloniki zu rechnen. Nun, die Bulgaren werden sich zu wehren wissen. Der Weg von Dedeagatsch nach Kon— stantinopel ist mindestens so dornenvoll wie der über die Dardanellen. Wir glauben nicht, daß es an der bulgarischen Küste überhaupt zu einer Landung kommen wird, höchstens wird die feindliche Flotte eine ihrer beliebten„Demonstra— tionen“ bewirken. Griechenland hat schon Aeußerungen ver— lauten lassen, daß es einen Durchzug von Truppen durch sein Gebiet nicht gestatten werde. Will Sir Grey seine Drohung ausführen, so müßte er zuvor Griechenland in den Kampf gegen Bulgarien stürzen. Ob ihm dies gelingt, steht noch dahin. Die Rechnung wird nicht ohne Mitwirkung Rumäniens gemacht werden können. Und dort ist noch keinerlei Klärung eingetreten, die uns bange machen könnte. Ja, wenn mit der Drohung Greys auch aus Bukarest eine Kriegsandrohung an Bulgarien gerichtet würde, könnte man sagen, daß die„Entente“ das Spiel noch nicht völlig verloren hätte. Aber gerade am Dienstag hat der rumä⸗ nische Ministerpräsident Bratianu die bei ihm erschienene russenfreundliche Opposition belehrt, daß er ihrer Politik nicht zu folgen in der Lage sei.[ Sir Edward Grey wird, wenn das gefürchtete Vorgehen Bulgariens wirklich dem nächst eintreten sollte, in arger Verlegenheit sein, wo der englische Hilfshebel anzusetzen sei. * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 29. September 1915. Russischer Kriegsschauplatz. „Die Lage in Ostgalizien und an der Ikwa ist un⸗ verändert. Feindliche Abteilungen, die westlich von Tarno— pol gegen unsere Hindernisse vorzudringen versuchten, wur— den durch unser Feuer vertrieben. Im wolhynischen Festungsgebiet warfen unsere Truppen den Gegner aus allen westlich der oberen Putilowka eingerichteten Nachhutstellungen. Weiter nördlich erstürmten sie das zäh verteidigte Dorf Boguslawka. Bei den k. und k. Streitkräften in Litauen verlief der Tag ruhig. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Stilfser⸗Joch⸗Gebiete vernichtete unser Artilleriefeuer mehrere feindliche Geschütze. Ein auf der Hochfläche von Vilgereuth nördlich des Coston angesetz⸗ ter italienischer Angriff brach nach kurzem Feuergefecht zu— sammen. Gegen den Mrzli Vrh und den Tolmeiner Brückenkopf begann gestern nachmittag ein sehr heftiges Ar⸗ tilleriefeuer, dem abends je ein Angriff auf den genannten Berg und bei Dolje folgte. Beide Angriffe wurden an unseren Hindernissen abgeschlagen. Bei Dolje warfen unsero Truppen den durch zerschossene Hindernisse in die Stellungen eingedrungenen Feind sogleich wieder hinaus. Wie immer blieben alle Stellungen fest in unserem Besitz. Im übrigen ging die Gefechtstätigkeit auch an der küsten⸗ ländischen Front über das gewöhnliche Geschützfeuer und Ge⸗ plänkel nicht hinaus. Südöstlicher Kriegsschauplaz. Keine besonderen Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ** * Der franzöfische Bericht. Paris, 29. September.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von gestern nachmittag: Im Artois gewannen wir abends und im Laufe der Nacht ruckweise Gelände gegen die Kämme östlich und südöstlich Souchez. In der Champagne s widerstehen die Teutschen auf ihren Auf⸗ nahmestellungen, die durch ausgedehnte und versteckte Draht⸗ hindernisse geschützt sind. Wir erzielten einige neue Fortschritte gegen die Höhe 185 westlich der Navarinfarm und gegen La Justice nördlich Massiges. In den Argonnen führten die gestern vom Feinde mit sechs bis acht Bataillonen ausgeführten erbitterten Angriffe gegen unsere Schützengräben der ersten Linie von La Fille Morte— Bolante zu einer ernstlichen Schlappe. Die von uns im Laufe der Nacht ausgeführten Gegenangriffe gestatteten uns, die deutschen Infanteristen aus beinahe allen Stellen zu vertreiben, an denen sie in das Gelände vor unseren Schützengräben eindringen konnten, die von feindlichen Toten belegt sind. Auf der übrigen Front war die Nacht verhältnismäßig ruhig. Paris, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Abend⸗ bericht vom 28. September: Am Tage des 28. September fuhren unsere Truppen fort, Fuß um Fuß gegen die Kämme von Souchez zu gewinnen. Es wurden etwa hundert Gefangene gemacht, darunter Mannschaften des vor einigen Tagen von der russischen Front zurückgeschafften Gardekorps. In der Champagne wurden ebenfalls neue Fort⸗ schritte erzielt, besonders nördlich Massiges, wo wir noch 800 Ge⸗ fangene gemacht haben. Der Feind richtete gegen unsere Schützen⸗ gräben in den Argonnen eine heftige Beschießumg, die wir wirksam beantworteten, aber er versuchte keine Infanterieunter⸗ nehmung. Kämpfe mit Handgranaten gestatteten uns, einige Stücke unserer ersten Linie wiederzugewinnen, in der sich der Feind gestern behauptet hatte. Zeitweise aussetzende Kanonade im Prie⸗ sterwald und im Gebiet von Ban⸗de⸗Sapt. 0 Freuchs Bericht. London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich) Feldmarschall French meldet: Die heftigen Kämpfe um Loos und nördlich davon dauern fort. Wir besetzten jetzt das ganze Gelände nördlich des Hügels 70, das am Samstag vom Feinde zurückerobert worden war. Wir machten Fortschritte südlich von Loos und nahmen noch eine Kanone, so daß wir im ganzen 21 erbeutet haben, außerdem stehen noch mehr verlassene Kanonen zwischen unsern Stellungen und denen des Feindes. Die Anzahl der Gefangenen beträgt mehr als 3000. Wir erbeuteten 40 Maschinengewehre, andere wurden durch Beschießung zerstört. Die genommene Linie ist ungewöhnlich stark; sie desband aus einer doppelten Front, in welcher zwei große Verstärkungswerke, die Hohenzollern⸗ und die Kaiser⸗Wil⸗ helm⸗Redoute, eingebaut waren, die ein Netzwerk von Laufgräben und bombensicheren Unterständen von vielen hundert Metern Aus⸗ dehnung umfassen. Die zweite Linie verlief westlich. Im Augen⸗ blick sind wir damit beschäftigt, die dritte Linie anzugreifen. Unsere Flieger bombardierten heute die Bahnlinie bei Ba vau me, vernichteten einen Zug und beschädigten die Bahnlinie bei Achiet⸗ le⸗grand. Ein Glückwunschtelegramm des Zaren. Paris, 28. Sept. Präsjdent Poincars erhielt fol⸗ gendes Glückwunschtelegramm des Zaren: Wir erfahren die Nachricht von dem großen, durch die ruhm⸗ reiche französische Armee davongetragenen Erfolge. Ich ergreife mit Vergnügen die glückliche Gelegenheit, Ihnen ebenso wie der tapferen französischen Armee meine heißesten Glückwünsche auszudrücken und meine aufrichtigsten Wünsche für das fernere unerschütterliche Gedeihen Frankreichs. gez. Nikolaus, Präsident Poincaré hat geantwortet: Ich danke Ew. Majestät für die Glückwünsche, die Sie an unsere Armeen zu richten geruhten aus Anlaß des schönen Er⸗ folges, den sie mit Hilfe unserer Alliierten über den gemeinsamen Feind davongetragen haben. Ich bitte Ew. Majestät, auch meiner seits meine heiße sten Komplimente entgegenzunehmen für die prächtige Tapferkeit, welche die russischen Truppen tagtäglick bezeugen und welche die ganze Welt bewundert. Poincaré. Vom russischen Minsterrat. Petersburg, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ministerrat ist gestern nach dem Großen Haupt- quartier abgereist. Kuropatkin. London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Tr⸗ mes“ erfahren aus Petersburg, daß Kuropatkin das Kommando eines Armeekorps erhalten hat. Selbstmord eines russischen Verbrechers. Berlin, 30. Sept. In verschiedenen Morgenblättern wird gesagt: Als russische Truppen vom 270. Infanterie⸗ Regiment am 13. September 1914 in Schillgallen bei Tilsit von den deutschen Truppen angegriffen und schwer bedrängt wurden, haben sie fünf friedliche Einwohner des Ortes aufgegriffen, mit Stricken gebunden, zwei davon durch Bajonettstiche getötet und zwei durch Bajonettstiche ver— wundet. Dem fünften Gefangenen gelang es, mit den Ver- wundeten den Russen zu entkommen. Der Urheber dieser schändlichen Roheit, Oberst Wolkom vom 270. Infan⸗ terie-Regiment, ist in deutßsche Gefangenschaft ge⸗ raten und hat, nachdem er zur Entlastung seines Gewissens sein Verbrechen eingestanden hatte, Selbstmord verübt. Eine Aeußerung Giolittis. Berlin, 30. Sept. Die„Augsb. Volksztg.“ veröffent⸗ licht eine Aeußerung Giolittis, nach welcher es bei der * 8 1 Feinde werden. 5* Die Spannung der Balkanstaaten. Paris, 29. Sept. klärt, daß sich nach den letzten den beiden men, welche für die 8 S. begehen. Platz für viele Fehler sei nicht mehr vorhanden. 85 Die Abreise bulgarischer Studenten aus Berlin. 4 Berlin, 28. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern abend rreeiste die zweite Abteilung einberufener bulgarischer Stu⸗ denten, etwa 50 an der Zahl, mit dem Wiener D-Zug, in dem ein Wagen ihnen vorbehalten war, vom Anhalter Bahnhof ab. In⸗ folge der Ankündigung ihrer Abfahrt war neben den Herren der Geesandtschaft, dem bulgarischen Konsul Kommerzienrat Mandel⸗ baum und zahlreichen Freunden auch viel Publikum am Bahnhof erschienen. Unter den einberufenen Studenten war auch ein Sohn des Ministerpräsidenten Radoslawow unter den auf dem Bahnhof Anwesenden Frau Legationsrat Anastasow, die Tochter des Ministerpräsidenten. In Abwasenheit des behinderten Gef andten 5 Rizow hielt Legationsrat Dr. Nikiforow eine Ansprache, in der er den Studenten dafür dankte, daß sie dem Rufe des Vaterlandes mit Begeisterung folgten, und sie dazu beglückwünschte, daß 6 in 3 n⸗ setzung der ganzen Persönlichkeit für das Vaterland zu leisten ver⸗ 1 Dies deutsche Beispiel möge ihnen als ein Leitstern auf ihrem Wege voranleuchten. Er sprach die Ueberzeugung aus, daß die gerechte Sache Bulgariens durch die soldatische Tüchtigkeit Jugend, unter der weisen Herrschaft des Zaren Ferdinand und dank der Klugheit der vorausschauenden Regierung nun end⸗ chdringen werde. Ihm dankte der Studiosus Nitschkow. Er schloß mit einem dreifachen Hoch auf den deut⸗ 5 Zaren von Bulgarien. Die Bulgaren sangen nach ihrer Nationalhymne auch spontan„Deutsch⸗ land, Deutschland über alles!“ und schwangen die bulgarischen Schließlich hielt Professor Kastner eine kurze An⸗ ie historische Bedeutung des Augenblicks für Bulgarien hervorhob und die Hoffnung ausdrückte, daß der Zar Deutschland haben lernen können, was die möge. der lich zum Siege dur schen Kaiser und den Fahnen. sprache, in der er die Ferdinand bald Herrscher aller Bulgaren sein werde. 18 treter der neuen Freunde der eeinem bewaffneten 7 in einer Ansprache, in der er u. a. sagte: Das Verlangen nach Mobilmachung gibt Ihrem Schritt ein auch die Prüfung der Zulässigkeit anderer von Ihnen erörterten Fragen nicht gestattet. Ihr Wunsch nach Mo⸗ g 8 wägungen, daß die Stunde 5 den Eintritt Rumäniens in den Krieg geschlagen habe. Die Regierung teilt diese Ansicht 4 8 hierfür auseinanderzusetzen. Ich kann eine bestimmte Antwort weil diese Antwort nicht für Sie, son⸗ für diejenigen, die Sie hergeschickt haben, bestimmt ist. Ich r die Erörterung der internatio- t gekommen ist. Um der hohen Interessen Gepräge, das bilmachung ist das Ergebnis der Er meinem Bedauern sehe ich mich nicht in der Lage, die schon darum nicht geben, dern glaube, daß der Augenblick nalen Lage noch 155 willen, die wir vertreten, auf das Vertrauen zu . 8 dem Tage, da die Lage ohne Schaden und Gefa Staat öffentlich besprochen werden kann. Ich weiß, da auf die Mehrheit des Parlaments stützen kann, 1 Augenblick fordert es das nationale Wohl, daß wir sind wir gezwungen, uns fortdauernd aber in solchem zu vermeiden, was die einzige Pflicht erschweren könnte, die wir beute haben, die die Regierung mit aller Kraft und im Bewußt⸗ sein ihrer Verantwortlichkeit zu erfüllen entschlossen ist. Bukarest, 29 Sept.(WB Nichtamtlich.) Bei der Er⸗ öffnung des neuen Klubs der konservativen Partei hielt der Parteipräsident Marg klärte: Die einzige Politik fur unser Land ist zuwartende Neu⸗ 5 tralität, welche in dem seinerzeitigen Kronrat beschlossen worden war. Jene, die eine Politik an der Seite Rußlands befürworten, vergessen, daß es nicht nur im Westen und Norden, sondern auch im Osten Rumänen gibt. In Bessarabien gibt es keine einzige rumänische Schule mehr. Die Zahl der Analphabeten be⸗ trägt 85 Prozent. In der Verfolgung unseres nationalen Zieles müssen wir den Möglichkeiten, nicht Sentimentalitäten, Rechnung tragen. Deshalb müssen wir unparteiisch auf den Beschlüssen des Kroönrates beharren. Von einer Aenderung in der Haltung der Re⸗ .— ist keine Rede. Ich glaube, daß Rumänien frei ist von leder Verpflichtung. Wenn man uns fragt, ob die öffentliche Mei⸗ nung mit dieser Politik des Zuwartens einverstanden ist, so sa⸗ gen wir: Ja, denn die wahre öffentliche Meinung, die sich nur von der Idee einer Vergrößerung des Landes leiten läßt, ist mit den Konservativen.— Die Ver⸗ sammlung war besonders durch Delegierte aus der Provinz sehr zbahlreich besucht und strafte damit die Behauptung Lügen, daß die konservative Partei durch den Austritt ihres Anhängers Fili⸗ pescu zusammengebrochen sei. * 5. 15 Der türkische Bericht. 5 Konstantinopel, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier berichtet von der Dardanellenfront: In der Nacht zum 27. September unternahmen unsere aufklärenden Ko⸗ lonnen bei Anafor ta einen überraschenden Angriff mit Bomben auf die feindlichen Schützengräben. Wir erbeuteten über 50 Ge⸗ wehre, Bajonette und Ferngläser. Bei Ari Bur nu brachten unsere auf dem rechten Flügel stehenden Batterien eine feindliche Batterie von drei Geschützen zum Schweigen und zerstörten ein Geschut. Bei Sedbeul-Bahr am 27. September auf der ganzen Front beiderseitiges Gewehrfeuer, auf dem linken Flügel Artillerieduell, Kampf mit Bomben im Zentrum. Einige fünfzig Feinde suchten anzugreifen, waren aber kaum einige Schritte von ihren Unterständen entfernt, als sie größtenteils durch unser Feuer vernichtet wurden. Der Rest flüchtete in die Schützengräben zurück. Am 27. September traf eines unserer Flugzeuge mit einer Bombe die feindliche Flugzeilghalle auf Lemnos. 5 Aus der türtischen Kammer. Konstantinopel, 29 Sept.(WT B Nichtamtl.) Die Ka m⸗ mer hat nach 6½ monatiger Pause die Arbeiten wieder aufgenom⸗ gegenwärtigen politischen Lage ganz ausgeschlossen sei, daß die Mächtegruppen nach dem Kriege dieselben bleiben wür⸗ den. Aus Feinden würden Freunde und aus Freunden (WTB. Nichtamtlich.) Die Presse er⸗ Nachrichten eine gewisso Unschlüssigkeit in der Haltung Bulgariens bemerkbar mache. Die Blätter schreiben das Zaudern der Sofloter Regierung dem Gange der kriegerischen Ereignisse zu, welche gegenwärtig auf i Hauplfronten in einen entscheidenden Abschnitt getreten f sei und deren Ausgang Bulgarien erst abwarten wolle, bevor 5 es die letzten endgültigen Schritte unternehme. Das Echo de Paris“ teilt die Auffassung der übrigen Zeitungen nicht; es ist fest überzeugt, daß die Absicht Bulgariens zum Angriff auf Serbien und Griechenland unverändert besteht.— Den Stim⸗ sofortige Entsendung eines Hilfskorps nach Serbien gegen Bulgarien laut wurden, tritt Elemenceau im „Homme Enchains“ energisch entgegen, indem er erklärt, man dürfe sich nicht übereilen. Die Dardanellenoperation, welche infolge un⸗ genügender, mangelhafter Vorbereitung ergebnislos blieb, müsse die Regierung davon abhalten, nochmals einen derartigen Fehler zu Eine Erklärung des rumänischen Ministerpräsidenten. Bukarest, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die Ver⸗ . parlamentarischen Liga, die am Sonntag in ihrer ersten Sitzung den Beschluß gefaßt hatte, die Regierung zu einem entschiedenen Auftreten gegen die Zentralmächte in Rumänien und zu c Anschluß an den Vierverband aufzufor⸗ dern, erschienen gestern beim Ministerpräsidenten Bra⸗ tianu um ihm diesen Beschluß zu überreichen. Der Mi⸗ nisterpräsident hörte die Abordnung an und erwiderte dann stützen, das uns das Parlament gegeben r für den ich mich 0 von allen unter⸗ B stützt werden. Im Namen dieses Interesses bitte ich Sie, alles iloman eine Rede, in der er er⸗ 12. Novemb. zu beenden. Infolge Erkrankung des Präsidenten Halil führte der Vizeprästdent Hussein Dschahid den Vorsitz. Der Großwesir und mehrere Minisder wohnten der Sitzung von der Präsidententribüne aus bei, die jetzt durch eine kleine Galerie von Bildern geschmückt ist, welche von türkischen Malern gemalt sind und Landschaften an den Dardanellen darstellen, vor allem ein großes Gemälde, das den vergeblichen Versuch der feindlichen Ge⸗ schwader zeigt, in die Meerengen einzudringen. Nach Verlesung der Sitzungsberichte, welche der Erledigung der laufenden Arbeiten voranging, verlas der Präsident eine Verlautbarung des Groß⸗ wesirs mit dem Fetwa vom 27. irz, durch welches der Sultan den Beinamen Ghazi oder der Siegreiche erhält. Unter Beifalls⸗ äußerungen stimmte die Kammer dem Fetwa zu und beschloß, den Sultan zu beglückwün schen. Ein Abgeordneter schlug vor, der Armee an den Dardanellen für die heldenhafte Verteidigung der Meerenge und der Halbinsel Gallipoli zu danken. Der Vize⸗ präsident rühmte die Armee mit anerkennenden Worten wegen, ihren heldenhaften Taten und erinnerte daran, wie sehr die Er⸗ eignisse dem Präsidenten Halil Recht gegeben hätten, als er in der letzten Kammersitzung sagte, die Dardanellen würden das Grab der Ententemächte werden. Er fügte hinzu, sicherlich sei die Nation den Truppen an den Dardanellen dankbar, die Wunder an Tapferkeit verrichteten. Die Kammer werde der Dolmetsch dieser Gefühle gagenüber der Armee in der nächsten Sitzung vom 5. Okto⸗ ber sein. Da die meisten Abgeordneten aus der Provinz noch unter⸗ wegs waren und nicht rechtzeitig ankommen konnten, wurde das Haus bis zur nächsten Woche vertagt. Vom türtischen Heere. Konstantinopel, 29. Sept.(WB. Nichtamtlich.) Das Amtsblatt veröffentlicht ein provisorisches Gesetz, das die Ermächtigung erteilt, die Achtzehnjährigen', die Eignung besitzen, Offiziere oder Unteroffiziere der Reserve zu werden, oder die die körperliche Tauglichkeit zum aktiven Dienst haben, schon jetzt einzuberufen. Die Gärung in Indien. Berlin, 30. Sept. Zur Gärung in Indien wird ver⸗ schiedenen Morgenblättern aus Bombay gemeldet: Ein Transportschiff mit eingeborenen engli⸗ schen Soldaten, das zur Unterdrückung des Aufruhrs der Eingeborenen in Annkaje bestimmt war, ist auf der Fahrt von dem eigenen Maschinisten, einem muselmanischen Inder, zum Sinken gebracht worden. Der Maschinist ging mit dem Schiff unter. ** * Aus dem englischen unterhause. London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. Asquith antwortete auf die Frage, ob er in den nächsten tionale Dienstpflicht abgeben wolle, er könne nichts der⸗ artiges versprechen. Die Angelegenheit bilde den Gegenstand sorg- fältiger Beratung der Regierung. Er werde, sobald er in der Lage sei, die zukünftige Politik anzukündigen, Mitteilungen hier⸗ über machen. Asquith richtete an alle Parteien die Mahnung, sich inzwischen der Besprechung der Angelegenheit im Hause zu enthalten.(Beifall.) Er sagte: Wir befinden uns in einem kri⸗ tischen ugenblicke der Geschichte des Krieges. Wir beobachten mit Interesse, Sympathie und Hoffnung die tapferen vereinigten Anstrengungen unserer verbündeten Streit⸗ kräfte.(Beifall.) Man könnte Großbritannien und seinen Ver⸗ bündeten keinen schlechteren Dienst erweisen, als wenn man in der Welt durchblicken läßt, daß hier eine herrscht.(Beifall.) Nach dieser Erklärung wurde die Frage der Dienstpflicht nicht wieder berührt. ondon, 29. Sept.(WTB Nichtamtlich.) Unterhaus. Grey sagte in seiner Rede: Nach amtlichen Berichten aus Bul⸗ garien ist die dortige Regierung zur bewaffneten Neutralität übergegangen, um die Rechte und die Unabhängigkeit des Landes zu beschirmen. Das Land hegt keine Angriffsabsichten gegen seine Nachbarn. en ist es nicht Ansicht über die daß der britische Einfluß und die Bulgarien feindlichen Weise verwendet gariens Haltung nicht feindselig ist, mung mit unseren Bundesgenossen und ohne Vorbehalt und ohne edingungen zu stellen währen. Wir stehen . 8 1 die 11 1 uung a e ige ist. ein Abkommen zwischen den Balkanst das ihnen die Unabhängigkeit und soll und auf dem allgemeinen staaten zu säen. Es spannte zuerst Oesterreich⸗Ungarn vor, um Erropa in den Krieg zu stürzen, mit der Folge, daß dieses Reich nun vollständig Deutschland unterworfen und von ihm abhängig besten gedient ge⸗ seinen Einfluß von Fäner Ebenso wird Deutschland jeden Balkanstaat, den es unter einen der Alliierten, fördern wollen, Die englisch⸗französische Anleihe. London, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau meldet aus New Pork: Offiziell wird mit⸗ geteilt, daß die englisch⸗französische Anleihe von 500 Millionen Dollars zu einem Zinsfuß von 5 Prozent und ablösbar in fünf Jahren dem amerikanischen Publikum zu 98 Prozent und dem Garantiesyndikat zu 96 Prozent an⸗ geboten wird. Nach Ablauf von fünf Jahren steht den Be⸗ sitzern der Umtausch in 4½ prozentige englisch⸗französische Anleihescheine mit einer Laufzeit von 10 bis 20 Jahren zu, die wiederum nach dem Ermessen der betreffenden Regie⸗ rungen in 10 oder 8 nach dem Zeitpunkt des Ab⸗ schlusses der ursprünglichen Anleihe eingelöst werden können. Zum Untergang eines italienischen Linienschiffes. Rom, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) In einem Tele- gramm an den Herzog der Abruzzen anläßlich des Unglücks des„Benedetto Brin“ spricht Salandra von dem tiefen Eindruck, den die Nachricht von dem Verlust des star⸗ ken Schiffes und so vieler tapferer Offiziere und Mann⸗ chaften hinterlassen habe er bittet den Herzog, persönlich ie Verantwortlichkeit rücksichtlos festzustellen, um das Land Feafen zu beruhigen, und etwaige dige streng zu be⸗ fen. men, um die gegenwärtige Sitzungsperiode verfassungsgemäß bis Tagen eine Erklärung über die Rekrutierun g und die na⸗ Meinungsverschiedenheit Ein Schreiben des Papstes.* Rom, 29. Sept.(WTB Nichtamtlich.) Der„Osservatore Romano“ veröffentlicht ein Schreiben des Papstes an den 1 7 des F für Italien in Florenz. Das Schreiben schließt: l f Die Trauer und der Ernst der gegenwärtigen Stunde und die zunehmende der Geister, die nur allzu tief empfundene Notwendigkeit, den verstörten Nationen die ohltaten des Frie⸗ dens zurückzugeben, bestätigen deutlich, daß Gott will, daß 0 mehr als jemals inbrünstig unablässig gebetet werde, um die gött⸗ liche Gnade zu beschwören und der rächenden Gerechtigkeit in ihrem verhängnisvollen Laufe endlich Stillstand* gewähren Nach so schwerem Blutvergießen, das der Bruderkuß nicht be wich⸗ tigte, sondern noch nährte, beginnt der Rosenkr r ist bestimmt für demütige Gebete zur Mutter der Gnaden und Frie⸗ denskönigin. So ist es unser Wunsch, daß im Oktober in alle für das Gebet des Rosenkranzes bestimmten Gottesdienste ein be⸗ sonderes Gebet für den Frieden aufgenommen wird. Mögen somit alle Gläubigen beten und Tag und Nacht die Hände zum Himmel erheben, um Vergebung, Bruderliebe und Frieden herab⸗ zuflehen. Aus dem Reiche. Die Ziele des Reichskanzlers. Berlin, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Nord⸗ deutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Von verschiedenen Seiten hören wir, daß wieder einmal die Mär herum⸗ getragen wird, als trage der Reichskanzler sich seit längerer Zeit mit dem Gedanken eines vorzeitigen und über⸗ eilten Friedens mit England. Kommentare, die an eine Entschließung des engeren Vorstandes der konservativen Partei geknüpft wurden, deuten an, daß a bei dieser Kundgebung solche Gerüchte mitgespielt haben. Wir sind er⸗ mächtigt, nochmals diese Gerüchte als unbegründete und bösartige, die Interessen des Reiches schädigende Treiberei zu bezeichnen. 5 * Berlin, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Nord⸗ deutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Die Träger der deut⸗ schen Invaliden- und Hinterbliebenen versiche⸗ rung, deren umfassende Tätigkeit auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrt rühmlich anerkannt wird, haben für die dritte Kriegsanleihe über 152 Millionen Mark ge⸗ zeichnet. Da sie zu den beiden früheren Anleihen rund 290 Millionen Mark beigesteuert haben, beteiligten sie sich mit — insgesamt 442 Millionen Mark an den Kriegs⸗ anleihen. Nirche und Schule. f Berlin, 30. Sept. Das Kultusministerium hat ver⸗ sebiedenen Blättern zufolge beschlossen, die Schülerinnen der Seminar⸗ klassen an den Oberlyzeen mit Osteranfang als Lehrerinnen für Volksschulen heranzuziehen, indem man idnen dle Prüfung als ordentliche Lehrerinnen ganz erläßt und sofortige Anstellung gewährt. 5 ... ͥͤ—..—..—— Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins. Am 27. September krat die 28. gen— höchstmögl irkhamkeit der weiblichen Kulturkräfte. Wir verkennen keineswegs Frau in— Weg, bewegung seit 5 Jahrzehnten durch diese Probleme sucht hat, der richtige ist, für die Frauen selbst, wie— was mehr und Größeres bedeutet— für das Vaterland. So 2 heute, da uns dies Wort Vaterland mehr denn je erfüllt erscheint von Verantwortlichkeit jedes einzelnen, mit vollster mnerer Ueber⸗ zeugung zu unseren alten Idealen. Wir wissen, daß ihre Ver⸗ b 502 dem— 5 1 4 2 8 ört, au 8 wir n ri en. Möge e Sunne klar und sest zu machen uns helfen, den Willen dazu rein und die Kräfte zu stählen.“ g 5 5 Die eigentliche Hauptversammlung begann ihre Verhand⸗ lungen am Nachmittag. Aus dem Geschäftsbericht ergibt sich, daß auf dem Hauptarbeitsgebiet des Vereins, der kommunalen Frauen⸗ arbeit, in dem Jahr vor dem Kriege bedeutende Fortschritte 85 sind. Durch die Bemühungen der Ortsgruppen wurde die Einstel⸗ lung der Frauen in. Deputationen, in den Gemeinde⸗ waisenrat, in ehrenamtliche Wohnungspflege, Schulpflege, Gesund⸗ beitspflege mehrsach erreicht. Die rege Beteiligung der Vereine an den Ortskrankenkassenwahlen hat überall eine sturke Steigerung der weiblichen Mitglieder in den Vorständen zur Folge gehabt. Die Berufsberatung der weiblichen 115 wird in fast allen Orts⸗ ruppen teils im Anschluß an städtische Einrichtungen(Arbeitsamt, bee teils selbständig ausgeubt. Der Krieg hat die mannigf⸗ sozialen Einrichtungen der Vereine in den Dienst 5 überall, wo Ortsgruppen des! der Kriegshilfe gestellt. st 5 0 A. D. F. V. bestehen, ist die Organisation eines nationalen Frauen⸗ dienstes oder doch eine Zufammenfassung aller Frauenvereine zu organisierter Kriegshilfe zustande gekommen. Wenn hier überall die Kriegsarbeit der Frauen unter die Führung der Frauenbewe⸗ gung die Schulung f 0 1 dem Staat eine nützlichere Kraft geworden ist. Den Hauptinhalt der Verhandlungen bildete der Vortra Frau Dr. Elisabeth Altmann ⸗Gottheiner aus heim über das Problem der Frauenberufsarbeit nach dem Kriege. Ausgehend von dem Ge estellt ist, so ist das der beste Beweis dafür, daß durch ür die Mitarbeit im öffentlichen Leben die Frau von HnKͤ f 20. Jahrhundert im Kriege nicht nur Heere gegen Heere kämpfen läßt, son die Gesamtheit der 8 gegeneinander, kam sie zu dem Schluß, daß unter den Tausenden von Problemen, welche die Forderung nach Krafterzeugung innerhalb des Landes an uns stellte, die Probleme des Arbeitsmarktes, zu den schwie⸗ rigsten und einschnei sten gehörten. Die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt 55 sich nicht so rasch und geräuschlos vollziehen können, wenn Deutschland nicht seit langem die Frau in seinen Ar⸗ beitsorganismus hineingezogen hätte. Die deutsche Landwirt⸗ ue hat schon in Friedenszeiten zum großen Teil auf den Schultern der 1 geruht. Die Wichtigkeit dieser Tatsache zeigte ich schon in den ersten Tagen des Krieges, wo mitten aus der earbeit heraus die arbeitsfähigsten Männer der Landwirtschaft entzogen wurden. Sie wurde noch deutlicher, als es galt, dem eng— lischen Aushungerungsplan dadurch zu begegnen, daß man dem deutschen Boden so viel als möglich abzuringen versuchte. Mit Stolz können wir heute sagen, daß über ein Jahr deutscher Land⸗ wirtschaft hinter uns liegt, die durch Frauen-, Kinder- und Greisen⸗ arbeit in voller Ausdehnung aufrechterhalten wurde. Weit weniger rasch hat sich das Eintreten der Frau in die von den Männern ver⸗ lassenen Posten auf den anderen Gebieten des Wirtschaftslebens vollzogen. Erst als die bewunderungswürdige Anpassungsfähig⸗ keit der deutschen Industrie und des deutschen Handels das bei Aus⸗ bruch des Krieges auftretende Gespenst der Arbeitslosigkeit gebannt hatte, beginnt auch in der Industrie allmählich die Vertretung der Männer du rauen einen größeren Umfang anzunehmen. Allein im ersten Halbjahr 1915 nahm die Zahl der Arbeiterinnen um eine halbe Million zu. Diese Zunahme war am stärksten inner⸗ halb der Rüstungsindustrie, die heute zum großen Teil in Frauen⸗ händen liegt. Vom Standpunkt der Kriegsbereitschaft unseres Va- terlandes aus betrachtet müssen wir sagen, daß die bereits vor dem Kriege angebahnte Verweiblichung der Metallindustrie einen sehr günstigen Faktor in unserer Kriegsbilanz bildete. Auch im Handel hatten die Frauen anfänglich unter großer Arbeitslosig⸗ leit zu leiden, aber je länger je mehr wurden sie im Laufe der Zeit zum Ersatz der eingerückten Männer sogar an solchen Stellen eingelkellt, die früher von der Verwendung von Frauen ganz ab⸗ gesehen hatten In erster Linie kamen hierbei die am besten aus⸗ gebildeten Kräfte in Betracht. Schließlich haben sich auch die Post⸗ und Eisenbahn⸗Verwaltungen im Schalter⸗ und Außen⸗ dienst zur Mehreinstellung von Frauen entschließen müssen. Auch die Straßenbahnschaffnerin ist eine typische Figur im Straßen⸗ leben der deutschen Shale d geworden. In den höheren Be⸗ rufen waren die Schicksale der Frauen während des Krieges sehr verschiedenartig. Stark gelitten haben die Künstlerinnen und die Privatlehrerinnen. Günstig gestaltete sich die Lage dagegen für wissenschaftlich gebildete Lehrerinnen, Aerztinnen, Zahnärztinnen und soziale Berufs⸗ arbeiterinnen. Es kann als ein Glück bezeichnet werden, daß gut ausgebildete Frauen in all diesen Berufen an die Stelle der zum Heeresdienst einberufenen Männer treten konnten. Mit dem Uebergang von der Kriegs⸗ in die Friedenswirtschaft werden aber auf dem Arbeitsmarkt von neuem schwierige Verhältnisse ein⸗ treten. Die Frauen, die heute als Vertreterinnen einberufenen Männer zum Teil auf schwer verantwortungsvollen Posten stehen, müssen sich heute schon mit dem Bewußtsein erfüllen, daß die meisten von ihnen nach Wiedereintritt friedlicher Zeiten von ihrer Arbeit zurücktreten müssen. Deshalb gilt es für die Frauen, die Kriegs⸗ ve treturgen übernommen haben, sich heute schon für die Zeit nach dem Kriege dadurch 3 ß aus den reichlicher fließenden Einnahmen für jene Uebergangsmonate gespart wird. Auch die Berufsorganisation und Kriegsfürsorge⸗Ein⸗ richtungen werden für diese Zeit besondere Mittel bereitzuhalten haben, damit die Frauen, die in Zeiten der Not die Aufrechterhal⸗ tung der heimischen Volkswirtschaft ermöglichten, am Ende des Krieges n in bittere Not geraten. Im Interesse der Frauen wird auch darauf zu achten sein, daß unsere Sozialpolitik den neuen Verhältnissen angepaßt wird. Eine generative Fürsorge, Menschenkräfte neubildende Wohlfahrtspflege wird das Wahrzeichen der kommen Jahrzehnte sein. Daneben wird die Zentralisation des Arbeits nachweises eine Grundforderung sein, um Män⸗ ner und Frauen an die möglichst geeigneten Posten zu bringen. Auch der Berufsberatung und Berufsausbildung wird man viel größere Aufmerksamlkeit als bisher widmen müssen. Im 215 haben sich gerade jene Frauen, welche bereits Berufsernst und Fachkenntnisse mitbrachten, als wertvollste Glieder des Arbeits⸗ körpers erwiesen. Je mehr Frauen erkennen, daß sie selbst verant⸗ wortliche Arbeit zu leisten haben, je mehr werden dazu imstande sein, das Leid ihres persönlichen Lebens zu t„ weil sie ver⸗ stehen, daß das, was sie hingeben, wie das, was sie schaffen, Bau⸗ steine sind für die deutsche Zukunft. 0 der anschließenden Aussprache wurde angeregt, sorgfäl⸗ tige Beobachtun über die körperliche Eignung der Frauen für die Berufe anzustellen, die sie in Kriegsvertretung ausüben, da die Gefahr besteht, daß die Frauen in ungeeigneten Berufen bleiben. Zu berücksichtigen ist ferner, daß in manchen von den Frauen ge aufgesuchten Berufen, z. B. kaufmännischen, man Jeegsbeschä⸗ digte beschäftigen wird Der Entstehung von Berufsschulen aus der Kriegswohlfahrtspflege z. B. Wäscheschulen, ohne daß die Veranstalter eine rechte Vorstellung von den Bedingungen des Arbeitsmarktes haben, sollte die Aufmerksamkeit der Behörden zu⸗ gewandt werden. In den kleineren Städten ist Gewicht auf die Ge⸗ e att daß man sie a ernte e kaufmänni se⸗ werblichen Berufen zuführt. 1 Aus Stadt und Cand. Gießen, 30. September 1915. Die 650 jährige Zugehörigkeit Gießens zu Hessen. Festsitzung der Stadtverordneten. Die Stadtverordneten hatten sich gestern nachmitta um 5 Uhr zu einer außerordentlichen Sitzung e gefunden, um den Tag zu begehen, an den Gießen vor nunmehr 650 Jahren an Hessen kam. Von r äußeren Feier hatte man aus Gründen der Zeit Ab genommen Stadtarchivar Dr. Ebel gedachte der Bedeu⸗ 3 des Tages in einem Vortrage aus der Geschichte der Stadt. Was der Stadtverordnetensitzung das bedeutsame Gepräge gab, war ein außerordentlich herzlicher Tele⸗ grammwechsel zwischen dem Oberbürgermeister, dem Großherzog, dem Staatsminister, dem Minister des Innern und dem Ehrerbürger der Stadt Gießen Exz. Dr. Gnauth, vor allem aber die Verleihung einer Ehrenkette an den n der Stadt. Gießen ist die erste hessische Stadt, der diese Ehrung zuteil wird. Der Ober⸗ bürgermeister eröffnete die Sißzung mit folgender An⸗ sprache: f Aalen u d eee Beltane g in gewaltigen Völkerringen ist für unsere Stadt ein Gedenktag herangekommen, und wenn auch die ernste Zeit des Krieges, der all' unsre Gedanken- erfüllt, grö Feierlichkeiten naturgemäß verbietet, so wollen doch die erwählten Vertreter der Stadt eine Stunde dankbarer Erinnerung dem denkwürdigen Er⸗ 1 daß 1 1 650 Jahre m essen vereinigt ist. ahre 1265— am 29. Sep⸗ tember wird es zum ersten Male urkundlich bezeugt— dam wich 25. schon damals mit dem Stadtrecht begabt, an Heinrich, den ersten dgrafen von Hessen, den Begründer des hessischen Fürsten⸗ hauses, aus dem Herzogsstamme von Brabant. 1265 und 1915, welche Fülle wechselvollen Geschehens in unserem Hessenlande, in unserem Fürstenhaus, im Staats- und Verfassungsleben, im Städtewesen, nicht zum wenigsten im Werdegang unserer Stadt Aͤb'ber, so verschieden die unde des 13. von denen des 20. Jahrhunderts sind: gerade in re del ie vergleichende Betrachtung manche Uebereinstimmung fest⸗ stellen. im 5 e sie im glücklichen i von Macht und Recht und is die kräf⸗ tigsten Stützen ihrer Fürsten. Lediglich nit Hilfe der Städte konnten Landgraf Heinrich J. und seine Nachrolger anderer mißgünstiger Gewalten känpfend sich erwehren. Ein Bürger der Stadt Gießen, Eckhard Holzschuher, ist es gewesen, der, hermlichen Anschlag entdeckend, seinem Landgrafen das Leben rettete und da⸗ für ewige Freiheit von allen Abgaben zugesprochen erhielt, Trrue um Treue. 0 Vermöge ihrer stets bewährten Gesinnung ward den Städten bedeutsamer Einfluß auf die Landesregierung ver⸗ gönnt und zuerst von allen Ständen sind die Städte zur Land⸗ standschaft gelangt, Vertrauen gegen Vertrauen. Das Mittelalter mit seiner Städteblüte, hochgemut und er⸗ innerungsreich, ist vergangen. Ein neues Zeitalter der Städte ist im 20. Jahrhundert heraufgezogen, im Glanze des neuen deutschen Reiches, das die Bahn frei machte für Handel, Industrie und Verkehr und damit für die Entfaltung eines neuen Städtewesens. Wenn so das Reich die Krüfte ausgelöst hat, welche das Städtebürgertum zu neuen herrlichen Taten wirtschaftlichen und kulturellen Schaffens entflammt haben, so wissen wir doch, daß die Wurzeln allen Aufftiegs im heimatlichen Boden, in hei⸗ matlicher Art und Sitte gelegen sind. 5 Vor allem aber bekennen wir mit Bismarck:„Der Deutsche bedarf einer Dynastie, der er anhängt“ Besorgt für das Wohl seines Landes, begeistert für Kunst und Wissenschaft, beseelt von lauterstem Gerechtigkeitssinn waltet Großherzog Ernst Lud⸗ wig als frei⸗ und edeldenkender Fürst seines Herrscheramtes und überall sind die glücklichen Anregungen wahrnehmbar, die in liebevoller Fürsorge von dem hessischen Fürstenhaus ausgehen. Insonderheit erfüllt uns heute aufrichtiger Dank für das Interesse und Wohlwollen, das der Landesherr und eine weitschauende Staatsregierung allezeit unserer Stadt bekundet haben. Seit der Väter grauen Tagen steht im hohen Klang die alte Hessen⸗ treue: an Liebe und Treue zum angestammten Fürstenhaus werden Gießens Bürger sich von keinem übertreffen lassen. Treue um Treue. Als zu Beginn des vorigen Jahrhunderts die Erneuerung des preußischen Staates zur Notwendigkeit wurde, gründete Freiherr vom Stein in beispielloser Kühnheit der Gedanken die Wieder⸗ geburt der Nation auf die freie Selbstverwaltung des Städtebürger⸗ tums. Es war der Leitgedanke der Stein schen Reform, die Ver⸗ fassung des Staates aus der kommunalen Selbstverwaltung heraus 8 Zu allererst wurden die Bürger der Städte zur reiwilligen Teilnahme am Staatswesen aufgerufen. Freiheit und Selbständigkeit in der Verwaltung städtischer Angelegenheitem, daraus folgend Belebung des Gemeingeistes und Bürger⸗ sinnes, wie der Vaterlandsliebe und Nationalehre,— auf diesen Grundlagen sollte der Staat neu aufgebaut werden. Es zeigte sich, wie dieses Vertrauen in die freischaffenden Kräfte des Bürgertums sich bewährte. Vertrauen gibt Kraft und die Kraft befähigt zur Tat. Machtvoll sind die Städte durch die freie und ehrenamtliche Arbeit ihrer Bürger emporgestrebt und in stetigem Fortschritt zu hoher Kultur und großem Wohlstand gelangt; immer neue wirtschaftliche, soziale und kulturelle Aufgaben nahmen]. sie auf sich auf zahlreichen Gebieten eines mannigfaltigen kommu⸗ nalen Lebens. Durch den Gemkingeist ihrer Bewohner, durch opferwillige Tatkraft und Valerlandsliebe wurden die Städte zu hervorragenden Gliedern des Staates und nie versagen⸗ den Helfern des Vaterlandes. Vertrauen gegen Vertrauen. Freiherr vom Stein, der glühende Vaterlandsfreund, sprach aus: „Heilig bleibe uns das Recht und die Gewalt unseres Königs, aber damit dieses Recht das Gute wirken kann, ist es nötig, der höchsten Gewalt Mittel zu geben, wodurch sie die Wünsche des Volkes kennen lernen und ihren Bestimmungen Leben geben kann.“ Und ein anderesmal sagte er:„Befreit den Bürger von Vormund⸗ schaft, denn nur die freie Arbeit in der Gemeinde hat die Größe unseres Bürgerstandes begründet.“ In der Gewalt des Fürsten und in der freien Arbeit der Bürgergemeinde erblickte dieser welt⸗ geschichtliche Mann die lebensstarken Grundfesten der Nation— und der Lauf der Geschichte gab ihm Recht. a Fürst und Stadt, in Treue fest, stark im Ver⸗ trauen, wie es war im Mittelalter, wie es die Gegenwart immer neu befestigte, so soll es bleiben durch allen Wechsel und Wandel der Tage, in guten und in ernsten Zeiten. m Götz von Berlichingen erklingt der Doppelruf:„Es lebe der Kaiser! Es lebe die Freiheit!“ So erfüllen uns heute, am Tage der 650 jährigen Zugehörigkeit unserer Stadt zu Hessen, hoffnungsvoll die doppelten Wünsche: für den Glanz und die Blüte des hessischen Fürstenhauses und für das Gedeihen freischaffenderk Arbeit unseres Gemeinwesens. Das Gelöbnis unwandelbarer Liebe und Treue bekunden wir wie immer mit dem Ruf: Seine aa Hoheit Groß⸗ dec Ludwig und das Großherzogliche Haus leben hoch, Alsdann gab der Oberbürgermeister folgenden Tele⸗ grammwechsel bekannt: An Seine Königliche Hoheit den Großherzog Darmstadt. In stiller Feier, wie es die Zeit gebietet, gedenkt heute die Stadt Gießen ihrer 650 jährigen Zugehörigkeit zu Hessen und bittet Eure Königliche Hoheit, das erneute Gelöbnis un⸗ wandelbarer Treue und Anhänglichkeit und ehr⸗ furchtsvolle Wünsche für Eure Königliche Hoheit und das Groß⸗ herzogliche Haus huldvoll entgegenzunehmen. 1 Oberbürgermeister. Darauf antwortete der Großherzog in folgendem Telegramm: An den Oberbürgermeister, Gießen. Darmstadt, 29. September 1915. Für die Huldigung, welche die Stadt Gießen mir aus An⸗ laß ihrer 650 jährigen Zugehörigkeit zu Hessen dargebracht hat, danke ich herzlich. Während langer Jahrhunderte hat die Stadt Gießen mit ihrem Fürstenhaus in Treue Freud und Leid ge⸗ teilt. Sie hat sich im Kranz der hessischen Städte zu hoher Be⸗ deutung entwickelt und nimmt als Sitz der Landesuni⸗ versität unter den Pflegestätten deutscher Wissenschaft einen ehrenvollen Platz ein. Möge Gottes Gnade auch in Zu- kunft über der Stadt Gießen walten. Möge ihr, nachdem für unser deutsches Vaterland ein ehrenvoller Friede erkämpft ist, eine weitere glückliche Entwicklung beschieden sein. Ich stifte der Stadt Gießen aus Anlaß ihres Jubiläums eine Oberbürger⸗ meister⸗Kette, wegen deren Herstellung ich demnächst Auf⸗ trag geben werde. Ernst Ludwig. Staatsminister v. Ewald hatte folgenden drahtlichen Glückwunsch gesandt: An den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen. In ernster Zeit begeht heute die Stadt Gießen die Feier ihrer 650 jährigen hörigkeit zu Hessen. Der Stadtvertretung und der rgerschaft bringe ich zugleich im Namen des Staats- ministeriums zu diesem Ehrentage die aufrichtigsten Glück⸗ wünsche dar. Möge die Stadt Gießen weiter blühen und 8550 ihr erfolgreiches Wirken auf geistigem und wirtschaftlichem Gebiet auch ferner zum Segen unseres Hessenlandes gereichen. Staatsminister von Ewald. Die Antwort lautete: An Seine Exzellenz Herrn Staatsminister von Ewald 1 8 Darmstadt. die ehrenden Wünsche, mit denen Euer Exzellenz und das Staatsministerium des Tages gedachten, da in ernster Feier die Stadt Gießen ihre 650jährige Zugehörigkeit zu Hessen begeht, bringe ich Euer Exzellenz namens der Stadtvertretung und Bür⸗ gerschaft von Gießen aufrichtigsten Dank zum Ausdruck. Begleitet von dem Wohlwollen Großherzoglicher Staatsregierung und unter Benutzung der ihnen gewährten Freiheiten sind die in ihr wirk⸗ samen geistigen und wirtschaftlichen Kräfte unserer Stadt zu reicher Blüte gediehen. Wie die gegenwärtige große Zeit die un⸗ überwindlichen geistigen und wirtschaftlichen Kräfte des deutschen Bürgertums offenbart, so wird ein siegreicher Friede die Bürger⸗ schaft Gießens an ihrem Platz finden, auf mannig⸗ sachen Gebieten in treuer Pflichterfüllung und opferwilliger Hin⸗ gabe an den Staat mitzuarbeiten an der glücklichen Zukunft unseres Hessenlandes. Wir sind gewiß, daß bei dieser Arbeit die wohlwollende Teilnahmeder Staatsregierung 9 fehlen wird. Ke„ Oberbürgermeister. Der Depeschenwechsel zwischen dem Minister des Innern und dem Oberbürgermeister lautet: An den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Gießen. Wie zuerst vor sechshundertundfünfzig Jahren ist Gießen seitdem oft und rühmleich in Hessens Geschichte ge⸗ nannt worden. Daß die Stadt wissenschaftlichen Strebens und tatkräftigen Gewerbefleißes ihren gedeihlichen Auf⸗ schwung unter den Segnungen eines siegreich erkämpften Frio⸗ dens fortsetzen möge, ist mein inniger Wunsch zum heutigen Gedenktage. von Hombergk zu Vach, Minister des Innern. — Herrn Minister des Innern Hombergk zu Vach 8 Für die zum heutigen Gedenktage übermittelten Wünsche bitte ich Euer Exzellenz den aufrichtigsten Dank der Stadt Gießen entgegennehmen zu wollen. Unter den Segnungen eines sieg⸗ reichen Friedens wird die Stadt, vor neue und große Au- gaben gestellt, durch pflichttreue Arbeit ihrer Bürger in weiterer gedeihlicher Entwicklung 1 5— der glücklichen Zukunft unseres Hessenlandes dienen. Bei dieser Arbeit bitten wir wie bisher wohlwollender Fürsorge der Staatsregierung gewärtig sein zu dürfen. Keller, Oberbürgermeister. Exz. Dr. Gnauths Glückwunsch lautete: An den Stadtvorstand Gießen. In alter Anhänglichkeit an unser Gießen gedenkt mit Ihnen des heutigen bedeutungsvollen 5 6 n r. Gnauth. Darauf antwortete der Oberbürgermeister: Sr. Exz. Finanzminister a. D. Dr. Gnauth N Köln⸗ Mülheim. Stadtvorstand dankt für freundliches Gedenken und sendet deste Grüße. Keller, Oberbürgermeister. Alsdann nahm Stadtv. Dr. Ebel das Wort zu seinem oben erwähnten Vortrag, den wir demnächst in den Fa⸗ milienblättern zur Kenntnis unserer Leser bringen werden. *** » Förderung der Volksernährung. Wie wir erfahren, hat das Kreisamt verfügt, daß der Stadt Gießen zunächst für die Zeit bis Ende laufenden Jahres aus Mitteln des Kommunalverbandes der Betrag von 15000 Mark zur Verfügung gestellt wird. Die Stadt will den ihr zugewiesenen Betrag in erster Linie zur Be— schaffung von Kartoffeln und Vollmilch für Säuglinge und kleine Kinder der minderbemittelten Bevölkerungsklassen verwenden. Auch die Landgemeinden werden von dem Kom— munalverband bedacht werden. * Die Dienststunden des Chemischen Unter⸗ suchungsamtes für die Provinz Oberhessen sind für die Wintermonate(1. Oktober 1915 bis 1. Mai 1916) auf die Zeit von 8 Uhr morgens bis 4 Uhr nachmittags festgesetzt. * Eine Riesen⸗ Sonnenblume wurde auf dem Grundstück des Hil'isbahnwärters Leb auf der Strecke Gießen— Fulda im Bezirk der Bahnmeisterei 5 Gießen geerntet. Sie hatte einen Blumenteller von 50 em Durchmesser. Die Zahl der Samen- kerne betrug 3903 und das Gewicht 380 Gramm. Kreis Schotten. b Ulrichstein, 29. Sept. Die beiden Söhne des hiesigen Bürgers Hr. Scharmann V. sind im Kriege ausgezeichnet worden; der eine erhielt das Eiserne Kreuz, der andere die Tapferkettsmedaille, beide wurden zu Gefreiten besördert. Ober- Seibertenrod, 29. Sept. Vizewachtmeister Nees erhielt das Eiserne Kreuz. Hessen⸗Nassau. l Marburg, 29. Sept. Der Kreispreis für die Mehl⸗ abgabe an die Städte Marburg und Wetter wird vom 1. Oktober ab für Roggenmehl(75 Proz.) auf 33,50 Mk. und für Weizenmehl(75 Proz.) auf 39,00 Mk. für 100 Kilo festgesetzt. Die Preise im Kleinhandel sollen für Roggenmehl 36 Pfg. und für Weizenmehl 42 Pfg. das Kilo betragen. E Frankfurt a. M., 29. Sept. Zur Versorgung be⸗ dürstiger Kriegsteilnehmerfamilien mit Kartoffeln beabsichtigt die Stadtverwaltung den Ankauf von 75000 Zentnern Kartosseln. Trotz des gewaltigen und 8 auch lohnen⸗ den Auftrages ist, ihr jedoch bis jetzt kein Verkaufsangebot auf einen bestimmten und annehmbaren Preis zugegangen. — Königstein, 29. Sept. An der Hühnerstraße wurde beim Steinbrechen eine römische Begräbnisstätte frei⸗ gelegt. Bis jetzt fand man 14 Gräber, die 70—90 Zentimeter un⸗ ter der Erdoberfläche lagen. Sie waren alle mit hochkantigen Stei⸗ nen umstellt und enthielten zahlreiche Gefäßscherben, Steinbeile, Backsteine, Ein Backstein 8 8 den hufeisenförmigen Stempel der vierten römischen Legion. Die Ausgrabungen werden fortgesetzt, jedenfalls durch die Leitung des Saalburgmuseums. Die Fund⸗ gegenstände verbleiben der hiesigen Altertumssammlung.. Vermischtes. Ein Eisenbahnunfall in Sachsen. Dresden, 29. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Der abends von Geithain in Liebertwolkwitz eintreffende Personenzug Nr. 4509 erlitt gestern einen bedauerlichen Unfall. Bei seiner Telegramm an Seine von Einfahrt in den Bahnhof Liebertwolkwitz entaleiste in der ersten Weiche aus noch festzustellender Ursache der hintere Zugteil. Ein Wagen vierter Klasse legte sich um und wurde eine Strecke geschleist. Hierbei wurden zwei bersonen tödlich und fünf leicht verletzt. Aerztliche Hilfe war rasch zur Stelle, ebenso ein Rettungszug mit den zuständigen Ve- amten und Betriebsmaschinen des Sicherungsdienstes. Noch in der Nacht traf der Präsident der Königlichen Generaldirektion in Dresden, Dr. Ulbricht, an der Unfsallstelle ein und unterrichtete sich eingehend über den Vorgang und die getroffenen Maßnahmen. Die Sperrung des Hauptgeleises war heute vormittag um 6 Uhr beseitigt.. —————— Märkte. Fo. Wiesbaden. Viehhof- Marktbericht vom 29. Sept. Am heutigen Viehmarkt standen zum Verkauf: 244 Rinder(darunter 92 Ochsen, 14 Bullen, 198 Kühe), 366 Kälber, 42 Schafe und 26 Schweine. Geschäft lebhast. Es wurde zu den gleichen Preisen wie am 27. d. Mts. gehandelt. Der Auftrieb wurde bald abgesegzt. 5 Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 1. Oktober 1915: Wolkig, meist trocken, kühl. —..—̃̃äͤ—— In deutschen Händen. Die völlig veränderten Ver— hälinisse in der Dresdener Cigarettenfabrik Georg A. Jas- matzi Aktiengesellschaft— Uebergang sämtlicher Aktien in deutsche Hände, Anschluß der Gesellschaft an die Antitrust⸗ bewegung— treten dieser Tage insofern besonders deutlich in Erscheinung, als die Georg A. Jasmatzi Aktien- gesellschaft auf die dritte Kriegsanleihe den Be⸗ trag von 1 Million Mark gezeichnet hat. 900 JJ— 9 8 5 — 3 2 Letzte Nachrichten. Die Schlacht in der Champagne. Großes Hauptquartier, 30. Sept. Die Offensive der Franzosen in der Champagne wurde gestern mittag und nachmit⸗ tag mit neuen Angriffen mit außerordentlicher Wucht fortgesetzt. Besonders richtete sich der Vormarsch der anstürmenden Infan⸗ terie-Regimenter wieder auf den Abschnitt St. Hilaire⸗Sou⸗ a in und Perthes⸗Ménil. Aber auch diesmal wurde der Aeigriff durch die hoch zu rühmende Tapferkeit unserer Cham⸗ zahl der von ihm eingesetzten Kräfte und schweren Ver⸗ Aus dem croberten Kurland. 1 N b. Berlin, 30. Sept. Im kurländischen Hreise in Verwundeter erzählte r, da eute früh in der f 1 Dämmerung seine Kompagnie glaubte, die Franzosen Tukkum ist ganz nach deutschem Muster das erste Kreis⸗ hätten Verschanzungen aufgeworfen. Was unsere Leute erblickten, waren Haufen übereinandergetürmter Leichen der Feinde vor ihren Gräben. Namentlich zeichneten sich gestern nachmittag sächsische Regimenter durch musterhafte Tapferkeit aus. Was unsere Truppen in diesen schweren Kämpfen bei Tag und Nacht in un⸗ unterbrochenem furchtbaren Artilleriefeuer an Ausdauer und Heldenmut leisten, werden wir ihnen nie genug danken können. blatt gegründet worden. Der Erzbischof von Bamber 5 gegen die zunehmende Unsittlichkeit. München, 30. Sept. 5 5 berg, Exzellenz von Hauck, hat in einer Rede mit ungehemmter Schärfe gegen die zunehmende Unsittlichkeit, gegen die moderne Literatur und Kunst, die Putzsucht und den Lebensmittelwucher Der Erzbischof von Bam⸗ pagane⸗Truppen auf der ganzen Linie abgewiesen. Trotz der Riesen⸗ Bundesbrüder Den Heldentod fürs Vaterland starben unsere lieben August Wenzel, Dr. phil. Reinhard Boll, stud. theol. Auch ihr Andenken wird uns heilig sein. Burschenschaft Arminia, Giessen. I. A.: Prof. Pfaff. 7737 Den Heldentod fürs Vaterland starb am 12. September mein innigstgeliebter Gatte und treubesorgter Vater meiner 3 Kinder Max Speier Landsturmmann im Infant.-Regt. Nr. 49 im Alter von 33 Jahren. In tiefem Schmerze: Jenny Speier u. Kinder. Giessen, Treis, Zuschen, Bielefeld, den 30. Septbr. 1915. Eine der Den Heldentod fürs Vaterland starb am 16. Sep- tember 1915, an seiner schweren Verwundung im Kriegs- lazarett, mein unvergesslicher Sohn, unser lieber treuer Bruder, Schwager und Onkel Ernst Ganz Schütze im Reserve-Infanterie-Regiment 224 im 36. Lebensjahr. In tiefem Schmerz: Johannes Ganz Franz Gopon und Familie. Giessen, Duala(Kamerun), den 29. September 1915. 7717 Onkel Herrn Georg Graf nach langem schweren Leiden im Alter von größten Schlachten des ganzen Krieges ist hier entbrannt. eee 0 Gott dem Allmächtigen hat es gefallen. meinen liehen Mann, unseren treusorgenden Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und 40 Jahren zu sich zu rufen. der trauernden Hinterbliebenen: Lina Graf geb. Menges Im Namen und 2 Kinder. Gießen(Mühlstr. 2 III.), den 29. September 1915. Die Beerdigung findet Freitag, nachm. ½4 Uhr, von d. Kapelle des neuen Friedhofes aus statt.(7.7 Carl im 63. Lebensjahre. Die Beerdigun Glessen 7* Fleiscwuest Preßkopf Pfund 8 1.45% 8 Lebenzmittelhaus Marktstr. 14 Reparaturen Gestern nachmittag 1½ Uhr verschied plötz⸗ lich und unerwartet infolge eine Herzschlages mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger⸗ vater, Großvater, Bruder und Onkel Nuhl Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Mary Ruhl geb. Lot Familie Feldbusch Jamilie Hartmetz Familie H. Rubl Elisabethe Rubl. Alten⸗Buseck, den 29. September 1915. r findet Samstag, den 2. Ok⸗ tober, nachmittags 2½ Uhr, in Alten-Buseck statt. Innigen Dank. Es sind uns gelegentlich des Heim⸗ ganges unseres kleinen Lieblings überaus viele Beweise herzlicher Teilnahme ent— gegengebracht worden. Wir bitten auf diesem Wege unsern innigen Dank und ein herzliches„Vergelts Gott“ entgegen zu nehmen. Familie H. Reinschmidt. Gießen, Leihgestern, den 29. Sept. 1915. Regenschirme Grosse Auswahl bekannt billige Preise 0³837 Stellung genommen. Kriegerfrauen Kindern u. 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