g Zweites Blatt Erscheint taglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sletener Famillendlätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Selt⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. F 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen . LKA 1 Rotationsdruck und Berlag der Brühl'schen Universuäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e 51, Schrift · leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten. 1 Anzeiger Gießen. die deutsche Offensive gegen Serbien. Vom nördlichen Donauufer nahm deuts. Artillerie den Kampf gegen serbische Stellungen südlich des Stromes bei Semendria auf. Der Feind wurde vertrieben und sein Geschützfeuer zum Schweigen gebracht. Diese Mitteilung aus dem deutschen Generalstabsbericht vom 20. d. M. erhellt blitzartig die Lage. Die deutschen Kanonenschüsse bedeuten die Ouverture zu den Vorgängen, die sich auf dem Balkan abspielen und die aus naheliegenden Gründen lange Zeit vom Schleier des diplomatischen Geheimnisses umgeben waren. Die Aufnahme der deutschen Offensive gegen Serbien und die Rüstungen Bulgariens, die sich gegen denselben G richten, haben das diplomatische Saisbild ent⸗ schleiert, und ein Blick auf die Karte vom Balkan zeigt, wohin die Reise geht. Die Bulgaren haben seit längerer Zeit kein Hehl daraus gemacht, daß ihr Interesse das gleiche ist wie das Deutschlands und der Donaumonarchie, 0** 1 8 55 veichen. Der W Donauriegel ist ni zu lang. Die Besetzung eines en Stückes des südlichen ers an der Nordostecke 25 biens gewährt die freie Passage von Ungarn na von Deutschland über die Donaumonarchie un nach der Türkei.. Bei Semendria wird geschossen, und Bulgarien macht klar zum Gefecht. Wenn die Sofioter Regierung jetzt die Jahresklasse 1916 und zugleich die mazedonischen Bulgaren unter die Fahnen ruft, wenn auch von Sofia aus zugegeben wird, daß die türkisch⸗bulgarische Vereinbarung über die Gebietsabtretung und die anderen Dinge, die man bisher nicht nennen durfte, bereits am 3. September unterzeichnet worden ist, wenn bei den Kundgebungen zur Feier des dreißigsten Jahrestages der Vereinigung Ostrumeliens mit Bulgarien betont wurde, daß der Augenblick gekommen sei, die treulosen Verbündeten von ehemals zu züchtigen und das bulgarische Volk zu einigen, so ist das eine Sprache, die selbst von der e Diplomatie des Vierver⸗ bandes nicht mißverstanden werden kann.* In der unlängst von der bulgarischen Regierung ver⸗ öffentlichten, in allen Gemeinden des Landes verbreiteten Broschüre war klipp und klar gesagt worden, Bulgarien müsse seine Neutralität aufgeben, um Mazedonien zu be⸗ freien und sich den Donauweg 57 sichern. Der weitblickende König Ferdinand und sein ger Berater Radoslawow haben die Gewinnung niens und des Donauweges durch umfassende Maßnahmen vorbereitet, zu denen die Kanonenschüsse von Semendria die wirkungsvolle Begleit- musik liefern. Bulgarien hat mit Umsicht und Sorgsamkeit erüstet. Die Stärke der Truppen, die es zunächst ins Feld ellen kann, wird auf 240 000 Mann Infanterie, 240 Ma⸗ .„8000 Mann Kuvallerie, 720 Feldkanonen, geschl. beziffert. Aber hierzu kommen die Ersatzstreitkräfte U Bulgarien, Bulgarien itzen und eine entsprechende Anzahl Gebirgs⸗ mit 20 000 Mann, die unserem Landsturm entsprechende Volkswehr, die über 50 000 Mann umfaßt, und Andlich die Freiwilligen, die sich in 124 wie aus Mazedonien in Massen gestellt haben, so daß man gut und gern die — samtstreitkräfte auf eine halbe Million be⸗ messen kann. 8 0 Zweifellos hätte Serbien, wenn es beraten war, besser daran getan, den Bulgaren nien freiwilli abzutreten und zugleich dem deutsch⸗österreichischen Vorsto keinen iderst entge usetzen mit der Begründung, daß es vom Dreiverband im Stich gelassen ei. Man weiß auch, daß der kluge Venizelos, der heute in e gewi⸗ i rlich no igun„Griechen⸗ lands i an das Serbiens zu knüpfen, seinem Kol⸗ legen Paschitsch nach dieser Richtung hin gut zugeredet hat. Denn Griechenland und Serbien können heute weit bessere Geschäfte in Albanien machen auf Kosten Italiens. a e e en e e e micht entge assen, ien steht unter russisch⸗ Fuchtel; 5 Bien muß. 1 Die Nachricht von einem serbisch⸗griechischen Bündnis gabel Bulgarien aber ist aus Sofia scherlich mit Recht als Fabel bezeichnet worden, und die Vierverbandsdiplomatie hat offenbar auch in Bukarest mit Mißerfolg gearbeitet. Der König von Rumänien weiß, daß der Siegeslauf der deutschen Waffen, der schon über Wilna hinausgeführt hat, dem ru⸗ mänischen Volke nicht mehr die Freiheit der Wahl läßt, daß Rumänien seine Selbständigteit heute nur noch durch das Jesthalten an der Neutralitätspolitik sichern kann, und daß es hierbei besser fährt, als wenn es sich as russischer Vasall zur höheren Ehre des Vierverbandes verblutet. Diesem aber sind die Balkanfelle sortgeschwommen, und die betrübten Lohgerber sehen da⸗ mit die letzten Hoffnungen auf ein Gelingen der Darda⸗ nellenaktion, die sie aus eigener Kraft nicht erzwingen können, endgültig gescheitert. Nicht nur in Sofia, sondern auch in Athen 1 Bukarest wird man jetzt auf die Erklärung des deutschen Reichskanzlers hören, daß die Siege der Ver⸗ bündeten im Osten volle Freiheit für die Balkanländer mit sich bringen, wird man darauf die neue Balkanpolitit einstellen müssen, die durch die Kanonenschüsse von Se⸗ mendria verheißungsvoll eingeleitet wurde. Budapest, 20. Sept.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Bukarest wird dem„Az Est“ gemeldet: Der serbische Gesandte in Rumänien, Ristitsch, ist in besonderer Misston in Bukarest eingetroffen. Ihm wird die Aufgabe zuteil, über die Hal⸗ tung Rumäniens gegenüber Serbien Aufklärung zu verschaffen. Ristitsch scheint hier besonders berufen, da er aus der Zeit seines vieljährigen Bukarester Aufenthaltes als Gesandter über große Verbindungen verfügt. Berlin, 21. Sept. Zum Beginne einer deutschen Offen⸗ sive gegen Serbien heißt es im„Berliner Tageblatt“ Die ersten Schüsse der deutschen Artillerie am Donauufer werden auf dem Balkan vernehmbar weiterhallen und die Ententemächte werden die laute Ankündigung nicht überhören können. Die Festung Semendria, bei welcher die deutsche Artillerie die serbischen Stellungen angriff, liegt etwa 40 Kilometer südöstlich Belgrad auf dem südlichen Donauufer. Es ist anzunehmen, daß die ersten Schüsse der deutschen Artillerie an der serbischen Grenze besonders in der Türkei, bei den uns verbündeten Türken, freudige Auf⸗ merksamkeit erregen. Sie sind für das türkische Volk und für das tapfere türkische Heer ein Gruß. In der„Vossischen Zeitung“ schreibt Hauptmann Bartlau: Das Eingreifen Oesterreich⸗Ungarns in den Krieg nötigte seinerzeit Oesterreich⸗Ungarn, seine Hauptkräfte nicht gegen Serbien zu sen⸗ den, sondern sie mit Deutschland geeint gegen den Hauptgegner ein⸗ usetzen. Serbien wurde zum Nebenkriegsschauplatz. Jetzt sind die 1 des Zaren soweit niedergerungen, daß wir, um mit dem Reichskanzler zu sprechen, Armeen zu neuen Schlägen bereit haben. Auch über die gemeldete Offensive deutscher und österreichisch-unga⸗ rischer Truppen wird sich Serbien nicht wundern können, das im August vorigen Jahres, noch im Vorgefühl festen Vertrauens auf den großen russischen Bruder, die diplomatischen Beziehungen zum Deutschen Reiche abbrach. Die jetzt begonnene Offensive in Serbien ersolgt wohl hauptsächlich durch die notwendig gewordene engere Verbindung zwischen den Zentralmächten und ihrem türkischen Bundesgenossen. Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. September 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Schütze Friedrich Hagner, Inf.-Rgt. 136, aus Oberbiel.— Landwehrm. Wilh. Kleberger, Inf.⸗Agt 118, aus Melbach.— Landsturmmann Hermann Lotz, Res.-Ins.-Rgt. 118, aus Echzell. — Musk. Hetvrich Kern, Res.-Inf.-Rgt. 118, aus Nieder-Florstadt. — Landsturmmann Peter Grundel, Res.-Ins.⸗Rgt. 118, aus Heusenstamm.— Oberleutn. Karl Zimmermann, Landsturm⸗ Inf.-Ers.-Bat. 1 Worms, aus Bensheim.— Musk. Fritz Schäfer aus Lauterbach. — l * Entlastung der Bahnstrecke Gießen Köln. Die Eröffnung der neuen Bahnstrecke Weidenau Siegen— Dillenburg soll, wie bereits gemeldet, am 1. November stattfinden. Da aber die Erweiterung der Strecke Haiger— Dillenburg noch erheblich längere Zeit be⸗ anspruchen wird als bis 1. November, so werden bis zur Fertigstellung des dritten und vierten Geleises auf diesem Teil der Bahn die Züge nur bis Haiger geführt; eine Ausnahme machen die Schnellzüge. * Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegs⸗ hilfe. Nach Mitteilung des Kreiskomitees sind in der Zeit vom 12. Juni bis 10. August 1915 aus folgenden Gemeinden usw. die beistehenden Beträge an den Kreiskasserechner Kauß abgeliefert und von diesem an den Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt überwiesen worden: I. Kirchen: Annerod 61 Mark, Lauter 34,71 Mk., Queckborn 75,07 Mk.; 2. Gemein⸗ den: Annerod 30 Mk., Hungen 607 Mk., Inheiden 80 Mk., Nonnenroth 60,45 Mk., Reiskirchen 54 Mk., Rödgen 22 Mk, Rüddingshausen(Kriegerverein) 50 Mk., Ruttershausen 200 Mk., dienstag, 2. September 1015 Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗ 7 1 Trais⸗Horloff 75 Mk., Villingen 46,10 Mk. Der Gesamtbetrag der vorstehend aufgeführten Gaben beläuft sich auf 1395,33 Mr. Unter Einrechnung der bisher bereits abgelieserten Gelder ist hier⸗ nach bis jetzt aus den Landgemeinden des Kreises Gießen der Betrag von 45 589,54 Mk. an den Landesverein abgeführt worden. Weiter sind seit dem 12. Juni 1915 abgeliefert worden: an die Reichsbank in Gießen für die Notleidenden in Ost⸗ preußen von der Kirchengemeinde Lauter 14,46 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn 33,90 Mk., aus der Gemeinde Großen⸗ Linden 10 Mk., insgesamt 58,36 Mk.; an die Großh. Bürger⸗ meisterei Gießen für Sanitätshunde von der Kirchengemeinde Queckborn 26 Mk.: an Pfarrer Zöckler in Gallmienkirchen (Ober⸗Oesterreich) für ev. Deutsche Galiziens von der Kirchen⸗ gemeinde Lauter 17,95 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn 35,65 Mk., insgesamt 53,66 Mk. An die Mitteldeutsche Kredit!⸗ bank Filiale Gießen für erblindete Krieger zur Weitergabe an die zuständige Stelle von der Kirchengemeinde Lauter 36,90 Mk., von der Kirchengemeinde Queckborn 16,95 Ml., aus der Gemeinde 5 Hungen 15 Mk., Inheiden 50 Mk., Steinheim 8 Mk., Treis 10 35 273 a. d. Lda. 23 Mk., Ükphe 20 Mk., insgesamt 169,85 Mk., auf das 1 Konto des Kreiskdmitees von der Bezirkssparkasse Gießen 500 Mk, aus der Gemeinde Allendorf a. Lahn 150 Mk., Großen⸗Linden 2 Mk., Hausen 50 Mk., Hungen 25 Mk., Langd 450 Mk., Langs⸗ dorf 337,23 Mk., Leihgestern 105,34 Mk., Steinheim 50 Mk, Utphe 80 Mk., Wieseck 300 Mk., insgesamt 2049,57 Mk. 1 Der Ehrenfriedhof für die verstorbenen Krieger ist vor nunmehr ca. einem Jahre eröffnet worden. Auf ihn haben bisher 161 Soldaten, die fürs Vaterland starben, ihre letzte Ruhestätte gefunden und zwar 51 Krieger der deutschen Armee und 110 Angehörige der feindlichen Heere. Außerdem sind noch 4 deutsche Krieger auf dem Friedhof am Rodberg in Erbbegräbnissen beigesetzt. Vier Leichen feindlicher Krieger werden später im Frieden aus⸗ gegraben werden, um in die Heimat befördert und dort der Erde übergeben zu werden. Es geschieht dies auf An der Eltern der Toten, welche die nicht unerheblichen Kosten dafür sicherzustellen sich bereit erklärt haben. 3 * Die, Wiesenverpachtung der Stadt Gießen hat sich heuer gelohnt. Es wurden für die Heu⸗ und Grummeternte im ganzen 34 204 Mk. im Vorjahre gelöst. Allerdings wird der Mehrerlös aus den städtischen Wiesen in diesem Jahre wieder ausge⸗ glichen durch den Mindererlös, den die Holzver⸗ steigerungen gegenüber dem Vorjahr eingebracht haben. * Immer noch nichts wieder einmal ein mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisen⸗ bahngüterwagen auf der Strecke Berlin— Thorn in Brand ge⸗ raten. Als der Brand auf einer Station bemerkt wurde, hatte er bereits so weit um sich gegriffen, daß fast die Hälfte der La⸗ dung, etwa 200 Briefbeutel mit rund 22 000 Feld postpäckchen, den Flammen zum Opfer gefallen waren. Ferner ist am 10. 3 in einem gleichfalls mit Feldpost für das Ostheer beladener Eisen⸗ bahngüterwagen auf der Strecke Dresden— Breslau Feuer ausge⸗ brochen. Da das Feuer bald entdeckt und gelöscht wurde, konnte die von der Postsammelstelle in Hannover abgesandte, aus etwa 500 Briefbeuteln bestehende Ladung bis auf 5 Beutel mit etwa 500 Feldpostpäckchen, die vernichtet sind, geborgen werden. Ein Teil der geborgenen Ladung, 54 Beutel, ist angebrannt. Nach dem Befunde ist in beiden Fällen Selbstentzündung von Streich⸗ hölzern oder Benzin als Ursache der Brände anzusehen. Au das Verbot der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Feldpost, wie Streichhölzer, Benzin, Aether, ist aus Anlaß früherer Brände wiederholt hingewiesen worden. Das Publikum wird von der Reichspostverwaltung erneut auf das Dringendste ersucht, inn Interesse der Allgemeinheit und insbesondere unserer helden⸗ mütigen Kämpfer im Felde die Versendung solcher Gegenstände durch die Post unbedingt zu unterlassen. Jede zur Kenntnis der Postbehörden gelangende Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot, die nach 8 367 unter 5 St. G. B. strafbar ist, f arsisal am Darmstädter Hoftheater. Die ädter Hofbühne ist dem gro Wettlauf, der sich 9— nach 21— 8— 1 entspann, verhältnismäßig spät ge 4 r man vielleicht früher über die Verzögerung seiner Aufführung hier und da etwas verstimmt, so wird man es jetzt gewiß nur billigen können, daß das Werk, unverbraucht und noch nicht der Schablone und Nach⸗ ——— S in der— 1 einer 2 ächtigen Schar Begeisterter un als eine neue schei und Ereignis. Schon um der Zeit willen, der schweren Tage, die uns neben erhabenster Wirklichkeit draußen, solche Er⸗ hebung zu erleben gestatten, wäre diese Erstaufführung ein Er⸗ eignis zu nennen. e ist es aber auch ihrer ganzen Wirkung nach. Sämtliche Kräfte noch frisch— vor acht Tagen begann die Winter⸗ spielzeit— war die mit⸗der Erstaufführung dargebotene Leistung vom ersten bis zum letzten Mann von anerkennenswerter Hingabe erfüllt und die Kräfte der Einzelnen in zielsicherer, ihrer eminenten Aufgabe sich bewußter Leitung zusammengerafft. Die musikalische war durch Hofrat Been, die szenische durch Ober⸗ regisseur Nowack vertreten. Der Erstere unterstrich besonders das dramatische Moment und brachte namentlich im zweiten Akt und in den Zwischenspielen prächtig die dynamische Kraft der Par⸗ titur zur Geltung, während die orchestrale Unterlage zu den sakralen Partien und das Vorspiel nicht der Dehnung verfielen, womit ein einheitlich geführter Gesamtcharakter der Auffassung das Werk glücklich be Die schwierigen, delikaten Szenen⸗ bilder und in erster Linie die beiden Graltempelszenen boten der Regie Gelegenheit, diese„Probestücke“ für die Leistungsfähigkeit einer Bühne schönstes Zeugnis ablegen zu lassen. Und Herr Nowack kann im Verein mit Hoftheatermaler Kempin, der feine ab⸗ gestimmte Farben in Lila und Blaugrau mit Gold für den Kuppel⸗ bau gewählt hatte, eine tief eindrucksvolle Feierlichkeit zu erzielen. gewutß, die im Erglühen des Grales durch geschickte Beleuchtungs⸗ wirkung wunderhar eindringlich war. Daneben verdient besonders die Blumenmädchenszene Erwähnung. Der geschickten Verwertung von seinen nuancierten Farben, wie wir sie selten sahen, und die in der abgestimmten Bewegung ein allerliebstes Bild gaben. Etwas nüchtern erschien dagegen die„Flumige Au“, die aber eine sehr vornehme Haltung der Taufgruppe bot. Damit sind wir bei den Solisten angelangt; die Leistungen der einheimischen Kräfte traten aber nicht mehr als üblich aus dem Rahmen eines guten gesang⸗ und darstellerischen Durchschnitts den neuen Heldentenor Jos. h nicht 4 wurde von ann als„Parsifal“ zu F vor. Die allgemeine Moissi 0 Globerger, der zu einem emper und der„Gurnemanz“ von] Absicht geäußert Alfred Stephani mit anerkennenswerter Hingabe gesungen. Auch die zweite vielversprechende neue Opernkraft, Frau Berta Schelper(früher am Frankfurten Opernhaus), trat wegen Indis⸗ position ni auf. An ihrer Stelle erschien im letzten Augen⸗ blick als,„ Frl. Hel. Wildbrunn vom Stuttgarter Hoftheater, die eine Individualität zu sein scheint und gesanglich ihrer Aufgabe im vollen Maße gerecht wurde. Voll eindrucksvollem ament gestaltete sie die Verführungsszene, in der sie ein ungewöhnlich fesselndes ausdrucksvolles Spiel entwickelte. Da man weiß, welche Rolle die Chöre im„Parsifal“ spielen, muß eingestan⸗ den werden, daß sie, durch zahlreiche sangeskundige Kräfte verstärkt, ihre Aufgabe mit Geschick erfüllten. Im übrigen zeichnet sich die Erstaufführung vorzugsweise durch die überaus glänzende und vor⸗ nehme Dekoration und szenentechnische Ausstattung aus, und die allgemeine mit. großen Aufwand durchgeführte Leistung ist eine solche, auf die das Darmstädter Hoftheater mit Recht stolz sein darf. 4 g h. — Zur Gefangennahme Moissis. Alexander Moissi, der bekannte Berliner Schaufpieler, hat in einem an seine Gattin ge⸗ richteten Brief seine Gefangennahme wie folgt geschildert: „Daß ich in Gefangenschaft geraten bin, macht mich natür⸗ lich tief traurig. Es ist niederdrückend, apathisch und tatenlos das Ende des Feldzuges abwarten zu müssen. Wie ich in Gefangen⸗ schaft geraten bin? Ich stieg am 6. morgens mit meinem Führer, ffizierstellvertreter P., auf, um einen Orientierungsflug vorzu⸗ nehmen und hatten die Absicht, in Ostende zu landen, um einige Ausrüstungsgegenstände zu besorgen. Es war ein schöner, klarer Tag. Wir flogen über Lille in nördlicher Richtung. Wir stiegen immer höher und höher. Als wir auf 3300 Meter gestiegen waren, kamen uns große, dichte Wolken entgegen und zugleich war die Erde unseren Blicken entschwunden. Nun hieß es nach dem Kompaß fliegen, aber offenbar war dieser nicht richtig gestellt, denn als die schweren Wolken vorüber waren, sahen wir das Meer und am Ufer einen befestigten Platz. Kanal und andere Merkmale ließen Zeebrügge vermuten, und da ich mich ganz und gar auf den verräterischen Kompaß verlassen hatte, flogen wir getrost in westlicher Richtung weiter und landeten schließlich bei Calais, wo wir beide in Gesangenschaft genommen wurden.“ Vor Eintreffen dieses Brieses ihres Gatten hatte Frau Moissi ein Schreiben des Hauptmanns von der Fliegerabteilung, der 9 war, erhalten. Darin schreibt der Hauptmann unterm M.:„Gestern vormittag startete Ihr Herr Gemahl sfluge. Wie ich nachträglich hörte, soll ex die „ nach Ostende zu fliegen. diesem Fluge ist er nicht zurückgekehrt. Eine Landung auf von deutschen Truppen besetztem Gebiet erscheint fast ausgeschlossen. Es hat vielmehr die allergrößte Wahrscheinlichkeit, daß er die Orientierung verloren bat, und derjenige ist, von dem in der Nacht vom 6. zum 7. Sep⸗ tember der französische Tagesbericht meldet:„Ein deutsches Flug⸗ zeug sah sich bei Calais zur Landung gezwungen. Die Insassen wurden gefangen genommen.“ Es kann somit als fast sicher an⸗ genommen werden, daß Ihr Herr Gemahl sich in englischer Ge⸗ fangenschaft befindet. Der französische Bericht läßt ferner den zu⸗ versichtlichen Schluß zu, daß er unverletzt dem Feinde in die Hände siel. Dieses 12 bedauerliche Ende seiner Kriegstätigkeit, der er mit Leib und Seele oblag, wird Ihnen dadurch zum Trost, daß Ihr Herr Gemahl Ihnen dadurch am Leben erhalten blieb.“ 1 — Der Winterspielplan der Comsdie Fran⸗ caise. Die Comédie 88 hat ihre Pforten wieder eröffnet, und die Pariser freuen sich, beim Vergleiche mit dem Vorjahre fest⸗ stellen zu können, daß geworden ist. Von Neuheiten hat der Direktor der Bühne, Herr Carré, bisher noch nicht eine einzige aufgeführt oder angekündigt; erscheint vielmehr entschlossen, den Spielplan der Comsdie Fran⸗ gaise im Rahmen des„Guten, Alten“ zu halten. So spielen die klassischen Werke von Moliére, Corneille, Racine und Marivaur, die besonders unter der Direktion Claretie auffällig in den 1 9 8 Hintergrund getreten waren, jetzt wieder die ihnen gebührende en 21 108 Mk. 1 elernt. Am 5. September ist der Besuch des Theaters wieder lebhaften Rolle, und daneben wird eine Reihe von älteren Konversations! stücken hervorgezogen, die zu ihrer Zeit große Erfolge waren, und an deren etwas verblichenen Reizen das Publikum sich jetzt wieder behaglich erfreut. So stehen auf dem Spielplane der Comédie Franc aise u. a. von Werken des das Fräulein von Belle⸗Isle, und die Abenteuererin, von seinem Sohne die Prinzessin Georges, von Pailleron die bekannte„Welt, in der man sich langweilt“ usw. Auf ähnlicher Grundlage ist auch das Progamm der 16„Nachmittags vorstellungen aufgebaut worden, die für den Winter in Aussicht genommen sind. Diese Vorstellungen, die bei dem Bürgerpublikum don Paris so beliebt sind und die der männlichen und weiblichen Jugend der Stadt die ersten theatralischen Genüsse zu vermitteln pflegen, sollem gleichfalls eine Reihe von Stücken des 19. Jahrhunderts, von Casimir Delavigne bis zu Henry Becque, bringen. Bei der Eintönigkeit, in die der Spielplan der Comédie Francaise schließ⸗ lich verfallen war, kann sich das Publikum der Bühne zu diesem Programme, so wenig originell es auch an sich sein mag, nurn beglückwünschen; es sieht auf diese Weise auf den Brettern seinen Lieblingsbühne Stücke wieder, die zum Teil dort seit Jahrzehnten nicht mehr erschienen sind. 0 1 älteren Dumas 1 * 0 „ * 7 8 zu verm. wird gerichtlich verfolgt. Der Staats sekretär des Reichs⸗Postamts,] schützen: dabei kommen ohne Zweifel immer Irrungen Kraetke. f a Landkreis Gießen. 2 Hatten rod, 21. Sept. Heute feiern Förster J. Albach und seine Ehefrau, Elise, geb. Frischholz, das Fest der Goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar erfreut sich bester Gesundheit und körperlicher Frische. Im Juni 1907 konnte Albach sein 5014 hriges Dienstjubiläum feiern. Es sind nun schon über 58 Jahre, daß Albach seines Amtes in hiesiger Gemeinde waltet. Zeichnet die dritte Kriegsanleihe! Letzter Zeichnungstag: Mittwoch, den 22. September. Gießener Strafkammer. 5 th. Gießen, 18. Sept. Nach beinahe Z3wöchiger Pause verhandelte die Straftammer am Freitag wieder eine Reihe von Anklagen. Drei jugendliche Uebeltäter 2 4 sich wegen schwerer Diebstähle zu verantworten. Der 17jähr. Aug. Sch. von Butzbach hat sich mittels Einsteigens in Besitz von 5 fremden Tauben gesetzt. Es wurden ihm 2 Monate Gefängnis zuerkannt.— Der 18jährige Och. W von Gießen wollte eine Ver⸗ gnügungsreise nach Frankfurt a. M. machen, das dazu nötige Geld, zwei Fünfmarkscheine, stahl er seinen Eltern. Als Strafe erhielt der Bursche 3 Wochen Gefängnis.— Der noch nicht 14jährige Ludw. V. von Butzbach hat aus fremdem Gewahrsam den ag von 2,50 Mk. gestohlen. Auch er wurde zu 3 Wochen Gefängnis verurteilt. Die drei Uebeltäter waren geständig. Die —.— will ihre bedingte Begnadigung befürworten. Falsche Angabe des Getreidevorrats. Der Landwirt Johs. K. III. von Hergersdorf hat Anfang Februar 1915 seinen Hafervorrat auf. 130 Zentner angegeben, Er will im Dezember 1914 220 Zentner deklariert haben, wovon er 60 Zentner an einen Armeelieferanten verkauft hat. Ihm wurde darauf vom Bürgermeister aufgegeben, 75 Zentner Hafer für das Heer zu liefern. K. erklärte, das könne er nicht; er könne höchstens 40 Zentner liefern, denn er habe etwa 100 Zentner von seinem Hafer verkauft. Das Kreisamt Alsfeld ordnete eine genaue Feststellung der Vorräte des Mannes an, wobei sich ergab, daß dieser 33 Zentner mehr als angegeben auf dem Speicher — K. wurde vor die Schöffen gestellt, die den Landwirt frei⸗ prachen mit der Begründung, dieser habe nicht bewußt falsche Angaben gemacht, sondern es liege hier ein Irrtum vor, der nicht strafbar sei. Hiergegen verfolgte der Staatsanwalt Berufung. Oekonomierat Schade ⸗ Altenburg erklärte vor der Strafkammer als Sachverständiger, daß die Landwirte nicht die geringste Uebung im Schätzen von Vorräten hätten. Nach seiner Ansicht sei es über⸗ haupt sehr schwer, einen Haufen Getreide auf Gewicht abzu⸗ * Der Sachverständige glaubte, daß im vorliegenden Fall der Angeklagte ssch⸗ nur vertaxiert haben 15 Die beiden Gendarmen, die ge⸗ meinsam mit dem Angeklagten und dessen Frau den Hafer nach⸗ gewogen haben, erklärten, daß sie auf Verlangen des Kreisamts die Angaben von Landwirten wegen ihrer Hafervorräte nach⸗ zuprüsen hatten. Es habe sich in zahlreichen Fällen ergeben, daß zu wenig angegeben war, es hat sich aber nicht ein einziger Fall herausgestellt, wo etwa durch Taxe von einem Landwirt mehr Getreide angegeben, als vorhanden war. Der Gerichtshof hob das freisprechende Urteil des Schöffengerichts auf und erklärte, der Angeklagte habe bewußt falsche Angaben über seine Hafer⸗ vorräte gemacht. Als Beweis dafür liegt eine Reihe Indizien vor. Als Strafe wurde auf 100 Mark, hilfsweise 20 Tage Ge⸗ fängnis erkannt. Eine weitere Verhandlung wegen Betrugs wurde am Schluß vertagt, um weitere Zeugen zu laden. rr—;—r—'... ̃7 ꝙ nr! Märkte. 2 se. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 20. Sevt. Auftrieb: Rinder 2458(Ochsen 261, Bullen 46, Kühe und Färsen 2151), Kälber 325, Schafe 113, Schweine 858. Marttverlauf: Rinder langsam, gute Ware gesucht; Schweine gedrückt, bleibt Ueberstand, Kälber gedrückt, Schafe ruhig, wird alles ganz geräumt. Preise für 100 Pfd. Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk. wertes, 4—7 Jahre alt.. 71-81 135—140 Junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere Asgemäste i 99081 Mäßig genährte junge 722 gut genährte ältere 61-67 110-120 ullen. Vollfleischige, ausgewachsene, höchsten Schlachtw. 66—72 118—124 Vollfleischige, jüngere. 58—62 105—110 Färsen, Kühe. Vollfleischige ausgem. Färsen höchst. Schlachtw. 61—72 115133 Vollfleischige ausgem. Kühe höchsten Schlacht- wertes bis zu 7 Jahren 6066 115—125 Wenig gut entwickelte Färsen.. 52—58 104—116 Aeltere ausgemästete Kühe. 47—52 94— 104 Mäßig genährte Kühe und Färsen. 39—45 78-90 Gering genährte Kühe und Färfsen. 30—37 68-85 Kälber. a Feinste Mastkälb er. 378—82 132—137 Mittlere Mast- und beste Saugkälbenr.. 74-78 123128 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 68—73 115—124 Schafe. Weidemastschafe: Mastlämmer und Masthammel. 60—62 130—135 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht... 45.00-15.50 185.00 190.00 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebenge wicht.. 130.00 150.00 160-180. 00 Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebend gewicht. 145.00-152.50 185.00—190. 00 Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendge wicht... 45.00-15.50 185.00— 190.00 se. Fraukfurt a. M., 20. Sept. Fruchtmarkt. Das Geschäst ist durch die neue Regierungsmaßnahme vollkommen lahm gelegt. Die wenigen noch im freien Verkehr befindliche Ware ist gesucht und sest. Futtermittelmarkt. Futtermittel sehr sest. Kokoskuchen 62—63 Mk., Leinkuchen 68—69 Mk. Alles für 100 kg. 1e. Frankfurt a. M., 20. Sept. Kartofselmarkt. Wetterauer 6.50—7.00 Mk. ab Station. Nass. Speisekartossel(In⸗ dustrie) 6,75—7,25 Mk., ab nass. Station. Alles per 100 Sg. FC. Wiesbaden. Viehbof-Marktbericht vom 29. Sept. Auftrieb: 376 Rinder(darunter 63 Ochsen, 38 Bullen, 275 Kühe und Färsen), 409 Kälber, 127 Schase, 275 Schweine. Marktverlauf: Allgemein reges Geschäft, Großvieh und Schweine geringer Ueberstand; Kleinvieh ausverkauft. l Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht- Ochsen. N gewicht. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht- Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 5 1 72—78 128140 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäs tete. 66—72 130—128 Vollfleischi ba. böchf Schlacht 58—63 106—115 ollfleischige, ausgew. höchsten achtw.— 5 Vollflejschige, jüngere. 53—57 98—104 en eh 1 1 58st ollfleischige, ausgemästete Järsen sten Schlacht wertes. 7075 125—188 Vollfleischige ausgemästete Kühe bhöchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 54-58 106—114 Wenig gut entwickelte Färsenn. 6270 108—12⁵ Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gu entwickelte jüngere Kühe„„ 95 105 Mäßig genährte Kühe und Färsfsen 3845 76-87 Kälber. Feinste Mastkälb er.. 385-90 142150 Mittlere Mast- und beste Sauakälber.„. 78—83 132—142 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 70—78 121-132 Geringe Saugtä lber. 6870 109—121 Schafe. Weidemastschafe N Mastlämmer und Masthammel 50—55,00 120—125 erer 100 kg Vollfleischige Schweine von 8 Lebendge wicht... 135—138 175—180 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 132— 184 170-175 Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Donnerstag, den 23., und Freitag, den 24. September 1915: Laubhüttenfest. 1. Tag: Vorabend 6.05. Morgens 8.00 Predigt. Nachmittags 4.00. Vorabend 7.05. Morgens 8.00. Sabbatfeier am 25. September 19152 Vorabend 5.45. Morgens 8.00. Nachmittags 4.00. Sabbatausgang 7.00. Wochengottesdienst: Morgens 6.30, abends 5.30. —— 2. Tag: FRITZ P N Ausnahme-Angebote in H emdentuchen 1514 sind mit durchaus sofort zu besetzen. Miaschinien Heyligenstaedt& Comp. Werkzeugmaschinenfabrik u. Eisengießerei, Aktiengesellschaft Veßschiedenes 8 und des Schreib- und Bgechen- arbeiten jed. Art fertigt an EK. Wenzel, Asterweg 12 I. 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Geisteskrankheiien, 3. Epilepsie, in großer Ausw. bei Louis 4. Cbronische Gehirn, Rückenmark⸗ und anderen chronischen Eugel, Butzbach. 7437 Nervenleiden, Beschlagnahme von Gegenständen aus Kupfer, Messing u. Neinnickel. 5 Wer sparen WiII siosl. Blumen zaiebelnf Anllihe Bekauntnahurger der Stadt Gießen. Die Nachmusterung der in den Jahren 1876 bis 1895 geborenen, als dauernd an Ausgemuster⸗ 24. September 1915 bur in cefland te, i der Turnhalle der Stadtmädchenschule, Schiller. Donnerstag, den 23. September 1915, vormittags 7½ Uhr, die in den Jahren 1876 bis 1883 Geborenen, reitag, den 24. September 1915. vormittags sind, serner diejenigen Landsturmpflichtigen, die bereits an einer Landsturmmusterung teilgenommen baben, als dauernd untauglich befunden wurden und im Besitze einer tierüber sind, fordere ich hiermit auf, sich an den vorbezeichneten Tagen rechtzeitig im Musterungs⸗ Diese Bekanntmachung gilt als Ladung, besondere 1. Verkürzung oder Mißgestaltung des ganzen Körpers, Damen-, Herren- und Kinder-ideider che- misch reinsgen oder umfärben, Ebenfalls Vorhänge, Decken, Handschuhe, Federn eto. 2 15 5. Blindheit beider Augen, 6. Taubheit beider Ohren, 7. Verlust größerer Gliedmaßen. sind mir vor der Musterung einzusenden, Wer sich der sturmpflichtiger erfolgen. Gießen, den 20. September 1015. Der Oberbürgermeister. Keller. Die amtlichen Zeugnisse und Bescheinigungen, Namen und Geburtstag des Pflichtigen enthalten müssen, Die Gestellungs pflichtigen haben reinlich zu erscheinen. Die Militärpapiere sind mitzubringen. Wer etwa infolge Krankheit am Exscheinen verhindert ist, bat mir ein be⸗ glaußtates ärztliches Zeuants rechtzeitig einzureichen. 19 Gestellung entzieht, wird nach den Militärgesetzen bestraft, es kann auch im Falle der Tauglichkeit sofortige Einstellung als unsicherer Land. 3 Wohnungen von 2 Zimmern, 5 Wohnungen von 1 Zimmer, 2 Ladenräume mit je 1 Zimmer, 1 Lager oder Fabrikraum, 3 Lagerräume mit 1 Arbeitsraum, 10 möblierte Zimmer, davon 2 nebeneinandexliegende, leere Zimmex, 2 Stallräume mit Burschenstube. Zu mieten gesucht: 20 Wohnungen von 1—7 Zimmern Sddl. Hebellsnachibeis Hessen. Asterweg 9. 75175 Es können eiugestellt werden: a. bei hiesigen Arbeitgebern: 75115 1 landw. Arbeiter, 1 Maschinenschlosser, 3 Bauschlosser, . 1 Spengler, 1 Kraftfahrer für die städt. Feuermache, 1 Müller, 1 Handlanger, 1 Fensterreiniger, 2 Haus⸗ burschen, 1 Hotelhausdiener, 3 Arbeiter, 1 Nähmädchen. die weg 9, bis 30. September 1915 entgegen. Aus der Lon-Leng-Stistung kommen am II. No- vember 1915 die Jahreszinsen für 1915 mit 1911,47, Mk. an bedürftige, arme Witwen und Waisen zur Vertetlung. Anmeldungen nimmt das städtische Armenamt, Aster⸗ b. bet auswärtigen Arbeitgebern 2 landwirxtschaftl. Arheiter, 1 junger Arbeiter für Mol kerei, 1 Knecht für Baugeschäft, 2 Schreiner, 1 Kraft⸗ fahrer, 5 Maschinenschlosser, 1 Spengler, 1 Bäcker, 20 Maurer, 22 Zimmerleute, 20 Taglöhner, 15 Wärter 7252³ für Feil und Pflegeanstalt, 1 junger Kellner, 6 Arbeiter ausweislich eines Es sind zu vermieten: 1 Haus zum Alleinbewohnen(10 Zimmer, Bad, Küche ft von 7 Zimmern ohnungen von Wohnungen v. 5 Zimmern, 8 Wohnungen und Zubehör) 1 berrschaftliche Wohnun mit Zentralheizung, 3 herrschaftliche 6 Zimmern. 7 von 4—5 Zimmern, Städt. Wohnungsnachweis Gießen, Asterweg 9. N n. 2 Wohnungen von 3 Zimmern, 1 Wohnung von 3 Zimmern mit oder ohne Laden, für Fabrik. 7 Es suchen Arbeit: 1 Oberschweizer, 1 Kraftfahrer, 1 Kesselschlosser, 1 Ge⸗ krrsattler, 1 Schneider, 2 Schuhmacher, 1 Heizer oder Maschinist, 1 Taufmännischer Lehrling, 1 Buxeaugehbilfe, 1 Kutscher, 1 Büsettfräulein, 10 Puß und Lauffrauen, Arbeiter, 2 Büglerinnen, 2 Lehrmädchen für Schuh · geschäfte, 1 Mädchen für Zigarrengeschäft, 3 Dienst mädchen. 7516 Mit Bezug auf die Bekanntmachungen des stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 31. Juli 1915 und des Großh. Kreisamts Gießen vom 18. August 1915 gebe ich nachstehend die Ausführungs⸗ bestimmungen für den Stadtbezirk Gießen bekannt. Ich verbinde damit die dringende Bitte und die Hoffnung, daß die Bevölkerung von Gießen im vaterländischen Interesse die beschlagnahmten Gegenstände recht eifrig freiwillig ab⸗ 1 liefert. In der jetzigen Zeit sollte Ersatz nur für solche Sachen beschafft werden, die unbedingt nötig sind. Gießen, den 23. August 1915. Ausführungsbestimmu Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung v „ 1 84 der 5 sind folgende Gegen⸗ t a troffen: 5 ir fla 2 Gegenstände aus Kupfer und Messing. 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und stuben, wie beispielsweise Koch⸗ und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und Speiseeiskessel, Töpfe, Fruchtkocher, Pfannen, Back⸗ formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw. 2. Waschkessel, Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. 3. Badewannen, Warmwasserschiffe, behälter ⸗blasen, 1 5 gen, Druckkessel, Warmwasserhereiter(Poller, in Koch⸗ . 5 2 und Herden; Wasserkasten, eingebaute Kessel aller Art. Klasse B: Gegenstände aus Reinnickel: 1. 99955 und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und a wie beishielsweise Koch- und Einlegefessel, Marmeladen⸗ und Speiseeiskessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, 2 e Deze lschalen . Ei inri wie el, alen, Frentg e nebst Deckeln ag Kipptöpfen, Kartoffel⸗, Fisch⸗ und Fleischeinsätze usw. nebst Reinnickelarmaturen. . 2. b f 5 en e 8 Art sind 15. armwasserbereitung zu. 1* Wascessel Viehkessel, Marmeladenkessel u. dgl. Da⸗ gegen kommen nicht in Betracht größere eingebaute Kessel für industrielle Zwecke wie Färbereien, Brauereien usw., jedoch sind Nestendeen 5 Verwertung von. Ferse tan me 9 7 sabr katen auf Meldeschein für Kupfer in Fertigfabrikaten meldepflichtig. 8 3. i ckt sich auch auf solche wee 93 8 dee de dh Wunde Pegel ind, das von 5 Kriegs ministersums oder durch die Behörden, welche die Beschlag⸗ nahmeverordnungen erlassen haben, freigegeben worden ist. 8 4. erner sind der Beschlagnahme unterworfen, Gegealkrbe der eingangs erwä zen Art, ie aus anderen Kupfer⸗ legierungen* wie 0 B. Rotguß, Tombak, Bronze, sowie die aus Kupfer, ssing oder Reinnickel bestehenden Gegenstände, die verzinnt oder mit einem anderen Ueberzug aus Metall, Lack oder Farbe versehen sind. 35 Reinnickel ist jede Legierung mit einem Nickelgehalt von mindestens 90 0%. 8 Es sind nur solche stände aus Reinnickel betrofsen, die mit dem Stempel„Reinnickel“ versehen oder sonst einwandfrei als aus Reinnickel bestehend festgestellt sind. 6. Von der. aus geschlossen sind die nicht aus Kupfer, Messing oder Reinnickel hergestellten, vielmehr mit diesen Metallen nur überzogenen(z. B. galvanisch) und plat⸗ tierten Gegenstände. Beispielsweise werden also Gegenstände aus Eisen, nickelplattiert, nicht betroffen, dagegen unterliegt bei Hol z⸗ gefäßen, die mit Kupfer, Messing oder Reinnickel ausgekleidet sind, diese Auskleidung der Beschlagnahme. g 8 3 Weiter fallen nicht unter die Verordnung: Tee⸗, Kaffee⸗ und Milchkannen, Kaffee- und Teemaschinen, Zuderdosen, Teeglashalter, Menagen, Messerbänle, Zahnstocher⸗ gestelle, Tafelaufsätze jeder Art, Tafelgeschirre, von denen jedoch Lervzerbretter von der verordnung betrossen werden, Rauchservice, Saäulenwagen, Speiseschränke, Schanktischarmaturen, Badeöfen. 8 8. 1 ht angenommen werden Gegenstände, die bereits als al an Händler, Handlungen usw. egeben waren er Beschlagnahme gemäß der Verfügung des Aerige-Nubstolf⸗ Abteilung des Königlichen i Der Oberbürgermeister. Keller. Messing und Reinnickel. stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 30. April 1915 und dem Höchstpreisgesetz unterliegen. Für dieses Material darf nur der Höchstpreis 1 und bezahlt werden von 1,70 Mark für Kesselkupfer und 1,— Mark für Messing, sowie 4,50 Mark für Nickel. 7. Sollte bei Gegenständen, die unter die Verordnung fallen, ein besonderer Kunstwert geltend gemacht werden, so kann in Einzelfällen von der Beschlagnahme abgesehen werden. 8 10. Be Zweifel, ob gewisse Gegenstände von der Ver⸗ ordnung betroffen sind, so kann eine Befreiung von der Beschlag⸗ nahme bewilligt werden. Ueber die Befreiung entscheidet der Oberbürgermeister nach Anhörung der städtischen Metallkommisston endgültig. 111. Von der Verordnung werden folgende Per⸗ sonen und Betriebe betroffen: 1. Handlungen, Laden⸗ und Installationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obengenannte Gegenstände erzeugen oder verkaufen, oder die solche Gegenstände, die zum Verkauf bestimmt sind, im Besitz oder im Gewahrsam haben; Haushaltungen; J Hauseigentümer; Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, ins⸗ besondere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Pensionate, Kaffee⸗ haus-, Konditorei⸗ und Küchenbetriebe, Kantinen, Speise⸗ N aller Art, auch solche auf Schiffen, Bahnen und gl.; 5. öffentliche(einschl. kirchliche, stiftische usw.) und private Heil⸗, gehe Pflege⸗ und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, Ka⸗ 1 Erziehungs⸗ und Strafanstalten, Arbeits häuser und gl. 8 12. Die beschla⸗ ten Gegenstände verbleiben bis auf weiteres in den Händen i jetzigen Besitzer, welche die Gegenstände der bisherigen Art ordnungsmäßig weitergebrauchen dürfen. in Die Besitzer sind zur sorgsamen Verwahrung und Behandlung verpflichtet. 1** Jede Veränderung und Verfügung(Verkauf, Tausch, Verschenken) über die beschlagnahmten Gegenstände ist verboten und nichtig. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Ver⸗ fügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung und Arrest⸗ vollziehung erfolgen. Trotz der Beschlagnahme sind alle Veränderungen und Ver⸗ fügungen zulässig, wenn vorher die Zustimmung des Oberbürger⸗ meisters hierzu schriftlich beantragt und erteilt ist. 5 14. Wenn auch die beschlagnahmten Gegenstände zunächst in den Händen ihrer jetzigen Besitzer verbleiben dürfen, so ist doch dringend erwünscht, daß schon jetzt von der freiwilligen Ablieferung weitgehender Gebrauch gemacht wird. Wer die Gegenstände freiwillig abliefert, bleibt von der Anmeldepflicht für die abgelieferten Gegenstände befreit. 2 N Die freiwillige Ablieferung ist nur bis zum 25. September 1915 zulässig. 9 9 15 8 15. Die abgelieferten Sachen werden nach den Preissätzen der Verordnung vergütet. Diese betragen für das kg N für Gegenstände aus Kupfer Messing Reinnickel 17 Mk. Mk. ohne Beschläge 4.— 3.— 18.— mit Beschlägen 2.80 2.10 10.50 In diesen Preisen sind die Ueberbringungskosten mit abgegolten. 6 Unter Beschlägen sind Oesen, Ringe, Handhaben, Stiele und Griffe aus Eisen, Holz u. dgl. verstanden. Die Gegenstände werden mit den Beschlägen gewogen; auf Grund dieses Gewichts ergibt sich der Preis nach obiger Tabelle. Uebersteigt das Gewicht der Beschläge schätzungsweise ber Gegenständen aus Kupfer und Messing 300%, bei solchen aus ngen für den Bezirk der Stadt Gießen zu der Verordnung des stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 31. Juli 1915, betreffend 1 on fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Nickel 200% des Gesamtgewichts des Gegenstandes, so wird der 30 bezw. 200 überschreitende Prozentsatz geschätzt, vom Gewicht abgesetzt und nicht bezahlt. g Wiegen bei einem Kupferkessel von 10 kg beispielsweise die Beschläge schätzungsweise 5 kg, so 1 sich folgende Berechnung: Das Gewicht der Beschläge beträgt 50%, also 20 mehr als 30%., Die 20% vom Gesamtgewicht von 10 kg werden abgerechnet. Es bleiben 8 kg. Für jedes Kilogramm werden 2,80 Mk. ge⸗ zahlt, im ganzen also 22,40 Mk. 5 Als Entschädigung für etwa erforderliche Aus bauar«„ beiten wird für jedes Kilogramm der ausgebauten Gegenstände 0,50 Mk. vergütet. Wird Entschädigung für etwa erforderliche Ausbauarbeiten verlangt, so ist glaubhaft zu machen(3. B. du Bescheinigung des Hendtberkers), daß der Ausbau zum Zwecke der Ablieferung erfolgt ist. 9 16 Die Gegenstände ntüssen gutt gesäubert abgeliefert Werden. 8 17. Die an den abzuliefernden Gegenständen befindlichen, nicht aus Kupfer, Kessing 80 8 Reinnickel bestehenden 1 (3. B. Ringe, Oesen, Stiele, Grifse usw.) dürfen auch o ie in g 13 Absatz 2 erwähnte Erlaubnis zuvor werden. * 9 18. Die 2 Gegenstände werden im Beisein des Ab⸗ lieferers oder seines Beauftragten gewogen und darüber eine Anerkenntnisbescheinigung ausgestellt. Die Anerkenntnisbescheinigungen werden auf der Stadtkasse während der üblichen Dienststunden eingelöst. Der Empfang des Geldes ist auf der Anerkenntnisbescheinigung von dem Einliefern? den zu bestätigen. 8 19. Es ist dringend erwünscht, daß auch andere, nicht beschlagnahmte(3. B. die in§ 7 genannten) Gegenstände, die aus Kupfer, Messing oder Reinnickel 1 bestehen, abgeliefert werden, z. B. Lampen, Leuchter, Kronen, Nippsachen, Thermometer, Schreibtischgarni⸗ turen, Bettwärmer. Auch für diese Gegenstände werden die in§ 15 bezeichneten Preise vergütet. 5 9 20. Zur Annahme der abgelieferten Gegenstände wird in der Stadt Gießen eine Metallsammelstelle in dem städtischen Gebäude Kirchstraße 20(Aliceschule, 5 Hof der Stadtknabenschule, Eingang von der Nord⸗ Anlage und Kirchstraße) errichtet. Die Metallsammelstelle ist vom 30. August d. J. an Montags und Donnerstags von 10 bis 12 Uhr vormittags geöffnet. Während dieser Zeit wird daselbst von der städtischen Metallkommission jede Auskunft erteilt. 8 21. Die Metallsammelstelle nimmt auch unentgeltlich zur Verfügung gestellte Gegenstände gegen Empfangsbescheinigung gern entgegen. 8 22. Verfügung über die Anmeldung der bis 25. September 1915 nicht freiwillig abgelieferten Gegenstände bleibt vorbehalten. § 23. Diese Bestimmungen treten sofort in Kraft. Gießen, den 23. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 8