. 4 dttites Blatt geen manch mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießzener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Ariegsbriefe aus dem Often. (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.) Die Erstürmung von Grodno. N Grodno, 4. Sept. In Kusnitza sahen wir den spitzen Wimpel eines Stabes. Wir platzten ins Zimmer der betreffenden Erzellenz.„Grodno soll vor der Einnahme stehen! Kann man weiterfahren?“„Fahren Sie nur nach„und sagen Sie mir, wie es dort aussieht.“ Es war der Abend, da man die volle Stärke der neuen äußeren Fort⸗ linie erst völlig erkannte. Wir fuhren zum Divisionsstab, der ein wenig schräg rückwärts in einem Gutshause lag. Der Himmel war von den Bränden bei Grodno gerötet. Die Abendwolken stan⸗ den in dunkelroten leuchtenden Farben über dem hellgelben Hori⸗ zont im Osten, über mir glänzte kühl und verdämmert blau der Herbsthimmel. Eine neue Sonne schien über Grodno aufzugehen bei dem Wachsen der Nacht, es wurde so hell, daß man den Weg deutlich erkannte und ohne Licht alle Einzelheiten der Um⸗ gebung sah.. g Das kleine Gut war erreicht. Die Herren saßen beim Abend- essen. Wir bald auch. Man saß auf Stühlen, Kisten, Deckeln, war in etwas müder aber gespannter Stimmung. Sehr bald ging an Arbeit. Wer schlafen durfte, ging„pennen“. Ach, einmal in einem richtig gehenden Bett liegen und vorher Glas Münchener trinken!“ sagte der Telegraphenoffizier, mit dem 75 den Raum teilte. „Ob man die Hosen ausziehen kann?“ „Um 5 Uhr wecken!“„Das wird eine harte Nacht für die 1„Bialystok war für viele unserer Leute die erste tadt, die sie seit Dreivierteljahr gesehen hatten.“„Ein Dreck⸗ nest““„Wir fandens herrlich, heißt, ich hatte nischt von. Gute Nacht!“„Gute Nacht!“ Die Kerzen verlöschen. Knistern pon Stroh, tiefe Atemzüge. „Am Morgen schwimmt eine trübe, schwärzliche Brühe in der N Es soll Wasser sein. Auf jeden Fall ist es kalt naß. Ich gehe zum Hügel 233, von dem man Grodno liegen sehen kann und die Forts. Die Meldungen, daß Fort 5 besetzt und Fort 4b genommen ist, sind noch nicht eingelaufen. Ueber Wiesen und durch Erlengebüsch geht der Weg zu den. Hügelreihen, die laut Karte bewaldet sein sollen. Aber der Wald ist— im Gegensatz zu Nowo⸗Georgiewsk— überall sorgfältig niedergeschlagen worden, nur ein paar Bäume hat man als Richtungspunkte für die Festungs⸗Artillerie stehen lassen. Die mächtigen, niedergehauenen Fichten und Kiefern versperren den Aufstieg mit einem Ast⸗Gewirre, daß man jeden Schritt erkämpfen muß. Vorher ist die russische Vorstellung zu passieren, die auf halber Höhe sich in die Hügelreihe schmiegt und sorgfältig mit aufgelegten Rasenstreifen und Wacholderbüschen maskiert ist. Es ist alles halb, was die Russen tun und auch das, was sie lassen. Was nützen die schönsten vor Verlust nicht den und* zu stecken? Man vermeidet den Verlust von Artillerie, das ist unbestreitbar, aber man wird schließlich mit den geretteten. Artillerieresten den Ural 8 können; außerdem ist zu rechnen, daß der fortwährende kleine Verlust 0 einzelnen Fällen sich ja erheblich gesteigert hat—sich allmählich auch hoch summiert. Der russische Rückzug war zum Teil ausgezeichnet gemacht, das zu leugnen, wäre zwecklos, aber die zunehmenden Halbheiten und zunehmende Mutlosigkeit in den Anordnungen der russischen Armeeleitungen zeigen, daß keine Armee— auch nicht die rufsische, trotz ihrer Uebung in Rückzugsdingen— es aushalten kann, seit Monaten auf jeden eigenen Willen, jeden Offensivgedanken zu verzichten. Man kann mit zähen und gut angesetzten Nachhut⸗ kämpfen, die vor keinen Menschenopfern scheuen, eine Katastrophe 4— ausschalten kann man sie nicht, wenn jede neue Linie 5 5 vor ihrer Einnahme als hoffnungslos bedroht betrachtet werden muß. a 0 Vorstellungen, wenn man aus Furcht 9 Kunst und wissenschakt. 8 — Ist Cook unrecht geschehen? Wer erinnerte si „icht noch jenes Weltskandals, als Dr. Cook, der als ele des Nordpoles von europäischen Hauptstädten und Hochschulen be⸗ . empfangen und gefeiert worden war, durch die Mitteilungen Pearys als Schwindler entlarvt wurde? Cook versuchte sich damals zu verteidigen, aber erdrückt durch die Fülle der Beweise gegen und durch die Entrüstung der ganzen gesitteten Welt, zog er sich in das Dunkel der Vergessenheit zurück. Allein es ist noch nicht ganz ausgemacht, ob der gegen Cook wirklich auch schon rechtsgültig entschieden ist. Ganz abgesehen davon, daß inzwischen auch gegen die agen und Entdeckungen Pearys, seines Haupt⸗ anklägers, ernste Zweifel sich geregt haben, so erstehen neuerdings dem ichen Erstentdecker des Nordpols doch wieder Vertei⸗ diger. hat kürzlich in einer amerikanischen Zeitschrift ein nor⸗ wegi Amerikaner, der seinen Namen nicht nennt, einen Aufsatz veröffentlicht, worin er den Beweis zu erbringen sucht, daß ook das Opfer eines Systems verlogener In⸗ 2 sei Cooks Verteidiger geht in seiner Darstellung auf bielen Einwendungen, die gegen Cooks Berichte über seine erhoben worden sind, Punkt für Punkt durch und sucht zu beweisen, daß sie alle nichtig sind. Was Cooks Beschreibung des Mont Mac Kinley betrifft, so soll sie mit drei späteren Schilde⸗ 955 25 7 übereinstimmen. Wenn Peary die Behauptung auf⸗ stellte, habe unmöglich auf seinem Hundeschlitten genug Mundvorrat mitführen können, so kommt sein Anwalt auf Grund er. mit den Vorräten Pearys und Nansens zu dem daß k sehr wohl ausreichenden Mundvorrat mit sich 11 könne. Was die bekannte Aussage der beiden Eskimos die Peary gegenüber erklärten, sie seien nicht mehr als zwei tärsche vom Land entfernt gewesen, so wird es als ganz natürlich erklärt, daß Cook das ihnen vielleicht selbst gesagt habe, um sie zu beruhigen; übrigens sei es auch denkbar, daß er sich selbst dem Lande so nahe geglaubt habe, und schließlich wird darauf hingewiesen, daß man der Aussage der Eskimos überhaupt nicht zu viel Gewicht beilegen dürfe, da diese gutmütigen Naturkinder „Befragen ersahrungsmäßig alles aussagten, was etwa dem weißen Manne angenehm sein könne. Wenn Cook nach dem Aus⸗ bruche des großen Skandals verschwunden sei, so dürfe daraus keinesfalls geschlossen werden, daß er ein Humbugmacher sei— das sei e doch sehr natürlich. Was Nansens Zweifel gen Cpok hervorgerufen hat, das waren seine Berichte über seine langen Tagemärsche. Inzwischen hat sich aber gezeigt, daß Peary doppelt so viele Meilen am Tage zurückgelegt hat, als Cook in 5 5 Berichten behauptet! Zum Schlusse beruft sich der nor⸗ bwegisch-amerikanische Verteidiger Cooks auf Roald Amundsen, der sich in seinem Buche über den Südpol mit warmen Worten über f. ten einstigen Kameraden von der Belgica⸗Fahrt ausspricht. 1 ein Mann, der von solcher Seite so vorteilhaft beurteilt wird, wirklich die Rolle eines Betrügers gespielt haben sollte, so das ein psychologisches Rätsel bedeuten.“ Deutscher Kaviar. Der Kaviar gilt ber uns für ein imlich russisches Erzeugnis, daß das Wort„deutscher unglän Verwunderung erregt. Und doch gibt es d es ißt gerade jetzt besonders zeitgemäß, auf hat, genügend Artillerie in Stellungen N 1505. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Samstag, II. September 9¹⁵ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Von der Höhe 233 kann man Stadt und Festung Grodno liegen sehen. Die schweren Kuppeltürme der orthodoxen Kirche, die Sophienkathedrale, die Bernhardiner Kirche, die alte Pfarrkirche lösen sich wie dunkle schöne Schattenbilder aus dem Morgennebel. Der Geschützlärm ist verstummt. Es ist der Augenblick, da die äußere südwestliche rtlinie fest in unserer Hand ist und 1 Truppen gegen die Stadt rücken. f Bei der Rückkehr zum Stab erfahre ich die eingetroffenen Mel⸗ dungen.„Nach Grodno!“ Erzellenz lacht.„Wenn Sie gut schwim⸗ men können! W 91 ist noch kein Bataillon drüben. Auch der 5 55 ist ein Fluß.“„Man wird sehen, wie weit es geht.“ „Schönchen, fahren Sie. Nehmen Sie sich vor den Kugeln in acht, manche sollen treffen. Los!“„Auf Wiedersehen!“ l Bei Fort 6 an der Chaussee Dombrowo—Grodno machen wir Halt. Ein guter Weg führt in das weitläufige Werk, das noch nicht ganz fertig ist. Die Stellungen gegen Südwesten— völlig neue, jede Betonkante ist noch frisch und scharf— sind ziemlich voll⸗ endet: meterdicke Betonlagen, ausgezeichnete Schützenstände, breites Hindernis vor diesem Einschnitt. Die deutschen Granaten haben das Werk übersät. Die Betondecke haben die mittleren Kaliber nicht durchgebissen, aber ein paar Treffer sind in die Kante der Schützen⸗ ständeß gegangen und haben genug gewirkt. Russische Gefallene liegen umher, der kleine B ld hinter den Kasematten ist zerfetzt und zerrissen, es riecht nach Laub, ein kleiner Sandhügel, der noch nicht ausgebaut ist, zeigt Trichter neben Trichtey. Das Werk ist sichtlich noch nicht vollendet, der rückwärtige Ausbau ist noch gar nicht angefangen, Sandhänge, in die notdürftig Holz⸗ treppen eingelassen sind, vermitteln die Verbindung nach rück⸗ wärts. Die Trancheen scheinen eben fertig geworden zu sein, so neu glänzt das verwendete Holz. Aber alles ist in großem Stil angelegt, Grodno sollte unzweifelhaft noch vor kurzer Zeit den letzten Widerstand an der Njemen⸗Linie halten. Es sollte als moderne Ringfestung ersten Ranges ausgebaut werden mit einem Fortgürtel, der über 25 Kilometer hinausgeschoben war, mit Zwischenwerken und jeder möglichen Ausnutzung des für Festungs⸗ zwecke überaus günstigen Geländes. Es fing an zu dunkeln, als wir an der aufgegebenen, veralte⸗ ten inneren Fortlinie vorbeifuhren. Rechts von der Straße brannten mächtige Speicher. Das Mehl lagerte in Säcken im Freien. Unsere Truppen waren so schnell gekommen, daß sie noch einen beträchtlichen Teil retten konnten. Andere Speicherbauten waren völlig unversehrt.. „Die ersten Häuser der Vorstadt tauchen auf. Am Himmel zeichnet sich eine Schrapnellwolke, der heftige Westwind läßt vom Geschützlärm nichts hören. Als wir die Hauptstraße des Vor⸗ orts erreichen, ist es dunkel und still, alle Häuser sind geschlossen, wie Schatten huschen einzelne Gestalten in die Nebengassen. Ein paar Soldaten stehen vor einer Apotheke, ein Arzt kommt heraus und spricht uns an.„Der Hauptmann ist nicht transportfähig.“ Eben ist Hauptmann v. W. von Schrapnellkugeln tödlich verwun⸗ det worden. In der Apotheke brennt eine Kerze, die Läden sind ge⸗ schlossen. Bis zu dieser Minute, da die Dunkelheit alles um⸗ faßt, haben die Russen einen Schrapnellhagel von über hundert Schuß hierher geschickt. Der Uebergang vor ein paar Stunden war noch ungestört, dann begann die Kanonade. Vom anderen Njemen⸗Ufer klingt Infanteriefeuer herüber, ird still, flackert wieder auf. Maschinengewehre setzen kurz ein. ieder Stille. Der Mond ist noch tief. Es ist stockdunkel. Die Straße führt steil zum Niemen⸗Ufer hinab, das Wasser strömt gegen die gesprengte große Eisenbrücke. Drüben ragt wunderschön in ungewissen, hellroten Lichtschein von Brandwolken Grodno empor. Die Kirchen scheinen alles Licht auf ihren Kuppeln zu sammeln, die Häuser und Häuschen schmiegen sich ängstlich in die Dunkelheit. 8 5. 5 Ein Stückchen weiter hinauf den Strom arbeiten die Pioniere. Immer wieder fallen einzelne Schüsse, Hochgänger schlagen in die Häuserfront hinter mir. Drüben ist heftiger Straßenkampf. Artillerie setzt ein, die russischen Granaten suchen wieder die breite Straße der Vorstadt. Es ist unmöglich, dort das Auto zu lassen. Ich gehe zurück, die gesprengte Brücke hebt sich jetzt gegen den Brandschein am Himmel wie ein wunderfeines Filigranwerk ab. Die jäh zerbrochenen Eisenteile und das Gitter sind wie eine seltsame und verwirrende Zeichnung auf dem roten Grund! Die 5 Dunkelheit der Uferstraße wirkt umso tiefer dagegen. Eine Maschinengewehrabteilung kauert auf den Häuserschwellen und wartet auf Befehl. Es ist, als ob sich der ganze Weg des Krieges in diesem Punkt zusammenfaßt: Der flackernde rote Himmel, die dunkle Straße mit den toten Häusern, die müden. Soldaten, die auf Befehl zum Vorgehen warten, der Sieg, der über den Kuppeln der genommenen Stadt glänzt, Gewehrlärm, der dumpfe Aufschlag von Granaten und dazu das Wissen, dies ist die letzte russische Festung am Njemen. Hier ist ein Abschnitt. * Wir übernachten auf einem Heuboden, der nur den einen Fehler hat, daß ihm jedes Heu fehlt, auch ein paar Bretter, so daß der Nachtwind über unsere Köpfe streicht. Gegen 3 Uhr wird es sehr kalt, um 4 Uhr beginnen wir uns fertig zu machen. Wir waschen uns in der Loßößna, die klares Wasser führt.* In den Birken hängt goldzitterndes Morgenlicht und tropft auf die Wiesen nieder. 5 Dicht an der Straße vor den ersten Häusern der Vorstadt stehen zwei Batterien, Haubitzen und Kanonen, und feuern un⸗ unterbrochen. Zielrichtung Fort 7 und der Bahnhof und die Ka⸗ serne von Grodno. g 0 Der Lärm des Feuergefechts in der Stadt selbst dringt her⸗ über. Durch eine Nebenstraße gehe ich in der Richtung des Niemen. Die russischen Granaten suchen die Stadt ab. Die Ponton-Brücke ist unter dauerndem Schrapnell⸗Feuer. Ich sitze 1 auf einer Bank, und über der Straße kreuzt cd die Flugbahn der gegenseitigen Artillerie. Nur gerade dieser Straßenteil wird von den Russen vorläufig nicht gesucht. Aus einem Hause ein wenig rückwärts schrillten plötzlich Frauenstimmen, und ein lautes schütterndes Kinderweinen hebt an. Eine russische Granate hat eingeschlagen und zwei Frauen verletzt. Hilferufe gellen. Der immer stärker einsetzende Kanonendonner überdröhnt alles, dern hohe zerreißende Ton der Kanonen mischt sich mit dem dumpfen Knall der Haubitzen und dem Singen der niedergehenden russischen Geschosse. Das Geräusch des Maschinengewehrfeuers klingt tausend⸗ fach gebrochen und zurückgeworfen aus der Stadt herüber. Ba⸗ gagen kommen eilig zurück, Munitionskolonnen traben vorwärts. Ich gehe bis zur Brücke und benutze einen Augenblick, da das russische Feuer aussetzt, in die Stadt hinüberzugehen. 1 Ein paar Pferde von den Kolonnen liegen am Wege, Kugel⸗ spuren, zerbrochenes Glas überall. Als ich auf den Paradeplatz komme, ist es im Augenblick etwas ruhiger. Zwei Infanterie⸗ kompagnien haben die Gewehre zusammengesetzt und hocken an den Häusern. Auf dem sauberen Schmuckplatz blühen die Herbst⸗ rosen. Sonne glänzt über dem geschorenen Rasen. In der Apo⸗ theke drängen sich unsere Leute und kaufen Selterswasser. Ab und zu drückt sich ängstlich ein Einwohner an den Häuserfronten entlang. Aus einem Kirchturm bricht eine kleine rote Feuerfahne, gerade die Spitze ist von einem Schrapnell gefaßt worden. Un⸗ sere Leute sind ruhig und sicher, schleppen von einem Bäcker das schöne weiße Brot.„Dicke Luft!“ Was weiter? Dicke Luft kennen sie. Weißes Brot ist seltener. Mir fällt ein, daß ich seit langem nichts gegessen habe. Ich gehe in ein Hotel„Europäßki“. Der Wirt ist in einer der hinteren Stuben, er will mir einen Tisch im Keller decken.„In einen Stunde können Sie Hühner haben!“„Schön, aber doch lieber m Speisesaal.“„Wird es bald vorbei sein?“„Glaube schon!“„Ein schlimmer Tag für Grodno.“ 5 4 Ich gehe an die Bahnhofsstraße, da steht ein Feldgeschütz und rechts und links auf Tischen postiert ruhen Maschinengewehre. 1 Eben sind die Russen auf 1400 Meter heran gewesen“, sagt der 1 Offizier am Geschütz. Die lange, gerade Straße entlang liegen die dunklen Körper der Gefallenen. Ein zerschossenes Gebäude aus rötlichen Steinen bildet den Abschluß, da sieht man russische Sol- daten über die Straße laufen. g „Aus den Gärten um das Gouvernementsgebäude wurde vor einer halben Stunde noch gefeuert, da links herauf schossen sie. Aus dem kleinen Haus da auch, Granaten mit Verzögerung auf 30 Meter hinein, als sie sich nicht ergeben wollten.“ 8 Ich biege hinüber zu dem zweiflügligen, lichten Haus, in dem 1 4 ihn hinzuweisen, da der russische Kaviar allmählich knapp zu wer⸗ den anfängt und die Preise für diesen Leckerbissen steigen. In einem interessanten Aufsatz„Russischer und deutscher Kaviar“, den Hermann Steinert im„Prometheus“ veröffentlicht, glaubt der Verfasser, daß gerade jetzt die Zeit des deutschen Kaviars ge⸗ kommen sei, da wir von dem russischen abgeschnitten sind, und daß er nun mehr als bisher von den Feinschmeckern geschätzt werden wird. Der Kaviar ist ja durchaus keine russische Er⸗ findung. Die Italiener der Renaissance kannten etwas Aehnliches; doch viel früher schon war Kaviar in Deutschland gewonnen worden. Seit dem 14. Jahrhundert verstand man in Ordensland Preußen die Herstellung von Kaviar, und im 17. und 18. Jahr⸗ hundert war es der ost⸗ und westpreußische Kaviar, der über die ganze Welt verbreitet wurde. Rußland, das heute den Weltmarkt für Kaviar beherrscht, war damals noch nicht auf dem Platz er⸗ schienen. Der Stör gedeiht in der Ostsee und Nordsee ausgezeichnet: er sucht im Herbst und Frühjahr die deutschen Flüsse auf, um in ihnen zu laichen, und erschien so seit alter Zeit in der Weichsel und in der Elbe, auch in der Oder und in der Memel. Der Weichselstör war früher so häufig, daß von Pillau und Elbing aus Tausende von Tonnen marinierten Störs bis nach England und auch nach Rußland verschickt werden konnten. Elbing und Pillau, zu denen sich später Danzig gesellt, sind denn auch vom 16. bis 19. Jahrhundert die Hauptorte der Kaviarbereitung. In Pillau bestand eine Art Kaviarfabrik, deren Einrichtung S. Bock im 18. Jahrhundert genau schilderte. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hörte dann der in so großem Maßstab betriebene Störfang in Pillau ganz auf, weil die Nogat versandete, und die Störe nun auf ihrem alten Wege durch das Frische Haff nicht mehr in die Weichsel gelangen konnten. Jetzt findet der Hauptfang in der Weichselmündung und eine Strecke stromauswärts statt. Noch in den 90er Jahren wurden etwa 3000 Kilogramm Weich⸗ selkapiar jährlich gewonnen; auch jetzt sind es noch über 1000 Kilogramm jährlich. Der Rogen wird mit der Hand durch Siebe getrieben, und die hindurchgefallenen Eier werden dann mit feinem Salz gemischt. Der deutsche Weichselkavrar ist nicht ganz so haltbar wie der russische, was mit seiner Bereitung zusammen⸗ hängt. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Elbkaviar. Im Elbgebiet kommen heute noch mehr Störe vor als im Weichsel⸗ gebiet, doch ist der Fang in der Elbe noch stärker zurückgegangen. Selbst wenn man die in anderen Küstenflüssen, so besonders in der Weser und Oder gefangenen Störe hinzurechnet, so beträgt doch die Kaviarerzeugung in ganz Deutschland nicht mehr als 60007000 Kilogramm im Jahre, während noch vor 10 Jahren sicher die doppelten Erträgnisse erreicht wurden. Kenner führen den Rückgang darauf zurück, daß zu viel kleine, noch nicht laich⸗ reife Störe weggefangen wurden. Ueber diesen schädlichen Fang zu kleiner Störe wird schon seit 300 Jahren in Deutschland immer wieder geklagt. Die wichtigste Festsetzung wäre ein Mindestmaß von 150 Zentimeter für den fangfähigen Stör. Doch müßten noch umfassendere Schutzmaßregeln zur Hebung der deutschen Kaviar⸗ gewinnung durchgeführt werden. Im Elbgebiet hat man mit der Einrichtung von Brutplätzen für die Störe gute Erfolge gehabt. Steinert meint, daß es zweckmäßig wäre, für 2 oder 3 Jahre den Störfang überhaupt zu verbieten und dadurch den Bestand an Stören zu vergrößern. Die Zeit ist besonders günsug, da während des Krieges und unmittelbar danach das Bedürfnis nach Kaviar nicht sehr groß sein wird. Sodann müßten die deutschen Fischer beim Salzen mehr Sorgfalt anwenden. Obwohl die Störe der Ost⸗ und Nordsee den russischen Störarten sehr ähnlich sind, so kann doch der Kenner den russischen von dem Weichselkaviar unter⸗ scheiden, weil die Art der Bereitung eine verschiedene ist. Jeden⸗ falls wäre es durchaus möglich, den deutschen Kaviar, der heut auf dem Weltmarkt neben dem russischen kaum in Betracht kommt, zu einem konkurrenzfähigen Nebenbuhler des russischen zu machen. — Ausgrabungrömischer MeßgefäßeinNorth⸗ umberland. Eine Anzahl römische Meßgefäße, die wahr⸗ scheinlich aus der Regierungszeit des Kaisers Domitian stammen, wurden an der Nordseite des ehemaligen Römerlagers in Cha⸗ voran, drei Meilen östlich von Gilsland, in Northumberland ausgegraben. Wie die„Times“ berichtet, wurden die Funde ge⸗ legentlich der Grabarbeiten zur Einrichtung einer Entwässerungs⸗ anlage gemacht. Es handelt sich in der Hauptsache um ein Gefäß aus Bronze, von konischer Gestalt, das ungefähr 1 Fuß hoch ist. Das Gefäß ist hohl, über der Oeffnung sind drer horizontale Metall!nk'“ stäbe zusammengeschweißt, die durch einen vierten vertikalen Stab mit dem Gefäßboden verbunden sind. An der Außenseite befindet sich eine außerordentlich deutliche Inschrift, die folgendermaßen lautet: Imp Caesare Aug. Germanico XV. Cos Exactus Ad. S. XVII. S. Habet P. XXXIIX... Der Name des Kaisers ist scheinbar aus dem Metall herausgekratzt. Nach der Meinung Sachverständiger ist der Kaiser Domitian gemeint. Der Name wurde abgekratzt, weil Domitian nach seinem Tode der Verachtung des Volkes anheim fiel. Das Gefäß stellt ein offiziell anerkanntes römisches Maß vor. Nach dem damaligen Maßsystem enthielt es 17½ sextarii. a Wie zwei unglücklich Liebende vereint wur⸗ den. Die in diesen Tagen in London erfolgte Erstaufführung des neuen Stückes„Die große Trommel“ von Arthur Pinero hat zu einem für das englische„Kunst“-Leben bezeichnenden Streit Ver⸗ anlassung gegeben.„Die große Trommel“ hatte, wie das bei allen Stücken Pineros in England üblich ist, einen großen Erfolg. Nur ein Umstand rief das Mißvergnügen des Publikums hervor: das Stück, das lustig beginnt, hat einen tragischen Ausgang. Der englische Theaterbesucher verträgt mancherlei; aber wenn das Liebespaar am Schluß des Abends auseinandergeht, statt sich gerührt und glücklich in die ausgebreiteten Arme zu fallen, fühlen die Inhaber der Parkettplätze sich sozusagen in ihren Gefühlen betrogen. Darum wurden die Londoner Blätter mit einer Flut von Zuschriften und Meinungsäußerungen über den Schluß des Pineroschen Stückes überschwemmt. Die Diskussion war heftig und wortreich und gipfelte in dem Argument, daß man in einer so traurigen Zeit von einem geschätzten Auto: wohl verlangen könne, daß er die Gemüter durch einen tragischen Stückschluß nicht noch mehr herabstimme. Nunmehr ist der Streit beendet. Wie die „Times“ bekanntgibt, hat Pinero das Stück geändert und darein gewilligt, daß das Liebespaar am Schluß in reinem Glück vereint werde! Es geht doch nichts über wahres Kunstempfinden Turin 10. Sept.(Privattelegramm.) Die„Stampa“ fährt aus Manta, daß in der prächtigen Eingangshall der Albertina Wandmalereien aus dem 16. Jahr⸗ hundert entdeckt worden sind, die Correggio zugeschrieben werden. 8 45 5 N 8 * 7 P N Surfer Sigtsmund gewohnt haben sttegenden Granat enund das Platzen der Schrapnells wird das g Ohr nicht eher gewahr, sodaß ich mich fast wundere, wie ein Soldat 8 an die Brust faßt und seitwärts gegen eine Wand stürzt und ein Zivilist den Arm sinken läßt und zu schreien anfängt. Die Trag⸗ bahre wird gebracht. Die lagernden Truppen, die die Mitte des Platzes vor dem Gebäude halten, ziehen sich in eine Seitenstraße. Ich gehe durch den Palast, der voll ist von Kunstwerken, schönen, geschmackvollen Möbeln, Bildern, Tischchen, eingelegten Schränken. Ein paar lichte Zimmer, die ganz englisch anmuten, gehören sichtlich der Hausfrau. In dem großen Empfangssaal, dessen Parkett spiegelnde Reflexe wirft, steht ein riesiger, aus⸗ gestopfter Auerstier aus dem Walde von Bielowesk. Tas Licht dringt von zwei Seiten in den Staatsraum. Dicht beim Fenster liegen zwei Rurssen. Sie liegen, als ob die Kugel sie eben ge⸗ troffen hätte, der eine hält noch das Gewehr, der andere ist vornüber wie im Sprung zum Fenster auf das Hesicht gefallen. Ein roter Streifen zieht sich auf dem Sternenmuster des Bodens. Inzwischen sammeln sich die Truppen zum konzentrischen Vormarsch. Singend marschieren sie durch den besetzten Stadtteil. Ich gehe in das Hotel, schnell meine bestellten Bissen zu essen, finde einen andern Tisch noch von ein paar Offizieren besetzt, und unter dem fortwährenden Dröhnen der Geschüttze wird am weißgedeckten Tisch„serviert“. Das russische Feuer auf die Stadt hört währenddem allmählich gänzlich auf, unsere Batterien, die jetzt am Niemen stehen, haben allein das Wort. 5 Gewehrseuer haltt herltber. Kurze Detonationen folgen in immer kürzeren Zwischenräumen. Man hört den Einschlag der Granaten. Der Bahnhof wird gestürmt. Von den Kasernen muß Haus bei Haus mit dem Bajonett genommen werden. Eine Helden⸗ lleistung der stürmenden Landwehrtruppen, die auf den heißen Tag von Grodno stolz sein dürfen! a Es wird wieder dunkler, der zweite Abend in Grodno be⸗ i„Was soll werden?“ Niemand weiß, wie weit wir sind. 1 Die Reserven stehen und warten. Geduldig, still. Auf dem Parade⸗ platz treffe ich bei dem Hin und Her, bei der Spannung, die keine Ruhe zum Sitzen oder Stehen läßt, auf den Regimentskomman⸗ deur eines ostpreußischen Regimentes. Ich hatte den Oberstleut⸗ nant in den dreckigsten Tagen vor Gumbinnen gesehen, dann beim Vormarsch, während der Winterschlacht.„Ich hatte schon weimal recht, wie?“ ruft er mir zu.„Kommste übern Hund, mmste übern Schwanz.“ Im übrigen haben wir den Bahnhof und die Kasernen, unsere Truppen sind bis zum Waldrand durch. Auf dem Wege höre ich, daß das Gouvernementsgebäude brennt. Ich mu ßdoch vorbei. Ein dünner Wasserstrahl plütschert auf einen Flügel, der leicht glimmt, viel Gefahr scheint nicht u seln. 7 Die Straße am Bahnhof entlang liegen die russischen Toten. Von den Kasernen her flammt immer neuer 2 auf. Es riecht nach Brand und Blut. Man kann in dem Wirrwarr von Eisenteilen, Drähten, Uniformen, Gewehren nicht mehr weiter, zumal die Dunkelheit bald alle Umrisse verschluckt. Durch die dunklen, menschenleeren Straßen stolpere ich in die Stadt zurück, die wir nun fest und ganz besitzen. Ein Offizier sagt mir, daß Fort V und VII seit zwei Stunden gefallen sind. i Aber die Stadt scheint zu brennen. Aus der Mitte steigt roter Qualm hoch. Das Gouvernementsgebäude brennt jetzt in hellen lammen. Funkengarben fliegen prasselnd zum Himmel, der größte 1 des Schlosses ist ein Flammenmeer Ein paar Soldaten stehen a und sehen in das Funkenspiel. An einem der kleinen Häuser auf g der andern Seite des Platzes sitzt ein Landwehrmann auf der Schwelle. Er spielt unbekümmert um alles, was um ihn vorgeht, Mundharmonika. „Ach, wie ist's möglich dann, Daß ich dich lassen kann, Hab' dich von Fe zen gern, Das glaube mir Sein bärtiges Gesicht, vom roten Schein überleuchtet, ist ganz verklärt und verfunken, und nach dem wüsten und harten Tag klingt mir der Abend in dem weichen Ton des Volksliedes aus. e 5 e ä 15. R soll. Das Heulen der über⸗J Noch im Halbschlaf sehe ich das gute tüchtige deutsche Geficht, das die Welt vergißt und die Schwere und die Not in Gedanken an zu Hause. Für die ward Grodno erobert, für die gehts weiter, immer weiter, und Heimweh und Siegesfreude mischen sich zu zitterndem Ton. In den ersten Halbschlaf aber dröhnen schon wieder die harten taktsesten Schritte der vorbeimarschierenden Regimenter, die kein Ende nehmen wollen. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. wandern und Reisen, Bäder und Sommerfrischen. In Jugenheim an der Bergstraße bietet das Pensionat Waldhaus in herrlicher Waldlage, geschützt, nach Süden offen gelegen, Herbsterholungsgästen einen angenehmen Aufenthalt. Die wunderbare Laubfärbung und der sich zum Schlafen vorbereitende Wald wird auf empfindsame Nerven, welche durch das Kriegsgetüm⸗ mel erregt sind und der friedlichen Eindrücke bedürfen, einen heilen⸗ den Einfluß ausüben. Im Vordergrunde stehen noch die herrlichen Früchte des Weines zur Traubenkur neben der bekannt guten Ver⸗ Hlegung. Nirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Sonntag, den 12. September, 15. nach Trinitatis. Gottesdienst. a In der Stadtkirche. ö Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Mahr.* Zugleich Christenlehre für die„Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde. Pfarrer Schwabe. Mittwoch, den 15. September, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Schwabe. Am künftigen Sonntag, den 19. September, findet Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde gemeinsam statt. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. 1 In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas gemeinde. 8 Vormittags 9½ Uhr: Pfarrer Aus feld. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannes⸗ gemeinde. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vo. ttags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Pfarrer Aus feld wartburg, evangelischer Junglings⸗ und Männer⸗bereln. (Diezstraße 15.) Sonntag, den 12. September: Vortrag. Dienstag, den 14. September, abends 8¼ Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 16. September, abends 85 Uhr: Leseabend. Samstag, den 18. Sept., abends 8 ¼ Uhr: Aeltere Abteilung. Gäste stets willkommen. Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6—7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesge meinde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. Cvangelischer Gottesdlenst. Sonntag, den 12. September, vormittags 10 Uhr. Vormittags 11 Uhr: Christenlehre für die männ⸗ liche Jugend. Lollar: Sonntag, den 12. September, nachmittags 1½ Uhr. Daubringen: Mittwoch, den 15. September, abends 8½ Uhr: Kriegsbetstunde. Dekan Guß mann. Kirchberg: vom 11. Februar 1888, fordere ich der Anmeldung sind die Aus musterungsscheine . „ e e Katholische Gemeinde. 77 5 Gottesdienst. 8 5 Samstag, den 11. September: 8 Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag, den 12. Sept, 16. Sonntag nach Pfingsten⸗ Jest Mariae Geburt. Vormittags 6¼ Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. um 7 Uhr: Heil. Messe. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. um 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. darauf Muttergottes- „ * 1 1 Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; Andacht mit Segen. Dienstag und Freitag abend um 8 Uhr ist Kriegsbittandacht. Diaspora⸗Gottesdienst. a Sonntag, den 12. September: 5 Grünberg um 9½ Uhr. n Hungen um 9˙½ Uhr. In Lich um 8 Uhr. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Aufruf der im Frieden als„dauernd untauglich! Aus⸗ gemusterten. Auf Grund des Gesetzes zur Abänderung des Rei ilitär⸗ gesetzes sowie des Gesetzes, betreffend Aenderungen der licht 8 hiermit alle in der Zeit vom 8. September 1870 bis 31. Dezember 1895 geborenen, als dauernd untauglich ausgemuster⸗ ten Personen auf, sich in der Zeit vom 16. bis zum 18. September 1915 bei der Bürgermeisterei ihres Wohn ortes zur Aufnahme in die Landsturmrolle Bei (gelben Scheine vorzulegen. 5 85 Nichtanmeldung hat Bestrafung nach den Militärgesetzen zur Folge.. Gießen, den 10. September 1915. Der Zivil vorsitzende der Ersatz⸗Kommission des Kreises Gießen. 5 J. V.: Hemmerde. * Betr.: Wie oben. An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Obige Bekanntmachung wollen Sie sofort in üblicher Weise mehrmals bekannt geben lassen und die Anmeldenden in— sturmrollen aufnehmen. Das Formular zu letzteren kann von der C. F. Winterschen Buchdruckerei in Darmstadt bezogen werden. Die Landsturmrollen sind jahrgangsweise— also für jeden Jahr⸗ 1. besondere Liste— und möglichst in alphabetischer Reihen⸗ ge anzulegen. Die Listen müssen am 19. September hier eintreffen. Gießen, den 10. Sept 1915, 0 Der e Ersdtz⸗Kommission des Kreises Gießen. V.: Hemmerde. 7 * . 9 W 1 eine statt über Aus Anlaß der Auflegung der dritten Kriegsanleihe findet Dienstag, den 14. Sept. 1915, abends 8 . g in der neuen Aula (Eingang von der Ludwigstraße oder Goethestraße) Oeffentliche bersammlung ie neue Kriegsanleihe. 1. Vortrag des Herrn Professor Dr. Skalweit: 1 1 „Warum zeichnen wir die Kriegsanleih f 2. Schlußwort: Herr Oberbürgermeister Keller. * eꝰ. 8 1