g gedenkt auch Nikolaus II. öFdeites Blatt Erscheint taal mit Ausnahme des Senntags Die„Slehener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ tagen“ erscheinen monatlich zweimal. Flucht des Zaren. von A und Irland, so . Nike seine Residenz zu wechseln. Scheinbar freiwillig, natürlich. 8 soll ee ge⸗ schoben werden. Eine Pilgerfahrt nach Kiew zum Beispiel, oder eine Erholungsreise nach der Krim wäre kein übler Vorwand. Der Zar ist gesundheitlich völlig zusammen⸗ gebrochen, heißt es. Großfürst Generalissimus Nikolai war vorige Woche wieder am Petersburger Hofe und hatte eine lange Unterredung unter vier Augen mit Väterchen. Da kann man den Zuervlichen“ Zusammenbruch des Zaren schon verstehen. Offiziell wird es heißen, der Zar müsse in einer stilleven Uu ung Heilung von der Nervenkrisis suchen. Der he mliche Zweck aber ist erreicht: Nikolaus ist aus dem Bereiche anderer, vielleicht zum Frieden geneigter Berater gebracht, allen sonstigen persönlichen Einflüssen entzogen Nikolai⸗Nikolajewitsch aber herrscht unbeschränlt und treibt mit seinem zum Wahnwitz entarteten Starrsinn Rußland dem völligen Verderben entgegen. Wer trägt die Verantworturg für das, was sich nun weiter ereignet? „Man wirft mir stets meine Schwäche vor, aber diese kommt nur daher, weil man mich von jeher in völliger Willen⸗ losigkeit gehasten und mir gewissermaßen verboten hat, ohne besonde: 2 Erlgubnis auch nur einen Finger zu be⸗ wegen“, so äußerte sich Nikolaus II. einst im bitteren Zorn über seine geknechtete Jugend. Vollkommen durchsetzt von der barbarischen Lebensanschauung Zar Alexanders, dul⸗ deten die zieher auch nicht daß geringste geistige Auf⸗ flammen des jun Thronfolgers. Unvorbereitet für die schwere Aufgabe, die ihm in dem Alleinherrschen über alle Reußen bevorstand, sah er sich plötzlich an der Bahre seines Vaters, des Mannes, dem er auf alle Wünsche und Fragen immer nur geantwortet hatte:„Wie Du es befiehlst, Väter⸗ chen.. Und als dieser Vater auf dem Sterbebette den Wunsch äußerte, das Russische Reich in den Bahnen weiterzuleiten, wie er es getan hatte— in den Bahnen einer e, panflawistisch⸗gehässigen Politik, da wußte Nikolaj auch nichts anderes zu stammeln als:„Wie Du be⸗ fiehlst, Väterchen“ Dieses„Wie Du willst, Väterchen“ war nun die Richtschmur seines Handelns, alles geschah im Sinne des Vaters. Er ü das Beamtentum des Vaters, die Polizeiherrschaft und das deutschfeindliche Mi⸗ nisterium. Immer mehr wurde er nicht nur von der Klique der Großfürsten und der Zarin⸗Mutter(die auch in einem ständigen Krieg mit der Zarin⸗Gattin lag) umsponnen, sondern er wurde auch aus Furcht vor Revolution und Die Wie Georg V. Attentaten herzlos. Sein ganzes Leben ist beherrscht von„„ i„ 5 a 5 riez we Unter⸗ Arbeit roduktion in Furcht. Leo Tolstoi sprach vom„Zaren als von einem R e e* e Rubel armen, scheuen, jungen Manne“ Dumont nannte ihn Lebensmittel 3052 22450 154 ein„furchtsames, scheues und melancholisches Geschöpf“. Gewebe 1166 150 300 341 Seine Urteils- und Denkkraft ist so gering, daß man ihm 1918 25 440 48 unausgesetzt iese in die Rocktaschen und ins Bett. 1510 62 000 110 schnuggeln donnte, daß er auf den Gedanken fam, und Hütten 5 1700 5 daß die gen in seiner 5 Umgebung zu finden 5— 67 15 400 25 en D gane de sich au bie Pasduktten der wihtinsen Zweige wenn er sich 1. Leibdiener einmal auf russische Weise der polnischen Induslrie beziehen, sind für: 3 Es ist beinahe natürlich, daß eine so ängstliche,. 6000 0 8 Rohei 426 000 nen chwache und 1 Persönlichheit, die inmitten von Angst um das eigene n die„Selbstherrschaft“ über das Riesenvolk der Reußen zu führen hat, im Kriege, im Welt⸗ kriege vollständig versagt. An die Stelle seines Befehls trat der seines willenskräftigen Vetters, des Hünen von der gesünderen Linie der Romanows, des Führers der Groß⸗ fürstenpartei. An jenem 25. Juli 1914, der für Rußlands Schicksal entscheidend wurde, erschien Nikolajewitsch beim Zaren und stellte ihm das Ultimatum: Entweder abdanken oder die Mobilmachungsorder unterschreiben. Väterchen unterschrieb, mußte sich einschließen und durfte weder Sa⸗ sonow noch den Kriegsminister vorlassen. So konnte dieser und der russische Generalstabschef ihr berüchtigtes wort abgeben, es sei kein Mobilmachungs befehl ergangen. Aber der Vetter des Zaren hatte das Papier in der Tasche. Und der Vetter machte dann alles. Wer trägt die Verant⸗ wortung? Vor der Geschichte beide. Unfähig, die entsetz⸗ lichen Folgen seines Schrittes zu begreifen, schwankte der 5 105. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Zar auch weiterhin von einem Entschluß zum andern, ließ sich Unterschriften unter Schriftstücke entlocken, deren In⸗ halt er nicht kannte, deren Wirkung er sich nicht die Mühe nahm, vorauszuberechuen. Kaum, daß er sich über dies oder jenes einen knappen Vortrag halten ließ. Drohte ein selb⸗ ständiger Gedanke im Schreibzimmer des Gossudars auf⸗ . gleich hielt das Auto des Generalissimus vor em Zarenpalast, und die erlassenen Befehle wurden rück⸗ hieß es gemacht.„Der Kaiser hat es sich anders überlegt“, sieß es. Nikolai war da gewesen. Nikolai ist die Revolution von oben. Während der Zar vielleicht immer noch die Revo⸗ lution von unten, jetzt als Folge der Kriegsniederlagen, fürchtet, sieht er nicht die Schlinge, die ihm von oben uber den 1 55 geworfen werden soll. Der Krieg ist für Nikolaje⸗ witsch der Umweg zur Entthronung des Zaren und zur Entmündigung des Thronfolgers. Dieser Plan bestand, so⸗ lange die russische Dampfwalze nach Ostpreu hinein und über Galizien hinfuhr, Dieser Plan besteht heute erst recht, da alles schief geht und„Nikys“ Regierung zusammenbricht. Nikolaus II. Entfernung aus Petersburg ist vielleicht schon der erste Schritt zum Ausbruch der Palastrevolution, das Signal zu einer Familien⸗ und Throntragödie, die neben dem furchtbaren Drama des Krieges einhergeht. Statistisches über Warschau. Die dritte Hauptstadt des russischen Reiches mit rund einer Million Einwohner wurde durch ihre Lage an der Weichsel, dem so wichtigen Wasserweg, und durch die Nähe des Kohlen⸗ und Erz⸗ distrikts sehr schnell zum Mittel punkt der Industrie und des Han⸗ dels, als Rußland in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts zum Schutzzollsystem überging. Dieses Zollsystem veranlaßte auch die Uebersiedlung industrieller Unternehmungen aus Deutschland nach Russisch⸗Polen. Auf diese Weise entstand die mächtige Webe⸗ industrie in Lodz und die Metallindustrie, deren Handelszentrum Warschau wurde.. 1 Diese wirtschaftliche Entwicklung des westlichen Teiles von Polen beruht hauptsächlich auf der sehr intensiven Bewirtschastung dieses Landes, in welchem auf ein Kilometer viermal so viele Ein⸗ wohner und zweimal so viele Bahnen kommen wie in Rußland. Nach der letzten amtlichen Statistik besitzt Polen 10 953 indu⸗ strielle Unternehmungen, die rund 400 000 Arbeiter beschäftigen. 5 18 85 der industriellen Produktion beträgt 923 Millionen el. Seitdem diese Zahlen festgestellt wurden, entwickelten sich der Handel und die Industrie in Polen weiter, besonders die Webe⸗ industrie. In diesem Industriezweig gab es im Jahre 1910 1116, im Jahre 1913 bereits 11 412 Unternehmungen. Die Daten über die wichtigsten Industriezweige in Polen sind folgende: 8 oheisen Eiserne Halbfabrkkate Fertige eiserne Fabrikate Spiritusindustrie Zuckerindustrie 605 000 Tonnen 451000 Tonnen 79 50 2 terzentn. Erdstärkeindustrie 1 200 000 Pud Zementindustrie 1 900 000 Tonnen. Die jährliche Produktion Warschaus wird auf 100 Millionen Rubel, die von Lodz auf 250 Millionen Rubel geschätzt. Hat die industrielle Produktion Warschaus einen geringeren Geldwert als die Produktion von Lodz, so ist diese Erscheinung darauf zurück⸗ zuführen, daß Warschau eine große Anzahl kleiner industrieller Unternehmungen besitt, während sich in Lodz ausschließlich Unter⸗ nehmungen großen Stils befinden. Besonders in der Baumwoll⸗ industrie gibt es keine kleinen und mittelgroßen Unternehmungen. Es existieren fast ausschließlich große Unternehmungen, die die Hilfs⸗ und Neben produktion mit der Hauptproduktion vereinigen. In der Metallindustrie, die in Warschau eine sehr große Rolle spielt, tritt eine solche Tendenz nicht so stark auf. Jedoch hat Warschau an großen Fabrikunternehmungen mehr als dreihundert. Dienstag, 3]. August 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts⸗Buch⸗ und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 5l, Schrift⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Warschau nimmt auch im Handel eine hervorragende Stel⸗ lung ein. Der Septembermarkt für Hopfen, die Junimärkte für Wolle sind von großer Bedeutung. Die Wollmärkte haben in den letzten Jahren zwar abgenommen, weil die Schafzucht sich ver⸗ ringert hat, dagegen ist der Holzhandel bedeutend gestiegen. Der Hauptabnehmer ist Deutschland, nach diesem Oesterreich⸗Ungarn. Welchen Umfang der Abtransport der großen Fabriken nach 1 9 angenommen hat, wird sich in allernächster Zeit her⸗ ausstellen. Gerichtsfaal. Kriegsschwindeleien. Angetan mit einer Bootsmannsmaat⸗Uniform und dem Abzeichen als Marineflieger, die Brust stolz geschmückt mit der Chinamedaille und den Tapferkeitsauszeichnungen, bereiste er ganz Deut sch land. Ueberall ließ er sich von den Pflegestationen des Roten Kreuzes bewirten, knüpfte Reisebekanntschaften an und verstand es ausgezeichnet, diese für sich auszunützen. Die Leute waren von der Schilderung seiner Heldentaten und der erduldeten Strapazen gerührt, und sie überboten sich dem„Helden“ gegenüber in Wohl⸗ taten aller Art. Dieser füllte ihm die Taschen mit Rauchwaren, jener quartierte ihn auf seine Kosten in einem guten Gasthause . Leipzig, 30. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reichs ⸗ gericht verwarf die Revision des Arbeiters David Lucht und dessen Ehefrau, die vom Schwurgericht Bielefeld am 5. Juli 19 wegen Mordes zum Tode verurteilt worden waren. Die A geklagten hatten am 8. Mai 1914 gemeinschastlich die dreijährige vorehelich geborene Tochter Martha zu Jöllenbeck ermordet und außerdem der Ehemann am 18. Februar 1915 zu Oberjöllenbech das eheliche Kind beider Angeklagten, die neun Monate alt Tochter Frieda. 5 12 12 ener von Bergmann& Co., Radebeul, für zarte weisle Haut und blendend schönen Teint, à Stück 50 Pfg. Uberall zu haben. Der Gesang der Gefangenen. Von Fritz Mack.. Es war während des Rundgangs durch das große Lager, das zehntausend gefangene Russen aufnahm, Abend geworden. Die Somme stand rotglühend über einer schwarzen Kieferuwand hinten am Horizont. Ihre letzten Strahlen schlichen sich eben durch die schmalen Oberlichtfenster in eine der großen, halb in die Erde eingebauten Wohnbaracken der Russen und tauchten das lebhaft⸗ bewegte Bild in eim beinahe feierliches Licht. um die Altäre unserer Kirchen schwebt, wenn die Sonne durch bunte Spitzbogenfenster gedämpft wird. Die Russen saßen oder standen plaudernd in Gruppen umher, die meisten von ihnen barfuß. Sie batten die Stiefel neben ihre Lagerstätten gestellt und ließen sich den warmen, märkischen Sand wohlig über die Füße rieseln. Das Ganze ein Bild, wie es Max Liebermann gut malen müßte. Niemand läßt sich durch unsere Anwesenheit stören. Erst als ein blonder, untersetzter Russe, feingliedrig und mit einem etwas weichlichen Gesichtsausdruck, im Rahmen des Eingangs erscheint, aut alles auf. Es ist der Aufseher dieses Gefangenenhofes, ein 5 1 0 der ziemlich fließend deutsch spricht. Er ruft die Sänger zum religiösen Abendgesang. Eine Schar von knapp zwei Dutzend Russen mee sich um einen schlanken, schwarzgelockten Russen mit einem prachtvoll rassigen Kopf, in dessen Augen ein heißes slawisches Temperament glüht. Er ist im Zivilberuf Opern⸗ sänger in Odessa und hat hier unter seinen Kameraden offenbar einen kleinen Chor zusammengebracht, der seinen musikalischen und erzieherischen Fähigkeiten alle Ehre macht. Er selbst übt neben dem Amt d trigenten das eines Vorsängers, wie wir es in unseren Synagogen sehen. 5 5 Die Russen, die nicht mitsingen, haben sich neben den Ein⸗ gängen in ihre Baracken aufgestellt und nehmen jetzt mit den Sängern ihre Mützen ab. Der metallische, ungemein wohlklingende Tenor des Vorsängers ertönt jetzt weit in die abendliche Stille hinein Der Sänger legt Seele in sein Lied, und als der Chor, nach Art eines gutgeschulten Männerchors, pünktlich und sicher einsetzt, fühlt man die innerliche Art des Vortrags. Es ist ein veligiöses Lied, eine schwermütige, getragene Weise, die in dieser besonderen Umgebung, in Anblick der vielen hundert andächtig chenden Russen und bei der feierlichen Ruhe der abendlichen 15 seltsam ergreifend wirkt. Neben dem Eingang einer a Mon⸗ gelben und schlürtte seine Abendsuppe So etwa, wie es läß Augen verlieren den stumpfen Ausdruck. Scheu, wie schuldbewußt, sieht er sich um, beobachtet seine Kameraden, dann haben die heimatlichen Töne auch seine Seele in ihren Bann gezwungen. Auch wir, wohl alle in dem Gedanken an unsere gefangenen deutschen Brüder in Feindesland, sind nachdenklich geworden. Auch sie werden manchesmal, genau wie diese Russen hier, im heimat⸗ lichen Lied Trost und Vergessen für ihre Leiden finden. Der lebhaftere Rhythmus eines Soldatenliedes, aus dem russisch⸗japanischen Krieg, wie uns der blonde Referendar erklärt, äßt uns erneut aufhorchen. Wieder singt der glutäugige Opern⸗ sänger aus Odessa vor, und wieder setzen die anderen, sicher und ohne Schwanken ein; keiner kommt zu früh, keiner hängt nach. Auch ein Liebeslied,„Poltawa“, das die Russen jetzt an⸗ stimmen, singen sie in derselben Weise. An den benachbarten Sammelhöfen drängen sich die Gefangenen an die Stacheldraht⸗ umwehrungen und lauschen herüber. Einem baumlangen Basch⸗ kiren, den die Lammfellmütze noch größer erscheinen läßt, schim⸗ mern die Augen feucht, und nach einer Weile zittert ein Tropfen in seinen struppigen Bart. Der kleine Referendar hat ein ge⸗ zwungenes Lächeln im Gesicht. 1 5 Wir sind weitergegangen. Die frische Stimme klingt auch aus der Ferne noch deutlich an unser Ohr. Gedämpft tönt der Gesang der anderen herüber. Ich muß mich gegen eine plötz⸗ lich aufsteigende weiche Regung wehren. Diese Russen hier sind Gefangene aus der Schlacht von Tannenberg. Damals waren sie plündernd, sengend und mordend in unser Ostpreußen ein⸗ gefallen, hatten gehaust dort wie Wilde. Und heute singen sie weiche Liebeslieder! Und weinen dabei! Rätsel der Volksseele! * — Das Grab der„Königsberg“ im Palmen hain. Eine anschauliche Schilderung vom Untergang der„Königsberg“ wird von einem Augenzeugen in der New Yorker Times gegeben; sie verdient trotz der vielen Erzählungen, die wir schon über den Heldentod des Schiffes und seiner tapferen Mannschaft ge⸗ hört haben, ihrer wirkungsvollen Lebendigkeit wegen besonderxe Be⸗ achtung. Der Schreiber schildert den abgelegenen von Urwaldsfrie⸗ den erfüllten Ort im afrikanischen Dschungel, zu der noch kein Laut von dem durch die Welt brausenden Krdegslärm gedrungen war.„Seit langer, langer Zeit hat sich hier nichts ereignet; viel⸗ leicht ist hier überhaupt noch niemals etwas passiert. Da kommt eines Tages den verborgenen Fluß vom Meere her ein Schiff herauf, so groß, daß es die Wasser über die User treten läßt. Es in den ruhigen Himmel recken. Das Schiff macht Halt; Leute dom⸗ men an Land; sie führen Erdarbeiten aus zu irgendeinem geheim nisvollen Zweck. So manchen Tag arbeiten sie und richten si im Urwald ein, und als ihre Arbeit getan ist, ruhen sie aus in der paradiesischen Natur. Wochen vergehen. Das Schiff paßt sich der Landschaft an, wächst gleichsam hinein in den Rahmen des großen Palmenhains, der es umgibt. Die merkwürdigen Leute, die darauf ankamen, sind auch hineingewachsen in die Sti i dieser lieblichen Flußufer, erscheinen wie friedliche Ansiedler, d hier eine freundliche Muße genießen. Und so geht die Zeit ihren Gang, lautlos und langsam, bis plötzlich in den Wolken etwas erscheint, etwas, das einem Vogel ähnlich sieht, aber größer und größer wird. Die Leute von dem Schiff sind augenscheinlich aber⸗ gläubisch. Sie sehen in diesem dunkelkreisenden Vogel ein Zeichen des Unglücks und schießen auf ihn. Doch der Vogel entschwebt, und wieder breitet sich der idyllische Friede des Urwaldes aus, kei Zeichen drohender Gefahr am Himmel. Und doch haben die Leute recht gehabt, denn es dauert nicht lange, da zerreißen furchtbare Töne die Urwaldstille. Wolken tauchen auf, hinter denen es blitzt wie bei einem Gewitter. Eine verheerende Gewalt bricht in den Palmenhain und reißt alles nieder. Ein Eisen gel daher aus der Ferne. Die Leute im Urwald 1 2 Gleices i Gleichem; auch sie fenden große blitzzuckende Wolken in die Rich⸗ tung, von der die andern kamen. Als das Feuer aufhört, ist das Schiff schwer beschädigt, so mancher ist tot, und Hunderte von schönen Palmenbäumen liegen entwurzelt da. Wieder tritt Ruhe din, aber es ist die unheimlich schwüle Ruhe vor dem Sturm. Eine Woche später erscheint der Unheilsvogel von neuem; wieder don⸗ nert's und saust brüllend durch den Palmenhain, und diesmal kommen die vernichtenden Geschosse immer schneller, immer näher; immer langsamer und immer seltener antwortet es von dem Schiffe, bis schließlich das Schiff eine hilflose Masse ist. Dann fliegt der große Vogel sort, und mit einer Art grausiger Befriedigung scheint er die Stätte der Vernichtung zu verlassen. Etwas Seltsantes i da im Palmenhain an dem verborgenen Fluß in Afrika geschehen, und es liegt nicht viel von der schaurigen Größe und Gewalt dieses Ereignisses in dem Bericht der britischen Admiralität, den man am nächsten Tag in den Zeitungen liest und der mit dürren Worten besagt, daß der deutsche Kreuzer„Königsberg“, der sich in den Rufiji⸗Fluß in Ostafrika, von dichten Palmen verdeckt, gerettet hatte, von einem Flugzeug aufgespürt und von englischen Mont⸗ toren zusammengeschossen wurde.“ N 0 *„ acken sal; 3 Russe mit einem tet sich mit einem Male auf, und seine 0 3. 18 5 5 5 3 5 ist noch höher als die hohen Palmen, die ihre Wipfel so friedevoll 1 Bekanntmachung betreffend Bestandserhebung von Schlafdecken und Pferdedecken(Woilachs). Nachstehende Verordnung wird auf Grund des Gesetzes über Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 bezw. auf 1 des Baherischen Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Uebertretung— worunter auch verspätete oder unvoll⸗ ständige Meldung fällt— soweit nicht nach den allgemeinen en 5 Strafen. sind, nach 8 5% der Be⸗ kanntmachung Vorratserhebungen 2. F 1915 bestrast wird. ort. ng vom Februa. 31 f Inkrafttreten der Verordnung. 4 Verordnung tritt mit der Verkündung am 31. August 1915 0. ü„Meldepflichtige Gegenstände. 5 „Mekldepflichtig sind: sämtliche, nicht im Gebrauch befind⸗ lichen Vorräte von „Schlafdecken aus Wolle, „Schlafdecken aus Wolle gemischt mit Baumwolle oder an⸗ Deren pflanzlichen Spinnstoffen, Schlafdecken aus Baumwolle, 5 Haardecken, 5. Pferdedecken(Woilachs). Nicht meldepflichtig sind: a) Decken zu 1—4, welche nicht ein Mindestgewicht von 1250 g, sowie eine Mindestgröße von 1804130 om(d. h. Mindest⸗ länge von 180 und Mindestbreite von 130 cm) haben, b) Tischdecken, sogenannte Bettdecken(d. h. Tages⸗Ueberdecken oder Steppdecken), Divandecken, Kommodendecken, Reise⸗ decken, Wandbehänge, Decken mit Fransen(sogenannte Reise⸗ — b ) Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft, auch können Vorräte, die ver⸗ egen sind, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. er fahrlässig die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Ver⸗ ordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geld⸗ strafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit 2 0 c) Filzdecken, 5 g. N 5 d) Vorräte an Decken, die geringer sind als(Mindestvorräte): 100 Stück von einer einzigen Qualität oder 300 Stück von sämtlichen meldepflichtigen Beständen insge⸗ samt, gleichgültig wieviel von einer einzelnen Art vor⸗ handen sind. 8 3. Meldepflichtige Personen usw. a Zur Meldung verpflichtet sind alle handel⸗ oder gewerbe⸗ treibenden natürlichen oder juristischen Personen, ferner alle Wirt⸗ schaftsbetriebe, sowie Kommunen, öffentlich rechtliche Körperschaften und Verbände, die Eigentum oder Gewahrsam an meldepflichtigen Gegenständen(8 2) haben, oder bei denen sich solche unter Zoll⸗ aufsicht befinden. 5 3. Vorräte, die sich am Stichtage(8 4) nicht im Gewahrsam des Eigentümers befinden, sind sovohl von dem Eigentümer, als auch von demjenigen zu melden, der sie zu dieser Zeit in Gewahrsam hat(Lagerhalter usw.).. i Die nach dem Stichtage eintreffenden, vor dem Stichtage aber schon abgesandten Vorräte sind nur vom Empfänger zu melden. Ist über eine Lieferung eine Meinungsverschiedenheit vor⸗ handen oder ein Rechtsstreit anhängig, so ist neben demjenigen, der die Ware in Gewahrsam hat, derjenige zur Meldung ver⸗ pflichtet, der sie einem Lagerhalter oder Spediteur zur Verfügung eines anderen übergeben hat. 5 8 4. i Stichtag und Meldefrist. a Die im 8 2 bezeichneten Gegenstände sind von den in 8 3 bezeichneten Meldepflichtigen zu melden. 5 Maßgebend für die Meldepflicht ist der am Beginn des 1. September 1915(Stichtag) tatsächlich vorhandene Bestand. Die Meldungen sind bis zum 12. September 1915 unter Benutzung der vorschriftsmäßig auszufüllenden amtlichen„Melde⸗ scheine für Decken“(8 5) an das Webstoffmeldeamt der Kriegs⸗ Rohstoff⸗Abteilung des Kgl. Kriegsministeriums, Berlin SW. 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, 775 erstatten. 8 5. Meldescheine. 5 1 Die amtlichen Meldescheine sind bei den örtlich zuständigen amtlichen Vertretungen des Handels(Handelskammer usw.) an⸗ zufordern. 5 5 15 5. Die Anforderung hat auf einer Postkarte(nicht mit Brief) zu erfolgen, die nichts anderes enthalten darf, als die Kopfschrift: „Betrifft Meldescheine für Decken“, die kurze Anforderung der Meldescheine und deutliche Unterschrift und Firmenstempel mit genauer Adresse. 5 Die Bestände als 2 am sind nach den vorgedruckten Sorten getrennt stoffmeldeamt einzusenden. sendung von Meldescheinen benutzten Briefumschläge ist der Ver⸗ merk zu setzen:„Enthält e für Decken“. 5 9 0 Qualität in Eigentum oder Gewahrsam, so hat er je eine Decke übersenden. Pappzettel zu versehen, auf dem der Name, Wohnort und Straße des Einsenders, die Anzahl der von dieser Qualität vorhande Decken, sowie das Dessin mit deutlicher Schrift vermerkt sind. werden. jede Aenderung in den Vo sichtlich sein muß. Soweit der Meldepflichtige bereits ordnungs⸗ gemäß ein derartiges Lagerbuch führt, braucht er kein besonderes Lagerbuch einzurichten. die Prüfung des Lagerbuches sowie die Besichtigung der 0 n in denen meldepflichtige Gegenstände zu ver⸗ muten sind. 12 n betreffen, sind an das zu richten. erhebung für Die Meldescheine sind ordnungsgemäß frankiert an das Web⸗ Auf die Vorderseite der zur Ueber⸗ *. Muster. f Hat ein Meldepflichtiger mindestens 300 Decken derselben Muster, ordnungsmäßig frankiert, dem Webstoffmeldeamt zu Von reinbaumwollenen Decken sind keine Muster einzusenden. Die Musterdecken sind an der Seite mit einem gut befestigten nen werden den Einsendern wieder zurückgeschickt 87 5 5 Lagerbuch. Jeder Meldepflichtige hat ein Lagerbuch einzurichten, aus dem rratsmengen und ihre Verwendung er⸗ Die Musterdechen Beauftragten der Polizei⸗ oder Militärbehörden ist. e* Anfragen und Anträge. Alle Anfragen und Anträge, die vorliegende Verordnung Webstoffmeldeamt der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Kriegsministeriums, Berlin SW. 48, Verl. Heben. ft 5 5 8 0 Briefum owi Kopfe 1 den Vermerk tragen:„Veli. de 2 5 ecken“. 8 Frankfurt(Main), den 31. August 1915. Die Fragen und Anträge müssen auf dem Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. anzugeben. Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps. 5 Wenselange Die durch Versetzung des Herrn Prof. Dr. Hohlweg im . uli frei gewordene 6888 Villa Wenne 7 f. sof. od. später 1 verm. Näh. Wilkelmstr. 5 I. Alicestraße II o . schöne . Wobnung zu verm. 3361 Naberes daselblt 1. Slack 1 7 Zimmer 1 Sele L Zinmerwohng. preisw. N mit Bad zu vermieten. 5174 A. Geißner, Plockstraße 9. G Zimmer 8 Eimmer- Wohnung ver 1. Oktober zu vermieten. 5553] Ludwigstraße 26 II. 6495 Wilbelmstraße 8 III. 6Zimmerw. mit Bad, Loggia und allem Zubeh zu verm. Näheres Frankfurter Str. 29. 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An Vermieter, die Mietbeträge abholen Montag, den 6. September 1915. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadthaus, Zimmer Nr. 16, statt.„ en „Die Auszahlungen können nur an den vor: geschriebenen Tagen stattfinden. 5 5 Am Dienstag, den 7, September 1915, nachmittags 3 Ubr, werden im Städtischen Hospftal, Selterswea! eine Anzahl Kleidungsstücke, Möbel und ene gegenstände aller Art versteigert. 8 69⁴⁸ Kokspreise, gültig vom 1. Se Es kostet 1 Zentner ab Gaswerk: bei Abnahme von mindestens 10 Ztr. 1„„„ „ 1 5„ 1 K 1 7 1 ent 1. ennig fü berbalb d ch die er Oklroi⸗Rückvergütung v um den Betrag für den Zentner.