0 2053 Der oletener viermal Fernsprech= A für die Schriftl. 1 eitung Verlag, Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: wöchentlich Hiessener Familienblätter; eimal wöchentl. Kreis- latt für den reis Gleßen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land: wirtschaftliche Zeitfragen uschlüsse: Geschäftsstelles1 Adresse sür Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Notationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. 112 Gener ießene 165. Jahtgang 9 al⸗Anzeiger für Buch⸗ und Steindruckerei A. Lange. Schriftleitung, Montag, 30. August 101 Bezugsprei⸗ monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel jährl. ausschl. Vestellg Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den volitischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Er (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. franzo si kopf(nördlich vo Auf einem gro der Artillerien und Feindliche F ende, Middel Baden) wurden bomben getötet. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls In den Ge berg ist wurden gefange Maschinengewehre unserer Front den abgeschlage Südö neralobersten v. E Zwischen dem n. mird verfolgt. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Die Heeres Forst und übe 8 to wok— Mycz chawiec⸗ und de pen den geschla sche Reiterei warf e Notiz: Rad . Swi Poniewiec. bn 3 West l Keine wesentlichen Ereignisse. O est l Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Südöstlich von Kowno w Widerftand gebro weichenden Russen. Das Waldgelände östl schritten, weiter südli Dombrowo Linie schnitt(östlich von Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. Die durch den Bialowieska⸗ Heeresgruppe nähert sich mit ihrem recht 30 w b. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Unter Nachhutkämpfen wurden die Russen bis in die Linie Poddobn Tewli— Kobryn gedrängt. 5 Unsere von Süden her durch das Sumpfgelände vor⸗ dringenden Verbände haben den Feind bis nahe vor Ko⸗ bryn verfolgt. Mit einer Ro mit tiefem Absche Maskierung ihrer wohnern, ihr unter viele Frauen und griffen entge Feuer unter ihnen Süd ö st Die verbündeten genen Feind über die Linie Pomorzany— Koniuchy— Kozowa und hin rückgeworfen. , Am Samstag on der Bieden 0 Je fechten nordöstlich von Bausk und Schön⸗ der Gegner geworfen. Ueber 2000 Russen zwischen Radsiwilischki und Swjadosze wur⸗ stlich von Ko wno schreiten die Truppen des Ge⸗ gruppe ist im Vordringen in den Bialowieska⸗ r die Lesna⸗ am Unterlauf sie bereits ge Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Igung ist die Straße Kamieniec— Li⸗ ez zee überschritten. Zwischen dem Mu⸗ gestern Kobryn) eine feind li Südöstlicher Kriegs Unter Führung des Generals Gra deutsche und österr.⸗ungar. Truppen ge Sipa nördlich und südlich von Brzez Stellungen durchbrochen. N genangriffe wurden Gegner nach weiteren wird verfolgt. roßes Hauptquartier, 29. August. 1 e wo na de Huupfe zum Stellungskrieg erstarrt waren, der neue Durchbruch in Ostgalizien. Die finkenden Hoffnungen der Entente. * oßes Hauptquartier, 28. August. scher Handgranatenangriff auf Linge⸗ un Münster) wurde abgewiesen. 1 n 1 5 1 war die Tätigkeit r Flieger rege. lieger bewarfen ohne Erfolg O st⸗ kee und Brügge. In Müllheim ei Zivilpersonen durch Flieger⸗ ker dr v. Hindenburg. ngenommen zwei Geschütze und neun erbeutet. Feindliche Vorstöße gegen Teile ichhorn siegreich weiter vor. Bobr und dem Bialowieska⸗Forst Die Stadt Narew ist besetzt. en Leopold von Bayern. Prawa, deren östliches Ufer nommen hat. v. Mackensen. 3 m Prywet⸗Fluß treiben unsere Trup⸗ genen Feind vor sich her. Deut⸗ bei Samary(an der Straße Kowel— che Kavalleriedivision. auplatz. n Bothmer haben stern an der Zlota⸗ any die russischen üchtliche feindliche Ge⸗ blutig abgewiesen. Heute früh gab der Mißerfolgen den Widerstand auf; er Oberste Heeresleitung. schki liegt 10 Kilometer östlich siwili 8 östli e liegt 60 Kilometer östlich a do stz icher Kriegsschauplatz. icher Kriegsschauplatz. v. Hindenburg. urde hartnäckiger feindlicher unsere Truppen folgen den ich von Augustow ist durch⸗ ch wurde in der Verfolgung die Gorodok— Narewka⸗ Ab⸗ der Stadt Narem) erreicht. chen; Forst verfolgende en Flügel Sceres⸗ v. Mackensen. o(an der Straße nach Fruzana)— heit, die unsere Truppen und unser Volk u erfüllen muß, haben die Russen zur Stellungen Tausende von Ein⸗ e eigenen Landsleute, dar⸗ Kinder, unseren An⸗ gengetrieben. Ungewollt hat unser einige Opfer gefordert. licher Kriegsschauplatz. 3 9 75 haben den gestern geschla⸗ ter den Koropiez⸗Abschnitt zu⸗ Oberste Heeresleitung. . ö brachten die Tages berichte die Meldung hme der Offensive in Ost⸗ der Schwenkung der Armee Mackensen sprechereien Sasonows f und wo sich seitdem an der Zlota⸗ bedeutsamere Tätigkeit gegenüberla hat auch dort wieder zum Durchbru zu Tode getroffenen russischen Bär reichischen Landes zu entreißen, Krallen hielt. Der Kampf um dies kilometer begann auf Lipa die Fronten ohne gen. Der Frontalangriff ich geführt. Es gilt, dem en das letzte Stück öster⸗ das er noch in seinen e etwa 10000 Quadrat⸗ den Schlachtfeldern, auf denen genau vor einem Jahre die österreichisch⸗ungarischen Fahnen schon einmal wehten, ehe die ungeheure Uebermacht die morali⸗ schen Sieger der ersten Schlacht von Lemberg zum Zurück⸗ gehen zwang. Die groß angelegten Operationen haben die Russen nunmehr schon in zwei Tagen veranlaßt, ihre Front in einer Ausdehnung von 250 Kilometern nach rückwärts zu verlegen, überall scharf v gt vom Feinde, der bereits über 10 000 Gefangene bine sich bringen konnte. Es ist zu ach ihrer Methode an einem vermuten, daß die Russen ßabschnitt versuchen werden, weiter östlich gelegenen F. ü 6 öglichst lange aufzuhalten: kämen dafür nacheinander g des Rückzuges aber auf dem Umstande, daß an⸗ ing vom Verfolger gelungen en rückwärtig vorbereiteten en. Man darf also erwar⸗ Wolhynien und Podolien, aß auch der Boden des vom Feinde werden wird. in Betracht. Bei der Ausde 200 Kilometer Frontbrei Inner⸗Rußland. Die in dem atemlosen maßen aus dem G ungen, die man Polen einiger⸗ te, werden von deten wohl bald sonow hat inzwischen die„Times“ r Erklärung gemacht, daß Ruß den denken werde, solange noch ein feindlicher Soldat auf russischem Boden stände. In dem Augenblick, wo dieser „Boden“ von Tag zu Tag wächst, nimmt sich diese Beteue⸗ rung wohl auch bei der verzagenden Ententegemeinde nicht sehr bestechend aus! Oder sieht Sasonow Polen nicht mehr als russischen Boden an? Das würde sein Versprechen we⸗ sentlich einfacher gestalten. Jedenfalls ist seine letzte Tirade bemerkenswert als ein Maßstab für die Hoffnungen und Ent⸗ wür fe, mit denen man drüben noch zu rechnen wagt. Es ist noch nicht allzu lange her, daß derselbe Sasonow nicht ruhen zu wollen prophezeite, bis Deutschland zerschmettert am Boden liege, und mit seiner Sanktion prägte man in Peters⸗ burg berefts Denkmünzen, die den Kosakenhetman im Verein mit dem Lanzenreiter Lord Curzons untekm Brandenburger Tor zeigten. Die Wandlung der Stimmung und Ziele zu erklären, sind Schlagwörter gut. Deshalb hat man die Dampfwalze neuerdings in eine„Saugpumpe“ umkon⸗ struiert, die die Deutschen in die Wüste locken und verschlucken soll. Von den Eigenschaften der ersteren spricht nur mehr die niederwälzende Wucht, mit der die rückflutenden russi⸗ schen Massen das eigene Land einer flachen Hand gleich⸗ machen; mit Feuer und Stahl wütet man gegen das eigene Fleisch. Das ist eine grause Ironie der Weltgeschichte. Den leichtgläubigen Russen' die Wiederholung von 1812 vorzureden, mag bis zu einem gewissen Grade gelingen; was aber die Verbündeten von dem strate⸗ gischen Rückzug denken, erhellt am besten aus der englischen Presse: Was will das werden? ist das Alpha und O ihres Nachdenkens über die Katastrophe im Osten. Dabei zum Ver⸗ mittler de land nicht an Frie⸗ mega kämpfen hierbei au Schlachten, die in die feindlichen L Brzezanh wurde mußte das Schl ganzen Front d Auch östli zu Kämpfe Feld Nördlich der PripjetjS Kamieniec⸗Litowsk Streitkräfte schl so östlich Polazzo und San Doberdo, dann an unse Tolmeiner Brückenk dauert das Gefecht fort. nördlich des S Wien, 29. Aug.(WTB. verlautbart: 29. August 1915. Russischer Krie Nichtamtlich.) Amtlich wird erhöhte sich auf 10 Kavallerie Freiherr deren vorgestri das Infanteri ferkeit ab nnen, stehen den Nordosten offen ten in der Gegend von ielomwiezskaja haben auch an anderen Orten die Erwartungen der Alliier⸗ ten den Gefrierpunkt erreicht: die Dardanellenoperationen versanden in den blutgetränkten Feldern von Gallipoli, die Italiener holen sich eine Niederlage nach der andern, Joffre muß die sinkenden Geister des Widerstandes damit beleben, daß er in einem Armeebefehl den kommenden Winterfeldzug an den Rhein verlegt, in England droht wieder das Ge⸗ spenst des Bergarbeiterstreiks, und die würgende Jaust des U-Boot⸗Krieges wird von Tag zu Tag fühlbarer. Die Groß⸗ allen also in den denkbar ungünstig⸗ sten Augenblick. ** Die Tagesberichte unserer Verbündeten. ien, 28. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Amtlich wird verlautbart: 28. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Unsere in Ostgalizien stehenden Armeen haben gestern die seit Wochen ausgebaute russische Front an der zwei Alpini⸗Batail Truppen im Hand. glos waren einzelne . und den Raum nördlich gesetzten Vorstö ße, somie vier Angriffe li⸗Vrch—Sliemme. Auch der gegen Flitsch mit beträchtlichen Kruͤften versuchte zum Stehen Hier wie überall blieben unser⸗ Stellungen festin der Hand ihrer Verteidiger. An der Kärn tner Front sst es ziemlich ruhig. „ Grenzgebiet dauern die Geschütz⸗ kümpfe mit wechfelnder Stärke fort. b Der Stellvertreter des Chefs des v. Höfer, Feldmarschalleu Schwere feindliche Verluste an Konstantinopel, 28. Aug.(W Das Hauptquartier teilt mit: An der Darda Angriff kam zun Generalstabs tnant. den Dardanellen, ds Nichtamtlich) Zlota-Lina an metreren Stellen durchbrochen. Sie 1 8 1 J37%%CCCCCCVT. 33 nellenfront griff der Feind in der Gegend von Anm ——̃ͤä( Ä— forta am 27. August nach artilleristischer Vorbereitung zu Wasser und zu Lande unseren rechten Flügel bei Kiretsch Tepe und unser Zentrum südlich Asmakdere an. Er wurde an beiden Orten unter schweren Verlusten zu⸗ rückgeschlagen, ohne irgend einen Erfolg erzielt zu haben. Bei Kiretsch Tepe vernichteten wir ein feind⸗ liches Bataillon. Unser Zentrum griff der Feind drei⸗ mal an. Wir wiesen ihn jedesmal mit schweren Ver⸗ lusten zurück. Unsere Artillerie traf wiederholt einen feindlichen Kreuzer und ein Dransportschiff. Bei 2 ri Burnu auf dem rechten Flügel fand in der Nacht vom 28. zum 27. August wiederholt Bombenwerfen statt. Unsere Artillerie beschädigte ein feindliches Transportschiff und einen Schlepper. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr das gewöhnliche Ar⸗ tillerie⸗ und Insanteriefeuer. Von den übrigen Kriegsschau⸗ plätzen nichts Besonderes. Ein englischer Truppendampfer versenkt. 5 Frankfurt a. M., 28. Aug. Die„Frankfurter Zei⸗ tung“ meldet aus Amsterdam vom 28. August: Das Vaderland“ berichtet: Reisende des Dampfschiffes„Ryn⸗ am“, das dieser Tage aus New Pork zurückkam, teilen mit, aß am 15. auf der Höhe der Scilly⸗Inseln ein engli⸗ ches Transportschiff mit kanadischen Trup⸗ pen torpediert worden ist. Von den 2000 Mann an Bo d sollen ungefähr 1000 gerettet worden sein. 8** * 5 Der Wirrwarr in Rußland. 5 Zurückgeschraubte Hoffnungen. London, 28. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Peters⸗ urger Korrespondent der„Times“ veröffentlicht ein Tele⸗ amm, in dem Sason ow die Zumutung, daß die Russen an der Ehrlichkeit ihrer Bundesgenossen zweifeln, entrüstet zurückweist und aufs neue gelobt, daß die russische Regierung nicht Frieden schließen werde, solange ein feind⸗ licher Soldat sich auf russischem Gebiet befindet. Der Korrespondent wechselte auch ein Telegramm mit dem Kriegsminister Poliwanow, wonach die russische Re⸗ gierung jetzt damit beschäftigt sei, zwei Millionen Rekruten einzustellen. Die Russen besetzten allmählich neue Stellun⸗ gen. Die Entscheidung des Feldzuges werde nicht vor dem nächsten Jahre fallen. Man hoffe, Petersburg halten zu können. Die Armeen würden ohne Beschwerden den Winter durchhalten können. Der Jahrgang 1917 sei dafftr bereit. In dem nächsten Jahre würden zwei Millionen bereit sein, ins Feld zu ziehen. f Moskau, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Dem„Ruß⸗ koje Slowo“ ging von 155 autoritativer Stelle ein Be⸗ richt über die Kriegslage zu. Danach ist infolge des Falles von Kowno mit der baldigen Einnahme Wil⸗ mas durch die Deutschen zu rechnen. Dadurch ginge die Haupteisenbahn nach Petersburg verloren. s blieben zwei Linien zum Rückzug übrig. Petersburg elbst sei nicht bedroht, da bereits alle Maßregeln getroffen eien. Auf dem östlichen Kriegsschauplatz trete jetzt eine imgruppierung der Heeresstärken ein. Der Augenblick, an dem dem deutschen Vordringen Einhalt geboten werde, käme bald. Augenblicklich sei Rußland bis zur Regelung der Munitionsfrage zur Defensive gezwungen. Den Westmächten sei kein Vorwurf zu machen, da die westliche Front jetzt ebenso wie Gallipoli von eisenbetonierten Grä⸗ ben, wie bei einer Festung, durchzogen sei Deshalb seien nur meterweise Erfolge möglich. Daher sei aber auch die r der Dardanellen nicht bald zu er⸗ varten. 5 Programmlofigkeit. f Rete hr g. 29. Aug.(WT. Nichtamtlich.) Dem 5 een zufolge bestreiten die rechtsstehende Presse und aßgebende Stellen die Richtigkeit der Gerüchte der Be⸗ reitung der Juden von den einschränkenden Bestim⸗ mungen. Auch die Gouverneure, deren Absetzung verspro⸗ en worden war, wirtschafteten weiter, wie bis⸗ er. Es müsse, schreibt das Blatt, energisch darauf bestan⸗ den werden, daß die Regierung ein festes Pro⸗ gramm erlasse, von dem sie nicht abweiche. Die Russen bestätigen den neuen Durchbruch. Petersburg, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab teilt mit: In der Gegend von Riga keine Verände⸗ rung. In, der Richtung auf- Triedrichstadt hielten die hart⸗ näckigen Kämpfe an. Der Feind versuchte die Eisenbahnlinie Freuzburg—Mitau zu überschreiten. An den Straßen nach Wilna, am rechten Ufer der Wilija und zwischen Wilija und Njemen entwickelte der Feind während des 26. und 27. August eine Angriffstätigkeit, die durch unsere Gegenangriffe aufgehal⸗ ten wurde. Am mittleren Niemen und zwischen Bobr und Pri⸗ pet setzten unsere Truppen am 26. und 27. August ihren Rück⸗ ug fort und wehrten die feindliche Offensive ab. Der Feind hartnäckig in den Richtungen nördlich von Bjelostock, Westrande des Waldes von Bjelowiesch an den Straßen nach Tobryn vorzudringen. Am rechten Ufer des Bug begann der . nd am 26. August aus der Gegend von Wladimir⸗Wolynski in der Richtung nach Totschin, westlich von Luzk gegen Lekatschi am Fluß Luga und gegen Poritzt vorzugehen. Es entwickelten sich Kämpfe an dieser Front. An der Front vom Bug zur Zlota⸗ Lipa und am Dnjestr versuchte der Feind in der Nacht zum 27. August und am darauffolgenden Tage gleichfalls unsere Front vielen Abschnitten anzugreifen. Seine Offensive wurde beson⸗ ders. in der Gegend nördlich von Brzezany und westlich 7! 71 e geführt, wo es ihm gelang, sich am linken . er der lota⸗Lipa festzusetzen. Die Deutschen sind schuld. Sondon, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bericht⸗ erstatter der„Times“ in Petersburg klagt in einer Depesche vom 26. 72 77 über heimtückische deutsche Wühlereien in Rußland, die dahin gingen, Gerüchte zu verbreiten, um die Armee zu entmutigen und das Vertrauen der Oeffentlichkeit zu er⸗ 0 ern. Diese Umtriebe seien seit dem Falle Warschaus mit wach⸗ fender Geschicklichkeit und Kraft, sowohl im Heere als auch in allen Petersburger Kreisen ins Werk gesetzt worden. Die Absicht sei, ie Soldaten und das Publikum zu überzeugen, daß der Sieg un⸗ öglich sei und daß die Alliierten Rußland im Stiche ließen. ie andauernde Notwendigkeit des strategischen Rückzuges habe dem Feinde Gelegenheit gegeben, wirksam und gende zu arbeiten, so daß heute gewisse Leute in Rußland die Lage als unheil⸗ bar, verwirrt und düster ansehen. Man verbreite Ge⸗ rüchte, daß der Angriff der Alliierten an der Westfront endgültig aufgegeben sei und daß die höchsten Stellen insgeheim Friedens⸗ pläne erwägen. Flüchtlingselend. Wien, 29. Aug. Nach kurzem Aufenthalt in Moskau nach Warschau zurückgekehrte Polen berichten über die enorme polnische Einwanderung in Petersburg und Moskau. Die Zahl der dortigen Flüchtlinge aus 7 * n Lebensmitteln hervorgerufen. Dadurch hat timmung unter der einheimi⸗ schen Bevölkerung überhandgenommen. Das 1 soweit, daß man ihnen keine Wohnungen vermietet u ihnen erst nach 12 Uhr mittags das Einkaufen auf dem Markte ge⸗ stattet. „Rußkoje Slowo“ gibt ein Bild von dem furchtbaren Elend der Flüchtlinge, die in unendlichen Reihen die Chaussee Brest⸗Litowsk nach Moskau dahinziehen und bereits sieben bis acht Wochen unterwegs sind. Alle Kinder seien krank, Männer und Frauen sehen wie vagabondierende Zigeuner aus, da sie acht Tage und Nächte den Unbilden der Witterung ausgesetzt seien. Sie äußerten sich unwillig(1) über die zwangsweise Verlassung der Heimstätten. Viele, besonders Kinder, stürben unterwegs. Die Flücht⸗ linge sehnten sich nach Transporten mit der Eisenbahn. ö 35* Der innere Feind in England. London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein neuer Artikel des neutralen Korrespondenten der„Times“ behandelt England. Der Verfasser sagt: Es wäre eine absichtliche Unwahrheit, zu be⸗ haupten, daß man die Konzentration der Deutschen auf den Krieg mit Englands Haltung dazu vergleichen könne. Es wäre durchaus unwahr, zu sagen, daß die englische Mittelklasse den Krieg ebenso verstünde wie die deutsche. Die deutschen Schulknaben wüßten mehr davon. Dem Verfasser fiel es besonders auf, daß die Eng⸗ länder die schwierige Lage an den Dardanellen nicht zu be⸗ urteilen wüßten und daß kein Kinotheater in London Kriegs⸗ bilder bringe, um dem Publikum eine Idee zu geben von den Taten der britischen Flotte und des britischen Heeres. Der Korrespondent erhielt einen unerfreulichen Eindruck von der Gleichgültig⸗ keit der Engländer gegenüber dem Kriege. Der Burenkrieg schien größeres Interesse zu erwecken als der jetzige. Die herrschende Stimmung scheine die zu sein, daß der Krieg sich selbst gewinnen, werde, wenn man ihn allein ließe. London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Herausgeber der„Daily News“, Gardiner, bezeichnet die Abstimmung in der französischen Fammer als einen Trompetenstoß an die Alli⸗ ierten in einer Stunde niedergedrückter Stimmung und böser Ahnungen. Die Macht des Feindes sei kaum jemals stärker empfunden worden als jetzt. Niemals in der Welt⸗ geschichte habe es ein Schauspiel materieller Macht gegeben, wie es jetzt die Deutschen bieten, indem sie eine große Armee im Westen unbesiegbar festhalten und im Osten in das Herz Rußlands vor⸗ wärtsdringen. Es wäre Torheit, die Größe dieser kolossalen Macht⸗ entfaltung verkleinern zu wollen. Die Moral davon ist, daß wir leine Uneinigkeit in den eigenen Reihen zeigen dürfen. Wir haben nicht den äußern Feind, sondern den Feind im Innern zu fürchten, nämlich die Prediger der erzweiflung, die Ränke⸗ schmiede, die Urheber der Uneinigkeit. Der Glaube der Gegner, daß das Bündnis der Alliierten nicht auf der Anspannung gleicher Kräfte beruhe, sei nicht unbegründet. Die Interessen der Alli⸗ ierten seien äußerst verwickelt. Die Deutschen rechneten auf Um⸗ sturz in Rußland, heftigen politischen Kampf um die Wehrpflicht in England sowie auf die Wiederkehr der katholischen Vorstöße gegen die französische Republik. Vivianis Rede habe den Streit zwischen Reaktionären und Republikanern über die Beaufsichtigung der Armee beendet. England sollte diesem Beispiel folgen und den drohenden Streit über die Wehrpflicht ruhen lassen und die Re⸗ gierung nicht mit Hilfe der Volksleidenschaft in ein Unternehmen bringen, das die Nation spalten würde. Es gäbe keine schlimmere Verbindung von nationalen Führern als die Lords Milner und Northcliffe. Gardiner sagt, er habe den Mut sinken g ef ühlt, als er von dem Streif der zehntausend Bergleute gehört habe, und erwähnt, daß die Munitionsarbeiter von den Gewerkschaften genötigt werden, langsam zu arbeiten. Der Artikel schließt: Leute, die Uneinigkeit in unsere Reihen tragen, sind mehr zu fürchten, als die Deutf 17812 0 Englischo Prozentpatrioten. London, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Asquith hat gegen die Lohnforderungen der Bergleute von Northumberland entschieden, indem er nicht, wie sie forderten, 11 Prozent, sondern 2 Prozent hmzulage bewilligte. Der Ausschuß ist gestern zusammengetreten, um die Lage zu erörtern. Delegierte des Ausführenden Aus⸗ schusses der Bergleute von Südwales sind nach London ab⸗ gereist, um eine Unterredung mit Runciman nachzusuchen, obwohl Runciman in einem Briefe die Besprechung ab⸗ gelehnt hatte. Die„Times“ melden aus. Sollten die nach London gesandten Delegierten das Ziel nicht erreichen und die Grubenbesitzer an dem Schiedsspruche Runcimans strikte festhalten, so wird die Lage sehr ernst werden. Die 8 im Rhonddatale sind zweifellos starrköpfig und werden durch jüngere Agitatoren aufgehetzt. Eine Massenversammlung wird am Sonntag in Toypandy abge⸗ halten. Es wird vielleicht schwer sein, die Arbeiter zu ver⸗ hindern, ohne Rücksicht auf ihre Führer die Entscheidung in die eigene Hand zu nehmen. 1 7 London, 29. Aug.(WTB. e Die„Mor⸗ ning Post“ meldet aus Cardiff: Der Arbeiterführer Hartshorn riet den Arbeitern in einer Rede in Abertillery, ihr Pulver trocken zuhalten und für die Inter⸗ essen des Gewerkschaftsverbandes zu sorgen, solange sie die Macht in Händen hätten, denn nach der Ein⸗ rung vo die polen feindliche S führung der Wehrpflicht müßten sie verhungern. Die jetzi⸗ gen Schwierigkeiten seien größer als bei Beginn des Strei⸗ tes; aber selß t wenn die ganze e gegen sie wäre, hätten doch die Arbeiter Recht, die Regierung dagegen Un⸗ recht. Lloyd George müsse seine Zusagen erfüllen, dann würden die Bergleute die Arbeit sofort wieder aufnehmen. — Die Wirkung der Rede waren neue Streiks. Genf, 30. Aug. Die Ausdehnung des englischen Kohlenstreiks erzeugt in der Pariser Presse tief ge ende Erbitterung. Alle Morgenblätter bringen ellenlange Londoner Berichte, nach denen nächstens die Zahl der Strei⸗ kenden auf 100 000 steigen werde. Das Verhalten der Bergleute wird verschieden beurteilt. Die rohalistischen Blätter gebrauchen Ausdrücke, wie„Landesverräter“. Die Regierung müßte für die Kriegsdauer die totale Leitung der Kohlenindustrie militarisieren. Die linksstehende Presse beschuldigt die Regierung des Wortbruches gegenüber den Bergarbeitern. Die Grubenbesitzer betrieben ungehindert eine Ausbeutung der Arbeiter. Der zweite Kohlenstreik bedeute eine verlorene Schlacht. ** Der U⸗Boots⸗Krieg. In England dringt jetzt unwiderstehlich die Erkennt⸗ nis durch, daß Deutschland nicht nur militärisch ein Gegner ist, der mit den bisherigen Mitteln nicht zu überwinden ist, sondern daß auch die wirtschaftliche Ueberwindung des deutschen Volkes ein Unding ist. Lord Haldane, der frühere englische Kriegsminister, hat zweifellos richtig pro⸗ phezeit, wenn er sagte, daß England nach dem Kriege ein anz anderes, weil viel ärmeres Land sein werde Im Ober⸗ aufe hat bei einer Vorlage, die eine Einschränkung der Rindviehschlachtung vorsieht, um die Zuchtviehbestände im 5—— beträgt mehr als 500 000. Der Zustrom der Flücht⸗ llinge hat in Mos lau und Pe tersburg eine große Teue⸗ . f Lande zu schonen, der Ackerbauminister Lord Selborne ge⸗ äußert, daß die Fleischversorgung Englands vom Aus⸗ lande besonders durch die Unterseebo 1 55 werden könne; die deutschen U nähmen ihren ständigen Tribut von der lis 11 ue 55 1 5 sei 5 mit 5 5 rung der Unterseebootsgefahr zu rechnen, wei i lich die gesamten 9 Schüfsewerften zum Bau immer neuer Unterseeboote herangezogen würden; es werde keines⸗ wegs die Schuld der deutschen Regierung sein, wenn es den Unterseebooten nicht gelänge, der englischen Handelsflotte den Todesstoß zu versetzen, besonders dem Teil der Flotte, der das Land mit Nahrung versehe. Damit dürfte die er⸗ heuchelte englische Auffassung von dem„Unterseebootbluff“ abgetan sein. Hatte der früher so laute und 1955 recht still gewordene Lord Curchill höhnisch-verächtliche Bemerkungen über die deutschen U⸗Torpedos gemacht, so hat Lord Sel⸗ borne, der früher selbst Admiralslord gewesen ist, erkannt, daß diese Gefahr doch größer ist, als Lord Churchill sich und andern glaubte einreden zu können. 5 5 Auch auf anderen Gebieten der Volkserna lassen einwandfreie Zeugnisse erkennen, wie sehr sich England durch die Anzettelung des Krieges wirtschaftlich selbst in das eigene Fleisch geschnitten hat. Die amerikanischen Weizen⸗ preise sind in letzter Zeit von ihrem hohen Kriegsstand zu⸗ rückgegangen, dagegen kostet britischer Weizen, der im Vor⸗ jahre nur 7—8 Schilling für das Quarter teurer war als a Wetzen in Amerika, jetzt etwa 23 Schilling das Quarter mehr als dieser. Da ein Quarter gleich 224 Kilogramm ist, so ist eine Differenz von über 100 Mk. für die Tonne 558 dem englischen und amerikanischen Weizenpreise; as bedeutet: England, das Land des Freihandels, muß fast das Doppelte des Betrages, der in Deutschland als Zoll auf dem Weizen liegt, an Nordamerika bezahlen, um von dort Weizen zu erhalten! Wenn sich En 255 einen solchen Aufschlag gefallen lassen muß, so ist auch das jeden⸗ falls die Folge der Unsicherheit in der Verschiffung, die die Angst vor unseren Unterseebooten gebracht hat. 5 Eduard VII. hat seine Einkreisungspolitik gegen Deutsch⸗ land inauguriert, um uns politisch zu isolieren und mit Waffenhilfe anderer Staaten militärisch niederzuringen; dieser Politik hat sich würdig der Aushungerungsplan an⸗ gereiht. Beide Pläne sind durch die Mobilisierung unserer Wehrmacht und unserer Volkswirtschaft, deren Organisa⸗ tionen wundervoll ineinandergreifen, zuschanden gemacht. Das deutsche Volk steht in einem siegreichen Daseins⸗ und Freiheitskampfe Hagen eine Welt von Feinden. Mit dieser unumstößlichen Wahrheit wird sich auch England, unser stärkster und gefährlichster Gegner, wohl oder übel abfinden müssen. Um ein Zitat des Reichskanzlers Fürsten Bülow zu gebrauchen: England beißt auf Granit, und, statt seinerseits Deutschland einzuschnüren, beokmmt es jetzt selbst die Wirkung der wirtschaftlichen Abschließung 1 und mehr zu spüren. Der Pfeil springt auf den Schützen zurück, und das fluchwürdige Verbrechen der englischen Politik seit Eduard VII. findet den verdienten Lohn! 1 M Deutsche Flieger gegen Paris. Paris, 29. Aug,(WT Nichtamtlich) Amtli ericht von gestern abend. Starke wirksame Weich ene 1 Schützengräben im Gebiete von Nieu port— Het Sas. Nörd⸗ lich von Arras und östlich der. Straße nach Lille Kämpfe mit Bomben und Schützengrabenkampfwerkzeugen, wo unsere Bat⸗ terien Bombardementsversuche des Feindes in La fille morte, Marie Therese, St. Hubert und Four de Paris anhielten. Ka⸗ nonade im Priesterwalde, im Walde von Paroy, in den Vo⸗ gesen(Abschnitten Chaplotte und Launois). Gestern vormittag 10 Uhr flogen sechs deutsche Flugzeuge nach dem Ge⸗ biete von Soissons ab und drei nach dem Gebiete von Compiègne. Sie richtetenihren Flug gegen Paris, konnten ihr Ziel erreichen einige Bomb auf Nogent⸗sur⸗Marne, Mont⸗Moredny, Montfermeil, Ribscourt und Compiegne ab. Nur in der letzten Stadt wurden Opfer 79 gemeldet; zwei Krankenwärterinnen und ein Kind wurden ge⸗ N tötet. Die feindlichen Flugzeuge wurden, sobald sie bemerkt wur⸗ den, an den e Punkten ihres Weges sofort be⸗ schossen und von den unseren verfolgt. Der Kommandeur eines unserer Frontgeschwader verfolgte eines der deutschen Flugzeuge in 3600 Meter Höhe und holte es nördlich von Senlis her⸗ unter. Das deutsche Flugzeug und sein Pilot wurden verkohlt aufgefunden. 0 Joffre verkündet den Winterfeldzug. Berlin, 29. Aug. Aus dem Haag wird verschiedenen Morgenblättern gemeldet: General Joffre hat einen Ar⸗ meebefehl erlassen, in dem er seinen Truppen die Not⸗ wendigkeit eines neuen Winterfeldzuges ankündigt. Gewissermaßen als Trost ist dieser Ankündigung die Mit⸗ teilung beigefügt, daß dieser Winterfeldzug sich zum größten 5 Teile in der Rheingegend() abspielen werde. i Gilberts Annahme verweigert. e Paris, 29. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der Agence Havas. Auf Befehl der Regierung ist der Flieger Gtlbert am Samstag nach der Schweiz zurückgekehrt. 1 8 eng⸗ e Das gebundene Italien. Stockholm, 30. Aug. Zu der italienischen Kriegs⸗ erklärung an die Türkei wird aus e Kreisen bekannt, kriegerische Taten Italiens gegen die Türkei seien nicht zu erwarten, da Italien ein festes Programm in Europa habe. Italien sei augenblicklich durch den Kampf mit Oesterreich⸗Ungarn derart gebunden, daß seine Betei⸗ ligung an den Dardanellen unmöglich sei. EE X* Roosevelt, das enfant terrible.. London, 28. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Newss meldet aus New Pork: Die Rede, in der Roo sevelt kürzlich im Militärlager von Plattsburg Deutschland heftig angriff und die Untätigkeit der Vereinigten Stagten kritisierte, macht in amtlichen Kreisen einen sehr peinlichen Eindruck Kriegssekretär Garrison tadelte Roosevelt scharf und sagte, man könne sich für die Politik der Regierung nichts schädlicheres denken. Garrison erteilte auch dem Kommandanten General Wood amt⸗ lich einen scharfen Verweis, weil er erlaubt hat, daß eine solche Rede im Lager gehalten wurde. f g im Osten. v. Beseler Generalgouverneur Posen, 28. Aug.(WTB Nichtamtlich. Meldung des Pose⸗ 9 ner Tageblatt“: Für das ze, unter deutsch waltung er Ver stehende besetzte Gebiet im Osten wird ein Generalgouver⸗ ne ur bestellt. Als solcher ist General v. Beseler ernannt mor⸗ den. Zum Chef seines Stabes wurde Generalmajor von der Esch ernannt, der bisher als militärischer Beauftragter des Oberbefehls⸗ habers Ost der Zivilverwaltung von Polen angehörte. Die bis⸗ herige Zivilverwaltung von Polen links der Weichsel in Kalisch wurde nach Warschau verlegt und ihr ganz Russisch⸗Polen u terstellt. Der bisherige Präsident Dr. v. Kries ist zum Ve waltungschef beim Generalgouverneur mit dem Titel Exzellenz nannt worden. 0 f. Gießen, 30. August 1915. verbraucher⸗Versammlung. Zu einem größeren Verband zusammengeschlossene Vereine unserer Stadt— 20 an der Jahl n 8 85 zu 1 9 öffent⸗ lichen Versammlung in der Aula der Univers che neuen eingeladen, um den Mache i istreibereien Paar chenschaften gewissenloser Preistreibereien Stellung zu nehmen und die Kansumenten über die rsachen der zurzeit eingetretenen Teuerung aufzuklären. Die Versammlung wurde von dem Vorsitzenden des Bürgervereins, Lehrer Valentin Müller, geleitet. Der Vorsitzende des Kriegs⸗ ausschusses für Konsumenteninteressen in Frankfurt a. M., Herr Wemig, sprach über das Thema:„Was können die Kon⸗ sumentengegeneine unberechtigte Lebensmittel- verteuerung tun.“ Seinen Ausführungen stellte der Redner die für den in Frankfurt a. M. gegründeten Konsumentenverein sestgelegten Ziele voran, die darin gipfelten, allen ungerechtfer⸗ tigten Preistreibereien einzelner u jeder ungerechten Herab⸗ setzung von Lohn und Gehalt energisch entgegenzutreten, und gab dann die Mittel an, wie man dieses Ziel zu erreichen gedenkt. führte weiter aus: Millionen kämpfen draußen auf dem Schlachtfeld gegen den Feind. Ruhig und bewunderungswürdig trägt das Volk die durch den Krieg verursachte Not und Last. Alle Kräfte müssen gegen den auswärtigen Feind gerichtet sein und die nötige Autorität muß in dieser kritischen Zeit erhalten werden. Was wir bekämpfen, das sind einzig und allein die un⸗ berechtigten Preistreibereien und der Wucher. Die Lebens⸗ und Gebrauchsmittel dienen der Gesamtheit, und die schwere Zeit darf nicht zur Bereicherung Einzelner ausgenützt werden. Der Redner führt verschiedene Beispiele gewissenloser Wucherer an, die in kurzer Zeit Millionen in ihre Tasche schafften. Entrüstung und Bedauern hilft in dieser Sache nichts. Die Presse tut ihre Schuldigkeit, sie ist sich fast ausnahmslos ihrer Stellung bewußt. Seitens der Regierungsorgane und Stadtverwaltun⸗ gen ist schon vieles geschehen. Verordnungen und Beschließungen ind in gen r Zahl erschienen. Aber trotz aller diefer Maß⸗ nahmen ist der Wucher nicht verschwunden. Die Konsumenten müf⸗ sen sich zusammenschließen, wie dies ja auch die Produzenten getan 1 d in gemeinsamer Arbeit müssen die berechtigten In⸗ teressen beider Gruppen festgelegt werden. Der Vortragende stellt sodann durch Gegenüberstellung der Lebensmittelpreise für die Monate Juli und August 1914 und 1915 die Tatsache fest, daß die Lebensmittel um 100 Prozent gestiegen sind. In der Beant⸗ wortung der Frage: Wie kommt die Preissteigerung, ist sie be⸗ rechtigt? kommt Redner zu der Ansicht: Die Konsumenten sind vielfach schuld daran. Die wirtschaftlich Besserge⸗ stellten bezahlen freiwillig höhere Preise. Kriegspreise sind bis zu einem gewissen Grad berechtigt, es liegt auf der Hand, daß sie höher sein müssen als die Preise in Friedenszeiten, aber man treibe sie doch nicht selbst noch in die Höhe, und zahle die Preise der Marklpreiskommissionen. Auch der Zwischenhandel ist nicht immer unschuldig. Ein großer Teil meint es ehrlich, und leben muß schließlich jeder. Nur einzelne beuten das Volk aus. Gegen sie muß vorgegangen werden. Die Kohlenpreise sind unver⸗ hältnismäßig in die Höhe gegangen. Hoffen wir, daß es den Be⸗ mühungen der Regierung gelingt, hier eine weitere Preiserhöhung zu verhüten. Was die Milchpreise betrifft, so trägt hierbei weniger der Bauersmann, der infolge der verteuerten Lebens⸗ g verhältnisse und der hohen Preise der Futtermittel nicht billiger verkaufen kann, die Schuld als der Zwischenhandel. Unverantwort⸗ lich und durchaus unsozial ist das Zurückhalten der Le⸗ bensmittel. An das Ehrgefühl ist lange genug apelliert wor⸗ den. Es muß mit den schärfsten Strafen vorgegangen werden. Zwangsweise Herabsetzung auf die Normalpreise und Verkaufs⸗ zwang müssen eintreten. Andererseits muß durch Erhöhung der Unterstützungsgelder für Frauen, deren Mäuner im Felde stehen, und durch Errichtung von Speiseanstalten gesorgt werden, und wenn das noch nicht reicht, muß die Kom⸗ mumalbehörde einspringen. Die organisierte Macht der Verbraucher ist groß. Es muß dafür gesorgt werden, daß der Profitjagd und dem Schwindel, wie er nach 1870 in die Erscheinung trat, recht⸗ zeitig Einhalt geboten wird. Unser Ziel muß fein, gesunde, leistungsfähige und arbeitsfreudige Menschen zu haben. Stadtverordneter Löber führte als Vertreter des städtischen Lebensmittelausschusses folgendes aus: n Der Oberbürgermeister und der städtische Lebensmittelausschuß, in dessen Namen ich zu sprechen die Ehre habe, begrüßen es, daß, wie in anderen Städten, nun auch in unserer Stadt ein Aus⸗ schuß für Verbraucherinteressen eingesetzt werden soll. Die Bekämpfung der Auswüchse auf dem Lebensmittelmarkt und der ungerechtfertigten Preissteigerungen liegt amtlich dem Lebensmittelausschuß der Stadtverwaltung ob Ich will in aller Kürze die Maßnahmen hervorheben, die der Lebensmittelausschuß in die Wege geleitet hat.. 5 In letzter Zeit hat die Stadt freihändig Frühkartoffel in kleinen Mengen, zuletzt in Mengen bis zu 1 Zentner, zu mäßigen Preisen verkauft. Die Preise waren niedriger wie in anderen. Städten, die einen städtischen Kartoffelverkauf eingerichtet haben, und hatten die Wirkung, daß die auf dem Wochenmarkt ver⸗ langten Preise ganz wesentlich sanken. Dieser Erfolg unserer städtischen Maßnahmen ist sogar in der letzten Sitzung der Frank⸗ furter Stadtverordneten⸗Versammlung als Beispiel hervorgehoben worden.— Seit wenigen Wochen verkauft die Stadt ein im vorigen Jahre erworbenes Lager von Kolonial- und Spe⸗ ereiwaxen zu niedrigsten Preisen an die Bevölkerung der 35 Stenerußtellulg d. h. an Leute mit einem Einkommen unter 2600 Mark. Der ganz außerordentliche Andrang der Käufer spricht für die Güte der Waren und die Richtigkeit der Preisfestsetzung. — Mit der Landesregierung und anderen Stadtverwal⸗ tungen steht die Stadtverwaltung in fortwährender Verbindung, um Maßnahmen des Bundesrats herbeizuführen, die die Ermäßi⸗ . Preise für Kartoffeln und Gemüse bezwecken.— Die hat einen Klippfischverkauf und mehrere Koch⸗ kurse veranstaltet, Maßnahmen, die zwar Erfolg hatten, von der Bevölkerung aber noch lange nicht genug gewürdigt worden sind.— Am 17. haben wir uns an einer Besprechung betei⸗ ligt, die im Magistratssaale der Stadt Frankfurt zwischen den grö⸗ ßeren fränkischen, pfälzischen und hessischen Städten stattgesunden hat zum Zwecke gemeinsamer Maßnahmen gegen die Teuerung. Das Ergebnis dieser Besprechung bestand nicht nur in einer Fülle egenseitiger Belehrungen und Anregungen, sondern auch in seiner Kncabe an den Städtetag wegen seiner Kartoffel versorgung und in einer Vorstellung an die Heurteleinkaufdgenvssenschuf wegen anderweiter Festsetzung des Preises für die aus Galizien ein⸗ 5 en Eier.— Auf Beschluß des Lebensmittelausschusses sind g die eise vom Oberbür zeister so festgesetzt, daß wir seit Kriegsausbruch die billigsten Brotpreise von allen größe⸗ fen hessischen Städten behalten haben.— Der Lebensmittelaus⸗ schuß hat weiter die Durchführung der Verordnung über die Sichtbarmachung der Preise an den Wocheumarktswaren in die Hand genommen und einen Unterausschuß gebildet, der die von ihm als angemessen erkannten Wochen marktpreise auf den Samstags⸗Wochenmärkten öffentlich anschlagen wird.— Durch eine Aenderung der Wo. 0 hir erreicht daß der früher schlecht befahrene Markt jetzt reichlich mit Lebensmitteln versehen ist. Allerdings ist es noch nicht elungen, die Preise wesentlich zu verbilligen mit Ausnahme der Kartoffeln.— Ganz kürzlich 172 die Stadt unter Ausnutzung der Heizungsanlagen des Volksbades eine Anlage zum Dörren von Gemüse und Ob st geschaffen, die zu niedrig⸗ sten Preisen und von weniger Bemittelten völlig kostenlos benutzt werden kann. jetzt haben nur ganz wenige Großstädte der⸗ artige Einrichtungen b— Der. hat bei dem Polizeiamt den Erlaß einer Vorschrift beantragt, wo⸗ nach in Verkaufsstellen, in denen Fleisch und Fleischwaren feil⸗ eboten werden, die Preise durch einen amtlich gestempelten An⸗ fag en Kenntnis des Publikums gebracht werden. ei allen Maßnahmen, die man von einer Stadtverwaltung perlangen kann, ist in erster Linie der Grundsatz zu beachten, daß sich nicht eines für alle schickt. Was in der Groß⸗ abt richtig und am Platze ist, ist es noch lange nicht in der Rittel⸗ und Kleinstadt. Das hat die Frankfurter Besprechung ität enmarktordnung haben wir es 3 mit aller Teutlichteit ergeben, ebenso, daß die Lage der Stadt von ausschlaggebender Bedeutung ist. Bei uns ist es doch so, 8 der Wochenmarkt von den Produzenten der Umgegend, nicht dur die Händler, versorgt wird. Treffen wir nun solche Maßnahmen, die dem Bauer es unmöglich machen, seine Erzeugnisse in der Stadt zu 9 Preisen abzusetzen, so kann es leicht der Fall sein, da er sie nach Nauheim, Frankfurt, Marburg verkauft an Händler, die von dorther kommen und aufkaufen. Würde die Stadt von Holland oder sonstwoher Gemüse in großen Mengen beziehen und die sanze Bevölkerung damit versogen wollen, so könnte dieser Fall leicht eintreten. Es ist aber auch bereits geprüft, ob die Stadt Gemüse auf den Markt bringen und auf diese Weise Einfluß auf die Preisbildung gewinnen soll. Hier aber ist der Punkt, wo eine Konsumentenvereinigung mit kräftiger Wirkung einsetzen kann. Es ist leider eine oft festgestellte Tatsache, daß unsere Hausfrauen auf dem Markt jeden geforderten Preis schließlich doch bezahlen, statt einmal zu ver⸗ zichten und einen Verkäufer mit seinen allzuhohen Preisen einfach sitzen zu lassen. Eine Verbrauchergenossenschaft kann auf ihre Mit⸗ glieder einwirken, daß sie nur zu den Preisen kaufen, die als an⸗ 5 erklärt werden. Das wird auf Verkäufer erzieherisch Weiter erwarten wir Unterstützung von seiten der Ver⸗ emigung dadurch, daß sie uns Klagen über ungerechtfertigt hohe Preise aller Lebensmittel und Konsumartikel so zur Anzeige bringt, daß der Wucherer gerichtlich gefaßt werden kann. End⸗ lich sind wir für Wünsche und Anregungen aller Art dankbar. Wir werden sie gewissenhaft prüfen und das Ausführ⸗ bare und Nützliche gewiß nicht auszuführen unterlassen. Was wir verlangen müssen, ist Vertrauen. Dann wird ein ersprieß⸗ liches e nicht ausbleiben. Betonen aber möchte ich, daß der städtische Lebensmittelausschuß nicht der Feind der Produzenten sein kann und will, sondern er nur bestrebt sein darf, einen Ausgleich der widerstrebenden Interessen von Erzeuger und Verbraucher, Verkäufer und Käufer herbeizuführen. Mit an⸗ deren Worten, er darf nicht den Produzenten und den Händler um den angemessenen Gewinn bringen, muß aber jeder Ueberfor⸗ derung energisch entgegentreten. Der städtische Lebensmittelausschuß hat als amtliche und ver— antwortliche Stelle eben eine doppelte Aufgabe: er muß erstens dafür Sorge tragen, daß überhaupt Lebensmittel zu Markte gebracht werden, und er muß zweitens darauf hinwirken, daß die zu Markte gebrachten Lebensmittel zu angemessenen Prei⸗ sen verkauft werden. Der Kriegsausschuß für Verbraucherinter⸗ essen wird naturgemäß und mit vollem Recht die zweite Aufgabe in den Vordergrund tellen; der Lebensmittelausschuß darf aber auch die erste Aufgabe nicht vergessen. 0 ist uns das ge⸗ meinsam, nämlich das Wohl unserer Bürgerschaft, und in diesem Bestreben hoffen wir, von dem neuen Verband kräftige Unter⸗ Fuel zu finden, und wünschen ihm seinen vollen ur folg. Frau Bucksath⸗ Mainz wandte sich in ihren Ausführungen vornehmlich an die Frauen. Der Krieg habe vieles klein und Kleines groß gemacht. Die Tätigkeit der Hausfrau ser vor dem Krieg nicht, so recht geschätzt worden. Das habe sich mit einem Schlag geändert. Als England mit seinem Aushungerungs— plan Ernst machte, rief man die Hausfrauen. Allenthalben setzte die Aufklärung ein, es wurden Kriegskochkurse ge⸗ halten und manches andere. Das Jahr ist herum. Die deut⸗ schen Hausfrauen haben sich glänzend geschlagen, diesen Krieg haben wir gewonnen. Kein feindliches oder neutrales Blatt schreibt mehr von einem Aushungerungsplan. Wir stehen am Anfang des zweiten Jahres. Die Aufgabe für die Frauen ist nicht leichter, die Schwierigkeiten sind vielmehr größer geworden. Wir gehen ohne große Vorräte in das zweite Jahr. Die Zufuhr ist erschwert. Die Vorräte, die die Fantflien hatten, sind vielfach aufgezehrt. Die Preise werden nicht sinken. Ein schwerer Winter steht vor der Tür. 14 Millionen Haushaltungen werden von der Frau geleitet. Da gilt es, aus den gegebenen Rohstoffen be⸗ kömmliche Nahrungsmittel herzustellen. Die Geschicklichkeit, Svar⸗ samkeit und die Vernunft der Frau müssen geweckt werden. Die Frauen müssen sozial denken lernen. Jeder Haushalt ist ein Teil des Gesamthaushalts. Wir konnten bisher nicht alles selbst produzieren,% bezogen wir vom Ausland, das muß eingespart werden. Aufklärung ist wichtig, denn ein großer Teil des Unwillens entsteht aus der Unkenntnis. Der ehernen Notwendig⸗ keit muß sich jeder fügen. Die Anwendung der Ersatzstoffe ist zu fördern kondensierte Milch, getrocknete Eier. Vollmilch und frische Eier lasse man den Kindern und Kranken zukommen. Kochkiste, Kochbeutel, Gasherd müssen allgemeiner in Anwendung kommen. Alles organisiert sich Auch die Frauen müssen sich zusammen⸗ schließen. Belehrung und Aussprache werden ein besseres sozi⸗ ales Verständnis, alsb eine bessere Auffassung ihrer Pflichten gegen die Allgemeinheit, aber auch eine bessere Berücksichtigung ihrer Wünsche bedingen. Unter allen Fragen in dieser Kriegszeit ist die Ernährungsfrage die wichtigste. Mit vereinten Kräften müssen wir uns bemühen, uns den schwierigen Verhältnissen anzupassen, die Auswüchse zu bekämpfen, den Gebrauch und Ver⸗ brauch zu regeln. Dann gewinnen wir den Krieg mit unsern tapfern Kriegern draußen. Der Vorsitzende dankte den Rednern für ihre sehr beifällig aufgenommenen eindrucksvollen Ausführungen und machte sodann noch einige Mitteilungen über die Entstehung, Einrichtung und Richtlinien des neugegründeten Kriegsausschusses für Konsumen⸗ ten⸗Interessen Gießen(Sitz: Plockstraße 5). In eifriger Zusammen⸗ arbeit mit der Stadtverwaltung und im Hinblick auf die rege Un⸗ terstützung von den Konsumenten selbst und den angeschlossenen Vereinen, denen sich noch andere anschließen möchten, ist man der Ansicht, eine für Erzeuger und Verbraucher gleich wichtige Ein⸗ richtung geschaffen zu haben. In nächster Zeit soll eine Ausschuß⸗ sitzung stattfinden, zu der auch die Konsumenten eingeladen wer⸗ den, Die zum Schlusse eingebrachte Entschließung, wonach die Ziele und die zur Exreichung derselben erfolgten Bemühungen gutgeheißen wurden, fand einstimmige Annahme. * ** Gewitter. In der Nacht von Samstag auf Sonn⸗ tag, gegen 3 Uhr, entlud sich ein starkes, aber nur kurze Zeit anhaltendes Gewitter über der Stadt. Schaden wurde nicht angerichtet. ö * Gestohlen. Am Sonntag, 29. August, vormittag wurde in Gießen. Herren⸗-Remontoir⸗ Uhr mit Sprungdeckel und goldner Panzerkette im Werte von 300 Mk. entwendet. An der Uhr fehlt das Glas und in der Mitte des Sprungdeckels befindet sich eine kleine Beule. An der Kette befand sich ein Medaillon mit zwei Photo⸗ graphien(Mutter und Sohn). Sachdienliche Mitteilung nimmt die Kriminalabteilung des Polizeiamts entgegen. . Landkreis Gießen. Staufenberg, 27. Aug. Aus unserem Orte wurden bis jetzt 126 Mann zu den Fahnen einberufen. Von ihnen sind bereits 14 Mann den Heldentod fürs Vaterland gestorben: L. Schön, Karl Grölz, Joh. Becker, L. Fink, Konr. Moos, Heinr. echer XI., H. Kraft I., Herm. Rühl, Louis Deibel, Och. Grölz X., L. Grölz, Och. Geißler II., L. Wagner und Wilh. Meyer.— Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erwarben sich: Hch. Deidt, Wilh. Reuter, Hch. Feyh, Karl Grölz (gefallen), H. Rühl und Hch. Dietz. Mit der Hessischen Tapfer⸗ keitsmedaille wurde ausgezeichnet W. Kraft.— Der Ersatz⸗ reservist Ernst Stephan, von hier, der seit März als vermißt galt und von seinen Angehörigen als tot betrauert wurde, hat jetzt seinen Eltern mitgeteilt, daß er sich in russischer Gesangen⸗ schaft befände. “ Lindenstruth, 28. Aug. Dem Unteroffizier d. L. Heinr. Menz von hier vom Bad. Fuß⸗-Artillerie-Rgt. Nr. 14 wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. 0 Kreis Büdingen. 9. Wolf, 29. Aug. Von den Kriegsteilnehmern hie⸗ siger Gemeinde sind bis jetzt fünf auf dem Felde der Ehre jeblieben, fünf erhielten das Eiserne Kreuz resp. die hessi⸗ sche Tapferkeitsmedaille.— Den Heldentod fürs Vaterland S starb der auf dem benachbarten„Er! rhof“ lange Jahre 5 bedienstete Verwalter Manz, Unteroffizier der Reserve. 5 Mittelgründau, 27. Aug. Den Heldentod starb der Dragoner-Gefreite Karl Meininger Kreis Schotten. 1 ? Betzenrod, 29. Aug. Die Hessische Tapferkeits⸗ 5 medaille erhielt der Unteroffizier Karl Lang im Juß⸗Artillerie⸗ 25 Regiment 203. R. Bobenhausen II., 29. Aug. Dem Wachtmeister Karl Wenzel, 61. Artillerie-Regiment, wurde die Hessische Tapfer⸗ keitsmedaille verliehen. r. Sellnrod, 29. Aug. Auch hier hat der Krieg schon sehr viele Opfer gefordert. Im Laufe vergangener Woche starben drei brave Söhne unserer Gemeinde den Heldentod fürs Vaterland Kreis Friedberg. f l- Butzbach, 29. Aug. Heute wurde eine Gedenk⸗ feier des Tages von Sedan in der Stadtkirche ab⸗ gehalten unter Mitwirkung der Gesangvereine. An der Feier nahmen teil- Krieger⸗, Militär-, Turnverein, die Jungmannschaft von Friedberg, der Evangelische Arbeiter⸗ verein, die Verwundeten der hiesigen Lazarette und die 5 des Rekrutendepots. Pfarrer Loos hielt die Fest⸗ predigt: 5 F. O. Aus der Wetterau, 29. Aug. Das Malter(100 Kg.) Falläpfel wird zurzeit mit 6 Mk. bezahlt; für gepflückte Früh⸗ äpfel notierte man für 100 Kilo 12 Mk. Speisekartoffeln kosten 3,65 Mk. der Zentner. Starkenburg und Rheinhessen. Darmstadt, 22. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Heute vor⸗ mittag 11¼ Uhr fand in Gegenwart des Großherzogs, der 1 Großherzogin, der Offiziere der Garnison, Vertreter der Behörden, der gesamten Jugendwehr und einer nach Tausenden 15 zählenden Menschenmenge auf dem Platze vor dem Landesmuseum eine Dankes seier statt. Nach dem Vortrag einer Militär- kapelle und dem Gesang des niederländischen Dankgebetes durch die Kirchenchöre hielt Oberbürgermeister Dr. Glässing eine An- sprache, in der er der Ruhmestaten unserer Armee gedachte und den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit für die Führer unseres Heeres und des deutschen Volkes in Waffen Ausdruck gab. Er führte u. a. aus: Die Feier soll sein eine Feier des Dankes gegen 77 Gott, der uns so weit geführt habe, und zugleich ein Gelöbnis, nicht. müde werden zu wollen im Kampfe und im Ausharren. Redner 9 schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, den Großherzog und unser herrliches Volk in Waffen, unser Heer und unsere Marine. Darauf sang die Festversammlung gemeinsam das Lied„Deutschland, Deutschland über alles“. Der Großherzog schritt die Front der Jugendwehr ab, die darauf eine Nagelung an dem Kreuz in Eisen vornahm. Damit war die erhebende Feier beendet. Hessen⸗Nassau. h. Bad Homburg v. d. H., 29. Aug. Bei dem schweren Gewitter, das am Samstag abend über dem Taunus sich entlud, traf ein Blitzstrahl den Turm der katholischen Pfarrkirche im Stadtteil Kirdorf und richtete an dem Mauerwerk ver- schiedenen Schaden an.— Im Kirdorser Steinbruch hatte sich ein siebenjähriges Mädchen beim Blumensuchen auf einem Felsvorsprung derart verstiegen, daß es weder vor- noch rückwärts konnte. Das Mädchen mußte durch ein Seil, das man ihm von oben zu⸗ warf und das es sich um den Leib knoten mußte, auf die Höhe ge⸗ zogen werden. Es erlitt bei dem Emporziehen durch das An- schlagen des Körpers an die Felswand einige Hautabschürfungen. Vermischtes. Fünffacher Selbstmord. 0 Mannheim, 29. Aug.(Priv.⸗Tel.) Gestern nach⸗ mittag wurden im Neckar in der Nähe eines Bootshauses fünf Leichen geländet. Die sofort eingeleitete Unter- suchung ergab, daß es sich um die 32jährige Witwe Drei⸗ ling und deren vier Kinder, drei Mädchen und einen Knaben im Alter von 8, 6, 4 und 2 Jahren handelt. Sie ging mit den Kindern von zuhause weg mit dem Bemerken, daß sie zu Verwandten fahre. Die Leichen der vier Kinder waren unter sich zusammengebunden und dann mit einem Strick um den Leib der Mutter befestigt. 0 — Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 31. August 1915; Aufheiternd, trocken, etwas wärmer, nordwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Ein plumper Schwindel. Berlin, 29. Aug.(WTB. Amtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Der als deutschfeindlich bekanntg Amsterdamer„Telegraaf“ brachte kürzlich einen ihm angeblich aus Berlin zugegangenen Brief über eine bei dem Reichskanz⸗ ler stattgehabte geheime Konferenz mit Reichstagsabgeord⸗ neten. Da der Bericht den Stempel der Erfindung an der Stirn trägt, würde sich alles weitere erübrigen, wenn nicht das Reute-⸗- sche Bureau sich der Sache bemächtigt und den Bericht über die ganze Welt verbreitet hätte. Nach dem„Telegraaf“ hat in 4 Geheimkonferenz der Reichsschatzsekretär erklärt, daß Deutf l der finanziellen Exschöpfung entgegengehe und daß die gesteigerte Ausgabe von Schatzanweisungen den vollständigen Ban⸗ ferott zur Folge haben werde. Es sei deshalb nötig, Frieden zu schließen. Der Reichskanzler habe die zunehmenden Schwierig⸗ keiten festgestellt und gebeten, im Reichstag und im Lande auf die kriegerischen Neigungen beschwichtigend einzuwirken und Frie⸗ densvorschläge vorzubereiten, die für die Verbündeten annehmbar seien. Dr. Dernburgs Bericht über die Stimmung in den Vereinigten Staaten und anderen neutralen Ländern hätte einen starken Eindruck auf die Konferenz gemacht. General von Moltke habe erklärt, daß nur ungenügend informierte Personen auf die Möglichkeit einer vollständigen Niederlage Rußlands hoffen könn⸗ ten. Trotzdem habe die Reichsregierung es abgelehnt, auf den Reichstag mäßigend einzuwirken, worauf der Reichskanzler erklärt habe, daß, wenn der Reichstag eine unversöhnliche oder chauvi⸗ nistische Haltung einnehme, er gezwungen sei, zurück⸗ zutreten, da er die Verantwortung für Deutschlands Zu⸗ sammenbruch nicht übernehmen könne. 5 3 Für Deutschland genügt es, diesen plumpen Schwindel kriedriger zu hängen. Für die Neutralen und die feindliche Welt sei fest⸗ gestellt, daß eine solche Geheimkonferenz nur in der Phantasie des Gewährsmannes des„Telegraaf“ stattgefunden hat und daß sogar die„Times“ die von Reuter verbreitete Nach⸗ richt des„Telegraaf“ als kindische Erfindung charakte⸗ risieren. 2 Eine rumänische Ente. Bukarest, 30. Aug. In politischen Kreisen von Bukarest waren in letzter Zeit Gerüchte über ein angebliches Ulti⸗ matum Deutschlands an Rumänien aufgetaucht. Die rumänische Regierung erließ sofort in der halbamtlichen„Inds⸗ pendance Roumaine“ ein Dementi, daß diese Behauptung als vollständig unzutreffend zu betrachten sei. Gleichzeitig ließ der deutsche Botschafter durch die„Agence Roumaine“ ver⸗ breiten: Ein Bukarester Blatt, das wegen seiner falschen Nach⸗ richten bekannt ist, behauptet, ich hätte im Namen der deutschen Ich stelle zu Ende Baron Busschel, Deutscher Ge⸗ Reichsregierung an Rumänien ein Ultimatum gestellt. hiergegen 3 65 daß diese Nachricht von Anfang bis glatt erfunden ist. sandter. Eine Zusammenkunft zwischen dem serbischen und griechischen Ministerpräsidenten. Budapest, 30. Aug.„Az Est“ meldet aus Bukarest: „Pravda“ und„Politika“ bestätigen, daß schon in aller⸗ nächster Zeit in einer Ortschaft zwischen Nisch und Salonitt eine Zusammenkunft zwischen dem serbischen Ministerprasi⸗ denten Pasitsch und dem griechischen Ministerprästdenten Venizelos stattfinden werd s 5 . Giessen(Nord-Anl Todes-Anzeige. Sormabend abend 7¾ Uhr verschied nach langem, schwerem, mit grosser Geduld ertra- genem[Weiden unsere innigstgeliebte Mutter, Grossmutter und Schwiegermutter Dies zeigen in tiefem Schmerze an: Carl Schunck und Frau Alfred Schunck und Frau Chr. Florschiitz u. Frau geb. Schunck Aug. Kiel geb. Schunck Max Unger und Frau geb. Schunck und Enkelkinder. age 9), Dresden, Plauen i. Vogtl., Berlin und Pössneck i. Th., den 30. August 1915. Frau Marie Schunck. 04705 Telephon 148 Gute gesunde peisekartoffel an Minderbemittelte und Frauen von Kriegsteilnehmern per 30 Kilogramm Mk. 3.50 ohne Sack, abzuholen an den Lagerhäusern. Vereinigte Getreidehändler G. m. 5.5. 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