i Nr. 201 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 5 Die„glehener Famlilienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Areis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Freitag, 27. August 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrift- leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 19. Sitzung. Donnerstag. 26. Au gu st 1915. Am Ministertisch: Dr. Delbrück, Lis co, v. Wandel, Dr. Helfferich. 0 Präsident Dr. Kaempf eröffnet die Sitzu 3 Uhr 15 Min. und teilt mit:.. Meine Herren! Es ist die Nachricht eingetroffen, daß dte Festung Brest⸗Lit g 125 if f 5 t owsk auch gefallen ist.(Bravo im Hause und auf den Tribünen.) Wir grüßen unsere tapferen Soldaten, Offiziere und die Heerführer unserer Armee und der uns verbündeten österreichisch-ungarischen(Bravo!), die in den letzten Wochen und Monaten so Unglaubliches geleistet und diese ihre Leistungen durch die Bezwingung von Brest-Litowsk ge⸗ krönt haben.(Lebhafter Beifall im Hause und auf den Tribünen.) Die Beratung der Anträge und Entschließungen des Haus— haltsausschusses wird fortgesetzt. b. 5 8 Heeresfragen. Der Ausschuß beantragt, den Ver p flegungssatz für Ma nunschaften des Heeres und der Marine für die Dauer des Krieges ganz allgemein auf 1,20 Mark für den Tag festzusetzen, den jüdischen Feldpredigern gleiche Aufwandsentschä⸗ digung und Ausrüstungsgelder wie für die nicht angestellten christlichen Feldgeistlichen zu gewähren, ferner festzustellen, daß die im Heeresdienst vertragsmäßig angestellten Aerzte zum ak⸗ tiven Heere im Sinne des§ 38 B. Z. 2 des Reichsmilitär⸗ gesetzes vom 2. Mai 1874 gehören und demgemäß ihnen die den Angehörigen des aktiven Heeres zustehenden Rechte(Steuerfrei⸗ heit, Mobilmachungsgelder) ebenfalls gewährt werden, und eine Regelung der Gehälter der vertragsmäßig angestellten Aerzte durchzuführen, die das Alter und die Leistungen des einzelnen Arztes berücksichtigt. 7 Abg. Stücklen(Soz.): Die Aufopferung unserer tapferen Soldaten in Ost und West hat uns vor dem russischen Einfal bewahrt. Dies erkennen wir gerne an. Es sind uns aber Wünsche und Beschwerden über un⸗ sachgemäße Behandlung bei der Ausbildung zu⸗ gegangen. Diese können wir hier natürlich nur andeuten. Jeden⸗ falls darf das Ehr⸗ und Menschlichkeitsgefühl unserer Mann⸗ schaften nicht verletze werden, damit sie nicht mit verbittertem Herzen kämpfen, sondern mit Lust und Liebe. Es ist zuzugeben, das Kriegsministerium nachdrücklich auf Abstellung der Miß⸗ stände hingewirkt hat. In Bayern ist aber noch in diesem Jahre ein militärisches Unterrichtsbuch gedruckt worden, in dem es heißt, daß die Soldaten Wirtshäuser, in denen staats⸗ und militärfeindliche Parteien ihre Zusammen⸗ künfte halten oder in denen sonst gegen die gesetzliche Ordnung ge⸗ sprochen oder gehandelt wird, nicht betreten dürfen. Bücher und Zeitschriften solcher Parteien darf der Soldat nicht besitzen, noch lesen oder verbreiten.(Hörl! hört!. bei den Soz.) Neuerdings sind ja auch wieder verschiedentlich sozialdemokratische Zeitungen für die Soldaten verboten worden. Ein solches Unterrichtsbuch darf wenigstens während des Krieges nicht benutzt werden. Wie es nach dem Kriege mit dem Burgfrieden wird, müssen wir erst abwarten. „Die Klagen des Auslandes über die Behandlung unserer Kriegsgefangenen sind durchaus unberechtigt. Ich selbst habe bei Besichtigung verschiedener Gefangenenlager den Eindruck gewon⸗ nen, daß in der Tat alles geschieht, um den Gefangenen ihr Los so erträglich zu machen wie nur möglich. Anfänglich war in der Verpflegung der eee manches mangelhafk. Jetzt ist das aber besser geworden. Ein Verpflegungsoffizier sagte mir, für die Beköstigung der Kriegsgefangenen gelte: Hinaus mit den brofitgierigen Privatunter nehmern!(Sehr rich⸗ tig!) Das gilt übrigens auch auf anderen Gebieten! Zwischen Mannschaften und Offizieren herrscht im Bewegungskrieg ein ausgezeichnetes Verhältnis. Beim Stellungskrieg scheint es allerdings nicht immer so zu sein. Es scheint Offiziere zu geben, die es für ihre Aufgabe halten, die freie Zeit der Leute mit Exer⸗ zieren, Appellen usw. auszufüllen. Die Offiziere müssen in ihren Anforderungen Maß halten. Die Ablösungen müssen rascher er⸗ folgen. Das Beschwerderecht der Soldaten bedarf einer gründlichen Reform. Läßt sich das während des Krieges nicht durchführen, so müssen die Kommandobehörden Er⸗ lasse hinausgehen lassen, die auf eine Milderung der Schwierig⸗ keiten beim Beschwerderecht hinwirken. Zur Aufrechterhaltung der Difziplin, deren Notwendigkeit wir durchaus anerkennen, müssen die richtigen Mittel angewandt wer⸗ den. Der Herr Reichsschatzsekretär scheint aus Kn Sparsam⸗ keit die Urlaubsbewilligungen behindert zu haben. Die freie Fahrt muß jeder Urlauber erhalten, wo er auch stehe und wohin er reise. Erst die Presse hat das Reichsschatzamt zur Nachgiebig⸗ keit bewogen. Den Kranken und Verwundeken wird endlich statt der Krankenlöhnung von 10 Pf. täglich die immobile Löhnung von 38 Pf. gewährt, es scheint aber noch nicht bei allen Stellen be⸗ kannt zu sein. Neuerdings werden auch Klagen laut, daß ver⸗ stümmelte Soldaten aus der Oeffentlichkeit zurückgehalten werden, um sie vor mitleidigen Blicken zu schützen. Die Soldaten brau⸗ chen sich ihrer Wunden nicht zu schämen. Warum werden die preußischen freiwilligen Krankenpfleger nicht im Solde mit den bayerischen und württembergischen gleich gestellt? Ueber die Ver⸗ pflegung der Soldaten wird vielfach geklagt. Die Privatunter⸗ nehmer sollte man gänzlich ausschalten, damit nicht den Soldaten die unglaublichsten Dinge vorgesetzt werden. Gegen die Aus⸗ beutung der Soldaten durch geschäftliche Prozentpatrioten und Liebesgabenfabrikanten muß vorgegangen werden. Wir haben gar nichts dagegen, wenn sie in der Presse an den Pranger ge⸗ stellt werden oder der Militärbohkott über sie verhängt wird. „ fFReichsschatzsekretär Dr. Helfferich! Der Abgeordnete Dr. Stücklen hat dem Reichsschatzamk den Vorwurf gemacht, bei der Gewährung freier Tage für Mann⸗ schaften üngebührliche Erschwerungen und Verzögerungen veran⸗ laßt zu haben. Die Reichsleitung ist einheitlich. Ueber innere Angelegenheiten der Reichsleitung kann ich keine Aufklärung geben. So weit sich der Vorwurf gegen das Reichsschatzamt be⸗ sonders richtet, kann er nicht auf Kenntnis von Tatsachen be⸗ ruhen, sondern lediglich auf Vermutungen.(Sehr richtig! links.) In der Sache selbst hat der Reichstag am 29. Mai eine Resolu⸗ tion angenommen, die Bewilligung von Urlaub für die Mann⸗ schaften forderte. Diese Bewilligung ich erfolgt mit Kraft vom 1. Juli an. Seit dem Beschluß des Reichstags und seiner Aus- führung liegt ein Zeitraum von rund einem Monat. In diesem Monat war die Armee durch Urlaubsgesuche für landwirtschaft⸗ liche Zwecke und andere notwendige Verrichtungen in der Heimat 0 richtig!) sehr stark in Anspruch genommen, so daß weitere Beurlaubungen nicht in Frage gekammen sind. Weiter meinte der Abg. Stücklen, daß Reichsschatzamt sei zur Entschließung freier Urlaubsfahrten erst durch Artikel der Presse genötigt worden, das soll heißen: durch Artikes des„Vorwärts“. Der bewußte Artikel des„Vorwärts“ ist aber ein oder zwei Tage vor dem Beschluß des Kriegsministeriums, freie Urlaubsfahrt zu gewähren, erschienen. Abg. Stücklen überschätzt wohl den Einfluß des„Vorwärts“ und macht aus dem post hoe ein propter hoc. (Sehr gut!) Ich habe als Staatssekretär des Reichsschatzamtes für unsere Soldaten ein ebenso gutes Herz wie der Abg. Stücklen oder irgend jemand sonst. Neben meinem guten Herzen habe ich aber leider noch die Verantwortung für die Finanzen des Reiches. Das hin⸗ dert mich zuweilen, von meinem guten Herzen den Gebrauch zu machen, wie jeder gute Staatsbürger. Ich nehme hier eine Aus⸗ nahmestellung ein und würde dem Hause dankbar sein, wenn Sie hierauf Rücksicht neymen würden. Herr Stücklen hat mir ver⸗ sprochen, zu zeigen, wo Millionen gespart werden können. Ich bin für solche Fingerzeige sehr dankbar. Aber auch ohne solche Finger— zeige sind sehr erhebliche Ersparnisse gemacht worden, wie ich das in der Kommission nachgewiesen habe. Wir tun hier, was wir können. Wenn ich aber die Verhandlungen der Kommission in den letzten Tagen übersehe, so kamen die meisten Anregungen dort nicht auf Ersparnisse hinaus, sondern auf das Gegenteil.(Sehr Sie haben doch gewiß nicht den Eindruck gewonnen, daß ich alles abweise, was auf eine Neubelastung des Reiches hin⸗ aus kommt. Sehr viele Härten sind ausgeglichen, praktische Maßnahmen in die Wege geleitet worden, auch wenn daraus eine finanzielle Mehrbelastung des Reiches entstand.(Beifall.) Abg. Dr. Müller⸗Meiningen(Pp.): Angesichts der militärisch⸗politischen Lage und angesichts des 2 8 Erfolges dieses Tages möchte ich mich namens meiner artei auf eine kurze Erklärung beschränken. Wir stimmen allen Anträgen zu, die geeignet sind, die Verhältnisse der Kriegsteil⸗ nehmer, ihrer Angehörigen und Hinterbliebenen zu verbessern und zeitgemäße Reformen einzuführen. Wir haben auch unsererseits zahlreiche Wünsche und Beschwerden unserer Truppen aus der Hei⸗ mat und der Front in der Kommission vorgetragen und energisch vertreten. Insbesondere verlangt, daß jeder Mann aus der Front die Möglichkeit bekommt, in einem Urlaube seine Angehörigen zu sehen. Auch die Verbesserung der Löhnungs⸗ und Verpflegungs⸗ verhältnisse, insbesondere auch zugunsten unserer Verwundeten, denen wir so unendlich viel zu verdanken haben, haben wir in der Kommission dringend vertreten. Wir glauben, die sichere Er⸗ wartung aussprechen zu dürfen, daß eine baldige Abstellung der anerkannten Mängel und Beschwerden erfolgt und unsere dort erhobenen gerechten Forderungen alsbald erfüllt werden. Auch sonstige technische Klagen in bezug auf die Landes⸗ berteidigung haben wir in der Kommission pflichtgemäß unter voller Anerkennung der glänzenden organisatorischen Leistungen des Generalstabes und des Kriegsministeriums eingehend erörtert. Wir versprechen uns aber von einer Wiederholung dieser rein mili⸗ tärischen Debatte im Plenum in dieser Zeit keinen Nutzen.(Sehr richtigl) Dankbar und stolg auf unsere von der ganzen Welt, auch von unsern Feinden bewunderte Armee, ihre Führung, und, was ich gang besonders unterstreiche, ihre Manneszucht, die groß da⸗ steht in aller Welt trotz aller Verleumdungen und Verzerrungen der Gegner, haben wir heute für sie nur den einen Wunsch, daß es ihr gelingen möge, den baldigen endgültigen Sieg an ihre Fahnen zu knüpfen und einen Frieden zu erringen, der unsere Kinder und Kindeskinder vor so furchtbaren Blutopfern bewahrt und dauernd die friedliche Kulturarbeit des deutschen Volkes sichert und schützt. Mit der Armee wird das fal Volk durchhalten bis zum glück⸗ lichen Ende.(Lebhafter Beifall. 175 Abg. Bassermann Natl.)j) Der Reichstag hat gründliche Arbeit geleistet, er hal in viel⸗ stündigen Ausschußsitzungen die vielen K agen, Beschwerden und Wünsche, die ausgesprochen worden waren, behandelt und ist keiner Erörterung aus dem Wege gegangen. Hunderte von Wünschen sind aus diesem Millionenheer an uns herangetreten. In einer Reihe von Beschlüssen finden sich die Ergebnisse der Beratung des Haushaltsausschusses. Der stellvertretende Kriegsminister und seine Vertreter haben uns auf jede Frage Auskunft erteilt, genaue Prüfung aller Beschwerden zugesagt und auch die Abstellung fest⸗ gestellter Mängel zugesichert. Wir haben den Eindruck, daß unsere Kriegsverwaltung pflichttreu bemüht ist, jeden Fleck auf dem N Bilde zu beseitigen, unter Einsetzung aller Kraft Voll⸗ ommenes zu leisten.(Beifall.) Angesichts der vertrauenswür⸗ digen Behandlung unserer Wünsche verzichten wir im Plenum auf eine weitere Besprechung und werden den Beschlüssen des Haus⸗ haltsausschusses zustimmen. Vor den gewaltigen, herzbewegenden, weltgeschichtlichen Erfolgen unserer herrlichen Heere, unerreicht in der Geschichte aller Zeiten, möge die Kritik heute schweigen.(Leb⸗ hafter Beifall.) Dankbaren Herzens 5 0 auch wir im Reichs⸗ tag unserer tapferen Soldaten.(Lebhafter Beifall.) Abg. Spahn(Zentr.):. Ich will nur feststellen, daß die Beschlüsse des Haushaltsaus⸗ schusses unsere Zustimmung gefunden haben, und auch ich nehme Anlaß, besonders nach dem uns heute mitgeteilten großartigen Er⸗ folg, unseren Soldaten herzlichen Dank auszusprechen.(Beifall.) Abg. Kreth(Kons.): Auch wir hätten manche Wünsche gern vorgetragen, wenn es die Lage, in der wu uns befinden, zuließe. Die verhältnismäßig wenigen Beschwerden, die von der Front und hinter der Front über unangemessene Behandlung von Soldaten vorgebracht worden sind, verschwinden vollkommen vor dem glänzenden Bilde der Kameradschaftlichkeit, das unsere deutsche Armee bor der ganzen Welt zeigt. Wir da draußen haben sämtlich die Ueberzeugung, daß alle Stände, Offiziere, wie Mannschaften und Unteroffiziere, treu an dem einen großen Ziele arbeiten, gemein⸗ sam und kameradschaftlich uns einen ruhmreichen Frieden zu er⸗ kämpfen.(Beifall.)** Stellvertr. Kriegsminister v. Wandel: Nach den Erklärungen, die vorhin von den Parteien abgegeben worden sind, glaube ich nicht mehr nötig zu haben, das, was ich im Ausschuß ausgeführt habe, zu wiederholen. Ich habe bereits zugesagt, daß ich den Anregungen, Veschwerden und Klagen, die in reicher Zahl vorgetragen worden sind, nachgehen werde und mich bemühen werde, sie abzustellen, damit, wenn der Reichstag das letzte Mal zusammentritt, ich sagen kann, es ist da, wo wirklich eine Besserung not. wendig geworden war, auch Besserung einge⸗ treten. Die Militärverwaltung wird im übrigen bemüht sein, das Heer schlagfertig zu erhalten und schlagfertig zu machen für seine großen Aufgaben(Lebhafte Zustimmung), durch eine sorgfältige Aushebung, eine vernünftige Aus⸗ bildung und Förderung und Erhaltung eines Geistes in der Armee durch gute und angemessene Behandlung, der neben einer tüchtigen Ausbildung und Führung allein zum Sieg führen kann.(Lebhafter Veifall.) 5. Die Aussprache schließt. Die Resolution wird ange⸗ nommen. Kriegsunterstützungen. i Zur Verhandlung stehen dann Resolutionen, die Teue⸗ rungszulagen und Lohnerhöhungen für Beamte und Arbeiter fordern. Den Beamten und Pensionären des Reichs und den Arbeitern der Reichsbetriebe, den Militärrenten⸗ empfängern und Militärmvaliden sollen Kriegsteuerungszulagen nach Zahl der zu ugterhaltenden Familienange⸗ hörigen gewährt werden. Bei Aufträgen der Militärverwaltung soll dafür gesorgt werden, daß die Bemühungen der Arbeiter auf Gewährung angemessener Löhne unterstützt werden. Die Unterstützungen für Familien sollen erhöht werden. Die durch das Herstellungsverbot für Baumwollstoffe arbeitslos werdenden Textilarbeiter und Arbeiterinnen sollen ausreichend unterstützt werden, wenn ihnen andere Arbeit nicht ver⸗ schafft werden kann. Die erforderlichen Mittel sollen aus den für 1 70 8 der Kriegswohlfahrtspflege bereitgestellten 200 Millionen ark gegeben werden. Ferner steht zur Beratung ein Gesetzentwurf über die F a⸗ milienunterstützungen, wonach bis zur Dauer von drei Monaten eine Aufrechnung der Familien⸗ unterstützung auf die Hinterbliebenenrente nicht stattfinden soll. 8— Abg. Bauer(Soz.):. Im Kriege hat sich die nützliche Wirksamkeit der Ge⸗ werkschaften gezeigt. Trotzdem sind immer noch Erscheinun⸗ gen vorhanden, die aus einer kleinlichen Bekämpfung hervor⸗ gehen. Man darf ihnen doch nicht ihre Weiterentwickelung ab⸗ schneiden, wenn sie nach Friedensschluß ihren großen Unter⸗ stützungsaufgaben gewachsen sein sollen. Aber die kommandieren⸗ den Generäle sind eben allmächtige Götter. Wenn nichts hilft, muß eben an den obersten Kriegsherrn herangegangen werden. Besonders schlimm steht es mit der Behandlung der Dienstboten und Arbeiter augenblicklich in Ostpreußen. Die polnischen Ar⸗ beiter werden namentlich in den Bergwerken sehr schlecht behan⸗ delt. Das dient nicht dazu, Sympathien für das Deutschtum unter den Polen zu erwerben. Die Regierung muß hier mit scharfen Mitteln eingreifen. Im Bäckereigewerbe muß das Ver⸗ bot der Nachtarbeit auch nach dem Kriege bestehen bleiben. Die e für die Heimarbeiter müssen endlich in Kraft reten. 1 In der Textilindustrie sind. Millionen Frauen beschäftigt⸗ Es besteht nun die Gefahr, daß sie arbeitslos werden. Dann erhalten sie keine Kranken⸗ und Wöchnerinnenunterstützungen, wenn sit keine Beiträge bezahlen können. Es muß Vorsorge getroffen wer⸗ den, daß sie diese Unterstützungen nicht verlieren. Warum zieht man nicht die Arbeiter bei der Regelung der Fürsorgefragen zu? Bei der Zuweisung der Unterstützungen wird vielfach zu kleinlich verfahren. Die unehelichen Kinder dürfen nicht unberücksichtigt bleiben. Ueberhaupt darf nicht zu fiskalisch verfahren werden, es muß mehr soziales Empfinden mitsprechen. Die Familienunter⸗ stützungen reichen nicht aus. Es besteht große Not. Die Beamten⸗ familien stehen sich viel besser. Das erregt Verbitterung. Am 1. Oktober sollten die Unterstützungen erhöht und außerdem eine allgemeine Zulage gegeben werden. 5 8 Ministerialdirektor Dr. Lewald: Auf die Ausführungen des Abg. Bauer will ich in dieser Stimmung des Hauses nicht mit der Schärfe antworten, mit der man es tun könnte.(Zustimmung. Widerspruch bei den Soz.) Wenn man das hört, was bier vorgebracht ist, so möchte man meinen, daß das Reich mit vollkommen zugeknöpften Taschen dastünde. Im Ausschuß habe ich bereits ausgeführt, daß die be⸗ 5 zahlten Unterstützungssummen von Monat zu Monat gewachsen sind. Wir haben im Monat August mit 26 Millionen angefangen und sind auf etwa 100 Millionen im vorletzten Monat gekommen. Als Mindestleistung sind im ganzen rund 800 Millionen Mark ge⸗ währt worden.(Hört! 1 Daneben ist von den leitenden Stellen nicht nur vorgeschrieben, sondern in der Praxis ausge⸗ führt worden, daß überall da, wo die Mindestsätze nicht ausreichen, die Lieferungsberbände Zuschüsse zu leisten haben. Es waren in Preußen im Juli 84 Millionen, zu denen freiwillige Zuschüsse von 50 Millionen kamen. 2 Auch aus den anderen Bundesstaaten liegen Berichte vor, daß die Ausgaben dafür sehr stark gestiegen sind. In einer Zu⸗ sammenkunft der Mimisterioldirektoren aller Bundesstaaten, die mit der Ausführung des Gesetzes zu tun haben, ist uns versichert worden, daß die Lieferungsverbände überall ihre Pflicht erfüllen. Wenn es sich um mehrere Millionen bon Familien handelt, so ist es nicht schwer, eine Reihe von Klagen zu sammeln und damit schwarz in schwarz zu malen. Jeder wird mir zugeben, daß es im Lande in Wirklichkeit nicht so aussieht. (Widerspruch b. d. Soz.] Es wäre geradezu unglaublich, wenn all die Männer, die in den Lieferungsverbänden drin sitzen, wenn alle die Bürgermeister, die Ausschüsse, die gebildet sind, den Krie⸗ gerfrauen gegenüber ftatt eines Herzens einen Stein hätten und nicht ein warmes Empfinden besäßen.(Unruhe b. d. Soz.) Da⸗ gegen ist die außerordentlich weitgehende frei⸗ willige Wohltätigkeit nicht erwähnt worden. Wir haben eine besondere Bundesratsverordnung machen müssen, um der ziellosen Wohltätigkeit entgegenzutreten und sie in geregelte Bahnen zu lenken. Fragen Sie den Kollegen Fischbeck, ob das Bild, das der Abg. Bauer entrollt hat, wirklich der Wahrheit ent⸗ spricht oder ob er nicht eine Reihe von Ausnahmefällen in einer geschickten Weise zusammengesetzt hat, um ein 3 errxbild der Wirklichkeit zu geben. Im Ausschuß ist bereits erklärt worden, es Werde in eine Prüfung eingetreten werden, ob nicht die Mindestsätze vielleicht erhöht werden könnten. Das Gesetz uaterscheidet zwischen Sommer⸗ und Wintersätzen. Nachdem wir mit voller Zustimmung des Hau⸗ ses eine b 1 8 an die Behörden und Lieferungsverbände ge⸗ richtet haben, die ommer⸗ und Wintersätze auch zu zahlen, kann jetzt, wo eine große Steigerung der Lebensmittelpreise einge⸗ treten ist, der Frage nähergetreten werden, ob nicht eine Steige⸗ rung der Mindestsätze um 25 bis 30 Proz. stattfinden müffe. Ich habe mit einem sehr sachkundigen Herrn gesprochen, der sagte, es ist auf dem Lande nicht 8 aber es wird das Deputat wei⸗ ter gezahlt und die Familien haben zu kun. In den Städten mag 1 erfahrenen und wohlwollend sozial denkenden Mannes. die Sache zum Teil anders liegen. Das ist die Stimme eines sehr Ich habe mich für verpflichtet gehalten, dies gegenüber den 0 ehr einseitj Ausfübeungen des Ad. Bauer fefeuftelen.„ e 8 Generalmajor von Langermann: 8 Die Ausführungen des Abg. Bauer sind geeignet, unter un⸗ 45 Soldaten die größten Beunruhigungen hervorzurufen und n Schein zu erwecken, als ob die Militärverwaltung für die Hinterbliebenen der gefallenen Krieger nicht genügend sorgt, son⸗ dern noch etwas abknappst. Ein derartiger Vorwurf ift mir noch nicht gemacht worden, und ich habe es auch nicht für möglich ge⸗ halten, daß mir, der ich für diese Sache verantwortlich bin, dieser Vorwurf hier gemacht würde. Diese Beunruhigung tritt nicht nur für die Frauen daheim ein, sondern auch für die Leute draußen im Felde. Ich habe selber draußen mit meiner Brigade gekämpft, ich weiß selbst. was es für ein schönes Gefühl ist, wenn man weiß: Trifft dich die Kugel, dann ist für deine Familie gesorgt. Darum rufe ich auch unseren treuen Kameraden draußen im Felde heute l. 255 eure Hintekbleibenden wird gesorgt!(Stürmischer Bei⸗ 1 Abg. Liesching(Pp.) erichtet über die Beratungen des Haushaltausschusses, über die Unterstützungen, die den Hinterbliebenen der im Kriege Gefalle⸗ nen zu gewähren find. Eine Aufrechnung der Hinterbliebenen⸗ renten gegen die Unterstützung ist gesetzlich nicht zulässig. Abg. Dr. Paasche(Natl.): Der Vorredner sprach als Berichterstatter. Ich spreche aber als Abgeordneter und kann daher frei von der Leber weg reden. Ich gebe der Ansicht der großen Mehrheit des Hauses Ausdruck, wenn ich mich den anerkennenden Worten des Ministerialdirek⸗ tors Lewald und des Generalmajors von Langermann für die Leistungen des deutschen Volkes für die Familien der Kriegsteil⸗ nehmer durchaus anschließe.(Lebhafter Beifall.) Ich will nicht u scharf werden, ich will nicht in den feierlichen Anfang der Sitzung einen Mißklang hineinbringen. 5 Aber der Abg. Bauer erweist den Hinterbliebenen und en Angehörigen der Kriegsteilnehmer keinen Dienst, wenn er in dieser Weise alles, was geschehen ist, in den Schmutz zieht. (Großer Lärm b. d. Soz., lebhafte Zustimmung rechts und b. d. Nationalliberalen, Rufe b. d. Soz.: Unerhört!) Unerhört war, was der Abg. Bauer hier vorgebracht hat.(Lebhafter Widerspruch b. d. Soz.) Bedenken Sie doch, wenn das in die weite Welt hinaus⸗ seht, was man da sagen wird, wo man uns doch immer als Bar⸗ ren hinstellt. Bedenken Sie, was das heißt, wenn man da er⸗ zählt, die Angehörigen müßten sich mit Wasser und Brot ernähren (Große Unruhe), ihre Kinder müßten nackend herumlaufen!(Er⸗ neute große Unruhe.) Das geht nun alles in das feindliche Ausland hinaus! Wir haben alle Ursache, unsserer Zivilverwaltung für alles das, was in der Kriegsfürsorge geleistet wird, ite ation herzlichsten Dank auszusprechen. (Lebhafte Zustimmung.) Wie haben sie gearbeitet! Was haben 4 8 5 erreicht!(Lebhafte Zustimmung.) Ich möchte aber auch Gemeinden danken. Vorhin wurde schon angedeutet, nie⸗ mand hat mit einer so langen Dauer des Krieges gerechnet und manche Gemeinde, die in der ersten Begeisterung aus patrioti⸗ schem Gedanken heraus das Gleiche tun wollte wie das Reich, wird auch schon gedacht haben, wie lange können wir das noch durchhalten.(Sehr richtig!) Mancher Arbeitgeber, der den Frauen der ins Feld gezogenen Männer die Gehälter weiter ge⸗ zahlt hat, fragt sich heute schon, ob er es verantworten kann, diese großen Summen noch weiter zu geben. Alle die Männer und Frauen, die sich heute in den Dienst der Fürsorge unserer Krieger stellen, meinen Sie denn, sie arbeiten mit derselben Be⸗ geisterung weiter, wenn ihnen hier gesagt wird: Alle diese Verordnungen und Gesetze sind ja ganz schön, aber das praktische Ergebnis ihrer. Hunger und Not der Angehörigen der Kriegsteilnehmer.(Lebhafte Unruhe.) Ich bedaure nocheinmal, daßsoetwasüberhaupthier 2 9 werden kannl(Lebhafte Zustimmung.) Man könnte 1 viele Gegenbeispiele anführen. In einer der Wohltätigkeits⸗ küchen, wo täglich 400 bis 500 Kinder gespeist werden, 5 die Dame, die sich ohne jede Entschädigung in den Dienst der Sache 8 hatte, zwei Kinder:„Was macht denn eure Mutter?“ ie Frau bekommt ihre Unterstützungsgelder vom Reich und von der Stadt Berlin für sich und ihre beiden Kinder.— Die Kinder wußten gar nicht, wo ihre Mutter hingeht, sie ließ die Kinder hun⸗ gern und steckte das Geld selber ein.(Großer Lärm.) Was soll man mit einer solchen Mutter machen? Soll man die Kinder Rabenmutter wegnehmen? Vielleicht gehört sie auch zu den 3000 en, die sich bei dem Abg. Bauer beschwert haben(großer Lã bei den Soz.).— Man erweist den Kindern auch keinen Dienst, wenn man die Mutter etwa einsperrt. Wie soll man für die Kinder sorgen? Ich habe mich in meiner Heimat selbst umge⸗ hört, wie es den Frauen geht. Sie sind sehr zufrieden mit den Unterstützungen, die sie bekommen. Sie arbeiten allerdings fleißig, um sich etwas dazu zu verdienen.. Den Frauen wird überall Arbeit gegeben, und es werden Löhne gezahlt, an die man früher nicht dachte. Wer nicht arbei⸗ ten kann, für den wird gesorgt. Wir wehren uns gegen den Vorwurf der Barbaren, wir sind mit Recht ftolz darauf, die höhere Kultur zu vertreten, wir werden die Angehörigen un⸗ serer Krieger nicht in Not lassen. Wir haben einen Antrag ein⸗ gebracht, der dafür sorgen will, daß die Zahl der Invaliden nicht unnötig vermehrt werde dadurch, daß die Leute nicht rechtzeitig für die Kräftigung ihrer Gesundheit sorgen können. Die Heeres⸗ verwaltung schickt die Leute ja jetzt auch nicht gleich nach Hause, sondern schickt sie noch in Bäder und Heilanstalken, damit sie sich möglichst auskurieren. Aber manche Leiden werden erst nach ein bis zwei Jahren hervortreten, wenn der Mann wieder praktisch tätig gewesen ist. Für solche Fälle muß eine Organfalion ge⸗ schaffen werden und müssen vom Reichstag Mittel bewilligt sein. Ein anderer Antrag will den Kriegsbeschädigten die Freude an der eigenen Scholle geben durch Schaf⸗ fung von kleinen Siedlungen. Vielfach ist die Lust erwacht, aus der angeblich freieren Großstadt wieder hinauszu⸗ ziehen aufs Land und dort Glück und Zufriedenheit im eigenen Hause zu finden und sich die nötigen Produkte an Fleisch und Ge⸗ müse selber zu erzeugen. Nichts wäre schlimmer als tausende von mißvergnügten Rentenempfängern in den Großstädten zusammen⸗ gehäuft. Würden wir den einfachen Leuten solche Siedlungen schaffen, so wäre damit eine soziale Wohltat vollbracht, und wir würden dem Ziele näher kommen, möglichst zufriedene Staatsan⸗ gehörige zu schaffen.(Lebhafter Beifall.) Zur Verhandlung steht noch eine Resolution, die eine Denk⸗ schrift über das Nachtarbeitverbot im Bäckereigewerbe verlangt und die ferner dieses Nachtarbeitverbot auch für die Friedenszeit wei⸗ terbestehen lassen will. Abg. Malkewitz(Kons.): Auch wir waren über die Rede des Abgeordneten Bauer sehr erregt. Den scharfen Worten der Abwehr stimmen wir durchaus zu. Herr Bauer hätte sich nicht so weit von den Tatsachen ent⸗ fernen sollen. Er hat eine schpere Schuld auf sich ge⸗ laden. Doch das muß er mit sich selbst abmachen. Den gestrigen Ausführungen des Abgeordneten Böttger über die Verhältnisse der kleingewerblichen Bevölkerung stimmen wir im wesentlichen zu. Wir sind auch einverstanden, daß eine Denkschrift über die Nachtarbeit im Bäckereigewerbe vorgelegt wird. Wir sind aber nicht dafür, daß jetzt schon die Ausdehnung dieser Verordnung für die Friedenszeit festgelegt wird. Abg. Behrens(Wirtsch. Vgg.): Reichsleitung, Heeresverwaltung und Reichstag sind eifrigst bemüht, den Mißständen nachzugehen und auch im Unterstützungs⸗ wesen Besserung zu schaffen. Gewisse Härten mögen vorgekom⸗ men sein, aber im allgemeinen ist doch Großes geleistet worden. Die Denkschrift über das Nachtbackverbot muß noch während des Krieges kommen, damit gleich beim Friedensschluß eine neue Verordnung erlassen werden kann. Abg. Spahn(Zentr.): 125 Ausschußverhandlungen beiwohnte, hat heute nichts Neues gehört. Alle Mitglieder und auch die Vertreter des Bundes⸗ rats haben das gleiche warme Interesse für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer bekundet. Die Beschlüsse fordern weitergehende Maßnahmen. Mit tiefer Trauer haben wir deshalb die heutigen Ausführungen des Abg. Bauer gehört, die das Ansehen unseres Vaterlandes schwer herabsetzen.(Lebh. Zustimmung.) 8 Abg. Stadthagen(Soz.): Abg. Bauer hot doch in sehr vorsichtiger Form hier gespro⸗ chen.(Große Unruhe und Zurufe.) Wenn wir Zensurfreiheit hätten und man könnte alle Klagen in der Presse vorbringen, dann würden Sie einsehen, daß Ihre Vorwürfe unberechtigt sind. Ich muß dringend warnen, ein Gesetz zu beschließen, das zweifellos eine Schlechterstellung unserer Witwen u. Waisen bringen würde. Der Redner wendet sich dann gegen einen Antrag Erzberger, der folgende Bestimmung treffen will: Die Familienunterstützung wird während dreier Monate über den Zeitpunkt hinaus, von dem an die den Hinterbliebenen zu zahlenden Hinterbliebenenbezüge zuständig sind, weitergewährt. Etwa darüber hinaus gezahlte Familienunterstützungen gelten als Vorschußzahlungen auf die Hinterbliebenenbezüge und sind bei deren Auszahlung einzu⸗ behalten. g Schatzsekretär Dr. Helfferich: Der Abgeordnete Stadthagen hat seine Ausführungen im Ausschuß hier wiederholt, nur mit einem etwas stärkeren Tempe⸗ rament, wie es ihm für einen Kreis, der öffentlicher ist, besser an⸗ steht.(Heiterkeit.) Eine Doppelzahlung von Hinterbliebenen⸗ bezügen und Famjlienbezügen kommt nur ganz selten in Be⸗ kracht, wenn der Tod eines Gefallenen oder an Krankheit Verstor⸗ benen erst lange nach seinem Eintritt festgestellt wird und damit auch die Hinterbliebenenrente zur wirklichen Auszahlung gelangt. Ein Recht auf eine Doppelzahlung besteht nicht, sondern sie soll ausgeschlossen sein. Der ganze Streitpunkt ist der, wie man den§ 10 auslegen will. Der Fall wird dadurch noch seltener gemacht, als in Preußen und auch in anderen Staaten men will. Weiter angenommen wird eine Resolution, die die Gewährung von Badekuren an Kriegsteilnehmer for⸗ dert, die die Ansiedlung von Kriegern auf dem Lande anregt, die Herausgabe von Kriegsbriefmarken i und für den eintritt. einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern zur Beratung aller das Wohnungswesen betreffenden Anträge und Bitt⸗ schriften wird angenommen. i 5 (Natl.) zur Abänderung des Gesetzes 1 Be⸗ lagerungszustand, l Budget⸗ kommission. N 5 elne zweimonafliche Hoppelzahfung purch Verfügung worden ist, es handelt sich also nur zin Doppelzahlungen zwei Monate hinaus. Die zwei Monate, die doppelt gezahlt wer⸗ den, werden gegen das Gesetz gewährt. Diesen Verstoß denke ich, laßt es der Billigkeit entspricht, einen gewissen Spielraum zu assen. 5 Der Sinn der neuen Anträge ist, daß ganz allgemein allen Hinterbliebenen, die Familienunterstützungen N D nate lang Doppelzahlung 1 werden soll. Wie groß das Reich dadurch belastet wird, ist noch nicht abzusehen. Trotzdem will ich einen ablehnenden Standpunkt nicht einnehmen und dafür eintreten, daß die Sache auf dieser Grundlage geregelt wird. Es wird dann einheitlich allen Hinterbliebenen die Wohltat einer dreimonatigen Doppelzahlung gewährt. Wenn es nach dem Abgeordneten Stadthagen ginge, würde die Wohltat vielleicht nur dem hundertsten oder tausendsten Teil und nicht in gleicher Höhe erwiesen werden. Das ist der Unterschied. Es ist mir unverständlich, wie man das nicht ein⸗ sehen kann und will. Es kommt mir vor, nach dem Plaidoher des Abgeordneten Stadthagen, als ob das Brot, das wir bereiten, in Stein verwandelt werden soll. Wem die Steine an den Kopf geworfen werden sollen, ist mir nicht klar.(Lebh. Beifall.) Abg. Dr. Neumann⸗Hofer(Vp.) 8 Auch wir bedauern die heutige Rede des Abg. Bauer.(Bei⸗ fall.) Wenn vielleicht auch die einzelnen Fälle richtig sein mögen, so sind sie doch Ausnahmen. Gebbafte Zustimmung, Widerspruch bei den Soz.) Er hätte auch die Lichtseiten der Fürsorge zeigen müssen.(Zustimmung.) Die Kameraden an und hinter 8— Front wissen sie auch richtig einzuschätzen!(Zustimmung.) Sie geht weit über das hinaus, was unsere Feinde hierin leisten. (Lebhafte Zustimmung.) Nirgends haben aber die Sozialdemo⸗ kraten des Auslandes solche scharfe Worte hierüber fallen lassen. (Sehr richtig!) Wir Deutschen wollen und müssen ein einig“ Volk sein! Der deutsche Reichstag muß hier mit gutem Beispiel vorangehen.(Lebhafter Beifall.) 5 . Abg. Vogt(Konf.)„ hebt die Leistungen unserer Kriegsfürsorge nochmals hervor. Abg. Bauer(Soz.): N Ich habe die Leistungen der Kriegsfürsorge durchaus aner⸗ kannt. Besonders die Gemeinden haben Großes geleistet. Ich habe die Wunden aufgedeckt, aber nicht verallgemeinert.(Sehr richtig! b. d. Soz., Widerspruch bei den übrigen Parteien.) Wenn 5 im Auslande unserm Ansehen Schaden zugefügt wird, so sind Sie allein daran schuld.(Sehr richtig! b. d. Soz., Widerspruch b. d. übrigen Parteien.) Den Generalmajor v. Langermann habe ich keineswegs angreifen wollen. Im Gegenteil, ich schätze ihn als 1 sehr sozial denkenden Herrn, der jeder Anregung zugängig ist, f außerordentlich hoch. Wenn Abgeordneter Dr. Paasche meint, ich 0 zöge alles in den Schmutz, so verbietet mir meine Arbeiterbildung, im gleichen Tone zu antworten.(Sehr gut! b. d. Soz.) g 5 Präsident Kaempf: N Daß der Abg. Paasche den Ausdruck„in den Schmutz gezogen“ gegenüber dem Abg. Bauer gebraucht hat, habe ich nicht gehört; 1 wenn ich es gehört hätte, würde ich es gerügt haben.(Heiterkeit.) ö 1 a U 1 1 0 Abslimmungen. 5 Die Resolutionen auf Gewährung von Teuer ungs⸗ 4 zulagen und Unterstützungen an gering besoldete Be⸗ amte und Arbeiter der Reichsbetriebe, ferner für Textilardeuner 5 und Arbeiterinnen werden angenommen. Ferner wird angenom⸗ men die Resolution, die eine Denkschrift über die Nachtarbeit im Bäckereibetriebe verlangt und das Verbot dieser Nachtarbeit auch in die Friedenszeit müberneh⸗ Schutz der Ein Antrag bon Trampezynski(Pole), auf Wahl Haus arbeiter Einige Bittschriften werden erledigt. 1. Das Haus vertagt sich. 5 5 0 Freitag, 11 uhr: Vereinsgesetz, Antrag Schiffer weitere Resolutionen Schluß 8 Uhr. 17 N 1 Das muftkalische Dorf. Man schreibt uns: Fern vom Verkehr, umrauscht von Wald Wasser, liegt verträumt das friedliche thüringische Dörfchen M. Seine Bewohner leben alle in einem issen Wohlstand. Es sind Bauern, die Generationen ee e der ererbten Scholle wohnen. Wenige von ihnen sind wohl längere Zeit aus dem Dorfe hi sekommen. Insofern gleicht also dieser Ort vielen anderen, etwas hat er allen übrigen voraus: in ihm lebt die Musik! Schon die übliche Dorfkapelle beweist durch ihre Stärke, daß es hier viele Männer geben muß, die eine musikalische Ader besitzen. Aber nicht genug damit: fast jeder männliche Einwohner N liebt die Musik, hat Begabung zur Musik und spielt Klavier. Wenn man vor Kriegsbeginn in den Abendstunden die Dorfstraße passierte, klan. einem aus allen Häusern und Hütten Töne von wunderbarer Reinheit, Fülle und Schönheit ans Ohr. Man merkte sofort, daß sich hier nicht bloße Dilettanten auf den Tasten tum⸗ 1 ten, sondern Menschen von natürlicher musikalischer sabung, die sich durch stetes Ueben eine erstaunliche Fertigkeit im Klavier⸗ spiel angeeignet hatten. Schlichte Männer waren es, die selbst nicht sehr viel von ihrer Kunst hielten und sie nur als eine an⸗ 1 5 Abwechslung und einen schönen Zeitvertreib pflegten. Als dann der Krieg kam, wurde es still im Dorfe. Die meisten Männer waren ins Feld gezogen und den Frauen war es nicht gegeben, außer unstreitbar großen wirtschaftlichen Vorzügen auch Musikkenner, oder richtiger, musikalisch zu sein. So ruhten die Klaviere lange verschlossen und bedeckt, vergessen in den Zimmer⸗ ecken, bis unsere neuen Soldaten lieder auch in das Dörschen drangen und von der Dorfjugend gesungen wurden. Ein Junge empfand nun den Ehrgeiz, diese Lieder auf dem Klavier spielen zu können. Er versuchte seine Kunst, und es gelang ihm bald, das ganze Dorf durch seine Musik zu überraschen. Nun wurden aber auch die anderen Instrumente wieder geöffnet und statt der Väter begannen sich die Söhne der Musik zu widmen. In wenigen Tagen konnte man Ach Mädchen weine nicht, 5 Sei nicht so traurig, t ö Mach deinem Landsturmmann das Herz nicht schwer— von den Jungen spielen und den Mädchen singen hören. Mit diesem Lied war selbstverständlich das Repertoire der Kleinen nicht erschöpft. Abwechselnd kamen die alten Soldatenlieder an die Reihe, und den Ausklang bildete stets: a der Heimat, in der Heimat, a gibt's ein Wiederseh'n. Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen. Das werden auch die Väter zu ihrer Ueberraschung entdecken, wenn sie aus dem Kriege in das heimatliche Dorf zurückkehren. dt. * — Die schönen Tage von Bialystok. Der wichtige Eisenbahnknotenpunkt Bialystok, der bei dem Vormarsch unserer Truppen auf Brest⸗Litowsk jetzt so oft erwähnt wird, besitzt ein altes, einst hochberühmtes Schloß, das in der Erinnerung jedes Polen von romantischem Schimmer verklärt ist. Es spielte in den polnischen Freiheitskämpfen des ausgehenden 18. Jahrhunderts eine große Rolle: gehörte es doch damals dem„Kastellan von und M Krakau“ wie der höchste Würdenträger des altpolnischen Reiches hieß, Grafen Branicki, dessen Gattin eine Schwester des letzten „legitimen“ Polenkönigs Stanislaus August Poniatowski war. Er hat in Bialystok, das vielleicht richtiger Bjelostok geschrieben wird, manche glückliche Stunde verlebt, ehe ihn Kaiserin Katha⸗ rina II., die ihn einst gekrönt hatte, zu Grodno in Ketten legen und nach Petersburg führen ließ. Dort büßte er in einem langen grausamen Todeskampfe sein Vertrauen auf ein russisches Kaiser⸗ wort und russische Treue. Eine Großnichte dieses unglücklichen Schattenkönigs, Gräfin Anna Wonsowicz, hat die alte Herrlichkeit des Bialystoker Schlosses lebendig geschildert.„Französische Tape⸗ zierer, die mit großen Kosten verschrieben waren, hatten Mobiliar, Spiegel, Holzbekleidungen mitgebracht, die des Versailler Schlosses würdig gewesen wären. Die Säle waren von gewaltigen Pro⸗ portionen, die Vestibüle mit Marmorsäulen geschmückt, Die An⸗ ordnungen des Parkes, die verschiedenartigen prachtvollen Treib⸗ häuser, die herrliche Orangerie— das Ganze machte aus Bialystok eine in der Tat königliche Residenz.“ Zu Lebzeiten der Witwe des Kastellans von Krakau gab es im Winter eine französische und eine polnische Schauspielertruppe, auch eine Ballettgesellschaft im Schloß. Das Theater, von einem italienischen Architekten erbaut, faßte 300 bis 400 Personen. Alle diese Herrlichkeit ver⸗ ödete langsam, seit 1794 Kosziuscos unglücklicher Aufstand den Russen unter dem fluchbeladenen Feldmarschall Suwaroff erwünsch⸗ ten Vorwand gab, das Land ringsum auf das grauenvollste zu verheeren. Zwar hatten Großfürst Paul, der spätere Zar, und seine Gemahlin sich einige Tage in Bialystok aufgehalten, als sie unter dem Namen„Graf und Gräfin du Nord“ jene denkwürdige Reise antraten, die damals ganz Europa beschäftigte(wie wenig⸗ stens die Gräfin Wonsowicz notiert)— aber die alten schönen Tage von Bialystok kamen nicht wieder. Französische Emigranten ließen es sich hier später bei der berühmten alten polnischen Gast⸗ herrlichkeit wohl sein und Ludwig XVIII., der unter dem Inkognito eines Grafen de Lille einer Einladung Kaiser Pauls nach Mitau folgte, machte hier kurze Rast... Später wurde Bialystok von den Erben der Kastellanin von Krakau an Kaiser Alexander J. verkauft, der im Schlosse alles beim alten ließ. Kaiser Nikolaus hat dann die vielbewunderte Orangerie nach Petersburg schaffen lassen und aus dem dein Pensionat gemacht... Sic transit gloria mundi— auch in Bialystok. N Historische N 1 i hre 9 8 man, vom Beginn des 19. Jahrhunderts ausgehend, die Hagen Schlachten der Geschichte imd die duch sie Peibor⸗ gerufenen Verluste untereinander vergleicht, gelangt man zu dem Ergebnis, daß bis zum Ausbruch des gegenwärtigen Weltkrieges die Verluste in keinem Verhältnis zu den Fortschritten der Waffen⸗ und Kriegstechnik standen. Toch all dies hat sich seit 1914 jäh geändert, denn wie die„Revue hebdomadaire“ ausführt, waren niemals, in keinem Zeitalter und in keinem Lande, die Verluste so gewaltig wie in der Jetztzeit. In der Schlacht bei Marengo (14. Juni 1800), in der sich 65 000 Soldaten gegenüberstanden, beliefen sich die Verluste an Gefallenen, Verwundeten und Ge⸗ fangenen insgesamt auf 13 700 Mann. In der Schlacht bei Jena (18. Oktober 1806) verloren die 115000 Kämpfenden 27150 Mann. In der Schlacht bei Waterloo(18. Juni 1815) verloren 228 000 Kämpfer 57200 Mann. In acht bei Solferino (18. Juni 1859) verloren 275 000 Kämpfer 31 250 Mann. In der Schlacht von Liao Jang(August⸗September 1904) standen sich 95 000 Russen und 100000 Japaner gegenüber. Die Gesamt⸗ verluste beider Parteien beliefen sich auf 30400 Mann. In der entscheidenden Schlacht bei Mukden(Februar⸗März 1905) kämpften 350000 Russen gegen 300 000 Japaner. Die Russen verloren 70000 Mann, die Japaner 42 000 Mann.... Wie gewaltig der Unterschied zwischen den genannten Zahlen und den allgemeinen Verlustziffern ist, die vor allem unsere Feinde in diesem Kriege aufzuweisen haben, wird sich erst später in Gänze feststellen lassen. Doch läßt sich schon heute sagen, daß ganz besonders die Verluste der Russen mindestens viermal so hoch sind, wie die im früheren Verlauf der Weltgeschichte bekannt gewordenen. Als Beispiel mag man sich die Schlacht bei Ortelsburg⸗Gilgenburg vergegenwärtigen, in der die Russen im Verlauf eines Tages und einer Nacht allein an Gefangenen 70000 Mann verloren. Wenn man die gefallenen und verwundeten Russen dazu zählen wollte, würde sich der Gesamtverlust des Gegners in dieser einzigen Schlacht wohl als doppelt so hoch herausstellen.. 0 — Das Betrugsbüchlein. In dem im Jahre 1721 erschienenen„Betrugsbüchlein“ ist die Rede von allerlet Be⸗ trügern, und auch die Italiener fehlen dabei nicht. DD merkt man bald, daß die Italiener schon vor zweihundert Jahren von Treu und Glauben keine Ahnung hatten. So wird ihnen vorgeworfen, daß sie„mit Fleiß die liederlichste und verlegen, Ware einhandeln und solche dennoch wiederum theuer verkauffen“ Weiter wird ihnen vorgehalten,„daß sie Schuh⸗Schnallen, Knöpffe und dergleichen mit Gold⸗Farbe überstreichen lassen, und es vor gut vergüldet ausgeben“.— Man klagt sie weiter an, daß sie „die in Teutschland gemachte Handschuhe vor parfumierte Spanische und Romanische verkaufen“. Sie machen die tollsten Geschichten. So nehmen sie„aus Zitronen, Pomerantzen und Limonien, 1 1 3 gut genug vor die Teutschen!“ Die Zollstellen vermieden geflissentlich, Holländische und Schweizer Manufakturware schacherten sie als Mailänder Seide. Seise, die in Deutschland an⸗ gefertigt war, wurde von ihnen als kostspielige! n 1 15 etianet Bologneser Seife an den Mann gebracht. 3 i f 1 1 55 Artikel des Petersburger Vertreters Hand Vorbereitungen zu einem großen Unternehmen vollendek waren, ist es in entgegenstellen. Immer wieder heißt es:„Ihr habt erklärt, daß Poe wacht: und die Stimmung gegen den und bebauen, vielmehr gehört intelligenten, d er bildet zugleich den Hauptstrom des wol⸗ Westen ist für Wolhynien nur Dnjepr⸗Strome im Osten f 5 nähert es sich dem Gebiete igen tadt Kiew. Der Pripet erhält seine Zuflüsse allesamt von Süden. Sie entströmen dem bergigen Teile des Landes; denn Wolhynien ist nicht, wie man im allgemeinen sich das vorzustellen pflegt, eine einzige große Ebene. Von Galizien und Podolien her stößt viel⸗ mehr das dortige Hoch⸗ und Hügelland mit kräftigen Ausläufern in das füdliche Wolhynien vor, und auf 1990 Höhen haben die Flüsse ihren Ursprung, die dem Pripet zuströmen. So ist es auch den Russen in diesem Teile Wolhyniens durch die natürliche Bil⸗ des Geländes leicht geworden, verschiedene immerhin beträcht⸗ Festungen anzulegen. Die stärkste davon ist Dubno, an dem Kusse Irwa gelegen, und zwar in einer sehr malerischen Art: auf einer Halbinsel, die der Fluß beinahe ganz umströmt. Was die Stellung von Dub no stärker macht, ist, daß es unmittelbar ter eier Bresche iegt, der sich in der Fette des füdwolhynischen inet. Die Bevölkerung der Stadt besteht großenteils erb aus Juden, und das gleiche ist bei einer anderen südwolhynischen Festung der Fall, bei Lu pz k, das etwa in der Mitte zwischen Wladimir und Krrmenetz am Flusse Stir gelegen ist. Heute ist Lupzk— 5. e We 8 einst 5 ei eigenen wo i ürstentums, und im Jahre 1429 fand hier sogar ein Kongreß der Fürsten von Osteuropa statt. im der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts zählte Lupzk zu den großen Städten des slawischen Europas, während es heute zu sast völliger Bedeutungslosigkeit herabgesunten ist. Selbst an die Eifenbahnlinie, die das Verkehrsrückgrat Wolhyniens bildet, ist Lupzk nicht unmittelbar e worden, obwohl es ihr nahe senbahnstrang, der Brest⸗Litowsk mit Bese l 92 viel umkämpft worden. Die Stadt liegt an einem schon von der Mongolen t sich der mit bat ware K die Wogen 1808 sich ihr bemäch „ wã ich ihrer zu wet 5 der u ckschel Nur 3 12 iche Ruland 5 die das zari an mit Füßen getreten hat. Von 1805 bis 1832 war das Lyzeum von Fremenet der Mittelpunkt des höheren Unterrichts der ganzen wesf⸗ lichen Ukraine nach der polnischen Revolution wurde dann freilich die Anstalt nach Kiew übertragen, wo sie als Keimzell für die Uni⸗ versität diente. Die dritte der drei geschichtlichen Hauptstädte Süd⸗ wolhyniens ist Ostrog am Gorin, einem Nebenflusse des Pripets, gleichfalls in alten Zeiten die Hauptstadt eines selbständigen arstentuns und bedeutende Lufeurstätte In. Oftrog ist im Jahre 1581 die erste vollständige Ausgabe der Bibel in flawischer Sprache gedruckt worden, und damals besaß die Stadt die erste Kleinruffische höhere Unterrichtsanstalt, die später durch eine Jesuitens⸗ ersetzt worden ist. Noch heute bietet die Stadt durch Ha 8 8 2 den niedrigen 2 der kleinrussi ern erh i. ie Me gewaltiger runder Türme und die Trümmer ausgedehnter Neacen und man⸗ ches Bauernhaus ist mitten in imponierende alte Ueberreste hinein⸗ Rußlands Auf nach dem englischen 5 Millionen⸗Heer. N Die Engländer haben während dieses ganzen Kriegsjahres wahrlich nicht mit Versprechungen ge: im November er⸗ klärten sie, daß sie im r ihre volle gkraft erlangt e e e e i ärz; 1 05 engliz 0 de e eee alle die englische Regierung kund und zu wissen, daß sie im Mai n eigen 0 Arteg„beginnen“ würde, daß im Mai das streitbare 3⸗Millionen aufgestellt sein werde. Aber nun August geworden, und die bereits sagenhaften 3 Millionen d noch immer nicht in Erscheinung getreten. Und den Alliierten, ganz besonders den Russen, beginnt die Geduld zu reißen. Die russischen Armeen haben die Hauptlast des Krieges ertragen müssen, ohne von ihren Bundesgenossen durch eine ktion im Westen erleichtert worden zu sein sie haben geräumt und sind in einem stetig fortschreitenden Heimat ffen. Und nun ist die Petersburg der Groll gegen England er⸗ Bundesge nen so 1 ie ungen, scht hat, nimmt einen immer größeren Um⸗ 5 12 5 Der eherekker dieser Stimmung, die deutlich genug das ischen den Alliierten herrschende 8 15 i in iedergegeben:„In allen Kreisen der russischen Bevölkerung fragt — numer wieder:„Was die englische 3⸗Millionen⸗Armer?“ Es nützt nichts, wenn mam cmit Hinweis auf die großen Schwie⸗ rigkeiten antwortet, die sich der Aus rüstung einer so großen Masse Rückzug in ihre engere ge en, da in Mai fertig sein würdet.“ Und die Russen sagen weiter z 5 5 des Winters haben unsere Armeen in den Karpathen Wir wären weiter gedrungen, wenn die Situation im ten es nicht den Deut möglich gemacht hätte, uns mit old und Kanonen zu überfluten. Wir glaubten, unserem 5 7 Munstivnsmangel ein Ende bereiten zu können, wenn der Hafen von Archangels wieder offen wäre; aber es stellte sich heraus, daß die Aufträge, die wir in England, Frankreich und Kanada auf⸗ gegeben hatten, gar nicht ausgeführt worden waren! Statt der für Anfang Mai versprochenen großen Bewegung gegen die Deut⸗ schen im ten lam es zu einem großen Vorstoß der Deutschen gegen uns, zu dem gewaltigsten Stoß, den sie überhaupt bisher unternommen haben. Wir mußten nicht nur alles Gewonnene wieder herausgeben, sondern wir müssen fortwährend nach rück⸗ wärts gehen. Und während dieser ganzen Zeit, gerade als eine Bewegung im Westen uns hätte retten können, wurde nichts, aber auch gar nichts getan. Es ist nicht einzusehen, wodurch die Engländer und Franzosen während dieser ganzen Zeit zu einer solchen Art von Untätigkeit gezwungen wurden. Wir wissen, daß die Deutschen im Westen über eine sehr stark befestigte Front ver⸗ fügen. Aber unsere Truppen vor Warschau hatten nicht minder starke Stellungen. Und wenn die Deutschen so starke Verteidi⸗ gungsstellungen, wie etwa die Bzura⸗Linie, zu überwinden ver⸗ mögen, müssen wir fragen, warum nicht auch ihre Linien in Frankreich und Flandern auf ähnliche Weise von den Franzosen und Engländern erschüttert werden können!“ 5 erwarten unsere Angehörigen den regelmäßigen Eingang des heimat⸗ blattcs. Um eine Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man len feldpost⸗Beæug d. Gegner Anzeigers fur monat Sept. schon jetzt erneuern Alle Postamter nehmen die Bestellung entgegen. der monatliche bezug be⸗ tragt Mk. I. 7 einschließlich der um⸗ l schlag⸗ Gebühr. Außerdem vermittelt die Bestellungen wie bisher auch die beschaftsstelle des Gießener Anzeigers E 1 Sitzung der Stadtverordneten. 5. a. Gießen, 27. August. Die gestrige Sitzung der Stadtverordneten eröffnete Ober⸗ bürgermeister Keller mit einem herzlichen Gedenkwort für den verstorbenen Stadtverordneten Friedberger, das die Ver⸗ sammlung stehend anhörte. Schon wieder habe man, so führte der Oberbürgermeister aus, einen schweren Verlust im Stadtrate zu beklagen. Der heimgegangene Stadtverordnete Friedberger, der der Versammlung seit 1911 angehörte, habe dort sowohl wie in den Kommissionen, denen er angehörte, mit großem Interesse, vortreff⸗ licher Sachkenntnis und aufrichtigem, sicherem Urteil seine Auf⸗ gaben wahrgenommen und sich reichste Berdienste um unser Gemein- 7 erworben. Sein Andenken werde allezeit in hohen Ehren bleiben. 8 Man trat alsdann in die Tagesordnung ein. Debattelos wurde zugestimmt der Errichtung einer Lagerhalle neben der Klär⸗ anlage durch Gebr. Kahl, wozu, da das zu errichtende Gebäude außerhalb des genehmigten Ortsbauplanes liegt, die Befreiung von 9.5 des Ortsbaustatuts erforderlich war. Ferner sand der Verkauf eines städtischen Geländestücks an der Krofdorser Gemarkungsgrenze an die Witwe Abel in Krofdorf debattelose Zustimmung. Durch die außerordentliche Zunahme der Anmeldungen zum Anschluß an die elektrische Lichtversorgung ist der im Voranschlag für 1915 vorgesehene Kredit von 15000 Mk. für die Beschaffun 9 von Zählern nicht ausreichend. Im Wege der Krediter weiterung wurden für diesen Zweck weitere 5000 Mk. bewilligt. Auf eine Anfrage des Stadtv. Vetters, ob bei der Zähleranlage Kautionen gestellt werden müßten, erwiderte der Oberbürgermeister, daß da⸗ von nicht durchweg abgesehen werde. Härten bitte er ihm bekannt⸗ zugeben, um die Ausstellungen nachprüfen zu können. Für ihren Rechnungsabschluß für das Jahr 1913 bean⸗ tragte die Armenkasse die Genehmigung. Der Abschluß schließt in Einnahme mit 135 368,97 Mk. und in Ausgabe mit 127 811,97 Mk. Die Genehmigung wurde erteilt. Die Verwendung der Zinsen aus der Stiftung Peter Wilson Kinder, die mit se 500 Mk. wie bisher dem Knaben⸗ und dem Mädchenhort nach dem Antrage der Armendeputation zufallen sollen, wurde ebenfalls zugestimmt; ebenso einer Erhöhung der Sätze für die Vergebung der städtischen Drucksachen um 10%,. 5 5 Das Polizeiamt befürwortete bei der Stadtverwaltung eine Eingabe der Droschkeninhaber um Erhöhung der geltenden Tarife. Die neuen Sätze sind erheblich höher als die alten, doch stimmte die Versammlung dem neuen Tarif unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs längstens für die Dauer des Krieges zu. Wenn auch Stimmen laut wurden, die die Er⸗ höhung als zu unvermittelt bezeichneten, verschloß man sich doch der schwierigen Lage der Droschkenbesitzer nicht. Schließlich sanden zwei Gesuche um Schankwirtschafts⸗[3 erlaubnis, das eine der Witwe Heinzerling für Schiffen⸗ einen eigenen Reiz, die Schilderung nachzulesen, die Johannes Mayrhofer in einem gehaltvollen neuen Reisebuche Spanien 55 das soeben bei der Herberschen Verlagshandlung in Freiburg 1. B. erscheint, von diesem vielumstrittenen Stück Erde entwirft. Es ist der erste Eindruck, den dieser neue deutsche Spanienfahrer von dem Lande, das heute mehr in unsern Gesichtskreis tritt, erhält. Nach langer Seereise erblickt er an einem Morgen die neue herr⸗ liche Landschaft vor sich, die siegreich, massig aus den Fluten aufsteigt, eine von titanischen Urweltgewalten getürmte Felsen⸗ szenerie, und dazu als weitere Umrahmung der glitzernden Meeresflut die Bergeshöhen hinter dem lieblichen Algeciras und die fanft verblauenden Berge der Gestade Afrikas. Die Zollunter⸗ suchung beim Landen ist in der Friedenszeit gnädig; der Beamte interessiert sich nur für Pistolen und Zigaretten. Der Reisende erhält eine besondere Aufenthaltskarte; will er über Nacht ver⸗ weilen, so bedarf es weiterer Förmlichkeiten. Ueberrascht steht der Reisende vor den Reizen der Landschaft und der Vegetation an diesem vorgeschobenen Posten der englischen Seeherrschaft, a der sonst nur wegen des militärischen Interesses erwähnt zu werden pfelgt.„Reizvoll ist schon die Gestalt der mächtigen Jelsenburg, welche die Natur hier, vom Festland nahezu getrennt— eine flache, sandige Landenge bildet die Verbindungsbrücke mit Spanien—, in großartiger Abgeschlossenheit und Selbstficherheit getürmt hat. Mächtige Jurakalkmassen, auf silurischen Schiefern ruhend, streben zum leuchtenden blauen Himmelsgewölbe empor wie ein riesiger Opferaltar in weiten Tempelhallen. 4 Kilometer lang und 1,3 Kilometer breit zieht der Felsen sich von Norden nach Süden, in den Konturen leicht gegliedert— die Höhenunter⸗ schiede der Gipfel sind nicht bedeutend—, und nur an den Schmal⸗ seiten ist ein reicher ausgeprägter Wechsel von Schroffheit und sanfterem Abstieg. Die Westseite senkt sich in Terrassen zu Tal, an der weniger besuchten Ostküste ist der Absturz ein jäher, plötz⸗ licher. An der Westseite des Berges baut sich denn auch die Stadt Gibraltar auf, Straße für Straße, Gäßchen für Gäßchen überein⸗ ander emporsteigend. Zahllos sind die Treppenstufen, die man bei einem Spaziergang durch das malerisch südländische Gewinkel ersteigen kann, prachtvoll die Blicke, die sich daber auf die grauen Felsenhöhen, das grünende Kaktusgewirr und nach der andern Seite auf das sonnenleuchtende Meer erschließen. Einen weiten Raum nehmen auch die üppigen Gärten der Alameda(der öffent⸗ lichen Anlagen) ein. Alameda! Wenn man das Wort nur hört, da strahlt und tönt und blüht und duftet es nur so in den Vorstellungen unserer Phantasie, die sich von diesem zauberisch schönen Fleck Gibraltars in die nördliche Heimat hinübergerettet haben. Alameda, das ist hinreißender Blick auf Meer und Felsen⸗ dom, das ist klingende Militärmusik von Soldaten in rotflammen⸗ den Uniformen, das ist die ganze Pracht der subtropischen Pflanzen⸗ welt, in deren sattem Grün das Auge ein Bad der seligster Erquickung nimmt, das ist heiteres Menschenvolk in frohem Ge⸗ plauder, spielende Kinder, lieblicher Gesang mit den süßen Lauten spanischer Sprache, weiße Sonntagskleider, Friede und Froh⸗ sinn..“ In der Nähe der Alameda liegt ein Friedhof mit grünüberwucherten Grabsteinen, unter denen die englischen Toten von Trafalgar ruhen. Noch immer hausen hier die letzten Affen, die es in Europa in Freiheit gibt; im warmen Sonnenschern kommen sie von ihren Felsen herabgestiegen, setzen sich auf die Gräber und knacken Nüsse, die ihnen reichlich über die niedrige Mauer zugeworfen werden— ein findiger Händler hat sich em Geschäft daraus gemacht, das Publikum und durch dieses die Affen mit den Leckerbissen zu versorgen. Bei Spaziergängen stößt man wiederholt auf Schwierigkeiten, indem besonders oberhalb des alten malerischen Maurenkastells jedesmal, wenn die Aussi ganz umfassend wurde, der Schritt des Wanderers durch eine Warnungstafel gehemmt wird. Indessen durfte Mayrhofer doch einen beträchtlichen Teil der berühmten„Galleries“ unter Füh⸗ rung besichtigen.„In blendendem Sonnenlicht gehen wir zunächst zwischen kühn aufragenden Mauern des alten Kastells und mo dernen Anlagen hindurch, dann nimmt uns die Nacht der in die Felsenmassen des Berges gesprengten Gänge auf. Immer weiter, immer tiefer in die Welt der Geheimnisse. Und immer wieder erschließt sich in der rauhen Felswand eine breite Oeffnung mi dem Ausblick in lachende Fluren, auf blaues Meer, in unendliche Abgründe. Unmittelbar vor uns, senkrecht, schauerlich der Absturz in die Tiefe Ueberall grinst der Tod dem einsamen Wandersmann entgegen.“ Aber auch auf eine Kanone trifft der Wanderer, die drohend den Eingang bewacht und die Vorstellung erweckt, daß eines Tages der ganze Felsen von Gibraltar sich in einen feuer⸗ speienden Berg verwandelt und aus all diesen in der Ferne so unauffälligen harmlosen Felsenlöchern tausendfaches Verderben blitzen könnte —— Altschweizer Uriegshumor. Selbst dem harten Geschäfte des Krieges hat das schon von alters her die versöhnende Gabe des gewinnen verstanden, und es ist eine anziehende Aufgabe, den ver⸗ schiedenartigen Formen und Aeußerungen des Kriegshumors ber den verschiedenen deutschen Stämmen nachzugehen. Eine Reih interessanter Beispiele schweizerischen Kriegshumors ist in etmnem Aufsatze der„Neuen Zürcher Zeitung“ über namen zusammengestellt worden. Das deuts 2 deutsche Volt Humors abzu⸗ begleitenden Verhältnisse Als die Walliser im nahmen, bei dem berger Weg 63, das andere des Dachdeckermeisters Ruckstuhls sachen k für Steinstraße 76, nach der Begründung durch Stadtv. Löber ihre Erledigung.. die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung Damit war erschöpft.. Zum Schluß der Sitzung wandte sich Stadtv. Dr. Ebel in einer Feststellung gegen einen Artikel in Nr. 199 des„Gieß. Anz.“, worin an der Versteigerung von Frühobst durch die Stadt Kritik geübt wurde. Der Lebensmittelausschuß verdiene dieselbe nicht, denn er habe sich bei den Versteigerungsbedingungen nicht nur die] Luz Genehmigung für jedes einzelne Angebot vorbehalten, sondern auch Händler vom Mitbieten ausgeschlossen und den Weiterverkauf des Obstes an Händler bei einer Vertragsstrase von 5 Mk. verboten. Ein Besuch in Gibraltar. Der Weltkrieg, der alles Feste ins Wanken gebracht und Ein⸗ richtungen, die für alle Zeiten unerschütterlich schienen, von neuem in den Fluß der Entmicklung gerissen hat, ließ auch in Spanien alte Gedanken und 3 1 e 7 1 2 a 2 Lande die Wunde wieder fühlen, die Gibraltar, die englische Zwin. an der Südspitze der Halbinsel, für sie bedeutet. Lange Zeik h Spanien vergeblich versucht, den ungebetenen Gast abzuschütteln, ehe es sich mit dem demütigenden Zustand abfand. Heute richten sich die Blicke der Besten im Lande wieder auf das Felseneiland im Süden, und manche stille Erwägung mag stattfinden, ob die Zeit seiner Befreiung nun endlich herannahen wird. Gibraltar bietet eine Fülle der merkwürdigsten Eindrücke, und es gewährt 8„„. „Herings⸗ te die Er⸗ vorgegangen. Bei 1 7 dre Auf⸗ 1 in Händen, Weideglocken umgehängt hatte, von Dorf 5 ö N ternehmung den Namen„Trinkli⸗Stter⸗ Chrieg“ eintung. Der„Hirthemli⸗Thrieg“ ist der Aufstand der schweizer Bauern, die im Jahre 1799 in bloßen Ueberhem zusammenliefen, um die französische Besatzung zu vertreiben. Ein „Bilndel⸗ und Steckli⸗Chri ein„Gable⸗Chrieg“ und eim ieg“, „Sparre“ sowie ein„Prügle⸗Chrieg“ geben zu erkennen, auf in diesen Fehden welche Art 2 mit welchen. man sich geschlagen hat. In einer anderen Art als der eingangs ervor gehobenen elt die Verpflegung ihre Rolle, in den— cl 1 0 Kriegsnamen, die von der Kriegsbeute an Speise und Trank herrühren. Als um die Neujahrszeit 1516 das Landvolk vom Zürichsee nach der Stadt zog und sich dort auf Rechnung der gnädigen Herren an allerlei Festgebäck gütlich tat, da ward dieser Zug der„Leb⸗Chuechen⸗Chrieg“ getauft; es war nämlich just die Stunde,„da die Lebküchler auf den Gassen überall Naschwerk seilboten“. So hat auch der„Speck⸗Krieg“ von 1565 seinen Namen von dem leckeren Bündner Rauchfleisch erhalten, daran die Krieger sich damals erfreuten. Zum Schlusse mag noch der humorvolle Ursprung des Namens„Henne⸗Chrieg“ erwähnt sein, womit der Einfall der Tiroler ins Unterengadin vom Jahre 1465 bezeichnet wird. Damals hatten die Angreifer gedroht, sie würden im Lande auch nicht eine Henne verschonen, und so ist diese Henne im Kriegs⸗ namen unsterblich geblieben. 0 Vermischtes. Grubenunglück. * Görliitz, 27. August. Gestern mittag sind in der Grube „Glückauf“ in Lichtenau vier Bergleute von Erdmassen verschüttet worden. Die Verschütteten sind vermutlich tot; die Leichen sind noch nicht geborgen. * — Die Entstehung des Namens Gallipoli. Ueber die Herkunft des Namens der im Mittelpunkt der Dardanellen⸗ kämpfe stehenden Halbinsel Gallipoli sind die verschiedensten Be⸗ rachtungen angestellt worden. Nun schreibt der Figaro zu dieser trage:„Verschiedene Forscher, die in ihren Untersuchungen auf die Zeit der Kreuzzüge zurückgingen, erklärten, daß die franzö⸗ sischen Kreuzfahrer an den Dardanellen landeten und dort ein Lager errichteten, das sich im Verlauf der Zeit zu einer Stadt entwickelte, die den Namen„Stadt der Franzosen“ oder„Stadt der Gallier“ erhielt. So wäre also aus dem lateinischen Worte gallus und dem griechischen Worte polis die Bildung Gallipolis entstanden. Doch der Name Gallipolis reicht weiter vor die Zeit der Kreuzzüge zurück. Die Stadt ist eine Gründung der Maze⸗ donier, die sie Kallipolis—„die schöne Stadt“— nannten, welche Bereicherung sich im Sprachgebrauch in„Gallipolis“ um⸗ wandelte. Uebrigens gibt es auch in Ohio, in den Vereinigten Staaten, einen Ort Gallipolis, der im Jahre 1790 von franzö⸗ sischen Kolonisten begründet wurde. Die beiden Namen stehen aber wohl kaum in irgendeinem innerlichen Zusammenhang.“ * Daß unpatriotische Verhalten der reichen Italiener. Die Zeitung„Gli Avanti“ veröffentlicht eine Er⸗ klärung des früheren Bürgermeisters von Bologna, Marquis Tanari, worin es unter anderem heißt:„Es gibt eine traurige und schmer⸗ liche Tatsache, die man nicht mit Stillschweigen übergehen kann. Die reichen Familien in unserem Lande, die aus ihren Gütern hohe Einkünfte beziehen, kümmern sich nicht im mindesten um die hun⸗ derterlei Anforderungen, die die gegenwärtige Lage an sie richtet. Sie spenden nichts oder nur ganz wenig für die öffentlichen Samm- lungen. Es ist mir unmöglich, hierüber zu schweigen.“ Büchertisch. — Die Kämpfe in den Vogesen gehören zu den blutigsten und anstrengendsten im ganzen Feldzuge. Eine sehr inter- essante von Augenzeugen geschriebene Darstellung dieser Kämpfe befindet sich in den neuesten 39.— 41. Hesten von Bongs illustrierter Kriegsgeschichte, Der Krieg 1914/15 in Wort und Bild“ (Deutsches Verlagshaus Bong& Co., Berlin W. 57, wöchentlich ein Hest zum Preise von 80 Pfg.).„Es ist eine tolle Sitvation,— heißt es dort— wie sie ähnlich wohl kaum an einer anderen Stelle der Kriegsschauplätze zu finden ist. Als könnte jede Sekunde der entsetzliche Nahkampf ausbrechen! Die Kuppe des Hartmanns⸗ weilerkopfes bildet ein Plateau von 12 m Durchmesser. 5 m Tiefe davon nach Ost und Nord haben wir, 2 m Tiese nach Süd und West die Franzosen, bleiben 5 m Zwischenraum! Es ist ein furcht⸗ bares Lauern aufeinander hier oben. In stark besestigten und ver— schanzten Felsengräben liegt man sich gegenüber, und ohne Unter⸗ laß geht der schrecklichste Kampf, den der Stellungskrieg erzeugt, der mit Handgranaten.“ Der erste Teil, die eigentliche Kriegs- geschichte, enthält serner die Schilderungen des russischen Feldzuges .. * im April, die mit der Eroberung des Zwininrückens ihren Anfang nehmen. Daran schließen sich die Kämpfe in Frankreich während des Monats April. Im zweiten Teile, der Krieg in Einzeldarstellungen, finden wir sehr interessante Berichte wie:„Im Handgemenge von Plava“,„Aus den Kämpsen vor Szawle“,„Das Ringen um Görz', -Unser nächtlicher Uebergang über die Bzura“ u. a. m. Auch diese von Kriegsteilnehmern beigesteuerten Berichte sind mit Bildern im Felde stehender Maler begleitet, so daß der Leser ein durchaus lebendiges Bild von dem gewaltigen Ringen unserer braven Truppen in Feindesland erhält. Jarbige Kunstblätter nach Ge⸗ mälden und Zeichnungen von Heims, Zimmer, Halke erhöhen den Wert der Hefte. 1 Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.)„ Ein Vorschlag. 5 Der Staat braucht nicht nur Gold, Kupfer und Messing, sondern auch Gummi, das jetzt sehr rar ist. Gummischuhe, die nicht mehr benutzt werden, liegen noch in großer Zahl in den Häusern. Diese gilt es zu sammeln, da sie großen Wert haben. Viel Wenig gibt ein Viel und die Sammlung könnte die neu⸗ gebackene Metallsammelstelle übernehmen. Die hiesige Gummifabrik kann diese Gummischuhe mit bestem folg verarbeiten, in wertvolles Gummi umarbeiten.— T—. ———— ä—— Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. 5 1 Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 28. August 1915: Vorabend: 7.00 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags; 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 8.05 Uhr.. eee Grösste Auswahl echter F e e ee e e chweizer Stickereien 8 Kreuzplatz 10 5 J. Kaan jr. 480 Telephon 893 2 Ia. neue Kartoffeln Ia. neue Zwiebeln Neue Salzgurken Neues Sauerkraut Ia. große Vorzüsliche Speisemehl Aufläufen u. dergl. min und Maizena Waffelmisch und preiswert . Pjiund 1 5 Pf. Vollheringe 2 Stud 2 5 p. Makkaroni in Sead 65 w. Gemüse⸗Nudeln pfund 5 6 Pf. zur Bereitung v. Puddings, Flammeris, für das ausländische Monda⸗ Paket 2 Ohne Brotkarten! 10 Pfund 65 Pf. 2 Stüc 1 7 Pf. 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Js. fällig gewesenen beiden ersten Ziele Gemeindesteuern und Kanalgebühren können mit Rücksicht auf die verspätete Ausgabe der Zettel noch bis zum 11. September ds. Is. einschließlich ohne Kosten bezahlt werden. 0 Diejenigen, die mit der Zahlung dieser Ziele noch im Rückstande sind, werden hiermit gemahnt, die Abgabe bis 11. September 1915 an die Stadtkasse zu bezahlen. Vom 13. September an gelangen beide Ziele zur Beitreibung, wodurch Pfändungskosten entstehen. Ueberweisungen im Bank⸗ und Postscheckverkehr müssen am 11. September ebenfalls bei der Stadtkasse gutgeschrieben sein, andernfalls die Beitreibungskosten erhoben werden. 16787 B Die Auszahlung der Familienunterstützungen für 1. bis 15. September 1915 an die Angehörigen der zum Heeres⸗ dienst Einberusenen findet statt: u. Reichs⸗ und Kreisunterstützuns: an diejenigen, deren Namen beginnen mit A—K Mittwoch, den 1. September 1915 I.—2 Donnerstag, den 2. September 1915. b. Städtische Unterstützung(Mietszuschust): an diejenigen, deren Namen beginnen mit A- Freitag, den 3. September 1915 I 2 Samstag, den 4 September 1915. c. An Vermieter, die Mietbeträge abbolen: Montag, den 6. September 1915. Die Auszahlungen finden von 8—1 Uhr vormittags im Stadthaus, Zimmer Nr. 16, statt. 6848 B Die Auszablungen können nur an den vor⸗ geschriebenen Tagen stattfinden. Die Beiträge zur land- und forstmirtschaftlichen Be⸗ rufsgenossenschaft für das Jabr 1914 können in den nächsten 8 Tagen noch ohne Mahnkosten an die Stadt⸗ kasse bezahlt werden. 6847 B Aus der Kommerztenrat Heichelheim⸗Stiftung sind am 1. November ds. Js. 968 Mark zu verteilen. Nach 8 0 925 i können zur Bewerbung nur zu⸗ elgssen werden: f 20 Personen, die während des Feldzuges 1870/1 im Militär ⸗ verhältnis gestanden haben, und b) Frauen und der solcher Personen, vorausgesegzt, daß sie einer derartigen Unterstützung würdi und bedürftig sind und vom Tage der Bewerbung a rückwärts gerechnet mindestens 2 Jahre ununterbrochen in Gießen gewohnt haben. Bewerbungen sind bis zum 115 September ds. Js. im Stadthaus, Zimmer Nr. 15 schriftlich oder mündlich einzureichen unter Vorlage der die Erfüllung der Bedin⸗ gungen nachweisenden Papiere und ärztlicher Bes gungen über etwa behauptete Krankheiten. Die Dachdeckerarbeiten für die Unterbaltung des Nebengebäudes Wolkengasse Nr. 11 sollen, Montag, den 30. August d. J., Arnittags 10 Uhr, öffentlich vergeben werden. Die Unterlagen liegen auf dem ftädtischen Hochbau⸗ ck, der da⸗ thin 0B amt zur Einsicht offen. Angebote auf Bordru selbst erhältlich sind bis zum genannten Termin dort einzureichen. Zuschlagsfrist 8 Tage. 6850 Städt. Wohnungsnachweis Gießen, Asterwe 99. Es sind zu vermieten: 68498 1 Haus zum Alleinbewohnen(10 Zimmer, Bad, Küche und Zubebör) 1 berrschaftliche Wohnung von? Zimmern mit Zentralbeizung, 2 herrschaftliche Wohnungen von 6 Zimmern, 6 Wohnungen v. 5 Zimmern, 7 Wohnunge von 4—5 Zimmern, 3 3 von 3 Zimmern, 1 Wohnung von 3 Zimmern mit oder ohne Laden, 4 Wohnungen von 2 Zimmern, 5 Wobnungen von 1 Simmer, 2 Ladenräume mit je 1 Zimmer, 1 Lager- oder Fabrikraum, 3 Lagerräume mit 1 Arbeits raum, 12 möblierte Zimmer, davon 2 nebeneinanderlsegende, 2 leere Zimmer. 5. Hamburg 38, Stephanspl. Zu mieten gesucht: 25 Wohnungen von 1—7 81 0 8