Nr. 200 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 1 8„Slehener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal * Die„Landwirtschaftlichen Feit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Mb. Deutscher Reichstag. 18. Sitzung, Mittwoch, den 25. August. Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, Lis co. 5 5 Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr Resoluflonen und Anträge der Budgefkommission. 8185(Vierter Tag.) Die Aussprache wird fortgesetzt. Abg. Fegter(Vp.): 5 5 der Teuerung leiden am meisten die gering besol⸗ en Beamten mit ihren feststehenden Bezügen. Wie soll es nach Friedensschluß werden? Die Ersparnisse sind dann aufge⸗ zehrt und die Leute stehen vor dem Nichts. Hier muß man recht⸗ geitig Vorsorge treffen. Alle Lebensbedürfnisse, nicht nur die Le⸗ bensmittel, sind teurer geworden. Das gilt auch für solche, die nicht knapp sind oder die nicht aus dem 2 uslande kommen. Zwi⸗ schen den Forderungen der Landwirte und der Verbraucher muß ein Ausgleich auf der mittleren Linie gesucht werden. Die Ernte ist in diesem Jahre gut geraten; wir haben 1870 kein so gutes Erntejahr gehabt Die Klagen sind also durchaus unberechtigt. Es wird immer betont, welch ungeheure Opfer die Landwirtschaft bringe, indem sie die alten Höchstpreise weider hin⸗ nehme. Die unleugbaren Verdienste unserer Landwirtschaft um die Sicherung der Volksernährung werden niemals vergessen wer⸗ den. Aber schon mehren sich im Lande die Gerüchte von der un⸗ ersättlichen Begehrlichkeit der Landwirte, die rück⸗ sichtslos die Verzehrer ausbeuten. Zur Aufrechterhaltung der in⸗ neren Uebereinstimmung möge man von jetzt ab aufhören, zu weinen und zu klagen und statt dessen lernen, zu leiden und zu er⸗ tragen, wie der arme Handwerker und der Kaufmann. Das sind die Leidtragenden, die die Opfer bringen. Die Landwirtschaft hat keine Veranlassung zu klagen. Das ist geradezu sündhaft.(Unruhe rechts.) Preistrelbereien mit der Braugerste müssen hintan ge⸗ halten werden. Höchstpreise für Saakgut sind unabweislich, um befriedigende Verhältnisse zu schaffen. Mit der Beschlagnahme der Kartoffeln und der Festsetzung von Höchstpreisen darf nicht so lange gezögert werden, bis die Preise wieder eine Höhe erreicht haben, die eine spätere Regelung erheblich erschwert. Auch mit der Herstellung von Kartoffeltrockenerzeug⸗ nissen muß zur rechten Zeit vorgegangen werden. Die Preise müssen im richtigen Verhältnisse zum Kartoffelpreis stehen. Die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch hängt von den Futter⸗ mitteln ab, die wir früher zu einem erheblichen Teil aus dem Aus⸗ lande bezogen haben. Jetzt fehlen uns die ausländischen Zu⸗ fuhren, wir müssen uns mit den inländischen Vorräten einrichten. Die Schweineabschlachtung war jedenfalls verfehlt, weil mehr Schweine vernichtet worden sind, als nötig gewesen wäre. Dank der Einrichtung einer planmäßigen Lebensmittelversorgung gehen wir mit einem großen Bestande an Brotgetreide ins neue Jahr hinein. Deutsche Organisationskraft und Organisationskunst kön⸗ nen den Sieg feiern, die Aushungerung eines Volkes von beinahe 70 Millionen Menschen verhindert zu haben.(Zustimmung.) Das preußische Abgeordnetenhaus hat einen Antrag angenom⸗ men, der eine Einschränkung des Wildschadens bezweckt. Diesem Antrage ist aber nicht Folge gegeben worden. Man möchte glau⸗ ben, der preußische Landwirtschaftsminister sei nicht so sehr ein Minister für Landwirtschaft als ein Minister für Wild⸗ schaden.(Sehr gut! links.) Auf diese unerträglichen Zustände muß man immer erneut hinweisen. Die verbündeten Regierungen müssen auf die Regierungen der Einzelstaaten einwirken, daß die⸗ sen Zuständen endlich ein Ende bereitet wird. Wir stehen wieder vor der Eröffnung der Jagd. Wenn jetzt nicht genügend Wild abgeschossen wird, haben wir im nächsten Jahre noch mehr als bis⸗ her unter Wildschaden zu leiden. Nicht nur der zünftige Jäger, sondern ein jeder, der durch das Wild geschädigt wird, muß das Recht haben, mit Flinten darauf loszuschießen.(Sehr richtig!) Die gestrigen Ausführungen des Abg. v. Gamp waren mit dem Burgfrieden nicht in Einklang zu bringen.(Zustimmung links.) Abg. Hestermann(bei keiner Fraktion): Den Ausführungen des Abg. Fegter müssen einige Klar⸗ heiten nachgegeben werden. Mit seinen Ausführungen hat er den Burgfrieden ganz gewaltig mehr gestört als er das etwa dem Abg. v. Gamp nachsagen kann.(Sehr richtig rechts, Unruhe Unks) Warum greift man immer die Landwirtschaft an? Wenn wir unsere Landwirtschaft nicht hätten, wären wir rettungslos verloren! Hat denn die Landwirtschaft den Verbrauchern die Lebensmittel verteuert? Haben nicht die Organisationen der Landwirtschaft gleich nach Kriegsausbruch Höchstpreise verlangt, die weit unter den später festgesetzten Höchstpreisen lagen? Und als später die Höchstpreise kamen, hat nicht die Landwirtschaft, ondern das Händlertum das Geld verdient. Unterstaatssekretär Weichgelis hat uns doch gestern nachgewiesen. pie Großmühlen ihr Geld aus den Geschäften verdient hätten, die sie vor Fest⸗ setzung der Höchstpreise mit der Landwirtschaft abgeschlossen hat⸗ ten. Man hat sogar das Landwirtschaftsministerium wegen sei⸗ ner Maßnahmen angegriffen. Der Minister kann sich doch nicht von Gefüh ks duelle leiten lassen!(Lachen 8 8 Ihr Lachen regt mich nicht auf, sondern gibt mir nur den Beweis, daß Ihnen meine Ausführungen unangenehm sind.(Erneutes Lachen links.) Das Volk ist nicht berechtigt, von der Landwirt⸗ schaft zu verlangen, daß sie billiger produziert, als sie kann. Die Aussprache über die Ernährungsfragen schließt. Abg. Frhr. v. Gamp(Rp.)[bemerkt persönlich]: Der Abgeordnete Fegter hat mir vorgeworfen, ich hätte den Abgeordneten Gothein persönlich angegriffen. Es gibt im gan⸗ zen Hause keinen, der mich so oft persönlich kränkt in meiner Eigenschaft als Großgrundbesitzer, wie er. Ich bestreite, gegen den Abgeordneten Gothein 1 ewesen zu sein.(Wider⸗ spruch bei den Fortschrittlern. 8 5 Abg. Fegter(Vp. 15 1 De eordnete b. Gamp hat den Abgeordneten Gothein in 1 2 Frage unterstellt, daß er mit Rücksicht auf die kommenden Wahlen hier Ausführungen gemacht habe. Das war bisher im Hause nicht üblich. Von persönlichen Angriffen weiß ich mich vollständig frei. Abg. Gothein(Vp.): 4 5 Der Abgeordnete v. Gamp hat in seiner Rede beständig gegen mich polemisiert und mich apostrophiert. Diese seine Kampfes⸗ weise 0 mir seit Jahren bekannt, und ich rege mich darüber nicht auf. Die Entschließung auf Schaffung eines Nahrungsmittel ⸗ amts wird angenommen, und zwar mit dem sozialdemo⸗ 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen kratischen Antrage, der einen Beirat von Mitgliedern des Reichstags fordert. Die übrigen Entschließungen der Haushaltskommission zu den Ernährungsfragen werden an genommen. Es werden dann die Resolutionen verhandelt, die zugunsten der selbständigen Gewer betreibenden billigen Kredit fordern. Nach Beendigung des Krieges soll die Ab- tragung der gestundeten Schulden erleichtert werden. Abg. Dr. Böttger(Natl.): In den Kriegsdebatten des Reichstages sind bisher die ge— werbe⸗politischen Fragen zu kurz gekommen, obwohl anerkannt wor⸗ den ist, daß einige Handwerkszweige, so das Baugewerbe, das Tischlergewerbe und das Schneiderhandwerk unter dem Kriegs- zustande zu leiden haben. Die Staats- und Gemeindebehörden haben sich ja bemüht, die private Bautätigkeit aufzufrischen. In erster Linie müssen eben die Handwerker Arbeit und Aufträge baben. Vor allem müssen die Handwerker gut und prompt liefern. Das wird erleichtert, wenn sich die Handwerksmeister zusammen⸗ schließen, um gemeinschaftlich größere Aufträge zu übernehmen. Die beruflichen Organisationen des Handwerks, die Innungen und Handwerkskammern sind zur Vermittlung und Anregung von Lieferungsverbänden berufen. Vielfach fehlt dem Kleingewerbe Betriebskapital. Man hat sich bislang mit fortlaufenden Arbeiten über Wasser gehalten. Das Vermögen liegt in Werkstatteinrich— tungen, Maschinen und Rohstoffvorräten fest. Man lebt von der Hand in den Mund. Auch hier können nur Aufträge und zweck— mäßige Krediteinrichtungen helfen Am schlimmsten daran sind die Betriebe, deren Inhaber im Felde stehen; sie und ihre An— gehörigen haben in vielen Fällen die wirtschaftliche Existenz ver⸗ loren und müssen nach dem Kriege von vorn beginnen. Wo die Betriebe haben aufrecht erhalten werden können, tut vor allem Kreditauffrischung not. In einer dankenswerten Denk— schrift haben der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag und der Hauptverband gewerblicher Genossenschaften einige Ge— sichtspunkte zusammengestell:, wie am schnellsten und zweckmäßig⸗ sten geholfen werden kann Man denkt mit einigen wenigen Millionen auskommen zu können; das ist angesichts des reichen Segens, den die Hilfeleistung stiftet und angesichts der sonstigen gewaltigen Ausgaben eine Bagatellsumme.(Sehr richtig!) Die Hypothekenschwierigkeiten sind durch den Krieg noch vermehrt worden. Nicht nur das Baugewerbe, son— dern auch der ganze Hausbesitzerstand leiden darunter, daß die Hypotheken gekündigt werden und neue nicht zu beschaffen sind, oder daß bei fälligen Hypotheken 44 bis 5 Prozent und außer- dem eine Abschlußprovision bis zu 2 Prozent gefordert werden. Die Hausbesitzer fordern, daß gekündigte Hypotheken bis zwei Jahre nach dem Kriege gestundet werden. Die Versteigerung von Grundstücken soll während des Krieges unzulässig sein, weil sie nur eine starke Entwertung der Grundstücke und Gebäude zur Folge haben. Auch der Kaufmannsstand ist von schweren Sorgen heimgesucht. Dabei werden immer schwere Vorwürfe gemacht, Einzelvorkommnisse werden verallgemeinert und dem ganzen Stande zur Last gelegt. Die Organisationen des Kleinhandels haben jeden Fall von Lebensmittelwucher zu prüfen gesucht und in sehr vielen Fällen die Vorwürfe entkräften können. Um unlautere Bestandteile ausscheiden zu können, müssen wir möglichst bald ein Reichsnahrungsmittelamt und Preiskommis⸗ sionen in den größeren Orten bekommen, bei denen auch die Ver⸗ braucher angemessene Vertretung finden. Alle Erwerbsstände sind bereit, durchzuhalten, aber der Staat muß es ihnen erleich⸗ tern. Wenn das in vollem Maße geschieht, werden wir zu einer neuen Blüte unserer Volkswirtschaft, unseres gewerblichen Lebens kommen.(Beifall.) Auch diese Resolutionen werden angenommen, und zwar soll schon jetzt für billigen Kredit gesorgt werden, und nicht erst, wie der Ausschuß ursprünglich vorschlug, nach Beendigung des Krieges. Eine weitere Entschließung fordert eine Verordnung über das Güteverfahren in den Rechtsstreitigkeiten, die vor die Amtsgerichte gehören. Abg. Mumm(Wirtsch. Vgg.): Inm Ausland hat man mit dem Güteverfahren die besten Er⸗ 555 erzielt. Wir laufen Gefahr, daß wir in einer Flut von rozessen versinken. Namentlich die Exmissionsstreitigkeiten der Kriegerfrauen würden für die Anwendung des Güteverfahrens sich eignen. Es wäre vorteilhaft, wenn in weitestem Umfange davon Gebrauch gemacht werden würde, einerlei in welcher Form. Staatssekretär des Reichsjustizamts Dr. Lisco: Es schweben zurzeit Erwägungen, das Güteverfahren in ver⸗ mehrtem Maße als bisher einzuführen. Abg. Gothein(Vp.): In einer Reihe bon Fällen sind die Familien landwirtschaft⸗ licher Arbeiter, die einen Jahresvertrag abgeschlossen hatten, von den Gutsherren aus der Wohnung entfernt worden, während der Familienvater im Felde stand. Ist das zulässig? Staatssekretär Dr. Lisco: „Die Einzelfälle sind mir natürlich nicht bekannt. Es scheint mir jedoch, daß die Ausweisung aus der Wohnung nicht im Wege des Güteverfahrens erfolgt ist.(Heiterkeit und Sehr richtigl) Es müßte ein Urteil dazu ergangen sein, und es kommen dann auch noch die Kriegsverordnungen des Jahres 1914 gegen Kriegsteil⸗ nehmer in Frage. Die Entschließungen werden angenommen, ebenso eine wei⸗ tere, die die Sonntagsruhe für das Zeitungsgewerbe fordert. Die Lage der Kali⸗Industrie. Abg. Herold(Ztr.) berichtet über die Beratungen der Kommission. Sie hat einen An⸗ trag angenommen, wonach die Propagandagelder in die⸗ sem Jahre nicht erhoben werden sollen. Die dem Reiche entstehenden Kosten zur Hebung des Kaliabsatzes sollen aus dem Reservefonds gedeckt werden, der auf 8 Millionen Mark angewach⸗ sen ist. Ferner sollen die Kalipreise um 17 Pfg. für 1 Prozent reines Kali erhöht werden. Abg. Sachse(Soz.): An der Erhöhung des Kalipreises Palle. auch die Arbeiter ihren Anteil haben. Manche Werke en nicht nur die Löhne nicht erhöht, sondern herabgesetzt. Wir fürchten, die Landwirtschaft wird diese Erhöhung der Düngemittelpreise wieder zu einer Herauf⸗ setzung der Preise für Lebensmittel benutzen. Abg. Gothein(Vp.): Durch die Nichterhebung der Propagandagelder fließen der Kalindustrie etwa 6 Millionen zu, ihr Ausfall durch das Abschnei⸗ Donnerstag, 26. August 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul- straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ leitung: S 112. Adresse für Drahtnachrichten⸗ Anzeiger Gießen. den der Ausfuhr beträgt etwa 130 Millionen Mark. Die andern Kosten bleiben sich mindestens gleich. Die Preise für Schmier⸗, Brenn- und Sprengmaterial sind erheblich gestiegen. Viele Kali⸗ werke können heute ohne Erhöhung des Kalipreises nicht einmal mehr ihre Obligationszinsen zahlen. Deshalb hat sich die Kom⸗ mission zu einer Erhöhung der Tagespreise entschlossen. Eine Verteuerung der Produktion ist nicht zu befürchten, denn die Ver⸗ teuerung macht für einen Hektar Weizen 60 Pfg. aus, das macht auf die Tonne noch nicht einmal 20 Pfg. Bei einem Hektar Rog⸗ gen oder Hafer macht es 80 Pfg., bei einem Hektar Kartoffeln etwa 1.20 Mk. Wenn Sie herausrechnen wollen, um wieviel der Zentner Kartoffeln verteuert wird, so kommen Sie in die zweite Dezi⸗ malbruchstelle eines Pfennigs. Die Verteuerung ist wirklich so gering, daß sie nicht in Betracht kommen kann gegenüber der Not⸗ lage einer großen Industrie, die doch von uns von höchster Bedeu⸗ tung ist.(Sehr richtig!) Nach Friedensschluß werden wir sehr viel Rohstoffe aus dem dem Auslande einführen müssen, zunächst aber wenig auszu⸗ führen haben. In den Kalisalzen haben wir nun ein Erzeugnis das lediglich im Lande gewonnen wird. Den Kaliwerken fließen durch diese Erhöhung etwa 6 Millionen, zusammen mit dem Fort⸗ fall der Propagandagelder also etwa 12 Millionen zu. Das hilft den Werken einigermaßen über die schwere Zeit hinweg, und sie werden sich auch verpflichtet fühlen, ihren Arbeitern Teuerungs⸗ zulagen zu gewähren. Aber hier einen Zwang in dem Gesetz aus⸗ zusprechen, schien uns nicht angezeigt. Die Mehrzahl der Werke wird es ohnehin tun, aber wo nichts ist, kann auch keine Erhöhung der Löhne erfolgen. Der Abgeordnete Sachse hat der Kommission selbst zugegeben, daß die Werke in der Mehrzahl eine Erhöhung der Löhne haben eintreten lassen oder erhebliche Mittel für die Unterstützung der Angehörigen der Kriegsteilnehmer verwendet haben. Schließlich verlangt ein Antrag, der vom Abgeordneten Erzberger und mir eingebracht ist, daß der Termin für die Neuverteilung der Kali⸗ Kontingente um ein Jahr binausgeschoben wird. Die Neuverteilung ist eine schwere Aufgabe, die man bei dem Mangel an Beamten in solcher Zeit nicht unnütz in Angriff nehmen soll. Es ist dies ein Wunsch sämtlicher Kaliwerke, und es erscheint zweckmäßig, wo wir das Kaligesetz doch einmal ändern, diese Aenderung gleich vor⸗ zunehmen. Unterstaatssekretär Richter: Nachdem der Abgeordnete Gothein den Zweck des Abände⸗ rungsantrages eingebend begründet hat, beschränke ich mich auf die Erklärung, daß die Regierung mit dem Antrage ein⸗ verstanden ist. Abg. von Brockhausen(Kons.): Trotz anfänglichen Widerstrebens und trotz des Bedauerns, daß sich die Landwirzschaft abermals mit einer Erhöhung der Er⸗ n vertraut machen muß. erklären wir uns einverstau⸗ en, daß die Abgabe für Werbezwecke für das laufende Rech⸗ nungsjahr außer Kraft tritt, und daß die Auslagen für diese Zwecke aus dem Reservefonds gedeckt werden. Wir hoffen jedoch, daß die Mittel für Werbezwecke nun in keiner Weise beschnitten werden und in bisheriger Höhe zur Verfügung bleiben. Wir sind auch damit einverstanden, daß für die Zeit vom 1. Oktober bis Ende März kommenden Jahres eine Erhöhung der Preise ein⸗ tritt. Die Kali⸗Industrie muß demgegenüber nun aber auch alle Verpflichtungen voll erfüllen. Vor allem sollte sie ihren Arbeitern eine Erhöhung der Bezüge gewähren, damit sie ihr Leben an⸗ gemessen fristen können. Dann aber wird auch aus den Kreisen der süddeutschen Genossenschafts-Verbände Klage darüber geführt, daß die Lieferungen der Station Mühlhausen vom Kalisyndikat ab⸗ gelehnt worden sind, selbst dann noch, als die Genossenschaftsver⸗ bände sich bereit erklärten, die entstehenden Frachtunterschiede vor⸗ behaltlich der späteren Entscheidung des Reichsamts des Innern zu tragen. Wir setzen auch voraus, daß die Bestellungen, die vor dem 1. Oktober erfolgen, bald ausgeführt und die Lieferung nicht etwa verzögert wird, um nachher einen höheren Preis zu er⸗ halten. l Unterstaatssekretär Richter: Es bersteht sich von selbst, daß das Kalisyndikat verpflichtet ist, Lieferungen, die ihm jetzt in Auftrag gegeben werden, sofort zu leisten. Das ist zu seinem eigenen Vorteil wegen der Be⸗ förderungsschwierigkeiten. Bezüglich der Station Mühlhausen sind in letzter Zeit allerdings Mißstände vorhanden gewesen. Der Statthalter meinte zwar auf eine Anfrage, die Werke würden Lieferungen vornehmen können, es hat sich aber herausgestellt, daß die meisten still liegen. Zwar sind Läger vorhanden, doch handelt es sich nur um Salze anderer Qualität, so daß bei jeder Lieferung Kauz Zumischung von Chlorkalium der Gehalt gesteigert werden ußte. Deswegen hat sich das Kalisyndikat mit Recht geweigert, zu liefern. Es persteht sich jedoch von selbst, daß Wandel geschaffen werden muß. Die Lösung kann nur die sein, daß die Station Mühlhausen nur für die Salze bestehen bleibt, die von den Lägern geliefert werden können. Abg. v. Brockhausen(Kons.): In früheren Fällen, wo es umgekehrt war, hat das Kalisyn⸗ dikat immer den Vorteil gehabt, und jetzt sollen die süddeutschen Abnehmer wiederum im Nachteil sein. Unterstaatssekretär Richter: Es wäre ein Unrecht für die Kaliindustrie, sie zu zwingen, zu jeder Sendung aus Mühlhausen Zuschuß zu leisten. Abhilfe muß indessen geschaffen werden. Die Aussprache schließt. Es folgt die zweite Lesung. Eine Aussprache findet nicht statt. Der Antrag Erzberger⸗Gothein und die Entschließungen des Ausschusses werden angenommen. Auf Vorschlag des Präsidenten wird gleich zur Fritten Lesung geschritten. Die Gesamtabstimmung ergibt einstim⸗ mige Annahme des Antrages Erzberger⸗Gothein und der Entschließungen des Haushaltsaus⸗ schusse s. a Die Kohlenfrage. Abg. Dr. Junck(Nats.) erstattet üßer die Beratungen der Kommission Berichk. Die Kom⸗ mission hat sich eingehend mit der Bekanntmachung des Bundes⸗ rats über die Errichtung von i für den e und Braunkohlenberg⸗ bau befaßt und wünscht, daß die Befugnisse, die den Landeszen⸗ tralbehörden übertragen sind, auf den Reichskanzler übergehen. Der Reichskanzler wird ermächtigt, seine Befugnisse den Landes⸗ zentralbehörden zu übertragen. Diese Befugnis ist widerruflich. Weiter wünscht die Kommission, daß dort. wo es sich um wichtige 25 Entsch 8 ganze Verordnung außer Kraft treten. Regelung des Kart lüsse handelt, auch Verkreter der Arbeitgeber⸗ Arbeiterorganisationen zugezogen werden. Die soll spätestens zwei Jahre nach Friedensschluß Weiter erklärt der Reichstag, daß die gelun 8 ell⸗ und Syndikatswesens ausschließlich Reichssache ist. Wenn er der Bundesratsverordnung über die Errichtung von Vertriebsgesellschaften für den Stein— kohlen⸗ und Braunkohlenbergbau nicht widerspricht, so wird er dabei lediglich von dem Gesichtspunkt geleitet, daß es während des Krieges zu große Schwierigkeiten machen würde, eine besondere sachverständige Behörde beim Reichsamt des Innern zu schaffen. Er spricht aber die sichere Erwartung aus, daß die verbündeten Regierungen nach Friedensschluß die geeignete Organisation beim Reichsamt des Innern treffen werden. Abg. Gothein(pt.) wendet sich dagegen, daß in die Bekanntmachung die Bestimmung aufgenommen werden soll, daß sie spätestens zwei Jahre nach Friedensschluß außer Kraft tritt. Nach Beendigung des Krieges müssen alle durch den Krieg hervorgerufenen Verordnungen außer Kraft treten. Fügt man in dieses Gesetz eine ausdrückliche Be⸗ stimmung hierüber ein, so kann daraus geschlossen werden, daß die Verordnungen, bei denen eine solche Bestimmung fehlt, weiter gültig bleiben. Die Resolutionen werden denommen. Die Kriegsbesoldung. Eine Resolution ersucht den Reichskanzler, eine sofortige all⸗ gemeine Revision der Kriegsbesoldungsordnung zu veraulassen und 8 dem Reichstag einen Gesetzentwurf über die Kriegsbesol⸗ ungen alsbald vorzulegen. Abg. Stücklen(Soz.): Wir haben die Kriegskredite bewilligt und müssen nun auch Rechenschaft über ihre Verwendung verlangen. Die Kriegsbesol⸗ dungen sind ohne Mitwirkung des Reichstages festgesetzt worden. Die Kriegsbesoldungsordnung wird jetzt durch die Kommando⸗ gewalt des Kaisers gedeckt. Ter Kaiser kann nicht das Recht haben, über die Mittel, die der Reichstag bewilligt hat, vollkommen frei nach eigenem Ermessen zu verfügen.(Sehr richtig!) Die Friedens⸗ besoldungsordnung ist dem Reichstag vorgelegt worden, wir setzen jedes Jahr fest, wieviel die Offiziere, Militärbeamten und Mann⸗ schaften bekommen sollen. Da darf man doch jetzt nicht den Reichs⸗ tag vollständig ausschalten. Auch die Mehrheit der Kommission war dieser Ansicht. Als der Krieg ausbrach, wußte man zwar, daß eine Kriegsbesoldungsordnung besteht, ihr Inhalt war aber niemand im Reichstag bekannt. Und dabei stammt diese Ver⸗ ordnung schon aus dem Jahre 18871(Hört! Hört! bei den Soz.) Der Krieg beseitigt nicht das Budgetrecht des Reichstages. In unserer Bibliothek war die Besoldungsordnung nicht zu erhalten, und als ich den Wunsch äußerte, sie kennen zu lernen, wurde mir gesagt, sie sei geheim. Es ist richtig, daß ein Teil der Verordnung geheim ist, dieser bezieht sich aber nicht auf die Besoldungsordnung. Hätten wir am 4. August gewußt, wie die Besoldungsordnung beschaffen ist, so hätten wir sicher noch einen oder zwei Tage auf ihre Prüfung verwandt. Wir hätten dann viel Geld erspart. Erst vor wenigen Tagen habe ich die Besoldungsordnung bekommen können. Da begriff ich, warum man uns so sehr vor ihr behütet hat. Ihr Studium ist alles andere als eine Annehmlichkeit.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Ihre Sätze gehen weit über das erforderliche Maß hinaus. Ma n che Leute haben sich gewundert über das viele Geld, das sie bekommen.(Sehr richtig!) Ich will gewiß nicht an den Bezügen der höheren Offiziere nörgeln oder kleinlich um den Pfennig schachern. Aber wenn sich das ganze Volk ein⸗ schränken soll, da hätte man auch hier die P flicht der Spar⸗ . gehabt. Wir wenden uns gegen die ganze Art der esoldungsordnung. So bekommt ein junger Assessor, der viel⸗ leicht noch gar nicht angestellt ist, als Kriegsgerichtsrat ein Ge⸗ halt von rund 10 000 Mark. Die Gehälter sind allerdings nach Monaten berechnet, da wohl niemand eine so lange Dauer des Krieges voraussehen konnte. Ein Militärgerichtsschreiber, also ein ziemlich subalterner Beamter, bezieht für seine Tätigkeit 6000 Mark. Solche üge kann man doch einfach nicht billigen. (Sehr richtig! links.) Gegen die Tagegelder der hohen Beamten muß sofort eingeschritten werden.(Sehr richtig! b. d. Soz.) Der Bibliothekar der Kriegsakademie bekommt 50 Mark Zu⸗ lage, weil es Krieg ist, die Professoren bekommen 90 Mark. Es ist gesagt worden, die Sätze kämen praktisch nicht zur Anwendung, weil die Herren im Felde seien. Warum stellt man sie dann auf. Das geht bis zum Totengräber in Metz, der monatlich ohne weitere Aussprache an⸗ lagen an ein ganzes Heer von Beamten und Angestellten, die durch den Krieg mehr freie Zeit gewinnen, hitte der Reichstag auf keinen Fall bewilligt. Von dem Augenblick an, wo wir Kenntnis von der Verordnung bekamen, sind wir dagegen gewesen. Unsere Ent⸗ schließung verlangt eine sofortige Durchsicht und Aenderung der Kriegsbesoldungsordnung. Eine andere Entschließung verlangt die Vorlage eines Gesetzentwurses über die Kriegsbesoldungen. Praktische Bedeutung wird das allerdings erst nach dem Kriege haben. Da wird der Brunnen zugedeckt, nachdem die Millionen hineingefallen sind. Es muß der Regierung gezeigk werden, daß der Reichstag sein Ausgabenbewilligungsrecht für verletzt ansieht, weil eine Kriega-Besoldungsverordnung zur Anwendung gelangt, von der er keine Ahnung hat. Abg. Bassermann(Natl.): Auch wir halten eine gesetzliche Regelung der Kriegsbesoldun⸗ gen für notwendig und sind auch der Meinung, daß eine Reihe von Sätzen der bestehenden Kriegsbesoldungsordnung geändert werden aß. Es bezieht sich das weniger auf die Offisjersgehälter als auf die Bezüge von Militärbeamten. Die gesetzliche Regelung dieses Stoffes ist unterblieben, der Reichstag hak ihn für eine gesetzliche Regelung nicht beansprucht. Deshalb bleibt ein anderer Weg nicht übrig als die Regelung durch eine Kriegs⸗ besoldungsverordnung. Insofern kann man von einer Verletzung des Bewilligungsxrechtes nicht sprechen. Wir werden trotzdem gegen die beantragten Entschließungen stimmen, weil eine Regelung in diesem Augenblick nicht möglich und durchführbar ist. Es fehlen die nötigen Kräfte. Darüber ist uns im Haushaltausschuß die nötige Aufklärung gegeben worden. Daß das Kriegsministerium da⸗ zu nicht imstande ist, wird jeder bestätigen, der weiß, wie die Herren dienstlich belastet sind. Es müßten Offiziere aus der Front oder aus den Garnisonen herangezogen werden. Dem würde ich drin— gend widerraten. Eine gesetzliche Regelung der ganzen Angelegenhest in diesem Augenblick ist vollkommen aus⸗ geschlossen, wenn wir uns an die großen Kämpfe bei der Ve— soldungsordnung erinnern, die wir hier beschlossen haben. Ganz natürlich und selbstverständlich würde dann jede Schicht der Ve— teiligten mobil gemacht werden. Eine Aussprache würde viele Mo— nate erfordern, wir haben das Kriegsministerium heute für wich⸗ tigere Aufgaben nötig. Selbst wenn zugegeben wird, daß Mifßz⸗ stände vereinzelt vorhanden sind, kann die Aufgabe jetzt nicht gelöst werden. Reichsschatzsekretär Dr. Helfferich: Die Auffassung der Regierung ist eine andere als die des Ab⸗ geordneten Stücklen. Der Erlaß der Besoldungsvorschriften stellt keine Verletzung des Bewilligungsrechtes des Reichtages dar. Die Fragen, die mit der Kriegsbesoldungsordnung zusammen⸗ hängen, berühren den gesamten Aufbau der Reichsverfassung, ins⸗ besondere die Fragen, die der oberste Kriegsherr zu regeln hat. Es handelt sich nicht um ein juristisches Destillat, sondern um eine ganz reale historische Entwicklung. 1860 bestand eine Kriegsbe⸗ soldungsordnung und auch 1870 ist ebenso verfahren worden. Da⸗ mals bestand das Reich zwar noch nicht, aber die Verfassung des Norddeutschen Bundes ist bekanntlich auf das Deutsche Reich über⸗ nommen worden. Niemand hat damals den Einwand erhoben, daß der Kontingintsherr nicht berechtigt sei, eine Kriegsbesol⸗ dungsordnung zu erlassen. Daß eine Kriegsbesoldungsordnung bestand und bestehen mußte, und daß im Kriege andere Gehälter und Löhne bezahlt werden müssen, liegt auf der Hand und mußte jeder wissen, der sich irgendwie darum kümmert. Eine Aenderung des vorliegenden historischen Rechtszustandes hätte höchstens beim Erlaß des Besoldungsgesetzes von 1909 im Reichstag erfolgen kön- nen. Damals haben die beteiligten Ressorts aufs Eingehendste ge⸗ prüft, ob das Kriegsbesoldungsgesetz, das 1887 zum letztenmal er⸗ lassen worden war, eine Aenderung erheische und sie sind zu einer anderen Auffassung gekommen. Jetzt haben wir die vielen neu ge⸗ bildeten Formationen. Im Friedensetat sind die Formationen genau vorgeschrieben, mit dem Kriegsausbruch werden fie nicht nur auf Kriegsfuß ge⸗ bracht, sondern die Kommandogewalt schließt auch die Schaffung neuer Formationen ein, die in keinem Etat stehen. Der Reichs⸗ tag hat nur die Gesamtheit der Maßnahmen finanzieller Bedeutung, die durch den Krieg herbeige⸗ führt werden, durch Bewilligung der Mittel zu decken, wie das bisher durch Bewilligung der Pauschsummen in Milliardenhöhe ge⸗ schehen ist. Wenn wir die Durchführung im Rahmen des ordent⸗ 20 Mark Zulage bekommt. Der mag leider viel zu tun haben. Es „Gezeit“. sehr einleuchtende Verdeutschung ist vor einiger Zeit der Fremdworte„Saison“ und„Season“ vorgeschlagen in unserem geschäftlichen und gesell⸗ e Rolle gespielt hatten: das Wort „Gezeit“. Als„Gezeiten“ bezeichnen wir heute nur noch die regelmäßige Wiederkehr von Ebbe und Flut; im Mittelhochdeutschen aber spielte das Wort gezit und das damit zusammengesetzte höch⸗ gezit eine sehr große lle; das erste bezeichnete eine festgesetzte Zeit oder Stunde, das zweite insbesondere ein Fest, ein Kirchen⸗ fest. Wir sprechen heute noch von„hohen Festen“; die einzige Erinnerung an das mittel hochdeutsche höchgezit bewahrt nur noch, wenn man von einigen mundartlichen Ausdrücken wie von dem bayrischen„Die hoch Zeit“(womit namentlich Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Allerheiligen bezeichnet werden) absieht, unser Wort „Hochzeit., das ja auf einen ganz bestimmten Begriff festgelegt worden ist. Man wende nicht ein, so schreibt uns ein Mitarbeiter, daß das alte Wort„Gezeit“ nicht mehr in anderer Bedeutung als der jetzigen verwendet werden dürfe; wir haben eine Menge von. Ausdrücken, die auf den verschiedensten Gebieten zur Anwendung elangen, ohne daß hierdurch Mißverständnisse hervorgerufen wer⸗ en; es sei nur an die Worte„Karte“,„Blatt“,„Band“, „Absatz“(beim Kaufmann, beim Schuhmacher, in einem Buche) usw. erinnert. Wir besitzen viele Worte in unserer Sprache, die einst gänzlich aus dieser verschwunden waren und dann zu neuem Leben erweckt worden sind wie die Ausdrücke: Halle, Hain, hehr, Ferge, Söller, Ahne, Aar, Brünne, Fehde, Recke, Heim und noch manche andere. Schon Lessing bemerkte im Vorbericht zur Logau⸗ ausgabe im Jahre 1759, durch Einführung der besten von den alten Wörtern seitens der angesehensten Redner und Dichter könne der Sprache ein weit größerer Dienst erwiesen werden als durch die Prägung ganz neuer Wörter. In kaufmännischen Kreisen scheint man sich mit dem Worte„Gezeit“ als Ersatz für„Saison“ nicht recht befreunden zu wollen, wie aus einer an einen Regierungs⸗ präsidenten und dann an den preußischen Handelsminister gerich⸗ teten Eingabe hervorgeht, in der erjucht wurde, die gesetzlichen Bestimmungen über die„Saisonausberkäufe“ dahin zu ändern, daß anstelle des im Gesetze stehenden Wortes„Saisonausverkauf“ gleichbedeutende deutsche Ausdrücke wie Sommer-, Winterausver⸗ kauf und dergleichen gesetzt werden. Der Minister hat die Ab⸗ änderung der gesetzlichen Bestimmungen nicht für notwendig er⸗ achtet und ausdrücklich die Zulässigkeit von Verdeutschungen an⸗ erkannt. Man darf daher unbedenklich neben den Bezeichnungen Sommer⸗ und Winterausverkauf, namentlich wenn man einen ganz Eine zum Ersatz worden, die bis zu dem Krie; schaftlichen Leben eine große allgemeinen Ausdruck anwenden will, das Wort„Gezeit⸗Ausver⸗ Im kauf“ anwenden. Nicht wenige spotten über ein neues Wort, weil es ihnen zunächst ungewöhnlich und seltsam erscheint, später aber befreunden sie sich doch mit ihm. Als Campe, dem wir so manche treffliche Verdeutschung verdanken, den Ersatz von„Rendez⸗vous“ durch„Stelldichein“ vorschlug, wurde er von verschiedenen Schrift⸗ stellern, auf deren Meinung man damals etwas gab, deswegen angegriffen; das Wort„Stelldichein“ aber hat sich vortrefflich bei uns eingebürgert und man kann nur aufrichtig wünschen, daß erade in der jetzigen Zeit recht viele ebenso gute Ersatzworte für en prachliche Bezeichnungen in Vorschlag gebracht werden möch⸗ ten. Wenn die Kaufleute auch den früheren Ausdruck„Saison⸗ Ausverkauf“ durch auere Angaben wie Frühjahrs-, Sommer⸗, Winterausverkauf usw. ersetzen können, so fehlt ihnen doch ein Wort an Stelle des einst von ihnen viel gebrauchten allgemeinen Aus⸗ drucks„Saison“, und hier ist das gute deutsche Wort„Gezeit“ gas vortrettich am Platze. Ebenso ist von allen Ausdrücken, n die zur Ersetzung der Fremdworte„Saison“ und gesellschaftlicher geeignet als die schicht e. In dem hat mun auch in Berlin der Schlagsahne das letzte schlagen. Könnten in einem Kampfe, in dem die eines 67⸗Millionen⸗Volkes au Rücksichten vorwalten, lich gefährdet sein. lich der kulturhistorischen lichen Haushaltes der Bewilligung des Reichstages e und ee Hinsicht vorgeschlagen worden sind, keiner so gut ses kurze und praktische Wort„Gezeit“. * — Die Schlagsahne in der Berliner Kulturge⸗ aufgezwungenen mitleidslosen, Stündlein ge⸗ Lebensfristung dem Spiele steht, kulturgeschichtliche einrich Heine, Laube, Julius Rodenberg, und and Zeit nach den Befreiung war— außer Apfelkuchen mit Schlagsahne neusilbernen Kannen aufgetragenen Kaffee, begehrenswerte süße Leckerbissen boten. Der damals noch Malerei und Dichtkunst schwankte, wohnte zuerst in der straße zu Berlin und dann in dem „Bauhof“ am Kupfergraben gegenüber den neuen Monumentalbauten der M aber verlebte er, w Lebens, den Linden 8, stammte zerzimmer“ und Kaffee, damals„modernen“ dort alles dekoriert,“ 1 fügt er malitiös hinzu,„ich esse keine Spiegel und seiden Gardinen.“ Ein andermal aber lobt er ausdrücklich„die dicke schmelzende Sa Kaffee, den ma wie auch Heinrich Heine, der aber in dem vorderen schreibt er,„überall Spiegel, Blumen, Mar, den man sich m übrigen war die 0 ditoreien, die denn auch jede ihr besonderes oder jene„Attraktion“ hatten. Eine Sinne des Wortes, wo der Schla das Ausschlaggebende war, blieb der Nordseite der Linden, wo die Zeitschriften auslagen und der Tref Hier entwickelte sich die heute manchmal unangenehm auf fallende Spezialität des„Zeitungstigers“, halb Dutzend Journale„belegt“ und alle Angriffe auf seinen tem porären Besitz listenreich und sieghaft abwehrt. Gendarmenmarkt verkehrten die Journalisten u den unterhaltendsten Veröffentlichungen der erschienene„ hely. Eine melodramatische Szene. 9 Josty an der Stechbahn, wo tagtägli rnhagen von Ense am Arme seiner Die berühmteste Schlagsahn 0 Nahrungskrieg so würde das Edelprodukt der Milch schwer⸗ War die Schlagsahne doch einst in Verbindung mit dem unvermeidlichen Kuchen und Kaffee ein Wahrzeichen des literarischen Deutschlands, im besonderen Zeitalter der ästhetischen Tees, des politischen Träume die be Zwiesprach vereinigten. H Berlins, bei dem sich im des Biedermeiertums und der sten Geister der Epoche zu gewichtiger Theodor Fontane, ere haben mehr oder minder ausführ⸗ Mission der Schlagsahne gedacht. Die kriegen bis in die 50er Jahre des ver⸗ flossenen Jahrhunderts hinein war die klassische Epoche der Kon⸗ ditoreien, die,— genügsam wie das Geschlecht von anno dazumal und gutem, in großen nur wenig sonstige e im Zeichen der Schlagsahne ward Gottfried Kellers„Grüner Heinrich“ und die D prächtige Novellensammlung der„Leute von Seldwyla“ geschrieben. unbekannte Schweizer Meister, der lange zwischen Mohren⸗ alten, längst verschwundenen Messelschen useen; seine gedankenreichsten Stunden ie jeder Mann der Feder und des öffentlichen in der Konditorei; und zwar in der Fuchsschen Unter wo ihn ein im echten Engadinstil— der Besitzer aus dieser Graubündener Gegend— gehaltenes„Schwei⸗ an die Heimat erinnerte. Dort saß er ber Schlagfahne Zimmer Stammgast war.„Wunderschön ist Vergoldungen, kurz die ausgezeichnetste Eleganz— hne auf dem Backwerk und den unergründlichen, ohne die versilberte Kanne nicht denken mag.“ Schlagsahne ebenso verschieden wie die Kon⸗ Publikum und diese „Lesekonditorei“ im wahrsten gsahnekonsum wahrlich nicht jahrzehntelang Spargnapani an wissenschaftlichen und kritischen punkt der gelehrten Welt war. der mindestens ein Bei Stehely am nd Politiker; zu f 0 Zeit gehört die 1827 Mitternächtliche Unterhaltung der Journale bei Ste⸗ der gefeierte Biograph ichte Ludmilla Assing liegt uns bollkommen fern, gegen die Zulagen zu reden, die die zugänglich machken, dann wären W 5 Herren im Kriegsministersum beziehen; wir wissen, daß die Herren schlag en, längst verloren. In dem rs⸗Pensions⸗ der oberen Verwaltung tatsächtich viel arbeiten müssen. Aber Zu- gesetz sind außerdem die Friedensbezüge ausdrückl N m Gegensatz 4 3u gelegen habe, irgend jemand, der an der Kriegführung teilnimmt und seine Haut zu Markte trägt, ein materielles Interesse an der Kriegsbesoldungsordnung zuzutrauen und bin ihm dankbar, daß er anerkannt hat, daß die Leistungen unserer Truppen im Felde so groß sind, daß der Maßstab des Geldes überhaupt nicht in Be⸗ tracht kommt. Ich erkenne an, daß in der Tat in manchen Punk⸗ ten die Kriegsbesoldungsordnung nicht so klar ist, wie sie sein sollte, und daß sie auf einen kurzen Krieg, nicht auf einen Krieg von so langer Dauer zugeschnitten ist. Das ist nicht bloß Theorie, sondern seit ich auf meinem Posten stehe, habe ich mit dem Kriegs⸗ ministerium in Verhandlungen gestanden, wie die Härten und Un⸗ gerechtigkeiten nach oben und unten ausgebessert und ausgeglichen werden können. für die der Kriegsminister im Ausschuß Beispiele gegeben hat. Es handelt sich um viele Millonen, die auf dem Wege der still⸗ schweigenden Abänderung fur die Rechskasse erspart worden sind. Auf diesem Wege könner wir weitergehen. samtrevision noch während des Krieges vorzunehmen, ist für die be⸗ teiligten Wir haben dringlichere Aufgaben, lassen Sie uns Frist, bis eine ruhigere Zeit kommt. Vorläufig ist die Hauptsache, daß alle ver⸗ fügbaren Kräfte an die Hauptaufgaben gestellt werden, damit wir siegen. mit Geld zu schätzen. 5 darin, daß die Gesetze der Kriegsbesoldungsvorschriften der Ge⸗ rechtigkeit entspre erkannt. gegenüber den Männern an der sind, Platz greift und die es bitter empfinden müssen, wenn Leute fern ab vom Schuß viel größere Gebühr⸗ nisse erhalten als die, die draußen so Großes leästen. hören ungweifelhaft de lege ferenda. keinen Gebrauch g daß er es nicht besitze. sonst nur eine formale Bedeutu letzten Jahrz gerade der Wir werden im Interesse der Gercch Frontoffiziere für die beiden Resolut dig darüber e hebliche Mängel enthalte heiten zu beseitigen. sowohl in finanzieller Richtung Reichskasse erspart Hinsicht, indem Ungleichheite ausgeglichen worden sind. Es handelt sich aber nicht so sehr dar⸗ um, daß die Offiziere oder sonstige in der Front stehende Persön⸗ lichkeiten gegenüber denjenigen, benachteiligt sind, sondern me besondere Dienstleistungen, gar nicht vorgesehen worden sind. Die Besoldungsordnun übrigens bei der Expedition nach Ostasien und bei dem südw kanischen Feldzug in Anwendung. Damals hat niemand etwas dagegen gesagt. Technisch ist es nicht möglich, daß im Be⸗ reiche des Kriegsministeriums die se außerordentlich schwierige und weitschichtige Aufgabe jetzt gelöst wird. Nach dem Kriege wird aber die Revi leitet werden. im Augenblick ausgeschlossen ist. Budgetkommission, Antrag Schiffer(Natl wegen Abänderung des Gesetzes über den Belagerungszustand, Antrag über das W nungswesen, Petitionen. 0 0 . 1 ngst ge⸗ den Kriegsbezügen gestellt worden. Ich bin dem Abgeordneten Stücklen dankbar, daß es ihm fern Praktische Ersolge sind dadurch erzielt worden, Aber eine Ge⸗ im Wege enes neuen Gesetzes Personen und Aemter eine Unmöglichkeit. (Beifall.) 1 Abg. Dr. Müller⸗Meiningen(Vp.) Selbstverständlich sind die Leistungen unserer Truppen nicht Der Ausschuß war jedoch einer Meinung chen und der Schatzsekretär hat das selbst an⸗ stärker empfunden, als es Das Unrecht wird um 15 e Front, denen wir so dankbar (Sehr richtig!) Die Kriegsbesoldungsvorschriften ge⸗ zur Zuständigkeit Daß der Reichstag von seinem Recht bisher emacht hat, berechtigt nicht zu der Folge rung, Das Ausgabebewilligungsrecht hätte ja ng. Kein Mensch hat in dem ehnt mit dem Krieg gerechnet, und ich behaupte, daß Zustand unserer Gesetzgebung der Beweis dafür ist. tigkeit zum Besten unserer ionen stimmen. Stellvertr. Kriegsminister v. Wandel: Das Kriegsministerium ist mit dem Reichs schotzamt vollstän⸗ inig, daß die Besoldungsvorschriften er⸗ n. Wir sind dabei, Unvollkommen⸗ erhebliche Erfolge erzielt worden, — viele Millionen sind der worden— aber auch in fachlicher n und Härten nach oben und unten Es sind die weiter rückwärts sich befinden, hr um zu hohe Bewilligungen für die zum Teil in der Besoldungsordnung kam afri⸗ e sion nach Möglichkeit in die Wege ge⸗ 2 2* 1 (Beifall.) Abg. Nehbel(Kons.): Wir sind davon überzeugt, daß eine grundsätzliche R evision Die beiden Resolutionen werden angenommen. Dongerstag 3 Uhr: Weitere Resolutionen und Ankräge der oh⸗ Schluß 57% Uhr. 1 hat ein Klindwort der Reichsgesetzgebung 0 den einflußreichen Rat. meister, zur slürzen. Geldnot, übersah aber nehmung scheitern einem noch nicht den süddcutschen er ließ Klindwo auf, um so herzlicher gestalteten sie sich mit der Zeit des Staatsrats, dem bekannten Pianisten Felix K ma Die junge Braut Sie Wagners ist seine Ent die Tochter seiner Tochter, die ursprünglich Wilifred Willian und bei der Adoption durch ihren Großvater dessen Namen. dem Vornamen„Senta“ annahm. Sie hat das Talent ihre Augustaschule war sie als Interpretin Richard und Siegfried Wa nerf usil bewundert und kurz und gut, trotz ihrer 18 W r bewundert und kurz und gut, trotz i 1 wird kaum jemand besser geeignet sein als sie, i lieferungen des Hauses Wahnfried hineinzuw einst als Nachfolgerin Fran Cosimas 10. 3 RN 7 England, daß es versu europlische Presse mitgeteslt worden 5 im 1 „Arabic“. ver Fall der versenkten Am 3590 ist der gentten t„Arabic“ von New Vork nach Liverpool abgefah Schiffsmanifest hervorgeht— die Deutsch⸗amerikanische Fanden kenmer in New Vork hat es veröffentlicht—, war ie„Arabic“ bis an den Hals vollgestopft mit Bann⸗ waren, als da sind Geschosse, Zünder, Patronen, Kraft⸗ wagen, Flugmaschinen, gelte, Kupferstangen, Stahlstangen, Gummiradreifen, Schmieröl, Blei, Nickel, Messing und alle Da Zutaten zur Höllenküche des Krieges. Nicht nur ie Laderäume waren vollgepfropft, sondern Flu maschinen und Autos starrten hochaufgetürnt und festgelascht über die Decks, auch über das Promenadendeck. Zehn Kraft⸗ wagen hatten zurückbleiben müssen, weil beim besten Willen kein Platz mehr zu schaffen war. Das Heck des Schiffes war mit Sandsäcken von oben bis unten verbarrikadiert . auf der vorhergehenden Reise von Liverpool nach 1 5 2 5 0 e Die 99 1 war r an 0 ie ein Kriegsschiff un tte zwöl amerikanische Schutzengel an 2 1 505 5. Die„Arabic“ ist versenkt worden, wir sagen nicht wann, wie und wo. Von den zwölf Schutzengeln sind einige umgekommen, wir sagen nicht wieviel. Denn das alles ist noch nicht festgestellt. Der deutsche Botschafter in Washing⸗ ton, Graf Bernstorff, 1 55 die Wilsonsche Regierung mit Recht dringend gebeten, keine Entscheidung zu treffen, bevor nicht alle Tatsachen über die Torpedierung vorgelegt sind. Wilsons neue Hilfskraft, Staatssekretär Lansing, fragte bei dem amerikanischen Botschafter in Berlin, Gerard, auf dem von der amerikanischen Regierung beschlagnahmten Funker⸗ wege Sayville Nauen an, ob die deutsche Regierung einen amtlichen Bericht über den 1 7 habe, da die amtlichen amerikanischen se die vorliegenden Informationen für sehr lückenhaft erachten. Gerard ging ins Auswärtige Amt, und dieses erklärte, daß im Reichsmarineamt ein Bericht über die angebliche Torpedierung der„Arabic“ nicht vor⸗ liege und daß wegen der Unklarheit der Angaben über die Stelle, wo die angebliche Torpedierung stattgefunden haben soll, es auch nicht möglich ist, zu sagen, ob dabei ein 0. überhaupt in Frage kommen kann oder ni i Soweit ist man in Berlin, drüben in Amerika ist man unter englischem Geist und Drug viel weiter. Dort weiß man schon, daß die„Arabic“ nicht gewarnt worden sei, daß sie keine Konterbande mitgeführt habe und daß die Lage sich furchtbar zuspitze. Die englischen Blätter schwelgen in neuer Konfliktsstimmung und Reuter bläst durch seine Lügentrompete in alle Welt hinaus, es gäbe jetzt nur noch eins: Abberufung der Gesandten in Washington und Berlin, Einberufung des amerikanischen Kongresses zur Erwägung der Mobilisierung von Heer und Flotte. Man sage nicht, daß das nur englische Mache sei. Gewisse Leute in Washing⸗ ton sind von England bereits so eingepeitscht, daß sie den Ton angeben, der dann auf den englischen Drähten gespielt wird. Hat doch Wilsons Sekretär, ein Herr Tumulty lein überaus bezeichnender Name) mit Bezug auf die„Arabic“, auf die„kleine Lusitania“, in einer Ansprache erklärt, die geeinigte Nation unterstütze den Präsidenten in dieser roßen internationalen Krise und werde, wenn nötig, für ie unveräußerlichen Rechte der Amerikaner zu Lande und zur See auch das Leben einsetzen. Ein etwas vorlauter Herr, dieser Mister Tumulty. Denn im Namen der Nation zu sprechen, ist immer noch dem Chef, nicht dem Kanzlisten vorbehalten. Wilson aber hat noch nicht gesprochen und, oviel man auch bisher an seiner Politik auszusetzen hatte, n Vorwurf kann man ihm nicht machen, daß er voreilig und unüberlegt zu Werke 1 25 Der Washingtoner Korre⸗ spondent der Londoner„Morning Post“ weiß denn auch zu melden, Präsident Wilson sei wenig dazu geneigt, Gerard abzuberufen, da dies sicherlich zu einer ernsteren Aktion. führen und Verwirrung und Unsicherheit verursachen würde, weil dann die Interessen der Vereinigten Staaten und der Alliierten in Deutschland einer anderen neutralen Macht an⸗ vertraut werden müßten. Derartige Erwägungen zwängen den Präsidenten zu großer Vorsicht. Vorsicht ist auch das einzige, was man für die Behandlung des Falles„Arabic“ bei uns anraten und anwenden kann. Mehr als drei Monate sind seit der Versenkung der„Lusitania“ vergangen und die Lage ist hüben wie drüben verändert. Hüben die gewaltigen Krie. der Verbündeten und drüben ein Erstarken der Friedenspartei und eine Besinnung über das bisherige Neutralitätsverhalten, die durch alle englischen Schaum⸗ schlägereien nicht mehr zu verdecken ist. Ja, wenn nicht alle Zeichen trügen, wird der Fall der kleinen„Lusitania“ zu ie aus dem ganz anderen politischen Ergebnissen führen, wie der der ßen. Im amerikanischen Volke ist die Vernunft und Einsicht auf dem Marsche. a „Nichts wird so heiß gegessen..“ London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Daily Telegraph“ meldet aus New Pork: Meldungen aus Washington besagen, daß dem deutschen Botschafter Graf Bernstorff die Pässe zugestellt, der Bot⸗ schaster Gerard in Berlin zurückgerufen und der 005 zur Erwägung der Mobilisierung von Heer und Flotte einberufen wird, falls die deuts 1 anlassung nimmt, die Torpedierung der„Arabic“ als zu Unrecht erfolgt zu erklären. 5 3 5 3 ist vielleicht der Wunsch der Vater nkens. 5 London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der Senator Lewis aus 5 ois, 15 dessen e Lend Lee reiche Fleischexpporteure ansässig sind, beschuldig re 2 die e 1 in einen Krieg hineinzuziehen, indem es die„Arabic“ in ein N Arsenal verwandelte. Auch Her⸗ er und seine Anhänger 3 die briti⸗ chen Methoden und ihre Beweggründe. Der rrespondent er„Times“ fügt hinzu, dies stelle ebensowenig die öffentliche Meinung dar, wie die Befürwortung Roose⸗ velts zu einer sofortigen Aktion. Eine Erklärung des deutschen Botschafters in Washington. 38 London, 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Washington: Der deutsche B'otschafter hat nach Instruktionen aus Berlin folgendes Telegramm an das Staatsdepartement ge⸗ richtet: 5. 1 Ac die Versen der„Arabic“ ist noch keine offizielle Mitteilung eingetroffen. Die kaiserliche Regierung vertraut darauf, daß die Regierung der Vereinigten Staaten auf Grund der Be⸗ richte, die mur von einer Seite eingelangt sind, und nach der Mei der kaiserlichen ierung nicht mit den Tatsachen sbereinslünmen können, noch keinen definitiven Standpunkt ein⸗ nehmen wird, sondern daß auch Deutschland Gelegenheit ge⸗ J 0 guten Glauben der sehört zu werden. Obwohl die kaiserliche Regierung eugen, deren Erklärungen durch die 1155 nicht bezweifelt, muß Auge behalten, daß die Erklärungen unter dem Ein⸗ r Regierung nicht Ver⸗ S uß, der Aufregung abgegeben wurden, in der man leicht einen escer Eindruck bekommen kann. Sollten wirklich Amerikaner das Leben verloren haben, so wäre das natürlich im Widerstreit mit dem, was wir bezweckten. Die kaiserliche Regierung wür dies außerordentlich bedauern und drückt Amerika ihre warme Sympathie aus. Ne w t 25. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des W. T. B. teilt durch Funkspruch mit: Man hofft hier, daß sich für, Deutschland die Möglichkeit ergibt, zu erklären, daß die„Ara⸗ bic“ begleitet wurde oder versuchte, das Unterseeboot zu rammen oder auch trotz des Anrufes zu entkommen oder, daß sie Manöver ausführte, welche das Unterseeboot vermuten ließ, sie versuche zu entkommen. Nach Washingtoner Meldungen hat die Regierung er⸗ klärt, daß sie entschlossen sei, einen Bruch zu vermeiden falls dies ehrenvoll geschehen könne. Man nimmt an, daß die Regierung nicht beabsichtigt, irgend welche Erklärungen von deut⸗ scher Seite zu ignorieren, wie beispielsweise die Erklärung, daß Deutschland durch die Versenkung der„Arabic“ keine Mißach⸗ tung amerikanischer Rechte beabsichtigt habe. Amtlich wird ange⸗ 1 15— Botschafter Gerard in Berlin werde wahrscheinlich an⸗ gewiesen werden, das Auswärtige Amt um Bekanntgabe des Tat⸗ bestandes zu ersuchen. Offiziere des„Cymrio“ dementieren die Meldung, wonach dieser Dampfer nach der Abfahrt von Liverpool 26 Stunden von Kriegsschiffen begleitet gewesen sei. Sie erklären, die Passa⸗ giere, die dies mitgeteilt hätten, hätten wohl die seit Kriegs⸗ ausbruch an den englischen Küsten kreuzenden Patrouillenschiffe für Begleitschifse gehalten. Nach Aussagen von Passagieren des „Cymrio“ scheinen die Patrouillenschiffe neuerdings staffelweise in den bedrohten Gewässern postiert zu sein. Washingtoner Meldungen deuten an, daß gewisse wider⸗ sprechende Angaben über den Fall„Arabic“ vorliegen. Desto wünschenswerter sei es, daß die deutsche Erklärung Licht schaffe. Nach Mitteilungen aus hiesigen Quellen sollen alle Amerikaner an Bord der„Arabic“ ihre Ueberfahrt nicht bezahlt haben. Im feld erwarten unsert Angehörigen den regelmäßigen eingang des beimat⸗ blattes. Um einc Unterbrechung in der Zustellung zu vermeiden, wolle man len feldpost/ Bezug dl. Glehener Anzeigers für monat Sept. schon jetzt erneuern Alle Ppostamter nehmen die Bestellung entgegen. der monatliche Bezug be⸗ trägt Mk. 1.07 einschließlich der Um⸗ schlag⸗ Gebühr. Außerdem vermittelt die Bestellungen wie bisher auch die Ceschäftsstelle des Gießener Anzeigers PKA Kriegsbriefe aus dem Gsten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) In dem eroberten Nowo⸗Georgiewsk. 5. Fort Zegrze, 20. August. Nach ber Einnahme des Innenfortsgürtels im Nordosten am Nachmittag drangen unsere Infanteriespitzen gestern gegen Abend um 6 Uhr stürmend in die Zitadelle ein. Der Kommandant der Festung, General Bobyr— der sich in dem um Mittag abge⸗ flogenen Freiballon doch nicht b hatte— begab sich zu dem Kommandierenden der deutschen Belagerungsarmee Exzellenz Beseler. Nowo⸗Georgiewsk war gefallen. Nach der Einnahme von Fort II und III war die Zitadelle auch kaum noch zu halten, zumal der größere Teil der Besatzungs⸗ truppen durch die Beschießung so erschüttert war, daß er sich nicht mehr in der Hand der Führer befand. Die Besatzung des noch völlig intakten Forts IV, in dem spitzen Winkel zwischen Narew und Weichsel ergab sich in den ersten Nachtstunden gegen den Willen des energischen Kommandanten. Ein weißes Tuch wurde mit elektrischen Laternen von hinten ll beleuchtet und dann machte sich eine Deputation mit diesem Instrument auf der Straße Nowi⸗Dwor—Jablonng in Richtung der deutschen Posten auf. Eine deutsche Patrouille wurde vorgetrieben, die Russen boten die Ergebung an, und der vorgeschickte deutsche Offizier fand eine trecke rückwärts auf der Straße die gesamte Besatzung in Reih und Glied in Marschkolonnen mit fast allen Offizieren mit Aus⸗ nahme des Generals und des Obersten vor. Gleichzeitig steigerten sich die Detonationen. Das letzte intakte Werk war gesprengt. Heute in den ersten Morgenstunden fuhr ich die Straße von Jablonna in die Festung hinein, da ich nicht wußte, ob im Nord⸗ osten die Stadtbrücke über die Wkra schon passierbar war. Nach dem Waldstück, das auch hier unglaublicherweise stehen geblieben war, kamen die russischen Schützengräben, die sich guer über den Weg zogen. Ein Trupp eben von vorwärts eingetroffener russischer Pioniere mußte sie zuschütten, die Brücken in den Drahthindernissen wurden verbreitert und es ging weiter nach dem Flecken Nowi⸗ Dwor zu. In einzelnen Trupps kamen die russischen Gefangenen entgegen, aus den Gruppen wurden bald endlose bunte Züge, in denen jede russische Waffengattung vertreten zu sein schien. Pio⸗ niere, Artilleristen, Luftschisßer mit den blauen Kappen, die ähnlich wie die schottischen Hochländermützen aussahen, Kavalleristen, Ar⸗ mieru ataillone, Sanitäter... Aus der Richtung der Zita⸗ delle schien ein unerschöpflicher Menschenstrom zu fließen. Alle, aber alle waren sichtlich außerordentlich zufrieden, daß die letzten Tage vorüber waren. Viel polnische Truppen waren unter den langsam Vorbeimarschierenden und zahlreiche Warschauer, die nach dem Aussehen ihrer Vaterstadt fragten. In Nowi⸗Dwor wurde] ha noch aus den Häusern neuer Zuwachs für die Massen gefunden, die den ganzen Marktplatz ausfüllten. Deutsche marschierende Ba⸗ taillone zogen vorwärts an dem Strom vorbei, russische Schwestern und Aerzte standen vor den Lazarettüren und leichter verwundete russische Soldaten saßen in sehr sauberer Krankentracht vor den Türen. Eine verwirrende Menge von kriegerischem Leben und von Bewegung war auf dem schmußigen Platz zusammengepreßt, und die schwarze Rauchwand von der Zitadelle her, in der es zuweilen rot und hoch aufflammte, wölbte sich als kolossaler Abschluß dahinter. Die großen Eisenbrücken über Weichsel und Narew waren gesprengt. Jenseits der Weichsel klang es wie prasselndes Infan⸗ teriefeuer, aber es waren nur die bei den aufflackernden Kasernen⸗ bränden explodierenden Patronen. Ein alter Mann sprach mich de haben. Nicht einmal der Kirchhof mit den deutschen Grabinschrif⸗ fees e e eitigen Ufergebüf e. Es war ein 1 3 schen Weichseldörfer, die die Russen in der brutalsten Weise zerstört ten war vor ihrer Zerstörungswut sicher gewesen. Der Mann sprach reines, fehlerfreies Deutsch, er war 1 hier geboren: Es waren schlimme Zeiten für die Russen, schlechtere für die Polen, die schlech⸗ testen für uns. Eine sehr böse Zeit ist das. Was hat unser Dorf den Russen getan? Muß unser Unglück so groß sein? Seine blauen, lindlichen Augen fragten noch immer, als er langsam und schwer⸗ fällig voranging und mir den Weg zur Pontonbrücke über die Weichsel zeigte. i l Denn das ist das Erstaunliche, alle Brücken haben die Russen esprengt, aber die auf eisernen Röhren ruhende, ziemlich feste 5 die für Wagenverkehr benutzbar ist, haben sie ver⸗ gessen. 5 Im Narew lagen eine ganze Anzahl von kleinen und größe⸗ ren Dampfern und ebensoviele schienen versenkt worden zu sein, denn man sah Maste und Schiffsteile aus dem Wasser ragen. Der Flußspiegel schillerte in rötlichen und blauen Farben, man hatte wohl Petroleumfässer entleert. Drüben am anderen Ufer war der Eingang in tiefe Gewölbe. Das Ufer fällt nach der Weich⸗ sel und nach dem Naxew ziemlich steil ab und man hat in den bis 30 Meter hohen Abhang mächtige Stapel⸗ und auch Wohn⸗ anlagen hineingebaut, die eigentlichen Bauwerke der Zitadelle be⸗ finden sich denn auf der Höhe, die Außenmauer der äußersten Gebäudereihen setzt sich in dem ausgemauerten Abhang fort. Auch in die Uferstraße am Narew hatten Granaten geschla⸗ en. Ein kleiner Wagen stand da vollgepackt mit allerlei Habselig⸗ eiten. Eine russische Schwester legte eben noch ein Bündelchen dazu. Sie fragte, ob man das würde fortführen dürfen, es seien die Sachen der Schwestern, die hier ohnt hätten„Es war eine schreckliche Nacht. Wir sind von hier fort, aber oben war es ja auch nicht besser, man dachte, die ganze Festung fliegt in die Luft, als die Sprengungen anfingen.“ f a 5 5 Daß trotzdem sehr viele Beute geblieben war, zeigte ein Blick in die breiten Wölbungen, in denen Kiste neben Kiste voll Stearin⸗ lichtern lagerten.. l g „Wie kommt man in die Zitadelle?“„Ich werde Sie führen.“ Sie nahm eines von den Lichten und ging in die Dunkelheit hein. Das Licht drohte vom Windzug der Luft zu erlöschen, als wir ein paar Schritte gegangen waren. Das Gewölbe wurde schmäler. Man war in dunkelroter Finsternis, nur da Licht meiner Führerm gab einen hellen Schein um ihren Kopf. Treppen kamen. Dann sprang das Tageslicht durch eine geöffnete Tür, man war auf dem Hof der Zitadelle. Hier war die Spur des Krieges auf jedes Fleckchen Erde gebrannt. Der Teil der Kasernenbauten, vor dem wir standen, war vom Feuer verschont. In den wahrscheinlich ehe⸗ maligen Offiziersstuben hatten die Mannschaften geschlafen. Alles zeigte den eiligsten Aufbruch, die Mäntel lagen dort, die Eßge⸗ schirre, die Brotbeutel, die bunten Ziehharmonikas und die kleinen dreieckigen russischen Lauten, die Balalaikas. Die deutschen Gra⸗ vaten hatten mächtige Löcher dicht vor dem Gebäude gerissen und Fleischfetzen und unkenntliche Lumpen lagen umher. Etwas weiter durch tiefe Torwege an brennenden Kasernen vorbei, kam man auf einen größeren Hof, der war bedeckt mit toten Pferden und Rindern und Tausenden von ausgetrunkenen Schnaps⸗ und Wein⸗ flaschen. Es muß an diesem letzten Tag unter dem Donner der deutschen Geschütze, während schon die Stürmenden über die Außer⸗ mauern kamen, eine wilde Orgie in Nowo⸗Georgiewsk geferert worden sein. In den Gebüschen neben den herumliegenden Säbeln, Gewehren, Musikinstrumenten, Sätteln, den aufgedunsenen ver⸗ gifteten Kühen lagen noch völlig betrunkene Russen, die von dem Fall der Festung nichts wußten. 3 i Darüber hatte man die Gründlichkeit der Zerstörungen ver⸗ gessen. Wohl brannten Kasernen und Vorratsräume, Schuppen und Lagerplätze, aber dazwischen hatte man ganze. vergessen und die Betonierungen vorn fast überall nicht gesprengt. Bei den leichten Geschützen hier auf dem Hofe hatte man teilweise Sprengversuche gemacht, aber bei den mächtigen Rohren im Nord⸗ osten war dazu keine Zeit mehr gewesen, und in einem der öst⸗ lichen Vorwerke standen ein paar schwere Rohre, wie ich 5 5 1 00 gesehen hatte, noch völlig unversehrt mit den appen. Die Pferde hatte man zu dieren an Bäume gebunden und dann erschossenh ein Fohlen und ein paar Kälber liefen noch suchend unter den Kadavern herum. Auf einem anderen Hofe war die Tötung der Pferde wieder vergessen worden und fie standen rudelweise umher. 85 Eine merkwürdige Uebung war das Verbrennen riesiger Hau⸗ fen von tatsächlich leeren Konservenbüchsen, vielleicht war es ein Rechnungsausgleich der Jun cet der da geschaffen wurde Ueberall stieß man auf Geschütze jeglichen Kalibers, Ma⸗ schinengewehre, Ballonabwehrkanonen. Die Beute von allein übe 700 Geschützen stand da verstreut. 1 5 Die Flugzeuge hatten die Festung am Mittwoch verlassen, und aus dem gelben, festen Stoff der Fesselballons hatten sich die Mannschaften Zeltbahnen und Tücher zum Tragen ihrer Habselig⸗ keiten geschnitten. 1 In dem Lazarettviertel sah es weniger grauenvoll aus, weil hier die Beschießung nicht angesetzt war. Aber alle Lazarette, auch schon die von Nowi⸗Dwor, waren überfüllt. Die Russen haben sehr starke Verluste gehabt. Erst der Blick in diese vollen roßen Säle erklärt es völlig, wieso die so starke russische Festung 5 rasch fiel. Denn die Besatzung, vier Divisionen und 20 00 5 Mann Festungsartillerie, war über Erwarten groß, und Munition und Vorrat reichlich vorhanden. Jedenfalls wurden die russischen Konserven überall kistenweise gefunden. In einem der völlig unbeschädigten Häufer des mittleren Festungsraumes ging ich in eine Offtzierswohnung. Da war alles auf den Abtransport vorbereitet, die Möbel verpackt und schon mit der neuen Adresse versehen. Das bestätigte mir von neuem die Ansicht, daß man aus der Not eine Tugend gemacht hatte. Man hatte nichts mehr fortbekommen über Praga und hatte die Festung gehalten, weil man sie nicht mehr aufgeben konnte. 2 In dem Speisezimmer der einmal hübschen Wohnung standen noch die Reste der Abendmahlzeit von gestern, und in der Küche kochte noch das Teewasser auf dem Petroleumkocher. Der Dampf stieg singend auf. Niemand hatte mehr an Tee gedacht,— als sich draußen in rasender Schnelligkeit die Endkatastrophe vollzog. Es war eines der merkwürdigsten Bilder, daß da die Teemaschine in der brennenden Festung summte.. Die Brandwolken machten das Verweilen ar manchem Platz unerträglich. Die Flammen stiegen höher, man hörte das Fressen und Beißen. Eine einzige große fla chwarze Rauchfahne schwang sich weithin über das eroberte Nowo⸗Georgiewsk. 5 * Am Nachmittag fuhr der Kaiser unter dem Jubel der auf⸗ J Truppen am Fort III vorbei in die Festung. Der kaiser⸗ iche Wagenzug fuhr von Szerok die Straße über Dembe vorbei an Fort XVI und III den schweren Siegesweg der Belagerungs⸗ armee Beseler. Der Wegrand war besetzt mit Truppen. Stille— Hurra! Das feste kaiserliche Auge auf den glücklichen Soldaten⸗ gesichtern, Regimentsmusik.. 4 Ein großer Tag, da der Kaiser an den zehntausend russischen Gefangenen vorbei inmitten seiner strahl. Truppen in die genommene 2 1 5 fuhr. Zwischen Modlin und Fort II auf dem Schlachtfeld war Parade. In dem großen kaiserlichen Gefolge befanden sich Hindenburg und der Chef des Generalstabs Falken⸗ yn. Nach dem Vorbeimarsch bildeten die Truppen eine Karree, und in festen kurzen Worten dankte der Kaiser seinen Soldaten, daß dies feste Bollwerk Rußlands so rasch von ihnen mit stürmender Qand genommen wäre, der Kaiser erwähnte dabei besonders die Sachsen. Ihr kämpft, und die zu Hause beten zu dem Herrn den Heerscharen. Feste und freudige Siegesgewißheit sprach aus den laiserlichen Worten, die hell weit über das Feld klangen. Auch bei XVI dankte der Kaiser den versammelten Truppen. Ein großer ag für die heldenmütige Armee, die es in diesen zehn 5 wahrlich nicht leicht gehabt hatte, ein Tag, der manche Zeit über⸗ glänzen wird. 1 VVV Rührend war es auf dem Rückweg, wie die N die am Wege aufmarschiert waren, wren Südende 5 15 14 erkattten. Die alten Leute freuten sich wie die Kinder und jubelten dem Feldherrn zu, daß einem unter diesem Jubel fast allzu weich für die harte Zeit ums Herz wurde. Es war keine Gloriaglut unter dem wolkenbehangenen Himmel, aber eine glück⸗ lich strahlende und warme Siegesstunde rauschte da vorüber. * Am Abend ritt ein Offizier an unser Haus in Fort Zegrze und fragte, ob es wohl möglich wäre, einen russischen General, und zwei Obersten und einen alten Obersten zweiten Grades unterzubringen. 3000 Mannschaften kämen in die Kaserne. Es war möglich. Der Kommandant, dessen Kunst in Verpflegung und Unterbringung immer Rat wußte, hatte in kurzer Zeit alles eingerichtet. Wir hatten nachmittags schon heizen lassen, weil die feuchte Kälte sonst micht aus den Kleidern zu bringen war. Die russischen Herren bekamen also ein warmes Zimmer, und dann aß man zusammen zu Abend. Der General sprach deutsch, es war der Kommandant von Fort IV gewesen, der sich nicht hatte ergeben wollen. Ein liebenswürdiger, zierlicher alter Herr, der über die gastliche und ritterliche Art des Kommandanten— wie ich den Leutnant der Landwehr Graf X. einmal nennen, will— fast gerührt war. Ich wünschte, daß es unsere ge⸗ fangenen Offiziere stets so treffen wie die russischen Herren, die hier in Zegrze sind. Uebrigens waren die Herren ihrerseits von dem Gleichen überzeugt. Aber... Genug! Man sprach bei Tee und Zigaretten. Der General schätzte die Zahl der rus⸗ sischen Armee in Nowo⸗Georgiewsk auf 90000. Danach müßten die Russen etwa 8000 Mann Verluste gehabt haben, was etwa stimmen könnte. Merkwürdig genug war das Schicksal des einen Obersten, der aus Kiew stammte und wehmütig von der Schönheit seiner Stadt sprach. Er hatte mit seinem Regiment zu den Erobern von Przemysl gehört, war in die Festung eingezogen und hatte sich, als die deutsche und österreichische Armee den neuen Ring um emysl legte, noch rechtzeitig mit den anderen zurüchgerettet. S2 ereilte ihn und sein Regiment hier in Nowo⸗Georgiewsk das Schicksal, dem beide damals in schweren Tagen entwischt waren. Der General hatte in den Karpathen gegen die Oesterreicher eine Brigade geführt.„Es ist sehr schwer gewesen,“ sagte der alte Herr.„Essen lonnten unsere Leute nur in der Nacht, man lag zu nahe. Und so bittere Kälte!“ Er vergaß das Teetrinken in der Erinnerung. Sehr lobte die russische Exzellenz die österreichischen „Tiroler Landesschützen“, gegen die er eine Zeit lang gestanden 4 5„Eine glänzende Truppe.“ Sonst machte er allerlei Unter⸗ schiede. N Er fragte immer wieder, ob er durch Warschau käme.„Wenn man 27 Jahre dort gewesen ist... Saber la guerre comme à la guerre.“ Auf der kleinen Bahn von Zwenk nach Nowo⸗Georgiewsk war er vor 25 Jahren gefahren, als die Neubauten an der Festung begannen. Der Bahnhof ist noch da und die Gleisanlagen, 3 Bahn ist seit diesen 25 Jahren kaum mehr befahren worden. Das Stroh wurde ausgebreitet. Man war einen Augenblick still.„Hier ist es ruhiger, Exzellenz, als..““ Er ließ nicht aus⸗ sprechen..„Das Herz ist sehr wenig ruhig. Rußland hat zu vielen Grund, traurig zu sein.“ Die russischen Burschen der Herren saßen draußen in der Küche, und als ich schon längst auf meinem Stroh lag, klang draußen leicht und dünn ein lustiger Ton von der Balalaika. Arme kleine Exzellenz! Rußland hat wohl Grund, traurig zu sein; aber der russische Soldat geht fröhlich in die Gefangenschaft. Leise, leicht und hell klang das russische Lied, am Abend, da uns dick heiße Freude über den großen Erfolg von Nowo-Georgiewsk nicht schlafen ließ. ö Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Polizeiliche Anordnung.. Auf Grund der Bekanntmachung des Stellvertreters des Reichskanzlers vom 24. Juni 1915 über den Aushang von Preisen in Verkaufsräumen des Kleinhandels und der Verfügung Großh. Ministeriums des Innern vom 27. Juli 1915 zu Nr. t, 11298 wird für den Bezirk der Stadt 1 verordnet wie folgt: . In jeder offenen Verkaufsstelle, in welcher Fleisch oder Fleisch⸗ waren feilgeboten werden, sind die Preise für das Gewicht des zum Verkaufe kommenden. G und der Fleischwaren durch einen mit dem Stempel Großh. Polizeiamtes versehenen, von außen sichtbaren Anschlag täglich während der Verkaufszeit zur Kenntnis des Publikums zu bringen. Der Anschlag ist in gut⸗ lesbarem Zustande zu erhalten. Die Preise dürfen zwar nach Belieben des Geschäftsinhabers verändert werden, soweit nicht Höchstpreise festgesetzt sind, bleiben aber so lange in Kraft, bis ein neuer mit dem Stempel Großh. Polizeiamtes versehener Anschlag oe en ausgehängt ist. Die Verkäufer von Fleisch und Fleischwaren sind gehalten, im Verkaufslokale eine Wage mit den erforderlichen geeichten Gewichten an einem leicht zugänglichen Orte aufzustellen und die Benützung derselben zum Nachwiegen des verkauften Fleisches und der Fleisch⸗ waren zu gestatten. 0 8 3. Vorstehende Bestimmungen treten mit dem Zeitpunkt i Veröffentlichung in Kraft. 5 34 0 Zuwiderhandlungen gegen vorstehende Bestimmungen werden mit Geldstrafen bis zu 150 Mark und im Unvermögensfalle mit Haft bis zu 4 Wochen bestraft. Gießen, den 25. August 1915. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hemmerde. Gießen, den 23. August 1915 5 b 8 15 Von der Verordnung sind folgende Gegen⸗ stände betroffen: Kasse A: Gegenstände aus Kupfer und Messing. 1. 85 5 und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und g ackstuben, a wie beispielsweise Koch⸗ und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und Speiseeiskessel, Töpfe, Fruchtkocher, Pfannen, Back⸗ formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw. 2 5 Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. erden. Badewannen, Warmwasserschiffe, behälter, ⸗blasen, ⸗schlan⸗ gen, Druckkessel, Warmwasserbereiter(Boiler), in Koch⸗ maschinen und Herden; Wasserkasten, eingebaute Kessel aller Art. Klasse B: Gegenstände aus Reinnickel: .Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, wie beispielsweise Koch⸗ und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und Speiseeiskessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, Backformen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln usw. Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen, Innentöpfe nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kartoffel-, Fisch⸗ und Fleischeinsätze usw. nebst Reinnickelarmaturen. 8 2. Unter eingebauten Kesseln aller Art sind nicht nur solche für Wasserhaltung und Warmmwasserbereitung zu verstehen, sondern auch Waschkessel, Viehkessel, Marmeladenkessel u. dgl. Da⸗ gegen kommen nicht in Betracht größere eingebaute Kessel für industrielle Zwecke wie Färbereien, Brauereien usw., jedoch sind die hierin einbegriffenen Kupfermengen nach der Verfügung, betr. Bestandsanmeldung und Verwertung von Kupfer in Fertigfabri⸗ katen auf Meldeschein für Kupfer in Fertigfabrikaten meldepflichtig. 8 3. Die Beschlagnahme erstreckt sich auch auf solche enstände, die aus Kupfer, Messing und Reinnickel hergestellt sind, das von der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Königlichen. Kriegs ministeriums oder durch die Behörden, welche die Beschlag⸗ nahmeverordnungen erlassen haben, freigegeben worden ist. 9 4. Ferner sind der Beschlagnahme unterworfen, stände der eingangs erwähnten Art, die aus anderen Kupfer⸗ legierungen bestehen, wie z. B. Rotguß, Tombak, Bronze, sowie die aus Kupfer, Messing oder Reinnickel bestehenden Gegenstände, die verzinnt oder mit einem anderen Ueberzug aus Metall, Lack oder Farbe versehen sind. 5. Reinnickel ist jede 1 mit einem Nickelgehalt von mindestens 90 0%. Es sind nur solche Gegenstände aus Reinnickel betroffen, die mit dem Stempel„Reinnickel“ versehen oder sonst einwandfrei als aus Reinnickel bestehend festgestellt sind. 8 6. Von der Beschlagnahme ausgeschlossen sind die nicht aus Kupfer, Messing oder Reinnickel hergestellten, vielmehr mit diesen Metallen nur überzogenen(z. B. galvanisch) und plat⸗ tierten Gegenstände. Beispielsweise werden also Gegenstände aus Eisen, nickelplattiert, nicht betroffen, dagegen unterliegt bei Hol z⸗ efäßen, die mit Kupfer, Messing oder Reinnickel ausgekleidet sind, diese Auskleidung der Beschlagnahme. „„ 2 5 N 8 %% * e 2 Weiker fallen nicht unter die Verordnung: Tee⸗, Kaffee⸗ und Milchkannen, Kaffee⸗ und Teemaschinen, Zuclerdosen, Teeglashalter, Menagen, Messerbänke, Zahnstocher⸗ —— Tafelaufsätze jeder Art, Tafelgeschirre, von denen jedoch ervierbretter von der verordnung betroffen werden, Rauchfervice, Saäulenwagen, Speiseschränke, Schanktischarmaturen, Badeöfen. 8 8. Nicht angenommen werden Gegenstände, die bereits als Altmaterial an Händler, Handlungen usw. abgegeben waren und infolgedessen der Beschlagnahme gemäß der Verfügung des von 1 4,50 Mark für Nickel. in in der bisherigen Art ordnungsmäßig weitergebrauchen dürfen. Die Besitzer verpflichtet. Händen ihrer jetzigen Besitzer verbleiben dürfen, b dringend erwünscht, daß schon jetzt von der freiwilligen Ablieferung e Gebrauch gemacht wird. Wer die Gegenstände freiwillig abliefert, Gegenstände befreit. Beschlagnahme von Gegenständen aus Kupfer, Messing u. Neinnickel. Mit Bezug auf die Bekanntmachungen des stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 31. Juli 1915 und des Großh. Kreisamts Gießen vom 18. August 1915 gebe ich nachstehend die Ausführungs⸗ bestimmungen für den Stadtbezirk Gießen bekannt. Ich verbinde damit die dringende Bitte und die Hoffnung, daß die Bevölkerung von Gießen im vaterländischen Juteresse die beschlagnahmten Gegenstände recht eifrig freiwillig ab liefert. Ju der jetzigen Zeit sollte Ersatz nur für solche Sachen beschafft werden, die unbedingt nötig sind. * Der Oberbürgermeister. len Ausführungsbestimmungen für den Bezirk der Stadt Gießen 1 zu der Verordnung des stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 31. Juli 1915, betreffend Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. stellvertretenden Generalkommandos des XVIII. Armeekorps vom 30. April 1915 und dem Höchstpreisgesetz unterliegen. Für dieses Material darf nur der Höchstpreis gefordert und bezahlt werden 70 Mark für Kesselkupfer und 1,.— 8 9. Sollte bei Gegenständen, die unter die Verordnung fallen, Mark für Messing, sowie ein besonderer Kunstwert geltend gemacht werden, so kann in Einzelfällen von der Beschlagnahme abgesehen werden. 8 10. Bestahen Zweifel, ob gewisse Gegenstände von der Ver⸗ ordnung betroffen sind, so kann eine Befreiung von der Beschlag⸗ nahme bewilligt werden. Oberbürgermeister nach Anhörung der städtischen Metallkommission endgültig. Ueber die Befreiung entscheidet der 9 11. Von der Verordnung werden folgende Per⸗ sonen und Betriebe betroffen: 1. Handlungen, Laden- und Installationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obengenannte Gegenstände erzeugen oder verkaufen, oder die solche Gegenstände, die zum Verkauf bestimmt sind, im Besitz oder im Gewahrsam haben; Haushaltungen; Hauseigentümer; Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, ins⸗ besondere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Pensionate, Kaffee⸗ haus-, Konditorei- und Küchenbetriebe, Kantinen, Speise⸗ 3 aller Art, auch solche auf Schiffen, Bahnen und ergl.; öffentliche(einschl. kirchliche, stiftische usw.) und private Heil⸗, Pflege- und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, Ka⸗ — Erziehungs- und Strafanstalten, Arbeitshäuser und gl. 5 12 Die beschlagnahmten Gegenstände verbleiben bis auf weiteres den Händen ihrer jetzigen Besitzer, welche die Gegenstünde ode sind zur sorgsamen Verwahrung und Behandlung 1 Jede Veränderung und Verfügung(Verkauf, Tausch, Verschenken) über die beschlagnahmten Gegenstände ist verboten und nichtig. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Ver⸗ fügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung und Arrest⸗ vollziehung erfolgen. Trotz der Beschlagnahme sind alle Veränderungen und Ver⸗ fügungen zulässig, wenn vorher die Zustimmung des Oberbürger⸗ meisters hierzu schriftlich beantragt und erteilt ist. 8 14. Wenn auch die beschlagnahmten Gegenstände zunächst in den so ist doch bleibt von der Anmeldepflicht für die abgelieferten Die freiwillige Ablieferung ist nur bis zum 25. September 8 15. werden 1915 zulässig. Die abgelieferten Sachen nach den Preissätzen der Verordnung vergütet. Diese betragen für das kg für Gegenstände aus Kupfer Messing Reinnickel Mk. Mk. Mk. ohne Beschläge 4.— 3.— 13.— mit Beschlägen 2.80 2.10 10.50 In diesen Preisen sind die Ueberbringungskosten mit abgegolten. Unter Beschlägen sind Oesen, Ringe, Handhaben, Stiele und Griffe aus Eisen, Holz u. dgl. verstanden. Die Gegenstände werden mit den Beschlägen gewogen; auf Grund 7 01 Gewichts ergibt sich der Preis nach obiger Tabelle. Uebersteigt das Gewicht der Beschläge schätzungsweise ber Gegenständen aus Kupfer und Messing 309%, bei solchen aus Nickel 209% des Gesamtgewichts des Gegenstandes, so wird der 30 bezw. 200% überschreitende Prozentsatz geschätzt, vom Gewicht abgesetzt und nicht bezahlt. 8 a 85 Wiegen bei einem Kupferkessel von 10 kg beispielsweise die Beschläge schätzungsweise 5 kg, so ergibt sich folgende Berechnung: Tas Gewicht der Beschläge beträgt 50%% also 20 mehr als 30 0%. Die 20% vom Gesamtgewicht von 10 kg werden abgerechnet. 1 Es bleiben 8 kg. Für jedes Kilogramm werden 2,80 Mk. ge⸗ zahlt, im ganzen also 22,40 Mk. Als Entschädigung für etwa erforderliche Aus bauar⸗ beiten wird für jedes Kilogramm der ausgebauten Gegenstände 0,50 Mk. vergütet. Wird Entschäidigung für etwa erforderliche Ausbauarbeiten verlangt, so ist glaubhaft zu machen(z. B. durch Bescheinigung des Handwerkers), daß der Ausbau zum Zwecke der Ablieferung erfolgt ist. 15 1 8 16. Die Gegenstände müssen gut gesäubert abgeliefert werden. 8 17. Die an den abzuliefernden Gegenständen befindlichen, nicht aus Kupfer, Messing oder Reinnickel bestehenden Beschläge (3. B. Ringe, Oesen, Stiele, Griffe usw.) dürfen auch ohne die in§ 13 Absatz 2 erwähnte Erlaubnis zuvor entfernt werden. ä 8 18.. Die abgelieferten Gegenstände werden im Beisein des Ab⸗ lieferers oder seines Beauftragten gewogen und darüber eine Anerkenntnisbescheinigung ausgestellt. Die Anerkenntnisbescheinigungen werden auf der Stadtkasse während der üblichen Dienststunden eingelöst. Der Empfang des Geldes ist auf der Anerkenntnisbescheinigung von dem Einliefern⸗ den zu bestätigen. 5 85 5 Es ist dringend erwünscht, daß auch andere, nicht beschlagnahmte(z. B. die in§8 7 genannten) Gegenstände, die aus Kupfer, Messing oder Reinnickel bestehen, abgeliefert werden, z. B. Lampen, Leuchter, Kronen, Nippsachen, Thermometer, Schreibtischgarni⸗ turen, Bettwärmer. Auch für diese Gegenstände werden die in§ 15 bezeichneten Preise vergütet. 8 20. Zur Annahme der abgelieferten Gegenstände wird in der Stadt Gießen eine Metallsammelstelle in dem städtischen Gebäude Kirchstraße 20(Aliceschule, Hof der Stadtknabenschule, Eingang von der Nord⸗ Anlage und Kirchstraße) errichtet. 1 Die Metallsammelstelle ist vom 30. August d. J. an Montags und Donnerstags von 10 bis 12 Uhr vormittags geöffnet. Während dieser Zeit wird daselbst von der städtischen Metallkommission jede Auskunft erteilt. 425 f Die Metallsammelstelle nimmt auch unent eltlich zur Verfügung gestellte Gegenstände gegen Empfangsbescheinigung gern entgegen. 3 22 Verfügung über die Anmeldung der bis 25. September 1915 nicht freiwillig abgelieferten Gegenstände bleibt vorbehalten. 5 Diese Bestimmungen 8 Port in Kraft. Gießen, den 23. August 1915. Der Oberbürgermeister, 5 Keller.