Nr. 197 Erscheint täglich mil Ausnahme des Sonntags. 1—— Die„Gleßener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Feit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 165. Jahrgang Gießener Anzeig Gen e Montag, 23. August 1915 0 r Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschästsstelle v. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: 1 eral⸗Anzeiger für Gberhessen eden ))DD!!!!.!.!.!...k.k; Mb. Deutscher Reichstag. 15. Sitzung, Sonnabend, den 21. August 1915. Am Tische des Bundesrats: Dr. Delbrück. N Dr. Kaempf eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 15 Min. or Eintritt in die Togesordnung gibt der Abgeordnete Dr.„(Soz.) folgende Erklärung ab:. 2 er Herr Peäsident hat gestern bei der Gesamtabstimmun über den Nachtragsetat der Kriegskredite erllärt daß, soweit 0 sehen könne, die Annahme einstimmig erfolgt sei. Ich stelle dem⸗ 1 fest, daß ich bei dieser Abstimmung, der einzigen, bei er ich zugegen sein konnte, als der einzig wesentlichen, selbstver⸗ ständlich wieder gegen die Kriegskredi sti Sende Celache) riegskredite gestimmt habe. De Resoluljonen und Anlrüge der Budgetkommission. Die Kommission empfiehlt folgende Entschließungen: 1 Eine Zentralstelle für Lebensmittelbersorgung zu ee a0 in diese Mitglieder des Reichstages unter Berücksichtigung der Fraktions⸗ stärke zu berufen. 2. Die Zulassung von Strafbefehlen auf Ver. gehen gegen§ 9 des Belagerungszustandsgesetzes auszudehnen und die Strafsatzung dieses Gesetzes wahlweise durch Zulassung von Geldstrafen neben Gefängnis zu erweitern. 8. Gewisse Ver⸗ stöße gegen das preußische Gesetz über den Belagerungszustand und das bayerische Gesetz über den Kriegszustand mit Gefängnis bezw. mit Haft oder Geld zu bestrafen. 8 Eine Reihe von Anträgen empfiehlt die Kommission als Mate⸗ rial zu überweisen. Die mit der Preisfeststellung der Lebens⸗ mittel betrauten Kommunalverlände sollen die Befugnis erhalten, von den Händlern, Herstellern und Verbrauchern über ihre Vor⸗ räte Auskunft zu fordern. Zur Uebertragung des Eigentums wegen übermäßiger Preissteigerung sollen auch die Kommunal- behörden Befugnis erhalten. Jede unberechtigte, auf Bereiche⸗ rungssucht beruhende Steigerung der Lebens⸗ und Futtermittel. preise soll wirksam bekämpft werden. Die höchste zulässige Spannung zwischen Getreide- und Mehlpreisen soll allgemein fest⸗ gesetzt werden; ebenso soll über die Ursachen der Preissteigerun⸗ gen Aufklärung erfolgen. Die Getreide- und Mehl höchstpreise sollen herabgesetzt und ferner Höchstpreise für Fleisch, Milch, Fette, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst festgesetzt werden. Die Kom. munalberbände und Verteilungsorganisationen bei der Lebens- mittelversorgung sollen während des Krieges keinen Gewinn er— gielen. Sobald die Uebersicht über die Brotgetreideernte es ge⸗ stattet, soll das Auswahlverhältnis zwecks Vermehrung der Kleie mindestens um 5 Prozent herapgesetzt werden; Kleie soll nur nach dem Verhältnis des Viehbestandes verteilt werden. Auch für Saatgut werden angemessene Höchstpreise gefordert. Von der Beschlagnahme der Gerste sollen kleinere Betriebe air Bren werden. Weitere Anträge beziehen sich auf Höchstpreise ür Braugerste, Braumalz, auf Festsetzung von Braukontingenten, auf den Schutz des Hopfenbaues, auf Herab etzung der Ent⸗ 3 der Getreideankaufskommissionare auf Schaffung einer ücklage in Kartoffeln, für die eine ähnliche rteilungsorgani⸗ sation einzurichten sei wie für Brotgetreide, auf Außerkraft⸗ setzung des Süßstoffgesetzes, auf Gewährung von Kriegs⸗ teuerungszulagen an Beamte, Pensionäre des Reichs, sowie an Militär⸗Rentenempfänger und Invaliden. Bei Aufträgen der Militärverwaltung sollen den Arbeitern angemessene Löhne zugesichert werden; die Unterstützungen von Familien unserer Krieger sollen Erhöhung erfahren, für die Textilarbeiter und ⸗arbeiterinnen soll besser gesorgt werden. Schließlich wird u. a. noch Schutz der selbständigen Gewerbe⸗ treibenden und billiger Kredit für sie verlangt, ferner die Exleich⸗ terung der Schuldenabtragung für Kriegsteilnehmer und die Wiedereinführung der Sonntagsruhe im Zeitungsgewerbe. Abg. Graf Westarp(Kons.) berichtet über die Beratungen der 5 Die Tätigkeit der Reichsstelle für Kartoffelversorgung war letzten Endes doch verdienstvoll. Inzwischen hat sich die Anbaufläche füc Kartoffeln in erfreulicher Weise vermehrt. Demgegenüber ist allerdings der Zuckerrübenanbau um 30 Prozent zurückgegangen. Die Maßnahmen, die getroffen sind, geben uns die Gewißhelt eben⸗ so, wie wir im verflossenen Jahre verhältnismäßig gut durch⸗ gekommen sind, auch im neuen Jahre gegenüber dem Aushunge⸗ rungsplan unserer Feinde erfolgreich zu bestehen. Die Preis⸗ steigerung der meisten Verbrauchsgegenstände wurde in der Kommission von allen Seiten auf das Lebhafteste be⸗ dauert. Sie trifft recht e einen Teil unserer Arbeiter, allerdings nicht alle. Bei den Kriegsindustrien sind die Löhne so ut, daß sie die Steigerungen der Lebensmittelpreise ausgleichen. Namentlich ist aber zu bedauern, daß die Familien der Kriegs⸗ teilnehmer unter dieser n leiden müssen. Besonders schwer wird 15 der Mittelstand und der Stand der Beamten, die auf ein festes Gehalt angewiesen sind, getroffen. Ueber die Ur⸗ sachen der Preissteigerungen muß man recht eingehende Auf⸗ klärungen schaffen. Nur wenn man die Ursachen kennt, kann man das Uebel an der Wurzel fassen. Ungerechterweise hat man der Landwirtschaft als der Produzentin vielfach die Schuld an der Steigerung der Lebensmittelpreise zugeschoben. Sie legt deshalb besonderen Wert darauf, daß dre wahre Quelle dieser Preis⸗ steigerung zutage kommt. Wir müssen wissen, ob die Produzenten oder den Großhandel oder den Kleinhandel die Schuld hieran trifft. Die Spannung zwischen Getreide- und Mehlpreis ist auch bei der Reichsgetreidestelle noch jetzt größer, als im Frieden, dies kann aber der Landwirtschaft nicht zur Last gelegt werden. Dem Landwirt müssen Futtermittel zu einem Preise zugänglich gemacht werden, daß ihm ein Wirtschaften überhaupt noch möglich ist. Abg. Quarck(Soz.) verlangt für die von der Budgetkommission verlangte Zentral⸗ stelle für Lebensmittel das Recht, Lebensmittel zu beschlagnahmen und zu enteignen, um sie den Kommunalverbänden zu überlassen. Die mit der Preisfeststellung der Lebensmittel vertrauten Kom⸗ munalverbände sollen das Recht erhalten, Auskunft über die Vorräte zu verlangen. Eine Herabsetzung der Getreidepreise soll erfolgen und niedrige Mehl ⸗ höchstpreise festgesetzt werden. Für die Kartoffeln soll eine ähnliche Verteilungsorganisation geschaffen werden, wie für Brotgetreide. Auch für Fleisch, Milch, Fette, Hülsen⸗ früchte, Gemüse und Obst müssen dic dein Mech eingeführt werden. Die Landwirte haben wahrlich kein Recht, über schlechte Zeiten zu klagen. So sind die Höchstpreise für Hafer um 25 Mk. erhöht worden. Die Heeresverwaltung muß jetzt 800 Millionen Mark für Hafer bezahlen; das sind 300 Mil⸗ lionen mehr, als die Produktionskosten betragen.(Hört! hört! b. d. Soz.). Um so schlimmer geht es den Konsumenten:„Weh' dir, daß du nur Käufer bist!“ haben eine Verteuerung von Der Unwille über (Heiterkeit.) Manche Lebensmittel über 100 Prozent erfahren. ö den Lebensmittelwucher ist allgemein. Sogar de, Deut sche Wehrverein klagt über die schamlosen Preistreibereien. Regie⸗ rung und Budgekkommission sind sich einig in der Verwerfung des niederträchtigen Lebensmittelwuchers. Auch die militärischen Behörden sind vielfach scharf dagegen aufgetreten. So hat der Militärgouverneur von Köln gesagt, daß gewinnsüchtige Absichten bei den Lebensmitteln zu unlauteren Machenschaften geführt hätten und verurteilt dieses Verfahren in den schärfsten Worten. Solche sittlichen Werturteile bleiben aber leider auf das Handeln der Menschen meist wirkungslos. Die Beratungen der Budget⸗ kommission haben keine erheblichen Fortschritte in der Frage der 1 und dem Ausbau der inneren Zwangsorganifation geführt. Soll aus den Erfahrungen, die man in der Kartoffelfrage ge⸗ macht hat, nicht gelernt werden? Halbe Maßnahmen helfen nir⸗ gends. Das Reich hat hier bisher alle organisatorische Arbeit auf die Gemeinden abgewälzt, die auch die Kosten dafür zu tragen hatten. Muß denn nun auch überhaupt die pflanzliche Nahrung gleichfalls verteuert werden? Der Gedanke der Zwangsgemein⸗ wirtschaft muß auf diesen Gebieten durchgeführt werden, sonst dringt die Spekulation immer wieder durch jede Ritze der Verord⸗ nungen. Sollen sich die Wochenmarktskrawalle zur Schadenfreude des Auslandes vermehren und zu einer bedenklichen Bewegung auswachsen? Wir wünschen das nicht, wir wollen jede Verbitte⸗ rung vermieden sehen. Es muß gebrochen werden, was sich nicht biegt. Gestern klang das Haus von Jubel über, noch größer wäre der Jubel der Massen, wenn unsere Nahrungsmittelorganisation Wa wäre und aller Not ein Ende gemacht werde.(Beifall links. Abg. Giesberts(Zentr.): Wir müssen die vollkommenste Methode für die Nahrungs⸗ mittelversorgung im nächsten Jahre anwenden. Hätte uns der Krieg mit einer ruinierten oder extensib wirtschaftenden Land⸗ wirtschaft überrascht, dann hätten wir den Krieg verloren gehabt. Deshalb haben wir alle Ursache, über die Leistungen der Land⸗ wirtschaft nachzudenken. Berater aus allen Erzeuger und Ver⸗ braucherkreisen müssen auch weiterhin stets und ständig bei allen Nahrungsmittelfragen herangezogen werden. Die Abgeordneten müssen in einem Lebensmittelamt mitarbeiten. Dadurch würde auch der Reichstag ein objektiveres Bild bekommen. Die Vorgänge bei der Kartoffelbersorgung im vorigen Jahre dürfen sich nicht wiederholen. Der Teil der Kartoffeln, der zur mensch⸗ lichen Ernährung erforderlich ist, muß bei den Landwirten be— schlagnahmt werden. Das ist etwa ein Viertel, wofür mäßige Preise zu gewähren sind. Die Hauptsache ist eben, daß wir nicht wieder solche hohe Preise bekommen wie im vorigen Jahre. Was soll sonst der Bäckermeister machen, wenn der Kartoffelzusatz teurer ist als das Mehl? Das würde ja geradezu den Brotpreis verteuern. Die Verteuerung vieler Fertigfabrikate im Kleinhandel ist unverschämt, namentlich für Suppenarlikel. Gebrannte Gerste ist von 20 auf 80 Pfennig für das Pfund gestiegen. Warum sollen wir nicht, um den Fleischverbrauch einzuschränken und gleichzeitig den ärmsten Kreisen den Fleischgenuß zu ermöglichen, den Verkauf an zwei Tagen der Woche verbieten? Warum gibt es in den Gasthäusern kein schmackhaft zubereitetes Gemüse? An ihnen scheint der Krieg spurlos vorübergegangen zu sein. Auch der Obstmarkt hat be⸗ dauerliche Erscheinungen gezeigt. Direktor im Reichsamt des Innern Müller: Als eines Tages in der„Frankfurter Zeitung“ die Mitteilung gestanden hat, daß große Mengen Obst über Holland nach Eng⸗ land gelangt seien, haben wir sofort Nachforschungen angestellt und an die Zollstellen telegraphiert, und daraufhin ist uns die Mitteilung zugegangen, daß Obst über die Zollgrenzen nach Hol⸗ land nicht hinausgegangen ist. Wir haben auch bei den zustän⸗ digen Generalkommandos angefragt und auch da einen Beweis für die Behauptung nicht erhalten. Ferner haben wir beim Kaiserl. Statistischen Amt festgestellt, daß eine Ausfuhranmel⸗ dung von Obst nach Holland und weitergehend nicht vorgekommen ist. Richtig ist, daß nach der Schweiz etwas Obst ausgeführt wurde, und zwar een Kirschen, allein in einer Quantität, die weit unter den Quantitäten steht, welche in normalen Friedens⸗ jahren nach der Schweiz ausgeführt werden. Von dieser Aus⸗ fuhr kommt ein Teil aus den Schweizer Konservenfabriken, ein Teil nach dem Inland zurück. Es handelt sich um süße Kirschen, die einen langen Transport nicht vertragen. Richtig ist ferner, daß aus den Niederlanden eine größere Menge Erdbeeren zu uns hereingeführt worden sind. Ob also vielleicht bei der Nachricht der„Frankfurter Zeitung“ eine Verwechslung in bezug auf die scheinlich. ung vorliegt, das ist möglich, aber auch nicht wahr⸗ einlich. Wie ist das Gerücht eigentlich entstanden? Wenn man der Sache auf den Grund geht, so ergibt sich folgendes: Jedermann hat von ungeheuren Mengen von frischem Obst gehört. Ein Ver⸗ trauensmann hat das weitergesprochen, und es ist so das Märchen der Ausfuhr von Obst über Holland nach England entstanden. Wir haben die Bitte ausgesprochen, man möchte uns den Beweis er⸗ bringen, ob das Obst nach Holland ausgeführt worden ist. Es ist nicht anzunehmen, daß die Zollstellen die Augen zugedrückt haben sollen, wenn es sich um wirklich große Quantitäten handelt. Ich will nicht in Abrede stellen, daß da und dort einmal ein Schmug⸗ gel getrieben worden sein kann. Aber ein Schmuggel größeren Umfanges ist bei der Bewachung unserer Grenzen ausgeschlossen. Es müßte schon eine gröbliche Vernachlässigung der Pflichten vor⸗ liegen. Ich möchte die Bitte wiederholen, sobald irgendwelche posi⸗ tiven Beweise vorhanden sind, uns sofort Mitteilung zu machen. Staatssekretär des Reichsamt des Innern Dr. Delbrück: Bei den wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen des Reiches han⸗ delte es sich einmal um eine vollständige 5 unseres e ebens und zum anderen um die Sicherstellung der erforderlichen Nahrungsmittel für die breiten Massen. Darin liegt ein gewisser Interessengegensatz. Die Beschaffung der er⸗ forderlichen Mengen macht keine Schwierigkeit, sie sind da, wir haben sie im vergangenen Jahr gehabt und werden sie au im kommenden Jahr haben, die Schwierigkeiten bestehen in der Stei⸗ gerung der Preise, die ja jeder Komplikation auf wirtschaftlichem Gebiet zu folgen pflegt. Die Preise müssen aus natürlichen Grün⸗ den höher sein, weil unter den Kriegsverhältnissen die Produktion erschwert und verteuert wird. Auf diese natürliche Steigerung muß bei allen Erörterungen Rücksicht genommen werden. Daneben hat sich aber das spekulative Moment gleich zu Beginn des Krieges preistreibend bemerkbar gemacht und bei einer Reihe von Ar⸗ tikeln zu einer Preishöhe geführt, die beängstigend wirken mußte und für die eine Berechtigung nicht vorlag. Hier mußten wir so⸗ fort eingreifen. Dem entsprang die Festsetzung der Höchstpreise, die eine Materie sind, die sich inzwischen zu einer komplizierten weitschichtigen Wissenschaft entwickelt hat. 5 Die Entwicklung während des Krieges hat bewiesen, daß die Höchstpreise niemals allein ein higreschendes Mittel sind, um die Bevölkerung nicht nur preiswert, sondern auch ausreichend zu er⸗ nähren. Die Höchstpreise regulieren zwar die Preise, aber nicht den Markt, vielmehr können sie den Markt unter Umständen de⸗ routieren. Hier die richtige Mitte zu finden, ist überaus schwierig, solange man nicht die preisbildenden Momente in ihrer Totali⸗ tät kennt. Höchstpreise erfüllen nur dann ihren Zweck, wenn sie mit der Beschlagnahme verbunden sind. Die Beschlagnahme ist aber nur möglich bei bestimmten Artikeln. Bei vielen Artikeln bildet die Schwierigkeit der Behandlung ein unüberwindliches Hindernis. Wir haben versucht, auf anderm Wege die Beschlag⸗ nahme zwar nicht ganz zu ersetzen, aber doch dieselben Ziele in gewissen Grenzen zu erreichen. So kann man mit Höchstpreisen auch dann auskommen, wenn eine Syndizierung der Produzenter und des Handels möglich ist. Häufig sind wir auch ganz ohne Höchstpreise ausgekommen, wenn wir es nur mit wenigen großen Organisationen zu tun hatten, wie beim Petroleum, wo erst in jüngster Zeit Einflüsse aus dem Auslande die Festsetzung von Höchstpreisen notwendig machte. Von Anfang an hat sich das Bestreben geltend gemacht, einer g unreellen Preistreiberei, dem Lebensmittel⸗ wucher, wie man allgemein zu sagen pflegt, mit kriminellen Mitteln entgegenzutreten. Dieser Stimmung zu folgen, war zu⸗ nächst nicht ganz leicht, da man sich zunächst an die veränderten Verhältnisse des Krieges gewöhnen mußte. Die vorsichtige Fassung, die wir den Strafbestimmungen in unseren Verordnungen ge⸗ geben haben, würde in Friedenszeiten wohl niemals die Zustim⸗ mung des Hauses gefunden haben. Bestimmung des Tatbestandes des Lebensmittelwuchers. (Sehr richtig!) Immerhin haben wir uns dazu entschlossen, und ich bin auch bereit, auf diesem Wege noch weiter zu gehen. Die Androhung von Strafen gegen derartige Vergehen, die sich nicht nur gegen den Einzelnen, sondern gegen die Allgemeinheit im Kriege richten, war notwendig, um dem Rechtsgefühls des Volkes zu entsprechen.(Sehr richtig) Man muß die Grundlagen da⸗ für schaffen, aller Welt klarzulegen, wie ni ederträch tig und verächtlich alle die Fälle sind, in denen der Einzelne versucht, in einer solchen Zeit die Ernährung der Bevölkerung aus eigennützigen Gründen zu erschweren.(Zustimmung.) Es wird erwogen, ob man nickt unter bestimmten Voraus⸗ setzungen neben den jetzigen Strafen auch auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte erkennen kann. Wer in 15 schwerer Zeit Lebensmittelwucher getrieben hat, muß gebrand⸗ markt sein für den Rest seines Lebens.(Sehr richtig!) Seine Mitbürger dürfen ihm niemals wieder ein öffentliches Amt anver⸗ trauen.(Zustimmung.) Ferner erwägen wir neben den anderen Strafen, die an sich nicht ganz dem Verhältnis zu der Schwere des Verbrechens vom moralischen Standpunkte aus stehen, die Un⸗ tersagung des Gewerbes auszusprechen.(Beifall.) Aber diese kriminellen Maßnahmen werden uns dem erstrebten Ziele nicht näher bringen; Festsetzung von Höchstpreisen und, wo die Beschlagnahme aus⸗ geschlossen ist, ihre Ergänzung durch organisatorische Maßnahmen. Die preisbildenden Faktoren, die Ursachen der Teuerung, müssen im einzelnen Falle klargelegt werden. Des halb ist auch die Forde⸗ rung durchaus berechtigt, man möge von Reichs wegen Maß⸗ nahmen treffen, um die Das gilt namentlich für die als letztes Mittel bleibt uns immer nur die preisbildenden Momente klarzulegen. Aber eine solche e leichter erhoben als ausgeführt. 15 1 erinnere nur an die Vorgänge bei der Fleisch⸗ enquete, wo es uns nicht gelungen ist, die verteuernden Mo⸗ mente einwandsfrei festzustellen. müssen, in den Gemeinden, um dort festzustellen, Preisbildung vollzieht. Man wird in Gemeinden von gewisser Größe oder für Kommunalverbände oder noch größere Bezirke Preiskommissionen einsetzen müssen, die aus Produzenten, Kon⸗ sumenten, Händlern und Sachverständigen bestehen und die das Recht haben müssen, Fakturen und Bücher einzusehen, die Waren⸗ niederlagen der Händler zu besichtigen und Zeugen und Sachver⸗ ständige zu vernehmen. die Gemeinde das Recht gur sofortigen Be⸗ schlagnahme und eventuell die Pflicht zur Festsetzung von Höchstpreisen haben. Nun bestehen allerdings gegen 3 5 55 von Höchstpreisen in den Gemeinden erhebliche Be. enken. Lokale Festsetzungen, wie sie in verschiedenen Gemeinden er folgt sind, haben zwar die Preise reguliert, aber die Ware ver⸗ schwand auch vom Markte. Man wird eine Zentrale schaffen müssen, die Richtpreise aufstellt. Gin Gesetzentwurf, der diese Fragen zu lösen versucht, wird au genblicklich bei mir ausgearbeitet. Aber auch diese Maßnahmen bedürfen noch einer weiteren Ergänzung durch Schaffung von zwangsweisen Organisationen für größere Gruppen von Produzenten. Man kann sogar erwägen, ob man nicht den Gemeinden die Be⸗ fugnis gibt, in gewissen Fällen eine Monopolisierung herbeizuführen. Schon die Möglichkeit einer solchen Maßnahme wird in der Hand eines entschlossenen Oberbürgermeisters oder Magistrats schon etwaige Verhandlungen erleichtern. Nun wird ein Nahrungsmittelamt verlangt, an dem der Reichstag mitwirken soll. Die Tatsache, daß der Reichs⸗ tag im Kriege auf seinen Anteil an der gesetzgebenden Gewalt verzichtet hat, kann es billig erscheinen lassen, ihm einen gewissen Ersatz hierfür zu geben. Man wird jedenfalls anerkennen müssen, daß unter diesem Gesichtspunkt Bedenken, die aus grundsätzlichen Erwägungen heraus gegen die Mitwirkung der Volksvertretung an der Exekutibe etwa erhoben werden könnten, wesentlich ab⸗ geschwächt oder keiseite geschoben werden. Eine vorberatend mitwirkende Kommission würde die kom⸗ plizierte Maschine des Deutschen Reiches noch mehr als kom⸗ plizierter gestalten und bei jeder einzelnen Verordnung einen Verlust von weiteren 14 Tagen mit sich bringen. Glauben Sie einem Manne, der genau weiß, welche Belastung die Reichs⸗ maschine aushalten kann, wenn er sagt, daß sie dadurch nicht besser, sondern schlechter arbeiten würde. Ich bin bereit, vor der Geschichte die Verantwortung allein zu tragen. Etwas anderes wäre es, ob ich eine Anzahl der Mitglieder des Hauses über die wirtschaftlichen Vorgänge unterrichten könnte oder von Zeit zu Zeit Wünsche und Ratschläge entgegennehme. Aber auch das würde seine Schwierigkeiten haben. Bei der Riesenarbeit, die jetzt auf meinem Amte liegt. Höchstpreise für Meh fallen ja nun hinweg, weil wir das Handelsmonopol haben. Sie würden für viele Versor⸗ gungsbezirke auch lediglich eine Verteuerung des Brotes zur Folge haben. Die Brotration haben wir inzwischen er höht, und ich hoffe bestimmt, daß wir in den nächsten Monaten zu einer weiteren Erhöhung kommen werden. Durch die he rab⸗ gesetzte Ausmahlung wird das Broi leichter verdaulich und höher im Nährwert, und gleichzeitig wird der Kleiegehalt gesteigert. Man wird von unten anfangen Als Ergänzung hierzu muß dann aber wie sich die 1 warmh erzig das Für, Hafer und Gerste haben wir die Preise erhöht) wn der Landwirtschaft die Beschaffung der teuren Aale u — A ant Nö Wunsch auf eine Erhöhung der Ge⸗ 1 2 reise mit Rücksicht auf das allgemei i eren Pune. 0 gemeine Wohl nicht haben Eine besondere Rolle spielen die Kartoffeln, die vor dem Krieg gleichgeitig menschliche Nahrungsmittel und unentbehrliches Futtermittel waren. Die Verhältnisse des vorigen Jahres haben die Schwierigkeiten offenbart. Setzen wir Höchstpreise zu niedrig fest, so kommen keine Kartoffeln auf den Markt, setzen wir sie zu hoch fest, so wird die Versorgung der Kommunen und des Reiches mit den größten Schwierigkeiten verknüpft und die Masse der Be⸗ völkerung kann fich keine Kortoffeln kaufen. Jedenfalls muß die Herbstversorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln ordnungsmäßig, ausreichend und zu erschwinglichen Preisen stattfinden, und für das Frühjahr muß eine hinreichende Rücklage vorhanden sein, um überall da helfend einzugreifen, wo nach Lage der Verhältnisse die Kartoffeln knapp werden. Dieses Ziel muß mit allen Mitteln er⸗ strebt werden. Vorläufig habe ich die Hoffnung, daß wir der Sache Herr werden und daß wir mit der Organisation der Pro⸗ duzenten und einer zu beschaffenden Organisation des Groß⸗ handels gemeinsam in den Kommunen vielleicht zu einer Lösung kommen, die uns der Unbequemlichkeit der Höchstpreise und der N Beschlagnahme enthebt. Wenn alle die Versuche fehlschlagen, wenn die Marktpreise der Kartoffeln uns weglaufen, zu phantastischer Höhe anschwellen, dann bleibt nichts anderes übrig, als das mangelhafte, aber durchgreifende Mit⸗ tel der Höchstpreise und eventuell der Beschlag⸗ nahme. Jedenfalls soll sich der Handel darüber nicht täuschen, daß ich persönlich auch vor diesem Mittel nicht zurückschrecke, wern auf andere Weise die Preise nicht zu halten sind. Reich, Kommunen, Produzenten und Konsumenten, mögen die Herren auf der Rechten, der Linken oder in der Mitte des Hauses sitzen, wir haben an der Lösung des Problems, das gleiche, große, all⸗ gemeine ve tende Interesse.(Sehr richtig!) Erheblich zurück⸗ gegangen ist der Bestand an Milch. Wir werden unter allen Umständen Maßnahmen treffen müssen, um die Ernährung der Säuglinge und Kranken durch Einschränkung des Allgemeinver⸗ brauches sicherzustellen. Höchstpreise für das ganze Reich lassen sich für Milch nicht einführen; dazu schwanken die Preise zu sehr in den einzelnen Gegenden. Vielleicht gelingt es durch Verhand⸗ Jungen mit dem Großhandel zu gewissen Richtlinien zu kommen. Ohne örtliche sorgsame Organisationen werden wir auch auf die⸗ em Gebiete nicht auskommen, Selbstverständlich muß man dazu den Gemeinden die erfor⸗ derlichen Forderungen und Freiheiten geben. Kritik kann hier nur erwünscht sein. Wir lernen alle darauf. Wir werden alle Anregungen prüfen und wenn möglich erfüllen. Wir können keine Konsumenten⸗ und keine Produzentenpolitik machen, son⸗ dern müssen beide vereinigen unter dem Gesichtspunkt der höhe⸗ ren allgemeinen vaterländischen Interessen, die ja in. Kriege überall voranleuchten. Mit aller Entschiedenheit spreche ich hier nber aus, wir sind ausgekommen mit unseren Kartoffeln, wir haben sogar einen erheblichen Ueberschuß in das neue Jahr hin⸗ zingebracht. Wir wissen, daß wir auch sonst unter allen Umständen durch⸗ halten werden, daß wir auch im neuen Erntejahr voll gesichert sind, und daß wir Erleichterungen sowohl für den Produzenten wie für den Verbraucher werden einführen können. Daß wir dies Er⸗ gebnis erreicht haben und erreichen, ist kein Verdienst der Regie- rung. Das beruht auf der Intelligenz, dem Fleiß. der An⸗ 1 des ganzen Volkes. Solche Eingriffe, wie wir sie anwandten, versteht und trägt nur ein in allen Schichten ge⸗ bildetes Volk.(Lebhafte Zustimmung.) So bat jeder seinen An⸗ teil an den Erfolgen, die wir feststellen konnten. Daß Erfolge nicht ohne Opfer erreicht werden können, liegt auf der Hand, und am schwersten tragen sie die kleinen Produzenten und die kleinen Verbraucher. Am schwersten werden getroffen die zurück⸗ * Frauen, die ohne männliche Hilfe sich hier zu Hause urchschlagen müssen. Die Bauernfrau, die auf dem Lande mit ihren Kindern und wenigen weiblichen Gehilfen die Scholle bestellt, den stillen Hel. benmut, mit dem die Arbeiterfrau sich und ihre Kinder durch. bringt, wird das deutsche Vaterland nicht vergessen. Die Frauen, die so im Dienste ihres Vaterlandes tätig sind, füllen die Schützen⸗ 1 des wirtschaftlichen Kampfes. Wir werden ihnen ewig für dankbar sein, und es ist unsere ernste Pflicht, in den Gren⸗ zen des Möglichen diesen stillen heldenmütigen Kampf in der Heimat zu erleichtern.(Lebhafter Beifall.) Abg. Gothein(Vp.): 5 Die Teuerung berrscht nicht nur bei uns, sondern auch im feindlichen und neutralen Auslande. Die Ursachen sind schwer zu ergründen. Jedenfalls zweifelt niemand an dem guten Willen unserer Regierung. Wir erkennen gern die große Arbeitsleistung des Staatssekretärs des Innern und seiner Beamten an.(Beifall.) Das darf uns allerdings nicht von der Kritik abhalten. So ist es e ob die Schaffung der Reichsgetreidestelle eine Ver⸗ esserung gegenüber der Kriegsgetreide-Gesellschaft bedeutet. Man darf aber nicht immer ändern. Bei der Getreide⸗ und Mehlver⸗ sorgung hat man von vornherein den Handel zu sehr ausgeschal⸗ tet. So hat man es vielfach verstanden, durch Ausschaltung des Candels den Großgrundbesitzern die Kommissionsgebühr von zwei CRD Mark zuzuwenden.(Hört! Hört!) Das widerspricht dem Geiste des Gesetzes und bedeutet eine künstliche Verteuerung des Ge⸗ treides.(Sehr richtig!) Die Reichsgetreidestelle darf nicht nur die Großbetriebe im Müllereigewerbe beschäftigen. Die Spannung zwischen dem Ge⸗ treidepreise und dem Mehlpreise beruht darauf, daß die Höchst⸗ preise für Getreide nicht etwa den früheren Durchschnittspreisen entsprechen, sondern lediglich den Preis darstellen, den der Pro. duzent an seinem Verladungsort bekommt. Dazu tritt noch das Ortsinteresse und die Verzinsung für die notwendige Aufstape. lung großer Vorräte. Die Erhöhung der Brotration ist dringend erwünscht. Einige Vorsicht ist allerdings geboten. Wir wissen nicht, ob wir allein auf unsere Ernte angewiesen sind. Ru mä⸗ nien gestattet zwar die Ausfuhr, erhebt aber hierfür einen Zoll, der diese Erlaubnis so ziemlich illusorisch macht. An der Ernte ist großer Schaden durch das Wild angerichtet worden. Hier muß zwangsweise abgeschossen werden. Höchstpreise dürfen nicht in Form von Richtpreisen für die Gemeinden fest⸗ gesetzt werden, sondern müssen von Reichs wegen für den Groß⸗ handel festgelegt sein, damit nicht in den Zuschlägen ein Wett⸗ rennen der Gemeinden stattfindet, nur um Waren zu bekommen. Es ist zweifelhaft, ob die wirtschaftlichen Maßnahmen besser wer⸗ den würden, wenn ein Vollzugsausschuß hinzukommen würde. Da würde recht viel geredet werden, aber Taten? Im Kriege kommt man im Interesse der Einheitlichkeit zu einer gewissen Diktatur, darum haben wir dem Bundesrat eine Art Blankovollmacht ausgestellt. Jedenfalls müssen wir eine Ueberteuerung vermeiden. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Montag, 2 Uhr, Weiterberatung. Schluß 77 Uhr. Italiens Kriegsgründe. Ueber die letzten Verhandlungen, die der Kriegserklä⸗ rung Italiens an die Türkei vorangingen, wird in Berliner diplomatischen Kreisen noch folgendes bekannt: Die Hohe Pforte hat sich dem italienischen Botschafter Marquis Gar⸗ roni gegenüber wiederholt ausdrücklich bereit erklärt, sämt⸗ liche Italiener, die den türkischen Boden verlassen wollen, sich in Smyrna versammeln zu lassen und dann in großen Schiffstransporten in die Heimat zu schicken. Jede Woche sollte ein Transport abgehen. In vier Wochen etwa wäre kein Italiener mehr in Kleinasien gewesen. Rascher hätte der Abtransport mangels des geeigneten Schiffsmaterials und bei den schwierigen Verhältnissen der Kriegslage im ägäischen Meere nicht von statten gehen können. Garroni ging auf diese Vorschläge aber gar nicht näher ein, sondern behauptete, die türkische Regierung meine es nicht ernst. Sie wolle überhaupt nicht abtransportieren, sondern die 8000 Italiener in Smyrna als Geiseln zurückhalten. Dieses Benehmen zeigt deutlicher noch als alle sonstigen Winkelzüge, daß es gerade Italien nicht mehr ernst mit den Verhandlungen war. Es wollte den Krieg, und alle ver⸗ nünftigen Vorschläge waren wie bei den Verhandlungen, die dem Kriege mit Oesterreich⸗Ungarn vorangingen, einfach in den Wind gesprochen. Nun mag also das Schicksal seinen Lauf gehen. Die 8000 Italiener in Kleinasien sind nun wirklich Geiseln der türkischen Regierung geworden, ein willkommenes Faustpfand, noch ehe der erste Schuß fällt. Den Verbündeten der Türkei aber, insbesondere der öster⸗ reichisch-ungarischen Heeresleitung kann nichts angenehmer sein, als wenn Cadorna seine Kräfte zersplittern, von seinen „kampferprobten“, aber wenig sieggewohnten Truppen be⸗ trächtliche Teile für das ägäische Abenteuer abgeben muß. Und wie wenig man in Konstantinopel den neuen Feind fürchtet, das haben die leitenden Männer der türkischen Kriegführung in den letzten Wochen wiederholt angedeutet. Wenn die Ausschiffungen vor den Dardanellen sich auch noch vielfach vergrößern sollten, so äußerten sich Enver Pascha, v. d. Goltz und andere, die Mauer der Verteidiger von Byzanz ist nicht einzurennen. Das Ergebnis sind immer und immer wieder nur blutige Köpfe auf seiten der Angreifer. Sollten aber die Polentaesser ihre Operationsbasis im Dodekanesos, auf Rhodos und den. Inseln ein⸗ richten, so dürften ihnen bei Smyrna und anderen Punkten so starke Aufgebote türkischer Kerntruppen entgegentreten, daß sie bald wieder zu„mamma mia“ nach Hause zurück⸗ kehren werden. Worauf die Italiener es in Kleinasien ab⸗ gesehen haben, weiß man ja, und ohne dieses ihr„Kriegs⸗ ziel“ wäre das neue Unternehmen überhaupt nichts anderes, als politische Geisteskrankheit. Mit der Besetzung des Dode⸗ kanes fingen die Wünsche an. Mit dem Ausbau des Hafens Adalia an der Südküste von Kleinasien, nordwestlich Cypern und mit den Plänen eines Eisenbahnnetzes von Adalia nach Mailand, 22. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Corriere della Sera“ teilt mit, daß der Schutz der türkischen Interessen in Italien heute von der spanischen Bot⸗ schaft in Rom übernommen werden wird. 0 Bern, 22. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der römische Korre⸗ spondent der„Stampa“ gibt zu der Kriegserklärung Italiens folgende Ausführungen: Die Regierung hat sich energischer gezeigt, als man vorausgesehen hat. Während sie es lediglich zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen hätte kommen lassen können, zog sie ohne weiteres die Kriegserklärung vor, eine Entscheidung, die besonders von Sonnino warm vertreten und natür⸗ lich von den Verbündeten günstig aufgenommen wurde.— Ferner meldet die„Stampa“: Salandra sei im Begriffe, nach der Front zu reisen, um dem König über die neue Kriegstätigkeit des Landes zu unterrichten. Die„Stampa“ vermutet, Naby Bey werde heute abend mit dem Botschaftspersonal Rom verlassen und sich vorerst nach der Schweiz begeben. egs⸗ erklärung sei natürlich von den Diplomaten des Drei⸗ verbandes günstig aufgenommen worden. Man wisse aber nicht, ob sie in Berlin Rückwirkungen diploma⸗ tischer Art haben werde. In amtlichen Kreisen hege man wegen Libyens, wo bereits seit langer Zeit gegen Italien der heilige Krieg erklärt worden sei, keinerlei Vesurchern Die feste Hand Ameglios gebe die Sicherheit für die Lage der Kolonien. Ebensowenig herrscht in amtlichen Kreisen Besorgnis wegen der italienischan Kolonien in Kleinasien, welche die Regierung bereits zu sichern bedacht wäre.—„Secolo“ t zu der Kriegserklärung die Ansicht, daß sie militärisch mög⸗ licherweise geringe Bedeutung, an sich jedoch große moralische Rückwirkungen haben werde. — m—— Aus dem Reiche. Kaiser und Kanzler. Berlin, 21. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ teilt mit: Der Kaiser hat an den Reichs⸗ kanzler folgendes Telegramm gerichtet:„Dank dem gnä⸗ digen Beistand Gottes und der bewährten Führung des Eroberers von Antwerpen, Generals v. Beseler, sowie der heldenhaften Tapferkeit unserer prächtigen Truppen der deutschen Anatolischen Bahn und der englischen Eisen⸗ bahn Smyrna⸗Aidin ging es weiter. Natürlich erregte man. und der vortrefflichen deutschen und österxeichisch⸗ungari⸗ schen Belagerungsartillerie ist die stärkste und modernste „HGF ˙. ² ². ⁵ ² ʃ ʃ]n)]]?]??]?]? n! Ferdinand Georg Waldmüller. Zu seinem 50. Todestage, 23. August. Jeder Freund der neueren deutschen Kunst kennt und liebt heute Ferdinand Georg Waldmüller als einen ihrer originalen Meister; aber noch vor etwa 20 Jahren sah z. B. Muther in ihm nicht mehr als einen Vertreter der normalen Wiener Genre⸗ malerei, von dessen Schaffen er nicht ganz ohne Irpnie sprechen zu dürfen meinte. Aber der künstlerische Schwerpunkt von Wald⸗ müllers Wirksamkeit ist nicht in seinen Genrebildern, sondern in seinen Bildnissen und in seiner Landschaftskunst zu suchen. Als Sohn eines biederen Wiener Weinwirtes geboren, mußte der junge Waldmüller auf alle Unterstützung durch seine Eltern verzichten, als er sich entschloß, seinem künstlerischen Drange Folge zu leisten. Notdürftig erwarb er sich durch Kolorieren von„Zuckerln“, was er zum Leben brauchte, aber bald fand er durch seine Miniatur⸗ bildnisse Anerkennung und Aufträge, ja er kam so zu Ruf, daß der Banus von Krogtien, Graf Gyulay, ihn als den Zeichenlehrer seiner Kinder nach Agram berief. Die Annahme dieser Einladung wurde für Waldmüller zum Unsegen. Drei Jahre verlebte er in Agram fern von aller künstlerischen Anregung, und da er sich in der kroatischen Hauptstadt mit einer schönen Sängerin verheiratet hatte, so schlossen sich noch volle vier Jahre eines unfruchtbaren komödiantischen Wanderlebens an. Aber nach Wien zurückgekehrt, warf Waldmüller sich mit verdoppelter Kraft auf das Studium, eignete sich durch rastloses Kopieren nach den Werken der alten Meister eine schlagfertige Technik an, und errang sich bald durch seine Genrebilder, deren Realismus damals— in den zwanziger Jahren — bereits Aufsehen und allerhand Schütteln des Kopfes erregte, neuen Ruf. Doch die entscheidende Wendung seiner künstlerischen Laufbahn lag damals noch vor ihm: es war die Wendung zur Natur. Zuerst waren es die landschaftlichen Hintergründe seiner Bildnisse, die ihn zum Naturstudium anregten; dann aber war es ein Bildnisauftrag, der ihm die letzten Binden löste. Es war der Auftrag eines Hauptmanns, der von Waldmüller das Porträt seiner Mutter„genau so, wie sie ist“ wünschte. Waldmüller ver⸗ suchte diesen Auftrag in der vollen Wahrheit des Wortes zu er⸗ füllen, sich bei diesem Porträt nur an die Natur zu halten— es gelang, und damit der Bann gebrochen. Jetzt befreite er sich in schneller Entwicklung mehr und mehr von der akademischen Routine und drang in freiem, schöpferischem Studium in den Geist der Naturerscheinungen selbständig ein. Aus einem Enkel wurde nach Lionardos bekanntem Worte ein Sohn der Natur. Da Waldmüller eine echte Bekenner⸗ nud Kämpfernatur war, so drängte es ihn, was er gefunden hatte, auch öffentlich zu ver⸗ treten, zu verbreiten, nutzbar zu machen. Seit 1830 Prosessor an der Kunstakademie Wien, trat er zu zwei Malen mit kraftvollen riften hervor, in denen er den Schlendrian des akademischen Lehrverfahrens geißelte und einer Erneuerung des Kunstbetriebes Herren Kollegen den größten Anstoß und man machte diesem Hechte im Karpfenteich geradezu den Prozeß. Das erste Mal rettete ihn noch Metternich, indem er in vornehmer Gesinnung erklärte, die Akademie sei keine Zwangsanstalt, die dem Lehrer wie dem Schüler verbieten könne, im künstlerischen Wirken dem eigenen Genius zu folgen; aber das zweite Mal erreichten seine Feinde ihr Ziel besser und Waldmüller wurde zwangsweise pen⸗ sioniert und auf Halbsold gesetzt. Er hat diese Niederlage schwer empfunden und hat seine Wiederherstellung noch erleben dürfen. Aber die volle Bedeutung der künstlerischen Wirksamkeit Wald⸗ müllers hat doch erst die Neuzeit erfaßt. Es ist wahr, daß er seine Herkunft von der Miniaturmalerei nie ganz verleugnet; seine Bilder sind immer aufs seinste, zuweilen bis zur Peinlichkeit durchgebildet; und sie machen manchmal beinahe den Eindruck mosaikartiger Arbeit. In seinen Genrebildern tritt das novellistische Moment, der altwiener Ueberlieferung getreu, oft noch sehr nachdrücklich in den Vorder d, allein zugleich zeigt doch bereits eine ganze Reihe von diesen Bildern eine überraschende Frische und Originalität der Be⸗ obachtung. Ganz offenbart sich dann diese größte Seite der Kunst Waldmüllers erst in seinen Landschaften. Seine Praterbilder sind an innerer Wahrhaftigkeit der Naturerfassung in ihrer Art ohne Vorgang in der neueren deutschen Kunst, seine Studien aus den Alpen erinnern in ihrer Unmittelbarkeit an die von Friedrich Wasmann. Und in seinen Bildnissen hat er mit unbestechlichem Auge und meisterlicher Hand eine Reihe wundervoll lebendiger Menschen geschaffen; und wenn ihnen allen ein Rest jener gemüt⸗ lichen, vormärzlichen Atmosphäre anhaftet, so trägt dieser Zug nur 5 bei, Waldmüllers Bildnissen den Halt eines festen Stiles zu geben. * — Gabriel von Max. Am 23. August wird Gabriel Max, der seit Jahrzehnten in München lebt, 75 Jahre alt. Der Künstler ist zu Prag als Sohn des seinerzeit geschätzten Bildhauers Joseph Max geboren. Seine Ausbildung er in München, in der jede Art von Talent fördernden le Pilotys. Hans Makart war sein Mitschüler. Max hatte immer einen träumerischen Zug, ein Streben nach dem Uebersinnlichen, eine Hinneigung zum Mystizismus, gelegentlich sogar spiritistische Anwandlungen, die sich in seinen Darstellungen kundgeben. Er hat ja auch Justinus Kerners„Seherin von Prévorst“ gemalt, eine seiner chelsten und ergreifendsten Schöpfungen. Viele seiner religiösen Gemälde sind durch Nachbildungen jeder Art sehr verbreitet, namentlich das tief empfundene Werk:„Christus erweckt Jairi Töchterlein.“ Sehr bekannt wurde auch:„Der Anatom“. In den 70er Jahren machte das„Schweißtuch der heiligen Veronika“ großes Aufsehen, weil der Maler den ästhetisch kaum zu rechtfertigenden Kunstgriff ange⸗ wendet hatte, das Haupt des leidenden Heilandes mit geschlossenen bie Pupille auf die Lider malte. Novellistisch sind seine beliebten, künstlerisch immerhin ansechtbaren Bilder wie:„Die Löw 975 „Gretchens Erscheinung in der Walpurgisnacht“,„Das blinde Mäd⸗ chen als Lichtverkäuferin am felsigen Eingang der Katakomben“ und„Die Märtyrerin auf dem Scheiterhaufen“, Schöpfungen, die ihrer Wirkung auf ein leicht gerührtes Publikum gewiß sind. Seine zahllosen weiblichen Studienköpfe sind einander ziemlich ähnlich; sie haben ihren eigenen schmerzlich⸗ lächelnden Ausdruck von müder, tränenschwerer, traumseliger, gleichsam latenter Sinnlichkeit. Aus⸗ gezeichnet virtuos und nicht ohne satirische en sind seine Affenbilder, und seit Chardin sind wohl Affen nicht mit solch innerer Naturwahrheit und boshafter Menschenähnlichkeit gemalt worden. Man bann leider in des. Gesamtwerk unter⸗ scheiden zwischen Arbeiten, die um der Kunst willen und solcher, die des Geschäfts wegen gemalt sind. Daß in der ersten Gruppe viel Eigenartiges, malerisch, namentlich koloristisch Wertvolles sich findet, verbietet, ihn nur nach den letzteren zu beurteilen. Kuriositäten der Londoner City. Die Londoner City, die jetzt den in ihrer Geschichte seit undenklicher Zeit un⸗ erhörten Vorgang eines feindlichen Angriffes erlebt hat, ist, man darf wohl sagen, das wunderlichste Stadtgebilde der Welt. Ein kleiner, sehr kleiner Teil der Riesenstadt, der doch in gewisser Weise die ganze Stadt ist und beherrscht, ein Erde, das doch die Welt umspannt: eine Riesenspinne, die aus allen Teilen der bewohnten Erde Blut saugt. Und dabei mischen sich in der Londoner City in ganz wundersamer Weise Aeltestes und heut natürlich längst völlig bebaut ist. Dafür hat die City im November jedes Jahres an den jeweiligen König von England merkwürdigen Feierlichkeit, die unter großem, altfränkischem Pompe kleinen Schei⸗ stattfindet. Die Rente für Salop besteht in— zwei ten Holz, die der Schatzmeister der City dem Richter vorlegt, um sie dann mit einer kleinen Hacke e ählt er ihm noch aus einem seidenen Sacke 25 Hufeisen und 61 Ha nägel vor, die der Richter 5 nachzählt. Alsdann fragt Vertreter der City, ob Se. jestät wegen der Hacke weiter. Befehle erteilt habe. Der Richter antwortet:„Ich nehme sie und halte sie zur Verfügung Sr. Majestät.“ Damit endet die Förm⸗ lichkeit und die City ist in ihren Lehen für ein weiteres I. a Wort redete. Das erregte natürlich bei den und zugleich offenen Augen darzustellen, indem er mit Lasurfarben 3 Modernstes, Poesie und Nüchternheit, Weisheit und Narrheit. An Kuriositäten ist die City überreich. So ist sie z. B. noch von den Zeiten König Eduards II. her Lehnsträger der englischen Krone, und zwar bestehen ihre Lehen in dem Landgute Salop in Shropshire und in einem großen Grundstücke im Strand, das ihre Pacht zu entrichten. Das geschieht im Justizpalaste in einer FEFFERFETECC ren e N 1 dussische Festung Nowo-Georgiewsk unser! Tief er⸗ 2 Hessen⸗Nassau 0 habe ich eben meinen braven Truppen meinen 3 due Helfen: g, 2 In Marburth hat sich mit Dank ausgesprochen; sie waren in prachtvoller Sti Die Vermehrung der Leseholztage in den Staats- und Aarburg, 21. Aug In Marburg 5 und ich habe Eiserne Kreuze 8 teilt, alles Kandwehe Gemeindewaldungen. Unterstützung der Militär- und Zivilbehörden ein Ausschuß 1 8 ete les 5 i Zmei zur Gründung eines Invalidenheims für Angehörige 1 5 Landsturm. Es ist eine der schönsten Waffentgten der 8 8 Raab hat in der weiten Kammer 5 aller Jäger⸗ und Schützen bataillone Deutschlands mee. Die Zitadelle brennt, lange gtolonnen Gefangener inmer wolle beschließen, die Großherzogliche Re g g i 0 de begegneten mir auf Hin⸗ und Rückfahrt Dörfer meist von[gierung zu ersuchen, die Forstbehörden anzuweisen, eine gebildet. Die zu e e e, soll nach 5. 5 Russen auf dem Rückzug total zerstört. Es war ein erhabener sofortige Vermehrung der Leseholztage in den Staats⸗ und] Kaufmannserholungsheime ins Leben treten 3 1 Tag, für den ich in Demut Gott danke. Die Beute in Kowno beißt suudewaldungen anzuordnen.— er een 5 8 5 i Kell ihre klinischen Ein⸗ ist auf 600 Geschütze i ilhelm.“ eißt es: 15 H enen. Die ersite 1 f 5* 755 1 1 1 ,Die Knappheit und die Teuerung der Steinkohsen macht es richtungen zur ärztlichen Verforgung zur 5 Der mit fol den 58 g nöler antwortete dem Kaiser heute pielen Familien unmöglich, sich das nötige Brennmaterial für] Bau wird in schönster Lage der Stadt errichtet werden poll g 75 orten:„Euer Majestät danke ich ehrfurchts⸗ den Winter anzuschaffen, während viel dürres Holz in den Staats⸗„ Marburg, 22. Aug. In einer in den Stadtsälen 0 für das prächtige Telegramm aus Ciechanow, das und Gemeindewaldungen zugrunde geht, da es an der genügenden abgehaltenen vom Nationalen Frauendienst ein⸗ soeben bei mir eingetroffen ist. Voller Dank gegen Gott Erlaubnis zum Einsammeln des sogenannten Leseholzes fehlt. berufenen stark besuchten Versammlung Marburger Haus⸗ jubelt das ganze Volk über die Heldentaten der Armee und In den meisten Staats⸗ und Gemeindewaldungen sind bis zum frauen wurde nach einem Vortrag von Frau Wäscher aus blickt im Bewußtsein seiner Sache voller Vertrauen in die.* 1 ilfe zu Kassel beschlossen, einen allgemeinen Marburger Haus⸗ 7 2 802 Es dankt Euer Majestät als oberstem Kriegsherrn, schaffen, wäre Die veisge Einflug ben 3 9 1 Lese⸗ frauen⸗Verein ins Leben zu rufen. In der Hauptsache er der tapferen Landwehr und den Landsturmleuten, die holztagen in der Woche notwendig, deren Einführung auch ohne Be⸗ handelt es sich darum, der Lebensmittelteuerung 1 a e 3 de 8 3 auf denken möglich sein dürfte. 5 durch einmütiges Zusammenstehen ä entgegenzuarbei⸗ 8 eltete. Der einmütige Beschluß des Reichstags 1 zeigt, wie das ganze Volk fest zus steht hint ö 1. 8 5„ 1 t der Einberufung 5 5 ze Volk fest zusammen inter unserer Frankfurt a. M., 22. Aug. Seit der Ein. herrlichen Armee. Tausende sangen gestern abend vor dem Aus Stadt und Land. ihres 1 e die 30 führige Kaufmannsfrau Reichskanzlerpalais Siegeslieder und„Nun danket alle Gießen. 23. August 1915. Klara B. mit dem 22 jährigen Kaufmann St. ein Liebes⸗ Gott“. Euer Majestät alleruntertänigster v. Bethmann Auf dem Felde der Ehre gefallen. verhältnis. Jun dieser Angelegenheit sollte die Frau gestern Wang a(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) mittag auf dem 12. Polizeirevier, ceutzerstraße 1, vernom⸗ Der Budgetausschuß des Reichstags Seminarlehrer Ulrich Fischer aus Dillenburg.— Musketier men werden. Als die Frau, in deren Begleitung sich der St. der am Samstag vormittag seine Beratungen fortsetzte, Heinr. Dort h, Inf.-Agt. 168, aus Dillenburg.— Ersat-Reservist befand, zur festgesetzten Stunde das Vernehmungszimmer beschloß, die sämtlichen zu den Ernährungsmaßnahmen ge- Friedr. Knörzer, Res⸗-Inf.⸗Agt. 223, aus Darmstadt.— Musk. betrat, zog der Liebhaber plötzlich einen Revolver und stellten Anträge dem Reichskanzler als Material zu mal. Joest, Res-Juf- igt. 224, aus Eichenrod.— Landsturm⸗ schwß die Frau nieder. Dann tötete er sich, ehe überweisen. Einige von den Anträgen wurden als Ent⸗ e bee 1 ee aus Echzell.— Landsturm- die Beamten es hindern konnten, durch einen Schuß in den schließungen angenommen und zwar zunächst der 9 Kopf. Die Frau erlitt lebensgefährliche Verletzungen und 3 sozialdemokratische Antrag auf Errichtung einer Zentral⸗ 8 3 8 wurde dem Bürgerhospital zugeführt. 5 155 stelle für Lebensmittelversorgung mit einem vom Reichstag Die Gedächtnisfeier zu Ehren der Ge⸗ b. Frantfurt a. M., 22. Aug. Die Rennbahn in ernannten Beirat. Diese Zentralstelle soll Lebensmittel für[fallenen unseres Regimentes und der Stadt, Niederrad seierte am Samstag ihr goldenes Jubiläum. 2 die Kommunalverbände beschlagnahmen und enteignen kön⸗ welche am gestrigen Sonntag, dem Tage des Gefechts von 1 diesem Jahre finden wegen des Krieges in Frankfurt keine 5 nen. Die Kommunalverbände sollen hiernach die Befugnis Anloy stattfand, gestaltete sich zu einer äußerst eindrucks⸗. 8 3, 22. Aug. J 1 3 a zu weitestgehender Kontrolle der Preisbil ung erhalten. vollen. Die geräumige Stadtkirche war überfüllt; viele, die; 15 0 E 1 15 f. n 1 Aug. Im Hoch rot 1 Gleichfalls zur Entschließung erhoben wurde ein Zentrums⸗ an dem Gottesdienst teilnehmen wollten, mußten an den zeigt der Rotwild sta md seit einigen Jahren eu, antrag, der Höchstpreise für Mehl, Brot, Hülsenfrüchte, e e 1 1 der Feier wirkte ein aus Mann⸗ Eiche RN 5 8 1 9 5 inländische Suppenartikel und Herabsetzung der zu ho en schaften faz Bataillons gebildeter Sängerchor hie 5 7 errelfenberg i r Vrotgedreide ac rene 115 mit, der von Musiklehrer W. Gernhardt, z. 95 Land⸗. 5 5 1 N 3 dert! die Kommunalverbände und Verteilungsorganisationen sturm⸗ Unteroffizier, geleitet wurde. Der Predigt des Streck 1 4 e 9 schönem legt 5 sollen den etwaigen leberschuß bei der e e Garnisonpfarrers Schwabe lag das Schriftwort Offenbar. 8 öchster Im Sulzbacher Schlag bei Königstein erlegte ein gung der Reichsinvalidenfürsorge zuwenden, die Gemeinden Joh. Lap 2, V. 10 zugrunde:„Cei getreu bis in dau Tod, Höchster Jäger an einem Tage zwei Hirsche und Kommunalverbände sollen den Detailhandel mit Le- so will ich dir die Krone des Lebens e e 5 5 bensmitteln streng kontrollieren und gewinnsüchtige Preis- daß die Gefallenen ihre Treue im Gehorsam der Pflicht Aniversitäts⸗ Nachrichten.. 3 treibereien durch Jestsetzung von Höchstpreisen unterbinden. gegen Gott erwiesen hätten, sie mahnte zur Betätigung der⸗ h. Frankfurt a. M., 22. Aug. Der ordentliche Pro⸗ 4 Dann wandte sich der Ausschuß der Beratung militäri⸗sselden Treue, zumal, wo es sich um das Ertragen des von 5 5 e 1 e„ N„ scher Angelegenheiten zu, die vertraulich erklärt wurde. Gott auserlegten Leides handele, und wies auf den Segen Jg asurter 3 F e 15 1 125 ö 5 b hin, der aus solcher Treue dem Vaterlande, der ganzen e 75 Seubert aaf den 5 1 72 5 lat deer Der Verkehr mit Brotgetreide und Mehl. neuen Zeit, die herannahte, erwachsen würde. Fanfen bu e a n en auf deu Gebeelr Berlin, 21. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Direkto⸗ Von der Butter Nach amtlichen Erhebungen des römischen Rechts bereits so bekannt gemacht, daß er schn rium der Verwaltungsabteilung der Reichsgetreide⸗ kostete im Monat Juli d. J die Eßbutter in den Markt⸗ kurze Zeit nach seiner Habilitation von der Leipziger Universittt stelle hat mit Zustimmung des Kuratoriums auf Grund orten Weilburg und Hachenburg das Pfund je 1.50 Mk., in zum Extraordinarius vorgeschlagen worden war.— Der bis des§ 14 der Bundesratsverordnung über den Verkehr mit Diez und Nina je 1.60 Mk. in Bad Homburg und herige Privatdozent an der Technischen Hochschule zu Hannover, Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915 vom Oberlahnstein je 1.0 Mk, in Wiesbaden 1.97 Mk. das Dipl.-Ing. Dr. phil. Paul Hamann, wurde als Privatdozenk 28. Juni 1915(R.⸗Ges.⸗Bl. S. 363) und vom 19. August Pfund, während in Montabaur nur 140 Mk., in Limburg für angewandte Physik an der Frankfurter Universität zugelassen. 5 — 1915 folgende Beschlüsse gefaßt: 1.47 Mk. für das Pfund Butter gezahlt wurden. vermischtes 1. Zur Herstellung von Mehl ist Brotgetreide min⸗ Kreis Büdingen. 2 N ichtamtli destens bis zu 75 vom Hundert auszum. d. Blofeld, 22. Aug. Das Eiserne Kreuz erhielt der 48 e farbene r., D. B. Nichtamtlich) Die am 1 3.. i i 9 8 zing verstorbene Gräfin Landsberg(Tochter des 2. Die 12 die täglich auf den Kopf der hiesige Förster Hermann Fischer, Unteroffizier im Reserve-Inf.⸗ srüheren Stuttgarter Buchhändlers Hallberger) hat der Stadt Zivilbevölkerung verbraucht werden darf, wird einschließ⸗ Regiment 46. Stuttgart zahlreiche Gebäude, Aecker und Waldungen am Star; lich der Zulage für die schwerarbeitende Bevölkerung auf ban ln Diebach, 22. Aug. Den Tod fürs Vaterland berge. See im Werte von einer Million Mark vermacht. 225 Gram m festgesetzt. Die gnis des Kommunalver⸗ starb am 2. August in Rußland der Unteroffizier Wilh. Groll. 0 1 8 f 0 5 Die Stadt ist verpflichtet, mit diesen Mitteln am Bodensee ein bandes, bei der Unterverteilung dieser N Unter⸗ tier I f dend ach, 22. Aug. In Rußland fel der 5 8 9 1 i J Kinderferienheim zu errichten und zu unterhalten. 5 schiede zugunsten der schwer arbeitenden Bevß terung zu Musketier Deckmann. Es starben bis jetzt 10 Kriegsteilnehmer Nürnberg, 22. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Per- 3 3 1 75 fürs Vaterland aus unserer Gemeinde. 58 58 5 machen, wird hierdurch nicht berührt.— Bingenheim, 21. Aug. Zwei.[sonenzug Nürnberg— Gräfenberg ist heute vormittag 3. Die Menge, die der Selbstversorger verwenden darf, merkten un Walde dein Weender ee ei d Nr 8170 f. Ebenen And 15 mige 8 i e 5 wird auf den Kopf und Monat mit 10 Hilogramm binter einer Hecke, deren Verhalten ihnen auffiel. Sie riefen in Mädchen 5 5 3 5 aht rei 25 sei! Brotgetreide festgesetzt. Dabei entsprechen einem Kilogramm aller Stille einige beherzte Landwirte, die die Fremden fest⸗ 0 8 5 8 i 0 5 9 5* Die neueste Entdeckung der französischen Brotgetreide 750 Gramm Mehl. nahmen. Es waren zwei Kanadier, die in Rodenpach als Strategen. Die französischen Papierstrategen haben eine i iss it 1. ö„ 8 Kriegsgefangene in Arbeit standen und von dort geflohen 5 18 scher ie si schhaß zn 2 mlt be e 5 87 5 5 15 u aft i der Be waren. Sie wurden nach Nidda gebracht und aus den 3 fabelhafte Entdeckung gemacht. Bisher scheinen sie sich den Kopf 8 5 5 5 3 l darüb chen zu haben, warum die Deutschen so unliebens⸗ beirn ena von zwei Landstürmern nach Gießen weiter⸗ 1 e französische Städte zu heschteßen. Doch 8 g Kreis Schotten Er crit Wa 1 f. 8195 e 5 Pongs Mouton, 1 ich) Di 8:„Wissen sie, warum die A-Mousson, mission 8 V ea 8 a Stornfels, 21. August. Der Landwirt Karpf von. Mpern und Soissons bombardieren? Ganz einfach! issio K 9 brei Sti di 39 hier stürzte in seiner Scheuer so unglücklich vom Gerüst in die weil die Anfangsbuchstaben dieser Orte nebeneinandergestellt das Wen der Neis wereinsgsehe oufzuheben unh nahen e F 1 15 n l 8 Betzen i 5 0 t.— 3 S 8 5 eine Bestimmung an, daß die im Reichsvereinsgefetzs genen Nacht N hier das Aupebn 50 ä Amtlicher Wetterbericht. 8 festgesetzte Mindestaltersgrenze von achtzehn Jahren für Messerschmieds Johannes Konrad vollständig nieder. Das Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 8 8 die Frunahme au volitichen Vereinen und öffentlichen Ver- Feuer scheint in der Scheuer ausgebrochen zu fein. Es berbreitele Tie im Norden lagernde eben Deen ge de ohe sammlungen aufgehoben. i sich so rasch über die ganze Hofreite, daß die Bewohner fast im verlagert. Der hohe Druck steigt von Südwesten her noch weiter Schlafe verbrannt wären. Sie konnten nur mit großer Mühe an, so daß wir für morgen mit ziemlich heiterem, trockenem Wetter—* ——.——. das Vieh und von aller ihre zu rechnen haben. 1 Männer, die die Aufgabe hatten, zur Kontrolle der Biererzeu⸗ Kr 5 Ne kges e 1 Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 24. August 1915 gung die Wirtshäuser zu besuchen und dort das Bier zu schmecken. bl. Friedberg, 22. Aug Anläßlich des Falles der Jlemlich Heitere kroclen, wärmer, nordwestliche Winde. Obendrein bekamen sie dafür noch die besagte Summe ausbezahlt Nov. Festung ä i o⸗Georgiewsk fand Samstag abend unter Beteili 55 5. ur e e e e ee Aneate e 5 c e Führung des Letzte Nachrichten. f 7 per 1 1 ö un O, Adjutanten des Bat. Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 statt. De 0 2 01 ee de be das ki deen der, Lag ge. 1111 re e (livery cloth) als„amnötig, unwürdig und dabei kostspielig“] Dei 5 aßclöst ertönten Böllerschusse Am Schlusse des Zapfenstreichs hi f b 8 anhaltenden scharfen und großen Kämpfe bei Brest⸗Litowsk nehmen (wie die pietätlosen Antragsteller sich auszudrücken wagten) ab⸗ 0. sich. 1 F die Umrisse einer heftigen Schlacht auf der ganzen geschafft würde Dies„Lieferungstuch' ist gleichfalls ein lieberleb⸗ eine Ansprache, die mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf[ Linie an. Der Feind hat such mit beträchtlichen sel des Mittelalters der City. Damals gestand die Krone der City den Kaiser endigte. Die Musik stimmte die Kaiserhymne an, Kräften gestellt, wobei die Fortschritte der Verbündeten von London im Gegensatze zu den englischen! herren welche die nach tausenden versammelten Zuschauer begeistert mit⸗ zwar nicht aufgehalten, aber verzögert werden könnten An ihren das Recht zu, ihre Beamten in eigenes Tuch zu kleiden, und fo sangen. Hiermif begab sich der Zug mit Musit und Fackeln in Austrengungen ist zur ermessen, daß die Russen die Einschließung wird denn bis zum heutigen Tage das Lieferungstuch immer noch die Burg auf dem Paradeplatz, woselbst Professor Dreher eine don Brest-Litowsk so lange wie möglich verzögern wollen Die an eine ganze Reihe von Persönlichkeiten Jahr für Jahr aus⸗ kurze Ansprache hielt. ö Verbündeten dringen noch immer stetig vor, so beiderseits des gefolgt, obwohl die damit Want en damit 5 7. Ae Startenburg und Rheinhessen 852 15— 7— eee 5 55—— 5 5 l i tausend d au e Tuch⸗ 5 1 2 herzog 8„ Grup 1 eee, ee 90 8 d r e e e, K r e e eee e e e ö.„ e 5 g — Die Gründung Rigas. Wie eine livländische Sage 89 85 33 N 455 S also vor 29 Jahren, war hier in einer Villa in der Dieburger ie z; 3 erzählt, wurden im Jahre 1158 Schiffer aus Bremen durch widrigen Seat ein Doppelmord und Raubmord versucht. 9 Die e e 2 N 5. Wind in die Mündungen der Düna an die livländische Küste ge⸗[dem der Maler Sach zum Opfer fiel, während seine Gattin eben⸗ 1 11 18 ug. 5 5 ing 5 0 0 5 1 trieben. Als sie ans ler stiegen flohen die Einwohner vor ihnen falls sehr schwer verletzt wurde, aber am Leben erhalten werden aus 2 5 15 8 urg wir 4 egraphiert, 93. aue 1 in die Wälder. Die Bremer aber fanden in den verlassenen Hütten konnte. Als Täter wurden zwei junge Burschen ermittelt, die sich( mung Bia 4 5 1 5„ bt wird. Die 9 viel Wachs vor, das sie an sich nahmen. Sie ließen dafür kleine auf der Landstraße kennen gelernt und den Raubmord verabredet] Regierung habe dafür 5 Millionen Rubel zur erfügung gestellt. 3 Geschenk, zurück und fuhren nach Haufe um bald mit mehr Schiffen und ansgeführt hatten. Sale beiden bestritten entschieden, den Eine Auslassung des neuernannten bulgarischen 1 wiederzukommen und mit den Livländern einen regelrechten Han⸗ Mord geplant zu haben und sie wurden daher vom Schwurgericht Kriegsministers. 1 delsverkehr anzuknüpfen. Als sie zum vierten Male kamen, luden für die Provinz Starkenburg nur des Todschlags und Raubes für Sofia, 23. Aug. Der neue bulgarische Kriegsminister⸗ 8 du die che n einen Kglmahl. Als der Küng der ihn piece erudig erkennt und zu ber hachßen zullen Sense zu kebelgs, S fo w erflärte ben Vertreter, des„Berliner Tageblatt“ auf die Schiffe zu einem Gastmahl. Als der König den ihm hierbei länglichem Zuchthaus verurteilt, welche Strafe sie auch seitdem] gegenüber: Als ich das J Urtesehille des Kriegsmäöristers über- b t vem Schwanze an zu zerlegen begann, prophe⸗ uchthmis Marienschloß bei Butzbach verbüßten. Der eine d„konnte ich sogleich konstatieren, daß die bullgarische A 5. olk werde dermaleinst den Deutschen untertan 8 Verbrecher M er] nahm ich sogleich 5 garische Armee 9 1„der Meßger O. aus Wersau: O. hat sich vollkommen bereit ist, jeder Eventualität zu be⸗ werden,— weil der König den Fisch, das Symbol der über See nun während dieser langen Zeit so gut geführt und rrumiltig gegnen. Die Armee ist jetzt in einem Zustande, der uns zweifel gekommenen Dentschen, nicht beim Kopfe genommen.— Damals ührt, daß er vom Großherzog begnadigt worden ist. los den Erfolg sichert, waun und wo wir auch kämpfen werden. nunm erlangten die Dentschen von dem Könige soviel an Boden zus Seine Freilassung ist zunächst mur eine bedingte. Erst wenn er] Die Armee erwartet kaltblütig den entscheidenden Momesct und tanden, als sie mit einer enhaut umspannen könnten. Die sich während der nächsten 10 Jahre einwandsfrei führt, wird ihm ich bi wiß, daß sie diesem mit Würde ent tret nd i 1 zerschnitten 8 Haut in ganz dünne Streifen sich Da der Be i ich bin gewiß ie diesem mit Wü gegentreten und ihre 8 5 5 gnadigte zurzeit] Pflicht vollkommen erfüllen wird.— Ueber die bulgarischen und umgrenzten damit einen Teil des Landes, auf dem sie dann 50 Jahre alt ist, und die Vor ngen für sein weiteres Fort⸗[ V 2 N.. er handlungen mit der Türkei befragt, erklärte der kleine Gebäude zur Bergung der Waren errichteten.(Eine Sage, die kommen ee sind, dürfte er für Rest seines Lebens noch ein Menister: Ich 2 ei ag d 5 5„daß, wenn die Türkei die politische Lage belanntlich auch für die Gründung Karthagos besteht.) Als die nützliches Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft werden richtig beurteilt, eine Verständigung ohne weiteres möglich werden Deutschen dann 157 eine 5 1. brachten 1 F. 5 3 5 8 ei 1. N 1 6 5 25. wird. 8 iester, einen frommen und gelehrten. einard mit kommende Herbst wird eine gute el und Buchen ⸗Mast isch⸗ f 5 . mit sich, der die Sprache der Barbaren erlernte, sich ihren bringen. Alle Einrichtungen zur sorgsältigen Sammlung dieser Sto 155 rawedisch an lischen Ferhand lungen 8 1 1 i 0 2 5 m, 23. Aug.„Svenska gbladet“ erklärt, i Sitten und ihrem Geiste anbeguemte und sie den Glauben Christi in der gegenwärtigen Zeit doppelt wichtigen Futtermiktel sind wohlunterrichteten Kreisen del die 8 die s GN zu lehren begann. Und die Zahl der Deutschen wuchs von Tag getroffen. 5 disch⸗enlischen Verhandlungen würden schon in den zu Tag. Den Boden, der ähnen vom König zugestanden worden war, Kreis Wetzlar. nächsten Tagen wieder aufgenommen werden. Die beiden Vertre⸗ umgaben sie mit. Mauern und erbauten Steinhäuser. So ent⸗ Krofdorf, 23. Aug. Dem Pionier Fritz Bender von tungen hätten jetzt von ihren Regierungen Instruktionen über stand die Stadt Riga am Ufer der Düna. hier, von der leichten Minenwerser-Abteilung Nr. 229, wurde das jene Fragen erhalten, in denen bisher keine Verständigung erzielt a Ciserne Kreuz verliehen. werden konnte. 5 . 3 5 45 5 Haftpflicht zu Großen⸗Linden eingetragen: Ludwig Ein KRusse über England. Im Jahre 1881 erschien bei Wilh. Friedrich in Leipzig eine Schrift:„Rußland und England, äußere und innere Gegensätze.“ Der Berfasser war ein hoher russischer Militär und nannte sich E. von Ugény. Jetzt hat der Verlag Georg Müller in München denjenigen Teil der Arbeit, der sich mit England beschäftigt, neu herausgebracht. Da Ugeny sich bei seinen Ausführungen im wesentlichen auf englische Selbsterzeugnisse beruft, erhielt die Pub⸗ likation, zu der der Nationalökonom Franz Oppenheimer eine Einleitung schrieb, den Titel„Engländer über England“. Der russische Autor sucht das Gesicht John Bulls zu zeichnen, wie es sich für den Kontinentalen darstellt, wenn er Englands poli⸗ tische Geschichte betrachtet. Diese physiognomische Studie zeigt Verbrecherzüge mit höllischer Bosheit und Widernatürlichkeit. Der alte Wicking, der sich vor 800 Jahren auf der Briteninsel festsetzte, lann von der Seeräuberei nicht lassen; aber er hat ein einträg⸗ liches Handelsgeschäft daraus gemacht, und dieser niedrige Krämer⸗ geist hat den alten Heldencharakter verdorben. Als Karl der Große eines Tages eine Normännerflotte auf dem Meere kreuzen sah, ward er bekümmert, und seine Augen füllten sich mit Tränen. „Ich denke an die Uebel, welche diese über meine Nachkommen bringen werden,“ sprach er. Nun, Piraterie ist der Inhalt von England Geschichte geblieben. Aber die Uebel begannen erst, als der alte Wicking sich zu John Bull, dem egoistischen, kalt⸗ herzigen, verschlagenen Krämer wandelte. Oppenheimer zitiert den Wiener Volkswirtschaftler Philippowich, der einmal schreibt: Die innere und äußere Entwicklung Englands beruht auf Ge⸗ walt. Auch in der auswärtigen Politik ist Raub und Gewalt das Mittel der Ausdehnung englischer Macht und englischen Reichtums. Der Engländer hält die ganze Welt außer England für einen Kehrichthaufen. Er sieht, wie Swedenborg sagt,„auf Fremde, wie jemand von dem Dache eines Palastes mit einem ernrohr auf die sieht, welche außerhalb der Stadt wohnen, und ich umhertreiben.“ Der Insularismus, jene Abgeschlossenheit, die den Egoismus, der Ich mit einem großen J schreibt, er⸗ zeugt, ist für Ugény einer der richtunggebenden Faktoren von Eng- lands Politik. Der andere ist das praktisch orientierm Macht⸗ streben, das in der Schätzung des Reichtums gipfelt als des höchsten Ausdrucks der Macht. Aus diesen beiden Antrieben erklärt der Russe Englands politisches Denken und Handeln, das ein Sprecher im Unterhaus selbst mit den Worten kennseichnete: „Unser Hochmut beleidigt alle Völker, wir kennen nur gemeine Gewinnsucht, andere Rücksichten kennen wir nicht.“ Ugény charak⸗ terisiert nun an der Hand historischer Tatsachen die Mittel, durch die diese Politik des sich selbst anbetenden, rücksichtslosen Egoismus oder Insularismus zur Erscheinung kommt. Kein. Mittel ist so schändlich, daß es nicht von England gegen andere Staaten, gegen Feinde wie gegen Bundesgenossen, angewandt worden wäre, wenn es nur seinen eigenen Vorteil dabei erreichen konnte. John Bull kocht in Seelenruhe ein Ei am Feuer, das seines Nachbars Haus verzehrt.„Ja, es heißt wohl nicht zu weit gehen, wenn wir sagen, daß der ganze Bestand des britischen Reiches und seine noch immer fortschreitende Vergrößerung Mitteln zuzuschreiben ist, die jedes andere Volk verdammt, die keine andere Regierung anzuwenden wagen dürfte, ohne sich im eigenen Lande unmöglich zu machen.“ Daß ein solches Volk, dem der Fremde eben ein Niemand ist, bei den Grausamkeiten, die seine Söldner in Indien begehen, auch nicht mit der Wimper zuckt, ist selbst⸗ verständlich. Ugeny kommt zu dem Schluß, daß für die Völker des Kontinents England, der„perfidie anglaise“ gegenüber Miß⸗ trauen und Argwohn nötig sei;„denn man muß auf alles gefaßt sein, auf Ueberraschungen aller Art, auf Hinterlist, Verrat und Treulosigkeit,“ und er erinnert an Talleyrand, der Shake⸗ speares Wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 39. Woche. Vom 8. bis 14. August 1915. N Einwohnerzahl: angenommen zu 32 990(inkl. 1500 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 14,22%. 3 Nach Abzug von 7 Ortsfremden: 3,16% Er⸗ Kinder 8 n 5 5 5 Es starben a Zuf wachsene 1 8 Altersschwäche 2() 2() 85— Diphtherie 1(0)—— 10 Tuberkulose 2(2) 2(2)—— Lungenentzündung 1(˖) 1009—— Derzkrantheiten 2(1) 2(1)—— Nierenentzündung 11 1(00—— Summa: 9(7) 8(6)— 10) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. — Bekanntmachung. 7 In der Zeit vom 1. bis 15. l. Mts. wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1. Milchkanne, 1 Brosche, 1 Regenschirm, ein Portemonnaie mit Inhalt, 1 Paar Strümpfe; i verloren: 2 Fünfmarkscheine, 1 Nickeluhr mit Kette, ein goldenes Medaillon mit Bild und Kette, 1 Damenporte⸗ monnaie mit Zwanzigmarkschein, 1 Zweimarkstück(Bildnis Kaiser Wilhelm) mit Einfassung als Uhrkettenanhänger; nannte. „Richard III.“ den Urtyp des britischen Stautmannes Bühl Jrucksachen al er Art lletert in jeder gewünschten Ausstattung preiswert dis sche Universitäts- Druckerei. Schulstr. 7 entlaufen: 1 Jagdhund, auf den Namen„Graffon“ hörend. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände be- lieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Die Abholung der gefundenen Gegenstände kann an jedem Wochentag von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uh mittags bei unterzeichneter Behörde, Gießen, den 21. August 1915. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. 5 r nach⸗ immer Nr. 1, erfolgen Hemmerde. Bekanntmachung. Nachdem die Stücke der fünfprozentigen Reichsschatzanweisungen der zweiten Kriegs— unleihe bereits vor einiger Zeit vollständig an die Zeichnungsstellen ausgegeben worden sind, werden wir im Laufe dieses Monats von den Stücken der fünfprozentigen Reichsanleihe wieder einen größeren Teilbetrag als dritte Rate zur Verteilung bringen. wir Ende September die vierte Rate und Ende Oktober den Rest folgen lassen zu können. Wir sind zwar bemüht, die Zeichner sobald als irgend möglich in den Besitz der gezeichneten Stücke zu bringen; trotzdem dürfte aber die Schlußverteilung vor dem genannten Zeitpunkt leider nicht möglich sein, weil uns der Rest der Stücke wegen der mit der Herstellung und Ausfertigung von annähernd 7 Millionen Schuldverschreibungen und Schatzanweisungen und ebenso vielen Zinsscheinbogen verbundenen übergroßen Arbeit nicht früher geliefert werden kann. Wir richten daher an die Zeichner die Bitte, auf die durch die gegenwärtigen Zeit— verhältnisse geschaffene Lage Rücksicht zu nehmen und sich vorläufig mit der Mitteilung ihrer Vermittlungsstelle, daß die Zeichnung für sie getätigt und der Gegenwert gezahlt ist, zu begnügen. Berlin, im August 1915. Veichsbank⸗Direktorium. Havenstein. v. Grimm. Schön möbliertes Zimmer zu vermieten. 3648 Kaiser⸗Allee 58 II. te Hl. Z. in. eig. Eing., Nähe Klinik, z. v. Crednerstr. 43 II. Herr sucht möbl. Zimmer. Schr. Ang, mit Preis u 6767 an den Gieß. Anzeiger erb. Dieser hoffen Techniker 3. Auszlehen v. Zelchnungen ges. Schriftl. Angeb. u. 04552 au d. Gießener Anzeiger erb. Spengler und Installateure für dauernde Be⸗ schäftig. gesucht. s Fraukfurter Gasgesellschaft, Frankfurt a. M., eres Obermainstr. 409738 Ein junger militärfreier Mengergeselle und ein saub. Hausbursche gesucht. 04561 Eduard Sack, Walttorstr. Ein Weißbinder der selbständig arbeiten kann, gesucht. Neuenweg 33. 82 Weißbinder und ig. 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Auaust 1915, nachmittaas 3 Ubr, in der Wirtschaft zum Jagd⸗ schlößchen zu Dutenhosen. Das Massenverzeichnis und die Zeichnungen liegen in den Diensträumen der Königlichen Spezialkommission 1 zu Wetzlar, Philosophenweg, Zimmer Dienststunden zur Einsicht offen. Verschlossene Angebote sind bis zu diesem Termin an die Königliche Spezialkommission J einzureichen oder vor Beginn des Termines vorzulegen. Die Angebote sind als solche den machen, da die Eröffnung erst im Termin erfolgen so * Verdingung. 05 In der Zusammenlegungssache von Dutenhosen, Kreis Wetzlar, soll der Ausbau der Folgeeinrichtungen öffentlich vergeben werden und zwar: ca. 17700 ebm Erdbewegung, Tücht. Fuhrleute 1 0 Anfuhr von Grubenholz zu Ochsengespannen in der karburger Gegend suchen bei hohem Lohn Gebrüder Cloos, Wetzlar. der die Schlosserei erlernen will, sucht Stelle. Näher. bei Frau Hoppe, Lang- Höns. 94884 Zwei junge Fräuleins wün⸗ Nr. 7, während der als 8 Verkäuferinnen und dauernde Näharbeit. 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