Nr. 196 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. — 510„Elehener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigele 7 „Kreisblatt für den Urels 55 92 0 wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Gieß Samstag, 21. August 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 8 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Mb. Deutscher Reichstag. 14. Sitzung Freitag, den 20. August, nachmittags 2 Uhr. 5180 0 des Bundesrats: v. Jagow, Dr. Helfferich, Der Platz des Abgeordneten B vühne(Soz.) seines 60. Geburtstages mit einem Blumenstrauß geschmückt. Präsident Dr. Kämpf eröffnet die Si 15 die Anfrage des Abgeordneten Liebknecht: Abg. Dr. Liebknecht(Soz.) stellt fol 5. ö N gende Anfrage: 7 Regierung bei entsprechender Bereitschaft 0 1 riegführenden bereit, auf der Grundlage des Verzichts auf e aller Art in sofortige Friedensverhandlungen ein⸗ Staatssekretär v. Jagow: Ich gl. i ändnis r v. 8 glaube, dem Einverständnis der großen Mehrheit dieses Hauses zu begegnen, e auf Anfrage des Abg. Dr. Liebknecht eine Antwort zu erteilen als 15 unzweckmäßig ablehne.(Stürmischer Beifall.) 5„Dr. Liebknecht versucht vergeblich etwas zu sagen wird aber durch fortgesetzte Braborufe und schließlich durch dere Lachen des Hauses daran verhindert. 18. d die neue gtiegsanleihe. Am Dr. Li ist aus Anlaß Ist berichtet über die Beratung der Kommission: Bei den früher 8 5 0 en Kriegsanleihen war ein Betrag von 200 Millionen für b Munter Wöchnerinnen und der Erwerbslosen abgezweigt wor⸗ den. Dieser Betrag ist bisher nur für den ersten Zweck in An⸗ spruch genommen; jedoch erscheint es nicht ausgeschlossen, daß auch einmal der zweite Zweck in Frage kommen wird. Jedenfalls wird auch von dieser neuen Anleihe ein entsprechender Betrag für diese beiden Zwecke abgezweigt werden. Die Kommission hat einstimmig beschlossen, Ihnen die Bewilligung der Anleihe zu empfehlen. Sie ist zu der Ueberzeugung gekommen, daß sich bei keinem unserer Feinde bisher die Geneigtheit zu einem Frieden gezeigt hat, der unsern berechtigten Ansprüchen genügt. Weiter ist die Kommission au der Ueberzeugung gekommen, daß die Anleihe in der geforder⸗ ten Höhe notwendig ist und daß endlich unsere Volkswirtschaft durchaus in der Lage ist, die neue Anleihe aufzubringen und daß in weitesten Kreisen unseres Volkes volle Bereitwilligkeit vorhan⸗ den ist, sich an dieser neuen Anleihe zur gegebenen Zeit zu betei. ligen. Unter diesen Umständen ist die Bewilligung dieser Anleihe eine Pflicht gegenüber unseren Soldaten, die Blut und Leben einsetzen, um unsere Fluren vor der Verwüstung, unser ganzes Wirtschaftsleben vor der Vernichtung zu schützen; eine Pflicht gegen unser ganzes deutsches Volk, das jetzt entschlossen ist, jedes weitere Opfer zu bringen und zu einem Frieden zu kommen, der seinen berechtigten Erwartungen entspricht. Namens der Kommission bitte ich, die Anleihe zu bewilligen.(Beifall.) Staatssekretär Dr. Helfferich: Nach den Ausführungen des Berichterstatters könnte ich eigentlich auf eine Begründung des Nachtragsetats verzichten, denn die Sache, die ich hier zu vertreten habe, bedarf in diesem Hause keiner Verteidigung mehr. Wenn ich trotzdem um die Er⸗ Iaubnis bitte, den neuen Kriegskredit mit einigen Worten zu er⸗ läutern, so tue ich es, weil ich im Einklange mit Ihnen das Be⸗ dürfnis fühle, an der Schwelle des zmeiten Kriegsjahres vor die⸗ sem Hause, vor dem deutschen Volke, vor unsern Verbündeten, vor der neutralen und auch vor der feindlichen Welt in kurzen Zügen ein Bild zu geben, wie sich im ersten Kriegsjahre die Finanzlage des Reichs gestaltet hat und welche Aussicht wir berechtigter⸗ weise in die Zukunft haben können. Ich rekapituliere kurz: Es sind für den Krieg bewilligt zwei Mal je 5 Milliarden, nämlich im August und Dezember, ferner 10 Milliarden im Herbst. Das sind zusammen 20. Mit dem jetzt vorgelegten Nachtragsetat er⸗ gibt dies den gewaltigen Betrag von 30 Milliarden. Da man unter dem Eindruck der Ausgaben dieses Weltkrieges das Schätzen roßer Zahlen einigermaßen verloren hat,(Sehr richtig!), so möchte ich im Suchen nach einem Maßstabe erwähnen, daß die schon bewillig⸗ ten 20 Milliarden den Wert des ganzen deutschen Eisenbahnnetzes mit Einschluß allen rollenden Materials darstellen. Der gewaltige Kreditbedarf, den wir bei unsern bisherigen Anleihen voraussahen, ist gegen die Schätzungen durch die tatsächliche Gestaltung der Kriegsausgaben noch übertroffen worden. Die ungeheure An⸗ spannung des ganzen Volles in diesem unabläßlichen Kampfe für unsere Zukunft bei immer noch sich steigernden Preisen muß notwendigerweise in den Kriegsausgaben ihren Ausdruck finden. Ich erwähne nur die Aufstellung immer neuer Formationen und deren Ausrüstung, die Verpflegung und Bekleidung des Millionen⸗ heeres bei steigenden Preisen fuͤr alle Lebensmittel und Roh⸗ stoffe, den alle Vorstellungen übersteigenden Verbrauch an Ma⸗ terial und Munition, die Instandhaltung, Vermehrung und Ver⸗ besserung unserer Kriegsfahrzeuge zu Lande, zu Wasser und in der Luft, die Organisation der Verkehrsmittel, den Bau von Wegen, Brücken, Eisenbahnen in den besetzten Gebieten. Das alles tritt täglich als Ausgabe an den Leiter der Neichsfinanzen heran und verdichtet sich zu Summen, die heute schon den Be⸗ trag von zwei Milliarden monatlich erreichen. Dieser Wonatsbetrag ist um ein Drittel höher als die Gesamtkosten des Krieges von 1870/71. Wir wollen diesen Zahlen und wollen der Wahrheit klar und uner⸗ schrockenen Blicks in die Augen sehen. Wir wollen uns über die Größe der Leistung, die noch zu vollbringen ist, und über die Schwere der Opfer, die noch zu fordern sind, keiner Selbsttäuschung 1(Sehr richtig!) Es ist eine 1 15 schwere Zeit für as deutsche Volk und für unseren Erdteil. Wir werden dieser Zeit nicht Herr werden, wenn wir uns über ihren Ernst hinweg⸗ täuschen.(Sehr richtig!) Wir wollen uns nüchtern und klar vergegenwärtigen, daß im zweiten Kriegsjahre das Durchhalten nicht leichter, sondern vielfach chwerer sein wird als im ersten. Wir wollen uns avon überzeugen, daß neue Aufgaben bevorstehen und alte grö⸗ ßer werden, wir wollen uns namentlich Rechenschaft davon geben, daß neue große Anstrengungen erforderlich sein werden, um auch der Bevölkerung im Innern dos Durchhalten zu erleichtern, daß noch größere Mittel aufg⸗wandt werden müssen, um die gegen ⸗ wärtige Not zu lindern, vorbeugend zu wirken und Ge⸗ fahren für die Zukunft des Volkes abzuwehren.(Beifall.) Die verbündeten Regierungen werden sich diesen Aufgaben, so schwer sie sind, nicht entziehen. Ich wiederhole insbesondere, daß die Reichsfinanzberwallung den in der Kommission gegebenen An⸗ . 0 dem neuen Kredit 200 Millionen Mark. bereit stellen vill, um zu verstärken den Fonds zur Unterstützung von Gemeinden und Gemeindeverbänden auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege, namentlich der Familienunterstützung und der Erwerbslosigkeit So schwer die materiellen Opfer sind neben den viel schwereren und größeren, die das deutsche Volk auf dem Schlachtfelde bringt, jeder Deutsche wußte von Anfang an, warum diese Opfer gebracht werden, und jeder Deutsche weiß, daß diese Opfer nicht umsonst gebracht werden.(Lebhafter Beifall.) Ich brauche deshalb nicht viel Worte zu machen, um die Vor⸗ lage zu begründen Ihre durchschlagende Begründung ist der ein. mütige Wille des deutschen Volkes, den uns aufgezwungenen Krieg bis zum siegreichen Ende durchzuhalten, bis zu einem Frieden, den wir vor uns selbst und vor unseren Kindern und Enkeln ver- antworten können.(Lebhafter Beifall.) Aber soweit sind wir heute noch nicht. Noch wollen es unsere Feinde nicht, die sich ver⸗ maßen, uns mit der Ueberzahl der Waffengewalt niederzuzwingen, noch erwarten sie, daß es ihnen gelingen könnte, uns durch Er⸗ müdung, durch Erschöpfung niederzuringen, noch bäumen sie sich, obschon schwer getroffen, gegen den Gedanken, daß ihre Sache ver⸗ spielt ist, daß vernünftige Erwägung sie zwingen müßte, den Fehl⸗ schlag einzusehen, zu retten was noch zu retten ist, und uns Frie⸗ denssicherheit für die Zukunft zu bieten. Solange unsere Feinde sich nicht dazu bequemen, aus unseren Siegen die Folgerungen zu ziehen, sind unsere Waffen die einzigen Mittel, sie zu über⸗ zeugen.(Sehr richtig!) Solange müssen wir kämpfen und jedes Opfer bringen, das der Krieg uns auferlegt.(Sehr richtig!) Faoür die Aufbringung der Mittel, die Sie bewilligen werden, soll auch diesmal wieder der Weg der Anleshe beschritten werden. Ich habe bereits im März die Gründe dargelegt, die uns veran⸗ lassen, von der Einbringung von Kriegssteuern so lange wie angän⸗ gig, abzusehen. Diese Gründe bestehen heute noch fort. Wir wollen während des Krieges die gewaltigen Lasten, die das Volk trägt, nicht noch durch Steuern erhöhen, so lange keine zwingende Not- wendigkeit dazu vorliegt. Eine stärkere Belastung durch Steuern würde sich bei den hohen Preisen besonders fühlbar machen. Außerdem ist zu bedenken, daß auch heute schon unter dem Zwange des Krieges teilweise die Einzelstaaten die direkte Steuer stärker heranziehen. Zu alledem kommt, daß wir im Wege der Be⸗ steuerung auch bei der schärfsten Anspannung gegenüber den ge⸗ waltigen Kriegsausgaben nur die Aussicht hätten, wenige Prozent des Bedarfes zu decken. Nun werden Sie auf ein Wort warten zu der viel besprochenen Kriegsgewinnsteuer. Es ist Ihnen bekannt, daß in dieser Frage bei der Zusammen⸗ kunft der Finanzminister der Einzelstaaken am 10. Juli hier ein grundsätzliches Einverständnis erzielt worden ist. Zu einer Ge⸗ setzesvorlage aber ist die Angelegenheit, die genau durchgearbeitet werden müß, noch nicht reif. Wir sind der Ansicht, daß die Er⸗ hebung einer solchen Steuer erst nach dem Abschluß des Krieges stattfinden kann, denn erst dann wird es den Betreffen⸗ den möglich sein, die finanzielle Wirkung des Krieges für sie zu übersehen. Was die Grundsätze anlangt, so sind die Regierungen überzeugt, daß einerseits die einwandsfreie Feststellung des Kriegsgewinnes im Hinblick auf die Steuerpflicht eine Unmöglich⸗ keit ist, andererseits aber sind die Regierungen der Ansicht, daß alle diejenigen, die in der Kriegszeit im Gegensatz zu der großen Masse der Volksgenossen in der Lage waren, ihr Vermögen wesentlich zu vermehren, auch imstande und verpflichtet sind, im höheren Maße als im Wege der gewöhnlichen Besteuerung zu den Lasten des Krieges beizutragen.(Lebhafter Beifall.) Damit ist die Anlehnung an die Reichsvermögenszuwachssteuer gegeben. Wie weit im einzelnen in der Bemessung der Steuersätze die Verände⸗ rungen des Einkommens herangezogen werden können, unterliegt noch der Prüfung. Uebereinstimmung besteht darüber, daß der Vermögenszuwachs durch Erbgang von der Sondersteuer befreit bleiben soll. Wir sind ferner darüber einig, daß in Rücksicht auf den besonderen Zweck der Steuer sie nicht nur in barem Gelde soll entrichtet werden können, sondern auch in Kriegsanleihen. Durch die zu erwartende Kriegssteuer wird also niemand abgehal⸗ ten, auf die Kriegsanleihe zu zeichnen.(Heiterkeit.) Damit be⸗ gegnen wir solchen Einwänden: Wie sollen wir auf Kriegsanleihe zeichnen, wenn wir nicht wissen, ob wir nicht später einer schwe. ren konfiskatorischen Steuer unterliegen? Es ist also sehr richtig, daß eine solche Steuer auch durch Kriegsanleihe bezahlt werden kann. Wir stehen damit, daß wir die Kriegsausgaben im Wege der Anleihe decken, nicht allein in der Welt. Sogar England, das zuerst seinen Stolz darein setzte, den Krieg durch Steuern zu finanzieren, hat sich unter dem Zwange 775 Tatsachen zu einer anderen Ansicht bequemen müssen. Die Steuern auf Tee und andere Verbrauchsmittel ergaben nur einen unzureichenden Prozentsatz und ber dem Versuche, die bis⸗ her freien Arbeitslöhne zur Besteuerung heranzuziehen, ist die englische Regierung auf großen Widerstand gestoßen. Wir sehen regungen entsprechend, aus daraus, daß vorläufig nur der Weg übrig bleibt, die Mittel im Wege der Anleihe aufzubringen. Dabei betone ich aber: Wenn Gott uns den Sieg verleiht und damit die Möglichkeit, den Frieden nach unseren Bedürfnissen und Lebensnotwendigkeiten zu gestalten, dann dürfen wir auch die Kostenfrage nicht ver⸗ gessen.(Lebhafter Beifall.) Das sind wir der Zukunft unseres Volkes schuldig, das seine ganze künftige Lebenshaltung, soweit wie es irgend möglich ist, sichergestellt wird.(Beifall.) Die Anstifter des Krieges mögen die dauernde La st der Milliarden tragen, mögen davon durch Jahrzehnte getroffen werden, nicht wir.(Beifall.) Die Lösung dieser Auf⸗ gabe wird besonders schwierig sein. Aber was nach dieser Rich⸗ tung hin geschehen kann, werden wir tun. Die Bewilligung der Kriegskredite hat ihr Gegenstück in der Unterbringung der Anleihe. Sie wifsen, daß die Ausgabe einer neuen dritten Kriegsanleihe bevorsteht. Unsere Vorbereitungen sind unmittelbar vor Abschluß. Wir müssen durch die neue An⸗ leihe die Beträge decken, die wir bereits jetzt über die 13 Milliar⸗ den der beiden ersten Kriegsanleihen hinaus verausgabt haben. Zum Teil sind ja diese Summen durch den Kriegsschatz und durch die Mittel der Reichshauptkasse gedeckt worden. Diese Deckung hat 9 einen Zuwachs erfahren durch den Ueberschuß der Rech⸗ nung des Etats von 1914/15. Im März habe ich diesen Ueber⸗ schuß auf 38 Millionen veranschlagt, er beträgt aber 219 Millionen. (Hört! Hört!) Das ist immerhin eine ganz erkleckliche Summe, die aus dem ordentlichen Etat zu den Kriegskosten hinüberführt. Wir haben bei der Reichsbank und bei den großen deutschen Ban⸗ len Schatzanweisungen diskontiert, und diese Mittel müssen wir jetzt durch die Anleihe aufbringen. Schließlich muß die neue . uns auch die Mittel für die Fortsetzung des Krieges eben. 9 Dieselben Kräfte, die unseren beiden ersten Kriegsanleihen einen über alle Erwartungen großen Erfolg' verschafft haben, stehen heute fester als je. Die bisherigen Ausgaben sind der Land⸗ wirtschaft und der Indnustrie, den Arbeitern und den Unterneh⸗ N General⸗Anzeiger für Gberhessen bender ))))))))))))%%%)VVV)VVS TTT!!! ⁰ mern zugeflossen. Sie haben als Einzahlung für die letzte Kriegs⸗ anleihe gedient. Sie können den Prozeß an der Entwicklung unse⸗ rer Darlehnskassen verfolgen. Zur Zeit der ersten großen Ein⸗ zahlung auf die zweite Kriegsanleihe haben die Darlehen 1,5 Milliarden überschritten, jetzt sind sie längst wieder unter eine Milliarde heruntergegangen. 586 Millionen waren an Vorschüssen zu Zwecken der Kriegsanleihe gegeben. Dfeser Betrag hat sich in⸗ zwischen auf noch nicht 300 Millionen Mark vermindert. Das sind nicht mehr als 3 Proz. der 9 Milliarden, die heute für die zweite Kriegsanleihe eingezahlt sind. Unsere Gegner behaupten, unsere Kriegsanleihen seien nur Mache, finanziert durch die Papiere der Darlehnskasse. So habe ich heute noch im„Dailh Telgraph“ gelesen, daß bei un durch die Darlehnskassen alles beliehen werde bis z um Zahn⸗ stocher herab.(beiterkeit.) Wir können gewiß darüber lachen, aber wir dürfen nicht unser Augenmerk davor verschließen, daß diese systematische Herabsetzung unserer Finanzkraft uns ganz außerordentlich schadet. Auch dieses Lügengeweb⸗ muß zerrissen werden. 5 Unsere Sparkassen können der Stolz des deutschen Volkes sein. Sie haben in zugenommen. 1914, trotz der ungünstigen Lage, haben sie eine Zunahme an Einlagen zu verzeichnen gehabt, die sich insgesamt auf 900 Millionen belief, obwohl große Einzahlungen auf die Kriegsanleihe geleistet worden sind. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat sich der Zugang bei den Sparkassen auf nahezu 1,5 Milliarden belaufen.(Hört! Hört!) Dieser Zugang ist allerdings durch die Einzahlungen auf die Kriegsanleihen voll⸗ kommen aufgebraucht worden; aber heute kann man sagen, daß unsere Sparkassen wieder vollkommen intakt sind, daß sie einen Einlagebestand von wesentlich mehr als 20 Milliarden haben, daß sie stärker sind als jemals vor Kriegsausbruch.(Hört! Hört!) Ebenso günstig liegen die Dinge bei unseren Banken, soweit ich darüber orientiert bin. Die Flüssigkeit des Geldes und das Gefühl der finanziellen Stärke und Gesundheit hat sich stellen⸗ weise sogar in spekulativem Treiben an der Börse geltend emacht, aber, wie Ihnen bekannt ist, hat eine Warnung genügt, hier ein Ende zu bereiten, und es ist gelungen, die Ueberzeugung zu ver⸗ breiten, daß es für flüssiges Geld heute eine bessere Verwendung gibt als Spekulation. Heute gehört alles Geld dem Vaterlande, heute sind die Kriegsanleihen des Anlagepapier.(Sehr richtig!) Es spricht für die Einsicht und Vaterlandsliebe unseres Bankier⸗ standes, daß sich der freie Börsenverkehr in den ihm zugewiesenen Grenzen gehalten hat und daß die erste Warnung sofort auf rich“ tiges Verständnis gestoßen ist. Wir wollen in der dritten Kriegsanleihe unsere finanzielle Kraft voll in Bewegung und 1 setzen. Zu diesem Zweck haben wir die Organisation, die sich bei den ersten beiden Anleihen so gut bewährt hat, noch weiter ausgestaltet. ö allem wollen wir dieses Mal sämtliche Postanstalten im ganzen Deutschen Reich zur Zeichnung heranziehen, sodaß jeder günstigste Gelegenheit zum Zeichnen hat. Wir wollen diesmal bis zu 100 Mark herab gestatten. Wir werden versuchen, dahin zu kleinen Beträge erleichtern. Für große Zeichner werden ppir Schatzscheine, die noch nicht eingelöst sind, mit einem Abschlag von 5 Proz. zur Zeichnung zulassen. bei der letzten Anleihe Zwischenscheine ausgeben, damit der Zeich⸗ ner der Anleihe baldmöglichst etwas in die Hand bekommt. Die Unterlassung der Ausgabe von Zwischenscheinen bei der zweiten Anleihe hat zweifellos zu Uebelständen geführt und Mißfallen erregt. 5 Jh möchte Sie und die Oeffentlichkeit bitten, zu bedenken, unter welchen Schwierigkeften die Reichsschatzverwaltung arbeiten muß. Ein großer Teil ihres ausgebildeten Personals ist im Felde. Die Arbeitslast kann trotz angestrengter Tätigkeit bei Tag und bei Nacht kaum bewältigt werden. 5 5 8 Die Werbetätigkeit für die neue Kriegsanleihe muß diesmal größer werden als bisher. Allerdings, auf die sensationelle Aufmachung wie in England glauben wir verzichten zu kön⸗ nen.(Sehr richtig!) Die Zirkusreklame entspricht nicht dem Ernst des Krieges(Erneute Zustimmung) Wir haben auch nicht nötig, nach englischem Vorbild den Zeichner um eine Gnade u bitten. Der Deutsche gibt seinem Vaterlande kein Almosen. Beifall) Die tätige Mitarbeit der weitesten Volkskreise durch Amt und Beruf, Stellung und Ansehen wollen wir nicht missen. Gemeindevorsteher, Geistliche und Lehrer haben uns das letzte Mal schon wacker geholfen. Ich bin überzeugt, sie werden dies⸗ mal ihre Anstrengungen verdoppeln. Vor allem rechne ich dies⸗ mal auch auf die gewählten Mitglieder und Vextrauenspersonen des deutschen Volkes, das sie in der Heimat durch Belehrung und Appell an das vaterländische Gewissen für die neue Anleihe wir⸗ ken. Die Reichsfinanzverwaltung wird dabei mit Material gern zur Verfügung stehen. 5 8 Die Ausstattung der neuen Anleihe ist nach reiflicher und ge⸗ nauer Ueberlegung se geblieben, wie sie uns bei der letzten großen Anleihe den großen Erfolg gebracht hat. Die Sprozentige Kriegs⸗ anleihe ist heute das volkstümlichste Papier, das es i Deutschland jemals gegeben hat. Den Ausgabekurs werden wi die sich unsicher fühlen.(Beifall.) Wenn etwas unsere Zubersicht und Selbstsicherheit zu steigern vermag, dann ist es ein Vergleich mit den Finanzverhältnissen und mit den Finanzmaßnahmen unserer Gegner. Die Gesamt⸗ kosten, die dieser ungeheure Krieg verursacht, belaufen sich nach genauen Untersuchungen auf Grund des Materials, das in Deutschland überhaupt zu erreichen ist, jetzt täglich auf nahezu 300 Millionen Mark.(Hört, hört!) Monatlich erreichen sie also 8 Milliarden Mark; für das Jahr kommen wir also auf über 100 Milliarden Mark. Diese 100 Milliarden sind unge⸗ fähr der dritte Teil des ganzen beweglichen und unbeweglichen öffentlichen und privaten Volksvermögens in Deutschland. Das ist die größte Wertverschiebung, die jemals die Weltgeschichte gesehen bret. Bis vor wenigen Monaten hat dabei Deutschland die schwersten Lasten getragen; auch heute ist die Gesamtsumme der bisher aufgelaufenen Kriegskosten in Deutschland größer, als in irgend einem anderen Lande. Aber, wie im März borausgesagt, hat in der Höhe der laufenden Kriegsausgaben England uns jetzt überholt, wo die teiglichen Kriegsausgaben jetzt anscheinend 80 Millionen Mark überschritten haben. Wir wollen den Engländern diesen Vorsprung gönnen (Heiterkeit), zumal sie selbst das Gefühl haben, daß wir mit kleineren Mitteln bedeutend mehr ausrichten als sie. Noch kürzlich hat ein englischer Lord im englischen Oberhause gesagt, Deutsch⸗ land scheine mit einem halben Pfund mehr für den Krieg aus⸗ zurichten als England mit einem Pfund. Ob er recht hat, will dem Jahre vor dem Kriege in ihren Einlagen rund eine Milliarde a 15 Vor 5 wirken, daß die Arbeitgeber ihren Angestellten die Zeichnung der Ferner werden wir dieses Mal auf Grund der Erfahrungen 9 etwas höher setzen. Sensationelle Reizmittel überlassen wir denen, 5 5 . auch für die kleinen Zeichnungen unter 1000 Mk. Teileinzahlungen 5 5 0 5 mit der Begebun ich nicht unterscheiden. Aber auf manchem Gebiet hat er uns noch überschätzt.(Heiterkeit.) 1 Auf die Gesamtkosten verteilen sich die Kriegskosten ungefähr so, daß auf die Koalition unserer Feinde nahezu zwei Drittel, auf uns und unsere Verbündeten etwas mehr als ein Drittel der Kriegskosten entfallen. 5 Von den kriegführenden Ländern hat Deutschland, England und Oesterreich-Ungarn allein bisher einen nennenswerten Teil ihrer Kriegskosten durch langfristige konsolidierte Anleihen gedeckt. England hat mit seinen beiden Kriegsanleihen 18 bis 19 Mil⸗ liarden Mark aufgebracht, wovon etwa 12 bis 13 Milliarden eingezahlt sein dürften. Wir haben jetzt einen eingezahlten Betrag von 13 Milliarden Mark, und mit der bevorstehenden Kriegsanleihe werden wir auch hinsichtlich der Zeichnung allen anderen voranstehen. Oesterreich-Ungarn hat bisher durch lang⸗ fristige Anleihen nahezu 8 Milliarden Kronen aufgebracht. An⸗ gesichts des Standes der Wirtschaft und des Volkswohlstandes in Oesterreich⸗Ungarn verdient das die aller höchste An⸗ erkennung.(Beifall.) Das Gegenstück, Frankreich, bleibt dahinter weit zurück. Seine langfristige Anleihe, die Obligation de la Defence nationale, wie sie stolz genannt wird, erreichte bis heute kaum 2 Milliarden Mark.(Hört! Hört!) Das ist ungefähr der vierte Teil dessen, was Oesterreich⸗Ungarn auf diesem Gebiete geleistet hat. Den ganzen Rest seiner Kriegs⸗ ausgaben hat Frankreich bisher nur im Wege des kurzfristigen Kredits beschaffen können. Es hat rund 8 Milliarden Francs an kurzfristigen Schatzwechseln gegeben und es hat 6 Milliarden bei der Bank von Frankreich entnommen und sich zu recht un⸗ bequemen Bedingungen von England einen Kredit von 172 Mil⸗ liarden Francs geben lassen. 5 Von Rußland, Italien und den kleineren Bundesgenossen will ich nicht reden. Man soll auch gegen den Feind nicht ohne Not grausam sein.(Heiterkeit.). Nicht nur die Höhe der angebrachten Zeichnungen, sondern auch das Wie der Aufbringung ist wichtig. Hier haben wir die unbedingte Ueberlegenheit. Frankreich hat es überhaupt nicht zu einer regelrechten Anleihe gebracht. Die Obligationen sind nicht in einer einheitlichen ordnungsmäßigen Zeichnung aufgelegt worden, sondern werden wie Schatzscheine nach und nach verkauft. Neuerdings spricht man sogar von der Ausgabe von Scheinen zu 20 und 5 Franken, um der Müdigkeit der Geldgeber zu be— gegnen. Von Zeit zu Zeit spricht man auch von einer großen konsolidierten Anleihe, die kommen soll, aber für solche Opera⸗ tionen hat man in Frankreich die Zeit noch nicht für gekommen gehalten. England, das Land der 2 prozentigen Konsols, hat es zu⸗ erst mit einer 3 prozentigen Anleihe versucht. Das Zeichnungs⸗ ergebnis war mit 80 7 Milliarden Mark äußerlich gut, bei einem Ausgabekurs von 95 Prozent, die Anleihe sank jedoch am ersten Tag unter den Ausgabekurs und hat sich seitdem darunter gehalten, das ist ein Zeichen dafür, daß die Anleshe schlecht unter⸗ gebracht war. In einer schwachen Stunde hat der Börsenbericht⸗ erstatter der„Times“ kürzlich ausgeplaudert, man habe so viel von einem glänzenden Erfolg der Anleihe gesprochen, daß die Herren Kapitalisten es nicht für nötig gehalten hätten, einen besonderen Eifer an den Tag zu legen. Auf diese Weise sei die Situation entstanden, daß die großen Banken sich zu einer besonderen An⸗ strengung hötten bewegen lassen müssen, um den äußerlichen Erfolg zu retten. Das ist also das Bild der angeblich so starken Uebergeichnung der ersten Kriegsanleihe. Daraus hat sich dann die weitere Entwickelung in England ganz natürlich ergeben. Nach⸗ dem der Markt mit einer unverdauten Anleihe belastet war, konnte an ihn nicht weiter herangegangen werden, und das auch dann nicht, als sich zeigte, daß diese Anleihe, die eigentlich bis Juli reichen sollte, schon im März aufgebraucht war. Man half sich i von Schatzwechseln nach französischem Vorbild. Die Summe wurde größer, aber der Andrang der Käufer nahm ab, bis man zu der letzten großen Anleihe⸗Emission geschritten ist. 5 Ingwischen hatte Lloyd George doch wohl an der Richtigkeit seiner Zuversichtlichkeit, daß mit dem Metall der silbernen Kugeln etwas erreicht würde, gezweifelt und wie Ihnen bekannt ist, hat er das Schatzamt berlassen und sich der Fabrikation von Munition aus einem etwas härteren Metall gewidmet.(Große Heiterkeit.) Sein Nachfolger hat die neue Anleihe aufgenommen. Der Zins⸗ satz wurde um 2 Prozent auf 4½ Prozent hinaufgesetzt und die Anleihe mit weitgehenden Zinsjouissancen und Konversions rechten ausgestaltet. Die Anleihe, die bis März 1916 ausreichen sollte, hat etwas weniger als 600 Millionen Pfund Sterling gebracht und ist zum größten Teil vorgegessenes Brot, das im Dezember wie der konsumiert sein wird. Das Ergebnis wurde nur erreicht da⸗ durch, daß am Tage des Zeichnungsschlusses nach dem unverfäng⸗ lichen Zeugnis der„Times“ die großen Banken sich entschlossen haben, das Doppelte derjenigen Summe zu zeichnen, wie sie bei der ersten Kriegsanleihe gezeichnet hatten. Von den 600 Millionen Pfund kommen rund 200 Millionen auf Bankzeichnungen, obwohl der Schatzkanzler erklärt hatte, er wolle keine Bankanleihe, son⸗ dern eine Volksanleihe. Außerdem ist in den Verlegenheiten der englischen Regierung kaum eine Atempause eingetreten. Die Zei⸗ tungen sprechen schon offen von der Notwendigkeit einer weiteren großen öprozentigen Anleihe, und die„Times“ erklärt eine große Anleihe in den Vereinigten Staaten für unvermeidlich. Dem stelle ich eine Tatsache gegenüber. Bei uns sind die beiden Kriegsanleihen keinen Augenblick, an keinem einzigen Tag unter den Ausgabekurs heruntergegangen, ihre Kurse haben sich vielmehr stets darüber gehalten. Wir konnten unsere zweite Kriegsanleihe 1 Prozent höher begeben als die erste; wir werden bei der dritten Kriegsanleihe den Subskriptionskurs gleichfalls wieder etwas höherlegen. Selbst die Voreingenomensten unserer Feinde müßten sehen, wie wir auf dem finanziellen Kriegs⸗ schauplatz stehen. Die vor dem Kriege maßgebenden Staatspapiere in Eng⸗ land, Frankreich und Deutschland ergeben bei einem Vergleich, daß gegenüber dem Kurs von März 1914 die französische Zproz. Rente um rund 20 Proz. zurückgegangen ist, in Eng⸗ land 51 ja Mindestkurse vorgeschrieben für die 2 prozentigen Konsols, der Mindestkurs ist 65 Proz., im Urteil der englischen Finanzpresse noch um mehrere Prozent zu hoch, gleichwohl hat er einen Rückgang um mehrere Prozent erfahren. Unsere deutschen Staatspapiere verzeichnen einen Rückgang von 8 bis 9 Prozent. Auch hier schneiden wir am besten ab. Allerdings leisten sich auch hier von Zeit zu Zeit unsere Feinde Verleumdun⸗ gen, die beweisen sollen, daß unsere Hilfsmittel versiegen. Die Londoner Börse notiert unsere Z3prozentige deutsche Reichsanleihe, die wir vor dem Kriege auf den Markt gegeben haben, mit 497½ Prozent.(Heiterkeit.) Ich habe mich auf dem Umwege über neutrale Märkte bemüht, zu diesem Kurse die deutsche Staats⸗ anleihe zu kaufen.( Heiterkeit.) Abgesehen von meinen Inter⸗ essen an dem Sachverhalt deshalb, weil sich eine bessere Gelegen⸗ heit zu einer billigen Schuldentilgung für das Reich nicht denken ließ.(Heiterkeit.) Es ist mir nicht gelungen, auch nur ein ein⸗ ziges Stück zu bekommen.(Heiterkeit.) Trotzdem ist der Kurs von 49½ Prozent sofort mit der entsprechenden Begeisterung auf⸗ genommen wocden.(Heiterkeit.) Der Gaulois schrieb: Auf finan⸗ 5 7 Gebiet hat also, wie auf allen übrigen Gebieten, das eutsche Débacle angefangen.(Heiterkeit. Ein 5 Debacle war in den Augen unserer Feinde die Reichsbank. Zwar ist der Goldbestand der Reichsbank seit Kriegs⸗ gusbruch um mehr als eine Milliarde gestiegen und die Gold⸗ deckung heute um 5,4 Proz. besser als in Frankreich und 8 Proz. besser als in England trotz der großen Einzahlungen auf die letzte Kriegsanleihe, aber auch diese Zahlen nützen nichts. Neuerdings erklärte man sogar, die Erhöhung des Goldbestandes der Reichs⸗ bank komme daher, daß wir uns den Goldbestand der österreichisch⸗ ungarischen Banken angeeignet hätten.( Heiterkeit.) Die Bank von England hat ja die Goldreserven der Kolonien an sich genom⸗ men und auch nach jeder Leistung finanzieller Art an Rußland und Frankreich sich klingendes Gold zuführen lassen. Wir haben unserem Bundesgenossen allerdings auch finanziell zur Seite ge⸗ standen, wie es der guten Waffenbrüderschaft entspricht. Unsere 3 deutschen Banken haben in der österreichisch⸗ungarischen Monarchie gewisse finanzielle Transaktionen im Einverständnis mit der Reichsleitung abgeschlossen. Wir haben außerdem gegenüber den Türken, die sich so ausgezeichnet schlagen(Beifall) die Pflichten des finanziell stärkeren Bundesgenossen bisher erfüllt und werden sie weiter erfüllen. Geschachert haben wir mit unseren Bundesge⸗ nossen nicht. Gold haben wir ihnen nicht abgenommen. Unsere treuen Verbündeten, die ihr Blut mit uns vergießen, als Objekte geschäftlicher Ausbeutung zu behandeln, das ist nicht deutsche Art (Beifall), das ist britischer Stil.(Lebhafte Zustimmung.) Im März bezeichnete ich als den einzigen wunden Punkt unserer Finanzverfassung die Gestaltung unserer auswärtigen Wechselkurse. Damals habe ich mich zu zeigen bemüht, auf wel⸗ chen Zusammenhängen der Rückgang unserer auswärtigen Wechsel⸗ kurse während dieses Krieges beruht, nämlich auf der starken Unterbindung unseres Exports und in der Sperrung unserer Kapitalanlagen im Ausland. Die Dinge haben sich auf diesem Gebiet bei uns nicht erheblich gebessert, aber auch nicht ver⸗ schlechtert. Die Sache ist heute ungefähr auf demselben Stand, auf dem sie im März gewesen ist. Nachdem man ein halbes Kriegsjahr weiter hinter sich hat, ist das schon ein Fortschritt, während sonst Stillstand Rückschritt bedeutet. Dagegen ist den Franzosen und Engländern der Spott darüber inzwischen schon dergangen. Das stolze England, dem die Meere offen stehen, das über fremdes und eigenes Vermögen verfügt, kämpft einen verzweifelten Kampf um die Aufrechterhaltung des Sterlingkurses, dessen Entwertung immer größer wird und der in der letzten Zeit in New Pork bis 5 Prozent unter die Parität heruntergegangen ist(Hört, hört!), ein Fall. der sich seit dem napoleonischen Kriege nicht ereignet hat. Frankreich, dessen Valuta im März noch volle Parität hatte, bezahlt heute ungefähr für 100 Schweizer Franken 110 französische Franken, und in New Vork ist gestern ein Disagio von 16 Prozent auf die französische Valuta gewesen, die dort also schlechter als die deutsche ist.(Hört, hört!) Aber auch hier haben die Franzosen einen Trost leicht bei der Hand. Der Finanz- minister Ribot sagte in der Kammer: Eine Entwertung unseres Kredites liegt in keiner Weise vor, es bestehen einfach nur gewisse Schwierigkeiten in der Bezahlung.(Große Heiterkeit.) Die Kam⸗ mer hat diese Worte allseitig tres bien gefunden. Das Geheimnis unseres Erfolges auf dem finanziellen Kriegs⸗ schauplatz liegt nicht in dem, was man gemeinhin Reichtum nennt. Darin ist uns das britische Weltreich und auch Frankreich un⸗ bestreitbar überlegen. Der Reichtum, dem wir den Erfolg ver⸗ danken, ist nicht etwa die Summe von geldwerten Ersparnissen, er umfaßt vielmehr unseren gesamten wirtschaftlich-technischen Apparat und steht vor allem in der lebenden Arbeitskraft unseres Volkes, im Krieg für den Krieg zu schaffen. Worauf der finanzielle Krieg basiert, das ist nicht etwa unser Stock von rol⸗ lendem Geld, das ist die Summe von Kriegsmaterial und Unter⸗ haltsmitteln, die unser Volk Gott sei Dank auf eigenem Boden und mit Anspannung aller Energie stets aufs neue erzeugt. Das Geld wird dabei gebraucht, aber nicht verbraucht. Das Geld spielt dabei die Rolle der Eisenbahnen, die unseren Kämpfen die not⸗ wendigen Truppen zuführen. Und wie die Eisenbahnwagen voll⸗ gefüllt nach den Fronten hinausrollen und dann wieder nach den heimatlichen Arbeitsquellen zurückkehren, so rollt das Geld aus der Reichskasse hinaus bei der Bezahlung der Kriegsausgaben und so kehrt es zurück, muß es zurückkehren auf dem Wege der Ein⸗ zahlung auf die Kriegsanleihen. Ein wohlgeordnetes gut funktionierendes Geldfinanzwesen ist für die Durchführung des Krieges ebenso wichtig, wie ein leistungs⸗ fähiges Eisenbahnsystem. Aber auch das beste Eisenbahnsystem nützt nichts, wenn nichts zu transportieren da ist. Und das beste Geldsystem ist zu richts nutz, wenn die Arbeit des Volkes nicht die Dinge schafft, die zum Wegführen nötig sind. Wo das Geld über die Grenzen rollt, um draußen durch Ankäufe von Kriegsmaterial und Nahrungsmitteln die mangelnde innere Erzeugung zu ergän⸗ zen, da rollt es nicht so leicht zurück, da treten Stockungen ein, wie wir an unsern Gegnern beobachten. Darum mögen unsere Feinde ihre Geldmaschine reparieren und noch so sehr auf unsere Methoden schauen, nützen wird ihnen das erst, wenn sie uns die Leistungsfähigkeit unserer Landwirtschaft und unserer Industrie, wenn sie uns in allen lebenswichtigen Produktionszweigen unsere Unternehmer und unsere Arbeiter nachmachen(Beifall), und wenn sie uns unser Heer nachmachen können.(Beifall.) Denn dazu gehört eben doch etwas mehr als die aus der Not des Augenblicks geborene Einsicht; dazu gehören Generationen langjähriger Schu⸗ lung und Feisammenarbeit, dazu gehört eiserne Erziehung, Pflicht und Disziplin, dazu gehört das in tausendjähriger Geschichte zu Stahl zusammengeschweißte Volkstum.(Lebhafter Beifall.) An diesem stahlharten deutschen Volkstum wird ihre Zahl und Macht, ihr Geld und ihr⸗ Tücke zerschellen.(Lebhafter Beifall.) Wir tragen den Sieg in uns. Wir fühlen die Verheißung des Sieges doppelt stark in diesen Tagen, wo unter den Donnerschlä⸗ gen unserer festungbezwingenden Geschütze Schwankendes Gestalt gewinnt, wo jeder das Herannahen großer Entscheidungen fühlt, wo der Flügelschlag der Weltgeschichte, des Weltengeschickes in der kleinsten Hütte hörbar wird. Wir wissen in diesen Tagen Heer und Volk durchdrungen von dem Bewußtsein, daß es abermals gilt, alle Kräfte daranzusetzen, wir wissen, daß es in jedem zuckt, mit Hand anzulegen bei der großen Entscheidung draußen, bei der Feldschlacht, im Festungskrieg, daheim im wirkschaftlichen und fi⸗ nanziellen Ringen. Deshalb vertraue ich, der Kredit, den Sie jetzt bewilligen werden, wird vom ganzen Volke gutgeheißen, feiner wird sich ausschließen von der Beteiligung an der neuen Volksan⸗ leihe, Groß und Klein werden ihre Pflicht tun. Die Daheimgeblie⸗ benen werden abermals den Kriegern draußen ihren Dank ab⸗ statten und sich ihrer würdig erweisen(Beifall), die Daheimgeblie⸗ benen werden dazu beitragen, daß neue durchschlagende Erfolge uns näher bringen dem Frieden, einem dauernden Frieden, der uns die Vollendung des Werkes von 1812 und 1870 sein wird, einem Frieden, der uns und unsere Verbündeten dauernd sichert vor Ueberfall und Begehrlichkeit, einem Frieden, der unsere Geg⸗ ner aus dem Abgrund irregeführter Leidenschaften, künstlich ge⸗ züchteter Wahnideen zur Selbstbesinnung zurückleitet, der den blu⸗ tenden Völkern Entwicklungsfreiheit bringt, deren dieser Erdteil bedarf, um in der Welt seinen Platz zu behalten und seine Mission zu erfüllen.(Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Abg. Dr. David(Soz.): Deutschland hat auch auf finanziellem Gebiete gezeigt, daß es besser dasteht als seine Gegner, daß seine Kraft nicht gebrochen ist und nicht gebrochen werden kann. Es kommt hinzu, daß die für den Krieg verausgabten Summen zum weitaus größten Teile im eigenen Lande geblieben sind. Wir sind nicht in Schulden ans Ausland geraten, wie Frankreich, England, Rußland. Die Gläu⸗ biger des Reiches wohnen im Reiche selbst. Dieses Ergebnis der englischen Absperrungsstrategie ist für unsere Finanzkraft und für die künftige wirtschaftliche Gestaltung Deutschlands von größ⸗ ter Bedeutung. Es ist aber auch bedeutungsvoll für die Frage, wie schließlich das Reich den steigenden Bedarf zu decken hat. Es ist eine Forderung der sozialen Gerechtigkeit, wenn das Reich sich einen ganz erklecklichen Anteil an den Kriegsgewinnen aus Lieferungen sichert. Die Reichsleitung stimmt diesem Gedanken grundsätzlich bei, und ich füge hinzu: Je rascher sie diese Auf⸗ gabe in Angriff nimmt, umso besser.(Sehr richtig!) Hoffentlich wird es nicht nötig werden, daß die Regierung später noch ein⸗ mal mit einer Kriegskreditvorlage an uns herantritt. Ich gründe diese Hoffnung auf die glänzenden Leistungen der tapferen Trup⸗ pen.(Beifall.) Ihre großen Erfolge im Westen und die gewal⸗ tigen Siege im Osten erfüllen uns mit Stolz und Bewunderung. (Beifall.) Auch uns ist es ein Herzensbedürfnis, allen denen, die ihre Kraft, ihre Gesundheit, ihr Leben für das Vaterland einge— setzt haben, heißen Dank auszusprechen.(Lebhafter Beifall.) Die Dankesschuld kann natürlich nicht in bloßen Worten bestehen. Die Männer, die draußen für uns ihr Leben aufs Spiel setzen, müssen die Gewißheit haben, daß für die Ihrigen in der Heimat aus⸗ reichend gesorgt ist; und denjenigen, die durch den Krieg in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt werden, soll die Furcht genommen werden, daß fie un materiellem Elend preisgegeben sind. In allen Fällen, wo schleunige Hilfe not tut, muß sie ohne falsch angebrachte beben, Sparsamkeit auch schleunig gewährt werden.(Sehr richtig!) Ferner muß alles ver⸗ mieden werden, was die Stimmung der Mannschaften herab drücken kann. Immer wieder kommen Klagen über schlechte Be. handlung, namentlich bei der Ausbildung neuer Truppen in der Heimat.(Hört, hört, b. d. Soz.) Auch in der Ernährung machen sich bei den neu Ausgebildeten Uebelstände bemerkbar. Aelteren Leuten von schwächlicher Konstitution sollte man nicht ohne eine Uebergangszeit dieselbe Kost geben, die sonst für junge Männer von 20 Jahren bestimmt ist. Daraus ergeben sich oft gesundheit⸗ liche Schädigungen. Eine falsch angebrachte Sparsamkeit liegt auch in der Herabsetzung der Verpflegungsgelder für außerhalb der Kaserne wohnende Soldaten. Ebenso könnte in der Gewährung von Heimaturlaub manche unnötige Härte vermieden werden. 5 Es muß mit aller Energie darauf gedrungen werden, daß die Quellen von Verstimmung und Verbitterung zu fließen aufhören. Wir müssen alle unser Bestes tun, um alle Schichten un⸗ seres Volkes in diesem furchtbaren Ringen ge⸗ gen eine Welt von Feinden zu stärken.(Beifall.) Eine offene Kritit, wo sie notwendig ist, kann dabei nicht schaden, sondern nur nützlich sein. Denn nichts wäre verhängnisvoller, als den Kopf in den Sand zu stecken vor bestehenden Mißständen. Das Parlament darf sich seiner Pflicht, hier Abhilfe zu schaffen, um so weniger entziehen in einer Zeit, in der durch den Belagerungs⸗ zustand und die Zensur jede andere Kritik erschwert i Sorgen wir für die Hebung der wirtschaftlichen und seelischen Wider⸗ standskraft unseres Volkes. Die Versorgung der breiten Volks⸗ schichten mit ausreichender Nahrung ist nicht weniger wichtig, als die Versorgung der Armee mit Munition.(Sehr richtig!) Wie es der Heeresverwaltung gelungen ist, unser Heer vor dem Mangel an Munition zu bewahren, so muß es auch der Zwilverwaltung gelingen, die Heimat vor Nahrungssorgen zu schützen.(Sehr richtig!) Wir erkennen an, daß die Reichsleitung sich alle Mühe gegeben hat, dahin zu gelangen, aber eine befriedigende Lösung hat sie nicht gefunden. Vor allem ist eine wesentliche Herabsetzung der Höchstpreise erforderlich, und sie ist durchführbar, denn wir haben eine gute 1 7 Mengen an Lebensmitteln für das kommende Jahr im Lande. 3 5 a Jeder Lebensmittelwucher muß ausgeschaltet werden. Nie⸗ mand hat das Recht, seinen Beutel mit Extragewinnen zu füllen, während Millionen und aber Millionen ihr Gut und Blut für die Gesamtheit opfern. Die stärkste Strafe ist hier am Platze. Mit Recht hat Staatssekcetär Delbrück in der Kommission gesagt: Gewissenlosem Lebensmittelwucher muß das Brandmal des Ver⸗ lustes der bürgerlichen Ehrenrechte aufgedrückt werden.(Sehr rich⸗ tig). Die Unterstützungsgelder müssen unbedingt erhöht werden, sonst treffen Sorge und Entbehrungen Millionen von Famissen. Für Beschaffung der Winterkleidung und zur Beschaffung von Heizmaterial müssen besondere einmalige Unterstützungen bereit gestellt werden. Bleibt die physische und seelische Widerstandskraft unseres Volkes im Felde und daheim erhalten, dann dürfen wir allem, was kommen mag, ruhig ins Auge sehen. So wenig unsere Gegner unsere Wehrmacht 1 önnen, so wenig werden sie mit ihrem Aushungerungs⸗ und Erschöpfungsplan durch Aus⸗ dehnung des Krieges zum Ziele gelangen.(Sehr rar 5 Wie in allen Völkern, so lebt natürlich auch im eutschen Volke die Sehnsucht nach dem Frieden. Auf eine möglichst baldige Beendigung des blutigen Krieges müssen jedes gesittelen Menschen Wünsche gerichtet sein. Was wir früher, ins⸗ besondere am 4. August, gesagt haben, gilt auch heute, noch: Wir fordern, daß dem Kriege, sobald das Ziel der Sicherung des Reiches erreicht und die Gegner zum Frieden geneigt sind, ein Ende gemacht wird, der Friede und Freundschaft mit dem Nachbarvolk ermöglicht. Nicht Eroberungssucht hat das deutsche Volk in den Krieg getrieben. Die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers haben für dieses Wort des Kaisers neues Beweis⸗ material erbracht. Leider sind aber unsere Feinde noch nicht zum Frieden geneigt. Ihre Staatsmänner wollen den Krieg fortsetzen bis zur vollständigen Niederwerfung Deutschlands und zur Durchsetzung ihrer Eroberungspläne. Sie hoffen, neutrale Staaten für sich zu gewinnen, sie bezeichnen die Zeit als ihren großen Verbündeten, um unsere wirkschaftliche und 1 Kraft zu erschöpfen. So bleibt uns denn, wollen wir unsere Gegner zum Frieden geneigt machen, nichts übrig, als sie. de. der Einsicht zu bringen, daß diese Hoffnung eitel ist.(Sehr richtig!) Der Herr Reichskanzler sagte in seiner gestrigen Rede, olk fähig sei, gestützt auf die eigene sittliche Kraft. 1 8 Die Nut. bie 1 0 die ee Stärke gab, könnten wir nicht anders als im Sinne der Freiheit gebrauchen. Er sagte, daß mit Bezug auf die Gestaltung der äußeren Verhältnisse beim Friedens⸗ schluß. Ich halte es für meine Pflicht, dem hinzuzufügen, daß wir erwarten, daß dem deutschen Volk auch ein größeres Maß politi⸗ scher Freiheit gewährt wird.(Lebhafte Zustimmung.) Die neuen Bahnen, die beschritten werden sollen, müssen dem Ziele zufüh⸗ ren, das allein die wirtschaftliche und kulturelle Zukunft unseres Volkes sichert: Gewährung gleicher politischer Rechte in Ge⸗ meinde, Staat und Reich. Wer es noch nicht wußte, muß in die⸗ sem Kriege erkannt haben, daß die Massen des deutschen Volkes durch ihre Tüchtigkeit, ihren organisatorischen Geist und ihr so⸗ ziales Pflichtgefühl bewiesen haben, daß ihnen volle politische Eleichberechtigung nicht mehr versagt werden darf. Höhere Rechts⸗ und Kulturzustände innerhalb unseres Volkes und von Volk zu Volk— das muß das unverrückbare Ziel einer Politik sein, die den höchsten Interessen unseres Volkes und der geb gel Menschheit dient, im Dienste und im Kampfe für dieses Ziel werden wir auch diesmal der Kriegsanleihe unsere Zustimmung geben.(!Beifoll.) Abg. Dr. Spahn(Zentrum). geht zunächst, auf der Tribüne fast unverständlich, auf die gestrigen Ausführungen des Reichskanzlers über unsere Beziehungen zu England ein. Der Kanzler war durchaus im Recht, als er sich be⸗ müßte, eine Verständigung mit England zu suchen. Ich habe die Zuversicht, daß es dem Vierverband auch fernerhin nicht gelingen wird, Rumänien, Bulgarien und Griechenland aus der Neutralität herauszureißen. Unser Heer und unser Volk hat seine hohe reli⸗ giöse, geistige, körperliche und wirtschaftliche Kraft in diesem Kriege aufs glänzendste bewährt, und es ist sein einmütiger Wille, mit grenzenloser Hingabe an das Vaterland durchzuhalten bis zu einem erfolgreichen Schluß. Wir stimmen dem Vorredner voll darin bei, daß es die Pflicht des Vaterlandes ist, ausreichend für die daheimgebliebenen Familien unserer Krieger zu sorgen. Unter Anstrengung aller Kräfte ist es uns gelungen, in diesem Kampfe von Erfolg zu Erfolg zu schreiten, ihn siegreich zu führen, zu Lande, zu Wasser und in der Luft.(Beifall.) n Abg. Bassermann(Natl.): 8 Die Ausführungen des Staatssekretärs haben uns ein glän⸗ zendes Bild von der Finanzkraft des deutschen Volkes gegeben Wir alle sind von Genugtuung und Dank erfüllt, für die Finanz⸗ leitung der Reichsgeschäfte und für die Tätigkeit der Reichsbank⸗ verwaltung, die es in dieser schweren Zeit verstanden haben, über ein Heer bon finanziellen Schwierigkeiten Herr zu werden. Der Reichsbankpräsident hat in ausgezeichneter Weise dazu beigetra⸗ gen, daß wir auch den finanziellen Krieg kraftvoll führen konnten. Die Aufgabe war groß und schwierig, da vom Kriegsministerxium und vom Generalstabe immer erneute Ergänzungen unserer Armee durchgeführt wurden und eine Vermehrung unserer For⸗ mationen erfolgte, wie sie die Kriegsgeschichte noch nie gesehen hat. Die Lösung der Verpflegungsfrage, die Deckung der Muni⸗ tion mußte an die finanzielle Anspannung die größten Anforde⸗ rungen stellen. Diese Fragen sind gelöst, und die Hoffnung unse⸗ rer Feinde, daß ein Erfolg unserer Waffen schließlich an der Finanzkraft des Reiches scheitern müsse, ist zu Wasser geworden. dieser Krieg habe an den N welcher Größe das deutsche 8 i — — FFF ,Die Artundraung einer griehsgewinnfteuer behrüßen ouch wir. Wir begrüßen es, daß eine Einigung über die Grundzüge dieser Steuer erfolgt ist und erachten es mit den Vorrednern als Gebot sozlaler Gerechtigkeit, daß die Steuer eingeführt wird. Wir teilen auch die Zuversicht des Staatssekretärs, daß auch die neue Kriegsanlei bon Erfolg gekrönt sein wird. Der Appell an die Opferwilligkeit der Nation wird nicht unerhört verhallen. Der Reichskanzler hat uns sehr interessante Aufschlüsse über die Vor⸗ eschichte des Krieges gegeben, aus denen hervorgeht, daß Eng⸗ and der Friedensstörer war. Wir haben den Eindruck aus den Aus 8 des 3 gewonnen, daß Deutschland den Frieden erhalten wollte nd daß die Behauptung falsch ist, wir hätten einen Präventipkrieg führen wollen. Unerhörte Ver⸗ schiebungen der Tatsachen, Unwahrheiten, Verleumdungen, und man darf auch sagen, ein gut Teil Heuchelei, liegt in den Erklä⸗ rungen unserer Feinde. Der deutlichste Beweis für die Friedens- liebe der uts liegt vor allem in dem Verhalten Deutsch⸗ Lands gegen Oesterreich⸗-ungarn. Wenn man das österreichisch⸗ ungarische Rotbuch zur Hand nimmt, so findet man die gestrigen Ausführungen des Kanzlers bestätigt durch das Telegramm des Grafen Berchtold an den österreichisch⸗ungarischen Bokschafter in n W Li 3 t: Das beweist gar⸗ 1 en er, in das auch ei i ial⸗ 1 5 3 Dr. David hat heute erklärt, daß seine Fraktion den Kriegs— kredit bewilligen werde. Darin liegt 5— stätigung der Hal- tung, die die Sozialdemokratie am 4. August vorigen Jahres ein⸗ nahm. Wir begrüßen die Erklärung des Abgeordneten Dr. David gern. Mögen über die Ziele Meinungsverschiedenheiten bestehen, einig ist unser Volk in dem Willen, den Krieg siegreich zu beenden und bis zu einem Deutschland sichernden Frieden durchzuhalten. Aus den Ausführungen des Abg. Dr. David klang die Sorge für die Ernährung der heimischen Bevölkerung heraus. Ich möchte diese Worte 1 unterstreichen. Das Reichsamt des Innern stand einer riesigen Aufgabe gegenüber, für die es kein Vorbild in der Vergangenheit gab. Neue Organisationen mußten gefunden wer⸗ den und sind ute gefunden in einer Reihe von Gesellschaften, die auf dem Gebiete der Volksernährung arbeiten. Daß Fehler bei dieser großen Aufgabe gemacht wurden, mag sein; die Reichs⸗ leitung und die Budgetkommission des Reistages waren aber be⸗ reit, Hand in Hand zu gehen, und schließlich sind wir auf die Wege ekommen, auf denen die Zukunft unseres Volkes sichergestellt ist. uf die Kriegsziele näher einzugehen, ist mir unmöglich. Die Polenfrage wird man lösen müssen aus den Interessen und For⸗ derungen der Polen heraus, aber auch unter voller Berücksichtigung der nationalen Interessen Deutschlands.(Beifall.) Der Reichskanzler hat gestern gesagt: Wir haben die Senti⸗ mentalität verlernt. Dieses feierliche Bekenntnis 1 von hoher Be⸗ deutung. Niemals, seit die Weltgeschichte besteht, hat sich ein Volk in allen Pflichten so glänzend bewährt, wie das deutsche, niemals aber auch so 9 Opfer an Blut und Menschenleben ge⸗ tra en, niemals so viel Kummer und Elend durch die 1. 0 Politik seiner Feinde zu leiden gehabt. Es ist eine Geschichts⸗ mission des Deutschen Reiches, daß der Sieg, an dem nicht zu zweifeln ist, unsere Zukunft sichern und uns einen langen Frieden gewährleisten muß. Der Friedensschluß darf dann nur diktiert 5 von den deutschen nationalen Interessen. Beifall.) Die wirtschaftlichen Maßnahmen, die hier beschlossen werden, müssen frei sein von bureaukratischer Eng⸗ herzigkeit. Angesichts der N Opfer, die der Krieg in die Familien hineinbringt, muß die Sorge des Deutschen Reiches dafür eintreten, daß niemand Not leidet. Dr. David sprach von der Zeit nach dem Kriege. Auch wir sind der Meinung, daß die Zeit nach dem Kriege von neuen Gedanken erfüllt sein wird und erfüllt sein muß. Millionen deutscher Krieger werden in das bürgerliche Leben zurückkehren und mit ihren Ideen Deutschland erfüllen. Eine neue Zeit wird anbrechen. Kein Staatsmann wird sich der Aufgabe entziehen können, mit Reformen vorzugehen, mit manchem alten Zopf aufzuräumen; auch keine Partei wird sich dieser Aufgabe entziehen können. Das ist nicht nur eine N sondern eine sittliche Forderung. Meine Freunde werden gern bereit sein, in neuer Zeit an der Verwirklichung dieser Idee mitzu⸗ arbeiten. Auch ich möchte ein Wort von unserem Heere sagen. Der deutsche Soldat ist human, er schont Frauen und Kinder. Er zerstört nur da das Eigentum, wo es die Forderung des Krieges gebietet. Diese Forderung aber muß er erfüllen, denn jede Schwächlichkeit in dieser Beziehung würde mit Strömen deutschen Blutes bezahlt,(Sehr richtig) Darum haben wir verlangt, daß der Luft⸗ und Unterseebootkrieg mit voller Energie und ohne Zau⸗ dern weiter fortgeführt wird.(Beifall.) Von heißem Dank er⸗ füllt sind wir für unser herrliches Heer und unsere tapfere Flotte. Glänzende Waffentaten sind geschehen. Wir lesen mit Bewunde⸗ rung und Stolz aus tausenden veröffentlichten Briefen, mit wel⸗ cher Zähigkeit der deutsche Soldat durchhält, wie er selbst im Mo⸗ ment völliger e wenn er erneut zum Sturm befohlen wird, das Letzte hingibt. Er bewährt sich im Stellungskriege und im Frontalangriff. Die stärksten Festungen farrg in kürzester Frist, und selbst schwache Linien bestehen die stärksten feindlichen Offensiven. Mit Stolz nennt das Volk unsere Heerführer Hinden⸗ burg, Mackensen, Beseler und wie sie alle heißen, die Führer unserer Flotte und die Männer des deutschen Generalstabes. (Beifall.) Unser Kaiser war ein Friedensfürst. Wenn er pflicht⸗ getreu im Bunde mit einer verständnisvollen Volksvertretung die glänzende Rüstung des Reiches geschaffen hat, so ist es geschehen nicht um Eroberungen zu machen, sondern um unsere Grenzen zu sichern. Der Krieg ist dem deutschen Volke aufgedrungen worden. Möge der Kaiser ihn mit kraftvoller Hand beendigen und uns einen Frieden bringen, der seinen Namen mit ehernem Griffel in die Tafeln der deutschen Geschichte einträgt, nach dieser ge · waltigsten Zeit, die die Welt je gesehen hat.(Lebhafker Beifall) Abg. Fischbeck(Vpk.): Man ist gern geneigt, den Produzenten und Händlern die Schuld an den hohen Preisen beizumessen; aber sie liegt auch zum Teil an dem sozialen Gewissen des Einzelnen, das noch geweckt werden muß. Wir hoffen, daß es möglich sein wird, einer Teue⸗ rung zu begegnen, und wir stimmen alle darin überein, daß finanzielle Beihilfen des Reiches bereitgestellt werden mũssen, um insbesondere die Lebenshaltung der schwer leidenden An⸗ gehörigen unseres Heeres zu erleichtern. Wenn wir sehen, wie die bielen Milliarden für die Kriegführung aufgebracht werden, dann müssen sich auch die Mittel finden lassen, um für die Volksernäh⸗ tung das Rechte zu tun. Die angekündigte Kriegsgewinnsteuer wird auch die Unterstützung meiner Partei finden. Mit einer Redewendung läßt sich eine gerechte Heranziehung zu dieser Steuer nicht erreichen, aber der Gedanke der Steuer an sich ist gesund. Und da die Notwendigkeit vorliegt, so wird sich auch der Weg finden, um die ungerechten und ungesunden Vermögens⸗ bildungen zu den Lasten des Krieges heranzuziehen. Dias deutsche Volk hat alles, was von ihm gefordert ist, gern dem das den Aus⸗ d elle Grundlage dem zuerstakten, um dafür zu sorgen, daß ein Friede geschaffen wiißy so stark, daß es dem Frevelmut unserer Feinde nicht gelingt, un. sern Kindern und Kindeskindern wieder einen solchen Ueberfall zu bereiten. a en Die Stunde wird kommen, two die Beziehungen zdischen den Völkern wieder aufleben werden. Schon jetzt muß alles geschehen, um auch auf wirtschaftlichem Gebiete diese Beziehungen der Völker wieder anknüpfen zu können. Es ist etwas Schönes um das Ver⸗ trauen, in dem wir draußen im Schützengraben und im Innern leben. Die Klassengegensätze verschwinden, ohne Rücksicht auf die Parteien, rechts und links schließen wir uns zu gemeinsamem Ar⸗ beiten zusammen zu dem großen Ziele eines siegreichen und ehren⸗ vollen Friedens. Möge dieser Zustand auch über den Krieg hin⸗ aus fortleben und die Beziehungen von Mensch zu Mensch auch das öffentliche Leben erfüllen, wenn wir wieder zur friedlichen Arbeit zurückkehren. Was der Reichskanzler gestern von der Be⸗ freiung der Völkerschaften im Osten vom moskowitischen Joche, na⸗ mentlich im Hinblick auf die Polen gesagt hat, dem stimmen wir zu und wollen hofsen, daß dieser Krieg auch dazu beiträgt, daß uns in Zukunft Vertrauen untereinander und auf diesem Ver⸗ Geifauf ene politische Freiheit im Innern erblühen möge. eifall. Abg. Dr. Oertel(Kons.)!: Dem Dank, den wir unserem über alles Lob erhabenen tapferen Heere und seinen großen Führern schuldig sind, 5— wir uns an. Ein so heldenhaftes Ringen hat die Geschichte der Völker noch nicht gesehen. Kein Vergleich der Kämpfe früherer Zeiten mit denen von heute läßt sich durchführen. Die Helden lieder der Vergangenheit müssen schweigen gegenüber den gewal⸗ tigen Taten im Osten und Westen. Die Bilder der Vergangenheit verblassen gegenüber dem, was wir sehen durften, dank den Männern, die hier Unmenschliches geduldet und erkämpft haben, dank den Führern, die die Siege geplant und vorgezeichnet und mit Aufbietung aller ihrer Kräfte durchgeführt haben(Beifall), dank den Männern zu Lande, zu Wasser und in der Luft, und auch dank unseren Schutztruppen, die da draußen 51 einem verlorenen Posten mit einem Heldenmut gekämpft, haben, der ihnen die Dankbarkeit des Vaterlandes für alle Zeit sichert. (Beifall.) Wenn sie auch nicht in allen Schutzgebieten den Kampf siegreich durchführen konnten, wenn sie einer brutalen Uebermacht 2 so wird dadurch unsere Dankesschuld nicht geringer. Das Schicksal unserer Schutzgebiete, an denen wir mit voller Seele hängen. wird nicht in Afrika entschieden!(Zustimmung.) Wie es enkschieden wird, das haben uns die letzten Tage gezeigt! (Beifall.) Die Bewilligung des Nachtragsetat ist selbstverständlich. Wir können gewissenhaft und gern das bewilligen, was das Vaterland von uns heischt, nachdem wir soeben aus der Rede des Reichs⸗ schatzsekretärs gehört haben, wie stark und ungebrochen und für die Zunkunft unerschütterlich die finanzielle Kraft des Deutschen Reiches steht. Kunststückchen, um diese finanzielle Kraft auf- zuplustern, brauchen wir nicht, das überlassen wir anderen, denen diese Kraft fehlt.(Sehr richtig) Der Reichskanzler hat gestern in Worten, die allgemeiner Zustimmung würdig waren, nochmals gezeigt, wie unser Volk und unsere Regierung alles ver⸗ mieden haben, was den Krieg hätte herbeiführen können. Er hat es für nötig befunden, nochmals manches zu wiederholen, was er schon früher gesagt hatte oder was in dem halbamtlichen Blatt veröffentlicht worden war. Ich bin ihm dafür dankbar, denn die Inappe, in sich geschlossene r war außerordentlich wirkungsvoll und für jeden, der Sinn für Wahrheit hat, über⸗ eugend. Dieser Sinn scheint allerdings manchen Leuten und ölkern abzugehen. Deshalb teile 0 auch nicht die Hoffnung, daß wir die Verleumdung unserer Gegner tatsächlich beseitigen können, und wer nicht sehen will, wer sich gewaltsam die Augen verschließt, dem ist nicht zu helfen. Wir haben in diesen Tagen kennen gelernt, wie richtig ein römischer Dichter die Verleum⸗ dung als ein unsterbliches Scheusal gekennzeichnet hat. Dem Urteil der G können wir ruhig entgegensehen. Englands Einkreisungspolitik des Königs Eduard VII. hat diesen Krieg nicht bloß verschuldet, sondern planmäßig vorbereitet.(Sehr richtig!), vielleicht allerdings für eine etwas spätere Zeit. Das legen die Aktenstücke aus Belgien durchaus überzeugend dar. Unsere Regierung muß dafür 1 daß diese Aktenstücke so weit und so intensiv wie möglich überall verbreitet werden. Ein deut⸗ scher Staatsmann mußte bei der Eigenart des deutschen Volkes, bei der sittlichen Tiefe der deutschen Auffassung und bei der Stärke des 7 1 85 Verantwortungsgefühles alles kun, um trotz dieser offensichtlichen Einkreisungspolitik einen Krieg womöglich zu ver⸗ hüten. Das hat der Reichskanzler getan, ob leich er vielleicht innerlich davon überzeugt war, oder doch ahnte, daß seine ehrlichen Bemühungen vergeblich sein würden. Daraus wollen wir ihm keinen Vorwurf machen. Wir wollen aber auch denen daraus keinen Vorwurf machen, die schon vor Jahren an dieser Stelle immer wieder gesagt haben: wir trauen dem englischen Vetter nicht 5 recht, wir fürchten, daß jeder Verständigungsversuch auf unsere dosten erfolgt und schließ ich doch zu keinem Ziele führt. Hoffent⸗ lich haben wir später auch in dieser Richtung Sentimentalitäten verlernt!(Beifall.) Ich danke dem Reichskanzler, daß er das Märchen des eng⸗ lischen Premierministers zerstört hat, Deutschland habe im letzten Augenblick den Krieg unnättelbar verschuldet, weil es den Kon⸗ 3 abgelehnt habe. Jeder Eingeweihte wußte, das war ein rchen, aber es war nicht überflüssig, daß gestern wie⸗ derum der englische Premierminister mit Fug und Recht als ein Mann hingestellt wurde, dessen Verhältnis zur ür 20 für den normal sittlichen Menschen unfaßbar ist.(Sehr ri NK Auch weiter danke ich dem Reichskanzler dafür, daß er wieder klar⸗ gemacht hat, daß die Russen zuletzt den Krieg durch ihre Mobi⸗ lisierung unausbleiblich machten. Man meint zwar, Rußland sei in den Krieg hineingetrieben worden. Es ist aber dem Treiber so entgegengekommen, daß man schließlich nicht weiß, wo letzten Endes die Schuld ruht.(Sehr richtigl) Rußland und England mũ gleich beurteilt werden, sie sind von glei⸗ cher Schuld, bedeuten für uns eine gleiche Gefahr. Ich unter⸗ schätze die englische Gefahr nicht; ich möchte aber dringend war⸗ nen, die russische Gefahr für unsere Weltstellung, unser Wirt⸗ schaftsleben und unser Volkstum zu unterschätzen. Das deutsche Volkstum steht vor einer großen Aufgabe. Wenn es diese große N übersehen sollte, wenn es nicht an ihre Erfüllung herangeht, dann wäre es dem unerbittlichen Urteile der Weltgeschichte verfallen.(Sehr wahr!) Deshalb schauen wir nicht nur nach Westen, sondern nach Often. Die Ausführungen des Reichskanzlers über die Besetzung der polnischen Gebsete war so wenig greifbar und deutlich, daß es schwer, ja unmöglich ist, dazu Stellung zu nehmen. Wir müssen uns diesen Ausführungen ge ⸗ genüber nach jeder 4 einen Vorbehalt machen. Das gilt aber nicht gegenüber den Worien des Reichskanzlers am Schlusse seiner Rede, daß dieses blutige Ringen Europa nicht so lassen werde wie bisher, die Stellung Deutschlands, die hartbedrohte, müsse stärker, fester sein. Diese stärkere und festere 3 müssen wir unbedingt unserem Vaterland bereiten, unserm Vol und unsern Nachfahren schaffen Wir müssen, was der Herr Reichskanzler früher einmal sagte, alle realen Garantien haben, daß niemand wieder uns in so heimtückischer, häßlicher, klobiger Weise überfällt. Was würden unsere Gefallenen sagen, wenn sie herabsähen dom Himmel, wenn wir nicht einen Frieden sichern wollten für ihre Kinder und Nachfahren, der uns wirklich schützt und wirklich reale Garantien für die Sicherheit unseres Volkes und unsere Zukunft bietet. Wenn der Reichskanzler nach wie vot bestrebt ist, mit der ganzen Kraft seines Wesens auf diese realen Garantien hinzuarbeiten und bemüht ist, wovon ich überzeugt bin, nicht nur einen ehrenvollen Frieden uns zu verschaffen, sondern einen Frie⸗ den, der der Opfer völlig wert ist, dann hat er das ganze Volk hinter sich, dann wird ihm das Vertrauen von allen wärmster Weise entgegenströmen. 1 GWWWGWWGWWGGGGWW ben i Dieser gekdarlsge Krseg ist don efner Wuchkigen markigen Größe. Jedes Wort gegenüber dieser Zeit scheint klein und schwach zu sein. Die Aufgabe der Regierungen, der maßgebenden 1 Gewalten ist es, daß der Siegespreis in seiner Größe dem 4 Kampfe 1 Dann werden unsere Enkel 10 n, das war eine große, blutige, schwere Zeit; aber das Gesch acht dieser Zeil hat sich der Größe dieser unaussprechlich großen Zeit würdig be⸗ wiesen. Das herbeizuführen, ist auch Aufgabe des Volkes; des⸗ halb kann ich den Dank auch auf das deutsche Volk ausdehnen. Das deutsche Volk hat an Opfermut und Hingabe so viel geleistet, wie man kaum erwarten konnte. Seien wir gemäht, alle unnöti⸗ gen Lasten aus dem Wege zu räumen oder zu mindern. Die körperliche und seelische Kraft unseres Volkes müssen wir erhalten. Gegen den Lebensmittelwucher haben wir gleichfalls Anträge 1 gestellt, um die Daheimgebliebenen vor der Not zu sichern, ebenso 5 für die Sicherung einer sorgenfreien Zukunft der Kriegsinvaliden und Kriegshinterbliebenen. Die verschiedensten christlichen Be- kenntnisse haben sich in diesen Tagen zusammengefunden. Das wollen wir un sin den Frieden hinüberretten. Wen es uns ge⸗ lingt, die seelische Stärke des Volkes zu erhalten, dann wird das Volk aus diesem Kriege nicht nur sieghaft hervorgehen, sondern gesegnet für alle Zeiten.(Beifall.) 1 Staatssekretär des Reichskolonialamks Dr. Solf: Unsere Kolonisten wußten, daß sie auf den Schutz unserer lotte nicht rechnen konnten und auf die kleinen bewaffneten Scharen angewiesen waren, die lediglich für innere Aufgaben in den Kolonien bestimmt waren. Und doch haben sich alle draußen, Beamte, Schutztruppen und Ansiedler über das ß des Denk. baren hinaus gehalten gegenüber einer Uebermacht von nden und von militärischen Machtmitteln. Auch die haben sich treu zur deutschen Fahne geschart. England hat es also nicht nötig, die armen Eingeborenen vor der—— Be⸗ 5 handlung der utschen zu retten.(Sehr gut!) Der Fall von Südwest⸗Afrika war trotz der ehrenvollen U. der schwerste 1 Schlag für die Kolonialverwaltung. Daß das Schicksal unserer Kolonien auf unseren Schlachtfeldern entschieden wird, ist aller⸗ dings ein schwacher Trost für die unsäglichen Leiden, die ein Teil unserer Landsleute draußen in den Kolonien in dem mörderi ch Klima der Kolonie Dahomey und auf dem Transport von Af nach Europa erlitten haben und noch erleiden. Die unwürdige Behandlung der Weißen in Gegenwart Farhiger, die Mobilisierung der schwarzen Rasse gegen die weiße ist ein Schandfleck(Sehr richtig!), den England nie und nimmer von sich abwaschen wird. England als große Kolonialmacht, als Herrscherin von Millionen farbiger Untertanen, das den Satz vom Prestige des weißen Mannes als Leitsatz seiner Verwaltung auf⸗ estellt hat, wird am eigenen Leibe spüren, was es heißt, die eigene Rasse zu beschimpfen, zu besudeln und buchstäblich mit Füßen zu treten.(Sehr wahr!) Wir wollen uns durch die Schläge, die wir 5 erfahren haben, nicht abschrecken lassen, unsere Kolonialpolitik 8 weiter zu verfolgen und den letzten harten Schlag mit dem festen 8 Entschluß beantworten, daß wir weiter fortfahren auf der von uns 1 als richtig erkannten Bahn.(Lebhafter Beifall!) 9 Abg. Seyda(Pole) N Aus den gestrigen Aeußerungen des Herrn Reichskanzlers haben wir Polen mit Genugtuung entnommen, daß das Recht des polnischen Volkes auf die freie Entwicklung seines nationalen Lebens und seiner alten Kultur anerkannt wird. Wir finden in 3 den Worten des Reichskanzlers die Bestätigung der stets von ung 5 vertretenen Anschauung, daß die Freiheit des are Volkes 1 mit dem Wohle des deutschen Volkes nicht im Widerspruche steht. 8 Es ist nicht an der Zeit, im gegenwärtigen Augenblick all das 8 Unrecht, das im Laufe der Vergangenheit dem polnischen Volke 1 zugefügt worden ift, zu erörtern, denn wir hegen die seste Jer 5 5 versicht, daß der gegenwärtige Krieg eine derartige Regelung der 8 politischen Verhältnisse für die polnische Nation bringen wird, daf 1 die freie Entwicklung ihres nationalen Lebens für die Zukunft ge⸗ 18 sichert sein wird. Lebhafter Beifall.). 5. 38 Abg. Schultz⸗Bromberg(Rp.) d 2 Namens meiner Partei schließe ich mich dem Dank an die Armee 5 an. Für 1 1 Taten sind keine Worte hoch genug. Wenn 0 0 5 mutig draußen kämpfen, so auch zum mindesten deshalb, weil wir N alle reinen Herzens in den Krieg gezogen sind. Der Reichskanz⸗ ler hat es gestern zum soundsovielten Male überzeugend. 5 gewiesen, daß wir schuldlos sind an dem Weltenbrand. Seine 1 7099 Hoffnung, daß wir in dem 3 gegen die Verleumdung ebenso siegreich wären, wie unsere Soldaten, teile ich nicht. Es kommt 1 mir auch gar nicht darauf an. Die Taten auf dem Schlachtfelde werden entscheiden, und der Sieg wird unser bleiben trotz aller Verleumdungen. Mit Befriedigung habe ich gehört, daß der Reichskanzler den russischen Ministern auf dem Wege der Ver⸗ sprechungen folgen will. Danach sind seine Aeußerungen auf dem Gebiete der Polenfrage zu beurteilen. 8 Es ist auch unnötig, den russischen Ministern dahin nachzu⸗ folgen, weil ihre Versprechungen gegenüber den Polen wachsen im Quadrat der Entfernung, mit dem ihre Armeen den polnischen Boden verlassen. Ueber Kriegsziele zu sprechen ist nicht die Zeit. Ich erinnere an das Wort Bismarcks, der auch lange vor Ende des Krieges von 1870 gefragt wurde, welche Kriegsziele er hätte, worauf er erwiderte: Gehen Sie zu Moltke und fragen Sie den. Ebenso kann man heute erwidern: Gehen Sie zu Falkenhayn und Hindenburg. Aber eins ist sicher: der Friede, der uns einst zuteil die die Armee sowohl wie das geamte Volk in dieem Kriege die die Armee sowohl für das gesamte Volk in diesem Kriege besgen Lentz die dee bene Senden e des deutschen Volkes die Leistungen seiner Staatsmänner, die auch 15 155 3 beim Friedensschluß nicht zurückstehen werden. Beifall. Die Aussprache schließt. Der Zehnmillfarbenkrebit wirb in zwester Lesung einstimmig bewilligt. Dr. Liebknecht und einige andere Sozialdemokraten hat⸗ ten vor der Abstimmung den Saal berlassen, nahmen aber jetzt wieder ihre Plätze ein. Auf Antrag des bg. Dr. Spahn(dentr)) finget gonleid die dritte Lesung statt. 9 Es nimmt niemand das Wort. 7— 32— e 3 Der Präfident stellt fest, daß die Vorlage in dritter Lesung einstimmig mmen worden ist.(Abg. Dr. Lieblnech ruft: Nein, nein! Anhaltende große Heiterkeit Die Tagesordnung ist damit erledigt. 5 Nächste Sitzung: Sonnabend 2 uhr: Verscht der Budget⸗ 1 kommission. 0 Schluß nach 5 Uhr. 1 0 * 22. 2 2 2 ant., z. v. Näh. Wes!-Anl. 10 I. Mod. 5⸗ Zimmerwohnung miet. 428 Stephanstr. 31 p. Zur Vermeidung von Verwechselungen bel Hbbestellung von Vermietungs- 9 17 oder dgl. wrd dringend um Angabe der Anzesgennummer gebet. Verlag des Gieß. Anzeigers Alicestraße II och Wohnung zu verm. 8861 Näheres daselbst 1. Stock. Villa Wilbelmstr. 7 durch Versetz. des Herrn Prof, Dr. Hohlweg für sofort od. später zu verm. es) Näher. Wilhelmstr. 5]. DL Zimmer Bleichstraße 20 7⸗Zim.⸗ Wohn. mit Badez., Veranda u. Zubehör lauf Wunsch noch 1—2 Zimm.) sogleich od. spät. an ruh. 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