1 . 5 chaftlichen deit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen „ Freitag, 20. August 1915 Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ leitung: 2112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Mb. Deutscher Reichstag. 13. Sitzung. Donnerstag, 19. August 1915, nachmittags 2 Uhr. Das Haus ift fast vollzählig beisammen, die Tribünen sind überfüllt. Zahlreiche Ae ebnete sind in Feldgrau erschienen und mit dem Eisernen Kreuz geschmückt. Am Tische des Bundesrates: Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, Dr. Delbrück, v. Jagow, Dr. Helffe⸗ rich, Dr. Solf, Kraetke, Havenstein, Dr. Lisco, Dr. Lentze, Wandel. 5 Präsident Dr. Kaemptf eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache: 85 Meine Herren! Wir treten in unsere diesmaligen Ver⸗ handlungen, nachdem ein volles Kriegsjahr verflossen ist. In der Erinnerung haben wir noch einmal die ernsten Stunden durchlebt, in denen vor einem Jahre der Weltbrand über uns hereinbrach, noch einmal den Tag, an dem der Kaiser die erlösen⸗ den Worte gesprochen: Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutschel, und an dem der Reichstag durch einmülige und begeisterte Annahme der Kriegsvorlagen dem einmütigen Willen des Volkes feierlichen Ausdruck gegeben hat. Die welt⸗ geschichtlichen Exeignisse des hinter uns liegenden Kriegsjahres sind noch einmal vor unseren Augen vorübergezogen, noch ein⸗ mal find uns zum Bewußtsein gekommen die schweren, vom ganzen Volke willig getragenen Opfer, aber auch die glänzenden Er folge unserer und unserer verbündeten Waffen. Während im Westen wir unerschütterlich festhalten, was wir errungen, wäh⸗ rend an den Dardanellen und an der italienischen Grenze die feindlichen Angriffe an der Tapferkeit der heldenmütigen Sol⸗ daten unserer Verbündeten zerschellen(Beifall), bringt uns und Anseren Verbündeten der Beginn des zweiten Kriegsjahres im Osten Erfolge, die ans Märchenhafte grenzen.(Beifall.) J Wir danken dem Allmächtigen Herrscher der Heerscharen, wir danken dem Kaiser, unserem obersten Kriegsherrn, und unseren verbündeten genialen Heerführern.(Beifall) Wir danken den Offizieren und Mannschaften(Beifall), die zu Wasser und zu Lande mit heldenmütiger Todesverachtung und unvergleichlicher Tapferkeit von Sieg zu Sieg geschritten sind(Beifall). Wir dan⸗ ken nicht minder der Leitung der Geschäfte des Reiches, die an der Spitze wie in den einzelnen Zweigen, die an sie gestellten höchsten Anforderungen planvoll und unermüdlich erfüllt haben(Beifall), wir danken dem ganzen Volke(Beifall), das, von dem Bewußtsein durchdrungen, daß es sich um die höchsten nationalen Güter han⸗ delt, sich willig und einmütig in den Dienst unserer großen Auf⸗ gabe gestellt hat(Beifall). Der Stimmung und dem Gefühle der Nation hat der Kaiser in dem Aufruf an das deutsche Volk, den er am 31. Juli dieses Jahres erlassen hat, treffenden Ausdruck sberliehen. Seine sten und feierlichen Worte, getragen von deutscher Wahrhaftigkeit, und von dem zuversichtlichen Vertrauen auf die innere Stärke und den einheitlichen nationalen Willen haben überall, wo Deutsche wohnen, lebhaften Widerhall gefunden. (Lebh. Beifall.) Seit einem Jahre steht das deutsche Volk im Vertrauen auf Gott und die Stärke des Reiches, unerschütterlich zum Kaiser und zu den verbündeten Regierungen, um in diesem für jeden Deutschen heiligen Kampfe einen Frieden zu errin⸗ gen, der für alle Völker einer freien Kulturentwicklung den Weg bahnen und die deutsche Zukunft sicherstellen soll gegen alle Feinde, gegen alle Gefahren.(Lebh. anhaltender Beifall.) Der Präsident teilt mit, daß er anläßlich des Falles von War⸗ 5 dem Kaiser die Glückwünsche des Reichstages übermittelt abe. Aus Anlaß des 85. Geburtstages von 1 Franz Joseph hat der Präsident im Namen des Reichstages Glückwünsche an die Präsidenten des österreichischen und ungarischen Abgeordneten⸗ hauses gerichtet. 8 5 An der Bahre des früheren Präsidenten von Wedel⸗Pies dorf, der von 1884 bis 1888 die Geschäfte des Reichstages leitete, und wegen seiner ihm eigenen Milde und Gerechtigkeit hoch geschätzt wurde, hat der Präsident einen Kranz niedergelegt. Zum Gedächtnis des am 8. Juli verstorbenen Abg. Graf von Carmer⸗Osten erheben sich die Mitglieder von den Plätzen. Der im Felde verwundete Abg. D'avidsohn(Soz.) ist so⸗ weit wieder hergestellt, daß er an den Verhandlungen teilnehmen kann. Der Präsident begrüßt ihn im Hause und gibt der Hoff⸗ nung auf eine baldige völlige Genesung Ausdruck. Eine Anzahl von Rechnungsvorlagen geht an die Rechnungs⸗ kommission.. der Nachlragselal. Zur Beratung steht der Nachtragsetat, der 10 Milliarden neue Kriegskredite fordert. 5 Die Rede des Kanzlers. Reichskanzler Dr. v. Bethmann Hollweg: Seitdem Sie das letzte Mal tagten, ist wieder Großes ge⸗ schehen.(Beifall.) Alle mit Todesverachtung und dem äußersten Einsatz an Menschenleben bisher unternommenen Versuche der Franzosen, unsere Westfront zu brechen, sind an der tapferen Ausdauer unserer Truppen gescheitert.(Beifall.) Italien, der neue Feind, der das von ihm begehrte fremde Gut so leichthin erobern zu können glaubte, ist bisher glänzend abgewehrt.(Leb⸗ hafter Beifall), trotz der zahlenmäßigen Uebermacht, trotz der scho⸗ nungslosen Aufopferung von Menschenleben, die er doppelt um⸗ sonst zu bringen sich nicht gescheut hat.(Lebhafte Zustimmung.) Unerschüttert und unerschütterlich steht die türkische Armee an der Dardanellenfront.(Lebhafter Beifall.) Wir grüßen unsere treuen Verbündeten.(Lebhafter Beifall.) Wir gedenken auch heute noch an dieser Stelle des erhabenen Herrschers der Donau⸗Monarchie, der gestern in sein 86. Lebensjahr eingetreten ist.(Stürmischer Beifall.) Ueberall, wo wir selber die Offensive ergriffen haben, haben wir den Feind geschlagen und zurückgeworfen.(Lebhafter Beifall.) Wir haben zusammen mit unseren Verbündeten fast ganz Galizien und Polen, wir haben Litauen und Kurland von den Russen befreit. Iwangorod, Warschau und Kowno sind ge⸗ fallen. Weit in Feindesland bilden unsere Linien einen festen Wall. Starke Armeen haben wir frei zu neuen Schlägen.(Stür⸗ mischer Beifall.) Voller Dank gegen Gott und voller Dank gegen unsere herr⸗ lichen Truppen und ihre Führer können wir fest und zuversichtlich der Zukunft entgegensehen.(Lebhafter Beifall.) Mitten in den Schrecknissen des Krieges gedenken wir dankerfüllt der werk⸗ tätigen Menschenliebe, die uns benachbarte neutrale Staaten er⸗ zeigt haben sowohl bei der Rückkehr von Zivilpersonen aus dem feindlichen Auslande wie gegenüber den ausgetauschten Kriegs⸗ gefangenen.(Beifall.) In der Schweiz haben jetzt bei dem zweiten Austausch der Kriegsgefangenen mit Frankreich alle Kreise der Bevölkerung von Genf bis zur deutschen Grenze gewetteifert, um unsere wackeren Krieger die hinter ihnen liegenden Leiden nach Möglichkeit vergessen zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Die Nieder⸗ lande haben schon zum zweiten Male den aus England zurück⸗ kehrenden Schwerverwundeten opferwillig und hilfsbereit ihre Fürsorge angedeihen lassen.(Lebhafter Beifall.) Der jetzt zum ersten Male stattfindende Gefangenenaustausch mit Rußland, der über weite Gebietsstrecken von Schweden führt, zeigt, wie dort Regierung und Volk in der Betätigung von Menschenfreundlichkeit und Hilfe nicht überboten werden können.(Lebhafter Beifall.) Ich spreche auch von dieser Stelle diesen drei Nationen den tiefgefühlten Dank des deutschen Volkes aus.(Leb⸗ hafter Beifall.) Ich will zugleich ein Wort besonderer Dankbar⸗ keit Seiner Heiligkeit dem Papste aussprechen, der dem Gedanken des Gefangenenaustausches und so vielen Werken der Menschen⸗ liebe während dieses Krieges eine unermüdliche Teilnahme er⸗ zeigt und an ihrer Durchführung ein ausschlaggebendes Verdienst für sich hat und der noch ganz kürzlich durch eine hochherzige Spende dazu beitrug, die Leiden unserer Ostpreußen zu mildern. (Lebhafter Beifall.) Unsere Gegner laden eine (Sehr richtig!) Unsere Gegner laden immer neue Blutschuld auf sich, und wo sie ihre Niederlagen nicht ableugnen können, da dienen ihnen un⸗ sere Siege dazu, um neue Verleumdungen gegen uns zu schleu⸗ dern: wir hätten im ersten Kriegsjahr gesiegt, weil wir diesen Krieg heimtückisch vorbereitet hätten, während sie in unschuldi⸗ ger Friedensliebe dahinlebten.(Heiterkeit.) Nun, meine Herren, vor Tische las man's anders. Sie entsinnen sich der kriegerischen Artikel, die der russische Kriegsminister im Frühjahr 1914 in der Presse verbreitete und in denen er die volle Kriegsbereitschaft der russischen Armee pries.(Sehr richtig!) Sie entsinnen sich der stolzen und vielfach herausfordernden Sprache, deren sich Frank⸗ reich in den letzten Jahren bedient hat.(Sehr richtig!) Sie wis⸗ sen, daß Frankreich, so oft es die russische Geldnot befriedigte, sich ausbedang, daß immer der größte Teil der Anleihen zu stra⸗ tegischen Zwecken verwendet würde.(Sehr richtig!) Und Eng⸗ land? Am 3. August v. J. sagte Herr Edward Grey im englischen Parlament: Wir haben eine allmächtige Flotte, von der wir glau⸗ ben, daß sie unseren Handel, unsere Küste und unsere Interessen schützen kann. Wir werden, wenn wir am Kriege teilnehmen, nur wenig mehr leiden, als wenn wir draußen bleiben. Wer danach die eigene Politik und die Politik seiner Freunde einrichtet, der kann das doch wohl nur tun, wenn er weiß, daß er und seine Alliierten fertig sind.(Sehr richtig!) Begreiflich ist es ja, daß unsere Gegner immer wieder die Schuld an diesem Kriege von sich abwälzen. Ich habe bei Kriegs⸗ ausbruch und dann wieder im Dezember v. J. die Zusammenhänge hier dargelegt. Alles, was inzwischen bekannt geworden ist, ist lediglich eine Bestätigung dessen.(Sehr richtig!) Die Behauptung, daß England um Belgiens willen in den Krieg gezogen wäre, ist inzwischen in England selbst aufgegeben worden(feiterkeit, sehr richtig!), weil diese Fabel nicht länger zu halten war. Und ob die kleineren Völker wohl jetzt noch glauben, daß England und seine Alliierten den Krieg führen zum Schutze der Völker, zum Schutze von Freiheit und Zivilisation? Der neutrale Handel auf See wird von England eingeschnürt, soviel es kann. Die Ware, aus oder für Deutschland bestimmt, darf auch auf neutralen Schif⸗ fen nicht mehr verfrachtet werden. Neutrale Schiffer werden ge— zwungen, auf hoher See englische Mannschaft an Bord zu neh⸗ men und ihren Befehlen zu folgen.(Hört! Hört! Sehr richtig!) England besetzt kurzerhand griechische Inseln, weil ihm das für seine militärischen Operationen besser paßt.(Hört! Hört!) Für seine Alliierten will es jetzt das neutrale Griechenland zu Ge⸗ bietsabtretungen pressen, um Bulgarien auf seine Seite zu ziehen. Und in Polen! In Polen verwüstet Rußland vor dem R'ückzuge seiner Armeen das ganze Land. Die Dörfer werden niedergebrannt, die Getreidefelder niedergetrampelt, die Bevölkerung ganzer Städte und Ortschaften, Juden und Christen, wird in unbewohnte Gegenden berschickt, ver⸗ schmachtet in dem Sumpf russischer Straßen oder in plombier⸗ ten fensterlosen Gepäckwagen(Pfui⸗Rufe.) So sieht die Frei⸗ heit und Zivilisation aus, für die unsere Gegner kämpfen.(Sehr richtig!), Bei seiner Beteuerung, der Beschützer der kleineren Staaten zu sein, rechnet England doch mit einem sehr schlechten Gedächtnis. Man braucht um wenig mehr als ein Jahrzehnt zurückzugehen, um Beispiele genug für den wahren Sinn dieser Protektorenrolle zu finden. Im Frühjahr 1902 richteten sich die Blicke auf Aegypten. Aegypten war ja schon längst tatsächlich im englischen Besitz, aber der formellen Einverleibung stand das feierliche Ver⸗ sprechen Englands entgegen, das Land wieder räumen zu wollen. Dasselbe England, das hier auf das Angebot, die Integrität Belgiens zu gewährleisten, wenn es in diesem Kriege neutral bleibe, so stolz erwiderte, England könne seine Verpflichtungen zum Schutz der belgischen Neutralität nicht zum Geschäft des Handels machen, dasselbe England trug kein Bedenken, seine in ganz Europa eingegangenen Verpflichtungen an Frankreich zu verhandeln, als es im Jahre 1904 den bekannten Vertrag schloß, der England Aegypten, Frankreich Marokko sichern sollte. Im Jahre 1907 kommt Persien an die Reihe und wird im Süden englische Interessensphäre, im Norden dem feierlichen Regiment der Kosaken überantwortet.(Zuruf des Abg. Dr. Liebknecht (Soz.): Potsdamer Entrevue!) England hat nicht das Recht, einem Lande gegenüber, das 44 Jahre den europäischen Frieden geschützt hat, während einer Zeit, wo fast alle anderen Staaten Kriege geführt und Länder erobert haben, eine solche Sprache ungeheure Blutschuld auf sich. zu führen. Das ist Heuchelei!(Lebhafte Zustimmung.) Ein Zeuge für die Tendenz der englischen Politik und den Ursprung des Krieges ist uns in den Berichten der belgischen Gesandten entstanden.(Sehr richtig!) Weshalb werden wohl diese Doku⸗ mente in London, Paris und Petersburg nach Möglichkeit tot⸗ geschwiegen? Weshalb sucht die feindliche Presse, wo sie diese Berichte erwähnt, sich um ihre Bedeutung herumzudrücken, zu behaupten, daß diese Berichte keinen Beweis dafür gäben, daß Belgien seine Neutralität selbst preisgegeben habe? Dieser Be⸗ weis ist erbracht.(Zustimmung.) Nicht nur die Berichte des belgischen Gesandten in Berlin, von dem man vielleicht sagen könnte, die Neigung zu dem Lande, in dem er akkreditiert war, habe seinen Blick getrübt, sondern auch die Berichte der übrigen belgischen Gesandten ergeben dasselbe Bild, und diese übereinstimmende Beurteilung ist von einer ganz durchschlagenden Wucht.(Sehr richtig!) Da von diesen Berichten im Auslande so wenig Notiz genommen wird, so will ich doch hier einige Stichproben davon noch einmal vorlegen. Baron Greindl schrieb im Frühjahr 1905, die wahre Ursache des Hasses Englands gegen Deutschland sei die Eifersucht, hervorgerufen durch die Entwicklung der deutschen Flotte, des deutschen Handels und der deutschen Industrie. Zwei Jahre später schreibt er, die französische Anmaßung wäre wieder ebenso groß wie in den schlimmsten Tagen des zweiten Kaiserreiches und die Entente cordiale wäre hieran schuld; sie sei noch um ein Grad gestiegen, nachdem die Verhandlungen zwischen London und Petersburg zu einer Entente zu führen schienen. Und an einer anderen Stelle sagt er, die Politik, die König Eduard unter dem Vorwande führe, Europa von einer eingebildeten deutschen Gefahr zu retten, habe eine französische Gefahr heraufbeschworen, die für Belgien sehr bedrohlich sei. Der belgische Gesandte in London schrieb im März 1907, nachdem die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in Rußland Iswolski anvertraut sei, habe eine merkwürdige An⸗ näherung zwischen den Kabinetten in London und Petersburg stattgefunden. Die ganze Kraft der englischen Diplomatie sei auf die Isolierung Deutschlands gerichtet. Endlich berichtete der belgische Gesandte in Paris im Januar 1914, daß Herr Delcassé und seine Freunde mit ihren chauvini⸗ stischen und militaristischen Treiberesen eine Gefahr für Europa bildeten. Diese in allen Grundlinien übereinstimmenden Berichte der belgischen Diplomaten geben ein klares Bild von der Entente⸗ politik der letzten Jahre. Dagegen kommen alle Versuche der gegnerischen Seite nicht auf, uns als die Urheber des Krieges hin⸗ zustellen und sich selbst als die frivol Angegriffenen.(Zustimmung.) Ist die deutsche Politik über diese Vorgänge unterrichtet gewesen, oder hat sie absichtlich die Augen vor ihnen verschlossen, indem sie immer wieder einen Ausweg suchte? Nicht das eine noch das andere. Ich weiß wohl, es gibt Kreise, die mir politische Kurz⸗ sichtigkeit vorwerfen, weil ich es immer wieder versucht habe, eine Verständigung mit England anzubahnen. Ich danke Gott, daß ich es getan habe. Ich habe die Versuche immer wie⸗ der erneuert in der festen Ueberzeugung, daß das Verhängnis dieses ungeheuerlichen menschenmordenden Weltenbrandes hätte verhindert werden können, wenn eine aufrichtige, auf den Frieden gerichtete Verständigung zwischen Deutschland und England zu⸗ stande gekommen wäre.(Sehr richtig!) Wer in Europa hätte dann wohl noch Krieg machen wollen!(Sehr richtig!) Durfte ich mil einem solchen Ziele im Auge eine Arbeit von mir weisen, weil sie schwer war und sich immer wieder als fruchtlos erwies? Meine Herren, wo es sich um den letzten Ernst im Weltenleben handelt, wo Millionen von Menschenleben auf dem Spiele stehen, da gilt für mich: Bei Gott ist kein Ding unmoglich will lieber in einem Kampfe fallen, als ihm aus dem Wege ge⸗ gangen sein.(Beifall.) Lassen Sie mich kurz noch die Ereignisse ins Gedächtnis zu⸗ rückrufen. König Eduard hatte in der persönlichen Förderung der englischen Einkreisungspolitik gegen Deutschland eine seiner Hauptaufgaben erblickt. Bei seinem Tode hoffte ich deshalb, daß die von mir bereits im August aufgenommenen Verstän⸗ digungsverhandlungen besseren Fortgang nehmen würden. Die Verhandlungen gogen sich bis in das Frühjahr 1911 hin, ohne daß irgend ein Ergebnis erzielt worden wäre, als das Eingrei⸗ fen Englands in die Auseinandersetzungen Deutschlands mit Frankreich über Marokko der ganzen Welt vor Augen führte, wohin die englische Politik führte, wie sie der ganzen Welt ihren Willen aufswingen wollte und den Weltfrieden bedrohte. Auch damals war das englische Volk über die Gefahren der Politik seiner Regierung nicht genau orientiert gewesen, denn als es nach Ueberwindung der Krisis erkannte, wie haarscharf es an dem Abgrunde eines Weltkrieges vorbeigegangen sei, machte sich in weiten Kreisen Englands die Stimmung geltend, ein Ver⸗ hältnis mit Deutschland herzustellen, das kriegerische Verwick⸗ lungen ausschlösse und den Frieden sicherte. Im Frühjahr 1911 fanden dann die Besprechungen mit Lord Haldane in Berlin statt. Lord Haldane versicherte mir den Frie⸗ denswillen Englands. England fühle sich aber bedroht durch die Flottenvorlage. Ich fragte ihn, ob ihm nicht eine offene Verstän⸗ digung mit uns, eine Verständigung, die nicht nur einen deutsch⸗ englischen Krieg ausschloß, sondern jeden Weltkrieg, mehr wert wäre als ein paar deutsche Dreadnoughts. Lord Haldene schien dieser Ansicht zuzuneigen, fragte aber, ob wir nicht, wenn wir den Rücken frei bekämen, sofort über Frankreich herfallen würden. Ich habe ihm erwidert, daß die Politik, die Deutschland in einer Zeit von mehr als 40 Jahren bekundet hätte, uns doch eigentlich vor einer solchen Frage sichern sollte. Wir hatten ja die schönste Gelegenheit gehabt, im Burenkrieg, im russisch⸗japanischen Krieg unsere etwaige Kriegswut zu zeigen, aber da und in allen Phasen der Marokkopolitik hatten wir das Gegenteil getan, hatten wir unsere Friedensliebe bekundet. Deutschland, sagte ich ihm, wünschte aufrichtig den Frieden mit Frankreich und werde ebenso wenig über Frankreich wie über eine andere Macht herfallen. Nachdem Lord Haldane von Berlin abgereist war, wurden die Ver⸗ handlungen in London fortgesetzt. Ich habe vor einigen Wochen in der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ die Verständigungen veröffentlichen lassen, die bei diesen Verhandlungen von der einen und der anderen Seite vorgeschlagen worden sind. Auch diese 1 6 88 ccc 8 * Zuhörern vorenthalten, und Veröffentlichung ist der Achtung unserer Gegner wert. Soviel ich gesehen habe, ist fie aber von der englischen Pvesse mit einer einzigen Ausnahme bisher ignoriert worden. Ich will deshalb hier noch einmal auf die Sache kurz eingehen. Zunächst machten wir, um dauernde Beziehungen mit Eng⸗ land zu erreichen, den Vorschlag eines unbedingten Neutralitäts⸗ vertrages. Als dieser Vorschlag, allzu weitgehend, von Eng⸗ land abgelehnt wurde, schlugen wir bor, die Neutralität auf Kriege zu beschränken, bei denen man nicht sagen kann, daß die Macht, der die Neutralität gugesichert worden sei, der Angreifer sei. Auch das schlug England ab. Inzwischen hatte England seinerseits folgende Formel vorgeschlagen: England wird keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland enthalten. Ein Angriff auf Deutschland ist in keinem Vertrage enthalten und in keiner Kombination borgesehen, der England zurzeit angehört, und Eng⸗ land wird keinen Abmachungen beitreten, die einen solchen An⸗ griff bezwecken. Nun, meine Herren, ich war der Ansicht, daß es unter zivilisterten Staaten nicht üblich ist, über andere Mächte ohne Grund herzufallen oder Kombinationen abzuschließen, die solche Angriffe planten, und daß deshalb das Versprechen, sich solcher unprovozierter Ueberfälle zu enthalten, nicht wohl dem Inhalt eines solchen feierlichen Vertrages abgeben könnte. Das englische Kabinett war sichtlich anderer Ansicht und glaubte, auf unsere Vorstellungen ein Uebriges zu tun, indem es der Formel folgende Worte voranschickte:„Da die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch haben, Friede und Freundschaft untereinander sicher⸗ zustellen, erklärt England, keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen zu wollen“ usw., wie ich vorher es vorge⸗ lesen habe. Dieser Wortlaut konnte an dem Inhalt des englischen An⸗ gebotes nichts ändern. Ich glaube noch heute, kein Mensch hätte es mir übel nehmen können, wenn ich schon damals die Ver⸗ handlungen abgebrochen hätte. Ich habe das damals nicht getan, ich bin, um alles zu tun, um den europäischen und den Weltfrieden zu sichern, auch auf diesen englischen Vorschlag eingegangen und habe ihn diskutiert mit der einen Bedingung, daß der Zusatz aufgenommen würde:„England wird danach selbstverständlich wohlwollende Neutralität wahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden.“ England lehnte diesen Zusatz rundweg ab, und zwar, wie dem Botschafter Graf Metternich gesagt wurde, um nicht die Freundschaft mit anderen Staaten zu gefährden. (Hört! Hört!) Das bildete für uns den Schlüssel. England wollte sich wohl verpflichten. nicht ohne Grund über uns her⸗ zufallen, behielt sich aber freie Hand vor, wenn seine Freunde dies tun würden. Dieser Hergang ist bisher in England noch nicht vollständig mitgeteilt worden, allerdings in Bruchstücken, aber auch da nicht richtig. Asquith hat 1914 darüber gesprochen. Er teilte damals den englischen Vorschlag mit, uns nicht un⸗ provoziert angreifen zu wollen, den ich soeben verlesen habe, und fährt dann fort: Aber das war den deutschen Staatsmännern nicht genug. Sie forderten, wir sollten uns absolut zur Neu⸗ tralität verpflichten, wenn Deutschland in einen Krieg verwickelt werden sollte. f Diese Behauptung von Asquith ist eine Entstelung. Aller⸗ dings hatten wir bei Beginn der Verhandlungen unbedingte Neutralität gefordert. Im Laufe der Verhandlungen hatten wir unsere Neutralitäts forderung auf den Fall beschränkt, daß uns ein Krieg aufgezwungen werden sollte. Das hat Asgquith seinen ich halte mich für berechtigt, zu sagen, daß er damit die öffentliche Meinung in England in un verantwortlicher Weise irregeführt hat.(Sehr richtig!) Aber freilich, hätte Asquith eine vollständige Darlegung darüber ge⸗ geben, dann hätte er in seiner Rede, die auf die Stimmung seiner Zuhörer stark zugeschnitten war, nicht so verfahren können: und diese Forderung der unbedingten Neutralität in jedem Kriege stellten die deutschen Staatsmänner in einem Augenblick, in dem Deutschland seine aggressiwen und defensiwen Machtmittel besonders auf dem Meere ins Ungeheure vermehrte. Sie ver⸗ langten, daß wir ihnen freie Hand gäben, falls sie sich eine Gelegenheit aussuchten, Europa zu überwältigen.(Lachen.) Es ist mir unfaßbar, wie ein so hoher Staatsmann wie Mister Asquith, einen Vorgang, den er genau kannte, objektiv so un⸗ richtig darstellen konnte, um daraus Schlüsse zu ziehen, die der Wahrheit ins Gesicht schlagen. Und diese seine Darstellung leitete Mister Asquith mit den feierlichen Worten ein:»Ich möchte nicht nur Ihre Aufmerksam⸗ keit, sondern die der ganzen Welt auf meine Worte hinlenken, da jetzt so viele falsche Legenden erfunden und berbreitet werden.“ (Große Heiterkeit.) Ich frage, wer hat Legenden erfunden und verbreitet? Ich bin auf diesen Vorfall näher eingegangen, um vor aller Welt Verwahrung einzulegen gegen die Unwahrhaftigkeit und Ver⸗ leumdung, mit der unsere Gegner uns bekämpfen.(Lebhafte Zustimmung.) Nachdem wir in voller Kenntnis der deutschfeind⸗ lichen Richtung der englischen Politik mit äußerster Geduld bis an die letztmögliche Grenze gelangt waren, nachdem uns statt Brot Steine gereicht waren, sollen wir durch eine unerhörte Verschiebung der Tatsachen vor aller Welt an den Pranger gestellt werden. Mag es unseren Feinden gelingen, auch diese Feststellungen in der letzten großen Verhetzung der Völker und in dem Waffenlärm unter⸗ gehen zu lassen, die Zeit wird kommen, wo die Geschichte ihr Urteil fällen wird.(Sehr richtig) Es war der Augenblick gekom⸗ men, wo durch eine Verständigung zwischen England und Deutsch⸗ land jeder europäische Krieg, jeder Weltkrieg vermieden werden konnte, wir waren bereit, es zu tun, England hat es abgelehnt, und diese Schuld wird es in alle Ewigkeit nicht mehr los.(Stürmische Zustimmung.) So fing die Episode an. Bald darauf wechselten Grey und Cambon die bekannten Briefe, die auf ein französisch⸗englisches Defensivbünbnis lauteten, indessen infolge der Vereinbarungen der Generalstäbe und Admiralitäten zu einem Offensivbündnis führten. Auch diese Tatsache hat die englische Regierung der Oeffentlichkeit und ihrem Lande vorenthalten. Erst als es kein Zurück mehr gab, am 3. August v. J., wurde sie bekanntgegeben. Bis dahin hatten die englischen Minister immer wieder erklärt, baß sich England vollkommen freie Hand vorbehalten hätte für den Fall eines europäischen Konflikts. Das war nach dem Buchstaben vielleicht, in Wirklichkeit aber nicht der Fall. Genau dieselbe Taktik hat das englische Kabinett verfolgt, als es im Frühjahr 1914 Verhandlungen mit Rußland über ein Marine⸗ abkommen einleitete und die russische Admiralität den Wunsch hatte, mit der Zuhilfenahme von englischen Schiffen unsere Pro⸗ bing Pommern die Wohltat einer russischen Invasion kennen zu lehren.(Heiterkeit) So hatte sich der Ring der Entente mit ausge sprochen antideutscher Tendenz zusammengeschlossen. Die Saat König Eduards war in⸗ die Halme geschossen. Wir waren gezwungen, die Situation mit der großen Wehrvorlage von 1913 zu beantworten. Sie wissen, aber ich will hier ausdrücklich davon sprechen, daß wir in voller Klarheit über den Ernst der Weltlage neben den Verhandlungen mit England stets bestrebt gewesen sind, unsere Beziehungen mit Rußland nach Möglichkeit zu verbessern. Ich habe darüber wiederholt hier im Reichstage gesprochen, wie ich denn in unserer gesamten Politik niemals FP... ͤ Ä ² 3 e VV 1 ekwas bor der Vollsbertretung zu berheimlichen hatte.(Beifall), und es auch niemals verheimlicht habe.(Zu⸗ ruf des Abgeordneten Liebknecht:„Das belgische Ultimatum!“ Pfui⸗Rufe, Unruhe, Rufe: Raus! Ruf: Herostrat!) Auch Rußland gegenüber, dessen Polttit ja für die Entschlüsse Frankreichs von entscheidender Bedeutung war, habe ich stets nach der Ueberzeugung gehandelt, daß freundliche Beziehungen zu den einzelnen Ententegenossen die allgemeine Spannung mildern konnten, und daß jedes begonnene Jahr wenigstens die Aussicht auf die allgemeine Explosionsgefahr abschwächte. Wir waren da⸗ bei in den Einzelfragen mit Rußland zu einer Verständigung gelangt. Ich erinnere an das Potsdamer Abkommen. Die Be⸗ ziehungen von Regierung zu Regierung waren nicht nur korrekt, sondern von persönlichem Vertrauen getragen. Aber die Gesamt⸗ lage wurde dadurch nicht berührt, die war bis in die Wurzeln ver⸗ giftet, weil die chauvinistischen Revanchegedanken Frankreichs und die kriegerischen panflawistischen Expansionsbestrebungen in Ruß⸗ land durch die antideutsche Politik der balance of powers Eng⸗ lands nicht sowohl beschwichtigt als unausgesetzt. aufgestachelt wurden und frische Nahrung erhielten.(Sehr wahr!) Die Spannung wurde so groß, daß die erste große schwere Belastungsprobe zum Bruche führte. Es kam der Sommer 1914. Ich habe die einzelnen Vor⸗ gänge am 4. August geschildert. Immer wiederholte unrichtige Darstellungen und Angriffe von seiten unserer Gegner nötigen mich aber auch hier, noch auf einen Punkt zurückzukommen. In England wird neuerdings immer wieder behauptet, der ganze Krieg hätte vermieden werden können, wenn ich auf den Vorschlag Sir Edward Greys eingegangen wäre, mich an einer Konferenz zur Regelung des russisch⸗österreichischen Streitfalles zu beteiligen. Die Sache verhielt sich folgendermaßen: Der englische Konferenzvorschlag wurde hier am 27. Juli durch den englischen Botschafter überbracht. Wie auch aus dem englischen Graubuch hervorgeht, hat der Staatssekretär des Aus⸗ wärtigen Amts in der Rechtfertigung der Unterredung mit Sir Edward Goschen, in der er den Vorschlag überhaupt als unzweck⸗ mäßig bezeichnete, mitgeteilt, nach feinen Nachrichten aus Pe⸗ tersburg sei Herr Sasonow zu einem direkten Meinungsaustausch mit Graf Berchthold geneigt, er sei der Ansicht, daß eine direkte Aussprache zwischen Petersburg und Wien zu einem befriedigen— den Ergebnis führen könne, es sei daher das beste, zunächst das Ergebnis dieser Aussprache abzuwarten. Sir Edward Goschen meldete das nach London und erhielt von dort eine telegraphische Antwort, in der Sir Edward Grey folgendes erklärt hat: „Solange Aussicht für einen direkten Austausch zwischen Oesterreich und Rußland vorhanden ist, würde ich auf jede an⸗ dere Anregung verzichten(Hört! hört! hört!), da ich durchaus damit übereinstimme, daß dies das Verfahren ist, das allen anderen dabei vorzuziehen ist.(Hört! hört! hört!) Sir Edward Grey schloß sich also damals dem deutschen Stand⸗ punkt vollkommen an(Sehr richtig! bei den Soz.) und stellle seinen Konferenzvorschlag zurück. Ich habe es aber nicht nur, wie Sir Edward Grey, bei dem platonischen Wunsche bewenden lassen, es möge eine Aussprache zwischen Wien und Petersburg erfolgen, sondern ich habe alles getan, was in meinen Kräften stand, um die russische und österreichisch⸗ungarische Regierung dem Gedanken zugänglich zu machen, sich in einem Meinungsaustausch zwischen Kabinett und Kabinett auseinanderzusetzen. Ich habe es an dieser Stelle schon einmal ausgesprochen, daß wir unsere Vermitt⸗ lungsaktion speziell auch in Wien in einer Form betrieben haben, die, wie ich damals sagte, bis an das Aeußerste dessen ging, was mit unserem Bundesverhältnis zu vereinbaren war. Da diese meine vermittelnde Tätigkeit im Interesse des Friedens immer wieder in England in Zweifel gestellt wird, will ich hier an der Hand der Tatsachen zeigen, wie nichtig diese Zweifel find. Am 29. Juli traf hier folgende Meldung des kaiserlichen Botschafters in Petersburg ein: „Herr Sasonow, der mich eben zu sich bitten ließ, teilte mir mit, daß das Wiener Kabinett auf den Wunsch, in direkte Besprechungen einzutreten, mit einer kategorischen Ablehnung geantwortet habe. Es bleibe somit nichts anderes übrig, als auf den Vorschlag Sir Edward Greys auf eine Konversation zu Vieren zurückzukommen.“ Da sich die Wiener Regierung zu einem direkten Meinungs⸗ austausch mit Petersburg bereit erklärt hatte, war es klar, daß ein Mißverständnis vorliege. Ich telegraphierte inzwischen nach Wien und benutzte gleichzeitig die Gelegenheit, um meiner Auf⸗ fassung Herrn v. Tschirschty gegenüber bestimmtesten Ausdruck gu geben. Meine Instruktion an Herrn v. Tschirschty lautete folgendermaßen: „Die Meldung des Grafen Pourtales steht nicht im Ein⸗ klang mit der Darstellung, die Eure Exzellenz von der Haltung der österreichisch⸗ungarischen Regierung gegeben haben. An⸗ scheinend liegt ein Mißverständnis vor, Wir können Oester⸗ reich⸗Ungarn nicht zumuten, mit Serbien zu verhandeln, mit dem es im Kriegszustand befindlich ist. Die Vermeidung eines Meinungsaustausches mit Petersburg würde ein schwerer Fehler sein. Wir sind zwar bereit, unsere Bundespflicht gu erfüllen, müssen es aber ablehnen, uns durch Oesterreich⸗Ungarn unter Nichtbeachtung unserer Ratschläge in einen Weltkrieg hineinziehen zu lassen.(Hört! Hört!) Eure Exzellenz wollen. dieser Auffassung mit allem Nachdruck Ausdruck geben.“ Herr v. Tschirschky meldete darauf am 30. Juli, Graf Berch⸗ told sagte mir, es liege in der Tat ein Mißverständnis, und zwar auf russischer Seite vor. Nachdem er auch schon dem österreichi⸗ schen Botschafter in Petersburg Kenntnis gegeben, habe er auch dem Grafen Szaparh sofort entsprechende Instruktion erteilt. Ich habe, als in England kurz vor Ausbruch des Krieges die Erregung sich steigerte, und ernste Zweifel an unseren Bemühun⸗ gen zur Erhaltung des Krieges laut wurden, damals schon das Nötige erklärt. Jetzt nachträglich tritt jedoch die Insinuation hervor, der Vorgang habe gar nicht stattgefunden und die Instruk⸗ tion an Herrn v. Tschirschky sei nur fingiert worden.(Pfui⸗Rufe.) Sie werden mit mir übereinstimmen, daß diese Verdächtigung keiner Erwiderung bedarf.(Sehr richtig!) Ich will aber gleich⸗ zeitig auf das österreichisch⸗ungarische Rotbuch berweisen, das meine Darstellung richtig bestätigt und erkennen läßt, wie nach Aufklärung des Mißverständnisses die Konbersation zwischen Wien und Petersburg in Fluß kam, bis sie durch die allgemeine Mobilmachung der russischen Armee einen jähen Abschluß fand. Meine Herren, ich wiederhole: Wir haben die direkte Aus⸗ sprache zwischen Wien und Petersburg mit dem äußersten Nach⸗ druck und mit Erfolg betrieben. Die Behauptung, daß wir durch Ablehnung des englischen Konferenzvorschlages an diesem Kriege schulb geworden wären, gehört in die Kategorie der Verleumdungen, hinter denen unsere Gegner ihre eigene Schuld verstecken wollen.(Sehr richtig l) Unausbleiblich wurde der Krieg lediglich durch die tussische Mobilmachung.(Sehr richtig!). Ich will das noch einmal mil aller Bestimmtheit feststellen. Meine Herren, ich habe mich auf einzelne diplomatische Vor⸗ und . 8 a 7 gänge näher eingelassen, um der Flut von Verdächtigungen ent⸗ gegenzutreten, mit denen das reine Bewußtsein und reine Ge wissen Deutschlands im Auslande zu schwärzen versucht wird. Aber wir werden letzten Endes den Kampf gegen diese Ver⸗ leumdungen ebenso siegreich bestehen, wie den großen Kampf draußen auf den Schlachtfeldern.(Lebhafter Beifall. Unsere und die österreichisch-ungarlschen Truppen ben die Grenzen Kongreß⸗Bolens gegen Osten erreicht. Uns beiden fällt die Aufgabe zu, das Land zu verwalten. tische Schicksale haben seit langen Jahrhunderten Deutsche und Polen gegeneinander zu kämpfen gezwungen. Die Erinnerung an diese alten Gegensätze mindert nicht die Achtung vor der Leidenschaft, Vaterlandskiebe und Zähigkeit, mit der das polnische Volk seine alte westliche Kultur, seine Freiheitsliebe gegen das Russentum verteidigt und auch durch das Unglück dieses Krieges hindurch gekwagt hat.(Beifall.) Die gleißnerischen Versprechungen unserer Feinde ahme ich nicht nach, aber ich hoffe, daß die heutige Besetzung der polnischen Grenzen gegen Osten den Beginn einer Entwicklung darstellen wird, die die alten Gegensätze zwischen Deutschen und Polen aus der Welt schafft und das vom russischen Joch befreite Land einer glücklicheren Zukunft entgegenführen wird, in der es die Eigenart seines nationalen Wesens pfleger und entwickeln kann. Das von uns besetzte Land wer den wir unter möglichster Heranziehung der eigenen Bevölkerung gerecht zu verwalten, die Schwierigkeiten, die dieser Krieg mit sich bringt, auszugleichen und die Wunden, die Rußland dem Lande geschlagen hat, zu heilen suche n.(Bewegung und Beifall.) Dieser erseg wird, je länger er dauert, ein zerrüttetes, ein aus tausend Wunden blutendes Europa zurücklassen. Die Welt, die dann erstehen wird, soll und wird nicht so aussehen, wie unsere Feinde es sich träumen. Diese streben zurück nach dem alten Europa mit einem ohnmächtigen Deutschland in der Mitte als dem Tummelplatz fremder Länder und, wenn nötig, als dem Schlacht⸗ feld Europas, ein Deutschland, in dem kraftlose Einzelstaaten auf fremde Winke lauern, ein Deutschland mit zerrütteter Industrie, nur mit Kleinhandel auf dem inneren Markt, und ohne Flotte, die das Meer von Englands Gnaden befahren könnte, ein Deutsch⸗ land, das Vasallenstaat wäre des russischen Riesenresches, das den ganzen Osten und Südosten Europas beherrschen, alle Slawen unter dem Szepter Moskaus vereinen will. So träumte man im Anfang des Krieges in Paris, in London und in Petersburg. Nein, meine Herren, dieser ungeheure Weltkrieg, der die Fugen des ganzen Weltalls knacken macht, wird nicht zu alten vergangenen Zeiten zurückführen, ein Neues muß entstehen. Soll Europa jemals vorankommen, so kann das nur durch eine starke und un⸗ antastbare Stellung Deutschlands geschehen.(Lebhafte Zu: stimmung.) l Die Vorgeschichte dieses Krieges redet eine harte Sprache. Mehr als zehn Jahre lang ist das Sinnen und Trachten der En⸗ lentemächte einzig darauf gerichtet gewesen, Deutschland zu sso⸗ lieren, es auszuschließen von jeder Mitverfügung über die Welt. Die englische Politik der balance of powers muß verschwinden. Denn sie ist, wie ste der englische Dichter Bernhard Shaw neulich genannt hat, ein Brutofen für den Krieg. Bezeichnend ist in dieser Beziehung eine Bemerkung, die Sir Edward Grey zu un⸗ serem Botschafter, dem Fürsten Lichnowski, machte, als er sich von diesem am 4. August verabschiedete. Er sagte mit besonderer Be⸗ tonung: Der zwischen England und Deutschland ausgebrochene Krieg würde ihm Gelegenheit geben, uns beim Friedensschluf größere Dienste zu leisten, als wenn England neutral geblieben wäre.(Gelächter) Vor den Augen des englischen Ministers er⸗ stand also wohl schon hinter dem geschlagenen Deutschland die Riesengestalt eines siegreichen Rußlands, und dann wäre Deutsch⸗ land gut genug gewesen, Vafall und Helfer von England zu sein. Deutschland muß sich seine Stellung so ausbauen, so festigen und stärken, daß die Mächte nie wieder an eine Einkreisungspolitik denken. Wir müssen zum Heile aller Völker und Nationen die Freiheit der Weltmeere erringen(Beifall), nicht zum Ziele, wie es England will, sie allein zu beherrschen, sondern damit sie allen Völkern in gleicher Weise dienstbar sein können.(Beifall.) 3 Wir sind es nicht, die die kleinen Staaten bedrohen. Wir wollen sein und bleiben ein Hort des Friedens, der Freiheit der großen und der kleinen Nationen. Ich sage das nicht nur mit Bezug auf die Völker germanischer Rasse. Welche Mühe gibt sich der Vierverband gegenwärtig, die Balkanvölker davon zu über⸗ zeugen, daß der Sieg der Zentralmächte ste in die Knechtschaft stürze, der Triumph des Vierverbandes ihnen aber Freiheit, Un abhängigkeit, Ländergewinn und wirtschaftliches Gedeihen schen⸗ ken würde. Wenige Jahre ist es her, wo der Machthunger Ruß⸗ lands unter dem Schlagwort„Der Balkan den Balkanvölkernl“ den Balkanbund schuf, den es dann wieder unter Begünstigung der anderen gegen Bulgarien fallen ließ. Unsere Siege in Polen haben 0 die Balkanvölker vom russtschen Druck befreit. England war ein⸗ mal ein Schutz der Valkanstaaten, als Alliierter Rußlands kann es nur der Bedrücker und Bedränger der Unabhängigkeit sein, was es schon jetzt mit selbstsüchtiger harter Hand fühlen läßt. Meine Herren, ich fasse zum Schluß alles zusammen: Wohl kein großes Volk hat in ten letzten Jahrhunderten solche Leiden au tragen gehabt wie das deutsche. Und doch können wir dieses Schicksal lieben, das uns mit folchen Leiden den Ansporn zu unerhörten Leistungen gegeben hal. Für das endlich geeinte Reich war jedes Friedensjahr ein Gewinn. Ohne Kriege kamen wir am glücklichsten vorwärts. Nie hat Deutschland die Herr⸗ schaft über Europa angestrebt. Sein Ehrgeiz war es, einem friedlichen Wettbewerbe der Nationen in den Aufgaben del Wohlfahrt und Gesittung boranzustehen. Dieser Krieg hat es an den Tag gelegt, welcher Große wir fähig sind, gestützt auf die eigene sittliche Kraft. Die Macht, die uns unsere innere Stärke gab, können wir auch nach außen hin nur im Sinne der Freiheit gebrauchen. Die von den fremden Regierungen gegen uns in den Krieg gehetzten Völker hassen wir nicht, aber wir haben die Sentimentalität ver⸗ lernt.(Großer Beifall.) Wir halten den Kampf durch, bis jene Völker von den wahrhaft Schuldigen den Frieden fordern bis die Bahn frei wird für ein neues, bon französischen Ränken von moskowitischer Eroberungssucht und von englischer Vormund. schaft befreites Europa.(Stürmischer, langanhaltender Beifall. Händeklatschen im ganzen Hause und auf den Tribünen.) f Abg. Spahn(Ztr.)⸗ e Ich beantrage nach den gehörten Ausführungen den Nach⸗ tragsetat an die Budgekkommisston zu verweisen. ö Der Nachtragsetat wird an die Budgetkommission berwiesen. Der Gesetzentwurf zum Schutz der Schwesterntracht wird in erster und zwefter Lesung angenommen. 5 Das Haus vertagt sich. Freitag, 2 Uhr: Kleine Anfragen, zweite Lesung des Nach⸗ tragsetats.. ö 5 e Schluß 377 Uhr. i 5 A Geographische und poli⸗ Aus dem Reiche. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktlon gegen Liebknecht. Berlin, 20. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der„Vor⸗ wärts“ veröffentlicht eine Erklärung der sozialdemo⸗ kratischen Reichstagsfraktion, wonach Liebknecht entgegen einem am 8. Mai 1912 von der Fraktion gefaßten Be⸗ schluß, von der Absicht der Einbringung einer„kleinen Anfrage“ dem Fraktionsvorstand keine Kenntnis gegeben, sondern unter dem 31. Juli ihm mitgeteilt hat, daß er diese Anfrage bei dem Reichs⸗ tagsbureau eingereicht habe. Liebknecht habe ferner jeden Versuch, diese Angelegenheit bis zur Fraktionssitzung zurückzustellen, ver⸗ eitelt, obgleich ihm bekannt war, daß die Fraktion sich mit der⸗ selben Veröffentlichung befassen werde und obgleich in der ma⸗ teriellen Behandlung der Anfrage durchaus weder eine Aenderung noch eine Verzögerung eingetreten wäre. * Berlin, 19. Aug.(WTB. Amtlich) In der heutigen Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: eite Wer lage, betreffend Prägung von Dreimarkstücken als Denkmünzen anläßlich der Jahrhundertfeier der Vereini von Mans mit dem n Staate, eine Nenderung des Teles lf Ziffer 4 der Anle— für Zollabfertigung, der Entwurf einer Bekanntmachung, betreffend Feststellung der Ortslöhne, der Ent⸗ wurf einer anntmachung über Prei mittel, eine Aenderung des Verzeichnisses der Einlaß⸗ und Unter⸗ suchungsstellen für die Einfuhr von leisch, den Entwurf einer Bekanntmachung über den Verkehr mit Kakaoschalen. 1— Kirche und Schule. 8 1 Kardinal Vanutelli. 0 om, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der„Osser⸗ vatore Romano“ meldet, ist Kardinal Vanutellt 8. erkrankt. Er empfing die Sterbesakramente und den be⸗ sonderen Segen des Papstes. Rom. 19. Aug.(WT. Nichtamtlich) Kardinal Serafino Vanutelli ist heute macht gestorben. Die Fuldaer Bischofskonferenz. h. Fulda, 19. Aug. In feierlicher Weise wurde heute nachmittag in der Bonifaziusgruft die diesjährige Bi chofskonferenz geschlossen. Nach einer Dank⸗ andacht und einer Fürbiktandacht der Bischöfe für einen ehrenvollen Frieden legte der 550 Bischof dem Kardinal se usw, für Kraftfutter⸗ v. Hartmann als Konferenzvorfsitzenden die Reliquie des hl. Bonifazius aufs Haupt, worauf der Kardinal bei allen Kon⸗ ferenzteilnehmern die gleiche Zeremonie vornahm. Die . 255 10. Chören der Alum⸗ nen umr— Die meisten Bischöfe reisten noch im Laufe des Abends ab. 5 5 0 1 Aus Stadt und Land. Gießen, 20. August 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Landsturmmann Aug. Dött, Inf. ⸗Agt, 168, aus Weilburg. — Landsturmmann Willy Tacker, Ins.-Agt. 222, aus Offen- bach a. M.— Ers.-Res. Johs. Etchenauer aus Metzlos.— Gefreiter Friedr. Speier, Juf.⸗Rgt. 34, aus Großbieberau.— Musketier Hermann Sack, Inf.⸗Agt. 254, aus Heuchelheim (Wetterau).— Ers.⸗Res. Karl Scherer, Inf.-Rgt. 168, aus Geiß⸗ Nidda.— Musk. Heinrich n 1 223, aus Wingers-⸗ hausen.— Lt. d. Res. Referendar Alfred Glück, nf.-Rgt. 129, usketler Kark Hack, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 168, aus Musk. Karl Faust aus Lorbach.— Musk. Heinr. Dorth, Ins.⸗Agt. 108, aus Dillenburg.— Landsturmmann Frttz Naufoks aus Marburg.— Musk. Heinrsch Martin, Ins.⸗ Rgt. 224, aus Kaichen. 1 8* 7 ** Militärische Ausbildung der Jugend. Nächsten Sonntag unternimmt unsere hiesige Jungmann⸗ mannschaft einen Reisemarsch. Angetreten wird um 7.45 Uhr vormittags am Bahnhofsgebäude. Die Abfahrt nach Lollar erfolgt um 8.15 Uhr, von da geht der Marsch über Staufenberg, Heideköniggrab, Maistrauch, Toten⸗Berg, Treis, Hangelstein, Gießen. Marschzeit etwa sechs Stunden. Fahrgeld und Mundvorrat sind mitzubringen. Die Rückkehr erfolgt gegen 6 Uhr abends. felverkauf. Der Preis * Städtischer e für 1 Pfund Kartoffeln ist auf 5 Pfg. festgesetzt worden, aus Friedberg.— Stockbeim.— 14«„„% 1 i Deutsche Dichter⸗Erinnerungen aus Warschau. Warschau ist bekanntlich schon einmal, von der dritten Teilung Polens bis zum Jahre 1807 als Hauptstadt von Südpreußen in preußischem Besitze gewesen. Wenn die Zugehörigkeit Warschaus zum preußischen Staate sonst in der preußisch⸗deutschen Geschichte nur wenig Spuren und nur eine vorübergehe Erinnerung hinterlassen hat, so bleibt für die deutsche Literaturgeschichte diese Preußische Zeit Warschaus mit dem Leben zweier romantischer Dichter von Bedeutung verknüpft. Das sind Zacharias Wer⸗ ner, der Dichter der„Weihe der Kraft“ und E. T. A. Hoff⸗ mann, der unerreichte Meister der phantastischen Novelle. Beide kamen nach Warschau, um in der dortigen preußischen Verwaltung zu arbeiten und zwar war es zuerst Zacharias Werner, durch seinen Lebensweg 1151 Warschau geführt wurde. Werner war, als er im Jahre 1796 als Kammersekretär 11 Regierung u kam, erst 28 Jahre alt, aber ein wildes und uner⸗ freuliches Leben hatte er bereits hinter sich. Leidenschaftlich, ugleich aber schwach und unbeherrscht, hatte er sich wilden ergnügungen und Ausschweifungen in die Arme ge⸗ fen 4 5 eine leichtsinnige 15 geschessep, die er aber inzwischen bereits wieder gelöst hatte. i der Kammer in Plock hatte er zwei verhältnismäßig ruhige Jahre verlebt, 10 die Möslichleit in die große, reichbelebte Skadt Warschau u kommen, zog ihn gewaltig an und er war froh, als er sich iesen Wunsch erfüllt sah. Das Warschau der preußischen Zeit war eine merkwürdige Stadt, und wer aus dem alten wohlgeordneten Staate Preußen kam, der mochte sich, wenn er sich plötzlich nach Warschau versetzt sah, in den Orient entführt glauben. Abe ländische Kunst, asiatischer Prunk und grönländischer Schmutz fanden liz damals in Polens Hauptstadt dicht nebeneinander, und die Bevölkerung glich einem Maskenzuge: alte polnische 2 15 1 5 ineller Nationaltracht, und Lebemänner nach der neuesten es bunt und bewegt zu; Theater, Vol ikalische Darbietungen jagten einander— kurz, und die ihn während seiner nd⸗ die Straßen endlich ruhig geworden ückte. Aber Warschau een ). JJC wie der Oberbürgermeister heute bekanntmacht. Es werden Mengen bis zu einem Zentner abgegeben. Verhalten gegen Gefangene. Damen, die aus irgend einem Grunde die gebotene Distanz zwischen sich und den Kriegsgefangenen nicht halten können, schärft das Generalkommando noch einmal das Gewissen und er⸗ innert daran, daß gemäß Verordnung vom 25. November 1914 III a. Nr. 44110/3575 das Zustecken von Eß waren oder anderen Sachen, sowie das unbefugte Verkaufen, Ver⸗ tauschen oder 1 von Sachen an Kriegs ge⸗ fangene mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft wird. Hierzu gehört auch das Zustecken von Geld. Ebenso ist es aus militärtschen Gründen Unbefugten ver⸗ boten, sich mit 1 daß did egg zu unterhalten, ganz abgesehen davon, daß die Kriegsgefangenen dadurch unnötig von der Arbeit abgelenkt werden. Landkreis Gießen. Heuchelheim, 20. Aug. Im Feldlazarett zu Tuezempy starb am 4. August infolge schwerer Verwundung der von hier ge⸗ bürtige Musketier Karl Germer. Er ist das 23. Opfer dieses Krieges aus unserem Orte und hinterläßt eine Witwe mit zwei unmündigen Kindern. m. Lollar, 20. Aug. Nachdem unser Schulkörper durch Einztehung von Lehrkräften schon wiederholt Veränderungen erfuhr, steht ihm wiederum eine solche bevor. Lehrer R. Eckert, auch als Maler weiteren Kreisen bekannt, ist nun dauernd zum Heeres⸗ dienst einberufen worden. Da er als schätzenswerte Krast gilt 1 75 allgemeiner Beliebtheit erfreut, sieht man ihn ungern eiden. [Nonnenroth, 18. Aug. Der Unteroffizier Koch von hier, der im 21. Reserve-Fuß⸗Artillerie-Bataillon steht, wurde mit der Hessischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.— Nächsten Sonntag findet eine Gedächtnisfeier für die Gefallenen unserer Gemeinde statt. Es sind dies Karl Trapp aus dem Jnsanterte-Regiment 116, der am 31. Oktober v. J. bel Le Quesnoy den Tod sand, und Heinrich Metzger vom Insanterle-Regiment 61, der am 21. Jult selnen am Tage vorher erhaltenen Wunden erlag. Kreis Büdingen. Stockheim, 18. Aug. Den Heldentod starb der Musketier Karl Hack im Reserve⸗Infanterle-Regiment 168. Kreis Alsfeld. h. Alsfeld, 19. Aug, Im nahen Schwaben rod starb im Alter von 89 Jahren die Witwe Elise Albach. Sie hat das seltene Glück 1 75 Ur⸗Urgroßmutter gewesen zu sein. Die Frau hinterläßt 67 direkte Nachkommen, und zwar 6 Kinder, 27 Enkel, 30 Urenkel und 4 Ur⸗Ur⸗Enkel.—. Der Stadtvorstand lehnte das Gesuch des hiesigen Geschichtsvereins um Errichtung eines ehernen Wahrzeichens in Form einer Säule mit der einleuchtenden Begründung ab, daß bei der geringen Gin⸗ wohnerzahl der Stadt an einen nennenswerten Erfolg nicht zu denken sei. 5 0 ö Kreis Friedberg. Friedberg, 18. Aug. Das Goldene Militär- Sanitätskreuz 1. Klasse erhtelt der Krankenwärter Bertold Koltzenburg, Sohn des Verwalters der Herberge zur Heimat. Ju Alter von 16 Jahren trat er als Sanitätshundführer in den Dienst des Vaterlandes. Hessen⸗Nassau. m. Kirchhain, 19. Aug. Ein Einwohner des Kreises Kirchhain, der kürzlich Kriegsbeorderung erhielt, schlachtete eiligst zwei Schweine und einen setten en. Beim Abschie) nahm er sich einen gut gespickten Ranzen voll Vorrat mit und gab den Zurückgehliebenen den Auftrag, ihn nicht ver⸗ hungern zu lassen. Einige Tage später erschien der Mann wieder in seinem Heim, weil er sich nicht zum ilitärdienste eignete. etzt stellt er Se e dariber an, ob es nicht besser gewesen ei, mit dem rA ch noch etwas zu warten.— Die dies⸗ jährige Kartoffelernte verspricht im allgemeinen sehr gut, in manchen Gegenden vorzüglich auszufallen, so daß man auf eine preiswerte Versorgung der Bevölkerung mit der unentbehrlichen Frucht rechnen kann. m. Neustadt, 19, Aug. Ein im nahen Ransbach bet dem Landwirt Glinger in Stellung befindliches Dienstmädchen war gestern bei seinen Verwandten in Röllshausen gewesen und wurde nachmittags auf dem Rückwege von einem Gewitter überrascht, Von einem gerade vor ihm in die Erde fahrenden B litzstrahl wurde es betäubt, erholte sich jedoch wieder und begab sich weiter nach Ransbach. Dort angekommen, merkte es erst, daß es die Sprache verloren halte; es konnte nur durch Zeichen mit- leilen, was ihm geschehen war. Das Mädchen ist in ärztliche Be⸗ handlung genommen. 5 h. Schlüchtern, 19. Aug. In Voll merz benutzte eine 2 Mutter von neun Kindern, Petroleum zum Herd⸗ eueranfachen. Die Kanne explodierte, wobei die Kleider der Frau in Brand gerieten. Ehe Hilse herbeikam, war die Unglückliche bei lebendigem Leibe verbrannt. J Berleburg, 19. Aug. In vorletzter Nacht brach in der Holzwarenfabrik von C. Koch(Inh. Breimer) ein verheeren⸗ tung geworden, und hat neben der angeregten Atmosphäre der Stadt und ihres Lebens vor allem auch der Verkehr bei⸗ Beenden Werner hier genoß. In erster Linie sind es die 4 7 7 zu dem jungen Assessor Hitzig aus Berlin ge⸗ wesen, die für ihn wertvoll wurden. In Hitzig fand er einen empfänglichen hingebenden Freund, dem er sich anvertrauen, dem er sich ausschütten konnte. Im Sommer des Jahres 1800 wallfahrtete er mit ihm jeden Sonnabend in die schön gelegene Camaldulenser⸗Abtei Bielany, in deren Einsamkeit Werners schönste Gaben und Regungen, aufblühten. Und unter diesen Einwir⸗ kungen 3725 er in Warschau jenes Drama„Die Söhne des Tals“, das als das erste bedeutende imd lebenskräftige Zeugnis seiner dichterischen Begabung gelten muß und ihm zu einer Stellung in der deutschen literarischen Welt verholfen hat. m 4 4 1804 war es dann, daß Hoffmann, der gleichfalls aus Plock versetzt wurde, in Warschau eintraf, dessen wunder⸗ liches Leben er mit seinen sch Stifte rege beobachtete. Der junge Hitzig war es, der Hoffmann im Beziehung zu Werner und zu seinen anderen Freunden setzte, und so gewann Hoffmann in Warschau einen angeregten und anregenden Umgang. Für seine Entwicklung ist dieser Umgang insofern von geradezu entscheidender Bedeutung geworden, als er hier durch 11 1 19 5 auf die neuere romantische Richtung] der e und Dichtung au sam gemacht wurde, und dadurch das gei⸗ tige Gebiet entdeckte, auf dem er au Lorbeeren ernten sollte. e Hoffe war es freilich weniger die Dichtung als die Musik, die Hoffmann ganz und gar beherrschte. Er und Hitzig wohnten in zwei aneinander stoßenden Häusern; in später Nacht, wenn waren, konnte man hören, wie Hoffmann bei offenen Fenstern auf seinenn Flügel den Hitzigs, die gleichfalls die Fenster ihrer Wohnung geöffnet hatten, vor⸗ phantasierte, bis der Morgen graute. Ganz und gar bemächtigte sich ie Musik seiner, als der Adpokgt Kuhlmever die Veranstaltung großer Orchesterkonzerte in Warschau in die Wege leitete und dafür den Mniszekschen Palast mietete. Da wurde Hoffmann Feuer und Flamme. Er bestieg das Malergerüst und malte die Räume des teilweis beschädigten Gebäudes aus; er bauma den Dirigentenstab und leitete die Konzerte; auch war er damals selst musikalisch schöpferisch tätig; er vertonte eine Dichtung Werners, von dem er sich freilich önlich ziemlich bald entfernte, weil ihn der unberechenbare, schrankenlose Mensch, so interessant er auch war, im ganzen eher abstieß. a 8 So hat Hoffmann in Warschau lebensreiche und filr ihn bedeutsame Jahre verlebt. Der Abschluß seiner Warschauer Zeit estaltete 1 aber recht 8 Die Franzosen rückten ein, ie Tätigkeit der preußischen Verwaltung wurde unterbrochen und Hoffmann begann in Bedrängnis zu geraten, als er den uten Gedanken hatte, sich in eine Tachkammer jenes Mniszekschen Palastes zu flüchten, den inzwischen General Daru zu seinem ae quartier g e und wo er daher natürlich von allen Belästigungen befreit blieb. Im übrigen hielt Hoffmann, als dem 33 3 5 5 der Brand aus, der den oberen Teil des Gebäudes völlig ver⸗ nichtete und großen Schaden anrichtete. Um die Bekämpfung des gewaltigen Brandes bemlihten sich neben der hiesigen Feuerwehr auch eine Anzahl Feuerwehren der umliegenden Ortschasten. Vor 10 Jahren ist dieselbe Fabrik schon einmal bis auf die Grund- mauern niedergebrannt. Der pflug hinterm Schwerte. Wer eine Fahrt zur deutschen Front unternimmt, der wird 5 von den Taten, die in der Kampflinie selbst i 1 kaum mehr zur Bewunderung hingerissen, als durch die Leistungen, 1 die beutscher Fleiß und deutscher Kulturwille hinter der Front 1 vollenden. Dem Schwerte folgt der Pflug, dem Kampfe die Ord- nung, der unvermeidlichen Zerstörung der schnelle Wiederaufbau. Das schildert Leonhard Schrickel in einem interessanten Aufsatze Über eine Kraftwagenfahrt zum Weichsellande, der im neuesten Hefte der„Grenzboten“ veröffentlicht wird. Wer dies polnische Land, das eben noch Schauplatz wilder Kämpfe gewesen ist, durcheilt, der kann kaum noch erkennen, daß vor wenigen Tagen. erst die Kriegsfurie darüber hingebraust ist. Da steben die niedri« gen, blau und rosarot getünchten Häuschen genau so verträumt, 1 wie sie all die langen Jahre daher gestanden haben, geduckt unter das moosige Strohdach, unter dem die kleinen schmalen Fenster, halb versteckt, nur scheu herporlugen. Andere strecken den First nur wie in zaghafter Neugier ein wenig über das wogende Korn, das diese Stätten des Friedens mit seinen goldgelben Mauern hoch um⸗ baut, also daß es ist, als sollten die ütten im Segen der Ernte ersticken. Hier und da verrät ein kalkweißes, aufgepinseltes Kreuz an der Hauswand, daß auch der Kindersegen herangewachsen, daß ein mannbares Töchterlein des Freiers harrt, Ist das Gütchen groß und der Feldsegen desgleichen, ist auch die Zahl der heran⸗ pilgernden heiratslustigen Kandidaten nicht klein und ehe die Ernte seborgen oder verkauft ist, ist das Kreuz an der Wand wieder ver⸗ schwunden. Aber es gibt auch Häuser, die drei und vier Kreuzlein zieren— da mag denn hinter den Scheiben der so friedlich an⸗ mutenden Fenster manch stilles Seufzen in die Weite gehen. Sieht man die Schönen indessen bei Tageslicht, lassen sie von ihrem stillen Kummer nichts merken; im Ge enteil, die Weiberlein im ganzen Lande Polen sind ausnehmend fröhlich und frisch und lachen mit den bunten Farben ihrer kurzen Röcke um die Wette in das Land hinaus. Prächtig sind die Straßen. Noch vor kurzem unbefahren, Sandwüsten und Schlammströmen ähnlich, halten sie jetzt, dank der deutschen Arbeit, jeden Vergleich mit den heimatlichen Landstraßen aus. Auch die Dörfer, in denen der Schmutz in lieblicher Eintracht mit dem ländlichen Düngerhaufen die geheiligten Ueberlieferungen der Bauern erfolgreich gegen alle Zeitenstürme verteidigte, sind reinliche Wohnstätten geworden. Die zahllosen Stege, Brückchen und Brücken, die unsere zurückweichenden Feinde gründlich zerstört atten, sind wieder hergestellt: kurz, überall treffen wir auf die 5 Spuren deutschen Fleißes, deutscher Kultur. Auch Bahnen und Bähnchen kreuzen unsern Weg und freundliche Holzhäuser aller Art grüßen herüber. Da gibt es eine„Schlesische Baude“ und eine „Berliner Hütte“, darinnen unsere wackeren Landstürmer Wache halten oder ihre Kantine aufgetan haben; da steht ein„Feldbahn⸗ hof Hasenheide“, und ein„Feldbahnhof Sumpfloch“, die ein prangendes Blumengärtchen einfriedigt: alles schmuck und ge⸗ diegen, daß es eine wahre Lust ist. Und überall deutsche Ordnung. In Plock z. B.: saubere Straßen, von grünen Bäumen umfaßt, die Aulagen der Plätze sind gepflegt und wirkliche Schmuckstücke. Hochgelegen, breitet sich zu Füßen der Stadt das weite Land aus mit der breit dahinziehenden, tiefgrünen Weichsel. Und am Anker⸗ platze und auf den wandernden Wellen was für eine bunte Menge von Dampfern und Lastlähnen! Das drängt sich und engt sich, tutet und flutet! Wohin das Auge sich wendet: de Wimpel. Und alle deutsch, alle deutsch! Nach russischer Art ist auch die Weichsel sich selbst überlassen worden, also das weite Sandbänke die Schiffahrt erschweren. Aber nun setzt mitten im 57 auch hier die deutsche Arbeit allenthalben ein. Auf der Weichsel find 12 5 Bagger am Werk, den Fluß von den Schäden russischer? 3 schaft zu heilen. Wie lange noch und der prächtige, brett aus?, ladende Strom zieht stark durch ein fruchtbares, von freudig schaffenden Menschen bevölkertes 5 6 Durch wundervolle Wälder, durch weites Land mit langen Seen und lichten Wiesengründen führt ein kleines Städtchen, das dank der 5 und der Arbeit unserer Landstürmer gleichfalls sauber und anmutig 1 seworden ist Der Markt steht voller Vieh und Lebensmittel. amentlich Pferde und Fohlen sind in erstaunlicher da, ein Kalb von anderthalb Wochen wird für sieben Mark ver⸗ 5 handelt; ein Ei kostet funf Pfennige, ein Pfund Butter eine Mark! Und das sind hohe Preise, über die man zetert; zahlte der be⸗ dächtige Bürger oder vielmehr seine rechnerisch begabte Haus⸗ frau vor dem Kriege doch höchstens halb so viel wie jetzt; zahlt man im benachbarten Ry pin auch heutigentags nur noch 60 bis 70 Pfennige für ein Pfund Butter, für eine Ente 60 bis 80 Pfennig, für eine Gans das doppelte. 0 5 5 * 3 2 5 1 5 223 arfen Augen und seinem behenden hatt chon die Mehrzahl seiner Freunde den heißgewordenen Boden arschaus verlassen hatte, aus, bis er infolge der mannigfaltigen Erregungen der letzten Zeit in ein heftiges Nervenfieber ver e, bei dem ihm seine mustkalischen Phankasten hart zusetzten, Als er genesen war, merkte er, daß es Zeit sei, den Wanderstab 1 weiter zu setzen. Im Anfange des Sommers 1807 verließ er Warschau, um über Posen nach Berlin zu gehen. 1 * e Die Einführung des Gebets beim Zapfen 05 eich. Die Einführung des Gebets beim Zapfenstreich 93 ie preußische Armee dem russischen Vorbilde, was wenig bekannt sein dürfte. Diese Einführung wurde den preußischen Truppen durch eine Kabinettsorder vom 19. August 1813 bekanntg 5 König Friedrich Wilhelm III. hatte sie infolge eines Vorsalleg erlassen, der sich am 2. Mai des genannten Jahres abgespielt e. Die Schlacht bei Groß⸗Görschen war geschlagen; nahe an 8000 Gefallene der Verbündeten und ebensoviel Franzosen be⸗ declten das Schlachtfeld. Der König von Preußen und Kaiser Alexander von Rußland waren hinausgeritten auf das Schlacht⸗ feld, sprachen den Sterbenden Trost zu und ließen den undeten Hilfe bringen. Es wurde Abend, und das Stöhnen und Aechzen r. Verwundeten und Sterbenden klang durch das Dunkel. Die beiden Monarchen, die kief bewegt waren, gelangten so auf den Russenflugel, wo der Trommelwirbel sie begrüßt, der in den Russischen Zapfenstreich überging. Die Musik fiel ein und spielte das erhebende Gebet. Als die Herrscher dann nach Groitsch heim⸗ ritten, konnte Friedrich Wilhelm III. seiner Bewegung kaum Herr werden, und lange er den überwältigenden Eindruck nicht vergessen vergsesen. Während des Waffenstillstandes vom 5. Juni bis 10. August brachte der König dann den längst gehegten Plan, die so erhebende militärische Feierlichkeit auch in 1 Armee einzuflühren, zur e Die erste Probe fand im Haupt⸗ artier zu Neudorf in Schlesien statt. Am 19. Migust wurde den Truppen dann die 1 Kabinettsorder bekannt gemacht:„Es ist Mein Wille, daß Meine Truppen in bezug auf die Gottesber⸗ ehrung keinen anderen nachstehen sollen, und so befehle Ich hier⸗ mit, daß die Wachen von jetzt an, wenn Reveille oder Zapfenstreich geschlagen wird, ins Gewehr treten, sodann das Gewehr präsen⸗ tieren, hierauf den Tschako mit der linken Hand abnehmen und, ihn mit beiden Händen vor dem Gesicht hattend, ein stilles Gebet, etwa ein Vaterunser lang, verrichten sollen. Die Mannschaft nimmt mit dem kommandierenden Offizier oder Unteroffizier gleich⸗ zeitig den Tschako ab und setzt ihn ebenso wieder auf, In den Feldlagern sollen die vor den Fahnen versammelten Trompeten oder Hauthoisten gleich nach beendigtem Zapfenstreich ein kurzes Abendlied blasen, nach welchem die vor dem ohne Gewehr in Jacken oder Mänteln hervorgetretenen Eskadrons und Kompagnien zugleich 1 mit den Wachen das Haupt zum Gebet entblößen, auf ein Signal mit der Trompete oder Trommel 5 28 0 8 Gewehr treten und die Kompagnien „„ . 3 5 8 4 5 8 . . Verkehr mit Gerste zwar die Beschlagnahme der gesam⸗ . Betr. Den Verkehr Vermischtes. e. Aschaffenburg, 19. Aug. Im hiesigen Luitpold⸗ schul⸗Lazarett befindet sich der Unteroffizier Witz, der am 9. August durch eine Granate verschüttet wurde und seitdem taubstumm war. Als gestern die Königin Maria Therese von Bayern dem Lazarett einen Besuch abstattete und dabei jeden Verwundeten beschenkte, geriet der Unter⸗ offizier in eine solche freudige Aufregung, daß sich bei ihm plötzlich das Sprachvermögen wieder in vollem Um⸗ fange einstellte. Der eigenartige Vorfall erregte natür⸗ lich großes Aufsehen, nicht minder aber auch große Freude. Thermalquelle in Heidelberg. Aus Heidel- berg wird uns geschrieben: Die Bohrungen in Heidelberg nach Thermalquellen haben bis jetzt befriedigende Ergebnisse gezeigt; der Bürgerausschuß hat zu neuen Bohrungen den Betrag von 100 600 Ml. bewilligt. London, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet aus New York: Texas ist von einem großen Wirbelsturm heimgesucht worden. In Dallas kamen etwa 100 Personen um. Die Baumwollpflanzungen sind stark beschädigt. In Galveston wurden 14 Personen getötet und 500 Häuser zerstört. Neues von den englischen Munitions⸗ arbeiterinnen. Seit die Werbungen für das englische Heer immer größeren Umfang annehmen und die Beanspruchung der englischen Munitionsfabriken täglich wächst, haben diese in steigendem Maße weibliche Hilfskräfte herangezogen, und sie sind damit, wie ein Mitarbeiter des„Temps“ seinem Blatte mitteilt, alles andere als unzufrieden. Wie der Besitzer einer Munitionsfabrik dem fran— zösischen Journalisten versicherte, arbeiten die Frauen, sobald sie einmal die nöligen techntschen Griffe erlernt haben, regelmäßiger als ihre männlichen Kollegen, und vor allem brauchen sie weniger freie Zeit als diese. Wer heute englischen Munitionsfabriken einen Besuch abstattet, findet ganze Säle, in denen nur Frauen beschäf— tigt sind. Ihr Alter pflegt zwischen 17 und etwa 35 Jahren zu schwanken, doch machen alle bis auf die ältesten Vorarbeiterinnen einen frischen und leistungsfähigen Eindruck. Natürlich stellt man ihnen keine allzu schweren Aufgaben: in den Schmieden, an den Walzwerken oder Eisenhämmern würde man sie vergeblich suchen; dafür sitzen sie in ganzen Kompagnien an langen Drehbänken, an denen sie die aus der Werkstatt kommenden Geschoßhülsen säubern, glätten, polieren und nachbohren, oder sie arbeiten an großen Tischen, wo sie fertige Geschosse wiegen und abzählen. Viele haben sich auch mit der Ladung der sertiggestellten Geschoßhülsen vertraut gemacht und finden sich mit dieser schwierigen und eine wahre Uhrmachergeduld ersordernden Tätigkeit zur Zufriedencheit ab. Be— kleidet sind die meisten mit einer Art Khakikittel, der hinten zu- geknöpft und oft durch einen Gürtel gefälliger gemacht wird; den Ropf pflegt eine Haube aus gelblichem Kautschukstoff zu schützen, die an Badekappen erinnert. Das Haar soll eigentlich darunter berschwinden, doch findet sich natürlich immer noch ein kokettes Löckchen, das der strengen Verfügung gegenüber die Rechte der Weiblichkeit durchsetzt. In manchen Fabriken, wo Frauen auch zu gesährlicheren Arbeiten verwendet werden, besteht der Kittel aus einem seuersesten Tuche, das möglichst gegen Explosionen schützen soll. Was den Lohn der Munitionsarbeiterinnen anbelangt, so ist er im allgemeinen niedriger als der ihrer männlichen Vorgänger, und reicht gerade dazu aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Anfängerinnen erhalten gewöhnlich für eine Arbeits woche von 45 Stunden etwa 15 Mk., während die Männer in derselben Fabrik mit nicht weniger als 34 bis 35 Mk. Wochenlohn beginnen und je nachdem bis zu 40, 100 und in ganz vereinzelten Fällen so- gar bis zu 120 Mk. aufsteigen. »Verbessertes Zweirad für Kriegsinvaltde. Leute mit einem steisen Bein, oder solche, denen ein Bein hat ab⸗ genommen werden müssen, können nur unter Benutzung ihres ge⸗ sunden Beines, d. h. mit einer Tretkurbel, Zweirad fahren. Die hierbei für die Ueberwindung der Totpunkllage u ergebenden Schwierigkeiten werden durch eine Verbesserung wirksam über- wunden, die von Dr. Lewy in der neuesten Nummer der„Münch. med. Wochenschr.“ den Invaliden empfohlen wird. Sie besteht in einer Schneckenseder, die die Aufgabe der zweiten Tretkurbel auto- matisch erfüllt. Für das steife, bezw. für das künstliche Bein ist ein Ruhepedal an der Gabel des Hinterrades starr 8. Die Verbesserung hat den Vorteil, daß sie an jedem Fahrrade leicht und mit nur geringen Kosten angebracht werden kann. Die Hundepost. Das folgende, im„Daily Chronicle“ aus Paris berichtete Geschichtchen zeigt wieder einmal, wie„bar⸗ barisch“ die Deutschen sich ihren Gegnern gegenüber benehmen: Im Westen liegen die deutschen und französischen Schützengräben sich oft in sehr geringer Entfernung gegenuber. Darum geschieht es, daß die Deutschen ihren Gegnern durch Hinüberwersen von Zeitungen von den Siegen im Osten Mitteilung machen. Eines Tages aber staunten die Franzosen sehr, als statt der Zeitungspost ein Hund aus den deutschen Linien inmitten der Franzosen erschien. An seinem Halsband war ein Zettel befestigt, der die Mitteilung enthielt:„Sagt dem Korporal X., daß seine Familie, die hinter der deutschen Feuerlinie wohnt, sich wohl be⸗ findet und ihn grüßen läßt...“ Amerikanischer Kriegshumor. Rußland braucht einen Großfürsten, dessen Kopf so gewaltig ist wie seine Beine. (Columbia State.)— Der Hauptgrund, warum die russische Armee sich so vollkommen unbehindert findet, einen strategischen Rückzug auszuführen, besteht darin, daß sie so viel gangbares Land im Rücken hat.(Seattle Post⸗Intelligencer.)— Wenn die Dinge an der Ostfront sich so weiterentwickeln, wird der Zar bald auch unter den Großfürsten den Jahrgang 1915 einberufen müssen.(Grand Rapids Preß.) — Bllchertisch. — Bühne und Welt. Das äußerst anregende Augusthest der von Wilhelm Kiefer herausgegebenen Monatsschrist für das deutsche Kunst- und Geistesleben„Bühne und Welt“ enthält in seinem Hauptteile solgende Beiträge:„Ein Wort vom Haß“— Friedrich Lienhard:„Der Nietzschekult und der Krieg“— Dr. Ruthardt Schuhmann;„Goethe und das Heroische“— Eber- hard König;„Der biologische Wert der Kunst?— Heinrich Driesmans;„Mephistos Menschenkenntnis“— Dr. P. Expeditus Schmidt:„Carl Friedrich Glasenapp“— Henry Thode; „Anderes Publikum— andere Bühnen“— Adolf Berger; Mein Anruf„An die deutschen Künstler“— Fidus; Meine Ant- wort auf Fidus' Erwiderung— Schulze⸗ Berghof.— Die Rundschau neben Berichten über Uraufführungen, zahlreiche pole⸗ mische und positive Abhandlungen.— Preis des Hestes 60 Pfg., Halbjahrsbezug 3.50 Mk.— Probehefte versendet kostensrei der Verlag von„Bühne und Welt“ G. m. b. H., Hamburg 36. — Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 21. August 1915: Vorabend: 7.15 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 8.20 Uhr. — Märkte.. le. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 19. Aug. Auftrieb: Rinder 241(Ochsen 13, Bullen 5, Kühe und Färsen 222), Kälber 925, Schafe 116, Schweine 616. l g Tendenz: Kälber werden bei flottem, Schafe bei ruhigem Handel ausverkaust. Bei Schweinen gedrückter Geschästsgang und Ueber. stand. Preise für 100 Pfd. Lebend⸗ Schlacht- gewicht. Kälber. Mk. Mk. Jeinste Mastkalbe nr Mittlere Mast- und beste Saugkälber.. 72—76 120-127 Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber.. 68—72 115—122 Schafe. Weidemastschafe: Mastlämmer und Masthammel. 55-59 120-128 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht... 32.50-16.00 168.00 172.00 Vollfleischige Schweine unter 80 kg 150 165.00 Lebenge wicht 125.00—132.50 Vollfleischige Schweine von 100 bis . 132.50-136.00 168.00 172.00 —— 120 kg Lebendgewicht.. meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2 it Aug. tel der Weti der Luft Absolute JFeuchtigke richtung Windstärke Wind⸗ auf 0e reduziert Relatwe Feuchtigkeit 1915 Barometer Temperatur der Bewölkun 19 19.% 20 12⁰ 2 ˙¹ — 8¹ WNW W. WSW Sonnenschein 2 — DD * 2 * D* do do w Höchste Temperatur am 18. bis 19. Aug. 1915 Niedrigste„„ 1915 Niederschlag: 0,4 min. Bew. Himmel 17.4: 0. 108„ Jugend⸗Ernährung. Die Notwendigkeit einer allge⸗ meinen Jugendfürsorge ist wohl noch nie in dem Maße erkannt worden, wie gerade jetzt. Die nächste Generation muß zu einer kernfesten widerstandsfähigen herangezogen werden. Auf welche Weise läßt sich diese wichtige Aufgabe erfüllen? Vor allem durch vernünftige Erziehung und zweckdienliche Körperpflege. Wie sollen sich aber in einem verweichlichten Körper ohne richtige Ernährung jene Kräfte entwickeln, die er so dringend braucht? Viele Mütter machen den Fehler, daß sie den Kindern die gleichen Genußmittel vorsetzen, die ihnen selbst nicht schaden, die aber auf den zarten Organismus der Kleinen schlechte, manchmal sogar gefährliche Wirkungen ausüben. In vielen Fällen kommt z. B. drei oder vier Mal des Tags Bohnenkaffee auf den Tisch. Nun wirkt dieser nach einer ausreichenden Mahlzeit nicht ungünstig auf das All⸗ emeinbefinden. Wenn er jedoch, was häufig der Fall ist, einen Teil der Mahlzeit ersetzen soll, dann machen sich bei den Kindern manchmal nachteilige Folgen bemerkbar. Es empfiehlt sich daher, den vollkommen unschädlichen„Kriegs-Kornfranck“ zu gebrauchen, Er ist nicht nur preiswert, sondern auch wohlschmeckend und, mit Milch und Zucker genossen, ein vorzügliches Nahrungsmittel. Ein ganzes Paket kostet nur 50 Pfg., das halbe 26 Pfg. 88 20/8 Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Nachstehende Bekanntmachun Kenntnis. Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister.. Weller. 9 bringe ich zur öffentlichen l 6715 B 7 Bekanntmachung. mit Gerste aus dem 51 8 8 1915. . Ergänzend und erläuternd zu dem amtlichen Text der im Kreisblatt Nr. 62 vom 16. Juli 1915 abgedruckten Bekannt⸗ machung des Bundesrats über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915 vom 28. Juni 1915 bemerken wir: Die Verordnung bezieht sich nur auf reine Gerste(Winter⸗ und Sommergerste), Für Mengkorn und Mischfrucht, worin sich außer Gerste auch Hafer befindet, gilt die Verordnung über den Verkehr mit Hafer, abgedruckt im Kreisblatt Nr. 63. Auf Meng⸗ korn, daß außer Gerste auch Brotgetreide enthält, ist die Verord⸗ nung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl, abgedruckt im Kreisblatt Nr. 59, anzuwenden. Im übrigen spricht die Verordnung des Bundesrats über den ten Gerste zugunsten des Kommunalverbandes, in dessen Bezirk sie gewachsen ist, aus, sie trifft aber Bestimmungen über die Verwendung nur für die Hälfte der Gesamternte an Gerste. Die eine Hälfte der Gerste(8 6 Absatz 1) dürfen die Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe innerhalb ihres eigenen Betriebes nach ihrem Belieben verwenden. Sie dürfen sie ver⸗ füttern, als Saatgut verwenden, zu Gerstenmehl, Graupen oder Grütze für den eigenen Bedarf verarbeiten oder verarbeiten lassen. Verkäufe von Gerste aus dieser Hälfte sind ebenfalls zu⸗ lässig, unterliegen aber den gleichen Beschränkungen wie die Ver⸗ käufe aus der anderen Hälfte, d. h. die Unternehmer dürfen ihre Gerste nur liefern zu Saatzwecken(sofern sie sich nachweislich in den letzten 2 Jahren mit dem Verkaufe von Saatgerste befaßt 70(8 7 Abs. 1a), oder an Betriebe mit Kontingent(8 20 s. 1) oder an die Zentralstelle zur Beschaffung der Heeres⸗ e(8 7 Abs. 1 b). diese Geschäfte sind binnen 5 Tagen nach Abschluß uns anzuzeigen.(8 7 Abs. 2.) Die andere Hälfte der Gerste(8 11 Abs. 1) haben die Unter⸗ nehmer landwirtschaftlicher Betriebe, soweit sie nicht in der nach⸗ stehend unter 1—3 angegebenen Weise darüber verfügen, dem Kommunalverband zur Verfügung zu halten. 5 Die Ablieferung dieser zweiten Hälfte ihrer Gersten⸗ ernte durch die Unternehmer landwirtschaftlicher Betriebe an den Kommunalverband steht gleich: 5 1. Tie Lieferung selbstgezogener Saatgerste für Saatzwecke, jedoch nur sofern sich der Unternehmer nachweislich in den letzten 2 Jahren mit dem Verkaufe von Saatgerste befaßt hat.(8 7 Abs. 1 a) Das Nähere folgt unten. 5 2. Die Lieferung von Gerste an Betriebe mit Kontingent. (67 Abf. 1 b.) 3. Tie Lieferung von Gerste auf Anweisung der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung.(8 7 Abs. 1 b.) Der Abschluß solcher Geschäfte ist uns eben⸗ falls binnen 3 Tagen anzuzeigen. 8 Zu anderen als den vorstehend unter 1—3 aufgeführten Zwecken darf Gerste aus dem Kommunalverband nicht entfernt werden, außer im Falle der Verbringung innerhalb desselben landwirtschaftlichen Betriebes, der innerhalb verschiedener Kreise gelegen ist.(8 5.) 5 Bei Lieferung von Saatgerste wird der Nachweis, daß es sich bei einem Verkaufe auch tatsächlich um Saatgerste im Sinne des 8 7 Abs. 1 a handelt, ohne weiteres nur dann als geführt angesehen werden kann, wenn die zu Saatzwecken verkaufte Gerste aus einer Saatzuchtwirtschaft stammt, die von der zuständigen landwirtschaft⸗ lichen KörperschaftlLandwirtschaftskam mer usw.) als solche anerkannt ist, oder deren Saaten von der deutschen Landwirtschaftsgesellschaft oder der Originalsaatgutabteilung des Bundes der Landwirte anerkannt sind. Tas Verzeichnis dieser Saat⸗ und Tierverkehr“ abgedruckt. Die aus diesen eigentlichen Saatzuchtwirtschaften verkaufte Saatgerste darf nur in plombierten Säcken abgegeben werden. Die Zu⸗ stimmung zur Entfernung von Gerste zu Saatzwecken aus einem anderen landwirtschaftlichen Betriebe wird nur dann erteilt wer⸗ den, wenn wirklich auch der Nachweis dafür erbracht ist, daß der Unternehmer des liefernden Betriebes sich in den letzten 2 Jahren mit dem Verkauf befaßt hat und wenn eine Gewähr für die Verwendung zu Saatzwecken gegeben ist. Der Nachweis ist uns einwandfrei zu erbringen. 0 5 Für die Lieferung an Betriebe mit Kontingent wird die Reichs⸗ futtermittelstelle in allernächster Zeit die Kontingente für alle Gerste verarbeitende Betriebe feststellen und in Höhe des für diese Betriebe festgestellten Kontingents Bezugsscheine, auf den In⸗ haber lautend, ausstellen. Dabei sind als Gersteverarbeitende Be⸗ triebe im Sinne des 0 20 Abs. 1 anerkannt worden: Brauereien, Brennereien, Preßhefefabriken, Graupenmühlen, Malzkaffeefabriken, Malzextraktfabriken und Mummebrauereien. 5 Die Abgabe von Gerste für Betriebe mit Kon⸗ tingent ist nur gegen Aushändigung einer der Menge der gelieferten Gerste entsprechenden Zahl von Bezugsscheinen zulässig. 0 Diese Bezugsscheine sind uns bei der Anmeldung des Ge⸗ schäftes(J 7 Abs. 2) vorzulegen. Gießen, den 10. August 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. V.: Hechlex. Verkauf von Frühbirnen. Mittwoch, den 25. August 1915, nachmittags 2½ Uhr beginnend, werden die Frühbirnen von den städti⸗ schen Bäumen am Krofdorfer Weg, am Wiesecker Weg, am Lärchen⸗ wäldchen, auf dem Lutherberg, am alten Steinbacher Weg und auf dem städtischen Obstbaumstück bei der neuen Kaserne an Ort und Stelle meistbietend versteigert. Die Zusammenkunft ist bei dem städt. Schlachthof. 6710 B Grummekgras⸗Verstesgerung der Stadt Gießen. Samstag, den 21. August, Montag, den 23. Au⸗ gut, und Dienstag, den 24. August ds. Is. soll das Grummetgras von den städtischen Wiesen meistbietend versteigert . be at den 21. August d. Js amstag, den 21. August d. Js. 5 a) nachmittags 4½ Uhr an Ort und Stelle die Klee⸗ nutzung von 2½ Morgen Acker am Wetzlarer Weg bei der Klinikstraße;. bynachmittags 5 Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen bei der Aktienbrauerei, am Ohlebergweg bei der Heyligenstaedtschen Fabrik und in der Stephansmark, Zusammenkunft an der Eisenbahnbrücke in der Klinik⸗ straße beim Wetzlarer Weg. Montag, den 23. August 5 a) vormittags 9 Uhr Zusammenkunft am Schlacht⸗ hof, von den Wiesen im Neustädter Feld und am Elektri⸗ zitätswerk und von den Wieseckböschungen.. bj vormittags 10 ½ Uhr in der Restauration von Melchior Schäfer Witwe, Kafser⸗Allee4l, von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland. 8 c) vormittags 11 ½ Uhr vom Friedhof am Nah⸗ rungsberg. 5 N 5 d) nachmittags 2 Uhr: im Philosophenwald von den Wiesen am Fürstenbrunnen, im Wiesecktal, von den Hospi⸗ talwiesen in der Gemarkung Wieseck. e) nachmittags 4½ Uhr an Ort und Stelle von den fesen in der Schwarzlach. 8 Dienstag, den 24. August a) vormitfags 9 Uhr an Ort und Stelle von den Ochsenwiesen, von den Wiesen im Stolzenmorgen, am Uters⸗ brunnen und 19 1 i* 8 bynachmittags 3 ½ Uhr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen. 1. e) nachmittags 4 Uhr an Ort und Stelle von den Wie⸗ Steiggidbhebe, wege bie Wen Ju begchelgen Peng S ie 1 en 3„ wollen sih an den steblischen Wien erden Bete. Neeb 10 wenden. N Die Großh. Bürgermeistereien der umliegenden Gemeinden werden erfucht, Vorstehendes in ihrer Gemeinde bekauntmachen „Gemeinsamen Tarif und Verkehrs⸗Anzeigers für den Güter⸗ . ist in der Sondernummer vom 5. September 1914 2 zu lassen. 5550 B. Nachstehende Bekanntmachung bringe ich zur öffentlichen Fennt⸗ nis. Diesbezügliche Anträge sind binnen 3 Tagen auf dem Stadt⸗ hause, Zimmer Nr. 9, anzubringen.. 6718 B Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 1.—— Bekanntmachung⸗ Betr.: Den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915; hier: Die sorger. a Nach unserer im Kreisblatt Nr. 65 vom 23. Juli 1915 ab⸗ gedruckten Bekanntmachung sind nur landwirtschaftliche Betriebs⸗ unternehmer, die die dort aufgeführte Menge an Brotgetreide zur Verfügung haben, berechtigt, als Selstversorger aufzutreten. Land⸗ wirte, die von der neuen Ernte nicht die dort vermerkte Menge Frucht(Roggen und Weizen haben, können als Selbstversorger nicht zugelassen werden, müssen vielmehr ihre Vorräte ganz an den Kreis abliefern und sind auf den Bezug von Brotkarten angewiesen. Die kleineren Besitzer würden also den Vorteil entbehren, ihr Brot selbst backen und(mit Gerste und Kartoffeln) so strecken zu können, daß sie bis zum 31. Dezember 1915 aus⸗ kommen und würden außerdem keine Kleie für ihr Vieh erhalten. Zur Vermeidung dieser grade die landwirtschaftlich Schwachen betreffenden Nachteile hat Großh. Ministerium des Innern zuge⸗ lassen, daß diese kleineren Landwirte doch als Selbstversorger an⸗ erkannt werden können, wenn sie binnen kürzester Frist— 3 Tage von heute ab— bei der Großh. Bürgermeisterei ent⸗ sprechenden Antrag stellen. Es wird anheimgegeben, dies u tun. 1 5 Gießen, den 12. August 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. F. Vi ech 2 2 Wer mit Beginn des 16. August 1915 Vorräte früherer Ernten an Roggen, Weizen, Spelz(Dinkel, Fesen) sowie Emer und Einkorn, allein oder mit anderem Getreide gemischt, ferner an Roggen⸗ und Weizenmehl(auch Dunst), allein oder mit anderem Mehl gemischt, in Gewahrsam hat, wird hierdurch aufgefordert, sie sofort auf dem Stadthause, Zimmer 9, getrennt nach Arten und Eigentümern anzuzeigen. Vorräte, die sich zu dieser Zeit 170 11 7 0 befinden, sind von dem Empfänger unverzüg⸗ ich na m Empfang anzuzeigen. 8 Vorräte, die lediglich für die Kriegsgetreidegesellschaft m. b. H. beschlagnahmt, aber noch nicht abgenommen sind, sind anzeige⸗ pflichtig und als solche ersichtlich zu machen. n Vorräte in gedroschenem Getreide und an Mehl, die ber einem Besitzer zusammen 25 Kg. nicht übersteigen, sind nicht anzugeben. Vorräte, die durch den Kommunalverband im Rahmen seiner Brot⸗ und Mehlversorgung an Händler, Verarbeiter oder Ver⸗ 5 2957 55 bereits abgegeben sind, sollen gleichfalls unberücksichtigt bleiben. 5 N Desgleichen Vorräte, die nach dem 31. Januar 1915 aus dem Auslande eingeführt sind. g f 671 B Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister. Heller. a 1 Aus der Kommerzienrat Heichelheim⸗Stiftung sind am 1. November ds. Is. 968 Mark zu verteilen. Nach 8 3 der Stiftungsurkunde können zur Bewerbung nur ssen werden: verhältnis gestanden haben, und b) Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß 5 bedürftig sind und vom Tage der e rückwärts gerechnet mindestens 2 Jahre ununterbrochen in ßen gewohnt en Bewerbungen sind bis zum 30. September ds. Is. im Stadthaus, Zimmer Nr. 15 schriftlich oder mündlich einzureichen unter Vorlage der die Erfüllung der Bedingungen nachweisenden 1 5 und ärztlicher Bescheinigungen über etwa behauptete 7 fel aus den En. spreis für Kart städti⸗ Der Verkaufspreis für Kar Sfeante sült das Pfund bis zu einem Zentner 1 ee e eee 4 0 11. Verkaufstage: Die Verufzsele: Srl N 5 gsstelle: Seltersweg e Samstag von 8—12 Uhr vormittags a) Personen, die während des Feldzuges 1870/71 im Militär⸗ . sie einer derartigen Unterstützung würdig und rank⸗ 0 1