Nr. 105 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchenklich Gießener Kamilienblütter; zweimal wöchentl. Kreis- latt fuͤr den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zei en Jernsprech ⸗Anschlüsse: für die Schriftleitung112 Verlag, Geschäftsstelleö l 1 e für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. 1 e von Anzeigen für die Tagesnummer Ars) Großes Hauptquartier, 20. August. Amtlich. Die Festung Nom o⸗Georgiewsk, der letzte Halt des Feindes in Polen, ist nachhartnäckigem Wi⸗ derstand genommen. Die gesamte Besatzung, davongesternimEndkampfalleinüber 20 000 Mann und vorläufig unübersehbares Kriegs⸗ material fiel in unsere Hände. Seine Majestät der Kaiser hat sich nach Nowo⸗Georgiewsk begeben, um dem Führer, General der Infanterie von Beseler und den tapferen Angriffstruppen seinen wie des Vaterlandes Dank auszusprechen. Oberste Heeresleitung. *** (TB.) Großes Hauptquartier, 19. August. (Amtlich.) 1 .. Westlicher Kriegsschauplatz. Zwischen Angres und Souchez führte der Gegner gestern abend einen während des ganzen Tages durch Ar⸗ tilleriefeuer vorbereiteten Angriff durch. Er drang stellen⸗ weise in unsere vordersten Gräben ein und hält in der Mitte des Angriffs⸗Abschnittes einen Teil noch besetzt, ist auf der übrigen Front aber bereits geworfen. In den Vogesen erneuerte der Feind gestern seine Angriffe nördlich von Münster gegen unsere Stellungen auf Lingekopf und Schratzmännle. Nach vorübergehen⸗ dem Vordringen bis in einzelne unserer Gräben auf dem Lingekopf it der Gegner dort überall zurückgeschla⸗ gen, am Schratzmännle ist der Kampf noch im Gange. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Bei der Einnahme von Ko w no wurden noch 30 Offi⸗ ziere und 3900 Mann gefangen genommen. Unter dem Druck der Fortnahme von Kowno räumten die Russen ihre Stellungen gegenüber Kalwarja⸗Su⸗ walki. Unsere Truppen folgen. Weiter südlich erstritten deutsche Kräfte den Narew⸗ Uebergang westlich Tykozin und nahmen dabei 800 Ruffen gefangen. Die Armee des Generals v Gallwitz machte Fort⸗ schritte in östlicher Richtung. Nördlich Bielsk wurde die Bahn Bialystok—Brest⸗Litowsk erreicht; 2000 Russen wurden zu Gefangenen gemacht. Im Nordostabschnitt von Nowo⸗Georgiewsk über⸗ wanden unsere Truppen den Wkra⸗Abschnitt. Zwei Forts der Nordfront wurden erstürmt. Ueber 1000 Gefangene und 125 Geschütze fielen in unsere Hand. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bayern. 5 Der linke Flügel trieb den Feind kämpfend vor sich her und erreichte abends die Gegend westlich und südwestlich von Mielejezyce. Der rechte Flügel, über den Bug bei Mielejozyce vorbrechend, warf den Gegner aus seinen starken Stellungen tördlich des Abschnittes und ist im weiteren Vorgehen. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls f v. Mackensen. Auch hier wurde zwischen Niemirow und Jan ow ber Bugübergang von den verbündeten Truppen er⸗ zwungen. Vor Brest⸗Litowsk drangen deutsche Truppen bei Rokitno(südöstlich von Janow) in die Vorstellun⸗ gen der Festung ein. Oestlich von Wlodawa folgen unsere Truppen dem geschlagenen Feinde. Unter dem Drucke unseres Vorgehens hat der Gegner das östliche Ufer des a Bug auch unterhalb und oberhalb von Wlodawa geräumt. Er wird verfolgt. Oberste Heeresleitung. 5„ Der Kaiser ist nach Nowo⸗Georgiewsk geeilt, um seinen Truppen für ihre glorreiche Tat den Dank des Vaterlandes abzustatten. Der Reichskanzler hat am Vorabend dieses neuen Sieges im Osten dem versammelten Reichstag die allgemeine Lage enthüllt. Wenn man eine kurze Inhalts⸗ angabe der Ausführungen des Kanzlers machen wollte, so kämen nach Sensation dürstende Gemüter nicht auf ihre Kosten. Herr v. Bethmann Hollweg ordnete noch einmal die Blätter der Vergangenheit. Was er sodann von der Gegenwart und Zukunft sagte, hatte darum nicht die an⸗ spruchsvolle Form eines siegreichen Eroberers, sondern den viel überwältigenderen Herzenston eines Staatsmannes, der lange Jahre ein vielbefehdetes, gefährdetes, aber durch eigene Kraft und Tüchtigkeit schließlich glückliches und über⸗ legenes Land vertrat. Staunend und voll heiliger Bewun⸗ derung sehen wir, noch in schimmernde Wehr gekleidet, den deutschen Sieg von den Grenzen langsam auf uns zukom⸗ men, aber wahrlich, groß und erschütternd tragisch war auch wieder die deutsche. der letzten Jahre. Wir hätten das klare, in deutlichen Linien gefügte Bild, das uns der Kanzler gestern gab, in Zeiten des Zweifelns an unserer Möglichkeit, siegreich durchzuhalten, nicht so ins Herz auf⸗ nehmen können, wie heute, wo die Würfel bereits gefallen sind. Aber der Kanzler hat nicht gesprochen, nur um un⸗ sere Gefühle zu erheben, sondern er hat zugleich die sieg⸗ reiche Waffe des Wortes gegen das Ausland geschwungen. Dort werden wir verleumdet und geschmäht. Schon bekannte Tatsachen hat der Reichskanzler mit der Widerlegung neuer Verdächtigungen Deutschlands zu einer Beweis⸗ lette verflochten, die insbesondere den Hauptschuldigen dieses Weltkrieges, Sir Edward Grey, der allerdings nur in ver⸗ hängnisvollen Ueberlieferungen seiner Vorgänger stand, wie einen Sünder zu fesseln geeignet ist. Von außerordentlicher Bedeutung wurden jetzt im Munde des Kanzlers jene amt⸗ lichen Aeußerungen belgischer Diplomaten, die als gewiß unverdächtige Zeugen der e politischen Ränke Englands, Frankreichs und Rußlands sich so unverblümt ausgesprochen haben. Allerdings zu einer Zeit, wo sie noch nicht wissen konnten, daß ihre maßgebende Staatsautorität in kurzsichtiger Unterschätzung der deutschen Kraft sich auf die Seite unserer Feinde schlagen würde! Der Reichskanzler ließ es im hellsten Lichte erstrahlen, wie sich die Gefahren für Deutschland vor dem Kriege von Jahr zu Jahr gehäuft hatten; früher mußte uns manches aus diplomatischen Gründen verschleiert bleiben. Aber wir fühlen es heute mit dem obersten Beamten des Reiches, daß er sich frei fühlen kann von jeder Schuld, und wenn der Kaiser sein historisches und unerschütterliches Wort gesprochen hat:„Ich, habe diesen Krieg nicht gewollt“, so hat gestern Herr von Bethmann Hollweg die schlagendsten Nach⸗ weise geführt, daß auch des Kaisers Rat⸗ geber alles getan haben, was in ihrer Macht lag, das ungeheure Menschenmorden eines Weltkrieges zu verhindern. Schon war in letzter Zeit in England öfter die Feststellung ausgesprochen worden, daß Sir Greys Politik des europäischen Gleichgewichts all die schwere Not der Zeit veranlaßt, verschärft und die Katastrophe unvermeid⸗ lich gemacht hat. Der Reichskanzler hat diese Ueberzeugung in allen Einzelzügen unwiderleglich gefestigt. Greys Heuche⸗ lei wird treffend gekennzeichnet durch eine neue Mitteilung, die wir vom Kanzler erfahren haben. Als der deutsche Botschafter am 4. Augast vorigen Jahres sich von dem britischen Minister verabschiedete, da sagte dieser zu ihm nicht ohne Betonung, der zwischen Eng⸗ land und Deutschland ausgebrochene Krieg werde es ihm ermöglichen, uns bei Friedens⸗ schluß wertvollere Dienstezuerweisen, als die Neutralität Englands ihm ttet hätte Vor seinen Augen richtete sich Ai kleinen Enthüllung hinzu, h land wohl schon die Riesengesta auf, und dann wäre ein cus dem siegreichen Abschreckung der kleinen, Reiche Staaten an die Wand gemalt hat, besteht nicht: Deutschland kommt in Wahrheit als Befreier:„Wir halten den Kampf durch, bis jene Völker von den wahren Schul⸗ digen den Frieden fordern, bis die Bahn 9 wird für ein neues, von französischen Rän⸗ zur neutralen ken, moskowitischer Eroberungssucht und englischer Vormundschaft befreites Europa.“ *** Pressestimmen zur Kanzlerrede. Berlin, 20. Aug. Die Morgenblätter würdigen die gestrige bedeutsame Rede des Reichskanzlers, durch welche die Sitzung des Reichstages zu einer historischen wurde. Die „Vossische Zeitung“ sagt: Die gestrige Rede des Reichskanzlers hatte einen völlig anderen Stil als ihre Vorgängerinnen. Das interessanteste bei der ganzen Rede, die der Kanzler gestern gehalten hat, war die Stelle, in, der er fordert, daß in Zukunft die l englische Pol tik der Balance of Power verschwinden muß. Dieser Satz bedeutet ein Programm. Die Theorie der Balance of Power wird freiwillig von den Briten nicht aufgegeben werden, so lange die Briten die alte Macht in sich fühlen. Das Pucllespiel muß diesmal durch die Gewalt unserer Waffen den Engländern ein für allemal unmöglich gemacht werden. Man beschuldigt die deutsche Politik, die Anstifterin des Weltbrandes gewesen zu sein, während es vielmehr die englische Politik gewesen ist, die den ehrlichen Versuch der deutschen Politik, zu einer Verständigung mit Eng⸗ land zu gelangen, zum Scheitern gebracht hat. Die Rede wendet sich an den Verstand, das Urteil, daneben aber auch an das sittliche Empfinden. Das„Berliner Tageblatt“ hebt hervor: In zwei Kardinalpunkten hat Herr von Bethmann Hollweg gestern 1 5 Gegner geschlagen. Er konnte aktenmäßig nach⸗ weisen, daß der englische Premier die Irreführung des englischen Parlaments und lkes in entscheidenden Fragen fortgesetzt hat und Sir Edward Grey schon vor dem 4. August 1914 versucht hat, der Lage eine andere Wendung zu geben. Ferner vermochte aber Herr von Bethmann Hollweg den Beweis dafür zu er⸗ bringen, daß wir in dem Bestreben, eine direkte Einigung des Wiener und Petersburger Kabinetts herbeizuführen, uns am 20. Juli 1914 starke und unter Bundesgenossen ungeheuerlicher Druckmittel gegenüber Oesterreich⸗Ungarn bedient haben. Die russische Mobilmachung hat allen does bünd rng verhanckungen. allen Mühen um eine Lokalisierung des Konf iktes ein jähes Ende bereitet, so daß die Kriegspartei in Rußland im letzten Moment, besonders auch infolge der Haltung Englands, die Sberhand gewann. f l In der„Hreuzzeitung“ heißt es: Die große Rede des Reichskanzlers darf nicht nur rednerisch, sondern auch sachlich eine hohe Bedeutung beanspruchen. Die Rede war ein Schlaglicht von vernichtender Stärke, das der Kanzler auf die Machenschaften und Heucheleien und auf die jahrelange Geschäftspraxis der englischen Politik warf. Die„Tägliche Rundschau“ bemerkt: Ein gutes Wort sprach der Kanzler am Schluß, als er sagte, daß das deutsche Volk in der harten Schule dieses Krieges die . General⸗Anzeiger Oberhe en bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und verlag der Brühl schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei A. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Freitag, 20. August 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ A jährl. Mk. 2.20; durch Aohole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—piertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. eck, sämtlich in Gießen. 7 Nowo⸗Georgiewsk gefallen! Die Manzlerrede im Reichstag. Regierung in Zukunft mit gutem Beispiel vorangehen wird. Das e der City Londons ist ein erfreuliches und nütz⸗ liches Zeichen des oft vergebens erwarteten Anfangs. 5 Die„Deutsche Tageszeitung“ sagt von dem Teil der Rede, in dem der Kanzler die Anschuldigung zurückweist, daß Deutschland den Krieg verschuldet habe, er sei von erschütternder Wucht und Wirkung gewesen. Verfolgt der Reichskanzler auch in Zukunft die dargelegten Richtlinien der deutschen Politik mit un⸗ 1 5 Entschlossenheit, dh pane er das Volk in seiner über⸗ wiegenden Mehrheit hinter sich en. a N Die„Köln. Volksztg.“ sagt:„Von Frankreich aber sprach der Kanzler wenig, sozusagen gar nicht, auch von Belgiens Schicksal nicht; aber ein Augenblick von weltgeschichtlicher Be⸗ deutung war es wieder, als der Reichskanzler von Polen redete. Es ging bei diesen eine freudige Erregung und Ueberraschung durchs ganze Haus. Des Kanzlers Worte können für die Polen viel, sehr viel bedeuten. Er sprach von dem vom russischen Joch befreiten Lande der Polen und seiner glück⸗ licheren Zukunft, in der es die Eigenart seines nationalen Lebens pflegen und entwickeln könne. Solche Worte sind dem polnischen Volke im Deutschen Reichstage noch nie verkündigt worden. Das polnische Volk wird aus en die Verheißung heraushören, daß der Sieg der deutschen u österreichisch-ungari⸗ schen Truppen ihnen die Freiheit und die Erfüllung alter natio⸗ naler Hoffnungen bringen wird. Man denke, es ist erst ein halbes Jahrzehnt seit den Vereinsgesetz und dem Enteignungsgesetz ver⸗ gangenk! Sache der polnischen Führer wird es sein, die Zeit und die Worte des Kanzlers richtig auszunutzen.“ 0 3 1 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. August 1915 miKags. Russischer Kriegsschauplatz.. Die unter den Befehlen des Erzherzogs Josef Ferdinand und des Generals v. Koeveß stehenden österreichisch⸗ungari⸗ schen Kräfte erkämpften sich nördlich von Jan ow und Kon⸗ stantynow den Uebergang über den Bug. Nie⸗ mirow und andere Orte des Nordufers wurden gestürmt, „der Feind ist geworfen, die weitere Verfolgung im Gange. Die Einschließungstruppen von Brest⸗Litowsk, in deren Mitte sich die Divisionen des Feldmarschalleutnants von Arz befinden, entrissen dem Gegner einige Vorfeld⸗ stellungen. 5 2 1 Bei Wladimir⸗Wolynski und in Ostgalizien nichts eues. Italienischer Kriegsschauplatz. schwere Artillerie ihr Feuer auch während des gestrigen Tages und heute noch fort. Ein Angriff von zwei feind⸗ Gegen unsere Tiroler Werke setzte die italienische N N 8 lichen Bataillonen auf unsere Vorfeldstellungen am Plateau 5 im nördlichen Abschnitt der küstenländischen Front dauert fort. Ein starker Angriff gegen den Hrzlirrh schei⸗ terte, wie alle früheren. Gegen den Südteil des Tol⸗ meiner Brückenkopfes griffen die Italiener nach⸗ mittags und abends sechsmal vergeblich an. Auch nachts⸗ über wurde erbittert gekämpft. Nach wie vor ist der Brücken⸗ kopf fest in unserer Hand. Mindestens 600 unbeer⸗ digteitalienische Leichen liegen vor unseren Grüben. Im Görzischen hält das gewohnte Geschützfeuer an. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Rom 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der Chef des General⸗ stabes der Marine teilt mit: Gestern griffen 20 österr eichische Einheiten und ein Flugzeug die kleine Insel Pelagosa leit aus. Der Feind zog sich zurück, ohne einen Landungsversuch zu unternehmen. Wir haben vier und drei Verwundete. Tote, darunter einen Offizier, Die Verluste des Feindes sind unbekannt. (Thaon de Revel.) Der russische Bericht. Petersburg, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus teilt mit: In der Gegend von Riga und in der Richtung Jacob⸗ stadt keine wesentlichen Veränderungen. Ein Versuch der deut⸗ schen Flotte, unsere Schutzminen an der Einfahrt in den Meerbusen von Riga aufzufischen, wurde durch das Feuer unserer Kriegsschiffe vereitelt. In der Richtung auf D ün a⸗ burg wiesen wir die Versuche der Deutschen, zur Offensive über⸗ zugehen, in der Nacht zum 17. August und am folgenden Tage zurück. Vor Kowno gelang es den Deutschen, sich nach er⸗ bitterten elftägigen Kämpfen, die dem Feinde ungeheure Verluste losteten, in den auf dem linken Ufer des Niemen westlich des Flusses Jesia gelegenen Befestigungen festzusetzen. Die Deutschen machen Versuche, auf das rechte Ufer dieses eingedämmten Flusses zu gelangen, wo ein Teil der Befestigungswerke noch in unserer Hand ist. Auf dem rechten Ufer des Niemen haben wir alle Befestigungswerke im Besitz. An der Front am oberen Narew, sowie zwischen diesem Fluß und dem Bug dauerten die Kämpfe am 16. und 17. August mit wechselndem Erfolge an. Der Feind unternahm besonders hartnäckige Angriffe auf die Straßen nach Bialystock Biel von Westen her. Am Jug in der Gegend der Eisenbahn Siedlee— Tscherscha unternahmen wir, nach⸗ dem wir die Offensive der Deutschen zurückgewiesen hatten, einen erfolgreichen Gegenangriff, bei dem wir einige Maschinengewehre erbeuteten. In der Gegend von Nowo⸗Georgiewsk setzt der Feind seine hartnäckigen Angriffe auf der Nordostfront ge die Befestigungen fort. Die Hauptanstrengungen der Deutschen sind dabei 8 die Befestigung gerichtet, die die von Mlawa kommende Eisenbahn beherrscht. Am oberen Bug, an der Zlota⸗Lipa und am Dujestr keine Veränderung. Die russischen Mißstände. Petersburg, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Petersburger Kurier“ verlangt strengste Be⸗ Sentimentalität verlernt habe. Wir hoffen, daß hjer die deutsche strafung derjenigen Beamten, die an dem artilleristi⸗ von Folgaria wurde abgewiesen. Die heftigen Kämpfe an. Unsere Besatzung hielt den heftigen Angriff mit großer Tapfer⸗ 7 8 1 3 5 9 schen Mißerfolge der russischen Armee sind. Das größte Unglück Rußlands Sbm solche Mißgriffe zu zühne für die Vergangenheit schaffen.— Der 4 aus, daß bereits im amtes, Poliwanoff, schuß eingesetzt habe, stände einreichte. Im treten; daraufhin seien die Arbeiten des brochen und ihr Ergebnis unterdrückt worden. Es wäre jetzt ee die damaligen Entdeckungen ans Tageslicht zu ördern. TV* 5 Die Cholera in Rußland. 5 Kopenhagen, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie . stark die Cholera in Rußland verbreitet ist, geht aus Meldungen des Stadthauptmannes in Petersburg, Tolstoi, hervor, der die Eröffnung der von der Sanitätskommission verlangten neuen Cholerabaracken innerhalb der dreiwöchi⸗ gen Frist für unmöglich erklärte. Der Leiter der Sanitäts⸗ verwaltung, Fürst Oldenburg, befahl in einem Rundschrei⸗ „ ben, Maßnahmen zu ergreifen, wodurch die Mißstände auf den westlichen Eisenbahnen beseitigt würden. Er sah auf 9 der Durchreise selbst das Elend der vertriebenen Bevölke⸗ 3 rung und rügt es, daß gegen die unter dieser Bevölkerung 5 er Cholerafälle keinerlei Maßnahmen auf den tionen ergriffen wären; nicht einmal gekochtes Wasser war vorhanden. i Settische Milizen. Petersburg, 19. Aug.(WT. Nichtamtlich.) Die lettischen Dumamitglieder erhielten die Exlaub⸗ nis, eine Miliz gegen die einrückenden Deut⸗ schhen zu gründen. Sie erließen einen Aufruf an die lettische Bevölkerung. Die städtische Kommission bewilligte 25 Mil⸗ lionen Rubel zur Erleichterung des Loses der vertriebenen Zivilbevölkerung. Die Hilfe aus dem asiatischen Rußland. . Petersburg, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein vom 8. August datierter Ukas des Zaren befiehlt die Einberufung süämtlicher Marinechargen aus dem asiatischen Rußland. Ein englisches urteil über den Ernst der Lage. e e unsere einnahmen, und die Anwesenheit eines Teiles der Heere von Macken sen auf dem rechten ier des Bug bei Wlodawa ist ebenso unangenehm wie unerwartet. Der Fluß und die Pi Sümpfe, so dachte man, würden ein un⸗ überwindliches Hindernis darstellen, wenn von den natürlichen mitteln in geschickter Weise Gebrauch gemacht würde. stande Rechnung getragen hat. 5 5 8 . Die Nöte des französischen Eisenbahnwesens. 5 Lyon, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Nouvelliste“ berichtet aus Paris: Auf eine Anfrage des Kam meraus⸗ schusses für öffentliche Arbeiten über den Zustand des rol⸗ lenden Materials der Eisenbahnen erklärte der Mi⸗ nister Sem bat, daß die Abnützung des rollenden Materials in Kriegszeiten bedeutend größer sei als in Friedenszeiten. Außer⸗ dem seien den Deutschen große Mengen rollenden Ma⸗ terials in die Hände gefallen. Die Herstellung neuen Ma⸗ . terials, besonders Lokomotiven, sei seit Kriegsausbruch beinahe glünzlich eingestellt worden. Die Staatsbahn habe Bestellungen nach dem Auslande gegeben, was den Privatgesellschaften aus finanziellen Gründen gegenwärtig unmöglich sei. Nach dem Kriege werde eine wirkliche Krisis bezüglich des rollenden Materials aus⸗ brechen, wenn man nicht schnell große Mengen Waggons anschafsen könne. Da aber nach dem Kriege die Waggonfabriken ganz des⸗ organisiert seien, sei es das beste Mittel, zur Vermeidung einer Krisis von Deutschland bei Friedensschluß die Abtretung großer 1 01 0 „ 1 einer stets vorzüglich unterrichteten Privatperson vorbehalt⸗ lich wieder, wonach die parlamentarischen Kreise und Diplo⸗ maten in Paris der Ansicht sind, daß das Ministerium demnächst zurücktrete. Es sei des Kampfes gegen die in ihrem Hase gegen Millerand unversöhnliche Linke müde. Das Kabinett soll durch ein Ministerium Briand ersetzt werden, worin Joffre das Kriegsporte⸗ feuille übernehme. Mit Joffre als Heerführer ist man in parlamentarischen Kreisen und im Elysee sehr unzufrieden, man erwartet aber, daß man wenigstens die dringende e der Munitionserzeugung lösen werde. Der Posten, des Generalissimus soll dann nicht mehr durch eine einzelne Person, sondern durch eine Art von oberstem Kriegsrat aus⸗ Mengen rollenden Materials zu fordern(J). „ Die Krisis in Frankreich. . Bern, 19. Aug.(WB. Nichtamtlich) Das„Berner Tagblatt“ gibt ein auf Umwegen angelangtes Telegramm . sei, daß d ght ei, daß sich die höchst⸗ gestellten Beamten immer alles e 2 15 Strafe zu fürchten. Es genüge nicht, sich für die Zukunft sichern, sondern man müsse auch „Rjetsch“ ö Jahre 1911 auf Veranlassung Duma der damalige Unterstaatssekretär des Kriegs⸗ einen Untersuchungsaus⸗ ig 0 der ein ganzes Jahr arbeitete und einen Bericht mit Aufzählung der entdeckten großen Miß⸗ April 1912 mußte Poliwanoff zurück⸗ Ausschusses unter⸗ Paris, 20. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Der„Temps“ meldet: Hier hat sich ein Hilfskomitee aus Mitgliedern der französischen Handelskammer in Brüssel und dem Vorsitzen⸗ den der französischen Gesellschaften in Belgien, die augen⸗ blicklich in Frankreich Zuflucht suchen, gebildet. Das Komitee beabsichtigt, alle Nachrichten zu sammeln, die zur Wahrung der Interessen französischer Firmen in Belgien dienen können und alles vorzubereiten, um den deutschen und den österreichischen Handel in Belgien durch den französischen Handel zu ersetzen. Aus dem französischen Heeresausschuß. Paris, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Der Heeresausschuß, der den Mi⸗ nister des Aeußern Delcassé über die als Repressalien eingerichteten Lager und des Heimtransportes des Sanitätspersonals und der e e nen befragte, hat von Delcasse Briefe erhalten, in denen er die deutsch⸗französischen Verhandlungen darlegt, die den deutschen Maßnahmen ein Ende setzen sollten. Die deut⸗ schen Maßnahmen beständen darin, mit Vorliebe unter den gefangenen Franzosen solche auszuwählen, die keinen körperlichen Beruf ausüben, und sie in sumpfige Gegenden 1 schicken, um diese Gegenden urbar zu machen. A 0 and gab vor, daß Lager für gefangene Deutsche in den französischen Kolonien errichtet würden. Die französische Regierung setzte dieser Behauptung Zeugnisse Neutraler gegenüber. Die gefangenen Deutschen werden genau so behandelt, wie die französischen Soldaten. Deutschland er⸗ klärte sich, nachdem es sich schließlich überzeugt hatte, nach Androhung von Repressalien bereit, die französischen Ge⸗ fangenen, die den Gegenstand des Protestes der französi⸗ schen Regierung bildeten, in ein Gefangenenlager zurück⸗ uschaffen. Ein anderer Brief Delcasses benachrichtigt den usschuß, daß ein deutsch⸗französisch⸗englisches Abkommen über den Rücktransport des Sanitätspersonals zustande kam. 300 Aerzte und 3000 Krankenwärter wurden aus⸗ getauscht. Was die Zivilgefangenen anlangt, wurden die über 60 Jahre alten freigelassen. Ein anderes Abkommen konnte infolge der Schwierigkeiten, die durch das Vor⸗ handensein von Geiseln entstanden find, die von den deut⸗ schen Behörden in den besetzten Departements genommen wurden oder noch genommen werden können, nicht abge⸗ schlossen werden. Ein österreichisch⸗ungarisch⸗ französisches Abkommen setzt fest, daß Frauen jeden Alters und die gesunden Männer von weniger als 17 oder mehr als 25 Jahren, sowie alle invaliden Männer, außer den strafrechtlich zu verfolgenden Personen, heim⸗ befördert werden. Von der belgischen Armee. 8 Paris, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Parisien“ meldet aus Le Havre: König Albert ernannte den bisherigen zweiten Generalstabschef, Generalmajor Wielemans, zum General⸗ stabschef. Oberst Marchovelette, der seit mehreren Monaten die belgische Armee im französischen Großen Hauptquartier vertrat, wurde vom Kriegsminister Broqueville zur Leitung seines Militär⸗ kabinetts berufen und zum General ernannt, ö Die franzöfische Presse über die Lage in Griechenland. Paris, 19. Aug.(WTB Nichtamtlich,) Die Presse beschäf⸗ tigt sich mit der KFabinettskrise in Griechenland und begrüßt die mee Rückkehr Venizelos zur Macht mit Befriedigung. Er werde zwar sein früheres Programm infolge des Esch wunge in der Volksstimmung nicht mehr verwirklichen können, aber er werde den Griechen die mit den Interessen der Alliierten übereinstimmenden wahren Interessen ihres Landes wieder eindringlich vor Augen führen können. Der„Temps“ er⸗ klärt, selbst wenn es Venizelos unmöglich sei, das zu verwirk⸗ lichen, was das Land von ihm erwarte, so sei doch schon seine An⸗ wesenheit eine Wohltat für Griechenland Das„Echo de Paris“ erklärt, der Sturz des Kabinetts Gunaris bedeute einen Triumph des Volkswillens in Griechenland Man sei deshalb in Frank⸗ reich befriedigt. Der„Matin“ stellt mit Bedauern fest, daß sogar ein so beliebter Mann wie Venizelos nicht in der Lage sein werde, Griechenland von der Notwendigkeit von Gebietsabtretungen zu überzeugen. Immerhin müsse man die Rückkehr Venizelos mit Freude begrüßen. Der Seekrieg. Ein englisches Unterseeboot vernichtet. Berlin, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das eng⸗ lische unterseeboot„ 13“ ift am 19. Auguft vor⸗ mittags durch ein deutsches Unterseeboot am Südausgang des Sundes vernichtet worden. 5 Der Stellvertreter des Chefs des Admiralstabes der Marine gez.) Behncke. * Eine Auszeichnung des Großadmirals v. Tirpitz. Berlin, 19. Aug.(WWB. Nichtamtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ meldet: Großadmiral v. Tirpitz ist der Orden Pour le merite verliehen worden. Berlin, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die skandina⸗ vischen Zeitungen veröffentlichen schwere Beschuldigungen gegen ein deutsches Unterseeboot, das die Post von dem norwegischen Dampfer„Haakon VII.“ beschlagnahmt, teil⸗ weise sogar vernichtet haben soll.— Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, 1815 hierüber von Seiten des U-Boots komman⸗ danten noch keine Meldung vor. Es ist also zumächst nicht ersichtlich ob es sich hier um Paletpost oder um Briefpost handelt. Für die Behandlung von Paketpost gelten im allgemeinen die Grund⸗ sätze über die Behandlung von Bannware.— Briespost ist zwar nach dem 11. Haager men unverletzlich, dieses Abkommen ist aber von verschiedenen Kriegsparteien, insbesondere von Ruß⸗ land. nicht rektifiziert und findet daher nach Artikel 9 in dem gegenwärtigen Kriege überhaupt keine Anwendung. Ueberdies haben unsere Gegner die Unverletzlichkeit der Bpief in keiner Weise geachtet. Sie hielten nach Deutschland gehende und von Deutsch⸗ land kommende Briefpost durchweg an und haben sie einer Zensur unterworfen oder geradezu weggenommen, auch wenn sie auf neu⸗ tralen Schiffen nach neutralen Häfen befördert wurde. * ö London, 19. Aug. 4 mtlich.) Meldung des Reutersch 7„ Nichtamtlich.) 9 ist vor Parmouth versenkt Fischdampfer„George Baker“ worden. London, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Lloyds mel⸗ det: Der britische Da„Bonny“ und der spanische Dampfer„Isidoro“ wurden versenkt. Die Besatzun⸗ gen sind gerettet. London, 19. Aug.(WT. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Postdampfer„Grod no! der Wilson⸗Linie und der britische Dampfer„Thorn⸗ field“ wurden versenkt. Die Besatzungen sinb gerettet. Kopenhagen, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein englisches Untersee boot i auf der Südostseite von Saltholm auf Grund gestoßen. Das Unterseeboot scheint in Brand geraten zu sein. 72 werden, der aus drei der bewährtesten Generäle be⸗ Die Kämpfe an den Dardanellen. Konstantinopel, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellen⸗ front versuchte bei Anafarta am 18. August eine auf ein Regiment geschätzte feindliche Streitmacht einen Angriff, wurde aber mit schweren Verlusten zurückgetrieben. Bei Ari Burnu und Sedd⸗ül⸗Bahr Ruhe. Am Nachmittag wurde ein über dem Meere vor dem rechten Flügel unserer Stellung bei Sedd⸗ül⸗Bahr liegendes Wasserflugzeug durch unser Geschützfeuer beschädigt, fiel ins Wasser und wurde durch Torpedoboote abgeschleppt.— An den übrigen Fron⸗ ten nichts von Bedeutung. Artilleriekämpfe an der Yserfront. Berlin, 20. Aug. Nach einer Meldung des„Berliner Lolal⸗ anzeigers“ wütete gestern nachmittag längs der ganzen Pfer⸗ front ein äußerst heftiger Artilleriekampf. 5 Italienische Generäle abgesetzt. Zürich, 19 Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Den„Neuen Zürcher Nachrichten“ meldet ihr Privatkorrespondent aus Mailand, infolge der geringen Ergebnisse der bi Operationen seien neuerdings vier italtenische Ge⸗ nerale ihres Kommandos enthoben worden. Von der montenegrinischen Front. Paris, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der, meldet aus Cetinje: Die Oesterreicher entwickelten in letzten Tagen eine lebhafte Tätigkeit auf der ganzen mon⸗ tene grinischen Front, hauptsächlich bei Grehowo und Gatzko an der Grenze der Herzegowina und an der Bocche di Rate 165 1 De bsterre 28 5 e teriegefechte stattfanden. Die österreichi ngari Flug⸗ seuge überfliegen beständig die montenegrinischen Stel⸗ ungen. a f Der Angriff deutscher Luftschisse in England. London, 19. Aug.(WTB. Nichtamtli. r letzten Fahrt der deu tschen Lüftfchiffe auh Saen be; das Pressebureau weiter: Die Zeppeline warfen Bomben ab. Sie wurden von Abwehrkanonen W Man glaubt, daß ein, Zeppelin getroffen wurde. Auch Luftpatrouillen waren tätig, aber die atmosphärischen Bedingungen waren ungünstig und ermöglichten es den pelinen, zu entkom⸗ men, Einige Gebäude und eine Kirche wurden be⸗ schädig t. Wie gemeldet wird, wurden 10 Personen getötet und 36 verletzt. Sämtliche sind Zivilpersonen. Die dritte Kriegsanleihe in England. Bern, 19, Aug.(WT. Nichtamtlich.) Nachrichten aus London zufolge ist es sicher, daß die englische Regierung 7 och vor November zur Aufnahme einer dritten Hriegsanleshe von mindestens 600 Millionen Pfund schreiten wird. Eingreifen Persiens in den Krieg? Konstantinopel, 19. Aug. 1 Nichtamtlich.) Die Zeitung„Taswir⸗i⸗Efkiar“ erfä. Grund des Rücktritts des persischen Kabinetts und von Ain ed Dauleh liegt in der äußeren Politik. Man glaubt, daß mit dem Falle des Kabinetts Persien aus seiner Neutralität heraustreten kann, U gegen England und Rußland zu wenden. Nah rscheinlichteit nach birdet das neue Aus wett Woter Fiuk Momali. Schweden und die Schweiz. Bern, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Zu der Frage, ob die Schweiz anlißlich der Errichtung einer schwedi⸗ schen Gesandtschaft in Bern sichtige, auch ihrer⸗ seits eine. ee Stockholm einzurichten, bemerkt Par r 3 155 6 erwarten. Eher dürfte man an die Beglaubigun Schweizer N in Berlin denken. In der Errichtung der schwebd schen Ge⸗ sandtschaft erblickt der„Bund“ tungen für Kümpfe am grünen Tisch. Die durch den Krieg hervorgerufenen schaftlichen Schwierigkeiten der Neutralen könnten nicht verfehlen, das Bedürfnis nach einer gegenseitigen Annähe⸗ rung zu wecken. N e„„ Die Fälschungen der„Agenzia Stefani“. Chiasso, 19. Aug.(Zens. Frkft.) Die„Agenzia S te⸗ fanj“ fährt mit dem System fort, die deutschen Tages ⸗ berichte zu fälschen. Sie erwähnt von den über 9000 im Tagesbericht vom 17. August 200 Gesc Gefangenen nur 625 und verschweigt die erbeuteten 260 Geschütze ganz Die offi⸗ zielle italienische Agentur traut offenbar dem italienischen Volke nicht zu, daß es die N von großen Verlusten der Russen ertragen könne.(Frkft. Ztg.) Gerede über englisch⸗deutsche Friedensvorschläge. 5 Amsterdam, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Das„Han⸗ elsa t rer: Was für Unsinn heutzutage in der Presse verbreitet wird, geht aus dem folgenden Berichte, der uns von Reuter aus London übermittelt wird, hervor. Der „Daily Expreß“ erfährt aus Rom, der deutsche Kaiser ersuchte, als er an Rußland mit Friedensvorschlägen herantrat, die Niederlande als Vermittler aufzutreten und wies dabei darauf hin, daß die geographische Lage Bürgschaften für eine Unverletzlichkeit des Gebiets von Holland ausschließe. Das„Han⸗ delsblad“ schreibt hierzu:„Erstens ist von Deutschland bereits 5 amtlich entschieden verneint worden, daß Rußland Friedensvor⸗ schläge gemacht worden sind, auch e N 5 Neutralen. Abgesehen davon ist es toll, daß der Kaiser die Hilfe der Niederlande 1 5 und gleichzeitig darauf hin⸗ 1 gewiesen haben soll, daß die Unverletzlichkeit der Niederlande nicht verbürgt werden könne.“ Rom, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Das„Giornale d'Italia“ bemerkt bei der Wiedergabe einer Nachricht des „Petit Journal“ und des„Temps“, wonach Deutsch⸗ land Italienbald Friedens vorschläge machen werde, daß Deutschland eine gebührende Antwort erhalten werde, wenn es einen derartigen Schritt 115 „Pharisäer und Zöllner“. 0 . daß wir ni daß Deutse Die Antwort Amerikas an W 8 Wien, 19. Aug,(WTB. Nichtamtlich) Die Antwort des Washingtoner Kabinetts auf die österreichisch⸗un garische Role vom 29. Juni über die Priegsliefe⸗ rungen Amerikas wurde heute dem Ministerium des wärtigen überreicht. 1 Aus Stadt und rand. Gießen, 20. August 1915. Russische Festungen. Die Augusttage des Jahres 1915 werden uns im Ge⸗ — s bleiben als eine Zeit, da man uns zum Mittagbrot 10 zum Frühstück eine russische Festung auftischte. War⸗ 4 5 e die zwei gewaltigen Gegner auf einen 5 eich, Kowno, das Hindenburgs Heldentruppen zwanzig 58 lang berannten, bis es sich geben mußte, und heute wo⸗Georgiewsk, der letzte Fußbreit polnischen Landes, der noch den Russen gehörte— die vier Namen werden für alle Zeiten in die Tage des August gehämmert sein. Ein froher Auftakt zum eben begonnenen Tag war's denen, die zur Arbeit gingen, als ihnen schon in der Frühe von einzelnen öffentlichen Gebäuden und vom Anzeiger⸗ hause wieder die Fahnen entgegenflatterten; wieder stand man in freudigerregten Gruppen zusammen, mit Spannung erwartend, welche frohe Botschaft diesmal wieder die bunten ft Tücher an die Luft gelockt haben würde. Unsere Truppen haben uns verwöhnt. Nachrichten, die im Beginn des Krieges ein gegenseitiges Händeschütteln und lauten Siegesjubel im Gefolge hatten, nehmen wir heut als eine stolze Selbstver⸗ ständlichkeit hin, als den schuldigen Tribut, den die Geschicke, von unseren herrlichen Heeren bezwungen, uns in den Schoß werfen müssen. Aber gerade aus der ruhigen Zuversicht, mit der wir heute Tag für Tag die frohe Kunde unserer Heeres⸗ leitung erwarten, spricht das Bewußtsein der vaterländischen Größe stärker noch als aus den braufenden Akkorden, die der Volksjubel bei Lüttich, Namur, Maubeuge anstimmte. Was damals Verheißungen waren, das ist heute Gewißheit. Hieß es damals, wir werden siegen, weil wirs müssen, so wissen wir heute, daß dieses Wort nicht den Schatten von Ueber⸗ treibung hatte. Stolze, helle Tage sind es die wir gegenwärtig wieder durchleben dürfen, unbeschadet der unfreundlichen Launen des Himmels. Aber lacht die Sonne nicht, dann tuns um so mehr die Mienen der Daheimgebliebenen. Wenn die Glocken im vollen Chor läuten, wie's vorgestern und heute wieder der Fall war, dann treffen sie in Stadt und Land von Tag zu Tag stärker die Ueberzeugung, daß die ehernen Klänge bald nicht mehr Teilerfolge, sondern etwas Ganzes der aufhorchenden Welt verkünden werden. Und diese Ueber⸗ dibeende hat ihre guten Gründe Bei wem unter den Krieg⸗ führenden lohnt es sich Ken 289 wie bei uns, die Fahnen überhaupt noch einzuziehen? Wo in aller Welt und wann seit ihrem Bestehen sind jemals Festungen eine nach der andern wie die reifen Nüsse geknackt worden? Wahrlich, wenns in diesem Tempo wsiter geht, kann das Ziel nicht mehr ferne sein. Unser Ersatzbataillon hat sich übrigens, wie man uns heute morgen mitteilte, entschlossen, auch seinerseits für die Folge die Siegesnachrichten in einer Art zu feiern, die bei der Bürgerschaft viel Freude wecken wird; künftig wird, wenn die Glocken geläutet haben, die Kapelle des Bataillons in der Süd⸗ Anlage mittags um 12 Uhr oder, trifft die Nachricht später ein, abends um 6 Uhr, musizieren. Hoffen wir, daß die Gelegenheiten zu diesen patriotischen Konzerten sich reichlich einstellen werden. Heute um 12 Uhr ist das erste Konzert dem Falle von Nowo-Georgiewsk ge⸗ widmet, mit dem wieder einmal einer der zungenbrechendsten Namen vom Tagesbericht verschwindet. 0 N 1 * Aus dem Milita Oberleutnant Y 1 Regts. Nr. 25(Gießen), Oberleutnant: 1 . die Unteroffiziere Sittig im Inf-⸗Regt. Nr. 116, jetzt b. I. Erf. B. d. Regts., Mahmez, 155 55 im Inf.⸗Regt. Nr. reyling, r d. Regts., zum Lt., Patent; zum Oberveterinär Veterinär Dr Seitz d w. 1. Aufg.(Gießen) b. Gouv. in aufe als F für die 3 des mobilen Verhält⸗ nisses angestellt unter förderung zum erinär Unterveterin Weigl(Gießen) b. Res.⸗Feldart.⸗Regt. Nr. 57. N f* Urlauberzug U 12. Von der Eisenbahnverwal⸗ tung ist für die nach der Front zurückkehrenden Militär⸗ urlauber ein schnellfahrender Urlauberzug U 12 eingelegt worden: Frankfurt(Main) Hbf. ab 12.15 vor⸗ mittags, Mainz Hbf. an 1.11, ab 1.20 vorm., Saarbrücken f. an 6.30 vorm, ab 6.50 vorm., Metz an 8.20 vorm., ab 8.55 vorm., Sedan an 12.51 nachm., ab 12.55 nachm., Courtrai an 7.31 nachm. Dieser Zug ist bisher nur schwach besetzt gewesen, weil er anscheinend nicht genug be⸗ kannt war. Er kann nicht nur von Urlaubern nach der Front, sondern bis auf weiteres von allen Heeresangehörigen benutzt werden. e müssen nach einer bereits vor einiger Zeit ergangenen Verfügung des Generalkommandos die Verkäufer auf dem Wochenmarkt an ihren Verkaufsständen anbringen. An diese eee, auf deren Umgehung übrigens Strafbestimmungen empfindlicher Art stehen, erinnert in einer Bekanntmachung in vorliegen⸗ der Nummer der Oberbürgermeister. Bisher hat man von diesen Preistafeln auf dem Gießener Markt nichts gesehen. Erfreuliches und Unerfreuliches vom Viehmarkt. Vom Frankfurter Viehmarkt schreibt man uns: Zuerst das Erfreuliche— die Schweinepreise sind ge⸗ fallen, und zwar für Tiere unter 80 Kilo(vollfleischige) um ganze 7—18 Pfennig pro Pfund Schlachtgewicht. Am 1 zeigte die amtliche Notierung noch 168—1 72 Pfg. te für die Schule bestimmt war, mitgebracht. Pitter legt 81—100 Kilo Lebendgewicht fielen um 2—3 Pfg. und solche von 100—120 Kilo Lebendgewicht um ebenfalls 3 Pfg. Auch Schafe fielen und zwar von 130 Pfg. auf 120—128 Pfg. Für Hälber aber gingen bei bedeutendem Auftrieb von 925 Tieren gegen 506 am Montag und flottem Handel die Preise rapid in die Höhe. Die Notierung des Haupt⸗ kälber⸗Marktes zeigt für feinste Mastkälber 127—137 Pfg. und geringe Mast⸗ und gute Saugkälber 115—122 Pfg. Das bedeutet ein Steigen von 7—10 Pfg. bezw. von 10—13 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht. Ueberschritten hatten wir die Höhe allerdings am 7. Juni schon einmal und zwar mit 137—4140 Pfg. für mittlere Mast⸗ und beste Saugkälber. Am 17. August vorigen Jahres war der Preis für die gleiche Qualität nur 76—81 Pfg. * Pferdeversteigerung. Dienstag, den 24. und Mitt⸗ woch, den 25. August, jeweils von vormittags 10 Uhr ab, findet auf dem Pferdemarktplatz in Darmstadt eine Versteigerung von über 100 Stückbelgischer Fohlen(1½—2½½ jährig) statt. Die Fohlen sind zum größeren Teil besserer Qualität. Zur Ver⸗ steigerung werden alle hessischen Landwirte zugelassen, auch wenn sie bei der Mobilmachung keine Pferbe abgegeben haben. Die Ver⸗ steigerung erfolgt gegen Barzahlung. Kreis Friedberg. r. Bad⸗Nauheim, 19. Aug. Eine außerordentlich groß⸗ zügige Veranstaltung bot unsere Bade- und Kurverwaltung heute nachmittag im großen Saal des Konzerthauses den hier weilenden Kriegsteilnehmern. Mitwirkende waren der bekannte Klavierkünstler Ragul v. Koczalski, Musiklehrer Ludwig Mar⸗ guth, Zauberkünstler Bellachini, Hofopernsünger Unter⸗ offizier Otto Lähnemann und Schauspieler Gefreiter Fritz Reinhardt. Die beiden letztgenannten weilen als Urlauber in Bad⸗Nauheim. Baurat v. Böhmer begrüßte die erschienenen Gäste in herzlichster Weise und schloß mit einem stürmisch auf⸗ enommenen dreifachen Hoch auf Kaiser und Großherzog. Großen eifall fanden sämtliche Mitwirkende für ihre Darbietungen. Na⸗ mentlich dürfte die im Schützengraben entstandene, in Form von. Schillers Glocke gehaltene Dichtung„Das Lied vom Schü 6; e n⸗ graben“ vom Gefreiten Reinhardt, auch nach dem Kriege einen ehrenvollen Platz in der Kriegsliteratur behalten. Starkenburg und Rheinhessen. Offenbach, 19. Aug. Der Großherzog hat am 18. August d. J. die von der Stadtverordnetenversamm⸗ lung zu Offenbach getroffene Wiederwahl des Franz Rech zum besoldeten Beigeordneten der Stadt Offenbach auf die Dauer von 12 Jahren bestätigt. ch. Aus Rheinhessen, 20. Aug. Die Frühtrauben sind reif. Die Lese kann in allernächster Zeit erfolgen, hat ver⸗ einzelt sogar schon begonnen. So wurden in Frei⸗Weinheim Frühburgundertrauben geschnitten und zu 30 Pfg. das Pfund verkauft. Für das Viertel von 18 Pfund wurden also 5,40 Mk. bezahlt. Mit einer baldigen Ausreife der weißen Trauben darf man ebenfalls rechnen. Die Weinberge sind bereits in einer Reihe Gemarkungen geschlossen worden. Auf alle Fälle steht ein reicher Herbst in Aussicht. Hessen⸗Nassau. le. Wiesbaden, 19. Aug. Erzherzog Franz Sal- vator von Oesterreich-Ungarn, Protektorstellvertreter des Roten Kreuzes in der Oesterreich-Ungarischen Monarchie, Schwiegersohn des Kaisers Franz Josef I., hat dem„Deutschen Genesungs⸗ heim“(„Genesungsheime für die Angehörigen der Oesterreich— Ungarischen und der Ottomanischen Armee und Marine“), Sitz Wiesbaden, heute einen Vetrag von 5000 Mark für die Heime in Bad⸗Nauheim, Bad Harzburg, Wildbad und Wiesbaden gestistet. Vermischtes. Ein englisches Lob der Deutschenherrschaft in Brüssel. Eine in Brüssel lebende Engländerin, der die Rück⸗ kehr nach London gestattet wurde, gibt einem Mitarbeiter des „Daily Chronicle“ die folgende Schi ng der Haltung unserer in Belgien stationierten Militärbehörden:„Die Deutschen haben sich in Brüssel durchaus korrekt gezeigt. Ihr Benehmen ist sehr gut. Sie sind zwar fest davon stberzeugt, daß wir bessegt werden müssen, aber sie begegnen e, den in Brüssel verbliebenen Engländern durchaus mit Höflichkeit. Wir hatten fast gar keine Unannehm⸗ lichkeiten zu ertragen.“ Eine französische„Charakteristik“ des Groß⸗ fürsten Nikolajewitsch. Ueber die Persönlichkeit des russi⸗ schen Generalissimus schreibt ein Mitarbeiter der„Opinion“: „Niemand interessiert sich so sehr für das Wohlergehen der Sol⸗ daten wie Nikolaj Nikolajewitsch selbst. Wenn er die Lazarette be⸗ sucht, zeigt sich sein mitleidvolles Gemüt! Er wird auch von seinen Leuten geradezu angebetet; sie sind zu allem bereit, was er befiehlt.“... Das Letztere erscheint auch uns sehr glaubhaft, denn das Schreckensregiment des russischen Oberbefehlshabers ist enügend bekannt, um seine Leute nicht allzulange zaudern zu assen. Im übrigen aber paßt dieser so hübsch rosenrot gefärbte Bericht schlecht auf einen Mann, der nicht davor zurücckschreckt, die ihm unterstellten Generale zu ohrfeigen. Doch in einem Punkte wenigstens bleibt der Franzose bei der Wahrheit: er gibt freund⸗ h lichst zu, daß die Schilderungen von der Magerkeit und unwahr⸗ scheinlichen Länge des Großfürsten nicht übertrieben sind.„Der Großfürst,“ schreibt er,„ist von so hoher Gestalt, daß man sich alle Mühe geben muß, ein für ihn passendes Pferd zu finden.“ Der„Neutrale“. Die Kriegsspiele der Kinder stehen unter dem Eindruck der letzten großen Erfolge im Osten wieder sehr im Vordergrund. Kürzlich konnte man in Düsseldorf auf der Straße die folgende hübsche Episode beobachten, deren Held der kleine Pitter, ein„Neutraler“ ist. Der kleine Pitter ist näm⸗ lich solch ein Mittelding zwischen Königswinter und Rotterdam. Rheinländer von der Mutter, Holländer vom Vater her. Also haut er als Muttersohn bei den Kriegsspielen seiner Altersgenossen feste um sich, wenn es aber irgendwo geraten erscheint, sich auf den sicheren Standpunkt des Vorteils zu stellen, anstatt ohne Hinblick auf den Ausgang nur um sich zu schlagen, so kehrt er als Vaters⸗ sohn die holländische Neutralität heraus, deren Netzen er trotz aller Mühseligkeiten des Wortes begriffen hat. Schon gegen den großen Mund der Großen, die sich alle Würden anmaßen, kommt er nur dadurch auf, daß er die väterliche Würde nachahmt und sich in die kühle, abwartende Ruhe der Neutralität hüllt. Einzelne Respekt⸗ lose wenden wohl ein, neutral ist Quatsch, neutral ist garnichts, aber Pitter verschanzt sich vor diesen Verächtern des Völkerrechts hinter den großen Köbes, der natürlich wieder Hindenburg ist; der ernennt ihn dann auch zur Gulaschkanone, ob seiner Neutrali⸗ tät zugleich für beide Seiten. Damit hat Pitter nun ein gutes Amt bekommen, denn alle haben ihr e das 1 so mit dem großen Mundvorrat hinter die Front zund rückt wrr hehag⸗ lich mit vor, wenn Köbes⸗Hindenburg, wie selbstverständlich, den Jupp⸗Joffre in die, Flucht schlägt. Ab und zu bringt er Auch siegreichen Deutschen ihre Mahlzeit in den Schützengraben, die drüben aber 1 1 er trotz aller Mahnrufe aus. Endlich ist die Schlacht vorbei. Die an⸗ zosen finden sich zerschlagen, einzelne heulend, im l Lager ein. Die Gulaschkanone soll Rechenschaft ablegen. Jupp⸗ Joffre bekommt noch ein mageres Butterbrot, für die anderen aber ist nichts mehr da. Pitter macht Ausflüchte.„Ihr habt doch Keile gekriegt, ihr habt doch nichts zu verlangen!“ Als die Franzosen ihm mit der unbeirrbaren Logik des Hungrigen zar Leibe rücken, geht er hinter Köbes, den Sieger, in Deckung.„Wo hast du unser Frühstücksbrot?“ schallt der Chor der„Franzosen“. Nun, wo sich Pitter im Schutze des Siegers weiß, wird er).„Euer Früh⸗ stücksbrot? Das hab' ich selber gegessen. Dafür bin ich doch auch neutral.“ Elgentümlichkeiten im russischen Heere. Dr. phil. Freiherr B. v. Köhne, ein Preuße, der lange dem russischen Heere angehörte, hat im Jahre 1882 im Archiv des Märkischen Museums Mitteilungen über das russische Heer niedergelegt, in denen mancherlei Kurioses mitgeteilt wird. Nach diesen Berichten sollten es sich die Anthropologen nicht entgehen lassen, die russi⸗ schen Gefangenen einer genauen Besichtigung zu unterziehen, denn für sie bieten die verschiedenen Regimentstypen sicherlich viel des Interessanten. Da Kaiser Paul eine auffallend aufgestülpte Nase hatte, so wurden zum Veispiel in das Regiment Paul nur solche Rekruten eingestellt, die eine Stupsnase besaßen. Die Zuteilung wurde vom Kaiser Nikolaus J. und Alexander II. persönlich im Lause des Winters, je nach Eintreffen der monatelang dauernden Rekrutentransporte besorgt, indem der Zar den auf dem Korridor im Winterpalais harrenden Ausgehobenen, die als geeignet er— schienen, einen dicken Kreidestrich auf den Pelz malte. Die Backen- und Schnurrbärte wurden zu allen Paraden und Be— sichtigungen, Wachen und dergleichen schwarz gewichst und gefärbt und im Regiment Paul von unten nach oben gestrichen, das bei den echt russischen breiten Gesichtern, Stupsnasen und den nach vorn überstehenden Grenadiermützen sehr eigentümlich aus- sah. Alle Garderegimentex hatten einen besonderen Typus. Das erste Garderegiment hatte die größten und anftändigst aussehen⸗ den blonden Rekruten, das zweite wie Tannen gewachsene schöne Leute mit dunklem Haar und blauen Augen, das dritte Leute mit dunklem Teint und schwarzen Augen, das vierte möglichst jung aussehende und möglichst bartlose Leute. Das Regiment, dessen Chef der Großfürst Michael war, hatte nur Rotköpfe oder Hoch- blonde, weil der genannte Chef solche Haare hatte. Vor dem Krimkriege unterschieden sich sogar die einzelnen 12 Kompagnien der Garderegimenter nach Nasen, Augen, Gesichtsschnitt, Größe, Bärten, so daß ein geübtes Auge ziemlich sicher die einzelnen Kom⸗ pagnien erkennen konnte. Recht merkwürdige Dinge werden vom Despotismus des 1801 ermordeten Kaisers Paul erzählt. Derselbe exerzierte sein Kürassierregiment in Gatschina einst vor einem fremden Prinzen und ritt bei der Attaque en ligne voran. Leider batte das Regiment das Kommando„Marsch! Marsch!“ nicht ge⸗ hört und blieb stehen, was der Kaiser später, nachdem er bereits sveit vorangeritten war, gewahr wurde. Schäumend vor Wut kommandierte er sofort:„In Zügen rechts schwenkt marsch nach Sibirien!“ Nach einigen Tagemärschen wurde das Regiment in⸗ dessen, nachdem der Zar milder gestimmt worden war, durch einen Jeldjäger zurückgeholt. Einstmals wohnte Kaiser Paul dem De— tailexerzieren einer Truppe bei. Ein sehr gut aussehender und vor⸗ trefflich marschierender Leutnant fiel ihm vorteilhaft auf und bei jedem Vorbeimarsch avancierte er ihn um einen Offiziers⸗ grad. Schon war der so im Nu beförderte Offizier im siebenten Himmel vor Glückseligkeit, da schlug die Stimmung beim Kaiser um, er war unzufrieden mit dem Offizier und degradierte ihn ebenso schnell und befahl schließlich, ihn auf sein Gut in die Ver⸗ bannung zu schicken. Als man nun dem kaiserlichen Despoten sagte, der Offizier besitze kein Gut, auf das man ihn schicken könne, befahl er, daß es bei dem kaiserlichen Besehl bleiben müsse, und 8 dieser ausgeführt werden konnte, erhielt der Offizier ein Gut geschenkt. — ̃— Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Ueber dem Festland ist der Druck angesttegen und hat sich auch in nördlicher Richtung ausgebreitet. Unser Wetter wird morgen unter Hochdruckeinfluß stehen. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 21. August 1915: Aufheiternd, trocken, wärmer, schwache Winde. Letzte Nachrichten. a Russische Tattit 3 Hopenhagen, 20. Aug. Es sind Gerüchte in Umlauf, daß die Wälder der Aclandsinseln und Finnlands in Flammen stehen. Man hat von der schwedischen Küste aus das Flammenmeer beo t und andauernde Rauchwolken gesehen. Ob die Wälder, wie be⸗ auptet wird, von den Russen angezündet worden sind, läßt sich nicht feststellen. Die Lage Griechenlands.. Paris, 19. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Die Agence Havas läßt sich aus Athen melden: Die Minist sse nimmt einen nor⸗ malen Verlauf. Venizelos hat den König um eine Frist ge⸗ beten, um endgültig Antwort geben zu können. Der Minister des Aeußeren übergab Venizelos alle Dokumente über die äußere Politik des Kabinetts Gunaris. Venizelos hatte Unterredun⸗ gen mit dem russischen Gesandten und dem fran⸗ zösischen Geschäftsträger. Meuterei in einem belgischen Regiment. Haag, 20. Aug. An der Mserfront meuterte ein belgisches Regiment. Mehrere Rädels führer wurden kriegsgerichtlich abgeurteilt und er⸗ schossen. Das Regiment blieb zur Strafe zwei Wochen lang in der ersten Feuerlinie. Unzufriedenheit in Frankreich. Rotterdam, 20. Aug.„Petit Parisien“ berichtet, daß für die morgige Kammersitzung verschärfte Vor⸗ sichts maßnahmen angewandt werden sollen, da bei der ohnehin gereizten Volksstimmung, die durch den Fall von Kowno noch gesteigert worden ist, ernste Zwischenfälle befürchtet werden. und gestern zahlte man„nur“ 150165 Pfg. Auch Tiere von g 5 v ö „ BEITE Z PFC 3ͤ§% 8 ARE T T FRECLCE 55 IKT C 683302 Sch. 4⸗Zim.⸗W., 1. St., Am 15. August starb an den Folgen eines Ober- schenkelschusses im Kriegslazarett unser unvergesslicher, hoffnungsvoller Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Kriegsfreiwillige Gefrefter Adolf Reibach im blühenden Alter von 25 Jahren. In tiefer Trauer: Familie Christian Heibach, Lehrer. Königsberg und Waldgirmes, den 20. August 1915. 01185 Gestern früh 7 Uhr verschied plötzlich ganz unerwartet unser liebes unvergeßliches Töchterchen, Schwesterchen und Enkelchen Erna im Alter von 7 Monaten. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Ziegler, Gastwirt. Wieseck, den 20. August 1915. Die Beerdigung findet statt Samstag, den 21. August 1915. 6726 N* 2 Wochenmarktverkehr. Nachstehende Verordnung des Stellvertretenden General— kommandos des XVIII. Armeekorps vom 11. August 1915 wird hier⸗ mit bekannt gemacht. Gießen, den 19. August 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. Verordnung. Die Verkäufer auf dem Wochenmarkt, welche ihre Waren im kleinen verkaufen, sind verpflichtet, an ihren zum Verkauf aufgestellten Waren den Verkaufspreis in deutlich lesbarer Schrift zur Kenut⸗ nis des Publikums zu bringen. Zuwiderhandlungen unterliegen der Bestrafung nach§ 9b des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851. Für die vielen spenden sowie Worte des Herrn 6725 unseren herzlichsten Wieseck, den 20. Familie Schreiner. August 1915. Danksagung. Beweise herzlicher Teilnahme, für die vielen Blumen⸗ für die trostreichen Pfarrer Ausfeld von Gießen bei dem uns so schwer betroffenen Verluste sagen wir allen Dank. 6721 Jagd⸗ Verpachtung. Eisbonbon- Pralinen Donnerstag, den 26. August d. Js., nachmittags frisch eingetroffen. Uhr, findet die Verpachtung der Jagd der Gemeinde Felupost- Packungen Oberwalgern, Kreis Marburg, in der Wohnung des in großer Auswahl. Unterzeichneten statt. 8 9 Der Jagdvorsteher. 6701 Aug Jenn last Nachfolger Seltersweg 22. a c Fine Nahre Begebenheit, aus Uni on The ater dem Tagebuch eines Kriegs- 0⁴⁴⁰³ vergeben werden und zwar: ca. 58400 lfd. m Wege, stücke von 0,30—0,70 1300 lid. m Drainage, 11 ebm Mauerwerk. schlößchen zu Dutenhofsen. freiwilligen entnommen, sowie das übrige Schlager- Programm im Seltersweg 81. Noch gut erbaltener Sitz⸗ u. Liegewagen(Marke Bren⸗ nabox) zu verk. 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In der Zusammenlegungssache von Dutenhofen, Kreis Weblar, soll der Ausbau der Folgeeinrichtungen öffentlich ca. 17700 ebm Erdbewegung, ca. 7900 lid. m Gräben, 95 1 1060 Stück runde. und Stirn⸗ e Termin bierzu ist anberaumt auf den 31. August 1915, nachmittags 3 Ubr, in der Wirtschaft zum Jagd⸗ Das Massenverzeichnis und die Zeichnungen liegen in den Diensträumen der Königlichen Spezlalkommission 1 zu Wetzlar, Pbilosophenweg, Zimmer Nr. 7, während der Dienststunden zur Einsicht offen. 5 Verschlossene Angebote sind bis zu diesem Termin an die Königliche Snezialkommission J einzureichen oder vor Beginn des Termines vorzulegen. Die Angebote sind als solche kenntlich zu machen, da die Eröffnung erst im Termin erfolgen soll. Wetzlar, den 17, August 1915, 5 Königliche Spezialkommission J. 6722 Durch P Wohltun reich werden kann derjenige, der sich an der 5 Wohffahrts⸗Geldlotterie beteiligt. Zlehnng 6., 7. u. 8. Sept. 1915 10 167 Geldgewinne im Betrage von 400 000 Nx. 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Treffpunkt 10 ½ Uhr bei Kamerad Felsing, Marktstr. Näb, Besprechung mit einem sachlichen Vortrag nächsten Samstagabend im Vereins⸗ lokal. le] Der Vorstand. zusammengestellt und handelt: 20 Hauptlinien des Wanderungen in Kurh Westerwald Wanderungen rund um Gießen Preis 1 Mark Das Büchlein kommt einem wirklichen Bedürf- nis nach, wie schon eine kurze Einsichtnahme in das Inhaltsverzeichnis aufwelst. Es sind Wanderungen in Gießgens nüchster Umgebung mit Sonntagsfahrkarten verzeichnis, Wege- bezeichnungen in 1 im Westerwald und im Taunus Mebrtägige Wanderungen Schneeschuhwanderungen im Vogelsberg und Harte des Wanderungsgebietes verlag der Brühl'schenlniversitäts- Buch- und Steindruckerei · R. Lange Fernsprecher 51 Gießen Schulstraße 7 5 in knapper Form be- gebung von Giessen e essen, im Vogelsberg. 405¹