— Ur. 10õ Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zwennal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und a zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Seitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelleö1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt die Forts der Südwestfront von Nowno erobert. Einbruch in den Fortgürtel von Nowo⸗Georgiewsk. TB.) Großes Hauptquartier, 17. August. (Amtlich.) 12 f Westlicher Kriegsschauplatz. Vor Ostende vertrieb unsere Küstenartillerie zwei feindliche Zerstö rer. In den Ost⸗Argonnen wurde bei La Fille Morte ein französischer Graben genommen. Bei Bapaume fiel ein englisches Flugzeug in unsere Hand. Die Insassen, zwei Offiziere, sind gefangen genommen. Oestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Hindenburg. Weitere Kämpfe in der Gegend von Kupischky waren erfolgreich. 625 Gefangene, darunter drei Offiziere, und drei Maschinengewehre fielen in unsere Hand. Truppen der Armee des Generalobersten v. Eichhorn unter Führung des Generals Litzmann erstürmten die zwischen Nsemen und Jesia gelegenen Forts der Südwestfront von Kowno. Ueber 4500 Russen wurden zu Gefange⸗ nen gemacht. 240 Geschütze und zahlreiches sonstiges Gerät erbeutet. Die Armeen der Generale v. Scholtz und v. Gall⸗ witz warfen unter fortgesetzten Kämpfen den Gegner weiter in östlicher Richtung zurück. 1800 Russen, darunter 11. Offiziere, wurden gefangen genommen, 1 Geschütz und 10 Maschinengewehre eingebracht. a Auf der Nordostfront von Nowo⸗Georgiewsk wur⸗ den ein großes Fort und zwei Zwischenwerke im Sturm genommen. Auf den übrigen Fronten gelang es fast überall, den Gegner weiter zurückzudrängen. Es wurden 2400 Gefangene gemacht, 19 Geschütze und sonstiges Material erobert. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinzen Leopold von Bauern und Heeresgruppe des General⸗ feldmarschalls v. Mackensen sind in weiterem siegreichen Fortschreiten. 1 In ihrem amtlichen Bericht vom 16. Auguft behauptet die russische Heeresleitung, daß russische Vorhuten am 43. August bei Dunajow an der Zlota⸗Lipa zwei Reihen deutscher Gräben erobert und deren Verteidiger niedergemacht hätten. Unferen an dieser Stelle kämpfenden Truppen ist nur eine russische Patrouillenunternehmung in der Nacht vom 12. zum 13. August bekannt, die völlig scheiterte und bei der der Gegner vier Tote und zwei Ver⸗ wundete vor unserer Stellung ließ und die uns keine Ver⸗ luste brachte. f Oberste Heeresleitung. „* ö Heute ist der Jahrestag der bei Gravelotte, und unsere neueste Zeitgeschichte hat diesem Ruhmestag der deutschen Waffen neuen Glanz verliehen. Die Mauern der Festung Kowno sind erstürmt, und vielleicht vollendet der heutige Tag, was der gestrige Tagesbericht uns= sagte. Nicht weniger als 240 Geschütze wurden in Kowno erobert, und das wiegt schwerer als die ebenfalls beträcht⸗ liche Zahl der Gefangenen, die dabei noch gemacht wurden. Noch vor wenigen Tagen sprachen unsere Feinde von der völlig gebrochenen Offensive bei Kowno“, und die russische Telegraphen⸗Agentur ließ noch gestern in einer neuen Ab⸗ leugnung der Falserhen auch die Kämpfe bei Kowno und an der Düna in einem für Rußland günstigen Licht er⸗ scheinen. Hatte der russische Oberkommandierende wirklich mit einem längeren, erfolgreichen Widerstand bei der 1 N Festung am Njemen gerechnet? Fast scheint es so, enn die 240 Geschütze sprechen in dieser Beziehung eine beredte, wenn auch nicht ihre ursprüngliche Aufgabe er⸗ füllende Sprache. Es ist die Sprache bittersten Leides über Rußlands Unglück, über das e des großen Rück⸗ zuges und die Anstauung so vielen Kriegsmaterials, das in Ermangelung der nötigsten Transportmittel jetzt in die Hände des Feindes fallen mußte. l Der Sieger, General Litzmann, gehört, wie wir der „Köln. Ztg.“ entnehmen, zu den Offizieren außer Dienst, die beim Ausbruch des Krieges wieder in Dienst traten. Er galt als hervorragender Militärschriftsteller und war auch Direktor der Kriegsatademie gewesen. Als Divisions⸗ kommandeur zeichnete er süch bei dem berühmten Durch⸗ bruch bei Brziny östlich von Lodz besonders aus und erhielt dann ein Korps, mit dem er an der Winterschlacht in Masuren teilnahm. Jetzt hat er sich neuen Ruhm er⸗ worben. Die höchste preußische militärische Auszeichnung, den Orden Pour le Merite, erhielt er schon früher. Sein jetziger Erfolg wird wohl bald von der Gewinnung der ganzen Festung Kowno gekrönt sein, die den Eckpfeiler der Niemenlinie bildet und die Bahn von Eydtkuhnen nach Wilna wie die Straße von Suwalki nach Wilkomierz sperrt. Zugleich stellt sie einen doppelten Brückenkopf über den Niemen und die Wilija dar. Welchen Wert die Russen auf ihren Besitz legten, zeigt nicht nur der Ausbau der Befestigungen, deren Besatzung früher für den Kriegsfall mit 36 000 Mann und gegen 1000 Geschütze berechnet wurde, sondern auch die wiederholten Versuche, die Belagerung durch Flankenstöße gegen ihre rückwärtigen Verbindungen und die sie deckenden Feldtruppen zu stören. General-Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Geburtstag des Kaisers Franz Josef ihren Siegessalut, Nowo⸗Georgiewsk, wo bereits ein großes Fort und zwei Zwischenwerke gewonnen wurden, wird sich nur noch ganz kurze Zeit halten können. Brest⸗Litowsk, bis vor kurzem noch die hoffnungsvolle Stütze der russischen Heere, ist so rasch in der Gefahr der andrängenden deutschen und österreichisch⸗ ungarischen Truppen versunken wie ein stolzes Schiff, das, schwer getroffen, das Wasser höher und höher steigen sieht und kaum noch Zeit gewährt, die Besatzung vor'm Untergang zu bewahren. Stellenweise sind unsere Trup⸗ pen nur noch einen Tagemarsch von der Festung entfernt, und der österreichisch⸗ungarische Bericht ergänzt in sehr er⸗ freulicher Weise den Bericht der deutschen Heeresleitung. * die in Nat io⸗ für zweckmäßig und erlaubt, schon heute die all gem einen, großen Ziele zu verweisen. Auch der Worklaut der fortschrittlichen Kund⸗ gebung stimmt im wesentlichen mit dem mehrfach besproche⸗ nen Programm des Kaisers und Kanzlers überein und ist in seiner Klarheit und Deutlichkeit mit lebhafter Zustim⸗ mung zu begrüßen. Uferlose Annexionspläne find von jedem verständigen Deutschen in der Tat von der Hand zu weisen. Aber der Friedensschluß muß auf Sicherheiten beruhen, die auch„notwendige Gebietserweiterungen“ einschließen. Die fortschrittlichen Fraktionsvertreter waren ebenfalls ent⸗ fernt davon, etwa schon jetzt zu fordern, daß Deutschland die Hand zum Frieden ausstrecken soll. Es sollen vielmehr, wie es in der Kundgebung heißt,„wie bisher in treuem Zu⸗ sammenhalten, ohne Wanken, alle Kräfte eingesetzt werden, bis ein ehrenvoller und dauernder Friede gesichert ist“. Nun hoffen wir von der Regierung, daß sie, um mit den Worten der nationalliberalen Entschließung zu sprechen,„mit un⸗ beugsamer Festigkeit“ diese Ziele verfolgt!„Das Mögliche soll der Beschluß beherzt beim Schopfe Rasser Eine fortschrittliche Kundgebung über die Kriegsziele. Berlin, 17. Aug.(Zens. Bln.) Die Reichstags⸗ fraktion der Fortschrittlichen Volkspartei hat sich in eingehenden Beratungen mit den Aufgaben be⸗ schäftigt, die der Volksvertretung durch den Gang der ge⸗ schichtlichen Ereignisse zugewiesen werden. Sie hat die im Hinblick auf das Kriegsziel erhobenen Forderungen künf⸗ tiger Grenzfestsetzungen und staatsrechtlicher Neublene sorgsam geprüft, erachtet aber nach gewissenhafter Erwä⸗ gung die Zeit noch nicht für gekommen, ein bestimmtes Programm mit fest umgrenzten Einzelforderun⸗ gen für den Abschluß des Friedens aufzustellen. Ebenso entfernt von der grundsätzlichen Ablehnung jedes Landerwerbes, wie von uferlosen Anne⸗ rionsplänen hält die Fraktion es für unbedingt geboten, das Reich durch militärische und wirtschaftliche Maßnah⸗ men, wie 9 3 notwendige Gebietserweiterun⸗ gen für die Zukunft zu 1 und für den friedlichen Wettstreit der Völker Bedingungen zu schaffen, die in der Heimat wie auf dem freien Meere die Entfaltung der vollen Kraft des deutschen Volkes gewährleisten. Es wurde einhellig die Erwartung ausgesprochen, daß die Reichsregierung in vertrauensvollem Zusammenwirken mit der Volksvertretung zur gegebenen Zeit eine offene Aussprache über die Grundlagen des Friedens- schlusses herbeiführen werde, und es wurde die feste Zuversicht bekundet, daß Volk, Heer und Flotte im Be⸗ wußtsein der weltgeschichtlichen Bedeutung dieser schweren Kämpfe, wie bisher in treuem Zusammenhalten, ohne Wan⸗ ken, alle Kräfte einsetzen werden, bis ein ehrenvollen und dauernder Friede gesichert ist. Die Fraktion ist bereit, die Regierung zu unterstützen, die nach den Worten des Kaisers vom 31. Juli 1915 sich die Aufgabe stellt, auf erprobten alten und vertrauensvoll betretenen neuen Bah⸗ nen vorwärts zu schreiten. Berlin, 17. Aug.(Zens. Bln.) Die Führer der einzelnen Reichstagsfraktionen waren gestern abend 6 Uhr beim Reichskanzler, um mit ihm die Er⸗ ledigung der Reichstagsvorlagen und die allgemeine Lage zu erörtern. Die Vorstände der sozialdemokratischen Fraktion waren durch ihre Fraktionssitzung an der Teil⸗ nahme verhindert.(B. T.) Auch an den anderen Plätzen der ausgedehnten Front znnerten die Geschütze der verbündeten Heere zum —— ners sind von den K. und K. Truppen die unter dem Kom⸗ Dobrynka 20 Kilometer südwestlich von Brest⸗ bei Piszozac Stellung gefaßt hatte, wurde von ungari⸗ General v. Kö unsere Tiroler Werke Schwächere feindliche Infanterieabteilungen, die im Va Sugana bis Garzano(nordöstlich Borgo) vorgekommen waren, wurden über den Maso⸗Bach zurückgeworfen. liener ihre Vorstöße gegen unsere Stellungen zwischen dem Krn und Tolmein mit stärkeren Kräften fort, wurden aber überallblutigabgewiesen. Das Plateau von Doberdo e nachmittag wieder unter ziemlich heftigem Ge⸗ ütz feuer. 1 neralstab des Generalissimus teilt mit: drängten unsere Truppen in der Nacht die Deutschen zum Flusse Aa. zurückgewiesen. In der Richtung Jacobstadt keine wesentlichen Veränderungen. dauert ohne Nachlassen an. Die Deutschen greifen hartnäckig die Befestigungen im westlichen und Bug wurden am 14. und 15. Erbitterung geliefert. 3 großen Verlusten für den Feind abgeschlagen. Auf dem. inken Abschnitten der Gesamtheit unserer Front stellenweise und Geschützfeuer. Kein irgendwie bedeutendes Gefecht. Ein italienisches Märchen über,, Deutsche8erschwörung!“ g 5 colo“ meldet aus Rom: Nach Nachrichten aus London und anderer Hauptstädten des Vierverbandes ist in Rußland eine weit ver⸗ zweigte deutsche Ver scheine erwiesen, daß Deutschland unterhielt, die ihre Netze selbst bis Landesverteidigung aus den baltischen denen für den Fall eines deutschen Kurlands und Esthlands Reichtümer wurden. So war es möglich, daß Kriegsausbruch auf das Genaueste über den Bestand der russischen Artillerie und Munition unterrichtet war und daß nach dem Plan des Generals Suchomlinow nahme neuer Fabriken bevorstand, durch die die Herstellung von Munition vervierfacht werden würden. Tas war einer der Gründe für Deutschland, den Krieg zu überstürzen, da man wußte, die russischen Munitionsvorräte in 7 bis 8 sein müßten Die Kriegserklärung Großbritanniens wurde aber in Berlin schmerzlich empfunden, da England und dessen Verbün⸗ deter Japan die Meere beherrschen konnten und so die Rußlands mit englischer und japanischer Um diesen Vorteil zu beschneiden, wurde wirren hineingezogen, so daß und Wladiwostok Seezufuhr hatte. Zeit mehrere Agenten deutscher Abstammung Komplotte angezektelt haben, durch die die e daß sie weit weniger Mumttio Mittwoch, 18. August 1915 Bezugs y reis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Der Geburtstag des Uaisers Franz Josef. Berlin, 18. Aug. Sämtliche Morgenblätter bringen an hervorragender Stelle Artikel zum Geburtstag des Kaisers Franz Josef. Der„Berliner Lokal⸗Anz.“ schreibt: Fahnen wehen und grüßen den alten Kaiser von dem angestammten Heimatsboden zweier Reiche und von dem Boden siegreich Meier Erde in West und Ost. Die Melodie des alten Meisters Haydn klingt aus den vom Kriege bewahrten Hei⸗ matstädten und klingt aus den Schützengräben in Flandern, am Bug und am Isonzo und überall, wo Freunde wohnen: Gott erhalte, Gott beschütze unseren lieben Kaiser Franz. Die„Tägl. Rundschau“ führt aus: Mit drei Ge⸗ schlechtern ist diese Kaisergestalt so verwachsen, daß heute kaum jemand sich Oesterreich ohne ihn denken kann, denn wer heute auf das Leben des Kaisers Franz Josef zurück⸗ sieht, dem wird es offenbar, daß er und seine Zeit trotz aller Wirrnisse und Irrnisse Segen für Oesterreich waren. Darum ist ihm nach einer so endlosen Saat von Leiden und Unglück Liebe über Liebe entgegengeblüht; anders war sein Dasein mit seinen Lasten von schwerstem Erleben kaum zu tragen. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 17. August 1915.. Russischer Kriegsschauplatz. 1 In scharfer Verfolgung des unablässig weichenden Geg⸗ mando des Feldmarschalleutnants von Arz stehenden bis Litowsk, vorgedrungen. Eine russische Nachhut, die scher Landwehr geworfen. Die von Erzherzog Josef Ferdinand geführten Kräfte sind im Vorrücken auf Janoe am Bug. veß hat den Feind in der Gegend von Ko Italienischer Kriegsschauplatz. i Das Feuer der italienischen schweren Artillerie geg hielt gestern tagsüber an. An der küstenländischen Front setzten die Ita⸗ Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. N 5 Der russische Bericht. Petersburg 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ In der Gegend von Baufk cht zum 15. August von neuem Feindliche Gegenangriffe wurden . t— Düng urg Die Beschießung Kownos Abschnitt an. Zwischen Narew 4 August Kämpfe mit großer Eine Reihe feindlicher Angriffe wurde Bugufer keine wesentlichen Veränderungen. In den übrigen Gewehr⸗ in Rußland. MWafland 17. Augu.(Ur michtamtlich) Der Se⸗ schwörung aufgedeckt worden. Es seit mehreren Jahren Agenten st in die geheimsten Aemter der spannen. Hauptsächlich waren deutsche Junker Provinzen an der Verschwörung beteiligt, Sieges und einer Annektton und Ehrenstellen versprochen der deutsche Generalstab bei Bescheid wußte, die Inbetrieb⸗ daß Monaten erschöpft Versorgung Munition gesichert war. die Türkei ein die Kriegs⸗ Rußland nur noch von Archangelsg Man versichert, daß in letzter Munitionsfabrilen so eschädigt worden sejen, n herstellen konnten, als— R 1 England verteidigt sich gegen rufsische Vorwurfe. London, 17. August.(WTB. Nichtamtlich) Die„Daily Mail“ meldet aus Petersburg: Der britische Botschafter hielt es zum zweitenmale für notwendig, dem russischen Publikam zu erklären, was England im Kriege tue. Er sagte bei einer Unterredung mit den Vertretern der Mos⸗ kauer Presse, der Sieg sei eine Frage der Geschütze und Munition. Wer die deutschen Befestigengen und Abbil⸗ dungen davon sah, könne ihre Stärke beurteilen. Die Deutschen hätten ihre Truppenmacht an der Westfront nicht verringert. Es würde Rußland schädigen, wenn die Alliierten eine große Offen⸗ sive im Westen beginnen würden, bevor sie sicher seien, daß sie durchbrechen könnten. Ueber die Dardanellen sagte der Bot⸗ schafter, daß, als die Türkei den Krieg erklärte, Rußland sich an England mit dem Ersuchen gewandt habe, eine Demonstration zu veranstalten, durch die ein Teil der türkischen Truppen vom Kau⸗ kasus abgezogen würde. Darauf eröffnete England den Feldzug auf Gallipoli zugleich in der Absicht, die Meerengen zu bezwingen und die russische Ein⸗ und Ausfuhr zu sichern. Dadurch ser seine Tätigkeit an der Westfront geschwächt und die Offensive verzögert worden. Der Korrespondent der„Daily Mail“ fügt binzu, die Erklärung des Botschafters sei im ganzen sympathisch aufgenommen worden. Da die schlimmsten Wochen der russischen Niederlagen vorüber sind, besteht eine größere Neigung, Erklärungen für ein Verhalten anzuhören, das man früher unentschuldbare Langsamkeit der Alliierten genannt hat. 8 0 London 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein Leitartikel des„Daily Chronicle“ wendet sich erregt gegen den Peters⸗ burger Bericht der„Daily Mail“, in dem gesagt wird, die Russen fragten, was das englische Dreimillionenheer tue. Das Blatt laubt nicht, daß irgend eine Gruppe unterrichteter Russen eine so törichte und verkehrte Frage über die Zulänglichkeit der eng⸗ lischen Kriegsleistung stelle. Das Blatt betont, England habe eine Million Soldaten auf dem Festlande stehen, obwohl es niemals versprach, mehr als 160000 Mann zu senden. Dazu kommen die großen Leistungen der Flotte und der Finanzen, die Aufstellung des nationalen Registers und die Gründung des Munitionsministeriums. Das Blatt bekämpft den Klüngel alter Bureaukraten im Kriegsamt, der die Arbeit Lloyd Georges er⸗ schwere und sagt: Die Regierung bereitet seit langem den Krieg vor. Er mag früher enden, als sie annimmt, aber selbst, wenn er länger dauere, wird England in seinem Mut und dem Zielbewußt⸗ 1 sein nicht nachlassen. — 33 2 ** Die Ministerkrisis in Frankreich. 5 Berlin, 18. Aug. Der„Deutschen Tageszeitung“ zu⸗ solge besagen im Haag eingelaufene Depeschen, daß die HCoösung in der französischen Regierungskrise noch im Laufe dieser Woche erfolgen müsse. Präsident Poincaré soll mit seinem Rücktritt drohen, falls das Ministerium 5 Viviani gestürzt werde. Man vermutet, daß die radikale Partei vor einer Ministerkrise zurückschrecken werde. doch drängt die starke Mehrheitspartei auf die Demission des Ministeriums. 3 Der italienische Bericht. Mom, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Kriegsbericht vom Montag. In der Tonale⸗ Zone und im Abschnitt von Val⸗ dassa(Sette Comuni) war der Artilleriekampf gestern heftig. Neue Fortschritte werden im Saxtentale(Drau) gemeldet. Unsere Alttillerie zerstörte die feindlichen Schützengräben auf dem Sei⸗ kofel und an der Roten Wand und brachte die feindliche Artillerie zum Schweigen, die versuchte, sie zu bekämpfen. Die Infanterie drang längs der Täser des Bacherbach und Bodenbach vor, indem sie die feindlichen Verteidigungswerke eroberte und machte Ge⸗ fangene. In der 158 vom 15. August versuchte der Feind, durch einen Gegenangriff seine verlorene Stellung am Boden bach wiederzunehmen. Er wurde zurückgeschlagen. Spätere Nachrichten über das Gefecht am 13. Auguft im Popenatale, von dem im gestrigen amtlichen Bericht gemeldet wurde, bestätigen, daß der Gegner schwere Verluste erlitt. In einem Schützengraben wurden über 200 Leichen gezählt, darunter einige Offiziere. In Kärn⸗ 8 5 8 2 te serer Infanterie, die durch das rechtzeitige wirksame Eingreifen der Artillerie unterstützt wurde, gelang es, auf der ganzen Front den Feind zurückzuschlagen und ihm schwere Verluste zuzufügen. Im Gebiet des Kru wurden gestern weitere 14 81 gemacht, besonders in der Richtung auf Flitsch. Ungefähr 300 Gefangene sind gemacht worden. General Cadorna. Der schlechte italienische Kredit. Bern, 18. lug.(WTB. Nichtamtlich.) Nach italienischen Meldungen beklagen sich die Kaufleute in Genua darüber, daß in Spanien, Portugal und Norwegen, die doch finan⸗ ziell hinter Italien rangierten, die italienische Valuta bis 22 Pro⸗ ent unter pari gesunken sei. Die Kaufleute bäten, um Hilfe bei Frankreich und England nachzusuchen, um den Stand der italieni⸗ schen Valuta zu heben. l Die Versenkung eines englischen Truppentransportes. Dondon, 18. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der englische Trausporkt⸗ dampfer, der am 14. 92 510 im Aegäischen Meere von einem Unterseeboot torpediert wurde, hieß„Royal Edward“. Er führte 220(zweihundertundzwanzig) Mann Besatzung, 1350 Eeintausenddreihundertundfünfzig Mann Truppen mit 32(zweiunddreißig) Offizieren. Soweit be⸗ kannt, sind 600 Mann gerettet worden. 2 2 5 Beschlagnahmung von Rohöl 1 in Oesterreichisch⸗ungarn. Wien, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) In der morgi „Wiener Zeitung“ wird eine kaiserliche Verordnung veröffent⸗ licht werden, wodurch das gesamte nach dem Tage der Bekannt⸗ machung der Verordnung im Inlande gewonnene Rohöl Fugunsten des Staates beschlagnahmt wird. Die Maßnahme berge Lauptsachlich den Zwec, die Berteilung des Noble auf die Raffinerien in gerechter Weise zu angemessenen Preisen zu ermöglichen 1 Schweden und die Schweiz. b Basel, 17. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Einer Privat⸗ meldung der„Basler Nachr.“ aus Bern zufolge hat Schweden bei dem Bundesrat angefragt, ob es ihm genehm sei, einen schwedischen Gesandten in der Schweiz zu akkreditieren. Der Bundesrat antwortete, daß ie Schweiz mit Vergnügen in direkte diplomatische Be⸗ E ziehungen zu Schweden treten werde. Norwegische Rüstungen⸗ Kristiania, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Storting hat heute in geschlossener Sitzung einen Be⸗ schluß gefaßt, nach dem außer dem am 11. August bewillig⸗ ten Betrage von 11330000 Kronen die im Jahre 1914 bewilligten Beträge von 1441000 Kronen für Landesver⸗ teidigungsmaßnahmen Verwendung finden sollen. Ferner wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, einen Gesetz⸗ entwurf vorzulegen, den Restbetrag von 10 366000 Kronen 5 1 und eines Unterseevootes, sowie deu cocueuciten acονενεινεοονν der von dem Storting am 6. Juli 1914 angenommenen außerordentlichen Wehrsteuer für Marineneubauten zu ver⸗ wenden. Voraussetzung ist jedoch, daß der sogenannte Ueber⸗ schuß nur zur Deckung in dem Umfange verwandt wird, als es nötig ist, damit die im Jahre 1912 für die Flotte bewillig⸗ ten 16,2 Millionen in ihrer Gesamtheit für derartige Neu⸗ bauten Verwendung finden können. Bis dieses geschehen kann, wird die Regierung ermächtigt, Neubauten von Kriegsschiffen, Instandsetzung von Minen⸗ und Flugmate⸗ rial für die Flotte in dem Umfange einzuleiten, wie es innerhalb der Grenzen dieses Betrages für nötig befunden wird. Aus dem Reiche. Der Deutsche Städtetag und der Nahrungsmittelmarkt. Berlin, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Nah⸗ rungsmittel⸗Ausschuß des Deutschen Städte⸗ tages hat folgenden Beschluß gefaßt: Der von amtlichen und nichtamtlichen Stellen jetzt vielfach unternommene Ver⸗ such, die Städte für die hohen Preise und sonstige Schwie⸗ rigleiten des Nahrungsmittelmarktes verant⸗ wortlich zu machen, schiebt die Verantwortung einer falschen Stelle zu und ist geeignet, die Entschlußkraft der wirklich verantwortlichen Stellen zu 3 Da das Deutsche Reich ein einheitliches Wirtschaftsgebiet ist, können nur einheit⸗ liche Maßregeln des Reiches helfen, die jeder Ware be⸗ sonders angepaßt sind, zugleich aber die Berücksichtigung örtlicher Verhältnisse ermöglichen. Die Brotfrage ist ein⸗ wandfrei gelöst, weil die Getreidebeschaffung kinheitlich ge⸗ regelt und nur eine örtliche Mehl⸗ und Brotverteilung nach örtlichen Gesichtspunkten erfolgt ist. Ohne diese einheitliche Ordnung für das ganze Reich irren die Städte planlos auf dem Markte umher und erhöhen durch ihre Einkäufe nur die Preise. Auch die Höchstpreise für den Kleinhandel können nicht örtlich creze werden, da ihre Festsetzung die Gefahr einer Vertreibung der Ware aus dem Gemeindebezirk mit sich bringt. Ueberdies wird ein entschlossenes Handeln in den örtlichen Instanzen durch gleichzeitiges Eingreifen der verschiedensten militärischen und bürgerlichen Behörden oft unmöglich gemacht. Es sind geeignete Grundlagen ge⸗ schaffen worden, in denen sich die Gemeinden gern mit aller Hingabe beteiligen. Dagegen müssen die Gemeinden a den die„ für Mißerfolge solcher Maßnahmen ablehnen, die den Kern der Sache nicht erfassen, den Ge⸗ meinden lediglich formelle Rechte. und ihnen. dann eine Verantwortung auferlegen, die nur die mit er⸗ schöpfenden Machtmitteln ausgestattete Reichsgewalt trifft. * —— Berlin, 18. Aug. Reichsschatzsekvetär Dr. Helfferich wird, wie der„Berliner Lokalanzeiger“ zu melden weiß, bei der Einbringung der neuen Kriegskreditvorlage im Reichs⸗ tage eine längere Rede halten, in der er sich auch über die Frage neuer Reichssteuern, besonders auch einer Kriegsgewinn⸗ steuer, äußern dürfte.. 2227 Aus dem Budgetausschuß des Reichstags. Berlin, 17. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Budget⸗ ausschuß des Reichstags trat heute vormittag zusammen. Er beschäftigte sich zunächst mit dem dem Reichstage vorliegenden fünften Nachtrag und der Denkschrift über wirtschaftliche Maßnahmen aus Anlaß des Krieges. Staatssekretär Dr. Delbrück erläuterte die Maßnahmen im einzelnen, besonders die Fragen der Beschlagnahme und die Höchstpreise und prach sich über die gemachten Erfahrungen aus, die zu dem Beschlusse führten, die bisherige Organisation unter Berücksichtigung gewisser hervorgetretener Mängel im großen und ganzen auf das neue Fentefahr zu übertragen. Indes solle, im Unterschied vom vorigen Jahr, für das künftige Wirtschaftsjahr die Beschlagnahme des sämtlichen im Reiche angebauten Brotgetreides zu gunsten des Kommunalverbandes erfolgen, in dessen Bezirk es gewachsen sei, nicht aber zu Gunsten der Kriegsgetreide-Gesellschaft. Bezüglich der Kartoffelfrage führt der Staatssekretär aus, die von der Reichsregierung eingeleitete Hilfsbewegung habe deswegen einen Ausgang gehabt, wie er nicht erwartet wurde, weil man tatsäch⸗ lich die vorhandenen Vorräte erheblich unterschätzt habe, die Karoftfeln sich in Mieten vorzüglich hielten und bei der Aus⸗ pflanzung von Kartoffeln große Ersparnisse durch das Schneiden von Kartoffeln gemacht wurden. Die zutage getretenen Mängel müßten nalkelich nach Möglichkeit zukünftig vermieden werden. Vielleicht sei es möglich, zu einer Organisation des Handels lu hem e, un eiue Pech gan nin Hinsichtlich der Fleischnahrung werde erwogen, ob nicht die minder wertvollen Fleischsorten zu bestimmten Tagesstunden für die minder bemittelte Bevölkerung zum Verkauf gestellt werden, um so die ganze Marktlage zu erleichtern. 5 Der Bud 1 beschloß, aus den vorliegenden reichen Stoffen zunächst die bensmittelfragen auszusondern und zu er⸗ örtern. Die Frage der Erneuerung des Kohlensyndikats 2 an das Ende der Beratungen gestellt werden. Der Staats⸗ ekretär erklärte, der Aushang der Preise habe keine besonderen Erfolge gezeitigt; vielleicht sei 1 erwägen, ob den Gemeinden nicht das Recht zu geben sei, den Verkauf zu übermäßig hohen Preisen zu untersagen. Maßnahmen gegen den Kriegswucher seien nicht getroffen worden, um dem Rechtsgefühl des Volkes Genugtuung zu schaffen und um das Schimpfliche zu be⸗ kunden, das in den Wucherpreisen liege. Vielleicht könne man dazu übergehen, solche Gewerbetreibende für die Dauer des Krieges zur Weiterführung ihres Gewerbes für unfähig zu erklären, viel⸗ leicht sei auch in besonders schwierigen Fällen der Verlust des bürgerlichen Ehrenrechts in Erwägung zu ziehen. Ein Regierungsvertreter gab ein Bild von der voraus- süchtlichen Ernte. Roggen bringe eine schwache Mittelernte, Weizen gute Mittelernte, die Aussichten für die Kartoffelernte seien erfreulich. Am Getreide nähmen wir sieben Millionen Doppel⸗ entner mit ins neue Wirtschaftsjahr. Bezüglich des Hafers fei auf eine Erhöhung der Tagesration von drei Pfund nicht zu rechnen. Weiter verbreitete sich der Regierungsvertreter über der Nahrungsfrage, mit der die Milch⸗ und Fleischfrage unmittelbar zusammenhängen. Die Hauptaufgabe der Wirtschafts⸗ politik müsse es sein und sei es, der Futtermittelnot zu steuern. Der normale Verbrauch an Zucker sei für das neue Jahr ge⸗ sichert, ein erhöhtes Quantum zu beschaffen, mache Schwierigkeiten. Ueber die Kartoffelfrage sprach sich der Redner zuversicht⸗ lich aus. Bei einigermaßen günstiger Witterung sei mit einer Ernte von etwa 50 Mill. Tonnen zu rechnen. Die menschliche Ernährung erfordere im Höchstmaß 15 Millionen, die gewerbliche Verwertung 5 Millionen, die Saat 7 Millionen, 23 Millionen Tonnen seien für Futterzwecke verfügbar. Die Reichsstelle für Kar⸗ toffelversorgung beschaffte 13 Millionen Zentner, über 10 Mil⸗ lionen habe sie wirklich zur Verfügung. Sie setzte diese Mengen teils an Bedarfsverbände, teils an Stärkefabriken, Trocknereien und Brennereien ab. An Reibungen und Differenzen 5 bei der Abwickelung nicht, aber im großen und ganzen gestalteke sich die Abwickelung befriedigend. Die Fleischfrage biete für die Zukunft ein, befriedigendes Bild. Eine Fleischnot werde es im all⸗ gemeinen nicht geben. Bezüglich der Preisgestaltung würden Maß⸗ nahmen erwogen, um die hohen Preise einzuschränken.— Ein anderer Regierungsvertreter verbreitete sich über die Mehl frage, über Vorräte, Bedarf, Mahllohn samt Nebenkosten. Die höhere Spannung zwischen Mehl⸗ und Getreidepreisen er⸗ kläre sich teilweise durch die Kriegsverhältnisse und den verteuerten 5 plus Zinsen für den Bau zweier Küstenverteidigungsschiffe Wirtschaftsbetrieb.— Hierauf folgte eine Pause. die Frage der Futtermittel,„den dunkelstem Punkt“, in In Gießen, 17. A 5. Auszeichnungen. Dem Vizefeldwebel Albert Bötz aus Gießen, Reserve⸗Jnf.-Rgt. 222, 1. Komp., wurde e Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen.— Dem Vizeseldwebel Ködding, Bildhauer in Gießen, vom Landsturm⸗Bataillon 1 Darmstadt, wurden das Eiserne Kreuz und die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. 0 Kupfer, Messing und Nickel. Ueber die Be⸗ schlagnahmebestimmungen der Gegenstände aus Kupfer, Messing und Nickel herrscht namentlich in Hausfrauenkreisen noch Unklarheit. Es sei deshalb darauf hingewiesen, daß die genaueren Pflichten, die jedem einzelnen aus der Beschlag⸗ nahme erwachsen, erst aus den Ausführungsbestim⸗ mungen dazu hervorgehen, deren Festsetzung den Kommu⸗ nalbehörden zusteht. Für unseren Bezirk sind diese Ausfüh⸗ rungsbestimmungen in den nächsten Tagen zu erwarten. Wir WN an dieser Stelle rechtzeitig darauf aufmerksam machen. Die Handhabung des Quartierwesens in Gießen wird voraussichtlich in der nächsten Zeit eine durchgreifende Umgestaltung erfahren. Es han⸗ delt sich nicht, wie in der Stadt erzählt wird, um eine Herabsetzung des Quartiergelds, sondern um die völlige Trennung des Quartierwesens von der privaten Mitwirkung. Die Stadt zahlt bekanntlich pro Maur und Verpflegungstag an die Quartiergeber einen so be⸗ trächtlichen Zuschlag zu dem vom Reiche vergüteten Betrage, daß die dafür aufgewandten Kosten durch die wachsende Zahl der Verpflegungstage mit der Zeit eine zu große Höhe erreicht haben. Man beabsichtigt nun, wie wir hören, der Militärverwaltung in der S. die geeigneten Räume 55 kasernenmäßigen Unterbringung der in etracht kommenden Mannschaften zur Verfügung zu stellen. Für die Verpflegung würde dann die Militärverwaltung aufkommen. Die betreffenden Vorlagen werden voraus⸗ sichtlich schon die nächste, bald zu erwartende Stadtver⸗ ordnetenversammlung beschäftigen. * Die Ausstellung von Handarbeiten in der Aliceschule, Steinstraße 10, wurde bei der Prüfung der Haushaltungsschülerinnen gestern eröffnet und ist heute nachmittag von 3—“ Uhr allgemein zugäng⸗ lich. Sie enthält zwar nur die während des Sommers ge⸗ berg den Arbeiten, ist aber trotzdem so zahlreich beschickt, aß wir ihren Besuch unseren Leserinnen warm empfehlen. Die Arbeiten der jetzt geprüften Haushaltungsschülerinnen bilden, da deren Unterricht sich hauptsächlich auf die Haus⸗ wirtschaft erstreckt, den kleinsten Teil der Ausstellung. Was diese jungen Damen praktisch geleistet hatten, bestand in der Herstellung eines feinen Mitta⸗ hls und in der Bereitung von Torten und Backwerk, die von einer ö die Angehörigen der Prüflin erweiterten Prüsungs⸗ behörde begutachtet und unter Ausdrücken der Anerkennung verzehrt wurden. Die Mitglieder des Seminars für Haus⸗ wirtschaftslehrerinnen sind an der Ausstellung mit einer Sammlung von Zeichnungen von Gegenständen, die zur Haus wirtschaft in Behle stehen, beteiligt. Was hier in vier Unterrichtsmonaten geleistet worden ist, ge⸗ reicht der Zeichenlehrerin Frl. i hoher Ehre. Einen größeren Raum wieder nehmen die Arbeiten ein, die in den von Frl. Euler geleiteten Handarbeitskur⸗ sen angefertigt sind. Besonders zahlreich aber ist in der Ausstellung das unter der Leitung der Handarbeits⸗ und Zeichenlehrerin Frl. Schmidt stehende Seminar für Hand⸗ arbeitslehrerinnen vertreten. Außer den ausgeführten Ar⸗ beiten selbst wird die Besucherinnen der Ausstellung beson⸗ ders auch die Sammlung von Zeichnungen und Entwürfen nach Objekten aus der Natur interessieren. Wir empfehlen unseren Leserinnen, dem Besuch dieser Ausstellung heute nachmittag ein Stündchen zu widmen. a 5 Die nächste Schwurgerichtssitzung für die Provinz Oberhessen findet am 17. d. J. statt. Vorsitzender ist Landgerichtsrat Strack. a Landkreis Gießen. —Großen⸗Buseck, 17. Aug. Das Eiserne Kreuz erhielt der Schulverwalter Valentin Stumpf, Leutnant der Reserve im Inf.-Regt. Nr. 117. Lich, 17. Aug. Am nächsten Donnerstag wird im hiesigen Sal i 1 85 esa 8. e 5 tags, i 0 riegswirts 1 ein. Main, Verbandes für Volksbildung ein sehr e und billiges Einkoch⸗ und Frischhaltungs verfahren vorgeführt, bei dem jedes gewöhnliche Einmachglas ohne i benützt werden kann, ebenso eine praktische Vorführung der Kochkiste. Da es gerade in der jetzigen Kriegszeit von besonderer Be⸗ deutung ist, möglichst alle augenblicklich überflüssigen Obst⸗ und Gemüsearten in der billigsten Weise zu späterer Verubun auf⸗ zubewahren, so ist der Besuch der Vorführung zu empfehlen, ebenso aus dem Grunde, daß die Bedeutung der Kochkiste in der Jetztzeit immer noch nicht genügend gewürdigt wird. a Kreis Büdingen. = Büdingen, 17. Aug. Der Kanonier Wilh. Schößler im Feld-Artillerie-Regt, 47, erhielt das Eiserne Kreuz, der Sanitätsgefreite Christ. Schwarz das Hessische Sanitätskreuz, = Rinderbügen. 17. Aug. Auf dem Felde der Ehre fiel der Musketier August Reutzel. Kreis Lauterbach. 28 ? Eichelhain, 17. Aug. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der hiesige Lehrer Julius Sil ß, Leutnant im Landwehr-Inf.⸗Rgt. 116. 5 Kreis Friedberg. Aug. Primaner Josef sebr. 1898 zu Vußbach ist am 26. Juli 1915 in 8 9025„gefallen. Er war mit 8 Eisernen Kreuz 2. Klasse 1 Im September 1914 l Re chdem er einen 9 Döberitz zum Unter⸗ chon Führich Hauptmann und Batteriechef der türkischen Armee ere, nannt. Starkenburg und Rheinhessen. 1 Offenbach, 17. Aug. Der hiesige Fabritant Karl Busse, Mitinhaber der Militäreffektenfabrik Maury& Co., hat dem hiesigen Verein zur Sommerpflegekränklicher Kinder, sowie dem Mainzer Verein für Ferienkolonien die fünsprozentigen Zinsen von 50 000 Mk. deutscher Kriegsanleihe zu⸗ nächst sür die Zeit von 15 Jahren in je gleichen Teilen zugewiesen. h. Neu-Isenburg, 17. Aug. Unweit des hiesigen Bahn⸗ hofs warf sich gestern nachmittag der 17jährige Kaufmannslehrling Heinrich Riß ler aus Frankfurt vor den Darmstädter Personen⸗ zug. Er wurde sosort g et öt et. ö 55 5 Kreis Wetzlar. n. Nauborn, 17. Aug. Unser Gemeindevorsteher erhielt das Kreuz des Allgemeinen Ehrenze Alter von 72 Jahren starb Presbyter Peter Mü 00 Braunfels, 17. Aug. In der Burgermeist ene zum 1 des Rote. „ gesa 5— i waren mit 2150,57 Me. beteiligt. e e 1. 1 Hessen⸗Nasan. a Marburg, 17. Aug. Als am Sonnt ö 5 Landwirt R. Grau in Heskem, ein Mann Ehe der der Jahre, von einem Gange zurückkehrte, erhielt er am Dorf⸗ Leingange durch einen unglücklichen Schuß eine schwere Verletzung an der Stirn. Er mußte sofort ärztliche Hilfe in „Anspruch nehmen. Als Täter kam ein anderer Landwirt in f e e peel einer Unbedachtsamkeit 0 Gewehr, mit dem er si erade z 0 g erte Pane sich gerade zu tun machte, eefurt a M, 18. Aug. Unter Jorsi 8 Oberbürgermeisters Voigt⸗ Frankfurt a.. N 9 1 mittag im Magistratssitzungssaal eine Versammlung von Ab⸗ aur een pfeufischer, badischer, baperischer und bessischer Stad re tatt. Die Konferenz, die auf Anregung der Stadt Würzb mr und sehr gut besucht war, beschäftigte sich in er e Lebensmittelversorgung de ä ä 4 des Krieges. Zur Abstellung der Mißstaude Fecht N 1 sammlung, gemeinsam vorzugehen und jede Uebervor⸗ 0 5 eitens gewissenloser Händler zu verfolgen. Ferner ver⸗ a selte man u. g über den Antrag einer Stadt, die Versamm⸗ ung möge eine Eingabe an die Reichsregierung des Inhalts dichten, daß den Städten die Befugnis erteilt werde, den Ver⸗ brauch der wichtigsten Nahrungsmittel und Gebrauchsgegenstände im der Weise zu regeln, wie es bereits seit Monaten mit Brot ö und Mehl geschieht.— An den ausgedehnten Verhandlungen, die vertraulichen Charakter tru nahm. ö b K Städte Wiest b gen, nahmen u. a. Vertreter der 1 Städte Wiesbaden, jeßen, Mainz, Darmstadt, Homburg 1 Höchst, Aschaffenburg, Mannheim, Würzburg, Nürnberg, Ludwigs⸗ hafen, Fürth, Hanau, Offenbach und Schweinfurt teil. 4 Frankfurt a. M., 17. Aug. Der Kanonier Arthur Braunschweig vom hiesigen Feld⸗Artillerieregiment 63 wurde mit dem Eisernen reuz erster Klasse ausgezeichnet. 3 en im Oktober 1914 erhielt er das Kreuz zweiter Klasse. Trotz schwerer Verwundungen hielt er tagsüber als Richtkanonier an seinem Geschütz aus und beteiligte sich abends noch am Ein⸗ fangen darchgegangener Pferde. 150 liegt der Tapfere im Laza⸗ rett zu St. Quentin an einer Anzahl erwundungen darnieder: Kopf chuß, Schuß in der Herzgegend, Schuß in den rechten Ober⸗ schenkel, in die linte Halsseite und die linde Schulter. Hier im Lazarett wurde dem Helden das Eiserne Kreuz erster Klasse über⸗ reicht. Braunschweigs Vaterstadt— Lüdenscheid— sandte ihm ein 3 Weed. n om ester wald, 18. Aug. Jetzt ist auch auf den Höhen des Westerwaldes die Kornernte l N ist damit zufrieden. Der Körnerertrag kann als Mittelernte be⸗ i zeichnet werden, doch ist das Korn dick und hart, so daß es wenig eintrocknen wird.— Der Hafer, dessen Schnitt überall eifrig be- trieben wird, ist sehr kurz geblieben. Der Strohertrag wird knapp werden, Zur Abwehr der Futternot haben die Landwirte die Korn- äcker fast alle mit Stoppelrüben besät; dazu läßt die Forstverwaltung zur 92 Jutterreisig für den Winter schneiden. Aus dem Taunus, 17. August. Wenn die Obsternte vor der Tür steht, werden die obstgesegneten Taunuslande mehr denn je mit rucksackbewehrten„Ausflüglern“ beehrt. Viele Säcke sind leer, wenn die Inhaber morgens den Zügen entsteigen, dick und prall, oft unförmig geschwollen sind sie, wenn ihre Besitzer 1 abends den Bahnhöfen zustenern. Das veranlaßte Samstag abend die Cronberger Polizei am Bahnhof, einen„Ruckfackappell“ abzuhalten, der reichen Erfolg hatte. Denn nicht weniger als 30 Personen hatten ihre Rucksäcke mit O bst gefüllt, eine hatte nebenbei noch 12 Forellen gestohlen. Sämtliche„Touristen“ kamen zur Anzeige. fc. Wiesbaden, 17. Aug. Durch Vermittlung des Deutschen Genesungsheims für Angehörige der österreichisch⸗ungarischen und ottomanischen Armee und Ma⸗ rine, Sitz Wiesbaden, treffen in verschiedenen Badeorten zur Erholung von den Strapazen des Feldzuges Offiziere und Mannschaften ein. In Bad⸗Nauheim werden die ersten 14 Offiziere und 26 Mannschaften der uns verbündeten türki⸗ schen Armee erwartet. Derr — Gießener Strafkammer. g 5 th. Gießen, 18. August. Nach dreiwöchiger Pause verhandelte gestern die Strafkammer folgende Fälle: 5 ö Wegen Hehlerei und Diebstahls waren angeklagt die Ehefrau D. und der Metzgerlehrling H., beide aus Mücke. Erstere hatte aus den Vorratsräumen ihres Haus„eines Metzgermeisters, die Würste und andere Lebens⸗ mittel entwendet und erhielt dafür 3 Monate und 5 Tage 7— sowie drei Tage Haft. Der Strafantrag gegen den Lehrling, den die Frau zum Mundraub angestiftet hatte, wurde zurückgezogen. Ein Vergehen gegen g 380 Str... . unzüchtiger Bilder) trug dem Galanteriewarenhändler p. aus Bad⸗Nauheim eine Geldstrafe von 30 Mk., evtl. sechs Gefängnis ein. ö Wegen Verfütterns von Roggen 5 ar das Vieh hat das Schöffengericht Butzbach den Landwirt P. von Ziegenbach zu einer Geldstrafe von 100 Mk., hilfsweise u 20 onen Gefängnis verurteilt. Der 2 verfolgte Berufung gegen das Urteil. Es wurde in der Strafkammer⸗ verhandlung erwiesen, daß der Angeklagte Roggenmehl geschrotet und an weine verfüttert hat. Es mußte daher beim ersten Urteil sein Bewenden haben. Widerstand und Beleidigung gegen den 5 Gerichtsvollzieher. * Der Landwirt Konrad W. von Bindsachsen liebt es, den Ge⸗ richtsvollzieher, der ihn öfter im Auftrage als Schuldner be⸗ 3 muß, ganz ungemessen zu behandeln, wobei die Ehefrau ihren Mann kräftig assistiert. Der Beamte hatte eines Tages einen Haftbefehl zur Erzwingung einer Offenbarungseidleistung bei W. zu vollstrecken. Er wurde bei dieser Gelegenheit von * 1 em Angeklagten nicht nur unflätig beschimpft, sondern auch mit dem Kartoffelstampfer bedroht. Das Schöffengericht Büdingen hat den e wegen Beamtenbelefdigung und Widerstand gegen die atsgewalt mit 6 Wochen Gefängnis verurteilt. Die vom Angeklagten hiergegen eingelegte Berufung wurde von der Strafkammer kostenfällig verworfen(Forts. folgt.) N Vermischtes. Die billige Landsturqmfrau. Ein zu den Waffen gerufener Landstürmer, der in Eilenburg(Reg.-Bez. Mierseburg) einen Kramhandel betreibt, hat, wie das die Zeitverhältnisse so mit sich bringen, beim Ausrücken ins Feld die Fortführung des Ge- äftes seiner besseren Hälste übertragen. Und es muß gesagt werden, daß sich die Frau ihrer Aufgabe in wahrhaft origineller Weise entledigt. Zunächst hat sie sich in den Inseratenblättern der n Tageszeitungen dem Publikum kurzerhand als„Die andsturmfrau“ vorgestellt. Eine mit Biederkeit und starkem vaterländischem Gefühl ausgerüstete Natur, die ihre Zeit versteht, setzt die Frau offenbar ihre Ehre darein, einen wohltuenden Gegen⸗ atz zu den in unseren Tagen zu trauriger Berühmtheit gelangten Lebensmittelwucherern zu bilden, d. h., sie ist bestrebt, ihre Ware so wohlseil wie irgend möglich unter die Leute zu bringen. So ent die Wackere auf ihre Weise dem Vaterlande, und sie tut es sogar nicht ohne ein Körnchen Humor. Da liest man beispiels- weise die Anzeige: N 5 Bei der Landsturmfrau 5 kostet 1 Ztr. neue Kartoffeln nur Mk.. Deswegen aber keine Feindschaft! oder: Herunter mit R 3 ge Die Landsturmfrau Ja, ja! das gibts! Aus Anlaß der letzten großen Siege in Rußland erschien das folgende Inserat: Warschau und JIwangorod sind gefallen! Die Zigaretten der Landsturmfrau ebenfalls. Nur an Private, Händler ausgeschlossen. 5 Deswegen aber keinen Haß! Immer wieder, wenn die„Landsturmfrau“ ein neues billiges Angebot verkündet, findet sie am Schluß die Worte:„Deswegen aber keinen Haß!“ oder„Darum keine Feindschaft nicht“, als fühle sie das Bedürfnis, bei ihrer Konkurrenz um Vergebung zu bitten, weil sie dem Drange ihres patriotischen Gemites folgte und so billige Preise in die Welt setzte. Eine rührende Geschichte. schichte von dem glücklichen Schicksal eines französischen Kriegs- pferdes weiß die„Daily Mail“ zu erzählen: Ein Bürger aus Lille, der nach Paris geflüchtet war, ging mit seiner kleinen Tochter über einen Boulevard. Da begegnete ihnen ein Trupp im Felddienst untauglich gewordener Pierde, die zur Schlachtbank geführt wurden. „Sieh, Vater,“ rief das kleine Mädchen, auf eine graue Stute zeigend, »das ist unsere Blanchette!“ Beim Klan dieses Namens wandte das Pferd den Kopf nach dem kleinen Y ädchen, das es als seine einstige Herrin er annte. Der gerührte Liller Bürger kaufte das Pferd, das bei Kriegsausbruch aus seinem Stall eingezogen worden war, um 80 von dem Besitzer des Schlachthauses zurück. Vor der Schlachtung natürlich! Durch ein glückliches Schicksal gerettet — wie der„Daily Mail“-Berichterstatter sich ebenfalls gerührt aus⸗ drückt— vermag die graue Stute Blanchette nun ihr Alter in Frieden zu genießen... Humor der Zeit. Neutralitätswacht in Schweden. Da gehts nicht so stramm, nicht so„preußisch“ zu, wie wirs gewöhnt sind. Besonders hat Nr. 69 die höchst unkriegerische Angewohn— heit, die, morgens lange über die vorgeschriebene Zeit im Bette zu verbleiben. Der Feldwebel weckt ihn, als es wieder einmal recht spät geworden ist und fährt ihn ziemlich barsch an:„Will Nr. 69 heut nicht aufstehen?“ Verwirrt antwortet der Mann:„Jawohl, jetzt komme ich wie ein Schuß, Herr Feldwebel.“ Der Feldwebel geht, aber wer nicht kommt, ist Nr. 69.. Der Feldwebel sucht ihn also noch einmal auß:„Wollte Nr. 69 nicht wie ein Schuß kommen?“„Ja, Herr Feldwebel— aber der Schuß hat versagt.“ — Die Gemeinde hat einen neuen Pastor bekommen. Auf dem Wege von der Kirche wird natürlich über seine Persönlichkeit und seine Predigt ein lebhafter Meinungsaustausch gepflogen. Ein be- geisterter Anhänger des neuen Seelenhirten erklärt: 100 muß sagen, unser neuer Pastor taucht tiefer ins Wasser der Wahrheit als irgend einer, den ich predigen gehört habe.“„Ja“, setzt ein Zweiter hinzu,„und er bleibt auch länger unten.“„Ja, und kommt trocken herauf,“ schließt der Dritte.— Der Mann aus Nebraska erzählt:„Eines Tages war ich draußen in der Prärie, und wie ich etwa noch so an 50 Km. von Hause entsernt bin, merke ich, daß mir ein surchtbarer Wolkenbruch an— kommt, Darauf war ich nicht vorbereitet, also hieß es Fersengeld geben. Ich setzte meinem Pferde die Sporen an und begann in vollem Galopp mit dem Sturm um die Wette zu jagen. Richtig kam ich zu Hause an, ohne daß mich nur ein Tropfen naß gemacht hätte— aber mein Hund, der auf der Prärie zehn Meter Vor- sorung vor mir hatte, hat den ganzen Weg schwimmen müssen!“ — In„Gads Danske Magasin? veröffentlicht Dr. Arthur Christensen eine Reihe scharfgeschliffener Aphorismen von stark satirsscher Haltung, aus denen hier einige mitgeteilt seien: Die französischen Revolulsonsmänner haben die Menschheit gelehrt, was Freiheit ist; sie sehnjtten denen, die anderer Meinung waren als sie selbst, die Köpfe ab.— Chauvinismus nennen wir bei den anderen, was bei uns selbst Patriotismus heißt.— Aristokratisch nennt man eine Gesellschast, we ein kleinerer geschlossener Kreis die übrigen aus- beutet.— Demokratie ist die Gesellschaftssorm, in der jeder, der dazu die Fähigkeit und das hinlänglich geräumige Gewissen besitzt, an der Ausbeutung sich beteiligen kann. Kriegsehren im Altertum. Unsere Kenntnis vom Kriegswesen der Alten ist, mit Aus⸗ nahme der Griechen und Römer, ziemlich lückenhaft. Wir stützen unsere Kenntnisse oft nur auf Ausgrabungen. In der Hauptsache bestand wohl der Lohn der Tapferkeit in. rößerem Anteil an der Beute, und dies war die willkommenste suszeichnung. Der gemeine Soldat hatte nicht das Recht, auf eigene Faust Beute zu machen. Die gesamte Beute wurde nach der Schlacht zum Feldherrn gebracht, der sie nach Verdienst und Würdigkeit verteilte, nicht ohne sich selbst die besten Stücke gesichert zu haben. Aber selbst Feldherren, die glänzende Siege erfochten hatten, wurden nicht mit Ehrungen überhäuft. Die einzige An⸗ erkennung nach dem Siege bei Marathon für die 10 Feldherren war, daß man ein Gemälde von ihnen anfertigen ließ und öffent⸗ lich aufstellte. Als besondere Ehre wurde Miltiades, der Ober⸗ befehlshaber am Tage der Schlacht, stehend gemalt, während die anderen saßen. Pensionen und Renten an ausgediente und in⸗ valide Soldaten wurden bei den Griechen in reichem Maße gezahlt. Wesentlich anders war es in Rom. Orden in unserem Sinne gab es nicht, wenn man nicht Hinweise bei den Schriftstellern auf Brustschmuck, den der Heerführer als Auszeichnung verteilte, dafür in Anspruch nehmen will. Die Geschenke bestanden teils in Krän⸗ Eine„rührende“ Ge— zen und Kronen, teils in verschiedenen Arten von Waffen(ähnlich, unseren Ehrensäbeln), Schmuck und Ländereien. An Kronen unter⸗ schied man 7 Arten Die entsprechend benannten wurden für Er⸗ oberung eines Schiffes, einer Mauer, eines Lagers usw. verliehen. Die angesehendste war die Bürgerkrone für Errettung eines Bür⸗ ers aus Gefahr, und die Belagerungskrone, welche von einer be⸗ agerten Stadt oder einem eingeschlossenen Heere ihrem Befreier verliehen wurde. Die letzteren bestanden aus Eichenlaub bezw. Gras, besaßen also wie unser eisernes Kreuz nur einen ideelen Wert und wollten nur durch ihre Schlichtheit wirken. Unter den Geschenken behauptete der„Speer ohne Eisen“ den ersten Platz. Sonstige Auszeichnugen bestanden in den schon oben erwähnten Geschenken, Befreiung von gewissen Diensten und in Gastmählern. Dieselbe Auszeichnung konnte öfters verliehen werden. So besaß Siccius Deutatus unter anderem 18 Spieße, 25 Brustschilde, 83 Halsketten, 160 Armbänder und 26 Kronen. Nach einem entscheidenden Siege riefen die Soldaten den sieg⸗ reichen Feldherrn zum Imperator aus. Ihm konnte der Senat den Triumph, der in einem feierlichen Einzug in Rom bestand, gewähren. Weitere Ehrungen waren Dankfeste, Aufstellung von Trophäen. Denksäulen und Beutestücken. l Büchertisch. 1914— 1915. Ein Tagebuch über den Weltkrieg von Prof. Dr. Eduard Engel. Mit Urkunden, Bildnissen, Karten. Band III. Gebunden 5,50 Mk.(Verlag von George Westermann, Braunschweig, Berlin, Hamburg.) Von Professor Eduard Engels großem Geschichtswerk über den Weltkrieg:„1914—1915. Ein Tagebuch“(Verlag von George Westermann, Braunschweig) er⸗ scheint soeben der dritte Band:„Vom Beginn des Jahres 1915 bis zum Eintritt Italiens in den Krieg“(23. Mai 1915). Nach Inhalt und Form hält sich dieser dritte Band des größten und er— solgreichsten Buches über den Krieg auf der von Anfang an be— tretenen Höhe. Eduard Engel hatte sich vorgesetzt, die Herzens⸗ geschichte des deutschen Krieges zu schreiben, also das Erleben dieser ungeheuersten Umwälzung im Herzen des deutschen Volkes, und das ist ihm bewundernswert gelungen. Bilder- und Karten- Märkte. le. Frankfurt a. M. Schweinemarktberi cht vom 18. Aug. Aucgetrieben waren 703 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 135.00— 140.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00 175.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 120.00—185.,00 Mk., Schlachtgewicht 168.00 172.00 Mek. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 135.00— 140.00 Mk., Schlachtgewicht 170,00—175 Mk. volle 3 bis 150 kg Lebendgewicht 135.00— 140.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00 175.00 Mk. Geschäft rege. fe. Frankfurt a. M., 18. Aug. Fruchtmarkt. Bei ruhigem Handel, geringem Angebot und kleinem Umsatz notierte man aus- ländische Gerste 72 bis 72,50 Mk., Mais 62 63,00 Wk. Jutter⸗ mittel knapp und sest. Kleie 5252,50 Mk, Leinkuchen 6870 Mk. le. Frankfurt a. M., 18. Aug. Kartoffelmarkt. Hie⸗ sige Kartoffeln 11,50 bis 12,00 Ml., belgische 10,50 11,00 Mk. frei Frankfurt.. e. Frankfurt a. M., 17. Aug. Auf dem heutigen Heu- S arkt wa cht s hren. Ke Strohm r rantichts angefah— Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die Wetterlage hat sich seit gestern wenig geändert. Ueber Skandinavien und Jütland ist der Druck zwar etwas gefallen, doch werden wir morgen noch an der Grenze zwischen Hoch und Tief bleiben und mit Fortdauer der bestehenden Witterung zu rechnen haben. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 19. August 1915 Wolkig, trocken, keine Temperaturänderung, nordwestliche Winde. Letzte Nachrichten Kowno genommen! Großes Hauptquartier, 18. Aug.(WTB. Amt⸗ lich.) Die Festung Kowno mit allen Forts und un⸗ zähligem Material, darunter weit mehr als 400 Ge⸗ schütze, ist seit heute nacht in deutschem Besitz. Sie wurde trotz zähester Verteidigung mit stür mender Hand genommen. 5 Oberste Heeres leitung. *** Die Balkanwirren. 5 Sofia, 18. Aug. Aus Nisch wird gemeldet: Gestern trafen zahlreiche Deputierte aus der Provinz in Nisch ein. Der Minister⸗ präsident Pasitsch berief eine Versammlung der Parteigenossen, der er den Beschluß der Ententemächte vorlegte, Bulgarien für ein eventuelles Eingreisen in den Krieg territoriale Kompen⸗ sationen n gewähren. Die Ablehnung Griechenlands gegenüber einer Verständigung mit der Entente könne man nicht als endgültig ansehen, vielmehr werde die Entente nötigenfalls mit Gewalt Griechenland zu einer Entscheidung zwingen. Die Vorschläge vom 3. August hätten einen Charakter, daß eine weitere Verschleppung unmöglich sei, da namentlich die Entente zu verstehen gegeben habe, daß die für Bulgarien verlangten Gebietsabtretungen sofort ohne weitere Verzögerung erfolgen müßten. Jede Antwort, die nach einer weiteren Verschleppung aussehen würde, würde als Mißtrauen gegen⸗ über der Entente ausgelegt werden und in diesem Falle werde Serbien für die Zulunft auf seine eigene Kraft angewiesen sein. In hiesigen politischen Kreisen glaubt man, daß die serbische Antwort nicht so kategorisch sein werde, wie die Griechenlands. Man erwartet hier, sobald Serbien auf die Note geantwortet haben wird, eine neue Note des Vierverbandes. Allgemein herrscht die Ansicht vor, daß die Entente ihre Bemühungen, Bulgarien für sich zu gewinnen, in stärkstem Maße fortsetzen wird, womög⸗ lich durch größere Anstrengungen, um Konstantinopel zu nehmen, um so die großen Niederlagen des Vierverbandes in Frankreich und Polen auszugleichen.— Finanzminister Tontsche w erklärte, daß das frieoliche Verhältnis Bulgariens zu den Zentralmächten sich nicht im geringsten geändert habe und daß es auch durch die neue Note des Vierverbandes in keen Weise beeinflußt werde. Die Haltung Rumäniens. Köln, 18. Aug. Der„Köln. Ztg.“ zufolge melden Schweizer Blätter aus Bukarest: Die beiden offiziösen Organe Rumäniens,„Independance Roumaine“ und „Vitorul“, die in den letzten Tagen eine sehr bedenkliche Schwankung zum Vierverband hatten erkennen lassen, lassen nun wieder in der Beurteilung der Kriegslage im Osten eine andere Stimmung erkennen.„Vitorul“ sagt: Die Russen werden ihr zerschmettertes Heer nicht mehr zusammen⸗ halten können, auch glauben wir wohl selber nicht mehr daran, daß sie die Buglinie mit Brest— vermögen. 1 Deutsch⸗bulgarische Interessengemeinschaft. b Wien, 18. Aug. Der bulgarische Gesandte in Wien hat sich zu dem Korrespondenten des Budapester Blattes„Vilay“ geäußert, daß Bulgarien außer dem poli⸗ tischen auch ein wichtiges wirtschaftliches Interesse an Deutschland und Oesterreich⸗-Ungarn habe, nämlich die großen wirtschaftlichen Straßen der Zu⸗ kunft, die an der Nordsee beginnen und über Bulgarien nach Konstantinopel und dann auf der Bagdadbahn zum indischen Ozean führen. Bulgarien habe keine Lust, dieser Straße fern zu bleiben, die für die Staaten, die sie durch⸗ zieht, Reichtum, Kraft und Blüte bedeute. Aus Rußland. Kopenhagen, 18. Aug.„Rußkoje Slowo“ behauptet, daß Ministerpräsident Goremykin in den nächsten Tagen seinen Posten verlassen werde.— Die russischen Gesandten in Sofia und Athen sind aufgefordert worden, ihre Abschieds⸗ gesuche einzureichen. Eine Bitte an Salandra. Bern, 18. Aug. Laut„Corriere della Paglic“ richtete das bürgerliche Hilfskomitee von Bari an den Ministerpräsidenten Salandra folgendes Telegramm: Das bürgerliche Hilfskomitee von Bari hält es für seine Pflicht, Ew. Exzellenz auf die leb⸗ hafteste Erregung der Bürger aufmerksam zu machen, die dadurch entstanden ist, daß sie fortwährenden Angriffen von feindlichen Fliegern ausgesetzt ist, obgleich man ihr zugesichert hatte, daß eine Beschießung vom Meere aus sehr unwahrscheinlich sein würde. Das Ereignis von gestern hat die Bevölkerung, beson⸗ ders in der Altstadt, mit lebhafter Besorgnis erfüllt, da sie sich fortwährend ohne jedwede Verteidigung e Gefahren ausgesetzt sieht. Dieses Komitee ist nicht zuständig, Ew.. Exzellenz darauf aufmerksam zu machen, mit welchen Mitteln Küstenstädte zu verteidigen seien, richtet jedoch an Ew. Exzellenz die leb⸗ 5 hafte Bitte, wirksame Maßnahmen ergreifen zu lassen, um größeren Schädigungen vorzubeugen. Die Antwort der Vereinigten Staaten an Deutschland in Sachen„Frye“. Amsterdam, 18. Aug. Reuter meldet aus Washington: Die Antwort der Vereinigten Staaten an Deutschland wegen der Versenkung des Dampfers„William P. Frye“ wird heute amtlich veröffentlicht. In der Note wird das deutsche Angebot auf Schadenersatz angenommen, der Vorschlag, die strittige Aus⸗ legung des preußisch⸗amerikanischen Vertrages von 1828 einem Schiedsgericht zu unterbreiten, aber abgelehnt. Unzufriedenheit bei den Grubenarbeitern in Wales. Rotterdam, 18. Aug. Wie der„Nieuwe Rotter⸗ damsche Courant“ aus London erfährt, herrscht unter den Bergarbeitern in Südwales große Unzufrie⸗ denheit, die ihren Grund in der Tatsache hat, daß die Grubenbesitzer die letzthin mit den Bergarbeitern abgeschlosse⸗ nen Vereinbarungen nicht anerkennen wollen, weil diese da⸗ mals nur unter dem Druck der Regierung zustande gekom⸗ men seien. 5s5V—2 Das Beste chige Schweine von 1200 Odol zur Zahnpflege itowsk zu halten C und Tante sagen wir innigen Dank. Danksagung. Giessen(Marburger Strasse 36 J), 18. August 1915. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin Frau Franziska Wenzel, geb. Köster Die trauernden Hinterbliebenen: Bernhard Wenzel, 2. Zt. Hauptmann d. L. in Friedberg i. H. Dr. jur. Robert Wenzel, Rechtsanwalt in Langen 2. Zt. im Felde Lina Wenzel, geb. Flotho. Grossh. Finanzrat Danksagung. Für die vielen Beweise innigster Teilnahme bei dem uns betroffenen großen Verluste sage ich im Namen der Hinterbliebenen unseren erge⸗ bensten Dank. Lich, den 17. August 1915. 567 D Fritz Zimmer. 8 e Kartoffelberkauf aus den städtischen Beständen findet jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag, vormittags von 8—12 Uhr, Seltersweg 11, stat. Es werden Mengen bis zu 85 Pfund zum Preise von 6 Pfennig pro Pfund abgegeben. Gießen, den 18. August 1915. Der F Keller 6686 B LIchr-Spikl-Habs Bahnhofstrasse 34 0058 Ab heute 1 der Gebrüder Herrnfeld v. Herrnfeldtheater in Berlin Endlich allein Ein entzückendes Lustspiel in 4 Akten voll sprudelnden Humors Außerdem das übrige auserlesene Gala. Glanz. Programm Wieder verkäufern ene Feldpost Dosen Eierschachteln mit wasserdichtem Falz ⸗ in besonders guter trans ⸗ 8 Hachteln 1 1 Ausstattung, in allen Größen Schreibwaren J. 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Die Beerdigung findet Donnerstag nachmittag 8 Uhr in Wieseck statt. 6670 Leiden mein hiesiger Werkführer wissenhaften Mitarbeiter, stets in Ehren halten werde. Gestern verschied nach kurzem, schwerem Herr Heinrich Schreiner nach 26jähriger ununterbrochener Tätigkeit. Ich verliere in demselben einen treuen, ge- dessen Andenken ich Wilhelm Meyer, Zigarrenfabriken Wieseck bei Giessen. Aeparaluren an Schreibmaschinen aller Systeme führen in eigner Spezial- Werkstätte gewissenhaft aus Franz Togt& Co., Glessen Goethestr. 32. Fernruf 1054. Vergebung. Nachstehende Arbeiten für die Markgenossen⸗ schaft Bettenhausen sollen durch schriftl. Angebot in einzelnen Losen vergeben werden: Rodungsarbeiten(5 Lose) veranschl. zu 2 320 Mk. 200 Die Verdingungsunterlagen liegen auf Gr. Bürgermeisterei Bettenhausen zur Einsicht offen. Angebote, nur in Prozenten des Voranschlags, sind verschlossen und postfrei mit entsprechender Aufschrift versehen bei Gr. Bürgermeisterei Bettenhausen einzureichen, wo deren Eröffnung auf dem Rathaus Montag, den 23. August ds. J., vorm. 10 Uhr, stattfindet. Freie Auswahl ausdrücklich vorbehalten. 6655 C Cafè Amend Heute Mittwoch, 8 Uhr: Familien Konzert 5487 Deutscher Cognac sürschwasser und 1 feine o Spirituosen in Feldpost Packung vorrätig 15 den einschlagigen Geschäften. Landauer à Macholl, Heilbronn. Waldhotel Tannhäuser 21 an der Biedenkopf d Idyllisch geleg. Balkonzimm. Torellenf. Tel. 42. 129 Kartoffeln frisch eingetroffen u. 8 155 Zentner Mk. 5.8 15 Pfund„ ab 5 N. J. Dreifuß, Steinstr. 69. Telephon 753. Neue Kartoffeln weiße u gelbe, vorz. t. Kochen, Ztr. M k. 5 0 P̃ f. empfiehlt J. Weisel, Son⸗ nenstraße 6, Teleph. 16680 Garautiert reiner Bienenhonig von neuer Ernte 1⸗Pfd.⸗Glas M. 1.30-1.60. Reformhaus, Krenzplatzö. Reues Sauerkraut bei Emil Fischbach. 6529 Sees brima retroleum 80 N Leuchtkraft 8 so 15 6 W Liter 5 0 Pfg. Jakob Maternus. 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