188 Zweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Ureis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Feit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Donnerstag, 12. August 1915 Rotationsdruck und Verlag der Br ühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S251, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Ariegsbriefe aus dem Often. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Im deutschen Warschau. 5 9099 Warschau, 6. August⸗ 5 gleichen Maße, wie sich der starke Druck der Armee Gall⸗ witz auf die russische Narew⸗Stellung und schließlich auf die russische Ru linie von Warschau nach erbitterten Kämpfen bemerkbar machte, zog sich die russische Front im Westen von Warschau schritt⸗ weise zurück. Unter täglichen Gefechten und Schaxmützeln drangen Teile der 9. deutschen lemee nach, und nachdem die starke Blonie⸗ Linie nicht mehr ernstlich gehalten wurde, drangen in der Nacht zum 5. August die ersten deutschen Truppen in Warschau ein. Als ich heute von Sochaczew über Blonie die Einmarschstraße der deut⸗ schen Truppen nach Warschau hineinfuhr, glich die breite Reichs⸗ straße einem Heerweg, auf dem sich eine ganze Völkerschaft zu bewegen schien. Viele Hunderte von Wagen mit Bauern und Städtern, reich und arm, voll beladen, folgten sich in ununter⸗ brochenen Zügen. Es waren die vielen tausend Flüchtlinge, die aus allen Teilen des von uns besetzten Polens nach Warschau geflüchtet waren, und die nun ihre Heimatsorte wieder erreichen wollten. Bis Sochaczew waren schon die Warschauer Droschken mit Flüchtlingen gekommen. Die kleinen eleganten Wagen mit blau livrierten und numerierten Kutschern waren das erste Zeichen. der Großstadt Warschau. Dann tauchten die hohen Schornsteine der Ziegeleien und Fabriken auf, die ersten Kirchtürme stiegen schmal und steil am Horizont empor. Durch die schmutzige und ärmliche Vorstadt Przedmiescie⸗Wola rollte der Wagen nach dem Mittel⸗ punkt der Stadt, die beim ersten Anblick vom Kriege kaum berührt schien. Eine elegante und neugierige Großstadtbevölkerung drängte sich auf den Hauptstraßen, alle Läden waren geöffnet. Dieser erste Eindruck, daß alke Nachrichten über Warschauer Nöte und russische Zerstörungspläne stark übertrieben worden waren, verstärkte sich mir dann, als ich nachmittags auf der Terrasse des Europäischen 2 saß und das bunte Leben der Großstadt an mir vorbeizog. Tas elektrische Licht ist in Ordnung, die Wasserleitung arbeitet, die elektrische Bahn fährt, die Läden und Hotels haben alles zu verkaufen, was man für Geld verlangen kann. Anden Straßeneclen lleben große Anschläge, in denen General⸗ feldmarschall Prinz Leopold von Bayern die Bevölkerung zur Ruhe ermahnt und den friedlichen Bürgern deutschen Schutz verspricht. Gleichzeitig wird erklärt, daß der Armeeleitung Anschläge gegen das deutsche Heer, das Warschau besetzt hält, bekannt geworden. seien. Die Bevölkerung wird dringend ermahnt, solchen Anschlägen leinerlei Vorschub zu leisten. Die Warschauer Zeitungen, die in Extrablättern erscheinen, drucken die Aufrufe ab und richten im Arschluß die Mahnung an die Bürger, sich nach ihm zu richten. Allerlei nationalpolnische Wünsche scheinen emporzutauchen; die Bevölkerung gibt sich sichtlich alle Mühe, liebenswürdig zu erschei⸗ nen. Als Prinz Leppolds feste und ehrwürdige Soldatenerscheinung nachmittags vor einem größen Hotel zu sehen war, staute sich die Menge zu einem großen Ring, der den deutschen Oberbefehlshaber ehrfürchtig grüßte. f Während eine deutsche Kapelle vor dem Brühlschen Gasthof Märsche und Vaterlandslieder spielte, tauchte plötzlich ein russischer Flieger über der Stadt auf, und die deutschen Musiker fanden sich plötzlich allein, bis die Ballonabwehrkanonen den Schatten ver⸗ trieben hatten und die neugierige Masse wieder den deutschen Siegesliedern zuhörte. 0 In hartem Gegensatz zu den farbigen Bildern westländischen Großstadtlebens stehen die Straßen, die zur Weichsel führen. Eine knappe Viertelstunde von dem Brennpunkte des Warschauer Tagestreibens sausen die Gewehrkugeln über die Weichsel, denn das rechte Weichselufer, auf dem der Vorort Praga liegt, ist heute noch von den Russen besetzt. Die beiden Weichselbrücken find von den Russen gesprengt worden, allerdings scheint nur das Mäittelstück bei der Alexandrowskibrücke ernstlich von der 5 beschädigt worden zu sein. An den Weichsel⸗ ufern liegt sich die Infanterie gegenüber, und den ganzen Tag setzte das Schießen eigentlich nie recht aus. Das Summen der Gewehrkugeln über Brücken und Heerstraßen dicht neben dem leichtfertigsten Lebensgenuß macht einen Eindrück, den man nicht leicht vergißt. Am Abend, als sich bei elektrischer Bogenbeleuch⸗ tung Warschau immer noch nicht zur Ruhe begab, fing das Feuern stärker an, und eben gegen Mitternacht höre ich an meinem Fenster im Hotel Brühl das Auf⸗ und Abschallen des Feuer⸗ lärms an der Weichsel, und zuweilen sausen zu hoch gehende Geschosse über den großen, dunklen Garten, der nach dem Fluß liegt. Es sind Schüsse, die nichts mehr entscheiden. Warschau, die heißumworbene Hauptstadt des westlichen Rußland, ist fest in unserer Hand. Alles weitere ist noch nicht zu übersehen. Als eine Landsturmkompagnie einzog, sang sie:„Nun danket alle Gott“, und viele tausend deutsche Soldaten, die die Türme Warschaus auftauchen sahen, werden in heißem Herzen das alte Lied von Leuthen miterlebt haben. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. (Ueber Tilsit verspätet eingetroffen.) Aus Stadt und Land. Gießen, 12. August 1915. Der Gießener Tierschutzverein übersendet uns folgenden Jahresbericht für 1914: Im verflossenen Vereinsjahre wurden am 30. März, 18. Juni und 7. Dez, 1914 und am 2. Juni 1915 Vorstandssitzungen abgehalten.— Dem Vorsitzenden, Herrn Hauptlehrer Knauß, war es leider nicht mög⸗ lich, an der Vorstandssitzung des Hauptvereins für Hessen teil⸗ zunehmen. Die 39. Hauptversammlung des Tierschutzvereins für das Großherzogtum Hessen tagte am 27. Juni zu Alzey. Sie zu besuchen, konnte sich niemand vom Vorstande entschließen, weil die Reise dahin zeitraubend und kostspielig ist.— Im Laufe des Jahres schieden 33 Mitglieder durch den Tod, durch Wegzug, insolge des Krieges oder aus unbekannten Gründen aus dem Verein aus, dagegen traten 2 Personen ein, so daß er zurzeit nur noch 533 Mitglieder zählt.— Nach dem Paragraphen 4 der Ergänzungsbestimmungen zu den Satzungen des Hauptvereins scheiden jedes Jahr die zugewählten und ein Drittel der in der Hauptversammlung gewählten Mitglieder des Vorstandes aus. Da die Ausscheidenden am 20. März wiedergewählt wurden, so traten nur insofern Veränderungen im Vorstande ein, als Ersatz für die Herren Oberbürgermeister i. R. Mecum sowie Gewerbebank⸗ direktor Loos gefunden werden mußte. Für jenen wurde Ober⸗ bürgermeister Keller, für diesen Brauereibesitzer Bichler ge⸗ wählt.— Zu den Aufgaben des Tierschutzes zählt fraglos die Belehrung durch Wort und Schrift. Um dieser Forderung gerecht zu werden, wurden in den Vorstandssitzungen Flugblätter, Zeit⸗ schriften und Jahresberichte mit der Bitte verteilt, sie zu lesen und Wichtiges zu berichten. Diesem Wunsche entsprach Herr Schlachthofdirektor Modde insofern, als er über die besten und daher gebräuchlichsten Arten der Tötung von größeren Haustieren einen ausführlichen Vortrag hielt.— Pastor R. von Jhering richtete an den Verein das Ersuchen, dem Verein zur Förderung humanen Schlachtens in Leipzig beizutreten. Der Vorstand be⸗ schloß, zur besseren Belehrung über die Ziele dieses Vereins, die Schriften des Sanitätsrats Dr. Rahmdor zu lesen, worauf R. von Ihering Antwort werden soll.— Zum Besten des Verein für Sanitätshunde bewilligte man 50 Mark, die Rechtsanwalt Homberger dahier überwiesen wurden.— Am 29. Juni d. J. sollte zu Genf unter dem Namen Roter Stern ein Verein zum Schutzekranker Pferde gegründet werden. Als Beitrag wurden 2 Prozent des Jahresbeitrags der Mitglieder gefordert. Auf Antrag des Vorsitzenden Knauß beschloß der Vorstand den Beitritt.— Dem Gesuche um Aufnahme in den Verband der Tierschutzvereine des Deutschen Reiches wurde auf dem Verbands⸗ tage zu Stuttgart entsprochen. Bald nach dem Ausbruche des Krieges überreichte der Vor⸗ sitzende dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen namens des Vereins 500 Mark für die Kriegsfürsorge; am 7. Dezember be⸗ willigte der Vorstand die zweite Gabe von 500 Mark, die an den Oberbürgermeister zur Linderung der Kriegsnot überwiesen wurde; ferner wurde am 2. Juni der Antrag der Herren Krug und Wolff, sofort für wohltätige Zwecke auf dem Gebiete der Kriegs⸗ fürsorge 500 Mark hereitgufellen über deren Verwendung später bestimmt werden soll, einstimmig zum Beschluß erhoben. Alle bewilligten Unterstützungen wurden von der Generalversammlung einstimmig N— Die Beurteilung der Tierschutzkalender hatte Herr Lehrer Fritzel übernommen. Da er indes nicht zur Sitzung kommen konnte, so erstattete Herr Lehrer H. Müller den Bericht. Obschon sein Urteil günstig lautete, so glaubte der Vorstand dennoch von der Verteilung der Tierschutzkalender dies⸗ mal absehen zu müssen, weil die hohen Spenden für die Kriegs⸗ fürsorge ihm anderweit die Pflicht weiser Sparsamkeit auferlege. Aus dem Grunde sei er auch genötigt, keinerlei Prämien, weder an Gendarmen, Schutzleute und Flurschützen, noch an die Schlacht⸗ hofs⸗ und Friedhofswärter zu verleihen, obschon sie den Tierschutz nicht minder treu ausgeübt haben. In der Hauptversammlung vom 30. März wurde über die Er⸗ richtung einer Fahrschule zu Gießen beraten. Der Vor⸗ sitzende schlug Kurse vor, die bei 2 Wochenstunden 2 Monate dauern sollen. Da nun von den Teilnehmern kein Schulgeld erhoben wird, so werden die Kosten etwa 120 Mk. betragen, falls die Interessenten Wagen und Pferde für den praktischen Unterricht kostenlos stellen. Die Kosten sollen die Innungen, die Fuh Herks⸗ besitzer und die Stadt tragen; Beihilfe ist erwünscht von der Pferdemarktkommission, dem Automobilklub und dem Ruderverein. Nach längerer Besprechung beschloß die Versammlung ein Rund⸗ schreiben an alle Interessenten mit dem Ersuchen, einen Beitrag zu zeichnen. Ist die Deckung für die Ausgaben gesichert, so soll eine allgemeine Versammlung anberaumt werden. 1 An den Hauptverein wurde die Frage gerichtet, was seit dem Vogelschutzgesetz vom 30. Mai 1908 in Hessen für den Vogel⸗ schutz geschehen sei. Dank des milden Winters verursachte, die Vogelfütterung nur eine geringfügige Ausgabe.— Die Bezirks⸗ sparkasse Gießen bewilligte 100 Mark aus dem Reingewinn des Geschäftsjahres 1913.— Dem Rechner wird forthin 1 Prozent des Jahresumsatzes zur Deckung seiner Auslagen gewährt. m 2. Juni legte der Rechner Wolff die Rechnung vor. Sie schloß in Einnahme mit 2714,73 Mark, in Ausgabe mit 2705,70 Mark ab. Zurzeit beträgt der Vermögensbestand 2081/24 Mark. Die Rechnung wurde von den Herren Fritzel und Krug geprüft und richtig befunden, worauf der Vorsitzende dem Rechner namens der Haupt versammlung dankend Entlastung erteilte. 1 Zum Schlusse sei noch eins nachdrücklich gesagt: groß ist die Zeit, und sie mitzuleben ist ein Glück; aber schwer ist guch, un⸗ ermeßlich schwer durch die ungeheuren Opfer an Gut, Blut und Leben. Unerbittlich greift sie in alle Lebensverhältnisse, llein wie groß, ein. Auch unsere Bestrebungen hat sie stark beeinflußt. Von dem Gedanken:„Erst hilf dem Menschen, alsdann stehe dem Tiere bei“, wurden unsere Beschlüsse getragen; daher unsere namhaften Gaben für die Kriegsfürsorge in unserer Stadt, Indes vergaßen wir auch der treuesten Kameraden unserer Helden im Felde nicht, des Sanitätshundes und des Pferdes, die Not und Tod in Treue mit ihnen teilen. * Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Landwehrmann Otto Jung, Inf.-Rgt. 149, aus Cleeberg.— Landsturmmann Rudolf Lenk, Inf.-Rgt. 168, aus Weilburg.— Jäger Johann Pfuhl, Jägerbat. 11, aus Oberwalgern.— Lt. Karl Strecker, Drag.⸗Rgt. 23, aus Mainz.— Musketier Aug. Reutzel aus Rinderbügen.— Kriegsfreiw. Vaul Röhrig, Inf.-⸗Rgt. 258, aus Wetzlar.— Musk. Heinr. Gräf aus Laubach, — Geir. Lehrer Karl Christ, 3. Ers.⸗Rat. Königsbero, aus Niederhörlen.— Gefr. Ludwig Sondermann, Garde-Gren. Rgt. Elisabeth, aus Alsfeld.— Kriegsfreiw. Johs. Steinbach, Res.⸗ Inji.-Agt. 252, aus Zell bei Alsfeld.— Musk. Ludwig Bill, Res⸗Ini.-Rat. 266, aus Naunheim.— Gefr. Karl Heinr. Fink, Res.-Inf.-Agt. 46, aus Aßlar.— Unteroff. Jak. Kaps, 2. Land⸗ wehr-Pionier-Komp., aus Aßlar.— Landsturmmann Wilh. Fich, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 11“, aus Ober⸗Mockstadt. Gardist Heinrich Winnecker. Res.⸗Juf.-Rat. 253, aus Volkartshain.— Musk. Heinr. Linker I, Res.⸗-Juf.-Rgt. 224, aus Breungeshain.— Landsturmmann Alex. Müller, Inf.-Rgt. 141, aus Alsteld.— Greugadier Heinr. Schar eh, Garde-Gren.-Rgt. 5, aus Vadenrod. — Offiz Stellv. Valentin Bormuth, Inf.-Rgt. 80, aus Forst⸗ haus Winterstein.— Landsturmmann Heinrich Klee, Res.⸗Inf.⸗ Rgt. 118, aus Rödgen bei Pbil ipps aus Biedenkopf. 5 5 *Diebstähle. In der Nacht zum 11. August wurden aus einem außerhalb 25 Stadt gelegenen Gebäude mittelst Einbruchs ein Gewehr, M. 98, im Werte von 100 Mark; dessen Lauf für Bleigeschosse hergerichtet ist, mit der Fabrik⸗ nummer 88 261 und auf dessen Hülsenkopf„Waffenfabrik Mauser A.⸗G., Oberndorf a. N. 1908“ steht, mit Patronen und eine Diopter⸗Blendscheibe entwendet. 9 Ferner wurden aus einem Garten an der Lahnstraße acht junge, /½ Jahre alte bunte Hühner gestohlen. Sach⸗ dienliche Mitteilungen bezügl. der Täterschaft nimmt die Kriminalpolizei entgegen. 8 * Wem gehört das Fahrrad? In der hiesigen Zeughauskaserne wurde im Monat September 1914 ein Fahrrad Marke„Opel“ mit der Fabriknummer 15 338 aufgefunden, das schon seit Wochen herrenlos dort ge⸗ standen hat und offenbar von einem Diebstahl herrührt, da die Fabriknummer bis zur Unkenntlichkeit verbeult ist. Der Eigentümer kann sich bei der Kriminalpolizei melden. Landkreis Gießen. OBirklar, 11. Aug. Gefreiter Heinrich Schneider von Friedberg.— Leutn. der Res. Theodon 1 125 1 eine Pistole hier beim Infanterie-Regiment 116(Kaiser Wilhelm), 3. Komp., 9 wurde am 1. August zum Unteroffizier befördert und ihm hierbei das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. A Stockhausen, 11. Aug. In dem hiesigen Braun⸗ eisenstein- Bergwerk sind gegenwärtig 25 russische Gee fangene, die vorher längere Zeit in Ilsdorf in Arbeit standen, U beschästigt. Kreis Büdingen. § Büdingen, 11. Aug. Türk erhielt das Eiserne Kreuz. Dasselbe Ehrenzeichen wurde i Kunst und Wissenschaft. Johanna Kinkel. Die 100. Wiederkehr von Gottfried Kinkels Geburtstag(11. August) erweckt auch die Erinnerung an jene geistvolle und charakterfeste Frau, mit der den Dichter ein fast 1 Lebensbund vereinte und die durch ihr be⸗ deutendes Wesen vom größten Einfluß auf seine Entwicklung wurde. Kinkel lernte sie im Jahre 1839 kennen. Johanna Mockel, die Tochter eines Bonner Gymnasiallehrers, hatte damals die Fesseln einer unglücklichen halbjährigen Ehe mit dem Kölner Musikalienhändler Matthieux gerade abgestreift. Es entwickelte sich zwischen den beiden Menschen, die um ihre geistige Befreiung E. en und die gleicherweise die Liebe zur Kunst einte, ein starkes Freundschaftsband. Im Salon der Bettina von Arnim in Berlin hatte Johanna ein tiefes Interesse für die Poesie ge⸗ wonnen, daß sie nun betätigte, als sie in Bonn den poetischen „Maikäferbund“ gründete, dem neben Kinkel Freiligrath, Simrock, Alex. Kaufmann u. a. angehörten. Nachdem Kinkel Johanna bei einem Kahnunglück auf dem Rhein das Leben gerettet, wurde das Verhältnis der beiden inniger, und als Johanna, um die Ehe zu ermöglichen, zum Protestantismus übertrat, wurde am 22. Juli 1843 der Lebensbund geschlossen. Strodtmann gibt in seiner gesehen:„Ihre Züge fesselten nicht durch Schönheit, aber aus 5 eistreichen, tief eindringenden blauen Auge, dessen Blick schwer zu ertragen, strahlte ein hoher und mächtiger Geist,“ und der i r rühmt vor allem ihre Unerschrockenheit und die männliche Festigkeit des Charakters. Charakterstärke bedurfte ohanna vor allem, als ihr Gatte sich an dem revolutionären reiben beteiligte, und sie zeigte sie im schönsten Maße sowohl während Kinkels Gefangenschaft wie später im Exil. Kurz vor ihrem Tode hat Johanna einen Roman geschrieben, der diese Periode ihres Lebens darstellt:„Hans Ibeles in London“, der nach heute wert gelesen zu werden ist, sowohl um der sympathischen Gestalt der Schreiberin wie um seiner tatsächlichen Schilderungen willen. Der lintertitel des Werkes lautet:„Ein Familienbild aus dem Flüchtlingsleben.“ Unter einem leichten Phantasie⸗ berwurf spürt man das durchaus Biographische und Historische leicht heraus. Den Inhalt des Romans bildet der Kampf einer Flüchtling ilie der Jahres 1848 um die Neuerrichtung ihrer stenz. ertvoll sind die Darstellungen des englischen Lebens m sener starren formelhaften Eigenart, wie sie dem Wesen 1 0 Kinkels ein Bild von Johanna, wie er sie in Berlin n. 9 der Deutschen entgegentritt. Geschichtlich bedeutsam aber ist die Schilderung der revolutionären Kreise, in denen sich die„Genossen des großen Schiffbruchs“, die nach dem Scheitern ihres Zukunfts⸗ schiffleins an Englands Küste angetrieben, zusammenfinden und die aus der Revolution ein Schwatz machen.„Es war dahin gekommen, daß die meisten Flüchtlinge den Namen„Revolutionär“ als den Titel eines ausschließlichen Amtes ansahen und jeder Nichtrevolutionär ihnen als ein müßiger Mensch galt. Es war nicht mehr die Rede davon, irgendeine positive Arbeit zu tun, denn nur die negativen Pläne galten für Tätigkeit.“ Johanna Kinkel vertrug das Londoner Klima nicht. Sie litt viel an Herzbeklemmungen. Am 15. November 18658 stürzte sie bei einem solchen Anfalle aus dem Fenster. Malwida von Meysenburg schildert in den„Memoiren einer Dealistin“ ihr Ende und auch das Begräbnis auf dem neuen Friedhof der Nekropolis, wo Freiligrath über dem Grabe die schönen Verse sprach: „Zur Winterszeit in Engelland, Versprengte Männer, haben Wir schweigend in den fremden Sand Die deutsche Frau begraben. Der Rauhfrost hing am Heidekraut, Doch sonnig lag die Stätte, Und sanften Zugs hat ihr geblaut Der Surrey-Hügel Kette.“ — Die empfindlichste Wage. Für genaue Messungen bedürfen die modernen Naturwissenschaften, vor allem die Chemie, außerordentlich feiner und empfindlicher Wägevorrichtungen. Schon die gewöhnlichen Laboratoriumswagen zeigen Gewichtsunterschiede von ½¼0 Milligramm, allerdings nicht mehr ganz genau, an. Viel empfindlichere Wägevorrichtungen aber sind notwendig bei den mikrochemischen Untersuchungen, bei denen es sich um ganz mini⸗ male Stoffmengen handelt. Für diese Zwecke sind seit einer Reihe von Jahren sog.„Mikrowagen“ konstruiert worden, die auf Bruch⸗ teile eines Gewichtsunterschiedes von ¼0 Milligramm reagieren. Natürlich sehen derartige Mikrowagen nur wenig den gewöhnlichen Wagen, bei denen mehrere Gramm Gewichtsunterschied nichts aus⸗ machen, ähnlich. Sie besitzen weder Wiegeschalen noch auch Ge⸗ wichte, da man derartig leichte Gewichtsmaße nicht mehr mit Präzi⸗ sion herstellen kann. Man kann auch mit solchen Wagen nicht beliebige Gewichtslasten wägen, sondern auch die gesamte abzuwre⸗ gende Substanz darf nur Bruchteile eines Milligramms betragen. Eine solche Mikrowage, die vor einigen Jahren wegen ihrer 15 1 1 t genialen Konstruktion großes Aufsehen erregt hat, war die Mikro⸗ wage von Prof. Nernst, dem berühmten Berliner physikalischen Chemiker. Neuerdings ist aber, wie wir dem„Prometheus“ ent⸗ nehmen, eine noch empfindlichere Wage von Riesenfeld und Möller gebaut worden. Die Empfindlichkeit dieser Wage ist bis auf die unfaßbar klingende Differenz 0 von 3,3 105 33 millionstel Kilogramm ist keine Schalenwage, sondern eine Torsionswage. Zwischen den Enden einer Messinggabel von 9 Zentimeter Spannweite ist ein Quarzfaden von 0,0125 Dicke mit sprödem, braunem Siegellack⸗ litt e Senkrecht zum Quarzfaden ist an ihm der Wage⸗ balken starr befestigt. Beim Belasten dieses starr befesligten Balkens wird dieser gedreht,„tortiert“; aus sich das Gewicht der zu wiegenden Masse berechnen. Der Wage⸗ balken besteht aus einer Glaskapillare von 13 Zentimeter Länge und 78 Milligramm Gewicht. Er ist unsymmetrisch am Quarz⸗ faden aufgehängt. Der längere Arm trägt am schälchen. Beim Wägen wird die zu wiegende Substanz auf das abgenommene Schälchen gebracht, und zwar vermittelst mit Platin⸗ ösen versehenen Glasstäbchen, und dann jenes angehängt. Die Schwingungen der Wage sind sehr gedämpft, so daß man ablesen kann, wenn die Wage zur Ruhe gekommen ist, was etwa drei Minuten dauert. Solch eine Wage verlangt natürlich einen völlig isolierten Aufenthaltsort, um nicht durch Luftstöße erschüttert zu werden. Man stellt sie in einen abgelegenen Keller, dessen Wände hermetisch abgedichtet sind. Das Standbrett besteht aus Schiefer und ist 1 80 87875 1 h —„Sauber“ und„säubern“.(Zur Geschichte eines Kriegswortes). Viele Wörter unserer Sprache weisen,— 5 neben ihrer eigentlichen Bedeutung eine übertragene Bedeutung auf. Wendet man dasselbe Wort in einem Satzgefüge zweimal, zuerst in der übertragenen und dann in der eigentlichen Bedeutung an, so kommt gewöhnlich ein hübscher Witz zustande. Wenn wir beispielsweise sagen:„Nachdem unsere tapferen T preußen von den Russen gesäubert hatten, mußlen sie die Provinz noch wirklich säubern,“ so ist das ein ganz annehmbarer Witz. Der * 8 stellt 5 3 übertragenen Bed er in dem jetzigen gewaltigen Völkerringen am häufigft brauchten Kriegsworte dar. Wie oft kann man 8* berichten lesen, daß es unserer Artillerie, lungen sei, die feindlichen Stellungen zu säubern. Immer schimmert Der Gefreite der Reserve Otto 1 abgestuft worden. Die Höch 5 belastung darf nicht mehr als 5 Milligramm betragen. Diese Wage 1 seiner Lageveränderung läßt Ende das Wäge⸗ ppen Ost⸗ eutung eines 8 den Krie 2 der Infanterie usw. 5 8 . 5 8 22 Altenburg zum Vorschein 5 an hat 8.50 bis 100 ke deutung„nüchtern, mäßig“. Das Wort historiker Wirklicher Geheimer dem Leutnant und Kompagniesührer Schwarz und dem Kanonier Karl Ruhl im Feld-Art.⸗Regiment 25 verliehen. Kreis Schotten. A Laubach, 11. Aug. In dem Kampse fürs Vaterland sind wieder zwei Opser aus unserer Stadt gefordert worden. Es sind dies die beiden Musketiere Heinrich Gräf und Max Juda. Im ganzen hat der Krieg hier bis jetzt 16 Opser gefordert.— Vor- gestern sind zehn französische Gefangene hier auge⸗ kommen und bei verschiedenen Landwirten als Arbeiter eingestellt worden. Von drei aus Eichelsachsen entwichenen gesangenen Franzosen ist bereits einer auf dem Jägerhaus ergriffen worden. Ulrichstein, 11. Aug. Wenn der Wind durch die Stoppeln geht, dann röten sich die Ebereschen oder Vogel beere n Bisher kannte man für die Frucht dieser Straßenbäume wenig Verwertung. Sie dienten den Vögeln im Herbste, besonders den Misteldrosseln, als sehr begehrtes Futter. Versuche, die man mit den Vogelbeeren zur Geleebereltung gemacht, mißlangen wegen des herben Geschmackes dee Früchte. Der Krieg, der so vielsach neue Verwertungsquellen erschließt, hat auch für die Früchte der Eber eschen Verwendung geschaffen. Sie werden zur Essi abere it ung verbraucht. Der Essig ist ja so sehr im Preise gestiegen, daß in den Vogelbeeren eine billige Herstellungsquelle sich bietet. Die hie ⸗ sige Straßenverwaltung läßt die Vogelbeeren pflücken und sie gehen über Mücke nach den Rheinlanden. Hessen⸗Nassau. h. Frankfurt a. M., 11. Aug. Unter Führung des Direk⸗ tors Schumacher vom„Verband deutscher Verkehrsvereine“ trafen gestern abend 21 Vertreter von Zeitungen neutraler Länder Nord⸗Amerila, Schweden, Norwegen, Schweiz, Holland, Spanien, Bulgarien, Dänemark, Brasilien usw.) bier zur Besich⸗ tigung Frankfurts und seiner hervorragendsten Anstalten und Sehenswürdigkeiten ein. Im Laufe des heutigen Tages besuchte die Gesellschaft, unter der sich auch eine Dame befand, eine Anzahl Lazarette und Genesungsheime. Die mustergültigen Einrichtungen dieser Anstalten machten auf die Gäste einen tiefen Eindruck, der sich noch verstärkte, als sie aus dem Munde aller hier untergebrachten verwundeten Kriegsgefangenen nur eine Stimme des Lobes über ihre hervorragende Behandlung durch die Deutschen hörten. Erstaunen rang den Fremden auch das ruhig dahinflutende Straßen- und Verkehrsleben ab.„Nirgends eine Spur von Nervosität, wie sie der Krieg uns in den Ländern der Gegner zeigte,“ so hörte man die Leute wiederholt urteilen. Nach den Besichtigungen bot die Stadt den Gästen in der„Ge⸗ schlechterstube“ des Römer einen Imbiß. Heute abend fand im Palmengarten ein zwangloses Beisammensein statt, an dem zahl⸗ reiche Vertreter der Frankfurter Handelswelt, der wissenschaftlichen und Künstlerkreise und der hiesigen Presse teilnahmen. 1 X Fritzlar, 10. Aug. In der Lösung der Frage, wo Mattium, der von Germanicus im Jahre 15 n. Chr. zer⸗ störte Hauptort der Chatten, gelegen hat, wird man, so teilt der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde mit, einen Schritt vorwärts kommen, wenn deutliche Spuren durch Feuer zerstörter umfangreicher und zusammenhängender Siede⸗ lungen jener Zeit in den Gemarkungen derjenigen Ortschaften sich feststellen lassen, die hier nach alter Ueberlieferung in Frage kommen, in Metze und in Maden(Kurhessen), Kreis Fritzlar. In der Absicht, alle Kräfte für solche Feststellungen nutzbar zu machen, hat der Vorsitzende des Vereins für hefsische Geschichte und Landeskunde, Generalmajor z. D. Eisentraut, im Fahre 1914 versucht, zunächst die Besitzer in Metze und in Kirchberg, dessen Gemarkung nahe an das Dorf Metze herangeht, durch Vorträge über die geschichtliche Bedeutung ihrer ar⸗ kung aufzuklären, und dabei durch Vorzeigen von Scherben vor⸗ geschichtlicher Tongefäße, von steinernen, bronzenen und eisernen Geräten und Waffen, von fahlspuren in der Erde usw., die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf das Vorkommen solcher Alter⸗ tümer in den Feldern, Wiesen und Gäxten ährer Ortschaften zu Jenken. Bei dieser Gelegenheit wurde bereits festgestellt, daß in den Gärten des Dorfes Metze schon oft vorgeschichtliche Scherben, ähnlich denen, die bei den Ausgrabungen der nahe gelegenen kamen, gefunden sind. Auch hat Lehrer Heynmöller in Gleichen bereits in der Gemarkung Kirch⸗ berg im Wiesengrunde der Maßoff ähnliche Scherben gefunden. h. Limburg, 11. August. Mit Wirkung vom 16. August g der Kreisausschuß für den Kreis Limburg den Preis für Roggenmehl auf 35 Mk und für Weizenkriegsmehl auf 40 Mark pro Doppelzentner herabgesetzt. Vom 19. August wird der Höchstpreis für das große Roggenbrot auf 67 Pfennig und für das kleine Roggenbrot auf 50 Pfg. festgesetzt. Das Weizenauszugsmehl darf nur noch zum Höchstpreise von 27 Pfg. das Pfund durch die Kleinhändler gegen Brotkarten ver⸗ kauft werden. 7 1 5 ire se. Rraulfurt a. M. Schweinemarkt bericht vom 11. Aug. Ausgetrieben waren 697 Schweine. Vollfleischige Schweine von Lebendgewicht 135.00— 140.00 Mk., Schlachtgewicht 2. een aber dabei doch die eigentliche Bedeutung des Wortes„sauber“ durch. Es kommt selbstverständlich im Stellungskriege im Westen auch vor, daß unsere Truppen einmal eine Stellung vorübergehend aufgeben müssen. Es würde aber dann unserm Sprachgefühl und unserem Empfinden widersprechen, wenn jemand bei uns sagen. oder schreiben wollte, daß die Franzosen oder Engländer eine von uns früher besetzt gehaltene Stellung gesäubert hätten. Der Ausdruck„sauber“, von dem das Tätigkeitswort und jetzige Kriegs⸗ wort„säubern“ abgeleitet ist, stellt eins der merkwürdigsten Worte dar, die wir in unserer Sprache besitzen. Es ist bei uns so gut ein⸗ gebürgert, daß man seinen fremden Ursprung nicht ohne weiteres erkennen kann. Das Wort leitet nämlich, so schreibt uns ein Mit⸗ arbeiter, seinen Ursprung von dem lateinischen sobrius(nicht be⸗ trunken, nüchtern) her, das den Gegensatz zu ebrius(betrunken) bildet. Dem Reinlichkeitssinn der Deutschen stellt jedenfalls die Tatsache das beste Zeugnis aus, daß ein lateinischer Ausdruck für „micht betrunken“ in ihrer Sprache die Hauptbedeutung im Sinne von„reinlich“ annehmen konnte. In Süddeutschland stellt das Wort zauber“, neben dem dort der Ausdruck„rein“ fast ganz ver⸗ schwindel, sogar eine Lieblingsbezeichnung für ein junges Mäd⸗ chen im Sinne von„hübsch“ dar. In manchen Fremdwörterbüchern und anderen Nachschlagewerken findet man noch bei dem Worte „Soubrette“ die Bemerkung verzeichnet; daß dieses Wort von dem lateinischen sobrius(nicht betrunken) abzuleiten sei und so viel wie hübsch(wie in Süddeutschland) bedeute. Eine solche Erklärung ist aber vom Standpunkte der ernsthaften Sprachforschung aus, d. h. einer solchen, die mit der Wortforschung auch die Sprach⸗ forschung verknüpft, nicht aufrecht zu erhalten. In keiner der romanischen Sprachen hat das lateinische Wort sobrius sich im Sinne des deutschen„sauber“ entwickelt, das zeigen die Worte sobrio im Spanischen und Italienischen, sobre im Französischen und sober im Englischen(das je zur Hälfte als romanische Sprache anzusehen ist). Keines dieser Worte entfernt sich von der Be⸗ „ 6„Soubrette“ leitet viel⸗ mehr seinen Ursprung von dem lateinischen Worte sobrina(conso⸗ brina)— Verwandte, Nichte ab; die Soubrette ist von Hause aus die neckische Nichte des alten romanischen Lustspiels. Die Be⸗ deutungsentwicklung des lateinischen Wortes sobrius(nicht be⸗ trunken zu einem Ausdruck der Reinheit und Reinlichkeit beschränkt 0 sich einzig und allein auf die deutsche Sprache. 0 Kissingen, 11. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Rechts⸗ ker imer Rat Professor Heinrich Brun⸗ ner ist im Alter von 75 Jahren hier gestorben.— In einem Nachruf für Prof. Heinrich Brunner sagt die„Vossische. Auch auf politischem Gebiet ist der berühmte Rechtslehrer wiederholt r Zeit des Frankfurter Fürstentages, hervorgetreten, so schon zur 5 wo er in Wort und Schrift für einen festeren Zusammenschluß des außerösterreichischen Deutschland unter preußischer Führung eintrat. Noch oftmals hat er seitdem seine Wissenschaft und das Gewicht seines Wortes in den Dienst nationaler Gedanken gestellt. Dem ruhmwürdigen Gelehrten, dem redegewandten alademischen Lehrer, dem charaktervollen kerndeutschen Manne bleibt ein un⸗ vergängliches Gedächtnis in der Geschichte der deutschen Rechts⸗ wissenschaft gesichert. Zu Anfang voriger Woche suchte ir die seissinger Heilquellen auf, wo er nach nur zweitägigem Kranken⸗ ziemlich unerwartet verstorben ist. * 11 168.00— 175.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 130.00 135.00 Mk., Schlachtgewicht 165.00— 170.00 Mk. vollfleischige Schweine von 100—120 Lebendgewicht 135.00— 140.00 Mk., Schlachtgewicht 170.00—175 Mk. vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 135.00 140.00 Mt., Schlachtgewicht 170.00—175.00 Mk. Geschäft ziemlich lebhast. le. Frankfurt a. M., II. Aug. Fruchtmarkt. Stimmung unverändert ruhig und sest. Futtermittel knapp und sest. Man notierte: Mais 60—62 Mk., ausländische Gerste 72—74 Mk. Kokoskuchen 62—63 Mk., Kleie 50—52 Mk., Leinkuchen 68—70 Mk. Alles für 100 kg. a se. Frankfurt a. M., 11. Aug. Kartosselmarkt. In Waggonladung ab Wetterau 12,00—12,50 Mk. Alles per 100 dg. eh. Bingen, 11. Aug. Marktpreise. Kartoffeln Mk. 9,50, Weißmehl Mk. 52; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mk. 3,55, Milch 1 Liter 22 Pfg., Eier 10 Stück Mk. 1.55. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeier am 14. August 1915: Freitag abend 7.20 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 8.35 Uhr a Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. Die Wetterlage hat sich seit gestern nur wenig geändert. Im Norden von Skandinavien lagert ein Hochdruckgebiet; der suͤd⸗ westliche Druck hat sich etwas östlich ausgedehnt und über der Nordsee lagert ein schwacher Tiefdruckausläufser. Wir werden morgen mit keiner wesentlichen Aenderung der bestehenden Witte rung zu rechnen haben. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 13. August 1915: Wolkig, meist trocken, westliche Winde. Gewitterneigung. Letzte Nachrichten. Die Lage im Osten. Stockholm, 12. Aug. In„Stockholms Dagblad“ schreibt der militärische Mitarbeiter: Die Lage im Osten hat sich in den letzten Tagen so geklärt, daß man mit Sicherheit behaupten kann, sie ist für den 1 des europäischen Krieges entscheidend geworden. Nirgends weiß man das besser, als in England. Man wird dort alles aufbieten, um Rußlands Kraft aufrecht zu erhalten. Es scheine, als klopfe das Schicksal von neuem an Schwedens Tor. Die Verwüstungsstrategie der Russen. i. Köln, 12. Aug. Tie„Köln. Ztg.“ meldet aus dem Kriegspressequartier: Hinter den abziehenden Russen her sind wir, eine kleine Gruppe von Berichterstattern, durch das russische Gouvernement Wolhynien bis Wolynskij gefahren. Was wir gesehen haben, waren die furchtbaren Schrecken eines unglücklichen Landes, über das Horden von Mord⸗ brennern dahingezogen sind. An allen Straßen, auf denen die geschlagenen Heere der Russen zurückfluten, stehen von den Dör⸗ fern nur mehr die Schornsteine. Die Juden allein sind überall zurückgeblieben. Die christliche Bevölkerung zog mit ab. Indessen kehren viele Familien, die den Kosaken entrinnen konnten, wieder zu ihrer Ernte zurück. Das Getreide steht golden auf den endlosen Feldern. Nur was in den Scheunen war, konn⸗ ten die Russen verbrennen. In den kleinen Städten sind die öffent⸗ lichen Gebäude erhalten geblieben, in denen die Stäbe und ein Teil der Truppen untergebracht werden können. Der Markt⸗ flecken Krylow ist gänzlich niedergebrannt. In Wolynskij blieben nur die Kaserne, die Schulen und die hübschen Holzvillen der Beamten und Offiziere stehen. Der kommandierende deutscheff General tut alles für die zurückgebliebenen Einwohner. Die armen Leute haben nur die eine Angst, die Russen könnten noch einmal zurückkehren. Damit hat es aber gute Wege. Fast stünd⸗ lich sieht man auf der endlosen Ebene Wolhyniens ein neues Dorf aufflammen, ein Zeichen, daß die kosakischen„Ver⸗ teidiger“ ihres Vaterlandes dort augelangt sind. Die Räumung Wilnas. Kristiania, 12. Aug. Die Russen machen An⸗ stalten, Wilna zu räumen. Sämtliche Archive sind bereits entfernt worden. Die Friedenspropaganda in England. Bern, 12. Aug. Die Londoner„Daily Mail“ behauptet, seit dem deutschen ringen in Polen habe die deutsche Propaganda in England für einen Friedensschluß mit Deutschland verstärkt eingesetzt. Die Kommission der demo⸗ kratischen Kontrolle, der unabhängigen Arbeiterpartei, der Kriegs⸗ gegnerausschuß und viele Frauenvereine müßten von jetzt ab bei der Versammlung streng überwacht werden. Die schwedisch⸗englischen Verhandlungen. Stockholm, 12. Aug. Eine soeben ausgegebene amt⸗ liche Mitteilung besagt: Die zwischen Schweden und England geführten Verhandlungen werden für einige Tage ausgesetzt, da die beiderseitigen Unterhändler erst bei ihren Regierungen weitere Anweisungen einholen wollen. Die hier verbreiteten Gerüchte, die Verhandlungen seien über⸗ haupt abgebrochen, werden vielleicht in vollem Maße nicht zu⸗ treffen, es scheine jedoch, daß sie auf einem gewissen toten Punkt angelangt sind. Bulgarisch⸗serbische Reibereien. Budapest, 12. Aug. Eine Athener Depesche belagt. daß zwei große bulgarische Banden mit serbi⸗ schen Truppen einen blutigen Zusammenstoß hatten. BBB Od. Das Beste 0 zur Zahnpflege ———— Bekanntmachung über die Verwendung von Benzol und Solventnaphtha sowie über die Höchstpreise für diese Stoffe. 0 Die nachstehende Bekanntmachung des Stell vertretenden Ge⸗ neralkommandos 18. Armeekorps, Frankfurt a. M., in obigem Betreff vom 1. August 1915 bringen wir hiermit zur öffent⸗ lichen Kenntnis. Gießen, den 5. August 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. J. B.: Hech ler. —— Bekanntmachung über die berwendung von Benzol und Solventnaphtha sowie über höchstpreise für diese Stoffe. Auf Grund des Gesetzes über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851(GS. S. 451 ff.), des Gesetzes betreffend Höchst⸗ preise vom 4. August 1914 in der Fassung der Bekanntmachung vom 17. Dezember 1914(RG Bl. S. 516), der Bekanntmachung betreffend Aenderung dieses Gesetzes vom 2. Januar 1915 (Ach Bl. S. 25) und der Bekanntmachung über Vorratserhebung vom 2, Februar 1915(RGGBl. S. 54) wird hiermit verordnet: Me fer Verfügung unterliegen nicht nur gereinigtes oder ungereinigtes Benzol bezw. Motorenbenzol oder Mischungen dieser mit gereinigten oder ungereinigten Benzol⸗ homologen, sondern auch Betriebsstoffe, die hergestellt sind aus Kolereirohbenzol, Leichtöl aus der Teerdestillation, Vorlaufölen von der Destillation von Teeren, sogen. e aus den Oelgasanstalten, wie überhaupt alle benzolhaltigen örper, die aus Prozessen pyrogener Zersetzung entstammen, gleichgültig, ob sie unter ihrem wissenschaftlichen oder technischen Namen oder unter Phantasienamen in den Handel gebracht werden. 5 2. Dieses Benzol darf nur in enttoluoltem Zustande verkauft, geliefert und verbraucht werden. 1. chemische Fabriken, welche das Benzol zur Herstellung vol enzolderivaten für die Heeresverwaltung verwenden 2. Destillationen, die sich verpflichten, das Benzol gemäß diese Bestimmung zu enttoluolen und das Toluol an die Kriegs⸗ chemikalien⸗Akt.⸗Ges, Berlin, abzugeben. Soweit mit den vorhandenen Apparaten eine vollständige Toluolentziehung nicht möglich ist, muß jedoch mindestens der Toluolgehalt so weit herabgesetzt werden, daß er in der Ver⸗ brauchsmischung höchstens 100 des Benzolgehalts ausmacht, gleich⸗ gültig, ob es sich um ein reines Benzol⸗Toluol⸗Gemisch oder um ein Gemisch mit dritten oder weiteren Komponenten handelt. Einer Benzol⸗Gewinnungs⸗ oder Reinigungsanstalt, der es nachweislich durchaus nicht möglich ist, diese Vorschrift zu er⸗ füllen, oder die sich außerstande sieht, die Enttoluolung in der vor⸗ geschriebenen Weise ausführen zu lassen, kann durch die In⸗ speltion des Kraftfahrwesens in Berlin⸗Schöneberg eine Aus⸗ nahme gestattet werden. 83. Das Benzol von der im 8 2 gekennzeichneten Beschaffen⸗ heit darf in letzter Hand nur geliefert werden: O soweit nicht das Kriegsministerium oder in seinem Auftrage die Inspektion des Kraftfahrwesens durch Sondererlaß darüber verfügt hat oder verfügen wird a) an chemische Fabriken(Farbwerke), soweit es nachweislich zur Herstellung von Benzolderivaten für die Heeresver⸗ waltung dient;— 8 b) an landwirtschaftliche, staatliche oder kommunale Betriebe, wenn es nachweislich als Motorenbetriebsstoff(jedoch nicht für Kraftwagen) zu landwirtschaftlichen, staatlichen oder kommunalen Zwecken benutzt wird; o) an gewerbliche Betriebe als Motorenbetriebsstoff sowie all⸗ gemein als Kraftwagenbetriebsstoff, jedoch nicht über rund 15 1 H. der Erzeugung bezw. der den Lagerhaltern und 55 äufern von den Gewinnungsanstalten gelieferten engen; d) an die Erzeuger zum Selbstverbrauch in dem Erzeu 5 betrieb in Mengen, die auf Grund zu stellender W der Inspektion des Kraftfahrwesens festzusetzen sind. 8 4. Tas unter 3p fallende Benzol darf auf Wunsch der Empfänger, soweit der Vorrat reicht, ungemischt, sonst in Form von Benzolgemischen, insonderheit als Benzolspiritus, das unter 3 fallende nur in Form solcher Gemische verabfolgt werden, und zwar ohne Freigabeschein. Benzol⸗Spiritus darf nur hergestellt werden: für Zwecke des§ 3b aus 70 Gewichtsteilen Benzol und 30 Gewichtsteilen Spiritus, für Zwecke des F 3e aus 25 Gewichtsteilen Benzol und 75 Gewichtsteilen Spiritus. 5 Jede andere Mischung bedarf der besonderen Genehmigung der Inspektion des Kraftfahrwesens, auf deren Vorschlag die unterzeichnete Behörde jeweilig einen bestimmten⸗ Höchstpreis für die Mischung festsetzen wird. Für Zwecke des 8 3 o darf Benzol von Besitzern, die es ihrer⸗ seits von dritten Personen erworben haben, nur insoweit abgegeben werden, als die zulässige Menge von 15 v. H. der Erzeugung nicht bereits von früheren Besitzern für den bezeichneten Zweck ver⸗ wendet worden ist und letztere dies ausdrücklich bescheinigt haben. 85. Solventnaphtha und Kylol dürfen, soweit sie nicht dazu dienen, das Benzol kältebeständig zu machen, in letzter Hand nur an solche Verbraucher abgegeben werden, die diese Er⸗ zeugnisse nachweislich zur Erfüllung mittelbar oder unmittelbar vorliegender Heeresaufträge brauchen. 6. Benzol(5 1,), Solventnaphtha und Xylol sind ohne Verzug dem Verbraucher zuzuführen und dürfen nicht länger als höchstens einen Monat auf Lager gehalten werden. Men⸗ gen, die nach dieser Frist nicht abgesetzt oder vom Verbrau nicht angefordert worden sind, müssen der Inspektion des Kra fahrwesens angezeigt werden, die hierüber weitere Verfügn en kann. ing 93 55 7. Höchstpreise a) Die nach dem Gasluslen verbleibenden Benzole oder seine Homologen oder deren Mischungen mit toluolfreien Frak⸗ tionen anderer Benzolhomplogen oder anderer Körper und Stoffe, gleichviel unter welchem Namen und unter welcher Zusammensetzung sie geliefert werden, dürfen den Verbrau⸗ chern(letzte Hand) nicht zu höheren als den unter b an⸗ gegebenen Preisen verkauft werden Die Prei. 5 Rein⸗ und Rohware ist innerhalb der hier gezogenen. grenze dem Handel selbst überlassen, ebenso die Preisfest⸗ 3 801 wee e 1 81 ad e lech so 505 l„Solventn⸗ und Xylol(nicht sogenannte Roh⸗ und Reinware, die im Werte unter bzw. über dieser Handelsware steht) nicht über 55 Mark für 100 Kg. ab Ge⸗ winnungsanstalt gefordert oder gezahlt werden. Der Höchstpreis(letzter Hand) beträgt für: Reintoluol 45 Mark für 100 Kg., Benzol, Solventnaphtha J und II und kylol 62 Mark für 100 Kg., Benzol⸗Spiritus(Mischung 70 B: 30 Sp.) 67 Mark für 100 Kg., Benzol⸗Spiritus(Mi⸗ schung 25 B: 75 Sp.) 74 Mark für 100 Kg. Dem Höchstpreise ist der heutige Spirituspreis(Großhan⸗ delssatz der Spiritus⸗Zentrale für vollständig vergällten Spiritus 95 v. H.) mit 58,50 Mark für das Hektoliter oder . b) o) gelegt. Bei Aenderung dieses Preises erhöhen oder er⸗ mäßigen sich die obigen Höchstpreise für Benzol⸗Spiritus entsprechend, d. h. sie erhöhen oder ermäßigen sich um 30 oder 75 v. H. der von der Spiritus⸗ Zentrale festgesetzten Erhöhung oder Ermäßigung des Spirituspreises für 100 Kg. d) Die am 1. August 1915 5 Uhr morgens vor nen Ben⸗ keter Nen maße Mer. b etzter nicht ü Au ültigen preisen verkauft werden, selbst dann, wenn die Abgabe erst nach dem 14. August erfolgt oder der Veräußerungsvertrag erst nach diesem Zeitpunkt geschlossen wird. 3 e) Diejenigen Mengen Reinbenzol, Reinxylol usw die etwa nach 8 11 ausnahmsweise für pharme sche Zwecke frei⸗ gegeben sind, unterliegen nach der Freigabe den Preisbestim⸗ mungen der Arzneitape. 0 8,8. Der Höchstpreis schließt die Versendungskosten ab ltzter Lagerstelle nicht ein; er gilt für Zahlung Zug um Zug. Wird di Zahlung gestundet, so dürfen bis 2 v. H. zinsen über Reichsbankdiskont für den Zeitraum berechnet werden, für welchen der Kaufpreis gestundet ist 1 § 9. Auf Verträge, die unter den bisher 1 Bestim⸗ mungen betreffend Verwendung von Benzol Sol ventnaphtha sowie Höchstpreise für diese Stoffe Fe oder von diesen be⸗ mmungen dieser Bekannt⸗ Inkrafttretens keine Gemische mehr zu anderen als nach dieser Be⸗ kerne Benzolmen einem Muster einzureichen, das sie von der Inspektion des Kruft 8 Nr 2 Waadt. Kommandobe⸗ 725 9„Die unterzeichnete hörde bestimmt den Zeitpunkt des Außerkrafttretens. Frankfurt a. M., den 1. August 1915. Stellb. Generalkommando 18. Armeekorps. Bekanntmachung. Die unterm 15. Juni l. J. verfügte Sperrung der Kreisstraße Inheiden Utphe wird hiermit aufgehoben. 5 a Gießen, den 7 August 1915. Zum Bezug und Ankauf von toluolhaltigem B ind allein berechtigt: nolhaltigem Benzol sin 8 1 1 8 ene Großherzogliches Kreisamt Gießen. N. L 1180 Hemmerde. 71,50 Mark für 100 Kg.(0,8143 spez. Gewicht) zugrunde § 13. Diese See dr mit dem 15. August 1915 in