Ur. 185 Der Gießener 11 670 erschemt täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Krels⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); Pleisgafüiche gef Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech- Anschlasse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelled! Adresse sür Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. 9 Annahme von Anzeigen b für die Tagesnummer N bis vormittags 9 Uhr. (WTB.) Großes Hauptauartier, 7. August. f(Amtlich.) 5 5 Westlicher Kriegsschauplatz. In Flandern wurden die Belgier durch die Wir⸗ kung unserer Artillerie gezwungen, ihre bei Heernisse (füdlich von Dixmuiden) über die Yser vorgeschobene Stel⸗ lung teilweise zu räumen.. Französische Handgranaten⸗Angriffe in der Gegend von Souchez wurden abgewiesen. Südlich von Leintrey(östlich von Luné ville) wiesen unsere Vorposten einen Vorstoß des Gegners leicht ab. In den Gebirgskämpfen nördlich von Münster keine besonderen Ereignisse. Oestlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Poniewiez gingen die Russen hinter die Jara zurück. Gegen die Westfront von Tow no wurden Fortschritte ö gemacht. Hierbei sind 500 Russen gefangen genommen und zwei Maschinengewehre erbeutet. Die Armeen der Generale v. Scholtz und v. Gall⸗ witz haben nach heftigen Kämpfen den feindlichen Wider⸗ stand zwischen Lomzu und Bugmündung gebrochen. 5 Das Gesamtergebnis aus den Kämpfen vom 4. bis 6. August beträgt 85 Offiziere und mehrals 14200 Mann gefangen, sechs Geschütze, acht Minen⸗ wer fer und 69 Maschinengewehre genommen. Die Einschließungstruppen von Nowo⸗Georgiewsk Drangen von Norden her bis zum Narem durch. Das Fort Dembe wurde genommen. Von Süden her ist die Weichsel bei Pienkow erreicht. l In War schau ift die Lage unverändert. Die Russen ö setzten die Beschießung der Stadt von dem östlichen Weichselufer aus fort. 5 5 f Unsere Luftschiffe belegten die Bahnhöfe von Nowominsk und Siedlce mit Bomben. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei und nördlich von Jwango rod ist die Lage un⸗ verändert. Zwischen Weichsel und Bug haben deutsche Truppen bei Ruskowola(füdöstlich von Lubartow) die feindlichen Stellungen gestürmt und nordöstlich von Lenezna den Austritt aus den dortigen Seenengen erzwungen. Oberste Heeresleitung. 4 Notiz: Die Jara fließt etwa 60 Kilometer östlich von Poniewiez von Norden nach Süden; Ruskowola liegt 8 Kilometer südöstlich von Lubartow.. 5 (WTB.) Großes Hauptquartier, 8. August. (Amtlich.). Westlicher Kriegsschauplatz. Französische Handgranaten⸗Angriffe bei Souchez und Gegenangriffe gegen einen vorgestern dem Feinde ent⸗ rissenen Graben in den Westargonnen wurden ab⸗ gewiesen. n Die Gefechte in den Vogesen nördlich von Münster i lebten gestern nachmittag wieder auf. Die Nacht verlief dort aber ruhig. 0 Oestlicher Kriegsschauplatz. Die deutsche Narew⸗Gruppe näherte sich der Straße Lom za— Ostrow— Wyszko w. An den ein⸗ zelnen Stellen leistet der Gegner hartnäckigen Widerstand. Südlich von Wyszkow ist der Bug erreicht. Serock an der Bugmündung wurde besetzt. Vor Nowo⸗Georgiewsk nahmen unsere Ein⸗ schließungstruppen die Befestigungen von Zegrze. Bei Warschau gewannen wir das östliche Weichselufer. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Vor dem Druck der Truppen des Generalobersten von Wohyrsch weichen die Russen nach Osten. Zwischen Weichsel und Bug hat der linke Flügel der Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls v. Macken sen den Feind nach Norden gegen den Wieyrz⸗Fluß ge⸗ f worfen, der rechte Flügel steht noch im Kampfe. Oberste Heeresleitung. . Die beiden letzten Tage haben unsere Truppen im Osten tüchtig vorangebracht. Gallwitz und Scholz sind dicht an die Buglinie vorgedrungen und werden, wenn sie ihn überschreiten und noch 10—15 Kilometer weiter vorrücken, die Eisenbahn Warschau—Bjelostok in ihren Besitz nehmen. Nowo Georgiewsk wird seine russische Besatzung schwerlich rechtzeitig in Sicherheit bringen können, da der Einschließungsring fast vollendet ist. Im Süden erkennt man bei dem gestern gemeldeten Sieg des linken Flügels der Armee Mackensen, der die Russen bis an den Wieprz zurückgeworfen hat, und an dem Vordringen des Generalobersten v. Woyrsch nach Osten, wie sich die Arme der deutschen Strategie enger und enger um die Festung Brest⸗Litowsk legen. Auf dem östlichen Ufer der Weichsel bei Warschau kann wohl der Feind seine Knallerei auf die Stadt kaum noch fortsetzen, denn die deutschen Truppen sind übergesetzt und drängen den Russen Am Samstag meldete der deutsche Heeresbericht er von Angriffen deutscher Luftschiffe auf die wich⸗ n Eisenbahn⸗Rüctzugslinien des Feindes. General- Anzeiger für Oberhe Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen. Bedeutsame Erfolge an narew und Bug. Starkes vordringen des linken Flügels der Armee Mackensen. 9 So steht also nach außen hin alles günstig und hoff⸗ nungsvoll. Und im Innern des Reiches schließen die herz⸗ e Siege unserer braven Truppen alle vaterländisch gesinnten Kräfte zu unermüdlicher Weiterarbeit enger zu⸗ sammen. Nur in der Sozialdemokratie scheint es noch immer Grüppchen zu geben, denen der Lauf der Dinge von Tag zu Tag weniger gefällt. Einen Beweis dafür liefert der „Vorwärts“, der in seiner Sonntags-Nummer die innere strategische Lage unter der Ueberschrift„Wo stehen wir?“ in eigentümlicher Weise betrachtet. Das Blatt seufzt dar⸗ über, daß maßgebende Kreise der Partei sich mit den Kon⸗ sequenzen aussöhnen zu sollen schienen, die durch die deut⸗ schen Siege über die äußeren Jeinde uns näher geführt werden. In diesem Sinn schreibt der„Vorwärts“ u. a. folgende Sätze: Aber die Sozialdemokratie braucht ja nicht nur die Bestim⸗ mung ihres Verhältnisses zur Regierung, sondern auch die ihrer künftigen Beziehungen zu den bürgerlichen Parteien. Und da ist es doch wohl nicht zweifelhaft, daß ein großer Teil der sozial⸗ demokratischen Führer die Hoffnung hegt, den Burg⸗ frieden oder, wie die Franzosen so schön sagen, den„Waffenstill⸗ stand der Klassen“ in eine Blochpolitik ausmünden zu sehen. Dazu ist aber logischerweise notwendig, daß nicht etwa bei Ab⸗ schluß des Krieges ein heftiger Zwiespalt zwischen der Sozialdemo⸗ kratie und den bürgerlichen Parteien entstände. Die Politik der bürgerlichen Parteien und der hinter ihnen stehenden wirt⸗ schaftlichen Organisationen, von denen sie abhängig sind, ist aber unzweideutig bestimmt. Diese Politik hat ihre Entscheidung unzweideutig gefällt und wartet nur auf die militärische Sank⸗ tionierung. Es ist also wohl jetzt die Reihe an der Sozialdemo⸗ kratie, ihre Politik danach zu orientieren. Sahen wir seit Beginn des Krieges manche Genossen die imperialistischen Gedankengänge und ihre Konseguenzen akzeptieren, so sehen wir jetzt viele Genossen aus innerpolitischen Gründen sehr besorgt, zwischen der Sozial⸗ demokratie und den anderen Parteien keine Gegensätze aufkommen zu lassen. Die künftige Blockpolitik wirft ihre Schatten voraus. Indem der„Vorwärts“ sich einzelne Aeußerungen so⸗ zialdemokratischer Führer vornimmt, meint er, die Sozial⸗ demokratie empfange das Gesetz ihres Handelns nicht mehr von ihren eigenen„Grundsätzen und Prinzipien“— man muß sich doch präzise ausdrücken!— sondern von ihren bisherigen Gegnern. Diese Stellung sei heute grundver⸗ schieden von der, die die Partei am 4. August vor. Jahres eingenommen habe. Der„Vorwärts“ meint sogar, die viournalistischen und parlamentarischen Wortführer“ stän⸗ den im 9 5 die sozialdemotratische Partei in eine sozialpolitische Reformpartei zu verwandeln. Es ist die alte Sucht der sozialdemokratischen Radi⸗ kalisten, die Agitation und Propaganda für ihre so unfehl⸗ baren Theorien und Grundsätze auch in den Zeiten all⸗ gemeiner Windstille im innerpolitischen Leben mit starken Mitteln aufrecht zu erhalten. Augenblicklich liegt keine Mög⸗ lichkeit vor, die„herrschenden Klassen“ zu bestürmen, also sucht man sich die Angriffsziele in den Reihen der eigenen Partei. e 8 Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 7. August 1915: Rufsischer Kriegsschauplatz. Zwischen Weichsel und Bug wird weiter gekämpft. Oesterreichisch⸗ungarische Truppen drangen südlich von Lu⸗ bartom deutsche nordwestlich und nordöstlich Lenczna in die feindlichen Linien ein. Sonst ist die Lage im Nordosten unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen stand das Frontstück östlich Po⸗ lazzo— Redipuglia vormittags unter sehr heftigem feindlichen Artilleriefeuer. Nachmittags gingen mehrere ita⸗ lienische Bataillone gegen diesen Abschnitt vor, stellten jedoch nach kurzem Feuergefecht die Vorrückung ein. An allen sonstigen Fronten des Küstenlandes, in Kärnten und Tirol war nur Geschützkampf im Gange. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Das am 5. d. M. früh durch eines unserer Unterseeboote versenkte italienische Unterseeboot war Ne⸗ reide“, das am 26. Juni auf gleiche Weise vernichtete Torpedoboot ist„V. p. n.“. Am 29. Juli abends ist im Golfe von Triest ein Fahrzeug auf eine unserer Minen gestoßen und in die Luft geflogen, ohne daß man damals wegen stürmischen Wetters erkunden konnte, welcher Art das Opfer war. Nun hat sich mit voller Bestimmtheit ergeben, daß es das italienische Unterseeboot„Nantilus“ war, welches damals mit der ganzen Bemannung unter⸗ gegangen ist. Schon früher sind das italienische Tor⸗ pedoboot„VI. p. n.“ und das bereits gemeldete Tor⸗ pedoboot„XVII. o. s.“ mit der ganzen Bemannung un⸗ seren Minen zum Opfer gefallen. Flottenkommando. Wien, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 8. Aug. 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand setzte gestern im Raume zwischen Weichsel und Wieprz den 5 Montag, 9. August 1015 1 3 Bezugspreis: 9 monatl. 75 Pf., viertel⸗ 1 jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel · jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- 15 schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Angriff fort. Die unmittelbar westlich des Wieprz vor⸗ gehende Stoßgruppe warf den Feind aus mehreren Linien, nahm nachmittags Tubartow und drang gegen Norden 1 bis zu dem Flußknie vor. Der geworfene Gegner flüchtete in Auflösung über den Wieprz. Auch südlich und südwestlich Miechow errangen unsere Truppen einen vollen Erfolg. Der Feind war hier, um unseren Angriff zu parieren, zum Gegenstoß übergegangen, der bis zum Handgemenge führte, wurde aber in Front und Flanke gefaßt und über den Wieprzzurückgetrieben. Die Zahl der bei Lubartow i und Miechow eingebrachten Gefangenen betrug bis gestern abend 23 Offiziere und 6000 Mann. Die Beute belief sich auf zwei Geschütze, 11 Maschinen⸗ gewehre und zwei Munitionswagen. Bedroht durch unsere von Süden her siegreich gegen den Wieyrz vor⸗ gehenden Truppen haben heute früh auch die noch im Weichselgelände nordwestlich Iwangorod verbliebenen russischen Korps den Rückzug gegen Nordosten an⸗ getreten. Oesterreichisch⸗ungarische und deutsche Kräfte ver⸗ 5 9 Zwischen Wieprz und Bug wird weiter ge⸗ ämpft. 18 In Ostgalizien ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. 55 Nach neuerlicher heftiger Artillerievorbereitung griff starke italienische Infanterie am Abend des 6. August den Plateaurand im Abschnitt Polazzo— Ver⸗ megliano an. Auch dieser Angriff wurde wie alle frühe⸗ ren, die sich gegen den Monte dei Sei Busi richteten, voll⸗ kommen zurückgeschlagen. Ansonsten war im Küstenlande, in Käraten und in Tirol nur Geschützkampf im Gange. Am 6. August abends und in der Nacht zum 7. Auguft brach itglienische Infanterie mit zwei Batterien über die FTorcellina di Montozzo südweftlich Pejo, nach Tirol ein. Der von dieser Gruppe in den Morgenstunden des 7, August versuchte Angriff wurde schon durch unser Ar⸗ tillerie- und Infanteriefeuer vereitelt. Die Italiener gingen unter lebhaften„Evviva Italia“ und„à basso Austria“ Rufen schleunigst zurück. 8 Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs 1 v. Höfer, Feldmarschalleutnant.* Der russische Bericht. 2 6. August morgens ein heftiges Feuer und trieb eine starke Wolk giftiger Gase vor sich. Er begann den Sturm auf die Stel, lungen der Festung, nahm ein Werk bei Sosna, wurde aber durch unser Feuer und unsere Gegenangriffe überall zurückgeworfen. Am Narew heftiger Kampf. Auf der Straße nach Ostrow gelang 3 es dem Feinde am 6. August nach einer Reihe blutiger Zusammen⸗ stöße ein wenig vorzurücken und das Gelände zu vergrößern, das er besetzt hatte. Wir schlugen erfolgreich heftige Angriffe des Feindes in der Gegend von Berock zurück. Am 5. August abends an det Weichsel Artilleriefeuer. Unsere schwere Artillerie beschoß mit Er folg in der Nacht des 6. August Brückenbauarbeiten auf der Weichfel. Zwischen Weichsel und Bug wurden heftige Kämpfe geliefert. 5 in der Gegend zwischen Kourovo bis Kotsk und auf dem rechten Ufer des Wieprz nördlich Lenczna. f Aus Riga, 5 5 London, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Morning Post“ meldet aus Petersburg: In Riga hörte man in den letzten Wochen auf den Straßen wenig Deutsch sprechen und sah wenig Deutsche. Als aber die Russen den Abzug vorbereiteten, machte Riga den Eindruck einer Stadt, die einen nationalen Festtag feierte. Deutsche waren überall, überall spielte Musik und überall zeigte sich die Freude des Publikums. 1 Aus dem russischen Reichsrat. Petersburg, 7. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Telegraphen⸗Agentur. Tie Sitzung des Reichs ⸗ rates wurde gestern von dem Präsidenten Kulomsin eröffnet, der das Wort an das Mitglied des Reichsrates, Grafen Bobrinski, gab. Dieser. sagte: Nachdem Warschau heute in die Hände des Feindes gelangt ist, kann der Reichsrat nicht schweigen. Wir neigen uns por dem Willen Gottes und schöpfen Mut aus dem Bewußt⸗ sein, daß das Vaterland schon Jahre der Prüfung kannte, und daß se größer das Leid unserer Seelen, um so nachdrücklicher unser Wunsch wächst, den Krieg bis zum Ziele fortzuführen. Ein Unterpfand des Sieges sind der Geist und der unbezwingbare Wille des einigen Rußlands. Wir verneigen uns bis zur Erde vor dem Schmerz unserer polnischen Kollegen. Habt Mut Brüder, duldet noch einige Zeit! Der Tag des Sieges wird auch für Euch anbrechen. Wir beweinen den Verlust der polnischen Hauptstadt, der Schwester Ruß⸗ lands. Aber Rußland sagt nicht: Lebewohl, Warschau, sondern. auf Wiedersehen! Der Präsident schloß sich vollkommen diesen Schmerzenskundgebungen au, auf die das polnische Mitglied des Reichs rates, Schuebeko, folgendermaßen antwortete: Bewegten Herzens betrete ich die Tribüne. Das gegenwärtige Ereignis be⸗ rührt so sehr unser Vaterland und uns alle, die wir Polen sind, daß es eiserner Nerven bedürfte, um das von der Vorsehung ge⸗ sandte Leid zu tragen. Einige Tage vorher haben mich die Kund⸗ gebungen der Duma zu dem Kummer Polens tief ergriffen. Wiss Polen werden ein unverlöschbares Andenken daran bewahren. Heute hat man uns von der Tribüne des hohen Hauses die tiefe brüder⸗ liche Sympathie des russischen Volkes für Polen in seinem Un⸗ glück ausgedrückt. Aber mitten in dem Unglück gedenken mir desse 0 daß uns auf diesem Boden eine lange Reihe historischer i zu emnem unteilbaren polnischen Volk mit ausgesprochen 5 5 900 3 Typus gemacht hat. Eine eiserne Kette verbindet die gegenwärtige Generation mit den Gräbern der Vergangenheit und den Wiegen der Zukunft. Namens dieser besseren Zukunft bitte ich Sie, zu 5 gestatten, Ihnen hier feierlich zu erklären, daß das polnische Volk nicht niedergedrückt, sondern frei ist, daß es nicht erschöpft und geknechtet. sondern stark ist, dank seiner mächtigen nationalen LViobenskraft infolge des Bewußtseins, daß es seinen Platz in der . Familie der Slawen in würdiger Weise einnehmen wird. Es wird mit ihnen bis zum letzten Atemzuge kämpfen und niemals die Farbe des Slawentums verraten.(Beifall.) Der Präsident rief: Es lebe das polnische Volk!(Allgemeine Huldigung.) Die Haltung Bulgariens. Sofia, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Bulgare“ meldet jetzt, daß die Vertreter der Entente⸗ mächte dem Ministerpräsidenten Radoslawow die Antwort ihrer Regierungen auf die bulgarische Note vom 15. Juni übermittelt haben und hinzufügten, man sei über⸗ eingekommen, strengstes Stillschweigen über den Inhalt zu bewahren. 8 5 Köln, 7. August.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespon⸗ dent der„Kölnischen Zeitung“ in Sofia meldet von heute: Von maßgebender Regierungsstelle erfahre ich, daß die Vertreter des Vierverbandes nacheinander mündlich der bulgarischen Re⸗ gierung Erklärungen abgegeben haben, daß aber wegen der Hal⸗ tung Serbiens noch nicht alle von der bulgarischen Regie⸗ rung gewünschten Aufklärungen darin enthalten sind. Es wurde Teeine schriftliche Note überreicht. Die Regierung bezeichnet die Lage Bulgariens im Hinblick auf die Kriegsereignisse als sehr günstig. Tie türkisch⸗bulgarischen Ver handlungen gehen auf freundschaftlicher Grundlage weiter. 5 Rumänien. Lyon, 8. August.(WTB. Nichtamtlich.)„Progres“ meldet aus Paris, daß der rumänische Gesandte in Paris, Dahovary, nach Bukaxest abgereist ist. 2** Die Kämpfe an den Dardanellen. Konstantinopel, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Zu dem im letzten amtlichen Bericht erwähnten Kampf bei Sedd⸗ül⸗ Bahr teilt das Große Hauptquartier ergän⸗ zꝛxͤend mit: Wir machten in diesem Kampf 60 Engländer zu Gefangenen, darunter einen Major und zwei Leutnants. Die Gefangenen sagten aus, daß von zwei Regimentern, die an diesem Kampf teilgenommen haben, nur 30 Soldaten am Leben geblieben sind. 5 Berlin, 9. Aug. Ueber eine Unterredung mit Hakki Pascha, dem neuen türkischen Gesandten in Berlin, be— richtet Rudolph Rotheit in der„Vossischen Zeitung“ aus Sofia, hinsichtlich der Dardanellen sei der Pascha voller Zauversicht. Die türkischen Nachschübe zur Auffüllung der Liücken würden jederzeit leicht bewerkstelligt. Die Einnahme der Befestigungen durch Landungstruppen sei nach wie vor unmöglich. Die feindliche Flotte sei durch die Tauch⸗ boote lahmgelegt. Die Zahl der bisherigen Landungs⸗ truppen werde auf 300 000 geschätzt, wovon 100000 tot oder verwundet seien. Die Entwicklung noch größerer Truppenmassen auf dem beschränkten Raume auf Gallipoli sei unmöglich, weshalb die griechischen Inseln zur Unter⸗ bringung der Reserven beschlagnahmt worden seien. Een Geschent des deutschen Kaisers an die Türkei. KNonstantinopel, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die von dem deutschen Kaiser für das Grabmal Sala⸗ dins in Damaskus gestiftete arabische Lam pe wurde nachts feierlich von dem deutschen Konsul übergeben. Am 1 7 Vorabend fand ein Essen zu 100 Gedecken statt, an dem en teilnahmen. 8 Italien und die Türkei. Paris, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agence Havas meldet aus Rom: Da die Türkei in der üblichen Ver⸗ FSogerungspolitik beharrt, hat Italien an die Pforte ein kategorisches Ansuchen um Erklärungen und Entschädi⸗ gungen gerichtet.(Anmerkung der Redaktion: Möglicher⸗ 5 12113 handelt es sich bei dieser Meldung um den Fall, der wisße Bit e zurückliegt. Italien forderte damals, daß ge⸗ wisse Beschränkungen, denen die Abreise der Italiener aus der Türkei unterworfen war, aufgehoben werden sollten. Die Türkei hatte jedoch bereits Anordnungen getroffen, um die fraglichen Beschränkungen zu gunsten sämtlicher Neu⸗ tralen zu beseitigen, wodurch der türkisch⸗italienische Zwi⸗ schenfall wohl zur beiderseitigen Befriedigung seine Erledi⸗ gung gefunden haben dürfte.) 8 Die Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 8. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Die 35 Mitteilung vom Stabe der Kaukasusarmee besagt: Am 5. August in der Küstengegend Gewehr⸗ und Ge⸗ feuer. In der Richtung Ol ty warfen wir alle hart⸗ 8 5 5 9 N schi 5 seacgen Gegenangriffe der Türken, die durch heftiges Ge⸗ 5. unterstützt wurden, und behaupteten die den Türken abgenommenen Stellungen. Die Türken bauen eifrig Schützengräben. In der Richtung Sarykamysch wider⸗ standen wir dem Gegenangriff erfolgreich. In der Gegend des Mergemir⸗Passes dauern die Kämpfe an. In der Richtung auf Alaschkert entwickelten sich neue Ope⸗ rationen erfolgreich. Eine wichtige türkische Stellung auf der Paßhöhe wurde durch einen Rückenangriff mit dem Bajonett weggenommen. Wir machten viele Feinde nieder, machten Gefangene und eroberten Maschinengewehre und andere Waffen. * 1 J 5 .* 3 . Französische Vorbereitungen gegen deutsche * i Luftangriffe. 3 Paris, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Dem„Temps“ zufolge gibt der Ausschuß des Kriegsministeriums für che⸗ mische Studien die Mittel bekannt, mit denen sich die ivilbevölkerung im Falle eines Luftangriffs gegen die Wirkung erstickender Gase schützen kann. Der Ausschuß schlägt der Zivilbevölkerung vor, sich im Falle eines Alarms in die mittleren Stockwerke zu flüch⸗ ten, da die Keller und unteren Stockwerke von den schweren erstickenden Gasen angefüllt würden, während die oberen Stockwerke von den Bomben durchschlagen werden könnten. Man solle Mund und Nase mit einem angefeuchteten Tuch bedecken und sich möglichst schnell von der Stelle entfernen, die von erstickenden Gasen erfüllt sei. Hohe Getreidepreise in Frankreich. Paris, 8. August.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet: Bei der Debatte über das Gesetz betr. den Ankauf und und Verkauf von Getreide und Mehl, das am Freitag in der Diemal Pascha und Vertreter der höchsten türkischen Behör⸗“ tierte Lauche gegen die Steigerung des Getreidepreises Stellung. Der Preis sei von 25 Franken zu Kriegsbeginn auf 37 Franken gestiegen. Lauche erklärte, die Steigerung sei auf Spekulation zurückzuführen. Im August 1914 habe die Syndikatskammer der Pariser Getreidehändler der Regierung vorgeschlagen, ihr Auf⸗ träge für Lieferung von 300 000 Zentnern amerikanischen Ge⸗ treides zu 21 Franken zu zedieren. Das Abkommen sei durch Ver⸗ mittlung eines Mittelmannes zustande gekommen. Jedoch habe die Regierung statt 21 Franken 23½ Franken bezahlt. Unter⸗ staatssekretär Thierry erklärte, die Angaben des Teputierten Lauche seien richtig. Der Präsident des Ackerbauausschusses sei beauftragt, eine Untersuchung in dieser Angelegenheit durchzu⸗ führen. Der Sozialist Vio Mette bekämpfte die Kaufbedingun⸗ gen der Staatsintendemtur, die den Getreidekauf durch Agenten vornehmen lasse und sich um den Preis nicht kümmere. Unter⸗ staatssekretär Thierry bestätigte auch diese Tatsache und erklärte, er werde bei den Kaufgeschäften alle Mittelmänner zwischen den Produzenten und dem Staat ausschalten. Man müsse ihm jedoch Zeit lassen, die Reformen durchzuführen, da er seit seines Amts⸗ antritts eine Unmenge der wichtigsten und dringendsten Fragen zu erledigen habe. Ermäßigtes Briefporto zwischen England und Frankreich. Paris, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Petit Jour⸗ nal“ schreibt: Der zuständige Kammerausschuß hat nach einer Besprechung mit dem Handelsminister einen Ge⸗ setzesantrag angenommen, nach dem das Brie fporto zwischen Frankreich und England auf 10 Centimes ermäßigt wird. ** * Gegen die Ausfuhr von Munition aus Amerika. Manchester, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Lon⸗ doner Korrespondent des„Manchester Guardian“ meldet aus bester Quelle, der amerikanische Kongreß werde in wenigen Wochen zusammentreten und es werde ein Gesetz⸗ entwurf eingebracht werden, der die Ausfuhr von 3 munition an Kriegführende verbieten soll. Die Agitation da⸗ für sei überwiegend pazifistisch, aber es bestehe die Mög⸗ lichkeit, daß sie durch amerikanische Handelsinteressen ver⸗ stärkt werde. England und Amerika. New Pork, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Durch Funk⸗ spruch von einem Privatkorrespondenten des WTB. Die eng⸗ lischen Antwortnoten auf den amerikanischen Pro⸗ test wegen der Unterbindung des Handels, die von den Blättern in allen Landesteilen als unbefriedigend und als einen weiteren Protest erfordernd bezeichnet worden sind, werden jetzt von vielen Blättern sogar als eine Beleidigung Amerikas aufgefaßt. Verschiedentlich macht sich ein spöttischer Ton gegen England in den Blättern bemerkbar.„World“ erklärt, daß Amerika seinen Standpunkt nicht ändern könne. England mibßrauche die Kon⸗ trolle auf See in diesem Kriege ebenso wie in früheren Kriegen, Die führenden Bankiers und Baumwollproduzenten im Galve⸗ stoner Distrikt sind nach der„New York Sun“ der Ansicht, daß die Haltung Englands lediglich einen Versuch der englischen Finanz⸗ leute bedeute, eine Kontrolle des Welthandels zu erlangen. Diese Kreise verlangen, daß der Präsident sofort durchgreifende Schritte tue, um die Durchführung der von England vertretenen Grund⸗ sätze zu verhindern. Aus Indien. a London, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet, die Regierung von Indien hat beschlossen, alle deutschen Missionare zu internieren oder zu deportieren. 5 Berlin, 7. Aug.(Priv.⸗Tel.) Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Amsteudam: Nach englischen Blättern beschloß die indische Regierung, alle dortigen Deutschen zu internieren oder zu verbannen. Die spanische Geistlichkeit für Deutschland. Paris, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Madrider Korrespondent des„Temps“ meldet, daß die Geistlich⸗ keit in Spanien eine eifrige Tätigkeit zu Gunsten Deutschlands betreibe. Einige Geistliche hätten in der Predigt empfohlen, Sammlungen für Deutschland zu ver⸗ anstalten. Die linksstehende Presse nehme gegen diese Werbe⸗ tätigkeit scharf Stellung. 2„ Der Seekrieg. Die französischen Kriegsschiffsverluste. Paris, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der „Temps“ meldet, sind die Panzerkreuzer„Waldeck Rousseau“, „Jean Bart“,„Bouvet“ und 1 Gambetta“, die Unter⸗ seeboote„Cugnot“,„Curie“,„Saphir“ und„Joule“, sowie das Divisionsbbot und Minenleger„Casablanca“ in einem Tages befehl des Heeres genannt worden. Die Erwähnung erfolgte wegen Kriegsereignissen, die die Existenz dieser Schiffe in Frage gestellt oder ihre Zerstörung herbei⸗ geführt haben. Die Ereignisse sind bekannt bis auf eines, nämlich den Untergang des Unterseebootes„Joule“, das am 1. Mai im Verlaufe einer gefährlichen Mission in der Meerenge der Dardanellen auf eine Mine auflief und mit der ganzen Besatzung versank. * Berlin, 7. Aug.(Priv.⸗Tel.) Der„Berliner Lokal⸗ anzeiger“ meldet aus Rotterdam: Der kanadische Dampfer„Indian Queen“, 2000 Tonnen groß, wurde von einem Unterseebobt versenkt. Die Bemannung ist gerettet. London, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der britische Dampfer„Midland Queen“, 1993 Tonnen groß, ist gesunken. Die 9 ist in zwei Booten gelandet. (WTB. Nichtamtlich.) Llo London 7. Aug. 3 Agen⸗ tur meldet: Die Gesazun fen der Fischer fahrzeuge „Hesperus“,„Ivan“,„Fi hermann“,„ liotrope“ und „Challenger“ sind gelandet worden. Die Fahrzeuge wurden versenkt. Die Goelette„Hans Emil“ wurde in Brand ge⸗ setzt. Die Besatzung befindet sich an Bord des dänischen Dampfers„Tyr“ auf dem Wege nach Dänemark. Paris, 8. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Echo de Paris“ meldet aus Brest: Die Besatzung einer Fischerbarke hat in der Bucht von Penmarch ein Faß mit 150 Liter Oel aufgefischt. Zwei andere Fässer wurden in der Nähe des Strandes von Porsoarn aufgefunden. Man glaubt, daß die Fässer ins Meer geworfen wurden, um deutsche Unter- seeboote zu verproviantieren.(Anmerkung der Redaktion: Diese Auslegung ist doch wohl etwas zweifel⸗ haft.) — Aus Stadt und Land. Gießen, 9. August 1915. Gedanken zur Lage auf dem Lebensmittelmarkt. In der vorletzten Nummer des Organs des Deutschen Kartoffel⸗Großhändlerverbandes kommt ein Aufsatz über Kammer zur Beratung stand, nahm der sozialistische Tepu⸗ N die Bekämpfung des Lebensmittelwuchers zu dem Schlusse, C daß die bekannte Bundesratsverordnung über den Lebens⸗ mittelwucher ein 1 ins Wasser sei, weil sie die lige liche Teuerung nicht bekämpfe und bekämpfen könne, „in den meisten Fällen eine natürliche Grundlage für die hohen Preise vorliegen“ werde. Sollte man aber, so meint der ue die Verordnung straff handhaben, so sei zu befürchten, daß sich der ehrliche Handel ganz zurück⸗ iehe und das Geschäft solchen Elementen e werde, enen es auf ein wenig Gefängnis nicht so genau ankomme. Der Handel verliere die Lust an vaterländischen Werken, wenn man ihn wie einen Verbrecher bestrafe. Diese Auffassung sei kurz angeführt, um zu zeigen, welchen Grad der Unklarheit der Lage auf dem Lebens⸗ mittelmarkt erreicht hat, und wie verschieden sich der gleiche Gegenstand in den Köpfen der Interessenten spiegelt. Wäh⸗ rend der Verbraucher geneigt ist, von der richtigen Hand⸗ habung der Verordnung alles Heil zu erhoffen, versucht die Gegenseite— in diesem Falle der Zwischenhandel— zu 5 beweisen, daß alles beim alten bleiben werde. Die Beweis⸗ 3 führung ist allerdings nicht glücklich. Sie sagt u. a.:„Wenn 9 der 1 Händler ein Geschäft zu einem gewissen nied⸗ rigen oder hohen Preise tätigt, so macht er damit erst den Marktpreis. Erst hinterher kann man unter Ver⸗ gleich einer Reihe von Geschäften mit Sicherheit sagen, was Marktpreis gewesen ist.“ Die Bundesratsverordnung nennt aber Wucherpreise alle solchen,„die unter Berück⸗ sichtigung der Gesamtverhältnisse, insbesondere der Marktlage, einen übermäßigen Gewinn bedeuten“ Die Norm liegt also in der Beurteilung der Gesamtlage und— Gott sei Dank— nicht im„Machen der Marktpreise“. Vielmehr sind ja gerade die„gemachten“ Marktpreise der Gegenstand der bundesrätlichen Aufmerksamkeit. 295 5 Verfolgt man die Erörterung der Lebensmittelteue⸗ rung in der Oeffentlichkeit, so drängt sich immer deutlicher die Tatsache auf, daß die rein theoretische Untersuchung der Ang bei weitem die praktische Untersuchung der Abhilfsmöglichkeiten überwiegt. Dabei wird leider manchesmal bedenklich übers Ziel hinausgeschossen. So konnte man am Samstag in einem Frankfurter Blatte lesen, daß so ziemlich alle Erwerbsstände, einschließlich der Landwirtschaft, sich auf die unverschämteste Weise an der Not des Vaterlandes mästen. Es werde mit einer Unbekümmertheit an der Notlage des Landes verdient, die ein erschreckendes Kennzeichen des tiefen Standes unserer öffentlichen Geschäftsmoral sei. Von diesem moralischen Tiefstand sei sogar das Publikum nicht auszunehmen, denn es blicke höchstens mit Neid auf die anderen, denen die Kon⸗ junktur die schönen Gewinne gestatte.— Bliebe also als einzig Moralischer der Artikelschreiber. Diese und ähnliche Auffassungen gehn zu weit. Der Erwerbstrieb ist eine in der menschlichen Natur viel zu tief begründete Eigenschaft, als daß man seine Betätigung, selbst wenn sie der Gesellschaft unbequem wird, schlechthin als Unmoral bezeichnen könnte. Von einer solchen kann nur dann die Rede sein, wenn ein Stand oder eine Person in ge⸗ wissenloser Weise mit vollem Bewußtsein die Zwangslage . 5 85 ee e 84 dies leider es vielfach geschieht, berechtigt nicht zu der schweren Beschuldigung, daß sowohl Erzeuger wie Verbraucher mora⸗ lisch zweifelhafte Existenzen sind. Wir haben schon wieder⸗ holt betont, daß dieses Stabbrechen über die Ursache unserer Lebensmittelnot nicht zu empfehlen sei. Eine Besserung der Lage ist durch die gerechte oder auch ungerechte Vogelfrei ⸗ erklärung irgendeiner Volksschicht kaum zu erreichen. Wohl aber— und das wird leider zu wenig beachtet— besteht die große Gefahr, daß von einer Seite, von der man es am wenigsten erwartet hätte, der Burgfrieden in einer nicht wieder gutzumachenden Weise schwersten Schaden leidet. Die immer wiederkehrende Aufzählung von Schauermären über die Mißgriffe von Behörden in Sachen der Teuerung und von kurzerhand als verbrecherisch abgetanen Kriegs⸗ gewinnabsichten der Verkäufer haben die Stimmung im Publikum nachgerade zu einer Siedehitze gesteigert, die den hohen Empfindungen, die der Krieg in unserem Volke weckte, geradeswegs zuwiderlaufen. Abgesehen von der voll⸗ kommenen Zwecklosigkeit der Schüxung solcher Gegensätze wird damit ein bestehender Riß in der nationalen Einmütig⸗ keit zu einer Kluft erweitert, deren Ueberbrückung von Tag zu Tag schwerer fallen muß. Zu oft ist gesagt und erwiesen worden, daß Deutschlands Stärke in seinem Idealismus liegt. Alles, was ihn trübt, hat deshalb 80 unterbleiben. Wem praktischere Erwägungen mehr sagen, denke nur an die nächste Kriegsanleihe: Es dürfte zu befürchten sein, daß mancher das Geld, das ihm die durch den Krieg geschaffenen Verhältnisse zuführten, im Säckel behält, wenn jeder sich als Richter über seine Geschäftsmoral berufen erscheint und scheltend hinter ihm herrennt, ihm an den Fingern vorrech⸗ nend, woher seine Taler stammen. Und den Soldaten draußen ist der Eindruck, den man aus mancher Zeitung heute emp⸗ fangen muß: Als ob nämlich daheim ein Katze⸗ und Hund⸗ Spielen Trumpf geworden sei, keineswegs als Stimmungs⸗ macher zu wünschen. 8 Hiermit soll niemandem geraten sein, eine Faust im Sack zu machen und im übrigen stillschweigend Ent⸗ wicklung der Dinge zuzusehen. Aber bei allem, was der Einzelne und die Gesamtheit gegen das, was man heute Lebensmittelwucher nennt, tun, müssen die vaterlän⸗ dische Linie und die Würde der Zeit gewahrt bleiben. Und die sind mit der Kehrseite der Münze, nämlich einer zielbewußten und kräftigen Bekämpfung der wirk⸗ lichen Auswüchse, sehr wohl zu vereinigen. Wenn die Parole lauten würde: Weniger schimpfen, aber mehr han⸗ deln, bliebe erstens der so notwendige Frieden besser ge⸗ wahrt, und es würden ganz andere, greifbare Erfolge ge⸗ zeitigt werden. Daß in dieser Beziehung bei uns in Gießen mancherlei nachzuholen ist, davon überzeugt ein Gang über den Wochenmarkt, wo man immer wieder Zeuge von Vor⸗ fällen sein muß, die im Sinne des Gesagten allem Zweck⸗ mäßigen hohnsprechen. Wer anstatt zu einer ruhigen An⸗ wendung der Mittel, die durch die neuen Verordnungen an die Hand gegeben sind, lieber zu seinem Mundwerk die Zu⸗ flucht nimmt, dient der Sache schlecht. Und wer morgens um 8 Uhr mit Vehemenz auf den Artikel losstitrzt, den er noch am Abend vorher für viel zu teuer bezeichnet hat, handelt nicht besser. Hier muß der Hebel angesetzt werden Die wirklich erfolgversprechende und berechtigte Arbeit zu leisten haben sich in allen größeren(auch den hessischen Städten Kriegskonsumentenausschüsse als wirk⸗ samste Faktoren erwiesen. In Gießen hat man leider bis⸗ her von einem solchen noch nichts gehört. Die Ziele, die die Ausschüsse sich anderwärts gesetzt haben— gewissenhafte Preiskontrolle, Zusammenarbeiten mit den Lebensmittel⸗ ausschüssen, Sorge für eine konsequente, gerechte und vor 5 15 allem einheitliche Haltung des Publikums usw.— er⸗ scheinen gerade auch bei uns nicht wenig erstrebenswert. 9 1 * Denksteinweihe auf dem Windyof. 5 nachmittag fand die Cinweihung des au „ en errichteten riegergedenksteins statt. Die Zahl zu dieser schlichten aber desto eden hee Feier . war so groß, daß kaum die Hälfte der⸗ selben in den Räumen des Windhofes ein wenn auch be⸗ scheidenes Plätzchen finden konnte. Nachdem Herr Oberst⸗ eutnant Bornemann das Kaiserhoch ausgebracht hatte, e Kafserhymne verklungen war 82 daran anschließend geuchelheimer Frauen und Jungfrauen das Terzett aus ias„Hebe deine Augen auf zu den Bergen“ in zu gerzen gehender Weise gesungen hatten, hielt Pfarrer Dörr die von vaterländischer Begeisterung getragene Weihe⸗ ede. Unter entsprechenden Worten erfolgte hierauf die iederlegung von Kränzen im Namen und Auftrage der azarettverwaltung, der auf dem Windhof wohnenden Ver⸗ wundeten, des Kriegervereins Heuchelheim, sowie der Ge⸗ meinde Heuchelheim und der Jugendwehr Gießen. Auch die rauen und Jungfrauen von Heuchelheim, die im Pflege⸗ dienst auf dem Windhof tätig sind, legten eine Kranzspende nieder. Zur Verschönerung und Hebung der ganzen Feier trugen ganz wesentlich außer dem oben angeführten Frauenchor noch die beiden unter Leitung des Lehrers Wolfschmidt mit den Verwundeten eingeübten Chöre „Mag auch die Liebe weinen“ und„Sturmbeschwörung“ bei. An die eigentliche 12 schloß sich ein zwangloses, 55 Treiben in den Räumen und auf dem Hofe des Windhofes an. Verwundete und Gäste wurden mit Kaffee und Bier bewirtet. Karten mit dem Bildnis des Denksteins, Blumenvasen, die von den Verwundeten in geschmackvoller Weise selbst hergestellt waren, sowie allerlei zum Kauf angebotene Bedarfsgegenstände fanden unter den Gästen reichlichen Absatz; der Reinertrag soll zur Be⸗ streitung der Denkmalherstellungskosten Verwendung finden. Da auch die Gießener Landsturmkapelle nicht mit ihren Vorträgen kargte, kam eine Feier zustande, die jedem Teil⸗ nehmer eine schöne Kriegserinnerung bleiben wird. FJIn dem besetzten Gebiete von Polen nehmen alle Orte der Kreise Bendzin, Czenstochau, Kalisch, Kolo, Konin, Lodz, Nieszawa, Lask⸗Pabianice. Sieradz, Slupca, Turek, Wielun und Wloclawek an dem Postverkehr mit Deutschland teil. Für Orte ohne Postanstalt vermitteln die deutschen Postämter der Kreishauptorte den Verkehr; nach dem Kreise Slupca be⸗ sorgt die Vermittlung das Postamt in Konin, nach dem Kreise Turek das in Kalisch, nach dem Kreise Nieszawa das in Wloclawek. eit der Sendungen ist stets der Name des Kreises anzugeben.. l Von der Technischen Hochschule in Darm⸗ en 1 Genesungsheims den gefallenen Kame⸗ stadt. Unsere Leser machen wir auf die im An⸗ zeigenteil unseres Blattes enthaltene Bekanntmachung der Technischen Hochschule zu Darmstadt aufmerksam. Dieselbe gewährt eine vollständige wissenschaftliche und künstlerische Ausbildung für den technischen Beruf. Besonders 5 noch hervorzuheben, daß durch die eingerichteten Herbst⸗ und Osterkurse es möglich ist, zu Ostern oder im Herbst mit dem Studium zu be⸗ ginnen und somit ohne Zeitversäumnis nach je vier Semestern die prüfung und nach je acht Semestern die Hauptprüfung abzu⸗ legen. iz Storchenbesuch vor der Kinderklinik. Ein Zug Störche, der auf der Wanderschaft war, überflog am Samstag abend die Stadt. Ueber der Kinderklinik mochten einem Teile von ihnen liebe Erinnerungen an den Klapper⸗ 3 kommen, denn sieben Langbeine trennten sich von em Zuge und ließen sich gegenüber der Klinik auf einem Hausdach nieder, wo sie klappernd auf und ab stelzten und schließlich, da ihnen die Nachbarschaft wohl zu behagen schien, auf einem Bein die Nachtruhe begannen. Natürlich fanden die schwarz⸗weiß⸗roten Gäste zahlreiche Beobachter, die u. a. erwogen, ob es wohl ein Glück sei, daß der sieben⸗ fache. nicht in, sondern nur an der Klinik gelandet sei. Am Sonntag morgen breitete der Besuch die Schwingen und setzte die Reise fort. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 8. Aug. Die hiesige Jugendkompagnie hielt verflossene Nacht im Gelände bei Bad-Salzschlirf eine 55 ebung gen, die Jugendwehr Landenhausen ab, die mit an⸗ schliezendem Biwak und Abkochen verbunden wurde. Für das N ager hatte eine hiesige Brauerei die nötigen Zelte gestellt und die 55 Wurstsabrik Duchardt stiftete das Fleisch zur Biwakskost. Ein 5 1 wurde durch die eigene Kapelle ausgeführt. Um Uhr morgens wurde das Biwak abgebrochen und nach Einnahme 0 des Kaffees der Rückmarsch angetreten. Kreis Schotten. Aus dem Vogelsberg, 8. Aug. In banger Sorge sahen die Besitzer der Sommerfrischen dem diesjährigen Ge⸗ schäst entgegen. Wider Erwarten ist aber der Besuch aus den Städten gut, was hauptsächlich seinen Grund darin haben dürfte, daß die Regierung den Staatsbeamten empfohlen hat, ihre Ferien im Heimatlande zu verleben. Hochwaldhausen, Hartmannshain und Herchenhain sind stark besucht. 15 Kreis Friedberg. fc. Butzbach, 8. Aug. Zu Erntearbeiten wurden ieser Tage auch gefangene Kanadier aufs Land gebracht. Starkenburg und Rheinhessen. a vohner ohne Einrichtung beteiligen. Di Verkaufsstellen in Halbliterflaschen abgegeben werden. 5 Hessen⸗Nassau. wm. Neustadt, 8. Aug. Heute nachmittag gegen 4 Uhr brach be Behausung des Schuhmachers Faber ein Brand aus, der auf das angrenzende Hintergebäude, eine mit Heu und Stroh J Scheune, übersprang, welche bald in hellen Flammen stand. er schnell herbeigeeilten städtischen Feuerwehr gelang es, das Wohnhaus, von dem allerdings der Dachstuhl vollständig nieder⸗ annte, zum größten Teil zu retten. Infolge des starken Windes 155 das Feuer aber auf das angrenzende Besitztum des Heinrich Bauer über, das nebst einer Scheune dem Element 5 Opfer fiel. in großer Teil der Möbel, Betten, Wertsachen verbrannte, ebenso uch die ganzen Erntevorräte, die noch ungedroschen waren. — Aus belgischen Archiven. Berlin, 8. August. Die„Norddeutsche Allgemeine Zei- 5 fährt mit der Verbffentlichtang von Aktenstücken„Aus bel⸗ n Archiven“ fort. Im Jahr 1998 machte der Zusammenschluß Rußlands, Englands und Frankreichs weitere Fortschritte. Schon im Laufe März sprach die russische Presse von der Unvermeidlichleit eines eges mit Deutschland, und es mehrten sich die Anzeichen, daß dem Balkan ein Zusammengehen Oesterreich-Ungarns mit ßland schwierig geworden sei. Ende Mai erfolgte der Besuch Präsidenten der französischen Republik in England. Bei ser Gelegenheit trat im„Temps“ Herr Tardieu für die Ein⸗ rung der allgemeinen Wehrpflicht in England ein. Den Au⸗ dazu hatten die von König und Prifidenten gesprochenen e im Buckingham Palast gegeben. Der König hatte von permanente“ der Präsident von„entente resserrée“ ge⸗ en und die Forderung des„Temps“ machte den Eindruck, als * 1 werde von Frankreich eine Bedingung für Verwirklichung dieser auf ein Bündnis hindeutenden Reden gestellt. Von epochemachen⸗ der Bedeutung war der Besuch, den König Eduard am 9. Juni 1908 dem Zaren vor Reval machte. Er bezweckte die Ausschal⸗ tung Oesterreich⸗Ungarns aus den Balkanangelegenheiten und hatte die revolutionäre 17 in der Türkei zur Folge. Der Revolution der Jungtürken folgte die Proklamation Bulgariens zum selbständigen Zartum, Oesterreich-Ungarn voll⸗ zog die Annexion von Bosnien und der Herzegowina, und da⸗ mit trat plötzlich eine serbisch⸗österreichisch-ungarische Frage in den Vordergrund, in welcher die Ententemächte gegen Oesterreich⸗ Ungarn Partei nahmen. Schon damals schien eine Weltkrisis kaum zu vermeiden. Daß sie trotzdenr vermieden wurde, lag an dem entschlossenen Eintreten Deutschlands für Oesterreich-Ungarn und daran, daß Rußland sich noch nicht stark genug fühlte, die Rolle zu übernehmen, die ihm zugedacht war. Im März 1909 konnte die Gefahr als überwunden gelten. b Am 9. Februar 1909 kam zwischen Deutschland und Frankreich ein Abkommen über Marokko zustande, in dem Deutschland die besonderen politischen Interessen Frankreichs anerkannte, wäh⸗ rend es andererseits die wirtschaftliche Betätigung Deutschlands in Marokko sscherstellen sollte. Es ist überaus lehrreich, die Haltung zu verfolgen, welche die belgischen Gesandten in dieser Zeit einhielten. Die Selbstverherrlichung Delcassés mit ihren verletzenden An⸗ spielungen auf Deutschland, die schon Baron Greindl treffend ge⸗ würdigt hatte, veranlaßte Herrn Leghait in Paris, die Frage aufzuwerfen, ob nicht die Neugruppierung der Mächte das Er⸗ gebnis eines umfassenden Programms sei, das in Lon⸗ don wundervoll erdacht wurde. Baron Greindl aber spricht sich am 29, Januar dahin aus, daß die Rede Delcassés deshalb Beifall gefunden habe, weil sie den geheimen Wünschen und den eingestandenen oder nicht eingestandenen Re⸗ vanchegelüsten der l entsprach. 5 Als der Deutsche Reichstag die Herabsetzung der Lebensdauer unserer Kriegsschiffe von 25 auf 20 Jahre einstimmig annahm, zog Greindl daraus den Schluß, daß das deutsche Volk den Ernst der Feindseligkeit Englands einsehe und deshalb ohne Murren die Kosten dieser Reform auf sich genommen habe.„Kein Mensch — schreibt er— hat hier jemals den absurden und unausführ⸗ baren Gedanken eines Angriffs gegen England gehegt, aber alle Welt befürchtet einen englischen Angriff.“: nzwischen machte das vertragswidrige Vorgehen Frankreichs in Marokko weitere Fortschritte. Baron Greindl durchschaut klar die Methode des französischen Vorgehens. Aus Anlaß des Weiß⸗ buches über Marokko weist er darauf hin, in wie flagrantem Gegen- satz zu den humanitären Reden Frankreichs im Haag das Bom⸗ bardement einer offenen Stadt wie Casablanca stehe. 5 Die Unaufrichtigkeit der Politik Pichons verurteilt er bei dieser Gelegenheit mit folgenden Worten: 5 „Zweifellos mußte man in Paris vorhersehen, daß dieses brutale Vorgehen nicht nur in Marokko, sondern in der ganzen mohammedanischen Welt eine fremdenfeindliche und vor allem antifranzösische Bewegung hervorrufen werde, die den gewünschten Vorwand zu einer Okkupation liefern sollte, die man zwar offiziell als eine vorübergehende bezeichnet, die man aber offen⸗ bar zu einer dauernden zu machen gedenkt. Am Quai d'Orsay ist man zu der Politik Herrn Delcassés zurückgekehrt, hat ihr aber noch dazu den Mantel der Heuchelei umgehängt. Doch selbst den beginnt man abzulegen.“ 8 In einem Bericht vom 13. Mai 1908 sagte er bezüglich der Abgesandten Mulay Hafids, die damals in Berlin zum großen Aerger der Pariser Regierung eingetroffen waren:„Gleich zu Anfang haben die Abgesandten erklärt, daß Mulay Hafid sein Reich allen Europäern öffnen werde, die alle gleiche Rechte hätten. Ich frage mich, ob sie die euxopäische Politik so wenig kennen, um nicht zu wissen, daß Frankreich keine gleichen Rechte für alle will(wir haben das zu unserem Schaden bei der Ernennung des Direktors der öffentlichen Arbeiten erfahren) und befürchtet, daß das Land sich beruhigt, statt es zu wünschen, weil es ihm den. Vorwand nehmen würde, den es sucht, um seine Eroberungs⸗ pläne verwirklichen zu können.“ Die Stellungnahme der deutschen Politik diesem illoyalen Vorgehen Frankreichs gegenüber kennzeichnet er unter Hinweis auf das deutsche Marokko folgendermaßen:„Das Weißbuch zeugt von Anfang bis zu Ende von dem eifrigen Bestreben der Kaiser⸗ lichen Regierung, den unwahrscheinlichsten Behauptungen des Herrn Pichon und des französischen Botschafters in Berlin Glauben zu . um nicht die marokkanische Frage erneut anschneiden zu müssen.“ Baron Greindl war in Beurteilung der Marokkopolitik Frank⸗ reichs scharfsichtiger als sein Pariser Kollege, der in seinem Bericht vom 19. Januar 1909 die Versicherung Herrn Pichons ernst! nimmt, daß die Regierung weder ein Protektorat noch die Erobe⸗ rung Marokkos wünsche()), sondern die Achtung vor den inter⸗ nationalen Vereinbarungen(!) und die Vorteile, auf die sie Frankreich ein Recht gäben. Ueber den Besuch des Präsidenten Fallisres in Eng⸗ land und die Rede, mit der Sir E. Grey den bevorstehenden Besuch König Eduards in Rußland als gänzlich unpolitisch dar⸗ stellte, äußert sich Greindl am 30. Mai folgendermaßen: „Mau mag es Allianz, Entente nennen, oder wie man will, die vom König von England persönlich eingeleitete Gruppierung der Mächte besteht, und wenn sie auch nicht eine direkte und baldige Kriegsgefahr für Deutschland bedeutet (was zuviel gesagt wäre), so liegt in ihr nichtsdestoweni⸗ ger eine Verringerung der Sicherheit. Die herkömmlichen friedlichen Versicherungen, die zweifellos auch in Reval wiederholt werden dürften, bedeuten recht wenig im Munde dreier Mächte, die eben erst, wie Rußland und England, wenn auch mit verschiedenem Erfolg, nur in dem Bestreben, sich zu vergrößern, ja ohne plausiblen Vorwand die Eroberungs⸗ kriege in der Mandschurei und in Transvaal geführt haben, oder die wie Frankreich gerade jetzt zur Eroberung Marokkos schreiten unter Nichtachtung feierlicher Versprechungen und ohne anderen Rechtstitel als die Uebertragung der Rechte Englands, die diese selbst nicht besaß. Es sind dieselben Mächte, die im Ver⸗ ein mit den Vereinigten Staaten, die kaum ihren Raubkrieg gegen Spanien hinter sich haben, im Haag als Ultrapazifizisten aufgetreten sind. 0 d Der Dreibund hat während 30 Jahren den Weltfrie⸗ den gesichert, weil er unter Führung Deutschlands stand, das mit der politischen Gliederung Europas zufrieden war: Die neue Gruppierung bedroht ihn, weil sie aus Mächten besteht, die eine Revision des Statusquo anstreben, und zwar in so hohem Grade, daß die Gefühle jahrhundertelaugen Hasses zum Schweigen gebracht haben, um diesen Wunsch verwirklichen zu können.“ Daß die deutsche Politik sich über die Tragweite der engli⸗ schen Pläne nicht täuschte, zeigen die Berichte Greindls vom 12. Juni und 18. Juli. Der Staatssekretär von Schoen machte Greindl gegenüber aber kein Hehl daraus, daß er die englische Politik illohal finde. 5 5 l Den Rücktritt des englischen Botschafters Sir Frank Lascelles, der sich durch 15 jährige Tätigkeit in Berlin das Vertrauen des Kaisers und der deutschen Regierung erworben hatte, erklärte Baron Greindl dadurch, daß man in London diesen Vertreter einer Politik der Annäherung zwischen Deutschland und England als unbequem habe beseitigen wollen:„Der Eifer, den er ent⸗ wickelt hat, um Mißverständnisse zu beseitigen, die er für töricht und für beide Reiche im hohen Grade nachteilig hält, entspricht nicht den politischen Ansichten seines Herrschers.“ 0. Noch schärfer urteilt Greindl am 13. Februar 1909 über die englische Politik bei Gelegenheit des endlich erfolgten Besuches König Eduards in Berlin im Winter 1909. Er schreibt bei diesem An⸗ laß:„Der König von England versichert, daß die Erhaltung des Friedens immer das Ziel seiner Bemühungen gewesen sei; das hat er seit Beginn des erfolgreichen diplomatischen Feldzuges immer gesagt, den er in der Absicht geführt hat, Deutschland zu isolieren; aber es kann einem nicht entgehen, daß der Weltfrieden nie⸗ mals ernstlicher bedroht war, als seitdemder Kö nig von England ihn zu festigen trachtet.—— Der Besuch des Königs von England fällt mit einer er heb⸗ lichen Vergrößerung des Marinebudgets zusammen, mit dem Bau neuer Panzer vom Treadnoughttyp und mit der Bildung des starksten Geschwaders, das es je gegeben hat, und dessen Heimats⸗ hasen der Punkt in der Nordsee ist, der den deutschen Küsten räumlich am nächsten gelegen ist. Geschieht dies lediglich zum Schutz gegen einen etwaigen Angriff, den Deutschland gar nicht in der Lage ist zu unternehmen?“. (Schluß folgt.) Vermischtes. » Sitten, 8. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) In einem Steinbruch oberhalb Rarok, der das Material zum Umbau eines Tunnels der Lötschbergbahn liefert, erfolgte ein gewaltiger Bergrutsch. Von den dort beschäftigten 30 Arbeitern konnten lich 21 rechtzeitig in Sicherheit bringen, neun wurden unter den Felstrümmern begraben und getötet. Die Verungllückten sind meist Familienväter, sieben Schweizer und zwei Italiener. Der Abrutsch erfolgte 800 Meter von der Bahnlinie entfernt. Der Betrieb der Lötsehbergbahn wird dadurch nicht gestört. Briefkasten der Redaktion. (Auonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) w. w. Die Zeichen bedeuten Garnisondienstfähigkeit wegen Mängel des Herzens. Einstweilen ist Felddienstfähigkeit aus⸗ geschlossen. Ob„sich das Leiden mit der Zeit hebt“, können wir natürlich nicht beurteilen. — wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 29. Woche. Vom 11. bis 17. Juli 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 990(inkl. 1600 Mann Militär), Sterblichkeitsziffer: 17,38% Nach Abzug von 8 Ortsfremden: 4,74%. — 2 — Er- Kinder rben an us. g. 5 Es starbe Zus. wachsene im 1 e* Angeborener Lebensschwäche 1(1)— 1040)— Altersschwäche 7 1—— Diphtherie 10—— 109 Miliartuberkulose 1(˖ 1)—— 10) Erkrankungen der Atmungs- organe 2(0 100— 1 Erkrantungen der Kreislauf- organe 2 1(0)— 10) Schlaganfall 1—— Krankheiten der Verdauungs⸗ organe 1110— 10)— Selbstmord 10˖) 1(J)—— Summa: 11(68) 5(30 209 4 Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie piel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. — Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Ueber Deutschland lagert heute ziemlich gleichmäßig verteilter höherer Lustdruck, unter 1907 Einfluß wir morgen eine wesentliche Aenderung des Wetters nicht zu erwarten haben. 1 8 Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 10. August 1915: Wechselnd bewöllt, trocken, keine Temperaturänderung, westliche Letzte Nachrichten. — Die Aussichten des Vierverbandes. N Budapest, 9. Aug. Die Aussichten des Vierverbandes haben sich, wie„Az Est“ aus Sofia meldet, wesentlich verschlechtert. Der französische Sondergesandte Cruppi machte Be⸗ suche bei allen bulgarischen Staatsmännern, wo ihm überall bestätigt wurde, daß Bulgarien unbedingt auf der Rückgabe ganz Mazedoniens bestehe. Dazu meldet A Nap“, daß Fürst Trubetzkoi völlig darauf verzichtet habe, ö 8 n von Mazedonien zu bewegen.—„A Nap“ meldet aus Sofia: Die Bevölkerung der bulgarischen Hauptstadt er⸗ fuhr gestern nachmittag den Fall von Warschau durch Sonderaus⸗ gaben der Blätter. Darauf versammelten sich große Menschen⸗ mengen, die zuerst vor das österreichisch⸗ungarische und dann vor das deutsche Konsulat zogen und den beiden Zentralmächten be⸗ geisterte Kundgebungen darbrachten. 5 Untergang eines englischen Torpedojägers? Wien, 9. Aug. Blättermeldungen aus Tonstantino pel zufolge wütete vorgestern in der 1 von Sila ein furchtbarer Sturm. In diesem N Wetter versuchte ein feindlicher Torpedojäger sich dem Ufer zu nähern, wobei er jedoch in einen Wasserstrudel geriet und unterging. Es soll sich um ein englisches Schiff handeln. Straßenkundgebungen in Moskau. 5 Stockholm, 9. Aug. In Moskau hat bei der Ein⸗ R 22 19 jährigen eine Straßenkundgebung von Militär⸗ personen stattgefunden. Besonders auf dem Roten Platze rotteten sich niedere Militärchargen zusammen. Es wurden Rufe laut wie: Schlachtet keine Kinder! Nieder mit dem Krieg! Als die Poltzet sie auseinandertreiben wollte, leisteten sie mit den Waffen Wider⸗ and. a 1 Die Einberufung der griechischen Kammern. Kopenhagen, 9. August. Wie aus Paris gemeldet wird, wurden die griechischen Kammern zum 16. August einbe⸗ rufen. Der„Temps“ schreibt dazu: Venizelos kommende Macht⸗ stellung wird die bedrohliche Atmosphäre zerstreuen. Ein italienischer Ministerrat. Lugano, 9. Aug. In Ron fand gestern im Palast Bracchi ein Ministerrat statt, an welchem alle Minister teilnahmen. Trotzdem keine offizielle Mitteilung herausgegeben wurde, glaubt man zu wissen, daß der Ministerrat sich mit der Munitionsfrage sowie mit Vorkehrungen ökonomischer Natur und Maßregeln für die Zivilverwaltung der besetzten Gebiete befaßt habe. Diebstähle in italienischen Staatsbetrieben. Lugano, 9. Aug. In Mantua sind große Diebstähle an Militärproviant entdeckt worden. Seit Kriegsbeginn hatten Unterbeamte der Intendantur große Unterschlagungen begangen. Schließlich wurden sie immer kühner und schleppten anze Säcke mit Kaffee, Reis, Makkaroni und Zucker in einen Laden. Für über 4000 Lire gestohlene Sachen wurden beschlag⸗ nahmt. Infolgedessen sind 11 Intendanturbeamte und Händler als Hehler verhaftet worden. Italienische Feldpostbriefe. Kanton Thurgau, 9. Aug. Trotz der schärfsten Zesur vermag es die italienische Militärbehörde nicht zu verhindern, daß nach und nach Mitteilungen über die Grenze nach der Schweiz gelangen, welche einen Rückschluß auf die furchtbaren Verluste zu⸗ lassen, welche die italienischen Truppen bei den letzten Kämpfen gegen die österreichische Front am Isonzo erlitten haben. Ein hie⸗ siger Reichsitaliener erzählt, er habe von einem Verwundeten einen Brief erhalten, in dem es heißt: Der Krieg gegen die Oesterreicher ist grauenhaft; viel, viel grauenhafter, als wir jemals geglaubt hatten. Unsere Verluste sind sehr schwer. Von 2 Regimentern fanden sich nach den fast ununterbrochenen Stürmen nur wenige Mann auf dem Sammelplatz ein.— Der erwähnte Italiener will auch von anderer Seite die bestimmte Nachricht erhalten haben, daß die bisher bezahlten Blutopfer seiner Lands⸗ leute furchtbar seien.— Er bemerkt, daß es den ita⸗ lienischen Kommandanten einfach unmöglich wäre, die nach den ab⸗ gewiesenen Stürmen abgewiesenen und zurückflutenden Mann⸗ schaften zu einem neuen Sturm zu veranlassen. Letztere liefen wie irrsinnig umher und für längere Zeit seien sie für jede weiters militärische Aktion unfähig. Die Oberleitung müsse deshalb immer neue frische Truppen zu weiteren Stürmen bereit haben. 2—— Serbien zur Rückgabe 3j3üCCCCC0C0C0C0 ⁵Ü A] ² ww N „ 6460 Hierdurch die traurige Nachricht, daß Samstagmittag 2 Uhr mein innigst⸗ geliebter Mann, mein lieber Vater, unser guter Sohn, Schwiegersohn, Bruder Schwager und Onkel Heinrich Krieger . Hilfsheizer im Alter von 24 Jahren nach kurzem, schwerem Leiden in dem Herrn sanft entschlafen ist. In tiefem Schmerze: Frau Amalie Krieger geb. Bergen und Kind Familie Konrad Krieger Forstwart Familie Heinrich Bergen Schreinermeister u. Gastwirt. Friedberg⸗Fauerbach, Allendorf a. d. Lda., den 9. August 1915. 7 05 Die Beerdigung findet in Allendorf a. d. Lda. Dienstag, den 10. August, nachm. 3¼ Uhr statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem schweren Verluste unseres lieben Sohnes und Bruders sagen wir tiefgefühlten Dank. Familie Ludwig Weimer. Alten⸗Buseck, den 8. August 1915. Bekanntmachung. Dienstag, Donnerstag und Samstag dieser Woche, jemeils vormittags non 8—12 Ubr, werden aus den von der Stadt Gießen eingekauften Beständen in dem Hofe des städtischen Hosnpitals, Seltersweg 11, gute Früh⸗ kartoffeln in Mengen bis zu B Pfund zum Preis von 8 Pfennig pro Pfund verkauft. Gießen, den 8. August 1915. Der Oberbürgermeister. 87 J. V.: Grüne wald. 6457 B Urbssberzogliehe Jeehnssche Aoebsehule zu Darmsadl Abteilungen für Architektur, Ingenieurwesen, Ma- scbinenbau, Papiexingenieurwes., Elektrotee hnik, Chemie (Elektrochemie u. Pharmazie). Allgemeine Abteilung(ins- besondere f. Mathematik u. Natur wissenschaften), Kursus f. Geometer I. Kl. Prüfungen zur Erteilung des Grades eines Diplom ngenieurs u. der Würde eines Doktor. In. genieurs. Fachprüfungen. Reichsprüfung für Pharma- zeuten u. Nabhrungsmitftel- Chemiker.(Gegenseitige An- erkennung der Diplom-, Vor- u. Hau tprüfung in Hessen u. Preussen flir den Staatsdienst im Hochbau- Ingenieur- ban u. Maschinenbaufache) Beginn des Studiums im Herbst oder zu Ostern, Aufnahmen vom 15. Oktober bis 15. November. Beginn des Unterrichts 10. Oktober. Programm gegen postfreie Einsendung von 60 861 5 Ausland 80 Pfg. 164 59hv] Das Rektorat. Großer Verkauf. Dienstag früb 7 uh kaufe 1 i. Anlage 8 Heubachs 9 e 1 Waggon Speise⸗Kartoffeln, 10 Pfund 85 Pfg. Fall⸗Aepfel 25 Pfund 1 Mark somie alle Sorten Obst zu den billigsten Preisen. Achtung! Achtung! Morgen Dienstag: Großer verkau im Garten des„Hotel Felsenkeller“ 30000 Einmachgurken, 100 Stück Mt. 1.20 bis 3.— 2000 große Salatgurken, Stück 15—25 Pfg., Zwiebeln, 10 Pfd. Mk. 1.50, role Speisemöhren, 10 Pfd. 50 Pfg., sowie Blumenkohl, Kopfsalat u. dal mehr, alles äußerft billig. Gleichseitig wird jede Sorte und jedes Quantum reifes Obst zu höchsten Preisen angekauft. Aufträge werden hier angenommen. 6466 Klein aus Köln. Es hat dem Herrn gefallen, unseren lieben Philister Herrn Friedrich Clemm„ Pfarrer zu Büdingen am 3. August 1915 zu sich heimzurufen. Der Giessener Wingolf. Karl! Ramge, I. N cand. theol., e XXX. 5 5 5 Statt Karten Dipl.-Ing. Karl Schneider Regierungsbauführer, 2. Zt. im Pionier-Regiment Nr. 25 Gustel Schneider geb. Haggenmüller Lehrerin zeigen ihre Vermählung an Worms u. Giessen, am 7. August 1915 9 1 )FWiederverkäufern, Feldpost: Dosen Eierschachteln 0 mit wasserdichtem Fals⸗ in besonders guter trans⸗ 45 S en 8 Ausstattung, achteln 8 1 alen Großen Schreibwaren J. Weinert, Giessen Papierwarengroßhandlung Fernspr 215 9 Traber Hüte Schlehr 5 C ⏑εn 5 Wilh. Noll, Seltersweg 36. Neuenweg 9 8 größte Auswahl, billigste Preise Wieder risch eingetroffen 1 Reform-Pflanzenbutter Harke„Sanitas“ 6451 REFORMHAUS, Kreuzplatz 5. zur Herbstaussaat von Lochows Original-Winter-Raps, Sand- oder Winter-Wicken, Incarnatkclee(seidefrei) Spinat, Feldsalat, Winter- Kopfsalat, Weisskraut, Wirsing, Rotkraut, Frühlings-Zwiebeln usw. usw. Heinrich Hahn, Giessen Neustadt 8 Samenhandlung Telephon 403 Versteigerung. Dienstag, den 10. August l. J., nachmittags ½2 Uhr, versteigere ich Neustadt 35 dahier(Bickersscher Saal) gegen Barzablung: Ca. 29 Mille Zigarren . darunter besserer Qualität. Die Versteigerung findet bestimmt statt. Born, Gerichtsvollzieber in Gießen. Deutscher Cognac 6427 und Bruder Es Fern von der Heimat, fern von deinen Lieben Ruhst du nun aus in fremdem Bei den Helden, die auch noch fielen Für das teure Vaterland; Ach, viel zu früh verließt du hier die Deinen, Die in der fernen Heimat bitter um dich weinen. Können wir dein Grab nicht schmücken, Trauernd an der Gruft nicht steh'n, Auf zum Himmel wollen wir blicken, Denn dort gibts ein Wiederseh'n. Nach Gottes Willen erlitt am 21. Juli den Ehrentod fürs Vaterland unser guter, lieber, unvergesslicher Sohn Heinrich Metzger Landsturmmann im Inf.-Regt. 61, 11. Komp. im Alter von 25 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Georg Metzger, Gastwirt, und Familie. Nonnenroth, den 8. August 1915. ist bestimmt in Gottes Rat, Daß man vom liebsten, das man hat, Muß scheiden. Wiederseh'n war seine Hoffnung! Lund 5 Limmer 57531 Schöne 4 Zimmer⸗ wobnung per 1. Oktober zu verm. Ludwigstraße 57. Schöne 4 Zimmer⸗Woh⸗ nung im 1. Stock per 1. 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