2 Erstes Blatt iezener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis- latt für den Kreis Gießen (Dienstag und. Kall, zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelleö l Adrese für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. CCC Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Fortschritte an allen Fronten im Osten. Ein italienisches Unterseeboot und ein italienisches Luftschiff vernichtet! (TB.) Großes Hauptquartier, 6. August. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Kampf am Lingekopf und südlich dauert an. a Durch unsere Abwehrgeschütze wurden vier feind⸗ liche Flugzeuge zum Landen gezwungen. Eins davon verbrannte, eins wurde zerschossen. An der Küste fiel ein französisches Wasserflug⸗ zeug mit seinen Insassen in unsere Hand. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Kurland fanden in der Gegend von Popel (60 Kilometer nordöstlich von Poniewiez) und bei Kowarsk und Kurkle(nordöstlich von Wilkomierz) für uns er folg⸗ reiche Reiterkämpfe statt. An der Narew⸗Front südlich von Lom za machten die deutschen Armeen trotz hartnäckigen Widerstandes der Russen weitere Fortschritte. g Zwichsen Bugmündung und Nasielsk durch⸗ stießen Einschließungstruppen von Nowo⸗Georgiewsk eine feindliche Stellung suͤdlich von Blendostwo und drangen gegen den oberen Narew vor. 1 Unser Luftschiffgeschwader belegte die Bahn⸗ hofsanlagen von Bialystock mit Bomben. noch s abgesehen zu haben. Unse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere über die Weichsel vorgedrungenen Truppen gahmen einige feindliche Stellungen. Feindliche Gegenangriffe blieben erfolglos. Die Armeen des Generalfeldmarschalls v. Macken sen setzten die Verfolgungskämpfe fort. Nordüstlich bon Nowo⸗Alexandrija wurde der Gegner von österreichisch-unga⸗ rischen Truppen, bei Sawin(nördlich von Cholm) von deutschen aus seinen Stellungen geworfen. N Oberste Heeresleitung. 1** 5 Vom rechten Weichselufer aus haben die abziehenden Russen ihrer Wut noch einmal Luft gemacht, indem sie blind⸗ lings in das von den deutschen Truppen besetzte Stadtinnere Warschaus hineinschossen. Man darf vielleicht daraus die Annahme ableiten, daß sie die polnische Hauptstadt ein für allemal aufgeben, eine Wiederkehr des russischen Regiments selbst für unmöglich halten. Wo aber werden wir uns wieder⸗ sehen?, werden Prinz Leopold und seine Treuen bei diesem Abschiedssalut fragen, und einige Möglichkeit, daß die Blindschützen noch einmal aus nächster Nähe Be⸗ kanntschaft mit deutschen Soldaten machen wer⸗ den, besteht sicherlich. Auf allen Fronten an Narew und Weichsel drängen unsere Truppen dem Feinde nach; die Bahnhofsanlagen von Bialystock sind von unseren Luftschiffen mit Bomben beworfen worden mit der Absicht, ein Entkom⸗ men des südlich des Narew zurückweichenden Feindes nach Möglichkeit zu verhindern. Auch Mackensen rückt aus Süden weiter vor, wenn es auch immer noch scheint, als ob gerade dort die Russen ihre heftigsten Bemühungen machten, stand⸗ zuhalten, bis ihr Rückzug geordnet ist. Ob dies aber in vollem Umfange möglich sein wird, bezweifeln selbst eng⸗ lische Blätter, wie man aus den nachstehenden Meldungen entnehmen kann. Im Norden bildet die Betrachtung des deutschen Auf⸗ marsches ein fesselndes Bild. Die deutsche Kavalleriefront zieht sich östlich von Poniewiez in gerader Linie von Süden nach Norden. General von Belows auf Dünaburg vor⸗ gehende Armee folgt der Reiterei dicht hintenauf. Kowarsk und Kurkle, wo die feindliche Reiterei geschlagen worden ist, liegen beide etwa 15 Kilometer südlich und südwestlich von Onikschty, wo am Donnerstag ein Gefecht gemeldet wurde. Da, so urteilt ein Mitarbeiter der„Köln. Ztg.“, Kurkle dicht nördlich der großen Straße von Wilkomierz nach Dünaburg gelegen ist, haben wir die Hand auf diese gelegt und zugleich den Uebergang über die Wirinta erzwungen. Sie läuft von Osten nördlich von Kowarsk in die Swenta, einen Nebenfluß der bei Kowno in den Njemen mündenden Wilija. Auf dem linken Flügel erreichte die Heereskavallerie das 60 Klm. nord⸗ östlich von Poniewiez liegende Popel. Immer schärfer tritt so der Vormarsch der Armee Below hervor, der den englischen Blättern so große Sorge macht, so daß sie ihm allmählich höhere Bedeutung für die Gestaltung der künftigen Lage bei⸗ messen möchten als der Offensive der Armeen unter dem Feld⸗ marschall v. Mackensen. Auch der Feind an der österreichischen Südgrenze, der 8 ich wirklich mit dem Gedanken zu tragen scheint, vor den F* f Artilleriefeuer Dardanellen bessere militärische Gehversuche anstellen zu können als in der Isonzo-Front, hat neuerdings Schlappen erlitten, die ihm seinen kleinen Vorrat an Prestige immer weiter zusammenschmelzen lassen. Der heutige österreichisch⸗ ungarische Tagesbericht ist in schlichten Sätzen abgefaßt, doch von der ersten bis zur letzten Zeile ein Triumph. Nicht allein daß die wiederholten Vorstöße der Italiener regelmäßig mit erheblichen Verlusten nach wie vor mit sicherer Regelmäßig⸗ keit zurückgewiesen werden, hat auch die italienische Flotte wieder einen blamablen Vexrlust erlitten. Der tüchtigere Gegner hat eines ihrer Unterseeboote mit der gleichen Waffe besiegt und wiederum in einem Zweikampf zwischen Unter⸗ seebooten bewiesen, wo die größere Geschicklichkeit liegt. Eben⸗ so ist ein italienisches Luftschiff österreichischen Schützen zum Opfer gefallen. So hoch im Lande Mignons der Lorbeer steht, im symbolischen Sinne wissen seine Bewohner nichts damit anzufangen; die Lorbeerblätter des Sieges sind ihnen ein Ausfuhrartikel, von dem sie selber nichts übrig behalten. *** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 6. Aug. 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Nordwestlich Jwangorod machten unsere Verbünde⸗ ten Fortschritte. Zwischen Wei gungskämpfe an. In Ostgalizien ist die Lage unverändert. chsel und Bug dauern die Verfol⸗ sie 1 on un 1 zurückgetrieben oder, wenn sie diesem stand⸗ hält, durch unsere tapfere Infanterie unter großen Verlusten geworfen. Auch die durch den Feind geübte gründlichste und stärkste Artillerievorbereitung vermag an diesem Verlauf der Begebenheiten nichts zu ändern. So scheiterten in der Nacht zum 5. und gestern mehrere Angriffe, einer, der von Sagrado ausgeführt wurde, einer gegen die Höhe von Podgora, wo das Angriffsfeld mit italienischen Leichen bedeckt ist. Ebenso waren feindliche Vorstöße im Plava⸗ Abschnitt und im Krngebiet erfolglos. Ein der Artillerie- beobachtung dienender italienischer Fesselballon wurde bei Monfalcone herabgeholt.. In den karnischen Alpen haben unsere Truppen in der Gegend des Monte Paralba einige günstige Höhen⸗ stellungen auf italienischem Gebiet besetzt. Auf der Tiroler Front wurde der Angriff eines feind⸗ lichen Bataillons gegen den Col di Lana GBuchenstein) abgewiesen. Eine unserer Patrouillen überfiel in einem ita⸗ lienischen Seitentale des Ortlergebietes eine Halb⸗ kompagnie des Feindes und brachte ihr erhebliche Ver⸗ luste bei. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ereignisse zur See. Eines unserer Unterseeboote hat gestern früh ein ita⸗ lienisches Unterseeboot, Typ„Nautilius“, bei Pelagosa anlanciert und versenkt. Das italienische Luftschiff„Citta di Jesi“ wurde um Mitternacht vom 5. auf den 6. August bei einem Versuche, über den Hafen von Pola zu fliegen, durch Schrapnellfeuer heruntergeholt, bevor es irgend einen Schaden anrichten konnte. Die gesamte Be⸗ mannung, bestehend aus drei Seroffizieren, einem Maschi⸗ nisten und zwei Mann, wurde gefangen. Das Luftschiff wurde nach Pola gebracht. Flottenkommando. (Das versenkte italienische Unterseeboot vom Typ„Nautilus“ ist eine Unterseewaffe jüngsten Datums. Das Schiff stammt aus dem Jahre 1913, hat eine Länge von 41 Metern und eine Schnellig⸗ keit von 14 Knoten über und 9 Knoten unter Wasser. Die Be⸗ satzung betrug 17 Mann. Ein Schwesterfahrzeug ist das Unter⸗ seeboot„Nereide“.) Die italienische Darstellung. Rom, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani. In der vergangenen Nacht warf unser Luftschiff„Velta“ Bomben auf Pola, wohin be⸗ reits früher glückliche Streifzüge unternommen worden waren. Aus Gründen, welche man noch nicht feststellen konnte, fiel das Luftschiff ins Meer. Die Besatzung, welche aus 3 Offizieren und 13 Mann bestand, ist wohl⸗ behalten; sie wurde gefangen genommen. *** Der Einzug in Warschau. Berlin, 7. Aug. Wie der Sonderberichterstatter des„Berl. Lokalanz.“ meldet, erfolgte am 5. August in aller Frühe der Einzug der deutschen Truppen in Warschau. Die Forts waren durch Drahtverhaue, Gruben, Minen und Gräben gegen Infanterie⸗ angriffe stark befestigt, und die Truppen hatten in den beiden letzten Tagen und Nächten noch beträchtliche Kämpfe zu bestehen. Die Erdwerke wiesen mehrere Volltreffer deutscher Artillerie auf. Warschau ist also durchaus nicht kampflos geräumt worden. Die Zerstörung in der Stadt und in der Umgebung ist sehr gering⸗ fügig, da die Bevölkerung sich weigerte, den Zerstörungsbefehl der zurückweichenden Russen auszuführen. Beim Einzug waren die Straßen voll von Menschen, die allen deutschen Offizieren und Soldaten einen freu⸗ digen, ja jubelnden Empfang bereiteten. Fast alle Geschäfte sind geöffnet. Die elektrische Straßenbahn verkehrt wie gewöhnlich. In den Straßen tat während des Einzuges der Truppen Bürgermiliz Polizeidienst. 5 Berlin, 7. Aug. Wie das„Berliner Tageblatt“ mel⸗ det, hat der Kaiser dem Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern, dem Eroberer von Warschau, den Orden Pour le mérite verliehen. Der neue Polizeipräfident. Köln, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Köln. Volks⸗ ztg.“ meldet: Der hiesige Polizeipräsident v. Glasenapp ist in gleicher Eigenschaft an die deutsche Verwaltung in 4 Warschau berufen worden. Die englische Presse über den Fall von Warschau. London, 6. August.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ schreibt über die Einnahme von Warschau: Es wäre töricht, zu behaupten, daß die Einnahme von Warschau geringe militärische und geringe politische Bedeutung habe. Der Verlust von Warschau hat zur Folge, daß die Möglichkeit des Wie⸗ derbeginns einer Offensive, durch die die Sicherheit 5 Deutschlands ernstlich bedroht würde, für un bestimmte Zeit vorbei ist. Es ist beruhigend, daß die Deutschen das russische Heep nicht vernichtet haben. Der militärische Mitarbeiter der„Morning Post“ schreibt über den Rückzug der Russen: Die Schwierigkeiten eines solchen Rückzuges haben sich bereits bei der Rückwärtsbewegung in Galizien ser fühlbar gemacht. Da der Feind damals aber überall in der Frontlinie aufmarschierte, bestand wenig Gefahr, daß große Trup⸗ penmassen abgeschnitten würden. Jetzt ist die Lage viel verwickel⸗ ter. Das Heer hält eine Front von 300 Meilen besetzt und ist, i 5 5 1 5 5 umzingelt, den Angriffen aus Norden, Westen und Süden aus. gesetzt. Es ist klar, daß ein gleichzeitiges Zurücknehmen aller Teile des Heeres zur Folge haben würde, daß die gesamte Streit⸗ macht ungefähr in der Mitte des besetzten Gebietes eingeschlossen würde. Der Feind beabsichtigt offenbar eine Wiederholung 5 der Schlacht von Sedan im großen Stile. Der Einzug des Erzherzogs Josef Ferdinand in Lublin. Wien, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ pressequgrtier wird gemeldet: Der Armeekommandant, Ge⸗ neral der Infanterie Erzherzog Josef Ferdinand, zog gestern vormittag 11 Uhr an der Spitze der Truppen feierlich in Lublin ein. In den Straßen bildete Militär Spalier. Vor dem Automobil, welches Reiter flankierten, ritt ein Zug Kavallerie. Beim Regierungsgebäude war eine Ehreneskadron zu Pferde mit Regimentsmusik aufgestellt. Zum Empfange waren erschienen: Der Präsident der Stadt Lublin mit einer Abordnung des Ge⸗ meinderats, Vertreter der Provinz Lublin, der Präsident der freiwilligen Bürgermiliz und Vertreter der Geistlichkeit aller Be⸗ kenntnisse. Auf eine huldigende Ansprache des Stadtpräsi⸗ denten antwortete der Erzherzog folgendermaßen: Emp⸗ fangen Sie meinen Dank, Herr Präsident, für den Namens der Stadt entbotenen Gruß. Die verbündeten Armeen führen Krieg gegen die russische Wehrmacht, nicht aber gegen die friedliche Bevölkerung der von uns eroberten Gebiete. Volk und Stadt Lublin können meines Wohlwollens und Schutzes solange ver⸗ sichert sein, als sie sich jeder feindseligen Handlung und jedes Widerstandes enthalten und unseren berechtigten Forderungen ent⸗ sprechen. Hierauf zeichnete der Erzherzog alle erschienenen Be⸗ amten durch Ansprachen aus. Abends war Platzmusik. Die Räumung Rigas. London, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der„Morning Post“ aus Petersburg hat die Ent⸗ sernung der nichtmilitävischen Bevölkerung aus Riga vor einiger Zeit begonnen. Unerwünschte Elemente wurden in das Innere geschafft. Zuletzt wurden die Banken entfernt. Außer den russischen Behörden befindet sich in Riga und im ganzen Bezirk nur Militär. Die französische Militärkritik über den russischen Rückzug. Paris 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Französische Mili⸗ tärkritiker beschäftigen sich mit der Frage, ob der russische Rück⸗ zug ungefährdet ausgeführt werden kann. Sie erklären, daß in⸗ folge der Durchbrechung der Narew⸗Linie und der Eroberung der Eisenbahnlinie Lublin⸗Cholm die Lage der russischen Truppen, die noch im Raume von Warschau stehen, zu Besorgnis Anlaß gebe. Die Flankenbedrohung des russischen Heeres sei von den Deutschen verwirklicht worden. Man wisse nicht, welche Gegen⸗ maßregeln Großfürst Nikolai getroffen hat, um der Umklamme⸗ rung zu entgehen, und man dürfe sich keinen Illusionen hingeben. Die Wege in Polen seien wenig geeignet, um einen so gewaltigen Rückzug ohne Stauung zu bewerkstelligen. Das Problem, welches die Russen zu lösen hätten, um den Zusammenhang zwischen den Armeen aufrecht zu erhalten, sei schwierig. Der russische Bericht. Petersburg, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus teilt mit:. Infolge der Verhältnisse der allgemeinen Lage erhielten unsere Truppen westlich Warschau den Befehl, auf das rechte Wei selufer zurückzugehen. Nach dem eingegangenen 3 5 * wurde dieser Befehl ausgeführt. Die Truppen, die Warschau deckten, gingen am 5. August 5 Uhr morgens, ohne vom Feinde ange⸗ e zu werden, in die neue ihnen bezeichnete Front zurück, nach⸗ sie alle Brücken über die Weichsel hinter sich in die Luft gesprengt hatten. ö In der Richtung auf Riga wich der Feind nach den Kämpfen an der Mir re am 4. August in voller Eile zu dem Flusse Eckau zurück, indem er in seinen Schützengräben viele Granaten und unition zurückließ. In der Gegend von Poniewiez dauern die Kämpfe an. Es gelang den Deutschen von neuem, ein wenig vorzurüclen. 5 3 An der Narewfront unternahmen die Deutschen Angriffe in der Richtung auf Lomza und vor der Front Ostrolenka RNozan; sie ergriffen die Offensive mit bedeutenden Kräften auf den Straßen nach Ost row. Am 4. August wurde ein Kampf mit Außerster Erbitterung im Abschnitt des Oje⸗Flusses geliefert. Unsere Truppen machten gegen den Feind, der diesen Fluß an mehreren Stellen fülöberschritten hat, energische Gegenangriffe. Westlich Warschau und weiter südlich von der Chaussee nach Blonie warfen wir am 4. August erfolgreich deutsche Angriffe zurück. Der Feind ge⸗ langte unter außerordentlichen Verlusten bis an unsere Stachel⸗ drähte, wurde aber hier durch unser Feuer zum Stehen gebracht. Rechts der Weichsel bei Matzie vitze ist die Lage im großen und ganzen unverändert. In der Gegend von Jwangorod gingen unsere Truppen, ohne vom Feinde angegriffen zu werden, auf das rechte Weichselufer hinüber, indem sie die Brücken hinter sichsprengten. a Zwischen Weichsel und Bug warfen unsere Truppen spät abends am 3. ds. die Deutschen unter außerordentlichen Verlusten für den Feind zurück. An zahlreichen Punkten der Fronten gaben 1 iese örtlichen Erfolge, die durch kurze Verfolgung ausgenutzt wurden, unseren Truppen die Möglichkeit, in derselben Nacht, ohne daran gehindert zu werden, eine neue vorteilhaftere Front auf dem linken Bugufer, sowie in der Richtung Wladimir— Wo⸗ linsky— Kowel einzunehmen. Am oberen Bug, an der Zlo⸗ ta⸗Lipa, und am Dnujestr keine Veränderung. 5 Im Schwarzen Meer wechselten unsere Torpedoboote Schüsse mit den Batterien von Eregli, versenkten 37 Segel⸗ schiffe und zerstörten die Schiffswerft. 1*** Der türkische Bericht. Konstantinopel, 6. August.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Kaukasusfront geht der von unserem rechten Flügel errungene Vorteil weiter. Unsere Truppen, welche das ganze Murod⸗Tal besetzt haben, nahmen dem Feind am 3. August auf der Verfolgung Alesch⸗ kerd, nordwestlich von Kirkilissa, weg. 5 An der Dardanellenfront ließ der Feind in der Nacht zum 4. August vor den Schützengräben unseres linken Flügels eine Mine springen und machte einen Angriff, wurde aber mit Verlusten für ihn zurückgeworfen. Wir stellten eine große Anzahl gefallener Feinde vor unseren Gräben fest. In der Nacht beschoß die Artillerie unseres rechten Flügels ein feindliches Tor⸗ eboboot, welches getroffen wurde und sich brennend urückzog. Bei Sedd⸗ül⸗Bahr schwaches Gewehr⸗ und Geschützfeuer mit Unterbrechung von beiden Seiten. Unsere Truppen haben durch allmählich fortschreitende Angriffe dem Feind auf dem linken Flügel 200 Meter Gelände in Rich⸗ ung seiner Schützengräben abgenommen. Feind⸗ che Flieger haben Bomben auf das Lazarett von Agaderz bei Sedd⸗ul⸗Bahr geworfen, obgleich die Fahne mit dem Roten Halb⸗ mond darauf deutlich sichtbar war. Sie haben vier dort liegende Verwundete getötet und 14 Personen verwundet. An den anderen Fronten nichts von Bedeutung. Die Kämpfe an den Dardanellen. 5 Berlin, 6. Aug.(Priv.⸗Tel.) Die„B. 3.“ meldet aus Lugano: Der„Corriere della Sera“ meldet aus Messina: er Kommandant eines italienischen Schiffes, das von den Dardanellen kam, erzählte, daß die Engländer 50 Meter von der Küste fünf italienische Dampfer in Grund gebohrt hätten, über die sie eine 500 Meter lange Barriere bauten, um auf diese Art das Landen von Truppen und Material leichter zu gestalten. Deutsche Unterseeboote im Mittelmeer. Berlin, 7. Aug. Wie das„Berliner Tageblatt“ mel⸗ det, vermutet der„Matin“, daß sich im Mittelmeer ein deutsches Unterseeboot befindet. Von diesem sei am 1. gust bei Algier ein Angriff auf einen mit dem Schutz der afrikanischen Küste beauftragten Hilfs⸗ kreuzer und am folgenden Tage bei Kap Matifou ein Angriff auf einen Handelsdampfer gemacht worden. Die An⸗ griffe hätten jeboch keinen Erfolg gehabt. Ein neues Kabinett Venizelos? g Berlin, 7. Aug. Nach der„Berliner Morgenpost“ meldet der römische„Messagero“ aus Athen, daß König Konstantin Venizelos mit der Bildung eines neuen Kabinetts beauftragt habe. Die bulgarische Anleihe in Deutschland.. Berlin, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Dele⸗ erte der bulgarischen Regierung, Dr. Steyaneff, irektor der bulgarischen Staatsschuldenverwaltung, hat nach erfolgreicher Beendigung der Verhand⸗ lungen mit einem unter Führung der Diskonto-Gesell⸗ schaft stehenden Konsortium Berlin verlassen. Vor seiner Ab⸗ reise wurde er von dem Staatssekretär des Reichsschatz⸗ amtes und dem Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes empfangen. 8 * . 8 2 5 2 „* ö a Der Jahrestag der Kriegserklärung in Frankreich. Paris, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Meldung der Agence Havas. Der Jahrestag der Kriegserklärung gab den Anlaß zu feierlichen Sitzungen des Senates und Hammer, welchen die Reden der Präsidenten und die Verlesung einer Botschaft Poincarés vorangingen, die das einmütige Empfinden des Landes wiedergibt. Eine starke patriotische Erregung bemächtigte sich beider Häuser, als Dubost und Deschanel den unerschütterlichen Willen des Parlaments bekräftigten, die am 4. August 1914 bekannt⸗ gegebene heilige Einigkeit aufrecht zu erhalten, um auch veiterhin dem Lande das Beispiel der Entschlossenheit und Arbeit zu geben, die das Geheimnis und die Kraft Frank⸗ reichs waren und die Grundlage des Sieges Frankreichs ein werden. Alle Parlamentarier hörten stehend die Reden Dubosts und Deschauels, wie die Verlesung der Botschaft Poincarés an. Der 5 Anschlag der Reden un Botschaft wurden einstimmig beschlossen. n der Botschaft an das Parlament stellt Poincaré fest, daß die von ihm zu Beginn des Krieges proklamierte Notwendigkeit der geheiligten Einigkeit von allen Teilen der Bevölkerung, sowie von der Armee anerkannt worden ist. Poincars selbst fährt dann fort:„In der Verwirrung seines Hochmutes hatte Deutschland sich ein leichtsinniges unper⸗ sönliches Frankreich vorgestellt, das in seiner Unbeständig⸗ keit unfähig wäre zur Ausdauer. Aber das Volk und die Armee werden durch ihre Anstrengung fortfahren, diesem FETT dieser Auslegung entgegen und erklären, die parlamentarische Kon⸗ der treffendste gekennzeichnet. Im allgemeinen dürfte das schnelle Wech⸗ F!!! durch die verlogenen Nachrichten, die im Schatten die uwuche Seele belagern, noch durch die lärmenden Frie⸗ bensversicherungen feindlicher Manifeste, noch durch die süßlichen und perfiden Worte, die verdächtige Agenten bis⸗ weilen in die Ohren der Neutralen murmeln“— Damit meint Poincaré offenbar die letzten Kunde ngen des Deutschen Kaisers und des Papstes. Er schließt mit den Worten„Frankreich will siegen, es wird siegen“. Telegrammwechsel zwischen dem König von England und dem König der Belgier. Le Havre, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Havas. Anläßlich des Jahrestages des deutschen Ultimatums an Belgien hat der König von England dem König der Belgier telegraphisch sein Vertrauen ausge⸗ sprochen, daß die alliierten Armeen unentwegt bis zum endlichen Siege kämpfen würden. England sei dazu entschlossen. Der König der Belgier erwiderte mit dem Ausdruck des uner⸗ schütterlichen Vertrauens, daß den Alliierten der Sieg beschieden 2 werde. Belgien werde trotz aller Leiden und Opfer durch⸗ alten. Die Parlamentstkontrolle in Fraukreich. Paris, 6. Aug.(WT Nichtamtlich.) Die reaktionäre Presse bekämpft die Verschärfung der parlamen⸗ tarischen Kontrolle, welche von mehreren Gruppen mit der Regierung erzielt worden ist. Die Zeitungen dieser Richtung be⸗ fürchten, daß die parlamentarischen Ausschüsse bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit sich in die Angelegenheiten mischen werden, welche nur die Landes verteidigung angingen und mit dem Parlamentarismus nichts zu tun hätten. Glücklicherweise habe sich die Regierung das Kontrollrecht über die Art der von den Kammer⸗ ausschüssen beschlossenen Abordnungen vorbehalten und dadurch die parlamentarische Kontrolle von ihrem Willen abhängig gemacht. Die republikanische und die sozialistische Presse treten trolle sei nicht dazu angetan, den Gegnern der Republik zu gefallen. Das Volk aber wolle die Kontrolle und deshalb müsse sie auch durchgeführt werden. Die Schuld Belgiens. Berlin, 6. Aug.(WIB. Amtlich.) Soweit sich bis jetzt feststellen läßt, schweigt die Presse unserer Gegner die Veröffent⸗ lichungen tot, die wir aus den belgischen Archiven vor⸗ nehmen. Andererseits sucht die Entente den Eindruck, den diese Veröffentlichungen hervorrufen müssen, dadurch abzuschwächen, daß sie im neutralen Ausland in die von ihr beeinflußten Blätter die Parole lanciert, das Eintreten des belgischen Gesandten für Deutsch⸗ land widerlege die von deutscher Seite aufgestellte Behauptung, daß Belgien in heimlichem Bunde mit England und Frankreich war. Die militärische Konnivenz Belgiens mit England und Frankreich ist durch die hierüber veröffentlichten Dokumente so zweifellos festgestellt worden und wird durch die veröffentlichten Berichte des Gesandten überdies noch bestätigt, daß es überflüssig wäre, darüber noch ein Wort zu verlieren. Diese Berichte erweisen aber, wie vorzüglich die belgische Regierung durch ihre auswär⸗ tigen Vertreter über die internationale Lage unterrichtet war und daß sie genau wußte, daß nicht die politischen Bestrebungen Deutsch⸗ lands, sondern die Politik der Triple⸗Entente den Frieden bedrohte. Um so schwerer trifft die belgische Regierung der Vorwurf, die aggressiven Tendenzen der Entente⸗Mächte dadurch unterstützt zu haben, daß sie ihren militärischen Plänen Vorschub leistete⸗ Belgien trägt hierdurch mit die Verantwortung für den Ausbruch des gegenwärtigen Krieges. Die englischen Offiziersverluste. e 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die „Associated Preß“ gibt die gesamten Offizierver⸗ luste Großbritaniens seit dem i 0 12 642 an, von denen 3685 tot und 1115 vermißt seien. ö 5.— Derr Feelrieg. Berlin, 6. Aug.(WB. Nichtamtlich.) Zu der wiederholt vom Auslande gebrachten Nachricht, daß in der Ostsee ein deutscher Truppentransportdampfer mit einem Re⸗ giment Soldaten tor pediert worden sei, wind nach Erkundigung an zuständi Stelle ausdrücklich festgestellt, daß sich an Bord des fraglichen Schisses überhaupt keine Truppen befanden und daß dasselbe auch kein Truppentransportda m p⸗ er war. 3 f London, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) In der am 4. Aug. zu Ende gegangenen Woche wurden Genglische Handels⸗ schiffe und 9 Fischer fahrzeuge durch Unterseeboote in den Grund gebohrt ein Fischerfahrzeug geriet auf eine Mine und sank. 1453— 4 N sind 3 2— 3 König⸗ reiches angekommen bezw. von dort abgefahren.. 1 on, 6.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. 2 Fischdampfer„Grinbarian“ ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Vier Mann von 5 5 Besatzung wurden aufgenommen und an Land ebracht. 8 3 f Amsterdam, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Handels⸗ blad“ meldet aus Terneuzen: Das holländische Motorschiff„Cor⸗ nelia“ wurde am Donnerstag letzter Woche auf der Fahrt nach England auf der Höhe der S. bank von einem Zweidecker mit vier Bomben beworfen, die ihr Ziel verfehlten, die aber auf dem Wasser mit solcher Gewalt platzten, daß Stücke auf das Schiffs⸗ deck geschleudert wurden. Eines der Stücke trug eine Nummer. Nach der Rückkehr des Schiffes nach Vlissingen wurde den Militär⸗ behörden Meldung erstattet. Die Versenkung des„Giunseppe Garibaldi“. Wien, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Aus dem Kriegs⸗ pressequartier wird gemeldet: Ueber die Versenkung des „Giuseppe Garibaldi“ werden von maßgebender Seite noch folgende Einzelheiten mitgeteilt:„Garibaldi fuhr im Verbande von feindlichen Flottillen, Kreuzern und Torpedohooten, worunter drei Kreuzer vom Typ„Garibaldi“, einer vom Typ„Vettor Pisani“. Das Unterseeboot lancierte ein Torpedo, der den„Garibaldi“ traf, Die drei anderen Kreuzer flohen. Die Matrosen des„Garibaldi“ sprangen mit Rettungsgürteln ins Meer. Ter Kreuzer versank in fünf Minuten. Die Matrosen wurden von zurückgebliebenen Zerstörern aufgenommen. Kaum begannen diese das Rettungswerk, als der Unterseebootskommandant mit Erstaunen sah, daß auf jedem Zerstörer die Genfer Flagge hochging, daß sich diese also unter den Schutz der völkerrechtlichen Vereinbarung stellen wollten, der ihnen keineswegs zukam. Das Unterseeboot ver⸗ suchte, näher zu fahren, doch kaum war es entdeckt, als sich schon diese merkwürdigen„Spitalschiffe“ auf das Unterseeboot stürzten, um es zuüberrennen. Sie erzielten zwar keinen 3 aber die gegnerische Kriegsführung er⸗ scheint durch den krassen Mißbrauch der Genfer Flagge und die bedeutende hinterlistige Handlungsweise auf das seln der Flagge bei der italienischen Maxine zur Gewohnheit ge⸗ worden sein. Die Zerstörer verließen nach einstündiger a arbeit den Schauplatz ihres Mißerfolges. Unter den zahlreichen aus dem Wasser herausgefischten Gegenständen befand sich die Flagge des italienischen Vizeadmirals, woraus zweifellos hervor⸗ geht, daß der„Garibaldi“ das Flaggschiff der vor Ragusa operierenden Flotte war. Der„Garibaldi“ ist somit das vierte Admiralsschiff, das unseren Unterseebvoten zum Opfer fiel. Die bisher vernichteten Abmiralsschiffe sind:„Jean Bart“(Vizeadmiral Boue de Lapeysre),„Leon Gambetta“(Kontreadmiral Sanes) Beginn des Krieges auf b „Amalfi“(Flagaschiff der dritten Diwision),„Garibaldi“(Flagg⸗ verleumderischen Urteil die Wirklichkeit ihrer stillen Kraft entgegenzusetzen. Sie werden sich nicht stören lassen, weder schiff der fünften Division). 5 * N Washington, 6. Aug.(2 ch deutsche Note wiederholt die früheren Beweise deu dur ertigung von Deutschlands Auftreten und erklärt von neuem i ie Bereitschaft Deutschlands, versenkte amerikanische Schiffe zu bezahlen. Deutschland schlug vor, den Schaden durch zwei Sachverständige feststellen zu lassen, deren einer von Deutschland, einer von den Vereinigten Staaten zu ernennen wäre. Wenn das Recht Deutschlands, Schiffe mit Bannware zu versenken, weiter bestritten werden sollte, so könnte diese Streitfrage dem Schiedsgericht im Haag unterbreitet werden. In amtlichen nordamerikanischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Feststellung des E ns durch zwei Sachverständige zwar nicht hinsichtlich der rechtlichen l⸗ lung der Vereinigten Staaten, wohl aber in Ansehung des Schadenersatzes genügen könne. Die Vereinigten Staaten seien auf dem Standpunkte, daß das Segelschiff„William P. Fry e“ durch den bestehenden Vertrag geschützt gewesen sei, wenn auch seine Banngutladung nicht geschützt war. Deutschland erklärt, durch das Abkommen nur zur Vergü⸗ tung des Schadens verpflichtet zu sein. Die deutsche Note weist darauf hin, daß das Schiff 8 für England an Bord hatte, also konfisziert werden durfte, daß aber der Versuch, das Schiff nach Deutschland zu bri„die Auf⸗ bringenden in Gefahr gebracht haben würde, so daß die Vernichtung des Schiffes völkerrechtlich 8 war. Dies Recht zur Versenkung bes Schiffes ist in den Abkommen nicht ausdrücklich erwähnt, so daß die Versenkung weder ausdrücklich gestattet, noch ausdrücklich verboten ist. Die Antwort Amerikas an Oesterreich-ungarn. Washington, 6. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Meldun des Reuterschen Bureaus. Die Antwort der Bee 1 ten auf die österreichisch ungarische Note ist beinahe fertig. Sie wird binnen einigen Tagen abgesandt werden. Die Regierung der„ Staaten 4 5 15 5 8 4 dem Stand⸗ punkt, den sie gegenüber dem Grafen rnstorff eingenommen hat, nämlich, daß nicht ein Waffenausfuhrverbot in dieser eit eine direkte Verletzung der Neutralität der Vereinigten taaten wäre. g B22 Aus dem Reiche. Die Verteilung der Futtermittel. f Berlin, 6. Aug.(WTB. Amtlich.) Der durch Bundes⸗ N vom 23. Juli errichteten Reichs futter⸗ mittelstelle gehen zahlreiche Anträge von Tierhaltern auf Zuweisung von Futtermitteln zu. Derartigen Anträgen und Angeboten vermag die Reichsfuttermittelstelle in keinem Falle Folge zu geben. Sie ist kein Geschäftsunternehmen, sondern eine Behörde, der die Durchführung der Bundes⸗ ratsverordnungen über den Verkehr mit Gerste, Hafer, Kraftsuttermitteln und zuckerhaltigen Futtermitteln obliegt. Sie hat daher weder Futtermittel in Besitz, noch kauft oder verkauft sie solche. Die Zuweisung von Futtermitteln kann durch sie, außer an die Heeres⸗ und Marineverwaltung, nur an die Kommunalverbände und an die in den Bundesrats⸗ verordnungen oder vom Reichskanzler besonders bestimmten Stellen erfolgen. Anträge auf Zuweisung von Futtermitteln sind ausschließlich an die zuständigen Kommunalverbände (Kreisausschuß, Magistrat, Amtshauptmann usw.) zu richten. 2 1 5 15 br 9 5 bischen die„Voss. 9.“ hört, ich der Dekan der philosophi Fakultät, Professor Hans Delbrück, in das Große Hauptquartier egeben, um dem Generalstabschef v. Falkenhahn das Diplom als Ehrendoktor der Philosophie ön⸗ lich zu überreichen. Zugleich mit Falkenhayn erhält den Doktorhut ehrenhalber der Generalleutnant und General⸗ Quartiermeister v. Freytag⸗Loringhoven. Aus Stadt und Cand. : Gießen, 7. August 1915. Mitteldentscher Arbeitsnachweis verband. Im Stadtverordnetensitzungssaale Wiesbaden trat am 655 M. der Mittel Beursche Ar beitsnach⸗ weis verband unter dem Vorsitz des Geheimrats Dr. Breidert⸗ Biebrich zu einer Konferenz zusammen, die sich lediglich mit Kriegs maßnahmen beschäftigte. An den ee zu denen sich rund 100 Vertreter der Städte Frankfurt, Aschaffenburg, Gießen, Darmstadt, Mainz, Höchst, Homburg, Worms, Fulda, Offenbach, Bad⸗Nauheim, Bingen, Herborn, Friedberg, Kassel, Marburg usw. ein⸗ gefunden hatten, nahmen neben dem geschäftsführenden Verbanzsausschuß Vertreter benachbarter Verbände, Ab⸗ eee, der hessischen Regierung und als Vertreter der taatsregierung Regierungspräsident Dr. v. Meister und Sblahen Begrien 47— Sekte üblichen Begrüßungen und der gabe geschäftlich Mitteilungen sprach ber Geschüftssührer de Jerbung, Dr. Schotter ⸗ Frankfurt, über„Krie hmen der Arbeitsnachweise mit besonderer Berücksichtigun beiterfürsorge für die heimkehrenden Krieger“. Seine Aus⸗ führungen gipfelten in der des staatlichen Schutzes der Heranziehung aller sozialen Kräfte in Fragen der Fürsorge für die Krieger. Gerade in der Verwirklichung des ichneten Zieles müsse Deutsch⸗ land ein unerreichtes Vorbild der Welt bieten. In der Aus⸗ FFC gen des Redners mit achdruck zu. Geschäftsführer ef Balzer⸗ Frankfurt behandelte die Mitwirkung der Arbeit ise bei der Kriegs⸗ beschädigtenfürsorge, von der er 1— reichen Segen, Linderung großer Not und Ausgleich vieler Härten verspricht.— Ueber die„Mitarbeit der öffentl' Arbeits⸗ nachweise bei der. weiblicher Arbeitskräfte, vor allem der Frauen von er und Krieger⸗ witwen“ referierte Fräulein Moye⸗ 2 An die Vor⸗ träge, deren Inhalt reiche praktische ng bewies, chlossen 5 eingehende Aussprachen, die von erfreulicher zinmütigkeit in den Fragen der Kriegs⸗ und Arbeits fürsorge Zeugnis ablegten. 5 f Eine den e Anzahl Einzelbespre aus dem prak⸗ tischen Leben der einzelnen Vermittlungsstellen schloß sich den Hauptvorträgen an. So wurden behandelt: Die Bericht⸗ erstattung für den Arbeitsmarkt⸗Anzeiger, die is Benutzung des Anzeigers und die am 1. August eingerichtete Ausgleichsstelle für Arbeitsnachweis, ferner„Vorschl für eine gemeinsame Arbeit der öffentlichen Arbeit nachveise Tuggen Wetend feldem Nelliebchen P.„ 5 5 1 veisen“ und die mit a nzenliste gemachten Erfah⸗ 5 Beendigung der euisgebehnten Verhandlungen Besichtigungen verschiedener städtischer Finrichtün⸗ Das Eiserne Kreuz erhiert Wilhelm Loh, Leut⸗ der Landwehr im Inf.⸗Regt. Kaiser Wilhelm(Nr. 116), 1 37 9 2 Amtliche Personalnachrichten. Die Groß⸗ zogin hat am 28. Juli d. J. dem Forstwart der Kommu⸗ artei Unter ⸗Sensbach, Förster Leonhard Ihrig daselbst, laß seiner Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine hrenzeichen mit der Inschrift„Für treue Dienste“ verliehen.— ie Großherzogin hat am 7. Juli d. Is dem Bahnhofsvor⸗ her Erdmann Lawis zus in Petershain; den Gütervorstehern b Breun ing in Dortmund⸗Süd, Heinrich Bühlmann Kamen, Valentin Grimm in Leipzig, Heinrich Jäger in rne, Wilhelm Kientz in Wahren und Wilhelm Sandel in eiwitz: dem Bahnhofsverwalter Johannes Mai in Flonheim: 0 Bahnmeistern Jakob Hummel in Bingen und Ludwig Vo⸗ el in Bingerbrück; dem Oberbahnassistenten Johann Vogel in emsheim; den Eisenbahnassistenten Nikolaus Krautwurst in benhausen, Arthur Leber in Babenhausen, Nikolaus Meyer Sprendlingen⸗Buchschlag Heinrich Rhein in Bodenheim und inrich Ruths in Gernsheim, sämtlich in der Hessisch⸗Preußisch. ssenbahngemeinschaft, die unkündbare Anstellung verliehen.— 30. Juni d. Is. wurde den Lokomotivführern Georg Dieß, d. ch Ern st und Theodor Ganßert in Darmstadt, Friedrich ch a fer in Gau⸗Odernheim, Georg Schmidt in Seeheim und ipp Zündorf in Bingerbrück: den Zugführern August Ap⸗ el in Mainz, Georg Arndt, Georg Gremm und Heinrich Weber in Darmstadt, Johann Bechen bach, Bernhard Illert, ö duard Ostheimer und Adam Weidinger in Aschaffenburg, O udwig Borger und Jakob Herdel in im, Johann efner in HBisch „; dem Wa demvald und Johann W.̃ eiche stellern 1. Klasse Adam Becker in ischofsheim, Engelhardt Heinrich, Häuser, Johannes Klink, 8 Krämer, Wilhelm Riebel, Karl Rother mel und Georg Spieß in Darmstadt, Philipp Häfner in Weiter⸗ 95 August ds N* Schafft eine zweite Gemüseerntel! Es ist ine vaterländische Pflicht, die jeder Landwirt und Garten⸗ besitzer erfüllen kann, eine zweite Ernte an Ge⸗ müsen in diesem Herbst herbeiführen zu helfen. Es kom⸗ men natürlich nicht alle Gemüsearten in Betracht, d können gerade die wertvollsten, weil nahrhaftesten u ertragreichsten, eine zweite Ernte ergeben. Diese sind: 1. Spinat, dessen Aussaat noch einige Wochen lang er⸗ folgen kann. Werden später, im Oktober etwa, größere Mengen Spinat geerntet, die nicht sofort in frischem Zu⸗ stande verwendet werden können, so sind sie zweckmäßig zu dörren. Spinat verliert im Dörrvorgang erheblich an Umfang und Gewicht, gewinnt den Verlust aber wieder bei Zubereitung und dann mindestens ebenso gut e frischer.— 2. Grünkohl kann die Landwirtschaft mit Drillmaschinen säen und nachher die Pflanzen pflanzen. 1 Kilogramm Grünkohlsamen genügt für zehn eußische Morgen. Die kleinen Gartenbesitzer sollten einige amm Grünkohl jetzt sofort auf abgeernteten Landstücken er Gärten aussäen.— 3. Möhren sind sowohl für herbst⸗ wie Frühjahrsernte(mit Ueberwinterung) jetzt aus⸗ usäen. Für Spätherbsternte kommt in Betracht die Sorte „Halblange Nanteser“, für Frühjahrsernte die Sorte„Su⸗ denburger“.— 4. Kohlrabi kann noch sehr gut ausgesät werden und läßt eine gute Entwickelung erwarten. Beson⸗ ders zu empfehlen ist die Sorte„Blauer Goliath“.— 5. Mairüben können jetzt noch, allerdings nur noch kurze Zeit, mit Aussicht auf guten Ersolg zur Aussaat gelangen.— Von einer zweitem Bohnen⸗Aussaat ist 811 nach Beginn des Monats August abzusehenz es ist bei unseren klimatischen Verhältnissen ein Erfolg nicht mehr zu erwarten. Dagegen sollte niemand, der in der Lage dazu ist, versäumen, Bohnensaat für nächstes Jahr zu sam⸗ el nldurch Ausreifenlassen), dafür die nächstjährige Aussaat wenig Samen vorhanden sein dürfte. Jeder, der an der Her⸗ beiführung einer zweiten Gemüseernte mithilft, erwirbt sich Verdienste um die Sicherung der Volksernährung in diesem Winter, um das Vaterland und den endgültigen Sieg! Es soll niemand deshalb von der Uebernahme der Arbeit ab⸗ en, weil er denkt, er sei mit den Seinen versorgt. Was über den eigenen Verbrauch an Gemüsemengen, erzielt wird, findet diesen Winter Abnahme bei guten Preisen. Wo das Dörren angebracht ist, sollte man reichlich Gebrauch machen von dieser einfachsten, natürlichsten und billigsten Konser⸗ vierungsart. In vielen Ortschaften werden voraussichtlich ländlichen Genossenschaften oder gemeinnützigen Vereine ich ganz kleine Mengen der obengenannten Gemüsesorten rischem oder getrocknetem Zustande abnehmen und auch chlen. Wo S wierigkeiten im Absatz größerer Mengen gemüse auftreten sollten, ist die Zentral ⸗Einkaufsgesell⸗ m. b. H., Abt. VI, Berlin W. 8, Behrenstraße 21, 3 Möglichkeit durch Rat und Vermittelung gute Dienste isten. „ Auf dem Windhof findet morgen nachmittag die che Einweihung des von den Insassen errichteten riegergedenksteins statt.(Siehe Anzeige.) In der alten Klinik 1 Agnes Vet⸗ ers, Helmut Eckhardt und Willy Werner Göttig die liegenden Verwundeten mit einer Anzahl ernster und erer Rezitationen. Helmut Eckhardt begann mit fs Dichtung:„Die Fahne der 61er“ und brachte dann idder Lüng“ und„Eincinnatus“ von D. v. Liliencron. e schwierigste Aufgabe des Abends löste Fräulein Agnes setters mit dem Vortrag des„Hexenliedes“ von v. Wildenbruch. Als Zugabe brachte sie„Aus Sturmes von J. Wolff. Willy Werner Göttig beschloß den and; sein Programm enthielt unter, anderem:„Der ustige Vetter“,„Meiers Stiefel“ und Mozkowskis über⸗ e Parodie auf Schillers Glocke:„Die Freuden der schkeit“. Allen dreien wurde reicher Beifall zuteil, so sie für ihre Bemühung entschädigt wurden. Arbefts jubiläum. Am Montag, den 9. August, kann 0 rsche Wilhelm Li y p l en f ätigkeit in der Möbelfabrik von Th. Brück „ langen und nach drei Tagen wieder 8 1 f N*. 5 8. 9 * Besucher der Edertalsperre seien darau aufmerksam gemacht, daß das Moto 5 bot 9 dem. 65 egenwärtig nur Sonntags fährt und zwar ab Hochstein 10 Uhr und 6.15 Uhr nachmittags. Bei dem augenblicklich 7 11 2 Wasserstand kann das Boot nicht bis Her z⸗ hausen fahren. Benutzt man also den Zug, der in Herz⸗ hausen um 11.28 Uhr ankommt und will sich an einer Schiff⸗ fahrt auf dem Edersee beteiligen, so muß man ungefäumt nach dem ca.% Stunden entfernten Hochstein wandern, um noch rechtzeitig vor Abfahrt des Motorbobtes anzukommen. 3 e Gießen. gen, 5. Aug. Heute vormittag gegen 11 Uhr, 1 9 76 alles im Felde beschästigt war, 5 15.5 plötzlich die 1 ocken. Im Orte war Feuer ausgebrochen. Es brannten 1 7 zeitig eine größere Stallung und ein Seitenbau, die dem 91 ermeister Euler und dem in Frankreich gefallenen Heinrich ee gehörten. Dicht anschließend stand eine größere, mit tannenen Brettern verschalte Scheuer, an die sich wieder Scheuern mit den dazu gehörigen Hofreiten dicht anreihten. Es ist fast als ein Wunder zu betrachten und nur den Hydranten und der großen Anstrengung der Ortseinwohner zu danken, daß ein großes Unglück verhütet wurde, denn sicher wäre bei einer Ausdehnung des Brandes auf die benachbarte Scheuer ein großer Teil des Dorfes ein Raub der Flammen geworden. Das Feuer war entstanden durch Kind er, die in einem angrenzenden Holzschuppen Feuer ange- zündet hatten und sich Kartoffeln braten wollten. 8 Kreis Alsfeld. OStorndorf, 6. Aug. Der Wehrmann Heinrich Stehr von hier erhielt bei den letzten Kämpfen in Galizien das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Außerdem wurde er zum Gefreiten befördert. Stehr ist z. Zt. auf drei Wochen in seine Heimat beurlaubt worden. Starkenburg und Rheinhessen. 1 Darmstadt, 6. Aug. Der Großherzog ist zu vor⸗ ubergehendem Aufenthalt in Wolfsgarten eingetroffen. n. Offenbach, 6. Aug. Von Spaziergängern wurde beob- achtet, wie unweit des hiesigen Hasens eine weibliche Person in den Main sprang und ertrank. Aus den am Ufer dann gefundenen Gegenständen konnte die Persönlichkeit der Ertrunkenen bis jetzt noch nicht festgestellt werden. a Hessen⸗Nassau. * Kirchen, 6. Aug. Im hiesigen St. Elisabeth⸗Kranken⸗ haus befindet sich lt.„Herborner Tgbl.“ gegenwärtig als Verwun⸗ deter der zu Beginn des Krieges als Kriegsfreiwilliger bei einem bayerischen Regiment eingetretene Unteroffizier Wilhelm Weid⸗ ert, geboren am 19. Oktober 1897 zu Metz. Dieser erst 17 Jahre alte Held hat sich in den Kämpfen bei Ypern in so hervorragender Weise ausgezeichnet, daß ihm nacheinander nicht weniger als fünf Kriegsauszeichnungen verliehen worden sind: Die Eiser⸗ nen Kreuze 2. und 1. Klasse, der preußische Verdienstorden 4. Kl., das bayerische Verdienstkreuz mit Schwertern 2. Kl. und die Ret⸗ tungsmedaille. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhielt er, nachdem er schon verschiedene Male zu einer Auszeichnung er tene worden war, für die Gefangennahme einer englischen Offiziers⸗ patrouille. Das Eiserne Kreuz 1. Kl. wurde W. für eine verwegene Auskundschaftung in der englischen Stellung zuteil. Mit noch drei Mann brachte er es fertig, in die englische Stellung hinein zu ge⸗ zurückzukehren; er brachte alle Pläne über die Aufstellung der englischen Artillerie mit, so daß daraufhin ein erfolgreicher deutscher Vorstoß unternommen wer⸗ den konnte. Dafür, daß er in heftigem Schrapnellfeuer eine Mel⸗ dung an das Oberkommando brachte, wurde er mit dem preuß Ver⸗ dienstorden 4. Kl. ausgezeichnet. Die Belohnung dafür, daß er sich im Januar mit der feindlichen Stellung telephonisch in Verbindung zu bringen wußte und so, indem er selbst englisch sprach, wichtige Mitteilun über den Feind erhielt, war das bayerische Verdienst⸗ kreuz 2. Kl. mit Schwertern. Die Rettungsmedaille endlich ver⸗ diente er sich auf dem Kriegsschauplatze dadurch, daß er seinen Kompanieführer aus dem Feuer trug. Der tapfere junge Held befindet sich jetzt hier zur Genesung von einer Verwundung. Sein sehnlichster Wunsch ist, wieder an die Front zu kommen. Börsen⸗ Wochenbericht. — Frankfurt a. M., 6. August. Die politischen und wirtschaftlichen Rückblicke auf das hinter uns liegende Kriegsjahr, die alle auf einen zuversichtlichen und hoffnungsvollen Ton. sein konnten, haben ihre Wirkung auf die Haltung der Börse nicht verfehlt. War diese auch seither schon recht vertrauensvoll gestimmt, so hat doch in den letzten acht Tagen die unerschütterliche Zuversichd noch weitere Kreise erfaßt und das Geschäft im freien Verkehr der Börse noch mehr belebt. Besondere Anregung gab allerdings auch die neue große Siegesmeldung aus Polen, der Fall Warschaus und Iwangorods. Mit dem Zusammenbruch der russischen Armee rückt die Entscheidung des Weltkrieges immer näher und die Börse ergeht sich in berechtigten großen Hoffnungen. Guten Eindruck machte namentlich auch der Abschluß der bulgarischen Anleihe, obgleich sie eigentlich nur eine Prolongation darstellt, da man daraus günstige Schlüsse auf die politische Lage glaubte iehen zu können. In wirtschaftlicher Beziehung waren, die Berichte über das glückliche Bergen der Ernte, die vom Kohlen⸗ syndikat vorgenommenen Preiserhöhungen, der hohe Stand der Roheisenproduktion für den Monat Juni, die guten Berichte vom . für dessen Produkte nun die Verkaufstätigkeit ür das letzte Quartal zu abermals erhöhten Preisen aufgenommen wurde, und die neuen Preiserhöhungen für Zink und Zinkbleche nicht ohne Einfluß auf die Stimmung. Ferner machten die vor⸗ züglichen Abschlüsse unserer Gußstahlwerke, von denen einige bereits mit den Dividendenfestsetzungen begonnen haben, Eindruck auf die Spekulation und weitere Anregungen boten die Erörterungen, über die bevorstehenden Abschlüsse unserer großen Gemischtwerke, denen man mit hohen Erwartungen entgegensieht, so daß es in dieser Gruppe zeitweise zu recht lebhaften Umsätzen kam. So waren am Montanmarkte Oberschlesische Eisenbahnbedarf, Bochumer und Deutsch⸗Luxemburger begünstigt, letztere namentlich auf die Mei⸗ nung, daß die Innehaltung der Dividende das Unternehmen für die Zukunft vollends gesunde. Nächst Montanwerten erstreckte sich die Kauflust wieder auf Rüstungswerte, von denen sich Deutsche Waffen, Ludwig Löwe, Köln⸗Rottweiler, Munscheid und Stahlwerk Becker besonders bevorzugt zeigten. Die Aktien der Westfälischen Stahlwerke er ihren auf die von der Ver⸗ waltung gemachten Mitteilungen einen Rückgang, obwohl die Aeußerungen unerwähnt ließen, ob und inwieweit die Gesellschaft mit Kriegsmaterial gegenwärtig lohnend beschäftigt sei und ob etwa anderseits flüssige Mittel angesammelt wurden, die nicht zur Tilgung der Bankschulden, sondern zu Betriebszwecken dienen sollen. Lebhafte Umsätze vollzogen sich in Schuh⸗ und Leder⸗ fabrikaktien, wie Adler und Oppenheimer, Spicharz, Gebr. Fahr und Wessels, die ansehnliche Kursbesserungen erfuhren, ferner in Autowerten und Fahrrad- Aktien, von denen Benz, Daimler, Kleyer, Fahrzeug Eisenach und Neckarsulmer Fahrrad⸗ werke größere Steigerungen erzielten. Man vertritt die 2 daß die jetzige starke Fabrikation einiger weniger Automobil⸗ Typen der Industrie auch bei mäßigen Preisen besonders hohen Nutzen bringe, da alle Kosten für die Versuche und Reklame, für die Neukonstruktion usw. wegfallen. Chemische Werte und Elektro⸗Aktien lagen ebenfalls vorwiegend fest. Von den übrigen Gebieten traten erstmals Schiffahrtsaktien wieder etwas mehr hervor. Banken lagen still. Auch am Anleihe⸗ markt ging es ruhiger zu, doch blieben die Kurse meist gut be⸗ hauptet. Geld war etwas teurer. Privatdiskont 3/8 Prozent. ————— Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die westliche Depression ist rasch ostwärts vorgedrungen und hat uns bei seinem Vorüberziehen besonders im nördlichen Deutsch— land Miederschläge gebracht. Wir werden morgen durch den auf seiner Rückseite wieder ansteigenden Luftdruck beeinflußt werden. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 8. August 1915: Ziemlich heiter, trocken, etwas wärmer, nordwestliche Winde. * Letzte Nachrichten. Die deutschen Truppen in Warschau. Berlin, 7, Aug. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Warschau; Die Straßen von Warschau, in denen Bürger⸗ miliz Polizeidienst tut, sind voll von Polen, Juden und Deutsch⸗ russen, die allen deutschen Offizieren und Soldaten freudig zu⸗ winken. Sogar bei dem Schlossa stehen viele Menschen, obgleich dort an der Weichsel das Infanteriegefecht mit den jenseits noch stehenden Russen noch fortdauert. Die elektrische Straßen bahn verkehrt wie gewöhnlich, Fast alle Geschäfte sind geöffnet. Die Zerstörung in der Stadt und der Umgebung ist minimal, da die Bevölkerung sich weigerte, den Zerstörungsbefehl der zurückweichenden russischen Truppen auszuführen. Als erste drangen früh 3 Uhr die Truppen einer Reservedivision in, War⸗ schau ein, nachdem sie nachts die südlichen Forts gestürmt hatten; ihnen folgten von Westen Bayern, Sachsen und Württem⸗ berger, die sich am Vormittag in stellenweise schweren Gefechten an die Forts herangearbeitet hatten. Die Russen räumten diese Forts früh 1 Uhr. a 6 Die zurückhaltende russische Regierung. Petersburg, 7, Aug. Es hat fünf Tage gedauert, ehe die russische Regierung sich entschlossen hat, einen halbwegs voll⸗ ständigen stenographischen Bericht über die letzte Dumasitzung zu veröffentlichen. Auch der nunmehrige voll⸗ ständige Bericht ist zwar noch immer etwas zugestutzt, gibt aber immerhin schon ein Bild von den bevorstehenden schweren und bösen Kämpfen zwischen Volk und Regierung. Der Abgeordnete Titow sagte: Der Eindruck unserer Regierungserklärungen war ein jämmerlicher. Das Zentrumsmitglied Konowalow äußert sich: Reden wir lieber nicht über die uns vorgetragenen Erklä⸗ rungen, denn der Eindruck war ein trostlofer. Der Kadettenführen Adschemow endlich charakterisiert die Lage durch den viel⸗ sagenden Satz: Die Stimmung der Abgeordneten i st drohend. Das amtlich etwas freundlicher gemachte Stenogramm der Dumasitzung legt dar, daß in den vorgetragenen Erklärungen der einzelnen Fraktionsführer Worte und Sätze gefallen sind, die in ihrer Bedeutung, Ton und Art die Stimmung im Lande charalterisieren. Bulgarien und die Ententemüchte. Sofia, 7. Aug. Auf die seitens der bulgarischen Regierung am 15. Juni an den Vierverband gestellten Fragen, in denen um präzisere Antwort auf die Vorschläge ersucht wurde, antwortete der Vierverband erst vorgestern. Aber offenbar kann es sich auch diesmal nicht um positive N handeln, da gleichzeitig seitens der Entente in Athen und Nisch Schritte unternommen werden. Es wird bekannt, daß sich Serbiens Haltung gegenüber den bulgarischen Ansprüchen ka um geändert hat. Nach wie vor bleibt die Hauptforderung Bulgariens die Befriedi⸗ gung seiner nationalen Ideale in 8 noch vor Beendigung des Krieges. Mit der Beantwortung der neuen Note des Vierver⸗ bandes wird sich die bulgarische Regierung wohl kaum beeilen, aber in allen hiesigen politischen Kreisen hofft man, daß die Pforte im Interesse dauernder freundschaftlicher Beziehungen zu Bulgarien die Verhandlungen mit Bulgarien recht bald zu einem Ende führen werde. Zu bemerken ist, daß Rados lawow am Dienstag nach dreitägigem Aufenthalt aus dem Kurort Schamkorifa, wo er neuerlich durch den persönlichen Besuch des Königs ausgezeichnet wurde, zurückgekehrt ist und auf eine an ihn gestellte Frage er⸗ klärte, daß Bulgariens Lage die denkbar günstigste sei und alles sehr gut gehe. 5 e Italien und die Dardanellen. Zürich, 7. Aug. Nach hier eingegangenen Nachrichten scheint die italienische Regierung nicht mehr ernstlich dem auf sie ausgeübten Druck, an der Dardanellenaktion teilzu⸗ nehmen, zu widerstehen. In Italien herrscht trotzdem recht wenig Stimmung für dies Abenteuer. Der Pressefeld⸗ zug gegen die Türkei 905 im Volke das erwünschte Ergebnis nicht erreicht und die Hinweise auf die angeblichen Feind⸗ seligkeiten der Türkei sind recht ungläubig aufgenommen worden. Trotzdem scheint die Regierung entschlossen zu sein, an der Aktion teilzunehmen. Rumänien und die Konterbandefrage⸗ 5 Budapest, 7. Aug. In einem Artikel wendet sich der Bu⸗ karester„Universul“ gegen die Leute, die den Transport von Kriegsmaterial für die Türkei durch Rumänien bisher erschwerten. Der Artikel führt aus, daß der Standpunkt der Zentralmächte völlig gerechtfertigt sei. Rumänien stehe in einem Vertrags⸗ verhältnis zu den Zentralmächten und habe kein Recht, für letztere eine nachhaltigere Situation gegenüber den anderen Mächten zu schaffen, mit welchen es in keinem Vertragsverhältnis stehe. Solange Rumänien neutral bleibt, solange der mit der Habsburger Monarchie bestehende Vertrag nicht gekündigt wird, solange anderen kriegführenden Staaten der Transport von Waffen und Munition gestattet wird, solange Rumänien aus seinen Entschließungen die Konsequenzen seiner Weigerung gegenüber dem Vierverbande nicht zieht und solange nichts geschieht, was das freundschaftliche Ver⸗ hältnis zur Türkei trübt, solange müsse der Wunsch der Zentral⸗ mächte als nicht unberechtigt angesehen werden. Millerand über die Kriegsdauer. Kopenhagen, 7. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der französische iegsminister Millerand hat einem Mit⸗ arbeiter des„Marseiller Radical“ auf die Frage nach einem neuen Winterfeldzug erklärt, daß zwar einiges dafür, vieles aber dagegen spreche. Im Augenblick sei keinesfalls an einen Frieden zu denken. Bis zum Herbst könnten jedoch Umstände eintreten, die einen schnellen Abschluß des Krieges herbei⸗ führen würden. Die italienische Kriegsanleihe. Chiasso, 7. Aug. Der italienische Exminister Luzzatti tritt im„Solo“ lebhaft für die Unterbringung der letzten Kriegsanleihe unter den kleinen Leuten mit Hilfe der Volksbanken durch monatliche Abschlagszahlungen von je 5 Lire ein. Die Volksbanken könnten diese Operation um so leichter herbeiführen, da sie auf die Titel einen Vorschuß von 95 vom Hundert geben. Die italienischen Pflegerinnen. Mailand, 7. Aug.„Corriere della Sera“ klagt über die ständige Abnahme der Pflegerinnen in den Spi⸗ tälern. Von ihnen seien viele nur aus Eitelkeit gekommen, nur wenig hielten durch. Die noch gebliebenen seien mit Arbeit überlastet. 1 b Pestfälle in Japan. Tokio, 7. Aug. In den N Tokio vereinzelte Pestfälle vorgekommen, die von den Aerzten als schwarze Pest bezeichnet wurden. Am 4. Juni erlagen der Neffe und die Nichte des Grafen Okuma der Krankheit. Für Rheumatiker und Neuralgieleidende. Jahrelange Schmerzen waren in 3 Tagen verschwunden, Herr E. Kelch, Hagen schreibt.„Ich leide schon seit Jahren an Rheumatismus und Blasenleiden und konnte vor lauter Schmerzen kaum noch auftreten. Da ich mir schon öfter alle möglichen Mittel hatte kommen lassen, welche oft sehr teuer waren und rein gar nichts geholsen batten, kaufte ich mir eine Packung Togal, denn ich sagte mir: wenn es nicht hilft, dann ist nicht viel verloren. Das Resultat war so überraschend, daß ich es selbst kaum glauben konnte. Schon nach dem Gebrauch von 2 Tabletten konnte ich gehen und am nächsten Morgen konnte ich wie seit langen Jahren frei und unbehindert auftreten. Heute, am dritten Tage, fühle ich mich am ganzen Körper trotz des miserablen Wetters so wohl, daß es eine Freude ist. Ich kann daber Togal allen Leidens⸗ gefährten sehr warm empfehlen.“ Abnliche Erfahrungen und noch überraschendere Erfolge erzielten viele andere, welche Togal nicht nur bei Rheumatismus, sondern auch bei Kopsschmerzen, Hexenschuß, Ne Schmerzen in den Gelenken, sowie bei Influenza gebrauchten. Alle Apotheken führen Togal⸗-⸗Tabletten. Best.: Zed. acet. salic. Chinin Mg. Li. 620088 Mai⸗ und Juniwochen sind 11 8 Reise Mä began, Mk. 10.—12.—15.— Staub. a und een 20.— 26. 30.— infolge zeitiger und günstiger Teerstofte leyerhoff& 0 Kreuzplatz 18 Liläule ev pretsert lar 61600 Tucheumüen empfiehlt 5217a Edgar Borrmann Eisenwaren⸗, Haus- und „Abbenderäte Handlung. adervapen in großer Auswahl Waldhotel Tannhäuser olel-Restaurant aaudes, See] Wa! 8 e Biedenkopf bar Haus, Zimm. m. Pension. Mittags⸗ tisch. Reichhaltige Abendkarte. al Aahleim. 5 Café Ernst Ludwis Sonntag Künstler-Konzert Ausgeführt yon einem Teil des Gießener Orchesters Direktion: Hermann Weller Lahn. Idvyllisch geleg. Balkonzimm. 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Einweihung Der Feier der Einweihung des von den Kriegern auf dem Windhof errichteten Gedenksteins am Sonntag, den 8. August 1915, nachm. 4 Uhr, liegt nachstehendes Programm zugrunde: 1. Kaiserhoch, 2. Terzett aus Elias“ von Mendelssohn⸗ B. 3. Weiherede. 4. Soldatenchor: Mag auch die Liebe weinen. 5. Kranzspenden. 6. Soldaten⸗ chor: Sturmbeschwörung. Bewirtung d. Krieger u. Gäste Konzert 64830 eee Uilitur vom Feldwebel abwärts auf allen 8 Plätzen halbe Preise. 6431 Eiserne Pflüge Wende-Pflüge UW 4, 5, 7 ete. Eggen Jauche-Pumpen empfiehlt J. B. Häuser Eisen- u. Maschinenhdl. Neustadt 56.(n Wieder frisch eingetroffen: Reform- Pflanzenbutter Marke„Sanitas“ 1 1 8. 5 Für unsere Tru ppen eee Tabletten 5 bewährtes Vorbengungzmittel Ir Darmkrankheiten aller Art und gleichzeitig von namhafter Nährkraft. Schachtel M. 1.— zu haben in allen Apotheken. Verstaur: Nährmittelwerk H. A. V. des Apotheker- Vereins im LD Herten im Reinheim, 9 885888 In der heissen Jahreszeit unt. Nach- nahm. od. geg. 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