Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Kamilienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitfragen J Fernsprech⸗ Anschlüsse: 1 sür die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled1 dresse für Drahlnach— richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer General⸗ Anzeiger für Oberh 2. 8 5 für den Anzeigenteil: H. bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und steindruckerei k. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Ge eigene d Freitag, 0. August 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; Beck, sämtlich in Gießen. 8 Warschau und Iwango . 055 1 (TB.) Großes Hauptquartier, 5. Auguft. gorod bildet einen Abschnitt, der vorwiegend zu politi⸗ (Amtlich.) schen Ausblicken Anlaß bietet Das milttärische Ziel ist b Westlicher Kriegs schauplatz. vorläufig noch das Geheimnis Hindenburgs, der seine Russen In den Vogesen ist am Lingekopf und südlich der besser kennt als wir und ihren Entschlüssen in jedem Falle N Kampf von neuem entbrannt. Sonst keine Ereignisse von wirksam zu begegnen wissen wird, So viel ist sicher, daß Bedeutung. der Vormarsch des Generals v. Below ein strategischer Oestlicher Kriegsschaupla 6. Schachzug ist, dessen volle Bedeutung erst in einigen Tagen In Kurland und Samogitien schlug unsere Ka⸗ hervortreten wird. 5 a vallerie die russische bei Gena ize, Birshi und Berlin, 6. Aug. Die 8 die Bedeutung des 1 1 8 1 Onikschty aus dem Felde. Hierbei und bei den Kämpfen] Falles von Warschau hervor, indem sie auf dessen Eigenschaft als tlic, von Poniewiez wurden gestern und vorgestern 2 22 5 Haupestadt Polens, als gewaltige FJeskung, als Zentrum von Han⸗ Russen, darunter zwei Offiziere gefangen del, Gewerbe und Industrie, als wichtigsten Knotenpunkt der west⸗ genommen. 4 russischen Eisenbahnen und als. an dem breiten Die Armeen der Generale v. Scholz und v. Gall] Veichselstrom kinweifen. ibt: Wir stehen vor dem 5 1 8 1 8 8 Die„Vossische Zeitung“ sch witz blieben unter heftigen Kämpfen im wer iteren Vor⸗ Ergebnis des von langer Hand vorbereiteten und dann mit ebenso⸗ dringen gegen die Straße Lom za— Ostrow— bil Vorsicht wie Tatkraft durchgeführten Planes der deutschen und Wy sz ko w. Tapfere und verzweifelte Gegenstöße der Russen sösterreichisch ⸗ungarischen Heeresleitung, der großen Offensive heiderseits der Straße Ostrow—Rozan waren wirkungslos. beiderseits der Beichsel, der Aufrollung der russischen Front. 22 Offiziere, 4840 Mann wurden zu Gefangenen Für die gesamte Kriegslage kommt 1 8 Ve 25 1555 5 gemacht, 17 Maschinengewehre erbeutet. ker Front in Veirackt. Pier ergibt ich nicht nur die Möglich⸗ 1 f keit reichlicher Tiefenstaffelung zur Sicherung des errungenen Pie Armee des Prins 5 15 Le opold vo u Bayern Erfolges im Osten gegen alles Widerstreben der Russen, sondern. durchbrach und nahm gestern und heute nacht die ä ußere auch das Freiwerden namhafter Teile zu beliebiger anderer Ver⸗ und innere Fortlinie von Warschau, in der wendung. S 8 9e zähen N 1 15 ie Im„Berliner Tag 1 5 0 15 r 9 or 3 Sta wurde heute vormittag durch unsere Was zwang Rußland, sein Weichselbollwerk au zugeben? Ni Truppen besetzt. Munitionsmangel, nicht Soldatenmangel, aber die geschlagene Südöstlicher Krie gsschauplatz.. des 8 eee mg die N 1 1 55 i ördlich J i f lagen zerrüttete 9 kanneszucht zes Heeres, auf welche auch der . ee ucngakap it die Lage unter Verlust ungeheuren Aang e ist. 5 151;; i Ter„Berliner Lokalanzeiger“ sagt: Innerha Zwischen oberer Wei chse Lu nd Bug wird die Ver⸗ 24 Stunden hat der Nei im Osten zwei heftige Schläge erhalten, U folgung fortge setzt. Oestlich des Bug rückte deutsche die nicht weniger schmerzen werden, wenn er und seine Freunde be⸗ Kavallerie in Wladimir- Wo lynsk ein. 5 5 haupten, wir hätten nur Lufthiebe ausgeteilt. Wir kennen die Oberste Heeresleitung. Melodie schon lange; aus dem Munde der Engländer haben wir *. 9 sie zuerst 1 1 5 als 55 e e 1 15 von len Notiz Genaize und Birshi liegen etwa 60 Kilometer] kommen wurde. So o t aner eee ee. F nordöstlich, Onikschty liegt etwa 50 Kilometer südöstlich für weilten Punkt nicht werden halten können, ertlären sie ihn Poniewiez. 3 0 8 Die„Berliner Morgenpost“ führt aus: Mit der Be⸗ 8. 55„ setzung von Warschau und Iwango 1 wischen liegen⸗ Nun sind die großen eisernen Tore des heiligen Ruß⸗ den Weichsellinie gewinnen die Den ü Verteidigungs⸗ lands von unseren tapferen Truppen aufgeschlassen und sstellung, die unter Umständen auch mit verhä äßig schwächeren 6 i i ößte Stadt Kräften gehalten werden kann. Auch für die Fortführung der 700%%%ç½ç%% in unserm Besitz! Das gewaltige Meer von Feinden, das vor der Vormarsch in breiter Front nach Osten fortgesetzt werden kann. Jahresfrist auf uns zustürzte und uns zu verschlingen 1 drohte, hat uns nicht abgehalten, so stolze Höhen zu erklim⸗ Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. men, und es scheint uns, als hätten wir jetzt schon einen 5. i 5 8 f Ausblick auf den ruhigen, schönen Hafen des Friedens, in Wien, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird dem wir als Besieger der feindlichen Elemente das Banner ee e an des Triumphs entrollen und vor dem Lenker der Schlachten 5 5 0 8 2 andachtsvolle Dankgebete verrichten wollen. Aber schon„. Die lange Reihe von Erfolgen, welche die Verbündeten heute werden wir beim Wehen der Fahnen, die überall seit der Maischlacht am Dunajec, in Galizien, in Süd⸗ und im deutschen Lande und auch bei unseren Verbündeten zur Nordpolen und in den Ostseeprovinzen errungen haben, selben Stunde die Masten erlletterk haben, uns tief bewußt, wurde durch die Gesibnahme von Iwan go rd und daß der Herr großes an uns getan und das Ziel dieses[Warschau gekrönt Gestern haben unseke Truppen Jwan⸗ Weltkrieges sichtbarlich enthüllt hat. Wir stehen, obgleichsgorod besetzt, Heute sind die deutschen Truppen der Armee der Kampf gegen das Zarenreich noch nicht beendet ist, vor[des Prinzen Leopold von Bayern in der Hauptstadt von ische errschaft i icht die Welt⸗ gen die beiden Verbündeten unter Verfolgungskämpfen gegen e 5e r 1 5 Norden vor. Oesterreichisch⸗ungarische Reiterei hat lostilug, tussifizierten und geknechteten Lande melancholisch schweig⸗deutsche Wladimir— Wolynskij erreicht. Sonst ist sam geworden war läßt mit schrillem Glockenschlage wieder] die Lage unverändert. neues Leben erwachen. Aber nicht wieder eine neue Stunde Italienischer Kriegsschauplatz. der Teilung hat für Polen geschlagen, sondern der Tag der An der Tiroler Front kam es nur in der Gegend Befreiung ist gekommen! Das napoleonische Herzyg⸗ des Krenzbergsattels zu größeren Fümpfen⸗ Ein gestern tum Warschau, das nur eine kurze Spanne Zeit die frische[ morgen begonnener Angriff, von mehreren Bataillonen des Luft der Autonomie genoß, war allzu schnell[ italienischen Regiments Nr. 92 gegen die Nemes⸗Alpe(nord⸗ unter die russische Knute gezwungen worden, östlich des Kreuzbergsattels) b rache blutig zusammen. und Polen ist seines Lebens nichk froh geworden bis] Der Feind ging nachmittags teilweise fluchtartig in die Wäl⸗ auf den heutigen Tag. Der Zar hat in der letzten Duma⸗ der südlich des Grenzbaches zurück. Zur Entlastung dieser sitzung durch seine Minister dem Lande Autonomie ver- italienischen Kräfte versuchte am Nachmittag ein feindliches heißen lassen; der Herr, der jetzt die größere Zuchtrute der] Bataillon überraschend gegen die Seikofel⸗Stellung(un⸗ Gerechtigkeit spürt, will sich mit seinem Knechte wieder mittelbar nördlich des Sattels) vorzubrechen. Auch dieses vertragen, aber ihm liegt die Rolle des Gebietenden nicht wurde nach kurzem Kampfe zurücgeschlagen und verlor zirka mehr, nachdem er durch die deutschen Heere an der Weichsel] 100 Wann. an Toten. Der Vatalllonskommandant und meh⸗ seiner Rechte entkleidet worden ist. Ja, wenn es ein Treue⸗ 7 1 fielen. Unsere Verluste in diesen Gefechten verhältnis zwischen Zar und Polen geben würde! Dann 10. 55 a. 5 5 der e Wurf in der 1 ewas Rührendes und. Im Gorzischen unterhalten die Italiener seit gestern Bezwingendes haben; jetzt ist er nur die widerwärtige] mittag wieder ein heftigeres Artilleriefeuer gegen unsere Geste eines im Unglück zahm gewordenen Tyrannen. Stellungen am Rlateau von Do berdo Als feindliche In⸗ Die neue Zeit wird an den Ufern der Weichsel ein neues, fanterie von Sagrado und südlich von Sdraussina her zum sonnigeres Leben erwachsen lassen, und wir fühlen heute, wo] Angriff vorzugehen versuchte, wurde sie durch unsere Ar- die Politik noch nicht das Schwert ablösen darf, doch alle tillerie zusammengeschossen. tiefinnerlich, daß die F 0 8 1 der ost⸗ 55 5 5 allen sonstigen Fronten hat sich nichts Wesentliches preußischen Landzunge, neben dem von Hinden urg eroberten 5 Kurlande ein Schrittmacher sein muß, der den Osten unseres Der ee e neuen Reiches zur vollen Blüte emporführen muß. 5 kutnant. „Der Feind hat die beiden Weichselfestungen fluchtartig Die Siegesnachrichten in Berlin, Wien und geräumt; 8 e 15 W 1 1 5 Konstautinopel. mütig, er sei uns entschlüpft und die Ero erung der beiden f 88; 177 5 Städte 15 15 1 9 85 1 15 N 2 7 55 1 5 1 5 917 1 5 5 9 1 5 72— 85 einzelne laue Gemüter, denn wir haben ja die Glocken Wars g ie Bedeutung der Ero 15 ertönen hören und den reichen Flaggenschmuck sich mit Win⸗ tikel, in denen sie auf die Bedeutung der Eroberung der beiden deseile über die Stadt fortpflanzen sehen. Nein, noch wissen bündeten Heerführer und Soldaten Anerkennung zollen. In allen wir nicht alles über die Siegestrophäen, und wenn auch Straßen wehen Fahnen von öffentlichen und privaten Gebäuden, anzunehmen ist, daß die Russen sich selbst und ihr Kriegs- die Glocken verkünden den großen Sieg. Ueberall sieht man freudig material zum größten Teil eiligst fortgeschafft haben, so erregte Gesichter. Einer rief dem anderen bei dem Bekanntwerden wird uns in Warschau und Iwangorod doch noch Beute der Nachricht die frohe Botschaft zu und es bildeten sich fröhliche gdenug bleiben. Aber das ist ja vorläufig nicht die Haupt. Grußgen wie bei den ersten Tagen nach der Mobilmachung. ö 0 f 15. 5 Wien 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Schon in den Vor⸗ fache. Die deutschen Heere setzen ihre Verfolgung 1 mittagsstunden verbreitete sich das Gerücht von der Einnahme von 1. d Lage 0 sich 5 Warschau. Als diese Nachricht in den ersten Nachmittagsstunden Feind in den größten erlegenheiten. Seine Kräfte sind, durch den Bericht der deutschen Obersten Heeresleitung bestätigt hin er sich auch zunächst wenden mag, auf das Ernsteste Rurdr, durchlief eine Jubelkunde das ganze Land. Vor den edroht. Der Tag der Eroberung von Warschau und Iwan⸗ Redaklionen, welche Extrablätter veranstalbeten, sammelten sich d in unserem Besitz! einem vollendeten Abschnitte. Die in den Westen vorgescho⸗ Russisch Polen eingerückt. Zwischen Weichsel und Bug drin⸗ fel Jestungen hinweisen und dankbar den herrlichen Taten der ver⸗ W̃ Menschenmengen an. Die Blätter gingen von Hand zu Hand. Wo Hurrarufe auf die verbündeten Armeen und ihre ruhmreichen Heer⸗ führer erschollen, wurden sie vielstimmig wiederholt. Kurze Zeit darauf schmückten Fahnen die Häuser. Bürgermeister Dr. Weis⸗ 1 kirchner ordnete sofort die Beflaggung der Gemeindegebäude an. Als in den späteren Nachmittagsstunden auch die Nachricht von der Besetzung von Jwangorod durch unsere Truppen bekaunt wurde, steigerte sich die Begeisterung und der Jubel der Bevölke⸗ rung, die ich in spontanen Hatriotischen Kundgebungen Luft 11 machten. Auch aus den Provinzstädten treffen Meldungen über eine begeisterte Aufnahme der Nachrichten über den Fall von Warschau und Iwangorbpd ein. l 5. Konstantinopel, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Bekanntgabe der Einnahme von Warschau hat hier den tiefsten Eindruck gemacht. Die von den Zeitungen gebrachte Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. In kurzer Zeit trugen alle Straßen reichen Flaggenschmuck. 5 Die Lage im Osten. Petersburg, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ueber Kopen⸗ 5 hagen. Der„Jjetsch“ bringt einen Befehl des Ko m man⸗ danten der Festung Reval, nach welchem ein vollständiges Verzeichnis aller vorhandenen Telephonanlagen, Apparate, Kabel! und Drähte angefertigt werden soll und sämtlichen Aus län dern der Aufenthalt im Festungsgebiet untersagt wird. Sämt⸗ liche in Moskau sich noch aufhaltenden Ausländer feindlichen Staaten sind nunmehr durch Befehl des Gouverneurs endgültig 7 zum 14. August aus Moskau ausgewiesen mit der Berech? tigung, nach dem Ausland zu fahren. Diejenigen, die nicht ins Ausland reisen wollen, sollen hinter den Ural verwiesen werden. Der Berichterstatter des Ausschusses über die Behandlung der russischen Gefangenen im Auslande hob hervor, da die Gefangenen in Deutschland nicht ausreichend ernährt werden. Die Deutschen hätten darauf hingewiesen, daß die übrigen Ge⸗ 3 fangenen aus den betreffenden Ländern ausreichende Liebesgaben erhielten, was bei den russischen Gefangenen nicht der Fall sei. Dies beweise die geringe Fürsorge Rußlands für seine Gefangenen. Kristiania, 5. August.(WTB. Nichtamtlich.) Der mili⸗ tärische Mitarbeiter des„Morgenbladet“ schreibt: Die Tagesberichte zeigen, daß die Lage der Russen mit jedem Tage schwieriger, 14 geradezu gefahrdrohend wird. Man bekommt immer stärker den Eindruck, daß die Aufgabe von ganz Polen mit Warschau und Iwangorod seitens der Russen nur eine Frage der Zeit, ja von Tagen sei. Aber nicht genug damit, fängt es auch an, auszusehen als ob die Gefahr einer Katastrophe für große Teil des russischen Heeres nicht länger außer der Grenze der Möglichkeit liegt. Es ist eine große Frage, ob es die Russen vermögen, d ie bedeutenden Truppenmassen, die sie im Bezirk Warschau⸗JIwangorod noch stehen haben, rechtzeitig wegzutrans portieren, 95 nicht zu reden von den gewaltigen Vor⸗ 5 räten an Waffen und Munition, wie Kriegsbedarf, die sie dort auf⸗ 8 gestapelt haben. Was aber noch gefahrdrohender erscheint, ist, daß; jelbst die neue Verteidigungsstelle, hinter der sich die Russen zurückzuziehen versuchen, äußerst verwundbar und mit sehr be⸗ deutenden Mängeln behaftet ist f Basel, 5. August.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Besprechung 1 der Kriegslage überschreibt der„Bund“: Die russische Front bricht zusammen; Druck auf allen Seiten! Siegemann schildert eingehend das erfolgreiche Vorgehen der Deutschen und die verzweifelte Lage der russischen Heere und schließt: Der russische Kriegsminister erklärte der Duma, daß diese Heere planmäßig zurückgehen; das ist richtig. Aber dieser Plan ist nur eine Reflexwirkung des überlegenen Planes der Verbündeten. Wir 8 ehen nun eins der schwierigslen Probleme seitens der Russen in der 1238 Ausführung begriffen, die Vollzie hung einer neuen Um⸗ 2 gruppierung unter dem konzentrischen feindlichen D ruck nach ungezählten taktischen Niederlagen und den schwersten Verlusten an unersetzlichem Material und ausgebildeten Truppen. Wird diese Bewegung sich als strategischer Rückzug vollziehen, oder unter diesem Namen ein überstürztes Zurückfluten der Mas⸗ sen eintreten, das bedeutet, sich der Umklammerung entreißen 2 Die letzten Meldungen stellen der Durchführung eines strategischen Rückzuges der Russen das übelste oroskop. Alle Vorgänge vollziehen sich immer noch, ohne daß im Westen von der englisch⸗ 133 französischen Heeresleitung einige Entlastung versucht würde. Die große Offensive der Italiener am Isonzo kann als vorläufig ge⸗ scheitert betrachtet werden und hat keinen Versuchen zur Aufrecht⸗ erhaltung der Kampflage Platz gemacht. 788 Der russische Bericht. Petersburg, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) General- 5 stabs bericht. Am 3. August fanden, Gefechte in der Gegend 13 von TDauske, Riga und am Muschaflusse statt. Nachdem die Deutschen östlich Pon i ewiec ihre Kräfte zusammengezogen hat- ten, setzten sie ihre Gegenoffensive fort; die Kämpfe während der 995 letzten Tage dauerten in dieser Gegend mit wechselndem Erfolg an. Am Narew wiesen wir am 3. August hartnäckige Angriffe des Feindes in der Gegend von Kol no und Lo ma ab, aber an der Selkwamündung und im Abschnitt Ostrolenka zogen sich unsere Truppen unter hartnäckigen Kämpfen auf eine neue Front zurück. An der Weichsel zogen unsere Truppen sich gemäß den ihnen erteilten Befehlen aus der Linie Blonie—Hadurzin auf die Stel⸗ lung von Warschau zurück; diese Bewegung ging ohne Behinderung 5 durch den Feind vor sich. Die deutschen Truppen, welche im Laue der vorhergehenden Tage die Weichsel bei Maciewiece überschritten hatten und am 3. August mit starken Kräften eine Reihe erfolg- loser Angriffe machten, suchten vergeblich das von ihnen besetzte Gelände zu erweitern. In der Gegend des Flußüberganges von 3 J wangorod verengerten unsere Truppen gemäß unserem Ope⸗ 18 rationsplan allmählich ihre Front auf dem linken Weichselufer. 1 Zwischen Weichsel und Bug dauern die Kämpfe fort, eben so auf dem rechten Ufer des Wi e pr z bei Dratowsee. Nord⸗ östlich des Dorfes Lenczua und an der Straße Cholm oldawa, sowie in der Gegend von Gora Lysfsaja ver⸗ nieder, aber die genannten Truppenteile hielten aus, indem! sie; sich in den Granatentrichter gegen die feindlichen Geschosse deckten 5 und wiesen den Vorstoß großer feindlicher Kräfte mit Zähigkeit zurück. Bei Einbruch der Nacht gingen sie zu einem kräftigen An⸗ griff über und warfen dichte Massen von Deutschen über den Haufen, so daß diese sich in Unordnung zurückziehen mußten. Bei unseren Gegenangriffen in der Richtung auf Cholm trugen unsere Kampf⸗ automobile in hohem Maße zum Erfolge bei.— Am Bug, an der Zlota⸗Lipa und am Dujestr kein Zusammenstoß. Eine letzte Hoffnung des Vierverbands. Mailand, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Corriere della Sera“ und„Secolo“ veröffentlichen eine Mitteilung der„Agence d'Athones“, wonach die Ententemächte gestern abend einen gemeinsamen Schritt beim Ministerpräsidenten Gunaris unternahmen. Es wird versichert, der Schritt bezwecke, die Balkan⸗ frage so zu regeln, daß man auf ein Mitwirken der Bal⸗ kanstaaten an der Seite des Vierverbandes hoffen könne, . Rom, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Idea Nazionale behauptet, daß eine Einigung Italiens mit Gri echenland unmöglich sei, denn Griechenland verlange halb Albanien mit Valona, die. und den größten Teil Kleinasiens, der doch italienisch werden müsse. Sogar die Anhänger von Venizelos hatten ein solches Programm; nur die knabenhafte Lächerlichkeit gewisser Italiener erhoffe von dem Regierungsantritt Veenizelos sein Eintreten für die Entente. Diese Vorliebe für den griechischen Staatsmann sei ber gewissen Italienern geradezu ver⸗ rückt. Zum Schluß wird Italien geraten, die Intervention Griechen⸗ lands und dessen Ansprüche dadurch unmöglich zu machen, daß Italien sich sein Vorgehen gründlich bezahlen lasse. b 9 Kopenhagen, 5. Aug.(WT. Nichtamtlich.)„Poli⸗ tiken“ meldet: Die Londoner Presse rechnet bereits mit der Möglichkeit des Eintritts Bulgariens in den Krieg an der Seite der Zentralmächte und meint, daß in diesem Falle Griechenland augenblicklich zeigen werde, daß der serbisch-griechische Vertrag kein leeres Papier sei und daß Griechenland es als eine nationale Ehrensache betrachte, Serbien beizustehen. Die Kämpfe an den Dardanellen. Athen, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Messager d'Athenes“ meldet, daß die Alliierten auf Gallipoli 300 schwere Geschütze konzeutriert haben, mit denen sie den Widerstand der Türken zu brechen gedenken. Es geht aber auch auf türkischer Seite sehr lebhaft zu. AUnablässig kommen Verstärkungen an Soldaten und Ma⸗ terial an. . Berlin, 6. Aug. Delcasss stellte gestern, einer Mel⸗ dung des„Petit Parisien“ zufolge, die Beteiligung Italiens an der Dardanellen-Expedition in Aussicht, wofür bereits alle Punkte festgelegt worden seien. Die Lage am Balkan hielt er für äußerst ungeklärt. Wenn auch vom Zustandekommen des türkisch-bulgarischen Vertrages offiziell nichts bekannt wäre, so sei doch mit einer Verständigung der Türkei mit Bulgarien zu rechnen. Sieg der Türken über die Russen. Konstantinopel, 5. August.(WTB. Nichtamtlich.) Pri⸗ vatnachrichten aus Erze rum besagen: Infolge der Kämpfe, die seit zwei Tagen in der Gebirgsgegend, einschließlich des Arrat und in der Nähe der türkisch⸗russischen Geenze, etwa 170 Kilometer östlich von Erzerum stattfinden, zieht sich die Hauptmacht der Russen in Unordnung in der Richtung Kagysman auf rus⸗ sisches Gebiet zurück. Sie verloren etwa 1000 Tote und 2000 Verwundete. Die türkische Armee verfolgt den Feind. Berlin, 5. August.(Priv.⸗Tel.) Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Konstantinopel: Nach Meldungen aus dem Kaukasus wur⸗ den 10 rufsische Infanterie⸗ und 8 Kavallerie⸗ Regimenter die sich mit starker Artillerie in der Gegend von Alaschkerd und Karahissar in den Bergen verschanzt hatten, von den Türken angegriffen. Dem„Tanin“ zufolge wurden Russen nach einem blutigen Kampfe in die Flucht geschlagen verloren 200 Gefangene und 680 Tote. Nach Aussagen Ge⸗ gener beträgt die Zahl der Verwundeten ungefähr 2000. Auch iel Beute fiel in die Hände der den Feind energisch verfolgen den Türken. t. * Der Jahrestag des Kriegsanfangs in England. London, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Jahrestag des Kriegs⸗ anfangs wurde im ganzen Lande mit Versammlungen gefeiert, wo die gleichlautende Entschließung gefaßt wurde, den Krieg bis zu einem siegreichen Ende zu führen. Balfour sagte in einer Versammlung im Londoner Opernhause: Wir können ruhig sagen, daß sich der Feind trotz aller seiner Bemühungen in allem verrechnete, außer in dem riesigen Munitionsverbrauch für große 5 Geschütze. Hätten die Deutschen vorausgesehen, welchen Verlauf der Krieg nehmen würde, wäre kein einziger Soldat mobilisiert und kein Menschenleben verloren gegangen. Wir haben uns nicht als eine militärische Nation ausgegeben, aber unser Angebot, ein Expeditionskorps von 160 000 Mann auszuschicken, wurde dankbar angenommen. Jetzt sind unsere Verluste allein schon stärker als das ursprüngliche Heer. Wir haben unendlich viel mehr getan, als man von uns erwartete, aber es ist erst ein Teil dessen, was wir tun werden. 5 Die„Westminster Gazette“ erklärt Deutschlands Anstrengungen von allen militärischen Gesichtspunkten aus betrachtet für groß⸗ artig und weitaus nicht erschöpft. Das Blatt warnt vor den strategischen Dilettanten die jetzt wegen Rußland eine sen⸗ sationelle Diversion an der Westfront anraten. Der Erschöpfungs⸗ krieg erfordere Geduld. 1 Ein Depeschenwechsel zwischen König Georg und Poincaré. Paris, 5. Aug.(zens. Frkft.) Die„Agence Havas“ meldet: Präsident Poincaré hat vom König von England fol⸗ gendes Telegramm erhalten:„Anläßlich der Wiederkehr des Tages, an dem mein Land gezwungen war, die Waffen zu ergreifen gegen jene Großmacht, die den Krieg einer Konserenz vorzog und die einen von ihr unterzeichneten Vertrag in der offensichtlichsten Weise ver⸗ letzte, wünsche ich Ihnen meine feste Ueberzeugung auszusprechen, daß unsere vereinten Anstrengungen zum Erfolge führen, und Sie meiner unveränderlichen Mithilfe sowie meiner und meines Landes Entschlossenheit zu versichern, mit unseren tapferen Heeren den Krieg jortzusetzen, bis er zu unserer Befriedigung beendigt und bis der FPriede gewährleistet werden kann.“ Der Präsident erwiderte wie folgt:„Ich danke Ew. Ma⸗ jestät für die Versicherung, die Sie mir zu geben geruhten. Frank⸗ reich tritt in das zweite Kriegsjahr mit derselben Entschlossenheit und demselben Vertrauen ein wie England, und es ist des festen Willens, die Waffen nicht eher niederzulegen, als der Sieg seine und seiner, Verbündeten Fahnen gekrönt hat und seine nieder⸗ 1 Feinde aufgehört haben, eine Bedrohung des Welt⸗ friedens zu bilden.“. Das englische Kohlenausfuhrverbot. London, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Han⸗ delsamt gibt die königliche Verordnung bekannt, nach welcher, wie bereits gemeldet, die Ausfuhr von Kohle und Koks ab 13. August auch nachden verbündeten Ländern nicht mehr frei ist. Erlaubnisscheine zur Ausfuhr erteilt das Kriegshandelsdepartement. Die weitere Einschränkung der Kohlenausfuhr sei eine Folge des Ge⸗ setzes, welches Höchstpreise für Kohle in England einführt. Es sei daher nötig, die Ausfuhr nach Ländern zu verhindern, in welchen keine Höchstpreise bestehen. Die Blätter bemerken, daß nicht die Absicht vorliege, den Kohlen⸗ bedarf der Verbündeten für die Eisenbahnen und Industrie zu beschränken. 1 Kopenhagen, 5. August.(WTB. Nichtamtlich.) Das englische Kohlenaus fuhrverbot ab 13. August hat in * 0 8. 1 1 1 . Dänemark große Aufregung verursacht. An der Börse ent⸗ stand eine Panik in Dampfschiffahrtsaktien, die um 2 bis zu 13 Prozent fielen; auch Industricaktien fielen. Die„National⸗ tidende“ enthält einen Aufruf an den Leiter der größten Kohlen⸗ importfirma Ostenfeldt. Der Direktor der dänischen Kohlenkom⸗ pagnie möge rechtzeitig durch Ankauf in Deutschland und Amerika Vorsorge treffen, falls sich das Verbot bestätige. Die Kommunalverwaltung hat noch ausreichend Kohle bis September. Die beteiligten Kreise hoffen noch auf eine Aenderung des bots und sonstige Milderungen, zumal da die dänische Regierung bisher keinerlei Bestätigung des Verbotes erhielt. London, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Bezüglich des am 3. August veröffentlichten Ausfuhrverbotes von Kohle nach allen Ländern außer nach den britischen Besitzungen wird dem Reuterschen Bureau amtlich mit⸗ geteilt, daß die Kabinettsorder die Interessen der neu⸗ kralen Länder, wohin Kohle weiter mit Lizenz verfrachtet wird, nicht beeinträchtigt. Die Kabinettsorder bezieht sich lediglich auf die Verbündeten, die nunmehr auch unter die Lizenzbestim⸗ mungen gebracht werden. ** Die Stimmung der Italiener. Mailand, 5. August.(WTB. Nichtamtlich.) Ein Leitartikel des„Secolo“ nimmt die Engländer gegen Angriffe von'italienischer Seite in Schutz, indem er auf mehr als fünf Spalten folgendes ausführt: Angesichts der Fortschritte Deutschlands und Desterreich-Ungarns auf allen Kriegsschauplätzen sei das italienische Publikum besorgt, wenn nicht gar entmutigt. Allgemein frage man sich: wie soll das neitergehen? Das Publikum nehme in Ungeduld und Aerger be⸗ sonders die Engländer aufs Korn und sage: was machen nur diese gesegneten Engländer? Der Verfasser sucht als Verteidiger Eng⸗ lands nachzuweisen, daß England den deutschen Unterseebooten zum Trotz Herrin der Meere sei. Sodann zählt er alle Orte auf, wo die Engländer zu Lande kämpfen, und bemerkt, wenn sie in Frankreich nur eine Front von 52 Kilometer besetzten, so ser das nicht ihre Schuld. Wenn 800 000 Engländer in Frankreich nicht die Offensive s ergriffen, so hänge das nicht von ihnen ab, denn die Leitung des Feldzuges in Frankreich unterstehe nicht den Eng⸗ ländern, sondern den Franzosen. Die Offensive sei auch nicht so leicht, wie es sich die Kritiker in den Kaffcehäusern dächten. Die deutsche Front sei derartig verteidigt durch Stahl und Zement, daß ein Durchbruch nur mit Melinit und Lyddit erreichbar sei. Bisher verfügte man aber über diese Explosivstoffe nicht. Auch sollten die Kaffeehauskritiker aufhören, Joffre zu kritisieren, weil er jetzt, wo Italien und Rußland so schwer zu kämpfen hätten. nicht die Ofsensive ergreife. Wenn er jetzt noch nicht vorwärts strebe, habe er seine Gründe. Die Kritiker sagten ferner, die Eng⸗ länder hätten eine glückliche Gewissenlosigkeit, indem sie den Dingen ihren Lauf ließen, aber trotzdem immer weder feierlichst erklärten, sie seien siegessicher und wollten bis ans Ende kämpfen; man müsse aber bedenken, welche Schwierigkeiten England über⸗ standen und welche Opfer es bereits im Kriege gebracht habe. Dabei sei es doch ein Land, in dem das Individuum alles, der Staat nichts bedeute. Praktischer wäre es, wenn die Italiener aufhören wollten, unnütze Vorwürfe gegen England zu erheben. Die Eng⸗ länder hätten gewiß ihre Fehler, aber auch große Verdienste. In diesem Kriege gaben sie zum Beispiel den Verbündeten, die es nötig hatten, Milliarden. l Die Geldnot Italiens. New York, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie ver⸗ lautet, verhandeln die Italiener augenblicklich in New Pork 705 die Aufnahme einer Anleihe von 50 Millionen Dollars. England und Amerika. Washington, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet: Das Staats departement be⸗ schäftigt sich mit dem Entwurfe der Antwort auf die briti⸗ schen Noten. Man glaubt, daß sie beinahe fertig ist. Die ameri⸗ kanischen Noten erkennen einerseits an, daß die neuen Umstände, die England zum besonderen Vorgehen veranlaßt haben, tatsächlich vor⸗ handen seien, sie bestreiten andererseits aber die Gesetzlichkeit der Beschlagnahme von Schiffen auf hoher See, die nach neutralen Häfen unterwegs sind. Ferner wird bestritten, daß der Handel der Vereinigten Staaten nicht gelitten habe. Es scheint Neigung vorhanden zu sein, die schließliche Entscheidung einem Schieds⸗ gericht anheimzustellen. 1* Aus Belgien. Brüssel, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sekretär des Kardinals Mercier, Kanonikus Vrancken, war wegen Widerstandes gegen deutsche Wachen bei der Zer⸗ streuung einer Menschenansammlung am Tor von Mecheln zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Der Generalgouverneur hat die Strafe im Gnadenwege erlassen. Was sonst über diesen Vorfall verbreitet wird, ist freie Erfindung. Die Abwehr neuer französisch⸗belgischer Beschuldigungen. Berlin, 5. Aug,(WTB. Nichtamtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Gegenüber den Angaben des bel⸗ 3 7 985 Graubuches über ein angebliches Projekt des Staats⸗ ekretärs v. Jagow, den belgischen Kongo mit Eng⸗ land und Frankreich unter Ausschluß Belgiens zu teilen, sei folgendes feststellbar: Im Frühjahr 1914 schei⸗ nen Nachrichten von gewissen Verhandlungen, die über ein afrika⸗ nisches Kolonialabkommen zwischen der deutschen und englischen Regierung geführt wurden, voraussichtlich über London nach Paris gelangt zu sein. Botschafter Cambon frug damals v. Jagow. ob hierbei nicht etwa französische Rechte verletzt würden, worauf der Staatssekretär dem Botschafter erwiderte, er möge versichert sein, daß, wenn irgend französische Rechte tangiert würden Deutschland sich nicht über dieselben hinwegsetzen, sondern Frank⸗ reichs Zustimmung einholen werde.— Da der Botschafter wieder⸗ holt dem Gedanken Ausdruck gegeben hatte, Deutschland und Frankreich sollten versuchen, ein Spezialabkommen zu schließen, da hierdurch eine wesentliche Verbesserung allgemeiner Beziehun- gen herbeigeführt würde, benützte der Staatssekretär die Ge⸗ legenheit, den französischen Botschafter darauf hinzuweisen, daß Afrika, namentlich der Kongo, vielleicht ein geeignetes Feld sol⸗ cher Vereinbarungen bieten würde. Er erwähnte hierbei spe⸗ iell die Kongobahnen. Ein großzügiges englisch⸗französisch⸗deut⸗ sches Kolonialabkommen könne gewiß für die Beziehungen der Westmächte zu Deutschland nützlich wirken. Da damals auch belgische Publizisten die Ansicht aufstellten, daß die Verwaltung so großer Kolonien wie der Kongo, wofür bekanntlich Frankreich das Vorkaufsrecht zusteht, weit über die berührt. In der anknüpfenden akademischen Unterhaltung wurde m Staatssekretär auch die Jetztzeit es noch möglich sei, da nicht imstande sind, einen über die Größe und Leistungsfähigkest des Mutterlandes hinausgehenden Kolonialbefitz unterhalten könn⸗ ten, Die Absicht einer Verletzung belgischer Rechte kam dabei nicht zum Ausdruck, ebensowenig war von dem Verschwinden klei⸗ ner Staaten zugunsten stärkster Nationalstaaten die Rede. Dem Stagtssekretär schwebte vielmehr nur der Gedanke vor, daß der in Artikel 16 des deutsch⸗französischen Marokko⸗Abkommens vom 4. November 1911 vorgesehene Fall von Veränderungen des terri⸗ torialen Statusquo im Kongobecken praktisch werden könnte. Die⸗ ser Artikel war daraus entstanden, daß Frankreich Deutschland sein Vorkaufsrecht auf den belgischen Kongo anbot. Diese Tatsache ist 5 belgischen Regierung genau bekannt, wie aus dem nachfol⸗ ud, im andten in Brüssel am 29. März 1912 hervorgeht: Der politische Ne Ver⸗ K finanzielle Kraft Belgiens hinausginge, wurde auch dieses Thema. politischen Direktor machte. N 1 5 Nach telegraphischen Auszügen scheint der sranzösische Bot⸗ schafter sofort dem belgischen Gesandten den Inhalt des vertrau⸗ lichen Gesprächs in tendenzibser Form zugetragen zu haben. Daß die Acußerungen des Staatssekretärs, abgesehen von der Anfangs⸗ erklärung, betreffend die Wahrung französischer Rechte, keinen amtlichen Charakter trugen, sondern nur per 1 Ideen 8 Ausdruck brachten, scheint auch in den Berichten des Gesandten besonders erwähnt zu sein. Wir können aber für die Veröffent⸗ lichung nur dankbar sein, denn die Tatsache, daß Deutschland mit England damals über ein koloniales Abkommen verhandelte und der Staatssekretär bei dem französischen Botschafter eine ent⸗ sprechende englisch-französisch-deutsche Verständigung anregte, ist wohl der deutlichste Beweis gegen die Behauptung, die Herr Cambon in dem im französischen Gelbbuch veröffentlichten Bericht aufstellte, daß Deutschland schon im Frühjahr 1914 das Schwert wetzte, um seine Nachbarn mit Krieg zu überfallen. „; Der Seekrieg. Berlin, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Wie uns von zu⸗ ständiger Seite mitgeteilt wird, hat das„ deut⸗ scher Frauen dem Marinelorps in Flandern gestiftete Wasser⸗ flugzeug„Frauenflottenbund“ am 26. Juli in der südlichen Nordsee englische leichte Streitkräfte mit Erfolg angegriffen. l 5. Kristiania, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die deut⸗ sche Regierung hat amtlich anerkangt, daß der norwegische Dampfer„Minerva“ von einem deutschen Unterseeboot kor⸗ pediert worden sei, da es infolge verschiedener unglücklicher Umständen das Schiff für ein englisches angesehen habe. Die deutsche Regierung sprach ihr lebhaftes Bedauern aus und erbot sich, Schadenersatz zu leisten. 5 1 Kopenhagen, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.). Meldung des Ritzauschen Bureaus. Der Dampfer„Weco., von New. Por mit Petroleumladung vermutlich nach Stockholm be⸗ stimmt, ist von einem deutschen Unterseeboot ange⸗ halten worden. Es ging außerhalb des dänischen Seeterri⸗ toriums südlich von Dogden vor Anker. g 9 1 London, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agen⸗ tur meldet: Der englische Dampfer„Costello“ ist ver⸗ senkt worden. Der Kapitän und 21 Mann der Besatzung sind gerettet worden, ein Maun ist ertrunken. i London, 5. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Lloyds Agentur meldet: Der Dampfer „Portia“ ist versenkt worden; die Besatzung wurde gerettet. 8 — Aus Stadt und Cand. 5 Gießen, 6. August 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) 4 Res. Jakob Sauerwald, Juf.-Agt. 167, aus Marburg.— Unteroff. Karl Goubeaud, I. Garde-Rgt. z. F., aus Werdors. * — Unterosf. Hans Pflug, Inf.-Ngt. 167, aus Ober⸗Gleen.— 7 Musk. Konrad Scherpf, Inf.⸗Rgt. 168, aus Burgbracht. Landsturmmann Wilhelm Fich, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 118, aus Ober⸗ Mockstadt. * 9 * Das Eiserne Kreuz 1. Klasse wurde Sr. 3 Exzellenz dem General der Infanterie Dingeldein, einem alten Gießener, perliehen, z. Zt. Generalinspekteur 2 des Ingenieur- und Pionierkorps und der Festungen, Ber⸗ lin W. 62, Kurfürstenstraße 63/69, nachdem er schon am 22. März mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet war.— Leutnant d. R. Fritz Sauer aus Gießen, Inf ⸗ Regt.„Kaiser Wilhelm“, wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. * Die Fürsten und Grafen von Solms. Im Amtsblatt des Regierungsbezirks Koblenz macht Regierungs⸗ präsident Scheerenberg folgende Mitteilung:„Die surstlichen Häuser Solms-Braunfels und Solms⸗Hohen⸗ solms-⸗Lich und die gräflichen Häuser Solms⸗Rödel⸗ heim, Solms-Laubach und Solms⸗ Wildenfels, die durch die Gnade Gottes bestehen und noch blühen und untereinander durch die Bande des Bluts, gemeinsame Rechte und enge Freundschaft von altersher vereinigt sind, haben mit ihren Fürstlich und Gräflich Solmsschen Häusern er⸗ neute Erb- und Brudervereinigung geschlossen.“ ins Operations⸗ und Etappen⸗ Generalkommando des der Antra 1. Notwen 5 trage gestreift, inwieweit in der] de solche kleinen Staaten, die dazu läßt. Ist die Zureise genehmigt, so bedarf es noch eines i man Reisepasses oder Personalausweises, 99551 1 125 3 ortlaut wiedergegebenen Bericht des kaiserlichen Ge-] kommandos vollständig aus; Direktor von der Elst lenkte heute das Gespräch auf die deutsch⸗ französischen Marokkoverhandlungen, Er sagte mir ganz vertrau⸗ c) Für Reisen nach dem Sperrgebiet im Oberelsaß(ve Anm. 2), scheidet die Mitwirkung des ale 92 ume 5 es ist ein entsprechender lediglich an die untere Verwaltungsbehörde des Wohnortes direktion, Bezirks⸗ Kreis oder Landratsamt) zu richte den Antrag zur Feststellung der erforderli 0 3 e r digkeit des Antrag⸗ . 5 58 der zur Entscheidung zuständigen⸗ Wehrpflichtige Personen bedürfen zu Reisen in obenbe⸗ ichnete Gebiete außerdem eines Urlaubsscheines der zuständigen ilitärbebörde. 35 e), Weiblichen Angehörigen der in genannten Gebieten sich 1 e f. 10 0 ist 10 1 dort⸗ en. Ausnahmen sind nur zulässig in Fällen lebensgefähr— licher Verwundung oder Erkrankung. 1 05 1) Privatpersonen, welche aus geschäftlichen Gründen in das Operations- und Etappengebiet einschließlich Sperrgebiet in den Reichslanden reisen wollen, haben vor Einreichung ihres An⸗ trages an das stell vertretende Generalkommando(vergl. a erster Absatz), ein entsprechendes Gesuch an das Kriegsministerium zu richten; Gesuche, welche einen Genehmigungsvermerk des Kriegs⸗ ministeriums nicht tragen, müssen bestimmungsgemäß zurückge⸗ 8 8 5. . prechstunden in vorstehenden Angelegenheiten ausschließlich im Gebäude des Kgl. Polizeipräsidiums, Zimmer 277, Werktags vormittags von 11 bis 1 Uhr, Sonntags von 12 bis 1 Uhr und in besonders dringenden Fällen(Todesfälle, lebensgefährliche Er⸗ krankungen) Werklags nachmittags zwischen 4 bis 76 Uhr. 1 An m. 1: Sperrgebiet südwestlich bezw. westlich Phlin— 1 Bechy— Bahnlinie, Han a. d. Nied— Saarburg—Zabern—Otters⸗ weiler— Molsheim—Rappoltsweiler(Orte einschließlich außer Za⸗ bern)— Anm. 2: Sperrgebiet Oberelsaß: Gebiet südlich Rap⸗ pboltsweiler⸗ östlich begrenzt durch den Rhein.— An m. 3: Da 1 für die Erledigung der Zureisegesuche in obengenannte Gebiete im ullgemeinen mit einer Mindestdauer von 10 Tagen zu rechnen ist, empfiehlt es sich, die Anträge entsprechend frühzeitig einzureichen. Gold zur Reichsbank. Die Einrichtung, nach Friedensschluß die Rückgabe von Goldstücken zu garan⸗ lieren, die für den Besitzer einen Pietäts⸗ oder auch numis⸗ matischen Wert haben, hat bisher in unserer Stadt der Reichsbank rund 1000 Mk. in Gold eingebracht. Es handelt sich in der Hauptsache um 10- und 20⸗Markstücke mit dem Bildnis des Kaisers Friedrich oder um Goldstücke aus dem Dreikaiserjahr 1888. Vielfach werden auch von Münz⸗ ammlern Füufmarkstücke in Gold der Reichsbank zuge— führt. Man nimmt mit Recht an, daß in der Bevölkerung noch eine große Summe von Goldstücken, die als Schmuck verarbeitet sind, vorhanden ist. Aber auch die Besitzer von 3 Münzsammlungen sollten das gemünzte Gold des Reiches während des Krieges zur Reichsbank tragen. Wenn die ge⸗ samte Bevölkerung hilft, muß ein recht großer weiterer Betrag in Gold unserer finanziellen Rüstung zugute kommen. Bücherei für Verwundete. In diesen Tagen blickt auch die von der Universität ins Leben gerufene Bücherei für Verwundete auf ein Jahr ihrer Tätig⸗ keit zurück. Sie hat am 8. August des vorigen Jahres ihre Arbeit begonnen und seitdem 27 einzelne Büchereien, ge⸗ wöhnlich zu 150 bis 200 Bänden, eine größere zu 500 Bän⸗ den, im ganzen also etwa 4000 Bücher und außerdem hlreiche Zeitschriften zur Verfügung gestellt. Die Emp⸗ fänger sind zumeist die hiesigen Lazarette, die in regelmäßi⸗ 5 5 Zwischenräumen für die ausgelesenen, vielfach auch zer⸗ lesenen Büchereien Ersatz erhalten; aber auch Nachbar⸗ 1 lazarette und eine Verwundetenkompagnie wurden bedacht. Der Lesestoff erfährt vor der Ausgabe eine sorgfältige Prü⸗ jung; jeder einzelnen Bücherei wird ein Katalog beigegeben. Die Buchbinder Sann und L. Bourgeois haben sich durch unentgeltliche Herstellung von Einbänden um die gute Sache verdient gemacht. * Städtischer Kartoffelverkauf. Die Stadt wird morgen im Hof des städtischen Hospitals gute Früh kartoffeln in Mengen bis zu zehn Pfund zum Verkauf bringen. Das Nähere besagt die betreffende Anzeige in vor⸗ liegender Nummer. ** Unter den heutigen Bekanntmachungen des Kreisamts bezw. der Stadt Gießen befinden sich solche über den Ankauf der diesjährigen Getreideernte und die Be⸗ schlagnahme von Kupfer, Messing und Nickel. Die Be⸗ chtung namentlich der letzteren sei den Hausfrauen dringend mpfohlen. a 8** Der Gießener Kohlenbezugsverein wird für den Winterbrand eine neue Kohlensorte bei seinen Mitgliedern einführen. Dieselbe wird im Handel als Räte⸗ Kohle bezeichnet. Sie soll sich, gemischt mit Nußkohle, als Hausbrand vorzüglich bewähren; dabei ist der Preis der Rätekohle erheblich billiger als der für Steinkohle. Der Verein wird mit der Lieferung des Materials Ende Sep⸗ tember beginnen. Versuche, die bereits mit Räte⸗Kohlen auch in Gießen vorgenommen worden sind, haben die Brauch- barkeit derselben auch für unsere Oefen, aber auch zum Verfeuern in Küchenherden ergeben. * Preußische Klassen⸗Lotterie. Die Erneuerung der Lose zur 2. Klasse muß unter Vorlegung des Vorklassenloses bis zum 9. August abends 6 Uhr geschehen. Auch müssen die Freilose zur 2. Klasse gegen Rückgabe der Gewinnlose bis zu vor⸗ genanntem Termin eingelöst sein. Landkreis Gießen. m. Watzenborn⸗ Steinberg, 5. August. Dem in einem Infanterieregiment in f dienenden Gefreiten Georg 5 1 5 aus Steinberg wurde das Eiserne Kreuz 2. Kl. verliehen. 1 Grünberg, 5. Aug. Am 28. Juli wurde dem Leutnant Karl Heutzenröder(früher Gerichtsschreibergehilfe am Amts⸗ 8 Grünberg) im Argonnenwalde für ganz hervorragende Ver⸗ dienste das Eiserne Kreuz 2. Kl. persönlich durch den deutschen Kronprinzen angeheftet.— Am 1. August wurde dem Unter⸗ offizier der 52. Sanitäts⸗Kompagnie Karl Zimmermann von Grünberg wegen tapferen Verhaltens und treuer Pflichterfüllung gegen verwundete Kameraden das hessische Sanitätskreuz mit 5 Bgnde der Tapferkeitsmedaille verliehen. i Kreis Büdingen. 8 Echzell, 5. Aug. Im hiesigen Lazarett starb an einer 1 bre rankheit der Metzgermeister und Gastwirt Jakob Jung, ls Gefreiter der Landwehr zog er im Dragoner⸗Regiment Nr. 24 5 den Krieg und erwarb sich das Eiserne Kreuz. Seine aktive J ienstzeit verbrachte er bei den 13er Husaren. Bleichenbach, 5. Aug. Den Tod fürs Vaterland fan⸗ den bis jetzt neun Krieger aus hiesiger Gemeinde. Zahl von aus⸗ ändlern ein⸗ acht. So konnten bis zum 1. August allein am hiesigen hnhofe 3000 Zentner Himbeeren verladen wer⸗ Beachtet man ferner, daß auf den anderen an den Ober⸗ d grenzenden Stationen nicht weniger Beeren verladen wer⸗ und berechnet man für den Zentner 22 Mk., so kann mam 0 von dem Segen einer solchen reichen Himbeerernte n. Sehr dankbar muß es auch anerkannt werden, daß der lkerung der Weg zu den Waldungen ungehindert offen steht. * AuUlrichstein, 4. Aug, Vergangenen Sonntag wuror in der hiesigen Kirche für den in Galizien fürs Vaterland gefallenen. Wilhelm Lipp die Gedächtnisfeser gehalten. Der Ge⸗ fallene kämpfte im Reserve⸗Infanterie⸗Regiment 223, 8. Komp.; er stand im 25. Lebensjahr. Die Gedächtnisrede hielt Pfarrer Hellwig von hier. Eine große Menschenmenge war zur Feier anwesend. Einige Mitglieder des hiesigen Musikvereins brachten einige dem Ernste der Feier entsprechende Musilvorträge zu Gehör. — Der hiesige Vieh- und Schweinemarkt hatte folgende hohe Preise zu verzeichnen: 5 5 zum Fahren geeignete Ochsen je nach Qualität 250300 Mk. Kühe 340—530 Mk. Auf dem Schweinemarkt waren wenige Tiere aufgetrieben; ohne großen Handel wurden bezahlt für Ferkel im Alter von 5—6 Wochen 50 bis 60 Mk.; 7—8wöchige Tiere 70—80 Mk. und für noch etwas ältere 90, sogar 100 Mk. Eine Menge Käufer war anwesend, aber wenig Vieh stand zum Verkauf. In 2 Stunden war der Markt vorüber. Der Tags darauf folgende Krämermarkt war ebensalls gut besucht. Feldkrücken, 4. August. Den Tod fürs Vaterland starb der Reservist Louis Fuchs im Reserve-Infanterie-Regi⸗ ment Nr. 118. ö 5 5 OEichelsachsen, 4. August. Die hessische Tapfer⸗ keitsmedaille erhielt der Gardist Otto Loos in der 3. Komp. im Infanterie-Regiment Nr. 115 am 15. Juli. Kreis Friedberg. 15 Butz bach, 5. Aug. Gestern abend sand in der hiesigen Stadtkirche ein Abschiedsgottesdienst für die Truppen der hiesigen Garnison statt, der auch von der hiesigen Einwohnerschast gut besucht war.— Aus Anlaß der Eroberung Warschaus und Iwangorods durch unsere Truppen trug heute die Stadt reichen Flaggenschmuck. Glockengeläute verkündete die große Sieges. nachricht. Abends gegen 8% Uhr veranstalteten die Schüler mit ihrem Hauptlehrer Herrn Storch auf dem Marktplatze eine . mit Ansprache und Gesang gemeinschaftlicher ieder. —Ossenheim, 5. Aug. Die Hessische Tapferkeits⸗ medaille erhielt der Leutnant und Kompagnieführer Maul im Reserve-Inf.-⸗Regt. Nr. 40. N h. Kirchgöns, 5. Aug. Beim Wiedereinsangen eines scheugewordenen Pferdes wurde der Landwirt Heinrich Schimpf von dem Tiere mit solcher Wucht gegen den Leib ge— schlagen, daß er nach kurzer Zeit verstarb. Starkenburg und Rheinhessen. ch. Aus Rheinhessen, 6. Aug. Noch immer stehen die Reben wie auch die Trauben günstig. Die Frühtrauben weisen bereits Farbe auf und die Beeren sind in den meisten Lagen ziemlich ganz ausgewachsen. Mit den Aussichten kann man also durchaus zufrieden sein. Die Arbeiten in den Weinbergen konnte man recht gut fördern. Gegenwärtig wird noch in den Gebieten, wo das Oidium, das sich in diesem Jahre stärker zeigte, aufgetreten ist, geschweselt. Ebenso wird gegen die Peronospora gespritzt. Im freihändigen Weingeschäst ist nicht mehr so viel Leben wie noch vor kurzem, doch werden immer noch ganz ansehnliche Mengen Wein verkaust. Die Vorräte sind auch sehr zusammengeschmolzen. Hessen⸗Nassau. r. Rodheim a. d. Bieber, 4. Aug. Schulamtskandidat K. Jäkel, z. Zt. im Felde, wurde endgültig als Lehrer an der Rod— heimer Schule angestellt. m. Vöhl, 5. Aug. Aussehen erregt in der Umgegend die Verhaftung des seit einigen Wochen dort als Arzt amtierenden Herrn N., welcher die Vertretung des im Felde stehenden Herrn Dr. Evers übertragen bekommen hatte. Wie verlautet, soll er über- haupt nicht approbierter Arzt und nur auf Grund falscher Papiere zu der vom Aerzteverband vermittelten Stelle gelangt sein, auch wegen früherer Verfehlungen gerichtlich verfolgt werden. Runkel, 4. Aug. Erster Pfarrer Andreas Müller und Pfarrer Farl Beinhauer in Münster sind auf ihren Antrag zum 1. Oktober in den Ruhestand versetzt worden. h. Frankfurt a. M., 5. Aug. Die Stadtverord⸗ netenversammlung wählte heute an Stelle des zurück⸗ getretenen Stadtrats Zimmer den Großkaufmann Paul Fulda mit 39 Stimmen zum Stadtrat. Für diesen stimmten die Fort⸗ schrittler, die Nationalliberalen und das Zentrum. Der sozial⸗ demokratische Gegenkandidat, Gewerkschaftsbeamter Weidner, erhielt 14 Stimmen. Die Versammlung lehnte den Bau einer neuen Mittelschule im Buchwalde ab.— Für den Neubau des chemisch⸗yhysiologischen Universitätsinstituts im Theodor Sternhause bewilligte man 36000 Mark. h. Frankfurt a. M., 5. Aug. Ueber ein halbes Dutzend berrenloser Hunde, denen der zweite Tierschutzverein in seinen Geschäftsräumen allnächtlich Obdach gab und die allnächt⸗ lich fürchterlich heulten und bellten, ärgerte sich ein Nachbar natur⸗ emäß derart, daß er bei der Polizei Anzeige erstattete. Die Bolizei bedachte den Geschäftsführer des Vereins mit mehreren Strafzetteln über zusammen 80 Mark. Hiergegen beantragte der Geschäftsführer richterliche Entscheidung. Das Schöffengericht ent⸗ schied heute früh dahin, daß das Gebell von Hunden in aus Grün⸗ den des Tierschutzes für unbedingt notwendig gehaltenen Institut nicht„ungebührlich“ sein könne, wie der polizeiliche Straf⸗ zettel annehme. Hunde bellten nun einmal, was auch nicht immer ruhestörend sei. Und an ein wenig Hundegebell müsse man sich in einer Großstadt schon gewöhnen. Aus diesen Gründen sprach das Gericht den Angeklagten frei. Eine für jede Stadt interessantes Urteil.— Mittlerweile aber ward dem Nachbarn auf zivilrecht⸗ lichem Wege Genugtuung; denn das Zivilgericht verurteilte auf Klage des Hausbesitzers, in dessen Hause die Hunde bellten, den Tierschutzverein zur Räumung des Grundstücks. h. Bad Homburg v. d. H., 5. Aug. Ein 15jähriges Mäd⸗ chen aus Frankfurt stieg in der vergangenen Nacht in die Woh⸗ nung eines Herrwein und stahl diesem, während er schlief, die Geldbörse mit 380 Mark Inhalt aus dem Beinkleide. Dann drang die Einbrecherin im gleichen Hause bei einer Dame ein und wollte gleichfalls die Wertsachen stehlen. Tie Dame wachte aber auf, ließ sich aber von der Diebin, die vorgab, wogen Se hier eingedrungen zu sein, beruhigen. Das Mädchen begab sich jetzt in eine Nachbarspilla und legte sich hier in einen Reisekoffer zum Schlafe nieder. Hier fand man die Abenteurerin heute früh und verhaftete sie. m. Weilburg, 4. Aug. In dem Rechnungsjahr April 1914 bis Ende März 1915 beliefen sich die Spareinlagen bei der Kreis- sparkasse des Oberlahnkreises auf 948 258 Mk., während die Rückzahlungen nur 788 523 Mk. betrugen. Vermischtes. Berlin, 5. Aug, Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Halle(Saale). Auf Schacht 2 der herzoglich anhalti⸗ schen Salzwerke wurde in einer Tiefe von 367 Metern ein mächtiges Hartsalzlager angeschlagen. Zwanzig Kriegserklärungen. Seit dem Beginn des Weltkrieges, der jetzt in sein zweites Jahr tritt, sind, wie die „Vossische Zeitung“ erinnert, im ganzen folgende zwanzig Kriegs⸗ erklärungen abgegeben: Am 28. Juli 1914... Oesterreich-Ungarn an Serbien. Am 1. August.... Deutschland an Rußland. Am 3. August...„ Deutschland an Frankreich. Am 3. August.... Deutschland an Belgien. Am 4. August.... England an Deutschland. Am 5. August.... Oesterreich-Ungarn an Rußland. Am 6. August.... Serbien an Deutschland. Am 11. August... Montenegro an Oesterreich-Ungarn. Am 11. August.... Montenegro an Deutschland. eee, 3 an Oesterreich-Ungarn. Am 18. August gland an Oesterreich-Ungarn. Am 28. August.... Japan an Deutschland. Am 25. August.... Oesterreich-Ungarn an Japan. Am 28. August.... Oesterreich-Ungarn an Belgien. Am 2. November... Rußland an die Türkei. Am 5. November... Frankreich an die Türkei. Am 5. November... England an die Türkei. Am 7. November... Belgien an die Türkei. Am 7. November. Serbien an die Türkei. Am 23. Mai 1915 8 Italien an Oesterreich-Ungarn. „Da au der Seite unserer Feinde im ganzen acht Staaten ohne die Tochterstaaten stehen, so hätten 24 Kriegserklärungen erfolgen müssen. Es sehlen demnach vier, und zwar hat Italien weder an Deutschland noch die Türkei den Krieg erklärt, ferner haben Montenegro und Japan nur den beiden Zentralmächten Fehde angesagt. Zwischen Deutschland und Italien und zwischen Montenegro und der Türkei sind die diplomatischen Beziehungen abgebrochen; zwischen Italien und der Türkei bestehen sie noch; zwischen Japan und der Türkei hat es auch vor Kriegsausbruch keine diplomatischen Beziehungen gegeben. Aniversitäts⸗ Nachrichten. Karlsruhe, 5. Aug.(W. T. B. Nichtamtlich.) Der Groß⸗ berzog hat den ordentlichen Professor der deutschen Staats- und Rechtswissenschaft des Deutschen Reiches und Landesstaatsrechts einschließlich des Verwaltungsrechts, sowie des Kirchenrechtes an der Universität in Heidelberg, Dr. Fritz Fleiner, seinem Ansuchen entsprechend, mit Wirkung vom 1. Oktober 1915 aus dem staatlichen Dienste entlassen. — Nirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 7. August 1915: Vorabend: 7.30 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbataus gang: 8.50 Uhr. . Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2— 2 2 2 8—— 17 2 Aug. 88.2 8 8 2— 88 2 85 5 Wetter 1715 C8 38— 8 8 2 8 5 40 5 20 749,2 20,0 10,5 60 W. 2 8 Bew. Himmel 5 9 496 14,9 10,6 84 still sstill! 0 Klarer Himmel 6 1% 49,9] 12,8 10,0 90 NW 2 9 Sonnenschein Höchste Temperatur am 4. bis 5. Aug. 1915 J 20,4% Niedrigste„„ 4.„ 5, 1915 A. 10% Niederschlag: 0, mm.. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 5 Von Westen her rückt eine Depression ostwärts vor und drängt den sestländischen hohen Druck zurück. Bei ihrem verhältnis⸗ mäßig sehnellen Zuge dürften wir morgen schon durch sie beeinflußt werden. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 7. August 1915: Zunahme der Bewölkung, leichte Niederschläge, etwas kühler, süd— wesiliche Winde. Letzte Nachrichten. Der Eindruck des Falles von Warschau in Paris. Genf, 6. Aug. Auf der heutigen Tagesordnung des fran⸗ zösischen Parlaments standen Ministerreden anläßlich des Jahrestages des Kriegsbeginns. Der Fall von Warschau ver⸗ blüffte allgemein furchtbar, weil Botschafter Iswolski eine 10 tägige Verteidigung in Aussicht gestellt hatte. Paris, 6. Aug. Die Ereignisse an der russischen Front finden in der Pariser Presse eine zwiespältige Beurteilung. Die radikale Presse gibt alles verloren. Nach ihrer Ansicht könnte der Vierverband froh sein, falls die russischen Heere ziemlich un“ beschädigt aus Polen entkommen könnten. Die nationalistische Presse, besonders die„Action Francaise“ deutet geheimnisvoll an, daß die Konferenz in Calais eine geheimnisvolle Wendung vorbereitet habe, welche bald kommen werde.— Auch die Mailänder Presse erwartet für Ende August eine große Aende⸗ rung der Kriegführung. Es wird gesagt, Rußland werde durch Rumänien marschieren, um so eine Verbindung mit der serbischen und italienischen Front herzustellen.(Und im Westen wird gar nichts passieren? Die Red.) Deutsche U-Boote vor Archangelsk. Genf, 6. Aug. Wie die Genfer„Tribune“ meldet, wurde der Hafen von Archangelsk gesperrt und zwar infolge Auftauchens fremder Unterseeboote. Die Mu⸗ nitionstransporte nach Archangelsk sind demzufolge vorerst eingestellt. Die Cholera in Rußland. Wien, 6. Aug. Das„§S⸗Uhr Abendblatt“ meldet aus Bu⸗ karest: Die Generaldirektion des rumänischen Sanitätsdienstes wurde von dem rumänischen Konsul in Odessa amtlich verstän⸗ digt, daß die Cholera in der Umgebung von Odessa stark wütet und zahlreiche Opfer fordert. Rumänien hat alle notwendigen Vor⸗ sichtsmaßregeln getroffen. England und Griechenland. Wien, 6. Aug. Aus Athen wird gemeldet: Die Zeitung „Embros“ schreibt: Gegen die englische Note an Griechenland wegen der Besetzung von Mytilene ist eine Protestnote an das Lon⸗ doner Kabinett abgegangen. b 0 5 Athen, 6. Aug. Englische Kriegsschiffe haben zwei griechische Dampfer, die mit Eisenbahnmaterial für die griechische Unionbahn, die Altgriechenland mit Neugriechenland verbindet, sowie einige Wagen für die Linie Carissa an Bord hatten, angehalten und mit Beschlag belegt. Die griechische Regierung t infolgedessen eine scharfe Protestnote gegen ein solches Ver⸗ ahren in London überreichen lassen. Die Drückeberger in Frankreich. Genf, 6. August. Am Freitag gelangt der Bericht des Depu⸗ tierten Cheron über die Drückeberger im Senat zur Ver⸗ lesung. Das„Journal“ bringt bereits heute die Listen aus der Kanzlei, in denen fast überall nur 70 Prozent der Soldaten der aktiven Armee enthalten sind. Besonderen Mißbrauch treiben die sogenannten Dolmetscher für dieenglische Sprache, die zu Hunderten zählen, während sie im Grunde genommen über⸗ flüssig find. Es handelt sich um etwa 100 000 Drückeberger, die sofort zur Front abgehen könnten. 5 Die Analphabeten im französischen Heere. Paris, 6. Aug. Der„Temps“ berichtet, daß von 28 273 estellungspflichtigen Mannschaften der Jahresklasse 1917 des 8 250 Analphabeten seien; 444 können nur lesen. 5 Die dritte Kriegsanleihe in Italien. Florenz, 6. Aug.„Nuovo Giornale“ bringt unter dem Titel„Nationale Pflicht“ einen Leitartikel, in dem auf eine dritte Kriegsanleihe vorbereitet wird. Den Rentenbesitzern wird angedroht, daß, wenn sie nicht zeichnen würden, man ihnen eine progressive Einkommensteuer auferlegen würde. Gegen die Regierung in Amerika. Amsterdam, 6. August. Eine Meldung des„Petit Parisien“ aus New Pork besagt: In Flugschriften, die die Gesellschaft der Friedensfreunde in Millio⸗ nen verbreitet, werden Lansing und die Regierung heftig angegriffen und angeklagt, mit einer Klique von Millio⸗ nären ein Komplott auszuhecken, um das Land gegen die eigenen Interessen in den europäischen Krieg zu stürzen. Giessen(Sonnenstrasse 7), den 6. August 1915. Reservist im Reserve-Infanterie-Regiment 223, 1. Komp. im Alter von 27 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Elisabethe Schneller geb. Müller und Kinder. N JJ ĩ ĩ 7CCCCCCCCTCCCCCC Durch das am 2. August erfolgte Ableben des Herrn Max Friedberger hat unsere Religionsgemeinde einen tief schmerzlichen Verlust erlitten. Sein volles Verständnis für alle Fragen unserer Verwaltung, seine versöhnliche Denkungsart haben ihn zu einem wertvollen Mitarbeiter innerhalb unseres Kollegiums gemacht und sichern ihm ein treues, dankbares und liebevolles Andenken in den Herzen unserer gesamten Gemeinde. Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Giessen. Streß; 6405 b Donnerstag morgen entschlief sanft nach 700 langem schwerem Leiden unser lieber Sohn und Bruder Wilhelm Weimer im 20. Lebensjahre. a Die trauernden Hinterbliebenen: Am 29. Juli 1915 verstarb im Lazarett an einer heim- tückischen Krankheit mein innigstgeliebter, herzensguter Mann, der treusorgende Vater seiner Kinder, unser lieber Bruder, Schwager, Schwiegersohn und Onkel Heinrichschneller Ein prächtiges Mädel angekommen Sally Joseph und Frau West-Anlage 29 6413 Familie Ludwig Weimer. Alten⸗Buseck, den 6. August 1915. 9 Die Beerdigung findet Samstag, den 7. August, nachm. 2 ¼ Uhr, statt. Danksagung. Elegante Damen-, Herren- Madchen- und Kinder- Stiefel Halbschuhe 2 Weiße Leinenschuhe Tennisschuhe Sandalen Flechtstiefel Schulhaus WW. Herbert Empfehle in grosser Auswahl: schwarz und farbig Aufruf der Schneidermeister von Gießen und Laubkreis. Nächsten Sonntag, den 8. August, nachmittags 3 Uhr findet im Felsenkeller am Bahnhof Gießen eine ** Versammlung der Schneidermeister v. 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