5 b. ermal iehenerFamilienblätter; Verlag, Geschäftsstelles1 Abdresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. für die Tagesnummer der Gießener Anzeiger heint täglich, außer onntags.— Beilagen: wöchentlich weimab wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Annahme von Anzeigen bis vormittags 9 Uhr. ießener? General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. 165. Jahrgang inzei Donnerstag, 5. August 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., vlertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt⸗ schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. der Anfang des Sturmes auf Warschau. der Westteil von Jwangorod genommen. (TB.) Großes Hauptquartier, 4. August. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Nichts Neues. 0 e Oestlicher Kriegsschauplatz⸗ In der Verfolgung des weichenden Gegners erreichten unsere Truppen gestern die Gegend von Ku pisch ki cöstlich Poniewiez). Nördlich von Lomza wurden die Russen in die vor⸗ ö geschobene Verteidigungsstellung der Festung zurückgedrängt. 1 Ost⸗ und westpreußische Regimenter nahmen die noch durch Feldbefestigungen geschützten Narew⸗lebergänge bei Ostro⸗ lenka nach heftigstem Widerstand. Mehrere Tausend Russen wurden gefangen genommen, 19 Maschinengewehre erbeutet. Auch hier ist die Verfolgung aufgenommen. Vor Varschau wurden die Russen aus der Blonie⸗Stellung in die äußere Fortlinie ge⸗ worfen. Die Armee des Prinzen Leopold von Bayern befindet sich im Angriff auf die Festung. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den über die Weich sel vorgedrungenen deutschen Teilen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch nimmt der Angriff seinen Fortgang; die österreichisch⸗ungarischen Truppen dieser Armee sind im Besitz des Westteiles der Festung Jwangorod bis zur Weichsel. Gegenüber den verbündeten Armeen des Generalfeld⸗ marschalls von Mackensen versuchte der Feind auch gestern, die Verfolgung zum Stehen zu bringen. Er wurde bei Lenczna nordöstlich von Cholm und westlich des Bug erneut geschlagen. Seit heute früh ist der geworfene Feind im Rückzug zwischen Weichsel und Bug in allgemein nördlicher Richtung. Auch bei und südlich Uscilug am Bug weicht der Gegner. Oberste Heeresleitung. * Notiz: Kupischki liegt etwa 40 Klm. östlich i *** Schneller als man gedacht hat, sind die Weichselfestungen sturmreif geworden. Die Russen werden zum Teil abgezogen sein, und daher ist damit zu rechnen, daß sich der ganze Kampfplatz sehr bald und rasch weiter nach Osten verlegen wird. Der Sturm auf Warschau durch Prinz Leopold von Bayern, einen Bruder des Königs, hat begonnen, und der Westteil von Iwangorod ist bereits in unserem Besitz. An den übrigen Fronten wurde der Feind allenthalben geworfen, und ein Blick auf den russischen amtlichen Bericht zeigt uns, ebenso wie eine neue Anklage der„Nowoje Wremja“ wider die zagen Bundesgenossen an der Westgrenze Deutschlands, daß der russische Zusammenbruch mit zunehmender Gewalt sich vollzieht. Mackensen zieht hinter dem neuerdings ge⸗ schlagenen russischen Heere von Süden her vor, und Below hat seine Truppen wieder etwa 10 Kilometer in der Rich- tung auf Dünaburg vorgeschoben. In so bitterernster Stunde ist es für den feindlichen Vierverband eine niederschmetternde Enttäuschung, daß ihm auf die Mithilfe der Balkanstaaten jede Hoffnung schwindet. Die Türkei hat sich mit Bulgarien geeinigt, und die„En⸗ tente“ muß ihre Hoffnungen mit düsteren Befürchtungen vertauschen, denn daß Bulgariens Politik mit den türki⸗ schen Zugeständnissen noch nicht vollendet ist, hat der Minister Radoslawow ja mehrfach schon unverblümt ausgesprochen. Die nachfolgenden Betrachtungen eines unserer Mitarbeiter gehen auf diese hochinteressante neueste orientalische Frage 85 1 7 0 hoffentlich wird sein Optimismus recht be⸗ alten! Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns: Während das gewaltige Kriegsdrama in Polen seinem Höhepunkt zustrebt, vollziehen sich auch auf dem Balkan wichtige Entscheidungen, zwar zunächst nur diplomatischer Art, aber sicherlich nicht ohne Rückwirkung auf den Ausgang des Weltkrieges Ueber Wien, Athen und Kopenhagen laufen übereinstimmende Meldungen ein, daß die türkisch⸗bulgari⸗ schen Verhandlungen ihrem Ende zugehen, und zwar einem glücklichen, einem für die Sache der Zentralmächte günstigen Ende. Ja, schon weiß ein holländisches Blatt, der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“, direkt aus Sofia zu berichten, der Vertrag zwischen der Türkei und Bulgarien über die Ge⸗ zietsabtretung nördlich und westlich Adrianopel und die eberlassung der Eisenbahn Dedeagatsch an Bulgarien sei ereits am Dienstag eic n worden. Das mag noch etwas verfrüht sein. Jedenfalls melden zuverlässige Bal⸗ anreisende, daß das bulgarische⸗türkische Personal auf der 95 Bahnlinie Philippopel—Dedeagatsch schon durch rein bul⸗ en Personal ersetzt werde. Soweit sind also die Dinge wischen Stambul und Sofia in aller Freundschaft gediehen und es besteht kein Grund, anzunehmen, daß es den Quer⸗ treibern des Vierverbands in letzter Stunde glücken könnte, die Einigung zu stören. Nach der Neuregelung erhält Bul⸗ ien die ganze Eisenbahnlinie Dedeagatsch mit der Station vagatsch, Timotika und Kuleluburgas(nicht zu verwech⸗ mit Luleburgas). Die bulgarische Grenze wird künftig dem Laufe der Maritza folgen. Alle Gebiete westlich jenes Flusses kommen somit zu Bulgarien. Rund um die Station Adrianopel—Karalazan beansprucht Bulgarien noch eine Zone mit einem Radius von 2900 Meter. Wenn auch jene Forderung Bulgariens bewilligt wird, dürfte eine neue Eisenbahnlinie gebaut werden, die einen neuen, unabhängi⸗ gen Zugang nach Adrianopel sichert. Das alles wird die Herren Engländer und ihre Kriegsgenossen natürlich furcht⸗ bar„giften“, wie man in Süddeutschland sagt, aber an der vollzogenen Tatsache und ihren Wirkungen werden sie nicht das mindeste ändern können. Voll Zorn drahtet ja der Be⸗ richterstatter der„Times“ aus Sofia, es sei unwahrscheinlich, daß die Türkei solche Gebietsabtretungen ohne die Gewiß— heit von Gegenleistungen seitens Bulgariens bewilligen werde. Sehr richtig, Mister Galgenstrick! Wurst wider Wurst und eine Hand wäscht die andere. Das gilt auch für ehrliche und anständige Verträge, und solche wer— den meist außerhalb des britischen Ränkebereichs abge— schlossen. Ueber die Gegenleistungen Bulgariens an die Türkei braucht man sich ja vorläufig noch nicht auszulassen, so groß auch die Neugierde der Herren in London und Petersburg sein mag. Der Vierverband hat bis zur Stunde vergeblich versucht, das nahezu fertige Abkommen zu hinter— treiben. Mit all den bekannten Mitteln arbeitete er darauf hin, die Aufmerksamkeit Bulgariens von Mazedonien ab und nach Thrazien zu ziehen, also Sofia mit Konstantinopel zu veruneinigen. Der russische Gesandte in Serbien, Fürst Trubetzkoi, hat gemeinsam mit dem russischen Gesandten in Sofia, Sawinsky, dem serbischen Ministerpräsidenten Pa⸗ schitsch neue russische Vorschläge unterbreitet und ihn auf⸗ . die äußersten Bedingungen anzugeben, unter enen Serbien bereit wäre, mit Bulgarien zum Zwecke einer Vereinbarung Verhandlungen einzuleiten. Trubetzkoi for⸗ derte den Ministerpräsidenten Paschitsch im Namen des Zaren auf, Mazedonien an Bulgarien zu überlassen. Er betonte wiederholt, daß eine Verständigung Serbiens mit Bulgarien ein direkter Wunsch des Zaren sei. Die Beratun⸗ 955 dauerten lange, blieben aber ohne jeden Erfolg. Ser⸗ ien will von Zugeständnissen an Bulgarien vor Beendi⸗ gung des Krieges nichts wissen. Und Bulgarien zieht kühl und sachlich die Folgerungen aus diesem Mißerfolg der Vierverbändler. Es verständigt sich mit den Türken, deckt sich so den Rücken und stellt heute oder morgen das Ulti⸗ matum an Serbien: Heraus mit Mazedonien! Für Thrazien wird die Sobranje noch nicht einen Tropfen bulgarischen Blutes opfern, aber die ganze Armee für ein bulgarisches Mazedonien. Schlägt Bulgarien los oder setzt es auch nur auf diplomatischem Wege seinen Willen durch, so stürzen die letzten Kartenhäuser der Ententepolitik auf dem Balkan zusammen. Serbien verliert den letzten Rest von Bedeutung als Bundesgenosse, und die Türkei kann zum entscheidenden Schlage gegen die Engländer auf Gallipoli und gegen die Russen im Schwarzen Meere ausholen. Die Stunde der Ab— rechnung ist auch auf diesem Kriegsschauplatz gekommen. Berlin, 5. Aug. Der Konstantinopeler Berichterstatter des „Berl. Lokalanz.“ erfährt aus maßgebenden bulgarischen Kreisen, Bulgarien verlange von Serbien die Abtretung von ganz Maze⸗ donien einschließlich Monastir und Uesküb. Ueber die Abtretun⸗ gen an Bulgarien bestehen zwischen demserbischen Minister⸗ präsidenten und den übrigen Ministern ernste Mei⸗ nungsverschiedenheiten. Petersburg, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Rjetsch“ behandelt in einem Artikel das Verhältnis zwischen Bulgarien und der Türkei und bedauert, daß der Vierverband kein Er⸗ ebnis erzielt hat, da er keine Sicherheiten geben konnte. Das latt gibt aber Bulgarien noch nicht, wie die übrige Presse, ganz verloren und lenkt die Aufmerksamkeit des Vierverbandes auf die Ernte Bulgariens, die auf der Donau an die Zentralmächte geht, da die anderen Wege jetzt abgeschnitten sind. Das Blatt fragt, was die russische Balkanpolitik eigentlich bisher erreicht habe. *** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 4. August 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Zwischen Weichselund Bug leisteten die schrittweise weichenden Russen in gewohnter Art an verschiedenen Stellen erneut Widerstand. Es kam nördlich Dubienka und Cholm an der Swinska und an der Linie Lencezna Nowo⸗ Alexandria zu stürkeren Kämpfen. An manchen Teilen der Front unternahm der Gegner, um unser Nach⸗ drüngen einzudämmen, kurze Gegenstöße, aber er vermochte nicht standzuhalten, wurde geworfen und setzte um Mitter⸗ nacht den Rückzug gegen Norden fort. Der auf dem linken Weichselufer gelegene Westteil von Jwango rod ist in unserer Hand. Die gegenüber der Radomka⸗Mündung auf dem Ostufer der Weichsel stehenden deutschen Kräfte machten abermals Fortschritte. Zwischen Wladimir⸗Wolynskij und Sokal zersprengten unsere Truppen ein Kosaken⸗Regiment. Süd⸗ sichbor Wladimir⸗Wolynskij sind große Brände ichtbar. In Ostgalizien nichts Neues. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen wurden in der Nacht zum 3. August am Plateaurande wieder mehrere vereinzelte italienische An⸗ griffe abgewiesen, so südlich Sdraussina und östlich Polazzo, wo die feindliche Infanterie zweimal mit dem Bajonett angriff, jedoch beide Male unter schweren Verlusten zurückgeschlagen wurde. Am Nachmittag des 3. August versuchten die Italiener bei Regen und Nebel nach heftiger Artillerievorbereitung abermals Vorstöße gegen unsere Stel⸗ lungen auf dem Monte Dei Sei Busi. Auch dieser Angriff wurde abgeschlagen. Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet kam es in einigen Abschnitten zu lebhafterer Artillerietätigkeit. Die gegen den Zellenkofel angesetzte italienische Infanterie zog sich, da sie von ihrer eigenen Artillerie be⸗ schossen wurde, auf den Westhang der Höhe zurück. Ein Angriff von zwei feindlichen Kompagnien gegen die Grenz⸗ brücke südlich Schluderbach und ein starker italienischer An⸗ griff auf den Col di Lana(Buchenstein) wurde abgewiesen. Der Stellvertreter des Chefs des Generaistabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der Kaiser im österreichisch-ungarischen Hauptquartier. 5 Wien, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ pressequartier wird gemeldet: Der deutsche Kaiser ernannte anläßlich der glücklichen Befreiung von Lemberg den öster⸗ reichisch- ungarischen Armeekommandanten Erziherzog Friedrich zum preußischen Generalfeldmarschall. Kaiser Wilhelm stattete gestern dem Feldmarschall Erzherzog Frie— drich im Standorte des Armeeoberkommandos einen Besuch ab, um ihm den Marschallstab als Wahrzeichen der höchsten militärischen Würde persönlich zu überreichen. Er kehrte nach fast dreistündigem Aufenthalt im Standorte des Oberkom— mandos wieder heim. Der Angriff des Prinzen Leopold von Bayern auf Warschau. Berlin, 5. Aug. Von dem als Armee führer zum ersten Male erwähnten Prinzen Leopold von Bayern erzählt die„Voss. Ztg.“, daß der 69jährige Prinz der einzige noch lebende Bruder des Königs von Bayern, ehemals lange Jahre Generalinspekteur der vierten Armee⸗ Inspektion war. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse erwarb der Prinz bereits als Chef einer Sechspfünder-Batterie im Jahre 1870, wo er, obwohl verwundet, einem vielfach über⸗ legenen Gegner standhaltend, eine entscheidende Stellung hielt. Prinz Leopold ist ein Schwiegersohn des Kaisers von Oesterreich. Berlin, 5. Aug. Wie das„Berliner Tageblatt“ und der Berliner„Lokalanzeiger“ melden, sind die Kriegsbericht⸗ erstatter der Blätter bereits bis an die Blonie- Stellung ge⸗ langt und befinden sich nur noch 12 Kilometer von Warschau. Auf den Wegen flüchtet die Bevölkerung mit der letzten Habe und einigem Vieh. Man hört das Donnern der schweren Ge⸗ schütze und sieht vor sich brennende Dörfer und verwüstete Felder. Der Angriff auf die Südwestfront Jwangorods. Berlin, 5. August. Ueber die Heldentaten der sieben⸗ bürgischen Rumänen vor Iwangorod meldet der Kriegsberichterstatter des„Berliner Tageblattes“ aus dem k. k.“ Kriegspressequartier: Die Südwestfront Iwangorods war durch acht stufenartig ausgebaute Vorstellungen befestigt. Das 50er Regi⸗ ment überwand alle technischen Hindernisse und grub sich vor den ersten Drahtverhauen ein. Inzwischen durchbrach unser Ar⸗ tilleriefeuer die erste Verteidigungslinie, worauf die Infanterie auf die zweite Stellung losging. Die letzte Vorstellung wurde nach 10stündigem heißen Kampfe im Sturm genommen. Nun sind die Vorstellungen in mehr als 10 Kilometer Breite durch⸗ brochen. Wie hervorragend die Führung war, beweist der Um⸗ stand, daß insgesamt nur 241 Mann Verluste zu beklagen waren, darunter 200 leicht verwundet. General von Woyrsch erkannte die Tapferkeit der Rumänen in einem Tagesbefehl an. Die Räumung Kownos.. Berlin, 5. Aug. Der„Vossischen Zeitung“ geht auf in⸗ direktem Wege aus Petersburg die Nachricht zu, daß die Vor⸗ bereitungen zur Räumung Kownos begonnen haben. Die Regierung ist nach Nowo Alexandrewsk verlegt worden. Die Staatsbank übersiedelt nach Wilna. Der Kommandant der Festung Reval befahl der Bevölkerung, innerhalb kurzer Fist die Quan⸗ titäten der vorhandenen Nahrungsmittel anzugeben. Die An⸗ wesenheit selbst verbündeter Ausländer im Festungsrayon ist ver⸗ boten. Die„Nowoje Wremja“ bringt neuerlich einen scharfen Artikel gegen das angeblich zu zage Vorgehen der russischen Ver⸗ bündeten im Westen. Unterschleife in Nowo Georgiewsk. Berlin, 5. Aug. Nach dem„Berliner Tageblatt“ sind in der Festung No wo Georgiewsk große Unter⸗ schleife entdeckt worden. Eine unvermutete Durchsuchung der Lebensmittelmagazine ergab, daß die Festung nur für sechs Wochen Nahrungsmittel hatte. Der Intendanturoberst Olowitz wurde stand rechtlich erschossen. 5 5 hatent über 500 Tote und 1000 here amerikanische Gesandte in Madrid, den aus Montreal: Im Nebel P67 8 Ein Ohnmachtsaufall des russischen Ministerpräsidenten. Berlin, 4. Aug.(Privatmeldung.) Die„Vossische Zeitung“ meldet aus Petersburg: Am Vorabend der Dumasitzung hatte der Ministerpräsident Goremykin während der Sitzung des Ministerrates einen langandauernden Ohumachtsanfall. Der herbeigerufene Arzt brachte ihn nach dem Jelagin⸗Palast, wo sich nachts der Anfall wiederholte. Während der ersten Sitzung fiel an Goremykin ein Zucken an der rechten Hand und das Nachschleppen des rechten Beines auf, was man zunächst auf eine begreifliche Ner⸗ vosität zurückführte. Die russischen Steuern. Petersburg, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ein Ukas des Zaren hat befohlen, anläßlich des Krieges er⸗ höhte Steuern und Abgaben bis zum 1. Januar 1918 bei⸗ zubehalten. Ein weiterer Ukas des Zaren gibt dem Finanz⸗ minister die Ermächtigung zur Ausgabe einer 9. 10. und 11. Schatzscheinausgabe von je 500 Millionen Rubel zur Deckung abgelaufener Schatzscheine. Aus Rumänien. Bukarest, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Auf dem gestern abgehaltenen wirtschaftlichen Kongreß ist eine Denk⸗ schrift der Vereinigung der landwirtschaftlichen Syndikate verlesen worden, die sich auf Erleichterungen für den Transport und die Ausfuhr bezieht, soweit sie vom Mi⸗ nisterrat im Prinzip gebilligt worden sind. Die vorgeschla⸗ enen Erleichterungen betreffen eine Aufhebung des dee für alle Getreidearten, die Erweiterung mehrerer Bahnhöfe, die Erlaubnis zur Beförde⸗ rung in Fuhren von jedem Ort des Landes bis an die Grenze und den Bau von Kleinbahnen auf der zur Grenze führenden Straße. Die Zollabfertigung soll nicht nur an den Grenzstationen, sondern mehr landeinwärts ermöglicht werden. Rumänische Eisenbahnwagen werden den landwirt⸗ schaftlichen Syndikaten zur Verfügung gestellt, desgleichen die im Lande befindlichen fremden Eisenbahnwagen, die beladen nach dem Auslande gehen, während rumänische Wagen bis zur Grenze fahren dürfen. Der Kongreß hat in einem Schlußantrag folgende Wünsche zusammengefaßt:- Aufhebung des Ausfuhrverbots, Anschaffung einer genügen⸗ den Anzahl von Säcken für die Ausfuhr, Feststellung der Modalitäten der Ausfuhr von landwirtschaftlichen Erzeug⸗ nissen im Einvernehmen zwischen der Vereinigung der Syn⸗ dikate und dem Arbeitsminister, Freigabe des Transports in Fuhren und Bezahlung der Zollgebühren nach Verladung der Ware. Der türtische Bericht. Konstantinopel, 4. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Kaukasusfront griffen unsere Truppen heftig eine feindliche Nachhut an, die in den, Stellungen in der Umgebung von Hamur, östlich Kilidj Guedigui, den Rückzug der Hauptmacht zu decken versuchte. Wir jagten den Feind nach Norden und machten 150 Gefangene. Die Russen Verwundete. Unsere verfolgenden Abteilungen besetzten Karakilissa und die Umgegend nördlich von Hamur. 1 An der Dardanellenfront am 3. August bei Ari Burnu Schützengrabenkämpfe ohne Bedeutung. Unsere Artillerie zerstörte eine feindliche Bombenwerferstellung auf unserem linken Flügel. Ein feindlicher Kreuzer beschoß ohne Wirkung Altschi Tepe. Unsere Artillerie erwiderte das Feuer und traf ein feind⸗ liches Torpedoboot, das sich entfernte. Ein feindlicher 5 warf eine Bombe auf das Hospital in Eznie, südlich Kum Kale, ab, die einen Verwundeten tötete. Am 3. August ließen ein Kreuzer und vier Torpedoboote über Sighadjt Kliman, südlich Smyrna, ein Flugzeug aufsteigen, das drei Bomben abwarf, die eine Person töteten. Die erwähnten Schiffe schleuderten 200 Gra⸗ naten auf den genannten offenen Ort, durch die ein Haus zerstört wurde.— An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Heldentaten französischer Kriegsschiffe. Konstantinopel, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der französische geschützte Kreuzer„D' Entrevasteaux“ beschoß am 23. Juli im nördlichen Teil des Sandschak, Tripolis und Syrien Kamelherden; der Hilfskreuzer„Indiana“ feuerte an Küste von Mersina auf Bauern, die Getreide droschen. Das Vorgehen der feindlichen Schiffe, die unschuldige Bevölkerung, die sich mit der Beschaffung ihres Unterhaltes beschäftigt, zu be⸗ schießen, ist ein neuer Beweis der unmenschlichen Art feindlicher B Kriegführung. 0 Verbot der Steinkohlenausfuhr in England. London, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Steinkohlen⸗ ausfuhr nach allen Auslandsorten außer den bri⸗ tischen Besitzungen ist verboten worden. Die Handelsflotte Norwegens. Berlin, 5. Aug. Dem„Berliner Lokalanzeiger“ wird aus Kopenhagen berichtet, daß von allen Aeutralen Ländern Norwegens Handelsflotte zweifellos die größten Verluste erlitten hat. Es hat über 50 Schiffe völlig ver⸗ loren, deren Versicherungswert 16 Millionen Kronen be⸗ trägt. Insgesamt ist das norwegische Erwerbsleben bis um 35 Millionen Kronen geschädigt worden. Aus Amerika. Washington, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der frü⸗ i l Taylor, empfahl beim Zusammentreten der nationalen Friedenskonserenz in Washington, Kongreß zu einer außerordentlichen Sitzung einzuberufen, um den Präsidenten zu ermächtigen, die Ausfuhr von Waffen und Munition nach allen kriegführenden Ländern zu verbieten. Taylor erklärte, seine Sympathien seien trotzdem auf englischer Seite. ** der Seekrieg. Lyon, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Nouvelliste“ meldet aus Brest: Die englischen Schiffe„Turguoise“ und Noug⸗ get“ wurden von einem deutschen Unterseeboot bei den Scilly⸗ inseln versenkt. London, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der englische Dampfer„Ranza“(2320 Tonnen) ist versenkt worden. Neun Mann der Besatzung sind von dem holländischen Dampfer„Prins Willem V.“ gerettet worden. London, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter mel⸗ sind die britischen Dampfer „Bengorehad“ und„Batiscan“ bei Hare Island, S Meilen oberhalb Quebec, zusammengestoßen. Ein Schiff lief am Strand auf, das andere erreichte Montreal. Der Schaden scheint beträchtlich zu sein. London, 4. Aung(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Lloyds Agentur meldet: Der belgische Dampfer„Koophandel“ ist gesunken; neun Mann der Besatzung sind ertrunken. Die Tätigkeit der russischen Flotte. Petersburg, 4. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Meldung des Generalstabes. In der Ostsee hat ein englisches Untersee⸗ boot einen großen deutschen Trans portdampfer ver⸗ senkt.(Wie wir von zuständiger Stelle hören, handelt es sich um einen von der Marine vorübergehend in Gebrauch genom- menen Dampfer.) Petersburg, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Ter General⸗ stab des Generalissimus meldet weiter: Im Schwarzen Meer steckten unsere Torpedoboote ein Kohben lager in Brand und zerstörten zehn mit Kohlen beladene Segelschiffe. An der anato⸗ Iischen Küste vernichteten unsere Torpedoboote über 200 mit dem Transport von Kohlen und Kriegsmunition beschäftigte Segel⸗ schiffe und drei Werften für den Bau solcher Schiffe. Die auf einzelnen dieser Schiffe befindliche Kriegsmunition wurde beschlag⸗ nahmt. * Aus dem Reiche. Neue Höchstpreise? Berlin, 5. Aug. Die„Vossische Zeitung“ meldet aus Dresden, daß das sächsische Ministerium des Innern in Beant⸗ wortung einer Eingabe die bisher gegen den Lebensmittelwucher getroffenen Maßnahmen aufzählt und dabei die neue Mitteilung macht, im Bundesrat würden gegenwärtig Höchstpreise für Fleisch, Milch, Butter und Käse erwogen. Ferner würden die ersten Schritte zur Verhütung einer unangemessenen Steigerung der Kartoffelpreise für den Winter unternommen. Es wird eine Bestandaufnahme der Kartoffeln schon während der Ernte vorgesehen. * Berlin, 4. Aug.(WTB. Amtlich.) Seine Majestät der Kaiser hat heute, am Jahrestage der denkwürdigen Reichstagssitzung vom 4. August, dem Reichstagspräsidenten Dr. Kämpf den Charak⸗ ter als Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz ver⸗ liehen. Der Reichskanzler fuhr mittags bei dem Präsidenten Kämpf vor und überbrachte ihm das Patent mit seinen besten Glückwünschen. Berlin, 5. Aug. Nach einer Meldung des Berliner „Lokalanz.“ sind die Aussichten für die Weinernte in Baden, Württemberg und Rheinland 51 günstig. Der diesjährige Wein sei in Güte und Menge dem der drei letzten Jahre weit überlegen. Man rechne im Durch⸗ schnitt mit einer Dreiviertelernte, vereinzelt sogar mit einer Vollernte. Hamburg, 4. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Dem General⸗ direktor Ballin ist vom Kaiser das Eiserne Kreuz am weißen Band verliehen worden. Wirtschaftspolitische Fragen erörtert Reichstagsabg. Dr. Werner in einer Zuschrift an uns, die sich mit einer kürzlich im„Gießener Anzeiger“ er⸗ schienenen Einsendung über die Lage am Frankfurter Vieh⸗ markt beschäftigte. Es überrascht uns, daß der Abg. Dr. Werner, indem er dieser kurzen Notiz einen polemischen. Wert unterlegt, den sie wirklich nicht gehabt hat, an⸗ nehmen zu sollen scheint, unser Blatt habe landwirtschaft⸗ liche Interessen nicht mit der genügenden Berücksichtigung behandelt. Ganz im Gegenteil haben wir seinerzeit aus⸗ drücklich seinen in der nachstehenden Zuschrift aus seführ⸗ ten Standpunkt in einer ganzen Reihe von Artikeln aus sachverständiger Feder in vielen Dingen geteilt und es vor allem noch vor einigen Tagen(Nr. 177 des Gieß. Anz.) deutlich abgelehnt, die gegensätzlichen Treibereien zwischen Produzenten⸗ und Konsumentenkreisen mitzumachen. Was die Frage der Schweineschlachtung betrifft, die den Haupt⸗ gegenstand der een des Herrn Dr. Werner bildet, so hat Prof. Dr. Kleberger, der Verfasser der oben erwähnten Artikelserie, in Nr. 55 des„Gieß. Anz.“ schon am 6. März d. J. gründlich und wissenschaftlich nachgewie⸗ sen, daß„eine Verringerung unseres Schweinebestandes geradezu als eine e Auch eide unserer Volksernährung an⸗ zusehen ist“.— Die Zuschrift des Abg. Dr. Werner lautet: —— 3. Aug. 1915, Erstes Blatt) nötigt mich zu folgender Erwiderung: Der Satz:„Die Absicht des preußischen Landwirtschafts⸗ ministers,„den Landwirten bei der Abschlachtung der Schweine te Preise zu sichern“, ist mehr als erreicht,“ zeugt von einer r Unkenntnis der tatsächlichen Entwicklung, daß er sich würdig dem an die Seite stellt, was mit kaum verhüllter, Absicht unter dem immer seltsamer gedeuteten Burgfrieden an offener oder versteckter Stelle gegen unseren Bauernstand aus⸗ gestreut wird. Gewiß haben die Schweinepreise einen bedrohlich hohen Stand erreicht und lasten schwer auf allen, besonders aber den kinderreichen Familien und den kleinen Leuten. Das ist auf das tiefste uu beklagen. Aber wer ist schuld daran? Nicht die auern! Diese haben sich mit aller Entschiedenheit und im Hessen⸗ land auch mit Erfolg gegen das allgemeine Schweineabschlachten gewehrt und die dadurch kommende Fleischteuerung 1 Wer aber hat das Töten sämtlicher Schweine über 70 und 90 Pfund immer stürmischer gefordert? Wer hat das Schwein als unseren größten Feind bezeichnet? Wer fand Gefahr in der Kartoffelverfütterung an Schweine, obgleich wir stets genug und abergenug Kartoffeln hatten, wie es sich dann auch im Frühjahr und Vorsommer erwies?. 5 Nun— es waren nicht die Bauern, wohl aber die ho gesehenen Volkswirtschaftler Ballod, Sering, Zuntz, Eltz⸗ bacher 11 55 es waren die eigenartig„für Konsumenteninteressen“ wirkende„Vereinigung“ und die politischen Richtungen, die jetzt am lautesten über die Fleischteuerung klagen, die sie doch selber mitherbeigeführt haben. Die Dinge liegen doch in nüchterner Betrachtung so: Hätte man auf das Massenabschlachten und die zwecklose Kar⸗ toffelaufstaplerei verzichtet, so wären nicht Unmassen von Kartoffeln verfault und wir erfreuten uns heute erträglicher Schweine⸗ und Fleischpreise. f Deshalb aber ist der oben angeführte Satz des Frankfurter Zuschriftstellers eine höchst gefährliche Verdrehung der Tatsachen, die nur allzusehr geeignet erscheint, die öffentliche Meinung zu vergiften. 5 Denn selbst, wenn der preußische Landwirtschaftsminister„bei“ der(wohlgemerkt erzwungen en!) Abschlachtung nicht, wie der Einsender beweisen will, durch die Abschlachtung gute Preise zusichert, so ist das doch an und für sich nichts Unberechtigtes und Unbegreifliches. Denn in der Schweinemast liegt der Haupt⸗ verdienst gerade des Kleinbauern und steckt viele nicht angenehme Arbeit des kleinbäuerlichen Haushalts. Ich habe aber noch keinen Stand kennen gelernt, der seine Arbeit gern möglichst billig verkauft. Also Gerechtigkeit auch gegenüber dem bäuerlichen Volksgenossen! Von dem erstrebenswerten Ziel den gleichmäßigen, mitt⸗ leren Preise, bei denen Erzeuger und Verbraucher auf ihre Rechnung kommen, hat uns der große Krieg weit entfernt, denn die. Verteuerung der Hraftfuttermittel und das Verbot, bezw. die Einschränkung der Getreide ver! fütterung waren gewiß nicht geeignet, einer Verminderung der Viehbestände entgegenzuarbeiten. Was kann des weiteren der Bauer für die hohen Brotpreise? Fam ist für seine Frucht ein Höchstpreis festgesetzt; er trägt nicht chuld daran, so wenig wie der Bäcker und der Kleinmüller, daß wir noch keinen Mehlhöchstpreis haben, trotzdem er und wir alle darnach verlangen. Die Gerechtigkeit erfordert also, daß man die Dinge sieht, wie sie liegen und nicht so, wie sie manchem gerne erscheinen möchten. Die deutsche Landwirtschaft hat gerade im jetzigen Kriege für alle, die sich überzeugen lassen wollen, ihre Unentbehrlich⸗ keit nachgewiesen. Wohin wären wir gekommen ohne unsern Bauernstand? Bedarf es dafür noch der Beweise? Deshalb soll man sich hüten, ihm Unrecht zu tun und ver⸗ einzelte Vorlommnisse ihm allgemein vorzuwerfen, ihn gar für die Teuerung verantwortlich zu machen. Wer sehen will, wo sich Nahrungsmittel und Rohstoffe in Hülle und Fülle befinden und wer ihre Besitzer sind, der nehme sich den Anzeigenteil der„Frank⸗ des Deutschen Reiches erfolgt durch die Reichsfutter⸗ Die Zuschrift vom Frankfurter Viehmarkt(Gießener Anz. 180, K furter Ztg.“ und des, viel lernen. Doch dart un zu unterhalten haben.. 17 1 Dr. Ferdinand Wer Aus Stadt und Cand. Gießen, 5. August 1915. Landesverteilungsstelle für Futtermittel. 5 Bekanntlich sind folgende Futtermittel beschlag⸗ nahmt: 597 Gerste, zuckerhaltige es mittel, Kleie und Kraftfuttermittel. Die Ver⸗ teilung dieser Futtermittel auf die einzelnen Bundesstaaten er werden wir uns f mittelstelle in Berlin. Im Großherzogtum Hessen wird die weitere Verteilung des Hafers durch die Kommunalver⸗ bände, die der übrigen Futtermittel durch die Landes ver⸗ teilungsstelle für Futtermittel in Darmstadt vor⸗ e Für die Zuweisung der Futtermittel ist in erster inie der Viehstand e Ausführende Geschäftsstelle der Landesverteilungsstelle ist die Zentralgenossenschaft der hessischen landwirtschaftlichen Konsumvereine in Darmstadt. Sie verwendet die zugewiesenen Futtermittel an die in allen Gemeinden des Landes errichteten örtlichen Ver⸗ teilungsstellen. Als solche sind in der Regel die roßh. Bürgermeistereien oder eine Genossenschaft bestimmt. Die Bestellung und Versendung der Futtermittel 1 5 sich wie folgt? Die Viehhalter einer Gemeinde wer⸗ en von der örtlichen Verteilungsstelle aufgefordert, bei ihr den Bedarf an Futtermitteln anzumelden. Die örtliche Ver⸗ teilungsstelle gibt diese Bestellung für die Gemeinde im ganzen an die Landesverteilungsstelle ab, die dann auf Grund der vorhandenen Futtermittelmengen zu beschließen hat, wieviel von den Futtermitteln den einzelnen Gemeinden zugewiesen werden kann. Diese Mengen sendet die Zentral⸗ genossenschaft an die örtlichen Verteilungsstellen, die dann ihrerseits eine eee unter die Besteller vornehmen. Die Landesverteilungsstelle oder die Zentralgenossenschaft können Bestellungen einzelner Vehhalter nicht entgegen⸗ nehmen. Bestellung und Lieferung können vielmehr nur durch die Vermittlung der örtlichen Verteilungsstellen er⸗ folgen.— Wegen des Bedarfs an Hafer haben sich die Pferdebesitzer an die Kommunalverbände zu wenden. Gefangene in Schweden. Postsendungen der in Schweden festgehaltenen deutschen Heeres⸗ und Marineangehörigen sind wie die Sendungen der Kriegsgefangenen von allen Post⸗ gebühren befreit. Auskunft über diese Personen erteilt das Högkvarterets personalbyra Kungl. Krigsarkivet, Arvfurstens pa⸗ lats, Stockholm 2. 5 Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Dragoner stud. electr. Ferd. Naumann aus Schwickarts⸗ hausen.— Musk. Heinr. Ruckelshausen, Ins.⸗Rgt. 92, aus Arnshain.— Landwehrmann Konrad Ruckelshausen, Land- wehr⸗Ins.⸗Rgt. 87, aus Ehringshausen(Oberhessenj.— Musketier Karl Eckhardt, Res.⸗Inf⸗Rgt. 221, aus Hochelheim.— Gardist Heinr. Klös, Inf.⸗Rgt. 115, aus Lehnheim.— Hauptmann Berth. Riedesel Freiherr zu Eisenbach, 1. Garde⸗Res.-Rgt., aus Darm- stadt.— Landwehrmann Heinr. Schmidt, Landw.⸗Inf.⸗Rgt. 87, aus Sellnrod.— Musketier Louis Fuchs, Ref.⸗Inf.⸗Rgt. 118, aus Feldkrücken.— Grenadier Karl Müller, Res.⸗Rgt. 64, aus Nieder⸗Quembach.— Lt. Jos. Grohe, Inf.-Rgt. 168, aus Butzbach. * Auszeichnungen. Dem Leutnant d. Res. Willy Spoerhase aus Gießen, Inhaber des Eisernen Kreuzes, wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verlieheu.— Das Eiserne reuß erhielt der Unterveterinär Adolf Zapf aus Gießen, beim Feld-Artillerie- Regiment 2. i Militärische Ausbildung der Jugend. Nächsten Sonntag, den 8. d. M., nachmittags unternimmt unsere Jungmannschaft einen hal 1 Marsch über Steinberg—Pfahlgraben Langgöns. Es wird um 1½ Uhr an der Universitätsbibliothek angetreten und es ist erwünscht, daß die Karten mitgebracht werden. * Die Trauerfeier für den Stadtverord⸗ neten Friedberger hatte gestern nachmittag eine an⸗ sehnliche Trauergemeinde in der Leichenhalle auf dem Fried⸗ hof am 1 versammelt. Als äußeres Zeichen der Ehrung hatten die Stadt Gießen, die Großh. ndels⸗ kammer und der Verein der freisinnigen Volkspartei präch⸗ tige Kranzspenden mit Widmungsschleifen am Sarge niedergelegt. Provinzialrabbiner Dr. Sander hielt die Gedächtnisrede. Oberbürgermeister Keller widmete namens der Stadt Gießen dem Dahingeschiedenen einen herzlichen Nachruf, Fabrikant Zurbuch sprach namens der Großherzoglichen Handelskammer, deren Mitglied Friedberger war. Geh. 79 2 1 7 Metz als Vorsitzender des Vereins der freisinnigen Volkspartei, dessen Vorstand der Verstorbene seit langen Jahren angehörte, widmete dem toten Mitkämpfer Worte der Anerkennung und des treuen Gedenkens. Mit einem Gebet des Rabbiners Dr. Sander wurde die eindrucksvolle Trauerfeier geschlossen. 10 Leiche wurde nach Offenbach zur Einäscherung über⸗ führt. 8 N * Fremdsprachliche Geschäftsbezeichnun⸗ gen. Gegen die Fremdwörtersucht, die namentlich im Ge schäftsleben vielfach zu einem geschmacklosen und dem vater⸗ ländischen Empfinden widerwärtigen Gebrauch e licher Ausdrücke geführt hatte, ist bereits vor dem Kriege angekämpft worden. Wenn auch der Krieg hierin Besse⸗ rung gebra schr. so werden doch noch immer in Ge⸗ schäftsaufschriften, Geschäfts anzeigen und empfehlungen, Rechnungen und 17 zahlreiche Fremdwörter, die sehr wohl durch gute deutsche Aus⸗ drücke ersetzt werden könnten, verwendek. Mit Recht wird diese Unsitte beanstandet; ihre Bekämpfung läßt sich der allgemeine deutsche Sprachverein besonders angelegen sein. So hat der Zweigverein Frankfurt a. M. zur Reinigung und Verbesserung der deutschen Geschäftssprache ein Ver⸗ deutschungsheft für Handel und Gewerbe herausgegeben, dessen Anschaffung und entsprechende Benutzung vater⸗ ländische h eines jeden deutschen Kaufmannes sein sollte. Bestellungen auf das Fele dessen Preis ganz gering⸗ fügig ist, nimmt die Handelskammer Gießen gerne ent⸗ egen. b i gegen. Pferdeversteigerung. Samstag, den 7. August, vormittags 10 Uhr, findet auf dem Pferdemarktplatz zu Darmstadt eine Versteigerung von 30 für die Landwirtschaft noch brauchbaren ausrangierten Militärpferden, sowie 20 Fohlen jranzösischen Typs im Alter von 5 Monaten bis zu 3 Jahren statt. g Landkreis Gießen. f OGarbenteich, 4. Aug. Dem Vizeseldwebel Seng in der Leib-⸗Komp. Inf.⸗Rgts. 168, wurde die hess. Tapferkeits⸗ medaille e Seng ist bereits seit September Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Klasse. m. Lollar, 3. Aug. Der seit Ende Mai als vermißt geltende Wilhelm Klippel ist nach jetzt eingetroffenen Nach⸗ richten in russischer Gefangenschaft. B. Allendorf a. d. Lumda, 2. Aug. Eine schöne Feier des Jahrestags des Krie rn fand gestern abend in Ransts Saal dahier statt. rt Mie 5 15 g 5. 9 N mit eine ust und die Schwere der Zeit betonenden Ansprache, worauf Prosessor Dr. Freiherr von 5 811 ieben in längeren, packenden Ausführungen des Kriegsverlaußs gedachte und an die Pflichten erinnerte, die die Daheimgebliebenen gegen das kämpfende Heer und das gesamte Vaterland haben. Nach dem ge⸗ meinsamen Gesang einiger Vaterlandslieder, die Fräulein Gutsch auf dem Klavier begleitete, wurde die Feier, die überaus zahlreich besucht war, gegen 10 Uhr geschlossen. Kreis Büdingen. Burgbracht, 4. Aug. Der Geisreite Melchior Ochsen; dirt erhielt die hessische Tapferkeitsmedaille und wurde zum Unteroffizier befördert. § Geiß ⸗Nidda, 4. Aug. Die hessische Tapferkeits- medaille erhielt der Gefreite Richard Fleischhauer im Feld⸗Artillerie-Regiment Nr. 25. Kreis Alsfeld. fe. Alsfeld, 4. Aug. Das sieben Jahre alte Söhnchen des zurzeit im Felde stehenden Oberbahnassistenten Schmidt wurde durch das Herabfallen eines gefüllten Bierfasses von einem Handwagen so schwer am Kopf verletzt, daß bald darauf der Tod eintrat. Ruppertenrod, 4. Aug. Den Krieg gegen die Kohl⸗ weißlinge hat unsere Schuljugend siegreich bestanden. Man sieht in unserer Gemarkung nur noch selten einen Kohlweißling fliegen. Und diesen Kampf haben unsere Schüler unter Vernichtung von über 10000 Stück— unentgeltlich geführt. Kreis Lauterbach. Aus dem vorderen Vogelsberg; 4. August. Das Weidhüten geschieht in ornserem Vorgelände nicht in dem Maße wie im oberen Vogelsberg. Während man hier fast das ganze Jahr mit Ausnahme des Winters auf die Weide rreibt, geschieht das bei uns gewöhnlich nur im Herbste nach der Grummeternte. In diesem Kriegsjahr aber wird von der Weide ein viel umfassenderer Gebrauch gemacht. Das verursackte der Mangel an Grünfutter. Dieser Mangel ist jetzt durch das frische Wachstum nach den Nieder⸗ schlägen behoben. Allein auch die Weide ist viel besser geworden, so daß man sie weiter benützt. Das Grummetgras hat einen recht guten Ansatz. Die Grummeternte verspricht gute Erträge, welche sogar die Heuernte übertreffen können. Was an Heu gefehlt, kann wohl die Grummeternte ersetzen. Kreis Schotten. — Schotten, 4. Aug. Hier starb der Bäckermeister Karl Schmidt J., ein Veteran von 1870/71. — Ulrichstein, 4. Aug. Nächsten Sonntag hält Obstbau⸗ inspektor Metternich Büdingen im Gasthause zum„Darm- städter Hos“ einen Vortrag über„Obst- und Gemüseverwertung in der Kriegszeit.“ 5 O Ober-Lais, 4. Aug. Das Fest der Goldenen Hochzeit konnten der Landwirt Karl Engel und dessen Ehe⸗ frau, Elise, geb. Kaiser, seiern. Die beiden Jubilare erfreuen sich körperlich und geistig der besten Gesundheit. O Aus dem südlichen Vogelsberg, 4. Aug. Eine überaus reiche Rußernte, wie sie seit langer Zeit nicht da war, steht in unserer Gegend in diesem Jahre in Aussicht. Da eine Abholzung der Nußbäume wenig oder gar nicht stattgesunden hat, wie das anderwärts vielfach der Fall war, dürfte die Ernte hierorts besonders ertragreich sein. Die Einbringung des Kornes hat bei gutem Wetter erfolgen können. Die Landwirte sind im allgemeinen mit der Ernte ganz zufrieden. Das Einernten von Gerste und Haser, die auch gut geraten sind, ist durch das Regenwetter der letzten Tage unterbrochen worden. Trotzdem ist der Regen der Landwirtschast ganz erwünscht, da das Wachsen des Grummetgrases, das noch sehr dünn steht, durch den Regen noch sehr gesördert wird. Kreis Friedberg. r. Bad⸗Nauheim, 4. Aug. In der gestern stattgefundenen nichtöffentlichen Sitzung unserer Stadtverordneten wurde für den wegen Gesundheitsrücksichten auf eine Wiederwahl ver- zichtenden Beigeordneten Bernhard Len gz der Stadtverordnete Großh. Bademeister Franz Kissel einstimmig zum Beigeordneten der Stadt Bad⸗Nauheim gewählt. 1 5 n. Bad⸗Nauheim, 4. Aug. Am letzten Samstag hat im Konzerthaus ein großes Kon 1 rt zum Besten des Roten Kreuzes stattgefunden, in dem die Pianistin Fräulein Adele aus der Ohe und die Kammersängerin Frau Aenni Gura⸗Hummel mitwirkten. Das Konzert war sehr gut besucht, und beide Künstlerinnen sowohl wie das Winder⸗ stein⸗Orchester, das unter seinem vorzüglichen Dirigenten u. a. Franz Liszts sinfonische Dichtung„Präludien“ in meisterhafter Weise zu Gehör brachte, ernteten reichen Bei⸗ 1 5— Der Fremdenzugang hat sich wie in den vergangenen naten so auch jetzt im August über Erwarten gut gestaltet. Die Zahl der verabreichten Bäder in dieser Kurzeit beträgt bis jetzt über 175000. Auch die zahlreichen anderen Kur⸗ mittel werden eifrig benutzt und haben die besten Erfolge zu verzeichnen. Butzbach, 3. Aug. Die vier Söhne der Werkmeisters- witwe Marie Dern von hier stehen im Felde. Während der zweitälteste bereits vor einiger Zeit verwundet wurde, ist jetzt der dritte, Karl Dern, in Rußland den Heldentod gestorben, nachdem er bisher bei allen Stürmen glücklich davongekommen war. §Rendel, 4. Aug. Beim Kegelspiel schob sich ein hiesiger Bursche einen Span vom Kegelbrett unter einen Fingernagel. Es 15 e und Starrkrampf ein, an deren Folgen er st ar b. Aus der Wetterau, 4. Aug Das Einernten der Getreidearten geht seinem Ende entgegen. In den- jenigen Lagen, in denen mehrmals ergiebige Regenmengen niedergingen, können die Landwirte mit den Exträgen voll⸗ auf zufrieden sein. Der Halm von Gerste und Hafer war durch die Trockenheit etwas i dagegen liefern die Körner ein bedeutend besseres Mehlquantum als im vori⸗ gen Jahre. Die Frühkartoffeln liefern durchweg gute Erträge und werden mit 15 Mk. pro Doppelzentner verkauft. Viele alte Obstbäume, die man nicht gestützt hatte, sind durch die Last der Früchte gebrochen. Starkenburg und Rheinhessen. s Darmstadt, 4. Aug. Gestern fand hier in der„Oper“ einer auf Einladung einer Anzahl Stadtverordneten eine Versamm⸗ scha lung von Konsumenten statt, die gegen die Preis⸗ treiberei Stellung nahm. Stadtv. wortete lt.„Tarmst. Ztg.“ einen Zusammenschluß der Kon⸗ sumenten Darmstadts nach dem Vorbilde von Nachbarstädten, der mit der Stadtverwaltung, dem Großhandel und den Detaillisten in steter Fühlung bleiben solle. Zunächst werde man bei den gesetz⸗ gebenden Körperschaften Höchstpreise für Kartoffeln mit dem dabei unentbehrlichen Lieferungszwang erstreben. Auch müsse man die Militärbehörde wissen lassen, daß ihr direkter e den Produzenten, wie zum Beispiel in Griesheim, das Publikum schädige. Beig. Ekert e die freundliche Stellung der Stadtverwaltung zu allen Verbilligungsbestrebungen, sofern da⸗ durch berechtigte Juteressen nicht verletzt würden. Im allgemeinen fanden die Ausführungen des Vorsitzenden Zustimmung, jedoch oben manche Redner die erheblichen Schwierigkeiten und wahr⸗ scheinlich auch Unkosten hervor. Zum Schluß wurde ein vor⸗ bereitender Ausschuß gewählt und eine Entschließung einstimmi angenommen, welche die unverantwortliche Bereicherungspoliel gewissenloser Personen geißelte, alle Konsumenten zur Selbst⸗ ilfe und Mitarbeit aufruft und den Behörden in ihren Maß⸗ egen die Preistreibereien Unterstützung zusagt. Letzteres 0 der Stadtverwaltung gegenüber, wenn sie den Verkauf der Preistreiberei überteuerten Lebensmittel in die Hand nahmen gelte au der von immt. Delp als Vorsitzender befür⸗ n. Offenbach, 4. 1 Die hiesige Tnabenmittel⸗ schule, die bei Beginn des Krieges bereits für mehrere Monate mit Militär belegt gewesen war, mußte jetzt erneut zur Unter⸗ bringung von Soldaten geräumt werden. Die einzelnen Schulklassen wurden teils in anderen Schulhäusern, teils in un⸗ benutzt stehenden alten Schulräumen untergebracht. Demnach fehlt es bei uns an Kasernen und nicht an Mannschaften. Hessen⸗Nassau. [Marburg, 4. Aug. Der Magistrat macht bekannt, daß alle Einwohner von Marburg im Alter von 14-65 Jahren, die körperlich schwer zu arbeiten haben, auf Antrag zu ihrer bis- herigen Brotkarte wöchentlich eine Zusatzkarte, die zum Bezug von 360 Gramm Mehl oder 1 Pfund Brot berechtigt, er- halten können. h. Frankfurt a. M., 4. Aug. Eine für den Klein⸗ handel mit Milch einschneidende Bestimmung traf das städtische Gewerbe- und Verkehrsamt. Es ordnete an, daß die Milchhändler infolge des kürzlich festgesetzten Milchhöchst⸗ preises den Milchlieferanten keinen höheren Ein⸗ kaufspreis als bisher bezahlen dürfen. Wer von den Milchlieferanten trotzdem seine bisherige Lieferungsmenge beschränkt und diese zurückbehaltene Menge zu Butter oder Käse verarbeiten läßt, hat Anzeige zu gewärtigen. h. Oberursel, 4. Aug. Die Stadtverordneten⸗ versammlung bewilligte allen städtischen Arbeitern eine Teuerungszulage von monatlich fünf Mark. Grundsätze für ein Reichsgesetz zur Schaffung von Uriegerheimstätten. Der Hauptausschuß für Kriegerheimstätten ist am 20. März d. J. mit 28 Vereinen gegründet worden. Anfang Juli gehörten ihm bereits über 900 Organisationen aus allen Teilen unseres Vaterlandes an. Es hat sich gezeigt, daß die von ihm ver⸗ tretene vaterländische Aufgabe eine überaus große Werbekraft in unserm Volke besitzt. Die Aufgabe des Hauptausschusses ist von weittragender Bedeutung für die Entwicklung unseres Volkes: denn ein Heimstättenland für unsere Krieger bedeutet später ein Heimstättenland für unsere Kinder und Enkel. „Der Hauptausschuß hat in seiner letzten Sitzung, an der Männer der Praxis und der Wissenschaft teilnahmen, einmütig Grundsätze für ein Reichsgesetz zur Schaffung von Kriegerheimstätten aufgestellt. Es ist gut, wenn alle Teile unseres Volkes diese Grundsätze prüfen, damit ein Reichsgesetz zustande kommt, das bis in die fernste Zukunft die Dankbarkeit der Da⸗ heimgebliebenen unseren heldenhaften Kriegern gegenüber kundgibt. Der Hauptausschuß für Kriegerheimstätten(Berlin, Lessingstr. 11) bittet alle diejenigen, die im wesentlichen seinen Grundsätzen zu⸗ stimmen, ihre Adresse ihm mitzuteilen. Wir geben im folgenden die Grundsätze wieder:. 1. Das Reich dankt seinen Verteidigern, indem es jedem deutschen Kriegsteilnehmer oder seiner Witwe die Möglichkeit er⸗ öffnet, auf dem vaterländischen Boden ein Familienheim auf eigener Scholle(Kriegerheimstätte) zu erringen. Die Kriegerheimstätten sollen, gemäß den Lehren dieses Läuterungs⸗ krieges, das deutsche Boden⸗ und Siedelungswesen auf das Ziel hinlenken, einen körperlich und sittlich gesunden Volksnachwuchs zu sichern, die Wehrkraft des Volkes zu erhöhen und die Erträg⸗ nisse des heimischen Bodens zu steigern. 2. Jeder deutsche Kriegsteilnehmer hat im Rahmen dieses Ge⸗ setzes einen Anspruch auf eine Heimstätte im Reiche oder in seinen Kolonien. Unter den Bewerbern sollen die ortsangehörigen Kriegs⸗ beschädigten, Witwen und kinderreichen Familien zuerst berück⸗ sichtigt werden. 7 3. Die Kriegerheimstätten sind entweder: Wohnheim⸗ stätten: Kleinhäuser mit Nutzgärten, die allen Kriegsteilneh⸗ mern offenstehen, oder Wirtschaftsheimstätten: gärt⸗ nerische oder landwirtschaftliche Anwesen, von geeigneter, nach Bodenart und Bodenpreis verschiedener Größe, die nur Bewerbern mit entsprechender Vorbildung und angemessenem Betriebskapital verliehen werden dürfen. Bestehender Besitz kann in Kriegerheim⸗ stätten umgewandelt werden. 4. Die Heimstättenversorgung geschieht durch ein Heim⸗ stättenamt, das dem Reichsamt des Innern ein⸗ und unter⸗ geordnet und in geeigneten Bezirken durch Heimstätten⸗Amtmänner vertreten wird. Diese haben in Fühlung mit den zuständigem Behörden(Bezirkskommandos usw.) die Auskunftserteilung und Vermittlung jeder Art bei Begründung, Ausführung und Bewirt⸗ schaftung der Heimstätten zu bewirken und jeden Mißbrauch mit ihnen zu verhüten. 5. Das Reich kann die Ausgabe von Heimstätten über⸗ tragen an öffentlich⸗rechtliche Verbände und an gemeinnützige Vereinigungen. Um Boden zur Errichtung von Kriegerheimstätten zu gewinnen, haben die Heimstättenausgeber ein Vorkaufs⸗ recht bei jeder Zwangs versteigerung und bei der Veräußerung von Grundstücken, die in einem Jahrzehnt zweimal freihändig ihren Besitzer gewechselt haben. Bei diesen Grundstücken haben sie auch ein Enteignungsrecht und zwar grundsätzlich zu dem Werte, der in Selbsteinschätzung vor dem Kriege zum Wehrbeitrag angegeben und angenommen worden ist. Weigern sich öffentlich⸗rechtliche Verbände oder sonstige gemeinnützige Vereinigungen, die Ausgabe von Krie⸗ gerheimstätten zu bewirken, obwohl sie im Besitz von geeignetem Gelände sind, so ist das Reichsstättenamt berechtigt, dies Gelände zwecks Gründung von Kriegerheimstätten zu enteignen. 6. Die Kriegerheimstätte wird zum Eigentum übertragen gegen eine unkündbare Bodenrente(Weiterbildung des§ 1202 Ab⸗ satz 2 des BGB.). Eine Veräußerung der Kriegerheimstätte ist nur mit Genehmigung der Ehefrau zulässig. 7. Die Rente(§ 6) kann nur gesteigert werden, wenn der Besitzer die Kriegerheimstätten freiwillig aufgibt, oder wenn nach dem Tode beider Eltern das jüngste Kind großjährig wird oder sie nicht selbst bewohnt und bewirtschaftet. Für die Steigerung ist nicht der für' die Heimstätte gebotene Preis allein maßgebend, sondern es muß eine allgemeine Steigerung des Bodenwertes in der betreffenden Gegend nachweisbar sein. Der Heimstättenbesitzer hat Anspruch auf Herabsetzung der Rente, wenn die Bodenwerte eine nicht nur vorübergehende Verminderung erfahren haben. Der Heimstättenherausgeber hat bei allen Verkäufen das Vorkaufsrecht. 8. Eine Beleihung von Kriegerheimstätten kann nur in Form von unkündbaren und löschungspflichtigen Tilgungsdarlehen erfolgen. Mindestens 10 Proz der Baukosten muß der Heimstätten⸗ bewerber selbst aufbringen. Das Reich ermöglicht die Beleihung der Kriegerheimstätten bis zu 90 Proz. der reinen Baukosten, ent⸗ weder durch Erweiterung des bereits bestehenden Reichsbürgschafts⸗ fonds oder durch Schaffung einer Reichspfandbriefanstalt, unbe⸗ det der weitergehenden Fürsorge für die Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen durch Nutzbarmachung des entsprechend verstärkten Reichswohnungsfürsorgefonds. 5. Gemeinnützige Kassen, welche für Unbemittelte die fehlenden 10 Proz. der Baukosten aufbringen, ebenso teilweis kapitalisierte Invaliden⸗ und Hinterbliebenenrenten erhalten das Recht der hypothekarischen Eintragung. Für alle sonstigen Eintragungen ist das Grundbuch geschlossen... 9. Die Kriegerheimstätte kann durch privatrechtliche Forderun⸗ gen nicht in Zwangsversteigerung gebracht werden. Sie ist unteilbar und durch Erbgang nur auf einen Erben übertragbar. 10. Zur Bestreitung der Kosten und Schaffung eines Reserve⸗ fonds für etwaige Verluste erhebt das Reich eine Oedland⸗ steuer von 2 Proz. auf alles Privatland, das seit mehr als fünf Jahren nicht unter dauernder forstwirtschaftlicher, landwirtschaft⸗ licher oder gärtnerischer Kultur gehalten worden ist und zwar nach dem Werte, den der Eigentümer selbst angibt, der aber zugleich die Grundlage des Enteignungspreises bildet, wenn das Land für Kriegerheimstätten benötigt wird. Büchertisch. Das„österreichisch⸗ungarische Rotbuch“ (Manz'sche K. u. K. Hof-Verlags⸗ und Universitäts- Buchhandlung Wien) enthält die Beziehungen der Doppel⸗Monarchie zu Italien in der Zeit vom 20. Juli 1914 bis 23. Mai 1915. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbat feier am 7. August 1915: reitag abend 7.35 Uhr. amstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 8.50 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00, Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen abends 7.30 Uhr. t t 1 1 Aug. 8 Wetter Barometer auf 0 reduziert Temperatur der Luft Absolute Feuchtigke Relative Feuchtigke Wind⸗ richtung Windstärke Grad der Bewölkung in Zehntel der sichtb. Himmelsfl SW WSW still 8 10 10 Sonnenschein Regen Bed. Himmel — D 0 — D 2 2 — Höchste Temperatur am g. bis 4. Aug. 1915 18 Niedrigste„„„iir mehr unter Hochdruckeinfluß stehen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 6. August 1915; Wolkig bis heiter, trocken, etwas wärmer, Winde aus westlichen „ Letzte Nachrichten. Es lebe der Friede um jeden Preis! Madrid, 5. Aug. Der Madrider„Tero Espanol“ erfährt von einer aus Frankreich zurückgekehrten zuverlässigen Persönlichkeit, daßtrotzderstrengen Zensur dort Niedergeschlagen⸗ heit und Pessimismus immer weiter um sich greifen. Hier⸗ zu soll besonders ein Zwischenfall beigetragen haben, der sich Ge⸗ rüchten zufolge bei dem Besuche Poincarés an der Front zuge⸗ tragen habe. Der Präsident mit seinem Gefolge sei aus ver⸗ schiedenen Schützengräben mit dem Rufe begrüßt worden:„Es lebe der Friede um jeden Preis!“, was eine strenge Untersuchung und Bestrafung zur Folge gehabt und den Präsidenten veranlaßt habe, einen weiteren Besuch abzubrechen. Köln, 4. Aug. Ein sehr zuverlässiger Gewährsmann der „Kölnischen Volkszeitung“ gibt eine Unterredung mit einem ge⸗ bildeten Franzosen wieder, der 1 aus Paris gekommen war. Er erklärte, bei seiner Ausreise habe er sofort gemerkt, daß die Franzosen nicht mehr Herr des elgenen Landes sind. Bei seiner Reise mußte der Franzose mehrmals seinen Paß durch Eng⸗ länder beglaubigen lassen, wobei es zu heftigen Auseinander⸗ setzungen zwischen den französischen und den englischen Beamten kam. Der Gewährsmann erklärt weiter, daß die Franzosen die Eng⸗ länder, diese kalten Egoisten, satt haben; überall werde auf England geschimpft. Der Engländer sei auf dem besten Wege, von dem französischen Volke verachtet zu werden, denn das Volk fühle lebhaft, daß es in diesem Kriege für die In⸗ teressen Englands blute, daß England diesen Krieg schonungslos mit französischem Blute führe, während es die eigenen Kräfte schont. Die Franzosen würden dieses Joch nicht lange mehr ertragen(2). Sie wollen Frieden um jeden Preis. Ein neuer Winterfeldzug sei bei der heutigen Volksstimmung ausgeschlossen; alsdann stehe die Revolution in Aussicht. 1 Bulgarien und der Vierverband. Konstantinopel, 5. Aug. Die vom Vierverband an die bulgarische Regierung vorbereitete Note über Ab⸗ tretungen an Bulgarien wird nach Meldungen aus neu⸗ traler Quelle auf den Rat des Fürsten Trubetzkoi ver⸗ schoben, da die Aussichten sehr schlecht seien. Gleichfalls von neutraler Seite wird die Nachricht gebracht, daß Ru⸗ mänien beabsichtige, Manöver an der bessara⸗ bischen Grenze abzuhalten. Französisches Kriegsmaterial für Rußland. Daag, 5. Aug. Auf dringenden Wunsch Rußlands entsenden die Verbündeten mehrere große Transportschiffe mit Ereuzotkanonen, Munition und Gewehren nach Archangelsk. Der größte Teil des belgischen Artillerieparks soll auf dem gleichen Wege nach Rußland befördert werden. 0 General Rußki an das russische Volk. Stockholm, 5. Aug. General Rußki, der Befehls⸗ haber der Petersburger Truppen, hat, wie„Stockholms Dagbladet“ meldet, an die Petersburger Arbeiterschaft eine Bekanntmachung erlassen, die sonderbarerweise von den russischen Zeitungen nicht gebracht wurde. Die Bekannt⸗ machung hat folgenden Wortlaut: Auf den Schlachtfeldern kämpfen alle ausnahmslos tapfer gegen unsere Feinde. Leider wird dieses allgemeine Bestreben, die Deut⸗ schen zu besiegen, von vielen in den Petersburger Fabriken an⸗ gestellten Arbeitern nicht geteilt. Es sind dies jene Fabriken, in enen Kriegslieferungen hergestellt werden. Diese Arbeiter haben ihre Arbeit eingestellt. Ich versichere Euch, daß die traurigen Nachrichten von einem Streik schwer auf dem Herzen jedes russi⸗ schen Soldaten lastet. Ein Streik ist heute zutage nichts weniger als Verrat am Vaterlande. Ich erhielt den Auftrag, mit allen Mitteln gegen eine Ausdehnung des Streiks einzutreten. Richard Kieppert f. ö Berlin, 5. Aug. Nach dem„Berl. Tagebl.“ ist der Karto⸗ graph Prof. Dr. Richard Kieppert, der namentlich durch seinen Schulhandatlas und Karten der deutsch⸗afrikanischen Kolonien be⸗ kannt geworden ist, im Alter von 69 Jahren gestorben. — — Ddol e Aus Bessen. Die 3. Sitzung des Kriegsausschusses der Zweiten Kammer and te vormittag in Gegenwart der Regierungsvertreter; 3 v. Hombergk, Staatsrat Dr. Becker Ministerialrat Schliephake und Geh. Landesökonomierat Müller statt. Junächst wurde die Aussprache über die Frage der Versorgun der Bevölkerung mit Kartoffeln fortgesetzt. Man einigte sich schließlich auf folgenden vom Abg. Molthan eingebrachten Antrag: Ich beantrage: 5 5 5 Die Kammer wolle Großherzogliche Regierung ersuchen 9 1. im Bundesrat dahin zu wirken, daß mit der Einbringung der neuen Kartoffelernte für das ganze Reich nach Art der Kar⸗ toffeln abgestufte Höchstpreise für Produktion und Handel mit dem Recht der Enteignung eingeführt werden, um die Volksernäh⸗ rung auf diesem wichtigen Gebiet zu sichern und insbesondere über⸗ mäßige Zwischengewinne zu verhindern; 2. die Stadtverwaltungen und Kommunalverbände zu ver⸗ anlassen, sich auf diesem Gebiet der Volksernährung durch geeignete Vermittlung zu betätigen. 4. Zwei weitere den gleichen Gegenstand betreffende Anträge der Abg. Henrich und Ulrich wurden Großherzoglicher Regierung als Material überwiesen.— Längere Besprechung erforderte nach⸗ stehender vom Abg. Korell⸗Nieder⸗Ingelheim gestellter Antrag: Um einen allgemeinen Ueberblick über den Ausfall der Ernte an Kartoffeln, Obst und Gemüse zu gewinnen und durch Bekannt⸗ gabe des Ergebnisses ebensowohl ungesunden Preistreibereien wis teile in den im Großherzogtum erscheinenden Tageszeitungen duziert werden, eine Bestandsaufnahme der zum Verkauf verfüg⸗ 5 und Ernteergebnisse und über die Marktlage zu verschaffen, falschen, gen über die Ergebnisse der Obst⸗ und Gemüseernte, Veröffent⸗ Erleichterungen bei Installationen von Gas und elektrischem Licht 0 versorgu ug auch diejenigen Getreideproduzenten als Selbst⸗ auch etwaigen unbegründeten Vorwürfen gegen die Produzenten entgegenzuwirken, beantragen wir, Großh. Regierung zu ersuchen: 1. Zu dem frühest möglichen Zeitpunkte Erhebungen über den Ausfall der Ernte im allgemeinen an Kartoffeln, an den verschiedenen marktgängigen Obst- und Gemüsearten anzu⸗ stellen und das Ergebnis öffentlich bekannt zu geben,— in ähn⸗ licher Weise, wie bisher die Saatenstandsermittlungen vorge⸗ nommen worden sind; 4 2. zu veranlassen, daß die offiziellen Marktpreise der Obst⸗ und Gemüse⸗Großmärkte des Landes und der benachbarten Landes- regelmäßig bekannt gegeben werden;„ 3. in denjenigen Landesteilen, in denen regelmäßig bestimmte Obst⸗ und Gemüsearten in größerer Menge für den Verkauf pro⸗ baren Mengen vorzunehmen und das Ergebnis den Gemeinden zur Kenntnis zu bringen, die sich mit der Beschaffung und Verteilung von Obst und Gemüse für ihre Einwohnerschaft befassen. 2 Mit diesem Antrage wird beabsichtigt, einen Ueberblick über die zu unlauteren Machenschaften bestimmten Nachrichten den Boden zu entziehen und dem Verbraucher den Weg zum möglichst direkten Verkehr mit dem Erzeuger zu zeigen. 5 l Bei der Begründung dieses Antrags wies der Antragsteller die in der Presse erhobenen Vorwürfe gegen die Obst- und Gemüse⸗ produzenten wegen der hohen Marktpreise zurück. Er führt die auffälligen Preissteigerungen an die große Nachfrage einesteils und andernteils auf die Mißstände im Zwischenhandel zurück. Zur Herbeiführung einer größeren Uebersichtlichkeit des Marktes und damit einer gesünderen Preisbildung fordert er amtliche Mitteilun⸗ lichung der Marktberichte und besondere marktpolizeiliche Vor⸗ schriften. In der Aussprache wurden die auf verschiedenen städtischen Märkten hexvorgetretenen Mißstände und deren Ursachen besprochen Maßnahmen zur Verhütung derselben vorgeschlagen. Die Großherzogliche Regiexung hält zurzeit amtliche Erhebungen über die Gemüse⸗ und Obsternte für undurchführbar, weil sowohl die Großherzoglichen Kreisämter wie auch die Bürgermeistereien mit wichligen und dringenden Arbeiten derart überhäuft seien, daß diesen Behörden weitere umfangreiche Arbeiten nicht zugedacht wer⸗ den könnten. Es müsse auf die Mitteilungen der Obstverwertungs⸗ stelle Frankfurt a. M. verwiesen werden, die sowohl zuverlässige Preistabellen als auch Vorratsanzeigen auch aus hessischen Be— zirken enthielten. Gegen unreelle Preistreibereien könne jetzt schon auf Grund bestehender Verordnungen nachdrücklich eingeschritten werden.— Bei der Besprechung der mißlichen Lage des Petroleum-⸗ marktes und der damit zusammenhängenden Schwierigkeiten bei der ersorgung der Bevölkerung mit Petroleum gab der Regierungs— vertreter eingehende Erklärungen über den bestehenden Mangel an Petroleum und seine Ursachen und versprach auf die Anregung eines Abgeordneten hin die unteren Verwaltungsbehörden anzuweisen, auf keit hinzuwirken. 5 usse wurde von einigen Abgeordneten angeregt, rung der Verordnung über die Brot⸗ ach Mögli versorger gelten zu lassen, welche geringere Getreidemengen als in 6 der Verordnung vom 8. Juli 1915 vorgesehen, erzeugten. ie von der Großherzoglichen Regierung dort getroffene Be— stimmung, daß nur diejenigen als Selbstversorger gelten, deren Vorräte an Brotgetreide und Mehl zu ihrer Versorgung und derjenigen der im§ 6 Abs. 1 a der Reichsverordnung weiter aufge⸗ hrten Personen ausreichen, bedeute aus praktischen und sozialen den eine Härte, besonders für ländliche kinderreiche Arbeiter⸗ samilien. Auch die Bestimmung, daß Selbstversorger immer nur für inen Monat Vorrat mahlen lassen dürfen, sei unpraktisch. Der Re⸗ ierungsvertreter wies auf die schweren Bedenken 1 werden dürfe, sei von den Kommunalverbänden getroffen. Die Regierung werde im übrigen die vorgetragenen Wünsche noch einmal einer Prüfung unterziehen. 3 8 Sodann wurde über den Antrag, betreffend die Be⸗ steuerung der Kriegsgewinne, verhandelt. Nach ein⸗ gehender Begründung des Antrags, bei welcher auch auf die bestehenden Schwierigkeiten hingewiesen wurde, welche die steuer⸗ liche Erfassung der Kriegsgewinne mit sich brächte, erwiderte der Regierungsvertreter, daß die Frage der Besteuerung der Kriegs⸗ gewinne schon im Frühjahr im hessischen Landtage besprochen worden sei. Inzwischen habe sich auch die Oeffentlichkeit mit der Frage beschäftigt, eine reiche Literatur sei bereits über die Frage entstanden. Nach einer Mitteilung der„Norddeutschen Allgemeinen Zeitung“ vom 10. Juli habe sich auch der Bundesrat in einer Sitzung mit der gleichen Frage beschäftigt, man habe dort an⸗ erkannt, daß eine solche Besteuerung nur von Reichs wegen er⸗ folgen könne. Man dürfe aus dieser Andeutung den Schluß ziehen, daß das Reich zu geeigneter Zeit von der Besteuerungs⸗ möglichkeit Gebrauch machen werde. Die Regierung sehe in dem vorliegenden Antrag den Beweis dafür, daß auch der hessische Landtag der Besteuerung der Kriegsgewinne sympathisch gegen⸗ überstehe. die Argonnen⸗Rämpfe vom 15., 14. Juli 1915. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Der nördlich und östlich der Biesme gelegene Teil der Argonnen stellt sich als ein langgestreckter, von Nordwesten nach Südosten ver⸗ laufender Gebirgsrücken dar, der in schroffen, vielfach zerklüfteten Schluchten zu den Tälern der Aire und Biesme abfällt. Der Ver⸗ lauf der Römerstraße bezeichnet etwa die Kammlinie. Den am höchsten gelegenen Punkt des Kamms erreicht die Römerstraße auf der Höhe 285, deren nach Nordosten— Höhe 263— und nach Westen— la Fille morte— etwa gleichlaufend zur Straße Varen⸗ nes le Four de Paris sich hinziehenden Ausläufer wie ein natür⸗ licher Wall diesen Teil der Argonnen in eine nördliche und süd⸗ liche Hälfte teilen. Die Höhe 285, die nur spärlich bewaldet ist und kein Unterholz trägt, bildet einen Aussichtspunkt, von dem aus man einen weiten Ueberblick über die Argonnen, und darüber hinaus nach Osten auf die Höhen nördlich von Varennes, nach Westen auf das Hügelland der östlichen Champagne hat. Entsprechend dieser überhöhenden Lage ist der Besitz des Höhen⸗ rückens 263—285 la Fille morte für die in den Argonnen kämp⸗ fenden Truppen von hoher militärischer Bedeutung. Als in den. letzten Septembertagen die Deutschen von Osten in die Argonnen eindrangen, gelang es einzelnen Patrouillen und kleineren In⸗ fanterie- Abteilungen, vorübergehend die Höhe 285 zu erreichen. Schon am Abend des 29. September mußten sie vor weit über⸗ legenen französischen Kräften in nördlicher Richtung zurückweichen. Seither waren die Franzosen im Besitz dieses Höhenzuges. Tar⸗ über hinaus waren ihre Stellungen nach Norden etwa 1 Kilometer weit vorgeschoben. In erbittertem, heißem Ringen warfen Anfang Januar und Mitte Februar die deutschen Truppen auf der ganzen Front von der Bolante bis zur Höhe 263 den Feind um mehrere hundert Meter zurück. Während in den siegreichen Kämpfen vom 20. Juni bis 2. Juli drüben in den Westargonnen die Franzosen aus ihren besestigten. Stellungen Labordere— Central—Eimetisre— Bagatelle hinausge⸗ worfen und auf die in das Biesmetal abfallenden Berghänge zurück⸗ gedrängt wurden, bereiteten sich in den Ostargonnen die deutschen Truppen zum Sturm auf die beherrschenden Höhenstellungen 285 und Fille morte vor. War dieses Ziel erreicht, so standen auf der ganzen Argonnenfront von der Gegend nördlich Vienne⸗sle⸗ Chateau bis Boureuilles die Deutschen in überlegenen Stellungen, als eine eiserne Wand, an der jeder Angriffsversuch der Fran⸗ zosen zerschellen mußte. 8 Vel Uucrspixrhaus Tel. 2077 Schöne Wilbelmstraße 7(Haus zum VI. Die französischen Stellungen nordöstlich, nördlich und nord⸗ westlich von der Höhe 285, auf dem Riegel, der Bolante und dem in die Vallse des Courtes Chausses vorspring. N durchschnittlich 40 bis 50 Schritte, an manchen Stellen auch nur 20 Schritte von den deutschen Stellungen entfernt. Da auf dieser ganzen Front das Gelände imm allgemeinen von Süden nach Norden abfällt, von der Höhe 285 nach Nyrdysten in das Osson⸗Tal, von la Fille morte in den Meurisson⸗Grung, weiter wesclich in ein Seitental der Vallse des Courtes Chausse;— hatten die Fran⸗ zosen den Vorteil der besseren Beobachtung und infolgedessen des freieren Schußfeldes gegen unsere Stellungen und rückwärtigen Verbindungswege. In den Tälern des Osson, der Cheppe, des Meurisson, der Vallée des Courtes Chausses und auf den in diese Schluchten abfallenden Berghängen ist der kurzstämmige Wald⸗ bestand mit außerordentlich dichtem Unterholz und Dornengestrüpp durchwachsen. Auf den Höhen wird der Wald lichter, der Boden ist von Farrenkräutern und hohem Gras bedeckt; hier war im übrigen, ebenso wie drüben im Bois de la Grurie(Westargonnen), während der langen Kampfmonate fast der ganze Bodenbestand vom In⸗ fanterie- und Artilleriefeuer weggefegt. Die französischen Stellun⸗ gen auf diesen Höhen bestanden aus mehreren hintereinanderliegen⸗ den, 2 bis 3 Meter tief in den Boden eingeschnittenen Schüten⸗ gräben, die durch ein vielfach verzweigtes Netz von Verbindungs⸗ gräben untereinander und mit den auf den Höhen 285 und Fille morte gelegenen Reservestellungen verbunden waren. Die Gräben der Kampfstellung waren durch Abstemmen mit starkem Balken⸗ werk, durch Drahtmaschenwände, Mauern, Zement und Faschinen befestigt, an vielen Stellen mit 1 bis 2 Meter hohen Eindeckungen versehen, und alle 5 bis 6 Schritt durch starke Schulterwehren unterbrochen. Dutzende von Blockhäusern mit mehreren neben⸗ und übereinander angebrachten Maschinengewehr-Ständen dienten in den vorderen und rückwärtigen Stellungen, sowie im Zwischen⸗ gelände als Stützpunkte. Zur Unterkunft für die Besatzungen der vorderen Gräben und die Reserven waren geräumige Höhlen tief in den Boden gebohrt. Vor der vordersten Feuerstellung, zwischen den Gräben der rückwärtigen Linien, und ganz besonders in dem undurchdringlich dichten Unterholz der mannigfach verzweigten Schluchten und Seitentäler befanden sich breite Drahthindernisse, teils aus gespannten Stacheldrähten, teils aus spanischen Reitern und Drahtwalzen zusammengesetzt. Von dem ganzen Labyrinth dieser kunstvoll angelegten Befesti⸗ gungen war aus den deutschen Stellungen weiter nichts zu sehen, als ein hellgelber, schmaler Streifen aufgeworfenen Lehmbodens, hie und da einzelne Balken eines Blockhauses oder ein Stückchen blanker Stacheldraht. Weit dahinter standen im ganzen Walde ver⸗ teilt die französischen schweren und leichten Batterien, etwas näher heran die Minenwerfer, Bronce-Mörser und Revolverkanonen. Als Zeitpunkt für den Angriff auf diese Stellungen wurde der 13. Juli bestimmt. Kurz nach Tagesanbruch sollte das Artillerie⸗ und Minenfeuer beginnen, auf 8 Uhr vormittags war der Angriff auf einen vorgeschobenen Teil der französischen Befestigungen vor unserem linken Flügel und auf 11 Uhr 30 Minuten vormittags der Sturm auf der ganzen Front festgesetzt. Aus späteren Gefangenen⸗Aussagen und aus aufgefundenen französischen Befehlen hat sich ergeben, daß der Feind im östlichen Teil der Argonnen schon seit einiger Zeit seinerseits einen großen Angriff plante, der ursprünglich für den 11. Juli befohlen war, dann aber wieder verschobem und für den 14. Juli, den Tag des französischen Nationalfestes, festgesetzt wurde. Und zwar sollten an diesem Tage sämtliche Truppen des französischen V. und XXXII. Armeekorps— mit zugeteilten Verbänden mehr als 8 Divisionen — auf der ganzen Argonnenfront und den anschließenden Außen⸗ abschnitten angreifen. Im Bois de la Grurie und westlich der Argonnen wurde dieser Angriff auch tatsächlich am 14. Juli aus⸗ geführt und scheiterte unter schweren Verlusten. Inzwischen kam es aber in den Ostargonnen ganz anders, als man gedacht hatte. Dadurch, daß die Franzosen selbst ein Unternehmen beabsich⸗ tigten und daß sie— gewarnt durch die gesteigerte Tätigkeit der deutschen Artillerie und durch andere Anzei eines bevorstehenden Angriffs— von unserem Sturm keineswegs überrascht wurden, trafen unsere Truppen den Feind aufs beste vorbereitet. Die fran⸗ zösischen Kampfstellungen waren stark besetzt, die Artillerie war mit einer außergewöhnlich großen Menge Munition ausgerüstet, alle Arten von Nahkampfmitteln waren reichlich bereitgestellt. [Laden u. dgl. 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