Erstes Blatt M. 401 f Der Gießener Anzeiger erschemt täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich SießenerFamillenblätter; F latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Heitfragen Fernsprech- Anschlüsse: sür die Schriftleitung! 12 Verlag, Geschäftsstelles! Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer Gießener General⸗Anzeiger für Gberhessen bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. 165. Jahrgang zei e Mittwoch, 4. August 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel ⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. 2 1. 8 * 6 Vormarsch der Deutschen in Kurland. Erfolge gegen die Russen auf der ganzen Front. (TB.) Großes Hauptquartier, 3. August. (Amtlich.) e estlicher Kriegsschauplatz. Die am 30. Juli bei Hooge genommene englische Stel⸗ lung ist entgegen dem amtlichen Bericht des englischen Ober⸗ befehlshabers vollständig in unserer Hand. In der Champagne besetzten wir nach erfolgreichen Sprengungen westlich die Trichterränder. In den Argon nen wurden nordwestlich von Le Four de Paris einige feindliche Gräben genommen und dabei 60 Gefangene gemacht. Bei dem gestern gemeldeten Bajonett⸗ Angriff sind im ganzen vier Offiziere, 163 Mann gefangen genommen und zwei Maschinengewehre erbeutet worden. In den Pogesen ist bei den Kämpfen in der Nacht vom J. zum 2. August ein kleines Grabenstück am Schratz⸗ männle Gwischen Lingekopf und Barrenkopf) an den Feind verloren gegangen. Am Lingekopf ist ein am 1. und 2. August vollständig zusammengeschossener Graben von uns nicht wieder besetzt worden. Ein vom Gewittersturm losgerissener französischer Fesselballon ist nordwestlich von Etain in unsere dände gefallen. g Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei den Kämpfen in der Gegend von Mitau wurden 0 Gefangene gemacht. Oestlich von Poniewicz gab der Gegner, zum Teil aus mehreren Stellungen geworfen, den Widerstand auf und zog in östlicher Richtung ab. Unsere Truppen haben die Straße Wobolniki— Subocz überschritten. Gestrige eee ee hier 1250 Mann, zwei Maschinengewehre erbeutet. In Richtung auf Lomza wurde unter erfolg- reichen Kämpfen Raum gewonnen. Rund 3000 Russen wurden gefangen genommen. Im übri⸗ gen fanden auf der Narewfront und vor Warschau kleinere für uns günstig verlaufene Gefechte statt. Unsere im Osten zusammengezogenen Lu f. schiffe unternahmen erfolgreiche Angriffe aufd e Bahn⸗ linien östlich von Warschau. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Generaloberst v. Woyrsch hat mit seinen deutschen Truppen die Brückenkopfstellung am Ostufer der Weichsel erweitert. Es wurden 750 Gefangene gemacht. Ihm unterstellte österreichisch-ungarische Truppen des Generals von Koeveß vor der Westfront vor Jwan⸗ gorod erreichten einen durchschlagenden Erfolg. Sie machten 2300 Gefangene und erbeuteten 32 Geschütze, darunter 21 schwere, und z wei Mörser. Vor den Armeen des Generalfeldmarschalls v. Macke n⸗ sen hielt der Gegner gestern noch in der Linie Nomo⸗Alexan⸗ drija—Lenezna—Zalin(nordöstlich von Cholm) stand. Am Nachmittag wurden seine Linien östlich von Lencz⸗ ma und nördlich von Cholm durchbrochen. Er begann deshalb auf dem größeren Teil der Front in der Nacht seine Stellungen zuräumen. Nur an einzelnen Stellen leistet er noch Widerstand. Oestlich von Lenczna machten wir gestern 200 0, zwischen Cholm und Bug am 1. und 2. August über 1300 Gefangene. Mehrere Ma⸗ schinengewehre wurden erobert. 8 g Oberste Heeresleitung. *** 3 Die Straße Wobolniki—Subocz, die unsere Truppen in Kurland nach dem neuesten Heeresbericht bereits überschrit⸗ ten haben, zieht sich von Norden nach Süden und liegt 30 Kilometer östlich von Poniewiez. Wenn der Marsch auf 55 sei, den russischen Heeren den Rückzug ins Innere des marschall v. Mackensen hat die russische Front im Suden ederum weiter nördlich von Cholm und Lenczua zum ichen gebracht. Auch an von Perthes und westlich von Souain l deutsame Erfolge erzielt. Nun will man offenbar auch die Festung Lomza bezwingen, von der aus es den Russen bisher wohl möglich gewesen ist, den deutschen Vormarsch südlich des Narew zu bedrohen. Wenn in dieser Gegend beim Vor⸗ marsch rund 3000 Gefangene gemacht worden sind, stehen die weiteren Aussichten sicherlich vorzüglich. 5 5 Die russische Duma hat auf die gestern mitgeteilten angen Ministerreden ihren Beschluß gefaßt, und wir sind in der Lage, ihn heute zur Kenntnis zu bringen Natürlich spielt daxin das Wort Einigkeit eine große Rolle, aber wenn man zwischen den Zeilen liest— und diese sind so abgefaßt, daß man es tun muß, wenn man die Absicht des Parlaments richtig erfassen will—, so wird man die ohnehin auffälligen Worte von„militärischen Mißgeschicken“, festgestellten straf⸗ und gesetzlichen strengen Strafen ganz notwendig und folgerichtig zu einer schweren Mißtrauenskundgebung aufwachsen sehen. Es han⸗ delt sich in der Tat wahrlich um kein Ruhmesblatt für die jetzige Regierung. Das Parlament beginnt den Kopf zu schütteln und die Stirn zu runzeln, und in den geheimen Sitzungen werden die Geister zweifellos heftig aufeinander⸗ platzen. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ erwidert heute mit ein paar Zeilen auf Sasonows kecke und im übrigen inhaltlose Rede, widerlegt sie kurz und hebt die interessante Enthüllung her⸗ vor, daß das Ministerium Salandra schon im Laufe des ersten Kriegsmonats sorgfältig den Eintritt in die Aktion gegen die Verbündeten Italiens vorbereitet hat. Demgegenüber sei, so meint das deutsche Regierungsblatt, daran erinnert, daß dasselbe Ministerium leichzeitig Versicherungen wohl⸗ wollender Neutralität in Berlin und Wien abgab und hier kurz vor dem Eintritt in den Krieg immer wieder den Wunsch eines friedlichen Ausgleichs mit Oesterreich-Ungarn betonte. Man sieht, Sasonow hat dem italienischen Kabinett einen wahren Bärendienst geleistet. * 4* Amtliche Bestätigung der Kapitulation der Schutztruppe von Deutsch⸗Südwestafrika. „Berlin, 3. Aug.(WTB. Amtlich.) Se. Majestät dem Kaiser haben der Gouverneur von Deutsch⸗Südwestafrika Dr. Seitz und der Kommandeur der Schutztruppe Oberstleut— nant Franke durch Vermittlung der Botschaft der Ver⸗ 0 Staaten nachstehende telegraphische Meldung er⸗ attet: „Eurer Majestät melden wir alleruntertänigst, daß wir gezwungen waren, den Rest der bei Korab zwischen Otavi und Tsumeb vom Feinde mit vielfach überlegenen Kräften eingeschlossenen Schutztruppe in der Stärke von rund 3400 dreitausendvierhundert) Mann an Botha zu übergeben. Jede Aussicht auf einen erfolgreichen Wider- stand war ausgeschlossen, da, nachdem die Orte Otavi, Gaub, Grootfontein, Tsumeb und Namutoni vom Feinde genommen waren, wir von unserer Verpflegungsbasis ab⸗ geschnitten und jeder Versuch zu einem Durchbruche bei dem heruntergekommenen Zustand der Pferde, für die seit Monaten kein Hafer mehr dorhanden war, unmöglich war. Alle Personen des Beurlaubtenstandes und Landsturms, auch die in Südafrika kriegsgefangenen, werden auf ihre Farmen und zu ihren Berufstätigkeiten entlassen. Die Offiziere behalten die Waffen und Pferde und können auf ihr Ehrenwort frei im Schutzgebiet bleiben. Die aktive Schutztruppe, noch rund 1300 Greizehnhundert) Mann stark, behält ihre Gewehre und wird an einem noch zu be⸗ stimmenden Platze im Schutzgebiet konzentriert werden. gez. Seitz. gez. Franke.“ Fehlern in den Armeelieferungen, würdigen Mängeln * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. August 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die Kämpfe zwischen Weichsel und Bug dauerten auch gestern den ganzen Tag mit unverminderter Heftigkeit an und führten wieder zu Erfolgen. An der ganzen Front bedrängt, bei Lenczuna und nordwestlich Chol m neuerlich durchbrochen, wich der Feind heute am frühen Morgen fast überall aus den gestern hartnäckig verteidigten Linien abermals gegen Norden zurück. Unsere Truppen ver⸗ folgen, Lenezua wurde genommen. Die westlich Iwangorod eingenisteten Russen nahmen unter dem Druck unseres am 1. August errungenen Sieges ihre Linien zum größten Teil gegen den Festungsgürtel zurück. Nord⸗ westlich Iwangorod haben die Deutschen eine breite, der Weichsel vorgelagerte Waldzone unter erfolgreichen Gefechten durchschritten. In QOstgalizien keine Aenderung. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Küstenlande herrschte gestern vom Kru bis zum Brückenkopf von Görz fast völlige Ruhe. Den Plateaurand von Polazzo griffen neuerlich starke italienische Kräfte an. Fünfmal stürmte der Feind gegen unsere Infanterie, die östlich des Ortes und am Monte dei Bust heldenmütig stand⸗ hielt. Jedesmal wurde der Angriff vom zähen Verteidiger nach schwerem Kampfe zurückgeschlagen. Die Ita⸗ liener erlitten große Verluste. Weitere Ver⸗ stärkungen, die sich zu nochmaligem Vorgehen anschickten, wurden durch unsere Artillerie über raschend beschossen und zersprengt. Während dieser Kämpfe standen die anderen Ab⸗ . des Plateaus unter starkem feindlichen Artillerie⸗ euer. 5 An der Kärntner Grenze versuchten die Feinde unter dem Schutz dichten Nebels einen Sturmangriff gegen den Cellon⸗Kofel ööstlich vom Plöcken); das ünter⸗ nehmen scheiterte völlig; im übrigen an dieser Front nichts Neues. N Im Gebiet des Monte Cristallo stieß eine unserer Offiziers⸗Patrouillen auf eine etwa 60 Mann starke geg⸗ nerische Abteilung. Der Feind verlor in kurzem Geplänkel 29 Mann. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der russische Bericht. Petersburg, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus meldet: In der Gegend von Mitau und Bauske am Vormittag des 1. August keine be⸗ deutende Aenderung. Im Osten von Ponjewiez fuhren wir am Abend des 31. Juli fort, die feindlichen Vorhuten zu be⸗ drängen, machten über 500 Deutsche mit 6 Offizieren zu Ge⸗ fangenen und erbeuteten 6 Maschinengewehre. Am 1. August versuchten die Deutschen, indem sie zur Unterstützung ihrer Aktion das Gros der Kräfte vorrücken ließen, zur Offensive überzu⸗ gehen. Die Folge war, daß in diesen Kämpfen beide Gegner die Angreifer waren. Bei der Mündung der Pissa, am Na re w 3 und in der Gegend von Rozan konzentrierte der Feind sehr beträchtliche Kräfte, die am I. August fortfuhren, Angriffe in der Richtung der Eisenbahn im Süden der Station von Ostro⸗ lenka bis zur Ortschaft Kobylin einschließlich zu unternehmen. Auf diesem Punkte haben die Kämpfe einen äußerst erbitterten und blutigen Charakter bewahrt.. 4 Auf der Weichselfront dauerten am 1. August die Ge⸗ fechte fort, die zu unserem Vorteil endeten im Norwesten von Blonie und im Süden von Gora⸗Kalwarja. Die feindliche Ab⸗ teilung, die die Weichsel bei Ragnuszew und Ryczywol über⸗ schritten hatte, wurde gegen den Fluß zurückgeworfen. In der Gegend von Naciajowice bemüht sich der Feind, durch ener⸗ gische Angriffe seine Stellung auszudehnen, aber die Kämpfe wurden im Laufe des Tages vom 1. August ungefähr auf der gleichen Front wie früher geliefert. Vor JIwangorod haben sich am Abend des 1. August nach einem hartnäckigen Kampfe unsere Truppen auf dem linken Ufer der Weichsel auf eine konzentriertere Stellung zurückge⸗ zogen. Zwischen Weichsel und Bug dauern erbitterte Kämpfe fort in der Richtung Lubartow, auf der Front, die sich von Nar⸗ 5 kuszow bis zur Bystritza erstreckt, sowie auf den beiden Ufern des Wieprz auf der Landstraße Trawniki⸗Wlodawo, wo wir am 1. August alle feindlichen Angriffe abgewiesen haben. Auf dem Abschnitt des linken Bugufers haben unsere Truppen eine neue Front weiter nördlich Cholm besetzt, ohne vom Feinde daran verhindert zu werden. Von den anderen Abschnitten un⸗ serer Front wird keine wichtige Aenderung gemeldet. Radko Dimitriew verteidigt Iwangorod. Budapest, 2. Aug.(Zens. Frkst.) Aus Sofia melde: „Az Est“: Radko Dimitrie w schrieb einem dortigen Freunde, er besehlige wieder seine frühere Armee, ver⸗ teidige Jwangvrod und habe die Aufgabe, einen neuen Offensivplan auszuarbeiten. Sein Genera stabschef sei Ben⸗ N derew, gleichfalls ein Bulgare.(Frkf. Ztg.) Die gefährdeten Russen in Ostgalizien. Berlin, 4. Aug. Nach einer Meldung des Berliner „Lokalanz.“ Ostgalizien stehenden rüussischen Heeren eine voll- ständige Abtrennung von der ostpolnischen Front. *** Der türkische Bericht. 7 Konstantinopel, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das f Große Hauptquartier gibt bekannt: An der Kaukasus⸗ front verjagte unser rechter Flügel nach dem Gefecht vom 30. Juli den Feind aus den befestigten vorbereiteten Stellungen in der Umgebung von Tawtak an der Grenze. Wir machten etwa hundert Mann Gefangene und erbeuteten eine Menge von Ge⸗ wehren, Munition und Ausrüstungsgegenständen. An der Dardanellenfront bei Ari Bur nu rscchtete der Feind am 31. Juli gegen einen kleinen, von einem unserer Posten besetzten Schützengraben, dessen er sich bemächtigen wollte, ein Infanterie⸗ und Artilleriefeuer und bewarf ihn mit Bomben, brachte zwei Minen zur Entzündung und versuchte Scheinangriffe auf dem linken Flügel. Schließlich wurde er vertrieben, wobe: er schwere Verluste hatte. Bei Sedd⸗ul⸗Ba hr auf dem linken Flügel anhaltendes aber wirkungsloses Gewehrfeuer. An den übrigen Fronten nichts von Bedeutung. Ein englisches Truppentransportschiff versenkt? München, 3. Aug.(WT. Nichtaantlich.) Die Münchener Neuesten Nachrichten melden in einem Privattelegramm aus Athen vom 3. August: Im Mittelmeer wurde das! große eng⸗ lische Truppentransportschiff„Arneuron“ dur aus dem Kriegspressequartier droht den in 8 17 3 N als na namens der Zentrumsgruppe der Oktobristen und der Na⸗ tionalisten eingebrachte Tagesordnung angenommen: Kammern und großen öffentlichen Gewalten beseitigt, die fest⸗ ein U-Boot versenkt. Der Truppenrransport und der größte Teil der Bemannung sollen ertrunken sein. Die Dardanellen-Unternehmung aufgegeben? Athen, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Mytelene wird gemeldet: Die Alliierten planen einen großen Angriff auf die kleinasiatische Küste gegenüber Mytilene, nachdem sie eingesehen haben, daß ein Vorwärtskommen auf Gallipoli ausgeschlossen ist. Das Befinden des Sultans. Konstantinopel, 4. August.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sultan ist vollkommen wieder hergestellt. Er wohnte 8 im Palast der Feierlichkeit einer religiösen Vor⸗ esung bei. Die russisch⸗türtischen Kämpfe. Konstantinopel, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Aus Erzerum wird gemeldet: Die Russen fahren fort, sich vor dem türkischen rechten Flügel zurückzuziehen, der auf der Verfolgung beständig Zusammenstöße mit russischen Nachhuten hat, die stets zu gunsten der Türken ausfallen. Die in den letzten Kämpfen gemachten russischen Gefange⸗ nen beginnen in Erzerum einzutreffen. Nach den bestimmten Aussagen russischer Gefangener ist die russische Armee in gedrückter Stimmung. 50 000 Russen, die an der Ostgrenze kämpften, hätten die Waffen weggeworfen und sich ge⸗ weigert, den Kampf fortzusetzen. Die Haltung Bulgariens. Berlin, 4. August. Nach einer Haager Meldung der„Tägl. Rundschau“ hat der bulgarische Ministerpräsident Rados la wo w einen Vertreter des„Petit Parisien“ gegenüber betont, Bulgarien wäre unter Umständen bereit, den Mittelmächten oder der Türkei seine Hilfe zu leihen. Nachdem er geäußert hatte, daß Bulgarten, bevor es handele, noch die Antwort des Vierverbandes auf die letzte kulgarische Note, in der die nationalen Forderungen Bul⸗ gariens aufgestellt werden, abwarten wolle, fuhr der Minister⸗ präsident fort: Wir wissen, daß wir nicht immer neu⸗ tral bleiben werden, aber wir werden nur für unsere nationalen Interessen kämpfen. Wir wünschen den Vertrag von Bukarest zu vernichten, zu dessen Unterzeichnung man uns mit dem Messer an der Kehle gezwungen hat. Ein Sturm im serbischen Parlament. Berlin, 4. Aug. In derserbischen Skupschtina kam es, wie die„Berliner Morgenpost“ meldet, zu einer großen Kundgebüng der oppositionellen Parteien gegen Rußland und den Ministerpräsidenten Pasitsch. Veranlassung zu den stürmischen Szenen war das Verlangen Rußlands, Durazzo zu räumen. Minister⸗ präsident Pasitsch versuchte, die Haltung Rußlands zu rechtfertigen. Seine Worte riefen einen wahren Sturm der oppositionellen Abgeordneten hervor. Nach Beendigung der Sitzung traten die Führer der Opposition zu einer Beratung zusammen. Mehrere Redner beschuldigten Pasitsch, daß er die Politik Serbiens an den Rand des Abgrundes gebracht habe und verlangten seinen Rücktritt. Die Forderung Ruß⸗ lands, daß Serbien das besetzte Gebiet an Bulgarien ab⸗ treten solle, wurde von der Versammlung mit großer Ent⸗ rüstung aufgenommen und der Ueberzeugung Ausdruck ge⸗ geben, daß die serbischen Offiziere niemals zugeben würden, daß das durch blutige Kämpfe eroberte Mazedonien an Bulgarien abgetreten werde. Ein französisches Blatt über die Absichten Rumäniens. Paris, 3. Aug.(WDB. Nichtamtlich.)„Libre Pa⸗ role“ äußert den Anf„daß man in Frankreich von jenen 1 5 Propheten befreit werde, die in der Presse und in er Oeffentlichkeit immer wieder ein Eingreifen Rumäniens bevorstehend verkünden und dadurch das Volk nur nervös machen. Der Glaube, daß Rumänien ernsthaft ein⸗ greifen werde, sei wahnsinnig und wahnsinnig sei, wer sich einbilde, daß ein kleines Land mit 400 000 Solda⸗ ten das tun könne, was das ungeheure Rußland mit seinen ungeheuren Hilfsquellen nicht tun konnte. An ein Eingreifen Rumäniens sei nicht zu denken, solange nicht die Alliierten die Offensive ergreifen könnten. . 3* Der Beschluß der russischen Duma. Petersburg, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Die Duma hat folgende von dem G, rafen Bobrinsky Die Reichsduma verbeugt sich vor den glorreichen und bei⸗ spiellosen 1 unserer tapferen Armee und Flotte; sie be⸗ stätigt, daß die Armee trotz aller militärischen Miß⸗ geschicke bei der ganzen Bevölkerung des Reiches den un⸗ erschütterlichen und einmütigen Entschluß gestärkt hat, mit den treuen Verbündeten den Kampf bis zum Enderfolg zu führen und keinen Frieden vor einem vollständigen Siege zu schließen. Sie erklärt, daß ein schnellerer Sieg durch den einmütigen Beistand der ganzen Bevölkerung und durch die Schaffung neuer Kampf⸗ mittel erreicht werden soll; sie fordert die Befestigung des inneren Friedens, Beruhigung und Vergessen des einstigen politischen Kampfes, sowie wohlwollende Aufmerksamkeit der Behörden gegen über den Interessen aller loyaler russischen Bürger ohne Unter⸗ schied des Namens, der Sprache und der Religion; sie hält dafür, daß nur eine innige Einigkeit zwischen dem ganzen Lande und einer sein volles Vertrauen genießenden Regierung zu einem schnellen Siege führen kann, und indem sie die unerschütterliche Zuversicht ausspricht, daß die bisher in den Armeelieferun⸗ gen bestehenden Fehler unverzüglich mit Hilfe der gesetzgebenden gestellten strafwürdigen Mängel gut gemacht und die Urheber der Vergehen von den gesetzlichen strengen Strafen getroffen werden, wie immer auch ihre amtliche Stellung sein möge, geht sie zur Tagesordnung über. Rodzianko, der mit 296 gegen 24 Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, hielt hierauf eine Rede, in der er sagt: Der Krieg einigt uns; er hat alles verschwinden lassen, was uns trennte, indem er alle Vertreter des großen Rußland zu einem festen Ganzen vereinigte mit dem ein⸗ zigen Ziele: dem Siege. Er sprach den aufrichtigen Wunsch aus, daß die freundschaftlichen, auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Beziehungen, die jetzt gebildet sind, zwischen allen Parteien nach dem Kriege fortbestehen mögen. Berlin, 4. Aug. Einer aus Petersburg indirekt empfange⸗ nen Meldung der„Vossischen Zeitung“ zufolge schreibt der „Rußkij Invalid“, man werde wohl nicht nur Warschau, sondern auch die Festungen Jwangorod und Nowo-Geor⸗ giewsk aufgeben müssen. Es sei zuzugeben, daß der Feind den Russen durch unerschöpfliche Vorräte an Handfeuerwaffen, Ge⸗ schützen und Munition hoch überlegen sei. Das russische Volk müsse Optimismus verhöhnen wird. Wir wollen darüber auch nicht strei⸗ ten. Es gibt Leute, die einer anderen Strategie zugeneigt sind. aber welche ist die richtigere? * 8 Belgien. 5 0 Le Havre, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Als Ant⸗ wort auf die Anschuldigungen, welche die deu che Regie⸗ rung gegen Belgien vorgebracht hat, veröffentlicht die bel⸗ gische Regierung ein Graubuch mit Dokumenten, welche zeigen, daß Deutschland vier Monate vor dem Kriege Frankreich vorschlug, den belgischen Kongo mit ihm zu teilen und Belgien von der Liste der un⸗ abhängigen Nationen zu streichen.(Die n Regie⸗ rung hätte die Enthüllungen nicht am Jahrestage der Kriegseröffnung, April veröffentlichen sollen.) Eine Kundgebung der Bevölkerung Brüssels? Amsterdam, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das „Echo Belge“ sagt, die Brüsseler Bevölkerung werde am 4. August als Kundgebung ein Stück zerrissenes Papier sondern am 1. deutschen Reichskanzlers.. 5 Es wäre eine Kinderei, die Deutschland belächeln müßte. Die Brüsseler dürften sich aber nicht wundern, wenn der Kanzler einen ihm gut dünkenden Gegenhebel ansetzen würde. „ Der Seekrieg. Cuxhaven, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Heute morgen wurde das amerikanische Vollschiff„Paß of Balmaha“ durch einen Unteroffizier eines deutf Unterseebootes, das ihn nördlich von Schottland als Prisen⸗ besatzung an Bord gesandt hatte, hier ein gebracht. Wäh⸗ rend der i einmal schlief, nahm der Kapitän des Vollschiffes, das mit Baumwolle nach Archangelsk bestimmt war, sofort Kurs nach der englischen Küste. Er wurde aber durch den Unteroffizier alsbald gezwungen, wieder umzukehren. Nach dem Einlaufen in Cuxhaven stellte sich heraus, daß das Schiff bereits eine englische Prisen⸗ besatzung von einem Offizier und vier Mann an Bord hatte, als der deutsche Unteroffizier sich einschiffte. Die englische Prisenbesatzung zog es jedoch vor, sich gesichts des einen deutschen Unteroffiziers in einem der unteren Räume des Schiffes zu verbergen und wurde erst in Cux⸗ haven dort aufgefunden. Die Argonnenkämpfe vom 20. Juni bis 2. Juli.. IV. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Erst nach mehereren Tagen läßt sich die Beute dieser Kampf⸗ tage vom 30. Juni bis 2. Juli überblicken: 37 Offiziere, darunter 1 Major und 4 Hauptleute, 2519 Mann von Truppen 3, ver⸗ schiedener Divisionen, 28 Maschinengewehre, mehr als 100 Minen⸗ werfer, 1 Revol verkanone, annährend 5000 Gewehre, mehr als 30.000 Handgranaten, mehrere Pionierparks und Munitions⸗ Munition und Kampfgerät aller Art. depots voll von Waffen, 8. Juli wurden etwa 1600 gefallene Franzosen beerdigt. Rechnet man die Gefangenen vom 20. Juni bis 2. Juli auf rund 3200 Offiziere und Mannschaften, die Toten und unaufgefundenen Verschütteten auf 2000, so ergibt sich mit der geschätzten Zahl der Verwundeten als Gesamtsumme der französischen Verluste während dieses Kampfabschnittes 7000 bis 8000 Mann. Die militärische Bedeutung des Erfolges liegt im Gewinn einer günstigen, überlegenen Stellung, in der außerordentlich hohen Zahl der feindlichen Verluste und im Festhalten starker französischer Kräfte, die nach Aussage von Gefangenen zum Teil bereits zum Abtransport und zur Verwendung an anderen Stellen der Heeresfront bereitgehalten worden waren. Gleich schwerwiegend ist der moralische Erfolg: die Truppe hat im 6 82 Ringen dieser Tage wieder gespürt, daß sie noch genau o draufgehen kann, wie früher. Von neuem hat sich das feste Vertrauen der Waffen untereinander und das Band der innigen, treuen Kameradschaft zwischen Offizieren, Unteroffizieren und Mannschaften als stahlhart erwiesen. Wenige Tage später, am 9. Juli, waren Abordnungen sämt⸗ licher an den ruhmvollen Kämpfen vom 20. Juni bis 2. Juli beteiligten Regimenter, etwa 2000 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, südöstlich Langon am Rande der Argonnen zu feierlichem Dankgottesdienst in stiller Waldschlucht vereint, um dem obersten Lenker der Schlachten die Ehre zu geben und im Namen Seiner Majestät des Kaisers durch den hohen Armee⸗Führer die wohlverdienten Eisernen Kreuze zu empfangen. Ein strah⸗ lend blauer Himmel wölbte sich über den in weitem Viereck aufgestellten Truppen, deren mit frischem Eichenlaub geschmückte hnen einen aus Birkenholz gezimmerten Feldaltar zu beiden eiten säumten. Als der Divisionsgeistliche in zündender Rede darauf hinwies, daß der e Siegeszug im lich geworden sei, weil in dem festgefügten Bollwerk des Westens nie verzagte, treue, schlichte Helden in unerschütterlichem, nim⸗ mer müden, selbstlosen Kriegstum den unaufhörlichen Angriffen der überlegenen Feinde eiserne Schranken setzten, und selbst diese Leistungen durch die letzten kühnen und erfolgreichen Kämpfe in den Argonnen übertroffen wären, da leuchteten auf den hart gewordenen Soldatengesichtern all der Tapferen Befriedigung und k gegen die Vorsehung, die sie zu dieser blutgetränkten, ehrenvollen Walstatt geführt hatte. Reiche Anerkennung zollte auch der Kronprinz in knappen Worten dem mustergültigen Ver⸗ halten der erprobten Truppen, die nach monatelangem Stel⸗ lungskampfe altpreußisches und württembergisches Draufgehen nicht verlernt hatten und die einst in frischem, allseitigem Angriff erneut dem Feinde entgegen zu führen, sein e sei. Diesen 3 er mit einem dreifachen Hurra auf Seine Majestät den Kaiser und den König von Württemberg. An⸗ schließend verteilte der Kronpeinz an 600 Eiserne Kreuze, schüttelte jedem der braven Krieger die Hand und ließ sich über seine Erlebnisse und Erinnerungen berichten. Zum Schlusse der Feier fand ein Parademarsch statt. In ausgezeichneter Haltung und strammem Tritt zogen die Truppen an ihrem Kronprinzlichen Führer vorbei; der bärtige Landsturmmann neben dem jüngsten Rekruten unter den Klängen des York'schen Marsches und dem wieder laut dröhnenden Donner der deutschen und französischen Geschütze; stolze Siegesfreude und Siegeszuversicht in aller Augen, in denen geschrieben stand:„Wir haben den Franzmännern mal wieder gezeigt, wie deutsche Fäuste dreschen können.“ Aus dem Reiche. Berlin, 3. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Berliner „Lokalanz.“ meldet aus Bremen: Kapitänleutnant von Mücke feierte auf dem Gute seines Schwiegervaters bei Bremen seine Hochzeit. Die Mannschaften des Landungs— zuges der„Emden“ wohnten der Trauung bei. Berlin, 4. Aug. Die Volkszählung von 1915, die nach einer früheren Meldung am 1. Dezember 1915 statt⸗ finden sollte, wird, wie das faiserliche statistische Amt dem„Ber⸗ ein Zeugnis strategischer Reife ablegen und der russischen Heeres⸗ liner Tageblatt“ mitteilt, in diesem Jahre nicht abgehalten wer⸗ NN leitung glaiwen. Das amtliche Blatt schließt mit Worren de⸗ den zeichnender Selbsterkenntnis: Wir wissen, daß man wieder unseren als Abzeichen tragen als eine Anspielung auf die Rede des der R sten nur mög⸗ dur. 5 soll die Frage der Volkszählung bis nach Fr 25 ke ofen, 3. Ang.(B28. Kichtamtlich) Die Heier der osen, 3. Aug. 5 amtlich. F. 1 5 hundertjährigen Zugehörigkeit der Provinz Posen zu Preußen wurde gestern abend durch einen Festakt in der historischen Halle des alten er⸗ öffnet. Professor Herrmann hielt die Festrede und Ober⸗ bürgermeister Dr. Wilms brachte das Kaiserhoch aus. Daran schloß sich die feierliche Nagelung des vom Provin⸗ zialverein des Roten Kreuzes gestifteten, im Zoologischen Garten aufgestellten Wehrmanns. Oberpräsident von Eisenhardt-Rothe schlug den vom Kaiser e gol⸗ denen Nagel, mit Namenszug als erster ein. Weitere Nägel hatten Generalfeldmarschall Hindenburg und General⸗ stabschef Ludendorff gestiftet. Telegramme wurden an den Kaiser, Hindenburg und Ludendorff abgesandt. b Aus Hessen. Vom Kriegsausschuß der Zweiten Kammer. rb. Darmstadt, 3. Aug. Der r ber der Zweiten Kammer der Stände trat heute vormittag 10 Uhr zun Abhaltung seiner zweiten Sitzung zusammen, der als Vertreter egierung die Herren: Minister des Innern. v. Hom⸗ bergk, Ministerialrat Schliephake und Geh. konomie⸗ rat Müller beiwohnten. Zur Beratung stand in erster Linie die Frage der Kartoffel versorgung. Erstattung eines kurzen Berichts über die gegenwärtige Lage des Kartoffel⸗ marktes und die Aussichten der bevo ffelernte wur⸗ den von verschiedenen Abgeordneten die Mißstände gerügt, die im verflossenen Jahre bei der Versorgung der Bevölkerung mrit Kar⸗ toffeln, besonders in den Städten, zutage getreten sind. Eine Reihe von Vorschlägen, durch welche für die Zukunft die Mißstände verhütet werden könnten, wurden besprochen. Dabei traten zwei entgegenstehende Ansichten zu Tage. Eine Minderheit vertrat chen 555 Meinung, daß vorläufig keinerlei Maßnahmen für die Ver⸗ sorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln no i mehrere andere Abgeordnete die alsbaldige e preisen, sowohl für den Produzenten, wie auch sütr den Groß⸗ und Kleinhandel, für notwendig erachteten. Auch eine. der Kartoffelbestände sei notwendig, wenn die H. t am sein sollten. Es müsse mindestens ein Ei an unter Kontrolle festgestellten Beständen vorgesehen werden. Weiter wurde betont, daß die Maßnahmen so A werden müßten, daß sie nicht leicht umgangen werden könnten. Besondere Vor⸗ kehrungen seien gegen unreelle Zwischenhändlergewinne zu treffen. Auch die Frage eines Ausfuhrverbots für Hessen wurde erörtert. Vertreter der Regierung gingen auf die aufgeworfenen Fra näher ein und teilten auf verschiedene Anfragen mit, daß für die neue Kartoffelernte und zwar für die vor dem 15. Aug. e e 1 12 5 2 Bundesra 31. März d. J. Höchstpreise festges ind. die Herbsternte habe sie ein Verbot des e e diesfibrigen Ernte angeregt. Mit allen anderen Maßnahmen soll bis nach dem Ergebnis der in Aussicht genommenen ufnahme ge⸗ wartet werden, weil sie ja vielfach durch die letztere bedingt sein müssen. Daß die ungünstigen Erfahrungen des letzten Jahres bei der Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln demnächst bei den zu treffenden Maßnahmen verwertet werden würden, sei selbstverständlich. Eine Beschlagnahme aller Bestände an Kartoffeln, etwa durch die Kommunalverbände, wie dies bei der Getreideernte der Fall ist, hält die Regierung für sachlich nicht zweckmäßig und filr technisch undurchführbar. Dagegen sei eine Enteignung im Falle unde Stand t für Hessen e⸗ Ueberteuerung der Kartoffeln schon nach dem Gesetzgebung wohl durchführbar. Ein Aus egierung als ungesetzlich abgelehnt. Die Bespr e ge⸗ wurde von der i 8 chung über die Kartoffelfrage wurde heute noch nicht zu Ende Jeden Tag werden neue Beutestücke aus den verschütteten Unter⸗ führt, sondern rtgesetzt werden 1 2 ständen und unterirdischen Depots zu Tage gefördert. Bis zum 1 be eee Ane 3 1 fol. Weiter kommt in der morgigen Sitzung die Frage der Ber⸗ Ir mit Petroleum und mit Obst und Gemüse zur Verhandlung. Alsdann soll der Antrag Molthan, Dr. Zuck⸗ meyer und Genossen bekr. Besteuerung der Kriegs gewinne und der Antrag Dr. Schmitt und Genossen über die Gewährung von Steuernachlaß während des Krieges in Beratung ge⸗ nommen werden. Die Sitzung dehnte sich bis kurz vor 2 Uhr aus. Aus Stadt und Cand. f Gießen, 4. August 1915. Einkauf und Verkauf von Gegenständen des Wochenmarktverkehrs. Der Stellvertretende kommandierende General des 18. Armeekorps hat folgende Verordnung erlassen: Auf Grund des ß 9 des Gesetzes über den Be ageriggszzustand vom 4. Juni 1851 bestimme ich für den Bezirk des 18. Armee⸗ 1 Ausnahme des Befehlsbereichs der Festungen Mainz un enz: 1. Auf allen Wochenmärkten(Markthallen) ist der Einkauf Zwischenhändler sowie der Verkauf an Zwischenhänd⸗ t von 10 Uhr vormittags an erlaubt. 2. An Wochenmarkttagen ist außerhalb des Wochenmarkts der Verkauf von Gegenständen des Wochenmarktverkehrs, die von auswärts zum Marktorte gebracht werden, an Zwischen händler 2 der Ankauf durch Zwischenhändler bis zum Marktschlusse erboten. Hierunter fällt nicht die mäßige Lieferung bestellter n Wee 1 ihren Wohnhäusern und Klein 1 75 3. Zuwiderhandlungen 1—— die vorstehenden Bestim mungen werden gemäß 8 9 b des setzes über den Belagerungszustand Feste 7 1851 mit Gefängnis bis zu einem Jahre estraft. i 12 Der Kommandierende General: gez.: Freiherr von Gall, General der Infanterie, * Diese neue Verordnung des stellvertretenden General⸗ kommandos bedeutet eine Ergänzung der früheren Ver fügungen gegen den Lebensmittelwucher sowie der neuen auf den glei Gegenstand bezi 95 Ven Bundesratsverord⸗ „diese dur ler nung; sie dürfte geeignet sein, Bestimmungen wirksam n. Die Verhältnisse auf dem Wo a0 zu unterstütze Gießen werden durch die neue Verordnung nicht direkt tsverordnung markt in getroffen, da bekanntlich vor etwa drei Wochen die hiesige Marktpolizeiverordnun den ist, daß auf dem Gießener nmarkt der gewerbs⸗ mäßige Einkauf von Gegenständen des Wochenmarktverkehrs sogar während des ganzen Markttages, nicht nur vor 10 Uhr morgens, verboten ist. Es ist anzunehmen, daß diese Bestimmung, da sie die gleichen Ziele wie das Generalkommando verfolgt, ohne weiteres fortbesteht. Sie schon dahin ergänzt wor⸗ das Generalkommando für Zuwiderhandlungen auch seiner⸗ seits Gefängnisstrafen androht. 20 *** Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Rittmeister und Eskadr.-Führer Hubert von Enke Drag.⸗Rgt. 23, aus Darmstadt.— Musk. Karl Bill, Del. Ju Rgt. 221, aus Mauenheim.— Gardeschütze Wilh. Messer⸗ schmidt, Feld⸗Masch.⸗Gewehr⸗Abt. 140, aus Ulm, Kr. Wetzlar. — Musk. Heinrich Ehrhardt, Inf.-Rgt. 168, aus Ostheim bei Butzbach. erfährt nur insofern eine bedeutsame Unterstreichung, als * ina r den Nube⸗ am 14. Juli d. hrer Sch . f 1511 e 9 fe Hr re 05 n 0.— e Gr 4. Juli d. J. dem Lehrer Heinr. Sch en e eee anläßlich seiner Versetzung in den Ruhestand das Sil⸗ berne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit . 85* 1 1 7 agen wurde am 17 5 3 2 1 amtsaspiranten o Jung aus Holzheim die erledigte Lehrerstelle an der Volksschule zu Glenmenhal 5 Kreis Alsseld. 905 n * Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen an Adam Lem b VI. zu Hechtsheim. 1 Ein Urteil über das Gießener Gefan⸗ genenlager in der„Times“. Der englische Staats⸗ sekretär des Aeußern veröffentlicht durch das Pressebureau einen Bericht der amerikanischen Gesandtschaft in Berlin über die Besuche, die ein Beamter dieser Gesandtschaft ver⸗ Ueber das Gießener Lager urteilt er besonders günstig („Times“ vom 30. Juli 1915):„Mein Besuch in diesem Lager bestätigte den ersten Eindruck: es ist eines der best— organisierten, saubersten und zufriedensten Lager die ich besucht habe. Es waren nur britische und französische Gefangene da, außerdem ein paar Belgier; die Russen waren alle fortgebracht worden. 1700 britische Sol⸗ daten waren hier interniert, und von diesen waren 450 Kanadier.“ *Gedenkstein auf dem Windhof. Die im eee Windhof untergebrachten Soldaten haben ihren gefallenen Kameraden mit eigener Hand einen Gedenkstein errichtet, der jetzt fertiggestellt ist und einen künstlerischen Eindruck macht. Die feierliche Einweihung wird am kommenden Sonntag, nachmittags 4 Uhr, statt⸗ finden. Anschließend findet Bewirtung der Verwundeten und Gäste statt, wobei die Musikkapelle des Landsturm⸗ bataillons Gießen spielen wird. * Wer sich nicht nach der Decke streckt... Bei Beschlagnahme des Brotgetreides wurde bekanntlich den Landwirten als sogen. Selbstversorgern so viel Frucht bzw. Mehl. belassen, als sie mit ihrer Familie nach der amtlichen Feststellung bis zum 15. August zu beanspruchen hatten. Nun können viele dieser Selbstversorger mit ihrem Vorrat nicht auskommen, weil sie es nicht verstanden, sich ihren täglichen Bedarf an Brot 1 11 uteilen, sondern unbekümmert wie Rin Friedenszeiten lustig drauflosaßen. So tritt jetzt häufig der Fall ein, daß diese Sorglosen ihren letzten Rest an Mehl verbacken haben und nun eine Zeitlang ohne Brot und Mehl ind. Da ist nun guter Rat teuer, denn die Annahme, sie könnten jetzt Brotkarten beanspruchen, ist gefehlt, denn weder Bürgermeister noch Kreisamt können über das vom Bundes⸗ rat festgesetzte tägliche Brot⸗ bezw. Mehlquantum hinaus⸗ gehen. Und wenn sich nicht ein guter Nachbar, der vielleicht etwas von seinem Vorrat enkbehren kann, erbarmt, so miüssen die Kartoffeln das Brot ersetzen, bis wieder durch die neue Ernte erneute Zuweisung erfolgt. „* Die Obsternte ist in diesem Jahr im Kreise Gießen, soweit Aepfel und Birnen in Frage kommen, nicht nur sehr reichlich, sondern die Früchte sind, wie seit Jahren nicht, schön ausgewachsen, sauber und klar. Blattläuse und Blutläuse, welche 8 Obstbäume mehr oder weniger Wheimgesucht haben, kennt man heuer ebensowenig wie ein Fleckig⸗ oder Schorfigwerden der Früchte. n nach dieser Richtung unsere diesjährige Ernte Stimmung ge⸗ macht wird, 5 entspricht dies nicht den Tatsachen. 1* Strafkammer⸗Ferien. Die Strafkammer, welche seit acht Tagen nicht verhandelt hat, beginnt die nächste Sitzung erst wieder am 17. August. Beschäftigungstellenloser Handlungs⸗ gehilfen beiden Staats⸗ und Gemeindebehör⸗ den. Der Deutschnationale Handlungsgehilfenver⸗ band in Hamburg und Wien hat Klage darüber geführt, daß stellenlose Handlungsgehilfen, besonders ältere, mit Gesuchen um aushilfsweise Beschäftigung bei Staats- und Kommunalbehörden wenig Erfolg haben und zwar teilweise auch darum, weil man sich scheue, Personen einzustellen, die noch landsturmpflichtig sind und somit noch zum Heere eingezogen werden können. Die Angehörigen des Kaufmannsstandes seien jedoch vielfach gerade besonders ge⸗ eignet, augenblicklich bestehende Lücken auszufüllen, da sie sich das zur Versehung des Dienstes Erforderliche leicht anzueig⸗ nen wüßten. Die von den maßgebenden Stellen hierauf ge⸗ troffenen Anordnungen empfehlen den unterstellten Be⸗ hörden, alle an sie gerichteten Gesuche nach Möglichkeit zu berücksichtigen, mit dem Bemerken, daß die Heranziehung von ungedienten Handlungsgehilfen nicht die Beschäftigung von Kriegsin validen beeinträchtigen darf. Landkreis Gießen. 0 Wieseck, 3. Aug. Finanzamtsaspirant Ad. Weller von hier wurde zum Hauptsteueramtsassistenten ernannt. — Utphe, 3. Aug. Als erster in unserer Gemeinde erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse der Wehrmann Gefreiter Karl Weber. 2 82 Kreis Büdingen. fc. Büdingen, 3. Aug.„Damit sie zusammen Brot hätten, ging Ruth zur Zeit der Ernte aufs Feld und las die Aehren susammen, die liegen bliehen“, so berichtet die Bibel und so ollte es in den schweren Kriegszeiten heuer auch gehalten werden. Die Landwirte im Kreise Büdingen aber klagen sehr, daß vielfach die Aehrenleser Teile aus den im Felde stehenden Frucht⸗ haufen oder aus den Garben herausnehmen und mit⸗ gehen heißen. Die Feldschützen sind deshalb von der Behörde angewiesen worden, daß diese Mißbräuche beim Aehrenlesen an⸗ ezeigt werden, damit die biblischen Zustände wieder Platz greifen. 63 sei denn, daß ein Landwirt als„Boas“ sich zeigt. Kreis Alsfeld. 2 OStorndor], 2. Aug. Bei einem Gewitter, das Samstag mittag über unsere Gegend zog, schlug der Blitz in die Wirtschastsgebäude des Landwirts Johannes Weiß III. von hier, ohne jedoch zu zünden.. Kreis Lauterbach. O Aus dem oberen Vogelsberg, 3. Aug. Die Wirkung des anhaltenden Regens macht sich jetzt auf unseren Höhen wunderbar bemerkbar. Die Wiesen, die noch vor kurzem ollständig rot gebrannt waren, haben nun ein üppiges Grün be⸗ kommen, und man findet sich sast in die Frühlingszeit zurückversetzt; nur sehlt der herrliche Blütenstand. Es wird noch ziemlich viel Grummet gemäht und geerntet werden können, und mancher Land- wirt wird dadurch den Mangel an Heu zum großen Teil wieder usgleichen können.: Kreis Schotten. n A Laubach, 2. Aug. Zu längerem Ferienanfenthalt ind unter Aussicht einer Lehrerin 20 Schülerinnen aus Gießen im Gasthaus zum„Solmser Hof“ eingetroffen.— Musketier Heinrich Greaf vom Infanterie-Regiment 254 ist in i Rußland den Tod fürs Vaterland gestorben. Kreis Friedberg. fc. Bad⸗Nauheim, 3. Aug. Die Eheleute Philipp etzinger im nahen Langenhain feiern am 4. August, 5 äserff äser zu Wisselsheim, Kreis] Ta, schiedenen Gefangenenlagern in Deutschland abgestattet hat.] h * und geistig rustig, das Goldene Hochzeits h. Bad Vilbel, g. Aug. Durch Generaloberarzt Dr. Over⸗ weg ⸗Kassel und Stabsarzt Dr. Achert⸗ Friedberg fand dieser ge eine eingehende Besichtigung des hiesigen Sprudels und Sprudel bades sigtt. Die Unterfuchung hatte das Ergebnis, daß in Zukunft die Sprudelbäder an kurbedürftige Soldaten verabfolgt werden sollen. Später unterzogen die Militärärzte das rett einer eingehenden Besichtigung. Starkenburg und Rheinhessen. rb. Darmstadt, 3. Aug. Die Anklagen und Be⸗ strafungen gegen Bäcker, die gegen die Vorschriften des Bundesrats über den Mehl- und Brotverkauf verstoßen, mehren sich auch in Darmstadt in ganz außerordentlicher Weise. So stehen z. Zt. nicht weniger als etwa 40 Anklagen gegen Bäcker⸗ meister bevor, von denen mehrere, da sie schon wiederholt wegen Verstoßes gegen diese Vorschriften mit Geldstrafen belegt worden 5 jetzt nicht unerhebliche Gefängnisstrafen zu erwarten gaben n. Offenbach, 2. Aug. Hier kamen mit einem Lazarettzuge 48 Austauschgesangene an, die sämtlich im Stadtkrauken- hause untergebracht wurden.— Vier hiesige erfahrene Kranken— schwestern reisten heute nach Konstantinopel, um dort in der Verwundetenpflege tätig zu sein.— Da in dem hiesigen Postamte sich intensiver Gasgeruch bemerkbar machte, so leuchtete der Hausmeister Hähnlein die Leitung an der Decke mit einem brennenden Zündholz ab. Dabei entstand plötzlich eine heftige Exploston, wobei die Zimmerdecke stark beschädigt wurde und die beiden Fenster in Trümmer gingen. Auch erlitt der Hausmeister derart erhebliche Brandwunden, daß er sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Im ersten Schrecken 1 1 die Bewohner des Postplatzes allgemein an einen Flieger— erfall. 0 fe. Klein⸗Krotzenburg, 3. Aug. Zwei französische Kriegsgefangene sind hier aus ihrem Unterkunftsraum entwichen. Beide sind nur der französischen Sprache mächtig. Kreis Wetzlar. Hochelheim, 3. Aug. Der im Jahre 1905 gegründete Turnverein hatte sich bisher gut entwickelt; er zählte bei Aus- bruch des Krieges bereits 118 Mitglieder. Bis jetzt stehen 56 Turner im Felde, davon sind zwei gefallen, zwei gelten als vermißt, einer wurde mit dem Eisernen Kreuz und einer mit der Hessischen Tapser— keitsmedaille ausgezeichnet. Da wieder 17 der Schule entlassene Jungmannschasten aufgenommen wurden, so geht der Turnbetrieb ungehindert weiter. O Kröffelbach, 3. Aug. Im Alter von 70 Jahren st arb Gemeindevorsteher Bangel und wurde heute unter großer Be— teiligung zu Grabe getragen. Hessen-Nassau. ll Marburg, 3. Aug. In der gestern abend abgehaltenen Stadtverordneten-Versammlung wurde beschlossen, von der Regierungs verfügung, nach welcher zu den Stadtverord— neten-Ergänzungswahlen von einer Berichtigung der Liste der stimmsähigen Bürger abgesehen werden kann, Gebrauch zu machen und die letzte endgültige Liste vom Jahre 1914 gelten zu lussen. Ferner foll der Magistrat ersucht werden, zu beantragen, daß der am 1. Januar 1916 ablausende Beschluß, es wie bisher bei 30 (statt 36) Stadtverordneten zu belassen, auf weitere zwei Jahre Geltung erhält. Unter Vesschtedenem wurde gewünscht, daß der Magistrat Vorkehrungen tresse, die Wucherpreise für Lebens- mittel, besogders auf den Wochenmärkten, zu beseitigen. Auf den Dörsern würden den Bauern 1,20 Mk. für Butter und 12 Pig. für Eier bezahlt, hier koste die Butter 1,50— 1,80 Mk. und die Eier 15—16 Pfg.; bei den Kartoffeln, die mit 3 Mark gut bezahlt seien, verlange man das Doppelte und noch mehr. Das seien Wucherpreise, die nicht zu entschuldigen seien. Diese Uebel⸗ stände abzuschaffen, liege auch im Interesse der im Felde stehenden Krieger, die von ihren Angehörigen, die unter solchen Verhältnissen verarmten, nicht mehr unterstützt werden könnten. Seitens der Vertreter der Stadt wurde darauf hingewiesen, daß in aller Kürze die Städte gemeinsam gegen diese Wucherpreise vorgehen dürften. h. Frankfurt a. M., 3. Aug. In einem kurzen Festakt wurde heute mittag der Zoologische Garten von der Stadt übernommen. Der Magistrat war durch Oberbürgermeister Voigt und mehrere Stadträte vertreten. An den bestehenden Verträgen des Gartens mit den Angestellten wird nichts geändert. — Seit Montag abend 6 Uhr steht das mehrere tausend Zentner Briketts enthaltende Kohlenlager der Kohlenhandlung Müller u. Sinning in der Lindleystraße in Flammen. Die Feuerwehr kann sich nur auf die Verhütung einer weiteren Ausdehnung des altigen Brandherdes beschränken. Als Entstehungsursache des andes wird Selbstentzündung angenommen. l. Frankfurt a. M., 3. Aug. In den Räumen des Kunst⸗ vereins wurde heute mittag eine Ausstel lung eröffnet, die in etwa 250 Bildern den„Taunus im Bilde“ zum Gegen⸗ stand hat. Die mit erlesenem Geschmack zusammengestellte Schau bietet neben ihrem künstlerischen Interesse auch einen fesselnden Ueberblick über die Geschichte der„Taunus malerei“. Mit dem ältesten Bilde wartet das Historische Museum auf, einer Ansicht der Taunuskette von Adam Elsheimer um 1600. Wenige Jahrzehnte später stellte Merian seine Kupferstiche her, die in verschiedenen 1— Motive aus dem Taunus behandeln, allerdings im Zusammenhang mit Orts⸗ und Burgenansichten. Sehr spärliche und bedeutungslose Taunusbilder zeigt das 18. Jahr⸗ hundert. Bemerkenswert sind aus dieser Zeit nur eine Zeichnun Goethes und ein Stich Radl's, der eine„Wirtschaft am Walde“ darstellt. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bricht die Blütezeit für das Taunusbild an. In Cronberg entstand die Malerkolonie: Burnitz, Tielmann, Maurer und Anton Burger. In reicher Fülle bannten diese die schönsten Landschaftsbilder des chtaunus und der am Fuße des Altkönig und Feldbergs be⸗ legenen Städte, Burgen und Dörfer auf die Leinwand. Dann sind aus der Jetztzeit in langer Reihe vertreten die Maler Morgen⸗ stern, Hans Thoma, Wilhelm Steinhausen, Prof. Brütt, Boehle, Altheim, Eysen, Kinsley u. a. Von Max Liebermann ist die „Schlangenbader Allee“ ausgestellt. Wenn naturgemäß auch der Südrand des Gebirges am häufigsten im Bilde vertreten ist, so finden sich doch zahlreiche Motive aus den entfernteren Taunus⸗ gegenden, vor allem die Lahngebiete. X. Hanau, 2. Aug. ie im Schützengraben Sinn für Humor vorhanden ist, bezeugt folgender Vorgang. Ein jüngerer Landsturmmann hatte in einem hiesigen Blatte ein Inserat er— lassen, in dem er in ruhigem Haushalte ein hübsches gemütliches Zimmer suchte. Prompt lief bet der Geschästsstelle des Blattes von Hanauer Reservisten aus einem französischen Schützen- graben ein Angebot ein, in dem ein entsprechendes Zimmer empfohlen wurde, gelegen in vorderster Linie mit 300 m Distanz vom Feinde, abends mit Rattenpolonaise und Igeltanz, unter Mit- wirkung von Geschütz- und Insanterieseuer mit Fliegerbomben. X Melsungen, 2. Aug. Die hier erscheinenden„Hessischen Blätter“, Organ der hessischen Rechtspartei, sind vom stell— vertretenden Generalkommando des 11. Armeekorps nach vorher— gegangener fruchtlos gebliebener Verwarnung unter Vorzensur gestellt worden. ö a Aus dem Main ⸗Rheingebiet, 3. Aug. Eine über⸗ aus reiche Obsternte ist heuer zu erwarten, vor allem scheinen die Birn⸗ und Aepfelbäume die Last kaum tragen zu können. Die wetschen haben leider nach reichlicher Blüte einen ziemlichen Aus⸗ sall erlitten. Die Nachtfröste im Mai sind dieses Jahr ausgeblie⸗ ben, infolgedessen ein guter Fruchtansatz sich ausbildete. Der in den Morgenstunden des 13. Mai in einzelnen niederen Lagen im Maintal und im Rheingau eingetretene Frost(— 2e) hatte nur z. unbedeutende Schäden im Gefolge. Die Hauptsache ist es nun ß dafür gesorgt wird, das Obst richtig ausreifen zu lassen und es nicht, wie es so häufig geschieht, in nicht ganz reifem Zu⸗ stande einzuheimsen. X. Bad Orb, 1. Aug. Der Bürgermeister der Stadt Bad Orb Dr. Dahmann, hat eine Bekanntmachung erlassen, in der da⸗ Verhalten eines Teiles der weiblichen Bevölkerung den Kriegsgefangenen gegenüber scharf verurteilt wirß. Diese Bekanntmachung lautet:„Kaum sind 14 Tage vergangen, seitdem die von der Stadtverwaltung für die landwirtschaftlichen Arbeiten der Bevölkerung angenommenen hier eingetroffen sind und schon wird auch hier i ar geführt, daß sich weibliche Personen an Kriegsgefangene herandrängen und mit ihnen anzubändeln versuchen, auch in späten Abendstunden. Die Schamlosigkeit solcher Weibspersonen verdient allgemein schärfste Verurteilung. Ich sehe mich deshalb veranlaßt, schon heute, und zwar auf Ersuchen der hiesigen Kommandantur, zu ex⸗ klären, daß die Namen solcher schamlosen Weibs personen, welche mit Kriegsgefangenen anzubändeln oder gar mit ihnen in Ver⸗ kehr zu treten suchen, veröffentlicht werden, damit die⸗ selben der allgemeinen Verachtung preisgegeben werden. Da⸗ mit dieselben aber an ihrem Vorhaben jeden Geschmack verlieren, ersuche ich die gesamte Bevölkerung, mich dadurch zu unterstützen, daß solche Weibspersonen sofort bei der Polizeiverwaltung zur Anzeige gebracht werden.“ l Aniversitäts⸗Nachrichten. Berlin 3. August.(WTB. Nichtamtlich.) Die philosophische Fakultät der Berliner Universität hat den Geheimen Regierungs⸗ rat Dr. Wilhelm Siemens an seinem 60. Geburtstag zu ihrem Ehrendoktor ernannt in Würdigung seiner großen Ver⸗ dienste in der von ihm geleiteten Gesellschaft, ebenso wie durch zahlreiche von ihm angeregte Erfindungen um das Vaterland in Krieg und Frieden erworben hat. Märkte. 1 je. Frankfurt a. R. Schweinemarkt bericht vom 4. Aug. Ausgetrieben waren 406 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 130.00— 133.00 Mk., Schlachtgewicht 158.00— 160.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 125,00 130.00 Mk, Schlachtgewicht 150.00— 155.00 Mk. vollfleischige Schweine von 100—120 Lebendgewicht 130.00 133.00 Mk., Schlachtgewicht 158.00— 160 Mk., vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht 130.00 133.00 Mk., Schlachtgewich! 158.00—160.00 Mk. Geschäft langsam. le. Frankfurt a. M., 4. Aug. Fruchtmarkt. Gerste, rumänische, 71—73 Mk., Kokoskuchen 65—68,00 Mk., Kleie 52 bis 53 Mk., Mais 6263,00 Mk. Stimmung fest. Kartoffeln 1616,25 Mk. ab Wetterau; ausländische Kartoffeln 16 Mk. inkl. Sack sranko. se. Frankfurt a. M., 3. Aug. Auf dem heutigen Heu⸗ und Strohmarkt war nichts angefahren. E Fulda, 1. Aug. Auf dem gestrigen Schweinemarkt waren 215 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden je nach dem Alter 17, 23 und 30 Mk. pro Stück. Bei schwachem Auftrieb war trotz etwas zurückgegangener Preise der Handel schleppend. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 2. August 1915. Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. — Fleischpreise in Gießen Ochsen 50 Kg. Schlachtgewicht ½ Kg. 112—116 Pig. 102-138 Mk. 5 Kälber/ Kg. Schlachtgw. 95.117 Pf.“/„ 100 Pfg. Schweine //— 150160, ä Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 Kg.— Pfg., Schwarzbrot 2 Kg. 71 Pfg. der Slalson Gießen. Cetreidepreise in Mann he im Weizen 100 Kg. 27.00 Mek. Roggen 100 Kg. 23.00 Mk. Meteorologische Beobachtungen — E— 22 2 8 82 e ß 8 83 83 33 1 2 Aug. 5. d 8 S S Wee 1616[E 8 8 S S„ 8 2 2 2 2— 5 48 5 8 S 3 2% 742,8 21,9 9,2 47 SW 4 8 Bew. Himmel 3. va 743,8 15,6 10,4 79 WSW 2 3 2 5 4.% 744,7 15,0 10,2 80 SW 2 10] Bed. Himmel 2. bis 3. Aug. 1915= 22,27 C. Höchste Temperatur am 5 1915 + 148.„ Niedrigste„ 2 „ 3.„ Miederschlag: 0,0 mu. . Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die über der Nordsee lagernde Depression zieht in nordöstlicher Richtung ab. Unter dem Einfluß des von Suͤdwesten her wieder langsam ansteigenden Lustdruckes werden wir für morgen noch mit zwar wolkigem, jedoch trockenem Wetter zu rechnen haben. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 5. August 1915 Wolkig, trocken, etwas wärmer, westliche Winde. Letzte Nachrichten. Die Kriegslage im Osten. Bern, 4. Aug. In einer Betrachtung über die Kriegslage im Osten stellte Stegemann im„Bund“ die beiderseitige Um⸗ * N 1 klammerung des bastionartigen Vorsprungs Chotm, Iwangorvd. Warschau, Lomza und Grodno mit einem reich entwickelten stra⸗ 2 Eisenbahnnetz mit dem Zentrum von Brest⸗Litowsk fest. Gelingt den Deutschen die Umklammerung, woran kaum zu zwei⸗ feln ist, so verkürzt sich die Angriffsfront der Verbündeten der⸗ gestalt, daß sie dann vom Dnjestr bis Riga eine gerade Linie bildet. Es ist natürlich ein Leichtes, die Weichselfestungen mit der An⸗ griffsfront ostwärts zu kehren. Selbst wenn wir annehmen, daß die Verbündeten nicht über die angegebene Front zu folgen ge⸗ denken, erreichen sie damit eine gesicherte, auf feindlichem Gebiet lie⸗ gende militärische Grenze, die sie mit bedeutend verringerten Kräften halten und hinter der sie die industriellen Zentren, sowie die weiten Ackerfluren Kurlands und Polens ausnützen können. Der Verlust der Fabrikanlagen ist zweifellos für die Russen schlimmer, als die Aufgabe des Bodens. Ihr strategischer Rückzug muß sie hinter Brest⸗Litowsk führen, wo sie mit einem Verlust von noch ungezählten Gefangenen und Geschützen anlangen werden. Daß ihre Angriffskraft für viele Monate, wenn nicht für immer ge⸗ brochen ist, läßt sich kaum noch bezweifeln. Die griechisch-bulgarischen Verhandlungen. Genf, 4. Aug. Der„Gazette de Lausanne“ wird von ihrem Pariser Berichterstatter mitgeteilt: Das Projekt des neuen Bal⸗ kanbundes hat zur Basis die Abtretung Cyperns an Griechen⸗ land, wofür Griechenland auf einen Teil des östlichen Mazedonien einschließlich Kawalle zu verzichten hat. Man denkt dadurch Bul⸗ garien zunächst für eine bulgarisch⸗griechische Entente unter den Auspizien der verbündeten Mächte zu gewinnen. England würde für Cypern entschädigt werden entweder durch einige ägäische Inseln oder einen strategischen Punkt der kleinasiatischen Küste. Die letzten Vorschläge des Vierverbandes an Bulgarien. Bukarest, 4. Aug.„Adeverul“ erfährt aus Sofia, daß die Vertreter des Vierverbandes in der nächsten Woche der bulgarischen Regierung auf deren letzte Note antworten werden. Es werde zugleich der letzte Vorschlag sein, den der Vierverband Bulgarien überhaupt unterbreite— Bulgarien werde nunmehr vor die Alternative gestellt wer⸗ den, entweder die neuen Vorschläge anzunehmen, oder die Beziehungen mit dem Vierverband abzubrechen. r—— 1 Ihen 1 Tüllen Carl Schunck Bahnhofstr. 54. loud In fremder Erde, da ruht mein Glück, Du Heissgeliebter kehrest nimmermehr zurück. Ach, viel zu früh verliessest du die Deinen, Die jetzt in der Heimat um dich weinen. Dienstag nacht verschied sanft nach langem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, Schwager und Onkel Heinrich Seuling im Alter von 68 Jahren. Am 14. Juli starb den Heldentod fürs Vaterland mein herzensguter, unvergesslicher Mann, der treusorgende Vater seines Kindes, unser lieber Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Louis Schäfer Unteroffizier im Landw.-Inf.-Regt. Nr. 83, 7. Kompagnie. Soeben eingetroffen: 818 med O XENA bvis pose von 18 Pr. bis 2 N. Reformhaus, Kreuzpl. 5. Tuderhagen in großer Auswahl L. Hübinger 3535 N 45⁴5 Bite der universtftehiblcht Alle von Nichtstudierenden aus der hiesigen Universitätsbibliothek vor dem 8. Juli entliehenen Werke sind bis spätestens den 10. August zu⸗ rückzuliefern. Gießen, 26. Juli 1915. 111 Der Direktor. f Dir. Haupt, Geh. Hofrat. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabeth Seuling und Kinder. Giessen(In Löbers Hof 4), Nied a. M. und Büdingen, den 3. August 1915. 6369 In tiefem Schmerz: Frau Helene Schäfer geb. Platt und Kind Familie Andreas Schäfer Familie Ludwig Platt IV. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. August, nachm. 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Rodheim, Bieber, Rochester, Ford Wangen in Nord-Amerika, den 4. August 1915. Wiedersehen war seine Hoffnung! in holdes Paar. Das lieb uns war, Ja unsere schönste Habe, Liegt nun in fernem Grabe. 7, iegertameradschad lieben. G e e D Den Heldentod fürs Vaterland starb auch unser zweiter Sohn infolge schwerer Verwundung, der Musketier Karl Eckhardt zuletzt beim Res.-Inf.-Reg. Nr. 221, 8. Kompagnie im 24. Lebensjahre am 7. Juni 1915 im Lazarett. Mitgliedes und Kameraden Heinrich Seuling setzen wir die Kameraden geziemend in Kenntnis. 85 Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 5. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. 6372 D 5 Zusammenkunft/ Stunde vorher am Fried⸗ bofs Fortale. Der Vorstand. Heparaluren an Schxeibmaschinen aller Systemè führen in eigner Spezial- Werkstätte gewissenhaft aus Franz Vogt& Co., Giessen Goethestr. 32. Fernruf 1054. Um stilles Beileid bitten: Die tieftrauernden Eltern Friedrich Eckhardt und Maria geb. Schieferstein. Für unser Redaktions⸗Archiv suchen wir sämtliche Nummern der Frankfurter Zeitung eres Jun Sache Zur bevorstehenden von Juli und August 1814 f Salson empfeble 1 05 Hochelheim, den 2. August 1915. anzukaufen. Gefl. Mitteilung erb. aumsägen— die Geschäftsstelle des Gieß. Anz.„„ Baumkratzen J. M. Schulhof Hinter allem Erdenleid weht ein ew'ger Frühlingstag. Hecken-, Reben- Telephon 119.— Prompter Versand nach auswärts. Drntestricke e Metallbetten u. Rosen- Scheren Gassparherde empfiehlt M. Rosentbal, klolzrahmenmatr., Kinderbett] Giesskannen Mit Zustimmung des Kommunallandtages deß Regierung!:; Hasler In G as tis ch e bezirks Wiesbaden und Genehmigung des Oberpräsidenten der 0 Baumspritzen Ga 61 am pen ee en Kokostaserstricke 4% nete dige ö. N ass auis ch 6 L and esb ank 2 8 ale Am end Bast sowie sämtliche J J. Thörner, Nudwiae . 5 Cartenland- Utensilien 8 eeine neue Reihe ihrer mündelsicheren Schuldverschreibungen aus,„ 1 55. 1 Eduar Borrmann Melasefutter welche die Bezeichnung 27. Ausgabe führen, mit 4¼/ ver⸗ Familien- Konzert 90 Gießen 27öla( Varzügl. Futter f, Pferde, Zinslich und vom 1. Juli 1919 an auch seitens des Inhabers Televbon 165 Neustadt 11 l oße deren a M. 1480 prg kündbar sind. 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