0 8 Der Gießener Anzeige erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche öeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung!112 Verlag, Geschäftsstelle5 1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gleßen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 1 165. Jahrgang Seleral. Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei k. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Dienstag, 3. August 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf, ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Mitau erobert! 20 Geschütze vor Jwangorod erbeutet! Reden in der russischen Duma. (WTB.) Großes Hauptquartier, Amtlich.) N Westlicher Kriegsschauplatz. Im Westteil der Argonnen setzten wir uns durch einen überraschenden Bajonett⸗Angriff in Besitz mehrerer feindlicher Gräben, nahmen dabei vier Offiziere, 142 Mann gefangen und erbeuteten ein Maschinengewehr. Am Abend griffen die Franzosen in den Vo gesen abermals die Linie Schratzmännle—Barrenkopf an. Die ganze Nacht hindurch wurde dort mit Erbitterung gekämpft. Der Angreifer ist zurückgeworfen. Auch am Lingekopf sind erneut die Kämpfe im Gange. An verschiedenen Stellen der Front sprengten wir mit Erfolg Minen. Südlich von Ban⸗de⸗Sapt schoß unsere Artillerie einen französischen Fesselballon herunter. Ein Kampfflieger zwang bei Longemer(östlich von Gerard⸗ mer) ein feindliches Flugzeug zur Landung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Mitau wurde gestern von unseren Trup⸗ ben nach Kampf genommen. Die Stadt ist im all⸗ gemeinen unversehrt. Oestlich von Poniewicz haben sich Kämpfe entwickelt, die einen für uns günstigen Verlauf nehmen Nordöstlich von Suwalki wurde die Höhe 18 6(südöstlich von Kaletnit) erstür mt. Nord⸗ westlich von Lomza erreichten unsere Truppen, nachdem an verschiedenen Stellen der russische Widerstand gebrochen war, den Narew. Ein Offizier, 1003 Mann wur⸗ den von uns gefangen genommen. Auf der übrigen Front bis zur Weichsel ging es vorwärts. 560 Gefangene, dabei ein Offizier, wurden eingebracht. Vor Warsch au ist die Lage unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich anschließend an die am 31. Juli eroberten uühen bei Podzawoze drangen gestern Truppen des Generalobersten v. Woyrsch unter heftigen Kämpfen durch das Waldgelände nach Osten vor. Der weichende Feind verlor 1500 Mann an Gefangenen und acht Ma⸗ schinengewehre. Vor Iwangorod lieferten österreichisch-ungarische Truppen siegreiche Gefechte. Der Halbkreis um die Festung zieht sich enger. Bei den Armeen des Generalfeldmarschalls v. Macken⸗ sen hält der Feind noch zwischen Weichsel und der Gegend südwestlich von Lenczna. Deutsche Truppen er⸗ zwangen neue Erfolge östlich von Kuro w. Sie machten 600 Gefangene. Zwischen Lenczua und Zalin(nordöstlich von Cholm) schreitet der Verfol⸗ gungskampf vorwärts. Am Bug erreichten wir die Gegend nördlich von Dubienka. Oesterreichisch⸗unga⸗ rische Truppen dringen südwestlich von Wladimir⸗Wo⸗ linsk über den Bug vor. a 3 Oberste Heeres leitung. 10 5„ 2. August. Die russische Duma hat vor einigen Jahren bekanntlich einmal bei einer Tagung in ihrem baufälligen, alters⸗ schwachen Sitzungspalast den Schreck erlebt, daß die Decke herniederstürzte und die Abgeordneten erblassen ließ, denn es konnte sich um einen in Rußland ja nicht seltenen Mord⸗ anschlag handeln. Als gestern die Duma der Welt ein äußer⸗ lich glanzvolles Theater gab, standen zwar die Säulen und Wände ihres Hauses fest, aber gleichwohl fehlten auf der Bühne die Trümmer nicht, denn dem heiligen Rußland sind die Mauern und Festungen eingebrochen worden. Während der neugebackene Kriegsminister Poliwanow unter hoch⸗ trabenden Tönen vom„fschließlichen Sieg“, den Rußland doch erringen werde, die Räumung Warschaus ankündigte, ist General Below durch die Tore Mitaus eingeritten, jener schönen zur Hälfte von Deutschen bewohnten Stadt mit 45000 Einwohnern, wo einst Richard Wagner seinen „Rienzi“ entstehen ließ. Gegenüber der über die russischen Grenzen erschallenden Sprache des Krieges erklingen die gekünstelten Reden der Minister des Zaren wie ein fades Gesäusel. Vor Iwangorod haben unsere Bundesgenossen dem Feinde nicht weniger als 29 Geschütze, darunter 21 schwere, abgenommen, und Hindenburg meldet in seiner kargen Art, daß es auf der nördlichen Front bis zur Weichsel„vorwärts“ geht. Das ist eine wundervolle Zuver⸗ türe zu der Dumatagung, und hätten die Männer des Zaren selbst Engelszungen, so könnten sie doch vor der Welt nicht das furchtbare Beben verhüllen, in dem ihr Riesenreich bis in die Grundfesten erzittert. Im Vergleich zu der letzten Februarsitzung des russischen Parlamentes war übrigens die gestrige Tagung stark abgedämpft. In der Totenstille des aufhorchend erschauernden russischen Volkes klangen die ver⸗ abredeten, abgelesenen Reden der Minister wirklich nicht wie Gelöbnisse eines starken, unerschütterten Volkstums. Be⸗ zeichnenderweise sprach der Kriegsminister, der doch am meisten zur Sache zu sprechen genötigt war und sich einigermaßen den Tatsachen anpassen mußte, um eine we- sentliche Schattierung bescheidener als etwa Herr Sasonow, der Minister des Auswärtigen. Dieser Herr, der im Februar und die Erobe⸗ in seiner slawischen Eroberungslust schwelgte * rung Konstantinopels ankündigte, das ins russische Reich ein— verleibt werden solle, hatte eine schwierige Rolle. Armer Porrik, wo sind nun deine Sprünge! Er erklärte, nur wenige Veränderungen in den internakionalen Beziehungen seit Februar feststellen zu können. Er hätte hinzufügen dürfen, daß russische und englische Drohungen auf die Balkan-Neu⸗ tralen nicht gewirkt hätten. Selbstverständlich wurde in der Duma das Ereignis„Italien“ gebührend gefeiert und als Trost herausgeputzt. Es ist aber ein magerer Trost, daß Poliwanow nur den„klugen Vormarsch“ der Italiener loben konnte, nicht aber ihre Erfolge. Ueberblickt man die Rede Sasonows im ganzen, so ist es klar, daß er jetzt schon die diplomatische 1 1 eines geschlagenen Staates enthüllte— soweit er sich überhaupt auf ernsthafte Erörte⸗ rungen einließ. Wen überrascht nicht die dürftige Aufklä⸗ rung über das serbische und montenegrinische Vorgehen, das mit den italienischen Ansprüchen in einen unlöslichen Widerspruch geraten ist? Genügt es wirklich, wenn Herr Sasonop erklärt, Montenegro habe darauf hingewiesen, daß es die Zustimmung der Alliierten suche? Ist damit die wich⸗ tige albanische Frage gelöst? Oder man betrachte das matte Lamento über die bösen Türken, die den schristlichen Völkern so hart zusetzten! Die griechische Regierung wird sich damit schwerlich zur Tat aneisern lassen. Und die angeblichen Wühlereien in Persien! Klar wird es mit diesen Enthüllun⸗ gen nur, daß die Lage Rußlands und Englands im fernen Osten stark umdüstert ist. Den Satz, daß, wenn die russisch⸗ englischen Bemühungen und die getroffenen Maßregeln in Persien nicht zur Beruhigung des Landes führen sollten, wahrscheinlich zu anderen Mitteln gegriffen werden müsse, dürfen wir bei der Betrachtung der Weltlage zugunsten der Zentralmächte und der Türkei buchen. Auch die ärmliche passive Politik Rußlands China und Japan egenüber konnte Herr Sasonow nicht i ienschein er⸗ cen lassen. China holt si 1 ugeständnisse in der äußeren Mongolei, und was es mit dem auffälligen An⸗ lehnungsbedürfnis Japans an das Reich des Zaren auf sich hat, werden wir erst in der Zukunft erfahren. Herr Sasonow hat uns an dieser neuen Erscheinung nur ein paar falsche Brillanten gezeigt. Wer noch den Wahn hegte, die Japaner würden russische Kastanien auf dem europäischen Schauplatz aus dem Feuer holen, der sieht sich gründlich getäuscht. Alles in allem: Die Duma zeigt uns ein stark ver⸗ schleiertes Bild Rußlands. Immerhin hat man in Pe⸗ tersburg die Zeit ausgenutzt, so gut es eben ging. Einige Wochen später, so hätte Herr Sasonow noch viel ernsthafter auf seine Andeutung eingehen müssen,„daßsees Notwen⸗ digkeiten gibt, die vom Willen der russischen Staatsmänner unabhängig sind und unauf⸗ haltsam durch den historischen Gang der Er⸗ eignisse vorwärts getrieben werden!“ *** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 2. August 1915: Russischer Kriegsschauplatz. Bei Damazzow gegenüber der Radomka⸗Mündung errangen unsere Verbündeten gestern neue Erfolge. Westlich Jwangorod haben unsere siebenbürgischen Regimenter dem Feinde acht etagenförmig angelegte beto⸗ nierte Stützpunkte mit dem Bajonett entrissen. Vier dieser Werke wurden allein von dem größtenteils aus Ruthenen bestehenden Jufanterie-Regiment Nr. 50 erobert. Der Halbkreis um Iwangorod verengte sich betrüchtlich. Wir nahmen 15 Offiziere und über 2300 Mann ge⸗ fangen und erbeuteten 29 Geschütze(darunter 21 schwere) ferner 11 Maschinengewehre, einen großen Werkzeugpark und viel Munition und Kriegsmate⸗ rial. Unsere bewährten siebenbürgischen Truppen dürfen 1 65 Tag zu den schönsten ihrer ehrenvollen Geschichte zühlen. Unmittelbar östlich der Weichsel erstürmte eine unserer Divisionen die Eisenbahnstation Nowo⸗Alexan⸗ dria und einige zunächst gelegene Positionen. Bei Kuro w drangen deutsche Truppen, nachdem sie gestern zwei feind⸗ liche Linien genommen, in eine dritte ein. Weiter östlich bis zum Wieprz hält der Feind noch seine Stellungen. Zwischen Wieprz und Bug wird die Verfolgung fortgesetzt. Unsere zwischen Sokal und Krylow über den Bug gegangenen Truppen rücken in der Richtung Wladimir— Wolynskij vor. In Ostgalizien ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Front wurde eine feindliche Ab⸗ teilung im Ledro⸗Tage westlich Bezzocca überfallen und unter großen Verlusten zurückgeworfen. In den Judicarien vertrieben unsere Patrouillen zwei italienische Beobach⸗ tungsposten, die sich auf den Höhen nordwestlich Condino ein⸗ genistet hatten. Im Kärnkner Grenzgebiet hat sich nichts Wesentliches ereignet. 1 Im Küstenlande herrscht in den nördlichen Ab⸗ schnitten größtenteils Ruhe. Im Plateau hält der Geschütz⸗ kampf an. Die gegen unsere Stellungen östlich Polazzo geführten starken italienischen Angriffe wurden durch einen Gegenangriff, der unsere Infanterie bis über die ur⸗ sprünglichen Stellungen hinausführte, vollständig zurück geschlagen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der russische Bericht. Petersburg, 2. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Der General⸗ stab des Generalissimus berichtet: Am Flusse Aa in Kurland stromabwärts bei Bauski lieferten wir den Deutschen am 30. und 31. Juli einen erbitterten Kampf. Nach zahlreichen erfolglosen Versuchen des Feindes, die ihm schwere Verluste kosteten, gelang es ihm, sich auf dem rechten Ufer bei dem Gehöft Junferhof zu be⸗ festigen. Auf der Straße e e warfen unsere 5 bei dem Dorfe Berdischki eine deutsche Kolonne zurück, welche die Offensive ergriff, schlugen in der Gegend der Dörfer Butiuny und Tyitagole eine feindliche Vorhut und machten dabei mehrere Hun⸗ dert Gefangene und erbeuteten Maschinengewehre. Die feindlichen Schützengräben, die in unsere Hände fielen, waren mit Toten an⸗ gefüllt. 5 5 An der Narewfront unternahm der Feind in der Nacht zum 31. Juli mehrere Angriffe auf dem östlichen Ufer der Pissa bei dem Dorfe Serwadka und bei der Mündung des Schkwa⸗ Flusses. Es gelang ihm im letzteren Abschnitt auf dem linken Narewufer festen Fuß zu fassen, aber er wurde sodann durch einen kräftigen Bajonett-Gegenangriff zurückgeworfen und gegen. das Flußbett gedrängt. In derselben Nacht ergriff der Feind mit beträchtlichen Kräften im Abschnitt Rozan die Offensive gegen unsere Stellung zwischen Narew und Osze, sowie längs des letz⸗ teren Flusses: am 31. Juli wurde daselbst ein sehr erbitterter Kampf geliefert. Der Feind macht ausgiebigen Gebrauch von Stickgasen. Nach vielen hartnäckigen Bajonettkämpfen gelang es den Deutschen,ein wenig ander Front Kamion ka Zalin vor zurücken. Weiter südlich des Osze⸗Flusses gelang es dem Feinde gleichfalls, sich unserer Schützengrabenlinie zu bemächtigen. Aber sodann trieben wir ihn durch einen ungestümen Bajonettsturm in diesem Abschnitt nach seine⸗ 1 ersten Stellung zurück. Der Kampf war sehr blutig; der Feind Im Laufe der Gegenangriffe mach Gefangene und nahmen eine feindliche Batterie. Front verwandte der Feind erlitt schwere Verluste. wir 100 einigen Abschnitten der Narew⸗ in den Kämpfen des letzten Tages frische, erst jüngst gegen uns heran gebrachte Truppen. Auf dem linken 2 l Naderzins Gewehrfeuer. Auf dem rechten Weichselufer lieferten wir den Deutschen, welche den Fluß an der ehemaligen Front Mazewice—Kobilnice überschritten, einen Kampf, indem An⸗ griff und Verteidigung abwechselten. Wir schlugen einen feind⸗ 1 Angriff bei Gewaschew in der Gegend von Jwangorod Urück. i Zwischen Weichsel und Bug unternahm der Feind am 31. Juli erfolglose kräftige Angriffe gegen unsere Stellungen zwi⸗ schen dem Wieprz und der Gegend des Bahnhofs Rejowez. Zwischen der Stadt Cholm und dem Bug zogen sich unsere Truppen unter dem Druck numerisch überlegener feindlicher Kräfte nach einem hartnäckigen Kampf ein wenig nach Norden zurück. Am Bug, an der Zlota-Lipa und am Dujestr keine Veränderung. *** Türkische Angriffe an den Dardanellen. London, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sonder⸗ berichterstatter des Reuterschen Bureaus meldet von den. Dardanellen: Fliegerbeobachtungsposten konnten fest⸗ stellen, daß an verschiedenen Punkten große türkische Verstärkungen herangeführt wurden. In der Nacht vom 22. zum 23. Juli wurde die französische Stellung an⸗ gegriffen und ein flüssiger Stoff in die Schützengräben geschüttet, der nachher durch Bomben in Brand gesteck! f wurde. Die französischen 7,5 Ztm.⸗Geschütze eröffneten ihn Feuer und brachten das Feuer des Angreifers zum Schwei⸗ gen. Um 3 Uhr nachmittags am 23. Juli wurde ein Angriff auf einen vorspringenden Teil unserer Linie auf dem äußer⸗ sten linken Flügel unternommen, den die Türken bereits mehreremale ohne Erfolg angegriffen haben. Nach kurzer Beschießung wollte eine kleine feindliche Abteilung in unsere Stellung eindringen, wurde aber durch das Feuer zweier Flugzeugkanonen vertrieben und hinterließ ungefähr 40 Tote. Keine Kriegserklärung Italiens an die Türkei. Hamburg, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Ham⸗ burger Fremdenblatt“ meldet aus Zürich: Der„Tages⸗ anzeiger“ berichtet aus Rom: Die neutralen Journa⸗ listen wurden im Pressebureau informiert, daß keine Kriegserklärung Italiens an die Türkei in Aussicht genommen sei. Das Befinden des Königs der Hellenen. Berlin, 3. August. Die Morgenblätter melden aus Athen, daß die Genesung des Königs von Grie⸗ chenland günstig fortschreite. Der König mache bereits täg⸗ lich kürzere Spaziergänge im Park. Die Operationswunde sei völlig vernarbt. Die Schweiz unter dem Druck des Vierverbandes. Rom, 2. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Die„Iden Nazio⸗ nale“ meldet aus Bern: Die Konferenz zwischen der Schwei⸗ zer Eidgenossenschaft und den Vertretern Frankreichs, Englands und Italiens nimmt einen wenig guten Verlauf. Nachdem zunächst wenigstens ein Einverständnis über den grundsätzlichen Weg in der Ausfuhrfrage nach den Ländern. der Zentralmächte en Schweizer Erzeugnissen, die sich mit vorher aus Ländern des Vierverbandes eingeführten Rohstofsen vollzieht, erreicht war, gestaltete sich, wie der Korrespondent schreibt, ein weiteres Uebereinkommen schwierig, es schien sogar unerreichbar angesichts des tiefen Abgrundes, der die Forderung des Vier⸗ verbandes und die Gegenvorschläge der Eidgenossenschaft trennt. England, Italien und Frankreich verlangen von der Schweiz, daß sie ihre Feinde nicht mehr mit Waren versorgt, die die Truppen eichselufer, an der Front Blonie⸗ 4 2 Schrei em Durchgangsverkehr rrhäalt und mirttärischen Bedürf⸗ nissen dienen. Wir müssen vollkommen Gewähr haben, so ent⸗ wickeln die Vertreter der Entente den Kern ihrer Anschauung, daß diejenigen Waren, die wir ganz ausnahmsweise nach der Schweiz zulassen, unter keinerlei Form zu unseren Feinden weitergehen. Einige Fälle von Konterbandehandel, die sich in Bern zugetragen haben, ließen die Ueberzeugung aufkommen, daß die Schweiz trotz ihres guten Willens und ihrer unanfechtbaren Loyalität nicht imstande ist, voll und ganz die nötige Kontrolle auszuüben. Wir aber, gestützt auf unsere Interessen, wollen, daß wir uns in diesem Punkte mit der Schweiz verständigen können. Die Schweiz hält dem entgegen, daß ihre Unabhängigkeit und Staats⸗ würde die Annahme der Forderung der Entente nicht er⸗ lauben, auch weil diese Vorschläge eine Neutralitäts verletzung gegenüber Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn bedeuten würden. Und in diesem Punkte ist, wie der Korrespondent sagt, die Schweiz unerbittlich. Sie erklärte ausdrücklich, sich von dem einmal g eingeschlagenen Wege nicht abbringen lassen zu wollen. Ein Ueber⸗ . einkommen erscheint deswegen sehr schwierig. Die amerikanischen Kriegslieferungen. . Berlin, 3. Aug. Nach einem Telegramm der„Deut⸗ schen Tageszeitung“ aus Kopenhagen hat das Bankhaus Morgan& Co., das für die Alliierten die Finanzierung 5 der amerikanischen Kriegslieferungen übernommen hat, bis zum 1. Juli für über zwei Milliarden Mark Kontrakte mit amerikanischen Fabriken abgeschlossen. Von diesem Geschäft entfallen über 1½ Milliarden Mark auf England; an dem Rest sind Frankreich und Rußland beteiligt. * * Die Eröffnung der russischen Reichsduma. Petersburg, 2. Aug.(WTB Nichtamtlich.) Gestern nach⸗ mittag um 1 Uhr wurde die Reichsduma gemäß dem Ukas des Zaren unter dem Vorsiz Rodsiankos in Gegenwart aller Minister und der diplomatischen Korps eröffnet. Die Tribünen für die Zuhörer und die Presse waren überfüllt. Der Präsident sagte in seiner Eröffnungsrede:„Fe schrecklicher der Krieg wird, desto mehr durchdringt Rußland sich mit dem festen un⸗ erschütterlichen Entschluß, den Streit zu einem guten Ende zu führen. Dieser Entschluß nun fordert die vollständige Einigkeit aller Bevölkerungsklassen und die weitestgehende Entwicklung aller schöpferischen Kräfte der Nation.“ Der Präsident forderte die Ab⸗ rdneten auf, der Regierung den Weg zu diesem Ziele anzugeben. entbot der tapferen russischen Armee Grü ße, welche die wütenden Angriffe des Feindes fräftig und unermüdlich abwehre, und begrüßte die diplomatischen Ver⸗ treter der befreundeten und verbündeten Staaten, denen darauf alle Abgeordneten, die Minister und Zuhörer stürmische Ovationen bereiteten, die sich noch steigerten, als der Präsident im Namen des ganzen russischen Volkes dem neuen Verbündeten, dem ita⸗ lienischen Volke, dankte und von den polnischen Brüdern sprach, die zuerst und schlimmer als die anderen Einwohner Ruß⸗ 5 lands die Schläge des grausamen Feindes zu spüren bekamen. Er schloß mit den Worten:„Unsere Armee hat ein leuchtendes Bei⸗ spiel gegeben, wie man die Pflicht gegen das Vaterland erfüllen soll. Es konumt jetzt auf uns an. Arbeiten wir alle Tage und Nächte, um dieser Armee alles zu gewähren, was sie nötig hat. Aber dazu bedarf es eines Gesinnungswechsels und sogar Aenderungen in der augenblicklichen Verwal⸗ tung. Kämpfen wir bis zur vollständigen Vernichtung des krieg bewies, daß Rußland im Verhältnis zu den Anstrengungen des Feindes nicht genügend vorbereitet war. Um des Feindes Herr zu werden, müssen alle nationalen Kräfte entfaltet werden.„Die Regierung wird Ihnen,“ erklärte Goremykin,„nur Gesetzentwürfe zur Prüfung vorlegen, die auf den Krieg Bezug haben. Aus diesem gegenwärtig wichtigsten Gebiet werden Sie ein weites Feld der Betätigung haben. Es ist jetzt nicht der Augenblick für Programmreden über die Verbesserung der inneren russischen Zustände in Friedenszeiten, eine Verbesse⸗ rung, die mit Ihrer Hilfe verwirklicht werden wird; ich lege aber Wert darauf, gerade heute eine Frage zu berühren, nämlich die polnische. Sie kann offenbar in vollem Umfange erst nach dem Kriege gelöst werden, aber in diesen Tagen ist es wichtig, daß das polnische Volk weiß, daß seine künftige Organisation end⸗ gültig und unwiderruflich entschieden ist durch den Aufruf des Großfürsten⸗Oberbefehlshabers am Kriegsbeginn. Das polnische Volk, das ritterlich, edel, treu und tapfer ist, verdient unbegrenzte Hochachtung. Heute hat mich der Kaiser beauftragt, Ihnen zu erklären, daß Seine Majestät dem Ministerrat befohlen haben, Gesetzentwürfe auszuarbeiten, die den Polen nach dem Kriege das Recht gewähren, frei sein nationales, soziales und wirtschaft⸗ liches Leben auf der Grundlage einer Autonomie unter dem Zepter des Kaisers von Rußland auszuge⸗ stalten. Mit den Polen haben die anderen Nationalitäten des großen ungeheuren Rußland einen Beweis von ihrer Treue gegen das Vaterland abgelegt, folglich muß unsere innere Politik durch⸗ drungen sein von dem Grundsatze der Unparteilichkeit und des Wohlwollens gegenüber allen treuen russischen Bürgern ohne Anterschied der Nationalität, des Glaubens und der Sprache. (Beifall.) Vereinigen wir uns zu einer gemeinsamen Anstrengung, zu der uns der Monarch aufruft. Die Regierung ist fest überzeugt, daß später oder früher der Sieg unser sein wird.(Beifall.) Dieser Glauben wird von ganz Rußland geteilt. Seien wir einig in dem einzigen Programm des Sieges!“(Beifall auf allen Bänken.) 5 Von langanhaltendem lebhaften Beifall von allen Bänken begrüßt, begann der 2 5 Kriegsminister Poliwanow seine Rede mit der Erklärung, daß Rußland die Staaten bekriege, die es vor einem Jahrhundert aus den Händen von Napoleon befreit habe. Durch die geschickten und hartnäckigen Vorbereitungen von Deutschland während vierzig Jahren erzielte es in der Tat Ergebnisse, die es in militärischer Hinsicht über die anderen Länder stellt, besonders, wenn es seine reichen technischen Hilfs⸗ quellen benutzt und dabei vollkommen die Kriegstraditionen ver⸗ gißt, die bisher das Gesetz der wilftärtschen Ehre der Avilisierten Nationen ausmachten. In diesem Augenblick hat der Feind gegen uns ungewöhnlich große Streitkräfte zusammen⸗ gezogen, die Schritt für Schritt das Gebiet des Militärbezirks Warschau umkreisen, und dessen strategische Grenzlinien immer einen schwachen Punkt unserer westlichen Grenze gebildet haben. Unter diesen Umständen werden wir dem Feinde vielleicht einen e Gegend überlassen und uns auf Stellungen zurückziehen, in denen unser Heer die Wiederaufnahme der Offensive vorbereiten kann. Dies ist das Ende, das das 1812 erprobte Vorgehen krönt. Wir werden vielleicht heute War⸗ schau dem Feind überlassen, wie wir seinerzeit Moskau geräumt haben, um den schließlichen Sieg zu sichern. Dieses Gefühl herrscht in ganz Rußland vor, ebenso wie die Liebe für unsere Armee und die Achtung vor ihr, der wir den triumph⸗ artigen Marsch nach Lemberg verdanken, sowie die Siege in Galizien und bei Praszuysz, wo wir unerhörte Trophäen erbeuteten. (Lebhafter anhaltender Beifall.) Der Kriegsminister sprach dann voll Wärme pon den verbündeten Heeren. Er erwähnte die helden⸗ hafte Verteidigung der Belgier und die glänzende Schlacht an der Marne, wo die brüderlich nebeneinander fechtenden englischen und französischen Truppen die deutschen Truppen zum Rückzug zwangen. Der Minister erinnerte an die denkwürdigen Kampfhandlungen bei Ypern und Arras, wo das Oberkommando der Alliierten un⸗ nachahmliche Fähigkeiten offenbarte, er beschrieb die japanischen, serbischen und montenegrinischen Siege und hob den klugen Vor⸗ marsch der italienischen Armee hervor, die unglaubliche Schwierig⸗ Armee erfülle ihre Pflicht, aver um siegreich zu sein, müsse sie fühlen, daß das ganze Land hinter ihr stehe wie ein ungeheures Schöpfbecken, das sie nähre. Der Minister erwähnte die mili⸗ tärischen Vorlagen, die er der Duma unterbreiten werde, vor allem die Einberufung des Jahrgangs 191 6 und ver⸗ schiedener Kategorien Reserve. Der Minister stellte fest, daß dank den vereinigten Bemühungen der Intendantur und des Aclerbau⸗ ministeriums die Verproviantierung der Armee sich ununterbrochen mit vollkommen günstigen Ergebnissen vollziehe. In keinem der vorhergehenden Kriege sei das ungeheure Problem der Heeres⸗ verforgung so gut gelöst worden.(Beifall.) Die Wirklichkeit habe erwiesen, daß die wirtschaftliche Lage von Rußland durch den Krieg keineswegs erschüttert sei; denn infolge der guten Ernte herrsche im Lande wieder Ueberfluß an allen Nah⸗ rungsmitteln, und das Land könne noch Jahre hindurch den Krieg aushalten. Der Kriegsminister ging dann zu den so reichen und unerschöpflichen technischen Hilfsmitteln bei den Deut⸗ schen über, er bestand darauf, daß es notwendig sei, soweit möglich Frankreich und England nachzuahmen, die in dem Aufschwung der Munitionsherstellung ungeheure Erfolge hätten. Der Minister schloß mit den Worten: Sie sehen, wie der Feind beschaffen ist, den wir bekämpfen. Er muß unbedingt und um jeden Preis besiegt werden, sonst gerät Europa unter das teutonische Joch. In dieser Absicht werden wir, ohne den Augenblick zu verlieren, alle Fähigkeiten des Landes zur Entwicklung seiner Verteidigung benutzen. In der Duma hielt Sasonow folgende Rede: Am Jahrestage des verhängnisvollen Tages, wo, im Gegen⸗ satz zu unseren Bemühungen, den Frieden zu erhalten, Deutsch⸗ land uns den Krieg erklärte, der ganz Europa in diesen beispiellosen Brand setzte, ist es notwendig, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und ein Gesamtbild der Ereignisse des vergangenen Jahres zu entwerfen. Wenig Veränderungen haben sich auf dem Gebiet der inter⸗ nationalen Beziehungen seit meiner letzten Rede ereignet. Nach wie vor ist Rußland eng mit seinen tapferen e ver⸗ bündet, und das komplizierte Werk der kombinierten Tätigkeit der getrennten Staaten ist gut organisiert, denn die Kräfte jedes Staates sind in der besten Weise ausgenutzt, um das einzige gemeinsame Ziel zu erreichen.(Beifall.) Die Familie unserer Freunde und Verbündeten hat sich um einen neuen Teilnehmer vergrößert, näm⸗ lich um Italien(lebhafter, anhaltender Beifall), dessen Volk seit langer Zeit dauach strebte, seine Mitbürger vom fremden Joche zu befreien.(Die Duma grüßt den italienischen Botschafter.) Die Namen Triest und Trient waren seit langer Zeit das Feldgeschrei für die Nachkommen derjenigen, welche für die italienische Wieder⸗ geburt kämpften. Das Ministerium Salandra bereitete im Laufe der ersten Kriegsmonate sorgfältig seinen Eintritt in die Aktion vor, und als die Stunde kam, schloß es sich Rußland, Frankreich und England im Namen der Verwirklichung der Ideale des ita⸗ lienischen Volkes an. Ich ergreife mit Freude den Anlaß, mit Ihnen das verbündete Italien zu begrüßen. Wenn das Beispiel Italiens von den anderen Staaten befolgt worden wäre, so würde dies zu einem raschen Ende des Krieges und des Blutvergießens beitragen, und so die Stunde näher brin⸗ gen, wo die kriegführenden Völker in der Lage wären, die friedliche schöpferische Arbeit wieder aufzunehmen. Immerhin ist die Stunde der höchsten Entscheidung noch nicht versüumt. Man kann hoffen, daß diejenigen Neutralen, welche ihre nationalen Probleme nicht auf andere Weise werden lösen können, sich diese Gelegenheit zu Nutze machen werden. Man hat in der letzten Zeit sehr viel von der Stimmung unserer Nachbarn im Norden, den Schweden, gesprochen und aus den Worten ihres Staatsmannes widerspruchs⸗ volle Schlußfolgerungen gezogen. Unsere freundschaftlichen Beziehungen zu Schweden und unser aufrichtiger Wunsch, mit ihm die besten Beziehungen guter Nachbarschaft zu unterhalten, sind zu bekannt, als daß ich notwendig hätte, sie besonders zu bekräf⸗ tigen. Wir geben uns auch vollkommen Rechenschaft über die un⸗ vermeidlichen Schwierigkeiten, welche für den schwedischen Handel infolge der Lage des Landes inmitten der Kriegführenden entstanden sind. Aber ich kann mit Befriedigung die Redlichkeit hervorheben, mit welcher die schwedische Regierung ihre Neutralität unter Wahrung ihrer nationalen Interessen schützt. Die gegenwärtig in Stockholm geführten englisch⸗schwedischen Verhandlungen bekunden, wenn sie auch auf einem geschäftlichen Boden bleiben, auf beiden Seiten das unzweifelhafte Bestreben, den Boden für eine Verstän⸗ digung zu finden, und wir wünschen aufrichtig, daß sie bald zu einem glücklichen Abschlusse gelangen. 5 Die ungeheuerlichen Kriegsmittel, welche Deutschland anwendet, das weder vor einer Massenvergif⸗ tung unserer Soldaten noch vor einer Vernichtung friedlicher Frauen, Kinder und Bürger zurückschreckt, 18 Schande!) müssen auch in neutralen Ländern das Gefühl ge⸗ rechter Entrüstung erwecken. Jenseits des Ozeans ist die Em⸗ pörung eine ähnliche. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten, die von menschenfreundlichen Empfindungen durch⸗ drungen ist, konnte nicht anders, als sich entschieden gegen Vor⸗ kommnisse zu wenden, wie die furchtbare Versenkung der„Lusi⸗ tania“, welche so viel amerikanischen. Bürgern das Leben ge⸗ kostet hat. Dieser in seiner unsinnigen Grausamkeit beispiel⸗ lose Anschlag ist ein unauslöschlicher Fleck auf dem Namen Deutschlands. Es ist schwer zu sagen, ob der strengen Antwort, die der Präsident Wilson der deutschen Regierung erteilt hat, energischere Maßnahmen folgen werden; aber es ist bereits klar, daß die öffentliche Meinung Amerikas über das Vorgehen der Deutschen empört ist, trotz der Anstrengungen, welche die letzteren machen, um das Wohlwollen Amerikas zu erringen. Die beispiellose Tapferkeit der auf der Halbinsel Galli⸗ poli kämpfenden alliierten Truppen erweckt unsere ein⸗ stimmige Bewunderung.(Bravo! Beifallsrufe.) Unter schweren Verlusten und Ueberwindung beinahe unübersteigbarer Hinder⸗ nisse, die von der Natur selbst erri waren und von den Deutschen klug ausgenutzt wurden, nähern unsere tapferen Alli⸗ ierten sich uns mit unerschütterlicher Tätigkeit im ersehnten Augenblicke, an dem die beabsichtigte direkte Verbindung zwischen ihnen und uns hergestellt sein wird. Die Türken, die das nahende Gewitter voraussahen, haben sich mit außergewöhnlicher Grausamkeit auf die noch in ihrer Gewalt befindlichen christ⸗ lichen Völker. Die Armenier erdulden unerhörte Verfolgungen, die indessen nicht ihren Geist gebrochen haben, denn armenische Freiwillige kämpfen tapfer mit uns gegen ihre Unterdrücker.(Beifall und Bravorufe.) Ein Beweis dafür ist die Stadt Wan, wie sie beinahe einen Monat dem Drängen der Türken bis zur Befreiung der Stadt durch unsere Truppen widerstand. Um nichts weniger schrecklich sind die Verfolgungen der örtlichen griechischen Bevölkerung durch die Türken. Die Frauen und Kinder müssen Mitleid 71 und die Frage entsteht, ob man den Glaubensgenossen in kommen kann, 8 50 0 mit den Mächten zu vereingen, die für das Recht und die Gerechtigkeit kämpfen. Ich zweifle nicht, daß sich in anderen Ländern noch neutrale Regierungen voll⸗ kommen in Uebereinstimmung finden werden mit den Wünschen ihrer Völker, wenn sie sich entschließen, den Weg einzuschlagen, den 1 ihre Lebensinteressen und ihre ganze Vergangenheit angeben. 1 80 Bei dieser Gelegenheit muß ich auf den Druck hinweisen, den österreichische und deutsche Agenten auf Rumänien aus⸗ üben. Indessen widersteht die rumänische Regierung trotz aller ihrer Anstrengungen der Versuchung. Wir halten auch weiterhin freundschaftliche Beziehungen mit ihr aufrecht, deren Befestigung und Entwicklung Gegenstand unserer beiderseitigen Bemühungen sind. Ich halte es für überflüssig, auf die Teilnahme Serbiens an dem fe gegen unsere Feinde hinzuweisen nach den Wun⸗ dern an Tapferkeit und Ergebenheit, die die serbische Armee mt neuen Kräften vollführte, und Serbien ist, indem es sich auf die Hilfe Frankreichs und Englands stützt, bereit, sich mit den Alli⸗ ierten zu vereinigen. Ich bin davon überzuugt, daß das serbische Volk im Bewußtsein seiner vaterländischen Pflicht Mut zu allen Opfern schöpfen wird, die durch die außergewöhnlichen gegen⸗ wärtigen Ereignisse notwendig werden, welche in gleichem Maße alle Alliierten treffen. Die Besetzung Skutaris durch Mon⸗ keiten überwinde.(Anhaltender Beifall.) Er erklärte, die russische tenegro wurde veranlaßt, wie die Regierung in Cetinje erklärt leinasien zu Hilfe f ff. EEETTTETTTCC nesischen Banden zu unter 5 i viantierung Montenegros erschwerten. Die terung hat bei dieser Gele eit darauf ge ie Zustimmung der Alliierten suche. Unsere Feinde, die gegen uns auf den Schlachtfeldern kämpfen, entwickelten auch zu gleicher Zeit in den neutralen Ländern eine umfangreiche geheime und öffentliche Propaganda mit der Absicht, die öffent⸗ li Meinung dieser Länder aufzureizen und überall, wo es möglich wäre, sie in einen offenen Gegensatz zu bringen. So fördern sie die Wühlereien in Persien mit der Absicht, dort Wirrnisse zu verursachen. Sie verteilen Geld, bilden bewaffnete Banden und führen Waffen und Maschinengewehre, sowie Munition ein. Wir haben Maßnahmen getroffen, um diesen Treibereien ent⸗ 1 leider aber ist dds Werk der Friedensstiftung n diesem Lande durch die ständigen Unruhen und die Zwietracht zwischen der Regierung und den demokratischen Kreisen und durch die Ministerkrise erschwert. Jedoch läßt uns die wohlgememte, vollkommen solidarische Tätigkeit der russischen und englischen Vertreter in Persien, die gemeinsam sich bemühen, der persischen Regierung in der Unterdrückung dieser Unruhen zu helfen, hoffen, daß die Treibereien unserer Feinde 1 werden und daß die Ruhe im Lande wieder hergestellt wird. Ich muß hinzufügen, daß, wenn unsere Bemühungen 9 bleiben sollten und die getroffenen Maßnahmen nicht zur Beruhigung des Landes führen, wir wahrscheinlich zu anderen Mitteln werden greifen müssen.(Beifall.) Sie haben zweifellos bemerkt, daß in der letzten Zeit die japanische Presse die Frage der Nützlichkeit einer engen politischen russisch⸗jaranischen Vereinigung erörtert. Diese Idee hat auch in unserer Presse einen günstigen Wi ge⸗ funden. Die Presse der beiden Länder kämpft in der Tat gegen denselben Feind. 5 5 . 1 n N Japan uns 1 1 Ver⸗ ündeten in die iege gelei. i ierungen der Triple⸗Ententemächte nicht unbeeinflußt lassen, ebenso wie die öffentliche Meinung in diesen Ländern, da sie die Atmosphäre schufen, in der sich feste politische Bande zwischen den Völkern knüpfen. Zehn Jahre, die seit dem Vertrage von Portsmouth ver⸗ flossen sind, haben bewiesen, daß eine friedliche Nachbarschaft zwi⸗ schen Rußland und Japan durchaus möglich und für beide Teile vorteilhaft ist. Unsere gegenwärtigen Handelsbeziehungen zu Japan sollen die Vorläufer zu einem noch festeren Bündnis bilden.(Bravo⸗ rufe, Beifall.) Das Vorgehen des japanischen Heeres gegen die deutsche Festung Tsingtau hatte den Uebergang des festen Platzes und des Pachtgebietes Kiautschou in die Hände der Japaner zur Folge. Im Zusammenhang mit diesem Unternehmen begannen die japanische und die chinesische Regierung Besprechungen, die zu einem Uebereinkommen führten, in dem die besonderen Rechte Japans in den chinesischen Gebieten, wo die japanischen Interessen vorwiegend liegen, festgelegt werden.— Unsere freundschaftlichen Beziehungen zu Japan und China gaben uns die Sicherheit, daß diese Verhand⸗ lungen russische Interessen nicht in Frage stellen würden und er⸗ möglichten es uns, den Verhandlungen mit völliger Ruhe selbstindenkritischsten Momenten zufolgen. Japan und China haben unserer Haltung Anerkennung gezollt. Dieselben, auf Vertrauen beruhenden Beziehungen zu der chinesischen Re⸗ gierung haben es uns ermöglicht, zu einem endgültigen Ueber⸗ einkommen über die äußere Mongolei zu gelangen. Am 7. Juni wurde zu Kiachta eine Entente unterzeichnet, die demnächst veröffentlicht werden wird. Auf Grund dieses Abkommens wird die Außenmongolei in den inneren Angelegenheiten als ein selhst⸗ ständiger Vasallenstaat Chinas anerkannt. Die Außen⸗ mongolei erhält das Recht einer inneren Selbstverwaltung und Aktionsfreiheit in Fragen des Handels und der Industrie bis zu dem Recht, über diese 0 internationale Abkom⸗ men abzuschließen. Einzig und allein auf dem Gebiete der äuße⸗ ren Politik wird die Unabhängigkeit der Mongolei durch das Recht Rußlands und Chinas auf die Intervention beschränkt. Zum Schluß will ich Ihnen sagen, daß, wenn nach einem Jahr Krieg die Ergebnisse solcher Bemühungen als nicht ihrer ungeheuren Größe entsprechend erscheinen könnten, man nicht vergessen soll, daß die Bürgschaft des Sieges in unserer Festigkeit und Zähigkeit liegt. Ich kann mit voller Sicherheit erklären, daß die Regi g in engem Verein mit der öffentlichen Meinung, nicht daran denken wird, einen 3 zu schließen vor der endgültigen Verni„ Feindes.(Lang anhaltender Beifall.) Unsere treuen bündeten sind von derselben unerschütterlichen Festigkeit beseelt.(Beifall.) Endlich gibt es Notwendigkei⸗ ten, die von unserem Willen unabhängig und un⸗ aufhaltsam durch den historischen Gang der Er⸗ eignisse vorwärts getrieben werden. Das müssen wir . Der Krieg, der uns vor einem Jahre auf⸗ gezwungen wurde, hat Probleme aufgeworfen, die uns im Juli 1914 nur als ferne Träume erschienen. Diese Probleme, die uns jetzt so klar sind, daß es überflüssig ist, sie genauer 8 be⸗ zeichnen, verlangen von uns die Entwicklung aller unserer Kräfte, denn wir sind vor ganz Rußland verpflichtet, sie zu lösen. Wir können nicht darauf verzichten, deshalb, wie auch die vorül gehenden Prüfungen sein mögen, die wir durchmachen, wir müssen beständig in unserem Entschluß bleiben, den Feind bis zum Siege zu bekämpfen. Bis dahin behalten wir den festen Glauben an den endgültigen Sieg unserer gerechten Sache.(Langanhaltender Bei⸗ fall.) Finanzminister Bark erklärte, daß es Rußland trotz der e Ausgaben infolge des riesenhaften Krieges gelungen sei, nicht nur die in seinem Na⸗ tionalvermögen notwendigen Hilfsquellen zu finden, sondern auch Miindereinnahmen zu decken, die durch das Verbot des Alkoholver⸗ kaufs entstanden. Dieses Monopol brachte der Staatskasse jährlich fast eine Milliarde Rubel. Der Minister gab an, die Kriegs⸗ ausgaben Rußlands würden bis Ende 1915 auf 7242 Millionen Rubel steigen. Um diese zu decken, beab⸗ sichtige das Ministerium eine Reihe von Kreditoperationen, deren Erfolg außer Zweifel stehe, denn die Gesamtheit der nationalen Ersparnisse habe sich um 1800 Millionen vermehrt. Das sei Be⸗ weis genug, daß das Land hinreichende Hilfsquellen habe, um diese Operationen zu verwirklichen,. die der vollstän⸗ digen Enthaltsamkeit des Volkes zu ken seien. Der Minister betonte die Notwendigkeit, das wohltuende heilsame Verbot des Alkoholverkaufs auch nach dem Kriege aufrecht zu erhalten. Der Minister schloß mit der Versicherung, das Land werde allen Not⸗ wendigkeiten des Krieges entsprechen, nur getragen von vaterlän⸗ dischem Schwung, alle seine Kräfte und alle seine Fähigkeiten vereinigt zu wissen, um den Bedürfnissen des Heeres zu genügen. Aus der Duma begaben sich die Minister in den Reichsrat, wo sie die gleichen Reden hielten. Die Redner aller Parteien sprachen ihre Zustimmung aus. Die Polen begrüßten die Er⸗ ärung der Regierung betreffend die Autonomie Polens. Der. Pole Veliopolsky sagte: Unsere Städte sind zerstört, un⸗ sere Dörfer in Asche gelegt. Der Feind steht vor den Toren unserer uptstadt. In dieser geschichtli⸗ Stunde erklären wir, daß das Ziel, das wir von fang des Krieges an im Auge gehabt haben, nicht von einem Sieg oder einer Nieder⸗ lage abhängig ist. Wir hoffen, daß mit Gottes Hilfe Polen wiederhergestellt werden wird in der Vereinigung mit unter dem Zepter 1 Monarchen. Der Reichsrat beschloß Uebergang zur Tagesordnung mit einer Formel, welche besagt, er sei überzeugt, daß das unge⸗ heure, geeinigte Rußland im Zusammenwirken mit der Regie⸗ antreten e e e e umstürzleri einer Feinde und i nschlag au die Hebel der Völker zu vernichten. 5 0.** 3 Der Seekrieg. London, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der englische Dampfer„Fulgence“ ist versenkt worden. Die Besatzung von 26 Mann ist gerettet. g Helsingborg, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Der Dampfer „Orlando“ aus Sundswall landete gestern vormittag hier 30 Mann der Besatzung des torpedierten norwegischen dam v⸗ 10 nach wurde der Dampfer du ers 18 dh ndhiemsfiord“. Der er hatte New Pork 16. Juli 9 8 und war an der Küste ttlands in Sicht, er von dem deutschen Unterseeboot ere wurde. Die 1 2 satzung bekam 10 Minuten 25 zum 1 2 g f 55 5 rch einen Torpedoschu senkt. Die Mannschaft wurde später von dem Dampfer„Orlando“ aufge⸗ n ondon, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich) Medung d ondon, 2. Aug. TB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Dampfer„Clintonia“ istd er⸗ senkt worden, 54 Mann der satzung wurden gerettet, 11 sind als verloren gemeldet. London, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agen⸗ tur meldet: Der britische Dampfer„Ben vorlich“ ist versenkt worden. Der erste Leutnant und sechs Matrosen wurden gelandet. Der Kapitän und der Rest der Besatzung verließen das Schiff in einem Boot. Amsterd am, 2. Aug.(WTB. Nichtamtlich.)„Nieuws van den Dag“ melden aus Ymuiden: Der hier angekom⸗ mene holländische Dampfer„Beijerland“ fand am Sonntag den englischen Kutter„L. P. 1102“ sechs Meilen von Newarp Feuerschiff brennend vor. Die Be⸗ satzung suchte in einem eigenen Boote das Land zu er— reichen. 0 Aus dem Reiche. Allgemeine Erhöhung der Brotration? Berlin, 2. Aug(WTB. Nichtamtlich) Die„Voss. Ztg.“ weist unter Bezugnahme auf die in Kürze zu erwartenden Angaben über die voraussichtlichen Erträge der diesjährigen Ernte darauf hin, daß Deutschland im Durchschnitt an Brot⸗ getreide eine gute Mittelernte zu verzeichnen habe und daß außerdem aus der vorigen Ernte noch große Bestände zur Verfügung stehen, die man wohl mit 600 000 bis 700 000 Doppelzentner annehmen dürfe. Unter diesen Umständen, so fügt das Blatt hinzu, darf es als sehr wahrscheinlich gelten, daß die More ene sobald das Ergebnis der Schätzung vorliegt, eine allgemeine Erhöhung der Brotration vornehmen wird. Die Bestandsmeldung von Kupfer. Berlin, 1. Aug.(Amtlich.) In der am 20. Juli ver⸗ öffentlichen Verfügung M. 1./7. 15. K. R. A. über Bestands⸗ meldung und Verwertung von Kupfer in Fertigfabrikaten scheint der Ausdruck„gebrauchte und ungebrauchte Fertig⸗ fabrikate“ vielfach so verstanden zu werden, als ob Gegen⸗ stände, die d. Plate n in Benutzung sind, nicht melde⸗ pflichtig seien. Diese Auffassung ist irrig. Wie aus§3 a und Spalte 3 des Meldescheines, dessen aufmerksames Lesen nicht dringend genug empfohlen werden kann, hervorgeht, sind alle Fertigfabrikate zu melden, die gebraucht werden und im Betrieb sind. Die Meldung muß auch dann erfolgen, wenn die Gegenstände unentbehrlich erscheinen und bei— spielsweise zur D Heereslieferungen gebraucht werden. Der Zweck der Meldung besteht darin, zu näch st einen Ueberblick über die Menge und Art der im Lande vorhandenen Kupfermengen in Form von Fertig⸗ fabrikaten zu gewinnen. Die Weiterbenutzung und der Ver⸗ kauf der gemeldeten Gegenstände werden in keiner Weise beeinträchtigt. Diese Bestandsmeldung ist nicht miteiner Beschlagnahme zu verwechseln. Die Meldepflicht bezieht sich nur auf Gegenstände, die ganz oder teilweise aus Kupfer hergestellt sind. Teile, die aus Kupferlegierungen (Messing, Bronze u. dergl.) bestehen, sind nicht meldepflich⸗ tig. Bei Gegenständen, die wegen ihres Einbaues zum Zwecke des Wiegens nicht herausgenommen werden können und sich auch der Ausmessung zwecks Berechnung des Gewichtes ent⸗ ziehen, genügt es, das Gewicht, so gut es geht, zu schätzen. Die Unterbringung der Ernte. Berlin, 2. Aug.(WTB. Amtlich.) Wie in anderen Jahren wird auch heuer ein Teil der Ernte gleich auf dem Felde gedroschen. Ein selbstwirtschaftender Kom⸗ munalverband, dem an genügenden Lagerräumen mangelt, um auch das über seinen Bedarfsanteil hinausgehende Ge⸗ treide zu lagern, kann sich daher plötzlich vor die Frage ge⸗ stellt sehen, wo er mit dem überschießenden für ihn beschlag⸗ nahmten Brotgetreide bleiben soll. Mehrfach haben sich nun solche Kreise bemüht, ihren Ueberschuß an Zuschußkreise ab⸗ ugeben. Dies widerspricht indessen den Vorschriften der undesratsverordnung über den Verkehr mit Brotgetreide und Mehl vom 28. Juni 1915. Danach ist der Ueberschuß eines Kommunalverbandes an Brotgetreide, soweit nicht durch Zusammenschluß mit einem anderen Kommunalver⸗ band eine Ausnahme statt hat, nur an die Reichs⸗ getreidestelle zu liefern. Die ME ist auch bereit, und in der Lage, schon jetzt Brotgetreide der neuen Ernte abzunehmen. 5 Berlin, 3. Aug. Dem Präsidenten des Reichstages, Dr. KHaempf, ist das Eiserne Kreuz verliehen worden. — Wie die„Kreuzzeitung“ meldet, sind aus Anlaß des Jahrestages des Kriegsbeginns zahlreiche Angehörige des Kriegsministeriums mit Ordensauszeichnungen bedacht wor⸗ den. So hat der Kriegsminister Wild von Hohenborn den Orden Pour le mérite erhalten.. Aus Stadt und Cand. Gießen, 3. August 1915. Stadtverordneter Friedberger 5. Mit schmerzlicher Ueberraschung wird in den Kreisen der Bürgerschaft und darüber hinaus die Nachricht auf⸗ genommen werden, daß der Tod nunmehr auch dem Leben des Stadtv. Max Friedberger ein giel gesetzt hat. In das Kollegium unserer Stadtverordneten, das ohne⸗ hin durch den Verlust manchen treuen Mitgliedes in den letzten Monaten so sehr geschwächt worden ist, reißt das Hinscheiden Friedbergers eine neue Lücke, die bitter emp⸗ funden werden muß. Dieser Gedanke wird sich beim Be⸗ 1 der Todesnachricht allen Lesern zunächst auf⸗ rängen. Der Krieg bringt es mit sich, daß das Geschick des Einzelnen und die Ernte des Todes unter den Daheimgeblie⸗ benen viel mehr als sonst in dem großen Meer des zZeit⸗ geschehens versinken; aber beim Tode des Stadtv. Fried⸗ berger erinnern wir uns alle gerne dessen, was er für die Lebenden bedeutet hat. Es war nicht seine Art, im öffent⸗ lichen Leben aus den Reihen seiner Mitarbeiter und Freunde herauszutreten; aber in stiller Arbeit, deren Wert oft von Außenstehenden nicht vollkommen abgeschätzt werden kann, ist der Verstorbene sich und seiner steten Sorge für Vaterstadt und Heimatbezirk treugeblieben. Es ist nur zu natürlich, daß hier in erster Linie dessen gedacht wird, was er in den Stellen, an die ihn das Vertrauen seiner 1 stellte, eleistet hat. Als ein Mann, dem das praktische Leben und sein weitverzweigtes Geschäft in Verbindung mit seinen zahlreichen Beziehungen zum Publikum den Blick. und die Menschenkenntnis zu einem wertvollen Werkzeug gemacht haben, wußte er im Rate der Stadtverordneten ind in den Kommissionen, denen er angehörte, sein Wissen seine Ansichten dem Wohle der Stadt in verdienst⸗ vollster Art nutzbar zu machen. Die gleichen Eigenschaften kamen ihm zustatten, wenn es galt, in der Handels kame mer, der er lange Jahre angehörte, sein Wort für die Interessen unseres Bezirks in die Wagschale zu werfen; auch hier betätigte er seine reiche kaufmännische Erfahrung, seine Kenntnis unseres weitverzweigten wirtschaftlichen Le⸗ bens. So war er auch als Handelsrichter der gegebene Mann, mit kundigem Auge Gegensätze zu erkennen und aus⸗ zugleichen. Von der Persönlichkeit des Toten, die sich in seinem Wirken ausprägte, sind noch weniger seine rein mensch⸗ lichen Eigenschaften zu trennen, die ihm schon lange, ehe er in ein öffentliches Amt trat, die Achtung und das Ver⸗ trauen der Bürgerschaft errungen hatten. Wir denken hier an seine aus dem Herzen kommende echt liberale und mensch⸗ liche Gesinnung, die er uneigennützig stets in den Dienst der Sache stellte, wenn es galt, Reibungsflächen und Interessen⸗ gegensätze zu beseitigen, wie sie das politische und wirt⸗ schaftliche Leben überall mit sich zu bringen pflegt. Dien stets hilfsbereiten und liebenswürdigen Mann hatte in der letzten Zeit ein Leiden heimgesucht, das ihm doppelt schwer ans Herz greifen mußte, weil er nicht nur durch seine patriotische Ueberzeugung, sondern auch durch zwei seiner Söhne— einer steht als Arzt im Felde, einer befindet sich in englischer Gefangenschaft— aufs engste mit den sich in dieser Zeit erfüllenden großen Geschicken des Vaterlandes verbunden war. Ehe er den ruhmreichen Ausgang des Krie— ges, an dem er mit ganzem Herzen beteiligt war, erleben durfte, hat ihn der Tod im 66. Lebensjahre abberufen. Sicher⸗ lich haben ihm seine Persönlichkeit und sein Wirken ein An⸗ recht auf einen Ehrenplatz in der Erinnerung seiner Mit⸗ bürger verschafft. * Auszeichnung. Der Kriegsfreiwillige im Res.⸗Inf.- Regt. 222 Willi Zutt von Gießen wurde zum Sanitäts-Unter⸗ offizter befördert und erhielt das Eiserne Kreuz. * In der chirurgischen Klinik boten gestern abend Hellmuth Eckhardt und Willy Werner Göttig den Verwundeten— es waren auch Leute aus der Augen⸗ klinik, medizinischen Klinik usw. eingeladen— einen Unter⸗ haltungsabend. Hellmuth Eckhardt brachte ernste Vor⸗⸗ träge, Balladen, die ihre tiefe Wirkung nicht verfehlten, u. a.:„Die Mette von Marienburg“ von Felix Dahn und „Die Füße im Feuer“ von C. F. von Meyer. Daß Willy W. Göttig mit seinen heiteren Vorträgen die Lacher auf seiner Seite hatte, braucht kaum gesagt zu werden.„Meiers Stiefel“ von Freiherrn v. Schlicht, die„Soldatenlieder“ A. de Noras sind von der Freilichtbühne her in der besten Er⸗ innerung. * Von der Verpflegungs⸗ und Erfri⸗ schungsstelle des Roten Kreuzes am hiesigen Bahnhof wurden im vergangenen Monat 16 281 durch⸗ kommende Soldaten, darunter 1275 Verwundete, verpflegt. Von der Sanitätskolonne wurden 771 Verwundetentrans⸗ porte ausgeführt und in 127 Fällen sonstige Hilfe geleistet. * Die Viehpreise. Vom Frankfurter Viehmarkt wird uns geschrieben: Die Absicht des preußischen Landwirt⸗ schaftsministers,„den Landwirten bei der Zwangsabschlach⸗ tung der Schweine gute Preise zu sichern“, ist mehr als er⸗ reicht. Das beweist wieder einmal der Preisstand auf dem gestrigen Frankfurter Viehmarkt. Wurden doch für voll⸗ fleischige Schweine von 80—150 Kg. pro Pfund Schlacht⸗ gewicht 158—160 Pfg., für die unter 80 Kg. 150—155 Pfg. bezahlt gegen 150—155 Pfg. bezw. 142150 Pfg. am vor⸗ wöchigen Hauptmarkt. Trotz den hohen Preisen ging das Angebot von 914 Schweinen, das sind 21 weniger als am Markt vor acht Tagen, bei regstem Handel in kurzer Zeit ab. Am Rindermarkt hielten dagegen Ochsen und Bullen die Preise der Vorwoche. Es genügte aber der Antrieb an voll⸗ fleischigen ausgemästeten Ochsen nicht der Nachfrage. Bei Kühen machten die beiden ersten Qualitätsgruppen eine Preisrückwärtsbewegung, während wenig gut entwickelte Fär⸗ sen einen Preissprung um 6—8 Pfg., ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe einen solchen um 6 bis 9 Pfg., mäßig genährte Kühe und Färsen einen von 2—4 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht in die Höhe machten. Am Kälber⸗ markt gingen die Notierungen ebenfalls in die Höhe. So notierten mittlere Mast- und beste Saugkälber 103—110 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht, geringere Mast- und gute Saug⸗ kälber 95—103 Pfg., das sind 7 Pfg. bezw. 5—6 Pfg. mehr als in der Vorwoche. Schafe machten eine Haussebewegung um 3 bis 5 Pfg. pro Pfund. Das Angebot in Rindern, Kälbern und Schafen wurde bei regem Geschäft glatt ge— räumt.— Die Preise für Schlachtviehssind jetzt auf eine Höhe hinaufgeschraubt, die nicht annähernd im Verhält⸗ nis zu den Erstellungskosten, insbesondere der Schweine, steht und sich durch nichts rechtfertigen läßt. Die Metzger rechnen mit einer weiteren Steigerung und sehen lediglich in der baldigen Festsetzung von allgemeinen Höchst⸗ preisen für Vieh das Mittel, um dem Höhertreiben der be⸗ stehenden Phantasie-Viehpreise ein Halt zu bieten.— Auf dem heutigen Viehmarkt in Wiesbaden notierten voll⸗ fleischige Schweine von 80—150 kg 150158 Pfg., die unter 80 kg 145—150 Pfg. pro Pfund Schlachtgewicht. Landkreis Gießen. Lich, 2. Aug. Stadtrechner Ludwig Häuser, Leutnant im Landw.⸗Inf.-Regt. 32, erhielt nach den letzten erfolgreichen Kämpfen im Argonnenwald das Eiserne Kreuz. Grünberg, 2. Aug. Dem Leutnant Karl Heutzen⸗ röder aus Grünberg, L.-Inf.-Regt. 32, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. 5 Starkenburg und Rheinhessen. WTB. Mainz, 2. Aug. In Friesenheim bei Oppenheim sind vier russische Kriegsgefangene entwichen. Ihre Namen sind Fedor Jewlasch, Alexi Puzykin, Anton Dsybal, Sawa Mimrik. Vermutlich trugen alle vier Uniform, blaue Hose, Schnür⸗ stiefel und Militärmütze. a ch. Bingen, 2. Aug. Die Verwundeten des Re⸗ serve-Lazaretts Linz am Rhein unternahmen heute einen Dampferausflug auf dem Salondampfer„Rex Rheni“. Die Vergnügungsfahrt, welche die Verwundeten an den schönsten und reizvollsten Stellen des deutschen Rheines vor⸗ beiführte, führte nach Bingen. Während des Aufenthaltes in Bingen, der auf mehrere Stunden bemessen war, spielte die Militärkapelle, die sich an Bord befand, in den Rhein⸗ anlagen ihre Weisen. Reden und Lieder würzten den Aus⸗ flug. Gegen Abend trat der Dampfer unter den Klängen der Musik die Rückfahrt an. Der Dampfer war in seiner ganzen Länge mit den deutschen, österreichischen, ungarischen und türkischen Fahnen und Wimpeln geschmückt. Hessen⸗Nassau. h. Frankfurt a M., 2. Aug. Das städtische Ver⸗ kehrs⸗- und Gewerbeamt stellt der Bevölkerung roße Mengen grüner Bohnen aus Holland zum Preise von 18 Pfg. das Pfund zur Verfügung. Die Bohnen, die heute schon an einzelnen Stellen verkauft wurden, fanden reißenden Absatz. Infolgedessen sahen sich viele Gemüse⸗ händler gezwungen, auch sofort die Preise von etwa 30 Pfg. auf den städtischen Verkaufspreis her abzusetzen. h. Frankfurt a. M., 2. August. Die Stadt verausgabte für Unterstützungszwecke während des ersten Kriegsjahres CWG 9 9 an Angehörige in Felde stehender Krieger rund 12 Millionen Mart Von der„Zentrale für private Kriegs fürsorge“, die ihre Einnahmen ausschließlich der Wohltätigkeit der Bürgerschaft verdankt, wurden etwa 8—9 Millionen Mark ausgegeben. Zu diesen Summen gesellen sich noch gewaltige Mengen von Be⸗ kleidungsstücken, Lebensmitteln usw., deren Wert auch mehrere Millionen Mark beträgt. Insgesamt dürften schätzungsweise 25—28 Millionen Mar! der Kriegsfürsorge in Frankfurt zugeflossen und an Unterstützungsbedürftige verausgabt sein. h. Weilburg, 2. Aug. In dem Rechnungsjahr April 1914 bis Ende März 1915 beliefen sich die Sparein⸗ lagen bei der Sparkasse des Oberlahnkreises auf 948 258 5 50 während die Rückzahlungen nur 738523 Mark be⸗ rugen. le. Montabaur, 2. Aug. Die Frau eines hiesigen Lehrers wurde von einer Biene in den Hals gestochen. Die ein⸗ 5 25 Schwellung führte den Erstickungstod der Frau erbei. . Eschwege a. d. Werra, 1. Aug. In der Nähe des Dorfes Billeben nahm gestern abend ein Flieger eine Lan⸗ dung vor. Eine große Anzahl Neugieriger stürmte blind⸗ lings auf die Maschine zu. Der Flieger konnte diese nicht mehr wenden und fuhr in die Menschenmenge hinein. Einem 17jährigen Mädchen und einer älteren Frau wurde ein Arm von dem Propeller abgerissen, eine größere Anzahl anderer Personen erlitten teils leichtere, teils schwere Ver⸗ letzungen. 4 h. Aus der Rhön, 1. Aug. Auf der 833 Meter hoch⸗ elegenen Milseburg, die wegen ihrer dreiseitig abgestumpften Pyramidenform im Volksmunde den Namen„Heufuder“ oder „Totenlade“ führt, wird augenblicklich das Turmdach der viel⸗ besuchten Wallfahrtskapelle des heiligen Gangolfus mi. einer vollständig neuen Schieferbedachung versehen. Es ist dies eine überaus schwierige Arbeit, da die Schieferplatten im Gewicht von etwa 75 Zentnern vom Fuße des Berges, der Station Milse⸗ burg, auf steilen Wegen in mühseliger Wanderung und Fahrt auf die Kuppe gebracht werden müssen.— Für die Erbauung einer Schutzhütte an der malerisch gelegenen Fuldaquelle hoch oben an der Großen Wasserkuppe stiftete Rentner Burkard Müller aus Wiesbaden 30000 Mark. Mit dem Bau soll unverzüglich begonnen werden. 5— Gerichtssaal. rb. Darmstadt, 2. August. Das Schwurgericht für die Provinz Starkenburg wird seine Verhandlungen für das dritte Quartal am Montag, den 27. September be⸗ ginnen. Zum Vorsitzenden des Schwurgerichts ist Landgerichts⸗ rat Schmidt bestimmt worden. Die 910 te, zur Verhandlung kommende Straftat dürfte der entsetzliche Raubmord an der Witwe des Bäckermeisters Frödert in Lampertheim sein, dessen die beiden jugendlichen schlesischen Metzgergesellen Pasiga und Drabik beschuldigt werden. Eine weitere Anklage wegen Mordes richtet sich gegen den Fabrikarbeiter Gutberlet aus Offenbach, der be⸗ schuldigt wird, einen anderen Arbeiter gelegentlich eines Wirts⸗ hausstreites erstochen zu haben. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. ———— 8 EE 35 5 5 8 8 2 Aug. S 8 8 S 3 2 8 25 „(o 616 ESS i S„„ ss Wetter 1815 2 8 2 8 5 3 S 3 2 658 5 48 85 8 88 22 743,1 23,0 13,5 65 8 2 9[Bew. Himme 2. v 743,4] 17,6 11,7 78 8E 2 5 1 2 37 748,9 17,0 10,4 72 88 W 4 7 2 5 Höchste Temperatur am 1. bis 2. Aug. 1915 23.00. Niedrigste„»I 125„ Niederschlag: 0, mm. Amtlicher Wetterbericht. Das sestländische Hochdruckgebiet ist durch die westliche De— pression, die nur wenig vorgerückt ist, etwas weiter zurückgedrängt worden, so daß wir allmählich immer mehr unter Tiefdruckeinfluf kommen werden.- Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 4. August 1915 Meist bedeckt, zeitweise Niederschläge, kühl, süd westliche Winde. Letzte Nachrichten. Eine neue Friedensaktion des Papstes. Scheweningen, 3. Aug. Nach Mitteilungen aus der Umgebung des Kardinals Mercier wird der Papst nach der Entscheidung in Polen eine neue Friedensaktion direkt an alle Staatsoberhäupter der kriegführen⸗ den Staaten unternehmen. Der Papst will vor allem einen neuen Winterfeldzug verhindern. Günstiger Fortgang der türkisch-bulgarischen Verhandlungen. Kopenhagen, 3. Aug. Die„National Tidende“ mel⸗ det aus Paris, daß nach französischer Auffassung die N Verhandlungen in den letzten Tagen eine für die Zentralmächte sehr günstige Ent⸗ wicklung genommen hätten. Die Entente könne zukünftig von der Seite Bulgariens im besten Falle auf wenig freund⸗ schaftliche Neutralität rechnen. Keine bulgarisch⸗griechische Entente. Genf, 3. August. Der Sonderberichterstatter des„Temps“ meldet aus Sofia: Man dementiert in offiziellen bulga⸗ rischen Kreisen das Gerücht von einer Entente Bulgariens mit Griechenland, die ihm ermöglichen würde, das serbische Mazedonien zu besetzen. Italienische Kritik an dem Aufruf des Deutschen Kaisers. Lugano, 3. Aug. Der Aufruf Kaiser Wilhelms au das deutsche Volk wird zusammen mit den Worten des Kaisers Franz Josef an die Südarmee von der italienischen Presse wiedergegeben. Während der Aufruf des Kaisers Franz Josef unbesprochen bleibt, knüpfen die Blätter an die Worte Kaiser Wilhelms längere Aus⸗ führungen.— Der„Corriere della Sera“ wagt bezeich⸗ nenderweise nicht mehr zu leugnen, daß Deutschland angegriffen wird, obwohl er dem Kaiser Ungerechtigkeit vorwirft. Die Mei⸗ nung des Blattes ist, daß 10 Jahre deutscher Herrschaftsbe⸗ strebungen die anderen Völker gezwungen haben, zur Abwehr zu rüsten. Der Weltkrieg sei daher für den Vierverband ein Ver⸗ teidigungskrieg. Die Besprechungen des„Secolo“ sind ein einziges Schimpfgeschrei. Revolution in Indien. Köln, 3. Aug. Wie die„Kölnische Zeitung“ berichtet, mel⸗ det der in San Francisco erscheinende„Call“ folgendes von einem neuen indischen Aufstand: Der Herausgeber des Hindu⸗ blattes und Leiter der revolutionären Hindubewegung, Chandra, hat Briefe aus Indien erhalten, nach denen Ausgang Mai eine vertzweifelte Schlacht pier Meilen von Kalkutta zwischen englischen Truppen und aufrührerischen Hindus stattgefunden hat. Amtliche englische Berichte geben das Ereignis zu und erwähnen schwere Verluste auf beiden Seiten. Chandra fügt hinzu, daß er von fortgesetztem Aufruhr in Delhi, Poona und an der Grenze Kunde erhalten habe, die von der britischen Zensur der Außen⸗ welt vorenthalten werden. g Rheinisches 2 obige 2 3 alk, echnikum Bingen 1211902415 8 2801 810 2 8 Chauffeurkurse. f 5 5 5 f 5 5 5 5 3 J 4 73 1 1 beinahe genau nord⸗südlich. Kriegsbriefe aus dem Osten. panne Juli In Nordwesten zogen sich die russischen Stellungen vor Pultusk von Tscharnopow in leichtem Bogen g Gsy und verliefen dann An zwei kten— südwestlich von Tscharnopow— durchbrachen die hier angesetzten deutschen Sturm⸗ kolonnen die russische Stellung, es kam zum blutigen Bajonett⸗ kampf innerhalb des Grabens, aber die Linie wurde mit zähem b i ie militärischen Operationen, da ich sie schon nur mit schr 1 5 5 1 0 geben 0 so viel in meinen Kräften steht, wenigstens exakt bringen möchte. 5 e 2 5 55— nachdem die starken Vorstellungen erstütrmt waren— macht es auch erklärlich, daß die Stadt Pultusk nicht elitten hat. Ich wäre gern an dem Abend, oder besser in der Nacht nach dem Narew⸗Uebergang weiter gezogen, aber die russische Sommerkrankheit fing mich so abscheulich, daß ich zurückkehrte und in dem kleinen, schmutzigen Zimmer in Makow zwei Tage Gelegen⸗ heit hatte, die stündliche Vermehrung der Fliegen zu beobachten. In Malom war der Herzenswunsch eines jungen Leutnants einmal, eine Stunde ohne Fliegen zu sein; nur wer die Millionen gesehen hat, die jedes Möbelstück, jedes Geschirr und jeden schlafenwollenden Menschen schwarz punktiert erscheinen lassen, kann diesen Wunsch verstehen. Sein zweiter Wunsch ist zu unästhetisch, als daß ich ihn andeuten könnte, aber— er ist erst recht zu verstehen. Wenn man den Dingen nicht zu nahe kommt, sieht die Stadt Pultusk recht hübsch aus. Eine schöne orthodoxe Zwiebelkirche mit kobaltblauen Türmen, bringt einen starken und belebenden Farbenton in das Stadtbild. Zauberhaft schön— wirklich— sieht der Marktplatz am Spät⸗ Heute nachmittag entschlief sanft nach längerem Leiden m herzensguter Vater, Grohvater, VC abend aus. Gestern kam der Vollmond dunkelgelb über die Häuser e en Saite die bescheiden mit roten Ziegeldächern und hellen Fenstern sich in die Reihe ziehen. Aber je mehr sie sich der alten alten weißen, leuchtenden Schlosses auf der Höhe aufgespart hat. In dem großen, länglichen Viereck stehen Trains und Bagagen und dicht bei der katholischen Kirche, deren Glockenturm den an⸗ deren Abschluß des Marktes bildet, hält ein Bataillon Appell. Man sieht die lange dunkle Linie.„Stillgestanden!“ Ich höre sonst nicht, um was es sich handelt, nach einiger Zeit aber tauchen viele Dutzend glühender Pünktchen auf, die Reihe löst sich, man Auch die Kasernen haben nicht viel abbekommen. Auf der Höhe von Fort IV ist eine kleine rote Soldaten⸗Kapelle. Da sieht man weit in das Narewtal, sieht drüben die Steine eines alten Juden⸗ lirchhofes und Sonnenglänzen auf der neuen, deutschen Brücke. Ferne hinter den Wäldern schwingen sich Rauchfahnen hoch— dort ist die Linie, wo die Unseren in unermüdlichem täglichen Heldenkampfe den eisernen Ring weiterschieben, von Rozan wie von Pultusk trotz aller Schwierigkeiten und letzten Widerstände. 1 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Märkte. Gießen, 3. Aug. Marktbericht. Auf den heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pfd. 1.601,70, Hühner eier das St. 15— 00 Pfg., 2 Stück 00 Pfennig; Enteneier 1 Stück 0 Pfennig, 2 St. 00 Pig. Gäuseeier 1 St. 0-0 Pfq., 2 St. 00 Pfg. Käse das Stück 7—8 Pfg. Käsematte 2 Stück 6—0 Pfg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Ml., Hühner das Stück 1,00—2,00 Mk., Hahnen das Stück 1,00— 2,50 Mk., Euten das Stück 2,50—3,00 Mk., Welsche 4—5 Mk.; Ochsenfleisch das Pfund Mk. 1,12— 1,24, Rind⸗ fleisch das Pfund 112— 116 Pfg., Kuhfleisch 96—00 Pfg., Schweine— lleisch das Pfd. 1,50 0,00 Pit, Scalbfleise Hammelfleisch das Pfd. 96—110 Pf, dis 00 Mik, 0 Milch das Liter 24 9 f 3 a. N 5 Bom unserem zum Osthrere entsaudten Burg— dem Residenzschloß der Rischhöhe von Plock— nähern, 40—a0 Pig. Misse 100 Stück 60, Pig.„Weißtrau. 15 bis 90 (Unberechtigter Nachdruck, auch angzargsweise, verboten.) desto schöner und voller 5 11 25. 1905 4 1 150 ftr n 5 de 2 n a r. Gebsen 5 75 2 0 5 5 90 0 warzrot i. 9. 7„ 5—. Gegen den Bug- Narem-Abschnitt. benden Vu, das all feinen ans für den fernen Albschluß des des 98. 25 d Bp Bebel! Se ee ee 00-00 fg. der Liter, Pflaumen 15—20 Pfg. das Pfd., Mirabellen 5060 Pfg. das Pfd.; Gurken große 15—25, kleine 3—5 Pfennig.— Marktzeit von 7 bis 1 uhr. 5 FO. Wiesbaden. Viehhol⸗ Marktbericht vom 2. Aug. Auftrieb: 336 Rinder(darunter 44 Ochsen, 36 Bullen, 256 Kühe und Färsen), 388 Kälber, 22 Schase, 312 Schweine. Preise für 100 Pfd. Marktverlauf: Lebhast, langsam geräumt. Lebend- Schlacht- . Kampfe genommen. Bereitgestellte Reserven griffen ein und von faucht wieder Der Mond geht höher, die Stadt liegt ganz still, gewicht. 5 Norden her mit sofortiger. 1 eichte e 2 Süden ist kein 1 kein Geräusch zu hören. i Ochsen. k. Mk. 5 Finie nun aufgerollt, eine erfolgsichere, aber ni 9 ordwesten und] Nur der Wind geht durch die Bäume und llatscht leicht auf die Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht⸗ . Am Abend des 23. standen diese Kräfte 7 Verbände den Planen und Tücher der Bagagen und Brückentrains. 5 wertes im Alter von 4—7 Jahren. 65—70 120132 . Westen vor Pultusk, während Rleitdenite 92 schon geschilde en Aber man darf den Dingen nicht zu nahe kommen. Das schöne] Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere 5 Brückenkopf von Chmjelwo 1 1 l hatten. Am Schloß— in das ein paar Granaten gefallen sind— ist innen] ausgemäs tete... 60—65 112—120 3 Rremnbergang mit großer 9 1 7 11 1 geräumt. Nach] wüst und leer, nur zwei marmorne Badewannen unter dem Schutt 5 Bullen. 8 Morgen des 24 hatten die Russen uch Ee die Russen hatten] und billigen Anstrich zeugen von der einstigen Herrlichkeit. Vom Vollfleischige, ausgew. höchsten Schlachtw. 56—60 100-108 5 tir 0000 Rubel erbaute Brücke zweiten 1 10 5 75 Narew weit verfolgen, Vollfleischige,.„.. 5356 84100 N 9. 7 5 iter] man sieht nach Süden, wo Warschau liegt. 55 ärsen. Kühe. 5 5 2 umd. die r Abschnitt und e In anderen Sommertagen fuhr man in zweieinhalb Stunden] Vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten 5 Linie eee en be 1 d gestern heftige Gegenangrifsch mit täglichem Automobil nach der Hauptstadt Polens. 5 Schlachtwerts.„„ 6469 120130 b vor. Die Russen* 355 5 5 1755 Rücksichtslos setzten Das war die Verbindung von Pultusk mit der Welt, im Winter Vollfleischige ausgemästete Kühe bhöchsten 5 gemacht um diesen r deutsches Regiment hatte sechs An⸗ schlief man den Schlaf der kleinen polnischen Städte. Schlachtwertes bis zu? Jahren 50-56 98—110 15 sie die Bataillone ein. 5 0 5 a o de e red ener Bevor ich nach Pultusk fuhr, war ich auf ein paar Stunden Wenig gut entwickelte Färsen.. 55—62 108—116 3 griffe 1 92 7 55 Man wird sich beim Vormarschsin Rozan, das eben die letzten russischen Granaten abbekam. Durch Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gu i Stellungen mit Lei. Gekände l noch heftigere Kämpfe gefaßt] das Fernglas hatte ich vor einer Woche noch Häuser erkannt, entwickelte jüngere Kühe 4549 85—96 in dem 1 sind 12 dieser Stelle etwa 40 Kilometer jetzt standen vielleicht noch ein Dutzend Hütten Erst hatte deutsches] Mäßig genährte Kühe und JFärsen. 33-38 74-80 machen müssen.. Feuer über der Stadt gelegen und dann russisches nach der Ein⸗ Kälber. vor Warschau.— nahme von dem anderen Narewuser herüber, 5 155 5 Nin e N e,, 2 199 .; j i Ar a„höht. Heut sind unsere Truppen vorwärts und ha ie Eisen⸗ ittlere Mast- und beste Saug alber——12⁰ Es schien mir 5 ee bahn nach Ostrolenka erreicht. Am wenigsten gelitten haben die Geringere Mast⸗ und gute Saugkälber... 56-62 95-107 tusk nachzutragen, we 5 5 Forts, die nicht betoniert sind, sondern nur Erdunterstände haben. Geringe Saugkälbere 5055 85—92 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lehendgefvichehtt:!! Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgew. 115—117 145-150 2 die beste ien 5 von Bergmann& Co., Radebeul, für zarte weiße Haut und! blendend schönen Teint, à Stück 50 Pig. berall zu haben. Statt besonderer Anzeige. Schwager und Onkel r ein innigstgeliebter Mann, unser Herr Max Friedberger im 66. Lebensjahre. Gießen, Berlin, London, den 2. August 1015. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Sara Friedberger geb. Meyerfeld Professor Dr. Ernst Friedberger, z. Zt. im Felde Dr. Otto Friedberger Hugo Friedberger und Familie. 6340 Die Trauerfeier findet in der israel. Leichenhalle des neuen Friedhofes Mittwoch, den 4. August, nachmittags 4 Uhr statt. Ein- äscherung in Offenbach Donnerstag vormittag 10 Uhr.— Von Blumenspenden und Beileidsbesuchen wolle man gütigst absehen Hiermit die traurige Nachricht, dass gestern abend 6 Uhr unser innigstgeliebter, guter Sohn, Bruder, Enkel, Neffe und Vetter Eduard Alt nach langem, schwerem, in Geduld ertragenem Leiden in kaum vollendetem 20. Lebensjahre sanft in dem Herrn entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Lokomotivführer. Giessen(Steinstrasse 51), den 3. August 1915. Fern von der Heimat, fern von den Lieben Ruhst du nun aus in fremdem Land Bei den Helden, die auch noch fielen Für das teure Vaterland. Können wir dein Grab nicht schmücken, Trauernd an der Gruft nicht steh'n, Auf zum Himmel wollen wir blicken, Denn dort gibt's ein Wiederseh'n. Am 27. Juli starb den Heldentod fürs Vaterland mein braver, un- vergesslicher Mann, lieber Sohn, Schwiegersohn, 6653 Ludwig der treusorgende Vater seiner zwei Kinder, mein Bruder, Schwager und Onkel Valentin Unteroffizier im Reserve-Infanterie- Regiment Nr. 83, 12. Kompagnie. Alt, 04188 In tiefem Schmerze: Frau Elise Valentin, geb. Merker, und Kinder Familie Andreas Valentin Familie J. Georg Merker. fert. Jef Die Beerdigung findet Donnerstag, den 5. August, Rodheim a. d. Bieber, Einartshausen, Giessen, Lützen, den 2. August 1915. nachmittags 4½ Uhr, auf dem neuen Friedhof statt.