N Drittes täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießzener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monallich zweimal. W 4* . ä 5 7 — 855 S 8 2 8 . 2 2 N 9 4 N Samstag, 31. Juli 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: e851, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Der Durchbruch bei Prasznuysz. * Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Von der P unter dem Oberbefehl des Feldmarschalls von Hindenburg stehen⸗ den Truppen wiederum kräftig vor. Im Rahmen dieser großen Offensive erhielt der General der Artillerie v. Gallwitz den Auf⸗ trag, mit den Truppen, die unter seiner Leitung seit Monaten die Wacht an der Südgrenze West⸗ und Ostpreußens gehalten hatten, und einige Verstärkungen die feindliche Stellung zu durch- stoßen. Die Aufgabe mußte als außerordentlich schwer erscheinen. hatten doch die Russen die Zeit der Ruhe ausgenutzt, um ein 5 Netz von günstig gelegenen und sehr stark befestigten Stellungen zwischen ihrer vordersten Linie und den Narewfestungen auszu⸗ breiten. Wer jetzt diese teils erstürmten, teils einfach verlassenen Befestigungswerke durchschreitet, der staunt immer von neuem über das Maß der aufgewandten Arbeit und technischen Sauber⸗ keit. Meilenweit ziehen sich— in einer Tiefe von nur 15—20 hintereinander hin, ützengräben von einer Tiefe und Stärke, wie sie erst der hartnäckige Stellungskrieg geschaffen hat. Hundert⸗ tausende dicker Baumstämme sind da hineingearbeitet, Millionen von säcken liegen auf den Brustwehren und türmen sich zu breiten Seitenwehren. Stellenweise sind bombensichere Unter⸗ und Pferdeställe tief in die Erde eingebaut. Ueberall dichte Drahthindernisse vor der Front, oft versenkt und in zwei bis drei Reihen hintereinander. Vorspringende Bastionen, bequeme und sichere Beobachtungsstände leiten zum Festungs⸗ charakter über. Das Gelände ist stark hügelig, hier und da bergig mit weit überragenden Höhen und steilen Abhängen. Von den zahlreichen Wäldern haben die Russen einen erheblichen Teil niedergelegt, um freiere llebersicht und weiteres Schußfeld zu erhalten. Eine soche Front in ganzer Breite frontal anzugreifen, ist unmöglich. Eine Umfassung des Gegners war ausgeschlossen, da sich die deutschen und die russischen Linien ununterbrochen nahe gegenüberlagen. 5 General v. Gallwitz entschloß sich 0 0 zum Durchbruch an zwei Stellen, die so nahe aneinanderliegen, die hier gelingenden diesmal den zur Rechten und zur L Schoß Wie die Schneiden tapf deuts T. 1 Prasentf 1 W sich unaufhaltsam jenseits der Stadt 9 er. 1 nich aber allmählich ben und—.— Batterien mit dem Einschießen begannen, an keinen ernsthaften Angriff geglaubt. Ein Stück hinter Praszuysz fanden unsere Truppen eine fertige Feldbahn, r ge am müchsten Tage der Personenverkehr beginnen ollte. Erst der Morgen des 13. Juli weckte die Russen unsanft aus ihrem Sicherheitsgefühle. Die Sonne war kaum aufgegangen, als aus Hunderten von Feuerschlünden die Geschosse leichten, schweren und schwersten Kalibers auf die russischen Stellungen hernieder⸗ sausten. Es war eine Kanonade, die schon auf die deutschen Trup⸗ pen einen tiefen Eindruck machte, die russischen aber völlig um die Besinnung brachte. Trotz des unklaren regnerischen Wetters schoß unsere Artillerie ausgezeichnet. Den Schützen in so starken Feld⸗ stellungen ist ja nur durch Volltreffer größerer Kaliber beizu⸗ kommen. Hageldicht schlugen diese kurz vor und hinter den russi⸗ 3 UKunst und wissenschaft. — Tiere als Schlachtenbummler. Seit es Kriege 17 t, gibt es auch Schlachtenbummler. Heute allerdings ist das berwachungssystem im Felde so streng organisiert, daß die Zahl dieser merkwürdigen Individuen auf ein Minimum eingeschränkt, wenn nicht gar gänzlich abgeschafft ist— wenigstens was die menschlichen Schlachtenbummler betrifft. Aber auch unter den Tieren gibt es Schlachtenbummler; und die vielen wahren Ge⸗ schichtchen aus dem Felde beweisen, daß diese vierbeinigen Zivilisten an der Front bedeutend zahlreicher sind und mit weitaus größerer Freude begrüßt werden, als die zweibeinigen. Der Krieg scheucht auf seinem rauhen Marsch Haustiere aller Art aus ihren friedlichen Ställen und Behausungen auf, und nicht selten geschieht es, daß diese umherirrenden Flüchtlinge die Lieblinge der Soldaten werden und so an der Front eine neue Heimat finden. Eine Anzahl interessanter Beobachtungen über die Haustiere in der Feuerlinie weiß die„Daily Mail!„zu berichten:„Die Zähigkeit und die praktischen Lebenskenntnisse der Katzen find allgemein bekannt. Der Einsturz des Hauses, in dem sie ihren warmen Platz hatte, das Verschwinden derer, die ihr Speise und Trank gaben, die Veränderungen und hütterungen der Luft— all dies läßt die kluge Katze bald erkennen, daß es gefährlich wäre, noch weiter an Ort und Stelle zu bleiben. Sie wandert fort und begegnes unweit der Ruinen ihres Heims einem Geschlecht menschlicher esen, die wie Kaninchen in einer Wirrnis von tiefen Löchern und Hohlen leben. Und gleich begreift die Katze die Vorzüge dieser Einrichtungen. Niemand bemerkt ihr Erscheinen; aber ohne lange Ueberlegung zieht sie mit ihrer Familie ein, und bald fühlt sie sich vollkommen heimisch. Die Mahlzeiten in den Schützen⸗ 79 75 sind regelmäßig, und auch sonst gibt es allerhand Bequem⸗ ichkeiten, auch Säche und dergleichen, auf denen man sich zusammen⸗ rollen und träumen kann. Und in kalten Nächten schmiegt man sich an die Schulter eines schlafenden Kriegers. Die wachen Stunden sind mit allerhand interessanten Betrachtungen und Er⸗ lebnissen efüllt. Die Sappeure, die nachts die Schützengräben ausbessern, sehen sich oft von einer neugierigen kleinen Katze begleitet, und meist ist solch ern pierbeiniger Abgesandter anwesend, um mit sunkelnden die Munitions verteilung 2 überwachen. Ein Offizier erzählte, daß er nachts im Flammenschein der Ge⸗ schütze ganz in seiner Nähe eine kleine Katze erblickte, die wie ein erfreuter Zuschauer das Feuerwerk betrachtete. Die Katzen bewahren auch im heftigsten Kampf ihre furchtlost Ruhe. Weitaus ängst⸗ 0 bebärden sich die Kaninchen; aber auch unter ihnen haben viele eine den Umständen angepaßte Philosophie zurecht egt und sind Fatalisten geworden. So sah man vor einem chossenen Bauernhause eine Anzahl Kaninchen, die sich damit en, ein Lattichbeet zu zernagen, während ringsum die Granaten in den Boden schl! Die Soldaten mußten fu ein Offtzier bemersle, wie ein Kaninchen das — e 1 N es eiligst unter sei ter kroch. Bei einer der e i 1 ein Kaninchen von Soldaten als ilica bis zum baltischen Ostseerande rücken die T Kilometer— drei, vier, ja fünf Systeme von Schützengräben 8 schen Linien ein, oft genug auch unmittelbar in die Wurde dadurch auch nur ein kleiner verhältnismäßig wenig Verluste hatte. Auf 8 Uhr morgons war für einen großen Teil der Truppen der Angriff festgesetzt, für einen anderen etwas später, und schon eine Viertelstunde danach, fielen fünf russische Kanonen zur Beute, deren heraneilende Protzen unser Schnellfeuer vertrieben hatte. Ebenso sah es an den anderen r Artillerie rreicht: Binnen 24 Stunden flankiert und nicht mehr zu Am 14. Juli ging fast ununterbrochen ein feiner Regen nieder. Der Durchzug durch das ausgebrannte, völlig menschenleere Praszuysz war melancholisch genug, aber unsere Soldaten klapp ten wohlgemut die Zange zu und vereinigten sich südlich davon zu einer Ramme, die nun die neue feindliche Stellung, die letzte geschlossene vor der Narew-⸗Linie, mitten entzweibrach. Die Russen hatten alle Zwischenlinien aufgegeben und schleunigst die seit Mo— naten vorbereitete, außerordentlich star ke Verteidigungsstellung Wysogrod.—Ciechanow— Zielona—Szezuli—Krasnosiele besetzt, die wieder aus mehreren Reihen hintereinander bestand. Unsere Trup⸗ pen mochten zunächst im Zweifel sein, ob sie hier noch stärkeren Widerstand zu erwarten hätten. Der 15. Juli gab eine ernste Antwort. Als nach kräftiger Artillerievorbereitung die Schützenlinien vorzugehen begannen, empfing sie überall ein hefti Gewehr- und Maschinengewehr feuer. Der Feind setzte o r alles daran, das letzte Boll bis zum Aeußersten zu verteidigen. So ging es an den meisten Stellen nur langsam vorwärts und öfters mußte die für das Wir⸗ kungsschießen der Artillerie angesetzte Zeit verlängert werden. 127 des der e Wetters, das eine gute Beobachtung zulie war der Erfolg nicht mehr so durchschlagend wie am ersten Tage. Gerade in der Mitte der Hauptdurchbruchsfront aber lagen Truppen, deren Draufgängerlust ganz besonders ausgebildet ist. Die eine Di⸗ vision hatte als Angriffsziel die Höhen südlich und südöstlich von Zielona und war schon am Vormittage stellenweise bis auf 300 Mtr. an den Feind herangekommen. Die Garde⸗Regimenter auf dem rechten Flügel, die sehr bedeutende Anstrengungen hinter sich hatten, sollten eigentlich das Vorgehen der Nachbarn abwarten— da mel⸗ deten sie um ½2 Uhr: Sie hielten die feindliche Stellung für sturmreif und würden in einer halben Stunde angreifen. Als dies die Truppen des linken Flügels hörten, wollten sie natürlich nicht zurückstehen, und so trat die Division Punkt 2 Uhr zum Sturm an. Es war ein gewagtes Unternehmen, diesen Stoß ohne die heranbeorderten Verstärkungen zu unternehmen. Sein Gelingen ist dem hervorragenden Zusammenwirken von Infanterie und schwerer Schoßtier mitgenommen. Lange. Zeit erfreute es sich eines behag⸗ lichen Lebens inmitten der kriegerischen Ereignisse, bis es in von den Indern als geweiht verehrt werden. — Neue Erwerbungen der Berliner National⸗ galerie. In der Seemannschen„Zeitschrift für bildende Kunst“ macht G. J. Kern von der Berliner Nationalgalerie Mitteilungen über einige Neuerwerbungen dieser Sammlung, die künstlerisch und kunstgeschichtlich von besonderem Werte und Interesse sind. Dazu gehört zunächst ein vorzügliches Bild aus Karl Spitzwegs Frühzeit, die in den Sammlungen überhaupt sehr selten vertreten ist. Es heißt, Der Liebesbrief und erhält eine bezeichnende Note durch, die Verbindung einer miniaturartig durchgeführten Freilichtmalerei mit einem gegenständlich-novellistischen Motive. Im schattigen Winkel des Gartens haben Mutter und Tochter Schutz vor den heißen Sonnenstrahlen gesucht. Die alte ist ein⸗ genickt, da taucht über der Gartenmauer der Kopf des Briefboten auf. Die Tochter mahnt ihn mit erhobener Hand zur Ruhe und der Bote antwortet stumm, indem er den Dut lüftet und den Brief zeigt. Die Gruppe der„intimen“ landschaftlichen Studien und Bilder aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erfuhr eine Bereicherung durch den Ankauf einer Lehmgrube an einem von Olivenbäumen bewachsenen Hange von Karl Steffeck vom Jahre 1843. Es ist das einzige bisher bekannt 8 Bild, das Steffecks Zusammenhang mit seinem Lehrer Blechen bekundet, zugleich ein schönes Zeugnis der Begabung Steffecks für die Landschaftsmalerei. Als ein vorzügliches Stück, das gleichwertig neben die besten Werke der besten französischen Maler der acht⸗ ziger Jahre gestellt werden kann, ist das 1879 entstandene Be⸗ äbnis im Hofe des Invalidenpalastes zu Paris von Louis Lol zu bezeichnen, ein Bild, das durch und durch malerisch, in großem Zuge und mit vollendeter Meisterschaft aufgeführt ist. Goya und Manet scheinen dabei Pate gestanden zu haben. Den Beschluß der Neuerwerbungen macht ein Entwurf Schiders zu einer Bauernmahlzeit. Schider, dessen Bild in der Kunst⸗ felhsete noch schwankt, war gleich Leibl ein Schüler Rambergs, nüpfte mit Leibl eine enge Freundschaft an und heiratete seine Nichte. Auch künstlerisch ist er ihm, wie die Erwerbung der Nationalgalerie zeigt, nahe getreten. Schiders Bilder, besonders die zwischen 1873 und 1876 in München entstandenen, haben Artillerie zu verdanken. Im vollen Vertrauen auf die Treffsicherheit der„schwarzen“ Brüder sprangen die Schützen durch das hohe Korn⸗ feld vor, sobald eine Lage Granaten vor ihnen eingeschlagen war. Durch verabredete Zeichen gaben sie ihre neue Linie zu erkennen. Dann legte die Artillerie ihre Geschoßgarbe 100 Meter weiter vor⸗ wärts und unter ihrem Schirm stürzten jene in die frischen Granat⸗ löcher. So ging es ununterbrochen vorwärts. Weder das russische Schnellfeuer noch das doppelte Trahthindernis vermochten den Sturm aufzuhalten. Als das deutsche Hurra rollte, liefen die Russen, ver⸗ blüfft durch solche Elementargewalt, in hellen Haufen davon. Um 2½ Uhr erhielt der Divisionsstab vom linken Flügel die Fern⸗ sprechmeldung: Die feindliche Stellung ist genommen, und kaum war der Apparat frei, so traf vom rechten Flügel dieselbe Nach⸗ richt ein. Wenig später— und ebenfalls aus eigenem Antriebe heraus— stürmte die Nachbardivision, die aus jungen, erst während des Krieges eingestellten Mannscheften zusammengesetzt ist, in glän⸗ zendem Anlauf die Bastion bei Klonowo. Die Wirkung dieses ersten Durchbruchs durch die russische Hauptstellung pflanzte sich im Laufe des Nachmittags und der Nacht über die ganze Front hin fort. Neue Kräfte wurden in die erweitern. Zwar leistete der Feind an vielen Stellen noch hart⸗ näckigen Widerstand, aber den Ansturm von vorne und den Druck auf die Flanke konnte er schließlich nirgends aushalten. Ein nicht ungeschickter Versuch, die zuerst durchgebrochenen deutschen Truppen durch Besetzung einer Seitenstellung zu bannen, wurde von diesen durch einen neuen, scharfen Anlauf vereitelt. Noch weniger konnte der Todesritt einer russischen Kavallerie⸗ Brigade die südöstlich der bereits gefallenen starken Opinogura⸗ Stellung unsere Infanterie attackierte, irgend einen Erfolg ver⸗ sprechen; Kosaken und einzelne rückwärtige unter den Stößen ünserer siegesfroh vorwärtseilenden Truppen, die erst vor der befestigten Narew-Linie Halt machten. Ueberraschend schnell und vollkommen war erreicht Durchbruch nur irgend erwarten konnte. In einer Breite von etwa 120. Kilometern sind unsere Truppen um 40 bis 50 Kilometer weiter in Feindesland eingedrungen, haben ein reiches und schönes Stück russischen Bodens besetzt und Zehntausende von Gefangenen sowie viel Kriegsmaterial erbeutet. Bis Ciechanow fahren bereits seit dem 18. Juli deutsche Züge durch. An dem schönen Erfolge haben natur⸗ gemäß auch die Truppenteile, die zur Seite der mittleren Stoß⸗ kolonnen vorgingen, ihren erheblichen Anteil. So war das kon⸗ zentrische Vorrücken beiderseits der Eisenbahn Mlawa—Ciechanow, das zum Aufrollen der feindlichen Stellungen bis nach Plonsk hinunter führte, eine vorzügliche Leistung. Auf dem linken Flügel wurde nicht minder tapfer gekämpft und drauflosgegangen. Die sich auf das Mittel- und Hauptstück dieser groß⸗ und eigenartig von General von Gallwitz angelegten Offensive richten: Auf die nnd von Prasznysz und den Rammstoß von Zie⸗ on a. 5 —*————— Beer und Flott i Neues zur Geschichte des ersten deutschen Unterseeboot⸗Erbauers. Auch der Gedanke des Unter⸗ es sei nur an Lionardo da Vincis f „Feuerluftschiffe“ erinnert— von früheren Jahrhunderten vor⸗ weggenommen worden. Wir kennen Konstruktionen von Corne „„ Tribbel um 1620, von Symons um 1750, Day 1773, N 1775 und Fulton 1810. Die bekannteste ist die von dem Ingenieur Wilhelm Bauer aus dem Jahre 1850, der mit einem acht Meter langen Tauchboot in der Kieler Bucht gelungene Probe⸗ fahrten anstellte. Als er aber die dänische Blockadeflotte angreifen wollte— die Torpedos waren längst bekannt und schon von Jahren wurde das Boot wieder gehoben und ist jetzt im Hof des Berliner Museums für Meereskunde aufgestellt. Wenig bekannt besserungen seines Tauchbootes beschäftigte, worüber jetzt Archivar d. D. Rothe in der„Nassovia“ manches Interessante berichtet. Vielleicht haben die 5 oft Tatsache ist, daß Bauer mit einem neuen Tauchboottyp ge⸗ lungene Fahrten vor Kronstadt ausführte, ohne daß sich der Zar zum Ankauf entschließen konnte. Bauer hatte eben sein Leben lang Die Zeit war für den Maler und seine Ziele noch nicht reif und dann hat seine Lehrtätigkeit in Basel Schider ziemlich früh der Kunst entzogen. Heute stehen mir mit froher Bewunderung vr s den reichen und feinen malerischen Qualitäten der Bauernmahlzei die jetzt in den Besitz der Nationalgalerie übergegangen ist. Ein Jubiläum des Bleistiftes. In friedlichen Zeiten hätte man sicherlich nicht so ganz vergessen, wie es jetzt tatsͤͤchlich geschehen ist, daß vor 250 Jahren der Bleistift erfunden worden ist. 1664 entdeckte man zu Borrowdale in Cumberland eine Graphit⸗ grube, die man 1665 ausnützte, indem man aus ihrem Material ein Schreibzeug herzustzllen versuchte. Denn man hatte sofort er⸗ kannt, daß diese Ent g. für das praktische Leben sowohl wie für die Kunst wichtige, wohltätige Neuerungen im Gefolge haben konnte. Die Graphitblöcke wurden gefördert, in längliche Stückchen zersägt, mit Holz umschlossen und so auf einem neugeschaffenen Londoner Graphitmarkte, das Kilogramm für ungefähr 350 Mark Durchschnittswert zur Versteigerung gebracht. Der Erfolg war außerordentlich. Er war so groß, daß man eine Erschöpfung der kostbaren Grube befürchtete und sie darum jährlich nur 6 Wochen lang offen hielt; in dieser kurzen Frist wurden stets für etwa 500000 Mark Graphit gewonnen Trotzdem verminderte sich all⸗ mählich die Ergiebigkeit, und nach 1½ Jahrhunderten hatte das Material so viel von seiner Güte eingebüßt, daß man es im Grunde nur noch mit einer Abfallmasse des einst' wundervoll zarten und reinen Bleis zu tun hatte. Damals siedelte die junge Industrie nach Frankreich über. 1765 kam man dort auf den Gedanken, das Graphit durch eine Beimischung von Ton noch brauchbarer zu machen. Es geschah und erwies sich als eine bedeutende Ver⸗ besserung. Aber man wußte selbst, daß man die Höhe der Leistungs⸗ fähigkeit nicht erreicht hatte; es wurden wohl schon Bleistifte ver⸗ schiedener Sorten und Härtegrade verfertigt, doch es fehlte noch die Feinheit der Bearbeitung, die der spröde Stoff verlangte, um den hohen Anforderungen namentlich für die dung durch die Künstler zu genügen. Sie hat man im Laufe der Jahre ber eingehendem Studium und gewissenhafter Arbeit mühsam er⸗ worben... Bei uns bürgerte sich der Bleistift erst verhältnismäßig spät ein. Die frühesten Spuren der Bleistiftfabrikation stammen aus dem Jahre 1726 und aus dem Dorfe Stein bei Nürnberg. 1766 errichtete Graf Gronsfeld mit landesherrlicher Bewilligung zu Jettenbach eine Bleistiftfabrik. 1777 erwähnte bereits Beckmann in seiner„Technologie“ die Kunst der„Bleistiftmacherei“, aller⸗ dings nur in kurzen, ganz oberflächlichen Bemerkungen. 1816 schuf die bayrische Regierung in Oberzell eine Fabrik, die sie nach ihrem Ausbau in Privathände gab. Zu Budweis, Regensburg, Nürn⸗ berg, Passau erstanden weitere Fabriken. Die größte aber, die in der Zukunft die erste werden sollte, gründete 1767 Kaspar Faber in Stein bei Nürnberg. Sie besteht noch heute, sie wuchs sich aus zu der Größe und Bedeutung, die jeder kennt, und sie wurde schließlich zu einem Beweis dafür, was deutscher Fleiß aus be⸗ amals großes Aufsehen erregt: Makart pflegte diese tonigen Freilichtbilder als„Schweinskoteletten mit Spinat“ zu bezeichnen. ständen zu leisten vermag. Bresche geworfen und halsen siee Husaren wurden im Nu niedergemacht. Aucß Zwischenstellungen des Feindes fielen bald Aufmerksamkeit auch späterer Zeiten wird aber doch in erster Linie 1 seebootes ist, wie so manche andere technische Großtat der Neuzeit: Flugmaschinenentwürfe und Fulton verwendet worden—, sank das Boot auf den Grund. barst aber, so daß die Mannschaft sich retten konnte. In den 80er aber war bisher, daß Bauer sich später noch fortwährend mit Ver⸗ Russen damals den Anschluß verpaßt, wie so 5 scheidenen Anfängen und zunächst unter denkbar ungünstigen um worden, was man von den e 4 2 Pech, weil die Zeit für seine Erfindungen noch keine Verwendung — In München lernte er den Baron Hans von Zwierlein ennen, eine Art Original, der die Jurisprudenz und den Staats⸗ dienst quittiert hatte und für Rußland und allerhand Merl⸗ würdigkeiten schwärmte. Der Mann mit dem Tauchboot, der ein 3 Meter langes Modell seines neuesten Typs aus Kupfer mit⸗ brachte, interessierte ihn so sehr, daß er seine beträchtlichen Schul⸗ den bezahlte und noch dazu für ein hübsches Stück Geld sein Modell und seine Entwürfe ankaufte. Es war in den 80er Jahren, als das Modell nach Geisenheim, dem Familiensitze des Barons, kam, und da gerade die Vis der Flottenbewegung in Deutschland ein⸗ setzte, versuchte er, Bismarck für die Erfindung zu interessieren. Aber wie die Kolonien, so lag auch das Unterseeboot weit außer⸗ halb des Interssenkreises des großen Kanzlers, und er gab nur hinhaltende und ausweichende Antworten. Auch Versuche bei dem Pionierkorps in Kassel scheiterten. Schließlich ließ der Baron das Wunderfahrzeug nächtlicherweise auf den Rhein schaffen, um eine Probefahrt zu machen, aber der Schiffer Sasseroth aus Geeisenheim und der Maschinist Eckel aus Johannisberg, die viel⸗ 2 leicht an dem berühmten Wein dieser Orte sich allzu gütlich getan hatten, manöbverierten so geschickt, daß das Boot sofort amm Ufer auflief. Nun hatte der Baron vom Tauchboote genug Aud bald auch von den Russen, die er so liebte: als er es nämlich man ein paar Freunde aus Vaterchens Reich losschlagen wollte sbiam es nur zu einem gewaltigen Sektgelage, das er schließlich felbst bezahlen mußte... Enttäuscht und vers uldet starb der Baron 1886; das merkwürdige Boot verkaufte seine Witwe an einen Althändler zu Winkel, der es als altes Kupfer und Zinn 5 verwertete. In dem Nachlaß des Barons fanden sich. zwei Aktendeckel mit den Aufschriften:„Correspondenz Unterseeboot Bauer“ und„Risse des Unterseebootes Bauer“— aber der Ing⸗ halt war von dem verärgerten Manne vernichtet worden Weder er noch Bauer haben geahnt, daß kaum ein Menschenalter —. neue Tauchboote die„englische Armada“ in Schach halten wür 1 ——— M.ärkte. . Gießen, 31. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pid. 1.50— 1,70, Hühner eier das St. 185-16 Pfg., 2 Stück 00 Pfennig: Enteneier 1 Stück 0 Pfennig, 2 St. 00 Pig.: Gänseeter 1 St. 0-0 Pig, 2 St. 00 Pig. Käse das Stück 7—8 Pfg., Käsematte 2 Stück 6—0 Pig.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—2,00 Mk., Hahnen das Stück 1,00— 2,50 Mk., Enten das Stück 2,50—3,00 Mt., Welsche 4—5 Mk.; Ochsenfleisch das Pfund Mk. 1,12—1,18, Rind⸗ . fleisch das Pfund 112—116 Ufg., Kuhfleisch 00-00 Pfg., Schweine- sleeisch das Pfd. 1,50—0,00 Mk, Kalblleisch das Pid. 16000 Pig. Dammelfleisch das Pfd. 96—110 Pfg.; Kartoffeln 100 Kilo 18 bis 19 Mk., Milch das Liter 24 Pfg.; Aepfel das Pfund 20—30 Pig. Nüsse 100 Stück 60 Pig. Weißkraut 20 und 30 Pfennig, Zwiebeln der Zentner 25—00 Mk.: Kopfsalat 10 bis 15 Pig.! Wirsing 10— 30 Pfg., Bohnen 20—00 Pig. das Pfd.; Erbsen das Pfd. 35—40 Pfg.; Heidelbeeren 1 Liter 40—00 Pfg., Himbeeren 5060 Pfg. der Liter, Pflaumen 25—00 Pig. das Pfd., Mirabellen 5060 Pig. das Pfd.; Gurken große 15—30, kleine 8—8 Pfennig.— Marktzeit von 7 bis 1 Uhr. 5 ch. Bingen, 30. Juli,. Marktpreise. Weizen Mk. 00,00, gForn Ml. 0,00, Gerste Mk. 00, 00, Hafer Mk. 00,00, deu Mt. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 10,50, Erbsen Mk. 00,00, Linsen Mk. 00,00, Bohnen 00,00 Weißmehl Mk. 52—00, Roggenmehl Mk. 38,00; alles für 100 Klgr. Butter 1 felgr. Mk. 3,80, Milch 1 Liter 24 Pfg., Eier 10 Stück Mk. 1.60. ch. Nieder⸗Ingelheim, 30. Juli. Stachelbeeren 15—20 Mk., 18. 24 Ml., Reineklauden 18—24 Mk., Pfirsiche 40 bis 55 Mk, Mirabellen 25—35 Mk., Frühbirnen 10—20 Mk., Früh⸗ Apfel 12—22 M., Frühzwetschen 1835 Mk., Pflaumen 10 bis 25 105 1 2 dull „Ch. Heidesheim, 80. Juli. Gurken 6—8 Mk., Buschbohnen 15-18 Mk., Stangenbohnen 20 Mk., Erbsen 18—22 Mt, 8 beeren 15—18 Mk., Stachelbeeren 15-18 Mk., Frühbirnen 10 bis 12 Mk., Aprikosen 3540 Mk., Pfirsiche 35—40 Mk., Pflaumen 12—14 Mk., Mirabellen 2835 Mk., Reineklauden 28 Mk., Früh- zwetschen 16—25 Ml., Sommeräpsel 13—15 Mk. der Zentner. le, Frankfurt a. M., 30. Juli. Auf dem heuligen Heu- g und Strohmarkt war nichks angefahren. ————— 1 Kirchliche Nachrichten. . Cvangelische Gemeinde.—— Sonntag, den 1. Auguft, 9. nach Trinitatis. N Gottesdienst. In der Stadtkirche. ' Pfarrer Mahr. 5 Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Matthäusgemeinde. 0 . Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Schwabe. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Markus emeinde. 139 Pfarrer wabe. . Mittwoch, den 4. August, abends 8 Uhr:. Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. 5 5 5 Vormittags Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Lukas gemeinde. 2 1 Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Aus feld. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Johannesgemeinde. Vormittags 8 Uhr: 3 955 Pfarrer Ausseld. * Wartburg, evangellscher Junglings⸗ und männer⸗vereln. 5 *(Diezstraße 15.) . Sonntag, den 1. August: Vortrag. 15 Dienstag, den 3. August, abends 8¼ Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 5. August, abends 87 Uhr: Leseabend. Samstag, den 7. August, abends 8¼ Uhr: Aeltere Abteilung. . Gäste stets willkommen. 1 Bibelkränzchen für schüler höherer Lehranstalten. 7 Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6—7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 6—7 Uhr. 57 Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesgemelnde. Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal, Evangelischer Gottesdlenst. „ Sonntag, den 1. August, vormittags 10 Uhr. 4 Vormtttags 11 Uhr: Christenlehre für die männ— 25 liche Jugend. 3 Lollar: Sonntag, den 1. August, nachmittags ½2 Uhr. Mainzlar: Mittwoch, den 4. August, abends 9 Uhr: Kriegs- 5 b betstunde. Dekan Guß mann. Katholische Gemeinde. Goltesdlenst. Samstag, den 31. Juli: 51 Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit ftir heil. Beichte. Sonntag, den 1. Aug, 10. Sonntag nach Pfingsten: Pormittags von 6¼ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. 1* um 7 Uhr: Die erste heil. Messe. 1 um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. um 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht. Nachmittags um 4% Uhr: Jungfrauen-Kongregatlon. Dienstag und Freitag abend um 8 Uhr ist Krlegsbittandacht. Freitag vormittags 6 Uhr ist Segensmesse. Diaspora⸗Gottesdlenst. In Hungen um 8 Uhr. In Laubach um 10 Uhr. In Lich um 9 Uhr. KAairqchberg: —— Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: Beschlagnahme, Meldepflicht und Ablieferung von fer⸗ tigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegenständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Die nachstehende Bekanntmachung des stellvertretenden Ge⸗ neralkommandos des 18. Armee-Korps in obigem Betreff vom 31. Juli d. J. bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 31. Juli 1915. 5 Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. ö Bekanntmachung betreffend Beschlagnahme, Meldepflicht u. Ablieferung von fertigen, gebrauchten und ungebrauchten Gegen⸗ ständen aus Kupfer, Messing und Reinnickel. Nachstehende Verordnung wird hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Uebertretung— worun⸗ ter auch verspätete oder unvollständige Meldung fällt— sowie je⸗ des Anreizen zur Uebertretung der erlassenen Vorschrift, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, nach 69 Buchstabe b*) des Gesetzes über den Belagerungs⸗ zustand vom 4. Juni 1851 oder Artikel 4 Ziffer 20 des Baye⸗ rischen Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 oder nach 8 5⁴C der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Februar 1915 bestraft 10 A1. Inkrafttreten der Verordnung. 4 48 Verordnung tritt am 31. Juli 1915, nachts 12 Uhr, in raft. 9 2. g Von der Verordnung betroffene Gegenstände. Klasse A. Gegenstände aus Kupfer und Messing: 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, wie beispielsweise Koch- und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und Speiserladessel, Töpfe, Fruchtkocher, Pfannen, Back⸗ formen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln, Mörser usw.; 2. Pn Türen an Kachelöfen und Kochmaschinen bezw. Herden; 3. Badewannen; Warmwasserschiffe, behälter, blasen, ⸗schlangen, Druckkessel, Warmwasserbereiter(Boiler) in Koch⸗ 3 und Herden; Wasserkasten, eingebaute Kessel aller rt. a Klasse B. Gegenstände aus Reinnickel 5) 1. Geschirre und Wirtschaftsgeräte jeder Art für Küchen und Backstuben, wie beispielsweise Koch⸗ und Einlegekessel, Marmeladen⸗ und Speiseeiskessel, Fruchtkocher, Servierplatten, Pfannen, Backformen, Kasserollen, Kühler, Schüsseln usw; 2. Einsätze für Kocheinrichtungen, wie Kessel, Deckelschalen, 88 nebst Deckeln an Kipptöpfen, Kartoffel-, Fisch⸗ und Fleischeinsätze usw. nebst Reinnickelarmaturen. 8 3. Von der Verordnung betroffene Personen und Betriebe. Von der Verordnung werden betroffen; 1. Handlungen, Laden⸗ und Installationsgeschäfte, Fabriken und Privatpersonen, die obengenannte Gegenstände erzeu⸗ en oder verkaufen, oder die solche Gegenstände⸗ die zum erkauf bestimmt sind, im Besitz oder in Gewahrsam haben; 2. Haushaltungen; 3. Hauseigentümer; 5 4. Unternehmungen zur Verpflegung fremder Personen, ins⸗ besondere Gast⸗ und Schankwirtschaften, Pensionate, Kaffee⸗ haus-, Konditorei⸗ und Küchenbetriebe, Kantinen, Speise⸗ anstalten aller Art, auch solche auf Schiffen, Bahnen u. dgl.; 5. öffentliche(einschl. kirchliche, stiftische usw.) und private Heil“, sernen, Erziehungs⸗ und 1 Arbeitshäuser u. dgl. 9 4. Beschlagnahme. Die durch b 2 gekennzeichneten Gegenstände aus Kupfer, Mes⸗ sing, Reinnicke 1 auch die verzinnten oder mit einem anderen Heben(Metall, Lack, Farbe u. dgl.) versehenen, werden hier⸗ mit beschlagnahmt. Die Beschlagnahme erstreckt sich auch auf solche Gegenstände, die aus Kupfer, Messing und Reinnickel hergestellt worden sind, das von der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des Königlichen Kriegs⸗ ministeriums oder durch die Behörden, welche die Beschlagnahme⸗ 8 exlassen haben, freigegeben worden ist. Bei diesen letzteren bleibt die Festsczun des Preises vorbehalten. Die Beschlagnahme hat die Wirkung, daß die Vornahme von Veränderungen an den von ihr betroffenen Gegenständen verboten ist und rechtsgeschäftliche 4 über sie nichtig sind. Den rechtsgeschäftlichen Verfügungen stehen Verfügungen gleich, die im Wege der Zwangsvollstreckung oder e erfolgen. Trotz der Veschlagnahme sind alle Veränderungen und Verfügungen zulässig, die mit Zustimmung der mit der Durchführung beauf⸗ tragten Kommunalbehörde erfolgen. Erlaubt ist die Entfernung der Beschläge(siehe 8 9), Die Besugnis zum einstweiligen ord⸗ nungsmäßigen Gebrauch bleibt unberührt. 8 5. Meldepflicht. Die von der Beschlagnahme Betroffenen haben unter Be⸗ nutzung des vorgeschriebenen Meldevordruckes eine Bestandsmel⸗ dung der beschlagnahmten, durch 8 2 gekennzeichneten Gegenstände an die mit der Durchführung der 1 beauftragten Be⸗ hörden innerhalb der von den letzteren festzusetzenden Frist ein⸗ zureichen. Nicht zu melden sind diejenigen Gegenstände, die bereits nach der 1 l betr. Bestandsmeldung und Beschlag⸗ nahme für Metalle M. 1/4 15 K. R. A. vom 1. Mai 1915 der Meldepflicht unterlagen. 8 6. Ablieferung der beschlagnahmten Gegenstände. Wer die Mühe dieser Bestandsmeldung vermeiden will, hat r* J Wer in einem in Belagerungszustand erklärten Orte oder Distrikte ein bei Erklärung des Belagerungszustandes oder während desselben vom Militärbefehlshaber im Interesse der öffent⸗ lichen Sicherheit erlassenes Verbot übertritt oder zu solcher Ueber⸗ tretung aufforbert oder anreizt, soll, wenn die bestehenden Ge⸗ setze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft werden. ) Wer in einem in Kriegszustand erklärten Orte oder Be⸗ zirke eine bei der Verhängung des Kriegszustandes oder während desselben von dem zuständigen obersten Militärbefehlshaber zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit erlassene Vorschrift über⸗ tritt oder zur Uebertretung auffordert oder anreizt, wird, wenn nicht die Gesetze eine schwerere Strafe androhen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. 5 f 5 % Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu se Monaten oder mit Geldstrase bis zu zehntausend Mark bestraft, auch können Vorräte, die ver⸗ schwiegen sind, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Wer fahrlässig die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Ver⸗ ordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geld⸗ strase bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. ), In dieser Verordnung sind unter Reinnickel auch Legierun⸗ gen mit einem 1 von 90 Prozent und höher verstanden; es sind nur solche Gegenstände aus Reinnickel betroffen, die mit O dol. dem Stempel„Reinnickel“ versehen oder sonst einwandsfrei als aus Reinnickel bestehend festgestellt sind. freiwillig abgelieferten Pflege- und Kuranstalten, Kliniken, Hospitäler, Heime, Ka⸗ f die beschlagnahmten und 8 den von der lieferungsstellen e Die Anerkenntnisbescheinigung wird an bezeichneten Zahlstellen ei aft. 5 1 Diese freiwillige Wichern nruß bis zum 0 1010 0. 14 5 in feli er die enstä. g ände f ten in dieser e gemeldet werden. 1 8 7. 3 5 . 15 Spätere Einziehung. 2 Die N über sämtliche durch diese Verordnung beschlagnahmten in vorgeschriebenen 15 nicht freiwillig ab⸗ 1 3 4 gelieferten Gegenstände werden später 2 7 g„ hmen. Ausgenommen sind mit dem beschlagnahmten Metall über⸗ zogene(3. B. galvanisch) und plattierte stände aus Eisen oder einem anderen nicht beschlagnahmten Metall. Bestehen Zweifel, ob gewisse Gegenstände von der Verordnung betroffen sind, so kann eine Befreiung von der Beschlagnahme be⸗ willigt werden. Ueber die Befreiung entscheidet die mit der Durchführung der Verordnung beauftragte Behörde endgültig 8 9. Uebernahmeyreise. 1 Für die freiwillig abgeljeferten Gegenstände werden die nach⸗ folgenden, einheitlich dab boen e Uebernahmepreise bezahlt, in denen die Ueberbringungskosten mit abgegolten sind: Uebernahmepreise für jedes Kilogramm Für N ohne Beschläget) aus Kupfer 4,00 Mk., aus Messing 3,00 Mk. aus Nickel 13,00 Mk: 17 Gegenstände mit Beschlägen!) aus Kupfer 2,80 Mk., aus Messing 2,10 Mk., aus 2 ee den Beschlägen gewogen; auf ie Gegenstände werden mit den en; au Grund dieses Gewichtes ergibt 1 5 Preis nach obiger Tabelle. Uebersteigt das Gewicht der Beschläge W bei Ge⸗ 9 aus Kupfer und Messing 30%, bei solchen aus Nickel O9% des Gesamtgewichtes des Gegenstandes, so wird der 30 bzw. — 1 Prozentsatz geschätzt, vom Gewicht abgesetzt und ni ezahlt. Als Entschädigung für etwa erforderliche Ausbauarbeiten wird 1 155 Kilogramm ausgebauten Gegenstände 0,50 Mark ergütet. Die vorstehenden Preise sind auf Grund der Anhörung von Sachverständigen als reichliche Preise festgestellt worden. 8 10. e e er von der agnahme ro ist ver die Gegenstände bis zum Ablauf einer von der beauftragten Behörde zu bestimmenden Frist bzw. bis zur Einziehung oder bis zu einer ihm gestatteten Veränderung oder Verfügung zu verwahren und pfleglich zu behandeln. Die is zum einstweiligen ordnungs⸗ mäßigen Gebrauch bleibt unberührt. 5 1 0 Durchführung der Verordnung. Mit der Durchführung der Verordnung werden die Kommunal⸗ verbände beauftragt; diese erlassen auch die Ausfülhrungsbestimmun⸗ gen. Die Landeszentralbehörden bestimmen, wer als Kommunal⸗ 5 verband im Sinne dieser Verordnung zu gelten hat. Die Kom⸗ munalverbände können den Gemeinden die Aus ng dieser Ver⸗ ordnung übertragen. Gemeinden, die nach der letzten Volkszählung 2 als 10 000 Einwohner haben, können die Uebertragung ver⸗ 4 19. 0 Strafbestimm 5 8 die gesetzten Frist richtige oder unvollständige Angaben e der Auskunftspflicht wird mit Gelstrafe bis zu dreitausend Mark, einem auffordert oder Frankfurt(Main) den 31. Juli 1915. Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps. ) Unter Beschlä sind Oesen, Ringe, Handhaben, Stiele und Griffe aus Ei 9 u. dgl. verstanden. Bekanntmachung. Betr.: 15* mit Brotgetreide und Mehl aus dem Ernte⸗ jahr 5. Es soll hie und da die übrigens durch nichts begrün⸗ dete Ansicht bestehen, daß abgeerntete Frucht vor einem bestimmten Termin nicht eingefahren werden dürfe, son wie, es auch nicht erlaubt fei die a 1. aus- zudreschen. Die letztere el dadurch 9 zu sein, daß seinerzeit bestimmt worden ist, Selbstversorger dürften vor dem 1. August J. Is. ihr demnächstiges Monatsquantum nicht ausmahlen lassen. Bezüglich des Ausdreschens gelten lediglich die Bestimmungen der Bekanntmag vom 22. Juli 1915 (Gießener Anzeiger Nr. 172 vom 24. Juli l. Js). Was die erst⸗ erwähnte Ansicht anlangt, so liegt es im Gegenteil im 1* Interesse, daß die Frucht, sobald sie richtig trocken i unverzüglich unter Dach und Fach 5 rd. Im übrigen soll es in einer Reihe von rkungen vor⸗ men sein, daß das Getreide in nicht genügend trockenem tand eingefahren wird. Solches Getreide wird nach Aus⸗ drusch minderwertig. Daß ein i bei Bemessung des von dem Kommunalverband zu zahlenden e berücksichtigt wird, ist ebenso selbstverständlich, wie die Tatsache, daß der aus einem solchen Verfahren erwachsende materielle Schaden einzig und allein den Landwirt trifft. 1. eine derartige Handlungsweise unvereinbar mit der dem ndwirt obliegenden Pflicht, die zur l Vorräte erforderlichen Handlungen vorzunehmen(vergl.§ 3 der Bekanntmachung), deren Vernachlässigung nach 879 Absatz 1 Nr. 3 57 Bekann; Gefängnis bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 10000 1 nach sich zieht. Gießen, den 30. Juli 1915. 96 Großherzogliches Kreisamt Gießen. r. Usinger. Betr.: Wie oben. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden 1 8 pes Aaelsen W Sie wollen den Inhalt der vorstehenden Bekanntmachung 5 ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen und sowohl dahin wirken, daß irrige Auffassungen der darin erwähnten 8 zerstreut, wie auch das Einfahren oder Ausdreschen nicht 5 1—— 1 wird. 1 dies in 2 men- ällen ehen, so ist umgehend hierher zu berichten. l i 55 30. Juli 1915. Gießen, iches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. ——— * Bekanntmachung. Betr: Sonntags ruhe in den Apotheken.— Am Sonntag, den 1. Aug u st l. Is., von 75. 3 Uhr Le gesffnet.