. ob Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Gießener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis ießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Donnerstag, 29. Juli 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul; straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51,Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Die Argonnenkämpfe vom 20. Juni bis 2. Juli. 1 Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geschrieben: Unter geschickter Ausnutzung des unwegsamen Argonnen-Wald—⸗ irges war es den Franzosen Ende September gelungen, starke äfte wie einen Keil zwischen die westlich und östlich der Argonnen kämpfenden deutschen Truppen zu treiben. Gleichzeitig von Mont- blainville und Varennes aus östlicher Richtung und von Nord— westen über Binarville drangen die Deutschen in die Wälder ein. geringsten Widerstand fanden die Teile, die an der Straße Varennes—Le Four de Paris durch die Osthälste der Ar- gonnen vorgingen. Hier gelang es schnell, die Franzosen bis an das Tal der Biesme bei Four de Paris zurückzuwerfen. Um den Rest des Keils in den westlichen Argonnen zu beseitigen, mußte die über das Moreau⸗Tal⸗-Bagatelle-Pavillon-St. Hubert⸗ Pavillon vorgebogene Stellung eingedrückt werden. Die beiden 1 Pavillons wurden nach einigen Tagen weggenommen. aber kostete es Wochen und Monate der erbittertsten und blutigsten Nahkämpfe, um die Franzosen Schritt für Schritt und Graben für Graben zurückzudrängen. Es vergingen in den Wintermonaten keine acht Tage, ohne daß irgendwo dem Feinde ein Graben, ein Blockhaus oder ein Stüßzpunkt entrissen wurde, bald von kleinen Pionier und Infanterieabteilungen, bald von * Verbänden bis zu Brigaden und Divistonen. Während die Franzosen sich mit zäher, unermüdlicher Widerstandskraft unmer wieder an jedes kleine Grabenstück und Postenloch klammerten, benutzten sie die so gewonnene Zeit, um sich hinter ihrer Front als neuen Rüghalt eine Reihe von Stützpunkten zu schaffen, die sie mit allen Mitteln moderner Feldbefestigungskunst. ausbauten. Im Dezember hatten die von Osten vordringenden Truppen den Rand des tief eingeschnittenen Charme-Bachtales erreicht. Bald darauf, am 29. Januar, stürmten württembergische Regimenter drei starke, hintereinanderliegende französische Stellun⸗ 2 südlich des Moreau Tales. So waren die Deutschen von eiden Seiten vors der Linie der neuen feindlichen Befestigungen angekommen. Auf dem Höhenrücken, der sich aus der Gegend des Bagatelle-Pavillons nach Westen über den Argonnenrand bis nach Servon hinzieht, lagen die befestigten Werke Labordore, Martin, Central, Cimetisre und Bagatelle. Nach Südosten zweigt sich von diesem Höhenzug die sogenannte Eselsnase ab, auf deren Rücken die Franzosen ebenfalls außerordentlich starke, etagen— förmig angeordnete Stellungen ausgebaut hatten, die in unmittel⸗ barem Zusammenhang mit dem Bagatelle-Werk standen. Nach Osten und Südosten fallen die steilen Hänge der Eselsnase in das tief eingeschnittene Charme-Bachtal ab. Auch östlich von dieser Schlucht saßen die Franzosen noch in einigen zähe verteidigten Stützpunkten, genannt„Storchennest“,„Rheinbabenhöhe“ und „St. Hubert⸗Rücken“. Ein Blick auf die Karte zeigt, welchen Wert für die Deuts die Wegnahme der feindlichen Anlagen ben mußte. Wur doch dann die Franzosen ihrer über⸗ öhenden, von der natürlichen Boden, estaltung zu Festungen ge⸗ ffenen Stellungen beraubt und— die in das Biesmetal ab⸗ allenden Berghänge in eine erheblich ungünstigere Lage zurück⸗ gedrängt. . So war also die Erstürmung der französischen Werke nördlich von der Straße Servon—Montblainville und an den Hängen des Cbarme-Bachtales das Ziel der unter der Führung des Generals v. Mudra in den Argonnen kämpfenden Truppen. In mühsamer Arbeit und unter fortgesetzten Kämpfen arbeiteten sich Infanterie und Pioniere auf der ganzen Front mit Sappen und Minenstollen Schritt für Schritt bis auf Sturmentfernung an 15 feindliche Hauptstellung heran. Die Franzosen ahnten, was ihnen blühte, denn sie schoben in letzter Zeit immer mehr Truppen in den schmalen Abschnitt der Westargonnen: Außer dem seit Ja⸗ nuar dort befindlichen XXXII. Armeekorps wurden nacheinander 5 5 neuformierte 126. Infanteriedivision aus der Gegend nordwest⸗ lich von Verdun und die 150. Infanteriebrigade aus dem, Bereich des V. Armeekorps herangezogen. Mitte Juni war es schließlich so weit, daß der große Angriff ausgeführt werden konnte. Um ö den entscheidenden Stoß gegen die Werke Central—Cimetidre— Bagatelle—Eselsnase die nötige Ellenbogenfreiheit zu gewinnen, mußten zunächst das in der rechten Flanke gelegene Labordérewerk die starken Stellungen an der Straße Binarville— Vienne la „Wer ein Uind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf.“ Regierung und Volk treffen Vorbereitungen mannigfacher Art, um die Ernte des neuen Jahres zu sichern. Und eingefleischte Stadtmenschen, welche sonst immer nur„schönes Wetter“ haben. wollen und dem guten Petrus grollen ob jeden Regengusses, den er hernieder sendet, lugen sehnsuchtsvoll nach Wolken aus und flehen Regen herab für unsere Felder. Es reifen uns aber noch andere Saaten als die da draußen, deren Gedeihen für die Zukunft unseres Volkes nicht weniger wichtig ist. Und auch für die Hälmchen und Halme dieser Saat ist es von größter Wichtigkeit, daß ihnen Regen und Sonnenschein in richtigem Maße zuteil werde. Und hier sind wir gottlob nicht abhängig von Wind und Wetter— hier haben wir selber die Macht, Hilfe zu schaffen, sobald wir den Willen dazu haben. Ich spreche von dem Nindersegen unseres deutschen Volkes, von dieser wichtigsten Aussaat für die Zukunft, die uns eing Bürgschaft sein soll für bessere Zeiten und für ein ferneres, kraftvolles Gedeihen unseres Deutschtums. Fällt der Mehltau auf diese emporsprossende Saat— dann wehe dir, Deutschland! „Nicht der höllische Sturm, der über die Völker des Erdballs dahinbraust, knickt uns diese Blüten. Die Natur schützt den Menschen— Frühling nach weiser göttlicher Vorsehung dadurch, daß sie jedes Alter nur nach seiner Kraft und seinem Vermögen jegliches Schwere empfinden läßt. Und so erklärt es sich auf höchst natürliche Weise, daß unsere Schuljugend sich nicht lange bei etwelchen Verlusten aufhält, sondern lieber jubelnd unsere Siege feiert. Also nicht der Orkan, welcher die Meere aufwühlt, die Länder verwüstet, die Menschen durcheinander würfelt und in arimmem Zorn gegeneinander beitscht— sondern die Begleit- erscheinungen dieses Orkans sind es, die uns viel zartes Wachs⸗ tum, viele frohe Entwickelung unserer Jugend zerstören. Kummer und seelisches Versagen der oft hartgeprüften Mutter, Verzagtheit, Kleinmut, Nörgeleien, ja, gestehen wir es offen, — 19 Mangel an Lebensreife in dieser schweren und doch so großen Zeit der Heimsuchung, kurz, Mangel an reiner Luft und an warmem belebendem Sonnenschein im buchstäblichen und im bildlichen Sinne: Kinderseelen legt und sie am Wachstum und Gedeihen hindert. Und selbst, wo die Umgebung ihr Aeußerstes tut, um in den größeren Städten und in dem Steinmeer der Großstadt den ndern ein bißchen freie Luft zu verschaffen— es bleibt doch nur ein Notbehelf!— Da schreitet ungesehen und doch pernehmbar der große„Kinder freund“ durchs weite ind. Und wo ein behäbiges Bauern— 5. srün seines Obstgartens hervorlugt, ein bescheidenes Häuschen im freundlichen Blumengarten ein- d winkt, wo im Walde und an der See Erholungsstätten der das ist der Mehltau, der sich auf die zarten I. stattlicher Gutshof sich zeigt, wo neben der Chateau weggenommen werden. Dieser vorbereitende Angriff wurde am 20. Juni, der Hauptstoß am 30. Juni und 2. Juli ausgeführt. —— Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Makow, 21. Juli. Vor Pultusk. In dem stürmischen Vormarsche ist ein Atemholen eingetreten. Die schweren Geschütze müssen jetzt sprechen: wir sind dicht vor Pultusk. Die Straße von Ostrolenka nach Pultusk liegt im Ar⸗ tilleriefeuer, das noch langsam und in großen Pausen einsetzt. Als ich heute durch das schöne, saftgrüne Wiesental der Oshitz zur Front fuhr, fielen ein Dutzend Schüsse während des ganzen Vormittags. Nur die Ballonabwehrkanonen hatten etwas zu tun, da ein russischer Flieger sich in Richtung Malow sehen ließ. Vor den aufsteigenden Schrapnellwölkchen flog er bald in Richtung des Narew zurück. In dem schnell fließenden klaren Wasser der Oshitz badeten die Truppen den Staub der letzten schweren Märsche herunter 5 soweit sie nicht in der Schützenlinie standen. Gestern hatten die Russen mit einem frischen Korps angegriffen, allerdings ohne große Kraft; trotzdem war der Tag heiß und die nächsten Tage versprachen noch heißere Arbeit. Das Gefühl, daß„es geht“,„glänzend geht“, und diese Freude über die ungeheure Offensive mit ihrem greifbaren Erfolg Tag für Tag ist in jedem Mann lebendig. Es geht manches Gefühlchen in solchen schweren Tagen verloren, aber das starke Gefühl bleibt. In dem Gutspark von dem Vorwerk Kobylin liegen die Gräber der dort in heftigen Kämpfen Gefallenen. Ihrem Hauptmann und Batteriechef haben die Leute— müde und noch im Gefecht fest— ein Grab gemacht, von dem die paar Blumen mühsam genug geholt werden mußten. An dem schönen sauberen Kreuz hängen. ein paar Stunden Appbeit und starkes deutsches Soldatengedenken. Wie viele solcher, mib rührender Sorge geschmückten Gräber habe ich gesehen in diesen Tagen und eines gemerkt, je länger dies alles währt, desto heißer fühlen sie sich zusammen, alle, deren Leben, unter den Kanonen steht, denen die Heimat ein ferner guter Traum ist und deren täglicher Wills und Gedanke dem Siege gehört. Vor Kobylin liegt das Feld— Kartoffelacker und niedriger Hafer—, auf dem Landwehr und Reserven die russische Kavallerie— attacke der 14. Husaren und Kosaken abwehrten. Eine weit ge⸗ schwungene Linie, in der sich dis Unseren leicht eingegraben hatten und davor 300 Meter, 400 bis 1000 liegt wohl alle 20 Schritt Pferd und Reiter. Vielleicht etwas über ein Dutzend Pferde sind über die Linie gekommen, sie liegen dicht hinter dem Infanterie⸗ graben, nur 5 oder 6 haben das Gutshaus von Kobylin erreicht, hier fand auch ihr Galopp ein Ende. Das lichte Herrschaftshaus sieht deutsch aus. Es lag völlig verlassen hinter den schönen Parkbäumen und den noch sorgfältig eschnittenen Hecken. Das übliche Kriegsbild sonst, viel Wirrwarr, Kinderbilder, eine blonde Puppe, dann eine Nummer der„Illu⸗ stration“ vom 14. September 1912. Sie liegt zuoberst auf dem Schreibtisch. Ich schlage auf: Das erste Bild auf der ganzen Seite: „Ein Händedruck 0 neutralem Gelände“,„Wilhelm II. und General Pau“. Das Bild ist während der Schweizer Manöver 1912 aufgenommen. Unser Kaiser reicht dem sich tief verneigenden General die Hand. Pau, der 4870 den rechten Arm berlor, streckt die Linke hin. Es gibt merkwürdige Erinnerungen in diesen verlassenen Zimmern Schloß, Park und Aecker sind völlig einsam, weder Truppen noch Bewohner: man fährt durchs Land, das gespenstisch in der Mittagshitze anmutet, wenn das Sonneflirren über den Roggen⸗ feldern das einzige Bewegen und ein Vogelrascheln das einzige Leben auf Meilen ist und das Schloß um die Felder von eben vergangenem Werktag tätiger Menschen sprechen. Nach Makow zu wirds wieder lebendiger. In Prasznysz huschen nur die Katzen durch das verbrannte Gemäuer, aber Kolonnen rattern an dem kleinen weiß⸗gelben Rathaus, das unversehrt inmitten des Marktplatzes steht, vorbei. In Makow selbst herrscht dann das rührige Leben einer Stadt unmittelbar hinter der Linie. Alle Quartiere sind belegt,— aber alles Bier— leichtes kühles Warschauer Gebräu ist noch nicht getrunken. Die Leute freuen Kirche das traute Pfarrhaus liegt, wo in stillem Gartenfrieden! ein ländliches Lehrerhaus, oder am Waldesrande ein einsames Forst⸗ haus auftaucht; allüberall klopft der treuste Kinderfreund, klopft und klopft, bis die geschäftige Hausfrau horcht, bis Haustöchter und Mägde aufmerken. Sie sehen ihn nicht, den stillen Gast, aber deut⸗ lich hören sie seine Stimme, deutlich und unabweisbar:„Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf!“ „Was, Ihr habt ohnehin schon zuviel?“—„Das Brot reicht gerade für Euch und die Eurigen?“ Kennt Ihr denn nicht die Geschichte von der Witwe zu Sarepta und ihrem Oelkruge? oder traut Ihr Eurem Gott nicht mehr die alte Kraft zu? „Ihr habt keinen Platz? Habt kein einziges überflüssiges Bett? Ist denn nicht der Vater oder der Sohn im Felde? Steht sein Bett nicht leer oder habt Ihr nicht einen Heuboden oder eine Kammer, die sich nett und sauber herrichten und in der sich mit Stroh oder Heu ein Lager richten ließe?„Wer ein Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf“, dies Wort werdet Ihr nun nicht wieder los, das geht Euch nach und Ihr fühlt das Auge dessen, der es gesagt hat, liebreich fragend, mahnend und verheißend auf Euch ruhen. Ihr habt recht, Ihr lieben geplagten deutschen Frauen und Mädchen— es liegt schon viel auf Euren Schultern. Die drängende Arbeit in Feld und Garten muß geschafft werden, hängt doch der Eurigen und Eures Volkes Wohl davon ab. Aber unsere Feldgrauen an der Front, unsere Schützer und Helden haben es auch micht leicht— schwer und schwerer legen sich die Anforderungen des Tages auf ihre Schultern und sie versagen doch nicht! Sie halten durch, sie bilden eine Mauer von„sie zwingen den Feind, und wir Frauen daheim, wir wollten versagen, wir wollten nicht willig die Schultern hinhalten, um noch eine neue Bürde auf uns zu nehmen?„Nein— gebt her! wir wollen nicht hinter unsern Tapfern im Felde zurückstehen, wir wollen unsern redlichen Anteil an der Arbeit für unseres Volkes Zukunft.„Einer aber trage des andern Last“— wer hat doch dies köstliche Wort gesprochen? Und handelt es sich denn in Wahrheit um eine Last? ist's nicht neben der Bürde eine Freude, eine große, herzerquickende Freude, die Ihr Euch gönnen sollt, die Ihr auch in bescheidenen Verhältnissen Euch gönnen dürft in dieser schweren Zeit?! Auf vielen großen Besitzungen herrscht seit langem die schöne Sitte, für die mmerzeit ein paar Ferienkinder aufzunehmen. Ich kenne einige liebe deutsche Frauen, die nehmen solche Kinder nicht nur in ihr Haus, sie nehmen sie an ihr Herz und die warme Mütterlichkeit, mit welcher sie dieselben umfassen und umsorgen, folgt diesen später in ihr Werktagsleben wie eine leichte Erinnerung, erscheint ihnen wie ein goldglänzender Stern, und wer wagt den Sogen auszumessen, der Gebenden und Nehmenden aus solchem Verhältnisse wird? g Mie mancher jungen Witwe winkt hier ein köstlicher Beruf und eine Arbeit, die ihr den besten Trost spenden würde! Wie manche Mutter, die ihren Sohn und ihres Lebens Hoffnung verlor und der das Herz fast fühllos wurde vor Schmerz, gewinnt wieder Leben und Liebe durch diese Arbeit an den Kindern. a Ä•˙m.nm ²˙ . 8 nach vorn fährt, nachdem ich ihm die Quelle verraten habe.„Wohl bekomms!“„Wird schon! Wird schon!“ 3 5 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Aus dem Reiche. Berlin, 28. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Die„Nordo, Allg. Ztg.“ schreibt über die Lage der deutschen Zivilgefangenen in Frankreich: Wie die Regie⸗ rung der Vereinigten Staaten von Amerika mitteilt, be⸗ suchte der Vertreter der amerikanischen Botschaft in Paris die Zivilgefangenenlager in Frankreich und berichtete über verschiedene Mißstände. Seine Wahrnehmungen sind der französischen Regierung mitgeteilt und von dieser nachher untersucht worden. Nach dem jetzt vorliegenden Bericht erkannte die französische Regierung die vorgebrachten Kla⸗ gen durchweg als berechtigt an und traf für die Beseiti— gung der Mißstände Anordnungen— Berlin, 28. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kaise rin hat sich gestern abend nach Ostpreußen begeben und traf heute früh in Allenstein ein. Dort stieg die Kron⸗ prinzessin in den Salonwagen der Kaiserin. In Allen⸗ stein fand auch ein Empfang Hindenburg s statt. Die Weiterreise nach Neidenburg erfolgte in Begleitung des Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten. Aus Stadt und Cand. a Gießen, 29. Juli 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Res. Wilh. Heß, Res.-Inf.-Agt. 118, aus Worms.— Garde- süsilier Ludw. Müller. Inf.-Rgt. 115, aus Offenbach.— Res. Albert Hartmann, Res.⸗Ins.-Rat. 68, aus Niederscheld.— Ers.-⸗ Res. Karl Pfeiffer, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 83, aus Eile rtshausen.— Ers.⸗Res. Heinr. Lautenschläger, Inf.⸗Rgt. 168, aus Nieder- Beerbach.— Flis. Peter Schüler, Garde-Gren.-Rgt. 5, aus Darmstadt.— Off.-Stellv. Friz Lohmann, Landsturm-Rgt. 20, aus Dillenburg.— Landwehrm. Konr. Becker, Inf.-Rgt. 118, aus Schlitz.— Kriegssreiw. Gefr. Heinr. Ernst Friedr. Goerne 1 Drag.-Rgt. 23, aus Darmstadt.— Lt. d. L. Apotheker Gustav Reitz, Landsturm-Inf.⸗Bat. 2, aus Darmstadt.— Ers.-Res. August Specht, Landwehr ⸗Inf.-Rgt. 118, aus Leusel.— Leutn. stud. jur Willy Lahr, Inf.-Agt. 116, aus Wetzlar.— Vize wachtmeister Albert Karl Schäfer, Res.-Ins.⸗Agt. 253, aus Offenbach a. M. T. Landsturm-Rekrut Karl Blammeser, Res.-Inf.-Agt. 221, aus Offenbach a. M.— Schütze Lorenz Fritz, Res.-Inf.-Rgt. 222, au Salzhausen. 5 * Selbstzünder⸗ Zigarren. Neuerdin garren zur Versendung ins Feld in den Handel gebracht wor⸗ den, die an ihrem vorderen Ende mit einer durch Reibun gent zündbaren Masse versehen sind. Diese sogenannten Sel bst⸗ ünder⸗(Eszet) Zigarren gehören zu den leicht entzünd⸗ lichen Gegenständen, die nach der Postordnung zur Versendung mit der Post nicht zugelassen sind. Vor Zuwider wird von der Postverwaltung dringend gewarnt. Landkreis Gießen. tt. Lich, 28. Juli. Der Maurermeister Heinrich Stengler von hier, gegenwärtig Vizefeldwebel im Fuß-Artillerie-Regiment Nr. 14, wurde mit dem Eisernen Kreuz zweiter Klasse aus- J Birklar, 29. Juli. Gestern erhielt die Familie Gilbert Ott die Nachricht, daß ihr Sohn Heinrich, Vizefeldwebel im Res.⸗ Inf.-Regiment 222, der seit Anfang Juni vermißt wurde, sich ir russischer Gefangenschast befindet. Kreis Alsfeld. l Von der Ohm, 28. Juli. Eine eigentümliche Erscheinung in der Vogelwelt bietet, wie uns ein Naturfreund schreibt, das vollständige Verschwinden der Stare während der Reise unserer Vogelkirschen. Bis zum Eintritt dieser Reife flogen die Im kleinen ländlichen Betriebe, wo die Arbeit drängt und dt werden kann auf die Sorge für tägliche War⸗ tung und Kost, könnten vielleicht eine Mutter mit einem oder zwei Kindern aufgenommen werden, und diese Mutter müßte dann mit Hand anlegen und das Essen für ihre Wirte, für sich selber und ihre Kinder bereiten. Keine Last machen, sondern nach besten Kräften helfen und sich der Hausordnung fügen, sei auch hier die Losung! Viele größere Jungen und Mädchen sind wohl 8 sich, wenn es sein muß, nach Art der Wandervögel selbst ihre Kost zu bereiten; sie sind nach ein paar belehrenden Worten auch wohl imstande, das Vieh zu hüten, die Beete im Garten zu jäten, fleißig zu begießen, die Steige zu harken, Beeren und Pilze zu suchen. Reisig aus dem Walde zu holen und was dergleichen mehr ist Solche leichtere Arbeit im Freien ist äußerst gesund für die größerer Kinder und kann eine Hilfe sein für die gaftlichen Wirte. Man sage nicht, Stadtkinder seien für derartige Arbeiten nicht zu gebrauchen. Stadtkinder, die zur Erholung ins Gebirge geschickt waren, wacker beim Heuen zugriffen und es ging ihnen bald von der Hand wie altgewohnte Arbeit und ist ihnen vorzüglich bekommen. Mit gutem Willen von allen Seiten und mit der richtigen Auffassung der ganzen Sache gegenüber läßt sich viel erreichen.— Auf die Auffassung freilich kommt alles an! In alten Lesebüchern findet sich häufig als Beispiel auf⸗ opfernder selbstloser Mutterliebe das Gedicht:„Der Löwe von Florenz.“ Der Inhalt ist kurz folgender: Der grimme Löwe bat seine Kette zerrissen, den Käfig zertrümmert und rast nun durch die Straßen der Stadt. Alles hat sich angstvoll in die Häuser geflüchtet, nur ein kleines Kind spielt ohne Verständnis für den Vorgang und deshalb furchtlos auf dem Marktplatze. Schon naht sich das brüllende Raubtier— das Kind scheint verloren— da stürzt sich eine Frau, die Mutter des Kindes, dem L6 gegen, hebt das Kindlein empor und trägt es vor den verblüfften Löwen eilenden Laufes in ihr Heim. Ihre Mutter⸗ liebe besiegte Schrecken und Todesgefahr. Als Kind war ich jedesmal zu Tränen gerührt, wenn ich dies Gedicht las Jetzt empfinde ich anders. Verächtlich und unnatürlich erscheint mir jede Frau, die in gleicher Lage nicht in derselben. Weise handeln würde. Aber verächtlich und die, ob selber Mutter selbe wagte! Mütterlichkeit ist jedem kleinen Mädchen angeboren. Dieser tiefste und zarteste Zug im Weibe zeigt sich in früher Kindheit schon im beseelten Spiel mit der Weise den jüngeren Geschwistern oder Gefährten gegenüber. N Aber Mutterliebe, die nur ihr eigen Fleisch und Blut liebt und nur für dieses ihr Leben— Augen des jämmerlich erschiene mir auch jede Frau, oder nicht, für jedes fremde Kind nicht das! Höchste, ist nur zu häufig mit Eigenliebe und Eitelkeit 3 8 1 Alexander Zirkler, Drag.-Ngt 23, aus Darmstadt.— Ers.-Res. gs sind Zi⸗ handlungen gezeichnet. 908 Ich habe des öfteren beobachtet, wie verwöhnte Puppe, zeigt sich bald in oft rührender 1 als Spiel setzt, ist e Stare in starken Schwärmen umher. Ja, sie bedachten schon die frühreifen Vogelkirschen mit ihrem Besuche, so daß man die Ver- nichtung der ganzen Kirschenernte befürchtete. Da verschwanden sie mit einemmal trotz der eintretenden Kirschenreise. Die Vogel- kirschen sind zwar kleiner als die Edelkirschen, aber dennoch sehr geschätzt bei jung und alt. Gerade in dieser Kriegszeit waren sie doppelt willkommen. Man hat viel Kirschenmus aus ihnen be- reitet. Zu verwundern bleibt es, daß in diesem Jahre die Stare so rücksichtsvoll gewesen. g 5 15 Ruppertenrod, 28. Juli. Bei den Kämpsen um Warschau erlitt der Musketier Karl Seim vom Infanterie-Regi⸗ ment 176 den Heldentod. In ihm verlieren seine Eltern den ein- zigen Sohn.. Kreis Lauterbach. 9 8 i. Bermutshain, 27. Juli. Bei gerade nicht günstiger Witterung wurde heute hier der diesjährige Markt abgehalten, Mit Ferkeln war er ziemlich gut befahren. Bei lebhastem Handel wurden für das Paar Ferkel von 8—10 Wochen 60—70 Mk. be⸗ zꝛnsahlt.— Der Krämermarkt des Nachmittags war weniger gut btcsucht. 5 2 A Aus dem Vogelsberg, 28. Juli. Es muß den Forst⸗ behörden dankbar anerkannt werden, daß sie das Beerensuchen im Walde den Beerensuchern nicht erschwert, sondern das erwünschte Entgegenkommen überall gezeigt haben. Die Beeren⸗ pflücker waren nicht gehindert, den Himbeerreichtum einzuheimsen. Nur so war es möglich, so viele Beeren zu ernten. Die Himbeer⸗ ernte neigt sich nun zu Ende und die Brombeerernte beginnt. Auch sie verspricht reichen Ertrag. Kreis Schotten. 5 l. Herchenhain, 27. Juli. Unteroffizier Jo st, Tambour beim Stabe des dritten Bataillons des Infanterie-Regiments 365, erhielt, nachdem er schon vor einiger Zeit mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde, die Hessische Tapferkeitsmedaille. Hessen-Nassau. m. Kirchhain, 28. Juli. Die Obsternte in der hiesigen Semarkung verspricht reichen Ertrag. Sowohl das Frühabst wie die späteren Sorten zeigen reichen Vehang und an vielen Stellen mußten die sruchttragenden Bäume gestützt und gebunden werden, damit die Aeste unter der Last nicht zusammenbrechen.— Die hiesige Schuljugend liest hier während der Ferien unter der Auf- sicht der Lehrer die liegen gebliebenen Nehren. Der Ertrag soll fur Mittel der Kriegsfürsorge verwendet werden. 5 2 Frankfurt a. M., 28. Juli. Auf dem Viehmarkt am letzten Montag verkauften ein Metzger aus Aschaffen— burg und ein Makler aus Schaafheim zwei Bullen für 2475 Mk. Die beiden Händler hatten die Tiere tags zuvor in einem Dorfe bei Aschaffenburg für 1700 Mk. eingekauft. Sie verdienten also bei dem Geschäft 775 Mk oder rund 45 Prozent.— Die Stadt hat die Preise für alte Kartoffeln, die sie fortgesetzt noch in großen Mengen verkauft, auf 60 Pfg. für 10 bid. herabgesetzt. Daneben begann sie heute früh mit dem Verkauf neuer Kartoffeln. Der Preis beträgt 80 Pfg. für 10 Pfd. Er hatte insofern sofort eine erfreuli Wirkung, als die Händler, die bisher eine Mark für 10 Pfund nahmen, schleunigst auch auf 80 Pfg., teilweise sogar auf 75 und 70 Pfg. heruntergingen.— In einer augenblicklich unbewohn⸗ ten Villa des Westends wurde, wie sich erst bei der Rückkehr der Bewohner herausstellte, ein schwerer Einbruch verübt. Den Dieben fielen größere Mengen von wertvollem Silbergerät, Kleidern und Schmucksachen in die Hände. Als Diebe ermittelte die Polizei den Kellner Rauth aus O„den Arbeiter Franz Gerber aus Gießen, en Spengler Wilhelm Striegel aus Frankfurt und den jährigen Arbeiter K. Lauer aus Wiesbaden. Rauth und ber wurden bereits festgenommen. Auch konnte ein Teil Diebsgutes wieder herbeigeschafft werden. . h. Bad Homburg ev. d. H., 27. Juli. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Stadtverordneten vorsteher Dr. Rüdiger eine Eingabe des Gewerkschaftsvereins bekannt, in der dieser den Magistrat um Einführung einer städtischen Arbeitslosen⸗ unterstützung ersucht. Für die Herrichtung eines Baderaums der Sandelmühle bewilligte man 1000 Mark, die gleiche Summe genehmigte man als Nachkredit für die Erweiterung des Gas⸗ rohrnetzes. Hinsichtlich der Sicherung des kommunalen Wahl⸗ echts der Kriegsteilnehmer trat die Sitzung dem Be⸗ schlusse des Magistrats bei, insofern, als man von der 4 45 und Auslegung von Wählerlisten für die Jahre 1915 und 191 absieht. Sollte eine Wahl in diesen Jahren nötig sein, dann sollen die Listen von 1914 zu Grunde gelegt werden. Sodann beschäftigte man sich zum wiederholten Male mit der Kapital⸗ mischt und erhebt sich in einzelnen Fällen kaum über die Liebe des Tieres zu seinen Jungen. i Bu einer Apotheose der Mutterliebe, wie sie in den Madonnen⸗ 5 der Renaissance stattfand, hätte eine solche erdenschwere Liebe unsere Künstler kaum begeistert. Dazu mußte sich ihnen * die Mutterliebe offenbaren, wie sie in der Sirtinischen Ma⸗ donna einerseits und in der Holbeinschen Madonna anderer⸗ speits ihren höchsten Ausdruck fand: die Liebe, die ganz von sich bos ist, die ihr Kind empfängt als ein Unterpfand göttlicher Gnade und dir strebt, es über alles Irdische hinaus ihrem Gotte zuzu⸗ . Eine solche geläuterte, vemöttlichte Mutterliebe aber ist der mütterlichen Liebe, welche ich als die höch ste empfinde, nahe ver⸗ wandt. Und gerade in dieser unserer Zeit sollte sich diese höchste und tiefste, diese zarteste und selbstloseste Liebe am ergreifendsten offenbaren j off Und wie offenbart sie sich? Wenn jede Frau, ob ver⸗ heiratet oder unverheiratet, ob selber Mutter oder nicht, sich ver⸗ antwortlich fühlt für das Wohl und Wehe eines jeden Kindes, welches das Leben ihr in den Weg führt; wenn ihr das Herz brennt 7 Kummer bei dem Gedanken, daß ein Kind, diese höchste Gabe Gottes Hand, Schaden leiden könnte an Leib oder Seele; ihr das Herz vor Freude lacht, wenn sie Gutes und Beson⸗ . an einem Kinde entdeckt; wenn sie gar nicht anders kann, als lieben, retten, helfen und geben, wo immer sich ihr Gelegenheit . bietet: dann ist ihre Seele durchdrungen von echtester Muttex⸗ 5 Gott schenke uns recht viel von solcher Liebe!— sie hilft 0 weben so gut zum Siege als der Kampf an der Front. 5 5˙ e nicht, daß jeder in seinem Kreise Kinder weiß, die U dem Druck der Zeit besonders leiden. Diese fordern natürlich unsere nächste Hilse. Weiß jemand aber solche Kinder nicht, so wende er sich an die Schulbehörden in den Städten, an das Rote 5 Kreuz oder die Frauenvereine und er wird aus vielen Kindern die wenigen wählen können, denen er helfen kann und will. And was Ihr tut, gebt es nicht als Almosen— dann hättet Ihr Euren Lohn dahin!— tut es unter dem Zwange Eurer treibenden, sorgenden, opferfreudigen Mutterliebe. Gebt den Kindern die Für⸗ sorge, die Ihr eigenen Kindern geben würdet, verlangt aber auch von ihnen im täglichen Leben, was Ihr von eigenen Kindern im gleichen Falle verlangen würdet, und Ihr werdet die Freude und den Segen, den tiefen, reichen Segen des Wortes erfahren;„Wer ein aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich* * Diese uns von einer geschätzten Leserin übermittelten Gedanken berühren ein Thema, das unseres Erachtens in der Tat höchst aktuell ist Fürs erste würde es sich darum handeln, bedürftigen Kindern und Waisen einen gesunden Ferienaufenthalt anzubieten, und wir würden uns euen, wenn auf diese Anregungen hin eine zweckent⸗ echende Organisation für unsern engeren Heimatsbezirk eschaffen würde Vielleicht schließen sich die Geistlichen Lehrer, die sicher auf diesem Gebiete schon nützlich ge⸗ wirkt haben, zusammen, um der schönen, menschenfreund⸗ 41 inser 1 ten. Die Vereinigten Ausschüsse hatten eine Abfindung von 90600 Mark beschlossen, so daß die betreffenden Besitzer bis zum Jahre 1915 Steuerfreiheit genießen würden. Da die Kir⸗ dorfer aber auch noch Befreiung von den Kreis- und Bezirks⸗ steuern bis 1925 verlangen, was eine weitere Belastung der Stadtkasse um 20000 Mark bedeuten würde, lehnte man dieses Verlangen ab und vertagte die Angelegenheit abermals. Bis zu einer späteren Beratung will man Fühlung mit den in Frage kommenden Wählern, von denen etwa 300 im Felde stehen, nehmen. Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof- Marktbericht vom 28. Juli. Zum Verkauf standen 195 Rinder(darunter 17 Ochsen, 19 Bullen, 159 Kühe), 247 Kälber, 11 Schafe, 180 Schweine. Zu den seitherigen Preisen wurde bei lebhastem Handel der Austrieb abgesetzt. Es verblieb keinerlei Ueberstand. Das Beste Odol zur Zahnpflege Bekanntmachung. ö Betr.: Bestandserhebung von Bastfaserrohstoffen und Erzeugnissen aus Bastfasern(Jute, Flachs, Ramie, europäischer Hanf und überseeischer Hanf). Die nachstehende Bekanntmachung des stell vertretenden General⸗ kommandos XVIII. Armee-Korps in obigem Betreff vom 27. Juli 1915 bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 28. Juli 1915.. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. Bekanntmachung betreffend Bestandserhebung von Bastfaserrohstoffen und Erzeugnissen aus Bastfasern(Jute, Flachs, Ramie, europäischer Hanf und überseeischer Hanß). Nachstehende Verordnung wird hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Uebertretung— wor⸗ unter auch verspätete oder unvollständige Meldung fällt— sowie jedes Anreizen zur Uebertretung der erlassenen Vorschrift, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, nach§ 9 Buchstabe b*) des Gesetzes über den Belagerungs⸗ zustand vom 4. Juni 1851 oder Artikel 4 Ziffer 285) des Baperi⸗ schen Gesetzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 oder nach§ 57 der Bekanntmachung über Vorrgtserhebungen vom 2. Februar 1915 bestraft wird; auch kann der Militärbefehls⸗ haber die Schließung des„ N anordnen. . Inkrafttreten der Verordnung. 5— Verordnung tritt am 2. August 1915 nachts 12 Uhr in Kraft. 6 8 2. Von der Verordnung betroffene Gegenstände. Von der Verordnung betroffen sind sämtliche Vorräte leiner⸗ lei ob Vorräte einer, mehrerer oder sämtlicher Klassen vorhanden sind) an folgenden Gegenständen: N 1.7) Bastfaserrohstosse im Stroh l(ungeröstet und geröstet), geknickt, geschwungen, gebrochen, gehechelt und als Werg oder spinnfähiger Abfall; 2.7) aan—5 teilweise aus Bastfasern hergestellte Garne Ar wirne; 3.) Seilerwaren wie Bindfäden, Bindegarne, Kordel, Schnüre, Stricke, Leinen, Seile, Taue, Transportbänder, Band⸗ seile, Gurte u. a.; 4.) alle ganz oder teilweise aus Bastfasern hergestellten Ge⸗ webe, welche für Heeresbedarf in Betracht kommen. Diese sind alle glatten oder streifig gemusterten Gewebe in rohem, gebleichtem, inprägniertem und gefärbtem Zustande, welche mit nicht mehr als 5 Schäften hergestellt sind und in denen keine feineren als Leinengarnnummer oder bei mit Baumwolle gemischten Geweben keine feineren Garne als Baumwollgarnnummer 32 engl. ver⸗ wendet worden sind; 5.7) leere Säcke, ganz oder teilweise aus Bastfasern her⸗ gestellt, und zwar alle ungebrauchten Säcke und alle ia oder tierische Nahrungsmittel gebrauchte e. g 10 den Bastfasern im Sinne dieser Verordnung gehören: Jute, Flachs, Ramie europäischer Hanf, die außer⸗ europäischen Hänse wie Manilahanf, Sisalhanf, indischer Hanf, Neuseelandflachs und andere Seilerfasern; ferner alle bei der Bearbeitung von Fasern entstehenden Werg⸗ arten und spinnfähigen Abfälle. 9 8. g Von der Verordnung betroffene Personen, Gesellschaften usw. Von dieser Verordnung werden betroffen: a) alle gewerblichen Unternehmer und Firmen, in deren Betrieben die in§ 2 aufgeführten Gegenstände erzeugt, gebraucht oder verarbeitet werden, soweit die Vorräte sich A. 60 Gewahrsam oder bei ihnen unter Zollaufsicht efinden; 6 b) alle Personen uind Firmen, die solche Gegenstände aus Anlaß ihres Wirtschaftsbetriebes, ihres Handelsbetriebes oder sonst des Erwerbes wegen für sich oder für andere in Gewahrsam haben, oder wenn sie sich bei ihnen unter Zollaufsicht befinden: g c) alle Kommunen, öffentlich rechtlichen Körperschaften und Verbände, in deren Betrieben solche Gegenstände erzeugt, gebraucht oder verarbeitet werden, oder die solche di in stände in Gewahrsam haben, soweit die Vorräte sich in —. Gewahrsam oder bei ihnen unter Zollaufsicht be⸗ 1 3 d) Personen, welche zur Wiederveräußerung oder Verarbei⸗ tung durch sie oder andere bestimmte Gegenstände der in 82 aufgeführten Art in Gewahrsam genommen haben, auch wenn sie kein Handelsgewerbe betreiben; e) alle Empfänger(der unter a bis d bezeichneten Art) sol⸗ cher Gegenstände nach Empfang derselben, falls die Gegen⸗ stände sich am Meldetag auf dem Versand befinden und „Wer in einem in Belagerungszustand erklärten Orte oder Distrikte ein bei Erklärung des elagerungszustandes oder während desselben vom Militärbesehlshaber im Interesse der öffent⸗ lichen Sicherheit erlassenes Verbot übertritt oder zu solcher Ueber⸗ tretung auffordert oder anreizt, soll, wenn die bestehenden Ge⸗ setze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft werden.. ) Wer in einem in Kriegszustand erklärten Orte oder Be⸗ zirke eine bei der Verhängung des Kriegszustandes oder während desselben von dem zuständigen obersten Militärbefehlshaber zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit erlassene Vorschrift über⸗ tritt oder zur Uebertretung auffordert oder anreizt, wird, wenn nicht die Ciesetze eine schwerere Strafe androhen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. f % Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der 3 Frist erteilt oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft, auch können Vorräte, die ver⸗ schwiegen sind, im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. Wer sahrlässig die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Ver⸗ ordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Geld⸗ strafe bis zu dreitausend Mark oder im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. 1) Die nicht zu meldenden Mindestmengen jeder Warengattung lichen Aufgabe die beste Ausführung zu sichern. sind im 8 8 aufgeführt. fabfindung an die Altkirdorfer Steuerbevorrechtig⸗, sccn eee wer ge 1 5 5 Von der Verordnung betroffen sind hiernach insbesondere nachstehend aufgeführte Betriebe und Personen: 7 gewerbliche Betriebe: wie z. B. Faserberei anstalten, reien, Sei⸗ Spinnereien, Webereien, Zwirnereien, Färbereien, Bleiche Wäschefabriken, Konfektionshäuser, Plan- und Säckefabriken, lerwarenfabriken, Seilereien, Netzfabriken. Handelsbetriebe: Kaufleute, Lagerhalter, Spediteure, Kom⸗ missionäre usw.; wirtschaftliche Betriebe: Landwirte usw. Sind in dem Bezirk der verordnenden Behörde neben der Hauptstelle Zweigstellen vorhanden(Zweigfabriken, Filialen, Zweigbureaus u. dergl.), so ist die Hauptstelle zur Meldung und zur Durchführung der Beschlagnahmebestimmungen auch für die Zweigstellen verpflichtet. Die außerhalb des genannten Bezirks ein welchem sich die Hauptstelle befindet) ansässigen Zweigstellen haben einzeln zu melden.. 9 4. Meldepflicht. Die von dieser Verordnung betroffenen Gegenstände sind von den in 8 3 Bezeichneten(Meldepflichtigen) nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen zu melden. Die erste Meldung ist für die am 2. August 1915 nachts 12 Uhr vorhandenen Vorräte bis zum 12. August zu erstatten. Die folgenden Meldungen sind für die bei Beginn des ersten Tages eines jeden zweiten Monats vorhandenen Vorräte bis zum 10. des betreffenden Monats— bei der zweiten Meldung demnach bis zum 10. Oktober 1915— 8 1 8 5. Meldescheine. Bei der ersten Meldung sind die Vorräte von sämtlichen in § 2 aufgeführten Gegenständen anzugeben; bei den folgenden Mel⸗ kungen nur die Vorräte der in 8 2 unter Ziffer 1 und 2 aufge⸗ führten Gegenstände. g Die Meldungen haben unter Benutzung der amtlichen Melde⸗ 1 e für Bastfasern und Bastfasererzeugnisse zu erfolgen. Ti eldescheine für die erste Bestandsmeldung sind unverzüglich erfolgter Bekanntmachung gegenwärtiger Verordnung, fü späteren Meldungen entsprechend frühzeitig, bei dem meldeamt der es eee des Königl. Kriegs⸗ ministeriums, Berlin SW 48, Verlängerte Hedemannstraße 11, zu verlangen. Die Anfor! hat auf einer Postkarte(nicht mit Brief) zu erfolgen, die nichts anderes enthalten darf, als die Kopfschrift:„Betrifft Meldescheine für Bastfasern“, die kurze An⸗ forderung der Meldescheine und die deutliche Unterschrift und Firmenstempel mit genauer Adresse.. Die Bestände sind nach den vorgedruckten Stoffbezeichnungen getrennt anzugeben. In denjenigen Fällen, in denen die Gewichte oder Mengen nicht ermittelt werden können, sind schätzungsweise Angaben ein⸗ ne d dem besonderen Vermerk, daß die Angaben ge⸗ ätzt sind. Sämtliche in den Meldescheinen gestellten Fragen sind genau zu beantworten. 5 Die Meldescheine sind ordnungsgemäß frankiert an das Webstoffmeldeamt der Kriegs⸗Rohstoff-Abteilung des Kal. Kriegs⸗ ministeriums, Berlin SW 48, Verlängerte Hedemannstr. 11, einzusenden. Auf die Vorderseite der zur Uebersendung von Melde⸗ scheinen benutzten Briefumschläge ist der Vermerk zu setzen:„Ent⸗ hält Meldescheine für alete f 8.6. Besondere Meldebestimmungen.. Flachsstroh und Hanfstroh, welche am Stich⸗ tage noch nicht geerntet sind, müssen schätzungs⸗⸗ weise gemeldet werden. Die genaue Meldung ist sofort nach der Einerntung unter Abzug des Ge⸗ wichtes des Samens vorzunehmen. Die nach dem jeweiligen Stichtage eintreffenden, vor dem Stichtage aber schon abgesandten Vorräte sind vom Empfänger un⸗ verzüglich nach Empfang zu melden. Außer den Vorratsmengen ist anzugeben 8 30 Sol erden dee sich im C. wabrsam des Auskunftsp ichtigen (898 3 und 4) befinden. Auf einem Meldeschein dürfen nur die Vorräte eines und desselben Eigentümers und die Bestände einer und derselben Lager⸗ . werden. weit Rohstoffe oder Garne nach dem 25. Mai 1915 aus dem A sind, 122 der 0 1 5.** ttung der Meldung anzugeben und au angen 3 Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung, den Nachweis dalle erbringen. Anfragen, die vorliegende Verordnung betreffen, sind an das Webstoffmeldeamt der Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung des.. Kriegsministeriums, Berlin 8W 48, e Hedemannstr. 11, zu richten; die Anfragen müssen auf dem Briefumschlag sowie am Kopf des Briefes den Vermerk enthalten:„Betrifft Bestandsauf⸗ nahme für Bastfasern“. Muster der gemeldeten Vorräte sind nur auf besonderes Ver⸗ langen dem Websto 1% Weder 57. cg welepflice e e ein Lagerbuch einzu jede Aenderung in den Vorratsmengen und ihre 5 E der Polizei⸗ und Militärbehörden ist jederzeit di Beau zei- u. Aitär! 1 ist jederzeit die Prüfung des Lagerbuches, sowie die Besichtigung des Betriebes zu gestatten. d 8 8. Ausnahmen. Die Meldepflichtigen sind insoweit von einer Meldepflicht und Führung des Lagerbuches befreit, als ihre Vorräte leinschließlich derjenigen in sämtlichen Zweigstellen, die sich im Bezirk der verord⸗ nenden Behörde befinden) am 2. August 1915, nachts 12 Uhr, ge⸗ ringer sind als(Mindestvorräte): 9 a) ein Gesamtvorrat von 500 Klgr. Faserstroh oder 100 Klgr. ausgearbeitete Rohstoffe, f a 8 b) 100 Klgr. Garne und Zwirne oder 100 Klgr. Seilerwaren, c) 200 Mtr. Gesamtlänge von Geweben gleicher Bezeichnung (J. B. alle Gewebe unter der Bezeichm andtücher oder Bettücher). Nicht zu melden sind demnach alle gemusterten Gewebe(ausgenommen gestreifte Gewebe) und alle Bastfaser⸗ gewebe, in denen Garne feiner als Leinengarn Nr. 30 oder Baumwollgarn Nr. 32 enthalten sind. Ebenso sind nicht zu melden alle Wirkwaren und Spitzen(vergl. 8 2 Af 45 d) 500 Säcke aller zu meldenden Gattungen(pergl. 8 2 Ziff. 5). Auch diese Personen sind auf besonderes Verlangen der Kriegs⸗ e des Kriegsministeriums zur Meldung ihrer Vor- räte oder zu Fehlmeldungen verpflichtet. In jedem Falle tritt auch für sie die Pflicht zur Meldung und zur Führung eines Lagerbuckes für die gesamten Bestände ein, wenn an einem späteren Stichtage die oben bezeichneten Mindest⸗ vorräte überschritten werden.— Verringern sich die Bestände na träglich unter die angegebenen 1 e so bleibt die Pflicht r eldung und Führung des Lagerbuchs trotz⸗ ehen. Frankfurt(Main), den 27. Juli 1915. Stellv. Generalkommando 18. Armeekorps. Bekanntmachung. Betr.: Den Ausbruch der Maul- und Klauenseuche in Rutters⸗ hausen. 8 a In Ruttershausen ist die Maul- und Klauenseuche aus⸗ 8 Die Gemarkung Ruttershausen hildet einen perrbezirk, Für diesen Bezirk gelten die Bestimmungen unserer Bekanntmachung vom 12, November 1914(Kreis⸗ blatt Nr. 70 vom 17. November 1914). 5 Gießen, den 28. Juli 1915. 5 Gro iches Kreisamt Gießen. J. V.: Hemmerde. 8 ichten, aus dem rwendung er⸗