0 8 5 1 e f N Sweites Blatt Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Gießener Familiendlätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Ein Jahr deutsche geldpost. 7 Man hat die Organisation und die Leistungen der deut— 1 schen Feldpost von 1870, mals mustergültig bezeichnet. Das . waren sie auch. 104 Millionen Briefe hat die Feldpost da— 5 mals vom 15. Juli 1870 bis Ende März 1871 befördert. 1 So etwas war noch nicht dagewesen, und die Feldpost 1 durfte mit Recht stolz darauf sein. Und was lheistett * unsere jetzige Feldpost? Nahezu 15½% Millio- nen Briefewerdentäglichvonahr verarbeitet. 1 Das ist das 35fache dessen, was die Feldpost 1870/71 täglich geschafft hat. Dabei haben die Feldpostbeamten von da— mals auch im Schweiße ihres Angesichts gewirkt. 2300 waren es. Jetzt sind es 5400, also knapp 2½ mal mehr. Wenn diese dabei in einer Woche das leisten, was jene in 8½ Monaten bewältigt haben, so hat man wohl auch im jetzigen Kriege Anlaß, mit der Organisation der deutschen Jeldpost zufrieden zu sein. Denn nur aus ihr läßt sich eine derartige hervorragende Leistung erklären. Nach der Front sind aus dem Deutschen Reich durch Vermittlung der heimischen Feldpostsammelstellen von e 1914 bis Ende Juli 1915 etwa 2,4 Milliarden Feldpostbriefe befördert worden. Da außerdem etwa 1,6 Milliarden Feldpostbriese im Felde aufgeliefert worden sind, umfaßt die gesamte Beförderungs— leistung der deutschen Feldpost bis jetzt etwa 4 Milliarden Briefe. Bei den 23 heimischen Postsammelstellen ist das Personal seit Mitte August 1914 von 3100 Köpfen auf 13 bis 14009 angewachsen. Die Menge der täglich ins Feld gehen— den Feldpostbriefsäcke, die im vorigen Dezember bei Ab— beförderung der Weihnachts-Feldpost mit 29000 Stück den Höhepunkt erreicht hatte, stellt sich gegenwärtig auf 45000. Dies bedeutet eine Belastung der Feldpostbeförderungs— 8 denen u. a. 800 Feldpostkraftwagen gehören, mit 1½ Millionen Kilogramm Briefpost täglich. 2 Nicht wenig haben zu der dauernd gesteigerten Be— nutzung der deutschen Feldposteinrichtungen, wie sie in anderen kriegführenden Ländern auch nicht annähernd zu verzeichnen ist, die mannigfachen seit Kriegsbeginn ge— 5 5 Verkehrsverbesserungen beigetragen. Dazu ge— hören die Ermäßigung des Portos für Feldpostbriefe über 500 Gramm bis 250 Gramm von 20 Pfg. auf 10 Pfg., die 8 Zulassung von Feldpostbriefen nach dem Heere im Gewicht von über 250 Gramm bis 500 Gramm, die Nichtbeanstan— dung von Gewichtsüberschreitungen bei den portopflich— tigen Feldpostbriefen bis zu 10 Prozent des Höchstgewichts, die Zulassung von Zeitungsbestellungen für Heeresange⸗ hörige durch Familienmitglieder in der Heimat oder andere Personen, die unentgeltliche Ausgabe von Feldpostkarten⸗ briefen an die Truppen im Felde, die Zulassung von Feld⸗ riefen mit Flüssigkeit, die Einführung besonderer Feld⸗ nweisungen zu Sparkassenzahlungen u. a. m. Auch ie fortgesetzten und mannigfachen Bemühun der Post⸗ verwaltung, dem Publikum bei Benutzung 5 Feldpost⸗ einrichtungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, sind der Ausgestaltung des Feldpostbriefverbehrs förderlich gewesen. Durch die 8 5 Oktober v. J. erfolgte Ausgabe eines besonderen„Merkblatts für Feldpostsendungen“, das seit⸗ dem in sechs weiteren, viele Hunderttausende von Exem— plaren umfussenden Auflagen erschienen ist und das jeder— mann auf Wunsch am Postschalter kostenfrei erhält, ist es den weitesten Kreisen des Publikums möglich geworden, sich über alle einschlägigen Fragen, namentlich auch hinsichtlich der Adressierung und Verpackung der Feldpostsendungen, leicht und zuverlässig zu unterrichten. Gleichen Zwecken in a Verbindung mit praktischer Unterweisung dienen die auf 5 Betreiben der Postverwaltung dauernd vermehrten Kriegs— schreibstuben und privaten Feldpostverpackungsstellen. Ihre Zahl ist allein seit Januar von 3000 auf etwa 8000 ge— iegen. Ueber die Hälfte davon sind in Schulen unter— Gießener Freilichtbühne. Der Spenglermeister Bimbächer. D du liebe, gute, alte Zeit, die du in deinem engen Kraut⸗ und Blumengärtlein noch Raum und Licht hattest für die rare 5 nze, die wir heut mit ein wenig Rührung und ein bischen heit, aber mit viel Ueberlegenheit Original nennen! Eine hohe Mauer war um dein Pflanzgärtlein, spitzgieblig und winklig 1 2 die brave Stadt darüber hinein, und draußen irgendwo 5 klang ganz' undeutlich das Getriebe der Welt. Drinnen aber blühte und duftete es in allen Farben und Formen, und Blumen Kräuter warens zufrieden und verlangten nach keiner Ver- edlung. Da sproßte noch aus dem goldenen Boden des Hand- werks und zwischen Hexingstonne und Zuckerhut die Ehrfurcht vor Schurzfell, Elle und selbstgeklebten Papierdüten; da galten noch g Hausmacherwurst und Spargroschen, und die Frühschoppenstunde Par der Mittelpunkt, wo Wohl und Wehe der Stadt und ihrer * Bürger fest verankert lagen. Du bist verschwunden und dahin, 8 25 Zeit der Originale! Asphalt und Straßenbahn und Miets⸗ 8 0 häuser haben dich langsam in die Erinnerung gedrängt, und 1 heute bringen wir nur mehr ein wehmütig Seufzerlein für deine Tugend und— Gott seis geklagt— ein unehrerbietig Lachen 5 dein unmodernes Habit auf. Aber trotzdem ist unser Herz unbeteiligt, wenn von dir die Rede ist; wir suchen und en in deinem verknitterten Gesicht zuguterletzt, bekannte Züge, verwandtes Mienenspiel, und ganz am Ende verfließen die Grenzen, zu einem bösen Gegensatz zwischen uns kommt es nie. Wir * und en r hei bene N reizte er unwider — Gustav As denken, wenn sie se verriet, zum Ge aben. Einst wär's näm scheiten Art beinahe schl. und Salon nd nebig dem König 1 r 165. Jahrgang Gießener Anzeig i General⸗Anzeiger für Oberhessen Mittwoch, 28. Juli 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschästsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S8 51, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. gebracht. Auch werden auf Ersuchen der Postbehörde schon seit Monaten in zahlreichen oberen Volksschulklassen sowie in den meisten Fortbildungsschulen die Schüler über die wichtigsten Feldpostbestimmungen unterrichtet. Hierdurch ist erfreulicherweise eine Abminderung der vielen unrichtig adressierten und mangelhaft verpackten Feldpostbriefe er— reicht worden. Freilich kommen noch immer täglich 150000 solcher Sendungen in der Heimat auf. Bei mehr als zwei Dritteln davon gelingt es den Bemühungen der Feldpost— sammelstellen, ihnen den Weg zu weisen, der vermutlich zum Ziele führt. Und auch noch im Felde selbst scheut die Post keine Arbeit, um„kranke“ Briefe wenn irgend möglich zu heilen, damit sie den Empfänger erreichen. Auf dem östlichen wie auf dem westlichen Kriegsschauplatz ist aus— schließlich zu dem Zweck dauernd eine Felopostanstalt tätig. Von diesen beiden„Feldausgleichsstellen“ verarbeitet die— jenige in St. Quentin, die mit nicht weniger als 50 Beam— ten besetzt ist, täglich 12000 solcher oßt auf den ersten. Blick scheinbar ganz hoffnungsloser„ So ist es nicht nur der von der deutschen Feldpost bisher bewältigte riesenhafte Verkehr, der ihr unsere Hochachtung einträgt, sondern auch die unermüdliche Fürsorge, die sie jedem ihr anvertrauten Sendlinge zuteil werden läßt, mag er auch für die weite und beschwerliche Reise manchmal recht unzu— länglich ausgerüstet worden sein. Kriegsbriefe aus dem Gsten. Telegramm unseres zum Ostheer entsandten Kriegsberichterstatters. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Zur Einnahme von Rozan und Pultusk. Makow, den 24. Juli. Tas erste Vorwerk von Rozan fiel am 19. Juli, süddeutsche Truppen stießen in einem unerhört tapferen, 1600 Meter langen Sprung vorwärts und nahmen die Höhe 132 links und rechts der Reichsstraße Pultusk-Rozan. Die genommene russische Stellung wurde sofort als deutsche Sturmstellung ausgebaut. Sie ist keine 3 Kilometer von Rozan entfernt: durch das Scheren— sernrohr konnte ich deutlich die roten Dächer und Giebel von Rozan erkennen, ebenso die hohen Erdwerke von Fort 234, hinter denen die Ziegeldächer von Kasernenbauten ziemlich unvor⸗ sichtig leuchteten. Die hübsche alte Kirche, auf deren Turm die russische Artilleriebeobachtung war, wurde mit 40 Schuß zertrümmert. Am 22. wurde von norddeutschen Truppen die Höhe 105 genommen, von Höhe 132 konnte ich ganz deutlich die vernich⸗ tende Wirkung unserer aq schweren Artillerie beobachten, von der fast jeder Schuß saß. egen 2 Uhr zeigten die Russen eine weiße Fahne. Ueber 500 wurden gefangen genommen. Die Höhe 132 hatte derweilen ziemlich heftig unter russischem Artillerie- feuer zu leiden, die Granaten gingen dicht neben den Graben, der, San 7 Front natürlich verändert worden war, keinen guten Schutz bot. 0 Am 23. wurde Höhe 118 gegen 10 Uhr innerhalb 10 Minuten genommen, so daß der Kranz von festen Vorstellungen vor Rozan heute in deutscher Hand ist. Gleichzeitig begann in der Nacht vom 22. zum 23. die Beschießung von Pultusk mit ganz schweren Kalibern, und der Narewübergang wurde artileristisch mit unge⸗ heurer Wucht vorbereitet. Unter dem Dröhnen der allerschwersten Geschütze schien die ganze kleine Stadt Makow zu erzittern, die entsetzten Einwohner flüchteten in die Keller. Die schein⸗ bar jedenfalls nicht erhebliche Artillerie der Festung wurde so niedergehalten und die russis Stellungen südwestlich von Boby mit schwerstem Kaliber zugedeckt, ebenso wie der Brücken⸗ kopf von Chmeliewo, der sestungsähnlich ausgebaut war und den Uebergang über den Narew deckte. Gegen Mittag des 23. war das rechte Narewufer hier und an zwei Stellen oberhalb in der Hand der Stürmenden, und die Pioniere begannen unter feindlichem Feuer mit dem Brückenschlag. Unweit Cejo sah ich die wackeren nackenden Pioniermannschaften, wie sie ihre Schiffsbrücke über den Narew eben fertig bekamen. Die Sonne glänzte auf den weißen Körpern. Das russische Infanterie- und Maschinengewehrfeuer am andern Ufer war von der vorgezogenen Feldartillerie zum Schweigen ge— bracht worden. Es war ein schönes Bild, das da heraufleuchtete 8 Aber die Polizei legte sich noch im letzten Augenblick dazwischen, indem sie dem Zukünftigen Lowischens ein Meinung der Leute in wohlwollender Ueberlegenheit zu dem Erb⸗ onkel des neuen Schwiegersohnes und zwax mit einem bordierten Kutscher, der ihm noch fünfzehn Gulden schuldig war. Was die beiden Autoren an köstlichen Episoden, an bodenständigem Mutter- witz und harmloser Frohlaung in diese Familientragikomödie hinein- gesponnen 185 läßt sich beim besten Willen nicht wiedergeben. Aus allen Winkeln heraus und auf Schritt und Tritt kichert und neckt die Lokalmuse und fegt unter allen möglichen Kapriolen den Staub von den Figuren aus dem Lachkabinett von anno dunnemals, so daß sie uns fast wie neu anmuten. Im Motto der Posse heißts: Man muß doch ebbes schwätze, wammer kahn steife Ehleboge hat. Das ist fraglos ein wenig bescheiden. Es handelt sich neben dem „Schwätzen“ auch noch um ein lustig und ansehnlich Stückchen Heimatgeschichte, das Laune und Geschmack in eine überaus ge⸗ fällige Form gegossen haben Drum sei dem Bimbächer diese längere Betrachtung nicht mißgönnt, und der Freilichtbühne ihre lokalhistorische Tätigkeit doppelt gedankt. War das gestern abend ein Gaudium im Stadttheater und eine Solidarität mit all den sonderbaren Käuzen auf der Bühne. Hinsichtlich der Kritik stehn die Liebhaberspieler gemeiniglich jen⸗ seit von Gut und Böse; wenn man sich aber des Jubels von gestern abend erinnert, den das ausverkaufte Haus nach jedem Aktschluß anstimmte, müßten einem auch so alle Waffen aus der Hand geschlagen sein. Dank der Mühe, die sich W W. Göttig mit seiner in der Hauptprobe von Direktor Steingoetter appro⸗ bierten Spielleitung gegeben hatte, klappte alles ausgezeichnet. Das Hauptverdfenst am Erfolg beansprucht die Wahrscheinlich⸗ keit, mit der W. Göttig den geräuschvollen Titelhelden auf die Bühne stellte, an dem übrigens vieles, was gut ist, gleichzeitig nicht eben häufig ist. So muß der Bimbächer ehn und ge⸗ redet haben; und weil jeder das fühlte, genügte am Schlusse ein Naseschneuzen oder Kopfkratzen, um die Stimmung hochzuhalten. Tann ist gleich Frl. Vetters zu nennen. Dem Gänuschen von Bürgerstöchterlein, das nur der gütige Zufall von einer bitter⸗ bösen Erfahrung bewahrt, gab sie viel Anmut und Schelmerei, die et mit der Hochnäsigkeit versöhnen konnten, mit der sie zuerst dem Windbeutel vor dem ehrlichen Liehhaber den Vorzug ab. Besagten Windbeutel, den Hochstapler Borne, gab Georg Jutz treffend als scharwenzelnden, süßlichen Jierbengel, während seinem schließlich doch erfolgreichen Widersacher Valtin Kurt Frey genau die gegenteiligen Töne lieh, die dem Gedanken nebst den handgreiflichen Gebärden so prompt auf dem Fuße zu folgen pflegen. Eine rühmenswerte Leistung war noch der wurmstichige aus dem grünen Waldtal des Narem. Umso furchtbarer wirkten ein paar Kilometer weiter auf der Straße nach Pultusk die ge⸗ nommenen russischen Brückenkopfstellungen. Bei Grudusk und Osti⸗ nogera habe ich den Erfolg der deutschen Artillerie sehen können und meinte, stärkere Wirkung gäbe es nicht. Dies hier war grauen⸗ voller, ganze Grabenstücke waren bis obenhin mit Toten und Sterbenden und Schwer verwundeten, die sich in die erhaltenen Teile gerettet hatten, buchstäblich gefüllt. Das Feld lag voll Toter und Verwundeter, die nach Wasser schrien. Russische Gefangene und deutsche Sanitäter arbeiteten mit allen Kräften, Hilfe zu bringen. Wieder bewunderte ich die unermüdliche Arbeitskraft der deutschen Sanitätsmannschaften, von denen ich in diesen Tagen Wunder der Todesverachtung gesehen habe. Die russischen Verluste müssen hier über jedes Maß gewesen sein. Erstaunlich bleibt nur, daß die prachtvoll stürmenden deutschen Bataillone überhaupt noch Widerstand fanden, nachdem die Artillerie die Stellung ein- fach zu Klumpen zerschlagen hatte.„„ f Am Narew unten war inzwischen diese Pionierbrücke fertig geworden, und die erste Kompagnie überschritt den Fluß. Russi⸗ sches Maschinengewehr- und Infanteriefeuer setzte wieder ein, aber die Artillerie belegte den Waldrand so dicht, daß es bald ver⸗ stummte. Unten am Narewufer hinter einer kleinen bebuschten Insel lagerten inzwischen in der Abendsonne die Kompagnien, die übergehen sollten. Von Dunst, Rauch und dem Jammer des Schlachtfeldes war hier nichts zu spüren. Der Fluß zog still sich verbreiternd und wieder verengend zwischen den schönen grünen Waldufern. Die Leute, in allerbester Laune, konnten kaum er⸗ warten, den Narew zu überschreiten. Sie verschwanden drüben im Wald. Der war auch hier erzwungen. Nachdem so am 23. die Vorstellungen beider Festungen in unserem Besitz waren, wurde heute Rozan und Pultusk von den Russen geräumt. Der wichtige Teil der Narewlinie ist fest in unserer Hand. a Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. P 7* f Kriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. 4 uuberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, nerboben)* Im Kriegsquartier des Grafen Haeseler. 8 Großes Hauptquartier, am 24. Juli. 1 Beim Besuche der Argonnenfront hatte ich Gelegenheit, dem Generalfeldmarschall Grafen Haeseler, der hier seit Beginn der 3 Kämpfe weilt, meine Aufwartung zu machen. Der greise Krieger wohnt mit seinem Adjutanten in einem niederen, von uralten Bäumen beschatteten Landhäuschen, das so klein ist, daß es fast bedrückt wird durch das deutsche Schilderhaus und den langen Grenadier, der vor seinem Zaun Posten steht. In einem beinage ärmlichen Raume wohnt und arbeitet der Generalfeldmarschall, und doch könnte man sich denken, daß er, der immer ganz in der Pflicht aufgegangen ist, dieses regensichere Dach und sein Feldbett ebensogern mit einem Unterstande im Walde vertauschen und daß man auch dann von der Umgebung nichts sehen würde, da dieser alte Held seine Welt mit sich trägt und jeden Plaz durch seine Anwesenheit adelt. In der feldgrauen Uniform serner 11. Ulanen, die alle Verwitterungsspuren des Krieges zeigt, in Reithosen und Reitstiefeln, empfängt der Generalfeldmarschall seene Gäste. Straff hält er seine hohe schlanke, nicht von der Last der Jahre, aber von den Warden früherer Kriege etwas gekrümmte Gestalt qufgerichtet und in dem von der grauen Löwenmähne um⸗ wallten, zart geschnittenen Künstlerantlitz blitzen die Augen in starkem Feuer, blitzen noch heller, wenn er von den Leistungen unserer Truppen redet. 3 Er plaudert wie ein entsagender Philosoph, der es als tra⸗ gisches Schicksal empfindet, daß der Krieg für ihn zu spät ge⸗ kommen ist, um ihn noch an eine Stelle berufen zu können, wo er im vordersten Gliede dem Vaterlande dienen könnte. Er läßt keinen Zweifel darüber, daß er sich als der Vertreter einen früheren Kriegergeneration fühlt und daß der moderne Stellungs⸗ krieg nicht nach seinem Geschmack ist. Düppel, Königgrätz und namentlich Vionville, das sind für ihn die großen Eindrücke seines Lebens gewesen.„Sedan war eine große Entscheidung, als solche kolossal, aber als Schlacht nicht so bedeutend wie Vionville. Was früher eine Feldschlacht genannt wurde, kommt heute nicht mehr vor.“ Dabei ist er aber voller Anerkennung für die jetzige Krieger generation und freut sich, daß die Deutschen als Soldaten durch niederländische Tanzmeister a. D. Stronski, den Hellmuth Eck⸗ hardt mit unheimlicher Beredsamkeit und den Manieren des abgetakelten Genies ausstattete. Aus der nicht geringen Zahl der übrigen Mitwirkenden, die alle mit ergötzlichen Spezialitäten auf dem Posten waren, hob sich noch die köstliche Figur des Schneider⸗ mristers Dümmich heraus, in der Kurt Rosenberg steckte, und auch der Jude von Robert Schäfer fand viele bereitwilligg Lacher. So wars zu begreifen, daß sich, als der Vorhang zum letztenmal fiel, nicht nur die Hände, sondern auch die Füße zum 9 Beifall rührten, zu einem Beifall, der aus vollstem lokalpatrio⸗ tischem Herzen kam. Ja, mir Gießener * 1 — Die Franzosen gegen die englischen Fremd⸗ worte. Die immer deutlicher fühlbare englische Vorherrschaft in Frankreich beginnt bereits in zahlreichen Kreisen des französischen Volkes Mißfallen zu erregen. Tie Franzosen lachen nicht mehr über die letzte Mode— die Mode der„English“— sie fangen an,* sich gegen das allzu wahllose Eindringen des englischen Einflusses zur Wehr zu setzen. Nunmehr wendet sich der„Temps“ gegen die Unzahl der in Paris gebrauchten l englischen emdw ori die einen eigenen Dialekt, das sog. Hotel⸗Englisch, herangebildet haben:„Es würde unsere kühnsten Erwartungen übertreffen, wenn man unser französisches Hotel nicht mehr„Palace“ zu nennen brauchte. Aber die Reform wäre unvollständig, wenn die Hotel⸗ besitzer sich nicht entschließen, sich auch in ihren Prospekten und innerhalb ihrer Mauern einer Sprache zu bedienen, die— ohne gerade an die Prosa Voltaires oder Flauberts erinnern zu müfsß⸗ sen— trotz allem gutes Französisch sein könnte. Die kosmopoli⸗ tische Art unseres Hotels ist nicht nur in der Küche, im Personal und in den Möbeln zu spüren, sondern leider auch in einer— vor allem anglisierten— Sprache, die nachgerade verblüffend wirkt. Wir wollen nichts dagegen einwenden, daß in Gesprächen über sportliche Angelegenheiten die englischen Ausdrücke immer hei⸗ 3 mischer wurden. Aber man hat selbst die armen echt französischen Ausdrücke in der entsetzlichsten Weise zu Schanden geritten, in⸗ dem sie anglisiert oder ganz unterdrückt wurden. Wir haben keinen „parc“ mehr, sondern einen„park“, keine Stadt, sondern ne „city“, keinen Tanzsaal, sondern einen„daneing-palace“, keinen Einakter, sondern einen„sketch“. Zum Schlusse läßt man uns über⸗ haupt nur noch fünf oder sechs Worte, um uns untereinander zu verständigen. Man höre: Kaum ist man in der„hall“ des„palace“ angekommen, als man zur„reception“ geführt wird, wobei man nirgends den Grund finden kann, aus dem dieser Bureauraum nicht seine französische Bezeichnung behalten durfte. Man muß sich 1 durch einen Wirbel englischer Ausdrücke hindurchwinden, und plötz⸗ 1 lich erscheint vor uns der Mann. der den Aufzug bedient, und sagt: ich bin der„liftier“...“ Man glaube nicht, daß dies über⸗ trieben ist. Es ist ein barbarischer Dialekt...“ i — u — 4. n mehr als vierzig Friedensjahre nicht verdorben, sondern ihrer Väter von 1870 wert geblieben sind.„Eine kolossale Courage gehört zu dem Schützengrabenkrieg, die kann man der modernen Krieger⸗ generation nicht abstreiten. Es gehört viel mehr Mut dazu, im Schützengraben zu liegen, wo einem jeden Augenblick so ern Ding auf den Kopf fallen kann, als in freier Feldschlacht, ein großes Siegesziel vor Augen, sein Leben auf's Spiel zu setzen.“ Die taktische Ausbildung komme im Stellungskriege nicht mehr so in Frage wie 1870, aber die Bravour ebenso. Nur war früher der Krieg eleganter. Nachdenklich spricht der Generalfeldmarschall ein außerordentlich treffendes Wort:„Die Geschichte dieses Krieges N wird sehr schwer zu schreiben sein, und— langweilig zu lesen.“ Er erinnert daran, was für schöne Bilder der Krieg von früher i vor Augen führte, Bilder, die für die Ewigkeit Eindruck machten. 5 Er denkt an die Kavallerie-Attacken, von denen wir 1870 so schöne 5 Beispiele gehabt haben.. f 3 Die Leistungen der Franzosen im Stellungskriege finden durch⸗ aous gerechte Anerkennung bei dem großen Kritiker. Sie fangen ssich, nach seiner Beurteilung, jetzt an, ein bißchen besser zu schlagen. 9„Aber wenn wir hier im Westen in Bewegung kommen werden, dann sind wir einsach im Zuge, und dann wird das Einbuddeln nur noch vorübergehend möglich sein. Dann sollen die Franzosen g in der Feldschlacht zeigen, ob sie woch die alten sind, als die wir . sie 1870 kennen gelernt haben und als die sie uns in der napo⸗ lleonischen Zeit teilweise überlegen gewesen sind!“ Auf den Ein⸗ wand, daß die Franzosen gerade aus der angeblichen Schlacht an der Marne ihre bisherige Siegeszupersicht schöpfen, entgegnet Graf Hgeseler, daß diese sogenaunte Schlacht schon der Anfang der „Buddelei“ war. Diese„Buddelei“ erregt das unverhohlene Miß⸗ 77 vergnügen des alten Kavalleristen. Selbst für ein Kavallerie-Regi⸗ ment spiele sich der Krieg in der Form ab: Abmarschiert, aus⸗ geruht, in die Schützengrabenlöcher. In dem ganzen Jahre habe er die Kavallerie nur selten in größeren Verbänden aber nie im Galopp gesehen. Die Zeiten seien anders geworden. Selbst den General träfe man heute selten zu Pferde und desto öfter am 7 Als das Gespräch darauf gebracht wird, erzählt der General- feldmarschall mit lustiger Laune, wie er dazu gekommen ist, in i Kriege persönlich einen Gefangenen zu machen.„Ach, der arme Kerl war wohl übermüdet. Er folgte sehr gutmütig. Die Geschichte hat mir viel Spaß gemacht und kam meiner Ordonnanz, einem netten kleinen Ulan, den ich noch habe, sehr zu statten. Das war bei Montfaucon im September.“ Mit einigem Schmerz kommt Graf Haeseler auf die von ihm 44 K sehr bitter empfundene Tatsache zurück, daß er, dessen . enswerk es war, daran mitzuarbeiten, daß des deutschen Volkes Wehr so blank und stark für den Krieg geblieben ist, schließlich zu alt zum Heerführer war.„Für ein Kommando war ich zu alt, aber zu Hause konnte ich nicht bleiben. Ich fürchtete schon, sie wollten mich gar nicht mitnehmen.“ Da habe er im letzten Mo⸗ ment den Kaiser telegraphisch gebeten, ihn seinem alten Armeekorps zuzuteilen, und das habe Seine Majestät umgehend sehr liebens⸗ würdig getan.„So bin ich das geworden, was man 1870 einen * hlachtenbummler nannte.“ Aber er ist wenigstens mitten im . ege, mitten unter seinen alten Soldaten, und das empfindet er Doch als ein großes Glück! f Es wird davon gesprochen, wie trefflich sich der Ausbau der Festung Metz bewährt habe, des Bollwerkes, an das sich der Feind . von weitem heranwagen kann. Der Graf liebt sein Metz. „Nach dem Kriege will ich in mein friedliches Metz zurückkehren.“ Er hofft nur, daß das Friedenmachen nicht so lange dauern werde wie der Krieg selber. Aber er erinnert daran, daß 1870 die Franzosen zuerst auch einen sehr großen Mund hatten und dann immer kleiner wurden, bis sie sich zu einem Frieden herbeigelassen haben, den wir freilich für günstiger gehalten hätten, als er war. Und wie hätten sich auch darin die Zeiten geändert! Heute be⸗ Bekanntmachung. 4 n Bestandserhebung für Baumwolle und Baumwollerzeug⸗ 3 nisse(halbwollene und wollene Männerunterkleidung ein⸗ ge sen). Die nachstehende Bekanntmachung des stell vertretenden General⸗ kemmandos vom 27. Juli 1915 in obigem Betreff bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Gießen, den 28. Juli 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. ö 4 0 Bekanntmachung betreffend Bestandserhebung für Baumwolle und Baumwollerzeugnisse(halbwollene u. wollene Männer . unterkleidung eingeschlossen). * Nachstehende Verordnung wird hiermit zur allgemeinen Kennt⸗ nis gebracht mit dem Bemerken, daß jede Uebertretung— worun⸗ ter auch verspätete oder unvollständige Meldung fällt— sowie jedes Anreizen zur Uebertretung der erlassenen Vorschrift, soweit nicht na den allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, ö 9 Buchstabe b“) des Gesetzes Über den Belagerungszustand vom 4. Juni 1851 oder Artikel 4 Ziffer 25. des Bayerischen Ge⸗ setzes über den Kriegszustand vom 5. November 1912 oder nach 6 5 5% der Bekanntmachung über Vorratserhebungen vom 2. Fe⸗ phruar 1915 bestraft wird; auch kann der Militärbefehlshaber die Schließung des Betriebes anordnen. 8 1. 5 Inkrafttreten der Verordnung. 1** ie Verordnung tritt am 2. August 1915, nachts 12 Uhr, in 3. 8 2. Von der Verordnung betroffene Gegenstände. Von der Verordnung betroffen sind sämtliche Vorräte leiner⸗ ei ob Vorräte einer, mehrerer oder sämtlicher Klassen vorhanden ind) an folgenden Gegenständen: 1.) Rohbaumwolle und Baumwollabfälle, unverarbeitet oder in 6 Verarbeitung begriffen, 2.) Garne, ganz oder vorwiegend aus Baumwolle, einfach 0 oder gezwirnt, 4 3.) Baumwoll-Web- und Wirkstoffe und zwar: 0 a) Baumwollstoffe nach Vorschrift der Heeres und der Marine-Verwaltung, b) fertige Männerunterkleidung aus Baumwolle, Halb- wolle und reiner Wolle, gewirkt, gestrikt oder aus Web⸗ 8 i stoff hergestellt, * J Wer in einem in Belagerungszustand erklärten Orte oder Distrikte ein bei Erklärung des lagerungszustandes oder pWaährend desselben vom Militärbefehlshaber im Interesse der öffent⸗ lichen Sicherheit erlassenes Verbot übertritt oder zu solcher Ueber- tretung auffordert oder anreizt, soll, wenn die bestehenden Ge⸗ setze keine höhere Freiheitsstrafe bestimmen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft werden. Wer in einem in Kriegszustand erklärten Orte oder Be⸗ 9 177 eine bei der Verhängung des 8 oder während desselben von dem zuständigen obersten Militärbefehlshaber zur Erhaltung der öffentlichen Sicherheit erlassene Vorschrift über⸗ tritt. Uebertretung auffordert oder anreizt, wird, wenn nicht die Gesetze eine schwerere Strafe androhen, mit Gefängnis bis zu einem Jahre bestraft. 5%) Wer vorsätzlich die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Verordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzli Frist erteilt oder wissentlich unrichtige oder unvollständige Angaben macht, wird mit Gefängnis bis zu se Monaten oder mit Geldstrafe bis zu zehntausend Mark bestraft, auch können Vorräte, die ver⸗ schwie 11112 im Urteil für dem Staate verfallen erklärt werden. * r fa ässig die Auskunft, zu der er auf Grund dieser Ver⸗ ordnung verpflichtet ist, nicht in der gesetzten Frist erteilt oder 5 unrichtige oder.— macht, wird mit Geld⸗ strafe bis zu dreitausend Mark r im Unvermögensfalle mit Gefängnis bis zu sechs Monaten bestraft. 108 R. * deuten Summen, die uns damals ungeheuer groß erschienen, nur noch sehr wenig. Hoffentlich werden wir zum Friedensschlusse wie⸗ der einen Bismarck haben, der die Friedensbedingungen nur so aus dem Aermel schüttelt!* „Vielleicht gehe ich, wenn wir hier fertig sind, nach Waterloo, wenn ich“— und ein Lächeln umspielt den schmalen Mund des Generalfeldmarschalls—„erst mal endgültig weiß, wem es ge⸗ hört. Dort will ich das Gedächtnis des alten Blücher feiern.“ Graf Haeseler führt im Kriege das Leben, das er stets ge⸗ wohnt war, d. h. das des einfachen Soldaten, mit dem Unter⸗ schiede vielleicht, daß er sich weniger Schlaf gönnt und sich noch mehr zumutet, als der gemeine Mann. Täglich steigt er zu Pferde und reitet vorn nach den Stellungen und besucht die Leute in den Schützengräben. Bei seinem wunderbaren Gedächtnis erkennt er je⸗ den seiner alten Soldaten wieder, nimmt Anteil an ihren kleinen und großen Sorgen, überrascht sie durch die genaue Erinnerung an gemeinsame, zuweilen weit zurückliegende Erlebnisse, und ist in allen Stücken der alte Gottlieb geblieben, wie ihn seine Soldaten zärtlich genannt haben. Und wie ehedem würden alle für ihn durchs Feuer gehen. Nicht weniger volkstümlich freilich ist sein Namen bei den Franzosen geblieben. Nicht selten hört man von französischen Gefangenen, daß sie erfahren haben, Graf Haeseler sei ihnen gegenüber bei den deutschen Truppen in den Argonnen. Und mit einer fast abergläubischen Furcht zittern sie vor dem „Tiger von Metz“, wie der Feldmarschall noch heute schaudernd im französischen Heexe genannt wird l l W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Aus dem Reiche. Berlin, 27. Juli.(WTB. Nichtamtlich) Ter„Reichs⸗ anzeiger“ veröffentlicht die Bekanntmachung, durch welche die Ver⸗ ordnung über das Verbot des Vorverkaufs von O elfrüchten der Ernte 1915 vom 22. Juni außer Kraft gesetzt wird. Er ent⸗ hält ferner die Anordnung für das Verfahren vor dem Reichsschieds⸗ gericht für Kriegs bedarf und die Bekanntmachung betreffend Aenderung der Postordnung vom 20. März 1900. Berlin, 27. Juli.(WTB. Amtlich.) Unter dem Vorsitz des Unterstaatssekretärs Exzellenz Michaelis hat die erste Sitzung des Kuratoriums der Reichsgetreidestelle stattgefunden. Es wurde beschlossen, den Kommunalverbänden den bisherigen Bedarfs⸗ anteil von Mehl einschließlich der Zuschläge für die schwer arbeitende Bevölkerung bis zum 15. September weiter zu gewähren, da der neue Einteilungsplan nicht eher fertiggestellt werden kann. Ferner wurden die Grundsätze besprochen, wonach das Direktorium der Reichsgetreidestelle mit Fabrikanten von Nahrungsmitteln verhan⸗ deln soll, um einerseits diese Fabriken zu beschäftigen und anderer⸗ seits der Bevölkerung in Mehlfabrikaten sehr willkomene Nahrungsmittel zuzuführen. Potsdam, 27. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Im Heim des Prinzen Oskar von Preußen und der Gräfin zu Ruppin in Potsdam in der Quandtschen Villa fand heute mittags 1 Uhr 30 Minuten die Taufe des am 12. Juli ge⸗ borenen Sohnes statt. Die Taufhandlung vollzog der Gene⸗ ralsuperintendent Händler in Berlin. Der Täufling erhielt die Namen Oskar, Wilhelm, Karl, Hans, Kuno. Heer und Flotte. co-Polo“ haben fast leinen besi tali ßerdem: 14 Linienschiffe, 13 3 12 32 Tor pedoboots, d . 7 edo⸗ boote I. Klasse, 16 Torpedoboote II. Klasse und 21 Unterseeboote. Die österreichische Flotte, die fast gleich stark ist, besitzt ungleich bessere Flottenstützpunkte und da die von ihr zu schützende Kue viel kleiner und leichter zu verteidigen ist, befüudet sich Oesterreich Italien gegenüber, dessen langgestreckte Küste jedem Angriff preisgegeben ist, stark im Vorteil. Italien dürfte auch zur, See die verdienten Hiebe erhalten, zumal die öst 5 „U“-Boote sich als ungleich leistungsfähiger erweisen italienischen. f f f 5 Obige ziffernmäßigen Angaben entnehmen wir dem soeben erschienenen XVI. Jahrgang 1915 von Weyers Taschenbuch der Kriegsflotten(560 Seiten t mit 1054 Abbildungen, gebunden Mk. 5.—, J. F Lehmanns Verlag in München). In der neuen Ausgabe von Weyer sind nicht nur die Flottenlisten der feind⸗ lichen und der neutralen Staaten bis Ende Mai richtig gestellt— die von Deutschland und Oesterreich mußten aus naheliegenden Gründen wieder nach dem Stand vor bruch* werden—, der neue Band enthält auch noch als wertvolle höchst interessante Zugabe ein Verzeichnis aller Schiffsverluste der feindlichen Flotten(bis Ende Mai) unter genauer Angabe von Zeit, Ort und Art der Verluste. Man lese hierüber im Taschen⸗ 3 n lig. Se e 755. Juni waren eindli fe vernichtet— zu 0 ist eine Erquickung für jedermann; sie ist übrigens einen achtrag ergänzt, der nicht weniger als 14 feindliche 0 iffs⸗ verluste aufweist; diese sind innerhalb der 14 Tage entstan n, in denen das Taschenbuch gedruckt wurde. Auf das Verzeichnis der englischen und französischen Handelsdampfer, die für Kriegs⸗ zwecke in Dienst gestellt sind, sei noch besonders hingewiesen. Märkte. + Fulda, 27. Juli. Auf dem letzten Schweinemarkt waren 1 Läuser und 248 Ferkel aufgetrieben. Bezahlt wurden für Läufer 95 Mk., für Ferkel je nach dem Alter 19, 31 und 48 Mk. pro Stück. Trotz hoher Preise war der Handel recht lebhaft und der Markt bald N le. Frankfurt a.„ 27. Juli. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkt war nichks angefahren. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2 2 23 2 225 88 2222 9* dun ge 8 8 5„ 82% r s g e ee 1115 EE 5 S 5 S 2 2 85.8 10 e 8 272% 744,4] 17,1122 84 8 2 9[Bew. Himmel 27.% 745,0 15,7 11,0 82 SW 2 4 5* 28.7 47,5 15,8 10,4 786 WSW. 2 3 Sonnenschein Höchste Temperatur am 26. bis 27. Juli 1915 + 19,0 0. Niedrigste ⸗„ 26.„ 27.„ 1915= + 10,2„ Niederschlag: 2,4 mm. rucksachen aller Art D llotert in jeder gewunschten Ausstattung preiswert die Brühl'sche Universitäts- Druckerei. Schulstr. 7 — e) baumwollene Stoffe fü nische Zwecke und Sanitäts⸗ Aus rüstung, auch Watte, 5 d) rohe und gebleichte Baumwollstoffe, bei denen Garne unter Nr. 44 englisch verwendet sind, e) farbige Baumwollstoffe, buntgewebt oder bedruckt. 5 8 8. Von der Verordnung betroffene Personen, Gesellschaften usw. Von dieser Verordnung werden betroffen: a) alle gewerblichen Unternehmer und Firmen, in deren Be⸗ trieben die in 8 2 aufgeführten Gegenstände erzeugt, ge⸗ braucht oder verarbeitet werden, soweit die Vorräte 13 in —— Gewahrsam oder bei ihnen unter Zollaufsicht be⸗ nden; alle Personen und Firmen, die solche Gegenstände aus An⸗ laß ihres Wirtschaftsbetriebes, ihres Handelsbetriebes oder sonst des Erwerbes wegen für sich oder für andere in Ge⸗ wahrsam haben, oder wenn sie sich bei ihnen unter Zollauf⸗ sicht befinden;. a 2 o) alle Kommunen, öffentlich-rechtlichen Körperschaften und Ver⸗ bände, in deren Betrieben solche Gegenstände erzeugt, ge⸗ braucht oder verarbeitet werden, oder die solche Gegenstände in Gewahrsam haben, soweit die Vorräte sich in ihrem Gewahrsam oder bei ihnen unter Zollaufsicht befinden; d) Personen, welche zur Wiederveräußerung oder Verarbeitung durch sie oder andere bestimmte Gegenstände der in§ 2 auf⸗ 1 N Art in Gewahrsam genommen haben, auch wenn ie kein Handelsgewerbe betreiben; e) alle Empfänger(der unter a biss d bezeichneten Art) solcher Gegenstände nach Empfang derselben, falls die Gegenstände sich am Meldetag auf dem Versand befinden und nicht bei einem der unter a bis d aufgeführten Unternehmer, Per⸗ sonen usw. in Gewahrsam oder unter Zollaufsicht gehalten werden. Von der Verordnung betroffen sind hiernach insbesondere nach⸗ eführte Betriebe und Personen: b) stehend auf gewerbliche Betriebe: Baumwollspinnereien, Baumwollzwirne⸗ reien, Baumwollwebereien, Baumwollwirkereien, Färbereien. Bleichereien, Zeugdruckereien, Vattefabriken, Verbandstoff⸗ jabrilen, Seilerwarenfabriken, Deckenfabriken, Treibriemen⸗ Danbelssetrsche 8 lchändler, Garnhändler, ande! ebe: Baumwo er, Garnhändler, Lager Spediteure, Kommissäre usw., Konfektionsgeschäfte, Schnei⸗ dereigeschäfte, Großhändler usw. Sind in dem Bezirk der verordnenden Behörde neben der burcaus u. dgl.) so ist die Hauptstelle zur Meldung und zur Tur, führung der Beschlagnahmebestimmungen auch für die Zweigstellen verpflichtet. Die außerhalb des genannten Bezirks ein welchem .. befindet) ansässigen Zweigstellen haben einzeln zu 0 8 4. . i Meldepflicht. Die von dieser Verordnung betroffenen Gegenstände sind von den in 8 3 ichneten(Meldepflichtigen) nach Maßgabe der nachstehenden Bestimmungen 15 melden. Die erste—. r die am 2. August 1915, nachts Meldung demnach bis zum 10. Skwber 1915— zu erstatten Bei der ersten Mel die Vorräte von sämtlichen in f 2 aufgeführten Gegen en anzugeben; bei den. Meldungen mur die Vorräte der in 8 2 unter Ziffer 1 und 2 auf⸗ 9 Gegenstände. 8,5. 5 Meldescheine. „Die Meldungen haben unter Benutzung der amtlichen Melde⸗ für Baumwolle und Baumwol i erfolgen. Di Melde hene für die erste Wlunbnelban andere 1 erfolgter Bekanntmachung gegenwärtiger mung, für die spä⸗ teren Meldungen rechtzeitig bei dem„Königl. Kriegsministerium, Nh Abteilung, Webstoffmeldeamt“, Verlin SW. 48, Ver te Hedemannstraßse 11, zu verlangen; die Anforderung 1 Die nicht en Mindestmengen jeder Warengattung sind im 8 8 aufgeführt. hat auf einer Postkarte(nicht mit Brief) zu erfolgen, die nichts anderes enthalten darf als die Ueberschrift:„Werrisst Melde⸗ ter, Hauptstelle Zweigstellen vorhanden(Zweigfabriken, Filialen, Zweig⸗] Aen scheine für Baumwolle und Baumwollerzeugnisse“ und die deut⸗ liche Unterschrist und Firmenstempel mit genauer Adresse. Die Bestände sind nach den vorgedruckten Stoffbezeichnungen getrennt anzugeben. 5 In denjenigen Fällen, in denen die Gewichte oder Mengen nicht ermittelt werden können, sind schätzungsweise Angaben ein⸗ chat f 8 dem besonderen Vermerk, daß die Angaben ge⸗ ätzt sind. 3 Sämtliche in den Meldescheinen gestellten Fragen sind genau zu beantworten. 5 Die Meldescheine sind ordnungsgemäß frankiert an das Kgl. Kriegsministerium, Leere bteilung, Sektion W. II, Berlin 48, Ire Hedemannstr. 9/10, einzusenden. Auf die Vorderseite der zur Uebersendung von Melde⸗ scheinen benutzten Briefumschläge ist der Vermerk zu setzen:„Ent⸗ hält Meldescheine für Wannen und Baumwoll; 0 serzeugnisse“. Besondere Meldebestimmungen. i Die nach dem jeweiligen Stichtage eintreffenden, vor dem Stichtage aber schon abgesandten Vorräte sind vom Empfänger unverzüglich nach Empfang zu melden. 5 Auf einem Meldeschein dürfen nur die Vorräte eines und desselben Eigentümers und die Bestände einer und derselben Lagerstelle gemeldet werden. Soweit Rohbaumwolle oder Baumwollgarne nach dem 15. Juni 1915 aus dem Auslande eingeführt sind, hat der Meldepflichtige dies bei Erstattung der Meldung anzugeben und auf Verlangen des Kriegsministeriums, Kriegs-Rohstoff-Abteilung, den Nachweis dafür zu erbringen. 2 Anfragen, die vorliegende Verordnung e sind an das Kriegsministerium, Kriegs⸗Rohstoff⸗Abteilung, Sektion c II, Ber⸗ — SW. 400 8 Bei unc 155 zu 1 die 1 8 ragen müssen auf Briefumschlag sowie beim Eingang Briefes den Vermerk enthalten:„Betrifft Bestandaufnahme für Baumwolle und Baumwollerzeugnisse“. Muster der gemeldeten Vorräte sind nur auf besonderes Ver⸗ langen Kriegsministerium 1 übersenden. Lagerbuch. Für Rohbaumwolle, Baumwollabfälle und Garne, ferner Baumwollweb⸗ und Wirkwaren, soweit sie auf den Meldescheinen 8 8 3 1 30 mit 22 8 Nr. 1 N aufgeführt sind, ist ein Lagerbuch einzurichten, 5 5 den Vorratsmengen und ihre Verwendung erich 1 ein J Beauftragten der Polizei- und Militärbehörden ist jederzeit die Prüfung des Lagerbuches, sowie die Besichtigung des Be⸗ triebes zu gestatten.. 88. Ausnahmen. 5 5 Die Meldepflichtigen sind insoweit von einer Meldepflict und Führung des Lagerbuches befreit, als ihre Vorräte einschließ⸗ lich derfenigen in sämtlichen Zweigstellen, die sich im Bezirk der 1 1 1 2 2. August 1915, nachts r, geringer U i rräte): a) e Le von Rohbaummwolle 2 Garnen, ferner von tte, b) ins t 5000 Mtr. von zu meldenden Baumwollstoffen e 2), wenn die Vorräte aus berschiedenen Stoffen * In den dal tritt auch für sie die Pflicht zur Meldung ür e N und zur Führung eines Lagerbuches für die gesamten Bestände an dem Tage ein, an dem die oben bezeichneten Mindestvorräte überschritten werden.— Verringern sich die Bestände nachträglich unter die an den Mindestvorräte, so bleibt die Pflicht zur 9 Meldung und Führung des Lagerbuches trotzdem bestehen. J Frankfurt a. M., den 27. Juli 1915. Stellv. Generaltommando 18. Armertorps. 4