172 weites Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Slezener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. hessische Zweite Kammer. g 5 rb. Darmstadt, 23. Juli. Die Zweite Kammer der Landstände ist vom Präsidenten Kö h⸗ ler für heute vormittag 10% Uhr zu einer vertraulichen Besprechung im Ständehause zusammenberufen worden. Nachdem vorher die verschiedenen Fraktionen der Kammer sich in kurzen Sonderberatungen über die im Plenum zu behandelnden Fragen versammelt hatten, trat die Kammer gegen 11 Uhr zusammen und erklärte sich nach kurzer Beratung einstimmig damit ein verstanden, daß die Mandate derjenigen Abgeordneten, deren Wahlzeit schon im Herbst 1914 abgelaufen und bis zum Schluß des Jahres 1915 verlängert worden war, um ein weiteres Jahr verlän⸗ ert wird. Nach diesem Beschluß der Zweiten Kammer wird die egierung den Landständen im September eine diesbezügliche Gesetzes vorlage zugehen lassen. Die Kammer beschäftigte sich weiter mit der Frage der Be⸗ 1 eines parlamentarischen Ausschusses zur eratung wirtschaftlicher Fragen mit der Regierung und stimmte auch diesem Vorschlag zu. Zu Mitgliedern wurden die Mitglieder des Finanzausschusses und je ein Vertreter der ver⸗ schiedenen Fraktionen bestimmt, nämlich die Abgg. Lang(Ntl.), Dr. v. Helmolt(Bbd.), Heidt(Fr. Vp.), Uebel(Ztr.) und Dr. Fulda(Szd.). Mit der Bildung dieses Ausschusses war die vertrauliche* Kammer beendet, die nun voraus- — 44 ber wieder zu einer kurzen Tagung zusammen⸗ re ird. —— —— Kriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Der Vorstoß von Mlawa. II. Ciechanow, den 21. Juli 1915. Die Wucht, die Schnelligkeit und den Erfolg— soweit er bis⸗st * zu umschreiben ist— unseres Vormarsches aus der westöstlichen Linie vorwärts Mlqawa habe ich kurz in einem Telegramm ge⸗ schildert. Eine Anzahl Bilder vom Wege und aus den eroberten Orten seien nachgetragen. * Das erstemal war ich in Grudusk unmittelbar nach der Ein— nahme, während die russischen Geschütze noch die Trümmer des Ortes beschossen. Das Pfarrhaus brannte, in dem flackrigen Feuer⸗ schein standen die eroberten Geschütze. Jetzt, zwei Tage später, fuhr ich die Straße auf dem Wege nach Ciechanow, diesmal im Wagen, um die Höhenstellungen bei Gorne zu Pferde zu erreichen. Das Pfarrhaus auch war jetzt völlig niedergebrannt. Am Wege standen schon die stillen Kreuze und Dop tigt, die engen von erbeuteten Gewehren und Kriegs⸗ —. zu ordnen. Ein wirrer Haufen von Maschinengewehren, es lohnt auch kaum, die schon 1 immer gleichen tun, der stärker spricht als Glocken⸗ ö zu der einmal ganz hübschen Kirche zuysz hin rümmer⸗ cht stehen fünf russische— flankier„„ —— 5 9 znysz Die Landstraße nach Gorne ist an vielen Stellen von dem lehmigen, feuchten Acker kaum zu unterscheiden, doch während bei Grudusk und 1 die Gegend wie ausgestorben ist, fängt in der Richtung auf Ciechanow zu sich wieder Leben an u regen. Kümmerliche, erbärmliche Dörfer und Wohnstätten, ie auf diesem fruchtbaren und fetten Boden stehen, ärmliches und gedrücktes Leben, das in dem reichen Lande dahindämmert! Von der Höhe von Gorne aus kann man in das Land sehen. An den Gräbern vorbei, an den einzelnen deutschen, und den russischen Massengräbern—„hier ruhen dreißig russische Krieger“— kommt man zum Schlüssel der Stellung. In einer der Espen haben die Russen einen Auslug gebaut. Von oben sehe die roten ganz fern ist Trümmer der Grudusker 1 Mlawa zu sehen. Klar stehen Dörfer und Gehöfte vor einem, ist zu erkennen, und ich wundere mich nicht mehr über das saubere e Schießen nach der Demsker Straße, man kann so hier jeden Mann, jede Bewegung deutlich erkennen. Umso erstaunlicher ist es, daß diese Höhe aufgegeben wurde, die furchtbare Erschütterung von Grudusk ließ die Truppen eben den neuen deutschen Sturm nicht aushalten. Die Helden⸗ leistung des hinstürmenden Regiments bleibt in gleichem Glanz. ö In der Gegend von Ciechanow haben die Russen jedenfalls ihr neuerdings angenommenes oder wenigstens an⸗ gedrohtes Verwüstungssystem noch nicht angewandt. Die vorwärts gehen üͤtschen Truppen kamen zu schnell, die letzten Zwischen⸗ stellungen dicht vor der Stadt sind noch nicht fertig ausgebaut, der Draht für die Hindernisse lag in vielen Rollen bereit, aber er diente nur dazu, unsere Beute zu vermehren. Die Felder, über die das Gefecht dahinlief, zeigen kaum Spuren des Kampfes. Sel⸗ ten sah ich so gute, dichte Haferfelder wie hinter dem zerschossenen Schlosse von Opinogewa nach Ciechanow zu. Die Stadt— wohl ebenso groß wie Mlawa, nur unendlich] h schmutziger, weil die deutsche„Behandlung“ noch nicht eingesetzt hat— ist kaum mitgenommen worden. Viele russische Heeres⸗ eräte wie Telephonapparate(noch in der Verpackung), Draht⸗ 9 Leinewand, auch Oele und Petroleum ließen die Ab⸗ ziehenden zurück. Russische Konserven gibt es reichlich zu kaufen. In der ersten Nacht fuhren die Wagen mit Flüchtlingen ras⸗ selnd und schütternd durch die dunklen schmutzigen Straßen wie⸗ der ihren Dörfern zu, denn sie haben ein besonderes Vertrauen, die Polen, daß sie unter der deutschen Gewalt Ruhe finden, und 3 51 müden, stumpfen Gesichtern spricht immer nur dieser e ie ag tber Wiesen bie Harten mauern und die beiden einer alten Bu Platz 2 7 oder guten genannt, und diesmal ließe sich die auszualen Blatt Gießener Anzeige General⸗Anzeiger für Oberhessen ow Sbibtchen 1 165. Jahrgang Samstag, 24. Juli 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul- 5 straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: 51, Schrist⸗ 0 leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Die Kinder von Ciechanow spielten neben der Tragbahre für die Gerichteten Verstecken und kletterten an den Turngeräten, die aufgestellt sind. N Durch die Stadt zog ein singendes Landsturmbataillon. Recht fest in Schritt und Gesang. Es war, als ob man aus Rußland nach Deutschland sähe, wenn man die Augen aus dem seltsamen Bluthof nach den Marschierenden hob. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. Ueber Przemyfl auf Lemberg.“ Die„dicke Berta“, vor Przmysl. Kaum 1 Kilometer westlich der von Jaroslau über Radymno nach Przmysl führenden Landstraße, auf der eben, von einer Be⸗ sichtigung der Festungsanlagen Przemysls, der Kaiser in Be⸗ gleitung des Generalobersten von Mackensen an uns vorüberfuhr, liegt auf einer Höhe das berühmte Werk XI. Hier war es, wo die Bayern in unwiderstehlichem Ansturm zuerst den Kranz der gewaltigen Befestigungsanlagen zerrissen, den die Oesterreicher um ihr stärkstes Bollwerk in weitem Kreise gewunden hatten, und den zu zerstören ihnen vor der durch Hunger erzwungenen Uebergabe doch nur teilweise gelungen war. 1 Wie großartig diese Anlagen sind und in wie außerordent⸗ lichem Maße die Natur zu ihrer Stärke beiträgt, läßt sich am besten von dem vielgenannten Tartarenhügel aus überblicken, der im Süden hart über die Stadt emporragt, die— ein prächtiges Stadt⸗ bild abgebend— ganz tief unten an den Ufern des jetzt ziemlich wasserarmen San liegt. Mit einem Radius von 15 Klm zieht sich der Kreis der Außenwerke von einer der beträchtlichen Höhen zur anderen, ununterbrochen durch Zwischenwerke verbunden, die nach allen Regeln der Kunst auf das stärkste ausgebaut sind. Die Werke selbst sind betoniert und mit Panzertürmen versehen. Die Stadt Przemysl, deren Hauptteil sich so malerisch am Nordabhang des Tartarenhügels aufbaut, muß in Friedenszeiten eine der schönsten und blühendsten Galiziens gewesen sein. Jetzt bieten ihre Straßen einen traurigen Anblick dar. Fast alle Läden sind geschlossen, fast alle Fensterscheiben zersprungen, fast alle Häuser tehen leer. Die Bewohner sind geflohen oder von den Russen mitgeschleppt worden. Nur langsam finden sich, durch die große Zahl österreichisch-ungarischer und deutscher Soldaten angelockt, die hier in der Etappe liegen oder auf dem Wege zu o von der Front Rast machen, einzelne Händler wieder ein. Nichts ist zu haben. Selbst das Mineralwasser, das bei der Choleragefahr nur schwer zu entbehren ist, fehlte tagelang, so daß man zur Befrie⸗ digung des Durstes allein auf Kaffee und den recht teuren Wein angewiesen war. Die Unterkunft dagegen läßt nichts zu wünschen übrig und das„Hotel Royal“, in dem wir für einige Tage Quartier genommen haben, um von hier aus unsere Ausflüge nach der Front hin zu machen, war in Fridenszeiten, wenn auch kein„königliches“, so doch sicher ein gutes bürgerliches 8. 0 Unser erster Ausflug in Richtung der Front gab uns ein an⸗ schauliches Bild von der N 5 Schlacht bei Mosziska. Nachdem die Russen am 3. Juni Przemysl geräumt hatten, waren sie unter fortgesetzten Nachhutkämpfen zunächst 25 Hm. na Osten, in Richtung auf Lemberg zu, bis an den Abschnitt der Wisznia, eines östlichen Nebenf des San, zurückgegangen. Hier dehnt um das an der großen Lemberger Landstraße gelegene Mosziska herum eine l Kette von nach Westen und Südwesten ziemlich steil abfallenden Höhen aus. Vor diesen Höhen war eine ungewöhnlich starke Stellung vorbereitet worden, deren etwa 20 Klm breiter Hauptstützpunkt im Süden bis zu dem Ruthenendorf Packosz, im Norden bis nach der Ortschaft Star⸗ zawa reichte. Das große Geschick der Russen im schnellen Ausbau von Auf⸗ nahmestellungen in Rückzugskämpfen zeigt sich hier in besonderem Maß. In vielfachen Linien hintereinander durchziehen immer neue Drahtverhaue die Felder. Sorgfältig ausgebaute Schützengräben und Artilleriestellungen liegen dahinter. Selbst mitten in den Dör⸗ fern sind zwischen den einzelnen Gehöften Deckungen ausgehoben. Jede Gelegenheit, den Gegner aufzuhalten, ist ausgenutzt. Wenn man diese Verteidigungsanlagen gesehen hat, kann man begreifen, daß die Russen in diesen Stellungen volle acht Tage hindurch den Siegeszug der Verbündeten aufzuhalten vermochten. Von Sprung zu Sprung konnte nur der Angreifer sich hier heran⸗ arbeiten. Die Spuren davon sieht man überall in den Feldern, wo so mancher deutsche Helm auf frischgezimmertem Holzkreuz stumm sein Verslein zu dem Heldenliede beiträgt, das wesenlos und doch mit ergreifender Eindringlichkeit aus der blutgetränkten Erde dieser Fluren aufsteigt. Vor allem aber mußten die Geschütze ihr grauenvolles Zer⸗ störungswerk an den Ortschaften vollbringen, die ein unseliges Ge⸗ schick zu Stüzpunkten der feindlichen Stellungen gemacht hatte. Die überlegene Wirkung unserer schweren Artillerie hat denn auch wohl hier, wie so oft in diesem Kriege, den Ausschlag gegeben. Wenn man diese Granatlöcher sieht, eins neben dem an⸗ andern, diese mit wenigen Schüssen fortrasiexten Gebäude, ver⸗ steht man, daß es gegen die Furchtbarkeit und Treffsicherheit dieser Waffe einen Widerstand auf die Dauer nicht gibt. Das stärkste Erdbeben kann nicht elementarer mit allem, was lebt und aufrecht steht, umgehen, als eine Beschießung mit unserem neuesten schweren Geschütz. In Starzawa hat noch vor 14 Tagen eine stattliche ortho⸗ doxe Kirche gestanden. Mit ihrer breiten Stirnfassade und ihren drei Kuppeln ragte sie, weit ins Land hinaus sichtbar, hoch über die Strohdächer der ruthenischen Bauernhäuser empor“ Von dem 8 1 2 7 2 auch.* Nr. dem 5 geblieben. Der 8 e in den n Maschinengewehre in Stellung gebracht. Da mußte das Gotteshaus fallen, und vielleicht ätten wir gar nicht mehr erkennen können, was einst gestanden, wenn nicht knieende Bäuerinnen, die in frommer Anhänglichkeit ihr gewohntes Sonntagsgebet verrichteten, die Stelle bezeichnet Ein furchtbarer Kampf muß hier getobt haben. In einem Dörflein westlich Starzawa trafen wir ein deutsches Aufräumungs⸗ Kommando. Ein ganzes Arsenal von Waffen hatte es auf dem Schlachtfelde aufgelesen und neben der kleinen ruthenischen Holz- kirche aufgestapelk, um die sonntäglich geputzte Bäuerinnen sich drängten. Mehr als 8000 meist noch gebrauchsfähige russische Ge⸗ wehre mit ganzen Bergen von Munition in unversehrter überseeischer Verpackung, d. h. in kleinen Blechkisten, die schon von weitem er⸗ kennen lassen, daß unsere lieben amerikanischen Vettern den Russen diese Patronen geliefert haben, viel Maschinengewehre, blanke Waf⸗ fen, Tornister usw. Ein seltsamer Anblick— all dieses Kriegsmaterial zwischen den bunten Gestalten der so farbenfreudig gekleideten wu n Nees ir in einem österreichischen Feldlazaret In waren wir in einem öster Feldlazarett 15 Mancherlei wußten uns an der schnell hergerichteten ittagstafel im S neben der Kirche, rings ungeben von frischen Russengräbern, die liebenswitr Doktoren zu berich⸗ ten und der prächtige Feldlaplan, der das Lazarett schon seit Kriegs⸗ beginn durch alle Fährnisse des Feldzuges begleitet hatte. Aber das Beste war doch, daß sie uns in die Krankenstube führten, wo mit manchem anderen auch schwerverwundete Deutsche liegen, ein Posener, ein Tanziger, ein Kolmarer und ein Berliner— alle vier mit Bauchschüssen, aber schon über den kritischen sechsten Tag hin⸗ aus. Nie werde ich den glücklichen Ausdruck in ihren bleichen Ge⸗ E vergessen, als der freundliche Regimentsarzt ihnen sagte, wir aus Teutschland seien und ihnen„guten Tag“ sagen woll“ J Verspätct eiugetroshen. l 1 FCC ten. Und als der Arzt dann hinzufügte, daß sie nun auch bald wieder nach Deutschland kommen würden, und daß er hoffe, sie schon nach zwei Tagen in die Heimat weiterschicken zu können, da lachte der Berliner wie ein Kind und der Danziger fing so selig an zu schluchzen, daß ich mich still davon machte, um mir draußen im dunklen Winkel die feuchten Tropfen von der Wange zu wischen. Richard Schott, Sonderberichterstatter. N Aus dem Reiche. 1 Stuttgart, 23. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) In der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten ist das Ver⸗ mögenssteuergesetz in der vom Finanzausschuß vorgeschla⸗ gegen Fassung mit 74 Stimmen einstimmig angenommen worden. Ein Antrag der neuen sozialdemokratischen Fraktion(Westermayer, Engelhardt und Hoschka) zu Artikel 6(Steuersatz) wurde mit allen gegen die Stimmen der Antragsteller Westermaher und Engelhardt abgelehnt, sogar der Antragsteller Hoschka hatte unter schallendem Gelächter des Hauses gegen seinen Antrag gestimmt. Karlsruhe, 23. Juli. Wie der„Staatsanzeiger“ meldet, ist der Ministerialdirektor im Ministerium des Großherzoglichen Hauses, der Justiz und des Auswärtigen, Staatsrat Dr. Hübsch, zum Minister des Kultus und Unterrichts ernannt worden. Der Nachfolger des vor wenigen Wochen verstorbenen Ministers Dr. Böhm ist in Wertheim geboren und steht im 67, Le⸗ bensjahre. Er trat im Jahre 1871 in den badischen Staatsdienst ein und war 22 Jahre im Ministerium der Justiz tätig. Im Jahre 1901 wurde er zum Ministerialdirektor ernannt, und im Jahre 1910 wurde ihm der Titel„Staatsrat“ verliehen Der neue Minister ist Ehrendoktor der Heidelberger Universität(Frkf. 22 Aus Stadt und Cand. Gießen, 24. Juli 1915. Gustav Schilling. 3 5 Ein Gedenktag.. 5 Trotz der Beherrschung der Gedankenrichtung aller Volkskreise durch die gewaltigen Ereignisse und die ethischen Werte des Weltkrieges ziemt es sich doch, auch in unseren Stadt in diesen Tagen eines Mannes zu gedenken, dessen 100. Geburtstag am 27. Juli begangen wird: des Philo⸗ sophen Gustav Nee der 32 Jahre d Gießener Hochschule als Lehrer angehört hat, und dessen Schüler seit Jahrzehnten einen bestimmenden Einfluß auf die Jugendbildung und damit die öffentlichen Zustände in unserem Lande ausgeübt haben. 5 Nach einer Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt Cöthen empfing er seit 1830 seine Vorbereitung zum akademischen Studium auf der Nikolaischule in 5 Hartenstein 925 Drobisch eingeführt, setzte seit 1837, dur Studien in Göttingen bei 5 neben dem Hegelianer Leopold Schmid und seit 1809 alis Direktor der Universitätsbibliothek im Nebenamt, bis zu seinem 1872 erfolgten Tode mit reichem Erfolgs gewirkt Nach dem Tode des Leipziger Philosophen Weiße (1866) eröffnete sich ihm die Aussicht, auf dessen Lehrstuhl berufen zu werden. Die Verhandlungen über die Wieder⸗ besetzung verzögerten sich aber bis nach seinem Tode, nach dem Wundt und Heinze berufen wurden. Er war einer der hervorragendsten Schüler Herbarts, in dessen Gedankenwelt er wie wenige eingedrungen ist. r verband mit seltener Verstandesschärfe und der Gabe ein⸗ fachster und klarster Darstellung selbst der schwierigsten Probleme ein umfassendes Wissen, nicht nur im Gebie der Philosophie, sondern kaum weniger in der Mathemati den Naturwissenschaften und namentlich der Philologie, i 5 deren Bereich er vier fremde Sprachen beherrschte. Seine besondere Neigun galt der historischen Richtung in der Philosophie, der auch die meisten seiner Schriften angehören(Aristotelis de con⸗ tinuo doctrina; Leibniz als Denker; Problem der Materie; Die verschiedenen Grundansichten über das Wesen des Geistes; Beiträge zur Geschichte und Kritik des Mate⸗ riatismus). Das Werk seines Lebens war eine„Geschichte der Philosophie“, bei dessen Ueberarbeitung zur Ver⸗ öffentlichung ihn der Tod der Wissenschaft zu früh ent rissen hat. Daneben war die Psychologie im Geiste Herbarts sein bevorzugtes Arbeitsgebiet. Er ist es gewesen, der dem Verständnis der Psychologie des großen Philosophen in weiteren Kreisen zuerst die Wege geebnet hat, indem er sie ohne alles Beiwerk, zumal ohne Herbarts mathematische Grundlagen, knapp und klar in seinem 1913 von dem Her⸗ bartianer Flügel mit* auf die gesamte Lite⸗ ratur wieder herausgegebenen„Lehrbuch der Psychologie“ und in seinen Abhandlungen über„Die Reform der Pf 7 logie durch Herbart“(Zeitschrift für exakte Philosophie III. und) in vollendeter Sprache dargestellt hat. Er war eine wahrhaft vornehme Natur von tiefem sittlichen Ernste und einer sein ganzes Wesen beherrschenden Durchgeistigung. Noch manche ältere Gießener erinnern sich der würde vollen Erscheinung des seit dem, in seinem Rektoratsjahr 5 2 erfolgten Tode seiner Gattin einsamen und nur noch einer Wissenschaft lebenden Mannes. 7* Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Gesr. Heinr. Baunschei dt, Feld-Maschinengewehr-Zug* aus Worms.— Erfs.-Res. Albert Sicke berger, Inf.-Rgt. 118, aus Offenbach.— Musk. Wilhelm Hedrich, Inf.-Rgt. 186, aus Dirlammen.— Landwehrm. Heinr. Kitz, Res.-Inf.-Rgt. 116, aus Holzhausen.— Musk. Lorenz Fritz, Res.-Juf.⸗Ngt. 222, aus Holz. hausen.— Landwehrm. Wilh. Bröker aus Marburg.— Kriegs- freiwilliger Gefr. stad. bist. Paul Schaaf, Res.-⸗Drag.-Rgt. 4, aus Darmstadt.— Gefr. cand. agr. Walter Spaar, Inf.-Rgt. 2233, aus Alsseld.— Erf.-Ref. Johhs. Dechert, Res.-Inf.-Rgt. 222, aus Büßseld.— Freiw. Krankenträger M Dillenburg. artin Hofmann aus Wohltaten der Reichs wolkwoche. Sammlung der Reichswollwoche hatte bekanntlich in un⸗ serer Stadt ein sehr gutes Ergebnis, so daß eine ße Anzahl von Decken hergestellt und der Militürverwal N zur Verfügung gestellt werden konnte. Unter den Die Al tänden befanden sich noch gute Kleidungsstücke aller rr— don Dechen num nicht verwendbar waren, deren Verfauf als Lumpen aber unwi i N—— wäre. Das Rote Kreuz hat deshalb diese Rest⸗ estände von der Stadt übernommen, und in einer in den oberen Räumen des Liebigmuseums eingerichteten Schnei⸗ derwerkstatt 493 Hosen, 484 Westen, 574 Sackröcke, 291 Ueberzieher, 84 Schoßröcke, 3 Schlafröcke, 26 Uniform⸗ röcke, 5 Knabenhosen, 10 Knabenjacken und 9 Knabenüber⸗ zieher herstellen lassen. Die Kleidungsstücke wurden nicht nur ausgebessert, sondern auch gereinigt und aufgebügelt. Es ist beabsichtigt, diese Kleidungsstücke aufzubewahren, um sie nach Beendigung des Krieges an zurückkehrende Sol⸗ 5 daten, die brauchbare Zivilkleider nicht besitzen, unent⸗ 5 geltlich abzugeben. Jedoch sollen auch jetzt schon Bedürf⸗ tige aus diesen Beständen gekleidet werden, wenn die 5 städtische Armendeputation das Bedürfnis anerkannt hat. ö An in Kriegsgefangenschaft befindliche Deutsche wurden vor wenigen Tagen 50 Anzüge abgeschickt.— Die Kosten der Herstellung der Anzüge wurden aus dem Verkauf der nur noch als Lumpen verwertbaren Restbestände bestritten. Für Lumpen wurden erlöst 1775,93 Mk. an Schneiderlöhnen und Materialanschaffungen wurden verausgabt 960,89 Mk. Der Ueberschuß von 815,04 Mk. soll zusammen mit dem für die Decken erzielten Erlös zunächst verzinslich an⸗ gelegt und später im Interesse unserer heimkehrenden Krieger verwendet werden. * Hessische Handwerkskammer. Man schreibt uns: Vor kurzem fand eine Besprechung der süddeutschen Handwerks- kammern in Baden statt. Als Gegenstand der Verhandlung war vor allem die Einführung einer geeigneten festgefügten Orga⸗ nisation der Handwerkszweige, damit diese sich weiter⸗ hin an den erforderlichen Lieferungen für die Heeresverwaltung nutzbringend beteiligen können. Allgemein wurde es für un⸗ exläßlich bezeichnet, daß die einzelnen Handwerkszweige sich immer enger fachlich organisieren, da nur auf diesem Unterbau eine erfolgreiche Behandlung der wirtschaftlichen Fragen betrieben werden kann. Die in den einzelnen Kammerbezirken bestehenden Handwerks⸗Organisationen sollen in zweckdienlicher Weise weiter ausgebaut werden, wobei es den einzelnen Kammern über⸗ lassen bleibt, die geeignete Organisationsform unter Berück- sichtigung der im Kammerbezirk vorliegenden Verhältnisse herbei⸗ zuführen. Mehrfach wurde auch davor gewarnt, schon wieder eine neue Organisationsform in die Handwerkerbewegung hineinzu⸗ tragen und empfohlen, möglichst an der bewährten Grundlage deer reichsgesetzlichen Innungen festzuhalten und diese Korpora⸗ tionen als Unterlage für jegliche weitere Tätigkeit zu benutzen. Weiter verhandelte man über die Beleihung von Grund⸗ 5 stücken unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse des Handwerkers. Das ausführliche Referat wird demnächst im deutschen HPiandwerksblatt erscheinen. Auch bei dieser Besprechung ist das Lehrlingswerbeunwesen, das von einigen Agenten für große Baufirmen zurzeit in einzelnen Kammerbezirken betrieben wird, zur Sprache gebracht worden, wodurch mehrfach Handwerks⸗ lehrlinge zum Vertragsbruch verleitet worden sind. Allgemein machte sich die Ansicht geltend, daß sowohl im Interesse des Nach⸗ 5 wuchses im Handwerk, als auch in dem der Lehrlinge selbst, *— 35 gegen ein solches Treiben Stellung genommen werden müsse. * FKraftfahrschulen. Die Inspektion des Kraft⸗ fahrwesens hat mitgeteilt, daß bei den Kraftfahrtruppen nur solche Leute eingestellt werden, die eine längere Aaätigkeit als Kraftfahrzeugführer nachweisen können, ferner Schlosser, Monteure usw., die infolge ihrer technischen Vor⸗ bildung besonders geeignet erscheinen; für letztere sind bei den Ersatzabteilungen des Kraftfahrbataillons Fahr⸗ schulen eingerichtet, die für das vorhandene Bedürfnis genügen. Die vielfach erscheinenden Inserate, in denen 5 kurzer Lehrkursus bei Fahrschulen zwecks Erzielung er Einstellung bei den Kraftfahrtruppen empfohlen wird, sind, wie man uns ersucht mitzuteilen, irreführend. Leute, die erst seit kurzem einen Führerschein besitzen, werden bei der Einstellung nicht bevorzugt. e Oberhessischer Kunstverein. Die Illner⸗ „ Ausstellung wurde seit ihrer Eröffwung von über 400 Personen besucht. Ein Porträt wurde der Ausstellung neu überwiesen, verkauft wurde das Pastellbild„Großherzog von Hessen“, das in hiesigen Privatbesitz überging. 5** Anlagemusik. Am morgigen Sonntag, vormit⸗ tags 11½ Uhr, findet in der Süd⸗Anlage Konzert der Kapelle des Landsturm⸗Ersatz⸗Bataillons Gießen mit nach⸗ stehender Spielfolge statt: Litanei auf das Fest Allerseelen von Franz Schubert, Ouverture zur Operette„Die Ver⸗ lobung bei der Laterne“ von J. Offenbach.„An der Weser“ Lied für Posaune, von G. Pressel,„Mondnacht auf der Alster“, Walzer, von V. Fetras, Soldateska 1870—71, Pot⸗ pourri, von H. Seidenglanz, Freundestreue, Marsch, von H. Blankenburg. *Die Gießener freiwillige Feuerwehr hat, wie man uns schreibt, bei der letzten Einberufung wieder ckeinige ihrer Mitglieder zum Heeresdienst gestellt. Da auch die Mannschaften der Pflichtfeuerwehr zum größten Teil einberufen sind, kann gegenwärtig nur noch eine kleine Schar von geübten Feuerwehrleuten bei Ausbruch eines Brandes sich mit einem Teil der Geräte an den Löscharbeiten betätigen. Es ist daher an der Zeit, dafür Sorge zu tragen, aß die Zahl der Feuerwehrleute sich so erhöht, daß alle eräte von geübten Feuerwehrmännern bedient werden. Sehr erwünscht und erfreulich wäre es deshalb, wenn recht viele Bürger als aktive Mitglieder der Feuerwehr beiträten, wodurch sie ihrer Vaterstadt einen schönen Dienst erweisen würden. Anmeldungen nimmt der Vor⸗ stand der Gießener freiwilligen Feuerwehr entgegen. Auch sind Anmeldeformulare im Turmhaus am Brand erhältlich. Solchen Bürgern, die nicht mehr aktiv sich zu betäti wünschen, ist Gelegenheit Keren als außerordentli Mitglied(Jahresbeitrag 5 Mark) die Wehr zu unterstützen. Kreis Lauterbach. r. Aus dem Vogelsberg, 22. Juli. Die Roggen ⸗ ernte hat in dieser Woche in den meisten Gemarkungen be⸗ Len nur in den klimatisch ungünstig und hoch gelegenen 3 2 8 eldern ist die Reise noch im Rückstaude, doch ist sie in etwa acht agen zu erwarten. Im allgemeinen fällt die Ernte der Winter- frucht recht gut aus, die Aehren sind vorzüglich entwickelt, und was im vergangenen Herbst durch Schneckenfraß vernichtet wurde, wird durch den reichen Körnerertrag überwiegend ersetzt, nur wird der Ausfall an Stroh durch das Dünnestehen des Ge— treides der Landwirtschast sühlbar werden. Die Sommerfrucht, iusbesondere der Hafer, wird indessen weniger günstige Ernte er⸗ geben. 8 Hessen-Nassau. a b. Höch sst a. M., 23. Juli. Ueber das„wohlassortierte“ Diebslager in einem Hause der Schlachthofstraße mußte die Polizei ein umfangreiches Verzeichnis ausstellen, das u. a. folgende „Nummern“ enthält: I vollständiges Zweizylinderauto, 1 photo- graphischer Apparat, 1 Dezimalwage für 80 Zentner Tragkrast, 1 französisches Seitengewehr, 2 Bohrmaschinen, zablreiche Hand- wagen, das Wirtsschild vom Schützenhof, 2 Scheinwerfer, 16 Schmelz- tiegel, 9 Dutzend Pitchpine-Leisten, Schraubstöcke, Bücher usw.— Dem Diebe ist eine gewisse Vielseitigteit nicht abzusprechen. . Treue Uameradschaft. N Am 31. 5., abends um 11 Uhr, so schreibt ein Kompagnie⸗ flührer, wurde mir eine sehr große Freude zuteil! Bei unserm CC R 8 mal rausgegangen war, im Verwundete zu holen, schließlich selbst nicht zurückgekehrt, und wir waren alle überzeugt, er sei gefallen. Es war aber nicht möglich, ihn im Gelände zu entdecken. Ich wurde nun heute ans Telephon gerufen und höre: Feldwebel Artes lebt und liegt in einem Granatloch dicht vor dem feindlichen Schützen⸗ graben. Sein Putzer, der Wehrmann Franz Buwai, geboren 24. 11. 1882 in Niedziliska, zuletzt in Diesdorf i. Altmark, hatte sich, ohne einen Menschen etwas von seiner Absicht zu sagen, bei Dunkelheit auf dem Vanche kriechend, ins Vorgelände begeben und den Vermißten nach zweistündigem Suchen gefunden. Da Artes aber einen Schuß durch das Knie hatte, und infolge des drei⸗ tägigen W neben den seelischen Aufregungen auch körperlich sehr angegriffen war, konnte er ihn nicht mit zurückbringen. Er war ja nur rausgegangen, um die Leiche zu suchen, deshalb hatte er außer dem Gewehr auch nichts bei sich. Artes war schwerverwun⸗ det in ein Granatloch gekrochen, 15 Schritt vor dem feindlichen Graben, in das im Laufe der folgenden Tage Handgranaten ge⸗ worfen wurden, weil wir glaubten, es sei eine feindliche Sappe. Zwei dieser Granaten, die nicht krepiert waren, brachte Buwai zurück. Nachdem Buwai den Feldwebel gefunden hatte, sprach er ihm eine Zeitlang Trost zu, er schlich sich dann wieder in den Schützengraben zurück, um sich eine Zeltbahn zu holen. Auf dieser wollte er seinen Feldwebel zurückziehen, denn an ein aufrechtes Tragen war wegen des rasenden Feuers nicht zu denken. In der Kompagnie fand sich auch gleich ein Krankenträger, Karl Fölsche, geboren 10. 2. 93 in Friede⸗ burg a. Saale, bereit, mitzugehen, um den Zugführer zu holen.— Bange Minuten vergingen nun, bis man hörte, was aus diesem Unternehmen werden würde. Sollte man es überhaupt verbieten, um nicht das Leben zweier so braver Leute aufs Spiel zu setzen? Sie wären dann heimlich rausgegangen.— Nach 1½ Stunden kamen sie zurück und brachten Artes mit. Die Freude in der ganzen Kompagnie war unbeschreiblich. Ein herrliches Beispiel treuer Kameradschaft! Und wie hat er es gemacht? Wieder ging es auf dem Bauche raus. Dann die Zeltbahn unter den erschöpften Verwundeten gelegt, einen Gewehrriemen rechts, einen links an die Zeltbahn geknotet, jeder von den beiden Leuten knüpft sich den Gewehrriemen an sein Koppel und nun kriechen sie wieder zurück und ziehen so ihren Feldwebel über etwa 70 Meter bis in unseren Graben. Gewiß kein beneidenswerter Transport für einen Ver⸗ wundeten, dafür ist er aber gerettet und konnte nun gleich im Auto in das nächste Lazarett gefahren werden. Seine Verwundung ist, Gottlob, nicht ernst, wenn auch schwer. Sein Zustand ist leidlich. Ich machte dem Regiment Meldung von dem Vorfall und erwirkte die Ernennung des Buwai zum Gefreiten, zur Belohnung für seine heldenhafte Tapferkeit, inzwischen habe ich ihm auch das Eiserne Kreuz besorgen können. Märkte. Gießen, 24. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pfd. 1.45 1,70, Hühnereier das St. 16— 00 Pfg., 2 Stück 00 Pfennig: Enteneier 1 Stück 0 Pfennig, 2 St. 00 Pig.: Gänseeier 1 St. 0-0 Pia. 2 St. 00 Pfg.: Käse das Stück 7—8 Pfg., Käsematte 2 Stick 6—0 Pfg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—2,0 Mk., Hahnen das Stück 1,00— 2,50 Mk., Enten das Stück 2,50—3,00 Mk., Welsche 4—5 Mk.; Ochsenfleisch das Pfund Mk. 1,16—1,24, Rind⸗ fleisch das Pfund 112—00 Un, Kuhfleisch 00—00 Pfg., Schweine- fleisch das Pid. 1,50—1,60 Mt., Kalbfleisch das Pid. 100— 104 Pfg., Hammelfleisch das Pfd. 96—110 Pig. Kartoffeln 100 Kilo alte 20-60 Mk., neue 25—30 Mk., Milch das Liter 24 Pfg.: Aepfel das Pfund 20—25 Pfg.: Niisse 100 Stück 60 Pig. Weißtraut 25 und 30 Pfennig, wiebeln der Zentner 35—40 Nik.: Kovfsalat 10 bis 15 Pfg.; irsing 20— 25 Pfg., Bohnen 20 Pfg. das Pfd.; Erbsen das Pfd. 35—40 Pfg.; Heidelbeeren 1 Liter 50 Pig., Himbeeren 30 Pfg. ½ Liter, Pflaumen 30—40 Pig. das Pfd., Mirabellen 60 Pig. das Pid.: Gurken große 20—25, kleine 3—6 Pfennig.— Marktzeit von 7 bis 1 Uhr. 3 Woͤchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 27. Woche. Vom 27. Juni bis 3. Juli 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 22,46%,. Nach Abzug von 9 Ortsfremden: 7,90% Kinder Es starben an Zul.. im 1. gedens⸗ vom 2. pls jahr 15. Jahr Rose 1059— 10— Lungentuberkulose 3(1) 2(1) 1 3 Lungenentzündung 10) 10)—— anderen Erkrankungen der Atmungsorgane 1— 1— Krankheiten der Kreislauf- 200 0 organe(2 10— 1 Krankheiten des Nerven- 0 00 systems 1—— 1 Magen- und Darmkatarrh 1 1—— Krebs 3(63) 3 63)—— anderen benannten Todes- ursachen 100 10)——— Summa: 14(9) 9(7 8(1) 2(J) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach.— gebrachte Kranke kommen. Kirchliche Nachrichten. 1 Cvangelische Gemeinde. Sonntag, den 2. Juli, 8. nach Trinttatis. Kollekte für die innere Mission. Gottesdienst. 5 In der Stadtkirche. Vormittags 8 Uhr: Piarrer Schwabe. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Markus- gemeinde. Vormittags 9¼ Uhr: Pfarrer Mahr. Beichte und heiliges Abendmahl für Matthäus- und Markus⸗ gemeinde gemeinsam. Anmeldung vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags 11¼ Uhr: Kinderkirche für die Matthäus gemeinde. Pfarrer Mahr. In der Johanneskirche. 8 Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausseld. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten aus der Johannes⸗ gemeinde. Vormittags 9¾ Uhr: Pfarrer Bechtolsheimer. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und Johannes⸗ gemeinde gemeinsam. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags 11½ Uhr: Kinderkirche für die Lukasgemeinde. Pfarrer Bechtols heimer. Abends 8 Uhr: Versammlung und Bibelbesprechung im Johannessaal. Mittwoch, den 28. Juli, abend 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Aus feld. Wartburg, evangelischer Jünglings- und männer bereln. (Diezstraße 15.) Sonntag, den 25. Juli: Vortrag. Dienstag, den 27. Juli, abends 8½ Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 29. Juli, abends 825 Uhr: Leseabend. Samstag, den 31. Juli, abends 8⅛ Uhr: Aeltere Abteilung. „ Fibelnnzch 2 0 183. a en für* ter Lehranstalten. Für die jüngere Abteilung n 6—7 die.— 1 Machen von 3 Uhr. 30* aus Johannesgemei Jeden Dienstag von 6—7 Uhr im Johannessaal. „ 5— 4 . uuaatpes 5 . 24. Julk: Uhr, für Samstag, den Unternehmen, am 29. abends, war der Vizefeldwebel der Reserve, Artes, der 4. Kompagnie des Reserve⸗Regiments 264, der drei⸗ Nachmittags um 5 Uhr d abends 8 8 4. un um 8 Uher: Gelegenheit Sonntag, den 25. J 9. Sonntag ena Vormittags von 6½ Uhr an: Gelegenheit zur h um 7 Uhr: Die erste heil. Messe. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kom um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 5 um 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf Andacht für die Abgestorbenen. Dienstag und Freitag abend um 8 Uhr ist Kriegsbittandacht. Diaspora⸗Gottesdienst. In Grünberg um 93 Uhr. g In Hungen um 9½ Uhr. 0 In Lich um 8 Uhr. —— 1—— 5— 5 Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. 2. E 23 223„ f Juli g 8, 5 N 8 2 3 2 1 2 2 SSS SEF 1 175 f 8 3 8 85 8 8* 5 4 3 23 25% 743,7 17,6 189 87 8 2 10 Regen 23. 1 436 16,7 12,0 85 SSW 2 10 24.% 744,9 15,3112 88 8 2 9 Höchste Temperatur am 22. bis 23. Juli 1915 22,0» C. Niedrigste„„ 22.„ 1915 Ti30 1 Niederschlag: 4,2 mm. 8 —— Sdol zur Zahnpflege Amtlicher Teil. Bekanntmachung.. Betr.: Regelung des Verkehrs mit Brokgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915; hier: das Ausdreschen des Getreides. Auf Grund der§s 2 und 3 der Verordnung über den Ver⸗ kehr mit Brotgetreide und Mehl aus dem Erntejahr 1915(R.⸗G.⸗ Bl. S. 363) und der Ausführungsanweisung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern hierzu vom 19. Juli 1915 Hare städter Zeitung Nr. 166 vom 19. Juli 1915) sowie der 88 2 und 3 der Verordnung über den Verkehr mit Gerste aus dem Erntejahr 1915(R.⸗G.⸗Bl. S. 384) und§ 1 der Bekanntmachung des Gro herzoglichen Ministeriums hierzu vom 12. Juli 1915(Darm⸗ städter Zeitung Nr. 161 vom 13. Juli 1915) wird bis auf weiteres folgendes bestimmt: 23.„ 91 Wer als Eigentümer oder Besitzer Brotgetreide, uäm⸗ lich Roggen, Weizen, Spelz(Dinkel, Fesen), sowie Emer und Ein⸗ korn allein oder mit anderem Getreide außer Hafer gemengt, oder Ger ste ausdreschen will, hat dies dem Bürgermeister der Gemeinde, in der der Ausdrusch stattfinden soll, spätestens bei Beginn des Dreschens anzuzeigen. Die Anzeige muß enthalten: a) den Namen des Eigentümers oder Besitzers des Getreides, 0 b** 1 des Dreschmaschinenbesitzers, der den Ausdrusch esorgt, c) die Art des auszudreschenden Getreides, d) den Tag oder die Tage** Ausdruschs. Wer als Eigentümer oder Besitzer Getreidesorten der in§ 1 erwähnten Art ausgedroschen hat oder hat ausdreschen lassen, t sofort nach Beendigung des Dreschgeschäfts dem zuständigen ürgermeister(siehe 8 1) die ausgedroschene Fruchtgattung ihrer Menge nach in Zentnern anzuzeigen. Die gleiche Anzeigepflicht liegt dem Dreschmaschinenbesitzer oder, sofern es sich um einen Gemeindedreschsatz handelt, dem mit Leitung des Dreschgeschäfts bei diesem Dreschsatz Beauftragten sowohl hinsichtlich der Person, für die ausgedroschen worden ist, wie auch in Bezug auf die für diese Person ausgedroschene Getreide⸗ N gattung und menge ob. Die Ermittlung des Gewichts des er⸗ droschenen Getreides hat unter Benutzung einer bei dem Dresch⸗ satz aufzustellenden Dezimalwage zu erfolgen. Für das Vorhanden⸗ sein einer solchen richtiggehenden Wage hat sowohl der Eigentümer bezw. Besitzer des Getreides, wie auch der Dreschmaschinenbesitzer oder Leiter des Dreschsatzes, zu 8 83. „Die Vorschriften der 88 1 und 2 finden auf Getreide, das mit der Hand oder mit eignen Maschinen ausgedroschen wird, entsprechende Anwendung. Die Anzeige- und Wiegepflicht liegt in solchen Fällen dem rr ob. der Pirherelser ut die ie e be Paragraphen gemachten N eine Liste einzutragen. 9.5. An dem ausgedroschenen Getreide dürfen, unbeschadet d nächstiger, das Ausmahlen desselben regelnder behördlicher. ordnungen, ohne Zustimmung des für den Aufbewahrungsort zu⸗ ständigen Kommunalverbands vor dem 16. August l. Is. Ver⸗ änderungen nicht vorgenommen werden. Das Getreide ist viel⸗ mehr von dem Besitzer ordnungsmäßig aufzubewahren und pfleg⸗ lich zu behandeln. 4 8 6. 5 bezw. Besitzer von Getreide, die bereits aus⸗ gedroschen haben, müssen die vorgeschriebenen Anzeigen nach⸗ holen. Das Gleiche gilt für die esche Wer den vorstehenden Bestimmungen zuwiderhandelt, wird nach 8 60 der Verordnung vom 28. Juni 1915 mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 1500 Mk. bestraft, sofern nicht die schwereren Strafen des§ 9 der Verordnung vom 28. Juni 1915(Gefängnis bis zu einem Jahre oder Geldstrase bis zu 10 000 Mk.) verwirkt sind. 8 8. Die Ortspolizeibehörden und die Gendarmerie haben sich durch häufige Revisionen von der Richtigkeit der nach den 88 1—3 gemachten Anzeigen zu überzeugen. 3 Gießen, den 22. Juli 1915.* Großherzeglich Kreisamt Gießen. r. Usinger. Betr.: Wie oben. An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an dee Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. 5 Die vorstehende Bekanntmachung ist sofort auf ortsübliche Weise zu veröffentlichen. Die von der Verordnung betroffenen Personen sind auf die 5 1 danach obliegenden Verpflichtungen besonders hinzuweisen. Zu diesem Zweck wird Ihnen eine be⸗ schränkte Anzahl von Sonderabzügen der Verordnung in e zugehen. Musterformulare für die nach§ 4 zu führende Li werden ihnen ebenfalls baldigst zugehen; es kann durch Ein⸗ nähen von Einlagebogen ergänzt werden. In diese Liste sind die⸗ jenigen Einträge alsbald zu übertragen, die Sie schon in das Formular eingetragen haben, welches Ihnen durch unser über⸗ gedrucktes Ausschreiben vom 10. Juli 1915, betreffend: Ernte⸗ ergebnis, mitgeteilt worden ist. Gießen, den 22. Juli 1915. Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr Ü singer. Uekanntmachung. Betr.: Maßregeln gegen die Maul- und Klauenseuche. Wir bringen zur allgemeinen Kenntnis, daß in Kinzenba die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist.* 0 Gießen, den 23. Juli 1915. 1 i Großherzogliches Polizeiamt Gießen. 8 Hemmerde.„„ g 1 0 ee Vernffefungen Zur Vermeidung von Verwechselungen del Abbefteulung von Vermietungs- Anzeigen oder dgl. wotrd dringend um Angabe der Anzeigennummer gebet. Verlag des Gieß. Anzeigers Alicestraße 11** und 5 Stock gr. schöne Wohnungen sosoxt oder später beziehbar. 3961 Näh. Dorst, West⸗Anlage 40. Schone Wohnung Wilbelmstraße 7(Haus zum Alleinbewohnen) zu verm. s Näheres Wilhelmstraße 5 1. L Zimmer Bleichstraße 20 7⸗ Zim. Zobn. mit Bades, Veranda u. Zubehör(auf Wunsch noch 1—2 Zimm) sogleich od. spät. an ruh. Familie zu verm. ezo⸗ Schöne 1 Scene T⸗Jimmerwohng. uit Bad zu vermieten. 5174 A. 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