* 9 Ar. Erstes 1 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Krels⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal mongtl. Land⸗ wirtschaftliche deitfragen Ferusprech-Anschlüsse: für die Schritleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleß1 Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Blatt Gieße General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Heschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. 5 80 165. Jahrgang * 8 c. Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel ⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. T Freitag, 25. Juli 1015 Bezugsoreis: monatl. 75 Pf., viertel; jährl. Mk. 2.20; durch Verantwortlich für den 4 politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. 2— Weiteres Vordringen in Kurland. Neue Vorstöße gegen Warschau und Iwangorod. Die Mißerfolge der Italiener. (WTB.) Großes Hauptquartier, (Amtlich.) Westlicher g estlicher Kriegsschauplatz. Im Westteil der Argonnen machten unsere Truppen weitere Fortschritte. Lebhafte Artilleriekämpfe fanden zwi⸗ schen Maas und Mosel statt. Südlich Leintrey brachen französische Angriffe dicht vor den Hindernissen un⸗ serer Vorpostenstellungen zusammen. In den Vogesen griff der Feind gestern südwestlich des Reichsacertopfes sechsmal an. Er wurde durch bayerische Truppen unter großen blutigen Verlusten zurückgeschlagen. Bei einem Gegenstoß gewannen wir das noch in Feindeshand befindliche Grabenstück zurück und machten 137 Alpenjäger, darunter drei Offiziere, zu Ge⸗ fangenen. Auch bei Sondernach wiesen wir abends einen feindlichen Angriff ab. Ein feindlicher Doppeldecker stürzte im Feuer unserer Abwehrgeschütze in den Wald von Parroy ab. Im Luftkampf über dem Münstertal blieben drei deutsche lieger über drei Gegner Sieger und zwangen auf der Ver⸗ olgung zwei von ihnen zur Landung im Thanner Tal. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nordöstlich Szawle machten unsere konzentrisch vor— gehenden Truppen unter erfolgreichen Kämpfen 4150 Ge⸗ fangene; außerdem fielen ihnen fünf Maschinen⸗ gewehre, viele Bagagen und ein Pionier⸗ park zur Beute. f Der Durchbruch an der unteren Dubissa führte die deutschen Stoßtruppen bis in die Gegend von Grynkiszki⸗ Gudziuny. Auf dem Wege dorthin wurden mehrere feind⸗ liche Stellungen gestürmt. Die Russen weichen auf der ganzen Front von Rakiewosee bis zum Niemen. Südlich der Straße Mariampol— Kowno ver⸗ größerten wir die entstandene Lücke und gewannen weiter 1 nd Gelände nach Osten. Vier Offiziere 1210 gefangen genommen, vier Maschinen⸗ „Am Narew hat der Feind seine aussichtslosen Gegen⸗ stöße eingestellt. 5 Südlich der Weich sel sind die Russen in die erweiterte Brückenkopfstellung von Warschau, in die Linie Blonie— Nadarzyn— Gora— Kalwarja zurückgedrängt worden.. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die deutschen Truppen der Armee des Generalobersten v. Woyrsch vereitelten gestern durch kühnes Zufassen die letzten Versuche des Feindes, seine geschlagenen Truppen vor⸗ wärts Iwangorod zum Stehen zu bringen. Gegen Mittag war die große Brückenkopfftellung bei Lagow— Lu⸗ gowa— Wola von unseren tapferen Schlesiern ge⸗ stürmt. Anschließend wurde der Feind unter Mitwirkung österreichisch⸗ungarischer Truppen auf der ganzen Front in die Festung geworfen, die nunmehr eng ein⸗ geschlossen ist. Nordwestlich von Iwangorod kämpfen österreichisch⸗-ungarische Truppen noch auf dem Westufer der Weichsel. Gestern wurden über 3000 Gefangene ge⸗ macht und 11 Maschinengewehre erobert. Zwischen Weichsel und Bug nimmt die Schlacht unter Oberleitung des Generalfeldmarschalls v. Macken⸗ sen ihren Fortgang. Südwestlich von Lublin machten 22. Juli. österreichisch-ungarische Truppen weitere Fortschritte. Zwi⸗ ficht schen Siennicka— Wola(südlich von Rejowiec) und dem Bug wurden breite Abschnitte der feindlichen Stellun— gen gestürmt. 2 Oberste Heeresleitung. ***„ 1 Die großen Schläge in Polen haben in den Vierver⸗ bandsländern einen merkwürdigen Widerhall gefunden. Englands Offenherzigkeiten haben wir mehrfach besprochen; es sieht die Wolken, bewahrt aber im allgemeinen Fassung und Vernunft. In Frankreich aber hat man sich alle fünf Sinne schwer erschüttern 1 und die Pariser Presse meint, das unbesiegbare Rußland habe nicht einmal Schlap⸗ pen erlitten, sondern nur dem deutschen Gegner seinen Willen aufgezwungen, Es mag ja schwer sein, aus der alten Gedankenwelt zu scheiden, in der die russische Dampfwalze eine so große Rolle spielte, und wir begreifen es, daß die französischen Phrasenblüten nicht so unvermittelt schnell verwelken sollen. Aber es gibt doch Uebergänge, langsame Anbahnung zur Vermittlung besserer Erkenntnis. Nichts von alledem will man in Frankreich. Die eitlen Gallier leisten sich auch jetzt noch ihre grotesken Sprünge im unbe⸗ 8 Reiche der Phantasie und Phrase. Selbst in Peters⸗ urg geht man nicht so weit in der Lobpreisung der russi⸗ schen Aussichten als in der französischen Hauptstadt. Bitt⸗ gottesdienste für den Sieg der russischen Waffen sehen be⸗ scheidener und demütiger aus als Frankreichs Opium⸗ räusche. Das Zarenvolk sieht trotz der amtlichen Beschöni⸗ gungen den bitteren Ernst vor sich und es scheut sich davor, angesichts der furchtbaren Schläge, die sein Heer erlitten hat, noch überflüssige Prahlereien von sich zu geben, wodurch sich die Franzosen in den Augen der ganzen Welt lächerlich machen. Die deutschen Heere stehen jetzt unmittelbar vor Warschau und Iwangorod; der russische Rückzug über die Weichselbrücke bei Iwangorod stand schon unter dem Feuer der deutschen Artillerie! Auch im Norden hat Hindenburg ungemindert seine Vorstöße fortgesetzt. Diese Tage sind für N das deutsche Voll ein freudiges Harren und Hoffen. 25 1 4 3. F 8 Unsere Bundesgenossen im Donaureiche stehen gleich- falls aufatmend und voll neu gestärkten Mutes im Kampfe. In viertägiger erbitterter Schlacht ist es ihnen gelungen, den groß angelegten Angriff der Italiener am Isonzo zu⸗ rückzuschlagen. Der Kampf ist zwar noch nicht abgeschlossen, aber sein bisheriges Ergebnis ist nicht geeignet, dem Gegner die Angriffslust anzufeuern. Cadorna meldet, wie zur Ent⸗ schuldigung, daß die Oesterreicher Verstärkungen an den Isonzo herangezogen hätten. Der General Porro, der mit den Franzosen und Engländern verhandelt hat, soll auch künftig seine politisch-militäri Rolle weiterspielen und die italienischen Angriffe im Einklang mit den Wünschen der Bundesgenossen erhalten,. an in Rom diese Wünsche restlos zu befriedigen gedenkt England würde man es sicher gern sehen, wenn Ita uppen an den Darda⸗ nellen die Kastanien aus 1 Höllenfeuer holen wollten, und andererseits erbittet ch die Hilfe des Bruder⸗ volkes für seine Ostgrenze. raus entstandene Unsicher— heit klingt auch aus der rö Presse heraus. Man hat plötzlich angebliche Heraus brungen der Türkei entdeckt, und Herr Salandra hetzt sei essetrabanten gegen die bö— sen Machenschaften Enver P und des Jungtürkentums. In Deutschland, und ich anderwärts, schüttelt man verwundert den Ist es denn über⸗ raschend und unverständ! man am goldenen Horn die römischen Treubre die Segenspender des Islams empfängt und vor Salandra in Wien die Kriegserklärung üb hat er mit der Türkei verhandelt und diese vartung, daß Italien sich nicht zu unseren Fei werde, verschiedene Zugeständnisse und Beruh Sgesprochen. Diese Ver⸗ handlungen galten bekann ders dem neuen afrika⸗ nischen Vesit Italiens. N. bbruch der Beziehungen zu Oesterreich-Ungar dem Deutschen Reiche und der Türkei gegen Kegenes Stillschweigen be— obachtet, wobei es in de u war, seine Gelüste nach den österreichischen Besitztümern befriedigen zu können, ohne schwere Kämpfe und ohne auf weiteren Schauplätzen Opfer von Gut und Blut dranwagen zu müssen. Heute erkennt es, daß diese Rechnung falsch war, und daher setzt es die Komödie gegen die Türkei ins Werk. Ganz nach Bedarf und Landesinter⸗ essen schlägt Herr Salandra das Buch der Sympathie oder Feindschaft auf. Spiel mit Verträgen und Komödie mit Sitte und Anstand. Wir haben in den nächsten Tagen vielleicht die italienische Kriegserklärung an die Türkei zu erwarten. * In der„Voss. Ztg.“ gibt Dr. Karl Federn aus Lugano eine amüsante Schilderung des„Theaterkrieges“, den Held d' Annunzio bisher geführt hat. Er hat seine große Kriegsrede in Quarto gehalten und der Stadt Genua seine Hotelrechnung im Betrage von zweitausend Lire geschickt; er hat seine Kriegsrede vom Balkon des Hotels Regina in Rom gehalten; er ist dann in Rom auf seine Kriegsreden hin zum Unterleutnant, zum Oberleutnant, zum Adjutanten ernannt worden und, während dreimal seine Abreise zur Front gemeldet wurde, stets in Rom geblieben. Ebenso oft meldeten die Zeitungen, daß er erst nach Pescara gehen werde,„die alte Mutter zu um⸗ armen“. Auch andere Leute nehmen erst von der Mutter Abschied, ehe sie ins Feld gehen, aber sie veröffentlichen es nicht. Schließlich der Leutnant d' Annunzio wirklich nach Pescara, und so nahe scheint ihm stets ein Berichterstatter seiner Gefühle, daß die Zei⸗ tungen aus dem Abteil des Zuges Rom— Ancona seine Worte mel⸗ den können:„Ich fürchte mich vor dem Widersehen!“ Auf dem Bahn⸗ hof von Pescara empfangen ihn der Präfekt, die Freunde und eine Menge von Offizieren. Im Garten des Hauses sinkt er„im Schein der untergehenden Sonne“ vor Donna Luisa d' Annunzio auf die Knie, beide weinen, der Dichter kann nicht sprechen, er schluchzt nur. Endlich ruft er kindlich stammelnd:„Mutter, nie wieder werde ich dich verlassen!“ Erst nachdem die Zeugen diese Worte gehört und die Zeitungen sie melden können, begeben sich Mutter und Sohn ins Haus. Dann nach einigen Tagen reist d'Annunzio wieder der ab, wieder nicht nach der Front, sondern zurück nach Rom. Das wird wieder gemeldet. 2 Endlich am 15. Juli reist er wirklich, diesmal bringt das„Gi— ornale d'Italia“ einen ganzen Artikel auf der ersten Seite darüber. Noch einen Händedruck den Freunden, Glückwünsche,„Evviva l'Italia!“, dann„durchschreitet er mit raschen Schritten die Halle, durchschreitet das Spalier schöner eleganter Römerinnen, setzt den Fuß auf das Trittbrett, springt mit jugendlichem Feuer ins Auto⸗ mobil, legt die Hand salutierend an die Mütze der Lanzenreiter von Novara“ und fährt an die Front? O nein, so schnell noch nicht! Am 16. sah man ihn im Grand Hotel Continental in Sima und später in einem Hotel in Florenz; dann war er von zwei Unter- offizieren begleitet, in Bologna im Hotel Baglioni und wohnte im selben Zimmer, in dem vor wenigen Tagen Ihre Königliche Hoheit, die Herzogin von Aosta, geschlafen. Am 18. war er in Ferrara und hat der Provinz dort feierlich das Manustript seiner„Parisina“ geschenkt und hineingeschrieben:„Gahriele d Annunzio, in den heiligen Krieg ziehend, überläßt auf seinem Wege der geliebten Stadt Ferrara dieses versprochene Manufskript und trägt dafür die Schönheit Ferraras im unerschrockenen Herzen mit sich fort!“ Heute wird seine Ankunft in Venedig gemeldet.. *** Der österreichisch⸗ungarische Tages bericht. Wien, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 22. Juli 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Der Raum westlich der Weich sel war gestern aber⸗ mals der Schauplatz großer Erfolge der Verbündeten. Die feindliche Hauptstellung, die westlich und südlich Iwan⸗ 45 gorod in der Linie Kozienice—Jamowiec angelegt und n festungsartig ausgebaut war, wurde beiderseits der Straße 5 Radom—Nowo⸗ Alexandria von deutschen Truppen durch⸗ brochen. Die Russen wichen nach Iwangorod und auf das rechte Weichselufer. Ihr Rückzug über die Brücke von Nowo⸗ Alexandria stand bereits unter dem Feuer der deutschen Artillerie. Oesterreichisch-ungarische Truppen nahen sich kämpfend von Besten, deutsche von Süden den Forts von Iwangorod. Zahlreiche Ortschaften westlich der Weichsel wurden von den fliehenden Russen in Brand gesteckt.. b l Oestlich der Weichsel dauerten die Kämpfe in un verminderter Heftigkeit fort. Der Feind leistet den zühesten 4 Ringen die Russen aus mehreren Stellungen. Die Verlust e. des Gegners sind groß. Die Zahl der bei der Armen des Erzherzogs eingebrachten gestern gemeldeten Gefan⸗ genen wuchs auf 8000, die Beute auf 15 Maschinen⸗ gewehre und vier Munitionswagen. 4 N Auch weiter östlich gegen den Bug hin brochen deutsche und österreichisch-ungarische Truppen an mehreren Stellen in die feindlichen Linien. Am oberen Bug erstürmten un⸗ garische Regimenter den Brückenkopf Dobrotwor nörd⸗ lich Kamionka—Strumilowa. 5 5 An der Zlota-Lipa und dem Dnjestr blieb die Lage un⸗ verändert. 8 f 5 2 der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand nach hartem Auch gestern wütete die Schlacht im Görzischen mit unverminderter Heftigkeit. Das Plateau von Doberdo stand tagsüber bis zur Küste unter besonders schwerem Ar⸗ tillerie-Massenfeuer. Die tapferen Verteidiger hielten Stand und. alle Anstürme des Feindes glän⸗ zend ab. 5 In dem Abschnitt von Monte Cozich bis Polazzo schoben sich die Italiener bis zum Abend näher an unsere Stellungen. Nachts griffen sie zuerst bei Selz und dann in der ganzen Front zwischen diesem Orte und Vermegliano erneut an. Heute frühmorgens waren alle Stürme blutig abgewiesen. Der brave ungarische Landsturm hat sich hier wieder heldenhaft bewährt. Mehrere Vorstäße des Geg⸗ ners bei Polazzo waren schon gestern untertags zusammen⸗ gebrochen. Oestlich Sdraussing schritten unsere Truppen 0 heute früh zum Gegenangriff und bemächtigten sich aller ihrer früheren Stellungen. Der Feind ist hie! im Rückzuge. Am Nordwestrande des Plateaus wird er⸗ bittert weitergekämpft. Gegen den Görzer Brücken⸗ kopf brachten die Italiener namentlich in der Richtung gegen Podgora immer neue Kräfte in die Schlacht. Zehn Infanterie-Regimenter griffen hier nacheinander vergeblich an. Fast immer führte der Kampf zum Handgemenge. Drei Stürme scheiterten gestern vor unseren Hindernissen. In einzelne Grabenstücke gelang es dem Feinde einzudringen. Nachts wurde er wieder hinausgeworfen. Ebenso scheiterten Angriffe schwücherer mit Gasbomben bewährter Kräfte bei Peyna. Auch zwei Vorstöße je eines Regimentes auf den Monte Sabotino wurden unter flankierender Mits wirkung unserer Artillerie blutig abgeschlagen. Unsere mit einzig dastehender Begeisterung und Zähigkeit fechtenden Truppen haben somit nach viertägiger Schlacht ihre Stellungen sowohl am Plateau von Do⸗ berdo als auch im Görzer Brückenkopf be⸗ hauptet. Der Kampf ist jedoch noch nicht abgeschlossen. Bei Plava, Tolmein und weiter nördlich unter⸗ hielt der Feind gestern ein lebhaftes Artilleriefeuer. Die Gefechte im Krngebiet dauern fort. 2 Im Kärntner und Tiroler Grenzgebiet ist die Lage unverändert. Der Stellbertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 5 Der russische Bericht. Petersburg, 22. Juli.(Ctr. Frkft.) Großen Generalstabes vom 21. Juli: N In der Gegend Riga-Schaulen fanden am 20. Juli im Westen von Mitau und auf den Straßen nach dem Dorfe Janischki Gefechte statt. Am Narew bombardierte der Feind Ostro⸗ lenka und versuchte auf den Brückenkopf zwischen Rozan und Pultusk vorzurücken. Rechts des Narew unternahmen wir lokale Angriffe und vermochten den Feind ein wenig zurückzudrängen. Links der Weichsel griff uns der Feind am 20. Juli in der Gegend Lolin—Gniewaschow erfolglos an. In der Richtung von Lublin hielten wir die Offensive des Feindes auf der Front Khodel—-Piaskin auf. Auf beiden Ufern des Wieprz beim Dorfe Sukodoly und in der Richtung des Dorfes Reiowetz ent brannte am 20. ein erbitterter Kampf, der spät am Abend noch andauerte. Die Deutschen wurden auf einige Abschnitte zurück⸗ n und erlitten bedeutende Verluste. Auf der Front Wois⸗ awitze—Grubechow begannen am 20. Juli ebenfalls Kämpfe und eine Kanonade. Am Bug bedrängten unsere Truppen im Abschnitt Litovij—Sokal— Poturjitza feindliche Abteilungen, die auf das rechte Ufer übergingen. In einem erbitterten Kampfe mach⸗ ten wir bis zu 1000 Gefangene. In den übrigen Gegenden liegt kein bedeutendes Treffen vor. N Schlechte Stimmung in der Presse des Vierverbandes. Berlin, 23. Juli. Pariser, Londoner und Havreser Stim⸗ mungsberichte lassen, wie verschiedene Morgenblätter berichten, keinen Zweifel über die Panik, welche die Verzweiflungsversuche des russischen Heeres im Vierverbandslager hervorrufen. Man befürchtet eine Katastrophe der russischen Armee. Dazu kommen noch die schweren Sorgen wegen der Widerstand. Bei Chodel und Borzechow warfen Teile 1 Italienischer Kriegsschauplatz. J Mitteilung des W 1 ttaltienischen Mißerfolge. In London sieht man für die Italiener am Isonzo das russische Schicksal in den Karpathen voraus. Russische Sündenböcke. Berlin, 23. Juli. Nach einer Kopenhagener Meldung der „Tägl. Rundschau“ seien im Verfolg der galizischen Nieder⸗ lagen 14 russische Generale und Stabsoffiziere ihres Postens enthoben und von dem Oberkriegsgericht in Petersburg unter Anklage gestellt worden.— Der russische„Rußkoje Slowo“ soll melden, es sei nicht mehr zu leug⸗ nen, daß bereits Petersburg bedroht werde. Regierung und Volt in Rußland. Berlin, 23. Juli. Der russische Kriegs minister und der Marineminister haben laut einer Meldung des „Berliner Lokalanzeigers“ vom Zaren die Erlaubnis erhalten, in der ersten Plenarsitzung der Reichsduma nach Goremykin und Sasonowebenfalls aufzutreten. Die Reden werden jedoch lediglich den Passus enthalten, daß die Militär- und Marine⸗ verwaltung auf die Hilfe der Volksvertretung rechnen. Die Laga auf dem Kriegsschauplatz wird nicht berührt werden. Darüber wer⸗ den am Tage darauf beide Minister in einer geheimen Sitzung der Duma berichten. Auf Petersburger Befehl sollen sämtliche Schulen in Grodno nach dem bevorstehenden Ende der gegenwär— tigen Ferien nicht wieder eröffnet werden. 5 Petersburg, 22. Juli.(WTB. Niehtamtlich.) Die Petersburger Telegraphenagentur teilt mit, daß in Pe⸗ tersburg, Moskau und ganz Rußland auf Veran⸗ lassung des Heiligen Synods Bittgottesdienste für den Sieg der russischen Waffen abgehalten werden. ahlreiche Prozessionen durchzogen die Straßen, gefolgt von Ziehntausenden aus der Volksmenge, die andächtig beteten. 3 Petersburg, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung der Petersburger Telegraphenagentur. Ein Ukas des Zaren ordnet die Einberufung der Duma für den 1. August an. . Die russischen Finanzen. 3 Lyon, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Nouvel⸗ lliste“ meldet aus Petersburg: Der Finanzminister wird der Duma sofort nach Zusammentritt einen Gesetzesantrag unterbreiten, der die Staatsbank ermächtigt, eine wei⸗ tere Milliarde Rubel in Banknoten auszu- geben. 72 Flausen der französischen Presse. 3 Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Presse er⸗ klärt allgemein, der russische Rückzug sei ein wohlbe⸗ dachtesstrategisches Manöper, aber kein Sieg der ver⸗ bündeten Armeen. Die Kraft des russischen Heeres sei ungebrochen, 5 und es sei letzten Endes gleichgültig, ob die Schlachtfront weiter ostwärts verlegt werde, denn die Russen seien bereit, bei der ersten SHMeelegenheit wieder offensiv vorzubrechen. Die Räumung größerer Gebiete und Städte, wie Warschau, habe weiter keine Bedeutung. Charakteristisch für die Auffassung der französischen Presse sind die Auslassungen der„Information“, welche schreibt: Die Deut⸗ schen und Oesterreicher wissen genau, daß, wenn sie die Russen nur zurückdrängen, die Siege mehr scheinbar als wirkliche sind. . n dieser Weise räumten die Russen Galizien, ohne geschlagen zu sein. Ihre Armeen sind noch intakt. Deshalb unternehmen die Deutschen und Oesterreicher einen kühnen letzten Versuch, die kussische Front in Unordnung zu bringen, zu zerreißen und die Stücke einzeln zu schlagen. Aber die ru ffische Stellung itist heute besser denn je,. Wenn das deutsche Manöver nicht 702 Pit gehen die Deutschen einem furchtbaren Unglücke entgegen. Die französische Presse führt E aus, Hauptzweck der deut⸗ schen und österreichischungarischen Offensive sei, durch die Nieder⸗ ringung der Russen Truppen für große Operationen in Frank⸗ * frei zu bekommen. Ein solcher Erfolg werde den deutschen und österreichisch⸗ungarischen Waffen sicherlich nicht beschieden sein, wetl eben die russische Armee nur zum Rückzuge veranlaßt, aber nicht geschlagen werden könne. * Die Kriegskosten des Vierverbandes. Berlin, 23. Juli. Wie nach der„Deutschen Tageszeitung“ Wiener Blätter berichten, stellen sich die Kriegskosten des Vierverbandes im Juni für England auf 2100, für Ruß⸗ land auf 1800, für Frankreich auf 1600 und für Italien auf 500 Millionen Franken, insgesamt also 6 Milliarden Franken, worin die Zinsen für die Kriegsanleihen noch nicht einbegriffen sind. * 3 5 Die Schlacht am Jsonzo. 49 8 Die seit dem 20. Juli erneuerten Kämpfe an der Isonzofront haben nach Ansicht der„Köln. Zeitung“ einen schwereren Charakter. An verschiedenen FDrontpunkten habe sich der Widerstand der österreichischen Truppen gegen eine ziemliche Ueber macht zu behaupten. 5 Der italienische Bericht. Rom, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Kriegs⸗ bericht von heute abend 7 Uhr. In Tirol und in Kärnten „die Lage unverändert. Auf der Isonzofront fuhr unsere DOffensive gestern fort, sich in der ganzen Zone bis zum Hoch- plateau des Karst zu entwickeln. Hier behaupteten wir nach der Rückkehr der Offensive des Feindes, der unseren linken Flügel von der Isonzobrücke abzudrängen suchte, trobdem unsere früheren Stel⸗ lungen und drängen an einigen Punkten merklich vor. Neuerlich wurden viele Gefangene, etwa 500, gemacht und viele Waffen und Munition erbeutet. Die Luftaufklärungen und die Aussagen der Gefangenen lassen erkennen, daß bei dem Feinde Verstär⸗ kungen eingetroffen sind, die nach den Erklärungen der Hefangenen selbst schleunigst und in aufgelösten Formationen an die Front geschickt wurden, um die äußerst großen Verluste des . auszugleichen. N General Cadorna. 8 Italien und die Türkei. Rom, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence ani, Die„Tribuna“ hebt hervor, daß die italienische entlichleit mit berechtigter Unruhe und Erregung fragt, welches die Absichten der osmanischen Regierung seien, 8 sie bereits die sehr kritische Lage der Italiener in der Türkei 8 ver⸗ schärfe und verhindere, daß sie sich einschiffen kön⸗ neu, In gewissen Vilajets hätten die Behörden die Absicht, die Italiener in Konzentrationslagern zu internieren, nicht verheim⸗ licht. Außerdem führten jungtürkische Blätter in diesen n einen unaufhörlichen, zügellosen, unbenennbaren Feldzug gegen Italien was bie Erregung der osmanischen Bepölkerung nur erhöhen könne. Dieser Feldzug sei mit Einverständnis der Zenfur unternommen worden, die nach den Angaben der osmanischen Regierung handle. Endlich müsse man auch die zahlreichen Versuche von türkischen Offigteren und Sendboten nicht außer Acht. Bestre⸗ bungen der Senussi zu fördern und den Heiligen Krieg gegen Italien zu predigen. Alles dies geschehe im Widerspruch mit den Versicherungen der osmanischen Regierung. Die„Tribuna“ schließt, es sei notwendig, daß dies aufhöre. Die osmanische Regierung müsse Rechenschaft ablegen, daß, indem sie diesen Tatsachen gegen⸗ über untätig verbleibe, sie die Verantwortlichkeit 1 die immer ernster erscheinen könne. Die Beziehungen zwi chen Italien und der Türkei seien, was Italien betresse, seit dem Eintritt in den europischen Konflikt nicht verändert. Man müsse wissen, ob die osmanische Regierung anderer Meinung sei. Die„Ideg Nazionale“ drückt dieselbe Meinung aus und greift Taten wirklicher Feindseligkeiten der Türkei gegenüber Italien heraus, die in Italien nicht geduldet werden könnten. Das Blatt drückt sein Vertrauen in die Regierung aus, daß sie die Frage der Beziehungen mit dem osmanischen Reiche erledigen werde. „Giornale d'Italia“ erinnert an die Angriffe„Hilals“ 2 Organs der Jungtürken und hauptsächlich Enver Paschas und einer österreichisch-ungarischen und deutschen Freunde), Das Blatt erklärt, da in der Türlei eine strenge Zensur bestehe, gehe die Pforte der osmanischen Presse in den Angriffen gegen Italien mit gutem Beispiel voran. Man dürfe sich darüber nicht wundern, auch nicht darüber betrübt sein. Aber man mütsse sich fragen, welche Ab⸗ sichten die Pforte gegenüber Italien habe. Wir wollen nicht, so schreibt das„Giornale d'Italia“ weiter, vorzeitig unbegründete Voraussagungen wagen. Aber da die un vermuteten Angriffe der osmanischen Presse in demselben Augenblicke erfolgen wie die Her⸗ ausforderungen gegen die Italiener und die Verletzung der Im⸗ munität der Konsuln, so geben sie uns doch den Eindruck eines vorbedachten Planes, dessen Ziel und Wirkungen wir abwarten wollen. Das Blatt schließt mit der Feststellung, daß die italienische Presse mit ungetrübtester Ruhe der Türkei gegenüber verbleibe, während die osmanischen Behörden den Italienern zusetzen und die jungtürkische Presse sich gegenüber Italien aggressiv verhalte. Die Kämpfe an den Dardanellen. Konstantinopel, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Thronfolger Prinz Jussuf Izeddin hat gestern von der Dardanellenfront folgende Depesche an den Sultan gesandt: Ich besuchte alle Teile des Kriegs⸗ schauplatzes und sah dort von Seite der Truppen Seiner Majestät alle erdenkliche Ausdauer und Tapferkeit und erlaube mir, Seiner Majestät zu melden, daß alle Offiziere und Mannschaften unter großem Eifer ihre heilige Pflicht erfüllen und Seiner Majestät ein langes Leben und dauernde Gesundheit wünschen. Der Sultan hat gestern darauf ge⸗ antwortet, drückte seine Genugtuung und seinen Stolz aus und wünschte den Truppen weitere Erfolge. Beschießung offener kleinasiatischer Küstenstädte. Konstantinopel, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Nach Privatnachrichten feuerte ein feindliches Kriegs- schiff am 19. Juli in Widerspruch mit den völkerrechtlichen Bestimmungen etwa 20 Granaten auf die unbefestigte Hafen- stadt Fenike, südwestlich Adalia ab. Ein anderes Schiff beschoß den Hafen von Uts auch gegen eine Gruppe von Frauen und Kindern wurden Granaten geworfen. Zwei griechische Untertanen wurden verwundet. Andere Verluste oder abschätzbare Sachschäden sind nicht eingetreten. geh 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Eine der bel⸗ ischen Regierung nahestehende Gruppe von fäh renden Vlamen veröffentlicht ein Manifest, in dem 8* 8 Die Selbständigteit Flanderns. sie bei aller Betonung ständigkeit und 15e b anderns fordert. Das Ma⸗ nifest begrüßt die vlamische Bewegung, die auch nach dem Kriege sortdauern werde. 2 2 8 1 England entschuldigt sich bei Norwegen. Kristiania, 22. Juli.(WTB. Ni tamtlich.) Meldung des Ritzauschen Bureaus. Der britische Minkster des Aeußern hat am 20. Juli dem norwegischen Ge⸗ sandten in London eine Note zugestellt, in der er sein Bedauern ausspricht, daß die Verzögerung der Antwort auf die Noten des Gesandten wegen der Neutrali⸗ tätsverletzungen nicht habe vermieden werden können. Er sei aber dessen sicher, daß die norwegische Regierung diese Verzögerung nicht als ein Zeichen dafür ansehe, daß die britische Regierung nicht mit dem größten Kummer und Bedauern jede Verletzung des norwegischen Seegebietes betrachte, die durch die Unachtsamkeit von britischen iffen begangen sein sollte. Die Korrespondenz mit den Schiffen, die in den nördlichen Gewässern die Aufsicht ausüben, müsse notwendigerweise Zeit in Anspruch nehmen. Dieses sei ohne Zweifel der Grund dafür, daß bisher nur über einen Fall ein 1 von der betreffenden Marinebehörde eingegangen sei, nämlich über den Fall des Dampfers„Pallas“, der von einem bewaffneten Fischdampfer an einer Stelle ge⸗ lapert wurde, die, wie der Minister des Aeußern bedauere mitteilen zu müssen, ohne Zweifel innerhalb des norwegi⸗ schen Seegebietes liege. Der britische Minister des Aeußern erklärt, daß er, nachdem er dieses erfahren habe, sich beeile, den Gesandten zu ersuchen, der norwegischen Regierung zu versichern, daß die britische Regierung das Vorgefallene tief bedauere. Der Minister fügt hinzu, er habe die Admirali⸗ tät ersucht, der Flotte einzuschürfen, vor der norwegischen Territorialgrenze die größte Achtung zu zeigen. Australien und der Krieg. London, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Im australischen Repräsentanten⸗ hau 11 erklärte Premierminister Fisher, der* habe Austra⸗ lien bis Ende Juni 30 Millionen Pfund Sterling lostet. Von der Reichsregierung habe Australien 15½ Millionen Pfund Sterling erhalten und es werde noch weitere 5 Millionen bekommen. Der Generalanwalt Hughes führte aus, dieser Krieg ei ein Krieg von Blei, Zink und Kupfer. Ber der Peherrschung s Metallmarktes durch die Deutschen sei es nicht genügend, die gegenwärtigen Kontrakte zu lösen, um zu verhüten, daß Deutsch⸗ land die Kontrolle über den Metallmarkt wiedergewinne. Es sei nötig, in Australien einen Metallmarkt unter der Kontrolle der Regierung ins Leben zu rufen. unwürdige Behandlung des Gouverneurs von Samoa. Berlin, 23. Juli. Bekanntlich wurde der Gouver⸗ neur von Samoa, Dr. Schulz, seit Oktober v. J. auf der Insel Notuiki bei Auckland(Neuseeland) mit 16 anderen Gefangenen von Samoa interniert. Für Dr. Schulz ist das rauhe Klima der an und für sich vielleicht gesunden Insel geradezu gesundheitsgefährlich. Er ist, wie die„Kreuz- zeitung“ mitteilt, mit den anderen Gefangenen, Handwer⸗ kern, Seeleuten usw. in einer etwa 240 Quadratmeter großen, sonst als Aufenthaltsort von Kranken bestimmten Baracke untergebracht, die in Verschläge eingeteilt ist. Seinen Ver⸗ schlag muß der Gouverneur selbst reinigen. Für eine einiger⸗ maßen angemessene r ist nicht gesorgt. Dazu ist der Gouverneur überall Quälereien der„Gentlemen“ ausgesetzt.— Das genügt wohl, sagt die„Kreuzzeitung“, und bedarf keines Kommentars. Wir hoffen aber bald von chakide an derselben Küste;] Nun ihrer Ahaner die völkische Selb⸗ 8 b 98 London, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich. Frage erklärte Mac Namara, daß bis zum 8 1 neutrale Schiffe durch deutsche unter boote und Minen zerstört worden seien. Bonar L dankte den Untertanen aus den Kolonien, welche mit! Franzosen an den Dardanellen kämpften. 5 1 Genf, 22. Juli.(Ctr. Frkft.) Wie die„Frkft. Zt„aus zuverlässiger Quelle erfährt, wird das franzö 119 Fer;„Ibule“ seit dem 23. April vermißt. Es ist bisher keinerlei Nachricht wieder von ihm eingelaufen, so daß an dem Untergang des Vootes nicht mehr gezweifel 1 12 22. Juli.(BTW. Nichtamtlich 1 openhagen, 22. Juli.. Nichtamtlich.) dung des Ritzauschen Bureaus. Der dänische „Charlotte“ landete in Fredericshavn die Besatzung 22 norwegischen Galeasse„Nordlyset“, die am Montag bei Kap Lindesnaes durch ein deutsches Unterseeboot in Brand geschossen worden war. Die„Nordlyset“ war mit Grubenholz von Arendal nach Granton unterwegs. (Das Schiff hatte also Bannware an Bord.) 3 Berlin, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich) Einer Reuter⸗ meldung zufolge teilte Mae Namara im Unterhause mit, daß das am 2. Juli in der Ostsee von einem englischen Unterseeboot ver⸗ senkte Linienschiff der„Deutschland“-Klasse das Linienschiff Pommern“ gewesen sei. Hierzu wird uns von zuständiger, Stelle mitgeteilt, daß in der Ostsee bisher Überhaupt kein deutsches Kriegsschiff durch ein feindliches Unterseeboot zum Sinken ge⸗ bracht worden ist. Uriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter.. (unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, nerbuten) gleich, alle chritt aufwärts Mann — Mann verteidigt worden, en 14 * hämmert und die Menschen erschreckt, ohne ihnen jemals sichtbar u werden, scheint hier Wirklichkeit zu sein, nur ist eine ganz ompagnie solcher Baumschläger aufgestanden. Penk— ang ämmern ohne Unterlaß die Geschosse, die von der drug ee J tellung herüberschwirren, gegen die Stämme. Oft auch ist ein fremder Ton in dem sonst so eintönigen mörderischen L eine Kugel gegen den harten Porphyr schlägt 9 7 p bildet. Namentlich vom„Aussichtsfelsen“ N ständig unter Feuer hat, hallen, ein weites E Prellschüsse. Es ist Zeit, in Deckung zu gehen, Bereiche der französischen„Lufttorpedos“, jener g 0 Minen, die mit drei Steuerschwänzen versehen sind. Ein 5 dc einer solchen, der dicht neben einem Unterstand liegt, zeigt, wie der ewige Kampf zwischen Schutz und Trutz auch in diesem Kriege vorwärts geht. Der Unterstand hat der unmittelbar neben ihm mit der einem schweren Artilleriegeschoß gleichenden Kraft erfolgten Explosion standgehalten, sie hat ihn nicht erschüttert und kaum äußerlich beschädigt. Nahe bei ihm steht ein entladenes, blind niedergegangenes Lufttorpedo auf seinen drei Flügeln als Papier⸗ korb aufgestellt, und solchem Blindgänger mit dem 1„Papier und Abfälle bitte hier einzuwerfen“ bin ich mehrfa Die ohnmächtigen„Torpedos“ müssen sich den Spott gefallen lassen, in Netz von Wegen, scheinbar nicht zu entwirren, führt nach der vordersten Stellung. Aber man findet sich leicht zurecht, da jeder Hauptweg seinen Namen und sein Straßenschild nach einem Siege der hier liegenden Truppen hat. Da ist der.—.„ die Celfesstraße, die Sengernstraße— das war ein schöner Erfolg 8 die Einnahme von Obersen mit 157 unverwun Gefangenen,— die Casinostraße, die nach dem Casinoberge bei Markirch heißt, wo am 8. und 9. August e Kräfte in affen 10 mehr als einer Brigade weichen und 983 Tote zurück⸗ assen mußten. Tief eingeschnitten führen die Wege durch den roten, wie mit einem Messer glatt ausgeschnittenen Porphyr: über* hat man den gespenstischen, von Granaten ausgeholzten und versengten Wald, der statt Wipfel zuweilen Riesenpinsel aus Splittern gegen den blauen Himmel streckt. Und nun sind wir ganz vorn.„Leise sprechen, leise gehen!“ 8 3 Der Feind ist hier nur fünf Meter von uns entfernt, er hört jeden Schritt, jedes Wort. Und ganz genau wie hier bei uns Späh⸗ vosten bei Spähposten hinter Jüöblernen Schußschilden steht, die Flinte im Anschlag und neben sich die Nische mit den wurfbereiten Handgranaten, so stehen vor uns in Sprechnähe die Franzosen auf der Wacht, bereit, auf das kleinste Geräusch hin Handgranaten in den Graben zu werfen oder hinein zu cen Das letztere tun sie sowieso. leine Minute wird es still, und in das stän⸗ dige Hämmern, Klatschen und Knallen der Gewehreinschläge tönt bald rechts und bald links der Knall einer platzenden H. tate. Hier Tag und Nacht, in engster Fühlung mit einem wachsamen Feinde und dem nimmer schlafenden Tode auszuhalten, dazu ge⸗ hören Heldennerven. Der Mann, der seine langen Beine aus dem Unterstand herausstreckt, in dem er nach der Nachtwache den Schlum⸗ mer des Gerechten träumt, mag sie wohl haben. Ich steige chtig über seine dickbesohlten Pedale, um ihn nicht zu stören. b Die Unterstände, hier ziemlich 4 den Felsen gehauene Kammern sind mit all der Liebe und Ordnungssinn gebaut, mit der sich der deutsche Soldat im Felde seine Ice benutzten Wohnungen einrichtet. An Holz für Betten, Tische, Bänke, hat es hier oben nicht gefehlt. An den Wänden und Tüten 1 5 a Bilder aus Zeitschriften, Kriegsansichten, Postkarten mit 1 Heimatsorte und oft die Photographie der Liebsten, mit einem Kranze von Bergblumen und Wasgaugrün umrahmt. Selbst die Sandsäcke sind mit Malereien und Inschriften perziert.„O Geb⸗ weiler, teure Heimat, wie bist du nah, wie bist du fern!“ hat ein 1 9 Reservist auf seinen Unterstand geschrieben. Man kann die Dächer von Gebweiler von der Höhe sehen, aber den Mann hier oben trennt im Kriege eine Welt von der Vaterstadt. Stünde er in Galizien, er wäre ihr nicht ferner. 3 Nach und nach ist man das Lied der schwirrenden und ein⸗ chlagenden Geschosse so gewohnt, daß man es kaum mehr hört, und inn wirkt, hier wie überall, die Vorstellung, daß man in Deckung ist. Aber das trügt. Plötzlich kracht neben meinem— 1 5 Stein, daß mir die Körner um die Ohren spritzen, und matt fällt ein kupfernes Ding, wie eine kleine vielgezackte Koralle auf den Grund des Grabens. Es ist ein zerfetztes was Infanteriegeschoß, das noch glühend heiß ist.„Das war sagt gleichmütig der nächste Horchposten. d ehe wir frag können, wer das ist, schwirrt einem meiner leiter eine Gegenmaßregeln zu hören. 5* 111 über den Kopf, und der Inhalt eines zerschossenen San rieselt über seine Schulter.„Das war wleder 8 und Augnst nennen ünsere Soldaten zwei fr 4 80 N„ h bis spät unermüdlich in bestimmte Graben⸗ chießen, wahrscheinlich nur zu dem Zweck, Be⸗ eugen, oder um die Nerven ihrer Kameraden stärken. mil heißt es, daß er Sandsäcke erlegen wolle, und August decke die schwere deutsche Artillerie zu. Sehr tragisch wird ihre Tätigkeit also nicht genommen. Zuweilen wird sie ogar begrüßt. Denn wenn ein französisches Geschoß in be⸗ mmtem Winkel auf einen der stählernen Schutzschilde aufprallt, 3 0 sich das Kupfer zu einem eigenartig schönen, einem Laub- blatte ähnlichen Gebilde zusammen. Diese kupfernen Blätter werden von unseren Soldaten eifrig gesammelt, um als Kriegs- andenken nach der Heimat geschickt und zu Broschen verarbeitet zu werden. Zuweilen freilich springt solch ein Prellgeschoß mit e Kraft in den Graben und kann dann Unheil genug an— Durch das Spiegelglas den Kopf über den Praben bschuitte hinein higung 2 1 on — niemand könnte es wagen, hier zu erheben— sehen wir die fran⸗ 5 Piutt⸗ Linie, die so dicht vor uns ist, daß die Franzosen zuweilen riefe und Zeitungen herüberwerfen. Es ist ein überraschender Anblick: Man glaubt zunächst, nichts anderes als die eigene Stel⸗ lung im Spiegelbilde zu sehen. Ganz wie bei uns, 5 steht auch dort drüben Spähposten neben Spähposten, den Lau der Flinte in der Scharte des Stahlschildes, ganz wie bei uns sind Block⸗ häuser und Sappen noch um einige Fuß vor den vordersten Graben getrieben und eine Hecke, dichter als je hier oben Him⸗ beeren und Waldbalsaminen sie gebildet haben, ist jetzt aus Stachel⸗ draht zwischen den beiderseitigen Stellungen gewoben, so undurch⸗ dringlich, als hätten in diesem Werk Freund und Feind um die Wette geschafft. Nirgends aber, auf der ganzen breiten Stellung des Hartmannsweiler Kopfes. haben die Franzosen das, worauf es für sie ankam, die Höhe, die den Blick in die Ebene bis zum Rheine verstattet. An den„Jägertannen“ vorbei führt unser Weg. Sie waren einmal, aber hinfort werden hier alle Tannen das Ehrenlied von den Jägern raunen. Um den„Aussichtsfelsen“, den die Franzosen besonders eifrig beschießen, oder der doch die meisten ihrer Kugeln mit seiner Gratwand auffängt, machen wir einen Bogen. Am„Rehfelsen“ war der französische Artillerie-Beob⸗ achtungsstand. Er war glänzend gewählt. Wie auf einer Land⸗ karte sieht man die oberelsässische Ebene, sieht man zenseits des Silberbandes des Rheines den Breisgau unter sich. Drüben rüßen die hohen Gipfel des südlichen Schwarzwaldes. Von 1 konnten die Franzosen das Ziel ihrer Sehnsucht weit über⸗ chauen, bis zu dem Tage, wo ein schwerer deutscher Volltreffer mitten in den französischen Beobachtungsstand geschlagen ist. Zwei neee Massengräber und eine Anzahl deutscher und fran⸗ zösischer Einzelgräber liegen nebenbei im Waloschatten. 5 Auf dem vordersten Vorsprung des Rehfelsens haben jetzt die Sieger den gefallenen Kameraden ein schlichtes Denkmal errichtet, eine spitze Pyramide aus Steinblöcken, zwischen die Artilleriegeschosse eingemauert sind. Eine Tafel soll folgende Verse eines Mitkämpfers tragen: Der Hartmannsweiler Kopf, der war Vom Feind genommen ein. Wer'n wiederholt, das war nun klar: 5 Es mußten Jäger sein. N Und Jager nahmen ihn zurück Mit sieggewohnter Hand.. Dem Feinde sperrten sie den Blick 8 Auf deutschen Rheines Strand. 8 wird nach dem Kriege nicht mehr einsam sein, der Hart⸗ mannsweiler Kopf, der ein großer Friedhof auf seinen Hängen und eine starrende Festung auf seinem Gipfel geworden ist. Jahr⸗ nderte mögen über ihn hinweggehen. Kein Sturm wird die unstbauten wegwischen, die Menschenhände in diesem Kriege dort oben angelegt haben, diese in Porphyr geschnittenen Schlltzen⸗ 8 und Unterstände. Sie werden da oben, auf der klaren erghöhe, Denkmäler des Völkerringens bleiben, zu denen der Vogesenwanderer pilgern wird, um sie staunend im wieder zu⸗ wachsenden Walde aufzusuchen, wie er früher zu den Heiden mauern auf dem Tännchel und dem Odilienberg oder zu den wehrhaften Burgen von Rappoltsweiler gepilgert ist. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. — Ein allgemeiner Ausstand in der spanischen Handelsmarine. Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet aus Madrid: Ein allgemeiner Ausstand der Offiziere und Matrosen der Handels- marine wird amtlich bekannt gegeben. In Barcelona und Bilbao ist die Lage besonders ernst. Aus Stadt und Cand. Gießen, 23. Juli 1915. Kriegsteilnehmer und Invaliden⸗ und Hinterbliebenen-Versicherung.“) Die der Invalidenversicherung angehörenden Kriegsteilnehmer, die infolge einer Verwundung oder We werden, haben neben den auf Grund der militärischen Fürsorgegesetze ge⸗ währten Bezügen Anspruch auf Bewilligung einer aus Mitteln der ee. zu zahlenden Invaliden⸗ rente, vorausgesetzt, daß sie die Wartezeit— regelmäßig zwei⸗ hundert Beitragswochen— erfüllt und die N aufrecht erhalten haben. Diese Rente wird ohne Rücksicht auf das Lebens⸗ alter jedem versicherten Kriegsteilnehmer gewährt, der nicht mehr imstande ist, durch eine Tätigkeit, die seinen Kräften und Fähig⸗ keiten entspricht und ihm unter billiger Berücksichtigung seiner 2 18⸗ bildung und seines bisherigen Berufs zugemutet werden kann, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und geistig gesunde Personen seiner Art mit ähnlicher Ausbildung in derselben Gegend zu verdienen pflegen. Ist die Invalidität dauernd, so be innt die Invalidenrente mit dem Tage des Eintritts der Invalidität. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit zu erwarten, so beginnt die Rente erst dann, wenn die Invalidität ununterbrochen 26 Wochen gedauert hat(8 1255 R. V. O.).— An⸗ sprüche auf Gewährung der Invalidenrente sind bei dem Ver⸗ sicherungsamte bezw. der Bürgermeisterei anzumelden, in dessen t„ eee zur Zeit des Antrages wohnt oder be⸗ igt ist. N. 312 Die Hinterbliebenen von Kriegsteilnehmern, die der reichsgesetzlichen Invaliden- und Hinterbliebenenversicherung an⸗ gehört haben, haben neben den auf Grund der militärischen Fier n Bezügen Anspruch auf Bewilligung von interbliebenenbezügen., 83 2 Witwenrente wird gewährt, sofern die Witwe invalide, d. h. nicht mehr imstande ist, durch eine Tätigkeit, die ihren Kräften und Fähigkeiten entspricht und ihr unter billiger Berücksichtigung ihrer Ausbildung und bisherigen Lebensstellung zugemutet wer⸗ den kann, ein Drittel dessen zu erwerben, was körperlich und 0 istig gefunde Frauen ihrer Art mit ähnlicher Ausbildung in der⸗ 125 Fegend 2259 Arbeit zu verdienen pflegen. Bei dauernder Invalidität beginnt die Witwenrente mit dem Tage des Eintritts der Invalidität. Ist in absehbarer Zeit Wiederherstellung der Er⸗ werbsfähigkeit zu erwarten, so beginnt die Witwenrente erst nach 26wöchiger ununterbrochener Dauer der Erwerbsunfähigkeit. Liegt Parc 0 9*[ 3 15 21 Erlaß eines An- wartschaftsbescheides auf Rente beantragt werden.. Waisenrente erhalten nach dem Tode des versicherten Va⸗ ters seine ehelichen Kinder unter 15 Jahren. a 4 AJst die Witwe selbst versichert und hat auch sie die Wartezeit erfüllt und die Anwartschaft aufrecht erhalten, so werden auf An⸗ trag gewährt: ein einmaliges Witwenge lb für die Witwe und Waisenaussteuer für Waisen bei Vollendung des 15. Lebens- es. f f . Anträge auf Gewährung dieser Hinterbliebenenbezüge 4 i dem für den letzten inländischen Wohn- oder Beschäfti⸗ . des erstorbenen zuständigen Versicherungsamt bezw. der rgermeisterei zu stellen. Nachdruck mit Quellenagabe gestattet. Die Red. 3 8 5 Die zweite nn im Stadt- theater. Wie aus dem Berichte über die gestrige Sitzung der Stadtverordneten hervorgeht, hat man einstimmig be— schlossen, dem Stadttheater auch diesmal die Aufrechterhal— tung des Spielbetriebs zu. Theaterausschuß und Theaterbauverein hatten den Antrag gestellt, die einmal gewährte Garantiesumme von 10000 Mk., die aller- dings bekanntlich nicht in Anspruch genommen werden mußte, wieder bereitzustellen und ferner die Kosten für Be— leuchtung und Heizung auf die Stadt zu übernehmen. Weiterhin soll der Direktor berechtigt sein, am Funduswerte eine zweiprozentige Abschreibung vorzunehmen. Gespielt soll an Sonntagen und an zwei Wochentagen werden, voraus- sichtlich Dienstags und Freitags. Die Spielzeit soll am 1. Oktober beginnen und bis zum 31. März 1916 dauern. Diesen Vorschlägen stimmte man gestern einstimmig zu, was um so leichter fallen mußte, als in der vorigen Spielzeit diejenigen, die das Durchhalten auch für unser Theater befürwortet hatten, vollkommen recht behalten haben. Man wird es in der Bürgerschaft von Herzen willkommen heißen, wenn auch in diesem Jahre eine wür— dige Gelegenheit geboten wird, ein oder zweimal in der Woche die Spannung und die Lasten des Tages unter der Wohltat einer künstlerischen und Ai oder auch auf— heiternden Unterhaltung, abzustreifen und Mensch unter Menschen zu sein, d. h. sith wieder daran zu erinnern, daß auch der privilegierten Geselligkeit Aufgaben wichtiger Natur zukommen. Wenn man sich an den Erfolg erinnert, den in der vorigen Spielzeit das Theater in dieser Be— ziehung zu verzeichnen hatte, wird man es namentlich auch begrüßen, daß die Pforten des Theaters sich diesmal schon einen Monat früher als 1914 öffnen sollen. Aus⸗ schlaggebend bei der Aufnahme der Neuigkeit dürfte weiter⸗ hin der Gedanke sein, wieviel Tausenden von Soldaten die Möglichkeit guter und bildender Unterhaltung eröffnet wird. Freilich wird es noch mehr Mühe als in der Spiel— alt 1914/15 kosten, den Spielplan den veränderten Ver— älknissen anzupassen. Eine Auswahl an männlichem Per— sonal ist diesmal noch weniger vorhanden als damals, und auch die technischen Hilfskräfte dürften nach Zahl und Qua— lität noch weiter zurückgehen. Einstweilen wollen wir aber gerne die Hoffnung aussprechen, daß die Theaterleitung die Wiedereröffnung unseres Musentempels nicht beantragt haben würde, wenn sie nicht das Vertrauen hätte, auch die zweite Kriegsspierzeit zu einer Gießens würdigen gestalten zu können. Auszeichnung. Dem Oberapotheker der Reserve im 24. Reservekorps, Caesar, wurde das Eiserne Kreuz verliehen. Fischnahrun g. Am Montag und Dienstag fand, wie schon lurz mitgeteilt, in der Aliceschule und in der städtischen Schulküche zum zweitenmal eine Anleitung im Kochen verschiedener Gerichte aus Klippfisch und KeFisch statt. Da die Beteiligung stärker war, als in der vorher⸗ gehenden Woche, und über die Schmackhaftigkeit der Gerichte allgemeine Anerkennung herrschte, so sollen am nächsten Montag lin der Aliceschule um 6 Uhr, Vergütung 50 Pfg.) und am nächsten Dienstag(in der städtischen Schulküche um 8 Uhr, unentgeltlich nochmals Unterweisungen mit Abgabe von Kostproben stattfinden. Zugleich wird an beiden Stellen das Kochen im Kochbeutel, der hier noch so wenig bekannt ist, und die Anfertigung eines solchen gezeigt werden. Der spätere Anfang am Dienstag ist gewählt wor⸗ den, um auch denjenigen uen und Mädchen, die durch Arbeit am Nachmittag verhindert sind, die Teilnahme zu gestatten. Wir verweisen im übrigen auf die Ankündigung im Anzeigenteil. Der Vorrat an Dauerware, welche von der Stadt beschafft worden war, ist am letzten Mittwoch voll- ständig geräumt worden. Die zur Speicherung der Ware von der Stadt getroffenen Einrichtungen im städtischen Schlachthof sind vorzüglich geeignet, an Hand der nun ge⸗ sammelten rt Erfahrung in der Versorgußg der städtischen Bevölkerung mit wohlfeilen und guten; eisch⸗ waren im kommenden Herbst und Winter fortzufahren. * Die Ortskrankenkasse hat* Kriegsaus⸗ bruch bis zum 1. Juli d. Is. an Kran enunterstützung 18 602 Mk., an Sterbegeld 1640 Mk., im ganzen 20 242 Mk. ausgezahlt. Im ganzen kam diese Unterstützung 982 Fa⸗ milien oder Mitgliedern zugute. * Lohndreschereiund Landwirtschaft. Mit Rücksicht auf den baldigen Beginn der Drescharbeiten sendet und der Verband Hessen⸗Nassauischer Dampf⸗ dreschereien eine Betrachtung über die Schwierigkeiten, die auch diesem Gewerbe durch die Kriegszeit erwachsen. Demnach würden sich für die Folge die Kosten für den Ausdrusch, die bisher etwa 6—8 Mk. pro Stunde betrugen, um 30- 40 Proz. erhöhen. Kreis Friedberg. l. Bad⸗Nauheim, 22. Jult. Die Wohltätigkelts⸗ Veranstaltung auf der Kurhausterrasse am ver- gangenen Mittwoch hat unter einem guten Stern gestanden. Das Wetter war prächtig und der Besuch der Terrasse, sowohl nach⸗ mittags wie abends, derartig gut, daß er alle Erwartungen über- tras. Dle Vesucher waren durchweg in vorzüglicher Gebelaune. Junge Mädchen verkauften srische Nosen und originelle Künstler⸗ Hessenpostkarten, und es entwickelte sich sehr rasch ein außerordent- lich lebhaftes Geschäst, zu dem die Kurkapelle und die Landsturm— kapelle abwechselnd ihre Weisen ertönen ließen. Bei einbrechender Dunkelheit erstrahlte die Kurhausterrasse im Glanz farbiger Papier- laternen. Auch die Bäume unten im Park hatten sich mit ihnen geschmückt und die breite Wiese vor dem Kurhaus war mit vielen bunten Lämpchen besetzt. Es war ein wunderbar schönes Bild, an dem alle Anwesenden sich ergötzten, nicht zum wenigsten unsere Jeldgrauen, die in großer Anzahl erschienen waren und reich mit Rosen beschenkt wurden. Auch das Theater hatte sich mit einer Vorstellung von Sudermanns„Johannissener“ in den Dienst der guten Sache gestellt. So können denn den verschiedenen Wohl- tätigteits vereinen hübsche Summen zugewendet werden. Starkenburg und Rheinhessen. „ Fürth ei. Odenw., 21. Juli. Dem Oberleutnant der Re- serve des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 118, derzeit im Ersatz⸗ Bataillon, Dr. jur. Willy Peppler, emem geborenen Gießener, Sohn des ebene Gerichts vollziehers Peppler, wurde von der Herzogin von Sachsen⸗-Meiningen das Ehrenkreuz für Ver⸗ dienste im Kriege 1914/15 verliehen. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse hat er schon früher erhalten. eb. Aus Rheinhessen, 23. Jult. Die Reben wie auch die Trauben sind in der Entwicklung so gut vorangekommen, daß sie nach wie vor gute Aussichten geben. Nicht überall ist der Be⸗ hang gleich zufriedenstellend, doch würde man überall zufrieden sein, wenn die an den Stöcken hängende Menge eingebracht werden könnte. Allerdings dürste dann der Sauerwurm gar keinen Schaden anrichten, und das ist bei dem starten Austreten dieses Schädlings doch wohl ausgeschlossen. Tte verschiedenen Bekämpfungs⸗ arten wurden aufgenommen. Im Weingeschäft ist ständig Leben. Gerade die kleineren und mittleren Weine werden zu verhältnis- mäßig hohen Preisen abgenommen. Kreis Wetzlar. O, Hohensolms, 22. Juli. Der Taglöhner Quandt machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. Hessen⸗Nassau. h. Frankfurt a. M., 22. Juli. Im Stadtteil Oberrad wurde heute vormittag an der jungen Frau des Bureaubeamten r ä Keller ein Mord perübt. Der Täter drang in die Wohnung der Leute ein und stach die Frau, die in der Küche beschäftigt war, mit einem Messer nieder, so daß der Tod nach kurzer Zeit durch Verblutung eintrat. Als Täter wurde heute mittag der Sohn des Bezirksvorstehers Gaß aus Niederrad ermittelt und in einer Wirt⸗ beat nach aßen Widerstande verhaftet. Aus welchen Grün⸗ en der Gaß, von dem sich seine Angehörigen seines lockeren Lebenswandels wegen schon lange losgesagt hatten, die Frau erstochen hat, konnte noch nicht ermittelt werden.— Auf dem hiesigen Hauptbahnhof laufen seit einigen Tagen wieder 240 Züge ein und 240 Züge aus. Zu Anfang des Krieges betrug die Zahl aller ein⸗ und ausfahrenden Züge etwa „in den letzten Tagen vor dem Kriegsausbruch dagegen 756. b. Frankfurt a. M., 22. Juli. Um seinen Sohn von der Heerespflicht im Felde befreien zu können, schickte der Kaufmann Sally G. dem Bezirksfeldwebel 200 Mark zu. Der Feldwebel sollte dafür das„Nötige“ veranlassen. Der Feldwebel veranlaßte zwar das„Nötige“, aber beim Staats- anwalt. Vater G. wurde gestern wegen Bestechung von der Straf— kammer zu 1000 Mark Geldfslrafe verurteilt. Außerdem verfielen die 200 Mark der Staatskasse, und endlich verstand er sich zu der Zahlung einer größeren Summe an die Kriegsfürsorge. b Usingen, 22. Juli. Auf dem hiesigen Bahnhofe stieß eine Lokomotive mit solcher Wucht gegen einen stillstehenden Personenzug, daß von diesem ein Personenwagen aus den Schienen gehoben wurde und entgleiste. Von den Reisenden er— litten elf Verletzungen, darunter einer schwere. Nach Anlegung von Notverbänden konnten die Leute ihre Reise sortsetzen. Der Verkehr erlitt eine Unterbrechung von mehr als einer Stunde. Aniversitäts⸗ Nachrichten. Frankfurt a. M., 22. Juli. Die Zahl der für das Som⸗ merhalbjahr 1915 an der Universität eingeschriebenen Stu⸗ dierenden beträgt nunmehr endgültig 855, und zwar 684 Männer und 171 Frauen. Hiervon sind 142 Männer zum Heeresdienst be⸗ urlaubt. Außerdem sind zum Hören von Vorlesungen berechtigt 230 Personen 114 Männer, 116 Frauen). Mithin ist die Gesamt⸗ zahl der Berechtigten 1085. Von den Studierenden stammen aus Preußen 456 Männer und 124 Frauen, Nichtpreußen sind 228 1. Semester der Universität— sind 518 Männer und 100 Frauen immatrikuliert gewesen; davon sind 5 Männer verstorben und 68 Männer und 10 Frauen mit Exmatrikel abgegangen.— An der Universität sind bis jetzt folgende Verbindungen anerkannt: Jassp as Moenanig, Gothia, Teutonia, Chattia, Tuiskonia, asso-Nassovia, Staufla, Neopalatia und Marcomannia. Teirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag. den 24. Juli 1915: C 3 orgens: 8. hr. Predigt. Nachmittags: 4.00 Uhr. ie Sabbatausgang: 9.15 Uhr. meteorologische Beobachtungen der St tion Gießen. 2 ———— 0 2 2 S2 22 22 3 332 unn 8 F 55 2 3 22 5 0 3%„ S„ n Weuet 145 F S 5 5 5 44 5 8 22. 2% 746,6 22,4 8,9 44 s88E 2 5 Sonnenschein 22. 8% 744.9 19,4 9,4 56 SSW 2 3 28% 48,1 17, 11,0 76 8 8 Höchste Temperatur am 21. bis 22. Juli 1915 + 22,8 0. Niedrigste„ I.„ 2.„ 1915. 10%„ Niederschlag: 0.0 mu. —————— Amtlicher 9 Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die westliche Depression dringt weiter in östlicher Richtung nach dem Kontinent vor, so daß morgen unsere Wrtterlage von ihr beherrscht wird. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 24. Juli 1915: Bedeckt, Regenfälle, kühler, südwestliche Winde. TLegßje Nachrichten. Gute Prise. Stettin, 23. Juli. Wie die„Stettiner Abendpost“ aus Swinemünde meldet, wurden die amerikanische Bark„Dun⸗ hire“, von New York nach Stockheem, sowie der schwedische Dampfer„Zelos“, von Sundsval nach Lonsind und„Wan“ von Sera nach Preston unterwegs, im Swinemünder Hafen ein⸗ gebracht. Die türkischen Operationen im Suezkanal. Amsterdam, 23. Juli. Das Haager„Vaderland“ meldet aus Kairo: Es verlautet gerüchtweise, daß ein englisches Schiff im Suez⸗Kanal auf eine von den Türken gelegte Mine gestoßen sei. Man vermutet, daß die Minen im Kanal von irregulären Truppen ausgelegt werden. Ein anderes englisches Schiff wurde ebenfalls beschossen und seine Kommandobrücke von 50 Schüssen durchbohrt. J Die Türkei und Italien. Zürich, 23. Juli. Es ist kaum noch ein Zweifel, daß die Entente von Italien das Losschlagen gegen die Türkei fordert. Die italienische Regierung kann sich dieser Forderung um so weniger entziehen, als sie nach dem kläglichen Ausfall der Kriegsanleihe ganz auf die englischen Sub⸗ sidien angewiesen ist, die nicht ausgezahlt werden, bevor sich Italien nicht an der Dardanellenaktion beteiligt. Wie auf Kommando legt sich denn auch mit einemmal die italienische Presse ins Zeug, um den Beweis 2 führen, daß Italien von der Türkei herausgefordert wird. Der Mailänder Kor⸗ respondent der„Neuen Zürcher Zeitung“ schreibt, daß man ge⸗ flissentlich den Türken die Initiative zuschieben will. Alles, sagt er, deute daraufhin, daß man in den weitesten Volksschichten in Italien einem krieg mit der Türkei nicht sympathisch gegenüberstehe und nicht jene Begeisterung hervorrufen würde, wie derjenige gegen den„Erbfeind“ Oesterreich. Italienisch-französisch-englische Unterhandlungen. Athen, 23. Juli. Die Zeitung„Chronos“ meldet aus Mudros daß am letzten Dienstag neuerlich ein italie“ nischer Admiral dort geweilt habe und mit dem fran⸗ 5 chen und englischen Admiral über die Beteiligung italie⸗ nischer Linienschifse an den Operationen gegen die Dar⸗ danellen und an der Blockade der kleinasiatischen Küste unterhandelt habe. Die Haltung Rumäniens. Stockholm, 23. Juli.„Svenska Dagbladet“ schreibt: Da der Erfolg der Dardanellenoperation ausgeblieben ist, wird die Steklung Rumäniens von Tag zu Tag schwieri⸗ ger. Es müsse ein Beschluß gefaßt werden und viele Zeichen deuteten darauf hin, daß er zu Gunsten der Zentralmächte aus⸗ fallen werde. f Bulgarische Schiffe von den Russen versenkt. Sofia, 23. Juli. Une vorherige Verständigung be⸗ schossen zwei russische Torpedoboote in der Nähe von Mangalio an der rumänischen Küste das von garische Regierung leitete eine Untersuchung ein. 1 n 113 Männer und 47 Frauen. Im Winterhalbjahr 1914/15— dem Konstanza gekommene mit Petroleum beladene bul⸗ * e Handelsschiff„Dewin“, das rasch sank ie Nachricht macht in Sofia den tiefsten Eindruck. Die bu 4 3 a FFF r * , 7 SAF Giessen, Johannesstr. 17(gegenuber der Johanneskirche). Fernspr. 168 u. 2089 Am 8. Juli 1915 kriegsgetraut, C ¼—»w0.] ⸗˙—Kne ̃ܧ1˙x⁰Ü. 7—“—— Wir bringen unsere eiserne Schrank- Fächer unter Selbst- Verschluss des Mieters in unseren mit allen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten feuer- und diebessicheren Panzer- Gewölben in empfehlende Erinnerung zur Aufbewahrung von Wert- und Silbersachen während der Kriegszeit. Mitteldentsche Creditbank Filiale Giessen erhielt ich heute die traurige Nach- richt, dass mein innigstgeliebter Mann, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder und Schwager Karl Kröning Offizier- Stellvertreter im Infanterie-Regt. Kaiser Wilhelm(2. Großh. Hess.) Nr. 116 Ritter des Eisernen Kreuzes II. Klasse am 21. Juli 1915 auf dem Felde der Ehre gefallen ist. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Lina Kröning geb. Luckhardt. Giessen, Bernsburg, Wahlen, den 22. Juli 1915. 8 Bekanntmachung. Die Ausgabe der Brotmarkenhefte für die Zeit vom 26. Juli bis 8. August ds. Is. findet Samstag, den 24. Juli 1915, vorm. 8— 12 u. nachm. 2 6 Uhr statt. Soweit den Anträgen auf Zuweisung einer erhöhten Brotmenge stattgegeben ist, werden auf Verlangen diesbezügliche Brot- markenhefte ausgegeben. Es wird ersucht, die Brotmarkenhefte sofort auf die Vollständigteit des Inhaltes an Abschnitten nachzuprüfen. Reklamationen, die später vorgebracht werden, können nicht berücksichtigt werden. Gießen, den 20. Juli 1915. Der Oberbürgermeister. Keller. 6057 festaurant Tussischer Hof Giessen Sofort zu verpachten. 6105⁵ D Näheres Brauerei]. H. ring, Lich Durch die Geburt eines Jungen wurden erfreut Lehrer Karl Suchan Leutnant d. R., z. Z. verw. in Colmar u. Frau Marie, geb. Hoffmann Krofdorf, den 21. Juli 1915 6114 Arbeitsvergebung. Nachstehende Arbeiten und Lieferungen zu bau⸗ lichen Aenderungen im Gewerbehause sollen an die Mitglieder des Ortsgewerbevereins vergeben werden. Die Erd- und Maurerarbeiten, die Schreinerarbeiten, die Schlosserarbeiten, die Weißbinderarbeiten, die Stuckarbeiten, die Plattenarbeiten, die elektrische Lichtanlage, die Tapezierarbeiten, die Lieferung des Mobiliars für ein Sitzungs— und für ein Beratungszimmer ꝛc., die Vorhänge ꝛc. Nähere Auskunft erteilt Architetftt Hamann, Bergstraße 11, Angebotsformulare sind dortselbst erhältlich. Angebote zu 1 bis einschl. 7 sind spätestens bis Dienstag, den 27. d. Mts., abends 6 Uhr, zu 8—10 bis spätestens Freitag, den 30. d. Mts., abends 6 Uhr, bei dem Unterzeichneten einzureichen. Gießen, den 22. Juli 1915. Der Ortsgewerbeverein. Der Vorsitzende: Dr. Kraus müller. Fischnahrung. Da sich ein waächsendes Interesse an der Fischnahrung S D 10 61030 zeigt, so sollen noch einmal Unterweisungen in der Be⸗ reitung von Klippfischge richten stattfinden Montag, den 26, d. M., um 6 Uhr, in der Aliceschule, Steinstr. 10(Anmeldung am Samstag, Gebühr 50 Pf.) Dienstag, den 27. d. M., um 8 Ubr, in der städsischen Schulküche, Neustadt 61, am Oswaldsgarten.(Anmel⸗ dung Samstag oder Montag morgen, Teilnahme frei.) Zugleich wird Anweisung in der Herstellung und An⸗ wendung der Kochkiste und des Kochbeutels gegehen werden. 3 Der Vorsitende Der Oberbürgermeister: des Alice: Schulvereins: Keller. Fromme. 1018 e 15 871 2 ener ö 128 915 Zub., p. 1. Aug. u.. bezieh⸗ Vermietungen ee 5753] Schöne 4 Zimmer- wohnung per 1. Oktober ö zu verm. Ludwigstraße 57. Zimmer. 6-Zimmer-Wohnung vex 1. Oktober zu vermieten. 8g Ludwigltraße 26 ll. Die von Herrn Hauptmann Ceruagnu reef 6—7- Zim- merwohng.(1. Et.) ist zu verm. Näher. Bergstraße 9 p. 03961 snmer. Vell 1 im Hause des Herrneld. 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