tes 80 g erschenit täglich, außer ountags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Famklienblätter; e ee att für den Kreis Giehen (Dienstag und Freitag); Ates celui geh Land⸗ Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für 5 richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Die Russen räumen die letzte Stellung vor Warscha. Der Brückenkopf südlich Iwangorod genommen. 1 WTB.) Großes Hauptquartier, Amtlich.) l Westlicher Kriegsschauplatz. Im Ostteil der Argonnen stürmten unsere Truppen zur Verbesserung ihrer neuen Stellung noch mehr französische Gräben, nahmen fünf Offiziere, 365 Mann gefangen und erbeuteten ein Maschinengewehr. In den Vogesen fanden in der Gegend von Münster hartnäckige Kämpfe statt. Die Franzosen griffen mehrfach unsere Stellung zwischen Lingekopf(nördlich von Münster) und Mühlbach an. Die Angriffe wurden abgeschlagen. An einzelnen Stellen drang der Feind in unsere Stellungen ein und mußte in erbittertem Nahkampf hinausgeworfen werden 21. Juli. Südwestlich des Reichsackerkopfes hält er noch Stück eines unserer Gräben besetzt. Tag und Nacht lagen die angegriffene Front und unsere anschließenden Stellungen bis Diedolshausen und bis zum Hilsenfirst unter heftigem feindlichen Feuer. Wir nahmen vier Offiziere und etwa 120 Mann, zum großen Teil Alpenjäger, gefangen. Ein deutscher Kamyfflieger zwang ein französisches Flugzeug bei Bapaume zur Landung. Das Flugzeug ist un⸗ versehrt in unserem Besitz. Colmar wurde von feindlichen Fliegern mit Bomben beworfen, von denen zehn auf Häuser und Straßen der Stadt fielen. Ein Zivilist getötet, eine Frau verletzt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Oestlich von Popeljany und Kurschann zieht der Gegner vor unseren vordringenden Truppen ab. Westlich von Szawle wurde die letzte feindliche Verschanzung im Sturm genommen und besetzt und die Verfolgung in östlicher Richtung fortgeführt. An der Dubissa, östlich von Rossienie, durchbrach ein deutscher Angriff die russi⸗ schen Linien. Auch hier wich der Gegner. Südlich der Straße Mariampol— Kowno führte ein Vorstoß zur Fortnahme der Dörfer Kiekeryßki und Janowka. Drei hintereinander liegende russische Stellun⸗ gen wurden erobert. Ebenso waren Angriffe von Landwehr gegen noch ge⸗ haltene feindliche Stellungen nördlich von Nowogrod von vollem Erfolge begleitet. Die Russen gingen unter Zurück⸗ lassung von 2000 Gefangenen und zwei Maschinengewehren zurück. Weiter südlich am Narew wurde ein starkes Werk der Vorstellung von Rozan erstürmt, 560 Gefangene ge⸗ macht und drei Maschinengewehre erbeutet. Der Gegner ver— sucht an diesem Flusse hartnäckigen Widerstand zu leisten. Die verzweifelten Gegenstöße mit zusammengerafften Trup⸗ pen aus den Brückenkopfftellungen von Rozan, Pultusk und Nowo⸗Georgiewsk mißlangen. Die Russen erlitten schwere Verluste. 1000 Gefangene blieben in unserer Hand. Die Blonie—Grojec⸗Stellung gewährte dem Feinde einen kurzen Aufenthalt. Unter dem Zwange unseres sich von allen Seiten verstärkenden Druckes begannen die Russen westlich von Grojec ihre Befestigungen aufzugeben und 110 18 Richtung zurückzugehen. Unsere Truppen folgen dichtauf. ein Südöstlicher Kriegsschauplatz. In der Verfolgung erreichten die deutschen Truppen des Generalobersten von Woyrsch gestern die vorgeschobene Brückenkopfstellung südlich von Iwangorod. Ein soforti⸗ ger Angriff brachte sie in den Besitz der feindlichen Linien bei Wladislawo w. Um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. Zwischen oberer Weichsel und Bug hat sich der Gegner erneut den Armeen des Generalfeldmarschalls b. Mackensen gestellt. Trotz hartnäckigen Widerstands brachen österreichisch-ungarische Truppen bei Skrzyniec⸗ Niedrzwieg⸗ Mala(südwestlich von Lublin), deutsche Abteilungen südöstlich von Piaski und nördlich von Kras⸗ nostaw in die feindlichen Stellungen ein. Der Angriff ist im Fortschreiten. Oberste Heeresleitung. * Auch die„Times“ gibt nunmehr zu, daß die nächsten Ereignisse im Osten„ein dramatisches Interesse“ hätten, und sie äußert ihre Bedenken, da Rußlands Mangel an Munition die Lage so unsicher mache. Daß bei der Be— schleunigung der Munitionsherstellung den Engländern selbst die Suppe übergelaufen ist, indem der Bergarbeiter ausstand in Südwales uneinbringlichen Zeitverlust ver— ursachte, zieht die„Times“ bei dieser Betrachtung nicht mit heran; sie will ihre dramatische Mußestunde durch sol⸗ chen Trübsinn nicht verkümmern. Es heißt, die Bee lungen Lloyd Georges mit den Bergarbeitern hätten zu einem günstigen Ergebnis geführt, ob aber die Munitions- kliche wirklich schon völlig gelüftet und von dem brenzlichen Geruch der Mißhelligteiten gereinigt ist, so daß Lloyd Ge⸗ orge als ein Retter Vaterlandes gefeiert werden kann, steht noch dahin. 3 Mittlerweile versch ver und Blei. Neueste 1 1 ießen die Russen ihr letztes an Pul— eldungen lassen jedoch erkennen, daß der Mangel an Soldaten sich auf ihrer Seite schwer 5 VV Blatt N Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschästsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen. e 165. Jahrgang bemerkbar macht. Es heißt, daß aus diesem Grunde sogar zur Einberufung des ungedienten Landsturms in Polen ge⸗ schritten worden sei; als ob aus Polen für den Zaren überhaupt noch irgend etwas zu holen sei! Schritt auf Schritt weicht unser Gegner im Osten zu— rück, in Kurland wie in Nordpolen und vor den Toren der Weichselfestungen. Auch der wohlbegreifliche verzweifelte Widerstand der russischen Truppen im Süden ist von den Heeren Mackensens schnell überwunden worden. Mit der von Galizien her bekannten Schnelligkeit und Gründlich keit vereitelt der deutsche Feldherr alle feindlichen Be⸗ mühungen, die natürlich dahin gehen, Zeit für einen geord⸗ neten Rückzug zu gewinnen. Im Norden hat Hindenburg, als er am Narew die russische Vorstellung von Rozan er⸗ stürmen ließ, gleichfalls die Rückzugsmöglichkeiten des Fein⸗ des erschwert. Dort ist offenbar die Stelle, wo die Haupt- bemühungen des Generals v. Gallwitz einsetzen müssen, um die Russen abzuschneiden, die sich der Gefahr wohl bewußt waren und vergeblich alle verfügbaren Kräfte ihrer Brückenkopfstellungen aufgeboten hatten, um das Tor ver- schlossen zu halten. Vor Warschau hat der Feind begonnen, die Stellung Blonie—Grojec zu räumen, und unsere Soldaten werden wohl zur Stunde schon die Türme der Stadt erblicken. Auch vor Iwangorod haben die Russen den Rückzug an⸗ getreten, und General v. Woyhrsch hat bereits die vor⸗ eschobene Brückenkopfstellung südlich der Festung besetzt. Lo der deutschen Heeresleitung die Wahl schwer werden wird, welcher der reichbesetzten Tische zuerst erledigt wer⸗ den solle: Riga, Mitau, Nowogeorgiewsk, Warschau, Iwan⸗ gorod? Wir sind nicht sachverstänbig, um dies zu entschei⸗ den, wir wissen nur, daß es alles seltene und leckere Ge⸗ richte sind. ** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 21. Julj.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 21. Juli 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Der Feind hat sich südlich der von Cholm über Lublin nach Jwangorod führenden Bahn neuerlich gestellt. Trotz seines hartnäckigen Widerstandes gelang es den verbündeten Streitkräften, ihn an mehreren Stel- len zu durchbrechen. Bei Rozana bahnte sich das Korps Arz im Verein mit deutschen Bataillonen den Weg in die feindliche Linie. Südwestlich Biskupice wurden die Russen in der Nacht durch die Deutschen zum Rückzug gezwungen. Zwischen der Bystryca und der Weichsel stieß die Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand auf starken Widerstand. Beiderseits von Bozechow entrissen unsere Truppen in erbittertem Handgemenge sibirischen Regimen— tern ihre zäh verteidigten Stellungen. Bei dieser Armee wurden gestern 30 Offiziere und 6000 Mann als Gefangene eingebracht und neun Maschinengewehre er— beutet. Zwischen der Weichsel und der Pilica wurde die Verfolgung fortgesetzt. Deutsche Landwehr durchbrach nord— östlich Zwolen die Vorstellung des Brückenkopfes von Iwangorod. Um die anschließenden Stellungen wird noch gekämpft. In Ostgalizien entbrannten bei Sokal neuerdings hef— tige Kämpfe. An der Zlota-Lipa und am Dnfestr ist die Lage unverändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Im Görzischen setzten die Italiener auch gestern ihren allgemeinen Angriff fort. Am Rande des Pla⸗ teaus von Doberdo und im Görzer Brückenkopf tobte die Schlacht den ganzen Tag. Abends gelang es dem Feinde, den Monte San Michele östlich Sdraussina zu nehmen. Heute früh eroberte Generalmajor Boog mit bisher zurück gehaltenen Kräften diese Höhe zurück, Südöstlich behaupten sich ünsere Truppen mit größter Zähigkeit. Ein Flanken⸗ angriff von der Ruinenhöhe östlich Jagrado warf schließ— lich die Italiener auch hier zurück. Sie fluteten unter großen Verlusten in die decenden Räume. Da unsere Truppen auch den ganzen Südwestrand des Plateaus fest in Hünden behielten und im Görzer Brückenkopf alle feindlichen Angriffe blutig zurückschlugen, hatte die mit un— 3 Opfern bezahlte Anstrengung wieder kein Er— gebnis. An der übrigen küstenländischen Front herrscht verhältnismäßige Ruhe. An der Kärntner Grenze hat sich nichts Wesentliches ereignet. Oestlich Schluderbach griffen drei feindliche Bataillone den Monte Piano an, sie wurden abgewiesen, fluteten zurück, verloren etwa zwei Drittel ihrer Bestände. Der Stellvertreter des Chefs des Generelstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der russische Bericht. Petersburg, 21. Juli.(Ctr. Frkft.) Amtliche Mitteilung des Generalissimus vom 20. Juli: In der Gegend von Riga⸗Schawle hat das Vorrücken des Feindes den ganzen 19. Juli fortgedauert auf der Front Grün⸗ hof-Zagory⸗Kripy. In der Gegend jenseits des Niemen hatte ein * * WG* „%%% ˙ œ̃—ůÜü Donnerstag, 22. Juli 1015 Bezugsboreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ * jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; sür Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; 2 für den Anzeigenteil: H. 1 feindlicher Teilangriff gegen die Gräben eines Regiments nord⸗ östlich von Suwalki bei der Ortschaft Gluboki, welche Gräben seit dem 14. Juli lebhaft umstritten waren, keinen Erfolg. In der Nacht zum 19. Juli gelang es dem Feind, unterstützt von zahlreichen a Batterien, die Gräben einiger Abteilungen zu besetzen. Wir haben sie gestern wieder genommen. Auf der Narewfront Artillerie⸗ kampf. Am 19. Juli Vorpostengefechte. Am 18. Juli hat die Jestungsartillerie von Nowo⸗Georgiewsk mit Erfolg die Spitzen der feindlichen Kolonnen bombardiert. Zwischen Weichsel 2 und Bug haben im Abschnitt Krylow⸗Sokal die Angriffe des Feindes fortgedauert. In der Gegend von Sokal ging der Feind etwas auf dem rechten Ufer vor. Am Dujestr haben wir nach einem hartnäckigen Kampf im Verlauf des 19. Juli ungefähr 500 Gefangene gemacht und 5 Maschinengewehre erbeutet. 3 9 Petersburg, 21. Juli.(Etr. Frkft.) Am 20. Juli sich⸗ teten unsere Torpedoboote eine türkische Flottille von 59 Segelschiffen auf der Fahrt nach Trapezunt mit Kriegsmaterial 1 für die Armee im Gebiete des Transtschorok. Die Torpedoboote 35 griffen die Flottille an und zerstörten sie. Die Besatzungen wurden gefangen genommen. 7 11 5 5 3 5 Rußland am Ende seiner Reserven. 4 Petersburg, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der 5 „Rietsch“ meldet: Der Ministerrat beschloß, noch im Laufe des Jahres 1915 die im Jahre 1896 geborenen Wehr⸗ 7 pflichtigen, die nach den geltenden Bestimmungen erst im Jahre 1917 zu dienen haben, einzuziehen. Das Blatt tritt in einem Leitartikel dafür ein, daß die Volls⸗ schullehrer auf dem Lande und andere des Lesens kundigen Personen, um den Krieg zu einem wirklichen Volkskriege 1 zu machen, von der Regierung besondere volkstümliche Be⸗ richte über die Sachlage zwecks Weiterverbreitung erhalten, da unter den Analphabeten, die 80 vom Hundert der russi⸗ schen Bevölkerung ausmachen, die wildesten Gerüchte über die Kriegslage verbreitet seien. 5 Berlin, 22. Juli. Eine sehr ernste Schilderung der mili⸗ 2 tärischen Lage Rußlands findet sich laut„Berliner Tageblatt“ in 150 dem amtlichen russischen Militärblatt„Rußkij Invalid“. 2 Energisch werden die Alliierten zu Hilfe gerufen, denn die Haupt⸗ schlacht an der russischen Front, so sagt das Blatt, sei auch die Ent⸗ scheidungsschlacht des Weltkrieges. Die deutsche Strategie habe klar erkannt, daß Rußland der am ernstesten zu nehmende Feind sei, dessen Vernichtung allen anderen vorgehen müsse. Die Operationen 45 an den anderen Fronten würden dann ihre Lösung von selbst 5 5 finden. Die neue Niederlage der Russen in der Bukowina. Berlin, 22. Juli. Zu der neuen Niederlage der Russen in der Bukowina wird dem„Berliner Tageblatt“ aus Czernowitz vom 21. Juli telegraphiert: In Verzweiflung über ihre verlorenen Positionen am Djnestr, machten die Russen⸗viederholt Anstren gungen, um unsere Front im Nordosten der Bukowina zu durch brechen. Einen solchen Durchbruchsversuch unternahmen die Russen in der vergangenen Nacht. Nachdem sie sich unseren Stellungen auf Schußweite genähert hatten, eröffneten die unsrigen ein hef⸗ 1 tiges Geschütz- und Gewehrfeuer. Der Kampf tobte fünf Stunden und endete mit der Zurückwerfung der Rusfen unter den schwersten Verlusten für sie. Die Kanonade ver⸗ stummte erst in den Abendstunden. 8 Aeußerungen der„Times“ London, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der militärische Mitarbeiter der„Times“ schreibt: Er würde keine Sorgen wegen des Ausganges der Kämpfe in Polen haben, wenn die Mu- nitionsversorgung der Russen nicht einen so zweifelhaften Faktor bildete; da sie aber erwieseneymaßen Mangel leiden, ist die Lage höchst unsicher. Die Ereignisse der nächsten Woche bieten großes dramatisches Interesse. Die„Times“ macht darauf aufmerksam, daß die englischen Verluste an den Dardanellen von 42 434 Mann schon größer seien als die Verluste des ganzen Buren⸗ krieges, die 38 156 Mann betragen haben. a * *** Der türkische Bericht. Konstantinopel, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: Bei Ari Burnu ließen wir am 19. Juli eine Mine vor unseren Schützengräben springen, wodurch feindliche Gegenminen vernichtet wurden. Zwei starke Abteilungen, welche der Feind in die Vorpostenkämpfe auf dem linken Flügel 5 hineinwarf, wiesen wir mit schweren Verlusten zurück. Unsere 5 Artillerie zerstreute eine lange Infanteriekolonne, welche der Feind. seinem linken Flügel zur Verstärkung schickte. Unter den Fran⸗* zosen, welche wir am 18. Juli in unseren Schützengräben gefangen⸗ nahmen, befinden sich schwerverwundete Offiziere. In der Nacht zum 20. Juli und am folgenden Tage beschossen unsere Batterien auf dem asiatischen Ufer das Lager und die Landungsbrücken des Feindes bei Tekke Burnu und seine Truppen bei Mortali⸗ man. 4 Im Irak Hüißder unsere Vortruppen in der Nacht zum 18. Juli den fein Moslems ist am 17. Juli desertiert und zu uns geflüchtet. Die Verluste des Feindes in der Schlacht bei Kaba Tulma in am 14. Juli werden auf 2000 Mann geschätzt. Eine unseren 85 Eine türkische Studienreise nach Deutschland. Konstantinopel, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der frühere Chef der Kabinettskanzlei des Sultans, der Dichter und Professor der Westländischen Literaturgeschichte an der türkischen Universität Konstantinopel, Hali Sia Bey, wurde von der tür⸗ kischen Regierung mit einer Studienreise nach Deutsch⸗ Land betraut. Die Reise, welche, wie von unterrichteter türkischer Quelle verlautet, mit politischen Tagesfragen nichts zu tun hat, bezweckt die Erforschung des geistigen, künstlerischen, wissenschaft⸗ lichen, wirtschaftlichen und sozialen Lebens, sowie überhaupt des deutschen Kulturlebens. Bei der Reise sollen die hauptsächlichsten Städte besucht werden. Die Berichte sollen im„Tanin“ erscheinen und sodann in Buchform durch das Unterrichtsministerium ver⸗ öffentlicht werden. Die Not der Italiener in Tripolis. Mailand, 21. Juli.(WTB Nichtamtlich,) Der„Corriere della Sera“ meldet aus Tunis: Die italienische Besatzung von Nalut in Tripolis überschritt die französische Grenze nach De⸗ hibat in Tunesien. Die Streitkräfte der Aufständischen in jener 5 Gegend waren so angewachsen, daß den Italienern kein anderer 5 1 Rückzugsweg übrig blieb. 5 Italienische Profitsucht. 95 Berlin, 22. Juli. Der„Avanti“ enthüllt laut„Ber⸗ liner Tageblatt“ ein betrübliches Bild von den Aus wüch⸗ sen, die der Kriegszustand in Italien hervorgerufen hat. Es⸗sei haarsträubend, wie diese Armee von Soldaten, die doch ihr Blut für das Vaterland opfere, ausgewuchert werde. Ob ein Soldat Briefpapier oder Eßwaren kaufe, ob . er eine Eisenbahnwirtschaft oder ein Restaurant betrete, immer habe er den dreifachen Preis zu zahlen. Den Offi⸗ zieren und Unteroffizieren, die zur Front reisten, würden n Hotelpreise angerechnet, als wenn sie englische Lords seien. 1 Es sei besser, sagt der„Avanti“, wenn die Presse diese schäd⸗ lichen Auswüchse geißele, statt daß sie ihre Spalten mit lächerlichen Anekdoten über die Gebrüder Garibaldi und d' Annunzio fülle. 1 7 7 * 0 * . 8 1 Die Telegraphen verbindung zwischen England und Norwegen unterbrochen. Berlin, 22. Juli. Die Telegraphen verbindung zwischen England und Norwegen ist, wie der„Berliner Liokalanzeiger“ meldet, unterbrochen. Ein norwegischer Kabel⸗ dampfer ist abgesandt, um den Schaden zu untersuchen und aus⸗ * zubessern. 8 Der Bergarbeiterausstand in England. 2 London, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter meldet aus Cardiff: Die Schwierigkeit mit den Arbeitern ist bei⸗ gelegt. Die Forderungen der Arbeiter wurden bis auf einen Punkt bewilligt. f 2 Cardiff, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Reutermeldung. Nach einer weiteren Konferenz mit den Arbeitgebern und Arbeitern wurden gestern die Bedingungen von den Gruben⸗ besitzern schriftlich niedergelegt und den Arbeitern unterbreitet. LDiloyd George bemerkte dabei: Nun werden wir nicht mehr lange zu verhandeln brauchen.— Ein späteres Telegramm besagt, daß, obwohl noch keine amtliche Verlautbarung vorliegt, doch bereits ein Abkommen erreicht sein soll, das erst sechs Monate nach Friedensschluß ablaufen wird. Sondon, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unterhause verlas Premierminister Asquith ein Telegramm von Lloyd Ge⸗ orge und Runciman, in dem diese berichten, daß die Konferenz 13 der Bergleute sich dahin entschieden hat, den Arbeitern zu emp⸗ fehlen, die Arbeit sofort wieder aufzunehmen und zu versuchen, den Zeitverlust wieder einzubringen. In dem Telegramm heißt es weiter, die Beseitigung der Schwierigkeiten wäre leichter durch eein llebereinkommen zu erzielen als durch Zwang. Es ist ein ge⸗ meinsames Vorgehen mit den Bergwerksbesitzern ermöglicht, die 5— zur sofortigen friedlichen Beilegung des Streiks vorbehaltlos Regierung anvertraut haben. Ausstand amerikanischer Munitionsarbeiter. Paris, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Matin“ mel⸗ det aus New Pork: 500 Mechaniker und 100 Maurer der Waffenfabriken Remington traten in den Ausstand. Der N Fabrikbetrieb steht still. 1 Amerika und Deutschland. N London, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Das Bureau Reuter meldet aus Washington: Das Kabinett hat nach zweistündiger Verhandlung Wilsons Entwurf der Note an Deutschland, die in ein bis zwei Tagen nach Berlin abgehen dürfte, zugest immt. Ueber Inhalt der Note wird nichts verlautbart. 5 5 66 0 2** 1 Der geplante schweizerische Einfuhrtrust. 5 Zürich, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Zürcher Post“ bespricht die Organisation des niederländischen Einfuhr⸗ trustes, der nur formell eine nationale Institution sei, und sagt mit Bezug auf den geplanten schweizerischen Einfuhr * N 5 trust: Soll der Einfuhrtrust nicht zu N Schädigungen unserer Ausfuhrindustrie und indirekt infolge der Vergeltungs⸗ maßregeln der Zentralmächte zu einer förmlichen Katastrophe in unserer Volkswirtschaft führen, so müsse er auf einer weit lliberaleren Grundlage aufgebaut werden als die entsprechende hol⸗ lländische Organisation. Ob sich die Vierverbandsmächte zu einer solchen Rücksichtnahme auf unsere Interessen gutwillig verstehen? Ji.äedenfalls leistet man der Schweiz einen schlechten Dienst, wenn man ihr rät, sich einem auf reiner Gewalttätigkeit fußenden wirt⸗ schaftlichen Druck einer Mächtegruppe zu fügen, ohne zu beden⸗ fen, welche Schäden wir durch den Gegendruck von der anderen Seite erleiden können.„ Das griechische Ministerium. 25 Athen, 21. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Agence d' Athenes meldet: Das Entlassungsgesuch, das der Minister des Aeußern Zographos aus Gesundheitsrücksichten ein⸗ gereicht hat, ist genehmigt worden. Ministerpräsident Gu⸗ naris führt vorläufig die Geschäfte.. 5 Serbische Politik. Paris, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korrespondent des„Temps“ in Nisch berichtet über die augenblickliche politische Lage: Das Schicksal habe gewollt, daß Serbien in die Ab⸗ tretung von Gebieten, auf die es Ansprüche hatte, an Italien ein⸗ willigen mußte und daß darauf noch die Fragen wegen des Banats und wegen Mazedonien aufgerollt wurden. Rumänien vergesse augenscheinlich, daß die Gefahr aus dem Norden komme und nur durch den Zusammenschluß Serbiens und Rumäniens gebannt wer⸗ den könne. Der serbische Vormarsch in Albanien habe anscheinend derungen seien in Serbien mit großer Auf amkeit aufge⸗ nommen worden. Die Wiederherstellung des Balkanbundes, von der in der letzten Zeit gesprochen worden sei, habe man in Serbien als notwendig und nützlich erachtet, doch glaubte man, daß es nur ein Mittel zur Verwirklichung gebe, namlich daß alle Balkanstaaten Opfer bringen und gemeinsam gegen das Germanentum kämpfen. Nach dem Kriege werde dann österreichische Offensive angehalten und die Verbindung Deufsch⸗ lands mit der Türkei verhindert. Wenn es nötig werden sollte, — Serbien auch die Offensive gegen Oesterreich wieder auf. nehmen. Französische Hilfsträfte aus Marokko. Lyon, 22. Juli.(WTB. Nichtamtlich.)„Lyon Rs⸗ publicain“ meldet aus Paris: Die Territorialsoldaten der Klasse 1889, die in Marokko stehen, werden nach Frank- reich zurückgebracht. 5„ Der Seekrieg. Flaggenmißbrauch. Berlin, 22. Juli. Die norwegische Handels- und Schiff⸗ fahrtszeitung veröffentlicht der„Vossischen Zeitung“ zufolge eine Liste über den Mißbrauch neutraler Flaggen und Farben, die dem Ministerium des Auswärtigen vorliegt. Für Norwegen kommen danach 11 Fälle in der Zeit vom 5. März bis zum 23. Juni in Betracht. Die Liste umfaßt weitere 7 Fälle des Mißbrauches der amerikanischen Flagge, darunter der„Lusitania“⸗ Fall, 7 Fälle des Mißbrauchs dänischer Farben, 6 Fälle griechi⸗ schen, 6 Fälle holländischen, 6 Fälle schwedischen und 4 Fälle spanischen Flaggenmißbrauches. Aus Stadt und Cand. Gießen, 22. Juli 1915. Theater im Lazarett. Ein schöner gepflegter Garten zieht sich ums Lazarett, mit breiten Wegen, mit bunten Beeten und blühenden Hecken. Der Sommerwind schwenkt in leisem Spiele tausend Zweige und Aeste der alten Bäume. Still und friedlich ist's sonst an dem Ort. Die Amsel läßt sich durch die ruhigen Männer, die im Leinenkittel oder im grauen Rock langsam die glatten Steige gehn oder still in ihren Stühlen liegen, längst nicht mehr stören. Sie singt und pfeift, wies ihr paßt, auf den Weltkrieg. Aber vorgestern wars mal anders. Da war Leben im Garten. Da hatte man mit ein paar Tischen und Stühlen und zwei Rollwänden eine Bühne im Freien angedeutet, und darauf spielte man den Lazarettbewohnern allerhand Unterhaltsames vor, was freiwillige und besser 2 unfreiwillige Mußestunden so dankbar unterbrechen ann. Sonne war im Garten und malte ihre Kringel auf den geschorenen Rasen; und wo die Bäume auseinandertraten und vor allem das Ohr der Sachverständigen die notwendige Alustik ausgemacht hatte, da hatten sich mit und ohne Hilfe die Zuschauer eingefunden. Theater im Lazarett. Da hatte man sie auf Tragbetten hinausgeschafft, denen die Wunden das Gehn noch nicht erlauben wollen. An Krücken und mit Stöcken waren sie gekommen, bei denen die Heilung schon weiter vorangeschritten ist. Den Arm geschient, den Kopf dick umwickelt, den Fuß im Verband, ein Schutz⸗ schild vorm wunden Auge, so saßen und standen und lagen die Jungen und Alten herum, die draußen schon dem Tod wer weiß wie oft ins Auge blickten, und das Herz wurde einem warm, wenn man sah, wie alle Greuel des Kriegs und alles Furchtbare, das sie an sich erfahren, ihnen das Freuen an den bescheidenen Reizen, die ihnen das veränderte Dasein zu bieten vermag, nicht hat erschlagen können. Fast wars anziehender, auf die Zuschauer als auf die Spieler zu sehn. Da lagen welche mit blassen Gesichtern und durchsich⸗ tigen Händen, deren Ohr nach rückwärts zu horchen und deren Auge noch den alles Schreckliche erwartenden Blick zu haben schien, wie's eben die Sinne in dem Brüllen des Kampfes lernten; aber selbst bei ihnen löste sich die Span⸗ nung, die Pulver⸗ und Chloroformgeruch auf die Nerven legte, zu einem wohligen, behaglichen Lächeln, wenn das Niedliche und Zierliche, das die Spieler zu sagen wußten, keck in die Ohren und Gedanken sprang. Wie ein Auf⸗ atmen sah man's bei manchem: Also das gibts auch noch neben Schützengrabeneinerlei und Granatenhölle. Die an⸗ dern, die weiter voran waren in der Heilung, gaben ihrer Freude und ihrer Dankbarkeit einen lauteren Ausdruck; lohnender aber war das stille Lächeln der Schwerverwun⸗ deten. Breit und gemütlich sieht sich der vielbefahrene Landwehrmann den Zauber an; ungezwungen läßt er sein Lachen schallen. Staunend sieht mancher Junge vom Lande zum erstenmal, wie man ihm aus Flitter und Worten eine andere Welt vortäuscht. Und da liegt wahrhaftig einer in seinem Stuhl wie im Logensessel, die Beine übereinander⸗ geschlagen, die Hände in den Taschen, die Zigarette im Munde und betrachtet mit halbgeschlossenen Augen und merklicher Sachkenntnis die Künste der Gäste. Es scheint ihm zu gefallen, denn sein Beifall entbehrt am Schluß aller Blasiertheit. Weiter hinten schimmern im Grünen die hellen Kleider der Pflegerinnen. Ernst und würdig die weißen Mäntel der Aerzte, kichernd drängen sich ein paar Küchenmädchen dazwischen, und auf dem hohen Gitter des Gartens und in den Bodenfenstern der Nachbarhäuser freuen sich die Zaungäste. Laut schallt jedesmal am Schluß der Beifall, wennschon mancher die Hände nicht rühren kann, und gespannt wartet man, so bunt auch das Durcheinander auf dem Rasen ist, mit besten Manieren der Genüsse, die noch geboten werden sollen. Ueber dem ganzen Bild liegt etwas Rührendes, trotz seiner Einfachheit Feierliches. Man fühlt, es handelt sich hier nicht um tändelnde Unterhaltung schlechthin, sondenn unter all den Menschen, die da zu⸗ sammen sind, besteht ein starkes Band der Zusammen⸗ gehörigkeit, das die Feldgrauen draußen irgendwo im Schlachtfeld angeknüpft haben, und das hier Dankbarkeit und Vertrauen weiterspinnen. Und die Geehrten sollen sie, die lieben Kerle im feldgrauen Rock, und erst in zweiter Linie die Spieler sein. 5 Was hier kurz erzählt ist, ging vorgestern im Garten der Chirurgischen Klinik vor sich, und die Freunde unserer Soldaten waren die Mitglieder unserer Freilichtbühne, die drei ihrer von den letzten Sonntagen bekannten allerliebsten Einakter mit der bekannten Frische auch einmal vor denen spielten, die nicht 9e ihnen kommen können. Wie Professor Dr. Bernbeck, dem man die Vermittlung dieser wert⸗ vollen Abwechslung für die Lazarettbewohner zu danken hat, am Schluß mitteilte, wird die Freilichtbühne den Gießener Verwundeten für die 7 noch öfter ihren Be⸗ such machen. Sie erfüllt damit eine lohnende und echt vater⸗ ländische Aufgabe, die man ihr auch in der Bürgerschaft hoch anrechnen wird. 8 5 Jungwehren und kirchliche Pflichten. Das Verordnungsblatt für die evang. Landeskirche des Großh. Hessen bringt in seiner Nr. 11 vom 14. ds. Mts. den Pfarrämtern die Grundsätze zur Kenntnis, die von Großh. Ministerium des Innern in Bezug auf die mili⸗ tärische Vorbereitung der Jugend im Einver⸗ * 4 allgemeinem Interess 0 geben wir sie im Nachstehenden wieder: 1. Der Sonn⸗ und Feiertags⸗Vor mi nicht andere örtliche Vereinbarungen abgeschlossen w grundsätzlich zum Besuch des Gottesdienstes von U. frei zu halten. 2. An den Sonntag⸗Nachmittagen f. Uebungen so festzuseten, daß der Besuch der Christenlehre ermoglicht wird. Von den Seelsorgern ist aber, was die Zeit der Christenlehre betrifft, möglichstes entgegenkommen zu zeigen, so Jugendwehr für ihre Uebungen die entsprechende Zeit zur fügung hat.— Mancherorts wird sie nach dem Hochamt abgehalten werden können, an anderen Orten vielleicht früher als bisher.— Jedenfalls sollten die Leiter und Führer der Jugendwehren mit den Geistlichen sich rechtzeitig in Verbindung setzen. 3. Auf die Be⸗ dürfnisse der evangelischen oder katholischen Jugendvereine ist möglichst Rücksicht zu nehmen; doch asollen auch die Vor⸗ sitzenden— Präsides— derselben der Jugendwehr möglichst ent⸗ gegenkommen und mit diesen bezüglich der Zeit der Vereins- versammlungen sich ins Benehmen setzen. 4. Die Geistlichen wer⸗ den auch gerne bereit sein, die Sache der Jugendwehr, wo immer möglich, durch ihre persönliche Mitarbeit zu unterstützen. 5. Es bleibt im übrigen den örtlichen Führern überlassen, mit den Geistlichen sich hinsichtlich des Besuches besonderer Gottesdienste für Jugendliche durch die Mitglieder der Jugendwehr, sowie wegen Abhaltung von Feldgottesdiensten bei großen Uebungen, wie z. B. vor kurzem in Friedberg, zu vereinbaren. * Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Res. Rich. Hübler, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 206, aus Bauernheim.- Malersgast Otto Dietz auf S. M. S.„Leipzig“ und Pionier Phil. Dietz, Pionier-Rgt. 36, aus Worms.— Res. Chr. Weyel aus Herborn.— Unteroff. Ernst Eich in aus Butzbach.— Landsturm⸗ mann Thomas Jacob, Res.-Inf.-Rgt. 206, aus Darmstadt.— Landwehrm. W. Bröker, Landw.-Inf.⸗Rgt. 83, aus Ockers⸗ hausen.— Ers.-Res. Jak. Rinker, Ins.-Rgt. 118, aus Leun.— Gefr. Adam Zengel, Pionier⸗Rgt. 36, aus Offenbach a. M.— Jäger Heinr. Lang, 18. Res.-⸗Jägerbat. aus Offenbach a. M.— Landwehrm. Georg Schick, Landw.⸗Rgt. 116, aus Darmstadt. — Musk. Andreas Ochs, Res.-Inf.-Rgt. 223, aus Willofs.— Kriegssreiw. Karl Heinr. Schütz, Inf.-Rgt. 167, aus Schlitz. * Ritter des Eisernen Kreuzes: Vizeseldw. P. Hafer aus Ellershausen. Gefr. Wilh. Beckert aus Griedelbach, Pion.-Bat. 21. Oberstabsarzt Dr. Suffert aus Hungen, zurzeit Chefarzt der 9 3 Dillenburg. Vizewachtmeister Georg Sauerbier aus Butzbach, Feldart⸗Regt. 1. uffz. Ludwig Römer aus Wallenrod, Garde-Feldart. Regt. 6. Sanitäts⸗Uffz. Louis Werner aus Friedberg. Uffz. Ernst Spahn aus Freien⸗ steinau, Feldart.⸗Regt. 61. L. U. Gießener Studenten im Felde. Man schreibt uns: Das e der im Heere stehenden Studierenden der Universität Gießen liegt in Korrektur an folgenden Stellen auf: Im Sekre⸗ tariat der Universität, bei Herrn Holler im Kollegienhause, in der chirurgischen Klinik, in der Geschäftsstelle des Roten . in der alten Klinik. Angehörige und der Studierenden werden gebeten, die Korrektur dur ch⸗ zusehen und eventuelle Nachträge und Verbesserungen bis zum Samstag, den 24. Juli anzubringen, da das Ver⸗ zeichnis vor Schluß des Semesters gedruckt werden soll. * Auszeichnung. Dem Oberarzt der Res. im Pionier⸗ Regiment Nr. 20, Dr. Kockerbeck aus Gießen, wurde das Hessische Sanitätskreuz am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Dr. Kockerbeck ist bereits Inhaber des Eisernen Kreuzes. 151 fie 1 Garni 3 den in den esigen Verwundetenkompagnien ein gsteil⸗ nehmern Gelegenheit zu guter Lektilee z geln, der hiesige Kriegerverein auf Anregung des Roten 8 beschlossen,— Bibliothek den Verwundeten 92 5 f. lich zu machen in der Art, daß die Bibl! im 1 datenheim aufgestellt werden soll. Die g der Bücher kann nur im Soldatenheim erfolgen, jedoch sind Aus⸗ nahmen zulässig, wenn die unbeschä Rücklieferung der Bücher sichergestellt erscheint. Auf diese Weise werden die wertvollen Bücher der Bibliothek nicht nur den Angehörigen der Verwundetenkompagnien, sondern den Verwun⸗ deten, die sich in hiesigen Lazaretten befi„sowie allen Besuchern des Soldatenheims, zu, 2 sein, und dieses wird einen neuen Anziehungspunkt erhalten. Um auch den N der eee für die Zeit, wäh⸗ rend welcher sie die Kaserne nicht 1 können aber dienstfrei sind, Lesestoff zur Verfügung zu stellen, ist bereits eine kleine Bibliothek freiwillige Zuwendungen ein⸗ gerichtet worden. Der hiesige i in vom Roten Kreuz will diesen Bücherbestand durch Zuweisung einer Anzahl von Bänden volkstümlicher Schriften ver a 8 i Akademischer Hriegs vortrag. Am 20. Juli 0 1 sprach Herr Professor Dr. W. Sievers über die Inter⸗ Afen Deutschlands im Großen Ozean. fiihrte aus, vom Altertum her über das 2 dart Neuzeit die Kämpfe der Völker letzten Endes nicht die Herrschaft über das Land, sondern über die Meere bezweckt hätten. Im Altertum war das Mittelmeer der Zankapfel und Griechen im Osten, Römern und Karthagern im ö rend des Mittelalters teilten sich die Herrschaft über das Mittel⸗ meer die Byzantiner, die Normannen und die italienischen See⸗ städte, im Norden aber entwickelte sich in der Ostsee ein neues Kampfgebiet zwischen der Hansa, Dänemark und Schweden. Eine vollständige Veränderung trat um 1500 durch die Einbeziehung des Atlantischen Ozeans in Handel, Verkehr und Schi ein. Portugiesen und Spanier beherrschten ihn zunächst, später aber Holländer, Franzosen und Engländer. Aehnlich ging es im In⸗ schen Ozean her. Während des 7 jährigen eges es England, seine Herrsche über beide Merre 178 a womit die englische Weltherrschaft begann. Der Große Ozean, obwohl schon 1513 entdeckt, blieb Jahrhunderte 277 eine weite Wasserwüste, auf der kaum ein europäisches Schiff fuhr. Zu wirklichem Verkehr kam es erst im 19. Jahrhundert nach der Fest⸗ setzung Englands in Australien und Hongkong, aber eine Be⸗ deutung für die Weltpolitik hat der Große Ozean erst Ende des 19. Jahrhunderts durch die üer Kolonien erhalten, deren Folge die Aufteilung der dmassen in ihm und an ihm unter England, Frankreich, die Vereinigten Staaten und Japan war, zu denen Rußland, China und die ro⸗ manischen Staaten Mittel⸗ und Südamerikas als Uferstaaten kommen. Der Vortragende erörterte das Kräfteverhältnis dieser Staaten. Ex betonte, daß in dem gegenwärtigen die Grundlagen für die künftige Kolonialpolitik an den Gestaden des wichtigsten Weltmeers der Erde, des Großen Ozeans, gelegt werden würden, und sprach den dringenden ber 0e aus, daß das deutsche Volk in diesem wichtigsten Zeitpunkt der Geschichte seit 200 Jahren, nämlich bei dem beginnenden Zusammenbruch der britischen Welt⸗ und Seeherrschaft, gerüstet und vorbereitet sein möge, sich seinen Platz bei der Neuordnung der politischen Verhältnisse am Rande des Meeres der Zukunft rechtzeitig und ausgiebig zu sichern. * Anton Bimbächers, Spenglermeisters und Borjers dahier, Meinungen und Taten sind vor lan Jahren— 1845— von Gustav Asmus und Dr. Krönlein, um Mittelpunkt einer köstlichen Posse gemacht worden, er man ihrer mannigfachen Vorzüge wegen Ehren⸗ namen Lustspiel schenken möchte. Die Freilichtbühne jeder seinen Anteil an der Beute erhalten. Die Vorwürfe, daß Serbien untätig bleibe, seien unbegründet. Serbien habe die * ständnis mit Großh. Oberkonsistorium aufgestellt und den Kreisämtern mitgeteilt worden sind. Da es von hat, wie schon vor einigen Tagen kurz erwähnt wurde das in Vergessenheit geratene, urwüchsige Dialektstück he vorgesucht und wird es am kommenden . 5 7 mehreren Monaten wurden vom Landesverein für zwei im Osten stehende Reservedivisionen je 2 Kranken- kraftwagen neuester Bauart ins Feld geschickt, die nach 1 Mitteilungen der zuständigen Kommando⸗ stellen große Dienste leisten. * Hess. Schutzverein für strafentlassene Ge— fsangene. Unter dem Vorsitz des Generalstaatsanwalts Ge— heimerat Dr. Preetor ius fand gestern nachmittag im Justiz⸗ gebäude zu Darmstadt die diesjährige ordentliche Mitglieder⸗ versammlung des Schutzvereins für entlassene Straf⸗ gefangene statt, zu der die Vertrauensmänner und Mitglieder zahlreich erschienen waren. Der Vorsitzende gab einen inter⸗ essanten Rückblick über das abgelaufene Vereinsjahr. Durch den kaiserlichen Amnestieerlaß wurde die Zahl der Strafgefangenen von 470 auf 317 verringert. Durch besondere Begnadigungen at sich diese Zahl noch verringert, und auch die Bestrafungen ind erfreulich zurückgegangen. Bei der Mobilmachung wurden der Direktor des Landeszuchthauses Marienschloß und 28 Haus⸗ beamte einberufen. Von Vorstandsmitgliedern stehen die Herren Direktor Stumpf und Bürgermeister Dr. Müller zurzeit im Felde. Der größte Teil der Unterstützungen an Strafentlassene wurde in Geld gegeben. Die von dem Hess. Schutzverein geführte Sta⸗ tistik über die Führung entlassener Pfleglinge mußte wegen Ueber⸗ lastung der Ueberwachungsbehörden in diesem Jahre ausfallen. Bei der Vorstandswahl wurden einstimmig wiedergewählt: Provinzial⸗Direktor Geheimer Rat Best-Mainz, Provinzial⸗ Direktor Fey-Darmstadt, Geh. Reg.⸗Rat Dr. Kayser⸗Worms, Ober⸗ landesgerichtsrat Lang-Darmstadt, Geh. Oberkonsistorialrat D. Pe⸗ tersen-Darmstadt, Domdekan Dr. Selbst⸗Mainz, Landgerichts präsi⸗ dent Thevbald⸗Darmstadt und Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Usinger⸗Gießen. Der Voranschlag für 1916 wurde mit 12 950 Mk. in Einnahme und 11550 Mk. in Ausgabe fest⸗ gesetzt. Die Unterstükungen an entlassene Strafgefangene wurden mit 8500 Mk. für 1916 bestimmt.(Darmst. Ztg.) * Denkmalsweihe in Wloclawek. Ein in Gießen tätig gewesener Eisenbahner, der augenblicklich im Osten Dienst tut, sendet uns eine kurze Schilderung von den Einweihungsfeierlichkeiten des deutschen Krieger⸗ denkmals auf dem Friedhof in Wloclawek, auf dem gar viele brave Soldaten von der Armee Mackensen nach deren erstem ruhmreichen Sieg in Polen zur letzten Ruhe ge⸗ bettet 1 Denkmalsfeier begann am 18. Juli um 11.30 Uhr vormittags. Nach mehreren Kirchenliedern und einer Ansprache des Geistlichen fiel die Hülle. Der Etappen⸗ kommandant wies auf den Sinn des nksteins hin und stellte seine beiden Schöpfer vor, zwei Elsässer aus der 3. Komp. Landsturmbat. Dietenhofen. Sie wurden mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet.— Der Briefschreiber hat gleichzeitig die letzte Nummer der„Feldzeitung“, vom 18. Juli, der deutschen Kriegszeitung in Polen, beigefügt. Das Blatt, das ähnlich wie die Liller Kriegszeitung im Felde redigiert, ge t und versandt wird, enthält drei ausgezeichnete Ansichten des neuen Denkmals und eine ausführliche Schilderung desselben, aus der wir hier einiges folgen lassen: „In zehnwöchiger, unermüdlich fleißiger und treuer Arbeit ist der Denkmalsbau von 21 Landsturmleuten, Bauhandwerkern von Beruf, vollendet worden und vor unsexen Augen das schönste und roßartigste Kriegerdenkmal hier im Osten entstanden. Klassisch chön und edel in seiner Gliederung, echt deutsch, kraftvoll, ja wuch⸗ tig durch seine Masse, wirkt es bei seiner ansehnlichen Höhe von 8,40 Mtr. auf jeden Beschauer gewaltig als Verkörperung deutscher Volkskraft und deutscher Volkskunst. Auf kollossalem, stufenförmigem Unterbau aus Granitblöcken verschiedenster Färbung, steht, durch vier Säulen mit kunstvollen Füßen und Kapitälen edel gegliedert, durch eine wuchtige, stufenförmige Ueberdachung wundervoll ge⸗ eint, fest und unerschütterlich wie des Deutschen Reiches Bau, der Ruhmestempel vom deutschen Aar gekrönt, der seine Fittiche aus⸗ spannt zu weiterem Siegesfluge. Tas Innere des Tempels birgt unter leichtgewölbter, lieblich ausgemalter Kuppel das Glanzstück des Denkmals, den über 2 Meter hohen Roland. An Ort und Stelle entstand er unter des Künstlers Hand aus sächsischem Sand- stein. Sinnend und forschend, seiner Kraft und seines Wertes sich bewußt, schaut der Roland ernst und streng, gestützt auf sein breites Schwert und seinen mit dem deutschen Reichsadler gezierten Schild über die Heldengräber zu seinen Füßen hinweg ins eroberte Feindes⸗ land hinein. Seine Lippen scheinen zu sprechen:„Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ ö Der Briefschreiber erklärt sich schließlich noch bereit, Angehörigen gefallener Krieger Auskunft über die Lage der Gräber bis in den Bezirk Lowitsch hinein zu geben, soweit es in seinen Kräften steht. Seine Adresse ist: Eisenbahn⸗ gehilfe Wilhelm Luh, Alexandrowo. * Nochmals die Obstankäufer. Man schreibt uns zu diesem Thema noch: Gegenwärtig werden die Land— wirte im Taunus- und Maingebiete förmlich von Händ⸗ lern und Spekulanten bestürmt, die noch an den Bäumen hängende Kernobsternte schon jetzt zu ver⸗ kaufen. Erfreulicherweise weisen viele Obstbaumbesitzer diesen Leuten in ungeschminkter Weise die Tür. Aber immer— hin haben die Aufkäufer hier und da doch Glück. Unter den Spekulanten sollen sich glaubwürdigen Versicherungen zu⸗ folge Leute befinden, die in ihrem Leben nie zuvor auch nur einen einzigen Apfel gekauft haben, jetzt aber ledig— lich der Geldgier wegen diese Pfade ziehen. * In der städtischen Schulküche in der Neu⸗ stadt fand am Dienstag zum zweiten Male unter Leitu der städtischen Haushaltungslehrerinnen Frl. Anthes un Frl. Fehr ein Fischschaukochen statt, das sich einer lebhaften Teilnahme erfreute. Besonderes Interesse wurde dem Kochen im Kochbeutel entgegengebracht. Auch das Fisch— schaukochen am Montag in der Aliceschule war sehr stark besucht. 4 1 0 nach dem Ausland müssen offen sein. Die Bestimmung der in den Schalterfluren der Post— anstalten aushängenden Bekanntmachung, wonach im Ver- kehr mit dem Auslande nuroffene Briefsendungen zur Postbeförderung angenommen werden, wird von den Ab⸗ . 33 häufig nicht berücksichtigt. Die Bestimmung ist noch voll in Kraft. Wenn solche geliefert werden, müssen sie den Absendern zurückgegeben ndungen verschlossen auf— oder wenn diese nicht bekannt sind, nach den Vorschriften für anbetelbere Sendungen behandelt werden. Es liegt daher im eigenen Vorteil der Absender, solche Sendungen nur 1 75 aufzuliefern. * Pferdeversteigerung. Freitag, den 23. Juli, vormittags 10 Uhr, kommen in dem Hose der alten Train⸗ kaserne ca. 12 ausrangierte Militärpferde sowie 7 Zug- esel zur Versteigerung. Zu der Pserdeversteigerung werden nur bessische Landwirte zugelassen. Die Versteigerung der Zugesel dagegen ist allgemein freigegeben. Die Steigerer müssen sich ver⸗— pflichten, die Tiere nur in ihrem Betriebe zu verwenden und sie während des Krieges nicht zu verkausen. Die Versteigerung er- folgt nur gegen Barzahlung. Landkreis Gießen. * Rabertshausen, 20. Juli. Kaum ist die drohende Futternot durch den letzten durchdringenden Landregen gemäßigt, so tritt schon wieder in hiesiger Gegend eine neue Schädigung auf. Es ist eine dunkle Raupe, die an den jungen Dickwurzpflanzen die Blattherzen ausfrißt, so daß viele davon eingehen. Trotz eifri⸗ gem und wiederholtem Nachsetzen will es den Landwirten nicht gelingen, Herr über den Schädling zu werden. Selbst fleißiges Ab⸗ lesen nützt nicht viel, da die Raupe in zu großen Massen auftritt. Von der Rabenau, 21. Juli. Die Bienenzüchter rechnen alle Jahrzehnt auf ein reiches Bienenjahr. Ein solches ist das diesjährige. Aller Gläservorrat der Imker reichte nicht aus, den Honigsegen zu fassen. Man mußte nach steinernen Töpfen, ja zu Eimern greisen. Kreis Alsfeld.. §Ruppertenrod, 21. Juli. Der Musketier Otto Weber von hier ist im Lazarett in Stryj an einer Verwundung ge⸗ sto x b en.— Dem Trainsoldaten Johann Geeb von hier wurde die Hessische Tapserkeitsmedaille verliehen. c Elpenrod, 21. Juli. Einen solch reichen Himbeer segen haben unsere Waldungen seit langem nicht gehabt wie in diesem Sommer. Das hatte niemand erwartet, da der erste Beeren ansatz vertrocknete. Nach den ersten Niederschlägen quollen die Beeren nur so hervor. Die Himbeersträuche sehen geradezu rot aus vor lauter Früchten. Ganze Eimer voll werden aus den Wäldern geholt. Jung und alt, arm und reich beteiligt sich am Beerenpflücken. Das Kriegsbrot braucht nicht trocken gegessen zu werden. Kreis Lauterbach. ri. Landenhausen, 21. Juli. Durch die schon viel beob- achtete Unsitte, beim Weiden des Viehes aus Bequemlichkeit sich den Strick um zubinden, mußte gestern nachmittag ein neunjähriger Junge sein Leben einbüßen. Er hütete etwa 10 Mi- nuten vom Orte entfernt eine Kuh und band sich dabei das An- bindeseil um den Oberkörper. Plötzlich wurde das Tier scheu und rannte dem Dorfe zu, den Jungen hinter sich herschleisend, der sich den Strick nicht mehr rechtzeitig losbinden konnte. Erst mitten im Ort konnte das Tier aufgehalten werden, nachdem es den Jungen etwa einen Kilometer weit über die rauhe Chaussee nachgeschleift hatte. An seinen Wunden starb dieser noch vor Eintreffen des Arztes. Starkenburg und Rheinhessen. [ Mainz, 20. Juli. Unter Beteiligung der nam⸗ haftesten Getreidetaffee⸗Fabrilen Deutschlands wurde gestern in Köln der„Verband deutscher Getreidekaffee⸗ n gegründet. Der Verband bezweckt die ahrung und Vertretung gemeinsamer Interessen der an der Malzkaffee-Fabrikation und Getreiderösterei beteilig- ten Firmen im Deutschen Reiche. Zum Sitz wurde Mainz bestimmt und zum Vorsitzenden Herr Kommerzienrat Aug. Feine⸗Mainz gewählt. Kreis Wetzlar. F. Lützellinden, 20. Juli. Die hier im Laufe der letzten Woche gesammelte Spende„Vaterlands Dank“ zum Besten der Hinterbliebenen der im Felde Gesallenen hatte ein recht erfreuliches Ergebnis. Neben einer größeren Anzahl von Silber- ringen, die in früherer Zeit nur bei besonders sestlichen Gelegen- heiten getragen wurden, wurden in bar 467,50 Mk. gegeben, ein Beweis für die Dankbarkeit der Bewohner unseres Ortes. Aßlar, 21. Juli. Gestern nachmittag wurde hierselbst unter reger Beteiligung seiner Kollegen Lehrer a. D. Ludwig Ulmer zu Grabe getragen. Der Verstorbene war 38 Jahre, von 1873 bis 1911, Lehrer in Niederbiel. Er ist in dieser langen Zeit nicht nur ein äußerst gewissenhafter und fleißiger Lehrer ge⸗ wesen, sondern war allen Gemeindegliedern ein treuer Freund und Berater, dessen Hilse von niemand vergebens nachgesucht wurde. 2 Hohensolms, 21. Juli. Hier wurden zwei Hirsche in den Fürstlichen Waldungen zur Strecke gebracht. Das männliche Rotwild, ein Zehnender, wog ausgenommen 170 Pfund, die Hirschkuh 183 Pfund. Hessen⸗Nassau. r. Frankfurt a. M., 21. Juli. Der Direktor des hiesigen Kaiserlichen Archäologischen Instituts, Professor W. Eduard Barthel, ist im Alter von 34 Jahren auf dem Schlachtfelde gefallen. In Barthel, der erst seit vorigem Herbst an der Spitze der Anstalt stand, verliert die archäologische Wissenschast einen ihrer besähigsten Köpse, die Altertumssorschung in Westdeutschland aber einen ihrer warmherzigsten Förderer und Berater. h. Frankfurt a. M., 21. Juli. Für Maßnahmen zur Unterstützung notleidender Künstler sordert der Magistrat von der Stadtverordnetenversammlung die Bewilligung von 40000 Mark. Aus diesem Gelde sollen neben dem Ankauf von Kunstwerken, die sich in Händen der Künstler befinden, auch Wettbewerbe veranstaltet werden, durch die den Leuten Gelegen- heit zur künstlerischen Betätigung geboten wird. h. Frankfurt a. M, 21. Juli. Durch die Einführung von Milchhöchstpreisen für den hiesigen Kleinverkauf macht sich Milch⸗ knappheit bemerkbar. den Bäckereien klagt man über man⸗ gelnde Milchzufuhr, Viele Händler schränken ihren Milchverkauf nur auf die unumgänglich nötigste Menge ein, weil die Landwirte ihnen die Milch nur zu einem erheblich höheren Preise als sonst liefern. Den Milchhändlern bleibt infolge der Höchstpreise nur ein Verdienst von etwa 1—2 Pfennige fürs Liter übrig, eine Summe, die eutschieden zu gering ist. Vielfach halten auch die Landwirte die Milch zur Verarbeitung zu Käse und Butter zurück.— Auf dem Kurfürstenplatz warf heute nachmittag ein wild gewor⸗ denes Pferd einen Artilleristen ab; dieser schlug mit dem Kopfe auf das Pflaster und mußte in hoffnungslosem Zustande dem Elisabethenkrankenhause zugeführt werden.— Beim Waschen wurde ein 21jähriges Dienstmädchen von der plötzlich hervorbrechenden Herdflamme erfaßt. Die Kleider des Mädchens gerieten in Brand; trotz rascher Hilfe erlag die Unglückliche nach kurzer Zeit ihren Verletzungen.. 8 h. Frankfurt a. M., 20. Juli. Von auswärtigen Agenten wird augenblicklich versucht, hiesigen Bäckern zum Brotbacken„Mehl“ mit dem Bemerken anzubieten, daß von diesem Mehl hergestelltes Brot zum Verkauf ohne Brotmarken freigegeben sei. Da es sich hier um ein Mehl⸗ ersatzmittel handelt, warnt die Polizei vor dem Ge⸗ brauch desselben, falls sich das Mittel nicht in einwand⸗ freiem Zustande befindet und die Bäcker dessen Verwendung nicht zur Kenntnis der Käufer bringen. h. Königstein, 20. Juli. Die hiesigen Milchhändler mußten, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe, auf Ver- anlassung der Stadtverwaltung den Milchpreis von 28 Pfg. auf 26 Pfennig das Liter herabsetzen. ———— Vvermischtes. »»Berlin, 21. Juli. Das„Berliner Tageblatt“ meldet aus Rantau zu dem Badeunglück, bei dem sechs Schulmädchen in der Ostsee ertranken, solgende Einzelheiten: Am Montag spielten 26 Mädchen unter Aufficht einer Lehrerin an einer seit Jahren zum Baden benutzten Stelle, wo sich vermutlich in der letzten Zeit eine tiese Stelle gebildet hatte, denn plötzlich ver⸗ schwanden mehrere Mädchen im Wasser. Die Lehrerin stürzte so sort ins Wasser und brachte fünf Kinder in Sicherheit. Als ihre Krast versagte, zogen zwei Gumbinner Gymnastasten, die Brüder Paslack, die sast bewußtlose Lehrerin aus dem Wasser und R rettelen noch eine Anzahl Kinder. Vier davon konnten ins 1 zurückgerufen werden, sechs jedoch, sämtlich aus Königsberg, ind tot. Ein französisches Kriegsgefangenenbrot, Das von der sranzösischen Regierung unseren Gefangenen gelieferte Brot scheint hinsichtlich seiner Frische zu wünschen übrig gelassen haben; jedensalls tritt jetzt Professor Fleurant von der Pariser Hochschule für Kunst und Handwerk an die französische Akademie drr Wissenschasten mit der Anregung heran, die Gefangenenlager mit einer Art Dauerbrot zu versorgen. Nach seinem Vorschlage soll der dazu nötige Teig in Würselsorm zur Gärung gebracht werden; zu beachten ist dabei, daß die Oberfläche möglichst frei on Unebenheiten sein und das Brot weniger als ein Kilogramm chwer sein muß. Es wird ein wenig länger als gewöhnlich ge⸗ backen, dann in zwei Papiere eingepackt, deren Liegefalten über- einandergreisen, verschnürt und dann noch einmal in den Osen geschoben, um dort 15 bis 20 Minuten einer Temperatur von 120 bis 130 Grad ausgesetzt zu werden. Sind die so behandelten Brote herausgenommen, erkaltet und zum Versand fertig gemacht, so sollen die auf diese Weise hergestellten Brote sich nach Professor Fleurants Versuchen bei feuchter Lagerung selbst einen Monat lang srisch erhalten. Handel. O Selters- Sprudel Augusta Victoria zu Selters a. d. Lahn. Die Gesellschast hielt am 13. d. Mts. in Darmstadt ihre Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 1914/15 ab. Aus dem Geschäftsbericht ist zu entnehmen, daß der Absatz der Produkte unter den Einwirkungen des Krieges gelitten hat. Nach ordnungsmäßigen Abschreibungen in Höhe von Mk. 19 033,69 verbleibt ein Rengewinn von Mk. 37 188,51(40 871,28), so daß zuzüglich Mk. 3 725,02 Vortrag insgesamt Mk. 40 913,53 zur Ver fügung standen. Die Versammlung beschloß eine Dividenden- verteilung von 5 Prozent(wie im Vorfahre). f Märkte. g FC. Wiesbaden. Viehhof-⸗ Marktbericht vom 21. Jult. Auftrieb: 142 Rinder(darunter 20 Ochsen, 15 Bullen, 107 Kühe), 264 Kälber, 39 Schafe, 220 Schweine. Bei langsamem Handel und gleichen Preisen wie am 19. ds. Mts., wurde der Auftrieb bald geräumt. (In einem Teil der Auflage wiederholt.) 85 je. Frankfurt a. M. Schweinemarktberischt vom 21. Juli Ausgetrieben waren 456 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 117.50— 122.00 Mk., Schlachtgewicht 145.00— 148.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 113.50 117.50 Mk., Schlachtgewicht 135.00— 140.00 Mk.; vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 117.00 122.00 Mk., e 460 2e Bebendgeroegt 110 30.42.00 e. Schlachgewi is kg Lebendgew 122.0 1 ewi 144.00— 148.00 Mk. Geschäft ziemlich rege. se. Frankfurt a. M., 21. Juli. Frucht markt. Gerste 3— 3 Mais 62—63 Mk., Kleie 5152 Mk., Kokoskuchen Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatseier am 24. Juli 19188: eitag abend 8.00 Uhr. amstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 9.15 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. Amtlicher Wetterbericht. Deffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die nordwestliche Depression bat ihren Einfluß heute wieder in südöstlicher Richtung nach dem Kontinent zu ausgedehnt. Win werden deshalb morgen mit zunehmender Bewölkung ohne erheb- liche Niederschläge zu rechnen haben. in Hessen am Freitag, den 23. Juli 1915: Ziemlich bedeckt, meist trocken, südwestliche Winde. — — Letzte Nachrichten. Die Schlacht in Polen. 5 Wien, 22. Juli. Aus dem Kriegspressequartier wird ge⸗ meldet: Die Schlacht in Polen dauert fort. Sie ist zwar zur Ve- duohnahöchlacgz, geworden, aber noch immer gilt es, Widerstände zu brechen. Die starken russischen Nachhuten, die den Rückzug decken, stellen sich in jeder Geländefalte. Sie können die vor⸗ rückenden Truppen natürlich nicht an der ununterbrochenen ener⸗ gischen Fortsetzung der Verfolgung hindern, zwingen diese jedoch zu einer Aktion, die zäh und schrittweise vorgetragen werden muß. Mit großer Begeisterung gehen unsere Truppen vor und immer mehr bedrängt ihr Ansturm die russischen Befestigungen. Von ßer Bedeutung ist das Vorrücken der westlich der Weichsel sehenden Kräfte, die den Widerstand an der Ilzanka gebrochen haben und über den Fluß vorgedrungen sind. Damit gelang es diesen, zur Eisenbahnlinie Lublin⸗Jwangorod vor⸗ zustoßen. Auch östlich der Weichsel wurde Boden gewonnen und es 2 jetzt um jene Punkte der Kampf, bei denen sich im Augußt s Vorjahres bei Krasnik die unter dem Befehl des Generals Dankl stehende Armee siegreich gegen die 12 Divisionen der da⸗ maligen vierten russischen Armee stellte. Die englische Seeherrschaft. Amsterdam, 22. Juli. Der„Telegraaf“ meldet aus Gent, daß in Zeebrügge deutsche Untersee⸗ boote seien. Er fragt, wie dies trotz der englischen Seeherrschaft möglich sei. Neue italienische Einberufungen. Wien, 22. Juli. In Erwartung, daß, nachdem die Russen aus ihren Stellungen verdrängt, auch starke deutsche Heeresteile gegen Italien auftreten könnten, sowie auf Grund der Nach⸗ richten aus Tripolitanien, die die Entsendung neuer Truppen dorthin ratsam erscheinen lassen, hat der König von Italien, wie die„Reichspost“ meldet, die Einberufung aller Jahresklassen des zweiten und dritten Aufge⸗ bots verfügt. Der Einberufungstermin ist der 5. August. Die Rückgabe von Tsingtau an China. Der„Ostasiatische Lloyd“ läßt sich aus Peking melden:„Aus japanischer Quelle perlautet, daß der japanische Gesandte Hio kt und der chinesische Minister des Auswärtigen Lu Chenghfrang jetzt die Rückgabe von Tsingtau an China besprechen. Hierzu be⸗ merkt das Blatt:„Japan verlangt danach als Gegenleistung die Oeffnung der Bucht von Kiautschou als Handelshafen, die Er⸗ richtung einer japanischen Niederlassung in einer don ihm anzu⸗ gebenden Gegend sowie eine besondere internationale Niederlassung und außerdem ein besonderes Uebereinkommen mit China in bezug auf die Verfügung über die öffentlichen Gebäude und das Eigentum der— 5 2—— 5 1 Anschließer ieran werden verschiedene Pressestimmen zur Er⸗ ledigung der japanisch-chinesischen Verhandlungen aus den halb- amtlichen„Japan Times“ abgedruckt, die Interesse verdienen. Natürlich sind nur japanfreundliche Aeußerungen aufgenommen. Die„Times“ preisen die Bescheidenheit Japans, das sich das Ver⸗ trauen des Auslandes gewonnen habe. Es heißt weiter:„daß die in 9— geforderten Eisenbahngerechtsame nicht nur eng⸗ lische Interessen, sondern sogar englische Rechte verletzt hätten. Diese Forderungen hätten sich nicht mit den Zusagen Japans bei Beginn der Verhandlungen vereinen lassen und hätten fuͤr die Zukunft sehr ährlich werden müssen, wenn Japan nicht darauf verzichtet Der„Ostasiatische Lloyd“ ätte.“ schreibt:„Es findet sich ferner auch ö völlig neue und sehr auffällige Bemerkung, daß es jetzt ein Geheimnis sei, daß England Weihaiwei an China zurückgeben würde. Wenn das richtig ist, dann scheint aller⸗ 1 England Japan ungeheure Zugeständnisse gemacht zu haben. —— aber erst noch eine Bestätigung von anderer Seide i— zu en.“ 5 5 g Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Sicherstellung des Haferbedarfs für die Heeres verwaltung hier: Ablieferung des noch im Kreise vorhandenen überschüssigen Hafervorrats an die Proviantämter. An den Oberbürgermeister der Stadt Gießen und an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Durch Ausschreiben der Zentralstelle zur Beschaffung der Heeresverpflegung vom 10. Juli l. Is. wird dem Kommunal⸗ verband aufgegeben, sämtlichen im Kreise noch vor- handenen überschüssigen Hafer(Futter⸗ und Saathafer, auch Mengkorn aus Hafer und Gerste) genau festzustellen und an das nächste Proviant⸗ amt abzuliefern. Diese neuerliche Anordnung stützt sich auf die Erfahrung der eingangs erwähnten Behörde, wonach sich Betr.: Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, sowie für die trostreichen Worte des Herrn Dekan Gussmann am Grabe unseres lieben Verstorbenen sagen wir allen unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Elisabeth Kraft geb. Vogel Wwò. und Pflegekind Familie Kraft Familie Vogel. Staufenberg, den 22. Juli 1915. in verschiedenen Kreisen gezeigt hat, daß einzelne Pferdebesitzer sich offenbar mit ihrem Futterhafer noch über das gesetzlich vor⸗ geschriebene Maß hinaus eingeschränkt haben und daß nicht——— zur Frühjahrsbestellung angekaufter Hafer für Saatzwecke Ver⸗ wendung gefunden hat. Hiernach sind noch beträchtliche Mengen an Hafer verfügbar. Diese müssen, um die weiteren dringenden Anforderungen der Heeresverwaltung zu befrie⸗ digen, im Interesse der Landesverteidigung unbedingt für die Zwecke der Heeres verwaltung gesichert werden. Wir werden Ihnen deshalb in Kürze erneut ein Formular für einen Verteilungsplan zugehen lassen, in den alle in der Gemeinde, über die bis jetzt schon sichergestellten Hafermengen hinaus, noch vorhandenen Vorräte an Futter- und Saathafer, sowie auch an Mengkorn aus Hafer und Gerste, bis zumkleinsten Quantum, getrennt nach den obenbezeichneten Arten, aufzu⸗ nehmen sind. Von der Aufnahme in den Verteilungsplan sind aus zu⸗ nehmen, die bis zum 1. September l. Js., nicht bis 15. Aug. l. Is, für Pferde gesetzlich zulässigen Futter, mengen. Sollten nach Ablieferung der im Kreise sonach vollständig abgerufenen Hafermengen, mit Beginn der Verwendung neuen Ernteerträge, sich noch zurückgehaltene alte Vorräte auffinden lassen, so— unnachfichtlich gegen die betreffenden personen vorgegangei werden Weigert sich jemand, seinen beschlagnahmten Restvorrat ab⸗ zuliefern, so erwarten wir Ihren sofortigen Bericht. Wir werden hierauf die Enteignung, mit den allseitig bekannten Folgen, vornehmen. Die Großh. Bürgermeister werden für die sofortige und genaue Durchführung der vorstehend getroffenen Anordnungen persön⸗ lich verantwortlich gemacht. Gießen, den 13. Juli 1915. W Kreisamt Gießen. J. V.: Hechle Freundlich möbliertes Zimmer mit Frühstück, Nähe Oswaldsgarten oder Aster⸗ weg, von Unterofsiz. gesucht. 0 8 Angeb. ig Pr. u. 03937 an d. eßener Anzeig. erb. Zigaretten! Der General-Vertrieb für Gießen u. Umg. ein. der größt. deutsch. trustfr. Zigarettenf, kein. Konzern angeh. besthervorr. Qual. auch in bill. 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Blatt wurde bei der Veröffent⸗ lichung unserer Vermögensbilanz für 1914 die Zahl der abgegangenen Mitglieder mit 14 an⸗ gegeben. Es muß heißen 15. Mitgliederstand Ende 1914: 166. Die Geschäftsguthaben betrugen Ende 1914: 43010 Mark 97 Pfennig. Die Zahl der Geschäftsanteile betrug Ende 1914: 166 à 500 Mark 83000 Mark. Die Gesamthaftsumme betrug Ende 1914: 166000 Mark. Lich, den 22. Juli 1915. Spar⸗ und Darlehnskasse Lich(Sberhessen) eingetr. Gen. mit beschr. Haftpflicht. Heller, Direktor. Schnabel, Rechner. Prima feinste holländische Schellfisch u. Kabliau in tadellos frischester Ware soeben eingetroffen u. billigst bei August Wallenfels . Delikatessen und Weinhandlung 5316 clephon 202 ießen Marktplatz 17. Bestellungen erbille nur frühzeitig. Zim. 1. Mans⸗Wohng. 2 Jim. u. Küche, zu vermiet. 0³8. 30] Wetzlarer Weg 551. Malltorstt. 30 Wobnung für 1. Aug. zu, vermieten. Monatlich Mk. 30.—. 5947] Näheres Seltersweg 64(Kontor). Kleine Wohnung zueren. e Walltorstr. 33 ll. LMS. 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