das Gefühl, das schosses beschleicht. engel vnn mt les vahme des Senntags. —— Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Sießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Frühere deutsche Verhandlungen mit England zur vermeidung eines Weltkrieges. Einige überraschende Enthüllun bringt di Nerd b. Aug Big inden sie gegen. Bord Haldane pole. misiert, der sich in einer Rede etwas darauf zugute getan — auf die deutsche f 9 5 England 2— . deutschen Versuche, mit England zu einer Verständigung zu kommen, oder es wenigstens zu veran⸗ lassen, von der Teilnahme an dem gegen uns gerichteten beate he. nie affen nehmen, schuöde Die„Nordd. Allg. Ztg.“ schreibt: Angesichts den immer wieder⸗ betten Versuche der 8 be e h 5 ur eine ne für genwärtigen„ die sie durch ihre auf eine reisung Deutschlands gerichtete olitik auf sich luden, von sich auf Deutschland abzuwälzen, sehen wir uns zu folgenden Feststellungen bezüglich der deutsch⸗englischen Verständigungsver⸗ — 4 im Jahre 1912 veranlaßt, an denen Lord dane in hervorragendem Maße beteiligt war. Die deutsche⸗ Regierung war bei diesen Verhandlungen bemüht, mit England zu einer allgemeinen, den Frieden sichernden Verständigung auf Grund eines kriegerische Konflikte zwischen beiden Mächten aus⸗ schließenden gegenseitigen Schutzablommens zu gelangen. Als ge⸗ eignetste Grundlage hierfür erschien der Abschluß eines gegenseitigen Neutralitätsvertrages. Die von deutscher Seite dafür zuerst vor⸗ chlagene Formulierung hatte folgenden Wortlaut:„Sollte einer hohen Vertragschließenden in einen Krieg mit einer oder meh⸗ reren Mächten verwickelt werden, so wird der andere Vertrag⸗ schließende dem in den Krieg verwickelten Vertragschließenden gegenüber zum mindesten wohlwollende Neutralität beobachten und nach allen Kräften für eine Lokalisierung des Konfliktes bemüht sein.“ England lehnte diesen Vorschlag als zu weitgehend ab und machte folgenden G. rschlag:„England wird keinen unprovo⸗ ierten Angriff auf Deutschland machen und sich einer aggressiven litik gegen Deutschland enthalten. Ein Angriff auf Deutsch⸗ land ist in keinem Vertrage enthalten und in keiner Kombination vorgesehen, der England zurzeit angehört, und England wird keiner Abmachung beitreten, die einen solchen Angriff bezweckt.“ Dieser Vorschlag war für Deutschland unannehmbar, abgesehen von der Dehnbarkeit des Begriffs„unprovozierter Angriff“. Es konnte lediglich versprechen, über den anderen Vertragschließenden nicht grundlos herfallen und keine aggressive Politik gegen ihn treiben zu wollen. Eine unmögliche Grundlage zu einem besonderen) Freundschafts vertrage bilden die in dem englischen Vorschlag ent⸗ haltenen Zusicherungen. Es sind Selbstverständlichkerten in den gegenseitigen i zivilisierter Staaten. Den von England geäußerten Bedenken den deutschen Vorschlag suchte die Kaiserliche Regierung entgegenzukommen, daß sie gende Formulierung vorschlug:„Sollte einer der hohen aschließenden in einen Krieg mit einer oder mehreren Mächten verwickelt werden, bei welchen n daß versta„falls einer von ihnen durch offenkundige Provo⸗ won eines Dri zur Kri Klärung gezwungen sein sollte.“ Auch diesen Vorschlag lehnte Sir Edward ab. Er beschränkte sich vielmehr darauf, den ersten Absatz seines Vorschlages in folgender, inhaltlich jedoch bedeutungslosen Form abzuändern: „Da die beiden Mächte gegenseitig den Wunsch haben, Frieden und Freundschaft untereinander sicher zu stellen, erklärt England, daß es keinen unprovozierten Angriff auf Deutschland machen und sich an einem solchen auch nicht beteiligen wird. ch wird es sich einer aggressiven Politik gegen Deutschland enthalten.“ Um im Interesse des europäischen und des Weltfriedens ein äußerstes Ent⸗ genkommen zu erweisen, trat die Kaiserliche Regierung in eine Petusston auch dieses Vorschlages ein, machte aber weitere Ver⸗ handl von einer Ergänzung durch folgenden Zusatz abhängig: „Engl. wird daher selbstverständlich wohlwollende Neutralität bewahren, sollte Deutschland ein Krieg aufgezwungen werden.“ Sir d Grey lehnte es ab, über die auf Grund eines Be⸗ schlusses des englischen Kabinetts angebotene Formel hinaus⸗ zu Er begründete seine Ablehnung mit der Besorgnis, s die bestehenden Freundschaften Englands mit anderen Mächten zu gefährden. Hierauf verzichtete Deutschland auf die hrung der Verhandlungen. Die vorstehenden Mitteilungen erweisen, so schreibt die Gießener Anzei General⸗Anzeiger für Oberhessen e 165. Jahrgang ccc* Montag, 19. Juli 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗* straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrift- leitung: 2112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. „Nordd. Allg. Ztg.“ weiter, wie konsequent und entschieden England gerade das abgelehnt hat, worauf es praktisch an⸗ kam, das Neutralitätsversprechen, das heißt die Gewißheit für Deutschland, von England weder direkt noch in einem ihm von dritter Seite aufgezwungenen Kriege angegriffen zu werden. Nur auf dieser in Gegenseitigkeit verbürgten Gewißheit konnte sich dasjenige Freundschafts⸗ verhältnis zwischen Deutschland und England aufbauen, das Europa und der Welt den Frieden gesichert haben würde. England hat in die Hand nicht eingeschlagen, die ihm Deutschland entgegenstreckte, weil ihm die Aufrecht⸗ erhaltung seiner Freundschaft mit Frankreich und Rußland und die Aufrechterhaltung des sogenannten Gleichgewichts der Kräfte, das ihm die Niederhaltung Deutschlands ermöglichen sollte, mehr am Herzen lag, als die Erhaltung des Friedens. Wie die vorstehend wiedergegebenen Formeln erweisen, hat Deutschland nicht auf das Versprechen abso— luter bedingungsloser Neutralität bestanden, wie das von englischer Seite häufig behauptet worden ist und wie das fälschlicherweise auch Herr Asquith in einer nach Kriegsaus⸗ bruch gehaltenen Rede erklärt hat. Gerade weil der Gedanke an einen Angriffskrieg gegen irgendwelche Macht Deutsch⸗ land jederzeit ferngelegen hat, konnte es sich mit der Zu⸗ sicherung der englischen Neutralität für den Fall begnügen, daß ihm ein Krieg aufgezwungen würde. Die Be⸗ teiligung Englands an dem gegenwärtigen Kriege, den die Kriegspartei in Rußland im Vertrauen auf die Unterstützung Englands provoziert hat, erweist, wie gut die verantwort- lichen Leiter der deutschen Politik beraten waren, als sie die Angebote Sir Edward Greys als ungenügend zurück wiesen, und wie richtig sie die englische Politik einschätzten. Schon im November desselben Jahres erfolgte der bekannte Notenwechsel zwischen Sir Edward Grey und dem französi— schen Botschafter Herrn Cambon, der den Charakter eines französisch⸗englischen Defensivbündnisses gehabt hätte, wenn nicht daneben militärische Abmachungen zwischen England und Frankreich getroffen worden wären, deren Ergänzung durch analoge Abmachungen mit Ruß- land im vorigen Frühjahr bevorstand. Mit dem Moment, wo England die Verpflichtung zum Schutze der französischen Nordküste übernommen hatte, hatte es sich seiner Hand— lungsfreiheit begeben und wurde zum Komplizen der russischen und französischen Aggressivpolitik, die den gegen⸗ wärtigen Krieg heraufgeführt hat. 0 —— Aus dem Reiche. Berlin, 17. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die Be⸗ ugs vereinigung der deutschen Landwirte in rlin gibt bekannt, daß sie Lupinen, Ackerbohnen und Wicken, soweit sie zur Saat bestimmt sind, ihrem Ueberlassungsverlangen nicht unterwer wird, sofern eine für den Verbraucher ausgestellte behördliche Bescheini⸗ gung über die zur Saat erforderliche Menge zugeht. München, 17. Juli.(WTB Nichtamtlich.) Heute er⸗ folgte im Hofe der Prinz⸗Arnulf⸗Kaserne in Gegenwart des Königs die Vereidigung einer großen Zahl Mann⸗ schaften verschiedener Waffengattungen des Standortes München, Nach der Vereidigung richtete der König laut „Münch. Neuest. Nachr.“ eine Ansprache an die Truppen, in der es heißt:„Ein Jahr bald dauert der Krieg, den das Deutsche Reich und mit ihm Oesterreich-Ungarn und die Türkei gegen nahezu die ganze Welt führt. Wenn man glauben sollte, unsere Kraft ist erschöpft, so irrt man sich. Im Gegenteil, es kommen immer neue Kräfte vor den Feind. Diejenigen, die vor dem Feinde stehen, sind in keiner Weise entmutigt; sie brennen darauf, nicht in der Verteidi⸗ gung zu bleiben, sondern wieder vorwärts zu kommen. Diejenigen aber, die ich vor kurzem gesehen habe, die das Glück hatten, im Osten einen siegreichen Feldzug zu führen, hoffen, den bisherigen Siegen noch viele andere anxeihen zu können. Folgt dem Beispiel eurer vor dem Feinde stehenden Kameraden! Flechtet neue Kränze um die alten, die eure Fahnen schmücken! Mir als König von Bayern ist der Uaiser ist da! Aus einem Feldpostbriefe. Einen außergewöhnlich lebens vollen, prächtigen Feldposthrief aus Galizien veröffentlicht die„Parole“. Der Briefschreiber schil⸗ dert darin den glänzenden Sieg bei Janow, 20 Kilometer nordöstlich von berg, der am 19. Juni errungen wurde. Er wurde durch einen— artilleristischen Feuerüberfall auf die feindlichen Stellungen eröffnet, der um 2 Uhr einsetzte. Punkt 4 Uhr wurde dann das Feuer eingestellt und die Infanterie ging um Sturm vor.„Plötzlich ein allgemeines Laufen und Schreien. ist denn los? Euer Kaiser, brüllten ein paar in eiligem Laufe auf eine Waldlichtung zustürzende Oesterreicher. Wir wollten es zuerst nicht glauben. Seine Majestät so weit vorn, wo noch immer russische Granaten und Schrapnells angefegt kamen? Als jedoch von allen Seiten Soldaten herbeiströmten, gab es für uns kein Halten mehr. Wie wir waren, in Hemdärmeln, ohne Mützen, liefen wir zu der 100 Schritte entfernten Lichtung, wo der Kaiser inmitten der Generalität stand. Die gelb⸗schwarze Kaiserstandarte flatterte lustig im Winde und einige Feldgendarmen standen Wache. Ungeniert jedoch ließen sie die Mannschaften näher treten, um ihren obersten Kriegsherrn zu sehen. Der Kaiser sah brillant aus und war in bester Laune. Befonders mit dem Führer unserer Armee, Exzellenz von der Marwitz, unterhielt er sich in lebhaftester Art, klopfte ihm immer wieder lachend auf die Schulter und um⸗ faßte ihn mehrmals in 2 launiger Weise, Zwischendurch beugte er sich über einen Kartentisch, um mit Generalstabschef von Falkenhayn die einlaufenden Meldungen zu prüfen, die Fort⸗ 5 Armee auf der Karte zu verfolgen und neue Befehle 1. b Was uns am meisten wunderte und jedem Achtung einflößte, das war die Ruhe, die der Kaiser beim Aufschlag der feindlichen Geschosse behielt. Die Russen hatten kurz vor der Ankunft Seiner Majestät zu schießen aufgehört; als dann aber die Russen erneut das Feuer aufnahmen ind urct unheimlichem Sausen die feindlichen Schrapnells und auch einige Granaten angefegt kamen, um in ver⸗ dächtiger Nähe zu krepieren, waren wir alle der festen Ueber⸗ zeugung, daß der Stab mit Seiner Majestät diesen gefährlichen Platz schleunigst verlassen würde. Wir erstaunten daher nicht wenig, als Seine Majestät sich bei dem Sausen und Aufschlagen der Ge⸗ schosse noch nicht einmal umdrehte und, wie wenn nichts geschehen wäre, mit seinen Generalen weiter sprach. Ein jeder Soldat kennt . einen beim Herannahen eines feindlichen Ge⸗ Die Ruhe und Kaltblütigkeit, die der Kaiser bie sich jeder Soldat zum Vorbild nehmen. Was habt doch fütr einen herrlichen Kaiser, sagten mir unfere„ungarn“; ch swas hier selten vorkommt) ein russischer Flieger im Gesichtskreise. Heftig beschossen, näherte er sich zuerst unserem Platz, bog jedoch plötzlich rechts ab, um in der Ferne zu ver⸗ schwinden. Der Kaiser verfolgte, das Fernglas am Auge, gespannt die Bewegungen des Fliegers und wir alle folgten seinem Bei⸗ spiele. Die Zahl der im Halbkreis arm den Kaiser stehenden Truppen war inzwischen immer größer geworden. Aus den Batterien, aus den Reservestellungen, von allen Seiten kamen sie, Deutsche und Oesterreicher, Ungarn, Tschechen und Polen, alles eilte herbei und ungehindert hatte jeder Zeit und Ruhe, den Kaiser zu sehen. Plötzlich zeigte der Kaiser auf unsere Stellung, um im nächsten Augenblick eiligen Schrittes dorthin zu gehen. Los, Rheinländer, rief uns ein General zu, der Kaiser kommt zu Euch. Wie wir da durch die Büsche liefen! Wir hatten eben noch Zeit, unsere Röcke anzuziehen und die Mützen gerade zu setzen, als Se. Majestät an unserem ersten Geschütz erschien. 1. Batterie, Reserve⸗Fußartille⸗ rieregiment Nr.. im Feuer gegen feindliche Stützpunkte ber meldete Herr Feldwebelleutnant Hanke, unser Batterieoffizier! Der Kaiser reichte ihm die Hand; uns aber rief er ein lautes Guten Tag, Artilleristen, zu, und wir antworteten mit einem kräftigen Guten Tag, Euer Majestät! Na, habt ihr auch was ge⸗ troffen, fragte er darauf. Na, und ob! General von der Murmitz sagte ihm darauf, daß wir die Batterien seien, die den feindlichen Stützpunkt sturmreif geschossen hätten. Ja, die 21er sind eine famose Waffe, meinte er, die Korps schlagen sich förmlich darum. Der Kaiser ging von Geschütz zu Geschütz, allen Leuten einen Guten Tag wünschend und Fragen stellend. In leutfeliger Weise unter⸗ hielt er sich die ganze Zeit über mit Feldwebelleutnant Hanke und ließ sich von ihm verschiedenes erklären. Von unserem Batterie⸗ offtzier begleitet, verließ er uns schließlich, und brausende Harrras strahlen zeigten uns bald darauf an, daß der Kaiser einem anderen Ziele entgegenfuhr. 5 — Die Gefahren des Sonnenbades hebt Dr. C. Römer in einem Aufsatz über Sonnenbäder und Nervensystem, den er in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift veröffentlicht, noch einmal nachdrücklich hervor, nachdem eine frühere Warnung von Prof. Grawitz anscheinend nicht genügend Beachtung gefunden hat. Allerorts, besonders in großen Städten, sind„Luft⸗ und Sonnenbadeanstalten“ eingerichtet worden, und auch an nicht dafür vorbereiteten Plätzen suchen und finden die Anhänger dieses Sports reichlich Gelegenheit, ihren Körper der Sonnenwirkung auszufetzen. Wie allgemein die Pflege der Sonnenbäder geworden ihr des Kirchspiels sehr zahlreich im Gotteshause erschtenen. Auch die es stets eine besondere Freude, die Tapferkeit der bayerischen Truppen loben zu hören. Während meines Aufenthalts in Galizien habe ich mich überzeugt, daß nicht nur bei den deutschen Truppen, ssondern auch innerhalb unserer Ver⸗ bündeten und in den Gebietsteilen, die wir mit befreit haben, der Name Bayerns einen besonders guten Klang hat. Möge es immer so bleiben! Tut immer das Eure, um diesen guten Ruf zu erhalten! Damit Gott befohlen!“ Konstanz, 18. Juli.(WTB. Nichtamtlich.) Die mit dem gestern hier eingetroffenen Schweizer Sanitätszug an⸗ gekommenen deutschen Sanitätsmannschaften äußerten wieder ganz besonders lebhafte Klagen über die schlechte Kost und Behandlung, sowie über die Beschimpfungen, die sie durch die Bevölkerung, namentlich durch Weiber, erleiden mußten. Viele von ihnen waren schon seit dem 29. August in Gefangenschaft und auf der Insel Korsika untergebracht worden, wo sie bei der größten Hitze die schwersten Arbeiten verrichten mußten. Aus Stadt und Cand. Gießen, 19. Juli 1915. * Ritter des Eisernen Kreuzes: Christian Thomann aus Worms, Gren. Regt. 110. Kriegsfreiw. Willi Finking aus Worms-Neuhausen. Pionier Dietz aus Worms. Uffz. Georg Baltz aus Worms. Uffz. Jakob Habel aus Thalheim, Kreis Limburg, 1. Garde-Res-Rgt. Kriegsfreiw. Heinrich Braß aus Zollhaus, Gefr. im Pion.- Bat. 13. Unterveterinär Tierarzt Dr. Adolf Schmidt aus Katzenelnbogen, im Beskidenkorps. Feldw. H. Born aus Offenbach a. M., Res.-Inf.⸗Regt. 81. 5 * Eine Fahrplanbereicherung um mehrere Vorzüge ist zu verzeichnen. Sonntags wird ein Vorzug 7738 Friedberg— Marburg verkehren, der um 12 Uhr ab Gießen fährt; Samstags und an Tagen vor Feiertagen werden ein Vorzug 776 Gießen— Frankfurt, ab Gießen 2.10 Uhr und ein Vorzug Frankfurt Gießen, an Gießen 7.42 Uhr, ge⸗ fahren werden. Kreis Büdingen. — Bingenheim, 19. Juli. Einen Einbruch unter⸗ nahmen schulpflichtige Knaben im hiesigen Schulhause. Durch ein Kellerloch stiegen sie bei hellem Tage in den Keller, nahmen eingekochte Früchte, Wein und Schinken mit und verzehrten es an einem versteckten Plätzchen. Die Sache dürfte ein 1 Nachspiel haben. 109 * Nidda, 18. Juli. In der hiesigen evangelischen Kirche fand heute die dritte Gedächtnis feier für solche Einwohnen unseres Kirchspiels statt, die den Heldentod fürs Vaterland ge⸗ storben sind. In dem letzten Vierteljahr hat der Krieg wieden 8 Opfer gefordert Zu der Trauerfeier waren die Gemeindeglieder Krieger vereine der Filialorte Unter-Schmitten, Kohden und Michel⸗ nau hatten sich mit florumhüllten Fahnen eingefunden; auf⸗ fallenderweise fehlte nur der Kriegerverein Nidda. Pfarrer Her⸗ mann hielt auf Grund des Schriftwortes Johs. 15, 12 und 13, eine ergreifende, trostreiche Gedächtnisrede. Es stammten von den Gefallenen aus Nidda: Karl Schmidt, Schreiner, Theodon Stork, Kaufmann, Karl Repp, Bäcker, H. Bien, Weißbinder; aus Kohden: Fritz Fey, Maurer; aus Unter-Schmitten: W. Diehlmann, akt. Feldwebel, und Friedrich Bin gel, Wagner; aus Bad⸗Salzhausen: Hermann Röper, Kriegsfreiwilliger(Pri⸗ maner 1 Ne* 1 1 n. Unterschmitten, Juli. Gleich zu inn des Krieges zog als Sergeant und Fahnenträger Kar 12 li ann von hier mit dem in Butzbach liegenden Bataillon des Infanterie⸗ Regiments 168 ins Feld Schon in den Ansangskämpfen wurde er verwundet, erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde zum Vizefeldwebel befördert. Wiederhergestellt, ließ er sich in O§ffen?? bach kriegstrauen und zog als Offtzierstellvertreter erneut in den Kampf. Jetzt ist er auf dem Felde der Ehre gefallen. 9 4 8 9 5 edern, 17. Juli. Lehrer Hermann Kromm von hier, der als Kriegsfreiwilliger ins Feld ausgerückt war, ist den Tod für's Vaterland gestorben. Er war Leutnant im Inf.. Rgt. 118 und Ritter des Eisernen Kreuzes. ist, zeigt die Tatsache, daß in einem einzigen der Hamburger l bäder an einem Sonntage sich etwa 18 000 Menschen e f haben.„Wer einmal gesehen hat, wie an heißen Sonntagen Kin⸗ der, halbwüchsige Burschen und Mädchen und erwachsene Männer ohne jeden Schutz— abgesehen von einer oft möglichst dürftigen Badehose— stundenlang unbeweglich in der Sonne liegen, der wundert sich nicht, daß auch die Zahl der Erkrankungen infolge un⸗ sinniger Ausübung dieses Sports jährlich zunimmt. Spezifisch günstige Wir von Belichtungen auf den Gesamtorganismus sind, wie Professor Grawitz betonte, bisher nicht bewiesen wor⸗ den. Die Allgemeinwirkungen sind dieselben wie bei anderen Wärmeprozeduren und äußern sich in einer gesteigerten Trans⸗ piration und Steigerung des Stoffwechsels. Eine vernünftige Son⸗ nenbestrahlung kann also nützlich sein, ein übermäßig gesteigerte und sportmüßig betriebenes Sonnenbaden bringt dagegen ganz charakteristische Schädigungen der Gesundheit, vor allem des Kreise. laufes und des Nervensystems, mit sich, da der Organismus der 5 weißen Rasse in unsern Breitengraden an solch intensive Strahlen⸗ wirkung nicht gewöhnt ist. Dr Römer führt die Krankengeschichte von zwei Fällen von echtem„Sonnenstich“ an, die im Ham burger Krankenhaus St. Georg behandelt worden sind. In beiden Fällen traten, nachdem die Erkrankten mit unbedecktem Kopf und Nacken stundenlang in der strahlenden Sonne gelegen hatten, Kopfschmerzen und meningitische Symptome auf. Durch Spinal⸗ funktion wurde in beiden Fällen der Beweis einer echten Me⸗ ningitis serosa erbracht Die Strahlen können unter solchen Be⸗ dingungen bis in die Hirnrinden dringen, sodaß die Entstehung des Sonnenstiches als Folge direkter Sonnenbestrahlung mit Sicher⸗ heit erwiesen ist Es sind meist gerade schwächliche, blutarme Groß⸗ städter, die an den Wochentagen in kühlen sonnenarmen Bureaus eder Werkstätten arbeiten und die dann am Sonntag von früh bis spät„ihrer Gefundheit leben“ wollen. Die Wirkung der Licht⸗ ist aber in ihrer Intensität wesentlich verschieden, je nachdem die— pigmentiert und durchblutet ist. Pigment und gute B. gung sind natürliche Lichtschutzapparate, deren die anämischen, der Sonne ungewohnten Städter entbehren; sie wer⸗ den durch die Sonnenbestrahlung viel eher geschädigt als die wettergebräunten abgehärteten Landbewohner; statt Heilung zu erlangen, werden die Nervösen nur noch gereizter. So sehr der 1 zur freien Natur vom Arzt begrüßt wird, umso dringender muß er vor Uebertreibungen warnen. Wenn die Besonnung als Kurmittel dienen soll, so bedarf es vor allem einer individuellen Dosterung. von der bei den über den ganzen Tag ausgedehnten Sonnenbädern nicht die Rede sein kann. 2 * Kreis Friedberg. — Aus der Wetterau, 17. Juli. Nun haben auch die Orte des Horlofftales, die bisher leer ausgegangen waren, den sehnsüchtig erwarteten durchweichenden Regen erhalten. Nicht nur, daß er dem Haser auf trockenen Aeckern noch hilft, vor allem auch den Obstbaumen kommt er sehr zu statten, da vielfach die balbausgewachsenen Früchte absielen. Der Fruchtbebang an den Straßen und Baumstücken ist derart, daß in allen Gemeinden Vaumstützen gehauen werden. Es fällt aus, daß gerade dieses Jahr solche Bäume stark behaugen sind, die schon jahrelang als unfruchtbar galten. Jedenfalls ist es den frostlosen Mainächten zu verdanken. Aber auch Goldparmänen, Schöner von Boskop, Rhei— nischer Vohnavsel ächzen unter ibrer Last. Wenn nicht ein Sturm Schaden anrichtet, so ist eine Apfelernte zu erwarten, wie sie seit Jiaahren nicht war. Aber auch die Birnen, darunter gerade die Wirtschastsbirnen, versprechen eine gute Ernte, weniger die seineren Sorten und das Buschobst. Die Zwetschen häugen sehr dünn, da es in die Blüten regnete.— Was die Ernte anbelangt, so muß man sagen, daß es trotz des Leutemangels flott vonstatten geht. 34 Familien haben„Arbeitsgemeinschaften“, die ihre und des nachbarlichen Feldzugsteilnehmers Arbeit gemeinschaftlich verrichten. Korn und Gerste sind geschnitten. Viel geklagt wird über das massenhafte Auftreten des Kohlweißlings. 8 Starkenburg und Rheinhessen. ch. Aus Rheinhessen, 18. Juli. In Eich kletterte eine Anzahl Kinder, welche die in der hiesigen Gemarkung arbeitenden russischen Kriegsgefangenen beo ten wollten, auf eine alte und wackelige Mauer. Diese Mauer stürzte zusammen und eine Reihe Kinder wie auch Erwachsene wurden verletzt. Ein Kind, das des Joh. Köhler, trug so schwere Verletzungen davon, daß es nach Worms ins städtische Krankenhaus geschafft werden mußte. 4 end⸗ 5 Kreis Wetzlar. 8 3* Dornholzhausen, 13. Juli. Die hiesige Ju wehr Jugendkompagnie Nr. 286) veranstaltete unter des Kompagnie⸗Führers Mack eine größere Nachtübung. Um 9 Uhr abends wurde abmarschiert. Es galt hauptsächlich, die Jung⸗ mannschaften auch in ihnen unbekanntem Gelände üben zu sehen. Der Uebung war folgender Plan zugrunde gelegt worden: Das Negiment, welcher die Kompagnie zugehörte, war im Vormarsch über Wetzlar— Nauborn— Schwalbach— Niederguembach.—Kraft⸗ solms—Griedelbach. Die Kompagnie war zur Seitendeckung be⸗ stimmt und marschierte über Nauborn— Reiskirchen Oberwetz— G riedelbach. Nachdem gemeldet worden war, daß Griedelbach vom Feinde besetzt sei, wurde auf der Straße Oberwetz—Griedelbach Halt gemacht. Zunächst wurden Patrouillen ausgeschickt, welche die ungefähre Stärke des Feindes auszukundschaften hatten. Ueber⸗ all wurde festgestellt, daß der Feind Griedelbach an sämtlichen Ein⸗ und Ausgängen besetzt hatte. Die Patrouillen wurden beschossen und mußten sich zurückziehen. Eine halbe Stunde verging und es war nichts von den Angreifern zu hören. Unbemerkt war es einer kleineren Abteilung gelungen, in das Dorf einzudringen und gleichzeitig wurde Griebelbach von allen Seiten gestürmt. Unter Hurrarufen und unter dem Knattern der kleinen Pistolen zogen ie Angreifer etwa 1 Uhr nachts in Griedelbach ein. Trotz des ihtien vollständig unbekannten Geländes führten die Jungmann⸗ schaften bei Nacht die ihnen aufgegebenen Befehle zur vollsten Zu⸗ friedenheit des Führers aus. Nachdem in Griedelbach eine kurze Pause gemacht worden war, wurde in der Richtung nach Klee⸗ berg weitermarschiert. Schon leuchtete am Horizont das Morgen⸗ rot, als man auf der Höhe von Kleeberg ankam. Unter fröhlichem Gefang ging es über Kleeberg—Oberkleen— Niederkleen nach Hause, wo man um 5 Uhr morgens wohlbehalten ankam. Hessen⸗Nassau. 5 X. Aus dem Biebertal, 16. Juli. Die Kornernte sst in vollem Gange. Auf den Feldern bedecken sich die Aecker immer mehr mit den langen Reihen gebleichter Halme. Trotz des eingetretenen Regenwetters werden die Erntearbeiten mit vollem Eiser aufgenommen. Da die Körner völlig ausgereist und in der 1 8 aschinen bald in Tätigkeit treten. Trockenes, sonniges Wetter järe freilich let wieder für die Zeit der Ernte sehr erwünscht. insichtlich der Erntearbeiter bietet das Feld diesmal einen ganz 1 Anblick. Fast überall sieht man rüstige Frauen, die im Kriege ebenfalls rasch umgelernt haben, die Sense schwingen, 5 und fleißige Kinder, die tüchtig mithelsen. Die Hoffnungen, die man schon vor Wochen auf eine vorzügliche Kornernte setzte, täuschen nicht. Der Körnerertrag steht nach dem allgemeinen Urteil dem vorjährigen Ertrag nicht nach. 58 Bieber b. Gießen, 17. Juli. Der Leutnant der Reserve Georg Schlierbach von hier, zuletzt Lehramtsassessor an der berrealschule in Offenbach a. M., erhielt vor einiger Zeit das ziserne Kreuz 2. Klasse und wurde jetzt mit der Hes⸗ ischen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. g m. Kirchhain, 18. Juli. Stark gefallen sind die Preise für en Schweine, welche noch vor einigen Wochen auf 42 bis 45 Ml. standen, jetzt kostet das Paar nur noch 22—25 Mk. Auch die Preise für Kälber sind in auffallend starkem Zurückgehen. Es herrscht sast keine Nachsrage und man zahlt nur noch 52 Mk. für den Zentner Lebendge wicht. ( Melsungen a. d. Fulda, 18. Juli. Von der Maschine des Schnellzuges Leipzig—Cassel wurde gestern auf der Eisen⸗ bahnstrecke Bebra—Cassel der Schürhaken einer vorüberfahrenden PVersonenzugslokomotive erfaßt und gegen den auf dieser schine befindlichen Hilfsheizer Muhl aus Kirchditmold geschleudert. Tieser wurde von der Eisenstange an den Kopf getroffen und so sckwer verletzt, daß er kurz nach seiner Einlieferung in das Land⸗ krankenhaus in Cassel verschied. 9. Schlüchtern, 18. Juli. Bei dem schweren Ge⸗ mwmitter, das am Freitag sich über dem Kinzigtale entlud, richteten Blitzschläge wiederholt Brandschaden an. In Hutten brannte die Scheune des Landwirts Dorn ab, in Altengronau das Anwesen eines Landwirts. In Breiten⸗ bach wurden sämtliche 1 und das Wohn⸗ haus des Landwirts Joachim Möller durch den Blitz ein⸗ geäschert. Gießener Strafkammer. th Gießen, 16. Juli. 5 In eine fremde Kasse gegriffen hat der Schweizer Karl W. aus Gießen, ein alter Uebeltäter, der erst Mitte März d. J. aus dem Zuchthaus gekommen war. Er hatte sich in den Laden eines Schirmgeschäfts am Seltersweg ge⸗ 2— und 9 Mark aus der Ladenkasse gestohlen. Vor der Straf⸗ kammer war W. geständig; er gab an, er sei ohne Geldmittel 5—.— und habe den Diebstahl aus Not beg a er 0 gangen. Die Straf⸗ billigte dem alten Sünder, um ihn nicht gleich wieder ins Zuchthaus zu schicken, mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr. 5 u ascher, 5 55 Urkundenfälschung und Betr waren dem 24jährigen Kaufmann Leon F. aus W urzeit als russischer Untertan in Gießen interniert, zur Last gelegt. Ter Angeklagte war geständig. Er hatte, als er Sweise seine Stelle in Frankf zu 125* urt a. M. aufgeben mußte, um seinen Wohnsitz in Gießen i nehmen, an die spanische Botschaft, die die Interessen der russi⸗ 2 1— Staatsangehörigen vertritt, ein Bittgesuch um eine Unter⸗ 5 bung 3 erhalten. Jeder Versuch, in Gießen Geld zu verdienen, schlug dem An,„weil er Russe war, fehl. In der äußersten Not schrieb er unter falschem Namen sowie einer fingierten Adresse wieder um eeine Beihilfe an die spanische Botschaft. Hierin erblickte die Staats⸗ anwaltschaft Urkundenfälschung und Betrugsvergehen. Der An⸗ e, der als mittelloser feindlicher Ausländer im Gefangenen⸗ untergebracht ist, wurde von einem Landsturmmann der Straf⸗ 5 kammer vorgeführt. Unter Tränen erzählte der junge Mann, daß er als 2 Jahre altes Kind mit seinen Eltern nach Deutschland eingewandert sei, sich gar nicht mehr als russischer Untertan ge⸗ fühlt habe und wie die traurigen Verhältnisse des Krieges und 45 bittere Not ihn zu der unglückseligen Tat gebracht haben. Die * * ommerhitze schon recht hart geworden sind, können die Dresch=] gern gerichtet und als einmalige Spende von dieser 20 Mark! schäft Kammer faßte nach Lage des Falles die Sache sehr milde auf und erkannte auf 8 Tage Gefängnis. Wegen Einbruchsdiebstahls 3 in ein Lumpenlager in Grünverg wurden zwei* 161ährige Burschen, die geständig waren, zu je eine Woche Gesängnis ver⸗ urteilt, ein weiterer 14 Jahre alter Angeklagter aber freigesprochen. Wegen Blankettfälschung in Verbindung mit Betrug wurde gegen den 3 St. von Gießen verhandelt. Der Angeklagte hatte den Auftrag erhalten, auf Grund einer Vollmacht an einer Sparkasse der Umgegend für eine Klientin 250 Mark abzuheben. Er hat den abgehobenen Be⸗ trag aber für sich gebraucht und ihn erst auf Drohen mit der Polizei ratenweise wieder herausgerückt. Die Anklage wegen Blan⸗ kettfälschung und Betrugs ließ sich nicht aufrecht erhalten, dagegen 7— der Angeklagte wegen Unterschlagung fünf Monate Ge⸗ ängnis. — —— * „Op den hogen Barg schall die Unarre ropp!“ Aus dem früheren Mannheimer Theaterintendanten Carl Hagemann hat der Krieg einen Batteriechef gemacht, aber ein guter Beobachter und frischer Erzähler ist er auch in seiner neuen, Stellung geblieben, und die Schilderungen aus den Kämpfen in den Karpathen, die er im Junihefte des bei Georg Müller in München erscheinenden„Neuen Merkurs“ veröffentlicht, be⸗ sitzen eine ungewöhnliche Kraft der Darstellung, durch die uns die ungeheuren Schwierigkeiten und Leistungen, die unsere präch⸗ tigen Feldgrauen in den Karpathenkämpfen zu bemeistern hatten, überaus anschaulich vors Auge gestellt werden. Nach dem Gelingen der ersten deutschen Angriffsstöße trat im Karpathengebirge Ruhe ein. Wochenlang erschwerte grimmige Kälte und ununterbrochenes Schneegestöber die weitere Durchführung des so glücklich einge⸗ leiteten Angriffs. Wohl war immer davon die Rede, ob es nicht doch sgi sei, mit äußerster Kraftanspannung Feldgeschütze auf die eine oder andere Höhe zu bringen, aber alle Urteile gingen schließlich dahin, daß eine Möglichkeit hierzu nicht bestehe. Aber als eines Tages wieder einmal die Lage unserer Infanterie als be⸗ sonders kritisch gemeldet wurde, da erging von der Division kurzer⸗ hand der Befehl, daß am jenseitigen oberen Hang einer bestimmten Höhe ein Geschütz oder besser zwei Geschütze aufzustellen und in Tätigkeit zu bringen seien. Hagemauns Batterie fiel die Aus- führung dieses Befehles zu. Früh um 5 Uhr, so erzählt er, stand die Batterie marschbereit. Nach mancherlei durch die Jahreszeit und Oertlichkeit verschuldeten unangenehmen Zwischenfälle gelangte sie an den Punkt, von dem aus der Aufstieg beginnen sollte.„Op den hogen Barg schall die Knarre ropp, da ward nist vonne,“ hieß es sogleich am dritten Geschütz, als man der besonders steilen ersten Höhe ansichtig wurde. Das zweite und dritte Geschütz, die sich schon in Frankreich bei besonders schwierigen Gefechtslagen ausgezeichnet hatten, sollten es auch hier wieder machen. Und trotz aller Bedenken ging auch jetzt wieder jeder einzelne mit Eifer ans Werk. Gleich der erste Hang steigt in einem Winkel von fast 45 Grad an. Die mit Eisnägeln beschlagenen Pferde klettern aber wie die Katzen hoch Es geht besser, als alle gedacht haben. Ob das jedoch auf einer vier Kilometer langen Wegstrecke so bleiben wird, auch wenn sich zwischendurch hier und da weniger steile Partiem vorfinden, ist die offene Frage. Die zu überwindende Höhendifferenz beträgt mehr als 700 Meter. Auf etwa ein Drittel des Weges lassen dann auch die Kräfte der Pferde plötzlich nach. Sie bringe nur noch zwei bis drei Meter in einem Zug fertig, triefen von Schweiß und stehen mit schlagenden Flanken da. Wir lassen deshalb ausspannen, die Tiere wieder zu Tal füh⸗ ren und eine neue Serie fertig machen. Und bald geht es am Werk weiter. Je näher wir der Bergspitze kommen, uno höher liegt der Schnee. Auch wird der von Tragtieren und Proviantkolonnen einigermaßen ausgetretene Weg immer schmaler, bis er schließlich nur noch als Saumpfad hart an den Hängen entlang führt. In dieser 22 ist er natürlich unseren cken nicht mehr brauchbar: die Spur der Lafette verlangt als die dreifache Breite. Wenn bisher nicht umsonst gearbeitet sein soll, müssen wir jetzt selbst unseren Weg über die Höhenkämme—5 Doch wei⸗ rn die Gespanne in dem meterhohen Schnee das Anziehen. Er reicht ihnen bis über die Steigbügel hinauf und die Kanone ist fast ganz darin versunken. Das einzelne Pferd hat sich ein Schneeloch gestampft, aus dem es nicht herauskann. Ihm fehlt der 2 ohne Weg ist es nicht vorwärts zu bringen. Da kommt der. meister, der bisher noch bei jeder Schwierigkeit die richtige Lösung hat, auf die Idee, sämtliche Mannschaften und die losen de vo ehen und einen Weg bahnen zu lassen. Und das hilft. Sobald Pie Tiere eine Spur sahen, zi sie an. So erklimmen sie noch am selben Tage etwa zwei Drittel der Höhe. Am nächsten Morgen geht es dann mit frischen Kräften weiter, und nachmittags, um zwei Uhr etwa, steht das Geschütz am ba fohlenen Platz. Allerdings war der Wachtmeister mehr als einmal nahe daran gewesen, die Sache aufzugeben. Zuletzt noch etwa 100, Meter vor dem Ziel, wo er melden mußte, daß die Pferde tatsächlich am Ende ihrer Kräfte wären. Ich stand mit dem Kom⸗ mandeur der auf Höhe. in Reserve liegenden Infanterie schon oben, um die letzte Phase des Aufstieges von dort mitanzusehen. Es gebe, so meinte er, vielleicht noch ein Mittel: wenn uns das nze Infanteriebataillon seine Hilfe leihen und das gerade beim usbessern des von der anderen Bergseite heraufführenden Weges — 11 österreichische Arbeitskommando ebenfalls mit zufassen würde. Da uns beides bereitwilligst zugestanden wird, soll es noch einmal aufs Letzte und Ganze gehen.„Sin wie bett hier here kohmen, nu will wie ock ganz ropp,“ sagte der Vorderreiter, als ihm einer der Infanteristen seine Bedenken äußerte. Und so denken alle, und deshalb geht es. . Nachdem der österreichische Landsturm die oberste Neuschner⸗ schicht wegbreit abgeschaufelt hat, treten die Fußmannschaften zu Sechsen nebeneinander an, schließen ganz dicht auf und bewegen sich mit ganz kleinen, aber festen Schritten vorwärts. Dann klopfen die acht Fahrer noch einmal den Hals ihrer Pferde, legen ihnen die Zügel auf die Mähnen und drücken die Gespanne, auf des Wachtmeisters Kommando, von vorn nach hinten vor. Ein ohrenbetäubender Lärm hebt jetzt an. Hunderte von Menschen sind von demselben Willen zum Erfolg beseelt. Ganz nahe am Ziel hat uns der eifersüchtige Geist diese . 0 s schönen Berges noch einmal ein energisches Halt geboten. Er will und muß mit einer letzten strengung überwunden werden. Alles schreit, brüllt und tobt durcheinander. Die Fahrer lassen ihre Peitschen über den Köpfen kreisen. Kanoniere laufen armfuchtelnd neben der Lafette her. Die Pferde röcheln, keuchen, dampfen und fallen gleichsam n ye fande Mlinuzen pater legt bas Gesci a V wer lange Min ter ste ütz auf Bergeshöhe. Nach einunddreiviertel Tagen anstrengender Arbeit. 8 Die Franzosen und das Uartoffelbrot. „Das K- Brot spielt immer noch eine große Rolle in fran⸗ zösischen Blättern, aber es ist ganz m g: während man sich nicht genug darin tun kann, es in jeder Weise herabzusetzen und die armen Gefangenen, die es essen müssen, zu bedauern, sucht man auf der andern e mit einem gewissen Stolz festzustellen, daß es gar keine deutsche Erfindung ist, sondern im“ teil in Frank⸗ reich bereits im 18. Jahrhundert hoch in Ehren gehalten wurde. Schon Voltaire ist als Kronzeuge für den Wohlgeschmack des Kartoffelbrotes unlängst genannt worden, aber das genligt immer noch nicht. Das„Journak des Débats“ gibt vielmehr jetzt eine Zu⸗ jammenstellung von Aussprüchen hervorragender französischer Ge⸗ lehrter, die sich mit der Herstellung eines Kartosselbrotes be⸗ und zu durchaus anerkennenden Urteilen gelangten. Um 1761 war das K-Brot beinahe eine Tagesfrage wie heute. In diesem Jahr übergab nämlich Joachim Faiguet, der zahlreiche Werke über Volkswirtschaftslehre geschrieben hat und ein Mit⸗ arbeiter von Diderot und d Alembert war, der Akademie der 1 1 4 DA. aus 1—* und 23 mehl wurde„ziemlich gut aufgegangen dus Galer Nalte fuer ersehen em Atte in 8 inige e ien ein Artikel im 3. Ergänzungsband der„Encyclopädie“ über das Kartoffelbrot. Der mit„ Rehl“ be⸗ titelte Artikel berichtete über ein während der Teuerung von den Bäckern angewandtes betrügerisches Verfahren, die Keie noch vermischen, leiht. Um Artikels ein anderes vo Brot ergebe. Der dur französische Gelehrte he seinem„Wörterbuch de Monopols. nämlich die Verwendung von einem Drittel Kartoffelmeh mit zwei Drittel Wezzenmehl gemischt ein schönes, sehr g ch seine Werke über Kornkrankheiten bekannte Schweizer Ockonom Engel schreibt im 4. Band desselben Werkes einen langen Artikel über die„Kartoffel“ und gibt die verschiedenen Mittel an, um Brot mit gekochten und rohen Kartoffeln herzustellen. Andere beschäftigt, unter anderen auch der fleißige Sammler Bucholz in Auch Sebastian Mercier widmet diesem Gegenstand ein gan Kapitel in seinem zwölfbändigen Werke„Tableau de Paris“. ein Verfahren, das dem dem entgegenzuwirken, empfiehlt rzügliches Mittel, um Getreide eln aben sich ganz eingehend mit dieser Frage r als Nahrungsmittel dienenden Pflanzen“, Wie für alles, was die Lage der Armen verbessern könnte, inte⸗ ressierte fer sich für diese Neuerung und sieht darin ein Heilmittel der bestehenden Teuerung und eine Abwendung der des — einer großen Zahl kat träger Frankreichs ein Wirklichkeit seiner gan land und namentlich f ren Schlag zu versetzer einem Telegramm an Ter Untertitel lautet (Berlin, 1915. 127 S. Preis Mk. 3.) Das Werk zerfällt in französischen Anklagen mitgeteilt, und dann en. Bingen, 18 müse⸗ und Woch dafür andere neue Ob Wochenmarkte sind die sich hier für Kirschen Birnen 20—25 Pfg., 60 Pfg., Gurken 30—3 die Schuld des deutschen Katholizismus am Weltkriege Barbarentum Deutschlands und seines Heeres beweist, sich das Buch als eine auf niedrige Intelli Sachkenntnis und Kritik des Publikums denzschrift dar, gegen die der deutsche Episkopat kürzlich in Verlag und Druck der Germania. Stachelbeeren 30 Pfg., Aprikosen 45—50 Pfg., Pflrsiche 50—60 Fig., Büchertisch. 0 * Der deutsche Krieg und der Katholizismus, Unter dem Titel„La guerre allemande et le catholicisme“ ist von holischer Gelehrter und kirchlicher Würden⸗ Buch zusammengestellt worden, das angeblich und das und in zen Art nach geeignet erscheint, Deutsch⸗ einer katholischen Bevölkerung einen schwe⸗ 1. Trotz der Qualität seiner Verfasser stellt und Mangel an bösartige Ten⸗ den Kaiser schon Stellung genommen hat. Nunmehr hat der deutsche Katholizismus eine vorzügliche, weite Verbreitung verdienende Abwehrschrift erscheinen lassen. Tie von Professor Rosenberg ausgearbeitete Schrist führt den Titel: Der deutsche Krieg und der Katholizismus. : Deutsche Abwehr französischer 9 Das Werk ist aus innerem Wahrheitsdrang heraus geschrieben und verrät auf jeder Seite vollkommene Sach⸗ kunde und ein ruhiges, abgeklärtes Urteil. Die ein Verfassers ist die Feststellung der Wahrheit, nicht, wie dies in der französischen Angriffsschrift der Fall ist, die skrupellose He würdigung der Deutschen und die Entfesselung des Hasses und der Verachtung des dem„Barbarismus“ verfallenen Absicht des Herab⸗ acht Kapitel. Darin werden zun cht die vollinhaltlich, zum Teil auch im Wortlaut werden sie jeweils in der„deutschen Ant⸗ wort“ genau geprüft, auf ihren Wahrheitsgehalt untersucht und in kurzer, schlagender Beweisführung widerlegt. So wenig erfren⸗ lich auch auf der einen Seite die Lektüre all der willkürlich er⸗ fundenen und sensationell aufgebauschten 5 mag, es ge⸗ anderseits große Befri⸗ g und Genug⸗ agreed u deer dae und Nichtswürdigkeit all klagen gestellt. Tanach kommt der Verfasser für die Beurteilung ch⸗ lands in der ift zu dem Ergebnis:„Feindes haß S Bild gemalt; es ist ein Zerrbild,“ unb für die in der rift enthaltene Verherrlichung Frankreichs zu dem 5 „Eigenliebe hat das Bild gemalt, es ist eine Apotheose.“ rkte. ü Die Zufuhr auf den O b ste, Ge- Wenn auch Kirschen . Juli. enmärkten steigt. nachlassen und Erdbeeren gänzlich verschwunden sind, so kommen st- und Gemüsesorten und-Arten auf den Markt. Die Preise stellten sich auf den letzten Märkten für das Pfund Kirschen auf 26—32 Pfg., Johannisbeeren auf 22— 28 Pfg., Aprikosen auf 40—60 Pfg., Pfirsiche auf 35—60 Pfig., Pflaumen auf 25—30 Pfg., Frühbirnen auf 20 bis 25 Pfg. und Frühäpfel auf 20— 25 Pfg. Nieder-Ingelheim und Heidesheim angelegt, auf dem hiesigen Stachelbeeren auf 22—28 Pfg., Diese Preise wurden in Obst- und Gemüsepreise höher. Sie stellen auf 35 Pfg., Johannisbeeren 30 35 Pfg. eidelbeeren 30 Pfg., saure Kirschen 35 Pfg., grüne Erbsen 30—35 Pfg., gelbe Bohnen 40 Pfg., grüne Bohnen 30—35 Pfg., dicke Bohnen 15—20 Pfg., das Stück Wirsing 25 bis 20 Pfg., Salat 15 Pfg., Kohlrabi 10—12 Pig, Blumenkohl 50 bis 5. Pig., Einmachgurken(100 Stück) 2—6 Mk., Rotkraut und Weißkraut je 4050 Pfennig. — p———.— Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. — 2— 2 2 22 3, 5 82 28 32 238 533 dat 8 8 8 235 Genet 1515 f 83 2 8 2 3 && 8 Fe 16 2 748,9 14, 10,1 82 W 2 10 18. C 742,1 18,2 8,5 75 WNW 2 3 19, 2% 454,1 13,2 7,9 70 wSsW 2 6 Sonnenschein ste Temperatur am 17. bis 18. Juli 1915 + 16,8. cla„ei. e a„ üer Niederschlag: 0,8 mm. 1 29 einmal zu durchmahlen und sie mit ein Drittel Kornmehl zu Chäufte Esslöffel oder 25 Gromm oder i Ksseelot mii 1 Lier kochendem Wosser berbroben oder kalt onsetren und lochen sossen] So zubereitet schmechi der Kriegs. Kornsrancꝰ em besten. „Kriegs Kornsronck“ ist ene Nischung von verschiedenen gemohlenen Rohssossen. deren sorglsltige Zusommenstellungs dem Getränk ein besonders gutes Aromo veröchaffl.—