swelles Blat Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das wöchentlich. Die„Landwirtschastlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Die Mordverschwörung von Sofia. Es ist nichts so fein gesponnen, es kommt doch ans Licht der Sonnen. Das Neujahrsnacht⸗Attentat im Stadtkasino u Sofia war so fein angelegt, so geschickt verdeckt und ver— ckt, daß man glauben mochte, auch wenn der Bombenwurf mißlingt, erfährt die Welt nicht mehr als: ein paar unzu⸗ friedene Beamte versuchten den Umsturz ihrer Polizeiver⸗ waltung, versuchten es mit wenig wählerischen Mitteln, es . 1 geglückt, geht ruhig heim, es war eben auf dem Balkan! Nun ist aber doch alles herausgekommen, alles. Die Kulissen 18— während der Verhandlung des Kriegs- gerichts 8150 ich hoch und man erkennt in greller Beleuch- tung— die 1 des Dreiverbands, die Agenten, die hetzen— 1 5 techen, den still rollenden Rubel, die lieferten Bomben, geheime Konferenzen in der englischen ndtschaft, Drähte und Minen, Tod und Teufel. Es 1 und Casement zusammen, das Tollste an edertracht und Verworfenheit, was eine verbrecherische 1 Politik nur aussinnen kann, nachdem sie erkannt hat, daß sie auf anderen Wegen nicht mehr zu ihrem Ziele gelangen ö kann. Der Mordplan von Sofia ist nicht nur ein Seiten- und Gegenstück zum Attentat von Serajewo, er ist der direkte Abkömmling. Es stellt sich heraus, daß die Gelder für die Ausführung des Anschlags auf König Ferdinand von Bul⸗ 3 direkt aus Serbien und Rußland kamen, wobei er berüchtigte serbische Major Tankositsch, der in dem Mordplan gegen den Erzherzog Franz Ferdinand eine her⸗ vorragende Rolle spielte, in den Attentatsplan verwickelt erscheint. Der Hauptangeklagte Anastasow gab an, daß ein wisser Manolow nach Rußland geschickt wurde, um t Gelder in Empfang zu nehmen, die für die Ermordung des Königs ausgesetzt waren. Der Mitangeklagte Sanko Antonow erklärte, er habe den Auftrag gehabt, zum Major Tankositsch nach Serbien zu reisen, der Geld für die Er⸗ mordung des Königs aus serbischer und russischer Quelle erhalten würde. Das Attentat hätte zwischen dem 5. und 6, Januar ausgeführt werden sollen. Und wer stand hinter diesen Dunkelmännern? Kein geringerer als Seine Exzellenz der ehemalige Herr Staatsminister Dr. Genadiew, Führer der Stambulowistenpartei, vertrauter Berater des Königs und Reisender in politischen Angelegenheiten für die Gebiete des Dreiverbands. Genadiew war mit Vikanti Anastasow aufs engste befreundet, hatte ihn schon wiederholt dent Ermordung mißliebiger oder„gefährlicher“ sönlich⸗ eiten angestiftet und ihm jedesmal zu diesem sufe ein aufeuerndes Trinkgeld von 10000 Leva in die Hand gedrückt. Kaum war das zu Protokoll des Kriegsgerichts gegeben, da wurde bekannt, daß auch der kürzlich abberufene eng- lische Gesandte Bax⸗Ironside ein guter Freund Gena— diews und ein zahlender Gönner der ganzen Mordbande war. Der e Ministerrat befaßte sich mit der Nach⸗ 5 g dieses Verdachts, und siehe da, Bax⸗Ironside ver⸗ 0 nd, um den öffentlichen Skandal zu vermeiden. In fleißiger Zusammenarbeit mit Genadiew und dem russi⸗ chen Gesandten Sowinsky hatte er die sattsam bekannten Drohungen und Ueberredungskünste angewandt, um die öffentliche Meinung Sofias für die Angebote des Dreiver⸗ bands zu gewinnen. Er schlug den Bulgaren ein Tausch⸗ geschäft vor. Sie sollten sich mit einem winzigen Stück des serbisch gewordenen Mazedonien begnügen und dafür die d auf das türkische Thrazien legen. Für das thra⸗ ische Linsengericht sollten sie Verrat an ihren mazedoni⸗ 5 schen Brüdern üben. Um Thrazien zu erwerben, sollten die 8 ihre Truppen mit Indern und Australiern auf Gallipoli vermengen. Damit Konstantinopel russisch werde, sollte das bulgarische Heer die Griechenland abgelehnt hat und Aufgabe übernehmen, die gegen die sich sogar Italien 105. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Dienstag, 13. Juri 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. N 3 R. Lange, Gießen. Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S851, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. mer noch leugnen? Berlin, 12. Juli.(Priv.⸗Tel) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Sofia: Der Präsident des Kriegsgerichts verlas nach der Anastasows sie mit dem Taschentuch das Signal zum Attentas gegen den Kö geben sollte, und daß der frühere Minister Dr. 10 000 Franken hat großes Aufsehen hervorgerufen. Neues vom Seldmgrschal Hindenburg. Aus dem Großen Hauptquartier wird uns ge⸗ schrieben:. 4. Wer den Heldenkampf um die Befreiung und Verteidigung des deutscken Nordostens recht würdigen will, muß ein besonderes Augenmerk auf die Stelle richten, wo das südliche Masuren an Westpreußen grenzt. Die Aufmerksamkeit der ganzen Welt war 5 gelenkt, als der General von Hindenburg den Russen bei annenberg die erste vernichtende Niederlage beibrachte. Seit⸗ dem sind in dieser Ecke gewaltige Schlachten von weithin klingen⸗ den Namen nicht mehr geschlagen worden; wohl aber haben dort zahllose schwere Gefechte stattgefunden, die von unseren Truppen äußerste Spannkraft und Widerstandsfähigkeit forderten und daher verdienen, einmal in großen Zügen dargestellt zu werden. Die schwerwiegende Bedeutung eines russischen Einbruchs auf Oste⸗ rode— Deutsch⸗Eylau lehrt ein einziger Blick auf die Karte: es! dreht sich um die Abtrennung des deutschen Landes vechts der Weichsel vom Reiche. Das war natürlich nicht nur den Ost⸗ preußen klar, die immer— solange überhaupt noch eine Gefahr bestand— mit mindestens gleicher Sorge nach Süden wie nach Osten blickten, sondern auch den Russen. Diese haben für eine Operation auf den Unterlauf der Weichsel hin günstige Eisen⸗ bahn verbindungen. Die drei bei Ostrolenka endenden Bahnstrechen ermöglichen dort schnelle Ausladungen großer Truppenmassen, und die Linie Warschau—Mlawa— Soldau führt geradewegs in das Einmarschgebiet hinein. Darum ist der Besitz Mlawas von so hohem Wert. Es klingt glaubhaft, daß der russische Ober⸗ befehlshaber im Februar befohlen haben soll, Mlawa zu nehmen, Di eee 5 die Narewarmee, die sten i ver an dieser Stelle unternahm, ihr furchtbares Ende zwischen und in den südmasurischen Seen gefunden hatte, gingen die Russen längere Zeit hindurch hier nicht mehr mit starken Kräften vor. Immerhin. 5 die verhältnismäßig wenigen Truppen des Generals v. Zastrow, die in breiter Front die Grenze schützen. und während der Vorbereitungen zu dem zweiten deutschen Einfall in Polen die Aufmerksamkeit des Feindes auf sich lenken sollten, eine recht schwere Aufgabe. Sie drangen weit in Feindesland ein, mußten Glocken. Ein Stimmungsbild aus dem Westen. Man schreibt uns aus dem Felde: Wir waren abgelöst und am Abend vorher aus dem Schützen⸗ 5 1 in das Ruhequartier gekommen. Wie immer an diesem, „hatten wir Appell und allerlei anderen Dienzt gehabt, hatten unsere„Badereise“ hinter uns(wir marschierten immer am Tage nach der Rücktehr aus dem Schützengraben nach einam kleinen Nest hinter der Front, um all den Schmutz und Staub von uns abzuspülen) und waren begreiflicherweise nun hundemüde. Draußen war schon die Dunkelheit angebrochen und wir dachten gerade daran, uns im Stroh unser Nachtlager zurecht⸗ A als plötzlich 5 5 8 aus einem 9 geregt zum Scheunentor hereinstürzte und uns zurief:„Wenn wieder einmal Glocken 5— hören wollt, so kommt gleich b Wie der Blitz waren wir auf den Beinen und eilten hinaus in die sternenhelle Sommernacht. Dort standen schon die anderen, einzeln oder in Gruppen, schweigsam und lauschend. Als wir um die Ecke der Scheune bogen, schallte es auch uns entgegen, voll,, tönend und feierlich: bumm, bamm, bumm, bumm, bamm, bumm—, die Glocken von E.! 75 Gegend, in der wir lagen, war zwar reich an Dörfern und Kirchen, aber an— zerstörten. 5 viele von uns schon monatelang leine Glocken mehr ören. — Ein Summen und Klingen, vermischt mit dem Duft blühender Linden wehte zu uns herüber— so süß und doch so herb. Tönte, doch das Läuten so heimatlich in uns wieder, klang es doch so tröstend für die kriegsharten und doch so weichen Herzen, der deutschen Barbaren. Da standen die wetterfesten feldgrauen Krieger und horchten ergriffen auf die harmonischen Töne. Heimatklänge! Und Bilder der Heimat waren es auch, die vor unseren Augen Augen emporstiegen: das Kirchlein daheim, umkränzt von lachen⸗ den Fluren, Wald und Feld, 1 1— Berge und liebliche Täler, Eltern und Geschwister, Weib und Kind— all dies sahen wir in jener Racht beim Klange der Glocken. Manch alter We nn ist leise abseits gegangen, und manche ille heiße Träne ist damals über verwitterte Wangen in dem unklen Kriegerbart gelaufen. Selbst die Gefühllosen und Ver⸗ stockten unter uns, die sonst nicht so leicht aus ihrer Gemütsruhe zu bringen waren, schwiegen an diesem Abend still und horchten auf eine leise Stimme in i Innern, die ihnen erzählte von Heimat, Friede und stillem Glück, von dem sie wohl früher schon 5 8 81 das sie aber nie verstanden hatten. Und immer noch ie Glocken weit hinaus in die französischen Lande.— Später erfuhren wir auch, warum die Glocken läuteten: Lemberg war gefallen! in unseren Herzen stieg eine heiße Dankbarkeit für unsere * Kameraden im Osten empor. Zur selben Stunde, da sie zu neuen Taten und Siegen rüsteten, jubelten in. riefen f Die Stunde der Ruhe war gekommen, Das Klingen der Glocken lag uns allen noch im Ohr und mit ihm schliefen wir ein. Es mischte sich in unsere Träume und ein leises zages Hoffen schlich sich in das träumende Herz: Friede? Am anderen Morgen aber erwachten wir wieder unter dem Bullern der Kanonen in der Ferne. Der Friedenstraum war vorüber, schwer und ernst stand uns die Wirklichkeit gegenüber, doch was sie fand, waren entschlossene und ernste Männer. R. Scholz. 0 Auf nach Valencia? Die Gerüchte, der Papst würde Rom verlassen, wollen nicht verstummen und haben durch das vielbesprochene Interview neue Nahrung bekommen. Das einzige Land, das dem Oberhaupt der katholischen Welt eine Zuflucht bieten kann, ist Spanien. Und da sind es besonders zwei Plätze, die für eine mögliche päpst⸗ liche Residenz in Frage kommen. Valencia, das den Beinamen „del Eid“ führt, nach dem Helden des spanischen Nationalepos, das auch in Deutschland durch Herder so bekannt geworden, daß wir aus ihm neben Zitaten wie„Rückwärts, rückwärts, Don Rodrigo!“ auch das nun doppelt geflügelte Wort:„Auf nach Valencia!“ in unseren täglichen Gebrauch übernommen haben. Der Cid Cam- peador—— Held) eroberte im Jahre 1094 die Stadt und herrschte bis zu seinem Tode, 1099, daselbst. Dann fiel sie wieder in die Hand der Mauren und blieb in deren Besitz, bis 1238 Jakob I. von Aragonien sie zurückeroberte. Die Stadt am Guadalaviar gelegen, erscheint mit ihren engen kleinen Gassen nicht allzu ge⸗ eignet, seine Heiligkeit zu beherbergen. Der alte bischöfliche Palast, das Dominikanerkloster, der„Palacio de justicias“, die gotische Lonja, sollten die Bewohner des Vatikans aufnehmen? Das stille Carmeliterkloster ist schon seit langem in ein Museum umgewandelt, in dem man die Maler der valencianischen Schule bewundern kann. Juanes, Espinosa und vor allem Ribalta. In dem Saal der Mo dernen befinden sich vier Bilder von Goya. Valencias Schönheit bilden seine wundervollen, sich um die Stadt ziehenden Huertas (Fruchtgärten), bewässert durch eine noch von den Mauren angelegte Wasserleitung. Ihre Obstbäume versorgen Spanien und, in fried⸗ lichen Zeiten, auch das 99 Ausland mit den herrlichsten Süd⸗ früchten. Die Stadt an sich bietet sonst wohl nichts, um dem Papst auch nur einigermaßen einen vorübergehenden Ersatz für sein bis⸗ eriges„Gefängnis“ zu gewähren. Abgesehen davon, daß die ganze eschränktheit der kleinen spanischen Provinzialstadt kaum geeignet erscheint für den päpstlichen Hofhalt, gilt auch das Klima Valencias ür das heißeste Spaniens. g Annehmbarer und verständlicher erscheint der Vorschlag des jugendlichen, gastfreien Königs Alfons XIII., der als treuer Sohn seiner Kirche deren Oberhaupt den Escorial zur Verfügung gestellt hat. Hier ist es wohl möglich, dem vatikanischen Hofhalt ein würdiges Unterkommen zu schasfen. Zwei Stunden von Madrid entfernt, liegt am Fuße des Guadaramagebirges der Escorial. Siegesglocken gen Himmel: Heil und Sieg, ihr heute noch sträubt. Die Ränkespinner wußten nicht, daß die Narben des ersten Balkankrieges verheilt sind, daß es für die Bulgaren nicht mehr Daseinsnotwendigkeit ist, sich gegen die Türken zu wenden. Als die türkisch-bulgarischen Ver⸗ handlungen in Konstantinopel in ihren ersten vorbereitenden Anfängen begannen, da merkte man in der englischen und russischen Gesandtschaft zu Sofia, daß man das offene Spiel verloren hatte, und es begann das verbrecherische Spiel hin— ter den Kulissen. Genadiew, von der Regierung Rados— lawows als bulgarischer Vertreter ausdrücklich abgeschüt— telt, sollte durch den Bombenstreich Vikanti Anastasows Minister werden. Für König Ferdinand war ebenfalls die Bombe schon bereitgestellt. Serafim Manow, eine Kreatur Genadiews, sollte die Bombe vor das Automobil werfen, die Frau des Vilanti dazu mit dem Taschentuch das Zeichen eben. Genadiew, der bei Hofe ein- und ausging, hätte dem könig vielleicht zu dieser Autofahrt aus irgend einem Grunde geraten. Und in der englischen Gesandtschaft wären die Schecks ausgestellt worden, mit denen man die„gute Arbeit“ bezahlte. Will man in London und Petersburg im— Verkündung des Urteils im Bomben-Attentats-Prozeß ein Proto⸗ koll, in dem es u. a. heißt, daß nach dem Geständnis Helen Genadiew die engsten Beziehungen zu Vikenti Anast a so w unterhielt, dem er größere Summen in einer Gesamthöhe von gab. Der Gerichtshof habe beschlossen, eine Unter⸗ suchung gegen die beiden Genannten einzuleiten. Der Beschluß — vor einem überlegenen Gegner bis an die Grenze zurüchveichen und gingen kurz vor Weihnachten wieder vor, um Mlawa endgültig zu besetzen. Die Front verlief west⸗östlich, der rechte Flügel hing also zurück. Da tauchte im Januar bei den Russen An„neuer gigantischer Plan“ auf; sie wollten mit großen Kavalleriemassen, gefolgt von starken Kräften, zwischen Mlawa und der Weichsel nach Westpreußen einbrechen und gleichzeitig von Kowno her im nörd⸗ lichen Ostpreußen stehende deutsche Truppen umfassend angreifen. Der neue Plan wax also im wesentlichen nur eine Wiederholung des alten, im Herbst gescheiterten. Diesmal blieb er jedoch in den ersten Anfängen stecken, da er mit einem schneller durchgeführten deutschen Offensivplan zusammenfiel. Alle verfügbaren deutschen Kräfte wurden zu dem großen umfassenden Gegenstoß bereitgestellt, der dann in der masurischen Winterschlacht zur Vernichtung der 55 ee Armee östlich der Linie Johannesburg— Gumbinnen rte. 9 Zugleich wurden auch die deutschen Truppen an der Südgrenze West⸗ und Ostpreußens etwas verstärkt. Die Führung erhielt der General der Artillerie v. Gallwitz. Er hatte den Auftrag, die rechte Flanke der in Masuren angreifenden Armeen zu schützen und seinen Grenzabschnitt gegen den russischen Einbruchsversuch zu sichern. Dazu ging er offensiv vor. Zunächst wurde der rechts Flügel in scharfem Draufgehen nach vorwärts geschoben, bis er Plod erreichte, das inzwischen zu einer starken deutschen Festung ausgebaut war. Garde-Regimenter und eine e 5 ernteten bei diesem schneidigen Einmarsch reiche blutige Lor⸗ beeren in der Gegend von Sierpe und Racionz. Sie trieben einen überlegenen Gegner vor sich her und leisteten schließlich einen dreifachen Uebermacht erfolgreichen Widerstand. Ein besonderen Glücks- und Ehrentag der Gardetruppen war der von Drobin, ww sie einen bereits geglückten russischen Ueberfall in eine schwere Niederlage des Feindes verwandelten, der dabei 2500 Gefangene 5 verlor. Das war Mitte Februar. Aber General v. Gallwiz plante Größeres. Er wollte durch einen umfassenden Angriff von beiden Flügeln her das ganze vor seiner Front liegende Gebiet zwischen Weichsel und Orzyc säubern. Der rechte Flügel solltg weiter nach Osten einschwenken, und die in Willenberg eingetroffenen Heeresteile erhielten Befehl, vom Orzye her die offene rechte 5 Flanke des Feindes zu umgehen. Sie kamen, weit ausgrei 1 östlich an Prasnysz vorbei und schwenkten südlich um die Stadt herum, die nur schwach besetzt sein sollte. Da ergab sich aber, daß angesichts des überraschend schnellen Vormarsches der Deutschen eine russische Division nach Prasnysz geeilt war. Der Angriff wurde beschlossen. Inzwischen hatten jedoch die Russem große Truppen⸗ massen am Narew zusammengezogen und gegen Prasunsz in Marsch gesetzt. Zwei russische Korps gingen gegen den linken Flügel der deutschen Truppen vor. Trotzdem wollten diese auf die große Beute, die sich bot, nicht verzichten. Ein Teil noch ver- fügbarer Kräfte wurde zur Sicherung gegen den nahenden, weit 7 überlegenen Gegner im Halbkreise aufgestellt und unter diesem Schutze stürmte am 24. Februar eine Reserve⸗Division Pras⸗ nysz. Ueber 10000 Gefangene, darunter 57 Offiziere, 36 Ge⸗ schütze, 14 Maschinengewehre und viel anderes 5 fielen eit. bi l in die Hand der Sieger. Allein es war höchste Zeit, in Sicherheit zu bringen, denn schon war die russische 5 macht, gegen die ein Widerstand auf diesem schobenen Posten fruchtlos gewesen wäre, in bedrohliche Nähe gerückt. Unter sehn erheblichen Schwierigkeiten zogen sich unsere Truppen 3 in die große Verteidigungslinie im Orzye⸗Bogen zurück, nachdem sie den russischen Drängern noch riesige Verluste zugefügt 13 Der kecke Sturm auf Prasnysz hatte eine sehr beträchtliche Wirkung: er täuschte den Feind, der nun an dieser e den Feld⸗ marschall v. Hindenburg selber mit starken Kräften vermutete. Das machte sich in der Folgezeit für die Truppen des Generals vom Gallwitz aufs schwerste fühlbar. Denn nun warfen die 2 im⸗ mer neue Korps hierher, um die Scharte der masurischen Winter⸗ schlacht auszuwetzen und die deutsche Linie in Richtung Soldau— Neidenburg zu durchbrechen. Unter solchen Umständen konnte der deutsche Führer an die Fortsetzung seiner Offensive nicht mehr denken, sondern mußte eine hartnäckige Verteidigung vorbereiten, auf deren Gelingen die beteiligten Truppen stolz sein dürfen al, auf eine der besten Waffentaten des deutschen Heeres. Unsere St lung bildete bei Mlawa einen Winkel, da sie einerseits nach Süd westen auf Plock hin, andererseits nach Ostnordost über die Höhen nördlich Praszuysz hinweg verlief. In diesem Winkel schoben die Russen Ende Februar-Anfang März ihre Truppenmassen zunächst gewaltige Bau da. Der große Häuserkomplex mit Kirche, Klo und Schloß erinnert in seiner Abgeschlossenheit an den Vatikan, der Gedanke Michelangelos für den Bau von St. Peter ist hier in der Kirche nachgeahmt. Keine großartigere Stätte könnte der Papst außerhalb Roms finden, um in Ruhe seines Amtes zu walten. Vielleicht spricht er bald, in anderem Sinne als Philipp II.:„Ruh finde ich in Escorial!“ Nahe bei Madrid gelegen und durch eine 5 gut gehaltene Chaussee mit der Hauptstadt verbunden, lockt der 2 Escorial zwar durch seine Umgebung die elegante Welt der spa⸗ nischen Residenz an schönen Sommertagen an, aber auch das wird den Papst nicht stören. Ein eigenartiger Reiz liegt in dem schar Gegensatz zwischen der Strenge und Einfachheit des königli 5 Palastes und dem eleganten Leben und Treiben der reichen Madri⸗ lennos. Durch Roms lautes Straßenleben ist der Vatikan ja an ein solches Treiben gewohnt, und jedenfalls wird gegen die in diesen 7 Zeiten doppelt leidenschaftliche Unruhe der italienischen Hauptstadt Madrid wohltuend abstechen. Denn, wiederum mit Schiller, wird der Papst, wenn er nach Spanien übersiedelt, feststellen können; „Man ist sehr ruhig in Madrid. Und das ist mehr, als sich dass ganze übrige Europa zu erfreuen hat.“ 5 1 175 — Eine Schreibmaschine für Einarmige. Die⸗ selbe Geschmeidigkeit, mit der die deutsche Industrie sich den Kriegs⸗ bedürfnissen angepaßt hat, beginnt sie bereits jetzt in der Berück⸗ sichtigung der Bedürfnisse unserer wackeren Kriegsversehrten zu bekunden. Zweifellos ist neben der ärztlichen Wissenschaft beson⸗ ders die Technik berufen, auf dem Gebiete der Kriegskrüppelfürsopge segensreich zu wilken, indem sie Arbeitsgeräte schafft, die n ihrem Aufbau den Verhältnissen der ihrer Glieder und deren Be⸗ tätigungsmöglichkeiten ganz oder teilweise Beraubten angepaßt sind. Ein solches Arbeitsgerät ist nun die von dem Hause Julius Pintsch in Frankfurt a. M. auf den Markt gebrachte Schreib⸗ maschine für Einarmige, über die die bekannte, ber Otto Spamer 55 in Leipzig erscheinende Zeitschrift„Prometheus“ nähere Angaben 55 veröffentlicht. An sich ist es allerdings wohl möglich, eine der gewöhnlichen Schreibmaschinen mit einer Hand zu bedienen, doch würde man dabei nicht besonders schnell arbeiten können. Deshalb ist die Leistungsfähigkeit der Schreibmaschine für Einarmige da⸗ durch erhöht worden, daß man eine Rei g Hilfe von Pedalen durch en läßt.* sche hatten. 5 Da die Maschine keine Klaviatux durch einen Handhebek bedienß der hr Ganz aus grauem Granit erbaut, scheint er selber ein Stück Fels zu sein. Grau in Grau, düster un ernst, steinern und bolt, steht der hinein— dann brachen diese mit unerhörter Wucht vor. war ihr Ziel. In dichten, sich ständig erneuernden Ko⸗ lonnen stürmten sie, ohne jede Rücksicht auf die furchtbaren Ver⸗ lluste, gegen die Stellungen östkich und südlich von Mlawa an. Aber die Menschenwogen brachen sich an dem Felsen deutscher Tapferkeit. Unsere Truppen hielten aus. Bei Demsk, östlich von Mlawa, findet man heute eine lange Reihe flacher, mit weißen Steinen eingefaßter russischer Massengräber vor den deutsch Drahthindernissen— ernste Zeugen des Mißerfolges, den 48 russi⸗ sche Kompagnien im Sturm auf 10 deutsche davongetragen haben. Der Frost hatte die Sumpfgegend, aus der hier der Orzyc ent— springt, gangbar gemacht und so dem Feinde die Annäherung an unsere Stellung gestattet. Nachdem über 1000 Geschosse aus schweren Geschützen in und hinter Demsk eingeschlagen waren, folgten die unaufhörlichen An⸗ griffe der Infanterie. In der Nacht des 7. März kamen sie bis unmittelbar an den Stacheldraht. Aber unsere Scheinwerfer und Lereuchtpistolen verbreiteten genug Licht, um nun dem verheerenden Infanterie⸗ und Maschinengewehrseuer den Weg zu weisen. Was vom Feinde nicht fiel, floh in die nächste Bodenfalte zurück, wo das Scheinwerferlicht die Verzweifelten bis zum Tagesanbruch festhielt. Dann ergaben sie sich den vorgesandten deutschen Patrouillen. Viel Munition, 800 Gewehre wurden genommen. Vor der Front fand man an dieser Stelle 300 tote Russen. Einige Kilometer nördlich aber, bei Kapusnik, wo der Feind in unsere Schützengräben eim⸗ gedrungen war und durch einen verzweifelten Bajonettkampf wieder vertrieben werden mußte, liegen 906 Russen begraben— und 1064 Deutsche. 1 Im ganzen hatte der Feind bei seinen vergeblichen Angriffen auf Mlawa viele Tausende verloren; so viel, daß seine Kampfkraft er⸗ sthüttert schien und General v. Gallwitz mit teilweise frischen, Kräften nun seinerseits einen Vorstoß versuchen konnte. Dieser begann am 8. März, kam aber am 12. März nördlich Prasznuysz zum Stehen, da auch die Rirssen von Neuem bedeutende Ver⸗ N stärkungen erhielten. Sie waren bald in großer Ueberzahl. Auf etwa 10 Armeekorps und 7 Kavallerie-Divisionen wurde ihre Stärke geschätzt. Wir mußten uns wieder auf die Verteidigung ein- richten, und unsere Truppen, die zum Teil schon 4 Wochen lang in fast ununterbrochenem Kampf gestanden hatten, mußten einen neuen n Stoß aushalten. Der ging diesmal nicht auf Mlawa zu, ondern nordöstlich von Praszuysz am Orzye und Omulew hin- auf. Er wurde nach russischer Eigenart in sehr zahlreichen und sehr heftigen Angriffen geführt. Man zählte vom 13. bis zum 23. März 46 ernstere Sturmversuche, 25 bei Tage, 21 bei Nacht. Fiast alle brachen bereits im Feuer unserer Truppen zusammen, peenige gelangten bis in die deutschen Gräben. Besonders schwere Kämpfe fanden bei Jednorozec statt. Wieder erlitten die Russen erhebliche Verluste, ohne ihrem Ziel näher zu kommen: die Süd⸗ grenze Altpreußens war wohl 5 und ein Einbruch in die lanke unserer Oststellung undurchführbar. In der letzten Märzwoche flauten die russischen Angriffe ab, und seit Ostern herrscht an dieser Stelle der Kampffront meist Ruhe. Sie ist dem heldenmütigen Widerstande der Truppen des Generals v. Gallwitz zu danken. Sechs Wochen lang haben sie in Lälte und Nässe, in Schnee und Sturm ruhelos, unermüdlich die Leimat verteidigt und sich glänzend bewährt. Es war keine Schlacht mit weithin klingendem Namen— aber es waren viele, viele harte Kämpfe, deren Erfolg den mancher großer Schlacht übertrifft. In diesem Sechswochen⸗Ringen um das südliche Ein⸗ flallstox in Altbreußen haben die Truppen des Generals v. Gall⸗ witz 43000 Russen gefangen genommen und gegen 25 000 ge⸗ tet. Der Gesamtverlust des Feindes überschreitet sicherlich die Zahl 100 000. Wer unsere braven Truppen jetzt fröhlich in ihren Waldhütten und geräumigen Schützengräben hantieren sieht, ver⸗ 3 ißt beinckhe, welch harte, blutige Zeit hinter ihnen liegt. Aber die zahllosen Soldatengräber, die über das ganze blühende Land 8 verstreut sind, und die Trümmer der Städte und Dörfer halten die 3 Erinnerung wach Auch dieser Teil des Kriegstheaters hat viel Leiden, hat viele Helden gesehen. —— Ein Besuch im italienischen Hauptquartier. Die Meldungen des Generals Cadorna werden mit der Zeit kürzer, der Stoff für die strategischen Betrachtungen in den Zei⸗ tungen wird somit knapper, und so gewinnen die allgemeinen 5 en von den äußeren Umständen der Kriegführung in den Spalten der italienischen Blätter mehr an Raum. Erst 7 es, daß die Presse vom Hauptquartier ausgeschlossen sein sollte, aber jetzt liest man die Schilderungen eines Sonder⸗ berichterstatters des„Giornale d' Italia“, der dem Hauptquartier einen Besuch abgestattet hat. Wie es in einer italie⸗ nischen Darstellung einer italienischen Angelegenheit nicht anders sein kann, ist danach dieses Hauptquartier der Inbegriff von allem, was man von einem solchen erwarten darf und was insbesondere das sehr demokratisch empfindende italienische Volk erwartet. Man könnte glauben, versichert der Berichterstatter, daß man ein Kloster vor sich habe, wenn man das riesengroße Haus aus dem 17. Jahr⸗ N 3 mit seinen völlig gleichmäßigen Fensterreihen in einem blühenden Garten vor sich sieht; jedenfalls würde niemand ver⸗ muten, daß dies die Hirnschale ist, in der das militärische Gehirn staliens„siedet“. Wachen gewahrt man nicht, nur Schranken, die kein einfacher Bürger überschreiten darf. Im Innern dieses Hauses arbeiten etwa 50 Männer 14 Stunden täglich; sie sind unzugänglich für jeden, der nicht mit der Sache selbst etwas zu tun hat.„Es ist ein Hauptquartier, das würdig eines liberalen Volkes ist, das sich für seine Freiheit schlägt. Jede imperia⸗ listische Aeußerlichkeit ist hier unterdrückt.“ Um 6 Uhr früh be⸗ 4— die Arbeit, die den ganzen Tag nicht einen Augenblick unter⸗ brochen wird. Die beiden Generäle Cadorna gund Porro arbeiten in zwei hellen Sälen, in denen man außer ihnen nur ihre Mit⸗ arbeiter sieht. Beide begeben sich fast täglich zur Kampflinie; nur von wenigen bemerkt, sausen sie im Auto hinaus, gelangen 57 vorderen Stellungen, beobachten und kehren dann zurück. lbst die Soldaten an der Front werden ihrer kaum gewahr. Cadorna legt auf diese unmittelbaren Eindrücke das größte Ge⸗ wicht.„Eine halbe Stunde direkter Beobachtung eines Kampfes st mehr wert als ein halber Tag Studium auf der Karte,“ sagte er kürzlich, s seine Umgebung In darauf Aufmerksam machte, 4 en vorgeschobenen Posten in Wesahr wäre. Wenn) die Nacht herabsinkt, hört die Arbeit im Hauptquartier auf. Die Kämpfe des nächsten Tages sind dann auf Grund der letzten Meldungen bereits angeordnet, der Draht hat„die Befehle, die RNatschläge und die Ermutigungen“ zu den verschiedenen Stellen der weiten Front übermittelt. Alsdann begeben sich die Generäle mit ihrem kleinen Gefolge zur Mahlzeit, die im großen Speisesaal des Hauptquartiers selbst an der strengen und nüchternen Tafel eingenommen wird. Manchmal nimmt auch der König daran teil. Um 10 Uhr begeben sich die Häupter des Heeres zur Ruhe. ieser Schilderung der Hauptquartier ⸗Idylle erzählt der 5 erstatter vom König, der für sich unter den vielen Palästen und prächtigen Villen, die ihm angeboten wurden, eine bescheidene, ruhige und in einem friedlichen Winkel der Campagna verlorene kleine Villa als Wohnsitz gewählt hat. Auch der König legt das größte Gewicht darauf, nicht durch irgend welche Aeußerlichkeiten aufzufallen; oft erkennen ihn selbst die Soldaten nicht, wenn er in feldgrauer Uniform ohne jedes Abzeichen im Automobil vor⸗ überfährt. Das königliche Automobil aber erscheint überall. Es vergel! kein Tag, an dem die Soldaten den König nicht an drei oder vier Stellen der Front sehen, die Hunderte von Kilometern aus⸗ einander liegen. Immer kommt er unerwartet an, auch bei den Generalen; ex geht vor zu der Kampflinie, begibt sich auf erhöhte Punkte und folgt bisweilen stundenlang dem Feuer einer Batterie oder dem Manöver einer Infanterieabteilung. Nach den ermüden⸗ den Fahrten längs der Feuerlinie bleibt er abends nach der Rück⸗ fehr noch lange beim Studium der wichtigsten Probleme des italie⸗ nigen Vormarsches.„Mehrmals haben unsere Generale mit Erfolg die Ratschläge und Urteile des Königs beherzigt,“ versichert der Berichterstatter des„Giornale d'Italia“ mit großem Nachdruck. 5 . ——— r 3 Aus Stadt und cand. Gießen, 13. Juli 1915. Das Schwarzwild in Hessen und Nassau. Die Schwarzkittel des Wisptertals und seiner Neben- schluchten richten, wie die Zeitungen dieser Tage melden; in der Gemarkung Lorchhausen a. Rh. gegenwärtig wieder schweren Schaden an, so schwer, daß eine nächtliche Bürger⸗ wehr gebildet werden mußte. Die Wildschweine leben im Wispertal noch in freier Wildbahn als Standwild und als letzter Rest der vielen Rudel, die ehedem in Nassau und Hessen die Wälder bevölkerten. In Nassau ist das Schwarz- wild seit etwa 60 Jahren verschwunden; nur bei Lorchhausen hält es sich noch in starken Rudeln auf. In den Jahren 1891 bis 1900 erlegte man hier noch 146 Stück, darunter 58 starke Sauen. Man hat in weiten Kreisen mit dem ritterlichen Schwarzkittel hier am Rhein ehrliches Mitempfinden; denn der Kampf gegen ihn wird von Jahr zu Jahr heftiger und wird zweifellos mit dem Siege des Menschen enden. Das Wildschwein ist ein Urbewohner des Rhein-Main- gebietes. Von all den stolzen Mitgefährten jener grauen Tage, dem Torfrind, Elch, Rothirsch, Urstier, Wolf und Biber sind nur noch das Wildschwein und der Rothirsch als Vertreter dieser reichen Großtierfauna vorhanden. Dem Schwein wurde durch die Kultur der Verbreitungsbezirk immer 9 umhegt; es nimmt demzufolge auch ständig an Stärke und Gewicht ab. Noch im 16., 17. und 18. Jahrhundert weisen die Wildstrecken Kurhessens, Hessens und Nassaus jetzt schier unglaubliche Ziffern auf. Der Reinhartswald lieferte 1559 3. B. 1120 Sauen. 1724 wurden in Hessen noch über 800 Sauen erlegt, davon 562 allein im Darm- städter Wald. Manches Tier wog ausgehauen 4—4½ Ztr., wahre Riesen gegen die Schwarzkittel unserer Tage. Im Mönchsbruch, den sauenreichen Sumpfwäldern des linken Untermaingebietes, erlegte man in den Jahren 1730—50 nicht unter 400 Sauen jährlich. Eine Jagd in den Buchen bei Langen brachte 160 Tiere zur Strecke. Mit dem aus- gehenden 18. Jahrhundert nahm der Wildsauenbestand schou merklich ab; er verschwand fast völlig aus der freien Wild—⸗ bahn. Die Herzöge von Nassau hielten beim Jagdschloß Platte bei Wiesbaden noch einen Wildpark, ließen ihn in der Folgezeit aber abschießen. Nur in den großherzoglichen Parks bei Darmstadt wird der Schwarzkittel noch gehegt als Rest eines dahinsterbenden ritterlichen Weid- und Jagd— tieres. * * Ritter des Eisernen Kreuzes. Musk. Hch. Gimbel aus Dillenburg. Kanonier Wilhelm Becker aus Winkels, beim Feldart.-Regt. 35. Leutnant Armin Leweck aus Wetzlar, Inf.⸗Regt. 91(1. Kl.). Off.⸗Stellv. Alfred Kuh⸗ wede aus Burg-Gräfenrode. Landsturmmann Josef Brack von Niederwald. Wehrmann Hermann Neu aus Nieders— hausen, Feldart.- Regt. 27. Gefr. Rötzel aus Breungeshain. Landkreis Gießen. Staufenberg, 12. Juli. Als zwölstes Opfer des Krieges aus unserem Städtchen wurde am vergangenen Sonntag Vize— seldwebel Heinrich Kraft vom Reserve-Insanterie-Regiment 222 unter großem Trauergesolge zu Grabe getragen. Krieger- und Gesangverein, sowie eine Abteilung Landsturmleute, viele Erholungs— bedürstige und bekannte Kameraden aus Staufenberg und Um- gebung gaben dem Verstorbenen sein letztes Geleite. Dekan Gu ß— mann hielt eine tief zu Herzen gehende Trauerrede. Es wurden verschiedene Kränze niedergelegt. Gesangvereinsmitglied Sommer gedachte des Verstorbenen als Präsdenten und eifrigen Förderers des Vereins mit warmen Worten, worauf Offiziers-Stellvertreter Rabenau dem Toten gleichfalls Worte kameradschaftlichen Ge— denkens widmete. Zum Schluß der Trauerseier wurden die üblichen Ehrensalven abgegeben. Kreis Alsfeld. Groß⸗Felda, 12. Juli. Am Sonntag hatten sich 9 Jugendwehren, zusammen etwa 1500 Mann, aus den eß] Kreisen Alsfeld und Schotten, zu einer größeren Gefechts übung zusammengefunden. Es nahmen daran teil die Jugend- wehrkompagnien Alsfeld, Romrod, Zell, Angenrod, Ruppertkenrod⸗Ober⸗Ohmen, Bobenhausen II., Helpershain, Ulrichstein und Groß-Felda. Zwischen hier und Zeilbach fand die Uebung statt. Sattlermeister Völ⸗ sing⸗Groß⸗Felda, der Führer der hiesigen Jugendwehrkom⸗ pagnie, hatte zwei hintereinanderliegende vorschriftsmäßige, sogar mit Unterständen eingebaute Schützengräben in einer Länge von 30—40 Meter auf der Höhe nördlich Zeilbach auswerfen lassen. Das Ziel der Gefechtsübung war, die beiden Schützengräben samt der Höhe zu stürmen. Verteidigt war die Höhe von den Kompagnien Alsfeld, Zell, Romrod, Angenrod und Groß⸗Felda. Die übrigen vier Jugendwehren hatten die Aufgabe, die verteidigten Stellungen zu nehmen. Um 3 Uhr begannen die einzelnen Züge vorzu 5 sie führten sogar eine der Jugendwehrkom pagnie Ulrichstein gehörende, eigens dazu selbst hergestellte 24⸗Millimeter⸗ „Kanone“ mit. Schon nach% Stunden waren die Gräben samt der Höhe im Besitze der Angreifer. Nach Beendigung des Gefechtes versammelten sich die Führer sämtlicher neun Kompagnien zur Kritik, die der Führer der Ulrichsteiner Jugendwehr, Gerichtsdiener Schlörp, abhielt. Zum Schlusse hielt Pfarrer Reusch⸗Groß⸗ Felda Feldgottesdienst ab. Die Musikkapelle der Als⸗ felder Jugendwehrkompagnie spielte die beiden Lieder: Ein feste Burg ist unser Gott“ und„Ich bete an die Macht der Liebe“. Zu der großen Uebung waren eine außerordentlich große Menge Zuschauer aus den umliegenden Ortschaften erschienen. Sehr er⸗ staunt waren die Anwesenden, als sie sogar eine Verband⸗ stelle erblickten, auf der die Rote⸗Kreuz⸗Flagge wehte. Hier waren drei Mitglieder vom Roten Kreuz Alsfeld, sowie eine Rote⸗Kreuz⸗Schwester aus Bobenhausen für alle Fälle anwesend. Ebenso konnte man für wenig Geld bei einem Marketenderpagen erfrischende Getränke und einige Speisen bekommen. Dr. Hen⸗ rich s, Kreisrat im Alsfeld, war der Einladung zur Besichtigung der Uebung gefolgt.. 7 Kreis Lauterbach. r. Lauterbach, 11. Juli. Die Heidelbeerernte ist, wenn sie einigermaßen gut ausfällt, ein lohnender Verdienst der ärmeren Bevölkerung des Vogelsberges. In diesem Jahre ist jedoch das Pflücken eine recht mühevolle Arbeit. Obschon eine überreiche Blüte die Sträucher im Frühjahr schmückte und eine gute Ernte in Aussicht stand, sind die Beeren so klein ge— blieben, daß eine Person den ganzen Tag braucht, um einige Schoppen zusammenzubringen. Der Verdienst ist deshalb trotz der gehobenen Preise recht gering und die Beerensammler suchen sich lieber anderwärts eine lohnendere Beschästigung. Vorläufig wird der Schoppen von Privaten mit 15—25 Pfennig bezahlt, Händler— preise sind hier noch nicht sestgesetzt. O Schlitz, 12. Juli. Nachdem das hiesige Vereins ⸗ lazarett vom Roten Kreuz monatelang nur wenige Pfleglinge auszuweisen hatte, ist es nunmehr wieder mit seinen 38 Betten völlig besetzt. Durchweg sind es Leichtverwundete, die im prächtig gelegenen, waldumgebenen Städtchen Heilung und Ge— nesung suchen. Die Kornernte hat nunmehr auch im Schlitzerlande begonnen und sällt durchweg vorzüglich aus. Man hat Aehren gefunden, die bis zu 70 gut entwickelte Körner zählten. Da das Korn„trocken“ gewachsen ist, wird uns diesmal ein gutes Mehl beschert werden. 5 Kreis Schotten. Laubach, 11. Juli. Heute nachmittag entstand durch Funkenauswurf des Eisenbahnzuges, welcher 3 Uhr 5 Mi- nuten von hier nach Mücke geht, am Ringelsberg im Gemeinde— wald ein Waldbrand. Der Südwestwind trieb das Feuer in eine niedere etwa 15jährige Fichtenschonung, welche in einer Stunde wendung. Im allgemeinen sollten die Gaben von roß. Da an demselben Platze schon er inmal auß Weise ein Waldbrand entstand, so beabsichtigt die G bach, diese Fläche als Wiese anzulegen. 55 Kreis Friedberg. 8 w. Bad⸗Nauheim, 11. Juli. Eine seltene Ueberra wurde dem Personal des Tur haus⸗Theaters durch eine 5 ungenannten Kunstfreund zuteil. Am Abend vor seiner Abreise ließ er der gesamten Künstlerschaft als Dank für die 1 8 rag [Marburg, 12. Juli. Die Stadtverordneten be⸗ willigten zu dem Bau des Marburger Krüppelheims, dessen Grundsteinlegung kurz vor dem Kriege erfolgte, weitere 5000 Mk. mit der Maßgabe, daß die damit verbundene Turnhalle noch in diesem Jahre erbaut wird. Ferner wurde der Anschluß einer Anzahl weiterer Landgemeinden an die Ueberland⸗ zentrale beschlossen und der Plan zur Lahnregulierung vorgelegt. ———... Candwirtschaft. a Der Futterwert zuckerhaltiger Futtermittel.. Aus der 1914 er Ernte ist ein beträchtlicher Bestand an 7 haltigen Futtermitteln verblieben, der für den Haushalt der Futterstofse in der bevorstehenden Wirtschaftsperiode wertvoll ist, wenn er in der richtigen Weise ausgenutzt wi 1 7 5 In den Kreisen der Verbraucher erfahren die einzelnen Futter⸗ 1 mittel eine sehr verschiedene Bewertung. Am wenigsten beliebt ist das Melassefutter, dessen Einführung vielfach 1 immer be⸗ trächtlichen Schwierigkeiten begegnet. Es handelt sich um rohe un⸗ vermischte Melasse mit durchschnittlich 48 Prozent Zucker, die in 6 der Wirtschaft selbst durch Vermischung mit Spreu, Häcksel oder Stroh zur Fütterung geeignet gemacht wird um Torfmelasse mit durchschnittlich 70 Prozent Melasse und 30 Prozent Torfmehl und um Häckselmelasse mit rund 65 Prozent Melasse und 35 Proz. Strohhäcksel. Der Rohzucker(Erstprodukt mit rund 95 Prozent, Nachprodukt mit rund 90 Prozent Zucker) wird in nicht ver⸗ gälltem Zustand an die Verbraucher steuerfrei abgegeben, wenn er von letzteren nach Vorschrift der Steuerbehörde nachträglich vergällt wird. Als fertiges Futter wird er der Regel —— in einer Mischung von etwa 90—95 Prozent Rohzucker und 5 bis 10 Prozent Strohhäcksel geliefert. Die Schnitzel, d. h. gewöhnliche Trockeuschnitzel, Zuckerschnitzel und Melasseschnitzel, sind nur noch in geringen Mengen vorhanden, weil sie ein allgemein beliebtes f Futtermittel darstellen und daher zur Zeit der Beschlagnahme schon zum großen Teil vergriffen waren. 5 Von 3 Kraftfutterarten stehen zurzeit in größeren Mengen nur 1 Futtermittel zur Verfügung, und auch unter den aus der Verarbeitung der neuen Ernte anfallenden Kraft⸗ ö jutterarten stehen die zuckerhaltigen Futterstoffe der Menge nach. bei weitem an erster Stelle, denn die Erzeugung an Kleie ist aus 5 bekannten Gründen nur gering, die aus der inländischen Ernte an Oelfrüchten hergestellten Oelkuchen, der Anfall aus den wesent⸗ lich eingeschränkten Gärungsgewerben ist ebenfalls geringer als sonst. Die Produkte der Zuckerfabrikation müssen daher für die n Erhaltung der einheimischen Viehbestände in erster Linie in An spruch genommen werden. 5 Wenn da und dort Mißerfolge bei der Fütterung mit zucker⸗ haltigen Stoffen aufgetreten sind, so liegt das nicht an ihren mangelhaften Futterwirkung, sondern an ihrer„ An⸗ u 0 der Melasse die Menge von 4 Pfund auf den Kopf bei Großvieh (1000 Pfund Lebensgewicht) nicht übersteigen. U. Das ganze Futter kann also niemals aus Zuckerfutter be⸗ stehen, man muß vielmehr bemüht sein, eine Mischung aus dem g verfügbaren Grünfutter, Heu, Futterstroh, Kartoffeln oder Rüben unter Zugabe von Zuckerfutter und der Mindestgabe von eiweiß⸗ haltigem Futter(Oelkuchen, Trockenhefe usw) zusammenzustellen,— wobei für die zuckerhaltigen Stoffe die oben angegebenen Grenzen einzuhalten und die Oelkuchen auf eine Menge von ½—1 Pfund 3 Pfund Lebensgewicht und Tag einzuschränken sein ürften. ö 5 Bei der Verfütterung von zuckerhaltigem Material empfiehlt sich in allen Fällen eine 1 von 50—100 Gramm Schlämm⸗ kreide oder phosphorsaurem Futterkalk für den Kopf und Tag. Rittergutsbesitzer Toepfer(Großzschocher) empfiehlt 9 Grundfutter aus Stroh und Zucker:„Ich schütte das täglich zu benötigende Quantum Spreu und Strohhiäcksel auf der Futter⸗ diele breit aus, löse das zugeteilte Tagesquantum Zucker(Melasse lann in derselben Weise verwendet werden) in einem offenen Faß in heißem Wasser auf und besprenge unter intensivem Wen⸗ den den Spreuhäcksel wiederholt mit der Brause einer Gießkanne, so, daß möglichst alle Strohteile benetzt werden. Es darf nur so viel Wasser zum Lösen des Zuckers verwendet werden, als unbedingt zur Benetzung notwendig ist, keinesfalls so viel, daß die Flüssigkeit abfließt. Nach gründlichem Mengen wird der so feuchte Strohhäcksel auf einen länglichen Haufen zusammengebracht, leicht festgetreten und mit alten dicken Säcken bedeckt und so 24 Stunden liegen gelassen. Es tritt eine Erwärmung des so behandelten Spreu- und Strohhäcksels ein, wodurch eine leichte Fermentation vor sich geht, eine Vorarbeit, die sonst der Magen verrichten müßte. Nach 24 Stunden ist das Futter zur N 94 bereit. Bei einer Gabe von ½—1 Pfund Zucker pro 1 Kopf und Großvieh erreiche ich es, daß meine Tiere von diesem Spreufutter so viel bei zweimaligen Tagesrationen aufnehmen daß sie vollgesättigt sind.“ 5 N a Vermischtes. 2 »Fort mit den deutschen Rosen! Die Engländer wollen nun auch den deutschen Blumen den Krieg erklären, d. h. auf die Blumen selber wollen sie nicht verzichten, sondern nur ihren deutschen Namen den Garaus machen. Im Londoner 5 Botanischen Garten findet jetzt eine Rosen-Ausstellung, stalt, die g die schönsten Arten der Blumenkönigin vorfßhrt. Die schönsse weiße trägt hier den Namen„Snow Queen“, aber es ist keine 3 andere als P. Lamberts herrliche„Frau Karl Druschki“; schon ihr Züchter hatte ihr den Namen„Schneekönigin? gegeben, aber die Eugländer hatten sie bisher immer mit dem Personennamen be- zeichnet. Auch unsere„Tausendschön“, gleichsalls eine deutsche Züchtung, die von Rosenkennern als die Königin der Kletterrosen bezeichnet worden ist, mußte sich plötzlich die leberseyung gefallen lassen und erscheint nun als„Thonssauo Beautlisz. Immer war diese Umtause freilich doch nicht möglich— der„Kaiserin Auguste, Viktoria“ mußten auch die Engländer ihren Namen lassen. Meeorologische Beobachtungen der Station Giehen. F. ue Juli E. SS S 3 2 8 5 8 2 37 38 3 8 sss Welter f 1 5 8 8 4 18 e 8 a 12 20 744,0 17,8 9,8 64 SW 4 5 Sonnenschein 12 9% 745,3 18,4 10 1 88 SW 2 10 Regen 13 2 46,8 12,9 3 84 SW 2 1 Sonnenschein öchste Temperatur am 11. bis 12. Juli 1918 + 18.8 0. 77 liedrigste„ 11.„ 12,„ i901.. i, 7 Miederschlag: 7,7 mn. 5 2 5 —B—— ausbrannte. Die abgebrannte Fläche ist etwas über zwei Morgen l. 5 Odol e 1 N . 9 9 GD 5 f 7 7 17 75 8 9—..—.„„ 22..—.. 999 9 9 0 8 5 5 92 V NAT a 8 4 80 N g 1 8 7 1* r 10 l 8 ö 8„. 5 8 1 5 i 2 5 5 2——* —— 1——— 3 2———— 1 * k 2 a 5 5 5 J 7 18 ktst 5* 801 f 4 4 2 4 1 1 N 1 . 105 3 1* 9 * 9 N— N 7 E 1 an rer nt 1 1 ö f mer I N ö wor 5 tarho Ir a 3— ä Aua! jseitet 9 2 i ee 3 1* 0 0 derung 2 1 7 f ——— Mobert Schneider 2 1 7 — 84 1 1 8 2— *—— Er f ö 14 0. ö 58 3 3 Hausburschei. ** 0 n ö 16 1. 0 cd 0 g Ein ö Nat 2 2 7 l 0 e ˖ 5 8 1 1 1 * 8k g f d 25 5* 1 1* g * 10 1 4 1 nent f 100 0 10 2 ge! pi 1* 3 1 7 4 0 5 Lu f 5 1. 9 7 29 Q f 5. 1d 1 1 1 1 4 N 8 7 1 1— 5 Einleger la. Konserven 1 1 9 6 17 Uschin ö * 2 t 1 0 K J 9071 1 3 5 1 vll Ul Utsche 8.* a 7 1191 18„ 2 ö mei 0 vp 24 4 4 : 1 2 2 3 Inng 7 111 0 ˖ Uvung; e 6 1 1 1 a 3 ladchen n. 8 — 85 1—— 12 f f ö 1 5 2 n 1171 e 7 aan— a Tun 1 — 2 4 1 rt /H. Verwal ing der Uni n Augenklinik, Gi. 0 f re ler— 0 1 18 60 1 Inn H bur* u 60 I.! Weinert i