Der Sletener Ischeint täglich, 2 Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sletener Familienblätter; etmal wöchentl. Kreis: t für den Kreis Glehen (Dienstag und Freitag); —— W l Lan Wir. ellfragen Ferusprech-Anschlüßfe: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled! Adresse für Drahtnach- —.— 3. nnahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 22. Juni nachmittags: Unsere 2. Armee . nach hartem Kampfe Lemberg er⸗ Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs „ v. Höfer, Feldmarschalleutnant. (TB.) Großes Hauptquartier, (Amtlich.) Bestlicher Kriegsschauplaz. Auf dem westlichen Ka ftalufer, nordwestlich von Dixmuiden, wurden feindliche Angriffe gegen drei von uns besetzte Gehöfte abgewiesen. % Nördlich von Arras fanden auch gestern im wesent— lichen Artilleriekämpfe statt. Ein französischer Infanterie— angriff im Labyrinth, südlich von Neuville, wurde um Mitternacht zurückgeschlagen. In der C hampagne, westlich von Perthes, schoben wir nach erfolgreichen Sprengungen unsere Stellung vor. a Auf den Maashöhen dauerten die Nahtämpfe unter schwerem Artilleriefeuer den Tag über an. Heute früh gegen 3 Uhr schritten wir zum Gegenangriff, säuberten unsere Gräben vom eingedrungenen Feind fast vollständig und mach⸗ ten 130 Gefangene. Ein kleiner feindlicher Vorstoß bei Marche ville wurde leicht abgewiesen. Destlich von Lune ville entwickelten sich bei Leintrey neue Vorpostenkämpfe. In den Vogesen haben wir heute nacht unsere Stel⸗ lungen hlanmäßig und ungedrängt vom Feinde auf das öst⸗ liche Fechtufer, östlich von Sondernach, verlegt. Am Hilsen— first erlitt der Feind bei erneuten Angriffen wieder ernste Verluste. ö Unsere Flieger bewarfen den Flughafen Courcelles, westlich von Reims, mit Bomben. Feindliche Bombenabwürfe Brügge und Ostende richteten keinen militärischen en an.. „ Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage ist unverändert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Kämpfe nördlich und westlich von Lembe rg wer⸗ den fortgesetzt. Westlich von Zolkiew wurden die Russen heute nacht zum Rückzuge aus ihrer Stellung ge— zwungen. Die deutschen Truppen und das in ihrer Mitte kämp⸗ sende österreich schungarische Armeekorps haben seit dem 12. Juni, dem Beginn ihrer letzten Offensive aus der Gegend von Przemysl und Jaroslau, 237 Offiziere, 58 800 Mann zu Gefangenen gemacht, neun. Geschütze und 136 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. E*** Nun läuten in deutschen Landen, wie in den Städten und Dörfern unserer Verbündeten, wieder die Glocken, und mitten in dieser rauhen Zeit, die noch nicht abgeschlossen ist, sondern noch viele blutige Kämpfe erfordern wird, schließen sich die Herzen zusammen zu Freude und Hoch— gefühl der Sieger. Lemberg ist wieder unser, die galizische Hauptstadt ist vom Feinde geräumt, und es sind nur noch wenige Kilometer Landes zu erfechten, bis die Russen voll⸗ ständig über die Grenzen zurückgeschlagen sind. Es ist wahr— lich kein freiwilliger Rückzug, den Nikolai Nikolajewitsch angetreten hat; kämpfend, seine Heere zu verzweifelten Anstrengungen gegen die Verfolger anwerfend, kostet er, der Hauptschuldige an diesem Welttrieg, in diesen Stunden die ganze Bitterkeit des Geschlagenen, die Furcht vor der Strafe des von ihm zu blutigem Angriffskrieg mißbrauchten Volkes. Die russische Macht ist zusammengebrochen, denn die größten Schlachten, die die Weltgeschichte kennt, haben zum Zusammenbruch des Feindes geführt. Alle die großen Niederlagen, die den Heeren des Zaren durch unseren ruhm— reichen Hindenburg zugefügt worden sind, deren Bedeutung in Petersburg aber immer wieder abgeleugnet wurde, meldeten sich jetzt in ihren erschütternden Folgen auch in Galizien. Der Zar, Herrscher über 150 Millionen Menschen, hat keine widerstandsfähigen Heere, keine leistungsfähige Artillerie, keine ausreichende Munition mehr. Er ist auf allen Gebieten in die Desensive gedrängt, und schon heute erfährt man durch eine noch nicht verbürgte Mel⸗ dung, daß auch Warschau von der Zivilbevölkerung ge— räumt werde. Das russische Volk aber, wenn es allmählich die ganze Größe seines nationalen Elendes übersehen wird, wird dem russischen Throne auch die unausbleiblichen in ne— ren Schlachten liefern. Wenn künftig vom„kranken Mann“ gesprochen wird, wird man vielleicht weniger an den Nach- folger des Propheten, als an den„Selbstherrscher aller Reußen“ denken. 0 Wir freuen uns in diesen Stürmen. Denn wie es beim Feinde abwärts geht, so geht es bei uns aufwärts, zur 5220 des endgültigen Sieges! Lemberg ist keine deutsche tadt, und wird auch keine werden. Aber sie ist die Stätte, wo deutscher Waffenruhm einen glänzenden Triumph feierte, und sie ist der Gipfel, von dem nunmehr eine siegreich fort— schreitende Zukunft überblickt werden kann. Die deutschen che erhalten allmählich Rückenfreiheit. Die halbe Arbeit des chweren Zweifrontenkrieges ist bald getan. Was uns von England und Italien droht, brauchen wir kaum als dritte Front zu rechnen im Vergleich zu den Feindesmächten, mit denen schon Bismarck rechnete. Aber mit Schwierig⸗ leiten und Sorge sind wir noch nicht am Ende! Wir wollen sie überwinden mit dem alten Siegerwillen in der Brust, stolzer und freudiger denn je die Bismarck-Worte wiederholend; Gott wird mit uns sein! 4 5 59 24. Juni. * Gieße 0s. Jahrgang Die Einnahme von Lemberg. Berlin, 22. Juni.(WTB. Amtlich.) Lemberg ist heute nachmittag nach schwerem Kampfe von österreichisch— ungarischen Truppen genommen worden. Das österreichi sche 34. Infante rieregiment, dessen Chef der de ut— sche Kaiser ist, hat sich bei der Erstürmung des Werkes Lysa Gora ausgezeichnet. 4 Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 22. Juni 1915 mittags. Russischer Kriegsschauplaz. Die Kämpfe um Lemberg dauern fort. Die rus⸗ sische Verteidigungsstellung südlichder Stadt wurde gestern im Raume westlich Dornfeld von un⸗ seren Truppen durchbrochen, die Uebergänge über den Sozecerek⸗Bach an mehreren Stellen in die Hand ge⸗ nommen Einzelne Befestigungsanlagen an der West⸗ und Nordwestfront von Lemberg sind nach heftigen Kämpfen, in denen sich die Wiener Landwehr besonders tapfer schlug, in unserem Besitz. Dieutsche Truppen erstürmten die Höhen westlich Kulikow und schlugen alle Gegenangriffe der Russen unter schwersten Verlusten des Feindes zurück. Südlich des Dujestr ist die allgemeine Situation unverändert. 5 Auch gestern wiesen die Truppen der Armee N flan⸗ zer, wo sie angegriffen wurden, die Russen unter großen Verlusten zurück. Am Tane w und in Polen hat sich an der Situation nichts geändert. Italienischer Kriegsschauplatz. Bei Plava wurden wieder einige feindliche Angriffe abgewiesen. Ein italienischer Flieger warf auf Görz erfolg⸗ los Bomben ab. 3 5 1 i Au allen Fronten verschießt der Feind viel Geschütz⸗ munition, verhält sich aber sonst passiv. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ein Glückwunschtelegramm des Kaisers. Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die Korrespon— denz„Wilhelm“ meldet: Wie wir spät nachts erfahren, hat Kaiser Wilhelm noch heute abend ein Glückwunsch⸗ telegramm anläßlich der Einnahme von Lemberg an den Armeeoberkommandanten Feldmarschall Erzherzog Friedrich gerichtet und ihn zum preußischen Feldmarschall ernannt. Ein laiserliches Lob der hessischen Regimenter. Darmstadt, 22. Juni.(WZB. Nichtamtlich.) Die „Darmstüdter Zeitung“ teilt mit: Ein Telegramm des Kaisers an den Großherzog spricht sich aufs höchste anerkennend über die siegreich bei Lemberg im Vormarsch befindlichen hessischen Regimenter nus, die ihm durch ihre kriegerische Haltung einen vorzüglichen Eindruck gemacht haben. Die Aufnahme der Nachricht in Wien. Wien, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der Einnahme Lembergs verfügte Bürgermeister Weis⸗ kirchner, daß Donnerstag den Kindern in den st a d⸗ tischen Schulen die herrliche Waffentat der verbündeten Armeen sowie ihre bedeutungsvolle Wirkung von den Lehr⸗ personen dargestellt wird, worauf der Tag als schulfrei erklärt wird. Heute abend ist das Rathaus bereits geflaggt. Die russische Artillerie. Berlin, 22. Juni. Der„Kölnischen Zeitung“ wird aus dem Kriegspresseguartier gemeldet: Die russische Artillerie hat aufgehört zu feuern. Sämtliche Geschütz⸗ parks, welche sonst die Aufgabe gehabt hätten, den Rückzug zu decken, sind als wertloser Ballast in größter Eile in das Hinterland geschafft worden. Die Truppenkörper bleiben da— her ohne den wichtigen Nachschub an Nahrungsmitteln, weil die Wege durch die Artillerie versperrt sind. Nur so kann be— griffen werden, daß ganze Trupps von Feinden halb tot vor Hunger von den vorbeimarschierenden Siegern überrascht wurden. Fraukreich und der russische Rückzug. Paris, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die ganze Presse vermeidet es, auf die Folgen des russischen Rückzuges einzugehen. Sie beginnt wieder das Schlagwort vom Abnützungskriege auf⸗ zubringen. Die Presse erklärt, die russische Heeresleitung beab⸗ sichtige, die Oesterreicher und Deutschen an eine von ihr be⸗ stimmte Stelle zu locken, um sie dort desto besser zu schlagen. Wo sich die Schlachtfront befinde, ob mehr im Westen, ob mehr im Osten, habe mit der günstigen Kriegslage der Alliierten nichts zu schaffen. Unter ähnlichen Erwägungen warnt auch der „Temps“ die Neutralen davor, sich in ihrer Haltung und ihren Entschließungen von angeblichen deutschen Siegen beeinflussen zu lassen. Der russische Rückzug sei keine Niederlage. Man solle doch nicht vergessen, daß die Macht Napoleons in Moskau gebrochen wurde. * Pressestimmen. Berlin, 23. Juni. Die Einnahme von Lemberg wird von den Morgenblättern in Leitartikeln gewürdigt. Unter der Ueberschrift„Lemberg wieder frei!“ schreibt der„Berliner Lokalanzeiger“: 8 Ein Aufatmen geht durch die österreichisch-ungarischen Lande wie bei uns nach der Schlacht bei Tannenberg und der Winterschlacht in Masuren, denn schon sieht das Volk das Vaterland vom Feinde gesäubert. Wir aber fühlen mit unseren Verbündeten; wir nzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschästsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Mittwoch, 25. Juni 1915 Deu gs pre monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel ⸗ jährl. aussch' Bestellg. Zeilenpreis: lotal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Lemberg den Russen entrissen! teilen ihre Freude und hohe Genugtuung erfüllt uns, daß wir mit dabei gewesen. Der alte Dreibund ist zum Zweibund zu⸗ sammengeschmolzen, während der ihm gegenüberstehende Drei⸗ verband sich zum Vierverband ausgewachsen hat. Aber dieser Zweibund, dem sich das Osmanische Reich als neuer Freund zu⸗ gesellt hat, bildet eine in sich gefestigte Einheit, dessen physische Kraft, gestärkt und gehoben wird durch die ihm innewohnende moralische Kraft. In Treue stehen wir zu einander und geben der Welt ein Beispiel, was wahre Waffenbrüderschaft bedeutet. Unter deutscher Führung haben österreichisch-ungarische, unter österreichisch-unggrischer deutsche Truppen gekämpft, wie es die Kriegslage mit sich brachte, ohne Eifersüchteleien, ohne Vorwürfe und deshalb mit Erfolg. Was sich da abgespielt hat, kann nicht ohne Wirkung auf die anderen Staaten und Völker bleiben. Sie sehen, wo Vertragstreue und gegenseitige opferwillige Unter⸗ stüzung zu finden ist, sie sehen, was ehrliches Zusammenwirken zustande bringt, denn diesem ehrlichen Zusammenwirken ist die Niederlage des mächtigen Rußlands zu danken, ist es zu danken, wenn in Zukunft über Lemberg, der Hauptstadt des vom Feinde befreiten Kronlandes Galizien, wieder die schwarz⸗gelbe Fahne wehen wird. e 5. Die„Vossische Zeitung“ schreibt: Galizien ist frei, nur noch eine ganz kurze Strecke ist zu säubern. Kein. Zweifel, daß auch diese Auskehr sehr bald gelingen wird. Von einer russischen Offensive ist seit den ersten Maitagen keine Rede mehr; nach und nach bröckelt auch die russische Defensive ab. Der Zar, der vor einigen Monaten als Triumphator in Lemberg einzog, hat alle Ursache, mit Bangen der nächsten Zeit entgegenzusehen. Es kommen Unruhen in Rußland, die wahrscheinlich alles in Schatten stellen werden, was man bisher mit Grauen dort erlebt hat. Das stärkste Roß im Vierbundstalle ist zusammengebrochen. Lemberg hat ihm einen Stoß gegeben, von dem es sich nicht mehr erholen kann. Im„Berliner Tageblatt“ sagt Major Morath: Wenn auch der Sieg im Raume von Lemberg einen gewissen Abschnitt in dem großen Lampffelde darstellt, so ist es doch nicht anzunehmen, daß unsere Operationen auch nur einen Augenblick bei diesem Erfolge verharren werden. Planmäßig wird die Führung dafür sorgen, daß unsere Heere den entwichenen Russen auf den Fersen bleiben, bis die Vernichtung eine vollständige wird. Die Hauptstadt Galiziens in den Händen der Zentralmächte bedeutet in erster Linie für den Balkan ein Merkmal für die russische Schwäche und unsere Stärke. Ehre und Dank den Siegern! Die„Kreuzzeitung“ sagt: Durch die Wiedereroberung Lembergs, das lange Monate russische Herrschaft hat erfahren müssen, hat der Feldzug in Galizien seine Krönung erhalten. Der Zeitpunkt rückt näher und näher, an dem man wird sagen können, daß 155 auch auf österreichisch-ungarischem Boden kein Feind mehr steht. Die„Tägliche Rundschau“ führt aus: Der Rückfall Lembergs an den Feind bedeutet für die Russen den endgültigen Bankerott ihres galizischen Unternehmens. Der russische Bericht. Petersburg, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ge⸗ neralstab des Generalissimus meldet: In der Gegend von Szawle sind keine wichtigen Veränderungen. Am 19. und 20. Juni fanden hartnäckigste Gefechte am Ringowa-Fluß statt, wo wir etwas vor⸗ rückten. An der Narewfront versuchten wenig erhebliche deutsche Kräfte unter dem Schutze eines heftigen Artilleriefeuers erfolglos eine Offensive zwischen den Flüssen Omvulew und Orzyc. Am linken Weichselufer ging der Feind am 20. Juni bei Tagesanbruch in vereinzelten Kolonnen südlich der Pilica zum Angriff über. Er wurde nach kurzem Kampfe zurückgeworfen und verlor einige Hundert Gefangene. An der Tanewfront war Artilleriefeuer mit Unterbrechungen. Die Offensive des Feindes dauert in der Gegend Rawaruska fort. In der Nacht zum 20. Juni zogen wir unsere Truppen von den Grodeker Seen auf die Lember ger Stellungen zurück. Am Dujestr unternahm der Feind zwi⸗ schen Mikolajow und Zydaczow erfolglose Angriffe, in deren Ver⸗ laufe er aus den Dörfern Demenka und Lissow geworfen wurde und bedeutende Verluste erlitt. An der übrigen Front zwischen Halicz und der Bukowina gelang es dem Feinde nirgends, Fortschritte zu machen, trotz der in einigen Abschnitten andauernden hart⸗ näckigen Kämpfe. Aus Warschau. Berlin, 23. Juni. Der„Voss. Ztg.“ wird aus Peters⸗ burg gemeldet: Seit dem 20. Mai hat die Evakuierung der Warschauer Zivilbevölkerung begonnen. Auf Be⸗ fehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch gibt der War⸗ schauer Polizeipräsident bekannt, daß in Warschau nur Staatsbeamte, ferner Personen, die zur Armee und zur Armeeverwaltung gehören, darunter auch Militärlieferan⸗ ten, bleiben dürfen. Zunächst werden über 100 000 Zivilisten evakuiert, die binnen 24 Stunden Warschau verlassen müssen. *** „England muß viel mehr leisten.“ London, 22. Juni(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ beginnt eine Reihe von Artikeln, um die Leistungen Joffres in Frankreich zu schildern, mit folgendem Leitartikel: Es ist von großer Wichtigkeit, daß die Engländer sich beständig vor Augen halten, wie relativ klein die Rolle ihrer Armee im Landkriege auf dem Kontinent bisher gewesen ist. England muß viel mehr leisten als bisher, um seinen vollen Anteil an der Niederwerfung Deutschlands zu leisten. England wirft nicht die volle Stärke seiner Mannschaft in die Wagschale, obwohl für England ebenso viel, vielleicht mehr auf dem Spiele steht wie für Frankreich und der Ausgang des Krieges für beide Teile von gleich vitaler Bedeutung ist. Die Kriegs anleihe im englischen Unterhaus. London, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich) Reutermeldung. Bei Einbringung der Gesetzesvorlage über eine Kriegsanleihe im Unter hause appellierte Schatzlanzler Mac Kenna an den Patriotismus des Landes. Man müsse die riesenhaften Hilfs⸗ quellen ausnützen, um den Krieg erfolgreich für die Verbündeten und Großbritannien fortzufetzen. Nach der Erklärung, daß die Anleihe zu Pari und zu 4½ Prozent ausgegeben würde, setzte er auseinander, daß der Betrag der Anleihe nicht begrenzt sei, bauptsächlich deshalb, weil man nicht wisse, bis zu welchent Grade * 1 a. M.“ 5 Tagespost“ vom italienischen Kriegsschauplatz solche Maßnahme vorzu aus ber fatholise von der Gelegenheit, die frühere Kriegsanleihe und Tonsols um⸗ zutauschen, Gebrauch gemacht würde. Besitzer der alten Kriegs⸗ anleihe, die auf die neue zeichnen wollen, können nämlich unter Einreichung der Zwischenscheine der alten Anleihe, die zu 95 ausgegeben wurde, unter Zuzahlung des Unterschiedes von fünf Pfund einen entsprechenden Betrag der neuen Anleihe zu 100 er⸗ halten. Den Besitzern von Konsols werden diese zum gegenwärtigen Preise von 66¼ gegen neue Anleihe umgetauscht, wenn sie den gle Betrag zu erhalten wünschen. Der Staat hat das Recht, die Anleihe 1925 zu Pari zurückzuzahlen, oder die Besitzer haben 1945 Anspruch auf Einlöfung. Um allen Klassen der Bevölkerung die Beteiligung an der Anleihe zu ermöglichen, können die Zeich⸗ nungen in Beträgen von 10 Pfund aufwärts bei der Bank von England oder in Anteilscheinen und Schatzscheinen von 5 Schilling bis zu 25 Pfund Sterling, die bei den Postämtern, Gewerkschaften und anderen Korporationen erhältlich sind, bewirkt werden. Mac Kenna schloß, daß Großbritannien Hunderte von Millionen braucht, und daß jede Anstrengung, die jetzt 13 würde, nicht nur eine Anstrengung zur Fortsetzung des Krieges sei, sondern auch zur Sicherung der späteren finanziellen Vorherrschaft Großbritanniens er⸗ folge. Die Anleihe vorlage wurde einstimmig angenom⸗ men.— Reuter fügt hinzu, daß die Anleihe für die vorteilhafteste Anlage gehalten würde, die dem Publikum in der letzten Zeit ge⸗ boten worden ist. Der Zudrang zur Erhaltung von Prospekten sei bereits außerordentlich groß. Die Verluste der englischen Handelsmarine. London, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die Ad⸗ miralität hat ein Communiqué ausgegeben, nach dem seit Kriegsbeginn die Verluste der britischen Han⸗ delsmarine 145 Schiffe mit einer Gesamttonnage von 524080 Tonnen und 118 Fischer fahrzeuge mit einer Gesamttonnage von 19924 Tonnen betragen. 80 Handels- schiffe sind von Unterseebooten versenkt worden. 50 wurden von Kreuzern versenkt oder erbeutet, 15 durch Minen zerstört. 24. wurden durch Minen und 94 durch Kriegsschiffe zerstört. * 4* Zwei französische Divisionsgeneräle gefallen. Paris, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Petit Parisien“ meldet: Die beiden Divisionsgenerale Barbot und Stirn fielen bei den Kämpfen im Gebiete von Arras und bei der Farm von Quennevierre. Englisch⸗französische Vesprechungen. Paris, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Unterstaats⸗ sekretr des Krieges Albert Thomas traf in Boulogne mit dem englischen Munitionsminister Lloyd George zusammen. Beide hatten lange Besprechungen, vornehmlich über die Verstärkung der Artillerie der Verbündeten und über die Hilfe, welche die beiden Länder sich zu leisten vermögen, um die Munitions- erzeugung noch zu erhöhen. Es wurden bereits regelmäßige Ver⸗ bindungen eingerichtet. Es wird die enge Zusammenarbeit der Nationalindustrien der beiden Länder angestrebt. New Pork, 22. Juni(WTB. Nichtamtlich.) Reutermeldung. Gerüchtweise verlautet, daß über eine neue französische Anleihe von 75 Millionen Dollar zum Ankauf von Muni⸗ tion verhandelt werde. Vom italienischen Kriegsschauplatz. Berlin, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die„B. Z. meldet aus Graz: Nach einem der„Grazer ugegangenen Bericht halten die österreichisch-ungarischen ruppen in der Kampflinie am Isonzo einen der höchsten unkte, etwa 1200 Meter, besetzt. Eine Kampfgruppe Ita⸗ iener nach der anderen greift in Schwarmlinien die Schützengräben an, aber die österreichisch-ungarischen Ma⸗ schinengewehre mähen die Angreifer unbarmherzig nieder. Sechsmal stürmten die Italiener vergeblich an, mußten sich aber mit kolossalen Verlusten zurückziehen. Was die Zivilbevölkerung betrifft, so ist namentlich die mutige Haltung der Frauen und Mädchen, die den öster⸗ reichisch⸗ungarischen Kämpfern in die Kampflinie Wasser, Milch und sonstige Lebensmittel tragen, über alles Lob erhaben. Die Lage in Griechenland. Athen, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Ministerpräsident Gunaris erklärte einem Vertreter des„Messager d' Athenes“, der ihn auffuchte, daß das Wahlergebnis den Veneselisten die Mehrheit gebracht habe. Der Gesundheitszustand des Königs gestatte aber unglücklicherweise keine andere Entschei⸗ dung, als die des Abwartens. Die Aerzte bleiben der i⸗ nung, daß es dem König ohne Gefährdung feines Lebens nicht möglich sei, die politische Lage zu erörtern. Sie untersagten auch jede Zusammenkunft des Königs mit ihm. Unter solchen Umständen . es nur die Einberufung der Kammer abzuwarten; er sagte : Wenn sich natürlich inzwischen, wie wir erhoffen, die Ge⸗ fundheit des Königs so bessert, daß man sich ohne Gefahr mit der Regelung der politischen Lage beschäftigen kann, dann werde ich nicht zögern, das zu tun, was das Wahlergebnis verlangt. Diejenigen, die von einer Regentschaft sprachen, vergessen, daß nach der Verfassung die Initiative zur Errichtung einer ft im Falle einer Erkrankung des Monarchen dem König zusteht. Der Gesundheitszustand des Königs aber, so wie er heute ist, schließt jeden Gedanken aus, dem König eing agen. Es ist iß ein Unglück, daß der Zustand des Königs keine schnellere Lösung der Krise, in der sich das Land befindet, zuläßt. Wir können unglücklicherweise nichts Besseres tun als warten. Hoffen wir, daß die Besserung im Be⸗ finden des Königs schnell genug zunehmen wird, um die Lösung der Krise noch vor der Einberufung der Kammer zu gestatten. Italien und Griechenland. Athen, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Blatt „Espacins“ schreibt: Wir werden den Tag feiern, an dem Mailand von den Oesterreichernbesetzt wird, denn es muß von ganz Griechenland verstanden werden, daß die gefährlichsten Feinde des Griechentums die Ita⸗ liener sind. f Eine Kundgebung des Papstes. Paris, 22. Juni.(Ctr. Frkft. In der Fortsetzung der — 7—— 4— 1. Vatiban aus von bachteten r. rauszudrüngen, hat die Pariser nationalistische„Liberté“ ihren politischen Redakteur Latapie nach Rom ckt. Latapie wurde vom e ge guss, is Jin deter a een 1 een ene zugunsten des Friedens, die er seit unternommen hat. Er be⸗ Dauerte, daß er nicht mehr habe tun können, um das Ende des ri zu beschleunigen. Er mißbillige jede Ungerechtigkeit, von Seite sie auch kommen miöge, aber er sei der Ansicht, daß in die Streitigkeiten der Kriegführenden einzugreifen. Er könne weder im Vatikan eine ständige Debatte einrichten, gegen⸗ wärtig eine Unterfuchung anstellen. Auf die Frage, ob es nötig sei, eine Untersuchung vorzunehmen, um sestzustellen, ob die Neu⸗ tralität Belgiens verletzt worden sei, antwortete der Papst:„Das war unter dem Pontiffkat von Pius X.“ Der Papst sagte weiter: e ee, g n- le 7 gen un i an. zon Cremona verfichert, daß die italienische Armee 18 öster⸗ zeicläsche Priester als Geißeln mitgenommen habe. Oesterreichische schen erklären, die Bevölkerung von Löwen habe auf ihre Truppen geschossen. Sie erklären auch, daß die Franzosen einen Beobach⸗ tungsposten auf den Türmen der Kathedrale von Reims hatten. Andererseits haben die Vertreter von sieben ationen Bel⸗ ens dem Kardinalstaatssekretär erklärt, sie hätten keinen einzigen Gal von Gewalttaten in ihren Kongregationen anzuführen.“ Der Papst sagte weiter:„Wir werden die Bibliothek von Löwen wieder herstellen, wir werden dazu helfen, die Kathedrale wieder⸗ aufzubauen, jeder Schuß, der auf die Kathedrale von Reims ge⸗ richtet wurde, widerhallte in meinem Herzen. Aber die Stunde ist noch nicht gekommen, um die Wahrheit aus allen diesen sich widersprechenden Versicherungen herauszufinden. Der Vatikan ist r Wir fällen keine Urteile. Der Richter ist dort oben! Latapie sprach sodann von der Verhaftung des Kardinals Mercier und der Torpedierung der„Lusitan ia“. Der Papft erwiderte:„Was den Kardinal Mercier betrifft, so werde ich Sie in Erstaunen versetzen. Er ist niemals verhaftet worden. Er kann sich in seiner Diözese nach seinem Belieben bewegen. Ich habe vom Gouverneur von Belgien, General v. Bissing, einen Brief erhalten, in dem er versichert, er werde von nun an mit der größten Tatkraft alle Gewalttaten gegen die Kirche und die Diener Gottes unterdrücken. Was die Torpedierung der„Lusi⸗ tania“ betrifft, so kenne ich keine schrecklichere Missetat,“ erklärte der Papst mit tiefer Bewegung.„Mein Vaterherz ist zerrissen, aber glauben Sie, daß die Blockade, welche Millionen unschuldiger Wesen zur Hungersnot verurteilt, auch aus menschlichen Gefühlen entspringt?“ Der Papst fügte hinzu:„Ich sage nicht, daß ich nach dem Kriege nicht einen Syllabus veröffentlichen werde, der an, die Lehren der Kirche hierüber erinnert, sie zusammenfaßt und für die Zukunft die Rechte und Pflichten der Kriegführenden regelt. Man wird daran dann ohne Zweifel die ausdrückliche Verurteilung der Verbrechen finden, welche während des Krieges begangen wor⸗ den sind.“(Frkf. Ztg.) l Paris, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich) In dem zweiten Teil seiner Unterredung mit dem Mitarbeiter der„Liberts“ führt der Papst aus, daß er alles untetnommen habe, um Ita⸗ lien vom Einschreiten zurückzuhalten. Er verheim⸗ licht nicht, daß er hierbei auch an die Interessen des Heiligen Stuhles dachte, die durch den Kriegszustand gefährdet seien. Die Lage des Vatikans sei unsicher. Die italienische Regierung habe zwar den guten Willen igt, und die Beziehungen des Vatikans zum Quirinal hätten sich gebessert, aber es sei doch nicht alles zu seiner vollen Befriedigung geregelt worden. Der Papst be⸗ dauert, daß ein Teil seiner Garde eingezogen worden sei, deren er zum Schutze seiner Person und der Kunstschäte im Vatikan bedürfe. Besonders schwer sei der Uebelstand, daß er nicht mehr un⸗ mittelbar mit allen Gläubigen korrespondieren könne. Die ita⸗ lienische Regierung habe zwar ein Chiffrengeheimnis für den Heiligen Stuhl angeboten, aber der Vatikan habe dies nicht angenommen, weil es zu gefährlich gewesen wäre, da man ihn Indiskretionen in militärischen Dingen hätte beschuldigen können. Leider wurde auch die Zensurfreiheit, die ihm von der italienischen Regierung zugesichert war, nicht eingehalten. Seine Korrespondenz werde geöffnet; alle Verbindungen mit den Feinden Italiens seien auch für den Vatikan unterbrochen. Der Papst äußert sodann seine Besorgnis wegen der Rückwirkung des Krieges auf Italien. Er wisse nicht, wie sich das Volk bei einem Siege und bei einer Niederlage benehmen würde. Er fühle sichnicht geschützt. In besorgtem Tone schloß der Papst, in⸗ dem er sagte, die Zukunft sei sehr dunkel; er werde freudig die erste Hand ergreifen, die sich ihm zum Zwecke einer Friedens⸗ vermittelung biete. N Der Seekrieg. London, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter be⸗ richten, daß der Dampfer„Cameronia“ der Anchorlinie, der am Sonntag aus New Pork in Liverpool ankam, auf der Reise von einem Unterseeboot angegriffen wurde, dem man, obwohl der Dampfer mit voller Geschwindigkeit fuhr, unmöglich ausweichen konnte. Die„Cameronia“ versuchte das Unterseeboot zu rammen; das Boot tauchte unter und wurde nicht mehr gesehen. Viele an⸗ gesehene Amerikaner, die sich an Bord der„Cameronia“ befanden, berichteten darüber an den amerikanischen Botschafter. *** Aus Deutsch⸗Südwestafrika. Prätoria, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: General Botha besetzte Omaruru an der hnlinie Swakopmund⸗Grootfontain. Er fand nur wenig Widerstand. Einige Deutsche wurden ge⸗ fangen genommen. Prätoria, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Die Gesamtverluste der Union⸗ truppen betrugen bis zum 14. Juni bei den Operationen gegen die Aufständischen 414, gegen Deutschsüdwestafrika 1045 Mann. Ferner starben 153 Mann an Krankheiten und Unfällen. Die Aufständischen verloren vermutlich 190 Tote und 300 bis 350 Verwundete. Die in der Union inter⸗ nierten Deutschen beziffern sich auf 39 Offiziere und 859 Mann. London, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter meldet aus Prätoria. Am rechten Flügel von Bothas vorrückender Armee kamen Kundschafter Bothas am 8. Juni bei Otjikatjongo, 15 Meilen nordöstlich von Wilhelmtal, in Fühlung mit dem Feind. Die Kundschafter verloren einen Toten und fünf Ver⸗ wundete. Die dritte berittene Bri lieferte in den Bergen von Otjihangwe 50 Meilen östlich von Okahendja ein gegen feindliche Patrouillen. Die Uniontruppen hatten einen Toten und 4 Verwundete; 2 verwundete Feinde wurden gefangen. Wie groß die feindlichen Verluste sonst sind, ist unbekannt. Die Uniontruppen setzen den Vormarsch fort. Dewet zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Bloemfontein, 22. Juni.(WDB. Nichtamtlich.) Dewet ist zu sechs Jahren 3 und 200 Pfund Sterling Geldstrafe verurteilt worden. a Aus dem Reiche. Eine Erklürung des sozialdemokratischen Parteivorstandes gegen Haase, Bernstein und Kautsky. Unter der Ueberschrift„Zur Klarstellung“ bringt der „Vorwärts“ heute folgende Veröffentlichung: „Genosse Hugo Haase veröffentlicht im Verein mit den Genossen Eduard Bernstein und Karl Kautsky in der„Leipziger Volkszeitung“ vom 19. Juni einen Aufruf mit der Ueberschrift:„Das Gebot der Stunde“. Darin wird Kreise das Aufgeben der bisherigen parlamentarischen und außerparlamentarischen Haltung der Partei verlangt. Ohne auf den Inhalt weiter einzugehen, stellen die Unterzeich⸗ neten fest: Der Genosse Haase, der das Amt eines Vorsitz der Partei und der Rei sfraktion in seiner on ver⸗ einigt, hat in keiner der beiden Körperschaften Anträge auf eine Aktion im Sinne seines Aufrufes gestellt oder irgend eine Mitteilung von der Absicht seines Vorgehens gemacht. Getreu unserer am 4. August abgegebenen Erklärung, daß wir jeden Eroberungskrieg verurteilen, haben wir schon neulich jenen Eroberungsäu 1 ent irkt und den Friedensgedanken gefördert. An der prinzipiellen Ge⸗ neigtheit der beiden Körperschaften, dieses auch ferner zu tun— selbstverständlich unter Wahrung der Interessen des wehen die Siegesfahnen. Just um das unter 1 auf Erwerbungsabsichten einflußreicher fi der mindeste Anlaß zu einem derartigen Promunzrar vor. Wenn darin von der Einmütigkeit der Partei g wird, so sind wir der Ueb ung, daß diese durch schwerer gefährdet wird, als ein solches Vo Berlin, 21. Juni 1915. 1 Die Mitglieder und Vorstände der Partei und Reichstagsfraktion: Bartels, Braun, David, Richard Tuche „ Hermann Müller, Pfannkuch, Scheid mann, Wels. 2 5 l (Die Genossen Ebert und Hoch sind heute nicht in B anwesend.)“ 0 g 1 Berlin, 22. Juni.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z.. MY meldet aus Hamburg: In der Nacht zum Montag warde der in Altona wohnende russische Staatsangehörige Fran Frankows ki verhaftet. Er ist verdächtig, die letzten dr großen Brände in Hamburg gelegt zu haben, leugnete a bei der Vernehmung jede Schuld.. Berlin, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Vo Zeitung“ meldet aus Halle(Saale): Der Kaiser hat 25 loben en de— midt in Zeitz, der wegen idiun i 5 Stadtverordneten-Versammlung zu drei Monaten Gefäng⸗ nis verurteilt worden war, die Strafe auf dem Gnaden⸗ wege vollständig erlassen. 12 5 0 München, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der in München infolge einer Kriegsverwundung verstorbene fra n⸗ zösische Oberleutnant Armagnac ü zum Dank für die sorgsame Pflege letztwillig, daß sein Nachlaß in Deutschland für bayerische Familien, deren Söhne im Kriege gefallen sind, verwendet wird. ————.— Aus Stadt und Cand. g Gießen, 23. Juni 1915. L. U. Herr Geheimerat Prof. Dr. Heß begeht am 23. Juni seinen 80. Geburtstag. Wir gedenken dabei seiner großen Verdienste um die Entwickelung des forst⸗ wissenschaftlichen Unterrichts an der Landes⸗Universi * Matthäusgemeinde. Am Sonntag wurde der neuernannte Pfarrer der Matthäusgemeinde, Gustav Mahr, in der hiesigen Stadtkirche in sein Amt eingeführt. Die scharf durchdachte Antrittspredigt, der der Text zugrunde lag:„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht“ usw. machte auf die Gemeinde einen tiefen Eindruck. Herr Pfaxrer Mahr, der schon durch manch' treffliche Schrift den Nachweis wissenschaftlicher Tüchtigkeit erbracht hat, würde sich den Dank vieler Gemeindeglieder erwerben, wenn er gleich seiner Langsdorfer Abschiedspredigt auch die Antritts⸗ predigt im Druck erscheinen ließe. 5 * Die Hessische Tapferkeitsmedaille hat er⸗ halten der Kriegs freiwillige stud. chem. Heinz Schmecken⸗ becher aus Gießen, Unteroffizier im Res.-Ins.⸗Regt. 222, der in⸗ zwischen gefallen ist. * Kriegsfreiwillige werden, wie man uns mitzuteilen bittet, vom 5. bis 15. Juli 1915 beim zweiten Ersatz⸗See⸗ bataillon in Wilhelmshaven eingestellt. Lemberg. Nicht unerwartet, aber deshalb nicht weniger froh begrüßt, traf gestern abend die Nachricht von der Wiedereroberung Lembergs ein. Zum zweitenmal im Juni 0 iden des Früh⸗ lings brachte der Feldzug in Galizien die Wiedereinna der Hauptstadt des fast ganz befreiten Landes wie ein zeichen für die reifende Vollendung im begonnenen Sommer. Mit dem Geläut der Glocken wurde heute vormittag die frohe Kunde verherrlicht und die Schuljugend durfte sich wieder einmal eines schulfreien Tages erfreuen. * Postverkehr mit Gefangenen. Im Reichs⸗ Postamt ist ein neues Merkblatt der Besti* jüber den Postverkehr mit den Kriegs⸗ und Zivil⸗ Nan im Auslande aufgestellt worden. Das erkblatt ist in den Schaltervorräumen der Postanstalten ausgehängt und wird Nachfragenden auf Wunsch auch von der Geheimen Kanzlei des Reichs-Postamts zugesandt. 9 * Turnerisches aus dem Gau Hessen. Am Sonntag, den 20. d Mts., fand im Gasthof„Großherzog von Hessen“ in Gießen der 83. Gauturntag des Gaues Hessen unter dem Vorsitz des 2. Gauvertreters E 1 F 0 7825 5 40 ü e fl ö sehr groß und bezog sich in der ache auf ge Mitteilungen, Erstattung des Sueben durch den Gau⸗-⸗ vertreter Eidmann, des Turnberichtes durch den 2. Gau- turnwart Günther⸗Marburg, des Kassenberichts durch Gaurechner Post⸗- Alsfeld sowie auf den betrieb g rend der Kriegszeit. Anwesend waren 79 Vertreter von 63 Vereinen. Aus den gegebenen Berichten konnte entnom⸗ men werden, daß dem Gau Hessen am 1. f 168 Vereine mit 13 750 Mitgliedern angehörten, von welchen 4756 Turner unter den Fa standen, heute sind es etwa die Hälfte mehr.— Um das Turnen auch wähwend des Krieges zu pflegen, wurde in Vorschlag gebracht, im Monat August oder September ein Bergturnen 8 1* in g n Frei„Freiweitsprung, n Sglinge und Turner. Ueber die Art des Turnens ob man einem Gauturnen oder den ATsturnen den Vorzug geben sollte— konnte man nicht 1 a Die Vertreter der anwesenden Vereine verpflichteten sich, alsbald nach Heimkehr mit ihrem Verein ins N setzen und spätestens bis zum 1. Juli an den 0 vertreter W. Eidmann in Gießen zu berichten, wel schauung über diese Frage in den einzelnen Verein steht. Nach Eingang dieser Mittei den, ob ein Bergturnen des Gaues auf dem Schiffenberg bei Gießen, oder Turnen in den einzelnen Bezirken Alles nähere wird dann auf dem im Juli so Gauvorturnertag bekannt gegeben. * Brotmarkenausgabe. Wir verweisen auf die im Anzeigenteil vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung des Oberbürgermeisters betr. die Ausgabe der nenen Brotmarken. ** KHartoffelversorgung. Der Kommunal verband Gießen hat e 8 und zwar ür die Minderbemittelten in den Landgemeinden, ein bestimmtes Quantum Speisekartoffeln t. Wie uns mitgeteilt wird, sind nunmehr diese Kartoffeln zum Preise von 3 Mk. der Zentner durch Vermittlung der Bürgermeistereien an die Minderbemittelten abgegeben worden.. * Vom Heu. Vorgestern sah man in unseren An⸗ lagen zahlreiche mit Vogelsberger Rindern* werke, die hochauf mit duftigem Heufutter beladen waren. Gelenkt wurden die Heusuhren von kleinen Landwirten der Umgegend, die den Grasauswuchs besonders auf unsern städtischen Wiesen m haben und nun fertige ue Fein. ie Heuernte, welche im vorigen Jahre 70 bis 75 Proz. eines reichen Heujahres brachte, ist nicht geringer ausgefallen; dabei ist das Futter in der 1 lität besser als im vergangenen Jahr. Es haben sich auch Stadt bisher ge f = . eigenen Landes und Volkes als höchsten Gebotes der Stunde! Bischöfe— daß die russische Armer 9 Geißeln — konnte daher lein Zweifel bestehen. Es lag sonach nicht rr die Verkaufspreise für Heu in unserer 1 so gestellt, wie im letzten Jahre 1 n E 1 N 2 t den Zentner wieder für 4—4.50 Mk. Der Preis zweifellos billiger werden, wenn die. ut wird, worüber man ein Urteil bisher noch nicht fällen n Zur Ehrfurcht vor den Saaten ermahnt folgende beherzigenswerte Zuschrift eines Freundes 12 Zeitung: Der wunderschöne Sonnenmorgen lockte mich naus ins Freie Die Luft war kühl und so durfte man die nne suchen und brauchte sie nicht zu scheuen. Da ging ich voll Freude in meine lieben Felder, denn Schöneres weiß ich mir nicht, als die Felder zu sehen, die der Ernte ent⸗ gegen e cen Kornfelder hat unser Land. Im leisen Hauch des Windes wehen die Halme und ein Duft ver⸗ n engt 0 5 auf. Meine Sonntags- f t n e wogende Frucht und der Lerchensang, über der köstlichsten Erde wird— Herzen 9 nen Lobliede des Himmels. Zweifel und Bangen verstummen und alles Fragen findet seine Antwort. Draußen wütet der Krieg, aber unserer Heimat heilige Erde steht unberühret, r Lüfte umspielen ihre Hoffnung und der Saat wird ie Ernte folgen: wir werden leben. Kosend streicht meine Hand über die schwellende Aehre, dankbar, daß sie 5 flehe ich um Segen zu ihrer Vollendung. Mein ritt weicht in Ehrfurcht dem kleinsten Halme der Brot- frucht am Wege, Genossen scheinen sie mir, der eine wie der Sdere, Streiter für die heilige Sache des deutschen Volkes. Sie bürgen uns Leben und Wachsen und Werden, der Hun⸗ ger bleibt draußen, ihn bannet die Fenn Ich schreite weiter und Trauer erfaßt mich. Tief in den Halmen des Kornes 1 5 leuchten die blauen Kornblumen auf, nun werden ie Armen der Frucht zum Verderben! wehe! frevelnde Füße traten die Ha me, in breiter Gasse welken sie der Vernichtung ent egen. Wieder und wieder derselbe Jam- mer. Wo nur ein blaues Blümchen sich zeiget, liegen die Aehren zertrümmert, zerstampft. Kinder waren es wohl, die ihre junge Unwissenheit zum Verbrecher an der Heiligkeit der Ernte machte. An den Eltern ist es, sie davor zu wahren! Zeigt ihnen das Brot, das ihren Hunger stillet, zeigt ihnen das Korn, das uns 255 Mahle reift! Lehret sie die Scheu vor den wachsenden Früchten des Feldes, heilig werde ihnen die Frucht wie der Name des Herrn, der sie gab! * Die Schweinebestände. Nachdem die Bekannt⸗ machungen über die Sicherstellung von Fleischvorräten mit dem 8. Mai außer Kraft getreten sind, wird die Be⸗ völkerung auf die Beendigung der Maßnahmen zur außer⸗ ordentlichen Minderung der Schweinebestände, insbesondere auch die Aufhebung des Enteignungsrechts der Aufkäufe für die Zentral-Einkaufsgesellschaft zu festen Uebernahmepreisen hingewiesen. Dieser Hinweis erscheint im eigenen wirtschaftlichen Interesse beachtlich, weil die Gefahr besteht, daß gewissenlose Händler, wie es in letzter Zeit gelegentlich beobachtet ist, versuchen werden, unter Ausnutzung der mangelnden Kenntnis der länd⸗ lichen Volkskreise von den wechselnden wirtschaftlichen Kriegsgesetzen, Schweine zu niedrigen Preisen unter Hin⸗ weis auf die angeblich drohende Enteignung an sich zu bringen, um sie alsdann mit übermäßigem Gewinn auf den Markt abzusetzen. Der e Gießenlist mit Lieferung von Brennmaterial für die bisherigen Mitglieder zu Sommerpreisen so stark in Anspruch genommen, daß er bei der 7 des Kohlenmarktes sich veranlaßt gesehen hat, vorerst keine neuen Mitglieder mehr aufzuneh⸗ men. Die Mitgliederliste ist bis auf weiteres gesperrt Landkreis Gießen. r. Londorf, 22. Juni. Anfang April wurde der Infanterist Phil. Rabenau, Reservtst, als in Gesangenschaft geraten 2 meldet. Dieser Tage erhielten nun seine Angehörigen von ihm Nachricht aus Sibirien, daß es ihm gut gehe und er gesund sei. 1 8 war am 25. April geschrieben, hat also ca. 2 Monate gebraucht. a O Bersrod, 22. Juni. Gemeindeschäfser Otto Staab fand in den letzten Karpathenschlachten den Heldentod. Er ist der sechste Tote unserer Gemeinde. Krankenwärter Wilhelm Schmidt von hier ist in sranzösische Gefangenschaft geraten. a. Beuern, 22. Juni. Der Gesreite Friedrich Rant von hier, Inf.-Rgt. Nr. 116, Masch.⸗Gew.⸗Komp., wurde mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet. 9 Kreis Schotten. O Meiches, 21. Juni. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde am 15. Juni dem Gesreiten Wolf, Sohn des Schindlers Johannes Wolf VII. von bier, verliehen. Wolf ist der Zweite aus unserem Orte, welchem diese Auszeichnung zuteil wird. Starkenburg und Rheinhessen. rb. Darmstadt, 21. Juni. Am Sonntag vormittag hielt der Gesamtverein des Odenwald Klubs seine dies⸗ 2 ordentliche Hauptversammlung im Festsaal der Vereinig⸗ sitzenden nach dem Friedensschluß durch ein Denkmal geehrt werden soll. Der von dem chner Herrn Direktor Löwe vorgetragene Kassenbericht ergibt in Einnahme 21 780 Mark, in Ausgabe 12 151 Mark. Der Kassenbestand d der Zentralkasse beträgt 9 629 Mark. Dem Rechner wurde mit Dank für seine ersprießliche Tätig⸗ keit Entlastung erteilt. besonderer Voranschlag wurde für das 5 9 nicht aufgestellt. Der Zentralausschuß wurde durch Zuruf gewählt. In längeren Ausführungen bespricht Finanzminister Dr. Braun die weitere Tätigkeit des Klubs wäh⸗ rend der Kriegsdauer. Er warnte eindringlich vor der Errich⸗ tung von Krieger⸗- und Grabdenkmälern in Stein 1 en. Hier müsse die Kunst mit der Natur Hand in Hand gehen. im an die Kreisämter in diesem Sinne gewendet. Auch der Odenwald⸗ klub mit seinen vielen Mitgliedern an Lehrern, Bürgermeistern u. d. möge seine belehrende und beratende Tätigkeit in den Dienst dieser wichtigen Frage stellen. Er verwies noch ferner auf Bayern, das in diesem Sinne schon mit schönen Entwürfen für Begräbnis⸗ und Ehrendenkmäler vorgegangen ser. Auch für Hessen müsse hier mit Einheitlichkeit für die Lösung dieser Frage gewirkt werden. 3 1014: Besuch 11325. Frühjahr habe das Ministertum des Innern sich 9 5 8 Der Odenwaldklub werde sich damit ein vaterländisches Verdienst erwerben. Die Hauptversammlung beschloß, daß der Zentralaus⸗ schuß diese Frage in sein Arbeitsgebiet nimmt. ch. Bingen, 21. Juni. Ein schwerer Schiffsunfall, der die Sperrung des Fahr wassers durch das Binger Loch im Gefolge hatte, ereignete sich heute hier Der Radschlepp⸗ dampfer„De Gruijter Nr. 2“, kam auf der Bergfahrt mit mehreren Schleppkähnen im Anhang bis unterhalb vom Binger Loch. Dort erlitt das Voot einen Maschinenschaden, der den ganzen Schleppzug hilflos ins Treiben brachte. Die Fahrzeuge versuchten die Anker zu setzen, doch wurde dabei nichts erreicht, als daß der Dampfer zwei Anker, eins der Anhangsschiffe einen Anker verloren. Es ge lang den Schiffen schließlich zum Halten zu kommen. Tas Binger loch⸗Fahrwasser bleibt nun, bis es gelingt, die sonst für andere Fahrzeuge gefährlichen Anker heraufzuschaffen, für jeden Schiff fahrtsverkehr gesperrt. Die ganze Berg⸗ und Talschiffahrt muß durch das neue Fahrwasser stattfinden. Hessen⸗Nassau. Hanau a. M., 21. Juni. Trotz der schweren Kriegszeit war die Direktion des hiesigen Stadttheaters, das mit den städtischen Bühnen in Bad Homburg v. d. H. und Offenbach a. M. verbunden ist, in der Lage, die am 1. Oktober 1914 begonnene Winterspielzeit mit Unterstützung des Magistrats nicht nur in sonst üblicher Weise durchzuführen, sondern sogar bis zum 16. Juni d. J. auszudebnen. Dadurch wurde zum ersten Male in Hanau eine ununterbrochene Spieldauer von 8½ Monaten ermöglicht. Es wurden ins gesamt in der Spielzeit 253 Vorstellungen gegeben. Die Vorstellungen fanden zu herabgesetzten Preisen statt. Direktor Adalbert Steffter ist die Direktion des Hanauer Stadttheaters bis 15. Mai 1917, des Stadt- theaters Offenbach a. M. auf weitere 5 Jahre und des Kurhaus— erer Bad Homburg v. d. H. auf weitere drei Jahre übertragen worden. h. Usingen, 22. Juni. Im Wohnhause des Wagnermeisters Fritz Philippi brach der Voden einer Wohnung des ersten Stockwerkes und riß alle in dem Raum befindlichen Möbel und zwei Frauen mit in die Tiefe. Durch das sortgeschleuderte Herdseuer entstand unter dem wüsten Durcheinander ein Brand. Rascher Hilse gelang es jedoch, die Flammen zu ersticken und auch die unter den Trümmern begrabenen Frauen zu erretten. Der Schaden ist bedeutend. Gerichtssaal. Ein Landrichter in Mühlhausen zur Amtsentlassung verurteilt. Colmar, 22. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Nach der „Straßburger Post“ ist der Landrichter Goehrs in Mühl⸗ haufen vor einiger Zeit wegen seines, eines deutschen Beamten nicht würdigen Verhaltens zur Amtsentlassung verurteilt, und dieses Urteil ist inzwischen in zweiter Instanz von der hiesigen Disziplinarkammer für Beamte bestatigt worden. Goehrs hat schon lange vor dem Krieg aus seiner Sympathie für französisches Wesen kein Hehl gemacht, sich häufig selbst in dienstlichen Besprechungen der französischen Sprache bedient, mit offen französisch gesinnten Leuten verkehrt, während er alldeutsche Kreise mied. Dieses und allerhand Einzelheiten sind damit zusammenzuhalten, daß Goehrs, der übrigens ein Sohn deutscher Eltern ist— sein Vater ist nach dem 70er Kriege aus Darmstadt nach Straßburg ge— kommen, wo er eine bekannte Persönlichkeit ist und sich um das Wirken der inneren Mission verdient gemacht hat, beim Einzuge der Franzosen in Mühlhausen sich auf der Straße aufhielt und freudig erregt zeigte, die Trikolore durch Hutabnehmen grüßte und Zigarren und Zigaretten austeilte. In allem ist die Bekundung einer Gesinnung zu erblicken, die sich jedenfalls mit der Stellung eines deutschen Beamten nicht vereinbaren läßt. — Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller Unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Landstürmer vor geschlossenen Türen. Alm 21. d. Mts. erfolgte in unserer Stadt wiederum eine Einquartierung von Landsturmleuten, bei deren Unterbringung sich vereinzelt derart häßliche Szenen abspielten, daß ein Anrufen der Oeffentlichkeit nicht zu umgehen sein dürfte. In einigen Fami⸗ lien mußte der Einsender beobachten, daß die Annahme der Ein⸗ quartierung unter nichtigen Vorwänden abgelehnt wurde, und daß die einrückenden Landsturmleute, die von morgens bis in die ersten Nachmittagstunden beim Appell gestanden hatten, müde und hung⸗ rig vor zugeschlagenen Türen umkehren mußten. Selbst das nachherige Einschreiten der Stadt scheint noch nicht ein⸗ mal überall den gewünschten Erfolg gehabt zu haben. Es müßte doch etwas mehr bedacht werden, in welche Stimmung derartige Beweise geringer Opferwilligkeit unsere kämpfenden Soldaten draußen im Felde versetzen müssen, wenn ihnen derartige Fälle bekannt werden oder wenn ihnen— was gar nicht ausgeschlossen wäre— eine derartige Behandlung vor dem Aus rücken selbst wider⸗ fahren würde. Der jetzt 10 Monate dauernde Krieg mit seinen oßen Opfern an Gut scheint immer noch nicht allen Familien ie Augen geöffnet zu haben, und es gibt deren anscheinend noch eine ganze Reihe, deren persönliche Bequemlichkeit höher steht, als die Erfüllung einfacher Pflichten gegen unsere Soldaten. Man müßte für die Folge mit öffentlicher Namensnennung vorgehen, da⸗ mit für die Folge derartige beschümende Vorkommnisse vermieden werden. 0 d= 5 Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof- Marktbericht vom 21. Juui. Auftrieb: Rinder 258(Ochsen 42, Bullen 28, Kühe und Färsen 188), Kälber 327, Schase 7, Schweine 352. 1 Marktverlauf: Lebhaster Geschäftsgang, nirgends Ueberstand. Breise für 100 Pfd. Lebend- Schlacht- Ochsen. gewicht. Vollfleischige, ausgemästete, höchsten Schlacht? Mk. Mk. wertes im Alter von 4—7 Jahren. 65—72 126—134 Junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgemäs tete. 61-65 118—120 Bullen. Vollfleischige, ausgew. höchsten Schlachtvw.. 62—64 120—124 Färsen. Kühe. Vollfleischige, ausgemästete Järsen höchsten Schlacht wertes 65—72 126—134 Voll fleischige ausge mästete Kühe böchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 60-64 118—124 Wenig gut entwickelte Färsen. 60—64 118—124 Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe 56—58 108—114 Mäßig genährte Kühe und Färsen 5054 98—102 Kälber. einste Mastkälb er 684—00 140—00 littlere Mast- und beste Saugkälber.. 80—82 133—137 Geringere Mast- und gute Saugkälber... 72—75 120—125 Geringe Saugkälber. 56—64 93103 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendge wicht„ ꝗ 120123 150— 154 Vollfleischige Schweine unter 80 12 Lebendgew. 110— 120 140 150 bei Nieren“ leiden, Harnsäure, Zucker, Fürstliche Wildunger Mineralquellen A.-G., Bad Wildungen Schriften kostenfrei wn Flaschenversand 2 18tł sl. Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 21. Juni 1915. i Schlachtviehpreise in Frankfurt a. M. Fleischpreise in Gießen 50 Kg. Schlachtgewicht Ochsen ½ Kg. 124—128 Piy 116-135 Mit. Kälber% Kg. Schlachtgw. 102.133 Pf.,„ 108—112. Schweine)„„ 135—155, ½„ 156000„ Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 Kg.— g- Schwarzbrot 2 Kg. 75 Pig. Getreidepreise in Ma un he im Weizen 100 Kg. 29.40 Mit. Roggen 100 Kg. 25.40 Mk. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Der nördliche Tiefdruckausläufer ist nordostwärts abgezogen, Auf seiner Rückseite ist von Westen her der Luftdruck weiter an⸗ gestiegen. Kleinere Depressionsgebiete lagern heute über Frankreich und Süddeutschland, die uns zunehmende Bewölkung und in Süd⸗ deutschland unerhebliche Niederschläge bringen dürften. Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 24. Juni 1915: Wolkig, meist trocken, warm, wechselnde Winde. Letzte Nachrichten. Wieder ein Zeppelinbesuch an der englischen Ostküste. KHristiania, 22. Juni. Der Dampfer„Jotun“ kam gestern nach Stavanger und bestätigte, daß South⸗ shields in der Nacht zum Mittwoch von Zeppelinen bombardiert wurde. Die Soldaten in der Stadt feuer⸗ ten Geschosse in der Richtung auf die Zeppeline ab, die man aber swegen des Nebels nicht sehen konnte. Selbst die Scheinwerfer konnten den Nebel nicht durchdringen. In Shields wurde niemand getötet oder verwundet. Die Zeppeline hatten kurz vorher den Armstrong⸗Wer⸗ ken einen Besuch abgestattet, wo 15 Bomben die Marine⸗ werkstätten und das Arsenal getroffen hatten. Hier wurden 70 Personen getötet und 40 verwundet. Vom Schiff aus konnte man sehen, daß in Shields die Nacht hindurch mehrere Gebäude in Flammen standen und in Asche gelegt wurden. Der angerichtete Schaden bei Arm⸗ Ein Nachfolger Nikolai Nikolajewitschs? a Kopenhagen, 23. Juni.„Pietrogradskajia Gazeta“ teilt mit, daß General Ruski, der allgemein als Nach⸗ folger des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch gilt, nach Petersburg gekommen und sofort zum Zaren nach Zarskoje Sselo berufen worden ist. Militärische Maßnahmen in Rußland. Petersburg, 23. Juni. Der Höchstkommandierende der 1 russischen Armee, Generaladjutant Jwanoff, macht ekannt, Choln, Lublin, Brody, Proskurow ankommenden Personen das Verlassen des Bahnhofes nur nach Vorzeigen der Legitimation der östlichen Feldgendarmerie gestattet ist. Diese Anordnung beweist, daß nunmehr auch Südwestrußland vom Generalstab der russi⸗ schen Armee als kriegsbedroht angesehen wird. Die russische Frie⸗ densliga in Petersburg, Moskau und Kiew ist soeben aufgelöst worden. 8 N 1 Die Kriegführung der Italiener. Innsbruck, 23. Juni. Jetzt wird bekannt, daß die Ita⸗ liener beim Einzuge in die von uns freiwillig geräumte Ort⸗ schaft Borgo im Suganer⸗Tal zahlreiche Persönlich⸗ keiten, darunter Angehörige von dortigen adligen Familien, aktive und pensionierte Staatsbeamte verhaftet und als Gei⸗ seln abgeführt haben.. 5 Ein italienisches Geschwader für die Dardanellen. Genf, 22. Juni. Die aktive Beteiligung Italiens an der Dardanellenoperation dürfte nach römischen Meldungen. und verschiedene kleinere Einheiten den Hafen von Tarent mit Volldampf verlassen und sind nach Tenedos in See gegangen. Das Geschwader soll sich d der englisch⸗französischen Flotte vor den Dardanellen anschließen. ö Die deutschen Verleumdungen. Köln, 23. Juni. Die„Kölnische Zeitung“ veröffentlicht einen offenen Brief des Reichstagsabgeordneten Pfeifer an den Rektor des französischen katholischen Institutes, in welchem Pfeifer die Behauptung, die Deutschen hätten in Löwen gegen den Klerus fanatischen Haß bewiesen und sich eine Freude daraus gemacht, das Bild des göttlichen Erlösers zu verstümmeln, als verleumderische Lüge der schlimmsten Art bezeichnet. Eine ganz gemeine Lüge sei die Behauptung, in Belgien hätten die Deutschen fast alle Kirchen zerstört, die sie auf ihrem Wege getroffen. Alle diese verleum⸗ derischen Anschuldigungen gegen die Gottlosigkeit des deutschen Heeres weist Pfeifer zurück und versichert, daß die Leute in Frankreich und Belgien sehr verwundert gen wären über die tiefe Gottesfurcht und den hohen sittlichen Ernst der Soldaten. Falls man ihm nicht glauben wolle, versichert Pfeifer, solle man die Bischöfe von Lille, Namur und Lüttich fragen. Diese würden seine Worte bestätigen. ————————— Betr.: Reichsbeihilfe auf dem Gebiete der Kriegswohlfahrtspflege. An die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden Si llen alsbald b 5* B i ie wollen a erichten, we eträge an Reichsunter⸗ stützungen und Kreiszuschüssen im Monat Juni aua begabtt worden find oder noch ausbezahlt werden. Hierbei machen wir darauf aufmerksam, daß nicht nur die für den Monat Juni auszuzahlenden Beträge anzugeben sind, sondern daß auch die Beträge in Betracht kommen, die im Monat Juni für zurückliegende Zeiten bewilligt worden sind. Dies ist bei den letzten Berichterstattungen vielfach nicht berücksichtigt worden. Um Rückfragen zu vermeiden, wollen Sie bei dem Gemeinde⸗ rechner feststellen, ob alle vom 1. Januar d. J. ab bis jetzt ge⸗ nehmigten Reichsunterstützungen und Kreiszuschüsse uns mitgeteilt wurden. Sollte dies nicht der Fall sein, dann ist das Versckumte nachzuholen. Wir weisen auch ausdrücklich darauf hin, daß wir diejenigen von Ihnen ersatzpflichtig machen müssen, durch deren unvollständige oder verspätete Berichterstatrung der Kreiskasse in⸗ sofern Schaden erwächst, als so nicht das volle Drittel der aus⸗ gezahlten Kreiszuschüsse ersetzt wird. Juni bereits erstattel egen. suw, f lt N 5 den Monat ind, ist nötigenfalls ein Ergänzun, i Gießen, den 21. Juni een 3 f Großherzogliches Kreisamt Gießen. Dr. Usinger. 9 447 Eiweiss. strong ist ungeheuer groß.(L.A.) d daß nunmehr allen in den Städten Rowno, Dubno Tatsache geworden sein. Danach haben mehrere italienische Kreuzen 1 7 25 8 Zehn Monate bereits stehen unsere tapferen Truppen in Feindesland in heldenmütigem Kampf gegen unsere zahlreichen Feinde, 2 N denen sich jetzt auch noch das treulose Italien zugesellt hat. N . A geschlossener Einmütigkeit teilt das ganze Volk mit unseren Tapferen den Willen, auszuhalten bis zum glücklichen Ende. N 3 Wie die da draußen täglich und stündlich Leben und Gesundheit hingeben, so gilt es für die zu Hause Gebliebenen, in ihrer Opfer⸗ 4 N freudigkeit nicht zu erlahmen, um den Streitern im Feld und den Verwundeten in der Heimat zu helfen. 4 1 * Die berufene Stelle, diese Hilfe zu vermitteln, ist das Rote Kreuz. Täglich wachsen seine Aufgaben in der Fürsorge für die 4 4 1 Lazarette, in der Verpflegung und Erfrischung von Verwundeten in den durchkommenden Zügen, in der Versendung von Liebes⸗ 4 1 N gaben aller Art, in der Bereitstellung von Pflegekräften und von Einrichtungen, die für die Erhaltung der Gesundheit unserer N ** Truppen im Felde unentbehrlich sind. Namentlich im Osten gilt es, die gefährliche Ungezieferplage durch Beschaffung von Desinfektions⸗ 4 f 8 und Badewagen zu bekämpfen. Die Versorgung unserer Kriegsinvaliden, der Witwen und Waisen der auf dem Felde der Ehre 8 1 d Gefallenen und die Erhaltung unseres Nachwuchses sind in steigendem Maße brennende Aufgaben. Nicht minder wichtig ist die 4 9 Erleichterung des harten Loses unserer in Kriegsgefangenschaft schmachtenden Landsleute. 1 4 Große Geldmittel sind schon aufgewendet worden. Diese gehen aber zur Neige, unsere Pflichten dagegen wachsen. Deshalb V. ergeht aufs neue die herzliche und dringende Bitte: 0 bt itere Mittel in di d Helft uns, gebt uns weitere Mittel in die Hand! 9 Was Ihr dem Roten Kreuz spendet, gebt Ihr dem Vaterland und seinen bis in den Tod getreuen Söhnen! 8 0 Der Oberbürgermeister f NI:.. 5 Keller. 5 2 8 8 8 Die Vorsitzende des Alice-Frauenvereins Der Vorsitzende des Zweigvereins Gießen ö 97 Zweigverein Gießen—— vom Noten Kreuz 8 5 Frau Gebhardt. a 8 Wiener. 75 7 Eine Haussammlung wird in den nächsten Tagen eingeleitet. Geldspenden nehmen auch die Bezirkssparkasse, Gewerbebank, 1 7 Mitteldeutsche Creditbank, Bank für Handel und Industrie und die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers entgegen. Sonstige 8 7 Spenden werden an der Liebesgabensammelstelle des Roten Kreuzes in der alten Klinik angenommen. N * 7 A ** fm rabgan) Obff⸗ U. Gartenbauverein Gießen. Samstag, den 26. Juni, abends 8½ uhr Unseren verehrten Kunden teilen wir hierdurch mit, dass wir während Teldpost Sendungen Vereins⸗Versammlung des Krieges infolge der bedeutend verkürzten Arbeitszeit, des täglich Eingemachtes und im Felsenkeller, obere Bahnhosstraße zunehmenden Personalmangels und der enormen Preissteigerung fast aller detrockneten Obst 7 d 5 f Rohmaterialien nicht mehr in der Lage sind, alle seither geführten Ge— e g Tae een bücke herzustellen, sondern manche Arten ausfallen lassen müssen. Aus Verpackung gratis Di Verwerkung, Verarbeitung und Aufbewahrung gleichen Gründen können Bestellungen nur dann auf Anfertigung und empfiehlt 51a von Obst und Gemüse In jetziger Zeit. Zusendung rechnen, wenn dieselben am Tage vorher zur Aufgabe ge- 1 I Schulhof Referent: Dr. Hoffmann. i 8 bitten wir unsere Kunden, im Laden vorrätige Marktstr. 4. Teleph. 119. Unsere Mitglieder lade ich hierzu freundlichst ein. achen gleich selbst mitzunehmen oder abholen zu lassen. r. Wiederverkauf. 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Studenten haben freien Zutritt. Glesskannen Herrliche Wald- Sommerfrische Lieht Spiel- Haus aumeten 2e 2 Pension Waldhaus Baumspritzen Stettbacher Tal Giessen, den 22. Juni 1915. 1284 3 . 25.: be, 1— Möblierte Zimmer, auch obne Pension, sür jede Zeit, Wr em ene 1 Kokosfaserstricke Kur- u. Sonnenbad. Vegetar. u. gemischte Kuche 25455 8 a Spar⸗ u. Vorschußverein Lolars Woerallesdie Eflient bart unt w Tufturort Biedenkopf: Dramatisches Kriegsschauspiel aus der Gegenwart in in Lignigati e 8 g Gartenland-Utensillen 5 4 b. b. U. 1. 5. in Lula, in Linuidgtin.] 68 e e i ale. d ele Kramers Berggarten aufenthalt i i 5 itali künstler, u. a. Fräulein Mari Wult, 20 g und 1 5 des Spar⸗ am Selkauzpleihaus in Frankfurt ah Rain. Edgar porrmann Auerbach a. d. B. Waldhotel 1 8 i N 5 5 ef 3 1 an der Samstag, den 3. Juli, abends 8 ½ uhr do) und sein hatlentänger] Das geheimnisvolle Aanenbid JJ Tete vbon 108 Neustadt 11 Me Biedenkop Lahn. i Sp 8 l Eisenwarenhandlung. Sezen 1 N im hiesigen Gemeindehaus ein zur 5 Humoreske. 1 Spannendes Schauspiel J n Schöne Jin zumporübergeh. Idollisch geleg. Balkonzimm. Mit dem Dampfboot in 3 Abteilungen. 0 1 Honstantinopel Generalversammlung.“ ee ben gare, Wunderb. Originalaufn. 1 Tages⸗Ordnung: V i i er erzweifelt 2. Besprechung und Beschlußfassung über das Angebot Dima, lle zune dull I b 0 Ul des alten Vorstandes, bezugnehmend auf den Be⸗. g 3 1 und läng. Aufenthalt. Gutes 1 85 6006%h˙Dee Een, elektr. Licht, Bad, Gart.] Jorellens. Tel 4. 2 1 404 See schluß der letzten Generalversammlung: Haftbar⸗ Laranzellel Ab Samstag, d. 26. Juni: Leranzelgel in großer Auswahl 55 f f machung des alten Vorstandes. 8 n Bannune Friodberd. 5 f 5285] Der Kriegsdäamon zn: e e. 4 5 5 3 8 1 Spannende Episode aus dem Weltkrieg in 2 Akten, n nne 8 1 7 Lollar, den 23. Juni 1915. verfaßt. inszen. u. die Hauptrolle gesp. vd. ver egen: 1 S seibad in staatilener Verwaltung. gür den Aufsichtsrat: ten deutschen Eilmschau:-pieler Ludwig Trautmann. 99 5 1„ Hochsale., IItplum-, Stahl- u. Scbgefelguellen Sch midt. Militär ohne Charge zahlt werktags die Hälfte. 787 5 Mefcchet Fark ung Wald, ruhige Laa. Alet. eee Orossherzogliche Bade direktion, N