Der cletzener Anzelger N * 3 7 2 85 3 n 9 . n ä 9 1¹⁵ Erstes Blatt kscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sietener Familiendlätter; 8 wöchentl. Aeis⸗ für den Kreis Gictzen (Dienstag und Freitag); zweimal iche Seltene wirtschaftl agen Fernsprech- Anschlüsse: ür die Schriftleitung 112 — 105. Jahrgang Gießener Anzeiger Montag, 21. Juni 1015 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel- jährl. Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.— viertel jährl. aussch Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Berlag, Geschafts stelled l U 90 Feuilleton: Aug. Goetz; Ad für Drahtnach⸗. 7 für Stadt und Land, richten: Anzeiger Sleßen.* Vermischtes und Ge⸗ 1 von Anzeigen richtssaal: Otto Braun; für Tagesnummer für den Anzeigenteil: H. bis vormittags 9 Uhr. Rotationsdruck une Derlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei N. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Beck, säntlich in Gießen. der Fusammenbruch der russischen Grodek⸗ Stellung. (Wr.) Großes Hauptquartier, 19. Juni. (Amtlich.) 1 Westlicher Kriegsschauplatz. Die Fortsetzung der Angriffe auf unsere Front nörolich von Arras brachte dem Feinde weitere Miß⸗ erfolge. Nördlich des Kanals von La Bassée wurde ein englischer Vorstoß mühelos abgewiesen. Mehrere fran⸗ zösische Angriffe an der Lorettohöhe, beiderseits Neu⸗ ville und nordöstlich von Arras brachen zusammen. Salup 3 einige früher verlorene Grabenstücke vom In den Argonnen wurden örtliche Vorstöße des Gegners im Bajonettkampfe abgewiesen. Die Kämpfe bei VBauquois haben zu keinem Ergebnis geführt. 5 Nördlich von Lunsville wurde der von den Franzosen befestigte besetzte ort Embermenil überfallen und genommen. Nach der Zerstörung aller französischen Ver⸗ teidigungsanlagen gingen unsere Truppen unter Mitnahme von etwa 50 gefangenen französischen Jägern in ihre alten Stellungen zurück.— In den Vogesen wird noch an ein⸗ zelnen Stellen des Fechttales gelämpft. Am Hilsenfirst nahmen wir über 200 Franzosen gefangen. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Gegend Szawle, am Dawina⸗ und Szla⸗ wanta⸗Abschnitt wurden russische Vorstöße abgewiesen. Südwestlich von Kalwarja machten wir Fortschritte. Das Dorf Wolkowizna wurde im Sturm genommen. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Russen sind westlich des San bis in Linie Zapus⸗ eie—Ulanow, östlich davon über die Tan ew Panczka⸗Linie zurückgeworfen. Die Grodek⸗ Stellung wird angegriffen.. Die noch südlich des Dnjestr zwischen den Dnjestr⸗ sümpfen und dem Stryj stehenden Russen wurden angegriffen und nach Norden zurückgedrängt. Die Angriffe werden fort⸗ gesetzt Oberste Heeresleitung. (TB.) Großes Hauptquartier, 20. Juni. (Amtlich.) g Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Kanals von La Bassée und auf der Front nördlich Arras wiesen wir mehrere feindliche Teil⸗ angriffe blutig ab. In der Champagne wurde eine fran⸗ sische Abteilung, die bei Perthes nach einer Minen gung angriff, zusammengeschossen. Unternehmungen der Franzosen gegen unsere Vorposten am Parroy⸗Walde führten zu örtlichen Kämpfen, bei denen wir die Oberhand behielten. In den Vogesen wird Münster von den Franzosen heftig beschossen. Erneute feindliche Angriffe im Fechttale und südlich waren erfolglos. Aus einem feindlichen Fliegergeschwader, das, ohne militärischen Schaden anzurichten, Bomben auf Iseghem in Flandern warf, wurde ein Flugzeug her⸗ ausgeschossen, mehrere andere zu schleuniger Umkehr gezwungen. Ein weiteres Flugzeug wurde in der Champagne über Vouziers heruntergeholt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Russische Angriffe gegen unsere Linie in Gegend Szawle und Augustow wurden abgeschlagen. Eigene Vorstöße kleinerer Abteilungen führten zur Weg⸗ nahme der feindlichen Vorstellungen bei Budt⸗Przasz⸗ n 5 z und Zalesie ööstlich der Straße Przasznuysz—Myszy⸗ niec). 5 a Südöstlicher Kriegsschauplatz. Südlich der Pilica nahmen Truppen des General⸗ obersten von Woyrsch in den letzten Tagen mehrere feind⸗ liche Vorstellungen. Die Armeen des Generalobersten v. Macken⸗ sen haben die Grodek⸗Stellunggenommen. Zu Beginn des gestrigen Tages schritten deutsche Truppen und das Korps des Feldmarschalleutnants von Arz zum Angriff auf die stark verschanzten feindlichen Linien. Nach hartnäckigem Kampfe waren am Nachmittag fast durch⸗ weg die in mehreren Reihen hintereinander liegenden feind⸗ lichen Gräben auf der 35 Kilometer langen Front nördlich von Janow bis Huta⸗Obedynska (südwestlich Rawaruska) gestürmt; am Abend war der Feind bis hinter die große Straße Zolliew (nördlich Lemberg)— Rawaruska geworfen. Unter dem Druck dieser Niederlage ist der Gegner heute nacht auch aus der Anschlußstellung zwi⸗ schen Grodek und den Dujestrfümpfen ge⸗ wichen, hart bedrängt von den österreichisch-ungarischen Truppen. Zwischen den Dujestrsümpfen und der Stryj⸗Mün⸗ dung hat der Feind das südliche Ufer des Dujestr geräumt. Oberste Heeresleitung. * 1* Ueberall in den Ländern unserer Feinde ist jetzt eine „nationale Not“ eingetreten. Das stolze England weiß nicht mehr aus noch ein; der Kabinettswechsel war das äußere Zeichen, aber die Schwierigkeiten fangen erst an. Noch weiß man nicht, wie der Zwang zur Arbeit für Munitionsherstel⸗ lung, den man einstweilen der allgemeinen Militärpflicht vorangestellt hat, auf die innere Lage wirken wird. Die Ar⸗ beiterstimmung ist auf alle Fälle sehr gedrückt. Meinungs⸗ verschiedenheiten mancherlei Art, die von der Zensur nach außen hin ausgeglättet werden, bestehen fort und trüben die Stimmung. Und sollten die vielen pessimistischen Betrach— tungen, die von den führenden Londoner Blättern über die Aussichten des Krieges veröffentlicht werden, im Volke nicht niederdrückend wirken? Als Schatten der Vergangenheit stehen im Hintergrunde die Grey, Churchill, Fisher. Der bri⸗ tische Geldbeutel ist nicht unerschöpflich, so erklärte ein Ver⸗ . im englischen Unterhause auf die Vorhaltun— cen eines Seems und Drängers. * In Frankreich ist es verhältnismäßig ruhig. Man lann diesem Lande und seinen Bewohnern die Bewunderung nicht versagen, die man vor ihrer Geduld und ihrem tapfe⸗ ren Ausharren in Not und Tod hegen muß. Aber die Zeichen des inneren Zerfalls mehren sich doch. Man hält ein Gesetz für nötig, um die Drückeberger im Heere zu bekämpfen, und ein General, der im Parlament noch eine lange, lange Kriegszeit in Aussicht stellte, wurde stürmisch angefaucht. Und man weiß es ja, die Zensur ist im Lande unserer west— lichen Nachbarn schärfer als irgendwo sonst. Gar bald, wenn aus dem Osten die letzten Notsignale der versinkenden „Dampfwalze“ verklungen sind, wird auch die Herrlichkeit der Poincaré, Delcassé, Joffre ein Ende haben. Und das russische Los, mit dem Frankreich sein ganzes Heil und seine ganze Zukunft in allererster Linie verknüpft hatte, sch reitet mit Riesenschritten dem Verhängnis entgegen. Der russische Minister des Innern ist zurückgetreten; das ist ein sichtbares Zeichen, daß es in seinem Ressort schwarze Aussichten gibt. Nicht nur Aussichten, sondern Schicksale, die sich schon er— füllt haben. Wir verweisen auf die nachstehenden Meldungen von den furchtbaren Ausschreitungen in Moskau, die noch immer fortdauern, und gegen die jetzt, nach einer neuesten Meldung, ein militärisches Einschreiten angekündigt worden ist. Nacht nur im unteren Volke gärt es, sondern auch in den oberen Schichten. Der Parlamentarismus rührt sich 1 1 dem Selbstherrschertum, man verlangt die Ein- erufung der Duma. Als ob von dort das Heil kommen könnte! Die Boten der neuen Zeit für das Zarenreich kommen aus dem Westen, aus dem Südwesten, wo jetzt Schlachtengetöse herrscht. Man denkt an Bismarcks Wort: Nicht mit Reden und Mehrheitsbeschlüssen werden die großen Fragen der 8 gelöst... Auch für Ruß⸗ land trifft dieser usspruch jetzt zu. In welch anderem Sinne aber, welcher düsteren und doch Heil verkündenden Vorbedeutung! Der russische Imperialismus, diese ersättliche Eroberungssucht despotischer Beherrscher eines großen, bedrückten und in seiner inneren Entwickl, geschlagen und gehemmt— wahrer und erlösender als Wutschreie unserer Feinde gegen den deutschen Militarismus, der nur zum notwendig⸗ sten Schutz einer hochentwickelten Kultur geschaffen worden ist! * Schon oft, sehr oft in der Weltgeschichte, ist Lemberg, die Leo-Stadt, das polnische Lwow, der Mittelpunkt und Preis gewaltiger Kämpfe gewesen. Ruthenen und Tataren, Deutsche und Ungarn, Polen und Russen und Oesterreicher haben um den Besitz dieses Ortes gerungen und sind trium⸗ phierend in die Straßen Lembergs eingezogen. Das blutige Völkerringen aber, das jetzt wieder bis nahe vor die Mauern der altberühmten Stadt herangetragen ist, übertrifft alle Maße, Zahlen und Vorstellungen, die uns die Geschichte an die Hand gibt. Am 1. Mai setzten die Niederlagen der großen galizischen Armee Rußlands ein, und sieben Wochen waren für die Verbündeten nötig, um das Feld bis vor Lemberg zu säubern. Wohl mancher unter den Daheimgebliebenen hat sich nach der Wiedereroberung Przemysls das weitere leichter gedacht, hat vermeint, daß sich unsere braven, herr⸗ lichen Sieger nur in Eisenbahnwagen zu setzen brauchen, um nach Lemberg zu kommen. Die Heeresleitungen haben da— gegen die ungeheuren Schwierigkeiten eines fortgesetzten Siegeslaufes keinen Augenblick überschätzt; sie waren genau darüber unterrichtet, daß im russischen Hauptquartier der Befehl ausgegeben wurde, den letzten Hauch von Mann und Roß dranzusetzen, um von der galizischen Stellung zu retten, was noch möglich erschien. Nikolajewitsch kämpfte den letzten Verzweiflungskampf um seine Herrschaft und Be— liebtheit bei Hofe und im Volke. Das Fehlen des Gene- ralissimus im letzten Petersburger Ministerrate, der sich mit der Kriegslage in Galizien beschäftigte, ist der erste deutliche Beweis, daß der Großfürst verspielt hat und sein Stern im Sinken ist. Noch aber haben es die deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen mit Nikolais langsam und schwerfällig zurückflutender Armee zu tun. Die erbitterten und zweifellos geschickt geleiteten Offensivrückstöße der Russen haben den Sturm unserer Heereszüge etwas ver⸗ langsamt, aber nicht aufgehalten. Südlich und westlich von Lemberg hat der Feind sehr starke und für ihn günstige Feldbefestigungen, um die jetzt gerungen werden muß. Aber die Einnahme Grodeks und die Erstür— mung Komarnos bedeutete für uns bereits den Besitz der Seenlinie vor Lemberg, auf die die russische Taktik viel Vertrauen gesetzt hatte. Schon ist ja auch nördlich die Armee Mackensen über die Grodeker Teichlinie hinweg bis Janow und noch weiter gekommen, schon ist unsere zweite Armee in Komarno in Fühlung mit der Armee v. Linsingen ge— raten, die den Feind bereits bis Kolodruby gedrängt hat. Auch wer vom Schachspiele der höheren Strategie nicht allzuviel versteht, muß von der„Schönheit“ dieser Kriegs- karte, von der Folgerichtigkeit der Operationen gebannt und entzückt sein. Allerdings, welche Opfer, welche Anstrengun— gen die„dritte galizische Schlacht“ im 5 5855 kostet, das darf nicht vergessen werden. Aber es gibt einen sicheren Trost, nämlich den, daß die Opfer des Feindes ganz un geheuerlich vielmals größer sind. Galizien wird tatsächlich das Grab der russischen Armee sein. Es ist gevadezu kindisch, wenn die englische Presse den Bundesgenossen und Neu- tralen einreden will, daß Rußland erst ein Fünftel seiner Kraft an die Front gebracht habe. Die vorsichtigste Berech— nung ergibt einen russischen Gesamtverlust von drei Mil- lionen Mann bis zum 25. Mai. Seitdem ist jedoch min— destens noch eine halbe Million Mann zu den Abgängen g zurückgehaltenen Volkes, anders klingt dies, wie viel hinzugekommen. Das war die Kraft Rußlands und diese Kraft ist in Jahren, vielleicht in Jahrzehnten nicht zu ersetzen. Es genügt ja nicht, daß man Aushebungslisten vollschreibt, daß man halbwüchsige Schwächlinge und Greise, wie es jetzt vorkommt, nach. Ausbildung an die Front schickt, und es hat auch keinen Wert mehr, sich neue Munition über Archangelsk kommen zu lassen. Es ist doch alles zu spät, und noch so schöne Waffen haben in der Hand demoralisierter oder unausgebildeter Truppen keinen Wert mehr. Es ver⸗ fängt auch nicht, wenn die Russen auf ihr Bahnnetz längs der Lemberger Front hinweisen, das besonders günstig sei, weil vier Linien aus nördlicher, nordöstlicher und östlicher Richtung bis in das Kampfgebiet führen. Wir wissen ja doch, daß diese Bahnstrecken bereits ausgiebig benutzt wer⸗ den, um alles, was die Deutschen nicht vorfinden sollem, Hals über Kopf ins heilige Rußland zu schaffen. Die Sol⸗ daten des Zaren werden auf diesen Wegen bald nachfolgen. Und es ist keine Phantasie, sondern nur die gedankliche Folge der jetzigen Ereignisse, wenn wir im Geiste das Geschick Mittel- und Osteuropas sich glorreich dadurch erfüllen sehen, daß von Galizien aus der gewaltige Offensivstoß in das Innere des Zarenreiches geführt wird. 5** Die österreichisch-ungarischen Tagesberichte. Wien, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 19. Juni 1915. Russischer Kriegsschauplatz. Die galizische Schlacht dauert fort. Im Ansturm gegen die zusammenhängenden russischen Verteidigungsstellungen an und nördlich der Wereszyca er— kämpften die Truppen der verbündeten Armeen Stellung um Stellung. Grodek und Komanow sind genommen, das nordöstliche und das südliche Tanewufer vom Feinde gesäubert, Ulanomw nach heftigem Kampfe besetzt. Südlich des oberen Dnjestr schreitet der Angriff der ver⸗ bündeten Truppen fort. Die Ostgruppe der Armee Pflanzer hat neue schwere Angriffe wieder blutig zurückgeschlagen. Italienischer Kriegsschauplatz. An der Jsonzofront und der Kärntner Grenz. trat nach den letzten erfolglosen, verlustreichen Vorstüßen der Italiener Ruhe ein, die nur durch Plänteleien und stellen⸗ weises Geschützfeuer unterbrochen ist. Ein gestern nachmittag wieder bei Plawa angesetzter — 8 Angriff wurde schon im Keime durch Geschützfeuer erstickt. Im Tiroler Grenzgebiet wurden italienische Abteilungen, die gegen die Gebirgsübergänge östlich des Bassatales vorzugehen versuchten, allenthalben abgewiesen. Der erfolglose Angriff auf die Plateaux von Folgaria und Lavarone wurde vom Feinde eingestellt. In den wenigen„erlösten“ Ortschaften des Grenzgebiets drangsalieren die Italiener die Bevöllerung durch Aus⸗ hebungen von Geiseln und brutale Gewaltmaßregeln. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Juni 1915, mittags: N Russischer Kriegsschauplatz. Die Fortsetzung der kraftvollen Offensive der verbün— deten Armeen führte gestern in der Schlacht bei Ma⸗ giera⸗Grodel zu einem neuerlichen vollen Siege über die feindlichen Armeen. Nach Forcierung des San und nach der Wiedereroberung von Przemysl erzwang der Erfolg der verbündeten Truppen in der Durchbruchs⸗ schlacht zwischen Lubaczowka und dem oberen Dnjestr am 15. Juni den weiteren Rückzug des mittlerweile durch Heran⸗ ziehung zahlreicher Verstärkungen wieder schlagkräftig ge⸗ wordenen Feindes. Er wich damals unter schweren Verlusten in östlicher und nordöstlicher Richtung zurück. In den fol⸗ genden Tagen brachte die russische Oberste Heeresleitung zur Deckung der galizischen Landeshauptstadt nochmals die Reste der geschlagenen Armeen zusammen, um in der durch das Terrain starken und gut vorbereiteten Wereszyca-Stel⸗ lung unser Vordringen endlich zum Stehen zu bringen. Nach heftigem Kampfe hat der Ansturm der heldenmüti⸗ gen verbündeten Truppen auch diesmal wiederdie ganze russische Front zum Wanlen gebracht. Schon in den Nachmittagsstunden war die feindliche Stellung im Angriffsraume der Armee des Generalobersten v. Macken sen um Magiera durchbrochen. Der Feind begann bei Rawa⸗Ruska und Zolkiew zurückzugehen, während er an der Wereszyca noch erbitterten Widerstand leistete. Nachts erstürmten Teile der Armee Böhm⸗Er⸗ molli die feindlichen Stellungen beiderseits der Lemberger Straße. Gleichzeitig drangen die übri⸗ gen Korps dieser Armee überall in die feindliche Hauptstel⸗ lung ein. Seit 3 Uhr vormittags sind die Russen auf der ganzen Schlachtfront im Rückzuge, sowohl in der Richtung auf Lemberg, als nördlich und südlich davon. Die verbündeten Armeen verfolgen. Neuerdings fielen Tausende von Gefangenen 5 Kriegs material in die Hände der ieger. Am oberen Dufestr beginnt der Feind seine Stel lungen zu räumen.* An der Front der Armee Pflanzer griff der Feind an mehreren Stellen erneut an, wurde jedoch unter sehr be— deutenden Verlusten zurückgeschlagen. Italienischer Kriegsschauplatz. „Nach leichter Abweisung schwächerer italienischer An— griffe bei Plau, Ronchi und Monfalcone trat auch gestern an der Isonzofront wieder Ruhe ein. Hier und an der Kärtner Grenze schießt die feindliche Artillerie ohne Wirkung gegen unsere Befestigungen. Bei den von mindestens einer Brigade geführten, be⸗ lanntlich überall abgeschlagenen Angriffen auf unsere Stel- lung östlich des Fassatales hatte der Feind erheb⸗ liche Verluste. Vor einem Stützpunkt allein wurden 175 italienische Leichen gezählt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Stimmung der Feinde. Berlin, 21. Juni. Nach verschiedenen Morgenblättern be— richtet die Wiener politische Korrespondenz aus dem Haag, wie verschiedene vertrauenswürdige Personen erklären, die jüngst Frank⸗ reich und England bereisten, werde die Kriegslage von urteils⸗ fähigen Persönlichkeiten für Frankreich und England als ungünstig bezeichnet. Die Hoffnung auf die russische Dampfwalze sei ge⸗ schwunden. In Frankreich herrsche Mißmut über das Benehmen der Engländer, welche die von ihnen besetzten französischen Ge⸗ biete als englische Kolonien behandelten. Vor Lemberg. Berlin, 21. Juni. Nach einem Telegramm des„Berliner Tageblatts“ von seinem Sonderberichterstatter in Galizien wären die Armeen der Verbündeten an die letzte Lemberger Ver- teidigungslinie herangerückt, die sich laut Fliegeraussagen ungefähr 15 Kilometer westlich von Lemberg befindet. Berlin, 21. Juni. Dem„Berliner Lokalanzeiger“ wird aus Wien telegraphiert: Obzwar die Russen verzweifelten Widerstand leisten, gehen wir doch in die Schlacht mit dem Gefühl, daß der Gegner nicht einmal mehr an die Abwehr, ge⸗ schweige denn an den Sieg denkt und nur noch ein Aufhalten unse⸗ rer heranmarschierenden Truppen bezweckt, um seinen durch die früheren Kämpfe furchtbar verknäulten Train halbwegs über die Grenze zu bringen und von der Artillerie zu retten was zu ret⸗ ten ist. 92 Russische Vorsichtsmaßregeln. Petersburg, 19. Juni.(Ctr. Blu.) Das russische Handels⸗ ministerium hat den westlichen Industriellen vertraulich mitgeteilt, daß die sofortige Verlegung der Fabriken weiter östlich als notwendig erachtet werde. Eine Eisengießerei, eine große Tabak- fabrik und eine bedeutende Aktien⸗Nagelfabrik werden bereits nach Minsk verlegt, weitere Fabriken folgen demnächst. Viel besprochen wird der soeben ergangene Befehl des Verkehrsministeriums an die Direktoren der großen Eisenbahnwerkstätten von Riga und Kowno, eine eventuelle Verlegung nach Minsk oder Rowne schleu— nigst vorzunehmen.(Voss. Ztg.) Der russische Bericht. Petersburg, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Bericht des Generalstabs des Generalissimus. In der Gegend von Szawle keine Veränderung. Westlich des Niemen wurden deutsche An⸗ griffe in der Richtung auf Su walki und Kalwarja, die am 17. und 18. Juni mit geringen Streitkräften unternommen wur⸗ den, zurückgewiesen. In der Gegend der Rawka⸗Mündung wurde der Feind, der am Abend des 17. Juni zum Angriff überging, nach Mitternacht überall zurückgeschlagen. In Galizien fanden auf ewfront Vor postengefechte statt. In der Gegend auf Rawa⸗ ruska entwickelten sich in der Nacht zum 18. Juni Kämpfe in der Gegend von Nowiny und Ulicko. Aus Einzelheiten des Kampfes in der Gegend von Lucoczow ergibt sich, daß unsere Kavallerie am 15. Juni einen Angriff zu Pferde mit außer- ordentlicher Kühnheit gegen deutsche Infanterie unternommen hat. Der Verlauf des riffes rief in den deutschen Reihen eine Panik hervor, die ihre Offensive zum Stehen brachte. Auf der 5 Komennyi⸗Grodek⸗Momarno versuchten vorgeschobene Teile des Feindes am 17. Juni sich einen Weg quer durch die Gro⸗ deker Seen zu bahnen, wurden aber zurückgeschlagen. Artillerie⸗ kampf und Gewehrfeuer dauern an. Stromabwärts von Nien iow bei den Dörfern 3 Dolina hat der Feind beträcht⸗ liche Streitkräfte über den Dnjestr geworfen. Dennoch wurden alle seine Versuche, aus den tiesen Windungen des Dnjestr vorzustoßen, bei den Dörfern Kowloc und Snowidow erfolgreich abgewiesen. Zwischen Pruth und Dnujestr finden hartnäckige ämpfe statt. Am 17. Juni rückten unsere Truppen auf der Front Onuta⸗Bojan vor. 5 ien, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Peters⸗ burger Telegraphen⸗Agentur. Die Krisis des Kampfes bei Lubaczow erreichte ihren Höhepunkt, als es den Deutschen gelang, unsere Front im Westen der Stadt Lubaczow einzudrücken, und sie einen schnellen Vormarsch nach Norden gegen das Dorf 1 begannen. Die Kräfte unserer Infanterie, die vier N lang in heftigstem Kampfe nden hatten, waren er⸗ schöpft. In diesem Augenblick führte General Volodschenko, der Nie Infanterie und Kavallerie unterstützte, Husarenregimenter von Tschernigow, das elfte Kosaken⸗Regiment und das Bonsche Dra⸗ Regiment Kinborn ins Gefecht gegen die Deutschen. Die N ischen wurden auf der ganzen Angriffsfront von einer Panik ergriffen und wandten sich zur Flucht. Ein deutsches Infanterie⸗ Regiment wurde mit Lanze und Säbel beinahe vernichtet. Unsere Verfolgung setzte sich bis zu dem Dorfe Oleszias fort, wo deutsche Reserven zur Defensive übergingen und eine neue Front ein⸗ nahmen. Unsere Kavallerie eroberte fünf Maschinengewehre. Durch 0 en Angriff, der uns nur 200 Tote und Verwundete kostete, erreichten wir, daß der Feind, der durch unseren Vorstoß er⸗ 725 war, seinen Erfolg nicht ausnutzen konnte und tagsüber Angriff nicht wieder aufnahm. Wechsel im russischen Ministerium des Innern. Petersburg, 19. Juni.(WWB. Nichtamtlich.) An Stelle des zurückgetretenen Ministers des Innern ist der Chef der Hauptverwaltung des Reichs gestütswesens Schtscherbatow zum Verweser des Ministeriums des Innern ernannt worden. Petersburg, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Minister des Innern Maklakow ist zurückgetreten; er bleibt Mitglied des Reichsrats und Hofmeister. Die Moskauer Pogrome. (WTB. Moskau, 19. Juni.(Nichtamtl.) Ueber Kopen⸗ hagen wird gemeldet: g a a Ueber die Unruhen in Mos kau gibt der„Rußkoje Slovo“ folgende Darstellung: 1 Infolge von epidemischen Erkrankungen in den Fa⸗ briken, die von den abergläubischen Massen den Deut⸗ schen zur Last gelegt wurden, versammelten sich am 10. Juni um 10 Uhr morgens Mpeiterhwisen an einer Stelle in Moskau un⸗ ter Führung von bestimmten Rädelsführern. Diese hatten fer⸗ tige Listen von nichtrussischen und auch jüdischen Geschäften, die zerstört werden sollten. Die Menge begann mit der Zer⸗ störung. Die Kunde verbreitete sich durch ganz Moskau. Die Be⸗ C größeren Umfang annahmen, so daß die Führer vollständig die Herrschaft über die Massen verloren. Von einem Einschreiten der Polizei ist nichts bekannt. Am Abend des 10. Juni hatte der Aufruhr einen derartigen Umfang angenommen, daß von der Menge kein Unterschied zwischen nichtrussischen und russischen Geschäften gemacht wurde Me Plünderungen und Brandstiftungen nahmen ungeheuerlich zu. Sogar gutgekleidete Bürger beteiligten sich am Raub der Sachen Die Feuerwehr war machtlos, so daß viele Geschäfte bis zum Morgen brannten. Außerdem sind viele Geschäfte zerstört oder ausgeraubt worden. Die Unruhen dauerten bis zum näch⸗ en Morgen um 5 Uhr. Darauf folgten die bekannten Aufrufe des Stabtgouverneurs und der Stabtverwaltung. Der Metropolit von Moslau erließ gleichfalls einen beweglichen Hirtenbrief, in dem er sagte, daß Mos kan dem or rtigen Wüten nicht wegung arlete sofort derartig aus, daß die Pogrome immer CCC 7 ruf an die russischen Brüder erlassen, ja nicht dem gemeinsamen Feinde in die Hände zu arbeiten, der auf Aufruhr, auf Un⸗ ruhen und Revolution als seine Bundesgenossen warte. In der außerordentlichen Sitzung der Stadtverwal⸗ tung erklärte das Mitglied A strew, daß trotz des Glaubens an den Sieg Rußlands doch einige Unruhe in die Gemüter ge⸗ schlichen sei Ueber den Ausgang des Krieges seien Zwei⸗ fel entstanden. Dies sei vermutlich die Ursache der Unruhen. Er verlangte unter stürmischer Zustimmung der ganzen Ver⸗ sammlung zur Klärung der inneren Lage die sofortige Einberu⸗ fung der Duma. (WB! Paris, 19. Juni.(Nichtamtl.) Die Blätter mel⸗ den, daß bei den deutschfeindlichen Kundgebungen in Moskau 60 deutsche Häuser eingeäschert wurden. 207 Läden seien zerstört oder beschädigt worden. Die Polizei habe alle Maß⸗ nahmen getroffen, um eine Wiederholung neuer Unruhen zu ver⸗ hindern. Stockholm, 20. Juni.(Ctr. Blu.) In Moskau ist noch immer die Arbeit nicht wieder aufgenommen worden. Die Plün⸗ derungen werden fortgesetzt und zwar ganz allgemein bei reichen Fabrikbesitzern. Dem Inhaber einer der größten Tuch⸗ fabriken ist das Schloß angezündet worden. Französische und eng⸗ lische Firmen sind ebenfalls zerstört. Die Konsektfabrik Ding ist ausgeplündert. Ding ist mit seiner Familie verschwunden. Die Arbeit wird fortgesetzt verweigert. An dem Tage vorher, einem Feiertage, fuhr der Pöbel nach Puschkinow und zündete fie bzig Villen an. Im ganzen Moskauer Gouvernement herrscht strengste Polizeiüberwachung. Der Gouverneur konferierte mit den Prokuratoren. Die jungen Regimenter wurden von Mos kau weggeführt und die Kasernen mit sibirischen Truppen belegt. Falls die Unruhen fortdauern, ist militärisches Eingreifen wahr⸗ scheinlich.(L.⸗A.) ö Berlin, 21. Juni. In Moskau haben die Arbeiter die Arbeit noch immer nicht wieder aufgenommen. Die Plünde⸗ rungen werden fortgesetzt, die laut„Berliner Lokalanzei⸗ ger“ ganz allgemein auf reiche Fabrikbesitzer ausgedehnt werden.— Laut„Vossischer Zeitung“ veröffentlicht der Gouver⸗ neur der gesamten Moskauer Gouvernements eine Ankündigung, daß er fortan gegen alle Unruhen mit Militär⸗ gewalt eintreten werde. Er weist darauf hin, daß die Unruhen, deren Schauplatz Moskau war, sich nunmehr auch auf die be⸗ nachbarten Ortschaften erstrecken. 5„ Der Kampf an der Adria. verlautbart: Am 17. und 18. Juni haben mehrere unserer Kreuzer und Torpedoeinheiten eine Streifung an der italienischen Küste von der Reichsgrenze bis Fano unternommen. Hierbei wurden die Semaphorstatio⸗ nen an der Tagliamento-Mündung und bei Pesaro, sowie die Eisenbahnbrücken bei Rimini über den Metaro- und Arcila⸗ Fluß durch Geschützfeuer beschädigt, ein italie ni scher Dampferversenkt, dessen Bemannung geborgen. Sämt⸗ liche Einheiten sind wohlbehalten eingerückt. Flottenkommando. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agenzia Stefani. Der Chef des Generalstabes teilt mit, daß Freitag vor⸗ mitiag einige auf einer Aufklärungsfahrt begriffene 6 ster⸗ reichisch⸗ungarische Torpedobootszerstörer meh⸗ rere Stellen der Küsteneisenbahnlinie im Gebiet Fano Pesaro beschossen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Der Ma⸗ Rom, 19. Rimini, obwohl völlig unbefestigt und un verteidigt, wurde eben⸗ falls beschossen. Auch hier ist der Schaden unbedeutend. Nur einige Privathäuser wurden beschädigt und fünf Zivilpersonen leicht ver⸗ letzt. gez. Thaon de Reval. Die Italiener in Libyen. Basel, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Meldung der„Nationalzeitung“ aus Rom besagt, daß die Lage der ita lienischen Truppen in Libyen sehr beun⸗ ruhige. Der„Corriere della Sera“ erichtet zwar über günstige Operationen des Generals Tasioni, gibt jedoch zu, daß, um das angebaute und anbaufähige Gebiet Tripoli⸗ taniens während des Krieges vollständig zu sichern, die Entsendung erheblicher Verstärkungen in Höhe von min⸗ destens 6 Bataillonen nötig sei. Das Blatt erhebt die Frage, ob diese Verstärkungen dem europäischen Kriegsschauplatz entzogen werden könnten, oder ob es vielleicht besser sei, die Besetzung Libyens allein auf die Küste nplätze zu be⸗ schränken. Der„Corriere della Sera“ ist für das erstere, da sonst Tripolis zum zweiten Male erobert werden müsse. Die Lage erfordere unbedingt Verstärkungen. * 9*„ Der türkische Bericht. Konstantinopel, 20. Juni.(WTB Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: An der kaukasischen Front wiesen—— 3 die der——— ung eingeleitet hatte, Gegenangriffe ab. ir machten sangene und erbeuteten drei Maschinengewehre. In Gegend Ol ty machten unsere Truppen trotz erbitterten Widerstandes des Fein⸗ des Fortschritte. Bei diesen Gefechten verlor der Feind 200 Tote, darunter einige Offiziere, und ließ Gefangene, eine Menge Ge⸗ wehre, Zelte und Ausrüstungsgegenstände in unseren Händen. An den Dardanellen nahm unsere Artillerie am 17. Juni bei Ari Burnu die feindlichen Funken⸗ und heliographi⸗ schen Anlagen unter Feuer. Der größte Teil der dort arbeiten⸗ den feindlichen Soldaten wurde getötet. Ein feindliches Tor⸗ ig? J 18. 55 dees leer Flele ade e. digt. 1 a unsere Artillerie i linker Flügel des Feindes und verursachte ihm große Verluste. Um sich gegen das wirksame Feuer unserer Küstenbatterien zu schützen, hatte der Feind seine Stellung gewechselt, aber guch die neuen Stellungen wurden von den Batterien beschossen. Tie feindliche Artillerie, die das Feuer auf unsere Infanterie eröffnet hatte, wurde zum Schweigen gebracht. An den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. General d' Amade verwundet. Rom, 20. Juni.(WTB. Nichtamtlich.)„Giornale d'Italia“ erfährt aus Kairo, daß General d Amade einer Landungs⸗ operation an den Dardanellen verwundet wurde. d' Amade be⸗ sand sich an Bord des Dampfers„Savoie“, welcher die Landung unterstützen sollte. Eine Granate fiel auf den„Savoie“ und platzte in der Nähe des Generals, dem zwei Finger der rechten Hand ab⸗ gerissen wurden; außerdem er am Rücken verwundet. Ausweisung der Griechen aus Aegypten? Berlin, 21. Juni. Aus Kairo wird laut„Jossischer Ztg.“ der„Tribuna“ gemeldet, die Engländer bereiteten die Aus⸗ weisung aller Griechen aus Aegypten vor. * 4* Drückebergerei in Frankreich. (DDp.) Paris, 19. Juni.(Ctr. Blu.) Der„Temps“ berichtet: In der Kammer wurde ein Gesetzantrag ein⸗ gebracht, wonach Deserteure nach dem Inkrafttreten des Gesetzes eine einmonatige Frist erhalten sollen, um sich den Militärbehörden zu stellen. Nach Fristablauf werden den Deserteuren das bürgerliche Chrenrecht und die Ausübung der väterlichen Gewalt aberkannt, ihre Güter einge n wiederzuerkennen sei.„Rußloje Slovo“ hat einen Auf⸗ und zugunsten des Staatssäckels verlauft. Falls der. Wien, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird— terialschaden ist an einigen kleinen Stücken der Linie sehr gering. f. n teur Kinder hat oder Verwandte i eig itzt, sollen die Güter in Zwangsverwaltung ge t w Die Erziehung der Kinder und der Unterhalt der Vet ten wird vom Zwangsverwalter besorgt werden. Bei 9 und Krankheit werden die unter Ben, ehen den Güter den Betreffenden ausgeliefert. Bei Abl 8 5 wandter in aufsteigender Linie werden die Güter zugunsten des Staatssäckels verkauft. 7 (WTB.) Paris, 20. Juni(Nichtamtlich.) Die Kammer sitzung am Donnerstag, in der der Gesetzesantrag Dal biez erörtert wurde, verlief sehr bewegt. Der Vorsitende des Heeres-Ausschusses, General Pédohya, erklärte, der Krieg werde lang sehr lang sein. Die Annahme des* N antrages sei eine Notwendigkeit. Dieser decke sich mit empfinden, das der Drückebergerei und Günstlingswirtschaft müd sei. Pédopa verlas gleichfalls Zuschriften, darunter den Brief eines Offiziers von der Front, in Einspruch gegen die Drücke⸗ bergerei erhoben wird Pedoya wollte Angaben über die geheimen Verhandlungen des Heeres-⸗Ausschusses über den Gesetzesantrag machen. Ein großer Teil des Hauses, das den Ausführungen Pédoyas unruhig und mit zahlreichen Uuterbrechungen zuhörte, brach in dem Rufe„Demission!“ aus. Die Unruhe erreichte den Höhepunkt. Pédoya konnte seine Rede nicht beenden. Der Berichterstatter für den Gesetzesantrag, der Abgeordnete Paté, bemühte sich, den Entrüstungssturm zu 12 An⸗ esichts der unruhigen Haltung des Hauses bat Pate, Fort⸗ zung der Debatte auf den nächsten Donnerstag zu verlegen, damit der Heeresausschuß Zeit habe, sich mit dem Keie miafget ü über 5 Aenderungen im Gesetzesantrag und die endgültige zassung verständigen zu können; er hoffe, dann einen Text zu ringen, der allen Genugtuung geben und die heilige Einigkeit nicht stören werde. Gemäß dem Antrag Paté wird die Debatte am Donnerstag fortgesetzt werden. 9 „* N * 6 Der Seelri f Unterseeboot⸗Heldentum. Berlin, 20. i(WTB. Nichtamtlich.) Die„B. 3. 221 ben ne e Orden— mörite e 5 mit dem kürzlic e Reumsanbenen von„U 217%, der am 15. September 1914 e„'Triumph“ edierte. Hersing erzählt: Wir verließen den Heimathafen am 25. April und kamen vor den nellen am 25. Mai an. Als wir Gibraltar erreichten, sind wir keinem britischen Schlachtschiff b tro dem wir den größten Teil der Fahrt an der Wbersliche zun. legten. In der Nähe von Gibraltar bemerkten wir einen großen 1 Zerstörer, sind aber wä der Nacht und in ersten 8 über Wasser sozusagen mitten hin⸗ durch gefahren. Die Engländer entdeckten uns, als wir außerhalb Gibraltars waren, doch wir tauchten unter und enek tamen unverletzt. Ein ähnliches Erlebnis hatten wir in der Nähe des französischen Kriegshasens Biserta. Als wir das Aegäische Meer erreichten, machten wir uns sofort an die Arbeit, indem wir am 25. Mai frühmorgens den„Triumph“ zerstörten. Ein britischer Zersthrer ging geradeüber uns hin weg; wir konnten deutlich die Propeller des Zerstörers hö. Am 27. Mai entdeckten wir den„Majestic“ dicht an der Küste. Ich sah mittels Peristops, daß die Mannschaft des„ 7 rade ihr Mittagbrot einnahm. Ich überlegte, ob ich der schaft nicht Zeit lassen sollte die Mahlzeit zu beendigen, sagt mir aber, es sei meine Pflicht, unverzüglich zu feuern. „Majestic“ war von 10 Transportschiffen umgeben. 65 mußte schräg feuern. Als wir an die Oberfläche kamen, ich den „Majestic“ kielaufwärts liegen. In beiden Fällen hatten die britischen Schiffe Torvedonetze herabgelassen, aber unsere Tor⸗ pedos zerschneiden auch die stärksten Sta I[draht⸗ Jrißche Was von der Basis der deutschen U⸗ Boote im Irischen⸗ und im Mittelmeer gesagt wird, ist Unsinn. Der Radius unserer Boote ist groß genug für die Aktionen, welche sie voll⸗ 5 bracht haben. Eine Basis brauchen sie nicht dazu. England kann mit seiner angeblichen Seeherrschaft nicht gerade imponieren. Auf dem ganzen Wege von Wilhelmshaven nach den Dardanellez waren keine britischen Linienschiffe sichtbar. Der 1 Teil unserer Arbeit ist, sie irgendwo aufzufi Haben wir sie aber einmal gesichtet, ist es nicht schwer, sie zum Sinken zu bringen. 15 London, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der Flotten⸗ korrespondent der„Times“ schreibt: Die Tatsache, daß seit Anfang Juni nicht weniger als 73 Schiffe durch Unterseeboote versenkt worden sind, bildet 8 seltsamen Kommentar zu Churchills Erklärung in Dun⸗ dee,— 2 Unterseebootgefahr in gewissen Grenzen einge⸗ schränkt sei. Die heimtüchische englische Seetriegführung. (WTB.) Berlin, 19. Juni.(Nichtamtl.) Wie wir an maßgebender Stelle erfahren, machte am 14. Mai vor etwa 5 Seemeilen östlich des an der englischen Ostküste gel 1 Longstone⸗Leuchtturms ein unter norwegischer Flagge fahrender und mit norwegischen r a versehener englischer Dampfer auf eines unserer Untersee⸗ boote einen glücklicherweise erfolglosen Rammangriff. Der Kommandant des Unterseebootes, der den Dampfer als nor⸗ wegischen angesehen und daher unbehelligt gelassen konnte aus einer englischen Zeitung, die er einige Tage später einem von ihm angehaltenen Fahrzeug mommen hatte, feststellen, daß der betreffende Dampfer ein, englischer gewesen sei, der die Flagge und Abzeichen von Norwegen mißbraucht hatte, vermut⸗ lich, um auf gefabrlose Weise den van der öritischen Abnriralttät für die Vernichtung deutscher Unterseeboote etzten Preis zu verdienen. 0 dpi* pielte am 10. beim nter schwedi⸗ eines zweiten ohne Fla einem englischen Er stand so 29 und Abzeichen Versenk. 1.25. 15 eilt wurde schu 1 4e 0 0 wotben ift London, 20. Junt.(WTB. Nichtamtl) Die Se f der amtli Untersuchung über den Untergang der„Lusita A u der Oessentlichtell gehalten. London, 20. Juni(WTB. Nichtamtlich.) Der Dampfer „Ailice“ aus Leith ist torpediert worden. London, 19. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) 1 des Reuterschen Bureaus. Der Dampfer„Dulcie“ 2 ist an der Küste von Suffolk ohne 8 von einem deutschen Unterseeboot torpediert worden. Ein Mann wurde getötet; die übrigen Leute konnten gerettet 7 werden. 98 1 5 Rade 222, aus Dau⸗ Inf. Regt. 118, 0 äger aus Waldgirmes.— Ers.⸗Res. Karl Qestreich, Res.⸗Inf.⸗Regt 80, aus lar.— E def Otto S 155 Viabentobf — Landwehrmann Kreisstraßenwart Johs. Aug. Becker, Land⸗ wehr⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Gonterskirchen.— Musk. Wilh. Löff⸗ er, W Fa Ae 2. aus Eichelsdorf.— Ersatz⸗Res. Wilh. Adam, Inf.⸗Regt. 168, aus Breungeshain.— Unteroff, d. Res. Wilh. Weber, ee. 115, aus Brandau.— Musk. Heinr. Schneider aus Nieder ⸗Ramstadt.— Schütze Adam Nick⸗ Las, Inf.⸗Regt. 168, aus Darmstadt.— Konrad Löschhorn aus „— Musk. Karl Grüb, Inf.⸗Regt. 81, aus Offen⸗ .— Kriegsfreiw. Unteroff. Wilbert Lex, Garde⸗Drag.⸗ Regt. 23, aus Weilburg.— Leutn. Robert Lahr, Inf.⸗Regt. „aus Gro au.— Ers.⸗Res. Fritz Materne her ns.⸗Agt., aus Darmstadt.— Gardefüf. Karl Kall! 0 115, ans G* 0 Karl Kalbfleisch, 5 Schwarz. Jvhs. Friedr. Haber⸗ Aebi. rf. Bg. 228, ug Schoen fe Jah. G. Keef, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 116, aus Schwarz.— Landwehrm. Frdr. Kahl aus Garbenheim.— Landwehrm. Aug. Dreher, Landw.⸗Inf.⸗ Rgt. 83, aus Biedenkopf.— Pionier Karl Winter, Pionier⸗Btl. 16, aus Battenberg.— Lehrer Wilh. Renkel aus Offenbach u. M.— Kriegsfreiw. Karl André, Ers.⸗Btl. 41, aus Offen⸗ bach a. M.— Kanonier Heinr. Vogt, Feld⸗Art.⸗Rgt. 233, aus Hungen.— Musk. Ludw. Schmidt, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 223, aus Borsdorf.— Musk. Karl Repp, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 223, aus Nidda. * * Ritter des Eisernen Kreuzes: Oberleutn. d. R und Kompagnieführer Eberhard Kramer aus Gießen, R 116. Christian Knierim aus Alsfeld, iPon.⸗ 11. Pionier August Hölzchen aus Weilburg, Pion.⸗ Regt. 25. Gefreiter W. Klieber aus Wetzlar, Landw.⸗ 8 atz⸗Bat. 41. Kriegsfreiw. Georg Rompel aus Lindenholzhausen, Kreis Limburg, Feldart.⸗Regt. 5. Willy Graef aus Assenheim, Gefr. beim Kurhess. Jäger-Bat. 11. seldlazaratt⸗Inspektor Opernsänger Otto Clemm aus Bü⸗ „ Uffz. Philipp Preußer aus Düdelsheim, Ei. Regt. 116. Uffz. ust Durchholz aus Darmstadt. Gefr. 5 Heusohn aus Darmstadt, Res.⸗Inf. Regt 222 n der 17. Sanitätskomp. Dr. ii Eunike aus Bad zhausen. Gefr. d. R. Heinrich Böck II. aus Ober⸗Lais. Auszeichnung. Dem Oberlehrer am Realgymnasium 9 Gießen, Oberleutnant d. R. Dr. Emmel wurde die Hessische apferkeitsmedaille verliehen. * Wandervögel⸗Sonnwende. Wie alljährlich feierten auch dies Jahr die Wandervögel die Son⸗ nenwende. Es war weniger laut als sonst, und die älteren Wandervögel fehlten fast alle. Sind doch mehr als 3000 von ihnen als Kriegsfreiwillige ins Feld gezogen. Die oberhessi⸗ schen Gruppen brannten auf nzenburg ihr Sonnwend⸗ euer ab und etwa 150 Mädchen und Buben fanden gast⸗ ndliche Aufnahme bei den Bauern. Aber trotzdem mehr ere da waren, herrschte doch eine ruhigere Stimmung. sprach einer am Feuer, gedachte der Vielen, die vor dem Feind gefallen sind, gelobte ihnen, ihre Arbeit treulich weiterzuführen und redete mit 1 55 von unserem mäch⸗ tigen, starken Vaterland, das so sel stwerständlich all die Lasten des Krieges trägt und so— des endgültigen — ist, daß eine Kriegserklärung mehr kaum Ein⸗ druck macht. Dann g es freudig ernst über das Städtchen hin:„Deutschland, Deutschland über alles“.— Die Wander⸗ vögel halten, wie man uns weiter schreibt, ihre Arbeit auch jetzt im Kriege für wertvoll und nötig. Aus Feldpost⸗ briefen und aus dem Mund manches Offiziers haben sie 2 t, daß ihre Art eine treffliche Vorbereitung zum g ist. Sie können marschieren, schleppen schwere Ruck⸗ säcke, singen und halten so die Abmacher auf dem Damm. Ihre Magenansprüche sind gering und sie schlafen gern auf Heu oder Stroh, wohl auch auf sommerlich durch⸗ wärmtem Waldboden. Sie wissen, wie man Zelte baut und lernen mit Generalstabskarte und Kompaß umgehen. Wich⸗ tiger ist auch, daß die Jüngeren und Füngsten hier schon herangezogen werden. Wenn auch die älteren Wandervögel jetzt bei der militärischen Organisation der Jugend nicht zurückstehen und sich dem großen Ganzen unterordnen, so wandern und singen die Jüngeren desto flotter. Sie sollen dereinst die Erfolge, die jetzt erkämpft werden, ausbauen und festigen helfen, und dazu braucht es auch tüchtiger Menschen. 5 735 5 * Die Gießener Freilichtbühne schenkte gestern den vielen Hunderten, die alle verfügbaren Plätze einnahmen bezw. mangels weiterer Sitzgelegenheit das Veranügen im Stehen ge⸗ nossen, einen so unterhaltsamen Abend, daß man ihr gern die zuerkennen mag, in diesem stillen Kriegssommer dafür zu „daß in Gießen wenigstens an den Sonntagen etwas los“ Att. An und für sich schon ein Schmuckkästchen, hat die Bühne durch Bereicherung erfahren. Dort wirkte unter ein verdecktes Orchester, das Bautechniker Köhler mit viel Ge⸗ schmack in die Waldszenerie eingefügt hat, eine weitere hübsche n Leitung von Reallehrer Mulch ein zehnköpfiges Dilettantenorchester, das flott und sicher bei der Hand war, wenn es in den beiden Singspielen des Abends etwas zu singen gab, und das sich namentlich mit Koschats See⸗ walzer die anerkennende Ueberraschung der Hörer und ihren lauten Beifall erspielte. Vorher hatten sich aber vier der Kriegskräfte 5 der Freilichtbühne, die in dieser Spielzeit ganz und gar au aller- von Direktor Steingoetter am Zügel geführte Lieb⸗ K 9 e ist, e e 1 röhlich in die Guns ikums gesetzt. re Namen i 8 des Ero i— 29 5 Frey und 5 9 eitig, daß nicht lern rutschte, so kam die lustige Aelpler⸗ „Nach der schon rühmlich des Orchesters gabs die in selbstündiges Passen⸗ szene aus„Robert und Bertram“. i N Träger der beiden Titelrollen Kurt Henri und W. W. Göttig außerordentlich wohlfüblten, der erste mit viel i und mit einem fsend richtigen Gefühl der Bühnenkomik, der zweite ebenfalls mit laut cht deshalb mit ein wenig zuviel Gretel Leist spielte eine niedliche den ersten Ba allerliebst ein Liedchen, das, hätte es der Sängerin 72 ad sang höher gelegen, dürfen. b hätte Auch den anderen vier Mi 1 Kurt Frey Gendarm, un Loß als Wirt, G. A, von als Pächter und nn Michel, acht haben. So konnte 5 der Vorstellung recht auch im Hintergrund des Zuschzuer⸗] Aull. des gut e n uud di ührung als e und ne Wiberhelk werden. *Die Kriegerkameradschaft„Hassia“ hielt gestern vormittag im Kaisersaal in Darmstadt eine Mit⸗ gliederversammlung ab, die mit Rücksicht auf die Zeitlage an die Stelle der sonst üblichen großen Jahres- versammlung trat Raummangels wegen müssen wir den Bericht über die Versammlung auf morgen verschieben. * Zeppelin unterwegs. Heute nacht gegen 12 Uhr überflog in pfeilgeschwinder Fahrt in südlicher Richtung ein Luftkreuzer, anscheinend ein Zeppelin, die Stadt. Trotzdem das Luftschiff ziemlich niedrig fuhr, dürfte es nur von wenigen bemerkt worden sein. Man hörte nur das dumpfe Sausen der Luftschrauben, während das Motor- eräusch, das sonst die Zeppeline schon lange vor dem Er⸗ cheinen ankündigte und wohl einen Schläfer auswecken konnte, kaum vernehmlich war. Wie ein grauer Schatten hob sich das Schiff nur undeutlich vom gestirnten Himmel ab und verschwand gedankenschnell hinter den Dächern. % Goldene Hochzeit. Oberbriesträger 1. P. Ludwig Todt und seine Ehefrau Margarete geb. Barth begehen in voller Rüstigkeit am Dienstag, den Juni, das Fest der goldenen Hochzeit. 4 „ Pferdeversteigerung. Donnerstag, den 24. Juni, vormittags 9 Uhr, findet im Hofe des Jagdschlosses Kranichstein eine Versteigerung von 41 aus Belgien eingeführten 2 bis gjährigen Pferden, darunter erstklassige Stuten, zu den be⸗ kannten Bedingungen statt. Ferner kommen daran anschließend 40 jüngere Beutefohlen zum Verkause. Hessen⸗Nassau. 5 F. C. Diez, 20. Juni. Der 7 ordentl. Hauptversammlung des Lahn⸗Kanal- Vereins, die heute hier im„Hof von Hol⸗ land“ tagte, ging eine Vorstandssitzung in Gemeinschaft der Lahn⸗ Schiffahrtsgesellschaft voraus. Nicht ganz 3 Dutzend Mitglieder und Freunde des Vereins, besonders aus den Städten Gießen, Weßlar, Weilburg und Limburg, Diez und Ems, hatten sich eingefunden. Vor Beginn des Krieges hatte der Ver⸗ ein sein erstes Lahnschiff gebaut, das in Koblenz nach dem Gründer und langjährigen Leiter des Vereins„Eduard Kaiser“ getauft wurde. Alle großen Betriebe an der Lahn, namentlich die Hochöfen, standen nach Kriegsbeginn still, da sämtliche Bahnen in Anspruch genommen waren. Wäre die Lahn⸗Schiffahrt eingeführt gewesen, so wäre dieser—— behoben gewesen. Den„ Nr für das abgelaufene Jahr erstattete Syndikus Dr. Reger Wetzlar. Um die Zahl seiner Mitglieder, die fast um ein Drittel zurückgegangen war, zu heben, beschickte der Verein stark die Gewerbe Ausstellung in Gießen. Einen ausführlichen Rück. blick über die Betriebszeit des ersten Lahnschiffes während des Friedens gab Herr Tr. Balza⸗Wetzlar. Das Schifschen kann mit 138 Tonnen beladen werden. Ter Minister wünscht, wenn sich die Staatsregierung intensiv beteiligen soll, Vergrößerung des⸗ selben. Die reichlichen Erfahrungen sollen beim Neubau Verwen⸗ dung finden. In 69 Tagen führte das Schiffchen 13 Reisen aus. Das neue Schiff soll einen 50 PS. Motor erhalten und wird ca, 48 000 Mark kosten. Die Hauptsache muß der Betrieb auf dem Rhein bilden— je länger die Rheinstrecke und je kürzer die Lahn⸗ strecke, desto lukrativer wird der Betrieb. Zum Schluß wurde der Rechnungsbericht vorgetragen: die Kasse schließt ab mit einem kleinen Tefizit. Die satzungsgemäß ausscheidenden Mitglieder wur⸗ den wiedergewählt. Die nächstjährige Hauptversammlung wird in Gießen abgehalten. Gießener Strafkammer. 5 th. Gießen, 19. Juni. Gestern verhandelte die Straffammer einmal wieder, mit Unter⸗ brechung durch eine Mittagspause, auch den Nachmittag über. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde der Priwatier Adolf H. von Gießen, ein Mann von 69 Jahren, wegen Sittlichkeitsvergehens bei Zubilligung mildern⸗ der Umskände zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis bei 5jährigem Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Auf die erkannte —.— kommen 3 Monate der erlittenen Untersuchungshaft in An⸗ rechnung. Von der Anklage begangenen Forstfrevels wurde der Landwirt Jol. L. von Breungesheim freigesprochen. Er sollte Holz aus dem Wald ohne Abfuhrschein geholt haben. Wegen Kartoffelverteuerung tten sich Nikolaus D. und 5 Genossen, sämtlich Landwirte von dstadt, zu verantworten. Die Angeklagten hatten dem Land⸗ sturm⸗ Kommando in Friedberg auf dessen Bestellung, ohne vorher einen Preis zu fordern, Kartoffeln geliefert. Die Militärbehörde batte ihnen dafür pro Malter 13 u Höchstpreis damals nur 11 Mark betragen hat. Die Angeklagten erklärten, sie hätten in der Annahme des Geldes kein Unrecht gesehen, da doch der Militärfiskus, eine staatliche Behörde, hätte wissen müssen, daß der Höchstpreis nur 11 Mark war. Die Straf⸗ kammer erkannte gegen jeden der Angeklagten auf eine Geldstrafe von 3 Mark, hilfsweise 1 Tag Gefängnis.— Nicht fo billig kam der Handelsmann Heinrich S. von ödel durch. Er hatte von zwei Frauen in Bad⸗Nauheim Bestellungen angenommen auf 3 Malter Speisekartoffeln zum Preise von 11 Mark. Als er nach einigen Tagen die Ware abliefern wollte, erklärte er den Bestellerinnen, die Kartoffeln kosten heute 13 Mark das Malter, und war nicht zu bewegen, seine Lieferungsverpflichtung inne zu halten, auch nicht, als man ihm 12 Mark geben wollte. Angeklagte verteidigte sich damit, er habe an dem Tage Saat⸗ kartoffeln gehabt, die er nicht unter 13 k habe abgeben können. Wenn die Frauen vernünftig gewesen wären, hatte er ihnen ja einige Tage später fiir 11 Mark Speisekartoffeln gebracht. Die Strafkammer war der Ansicht, daß es sich hier um einen Fall handelt, e klar zeigt, daß der Verkäufer aus der Notlage von Kartoffelkonsumenten einen Extragewinn herausschlagen wollte, und erkannte auf eine Geldstrafe von 80 Mark, ev. 16 Tage Gefängnis.— In der Verhandlung gegen S. kam auch zur ——5 daß der Angeklagte sich von der einen Frau für ½ Zentner Saatkartoffeln, die er vorher geliefert hatte, für das Malter 36 Mark hatte bezahlen lassen. 6 die Mehl⸗ a en ich vergangen zu haben, war der er Joh. Gg. D. IV von — Er patze im Dezember vorigen Hahres 230 Pfund Weizen gegen Molter zum Mahlen bekommen. Als Anfang Mai dieses Jahres das Moltern verboten und das Weizenmehl be⸗ schlagnahmt wurde, hat der Müller trotzdem dem Eigentümer des Weizens schleunigst unter Abzug der Molter das Mehl geliefert, allerdings später die 34 P Weizenmehl gegen einen baren Mahllohn noch herausgegeben. Die Strafkammer war der Ansicht, der Fall liege so milde, daß eine Geldstrafe von 3 Mark event. 1 Tag Gefängnis als genügende Sühne für das Vergehen anzu⸗ sehen sei. Wegen schweren Diebstahls wurde die wegen Diebstahls vorbestrafte 21 Jahre alte Dienstmagd Irma K., gebürtig aus Hannover, zu 6 Mongten Gefängnis ver⸗ urteilt. Die Angeklagte hatte sich, nachdem sie von ihrer Dienst⸗ herrschaft in Friedelhausen entlassen war, nachts in deren Wohn⸗ haus eingeschlichen und eine Anzahl Kleidungsstücke entwendet. Untreue und Urkundenfälschung. Gegen den 43 Jahre alten Jagdschriftsteller Ludw. v. M. aus Wien, zuletzt mehrere Jahre in Bad Nauheim wohnhaft, ist eine age erhoben wegen Untreue und Urkundenfälschung. Der An⸗ agte, welcher wegen Betrugs, N und Urkunden⸗ älschung vorbestraft ist, soll im Dienst des Großindustriellen Ver⸗ kade in Delft, Holland, Gelder, die er zur Verwendung für ganz bestimmte Zwecke erhalten hat, für sich verbraucht haben; er soll, um die Veruntreuung zu verdecken, verschiedene Quittungen in Höhe von ca 800 Mark angefertigt, verfälscht und diese dann seinem —— als Belege bei der Abrechnung übersandt haben. 9 n 4 — N bedeutende Jagden besite, sei ein Gönner und Freund von ihm en, der ihm, um ihn zu bewegen, seinen Fonte ag Bad euheim zu verlegen, seine Freundschaft und seine Kasse förmlich aufgedrungen habe. Die Quittungen gefälscht und zum Zwecke der Täuschung von demselben Gebrauch gemacht zu haben, gibt der Angeklagte zu. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft beschließt die Strafkammer, den Holländer Verkade in der Sache über sein Ver⸗ hältnis zum Angeklagten zeugeneidlich zu vernehmen. kann dies allerdings nur auf diplomatischem Wege geschehen, doch will man vorher den Versuch machen, den Herrn zu veranlassen, in Gießen freiwillig als Zeuge vor Gericht zu erscheinen. Es Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 5 Unter dem Einfluß einer im Westen aufgetretenen Depression ist der hohe Druck über dem Kontinent weiter ostwärts abgezogen. Wir werden für morgen deinnach zunehmende Bewölkung, aber noch keine wesentlichen Nieder schläge zu erwarten haben. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 22. Juni 1915 Zunehmende Bewölkung, doch noch meist trocken, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Der deutsche Epistopat an den Kaiser. i. Köln, 21. Juni. Laut„Köln. Volksztg.“ haben Kardinal von Bettinger-München und Kardinal von Hartmann Köln an den Kaiser solgendes Telegramm gesandt:„Empört über die Verunglimpfung des deutschen Vaterlandes und des deut⸗ schen Heeres durch das Buch„Der Krieg und der deutsche Katholizismus“ ist es uns ein Herzensbedürfnis, Ew. Maje⸗ stät im Namen des deutschen Episkopats dessen schmerz⸗ liche Entrüstung auszudrücken. Wir werden nicht unter⸗ lassen, beim Oberhaupt der katholischen Kirche Beschwerde zu führen.“— Der Kaiser hat darauf an Kardinal von Hartmann folgendes Danktelegramm gerichtet: Ich danke Ihnen und dem Kardinal von Bettinger herzlich für den Ausdruck der Ent⸗ rüstung des deutschen Episkopats angesichts der schmählichen lite⸗ rarischen Verleumdung des deutschen Volkes und seines Heeres seitens des Feindes. Auch diese Angriffe prallen ab an dem guten Gewissen und der sittlichen Kraft, mit denen das deutsche Volk seine gerechte Sache verteidigt, und fallen auf die Urheber zurück. Wilhelm J. R. 5 Eine amtliche russische Auslassung. Petersburg, 21. ste 9 55 amtlichen Blattes des russischen Kriegsministeriums„Ruskii Invalid“ bringt einen böchst bemerkenswerten Leitartikel. Das Blatt gibt das Bestehen einer Unzufriedenheit zwischen einzelnen Mächten des Vierverbanu⸗ des zu, weist aber darauf hin, daß diese Unstimmigkeiten nicht politischer, sondern durchweg mi litärischer Natur seien. Den Russen scheine, daß die westlichen Verbündeten die deutschen Kräfte zu schwach und zu langsam schwächen, während den Russen vorgeworfen werde, sie hät⸗ ten Armeen von unzureichender Stärke und ungenügendem Material gegen den Bosporus entsanbt. Der Bericht er⸗ örtert, den Gedanken eines einzigen Führers der Gesamtheit der militärischen Aktionen der Verbündeten auf einem aus Strategen und Politikern aller Vierbundmächte bestehenden Tribunal zu errichten. Nach vertrauenswürdigen Hinweisen besteht Grund zu der Annahme, daß der in russischen hohen militärischen Kreisen eifrig besprochene Aufsatz auf das Betreiben des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zurückzuführen ist. 9 5 Maklakow. Stockholm, 21. Juni. Der zurückgetretene russssche Minister des Innern Maklakow war, wie„Svenska Dagbladet“ schreibt, einer der eifrigsten Vertreter des Standpunktes, daß der Krieg bis zum äußersten fortgesetzt werde. Er stand in dieser Hinsicht auf der⸗ selben Seite wie der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch. Die Ballanverhandlungen. 1 Lugano, 21. Juni. Ueber die Balkanverhandlungen meldet „Corriere della Sera“ aus Rom: Der Vierverband verhandelt vornehmlich mit Bulgarien, das Mazedonien verlangt und zwar imnabhängig von allen Entschädigungen, die der Vierverband für die anderen Balkanstaaten in Aussicht nimmt. Griechenland und Serbien wiesen jedoch jede Gebietsabtretung an Bulgarien ab. Um unter solchen Umständen Bulgarien zum Eingreifen in den Krieg bestimmen zu können, müßten zunächst die drei anderen Balkanstaaten durch hinreichende Entschädigungen zu Abtretungen an Bulgarien bewogen werden. Deshalb wird ein verwickeltes Tauschgeschäft vorgeschlagen. Rumänien soll den Serben den Banat überlassen, den es nicht hat, wofür Serbien Mazedonien, das es hat, an Bulgarien geben soll. Rußland gibt dafür an Rumänien die Bukowina mit Czernowitz und dem Pruth als Grenze, was es auch nicht hat. So hofft man das Eingreifen der Balkanstaaten des Vierverbandes in den Krieg zu erreichen. Die amtlichen russischen Verlustlisten. J Wien, 21. Juni. Die„Reichspost“ meldet: Die Herausgabe amtlicher russischer Verlustlisten ist seit der Besetzung von Przemysl. durch die Teutschen und Oesterreicher eingestellt worden. ———— Allg. Deulseh. Frauenverein Ortsgruppe Gießen. Auslunftstelle für Frauenberufe. Frauen u. 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Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, unsern einzigen hoffnungsvollen, braven Sohn und Neffen Ernst nach schwerem Leiden im 17. Lebensjahre heute morgen 5¼ Uhr zu sich in die Ewigkeit abzurufen. In tiefer Trauer: 5 Kaspar Panzer und Frau Luise, geb. Reuschling Familie Ph. fteuschling VI. Klein-Linden, 20. Juni 1915. 5227 Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. Juni, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehaus, Lützellindener Strasse 19, aus statt. 9 Die Geburt eines gesunden Mädchens zeigen an stobert Ehmer u. Frau Emma geb. Kauffmann Gartersleben(Kreis Magdeburg), den 18. Juni 1913. 5231 Ingenleur-Akademle 2 er Maeebteen- dd Elektro- a ateere. 8 emen e enaerten.(Fleenbetaonbau und chunt) 0 Wismar, Ostsee., eee dee ted eee eee Die Ziehung der ersten Klasse l. Preubisch-üddentsehen (232. Königl. Preu sischen) Klassen-Lotterie n eee 1. 3 Lose 11.1 1 I We. 1 1 1 8 4 2 sind zu beziehen durch die Königlich Preuß. Lotterie- Einnehmer in Gießen: R. Buchacker Fritz Fimm E. Legler 8(Rickerschę Buchhandlg.) Neuen Baue II Walltorstr. 63 Süd-Anlage 5 Fernsprecher 77. Fernsprecher 277. Fernsprecher 82. 1 ˙²—ͤ— ü ⁰..“ ·˙ Heute nacht verschied unerwartet nach kurzem schweren Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Bruder und Schwager Heinrich Sachser, Ligarrenfabrikant. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Anna Sachser. Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittag in Enger in Westfalen statt. abzusehen. 1 geb. Gerndt allerherzlichsten Dank aus. Giessen, 21. Juni 1915. Heute morgen 5¼ Uhr rief Gott der Herr unsere liebe, treusorgende Gattin und Mutter, Schwester, Schwiegertochter, Schwägerin und Tante Ernestine Hennig nach langem, geduldigem Leiden zur ewigen Ruhe ab. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Paul Hennig und Tochter. Giessen(Bruchstr. 7), den 20. Juni 1915. Die Beerdigung findet Dienstag, den 22. Juni, nachm. 5 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Danksagung. Allen denen, die uns bei dem raschen, un- erwarteten Heimgange meiner teuren, unvergess- lichen Frau und unserer treusorgenden Mutter tröstend zur Seite standen, sprechen wir unseren In tiefer Trauer: Wilh. Mades und Kinder. 5782 — 4 Radlumhaltige Solquellen.— Sooden Bewährtes Henlbad bei: Katarrhen der ö Atmungsorgane, Herzleiden, Blutarmut, Erauenkrankheiten, Rheumatismus, Gicht, Skrofulose, Rachitis, Rückständen von Influenza, Lungen- u. Rippen- lellentzündung. Bahnlinie Göttingen- Bebra.:: deschützte herrl. Lage inmitt- ausgedehnt. Gebirgswaldungen.:: Solbäder all. Art. Inhal ationen. Gradier werke. Pneu- matische Apparate ergeben. Werra Auskuntt u. Prospekte 0 3 30* Tür unsere laplerenlelden Feldpost Sendungen Eingemachtes und getrocknetes Obst Frischobhst-Harmeladen Limonaden täglich frisch eintreffend, N illigsten Tagesbreisen(5 W. Hankel Telephon 612 Neuen Bäue 7. 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