Ur. 1 Der Siegener Anz rscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sietzenergamilienblätter; ennal wöchentl. Kreis⸗ att für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech- Auschlasse: Ar die Schrißtleitung112 Verlag, Geschäftsstelleöl Adresse für Drahtnach- richten: Anzeiger Gleßen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt ießener General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdrud und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. n 9 8 2 1 5 2 1 105. Jahrgang jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pi.— Haupt. schristleiter: Aug. Goetz. Freitag, 18. Juni 1915 Bezugsprei monatl. 75 Pf., viertel Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge—⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. bor den Toren Lembergs! (TB.) Großes Hauptquartier, 17. Juni. (Amtlich.) 5 „ Westlicher Kriegsschauplatz. Nördlich des Teiches von Bellewaarde wurden die vor⸗ geste rn verlorenen Grabenstücke zum größten Tell zurück— erobert. Die Engländer und Franzosen setzten gestern ihre Jurchbruchsversuche fort. Nördlich des Kanals von La Bassée wurden die Engländer von Westfalen und Sachsen im Handgemenge überwältigt und zum beschleunigten Rückzug in ihre Stellungen gezwungen. Segen die Front von westlich Lievin bis Arras richteten die Franzosen fortgesetzt neue Angriffe. An der Lor ettohöhe wurde ihnen ein völlig zer— scossener Graben überlassen. Südlich Souchez gelang es en, in unserer Stellung in einer Breite von etwa 600 m uß zu fassen. Dort wird noch gelämpft. An allen anderen Stellen wurden sie blutig abgewiesen. Die unter größtem Munitionseinsatz und ohne Rücksicht auf die schwersten Verluste ge⸗ führten Angriffe haben somit wiederum mit einer Niederlage der Franzosen und Eng⸗ länder geendet. Die für uns siegreichen Nahkämpfe legen erneut Zeugnis ab von der glänzenden Tapferkeit und unerschütterlichen Ausdauer unserer Truppen. „Mit dem gleichen Mißerfolg endeten Fanlee An⸗ griffe bei Moulin sous tous vents. Wir nahmen dart fünf Offiziere, 300 Franzosen gefangen. In den Voges dauerten die lebhaften Kämpfe zwi⸗ chen Fecht⸗ und Lauchtal gestern noch an, kamen aber am Abend zum Stillstand. Abgesehen von einem kleinen Gelände⸗ zerlust nordöstlich Metzeral haben wir alle unsere Stellungen dehauptet. 100 Gefangene fielen in unsere Hände. Oestlicher Kriegsschauplatz. . Mehrere russische Angriffe wurden abgewiesen. Sonst deine besonderen Ereignisse. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Nördlich Sieniawa zwangen die Angriffe der ver— zündeten Truppen die Russen zur Aufgabe ihrer Stellung und zum Rückzug auf Tarnograd. Die Armee des Generalobersten v. Mackensen vrängte in scharfer Verfolgung dem Feinde nach. Dachnow und Lubaszow wurden gestür mt. das üdliche Smolinka⸗Ufer wurde vom Gegner gesäubert, bei Riemirom der russische Widerstand schnell gebrochen, die Straße Niemirobw— Jaworow überschritten. Weiter südlich gingen die Russen gegen die Wereszyca ——9 Südöstlich der Dujestr-Sümpfe ist die Lage unver⸗ Ert. ö * Die Behauptung im amtlichen französischen Bericht vom 16. Juni, 11 uhr abends, daß die Kathedrale von Reims mit Brandgranaten beschossen worden sei, ist un nah r. Unser Feuer richtete sich vielmehr gegen die Ost⸗ kaserne, somie gegen die Batterien am Gleisdreieck nördlich von Reims, die lebhaft auf unsere Stellungen gefeuert hatten. N Oberste Heeresleitung. 3 Die beiden letzten Tagesberichte unserer und der öster— reichisch-ungarischen Heeresleitung erfreuen uns mit glän— zenden Ergebnissen der Truppen Mackensens und Böhm⸗ Ermollis. Während südlich von Lemberg die Russen am Dnujestr noch verzweifelten Widerstand leisten und dem Ge— neral v. Linsingen redlich zu schaffen machen, nähert sich an der Nordgrenze Galiziens die Entscheidung. Mit wuch⸗ tigen Schlägen wurde der Feind dort über die russische Grenze auf Tarnograd zurückgeworfen. Nördlich der Straße von Przemysl nach Lemberg sind wichtige Orte erstürmt worden, und auf großer Frontbreite, die sich von Süden nach Norden zieht, über die Straße Niemirow-Jaworow hinaus, sind unsere Truppen auf dem Vormarsch. Zur selben Zeit ist die etwas weiter südlich kämpfende Armee Böhm der Hauptstadt Galiziens am nächsten gekommen; sie hat bereits den Westteil von Grodek im Sturm genommen! In Lemberg hat man also schon aus allernächster Nähe den Schlachtenlärm gehört. Es sind beträchtliche Heeresmassen, die sich der vielumstrittenen Stadt nähern. Südlich von Grodek sind die Russen ebenfalls geworfen worden, und das Westufer der Wereszyca ist im Besitz der Verbündeten. Es läßt sich also schwer annehmen, daß der Feind nochmals einen festen Ring um Lemberg aufbauen und dadurch unsern Vormarsch aufhalten kann. Der Großfürst-Genera⸗ lissimus soll nach einer neuesten Meldung in Urlaub ge— gangen sein, nach früheren Gerüchten sollte er sich in Moskau befinden. Jedenfalls hat er den so arg bedrohten Boden Galiziens längst verlassen, und ob er die ihm zuge— schriebene Aeußerung, Lemberg sei zu halten, und wenn es Millionen von Menschenleben koste, wirklich getan hat, fällt für die Entscheidungen gar nicht in Betracht. Die Aussagen russischer Gefangener darf man nicht allzu hoch bewerten, sie werden ihrem obersten Feldherrn manches nachsagen, was nur teilweise zutreffen mag. Im Westen haben unsere Truppen neuen Stürmen er— folgreich widerstanden. Die deutsche Regierung veröffentlicht te eine bedeutsame Erklärung über den französischen liegerangriff auf Karlsruhe, und die darin angeführten llungen müssen auch im Auslande stärksten Eindruck vorrufen. Der Unterschied zwischen deutscher und fran— zösischer Kriegführung tritt hier hell zutage. Uebrigens bereitet sich auch der deutsche Katholizismus zul entschiedene!: f hr der Beschimpfung deutscher Sitten vor. Die„Köln. Volkszeitung“ veröffentlicht eine Denkschrift deutscher an⸗ Katholiken gegen das französische Buch„La Guerre 5 Allemande et le Catholicisme“, in der Verwahrung dagegen eingelegt wird, daß man die deutschen Krieger und das ganze Volk des Barbarismus anzuklagen wagt: „In Frankreich wurde ein„Katholischer Ausschuß französischer Propaganda im Ausland“ gebildet, welcher als erste Frucht ein Buch hervorbrachte mit dem Titel:„Der deutsche Krieg und der Katholizismus“. Gleichzeitig mit diesem Buche erschien das Album Nr. 1 mit demselben Titel. Es enthält nach eigener Angabe:„Pho tographische Dokumente, welche das Verhalten der deutschen Armee auf der einen und der französischen Armee auf der anderen Seite gegenüber der katholischen Kirche beleuchten.“ Buch und Album sollen in 6 Sprachen erscheinen; die französische Ausgabe liegt be reits vor. Beide Schriften dienen nicht der Versöhnung und dem Frieden, sie denen auch nicht dem Katholizismus. Na— tionale Leidenschaft hat zur Verletzung der Wahceheit und Ge rechtigkeit geführt. Sie dichtet Deutschland einen Kriegs- und sculturbegriff an, welchen es nicht besitzt, den es vielmehr ab— lehnt. Sie wirft Deutschland Verbrechen und Greueltaten vor, deren Tatbestand in keiner Weise einwandfrei festgestellt ist; sie führt Zeugen an, welche nur zur Anklage den Mund öffnen dürfen; sie nennt Greuel, was nur berechtigte Abwehr des Frei⸗ schärlerkrieges war; sie weitet den Einzelfall zur ungerecht⸗ fertigten Verallgemeinerung. Aus allem aber geht die Sucht hervor, dem verhaßten Gegner Schlag um Schlag zu bersetzen, die Phantasie der Völker mit Bildern des Blutes und Grauens, ihr Herz mit Haß zu erfüllen. Besonders schmerzlich ist für uns deutsche Katholiken die Wahrnehmung, daß gerade jene Kreise der französischen Katholiken so haßerfüllt gegen uns auftreten, welche auf Grund ihrer Bildung und Stellung davor gesichert sein müßten, daf nationale Anteilnahme an den Geschicken ihres Landes in den Bahnen des von der Vernunft nicht beratenen Instintts verläuft. Vor allem aber beklagen wir es, daß sel bst Kirchenförsten diesen Angriffen des leidenschaftlichen Hasses — anders rönnen wir es leider nicht bezeichnen— ihre Autorität geliehen haben.“ 21 Schwerste, unentschuldbare Unken utuis des deutschen Volkes habe die ganze Antlageschrift diktiert. Es wird in der Denkschrift ausgeführt, daß die Abfassung einer Gegenschrift einem Manne anvertraut ist, der seit längeren Jahren mit den einschlägigen Verhältnissen genau vertraut ist, und der von jeder Voreingenommenheit gegen Frankreich frei ist. Für die künftige Abwehr alter und neuer Angriffe hat sich noch ein ständiger Privatausschuß der im öffentlichen Leben stehenden Katholiken gebildet, der bald mit einer weiteren Abwehrschrift an die Oeffentlich⸗ keit treten wird. Die Denkschrift ist unterzeichnet von 76 angesehenen, im öffentlichen Leben stehenden Katholiken. Unter ihnen be findet sich Graf Ballestrem, der bayerische Ministerpräsident Graf v. Hertling, Graf Praschma, Fürst v. Hatzfeld, Staats minister Freiherr v. Soden(München) usw. Der Ausschuß hat im Gegensatz zu dem französischen Vorgehen davon ab gesehen, die deutschen Kardinäle, Erzbischöfe und Bischöfe um ihre Beteiligung zu bitten, weil er der Meinung ist, daß das rein politische Ziel und die Art der Polemik über Katholizismus und Weltkrieg nicht mit der Würde und den Aufgaben des bischöflichen Amtes vereinbar sei. ** * Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 7. Juni.(8 TB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 17. Juni 1915 mittags: Russischer Kriegsschauplatz. Auch gestern konnten die geschlagenen russischen Armeen nirgends standhalten. In Mittelgalizien setzten sie, auf der ganzen Front durch starke Nachhuten gedeckt, den Rückzug in nord⸗ östlicher und östlicher Richtung fort. Die verbündeten Armeen verfolgen scharf. Nördlich Sieniawa dringen unsere Trunpen über Cieplice und Cewkow vor und haben gestern starke russische Kräfte, die noch auf galizischem Boden kämpfen, unter schweren Verlusten über die Reichsgrenze zu— rückgeworfen. a Oestlich anschließend erreichten verbündete Truppen Lu— baczow, entrissen den Russen nach heftigem Kampfe Niemirow und dringen weiter auf Jan ow vor. An der Lemberger Straße warfen Truppen der Armee Böhm starle russische Nachhuten bei Wolezuch y noch in den Abendstunden über die Wereszyca und er⸗ stürmten mitternachts den Westteil von Gro⸗ det. Auch südlich Grodek wurde das Westufer der Wereszyca vom Feind gesäubert. Südlich des Dujeste ist die Situntion im allgemeinen unverändert. 5 Italienischer Kriegsschauplatz. An der JIsonzo⸗ Front schlugen unsere Truppen bei lava wieder mehrere Angriffe unter schweren Verlusten für den Gegner ab. Im Felsgebiet des Kn dauern die Kämpfe der Gebirgstruppen fort. An der Kärntner Grenze hat sich gestern nichts Wesentliches ereignet. 1 g In Tirol wurden feindliche Vorstößse gegen das dus Tilliacher Joch im Tofane⸗Gebiet bei Tre Sassi, Buchen. stein und auf dem Monte Coston(östlich Folgaria) zu rück gewiesen. J Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der Marsch auf Lemberg. Berlin, 18. Juni. Von Tag zu Tag näher drängt sich die deutsch-österreichisch-sungarische Heereswelle gegen Lemberg an. Vorgestern kam, so schreibt die„Post“, die Nachricht von einem neuen Vorstoß der Mackensenschen Truppen, von der Erstürmung von Lubaczow, von der ge waltsamen Erzwingung der Linie Sadowa—-Rudki und gestern sahen wir die Verbündeten in breiter Front mehr als 10 Kilometer weiter gegen Osten auf Lemberg zu Fuß fassen. zemberg steht vor der Einkreisung und, so hoffen wir, auch vohl vor der Bezwingung. Das„Berliner Tageblatt“ erhält von seinem Kriegsberichterstatter über den Marsch Lrodek Lemberg folgendes Telegramm: Wenn je der Aus— druck am Platze war von vor sich her gefegten Trup⸗ den, so ist er dies im vorliegenden Falle, wo die Ueberreste der einstigen 3. und 8. russischen Armee trotz aller von allen Seiten herangezogenen Verstärtungen nunmehr auch zwi— schen Sieniawa— Przemysl—Lemberg versprengt wurden und die Reste der ehemaligen vielgenannten Sanfront sich nun in vollem Rückzuge befinden. Es muß aber damit ge⸗ rechnet werden, daß die nächsten Tage noch kein definitiwes Resultat bringen. Wien, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Neue Freie Presse“ teilt mit: Björn Björnson ist hier ein⸗ getroffen und begibt sich, einer Einladung des Armeeober— kommandanten Erzherzogs Friedrich folgend, zur Fron nach Galizien. Der russische Generalissimus beurlaubt? Berlin, 18. Juni. Wie der„Deutschen Tageszeitung“ aus Petersburg gemeldet wird, hat derer ussische Gene— ralissimus einen Urlaub angetreten. Der„Matin“ über die deutsche Offensivtrast. Berlin, 18. Juni. Verschiedenen Morgenblättern zufolge sagt der„Matin“, die Berechnung, daß die Deutschen be— reits erschöpft seien, erwaise sich als völlig falsch. Der riesenhafte Angriffsstoß in Galizien zeuge von unbezähmbarer Willenskraft. Eine amtliche deutsche Ertlärung über den französischen Fliegerangriff auf Karlsruhe. Berlin, 17. Juni.(WTB. Amtlich.) In dem amtlichen Be⸗ richt vom 15. Jimi abends brüstet sich die französische Hee⸗ resleitung mit dem bekannten Fliegerangriff auf Karlsruhe, den sie als Vergeltungsmaßregel für die Beschießung offener französischer und englischer Städte hinstellt. Dieser Begründung des französischen Angriffes ist die Tatsache entgegenzuhalten, daß von deutscher Seite nur befestigte Punkte und solche im Operationsgebiet liegenden Orte beschossen worden sind, die mit dem Kriege unmittelbar im Zusammenhang stehen. Ueberall, wo es sich dabei um offene Städte handelte, waren unsere Angriffe nur die Vergeltung für gleichartige Maß⸗ nahmen unserer Gegner. Wir haben darauf auch in unseren Berichten in jedem Fall ausdrücklich hingewiesen. Taß die Begründung des französischen Vorgehens somit der Wahrheit widerspricht, wird niemand in Erstaunen setzen, der die Berichte unserer Gegner kritisch zu lesen pflegt. Neu ist da⸗ gegen die brutale Offenheit, mit der die feindliche Heeres leitung eingesteht, daß sie ihren Fliegern als Angriffsziel eine fern vom Kriegsschauplatz gelegene, friedliche Stadt bezeichnet hat, in der gerade den Franzosen vor dem Kriege so vielfach gastfreundliches Entgegenkommen erwiesen wor⸗ den ist. Militärische Gründe können dieses Verhalten nicht rechtfer⸗ tigen, denn der einzige Verlust, den der Angriff unserer Kriegs- macht zugefügt hat, besteht in der Verwundung dreier, im Lazarett befindlicher Soldaten. Die abseits von der Stadt ge⸗ legene Munitions fabrik, deren militärische Bedeutung übrigens nicht allzu groß ist, hat bis auf die Beschädigung eines Baugerüstes nicht gelitten. Obwohl sie als Angriffsziel sehr leicht erkennbar war, wurde sie auch nur mit wenigen Bomben belegt. Schon daraus geht hervor, daß es den Franzosen gar nicht auf die Gewinnung eines militärischen Vorteiles ankam. Mit noch weit größerer Deutlichkeit ergibt sich diese Tatsache aber aus dem Umstande, daß den feindlichen Fliegern nach dem amtlichen Ein— geständnis der Franzosen besonders das Residenzschloß als Zielbezeichnet worden ist. Man wußte im Lager unserer, durch Spionage so gut unterrichteten Gegner zweifellos genau, daß das Schloß außer der ehrwürdigen Großherzogin Luise seit mehreren Wochen die Königin von Schweden beherbergte Die Amvesenheit dieses, einem neutralen Herrscherhause angehören⸗ den hohen Gastes, hielt die französischen Flieger jedoch nicht davon zurück, gerade das Schloß besonders heftig anzugreifen, das sie in der Tat erheblich beschädigten. Wie groß die Ge— fahr für die Königin war, zeigt u. a. die Tatsache, daß meh— rere Sprengstücke in das Zimmer der schwedischen Baronin Hochschild flogen. Auch die Kinder des Prinzen Max von Baden, über deren Schlafgemach eine Bombe das Dach zertrümmerte und die Decke einschlug, ent⸗ gingen nur mit knapper Not dem Tode. Unter der Bürgerschaft forderte der Ueberfall, wie bekannt, an Toten und Verwundeten insgesamt 84 Opfer. Wir können den Angriff nach diesem Ergebnis und nach der den feindlichen Fliegern erteilten dienstlichen Anweisung über ihre Angriffsziele nicht als militärische Unternehmung, sondern nur als ein Verbrechen bezeichnen, dessen Roheit von der wirk— lichen Höhe der vielbewunderten französischen Kultur ein beredtes Zeugnis ablegt. Der Luftangriff auf Englands Ostküste. Berlin, 17. Juni.(WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 15. zum 16. Juni haben unsere Marinelu ftschißfe einen Angrisfsauf die Nordostkü ste Englands ausgeführt. Ein befestigter Küstenplatz wurde mit Bomben be worsen, durch die eine Reihe industrieller Anlagen, darunter ein Hochofenwerk, in Brand gesetzt und zum Teil zerstört murde. Die Luftschifse wurden starf beschossen, bes! 8 1 7990 von eiter Strand batterie. vetzteret wurde ange⸗ griffen und zum Schweigen gebracht. Die Luft⸗ schiffe erlitten keinerlei Beschädigung. Der Stellvertreter des Chefs 2 Admiralstabs: (gez.) Behncke. In einem Teil der Auflage wiederholt.) Haag, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Nieuwe Courant“ teilt mit: Amtlich wird gemeldet: Ein Jeppe⸗ lin⸗Luftschiff besuchte gestern die Nordküste Eng⸗ lands und warf Bomben ab, durch die einige Brände entstanden, die gelöscht wurden. 15 Personen wurden getötet und 15 verwundet. 5 0 London, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Bei dem letzten Zeppelinangriff auf die Nordostküste sind 16 Per- sonen getötet und 40 verwundet worden.. Das Preßbureau berichtet, bei dem Angriff am 6. Juni seien 24 Personen getötet und 49 verwundet worden. N 1 Der französische Bericht. Paris, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht don gestern abend: Nördlich von Npern bemächtigten sich eng⸗ llllische Truppen einer Reihe deutscher Schützengräben. Westlich von La Bassé wurden die von ihnen erzielten Gewinne nicht behauptet. In dem Abschnitte nördlich Arras gewannen wir an verschiedenen Stellen Gelände, besonders östlich der Loretto— höhe, südwestlich, südlich von Souchez und im„Labyrinth“. Wir machten 300 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinen— gewehre. Südlich Arras beschossen die Deutschen die Stel- lungen, die sie im Gebiete der Touventfarm verloren haben, hef— tig, ohne einen Infanterieangriff zu machen. Bei der Guenne⸗ vieres farm warfen wir mehrere feindliche Gegenangriffe zu— rück. Wir dehnten unseren Gewinn nordwestlich der eroberten Schützengräben aus und machten etwa 100 Gefangene, darunter 2 Offiziere. Auf Reims feuerte der Feind etwa 100 Granaten ab, darunter Brandgranaten; etwa zehn Geschosse fielen auf die Kathedrale.— In den Vogesen bedeutende Fortschritte zu beiden Ufern der oberen Fecht. Auf dem nördlichen bemächtigten. wir uns des Braunkopfes. Der Feind ließ uns 340 un⸗ verwundete Gefangene, darunter vier Offiziere, viel Material, zahlreiche Gewehre und 500 000 Patronen. Im Laufe des 15. Juni wurde Nancy, St. Dié und Belfort von einzeln fliegenden deutschen Flugzeugen mit einigen Bomben belegt. In Nancy wurden einige Zivilpersonen getroffen. Ein italienischer Spion in der Schweiz festgenommen. 9 Basel, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich) Nach einer Privat⸗ meldung der Basler„Nationalzeitung“ hat die Kantonspolizei in Lugano wegen Spionageverdachtes zum Schaden der Schweiz einen gewissen Franco Babuchis verhaftet, Kapitän in der italienischen Marine aus Florenz, und ihn nach Bern übergeführt. Babuchis erklärte bei seinem Verhör, er ser von der italienischen Regierung nach Lugano geschickt worden mit der Weisung, die dor⸗ tigen deutschen Flüchtlinge zu beobachten. Das dänische Parlament für die Neutralität. Kopenhagen, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Folketing nahm einstimmig den von Vertretern aller Parteien eingebrachten Antrag an: *„Das Folketing beschließt zu erklären: Da man auf allen 2 Seiten des dänischen Volkes ohne Parteiunterschied darin einig ist, daß jede Regierung bei der Durchführung einer unbedingt gleich mäßigen Neutralitätspolitik unterstützt werden müsse, sagt das Haus dem jetzigen Ministerium in seiner Arbeit für diese Politik seine Unterstützung zu.“ Ministerpräsident Zahle führte aus, die Regierung 5 habe diese Erklärung vom Hause gewünscht, um politische Klarheit für die Zukunft zu erlangen und festzustellen, ob alle Parteien des Reichstages bereit seien, das jetzige Mini⸗ sterium dauernd in seiner Arbeit für eine gleiche un⸗ bedingte Neutralitätspolitik zu unterstützen, in der das Volk ohne Unterschied der Partei einig sei. Durch die Annahme dieses Beschlußantrages sei diese Frage klar be— antwortet. Ich kann namens des Ministeriums erklären, daß dieses nach der Annahme seines Antrages bereit ist, seine Arbeit fortzusetzen. Eine umbildung des rumänischen Ministeriums? Berlin, 18. Juni. In Bukarest sollen, wie die „Deutsche Tageszeitung“ zu melden weiß, Gerüchte über eine teilweise Umbildung des Ministeriums ver- breitet sein. Bulgarien und die Anerbietungen des Vier verbandes. ö Köln, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Köln. Ztg.“ meldet aus Sofia vom 16. Juni. Gestern ist durch den Ministerpräsidenten Radoslawowo persönlich die Note für den Vierverband überreicht worden. Diese ent⸗ hält jedoch nicht die Antwort auf die Verbalnote vom 29. Mai, in der der Vierverband um ein Bündnis bettelte, sondern sie enthält in höflicher Form nur die Anfrage, wie denn die Angebote des Vierverbandes nach jener letzten Note auszulegen seien, namentlich bezüglich der Voraus⸗ setzungen, unter denen Bulgarien Teile von Mazedonien, Griechenland und Rumänien in Aussicht gestellt werden. Diese Angebote waren in der genannten Note vom 29. Mai begründet auf die Voraussetzung einer Entschädi⸗ gung Serbiens und Griechenlands an anderen Stellen, ohne daß der Umfang dieser Entschä⸗ digung mitgeteilt worden wäre. Die bulgarische Presse beurteilt diesen Schritt ohne genaue Kenntnis der Einzelheiten je nach ihrem Parteistandpunkt. Eine Rede des italienischen Gesandten in Athen. . Berlin, 18. Juni. Nach einer Drahtmeldung der„Vossi⸗ schen Zeitung“ aus Lugano hätte der italienische Gesandte in Athen, . Griechenland nur auf Kälte und Verdacht sowie Verleumdung stoße. Die Politik bringe Zwangslagen. Die Kriegsnotwendigkeit habe Italien gezwungen, den Dodekanes zu besetzen, ja vielleicht werde die Besetzung eine dauernde sein müssen. Aber das ser doch schließlich nur eine kleine Verletzung des Neutralitätsprinzips. Italien habe Griechenland den Epirus neidlos gegönnt, und was Kleinasien betreffe, so könne Italien bei der bevorstehenden großen Teilung doch natürlich nicht leer ausgehen. Aber in Kleinasien sei Platz genug für alle. Die„Vossische Zeitung“ bemerkt hierzu: Für einen Italiener scheint Graf B. außerordentlich naiv, be⸗ sonders die kleine Verletzung des Neutralitätsprinzips ist be⸗ merkenswert. Der österreichisch⸗ungarische Handel. Wien, 17 Juni.(WTB Nichtamtlich.) Der Handels⸗ ausweis weist für das erste Vierteljahr 1915 für die Einfuhr einen Wert von 485 Millionen Kronen oder 55 Proz. der Einfuhr im ersten Quartal des Vorjahres auf. Die Ausfuhr beträgt im gleichen Zeitraum 293,3 Mill. Kronen oder 45 Proz der entsprechenden Ziffer des vorigen Jahres. Das Passivum der Handelsbilanz im ersten Viertel- jahr 1915 beträgt 191,5 Millionen Kronen, das ist um 40 Millionen Kronen weniger als im gleichen Zeitraum des 5 3 N f Graf Bosdari, beim Verfassungsfest eine Rede in der italieni⸗ 5 schen Kolonie gehalten und sich bitter beklagt; daß Italien in 1 5 b Die Kämpfe an den Dardanellen. Konstantinopel, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: An der Dardanellenfront vernichtete unser linke Flügel am Morgen des 15. Juni durch Artilleriefeuer ein feindliches Flugzeug, das beim Ueber⸗ fliegen unserer Stellung gegenüber Ari Burnu beschädigt und zum Absturz hinter den feindlichen Schützengräben gebracht wurde. Ge⸗ stern ereignete sich bei Ari Burnu und Sedd-ül-Bahr nichts von Bedeutung. Unsere Küstenbatterien an der Meerenge bombardierten bei Sedd⸗ül⸗Bahr die Artilleriestellungen des Feindes sowie seine Truppen und eine seiner Transportkolonnen. Sie sprengte einen Wagen der genannten Kolonne in die Luft.— Auf den übrigen Fronten keine Kampfhandlung von Bedeutung. * 1 Der Seekrieg. Ein französisches Torpedoboot von einem englischen Dampfer übersegelt. Kopenhagen, 17. Juni.(WTB Nichtamtlich.) Wie„Po⸗ litiken“ mitteilt, meldet der dänische Dampfer„Skjfold“, daß das französische Torpedoboot„331“ von dem englischen Dampfer„Arleya“ sechs Meilen nordwestlich Barfleur übersegelt worden ist. Das Torpedoboot versuchte, in Cherbourg einzufahren, aber die See sei so bewegt gewesen, daß die Bugsierkette riß. Der„Skjfold“ versuchte sodann bei Bugsierung mitzuhelfen. Das Torpedoboot ist jedoch ge⸗ sunken. Die gefamte Mannschaft bis auf 6 Mann wurde gerettet. * Stockholm, 17. Juni.(WDB. Nichtamtlich.) Nach einer beim Ministerium des Aeußern eingelaufenen Nach— Archangelsk unterwegs, am 12. Juni auf eine Mine ge⸗ stoßen und dreizehn Seemeilen südlich von Kap Orlomw gesunken. Drei Mann der Besatzung sind umgekommen. Mehrere Kapitäne teilen mit, sie hätten Minen am Ein⸗ gang des Weißen Meeres gesehen. London, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der britische Dampfer„Trafford“, von Cork nach Sydney unterwegs, wurde gestern von einem deutschen gerettet. Stockholm, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich.„Politiken“ meldet: Die Versenkung des Dampfers„Verdandi“, der gestern an der norwegischen Südküste von deutschen Kriegsschiffen in gerufen. Das deutschfreundliche Blatt„Nya Dagligt Allehanda“ meint, daß diese Handlung fast einen feindlichen Charakter trage, da das Schiff keinerlei Konterbande geführt und seine Zollpapiere gemäß den Wünschen der deutschen Behörden ausgestellt waren.— Der Thuledampfer„Thorsten“, der regelmäßig zwischen Goete⸗ borg und England fährt, wurde gestern außerhalb des Vinga⸗ feuers von einem 10000 Tonnen großen deutschen Hilfskreuzer ohne Namen aufgebracht. Die Ursache ist unbekannt, da das Schiff keinerlei Konterbande führte. „ Die Kriegslage und das englische Unterhaus. London, 16. Juni. Der Ministerpräsident Asquith führte im Unterhaus, nach seiner Mitteilung über die Verluste bei der Flotte, über die Koalition noch folgendes aus:„Ich habe durchaus nicht unter dem Druck außerparlamentaris⸗ Einflüsse, vorübergehender Verlegenheit oder augenblicklicher par⸗ lamentarischer Bedürfnisse gehandelt. Die Aufgabe war unwill⸗ kommen und widerwärtig. Es war die schmerzlichste Erfahrung meines politischen Lebens, mich von Kollegen zu trennen, die un⸗ ter dem Druck neuer, unvorhergesehener Verantwortlichkeiten mit unermüdlicher Treue und, meiner Meinung nach, mit beispiel⸗ losem Erfolg die schwerste Aufgabe erfüllten, die jemals auf den Schultern britischer Staatsmänner gelastet hat. Keine Körper⸗ schaft konnte nach meinem wohlüberlegten Urteil mehr tun, oder es besser tun.“ Asquith betonte, daß er seinen politischen Grund⸗ sätzen durchaus treu geblieben sei, nichts davon aufgegeben habe und auch in Zukunft, wenn er eine Zukunft habe, dafür wirken werde. Dasselbe gelte von den neuen unionistischen Kollegen. „Weshalb wurde dann diese Umwälzung unseres ganzen poli⸗ tischen Lebens herbeigeführt? Die Anforderungen, die die Lage an die Tatkraft und die Vaterlandsliebe der Nation und in ganz ausnehmendem Maße an die Geduld und Voraussicht der Regie⸗ rung und an das gegenseitige Vertrauen stelle, könnte an keinem früheren Vorgang gemessen werden. Das polttische Ziel, nämlich den Krieg zu einem siegreichen Ende zu führen, hat sich nicht geändert, und durch Personal veränderungen im Ministerinm konnte nichts Nennenswertes erreicht werden. Aber ich bin langsam, mit Widerstreben, und schließkich doch ohne Zweifel und Zaudern zu dem Schlusse gekommen, daß eine solche Verbreiterung der Grund⸗ lage der Regierung notwendig sei. Dadurch verliert sie auch den Anschein eines einseitigen oder des Parteicharakters und es wird nicht nur unserem Volke daheim und jenfeits des Meeres, sondern auch der ganzen Welt, den Verbündeten, den Feinden und den Neutralen, zweifellos bewiesen, daß das britische Volk fast einem Jahre des Krieges entschlossener ist als je, alle Unterschiede zu vergessen, alle persönlichen, politischen, sittlichen und sach⸗ lichen Kräfte zur Verfolgung des Zieles zu vereinen. Allen jetzi⸗ gen Ministern ist der Gedanke der Koalition unangenehm. Aber die große nationale Not forderte von uns allen sichtbare Zusammenarbeit, an der Männer aller Richtungen und Parteien teilnehmen. Es ist ein großes und, wie viele glauben, gefährliches Wagnis, das keiner von uns gewünscht hat.“ Asquith sagte weiter, er persönlich habe keinen politischen Ehrgeiz. Der Gedanke, daß das englische Volk Teilnahmlosigkeit beweise, sei di bösartigste Verleumdung. Der Augenblick sei nicht geeignet, die militärische und internationale Lage zu erörtern. Asguith schloß mit den Worten:„Wir müssen fortfahren, den blinden Ratschlägen der Hysterie und der Furcht kein Geh 2 im Augenblick die eine einfache und überragende Pflicht zu er⸗ füllen, den Diensten des Staates die bereitwillige und organi⸗ sierte Hilfe jeder Klasse der Bevölkerung zuzuführen.“ l Cecil(Unionist) betonte die dringende Notwendig⸗ keit der Sparsamkeit. Die Nattonalschuld werde bald auf zwei Milliarden steigen. Es herrsche der Eindruck, daß unnötig Geld ausgegeben werde. Cbiozza Money(liberal) sprach egen die Art der Rekrutierung. Die Aufstellung der neuen rmeen dürfte 500 Mill. Lstrl. gekostet haben. Er fürchte, daß England den Krieg finanziell nicht durchhalten könne, die Re⸗ gierung werde früher oder später zu einer Zwangsanleihe greifen müssen; da sei es zweckmäßig, sie sofort ins Auge zu fassen, das würde automatisch bei der Nation Sparsamkeit bewirken. Schatzkanzler Mac Kenna erwiderte:„Es wird häufig über⸗ sehen, daß wir gegen die Verbündeten gewisse Verpflichtungen übernommen haben. Wir verpflichteten uns nicht nur, die Meere ihrem Handel offen zu halten, sondern auch ihre Einkäufe im Auslande größztenteils zu finanzieren. Daher ist ge natio- nale und häusliche Sparsamkeit notwendig. Spar⸗ samkeit ist notwendig, um den Kredit zu erhalten. Sie wird die Unterlagen schaffen, wenn auch der im Frieden erwartete Rückgang des Handels eintritt. Wenn Chiozza Money sagte, England könne vier Millionen Soldaten und vier Millionen Arbeiter 12 Her⸗ stellung von Munition aufbringen, während siebzehn Millionen die gewöhnliche Friedensindustrie fortsetzen könnten, so glaube ich nicht, daß wir eine solche Reservekraft an Industrie poder Kapital in England haben. Im Lande besteht nicht genug An⸗ spannung, um alle Friedensgüter zu erzeugen, deren wir bedürfen, und alle Güter, die wir für die Ausfuhr brauchen. Wir müssen Vorjahres. 3. 1 von Amerika sehr viel mehr für den eigenen Be⸗ darf einführen als im Frieden. Wir haben nicht nur der] begriffen, weshalb die frühere Regierung trotz ihrer Unter richt ist der englische Kohlendampfer„Arndale“, nach[f Unterseeboot in der Irischen See versenkt. Die Besatzung wurde E Grund gebohrt wurde, habe in Schweden große Erregung hervor dem Kr ehör zu geben. Wir haben Roßdorf unsere amerikanische Einfuhr, sondern auch diejen ten zu bezahlen, können aber unsere amerikanif in beschränktem Umfange oder zu niedrigsten Preisen, d mit dauerndem Schaden für unsere Finanzlage, verkaufen wenn wir unseren eigenen Bedarf gedeckt haben, kommt der schuß unserer industriellen Kraft für die Ausfuhr zur B unserer Einfuhr in Betracht; wir müssen also äußerst sein, um unsere Zahlungsfähigkeit gegenüber dem Auslande erhöhen, und müssen große Opfer bringen, um 1 „ zu behalten und auch auf diesem Gebiete zu bleiben.“ 75 Sir Frederic Banbury bellagte die unnützen Ausgaben d Stadtwerwaltungen und lehnte den Gedanken einer Zwangsanl für jetzt ab. Collins(liberal) forderte Luxussteuern, würden die Ermahnungen zur Sparsamkeit keinen Eindruck au Arbeiter machen; er schlug die Errichtung einer Zentralstelle welche amerikanische Wertpapiere sammeln, gegen englische Stga papiere eintauschen und in New Pork verkaufen könnte. Sir Henry Dal ziel billigte die Bildung des 5 Ministeriums, da die frühere Regierung aus zu großem Selbst⸗ vertrauen alle von außen kommenden Vorschläge abgelehnt hätte; nun würden endlich nach neun Kriegsmonaten kaufmännische Metho- den bei der Munitionsherstellung angewandt. Redner begrüßte es, daß schon neun Monate lang die Baumwolleinfuhr nach Deutsch⸗ land verhindert worden sei, fragte sodann, ob Asquith wie 3 Neweastle den Munitionsmangel in Abrede stellen könne, äußerte seinen fortdauernden Zweifel an der Zweckmäßigkeit Dardanellen⸗ Unternehmens, welches viel schwerer sei als die Nation hätte ahnen können. 5 Dillon lirischer Nationalist) erklärte, seine Partei habe nicht daß die Ulster⸗Partef nicht, wie die Iren, dem Ministerium fern gebli sei Asquith erklärte, seine Aeußerungen in Neweastle hten auf der Meinung der besten Autorität in diesen Dingen; über bisherige oder künftige Operationen an den Dardanellen zu sprechen, 2575 1 im öffentlichen Interesse, sie würden aber zum Er⸗ olge führen, 4 Markham(liberal) äußerte, der wegen der Kri besorgten Nation könne die Kriegsverwalkung kein Ge der Sicherheit geben; die Schuld an dem Munitions mangel liege entweder bei dem„Ordinance office“, oder bei Kitchener; er griff Kitchener an, der im Kriegsministerium nicht auf seinem rich⸗ tigen Platz stehe und besser zum Höchstkommandierenden ernannt worden wäre. Er erzählte, daß Zehntausende von Leuten, ee u feben d g ohne ein Gewehr zu sehen; ei töri⸗ 1 r bedauerte, daß Haldaue, der beste englische Kriegsminisser, nicht im Kabinett sei, und schloß, seine Freunde würden das Ko⸗ binett unterstützen, damit der Krieg erfolgreich zu Ende geführt werde, sich aber ihre Redefreiheit, auch gegenüber dem Kriegsamt, nicht nehmen lassen, dessen Verschwendung und Unfähigkeit 79 iege einen großen Skandal hervorrufen werde; hoffentlich werde der neue Schatzkanzler das Kriegsamt im Zaum halten. Weitere Juternierungen in London. 3 Berlin, 18. Juni. Ueber weitere Internierungen in London heißt es in der„Vossischen Zeitung“: Zwei weitere Internierungslager für die im Bezirk von London wohnenden 1 Ausländer werden demnächst fertiggestellt werden. Darin sollen 1 Ausländer(ungefähr 17000 an der Zahl) erneut interniert werden. Diese Meldung, sagt dazu die„Vossische Zeitung“, bedentet das 1 Eingeständnis der englischen Regierung, daß sie unfähig ist, den Londoner Deutschenpogromen ein Ende zu machen. 5 5 Aus dem Reiche. Bundesratsbeschlüsse. Berlin, 17. Juni.(WTB. Nichtamtlich) In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde den ö die Verarbeitung der Kartoffeln in Brennereien, dem Ver⸗ bot des Vorverkaufes der Ernte des Jahres 1915, der Aenderung der Grundfäßze für die von der Reichsversorgungsstelle vorzuneh⸗ mende Verteilung der Vorräte, der Abgabenfreiheit für Salz zum Einsalzen von Garneelen(Krappen) und dem zweiten zur deutschen Arzmeitaxe 1914 zugestimmt. Der Bundesrat be⸗ schloß für nichtig zu erklären alle Kaufverträge aus der inlän⸗ dischen Ernte von 1915 über Roggen, Weizen, Spelz, Hafer, Gerste, allein oder mit anderem Getreide gemengt, über Misch⸗ frucht, in der sich Hafer befindet, über Futtermittel, die der 49 kanntmachung über den Verkehr mit Futtermitteln vom 31. März 1915 unterliegen, über Rohzucker, soweit die Verträge nach dem 31. August 1915 zu erfüllen sind. Dasselbe gilt für die Verträge, die vor Inkrafttreten der Verordnung geschlossen worden sind. * durch das Parlament zurückgetreten sei, und bedauerte, Berlin, 18. Juni. Wie der„Berl. Lokalanz.“ aus München erfährt, hat Bischof Faulhaber-Speyer, der wiederholt die Truppen in den vordersten Schützengräben besuchte, als erster deutscher Priester das Eiserne Kreuz erhalten. 0 Aus Stadt und Cand. Gießen, 18. Juni 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Regt. 2 die] Inf heim a. W.— Worms⸗Neuhaufen.— ährm. Res.⸗Inf.⸗ Regt. 116, aus Rainrod— Musk. Karl Geisel, Inf.⸗Regt. 168. aus Reibertenrod.— Gefr. Wilh. Semmler, 8 3 aus Altenhain.— Res. Adolf Fich, Inf.⸗Regt. 168, aus Nieder“ Mockstadt.— Ers.⸗Nes. Wilh. Acker aus Burgpracht.— Musl. Aug. Mattern, Inf.⸗Regt. 118, aus Bobenhausen I.— Er- ee — Vizefeldw. d. R. i Löbenstein 55 8 9 8 Frick, Landsturm⸗Inf.⸗Bat 2 Pernsiart aus Bad⸗Hom⸗ urg. f 3 * Ritter des Eisernen Kreuzes. Kri 1 Fritz Fehrmann von Butzbach. Oberlt. und Ko e⸗ führer im Inf. Regt. 55, Edward Lieber aus Camberg (J. Kl.). Landwirt Heinrich Koch, Inf. Regt. 83, aus Runz⸗ hausen(1. u. 2. Kl.). Unteroff Eugen Gerling, im Pi nierbat. 21, aus Wetzlar. Unteroff. Wilhelm Göbel, Res. Inf. Regt. 254, aus Pohl⸗Göns. Gefr. Konrad Spruck, beim Inf.⸗Rgt. 118, aus Gambach. Leutn. Cornel Vogeley aus Worms. Gefr. d. R. Karl Hofmann, Res.⸗Inf⸗Regt. 116, aus Wetterfeld. Maschinisten⸗Maat Friedrich tto aus Amönau. Kriegsfreiw. Gefr. Georg Müller aus Gerns⸗ heim. Sergant Philipp Rödner aus Trebur.* * Amtliche Personal nachrichten. Der Gro herzog hat am 29. Mai d. J. dem Weichensteller Marz zu Rüsselsheim und den Bahnwärtern 5 dich zu Eulbacher Feen und Wilhelm Held lich in der Hessisch-Preußischen bahng 5 Mai d. J. erfolgten Versetzun den das meine Seat mit der Inschrift 7 3 185 * Landgerichtsrat Schmahl aus Gießen, der 8 1 als Kriegsgerichtsrat bei einer Division en en 1 een 2. Klasse, em ihm 'orher bereits die i keits⸗ e verliehen R 1 Von der städtischen Straßenbahn. Na. dem jetzt vorliegenden Ausweis unserer Straßenbahn al das Unternehmen im Rechnungsjahr 1914/15 gegenüber dem Vorjahr recht gut abgeschnitten, trotz der Herabsetzung des Fahrpreises für Militär auf 5 Pfg. und trotz der Er⸗ 5—. der Markenfahrten von rund 9 auf 7 Pfg. Zweifellos bildet die Verbilligun g des Verkehrsmittels 4 bea reng gegen früher. ˖ urückgelegt im ganzen auf bei 1480 136 rten gegen 1 291 282 Fahrten im Vorjahr, so daß eine Zunahme des Verkehrs im letzten Jahre um 188 854 Fahrten stattgefunden hat. Es entfallen auf die rote Linie 952 784, auf die grüne Lin ie 527352 Fahr⸗ ten, Bei einer Bevölkerung von rund 32000 Einwohnern entfallen in 1914 pro Jahr 46½ Fahrten, in 1913 40¼ Fahr⸗ ten auf jeden Einwohner. Die Einnahmen aus dem Personenverkehr stellen sich in den beiden letzten Rech⸗ nungsjahren 1913 1914 Mk. 126 247 Mk. 133 748 unsere Straß bahn it Mk. 7501. 1 5 nsere en ist am 1. il d. J., abgese von der Zeit Ende November 1000 bis Ende Marg 900. —— 1 0. 1*— 1 die Entwicklung e en* 5 re, we in nachstehender Tabelle gegeben ist, interessieren: 5 6 lie! inien: N pro Tag Fahrten pro een eee ee, en e nittli n Jahre 1910 1200 010 3287 377 1911 1224 471 3345 38½ 1912 1297 906— 3558 40% 19139 1291 282 3537 407 ae* 5 rücksichtigen daß 40⁵5 46% ei ist zu berücksichtigen, daß im Jahre 1914 eine ge⸗ waltige Anzahl Freifahrten keudlligt und auch 2 sonders zeitweilig an Sonntagen derartig massenhaft aus⸗ geführt wurden, daß die Benutzung der Bahn durch zahlende gäste dabei Not gelitten hat. Auch heute noch werden alle Verwundeten 0 der Straßenbahn gratis befördert. An das Sanitätsper sind über 100 Freifahrtkarten ausgegeben; auch die freiwilligen Schwestern, die in den Lazäretten zu tun haben, erhalten freie Fahrt.— Die Ein⸗ f nahmen in den abgelaufenen 5 Betriebsjahren betrugen 1910 1911 1912 1913 1914 96 730 119 198 126 531 126247 133 748 Mk. pro Tag 263,65 325,67 345,74 345,10 366,45 — Im 1—5 1911¼/12 wurde der 7½ Minutenverkehr 41 der roten Linie auch auf der Außenstrecke Kaiser⸗Allee— Schützenhaus durchgeführt, wodurch eine Vermehrung des Wagenparks und des Personals bedingt wurde. Später kam dann noch die Beschaffung der Sommer- wagen und die Vergrößerung der genhalle dazu Wenn man die mitgeteilten Zahlen betrachtet, stellt sich heraus, daß im Rechnungsjahr 1914/15 das Straßenbahn- unternehmen einen merklichen Ruck vorwärts gekommen ist, wurden doch gegenüber den beiden Vorjahren aus dem Personenverkehr pro Tag rund 20 Mk. mehr eingenommen. „ Städtischer Kartoffelver kauf. Aus den städtischen N Preise 9 toffel 15 I einem Zentner zum e von 4½ pro Pfund abge⸗ geben.(Siehe Anzeige.) ö e N Kriegs kindergarten. Folgende Zuschrift emp⸗ fehlen wir der Beachtung namentlich unserer Leserinnen: Eine Kriegseinrichtung, die bisher im Stillen gearbeitet und deshalb noch wenig Beachtung gefunden hat, ist der Krie g= kindergarten. Gleich mit Beginn des Krieges wurde er eröffnet, denn es stellte sich die Notwendigkeit heraus, sich der Kinder der ins Feld ziehenden Väter anzunehmen. Die Mütter dieser Kinder werden 1 fe als sonst gezwungen, auf die Ar- beit zu gehen und sie sich selbst zu überlassen. Gerade in dieser schweren Zeit tut es aber besonders not, die Kinder unseres kes geistig und körperlich gesund zu erhalten und sie zu fördern, beruht doch auf ihnen zum großen Teil die Zukunft 1 Vaterlandes. Diese Aufgabe zu erfüllen strebt der Kriegskindergarten an. Seine Leitung ist sich bewußt, daß es sich auch bei diesem jugendlichen er nicht nur um eine Beaufsichtigung und Wrußtang der Kinder handeln darf, sondern daß auch hier schon eine planmäßige Beschäftigung und Erziehung eintreten muß. Als zur Zeit der Einrichtung des egskindergartens um Hilfe gebeten wurde, meldete sich eine überaus große Zahl Hilfsbereiter, meist junge Mäd⸗ chen und Schulkinder. Die Hilfen unter vierzehn Ja er⸗ schwerten während der Ferienzeit, so gut sie es gemeint 5 1 infolge ihrer großen Jugend und Unerfahrenheit die rbeit mehr, als sie* fördern halfen. Die älteren Hilfen, die sich monatelang erfolgreich mit den Kindern beschäftigt haben, sind nun fast alle verhindert, noch weiter zu helfen, weil sie zum Teil zu Hause 41 sind, sich auch noch ander⸗ weitig verpflichtet hatten, oder sich ihrer eignen Ausbildung widmen müssen und dies nicht bis zum Ende des Krieges —.— schieben können. Von Ostern ab ist die Arbeit im egskindergarten sast ganz von den ilerinnen des Fröbel⸗Seminars, zum Teil auf Kosten ihrer eignen N 4 istet worden. Dies läßt sich aber auf die 1 Dauer nicht chführen. Die Leitung des Gartens hofft nun, keine Fehlbitte zu tun, wenn sie um weitere frei⸗ Damen, denen noch willige 98 bittet. Es gibt gewiß n wenig 14 geboten wurde, sich genügend an einer Kriegshilfe ätigen und die 1 einer Sache wid⸗ men, die ihnen die Möglichkeit gibt, nicht nur für die Kriegszeit zu helfen, sondern auch auf die Zukunft des Vol⸗ kes mitbestimmend zu wirken.— Die Arbeit an den Kleinen 1 schwer, sie fordert vor allen Dingen Liebe zu ihnen. m aber die freundlichen Helferinnen auch auf einen festen sachgemäßen Grund zu stellen, sollen ihnen im Gießener Seminar lich in zwei Stunden die nötigsten benntnisse, die zum— 35— und Beschäftigen der Kinder nötig sind, ohne Entgelt vermittelt werden.— So ist zu hoffen, daß sich eine genügende Anzahl Helferinnen zu der Arbeit bereit sinden lassen würd. Fräulein Moeser, Gartenstraße 30, nimmt die Anmeldungen gerne entgegen. 1 e bekannt,. sucht i irektion die Kleintierzucht in den Reihen ihrer Beamten zu fördern. So läßt sie auch der Bienenzucht schon seit Jahren ihre Fürsorge an⸗ gedeihen. Auf Anregung des 8 Bie nenzüchter⸗ vereins sind alle Bahnböschungen und Anlagen mit für die gie nenzuch ringenden Pflanzen, Stauden und Sträu⸗ bestellt. Auch erhalten die Imker bei Beschaffung von ern, Geräten, Bienenhäusern usw. Unterstützungen. Der Staats⸗Eisenbahnverein Gießen nun auf Anregung des Ober⸗Assistenten Neukirchen einen Zu— 15— ae nbahn 95 mer für Gießen. img rbeizuführen, um die Interessen derselben besser wahrnehmen zu können. Geplant ist W die wei⸗ tere Ausdehnung der Bienenweide und die Beschaffung von deutschen Edelvölkern zur Verbesserung unserer Bienen⸗ rasse. Mittel hierfür sind bereits von der Königlichen Eisen⸗ bahn⸗Direktion zur Verfügung gestellt. Auf Einladung des Eisenbahn⸗Direktors Zimmermann und unter dessen Vorsitz vereinigten sich am 16. Juni etwa 30 Herren und gründeten nach Anhören des Vorsitzenden des Oberhessischen Bienenzüchtervereins, Lehrers Buß ⸗Leihgestern, der als Sachverständiger eingeladen war, im Anschluß an den Ober⸗ hessischen Bienenzüchterverein einen„Eisenbahn-Im⸗ kerverein für Gießen und Umgegend“. Eisen⸗ bahn⸗Ingenieur Entzeroth wurde zum Vorsitzenden, Ver⸗ lehrs⸗Kontrolleur Schlicht zum Geschäftsführer bestimmt. und als Imkerfreunde traten dem neuen Verein die Herren Eisenbahndirektor Zimmermann, Regierungsrat Stähler und Ober⸗Bahnhofsvorsteher Kutscher bei. Rechte und Pflichten der Mitglieder sind dieselben wie im Oberhessischen tverein. * Militärtische Ausbildung der Jugend. An der für kommenden Sonntag geplanten Felddienstübung der Jungmannschaften von Gießen und Umgegend werden etwa 1000 junge Leute teilnehmen. Nach der Gesechtsübung findet auf Höhe 264 bei Großen⸗Buseck Feldgottesdlenst statt.— In unserer gestrigen Notiz über die Jungmannschaft Gießen sind zwei Namen unrichtig wiedergegeben. Statt Weisel muß es Meisel und statt Ltn. d. R. Schlotter muß es ELtn. d. R. Schlosser] heißen. 0 Landkreis Gießen. A Haufen, 18. Juni. Karl Schlag, Großh. Förster i. R., und seine Chesrau, Margareta, geb. Müller, begehen heute den Tag ihres 50 fährigen Ehejubiläums bei guter Rüstigkeit. Ter Jubilar ist 77, seine Ehefrau 84 Jahre alt. Reiskirchen, 13. Juni. Dem Gesreiten Wilh. Walter von hier im 11. Jägerbataillon wurde die Hessische Tapferkeits- medaille verliehen. Kreis Schotten. l. Ober⸗Seemen, 16. Juni. Gestern sand hier die erste Heugras⸗Versteigerung statt. Es wurden die dreifachen Beträge des Jahres zuvor gezahlt. i. Herchenhain, 16. Juni. Gestern abend gegen 8 Uhr wurde hier ein Luftschiff gesichtet, das in südlicher Richtung davonflog. Kreis Friedberg. Bad⸗Nauheim, 16. Juni. Zu keiner Zeit ist Bad⸗ Nauheim wohl reizender, als zur Rosenzeit. Schier märchen⸗ haft wirkt die reiche Fülle an Rosen, die einem auf Schritt und Tritt entgegenlacht. Sie blühen in den Anlagen und Gärten, sie tehen in großen Büschen auf den Balkons der Hotels und Villen und man steht kaum einen Kurgast, der nicht mit einer Rose ge— schmückt ist. Seit Wochen schon liegt Sonnenschein über Bad- Nauheim. Das ist so recht ein Wetter zum Leben im Freien, durch das die günstigen Erfolge der Kuren sehr wesentlich gefördert werden. Ker Fremdenzugang ist sehr befriedigend. Trotzdem sind zahlreiche Wohnungen vorhanden, und man sindet jederzeit, auch ohne vorherige Anmeldung, ein wunschentsprechendes Unter- kommen. Starkenburg und Rheinhessen. * Darmstadt, 18. Juni. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurden durch den Oberbürgermeister Verhaltungs maßregeln und Warnungssignale für den Fall bekannt egeben, daß feindliche Flieger die Stadt überfallen sollten. lle Bewohner sollten, sobald die Hornsignale radfahrender Schutz- leute extönten, in den Häusern bleiben, auch sollen die Schulkinder in den Schulen gehalten werden. n Hessen⸗Nassau. Stadt Breidenstein(Kreis Biedenkopf), 17. Juni. Im Alter von 76 Jahren tar h hier fürzlich der Kgl. Preußische Seb a. 40 1 Erust von 8 z reidenstein, der männliche Nachkomme iesigen Relteroste derer von Breidenstein. Der Verblichene hat sich als Reiterofftzier im Feldzug 1870/71 ausgezeichnet. Seine Beisetzung erfolgte im hiesigen Schloßgarten. Die Ki seiner einzigen Tochter Alice Stückelberg führen als Beinamen den alten Familien⸗ namen weiter. 0 h. Frankfurt a. M., 17. Juni. Auf dem Gelände des Ost⸗ bahnhofs ist eine Verteilungsstelle für die den in deutschen Lagern befindlichen kriegsgefangenen Franzosen aus der Hei⸗ mat zugehenden Liebes gaben paketen eingerichtet worden. Täglich kommen etwa 30 Eis gen von der Schweiz, die den Versand vermittelt, auf dem 1— 4 an, wo ihr rricher Inhalt in langen Holzhallen aufgestapelt, sortiert und verteilt wird. Mit der Verteilung der Pakete auf die zahlreichen Ge⸗ sa enlager sind neben deutschen Beamten und Soldaten auch viele gefangene Franzosen, die besonders vertrauenswürdig und ewissenhaft sind, betraut worden. Unter den fast ausnahmslos * gut verpackten Sendungen befinden auffallend viele Pakete von ovaler Form. Sie enthalten alle f sisches Brot, das die Angehörigen der Gefangenen in stei Maße nach Deutsch⸗ land senden. Die Verschickung der täglich nach taufenden zählenden Pakete in alle deutschen Gefangenenlager vollzieht sich in der hiesigen A Na l mit gewohnter deutscher Gewissen⸗ haftigkeit und Pünktlichkeit, eine Erf„die den mitarbeiten⸗ den Franzosen gewaltigen Respekt einflößt. X Hanau, 16. Juni. Im benachbarten unterfränkischen Dorfe Sailauf brach in dem Anwesen des Tünchermeisters en, Feuer aus, bei dem die beiden 5 und 8 Jahre alten Knaben des Besitzers den Tod in den Flammen fanden. Die Knaben hatten sich bei Ausbruch des steckt, die mit abbrannte. Eschwege a. d. Werra, 17. Juni. In dem schon öfters von NN Bränden hei uchten eichsfeldischen Städtchen Duderstadt wurden te wieder durch ein verheerendes Großfeuer fünf Wohnhäuser und zehn Nebengebäude vollständig eingeäschert. Auch die evangelische Kirche wurde ein Raub der Flammen. Der Brand war gegen Abend noch nicht gelöscht. — Jeners in eine Halle ver- 8 . Märkte. U Marburg, 17. Juni. Der heutige Schweinemarkt, dem is Ferkel und Läuser zugefahren waren, Cette bei flottem Geschäst die bisherigen hohen Preise. Kleine Saugferkel kosteten 45—65 Mk., 2—3 Monate alte Läufer 90—120 Mk. und größere Ware 160— 190 Mk. das Paar je nach Größe und Qualität. FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 16. Junl. Auftrieb: 117 Rinder(darunter 11 Ochsen, 19 Bullen, 87 Kühe), 223 Kälber, 7 Schase, 203 Schweine.— Zu den gleichen Preisen wie ain 14. Juni wurde der Austrieb bei langsamem Geschäft nicht ganz geräumt. „Fraulsurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 17. Juni.“ Au Rinder 170(Ochsen 10, Bullen 6, Kühe und Färsen 154% Kälber 738, Schafe 74, Schweine 236. Tendenz: Geschäst Rinder und Schweine lebhalt, Schate ruhig, Aeltere Masthammel, gut Schase und geringere Mastlämmer Sch weine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendge wicht... 23.00-27.50 150.00— 155.00 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebengewicht„„ Zollfleischige Schweine von 100 bis 120 lg Lebendgewicht e. 123.00-127.50 150.00 155.00 Vollfleischige Schweine von 120 bis 1 150 kg Lebendgewicht. 123.00-127.50 150.00- 155.00 Je. Wiesbaden, 17. Juni. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Hen 4,0— 4,80 Mk., Heu, neues, 3,25 4,10 Mt., Stroh (Richtstroh) 2,00 bis 2,40 Mk., Krummstroh 1,80—2,%0 Wik. Alles genährte junge . 38—00 90—0⁰0 140.00— 145.00 für 50 Kilo. Die bedeutende Ansuhr war schnell abgesetzt.— Fruchtmark et. Auf dem heutigen Markt war nichts an- gefahren. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd-Anlage). Samstag. den 19. Juni 1915. Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 9.40 Uhr. — Müllersche Badeanstalt. a Wasserwärme der Lahn am 18. Juni 18 R. ——— N Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Die nordöstliche Depression hat sich verstärkt, zieht aber nach einfluß bleiben werden. 5 8 Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 19. Juni 1915; Ziemlich heiter, trocken, warm, nachts kühler, nordwestliche Winde. — Letzte Nachrichten. Gegen den„russischen Riesen“. Bukarest, 18. Juni. In den Hauptstraßen der rumä⸗ nischen Hauptstadt wurde kürzlich zur allgemeinen Ueberraschung ein großes Plakat angeschlagen, in welchem„mehrere Rumtnen“ die Aufmerksamkeit des rumänischen Publikums auf gewarnt wird, den Fliepescu, Take Jonescu und deren Anhänger Gehör zu schenken. Diese Leute, heißt es in dem Plakat, führen das Volk irre und agitieren auch gegen die Krone nur, um den niedergeschmetterten russischen Riesen zu retten. Das Plakat fand zahlreiche Leser. Deutsche Fliegertätigkeit in Rußland. det: Warschauer Blätter berichten über einen neuen feindlichen Fliegerangriff auf Radoms k. Durch die herabgeworfenen Bomben wurden acht Personen verletzt. Die Ortschaft Sirardow wurde gestern von deutschen Fliegern mit Bomben belegt. Sechs Personen wurden ge⸗ tötet und 25 verletzt. Die englische Willkür gegenüber Schweden. Eee 18. 5 Der B e 5 englischen Regierung gegen die englische Postzensur keinen Erfolg gehabt. Wie das„Svenska Dagbladet“ aus Göte⸗ borg meldet, wurde die gestern in Göteborg angekommene ame⸗ rikanische Post wieder von der englischen Zen⸗ sur geöffnet und zensuriert. Die N tung meldet, daß die französischen Behörden sich auch an der letzten portugiesischen Post nach Schweden abermals ver⸗ griffen haben. Die Post wurde abermals der Zensur unterworfen und teilweise zurückbehalten. Die schwedische Regierung hat auch bei der französischen Regierung Protest erhoben. Die Empörung über diese zahlreichen Uebergriffe findet in der Presse Ausdruck.„Svenska Dagbladet“ schreibt: Solte es sich herausstellen, daß der Ueber⸗ iff auf Besehl der französischen Behörden erfolgt, so hat es glück⸗ 1— Schweden in seiner Gewalt, Repressalien auszuüben. Dieselbe Gewalt, die ein fremder Staat sich über die Post nach Schweden erlaubt, hat auch Schweden über die ausländische Poft. Sogar der sonst ententefreundliche„Socialdemocraten“ ist über die Zenfur der schwedischen Post entrüstet.„Aftonbladet“ schreibt fol⸗ gendes: Nichts hindert uns, daß, wenn unsere Telegramme zurüick⸗ behalten werden, wir auch die Transittelegramme aufhalten; nichts hindert uns, daß, wenn unsere Briefe untersucht und zurückbehalten werden, wir, das gleiche mit der ausländischen Post tun. Wir brauchen nicht dadurch den Krieg verlängern helfen, daß wir der einen Partei über ihre Schwierigkeiten hinweghelfen. Die Wünsche Bryans. Haag, 18. Juni. In Washington behauptet man, daß Bryan gewünscht habe, es möge die gleiche Protestnote, wie sie an Deutschland wegen Behinderung der neutralen Schiff⸗ fahrt gerichtet worden wäre, gleichzeitig auch an die Verbün⸗ deten gehen. Wilson sei jedoch den Vorschlägen entgegengetreten Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ sagt dazu: Warum der Präsident den Vorschlägen entgegengetreten ist, sagt der Bericht⸗ erstatter nicht, vielleicht weil, wie von anderer Seite behauptet wird, er von England einen Wink erhalten habe, daß man in London einer gewissen Milderung in der Führung des Handels⸗ krieges nicht abgeneigt sei? Die gute Prise. Kopenhagen, 18. Juni. Der deutsche Hilfskreu⸗ zer, der gestern früh den schwedischen Postdampfer„Thorsen“ aufgebracht hat, passierte gestern abend auf der Fahrt nach Swine⸗ münde Oerefund. Um 7 Uhr wurden beide Schiffe bei Dragör 2 Der schwedische Dampfer führte die deutsche Flagge. An Bord des„Thorsen“ soll sich ein englischer Diplomat befinden, der von Göteborg nach England reisen wollte. 7 8 , , — Ein kraftiger Junge angekommen Wilhelm Bach und Frau 5 n Want Spargelverkauf. Waun Morgen letzte Sendung der Saison zu den seitherigen wird geräumt. Preise für 100 Pd. Lebend Schlacht · gewicht. Kälber. Mk. Ml. inste Masikälberr. 80—84 133—140 littlere Mast- und beste Saugkälber 76—80 127-133 Geringere Mast-⸗ und gute Saugkälber.. 70—75 119-127 en ee 108110 Schafe. Weidemastschase: Mastlämmer und Masthammel.. 48—51 105—110 billigen Preisen, sowie große Mengen Salatgurken, schönen Blumenkohl eu. alles andere billigst. M. Hammel Südosten ab, während der hohe Druck im Westen sich wieder nach Deutschland ausdehnt, so daß wir morgen wieder unter Hochdruck⸗ Wien, 18. Juni. Die Krakauer„Nowa Reforma“ mel⸗ die Vernichtung der russischen Armee hinlenkten und in denen Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, heute nachmittag 12¾ Uhr nach langem Leiden unseren lieben Vater, Grossvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Pfarrer a. D. Karl Reitz zur ewigen Ruhe heimzuführen. Im Namen der Hinterbliebenen: Karl Reitz, Pfarrer in Gemünden(Westerwald) Gustav Reitz, Apotheker in Gross- Gerau 2. Zt. im Felde Lina Reitz, Giessen. Giessen, den 17. Juni 1915. 5158 Die Beerdigung findet Sonntag, den 20. Juni, 4 Uhr nachmittags, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Wie der amerikanische Singer-Trust im uns feindlichen England gegen die deutsche Industrie hetzt, beweist das folgende in England verbreitete Flugblatt, das in deutscher Aebersetzung lautet: Maschinen. Anmerkung: sustlert bekommen. vermeiden; denn man kann Britische Helft nichf den Deutschen! Frister& Rossmann, Jeder Penny, der für deutsche Waren ausgegeben wird, hilft dem Feind. Ein leder muss, bevor er lrgendelnen Artikel kauft, sich erkundigen, wo er hergestellt ist, und bei Fehlen einer befriedigenden Antwort seinen Ankauf Ea ren erhalten, wenn man nur danach fragt und darauf besteht. maschinen werden in grossen Mengen in diesem Lande von Beutscben verkauft, und nur sehr wenig Leute wissen, wenn sie eine kausen, wo sie hergestellt ist. Im Interesse derjenigen, welche eine Nähmaschine zu kaufen beabsichtigen, nennen wir die Namen einiger deutscher Marken: Gritzner, Viktoria, Gloria, Ualxersum, Regina, Afrans, Phoenix, Ossa, Wertheim, Stoe wer, und es gibt noch verschiedene andere. Singer Nähmaschinen sind Britisches Fabrikat! Ueber 18 000 Angestellte auf den Britiscben Inseln verdienen ibren Lebensunterhalt allein dureb die Herstellung und den Verkauf unserer Unterstützt Britische Iudustrien! Der Preis unserer Maschinen betrügt 1206 bis& 14. 10 8. Erleichierung der Zahlungsbedingungen nach Ueberein kunft. Hiesi Higbstreet, Launceston. Adresse von Agenten: The Market, Tavistockzand Ohapelstreet Holsworthy. Rote-Kreus- Arbeiter können ibre Maschinen, venn sle Britisches Fabrikat sind, umsonst Benoy, Druckerei, Launceston. Naumann, Pfaff, Adresse: Singer Näbmaschinen Co., Ltd., Nah- Veritas, Im Hinblick auf dieses Vorgehen ist es daher heilige Pflicht eines jeden Deulschen durch den Kauf deulscher Jähmaschinen die deutsche Industrie zu unterstützen! Die deutsche Nähmaschinen⸗Industrie und Brot gibt und jährlich über 1 Millionen Nãhmaschinen herstellt welche über 50 000 deutschen Arbeitern Arbeitsgelegenhelt steht an erster Stelle in der Welt! 2 1 Berein Deutscher Naͤhmaschinen⸗ Fabrikanten ⸗Verein Deutscher Nähmaschinen⸗ Händler E. B. ri Vermniekungen LS Zimmer- 5⸗Zimmer⸗Wohnung mit allem Zubehör p. 1. Juli oder später zu verm.(03182 F. Kuno Borst, Johannesstrasse II. Zimmer Hera. 1 im Hause des Delg! Herrn Ad. Trank ist dessen Wohnung, I. Stock, mit 4 Zimmern, Balkon, Gartenanteil 2c. alsbald zu vermieten. 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Juni 1915 vorm. 9¼ Uhr, sollen auf hiesigem Amtsgericht, Zim⸗ mer 14, die nachbezeichneten, dem Fritz Euler in Gießen zugeschriebenen Grundstücke zwangsweise versteigert werden. 1) Flur 38 Nr. 273= 211 qm Grabgarten am Hamm, 2) Flur 38 Nr. 274 112 am Hofreite daselbst, 3) Flur 38 Nr. 275= 417 qm Hofreite daselbst (Hammstraße 15). Die amtsgerichtliche Ver⸗ fügung ist im Ortsgerichts⸗ zimmer öffentlich ausgehängt Gießen, den 11. Mai 1915. Großh. Ortsgericht. Simon. Tüchtiger Fabrikschlosser per sofort gesucht. Mitteldeutsche Gerberei, Wetzlar. 5151 D Jüngere Arbeiter gesucht. 5162 Benner& Krumm. Kräftiger, braver Hausbursche sofort gesucht. Weinhandlung, Karl Küchel, Kaiser⸗Allee 1. Junger Hausbursche gesucht. 5¹6⁵ Café„Astoria“. Saub. Lauffrau für morgens 1 Stunde gesucht. Bahubofstraße 66 1I. 03224 Suche zum 1. Juli oder später besse res, in Küche und Haus⸗ arbeit exfahrenes Mädchen. Frau Neg.⸗Rat Gebhardt, Keplerstraße 71. 5¹⁵⁰ Mädchen gesucht. Näberes in d. 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Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Aus den städtischen Beständen werden fernerhin Kar⸗ toffel bis zu einem Zentner zum Preise von 4½ Pfennig pro Pfund abgegeben, Der Verkauf findet jeden Samstag in der Zeit von 8—12 Uhr vormittags in der städtischen Schule(Neustadt) statt. 2 5150 Das 1. Ziel Schulgeld des Realgymnasiums, der Oberrealschule, der Gymnasial⸗Vorschule und der Höheren und Erweiterten Mädchenschule für das 1 2 7 1915 kann in den nächsten acht Tagen noch ohne Kosten an die Stadtkasse Gießen bezahlt werden. 151⁴4⁵ Bekanntmachung. Die Musterung der im Jahre 1896 geborenen Landstuxmypflichtigen der Stadt Gießen findet am 22. und 23. Juni ds. Js. in der Turnhalle der Stadtmädchenschule(Schillerstr. 8) statt. Es haben sich zu stellen: Dienstag, den 22. Juni 1915, vormittags 7/ Uhr die Dienstpflichtigen von Buchstabe A bis P. Mittwoch, den 2. Juni 1015, vormittags 7/ uhr die Dlenstpflichtigen von Buchstabe& bis. Die Landsturmpflichtigen werden biermit aufgefordert, sich an den genannten Tagen rechtzeitig im Musterungs⸗ lokal einzufinden. Besondere Ladungen ergehen nicht. Diese Bekanntmachung gilt vielmehr als Ladung. Die Pflichtigen baben in ordentlichem Anzuge und reinlich an Körper zu erscheinen. g Wer durch Krankheit oder körperliche Gebrechen am Erscheinen im Mustexungslokal verbindert ist, hat mir ein beglaubiates, ärztliches Zeugnis rechtzeitig einzureichen. Wer sich der Gestellung entzieht, wird mit Frei heitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jabren bestraft, es kann auch im Falle der Tauglichkeit so⸗ 7 5 Einstellung als unsicherer Landsturmp 1 5 erfolgen. ö N Gießen, den 17. Juni 1915. 5 Der Oberbürgermeister: Keller. Vergebung von Erdarbeiten. Die Erdarbeiten zur Auffüllung der Straße am Schübenbaus entlang des Unterofsizierwohnbauses auf rund 120 n Länge sollen 5 Freitag, den 2. Juni d. Jö. vormittags 11 ür auf unserem Tiefbauamt vergeben werden. Die Ver⸗ dingungsunzerlagen liegen daselbst offen und sind An⸗ gebote auf Vordruck bis zum vorgenannten Zeitpunkt an das Tiefbauamt einzureichen.— Buschlagsfri 20 Bl U W nenge * 1 Wochen. PPP ˙ phöchstens die Götenfigur scheint als Raumfüllung und in der Farbe nicht ganz geglückt, während die blaue Vase davor, besonders die Zweites Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. 5 8 Die„Gleßener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ fragen“ erschemmen monatlich zweimal. Der Januskopf der Schweiz. Im Schweizer Nationalrat hat es eine sehr lebhafte und ernste Auseinandersetzung gegeben. Die Deutschschweizer und die Welschen haben sich gründlich die Meinung gesagt, und wenn auch der Zankapfel zunächst nur die Zensur zu sein schien, also eine innerpolitische Angelegenheit der Schweiz, die uns Reichsdeutsche nichts angeht, so sah man doch deut⸗ lich an der Wand des Parlaments den Schatten des großen Problems und der bangen Frage, ob es der Schweizer Re⸗ gierung gelingen wird, die nationalen Gegenfätze während des Weltkrieges kühl und friedlich zu erhalten und Spal- tungen und interventionistische Regungen zu verhindern. Der Leiter der politischen Abteilung, Bundesrat Hofmann, kam in seinen Ausführungen über die Zensur immer wieder auf das nationale Problem zu sprechen und äußerte sich auf⸗ fallend optimistisch. Er sprach vom feinen romanischen und vom dicken deutschen Kopf. Beide wolle der Schweizer behal⸗ ten. Für das Vaterland habe er ja nur ein Herz. Jedenfalls glaubt Bundesrat Hofmann nicht an einen tiefgehenden Ge⸗ gensatz zwischen Welsch und Deutsch. Aber die schon seiner Rede folgende Aussprache widersprach so vertrauensvoller Meinung, und der nst der Lage in der Schweiz scheint uns klarer erkannt zu sein, wenn ein Berner erklärte, die Situation verdüstere sich von Tag zu Tag, und ein Zürcher warnte, ein unvorsichtiges Wort könne den Brand auch für die Schweiz entfesseln. Die Republik der herrlichen Bergwelt hat in der letzten Zeit ganz besonders 1 Erfahrungen gemacht. Man t begonnen, ihr die für das Land notwendigen Zufuhren abzuschneiden. Die Rohmaterialien werden ihr vorenthalten mit der Begründung, man wisse nicht, wie die Dinge weiter- . wie lange der Krieg sich noch ausdehne. Das 3 700000 Seelen zählende Volk hat bis heute schon 170 Millionen Franken für die Mobilmachung aufgewendet, die demnächst noch weitere 100 Millionen Franken, vielleicht noch mehr kosten wird. Und der Zustand der verhältnismäßigen Un⸗ tätigkeit des Heeres hat eine bedenkliche Schattenseite: Die Mannschaft wird mißmutig, wenn sie, scheinbar zwecklos, hin- und hergeschoben wird und immer nur exerzieren muß, während zu Hause die Arbeitskräfte fehlen und der Erwerb ausbleibt. Bei solchem Druck und Mißmut ist es zu verstehen, wenn auch der streng neutral fühlende Schweizer gewissen Einflüsterungen gegenüber nicht immer ganz un⸗ zugänglich bleibt. Die Agenten Frankreichs laufen sich ja die Hacken ab, um den Zweifelnden und Schwankenden die Meinung beizubringen, daß eine„Verlängerung der roma— nischen Front“, also ein Eingreifen der Schweiz zugunsten der Westmächte das Ende des Krieges sofort herbeiführen und dem Lande eine ganz besonders gewinnreiche Stellung bei den Friedensverhandlungen geben würde. Wenn schon solche Vorschläge, natürlich ganz privatim und unter der Hand gemacht werden, wie sicher glauben die Feinde Deutsch— lands ihrer Sache bei den Schweizern zu sein! Leider können sich die Hetzer und Ränkespinner darauf berufen, daß man auch im deutschschweizerischen Lager durchaus nicht voll und Hie vom guten Rechte der deutschen Sache überzeugt sei: Die„Neue Zürcher Zeitung“, ein Blatt, das wir stets für deutschfreundlich hielten, brachte es anläßlich des Lusi⸗ taniafalles fertig, ihrem Londoner Mitarbeiter das Wort zu folgender Dreistigkeit zu geben:„Der Gewaltakt eines deuts. Unterseebootes hat nicht nur ein Schiff ruiniert, hat nicht nur Hunderte von kostbaren Menschen⸗ leben vernichtet—; dieser Gewaltakt hat auch aus manchem ein Wrack. Die gesamte zivilisierte Welt ist entsetzt ob einer Handlungsweise, die nach Vergeltung schreit“. Und in Frankfurt a. M. hielt kürzlich Herr Dr. O. Wettstein aus Zürich einen Vortrag über die Neu⸗ tralität der Schweiz, wobei er trotz aller Verbeugungen vor Deutschlands Größe und Kraft doch nicht umhin konnte, zu erklären, es sei doch noch lange nicht bewiesen, ob Belgien die Neutralität selbst gebrochen habe, und kein Schweizer denke in diesem Punkte anders als er. Unsere Veröffentlichung der urkundlichen Nachweise über die Ver⸗ träge Belgiens mit unseren Feinden hat also keinerlei Ein- 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Freitag, 18. Jun. 1015 Rotattonsdruck und Verlag der Brühl Universtnäts- Buch- und Steindruckeres R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ stratze 7. Geschastsstelle u. Verlag: Sl, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnach richten Anzeiger Gießen. oruck gemacht? Die deutsche Reichsregierung, der im inter⸗ nationalen Verkehr so peinlich gewissenhafte Reichskanzler v. Bethmann Hollweg hätte sich dazu herbeigelassen, amt⸗ lich mit einer systematisch zusammengestellten Kette gefälsch⸗ ter Beweisstücke vor die Oeffentlichkeit zu treten? Erscheint es bei solcher Gemütsverfassung, bei solcher Verständnis— losigkeit deutschem Wesen und deutscher Politik gegenüber nicht fast aussichtslos, nach der Brücke des Verständnisses zu suchen? Wir können uns vorläufig nur der Hoffnung hingeben, daß es der i Regierung und den ehr⸗ lichen und vernünftig den Deutschlandfreunden ge⸗ lingt, trotz aller ierigkeiten die schweizerische Neu⸗ tralität durchzuhalten. Die Einsicht, wofür Deutschland und seine Bundesgenossen in diesem gewaltigen Ringen kämpfen und wer der wahre Freund der Schweiz war und ist, die wird ja wohl erst nach Ende des Krieges allmäh⸗ lich aufdämmern. Ein Anzeigenkrieg gegen den amerikanischen Waffenhandel. Ein neuer Weg, der zur Einstellung des amerikanischen Waffenhandels nach Europa führen sollte, wurde nach einer Mitteilung des Literary Digeft vor einigen Wochen be⸗ schritten, indem in mehr als 200 führenden Zeitungen des Landes gleichzeitig ein die ganze Seite bedeckender Aufruf an das amerikanische Volk gerichtet wurde, kein Pulver, Schrapnells oder Geschosse 8 Art an eine der kriegführenden Nationen in Europa oder Japan zu ver⸗ kaufen oder verschicken. Diese Anzeige wurde von den Verlegern Herausgebern von 431 fremdsprachigen Zei⸗ tungen in den Vereinigten Staaten unterzeichnet und ent⸗ hielt die Feststellung, daß die Kosten durch kleine freiwillige Beiträge der Angehörigen dieser Völker aufgebracht wären. Der Aufruf selbst lautete folgendermaßen: „Nachdem wir huunderttaufende von Briefen, Telegrammen und Mitteilungen verschiedensten Ursprungs empfangen haben, die be⸗ wegende Aufforderungen, Bitten und Gesuche unserer Mutterländer enthalten, haben wir, die unterzeichneten Verleger und Heraus⸗ geber, beschlossen, diesen Aufruf im Namen unserer Leser dem amerikanischen Volke zu unterbreiten. Die Leser unserer Zeitungen sind fast ohne Msnahme durch diesen schrecklichen Konflikt der europäischen Völker hart betroffen. Ihre Brüder, Schwestern, Eltern, Kinder oder Verwandte leben in den vom Kriege herm⸗ . Wir bitten* Volk,—5— 12 murtige amerilanische e 1 e ameri ani Waffen ebrzzurten. wir bitten die Arbeiter in den Betrieben, in denen Munition für die kriegführenden Länder hergestellt wird, sofort aufzuhören, Pulver, Schrapnells und Patronen herzu⸗ stellen, die dazu bestimmt find, unserr Brüder zur vernichten, unfere Schwestern und Mütter zu Witwen und ihre Kinder zu Waisen zu machen unnd die uunschätzbaren Befitzungen, dir unsere begründeten, für immmer zu zerstören. Wir wenden uns an die amerikanischen Fabrikanten und ihre Arbeiter, dee die Waffen machen, mit der Herstellung von Pillver umd Kugeln auf⸗ zuhören, die für den grausamen und unmenschlichen Zweck der Verstümmelung und Vernichtung hergestellt werden. Wir bitten die Arbeiter solcher Betriebe inständigst, selbst ihre St. zu opfern, und sich vereint dagegen zu wehren, für den Zweck von Wafsenfabrikation zu arbeiten, die die Körper zerschmettern und das Leben ihrer eigenen Bluts verwandten vernichten!“ Mehr als zwanzig Nationen sind unter den Unter⸗ zeichnern des Aufrufs vertreten: 105 Italiener, 44 Polen, 37 Hebräer, 30 Schweden, 25 Ungarn, 16 Holländer, 11 Fin⸗ nen, 11 Norweger, 11 Jiddisch, 10 Spanier, 9 Slowaken, 6 Litauer, 9 Böhmen, 8 Ruthenen, 7 Russen, 6 Griechen, 5 Araber, 5 Slovenen, 4 Syrier, 4 Kroaten, 3 Serben. 3 Rumänen, 2 Portugiesen, 4 Chinesen, 2 Flamen, 2 Dänen, 2 Bulgaren, 1 Spanisch⸗Hebräer, 1 Japaner und 1 Lette. Es konnte natürlich nicht ausbleiben, obwohl die Namen von Deutschen auf der Liste fehlen, während verschiedene Franzosen, Ruffen, Serben und sogar ein Japaner unter⸗ zeichnet haben, daß in New Porker Zeitungen die Nachricht verbreitet wurde, dieser Aufruf wäre eine versteckte deuts Propaganda und rühre von einem Deutschen in New Pork her. Diese Behauptung wird jedoch entschieden bestritten. Der Präfident der Amerikanischen Vereinigung fremd⸗ sprachiger Zeitungen, Louis N. Hammerling, erklärte dar⸗ Die Ausstellung des Gießener Uunstvereins. Gießen, 17. Juni. n wir's: mit etwas zögernden Schritten betritt man tellung, die so viel Damenmalerei verspricht wie diese. Ein paar altmodische Vorurteile verbirgt ja wohl Jedes noch im hintersten Gemütswinkel, wenn auch der Verstand energisch firr Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im freien Lande der Kunst eintritt. Und in der Tat, es wird uns durch die„Neue Ver⸗ einigung Münchner Künstlerinnen“, die in der Hauptsache diesmal die Gießener Ausstellung beschickte, nicht schwer gemacht, Sachlichkeit und Gerechtigkeit walten zu lassen und an⸗ zuerkennen, wie viel Gutes geboten ist. 5 Landschaften Stilleben herrschen vor und naturgemäß sind es die leuchtenden, starkfarbigen, die zuerst den Blick auf sich ziehen. L. Cucuel von Marcard steht dabei in erster Reihe. Kräf⸗ tige, gesättigte Farben sind in ihrem„Stilleben“ breit hingesetzt, nichts Aengstliches, Tastendes macht sich bemerkbar Vielleicht zeigen sich die vielen Lichter und Reflexe auf dem Messinggeräte nicht ganz gemeistert. Sie geben dem Bilde etwas Verzittertes, lassen es auseinander fallen. Sie sind der Wirklichkeit zu peinlich nach⸗ gemalt, statt künstlerisch bewältigt und zum einheitlichen Eindruck gestaltet zu sein. Eine geschlossenere Arbeit bietet„In meinem Garten“. Besonders die Blumen sind mit Freude gemalt und be⸗ kunden, gleich der„Dame im Garten“ einen guten Sinn für Farben⸗ kombination und ein Auge, das farbig sehen ernt hat. i alten Farbenfeste auch eine Gefahr in sich bergen, eine A beweisen bie Biber von Elise Wellinger und von Marie Bu⸗ dach, bei denen die moderne Vorliebe für das Vielfarbige ins Konventionelle überschlägt. Sie sind schulmäßig gewandt, ohne ein tieferes Interesse zu erregen. Ganz anders das„Chinesische Still⸗ leben“ von Marie v. Brakhusen. Das ist eine reife Leistung. Sie bietet bei einer freieren Technik gut abgewogene Tonwerte. 5 rt ihrer Glasur, vorzüglich gelungen ist. Fast geheimnis⸗ voll wirken die Lilien, die nur als Teilform gegeben sind und damit all diesen exotischen Dingen etwas Gehobenes, über sich Hinausweisendes verleihen. Ebenfalls eine starke Begabung ver⸗ raten die Arbeiten von dedwig Lindemann, wenn ihre Vor lüge auch nicht sofort sich aufdrängen. Landschaften wie die„Aus Levito⸗ Jind dafür zu fein gesehen und zu diskret gemalt. Kräf⸗ ere Töne schlägt sie im„Herbst“ an. Man nehme sich einmal , etwas die linke, scheinbar nebensächliche Seite des Bildes ö hen. Die Temperafarben sind in außergewöhnlichen Mi⸗ schungen sicher und großziigig hingestrichen, die Formen der Bäume] werden i ohne vergewaltigt zu sein Nur im Vordergrund! di läßt das Können nach oder hat vielmehr die Liebe am Vorwurfe nachgelassen. Das fühlt man sofort, genau wie in vielen Land⸗ schaften von Emmy Frühling,“) die zwar eine tüchtige Be⸗ gabung und Fleiß bezeugen, aber nicht immer durchglüht sind von dem Entzücken an der Aufgabe, das den Künstler vor sein Motiv — gerade vor dies Motiv— zwingt. Wenig Beachtung und Freunde wird der„Herbst“ von A. Splittgerber finden, obwohl er es in reichstem Maße ver⸗ diente. Das kleine Format, die delikate Malweise ist himmelweit verschieden von dem oft rohen Plakadestil der Allermodernsten. Welche Tiefe, welcher Stimmungsgehalt liegt in diefer kleinen Land⸗ schaft! Und wie warm stehen die braunen Bäume neben den Bergen und den virtuos gemalten luftigen Wolken! Aber die meisten Be⸗ schauer werden vorüber gehen. Eine Wendung ins Unmoderne liegt auch in der Landschaft von Schwarzmaier. Die Wasser und schlanken Bäume atmen Beschaulichkeit, Nachdenken und wirken verträumt, ohne sentimental zu sein. Auffallend ist hier die gute Komposition, bei der Formen und Linien alle ins Bild zurück⸗ 1 12 und das Ganze abgerundet und in sich beschlossen erscheinen zu lassen. Von Ausstellern, die nicht der„Neuen Vereinigung“ ange- hören, ist auch Paul Bü ck zu nennen. Seine Radierungen weisen ernst zu nehmende zeichnerische Qualitäten auf, während die Oel⸗ bilder eine starke koloristische Begabung zeigen. Ihn scheinen be⸗ sonders die malerischen Probleme der Winterlandschaft zu reizen, wo sich die Körper oft wie ins Wesenlose auflösen und Schatten und durchsichtige Schlagschatten blau und duftig dazwischen liegen. An der Bewältigung dieser Schwierigkeiten ist Louise v. Plänk⸗ ner gescheitert, denn ihr Winterbild„Klosters“ gibt die Kontraste von hell und dunkel viel zu hart. Nicht als Selbstzweck, sondern nur als Rahmen zu seinen Tier bildern wird von Alexander Krester die Landschaft benützt Vielleicht ist es Täuschung, aber manche davon scheinen ein Nach lassen des Könnens gegen früher zu zeigen. Die Enten sind zwar oft gut beobachtet, aber im allgemeinen doch zu gleichwertig in ihren blauen und grünen Refexen. Man merkt trotz der anerken⸗ nenswerten Leistung zu wenig von Suchen, Versuchen wie z. B. bei den reizvollen Entenbildern von Schramm⸗Zittau. Mehr deko rativ faßt Thallmaier seine„Kaninchen“ auf. Man dealt un willkürlich an die Art des Holzschnitts, so einsach ist diese Samphonie che seitigen will. Die Kriegsbetstunden müssen nach dem Kriege Die Bilder dieser Künstlerin sind nur noch bis Sonntag ausgestellt. über in der New Porker„Sun“:„Keine fremde Regierung hat mit der Angelegenheit zu tun. Das Geld wurde von den Mitgliedern der Vereinigung aufgebracht; aber ich bürgte für die Bezahlungen und war bereit, jeden Cent der Kosten dieser Anzeigen zu bezahlen. Es ist richtig, daß ich in Oesterreich geboren bin, aber die Stadt, in der ich lebte, ist vollkommen zerstört. Ich habe keine Verwandten im Kriege. Ich sorge mich nur um Amerika. Es gibt keinen deutschen Einfluß in unserer Vereinigung. Sie ist in jedem Sinne des Wortes neutral.“ Von der„New York World“ befragt, sagte Herr Hammerling, daß ihn der Aufruf mehr als 100 000 Dollar gekostet habe, und er bereit sei, sein ganzes Vermögen von mehreren Millionen Dollar herzugeben, wenn man ihm nachweisen würde, daß auch nur ein Cent deutsches Geld dahinter stecke. l 2— Kirche und Schule. 33. Provinzialkonferenz der evangelischen Geistlichen Oberheffens. B. Gießen, 18. Juni. Die 33. Provinzialkonferenz der oberhessischen evangelischen Geistlichen fand gestern 5 vormittag im Hotel Großherzog statt. Nach dem gemein⸗ samen Gesang des Liedes„Ein feste Burg“ und einem von Dekan Orth⸗Nieder⸗Wöllstadt gesprochenen Gebet begrüßte der Vorsitzende, Superintendent D. Petersen⸗Darmstadt die zahlreich Erschienenen. Darauf wurde der im letzten Jahre verstorbenen Mitglieder, Pfarrassistenten Barth, Pfarrers Hildebrand, Pfarrassistenten Eck und Pfar⸗ rers Otto Hofmann in der üblichen Weise t. Den Hauptvortrag hielt sodann Pfarrer Frits pertsburg über„Unsere do sihrte de nach dem Krieg“. Es ist unsere Pflicht, so führte der Vortragende aus, uns schon jetzt über die Aufgaben, welche uns nach dem Krieg erwarten, klar zu werden, damit wir unserem Volke helfen können, den Segen zu erkennen und zu behalten, den uns Gott durch die schwere Prüfung des Krieges zu⸗ wenden will. Die Hauptaufgabe bleibt die Predigt von dem gekreuzigten und auferstandenen Christus, die die Herzen stärkt und tröstet und alle Glauben isel über⸗ windet. Eine weitere Aufgabe sind treue Seelsorge, Förde⸗ rung der Liebe zur Heimat und zum Volk, die ö der sozialen Unterschiede, Heilighaltung des Sonntags, scharfe Bekämpfung der Unmäßigkeit, der Unsittlichkeit u. a. m. Befondere Sorgfalt verlangt die Jugendpflege. Die Jugendwehr sollte obligatorisch werden; auch die weibliche Jugend bedarf der Pflege. Da der Staat die Kirche als treue e sollte er ihr dach feht nötige Bewegungsfreiheit geben, an der es noch vielfach Wün⸗ schenswert ist besonders der Anschluß unserer Landeskirche an den norddeutschen Buß- und Bettag, der nicht nur die Würde und das Ansehen unserer Kirche im stärken, sondern auch eine bleibende segensreiche Erinne⸗ rung an die gemeinsam getragene Not und Gottes⸗ hilse für unser ganzes evangelisches Volk sein würde. wirken der Pfarrer 3 wünschen und größere sestere Organisation der che Oeffentliche 8 Streitfälle sollten im Hinblick auf das ge⸗ meine Wohl der Kirche vermieden eine Neuordnung der Militärseel pfarrer) sowie des Militärdienstes der Geistlichen du. erstreben. Den abfömmlichen Geistlichen sollte man das Recht jedes deutschen Bürgers nicht verkümmern, mit der Waffe Kriegsdienste zu leisten und sie dadurch davor be⸗ wahren, daß sie nicht, wie in diesem Kriege zu Diensten herangezogen werden, welche ihren Gaben und besser zu ver⸗ wendenden Kräften nicht entsprechen.— Der zweite Referent, Pfarrer Georgi ⸗Ermenrod hob noch hervor, daß der Krieg manche Ansätze und Keime auf religiös⸗sittlichem Gebiet ge⸗ bracht habe, die in der Folge zu pflegen und zu vertiefen sind. Dabei gilt es gegen alles zu kämpfen, was diese Ansätze be⸗ zu wöchentlichen Bibelstunden, die Hausandachten sollen All⸗ gemeingut der christlichen Familien werden. Nach einem kurzen Schlußwort des Vorsitzenden wurde die Tagung gegen 1½ Uhr geschlossen. von grauen Zwischenfarben um einen einzigen lustigen Mittelpunkt, e gelbe Rübe, gruppiert. An Figürlichem bietet die Ausstellung Aquarell⸗Illustrationen non Hans Woberstein, die in ihren besten Blättern an die Kunst Edmund Dulacs erinnern. Witzige Illustrationen sind auch die Sachen von Rudolf Köselitz, doch ohne weder in ihrer verwaschenen Farbe noch in der manchmal unsicheren Zeichnung jenen gleichwertig zu sein. Er dürfte von Wera von Bartels 5 kräftigem, zielbewußtem Strich lernen. Ihre Arbeiten ind meist ein Mittelding zwischen Illustration und Kostümzeich⸗ nung, packen das Wesentliche in Linie und Farbe mit kecker Hand und verstehen es, die Ausdrucksfähigkeit der Kohle mit wenigen Farbflecken zu steigern. Fast etwas Photographisches hahen die Bild⸗ chen von Richard Nitsch in ihrer gewissenhaften Einzelausfüh⸗ rung. Aber doch* sie künstlerische Eigenschaften, ja, manch⸗ ral könnte man an Leibl gemahnt werden, wenn nicht wieder be⸗ stimmte Partien, wie die belichtete Gesichtshälfte der„strickenden Bäuerin“ die jener Aehnlichkeit deutlich aufzeigten. Die Gießener Porträtistin W. Becker⸗Emmerling ver⸗ sucht, allerdings nicht immer glücklich, in getönten Kohlezeich⸗ nungen der Natur nahe zu kommen, während die Münchener Künstlerin Eugenie von Piloty ganz der Wucht des Pinsels vertraut. Ihr„Frauenkopf“ ist so schlicht und ruhig gemalt, daß dieser Vorzug verführt zu übersehen, wie wenig sie die feine Struk⸗ tur der Oberfläche beachtet, wie gleichartig z. B. Haut und Stoff behandelt werden. Vielleicht geht man nicht fehl, wenn man in Paula Geiger von Blankenburg eine Schülerin von Leo Putz vermutet. Ihre„Dame am Teetisch“ spricht in Farbe und besonders in der gelungenen Komposition von seinem Einfluß. Das Figürliche dient hier, gleich den andern Gegenständen des Bildes, mehr der Darstellung malerischer Effekte. Ein Porträt im eigentlichen Sinne, wie es zur Zeit der Renaissance geboren wurde— nämlich als Verewigung einer geistigen Persönlichkeit— ist dagegen das Herrenbildnis. Die schmale, lange Gestalt, das energische Gesicht sind überaus charakteristisch erfaßt. Hier steigt die Künftlerin zu weit selbständigerem Schaffen empor, etwas Klares zügiges ringt in ihr um Ausdruck. An di in fast allen Arbeiten der Ausstellung spi freuen. Es geschieht ja nur selten, daß als wirklich großes bezwingendes Kunstwerk ent da ist in unserer Kunst, blühendes treibendes Leb ist allein schon Gewinn. Paula Me 8 8 zu sehen Platz. —— hin sind eine größere Eintracht und eifrigeres zusammen⸗ werden. Endlich ist 1 sorge(Regiments 1 2 * 1 . 1 0 1 * 25 6% 1