Der Sleßener Anz Ascheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sießener Familsenblätter; 8 wöchentl. Kreis⸗ latt für den kreis Gießen (Dienstag und Freitag): zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen e en 1 r die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. me von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt Gießen 1 165. Jahrgang er Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdrud und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Dienstag, 8. Juni 1915 Bezugspreis monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. aussch!, Bestellg. Zeilenpreis: loral 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; sütr Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Ein neuer Luftangriff auf England. der König von Bayern über die deutschen iele. Neue Fortschritte in Galizien. (WTB.) Großes Hauptquartier, 7. Juni. (Amtlich.) 5 Westlicher Kriegsschauplatz. ö Am Osthang der Lorettohöhe erneuerten die Fran⸗ zosen in den Nachmittags- und Abendstunden ihre Angriffe, die in unserem Feuer völlig zusammenbrachen. Weitere An- griffsversuche in der Nacht wurden im Keime erstickt. Siüdöstlich Henterne östl. Doullons) griff der Feind heute morgen erfolglos an. Der Kampf ist dort noch nicht abgeschlossen. Ein breiter französischer Angriff nordwestlich Moulins sous tous vents(nordwestlich von Soissons) wurde größtenteils sofort abgewiesen. Nur an einer Stelle erreichte er unsere vordersten Gräben, um die noch gekämpft wird. Unsere Stellung bei Vauquois, südöstlich von Va⸗ rennes, wurde gestern abend angegriffen. Trotz Anwendung bon Brandbomben, die unfere Graben mit einer leicht bren⸗ nenden Flüssigteit überzogen, gelang es den Franzosen nicht, in unsere Stellung einzudringen. Mit schweren Ver lusten flutete der Feind in seine Gräben zurück. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nördlich Kurschany erzwang unsere Kavallerie den liebergang über die Windau und stieß in südöstlicher Richtung vor. Bei Kurtowiany und in der Gegend östlich Sa w⸗ dyniki machte unsere Offensive gute Fortschritte. Weitere 3340 Gefangene und 10 Maschinengewehre fielen dabei in unsere Hand.. g „Südlich des Niemen wurde das Flußufer bis zur Linie Tolausie—Saciezyski vom Feinde gesäubert. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Bei den Kämpfen um Przemysl wurden 33895 Gefangene gemacht. Oestlich Przemysl setzten die verbündeten Truppen ihre erfolgreichen Kämpfe fort und warfen den Feind nord⸗ westlich Mosziska auf die Wisznia zurück. Teile der Armee des Generals von Linsingen haben bei Kubawno den Dujestrüberschritten unn die Höhe auf dem nordöstlichen Ufer erstürmt. Weiter südlich hat die Verfolgung die Linie Nowica—Kalusz.—Tomaszowea erreicht. Die Beute ist hier auf über 13 00 0G e⸗ fangene gestiegen. Oberste Heeresleitung. 3 Nachdem gestern eine vorläufig unbestätigte Meldung die Zahl der in Przemysl gemachten Gefangenen auf etwa 7000 bezifferte, erhielten wir gleich darnach durch den amt⸗ lichen Bericht der deutschen Heeresleitung eine sehr erfreu⸗ liche Berichtigung dieser Meldung. Nicht weniger als 33 805 Gefangene sind in und bei Przemysl der Armee Mackensen in die Hände gefallen. Die neuen Fortschritte der deutschen und österreichisch-ungarischen Heere in Galizien berechtigen zu der Erwartung, daß der russische Koloß in den kommen- — noch außerordentliche weitere Einbuße haben wird. 17 seine Arbeit einsetzte, der chloss 0 der Unternehmungen, mit denen e och nicht eich wird abgeschlossen wer⸗ König Ludwig doch wird. Das Wort des bayerischen Königs an die„falschen Freunde wird man vielleicht ziehen dürfen. Es zst bemerkenswert, daß die„Köln. t. in Fragen der Auslandspolitik gute Fühlung mit Verlin in einer ihrer letzten Nummern an die rumäni⸗ 8 N 8 1 schen Hriegshetzer eine ernste Warnung richtet. Darin heißt es, daß Rumänien mit einer uns feindseligen Politik sich auf alle Fälle selbst das Grab graben würde. Im Falle eines für die Zentralmächte ungünstigen Krieges hätte Rumänien nur noch den Wert eines Kompensations⸗ objektes, und im Falle eines Sieges Deutschlands und Oesterreich-Ungarns könnte es uns erst recht gleichgültig sein, ob ein solcher Pufferstaat wie Rumänien noch fort- besteht. Das ist eine Vorstellung an die Hetzer in Bukarest: verständige rumänische Politiker werden längst selbst erkannt haben, wo die Interessen ihres Landes liegen. n Noch ein Angriff unserer Marineluftschiffe auf die englische Küste. Berlin, 7. Juni.(WTB. Amtlich.) In der Nacht vom 6. zum 7. Juni führten unsere Marineluftschiffe erfolgreiche Angriffe gegen die Docks von Queenstown und Grimsby am Humber aus. Sie kehrten trotz starker Beschießung unbeschädigt zurück. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Behncke. London, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Die Admirali⸗ tät meldet: Sonntag pacht besuchte ein Zeppelinluft⸗ schiff die O st küste und warf Brandbomben und Explosiv⸗ bomben ab, die an zahlreichen Stellen Brände verursachten. Fünf Menschen wurden getötet, 40 verwundet. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 7. Juni 1915, mittags. Russischer Kriegsschauplatz. Nach der schweren Niederlage bei Przemysl richtete 5 russische 8.— 1 2— engungen gegen unsere Stellungen an der Pru. linie, um hier einen gewaltsamen Durchbruch zu erk zwingen, namentlich gegen den Raum Kolomea— Delatyn warf der Feind immer neue Massen in die Schlacht. Während alle diese Vorstöße an der zühen Tapferkeit der Armee des Generals der Infanterie Frhrn. v. Pflanzer⸗ Baltin unter ungeheuren Verlusten der Russen scheiter⸗ ten, rückten von Westen her die unter dem Befehl des Generals von Linsingen stehenden verbündeten Streitkräfte heran. Gestern nahmen sie Kalusz, die Gegend nördlich dieser Stadt und die Höhen am linken Dujestr⸗Ufer nördlich Zurawno in Besitz. Zwischen der Nadworna, Bystryca und der Lomnica schlossen sich unsere Truppen dem Angriffe an. Die Kämpfeöstlich Przemyslund Jaroslau dauern fort. Nördlich von Moszisla mußte der Feind aus Czerniawa weichen. Vereinzelte kraftlose Gegen— stöße der Russen brachen zusammen. Bei Przemyjsl fielen seit 1. Juni 33 805 Gefan⸗ gene in die Hände der Sieger. Italien ischer Kriegsschauplatz. Im Tiroler Grenzgebiet wirkte unsere Artillerie mit sichtlichem Erfolge. An der kärntnerischen Grenze östlich des Plöckenpasses eroberten unsere Truppen gestern den Frei⸗ kofel zurück, den der Feind vorübergehend genommen hatte. Im Krn⸗Gebiet wird weiter gekämpft. Die Ita⸗ liener mußten die Ortschaft Krn räumen. An den Isonzo schiebt sich der Gegner stellenweise näher heran. Balkan⸗Kriegsschauplatz. Auf dem Balkan ⸗Kriegsschauplatz herrscht, von einzelnen Plänkeleien an der Grenze abgesehen, Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der König von Bayekn über die Kriegsziele. München, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Bei der Festtafel des Kanalvereins in Fürth hielt S. M. König Ludwig folgende Rede: 8 Meine Herren! Im vorigen Jahre war der Kanaltag in Re⸗ gensburg. Da war tiefer Friede und Ruhe und kein Mensch dachte an die großen Ereignisse, die sich kurz darauf eingestellt haben. Und wenn wir jetzt mitten in diesem schwersten und größten Kriege— denn keinen größeren hat es je gegeben— uns hier in der aufblühenden Stadt Fürth, deren Entwicklung mich immer erfreut, versammelt haben, so denken wir kaum daran, daß es Krieg ist. Wir verdanken das in erster Linie der Tüchtigkeit del ganzen deutschen Volkes und seiner Verbündeten. Das deutsche Volt, das kann man mit gutem Gewissen sagen, ist in dem Heere mit seinen besten Elementen vertreten und das deutsche Heer ist unüberwunden Wo immer es kämpft, im Osten und Westen und Norden, und so Gott will, woran ich nicht zweifle, wird es auch im Süden unüberwunden bleiben.(Stürmischer Beifall.) Als der Krieg ausbrach, da sagten wir, es werde ein Krieg auf kurze Zeit sein. Aber die Dinge gestalteten sich anders. Auf die Kriegserklä⸗ rung Rußlands folgte die Frankreichs und als dann auch noch bie Engländer über uns herfielen, da habe ich gesagt; Ich freue mich. darüber und ich freue mich deswegen, weil wir jetzt mit unseren Feinden Abrechnung halten können und weil wir jetzt endlich— und das geht den Kanalverein besonders an— hoffen dürfen, daß wir für Süd⸗ und Westdeutschland günstigere Verbindungen zum Meere bekommen werden.(Lebhafter Beifall!) Zehn Monate sind seither verflossen. Viel kostbares Blut ist vergossen worden. Es solhaber nicht umsonst vergossen worden sein. (Beifall.) Eine Stärkung des Deutschen Reiches and eine Ausdehnung über seine Grenzen hinaus, soweit dies notwendig ist, damit wir gesichert sind gegen künftige Angriffe, das soll die Frucht dieses Krieges sein.(Stürmischer Beifall.) Wer mit uns geht und treu zu uns steht, ich meine Oesterreich-Ungarn und die Türkei, soll sich mät uns erfreuen, nte aber die falschen Freunde, die hinter unserem Rücken Freundschaft heuchelten und dann zum Feinde übergingen. Wahrhaftig, wir sind un⸗ besiegt, und der letzte Feind, der so viel von sich sprechen machte, hat noch immer keinen ernsten Angriff gewagt, obwohl er Zeit genug zur Vorbereitung hatte.(Stürmischer Bei⸗ fall.) Wir sind hier mitten im Kriege, um friedliche Zwecke zu verfolgen. Sie alle arbeiten seit Dezennjien treu mit mir, Bayern den Anschluß an die großen Wasserstraßen zu ver⸗ schaffen. Unsere Bestrebungen haben anfangs große Schwiel⸗ rigkeiten ge habt. In letzter Zeit ist es anders geworden. Die Beschlüsse des letzten Landtages— es war das letzte Referat von mir, das ich in der ersten Kammer erstatten durfte— be⸗ zogen sich auf die Kanalisation des Mains bis Aschaffenburg. Der Landtag hat nicht nur dieses Stück Kanal gutgeheißen, sondern beide Kammern haben gleichzeitig den Wunsch ausgedrückt, es möge der Main von Aschaffenburg bis Bamberg kanalisiert werden.— Das ist ein riesiger Fortschritt gegenüber der srüheren Zeit. Ihnen, meine Herren, die Sie immer fest mit mir zusammengestanden sind, danke ich und ich freue mich mit Ihnen dieser Fortschritte. Jetzt, da ich die Regierung angetreten habe, können Sie sicher sein, daß ich diesen Plan nicht fallen lassen werde, und meine Regierung hat Ihnen heute ja die Versicherung gegeben, daß die Kanalisation bis Bamberg ausgeführt werden soll, so daß der Kanal bis Aschaffen⸗ burg vollendet ist, vorausgesetzt selbstverständlich, daß der Land⸗ tag die Mittel dazu bewilligt. Es ist heute des 70. Geburtstages unseres Schatzmeisters gedacht worden. Ich bin schon über sieb⸗ zig. Aber die Vollendung des Baues bis Aschaffenburg hoffe ich doch noch zu erleben. Bis Bamberg wird es ja noch einige Zeit dauern. Aber freuen würde es mich, wenn ich diesen Erfolg noch sehen könnte. Meine Herren! Nun habe ich Ihnen viel erzählt. Ich möchte nicht schließen, ohne als Protektor des Vereins der Stadt Fürth zu danken für die schöne Aufnahme. Ich habe ja für jeden größeren Empfang gedankt. Gleichwohl bin ich außerordentlich herz⸗ lich begrüßt worden. Ich danke auch Ihnen, den Herren vom Ver⸗ ein, für Ihre jahrelange Mitarbeit und wünsche Ihnen, daß Sie den Triumph Ihrer Arbeit noch erleben möchten. Hoch die Stadt Fürth und hoch der Kanalverein! Ein deutscher Angriff am Rigaischen Meerbusen. Petersburg, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Von auto⸗ risierter Stelle wird mitgeteilt: Am 3. Juni bemerkten unsere Ausguckposten auf der Küste und der im Dienst befindlichen Unter⸗ seeboote, daß der Feind nahe der Küste und besonders an den Zufahrten des Rigaischen Meerbusens tätig war. Gleichzeitig näherten sich feindliche Torpedoboobte als Vor- hut großer Schiffe der Einfahrt des Meerbusens. Bald darauf ließ der Feind Wasserflug zeuge aufsteigen, welche unsere Schiffe angriffen, jedoch vergeblich, denn alle Geschosse verfehlten ihr Ziel. Unsere Artillerie verjagte die Flugzeuge. Am 4. Juni wiederholte der Feind seinen Versuch, sich der Küste zu nähern, aber er wurde von unseren Unterseebooten ange⸗ griffen und ging zurück. Gleichzeitig wurde auf der Ostsee unser Transportdampfer„Jenissei“ von einem feindlichen Unter⸗ seeboot angegriffen und ging unter. 32 Mann wurden ge⸗ rettet. Ein deutsches Flugzeug über Luns ville. Paris, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Petit Parisien“ meldet aus Luné ville: Trotz heftiger Be⸗ schießung konnte ein deutsches Flug zeug am Freitag Luns⸗ ville überfliegen und zwei Bomben abwerfen. Die erste richtete nur geringen Sachschaden an, die zweite tötete “ Personen und verletzte 14, von denen drei kurz darauß ihren Verletzungen erlagen. Am Nachmittag erschienen wieder zwei deutsche Flugzeuge, die aber infolge des Ar⸗ tilleriefeuers umkehren mußten. Die englischen Vexluste. Berlin, 8. Juni. Ueber die wachsenden englischen Verluste heißt es in einem Telegramm des„Berliner Tage⸗ blatts“ aus Rotterdam vom 7. Juni: Die heutige englische Ver⸗ lustliste ist die größte, die bisher veröffentlicht wurde. Sie enthält die Namen von 5600 Offizieren und Mannschaften, von denen 1670 gefallen sind. Die sieben letzten Listen verzeichnen einen Gesamtverlust von 913 Offizieren und 20000 Mann. Die „Times“ sagen: Diese Zahlen stellen die normale Abnutzung des Krieges dar, so wie er jetzt geführt werde. *** Eine Schlacht am Fsonzos Berlin, 8. Juni. Eine Londoner Meldung der„Berlingske Tidende“ besagt, wie das„Berliner Tageblatt“ erfährt, am I son⸗ zo habe sich eine riesige Schlacht entwickelt, die für die Oesterreicher günstig stehe. Die Oesterreicher ständen in außer⸗ ordentlich starken Stellungen und verfügten über vorzügliche Ar⸗ tillerie. Wien, 7. Juni.(WI Nichtamtlich) Aus dem Kriegs- pressequaxtier wird gemeldet: Auf dem südwestlichen Krie g. schau pla begelang es einem kleineren Detachement unserer Trup⸗ pen am 2. Juni in der Gegend von Flitsch dem Feinde un⸗ bemerkt in den Rücken zu fallen und beträchtlichen Schaden zuzufügen, Der feindliche Train, ein Zeltlager, ein Blockhaus und wahrscheinlich auch ein Proviantlager wurden hierbei zerschossen. Der Feind erlitt einen Verlust von 50 Toten und geriet in große Verwirrung. Wohl eilten von allen Seilen Verstärkungen herbei, unser Detachement konnte sich aber doch vor der vielfachen Uebermacht in vollster Ordnung zurückziehen. Vorstöße der italienischen Flotte. Rom 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich!) Meldung der Agenzi D WDB Nichte Meldung Agenzia Stefani: Der Chef des A dmiralstabs teilt mit: Unsere Seestreitkräste führten am 5. Juni mehrere Unternehmungen gegen * den Feind in der mittleren und unteren Adria aus, zerschnitten das ns.„das die Inseln des dalmatischen Archipels verbindet, zerstörten sechs Leuchttürme mit Semaphoranlagen, bom— bardierten ädigten schwer die Eisenbahnlinie zwischen Cattaxo und 2 a. Einer unserer Torpedojäger, der am gleichen Tage in der oberen Adria erfolglos von einem österreichisch⸗ ungarischen Flugzeug angegriffen wurde, beschoß erneut Mon⸗ salcone und versenkte drei mit Waren beladene Barken. Größere Schiffe, die den Torpedojäger unterstützten, kreuzten in denselben Gewässern, ohne den Feind zu sehen. Gez. Thaon de Revel. Wien, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ pressebureau wird gemeldet: Am 5. Juni erschienen einige ital ie⸗ nische Kreuzer und Zerstörer in den dalmatinischen Gewässern. Das Ziel der feindlichen Unternehmung war die Beschießung der Eifenbahn bei Mihonice, sowie einzelner Leucht⸗ türme und Leuchthatuser auf den Inseln Lissa, Lagosta und Gazza. Die beschossenen Objekte wurden nur leicht beschädigt. ** Die Kämpfe an den dardanellen. Konstantinopel, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Zu⸗ verlässigen Nachrichten von den Dardanellen zufolge wagte der Feind nach der im gestrigen amtlichen Communiqus gemeldeten Niederlage keine Aktion zu unternehmen. Gestern nachmit⸗ tag herrschte auf der ganzen Front Ruhe. Die in. der letzten Zeit in issen Stadtvierteln von Konstantinopel bemerkten ierigkeiten in der Brotversorgung, die ins⸗ besondere auf die von zahlreichen Familien vorgenommenen Angst⸗ käufe zurückzuführen sind, sind nunmehr geschwunden. Sämtliche Bäckereien verfügen über genügende Brotvorräte. Der Bürger⸗ meister von Konstantinopel hat in dieser Hinsicht sehr berühigende Erklärungen abgegeben. Er 177 jegliche Besorgnis sei unbe⸗ gründet, da die Präfektur alle notwendigen Maßnahmen er⸗ griffen habe, und außerdem verspreche die nächste Ernte ein der⸗ art reichliches Erträgnis, daß nicht nur der Bedarf der Türkei ge⸗ deckt sein, sondern noch eine große Menge für die Ausfuhr zur . 75 werde... onstantinopel, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Große Hauptquartier teilt mit: An der Dar⸗ darnellenfront zerstörte unsere Artillerie bei Ari Bur nu eine feindliche Stellung, von welcher aus Bomben geworfen wurden, und die anstoßenden Schützengräben. Bei Sedd⸗ül⸗ Bahr 1 der nach den letzten vergeblichen Angriffsversuchen erschöpfte Feind keinerlei Tätigkeit. Unsere Batterien auf dem asiatischen Ufer beschossen gestern die er⸗ matteten feindlichen Truppen in der Gegend Sedd⸗ül⸗Bahr, ihre Artilleriestellungen und Munitionstransporte wirksam und brachten eine Batterie zum Schweigen. Gestern haben zwei feindliche Kreuzer die Ortschaft Ajanos, südlich von Dikeli gegenüber Mytilene, vergeblich beschossen und dann ein Dampfbeiboot mit Soldaten in den Hafen geschickt, welches die dort befindlichen Boote wegzuschleppen versuchen sollte. Vom Ufer wurde jedoch auf das Boot gefeuert, welches infolgedessen strandete. Es wurde durch das Feuer der Kriegs— schiffe versenkt, welche sich zurückzogen, nachdem sie die Be⸗ sutzung des Damyfbeibootes an Bord genommen hatten.— Auf den anderen Fronten nichts von Bedeutung. London 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Das Pressebureau berichtet, daß am Frei⸗ tag früh ein allgemeiner Angriff auf die türkischen schanzungen auf dem südlichen Teile der Halbinsel Gallipoli unternommen wurde, dem Freitag nacht ein zweiter Angriff folgte. Die Alliierten kamen 500 Meter vorwärts, eroberten, i türkische bengrabenlinien auf einer Front von über drei eilen und machten 400 Gefangene. Ueber diese Kämpfe werden folgende Einzelheiten mitgeteilt: Nach heftiger Beschießung mit allen Kanonen, wobei auch die Flotte mitwirkte, stürmten Frei⸗ 0— früh die— auf ein gegebenes Zeichen. Sie hatten sofort auf der ganzen Linie Erfolg außer an einem Punkte, wo die starken Verhaue aus Eisendraht durch die Beschießung nicht zer⸗ stört worden waren. Freitag früh kam die Nachricht, der Feind habe Verstärkungen erhalten und rücke aus der Richtung von Maisoz nach Krithig vor, General Birdwood 1 den An⸗ griff auf die Schützengräben, der abends 10 Uhr erfolgreich durch⸗ geführt wurde. Die Schützengräben wurden während der Nacht ge⸗ halten. Die Türken erlitten schwere Verluste. Am Morgen machte der Feind einen heftigen Gegenangriff und nötigte unsere Mannschaften, die vordersten chützengräben zu räumen. Wir beherrschen noch die Verbindungsgräben. Paris, 7. Juni.(WDB. Nichtamtlich.) Die„Agence Havas“ meldet amtlich: In der Nacht vom g. zum 4. Juni ist der fran⸗ ö sische. Nenn am Eingang einer des Aegäischen Meeres auf eine Minegestoßen. Der mdant, ein Offizier und 64 Matrosen der Wfa ung wurden n einem Torpedobootzerstörer gerettet. Es ist möglich, daß an⸗ dere lleberlebende schwimmend die Küste erreichen konnten und sich in türkischer Gefangenschaft befinden. 0 Die Interessen Rumäniens. Genf, 7. Juni(WTB. Nichtamtlich) Das„Journal e Gensve“ veröffentlicht eine Zuschrift aus rumänischen Kreisen, in der ausgeführt wird, daß die Dardanelleun . Bospoxusfrage für Rumänien die wichtigste Frage sei. Rumäniens Interessen stimmten in dieser Richkung mit denen Oesterreich⸗Ungarns und Deutschlands überein. So⸗ lange die Türkei 2 der Meerenge sei, sei die freie Durch⸗ ahrt infolge der Nebenbuhlerschaft der großen Mächte immer ge⸗ t„ wenn dagegen Rußland sich in Konstantinopel setze, werde es über das icksal Rumäniens entscheiden. Ru⸗ F! 8 8 5 22 werde in Abhängigkeit von Rußland geraten. Dies könne . weder Rumänien noch Vesterteich⸗ Ungarn oder Deutschland an⸗ nehmen. Nicht einmal die Eroberung Siebenbürgens, der Buko⸗ wina oder Bessarabiens könnte für Rumänien die Besitzergreifung Konstantinopels durch Rußland ausgleichen. Trotz aller Versuche ö des Dreiverbandes, Rumänien zur Intervention zu veranlassen, werde es nicht eingreifen, denn unter den jetzigen Umständen 8 würde dies einen Selbstmord Rumäniens bedeuten. 5 8 Die Teuerung in Rußland. Petersburg, 7. Juni.(WTB. Nichtamtl.)„Rjetsch“ meldet aus Aar unter dem 29. Mai: Heute ist das leisch im Einzelverkauf mit 90 Kopeken pro Pfund erechnet worden. In normalen Zeiten kostete das Pfund nur 15 Kopeken. Der Ans tausch von Kriegsgefangenen zwischen Deutschland und Rußland. Petersburg, 7. Juni.(Wi Nichtamtlich.) Meldung der Petersburger Tele„Agentur. Der Austausch von in validen Kri sangenen in Deutschland ist in letzter Stunde wieder an den Forderungen und Weiterungen gescheitert. Jetzt sind alle Be de e eingestellt worden. Anmerkung des WT.) Diese Meldung ist durchaus un zutreffend. Die Deutsche Regierung hat im Interesse der Menschlichkeit die Be⸗ nutzung des Seeweges für die auszutausenden Gefangenen vor⸗ — um 1 die Qual eines langen Landtransportes zu a 5 Die ruf 8 hat dies abgelehnt. . Die Ber⸗ handl werden von Deutschland nach wi— 1 get. De auch die schwedische se wegen. eds f 92 55 werden muß, so werden sie borcussichtlich noch einige 5 Die russischen Finanzen. Berlin, 8. Juni. Ein Kopenhagener Korrespondent der „Vossischen Zeitung“ will wissen, daß nach der dem russischen Ministerrat vom Finanzminister soeben vorgelegten Uebersicht die russischen Staatseinnahmen von Anfang Januar bis gegen 580 Millionen Rubel für den gleichen Zeitraum des Vorjahres betragen. Die Anzahl der Konkurse habe um rund 30 Prozent zugenommen, die Summe der prvtestierten Wechsel um 42 Prozent. *** Eine Ministerkrisis in Frankreich? Berlin, 8. Juni. Mit der Möglichkeit einer Mi⸗ nisterkrise in Frankreich rechnet eine Meldung verschie⸗ dener Morgenblätter aus dem Haag, welche lautet: Hiesige diplomatische Kreise erzählen von einer latenten Minister⸗ krise in Paris. Leon Bourgeois gilt als künftiger Mi⸗ nister des Aeußern, Caillaux als Finanzminister. Spanien rollt die Gibraltarfrage auf? Berlin, 8. Juni. Der Madrider„Imparcial“ berichtet laut„Vossischer Zeitung“, Spanien habe an England das Ersuchen zur Aufnahme von freundschaftlichen Vorbesprechungen über die Gibraltarfrage ge⸗ richtet. Gefechte am Tigris. London, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Das Presse⸗ bureau berichtet über Gefechte am Tigris: Die eng⸗ lische Truppenmacht besetzte am 3. Juni Amara. Der Gouverneur und über 700 Soldaten ergaben sich. Diese gehörten zu der türkischen Vorhut, die sich vom persischen Gebiet zurückgezogen hat, als sie von einer englischen Ko⸗ lonne verfolgt wurde. Die Haupttruppe, welche ihr folgte, wurde in dem morastigen Gelände zerstreut. Wir nahmen. insgesamt 2000 Mann gefangen und erbeuteten 7 Feld⸗ kanonen, ferner 6 Schiffskanonen von dem Kanonenboot „Marmarie“, vier Flußdampfer, 12 große stählerne Scha⸗ luppen und eine Anzahl von Gewehren und allerlei Mu⸗ nition. Man erwartet, daß sich noch mehr Truppen er⸗ geben. Von sechs Deutschen, die sich bei den Türken befanden, wurden drei gefangen genommen und zwei durch Araber getötet. Wo der sechste blieb, weiß man nicht. Die Erkrankung des Königs der Hellenen. Athen, 5. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) 2 Uhr 40 Min. nachmittags.(Verspätet eingetroffen) Der König unterzog sich heute früh einer Operation, welche einstimmig von den Aerz— ten nach einer vorangegangenen Beratung beschlossen worden war. Die Operation bestand in der Entfernung eines Rippenteils von 7 Zentimeter mit örtlicher Anästhesie. Es wurde im unteren Teil des Brustkastens eine Höhlung aufgedeckt, welche eiterige, häutige Substanzen enthielt, welche entfernt wurden. Auf diese Weise wurde der freie Zugang zu der äußeren Seite der Höhlung hergestellt. Der Eindruck, den die Operation hervorrief, überzeugte die an⸗ wurde unter günstigeren Bedingungen durchgeführt, als wenn. man sie während der Krise vorgenommen hätte. Der König hielt 5 2 ausgezeichnet aus und war gleich nachher in guter erfassung. Athen, 5, Juni.(WTB. Nichtamtlich.) 9 Uhr 40 Min. abends.(Verspätet eingetroffen.) Das Bulletin von ½8 Uhr abends über das Befinden des Königs lautet: Temperatur 40.2, Puls 121 bis 133. Die Aerzte erklären die Erhöhung der Tem⸗ peratur mit dem durch die Operation hervorgerufenen Rückschlag. — Zustand ruft keine augenblickliche Befürchtung er vor. der Seekrieg. London, 7. Juni.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Dampfer„Dulwichhead“ ist bei Leith von einem deutschen Unterseeboot torpediert und versenkt worden. Nach einer Lloydmeldung aus Peter⸗ head ist der englische Fischdampfer„Persimon? 255 Ton⸗ nen groß, gestern ungefähr 50 Meilen nordöstlich Buchan Neß, beschossen und versenkt worden. Die Besatzung wurde in Grimsby elandet. Nach derselben Quelle wurden am Samstag die Fisch⸗ ampfer 7 und„Curlew“ 25 Meilen von Pe- terhead entfernt durch ein deutsches Unterseeboot versenkt. Die Be⸗ satzungen sind gerettet. 5 5 London,(. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der britische Dampfer„Star of West“ ist von einem deutschen Unterseeboot versenkt worden. Die Besatzung ist in Aberdeen gelandet worden. London, 7. Junj.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus, Die englische Bark„Sunlight“ ist gestern abend an der Irischen Küste durch ein deutsches Untersee⸗ boot torpediert worden. Die Besatzung wurde von einem Fischdampfer aufgenommen und heute früh in Queestown gelandet: — Ein deutsches Unterseeboot* den Fischdampfer „Dromio“. Die Besatzung Gee und in Peterhead Aus den Reiche. Fürth, 6. Juni.(WTB. Nichtamtlich.) Der heutigen 25. Jubiläumstagung des Bayerischen Kanaltages wohnte auch König Ludwig bei, den der Vorsitzende Geheimrat Schuh begrüßte. Der Minister des Innern Frei⸗ 15 von Soden beglückwünschte den Verein zur Jubi⸗ umstagung. Er brachte die Unterstützung der Staats⸗ regierung für die Bestrebungen der Fluß⸗ und Kanal⸗ schiffahrt in Bayern in Erinnerung und wies besonders auf die Frage der Mainka na lisierung von Aschaffenburg stromaufwärts hin. Der Minister er⸗ wähnte ferner die Bitte des Vereins um baldige Vorlage der in Aussicht gestellten Denkschrift über die Hebung des Mainschiffahrtsverkehrs. Er versicherte, daß die Regie- rung ihr Möglichstes tun win um die durch den beben roßen nationalen Krieg gestörten Arbeiten zu sbr ern. Nach einem Vortrag des Reallehrers Müller(Nürn⸗ berg) über den Nürnberg⸗Fürther Güterverkehr und die Bedeutung der erstrebten bayrischen Großschiffahrtsstraße für diesen Verkehr verließ der König unter stürmischen Hochrufen der Versammlung das Lokal. Senator Meier (Hameln) sprach über die norddeutschen Kanalprojekte. So⸗ dann schloß der Vorsitzende die Tagung. Bei dem Festmahl, das sodann im Parkhotel abgehalten wurde, hielt Hönig Ludwig eine Rede, in der er die Hoffnung ausdrückte, daß wir in West und Ost, wie auch im Süden den Sieg erringen und daß eine Stärkung des Reichs und seiner 22 Verbündeten das Ergebnis des langen Krieges sein werde. Aus Stadt und Cand. Gießen, 8. Juni 1915. * Staatssteuer. Durch ministerielle Verfügung ist bestimmt worden, daß mit icht kuf die verspätete Aus⸗ gabe der diesjährigen Staatssteu, lin der Stadt Gießen das 1. Ziel noch bis zum 19. d. Mts. einschließ⸗ lich ohne Mahnkosten an Großh. Bezirkskasse 1— Senckenbergstraße— bezahlt werden kann. Mehr Höflichkeit gegen die Beauftrag⸗ ten vaterländischer Sammlungen scheint, wie wir aus uns gewordenen Mitteilungen schließen, einem wenn auch kleinen Teile des Publikums empfohlen werden zu Anfang April be. Je. nur xund 379 Millionen Rubel müssen. Es ist vorgekommen, daß man jungen Damen, die wesenden Aerzte von der Notwendigkeit der Operation, denn sie nuar d. J. ein Nan ihrer Sammeltätigkeit oblagen, unter Gro Türe gewiesen hat. Wenn der vaterländische. Geist die L treffenden auch nicht zur Spendung eines Scherfleins unsere Tapferen treibt, so sollte er sie doch wenigstens zun Achtung vor denen erziehen, die sich selbstlos in den Dienst einer nicht immer angenehmen Aufgabe der Nächstenliebe stellen. Zumal bei der herrschenden Witterung ist es keine Kleinigkeit, die Sammelbüchse stundenlang treppauf, treppab zu tragen. Eine ablehnende Haltung läßt sich, wenn man sie nun einmal motivieren zu können glaubt, auch in verbind⸗ liche Worte fassen. 8 2 * Der Bezirk Gießen Gabelsberger Steno graphen hielt am Sonntag seine Frühjahrs-Vertreter⸗ versammlung, verbunden mit Wettschreiben, im„Metro- pol“ ab. Den Bericht über letzteres mußten wir aus Raunimangel für die morgige Nummer zurückstellen. * Unsere Schwalben. Ein Naturfreund tritt in einer Zuschrift an uns warm für die Schwalben ein. Er schreibt uns: Die erste Brut der Schwalben das Nest verlassen, und man sieht besonders am Abend große Anzahl der leichtbeschwingten Vögel sich in der luft über den Häusern der Stadt in schnellem Fluge tum⸗ meln. Die Jungen lernen rasch das Fliegen und kennen bald auch die gefährlichen Hindernisse, die Obae„die Bäume und die Telegraphendrähte, die sie in raschen Wendungen meiden. Die Alten schreiten zur zweiten Brut, und auch die Jungen beginnen bald mit dem Bau der Nester. Bei der großen Trockenheit finden sie aber das Material nicht, das sie zum Bau des Nestes brauchen. Es ist daher ratsam, im Garten und Hof einen Platz öfters zu be⸗ gießen, damit die Erde naß und frisch bleibt und sich eine kleine Pfütze bildet. Der aufmerksame Beobachter wird dann bald zu seiner Freude sehen, wie die Schwalben rasch herankommen und das Baumaterial im Schnabel forttragen. In unserer Jugendzeit hatten wir oft Gelegenheit, in einem einzigen Stalle 5—6 Schwalbennester zu zählen, an einem einzigen Hause manchmal sogar bis zu 20; heute aber ist ein einziges Schwalbennest am Hause eine Seltenheit im ganzen Dorfe; im Entstehen begriffen, werden sie heruntergestoßen, damit nur keine Verunreinigung des Hauses und seiner Um⸗ gebung stattfindet; auch im Stall will man vielfach die Schwalben nicht mehr dulden. Was seit des alten Tobias Zeiten nichtz gescheut wurde, will man heute nicht mehr dulden. Das sollte anders werden, damit die nützlichen Schwalben, die doch der Feinde genug haben, wieder zahl⸗ reicher werden. Darum Schutz und Pflege der lieb⸗ lichen Schwalbe, dem Segler der Lüfte, dem nützlichen Sommervogel! 5 Landkreis Gießen. „Heuchelheim, 8. Juni. Wie bekannt, ist in den Räumen des dazu sehr geeigneten Windhofs seit Ja⸗ arett untergebracht, das be⸗ sonders als Erholungsheim für solche verwundete und erkrankte Krieger gedacht ist, die soweit wiederhergestellt sind, daß sie voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder zu ihren Truppenteilen zurückkehren können. Um diesen noch ell Mannschaften das Abendessen etwas vollkommener un abwechselungsreicher zu Pee wird ihnen a gewöhnlich zweimal eine Mahlzeit egeben, die von einer Anzahl Feen Frauen und Jung⸗ rauen zubereitet wird. Die zu diesem Zwecke notwendigen Mittel wurden in dankenswerter Weise zum großen Teil von der hiesigen Bevölkerung aufgebracht, doch auch von außerhalb liefen schon wiederholt erkleckliche Spenden so⸗ wohl an Geld als auch an Naturalien ein. Zur Ergänzung der auf die Neige gehenden Speisevorräte wurde auf Ver⸗ anlassung des Ortsausschusses vom„Roten Kreuz“ am vergangenen Sonntag abermals eine Ortssammlung vorgenommen. Es wurden über 30 Mk. an barem Gelde, nahe an 30 Pfd. an Fleisch- und Wurstwaren, sowie neun Töpfe und Gläser an eingekochtem Obstmus und Gelee und Zigarren gespendet. Wie verlautet, soll am Nachmittag des kommenden Sonnta, 55 dem Windhof ein von der Kapelle des Gießener Landsturmbataillons ausgeführtes Konzert stattfinden. Heuchelheim, 8. Juni. Wenn sich jetzt bei Beginn der Heuernte ein ganz besonders fühlbarer 2. an Ar⸗ beitskräften ergibt, so kann das nicht verwunderlich er⸗ scheinen, beträgt doch die Zahl der bis heute zur Fahne einberufenen Heuchelheimer rund 330. Von diesen fielen bisher im Kampfe fürs Vaterland 18. Ueber 40 wurden verwundet, darunter mehrere schon zweimal, Drei gerieten in französische bzw. russische Gefangenschaft. Ungewiß ist das Schicksal von sechs Leuten, die als vermißt gemeldet wurden. Erfreulich und ehrend ist auch die Zahl der Auszeichnungen, die Heuchelheimer Kriegern zu⸗ erkannt wurden. So erhielten das„Eiserne Kreuz“: Unterofsizier Kreiling, Vizefeldwebel Kreiling, Un⸗ terarzt Dietz, Gefreiter Dietz, Leutnant d. R. Kiß ler, Vizefeldwebel Ld. Seipp, Wehrmann Schlotzhauer, Wehrmann Lückel, Leutnant d. R. Gilbert, Leutnant d. L. Schneider, Wachtmeister Schäfer, Leutnant d. R. Gräber. Die hessische TTapferkeitsmedaille“ ziert die Unteroffiziere d. R. Otto und Hermann Kreiling, den Musketier J. Hofmann, sowie den Vizefeldwebel d. L. K. Rinn. Der Landwehrmann Gefr. Friedr. Reuschling erhielt das Sanitätskreuz.. Treis a, d. Lda., 5. Juni. Der Gardist im 1 1 i Heinrich Becker von hier hat neben der hessischen Tapferkeitsmedaille auch das Eiserne Kreuz erhalten.— In der in drei hiesigen Gehöften ausgebrochenen Maul⸗ und Klauenseuche ist das Fahren mit Rindvieh innerhalb der Ge⸗ markung verboten. Dies Verbot trifft die Landwirte sehr hart: da nur noch wenige Pferde im Dorfe sind und die von den Pferde⸗ besitzern bereitwilligst geleistete Aushilfe doch nicht für alle Vieh⸗ besitzer ausreicht, so muß das Grünfutter mit Schubkarren oder auf dem Kopfe heimgeholt werden, was eine große Vergeudung von Zeit und Kraft bedeutet. Seitens ber hören, versucht werden, statt der Gemarkungssperre die Gehöftesperre b was bei derselben Sicher⸗ it gegen Weiterverbreitung Seuche für die Mehrzahl der ndwirte eine große Erleichterung bedeuten würde, zumal in vielen Haushaltungen jetzt die Hauptarbeitslast auf den Frauen liegt, da die Männer beim Heer stehen.— von dem hiesigen 2. Lehrer vor etwa zwei Jahren gegen die hiesige Gemeinde an⸗ strengte Rechtsstreit wegen widerrechtlicher Vorenthaltung der lblösungsgelder von 416 Mark für eine ihm zustehende Holz⸗ berechtigung ist zugunsten des Lehrers entschieden worden. Die mehrere Hundert Mark; 1 Kosten des Rechtsstreites sind der Gemeinde zur Last gefallen. Daraufhin hat der 3. Lehrer, dem die gleiche Ablöfungssumme zusteht, der aber mit seinen Ansprüchen den 7— des erstgenannten Rechtsstreites abge⸗ wartet hat, seine Forderung glatt ausbezahlt erhalten. Die schwe⸗ bende Klage des 4. Lehrers wegen derselben Angelegenheit ist i schieden, wird aber wohl auch nicht anders ausfallen t Rae des ersten Lehrers. Bellersheim, 6. Juni. Heute sprach in der hie⸗ sigen Kirche Missionar Stahl über seine Erlebnisse in. englischer Gefangen 41 Herr Stahl, der 14 Jahre in Kamerun tätig war, kehrte b des Krieges von einem Erholungsurlaub in sein Wi nach Duala, zurück und wurde hier von n Eng n 7 13 3 Abenb⸗ Gemeindebehörde soll, wie win 9 4 g a * 5 1 4 5 f J 5 1 1 1 ö 1 ö 0 äge und Vorräte von Lebensmitteln für igen Zweigverein vom Roten Kreuz, der a Rodheim, 6. Juni. Die diesjährige Bezirks ver⸗ sammlung des irkskriegervereins Hungen fand am Sonn⸗ tag nachmittag zu Rodheim bei dem Kameraden Gastwirt Roth statt. Fast sämtliche Vereine des Bezirks außer Langd, Berstadt und Utphe hatten Vertreter entsandt. Nachdem der Bezirksvor⸗ sitzende, Lehrer Metz, Hungen, durch eine auf die Kriegslage bezugnehmende Ansprache die Versammlung eröffnet und der Vor⸗ sitzende des enn Kriegervereins die Vertreter begrüßt hatte, schritt man zur Beratung der Tagesordnung. Besonders wurde empfehlend hingewiesen auf das Sammelwerk des Hassiaverbandes und auf die so notwendige Verbreitung des„Hess. Kameraden“ bei den Mitgliedern der Vereine. Nach Erledigung der Tages⸗ ordmung und der Wahl eines Vertreters für die diesjährige Tagung des Hassiaverbands zu Worms schloß der Vorsitzende die Ver⸗ sammlung. f Kreis Lauterbach. * Ilbeshausen, 7. Juni. Vor dem Feinde sand den Heldentod fürs Vaterland der Musketier Jo st im Infanterie-Regi⸗ ment 225, 5. Kompagnie, im Alter von 25 Jahren. Er ist das neunte Opfer, das der Krieg aus unserer Gemeinde gefordert hat. Bermutsllain, 6. Juni. Ein bedauerlicker Unfall Fedder sich vorgestern auf der Landstraße Hartmannshain Grebenhain, unweit der Eisenbahnbrücke, östlich der Holzverlade⸗ „ stelle Oberwald. Ten beiden Töchtern des Bürgermeisters J ost bier gingen auf der Heimfahrt an genannter Stelle die Hühe durch. Die jüngste 19jährige Tochter sprang in der Absicht, die Kühe zum Halten zu bringen, vom Wagen, kam jedoch so unglück⸗ lich zu Fall, daß ihr der Wagen über die Brust ging und sie schwer verletzt nach Hause gebracht werden mußte. Kreis Schotten. Schotten, 5. Juni. Der Offizierstellvertreter Heinrich Lippert, dem früher schon das Eiserne Kreuz zuerkannt wurde, erhielt die hessische Tapferkeitsmedaille. Dieselbe Aus⸗ N. erhielt der Kanonier Georg Schwalb im Feld⸗Art.⸗ Regt. Nr. 56. Gleichzeitig wurde er zum Unteroffizier und Ge⸗ (übfagre befördert. 91 Ober⸗-Seemen, 5. Juni. Der Vorstand der hiesigen Spar⸗ und Darlehnskasse hat an den Ortsausschu vom„Roten Kreuz“ die Summe von insgesamt 410 Mar aus Uueberschüssen des letzten Jahres überwiesen. Auch an die Ausschüsse der beiden Nachbargemeinden Mittel- und Nieder⸗ Seemen wurden schöne Beiträge abgeführt. An 100 Kriegsteil⸗ nehmer wurden Weihnachtspakete im Werte von je 6 Mark ver⸗ sandt, ebenso wurde ein Wurstquantum von ca. 4 Zentner einst⸗ weilen für spätere Versendung angekauft. An den Landesverein vom Roten Kreuz wurden bis jetzt 750 Mk. abgesandt. 8 Kreis Friedberg. Butzbach, 8. Juni. In der letzten Gemeinderats⸗ sitzung wurde die Feststellung des Vexteilungsmaßstabes für die Gemeindesteuer in 1915 beraten. Zu erheben sind insgesamt rund 115 000 Mk. Durch sparsame Aufstellung des Voranschlages für 1915 und wegen des 1 7 daß für Zersen und Tilgung älterer Kriegsschulden 4100 Mk. weniger zur Erhebung kommen und der guten Geschäftskonjunktur einzelner Gewerbe, ermäßigt sich der Ausschlagsloessizient gegen das Vorjahr um 6,77 Pfg. auf 1 Mk. staatl. 1 77 und 1,1 3 auf 100 Mk. Ver⸗ mögen. Es kommen sonach im ganzen auf 1 Mk. staatl. Ein⸗ kommensteuer 117,675 Proz.(gegen 124,845 Proz.) und 18,845 jg,(gegen 19,988 Pfg.) auf 10) Mk. Vermögen zur Erhebung. llzen sich erhebliche Mehrausgaben, als vorgeseben, ergeben, und ü weitere unumgängliche Ausgaben nötig sein, so würde ie Gemeindesteuer in 1916 naturgemäß wieder steigen.— Nach dem Voranschlag für die Real schule für 1915 leistet die* einen Zuschuß von 8544 Mk, also etwas weniger als bisher. Voranschlag wurde einstimmig gut geheißen.— Der Vertrag mit der Zellenstrafanstalt über Abgabe von elektr. Strom fand ein⸗ E e f n und der von andwirtschaftskammer zugestandene Beitrag angefordert werden. N 1 ee und Rheinhessen. rovinziallandtag von Starkenburg. O Darmstadt, 6. Juni. Der ae für die Provinz Starkenburg trat gestern nachmittag zu seiner Jah⸗ resversammlung zusammen. Der Vorsitzende, vinzialdirektor Geh. Rat Fay, begrüßte die Erschienenen und gedachte dabei besonders der im Felde stehenden Mitglieder. Er wies dann auf die Heldentaten der deutschen Truppen und auf die Aufgabe der Daheimgebliebenen hin, unser ganzes Wirtschaftsleben aufrecht u erhalten und unter Mitwirkung der Frauen die Fürsorge und Wohlfahrtspflege durchzuführen. a Die finanzielle Lage der Provinz sei günstig, es sei im Jahre 1913 ein sehr erheblicher Ueberschuß erzielt worden. Die Unterhaltungslosten der Kreisstraßen erforderten bei einer Länge von 1753 Kilometer 959 282 Mark, 96 646 Mark weniger als im Vorjahre. Die Provinzialpflegeanstalt erforderte infolge Verteuerung der Lebensmittel einen um 16000 Mark höheren Zuschuß, im ganzen 917700 Mark. Die Provinziglumlagen 7 zu⸗ mit 520000 Mark dieselben geblieben, wie im Vorjahr. Bergstraßenbahnprojekt haben jetzt alle Gemeinden gestimmt, und es kann, sobald der Krieg beendet ist, diese Anlage . Ausführung kommen. In der Provinzialpflegeanstalt ist Reservelazarett für Verwundete eingerichtet worden und es soll jetzt auch für solche Kriegsbeschädigte, welche dauernd nur ganz gering erwerbsfähig oder dauernd krank oder gelähmt sind, n besonderes Heim in der Anstalt errichtet werden, in welcher auch nicht der Provinz Angehörige Aufnahme finden en. Der vaterländischen Sache der Jugendwehren sollen aus e e e e e 1 er im Felde e aus ro⸗ und die Versammlung ehrte das Andenken der Gefallenen Kreises vielfach unter dem Als Provinzialbaubeamter ist Baurat Prof. Knapp an die Stelle des nach Mainz berufenen Baurats Balz getreten. Das Andenken an den verstorbenen Bürgermeister Metzger⸗Langen wird durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Vorsitzende erläuterte danach den Verwaltungs. bericht und den der Provinzialpflegeanstalt für 1913. Die Gesamteinnahmen des ersteren betragen 978619 Mk.(im Vorjahr 823 462 Mk.), die Ausgaben 657340 Mk., so daß ein Rest von 321279 Mk. verbleibt bei einem Reinüberschuß von 147 263 Mk. Ersparnisse wurden besonders beim Bau und der Unterhaltung von Straßen gemacht, da bei der Verteuerung der Arbeiten durch den Krieg nur das unbedingt Notwendige aus⸗ Faust wurde. Das Vermögen der Provinz beträgt 1089 072 ark, die Schulden stellen sich auf 1 442 259 Mk. Die Rechnung der Provinzialpflegeanstalt schließt mit 217495 Mk. Einnahme und 181 841 Mk. Ausgabe ab. Gegen diese Rechnungen wurden Einwendungen nicht erhoben, Sie sind vom Ausschußmitglied Dr. Bernbeck für richtig befunden worden und werden noch der Oberrechnungskammer vorgelegt. Es folgte die Feststellung der Voranschläge für 1915. Der der Provinzialkasse bilanziert in Einnahme und Ausgabe mit 703 097 Mk., der der Pflegeanstalt mit 238 814 Mk. Da die Pro⸗ vinzen Rheinhessen und Oberhessen die bisher aus ihren je 20000 Mark betragenden Staatszuschüssen für die Pflegeanstalt bewillig⸗ ten je 5000 Mark für das neue Jahr nicht zahlen wollen, wurde auf Antrag des Bürgermeisters Nuß Gernsheim nach einigen Ausführungen des Abg. Dr. Osann und des Beig. Porth⸗ d Offenbach beschlossen, bei der Regierung um Bewilligung dieser 10 000 Mk. vorstellig zu werden. Auf eine Anfrage des Oekonomie⸗ rats Walter⸗Lengfeld über die Heranziehung zu den Verpftegungs⸗ kosten im Kreise Dieburg wurde beschlossen, die ac auf genaue Auslegung des Regulativs zu berücksichtigen. e N sammlung erklärte sich weiter damit einverstanden, daß für die Errrichtung des besonderen Heims für Erwerbsunfähige oder dauernd Kranke und Gelähmte, sowie zur Erweiterung des Werkstätten⸗ und des landwirtschaftlichen Betriebes behufs Wieder⸗ erlangung der Erwerbsfähigkeit von Kriegsbeschädigten aus Mit- teln der Provinz ein Betrag bis zu 60 000 Mark verwendet werden soll. Zu bürgerlichen Mitgliedern der Oberersatzkommission für den 2 Bezirk der 49. Infanterie⸗Brigade wurden die ausscheiden⸗ den Mitglieder 1 und Kammer⸗ direktor Baur-Lindenfels wiedergewählt. rb. Darmstadt, 7. Juni. Der Verband der Er⸗ werbs⸗ und Wirtschaftsgenossenschaften für die Provinzen Starkenburg und Oberhessen hielt gestern nachmittag im Kaisersaal hierselbst seinen 47. Verbands ⸗ tag ab, der recht gut von Vertretern der beiden Provinzen be⸗ sucht war: als Vertreter der Regierung war Ministerialrat Schliephake zugegen. Der Vorsitzende, Verbandsdirektor Stein ⸗Darmstadt, begrüßte die Versammlung und erstattete dann den Bericht über das verflossene Verbandsjahr. Es wird darin festgestellt, daß die wirtschaftliche Arbeit des Verbandes in der* 1 sehr ersprießlich war und sich auf solider und geordneter sis bewegte. Der Verband zählte am 31. Dezember 1914 22 Kreditgenossenschaften mit 9318 Mitgliedern, wovon 2358 selbständige Handwerker, 1600 selbständige Landwirte und 800 selbständige Kaufleute sind; die Zahl der übrigen Mitglieder verteilt sich auf andere selbständige und unselbständige Berufe. Der Umsatz betrug im Jahre 1914 von einer Seite des Hauptbuchs 106 000 Mk., die Geschäftsguthaben stellten sich auf rund 3 520 000 Mk., die Reserven auf rund 1 850 000 Mk. Das Betriebskapital setzte sich zusammen aus: Eigenes Vermögen rund 5 400 000 Mk, fremdes Kapital rund 21 200 000 Mk. Neue Kredite wurden 14 Vereinen im Gesamtbetrag von 1 325 000 Mk. gewährt. e stellten sich für Wechsel, Darlehen auf Schuldschein Kr. in lauf Rechnung bis zu 6½ bis 7 Prozent, doch gab es auch Vereine, die es bei hypothekaxischen Darlehen bei den bisherigen niederen Sätzen von 4½—4½ Pro⸗ ent bewenden ließen. Der Verband war stets in der Lage, seinen Mitliedern das weitgehendste Entgegenkommen zu erweisen und trotz der Kriegslage waren die Erträgnisse der Kassen auch während des ersten Kriegshalbjahres befriedigend. Die Dividenden der an⸗ geschlossenen Genossenschaften betrugen für 1914 durchschnittlich 5 Proz. Gleichzeitig wurden auch die Reserpen gestärkt. Von dem Reingewinn der Genossenschaften wurden 173 354 Mk. für Di⸗ videnden verwandt und 112 940 Mk. den Reserven—— Der Reichsverbandsanwalt Justizrat Dr. Crüger⸗Charlotten⸗ burg erstattete ein längeres Referat über die günstige Lage und die stete Entwickelung des Genossenschaftswesens. Es sind zurzeit in Deutschland 17000 Kreditgenossenschaften mit 2 500 Mit⸗ gliedern vorhanden, und bei ihren 4½ Milliarden fremder Gelder angelegt. Nach dem Bericht des Verbandsrevisors erstattete Rechner Roll den Rechenschaftsbericht. Nach Feststellung des Voran⸗ schlags wurden Direktor Stein und sein Stellvertreter Direktor Habicht einstimmig wiedergewählt. Für die nächstjährige Ta⸗ gung wurde Groß-Gerau bestimmt. i Hessen⸗Nassau. b. Eddersheim, 7. Juni. Bei einer Boots sahrt auf dem Main stießen gestern auf der Höhe von Eddersheim zwei Boote mit solcher Wucht zusammen, daß der Arbeiter Heinrich Weiß aus Hattersheim aus seinen Kahn geschleudert wurde und im Main ertrank. g 0 — Wiesbaden, 7. Juni. In dem Saalbau der Turn⸗ esellschaft Wiesbaden tagte gestern der erweiterte Kreisaus⸗ Ius des Mittelrhein⸗Turnkreises. Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende, Schulrat Schmuck, Darmstadt, der fürs Vaterland Gefallenen und insbesondere guch des bisherigen Schriftleiters der Kreiszeitung, Prof. Wamser. Nach dem vorgetragenen Bericht zählte der Kreis am 1. Januar 1915= 1489 Vereine(eine Zunahme von 80 Vereinen), mit 135 922 Mitgliedern über 14 Jahren gegen 141 939 im Jahre vorher. Steuerpflichtige Mitglieder sind es 108 743, im Vorjahre 113 784. Turnende Frauen und Mädchen zählt der Kreis 4546. Auch hier ist ein Rückgang von 563 zu verzeichnen. Ebenso be⸗ darf das Zöglingsturnen mehr Aufmerksamkeit. Bei der mili⸗ tärischen Vorbereitung der Jugend wirken die Turnvereine eifrig mit. Eine stattliche Anzahk unserer kämpfenden Turngenossen besitzt das Eiserne Kreuz 2. Klasse und viele schmückt bereits das 1. Klasse. Am 1. Januar 1915 standen 46848 Turngenossen des Kreises unter den Waffen, deren Zahl sich jetzt auf über 50 000 erhöht haben dürfte. Nach dem Bericht des Kreisturnwartes Volze, Frankfurt, hatten die turnerischen Veranstaltungen des Kriege zu leiden. An größeren Ver⸗ anstaltungen— Kampfbahn in Berlin, Turnfeste in Luxemburg, Genua— war der Kreis hervorragend beteiligt. Das Feldbergfest mußte wegen schlechten Wetters abgebrochen werden, Spicherer Bergfest und Rhönbergfest konnten infolge des Krieges“ nicht statt⸗ finden. Von verschiedenen Seiten wird für die Schaffung neuer und Förderung bereits bestehender Landsturmriegen ein⸗ getreten. Bei dem Stoff für die militärische Vorbereitung der Ju⸗ gend, an der die Turnvereine hervorragenden Anteil haben, wird mehr Berücksichtigung des turnerischen Teiles gewünscht. Einen ein⸗ gehenden Vortrag über diesen Gegenstand hielt Kleber, Biebrich, wobei folgende Resolution einstimmig zur Annahme gelangte: Mit Bezug auf die militärische Vorbereitung der Jugend er⸗ klärt die heutige Versammlung: Die erweiterte Kreisausschuß⸗ sitzung hält es für selbstverständlich, daß die Jugendlichen seiner Kreisvereine vom 16. bis 20. Lebensjahre an der staatlichen militärischen Vorbereitung der Jugend während der Kriegszeit teilnehmen. Sie erwartet, daß später dem deutschen Turnen wegen seiner Vielseitigkeit und Eigenart die ihm gebührende Bedeutung für die r der Jugend wieder zugesprochen wird.“ u einem Antrag Eidtmann⸗Gießen wegen Erlasses der kreissteuer während des Krieges erklärt die Versammlung, daß sie gültige Beschlüsse hierüber nicht fassen könne. Mit herzlichen Dankesworten an die im Felde stehenden Turnbrüder und der sicheren Hoffnung, daß unser germanisches Volk mit den ihm 1 Kulturaufgaben 3 und stark aus dem blutigen * hervorgehen möge, und so das Wort„an deutschem Wesen soll dereinst die Welt genesen“, Wahrheit werde, schloß Schulrat Schmuck mit einem begeistert aufgenommenen Heil“ auf das deutsche Vaterland die Tagung. 5 7. Ver⸗ Gutlechte Lu PTT * N Spart Brotmarken! Gerichtssaal. rb. Darmstadt, 7. Juni. Das Schwurgericht der Provinz Starkenburg begann heute unter Vorsitz des Landgerichts⸗ rats Dr. Maurer seine Verhandlungen mit einer Anklage wegen vorsätzlicher Kindestötung. Die bisher unbe⸗ strafte Dienstmagd Margarete Stein, 19 Jahre alt, aus Jugen⸗ heim a. d. B., war beschuldigt, in ihrer Stellung zu Seeheim ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt im Bett erstickt zu haben. Die Leiche wurde einige Tage später in einem Abortsrohr aufgefunden, nachdem die Angeklagte der Tat bezüchtigt und sie eingestanden hatte. Zu der unter Ausschluß der Oeffentlichkeit geführten Verhandlung war Kreisassistenzarzt Dr. Martin als Suochverständiger und 9 Zeugen geladen. Die Angeklagte war ge⸗ ständig und wurde unter Zubilligung mildernder Umstände zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt, wovon 2 Monate für die Untersuchungshaft in Abzug gebracht werden. a Amtlicher 1 Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Im Westen lagert über Frankreich und England eine De— pression. Der hohe Druck über Deutschland hat etwas an Stärke abgenommen, jedoch dürste eine wesentliche Aenderung unserer Wetterlage nicht eintreten, da die Depression in nordöstlicher Richtung an uns vorüberziehen wird. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 9. Juni 1915: Meist heiter, trocken, warm, östliche Winde. Meieorologische Beobachtungen der Stalson Gießen. 5 2 2 E. 1 S 22 33 2 Juni 2. S SSA 28 2 5 5 8 S SS SA S233 Weltet 1016[E 8E 5 S S 8 68. f 2 2 1. F SEUS ö 123 72% 749,4 27,8 10,6 39 ssW 2 4 Sonnenschein 7. 9% 748,6 22,4 12,5 62 8E 2 00 Klarerpimmel 8.0 7% 48,8 20,5 11,3 63 2 2[Sonnenschein Höchste Temperatur am 6. bis 7. Juni 1915 J 28,8 0, Niedrigste„ 1 1915 + 13,2„ Niederschlag: 0,0 mm. ————jç—— Müllersche Badeanstalt. Wasserwärme der Lahn am 8. Juni 19 R. Letzte Nachrichten Die dritte Schlacht bei Lemberg. i. Köln, 8. Juni. Aus dem K. u. K. Kriegs⸗ pressequartier drahtet man der„Köln. Ztg.“: Die ungeheure Schlacht in Mittelgalizien ist von entschei⸗ dender Bedeutung für den ganzen taten Feld⸗ ug, vielleicht sogar für den Weltkrieg. Wer ie Arbeit der Verbündeten vom August vorigen Jahres bis zum Juni 1915 übersieht, sieht statt der Schicksals⸗ ironie die eiserne Notwendigkeit als Grund dafür an, daß jetzt die Entscheidungsschlacht fast an der gleichen Stelle tobt, an der für unß einmal die Zeit der Prüfung, freilich auch des Emporwachsens, begann. Die Kraft unserer Armeen eröffnet uns Perspektiven, die nicht mehr phan⸗ tastisch genannt werden dürfen. Wir dürfen hoffen, zu sie gen in dem großen Schlachtenkomplex, den man die dritte Schlacht bei Lemberg nennen kann. Die Lage auf dem russischen Kriegsschauplatz. N K. K. Kriegspressequartier, 8. Juni. Auf allen Teilen des russischen Kriegsschauplatzes ist die Lage für uns sehr fünstig. Die russische Front wankt auf der ganzen Zinie von der Weichsel bis an die Ostgrenze. Die Niederlage des Feindes bei Kalusz beginnt ihre Folgen in einer für die Russen gefährlichen Wirkung zu zeigen. Die bei Nadworna bisher im stehenden Kampfe befindlichen Truppen sind ebenfalls zum Fase übergegangen. Gefangene sagten aus, daß die russi⸗ schen Soldaten angesichts der verheerenden Wirkung der Mörser und der 42 er nicht mehr zu halten seien. Tatsächlich leisteten sie auch nur so lange Widerstand, bis die schweren Geschütze die ersten Voll⸗ treffer erzielten; dann wenden sie sich seit der Turchbruchsschlacht stets zur Flucht. Die Niederlage der Engländer bei Sedd⸗ül⸗Bahr. Konstantinopel, 8. Juni. Die Niederlage, welche die Engländer bei Sedd ül Bahr nach zwei tagelangen harten Kämpfen erlitten haben, ist schwerer, als dies nach den amtlichen Berichten scheint. Trotz der anscheinend erheblichen Verstärkungen, die der Feind herangezogen, hat er in vollkommener Auflösung die Flucht ergreifen müssen. Die Engländer haben auch diesmal gezeigt, daß sie den türkischen Angriffen nicht widerstehen können. Außer den bereits im Nahkampf hervorgetretenen ausgezeichneten Eigenschaften des türkischen Soldaten macht sich seine weit über⸗ legene 1 eltend. Die Operationen des Feindes verrgten, seitdem seine 15 Heht „ 7.„ — iffe wegen der Unterseebootsgefahr nicht die Hauptrolle spielen, eine zunehmende Nervosttät und Unsicher⸗ heit.— Ein aus Alexandrien über Saloniki hier einge⸗ troffener Kaufmann erzählt, daß dort 45000 englische und französische Verwundete von den Dardanellen angelangt sind, und daß die Schiffahrt auch im östlichen Mittelmeer unter der Unterseebootgefahr leide. Die Italiener am Isonzo. i. Köln, 8. Juni. Die„Köln. Ztg.“ berichtet aus Kopenhagen:„Berlingske Tidende“ melden aus Rom über London: Die italienische Offensive am Isonzo ent⸗ wickelt sich zu wütenden Kämpfen. Die Oesterreicher ständen in gut befestigten Stellungen und hätten eine kräftige Artillerie. 16875 Beschlagnahme österreichischer und deutscher Schiffe. Genf, 8. Juni. Nach einer Meldung der„Information“ sollen die italien ischen Behörden bis jetzt 57 österreichi⸗ sche und deutsche Schiffe von zusammen 260 710 Tonnen in den wichtigsten italienischen Häfen des Mittelmeeres und der Adria mit Beschlag belegt haben. Ein Vertrag zwischen Schweden und Rußland? Amsterdam, 8. Juni. Aus Stockholm wird gemel⸗ det, daß in der vergangenen Woche in Petersburg ein Ver⸗ trag unterzeichnet worden sei, der sich mit der gegenseitigen Anerkennung der finanziellen, kommerziellen und indu⸗ striellen Interessen Rußlands und Schwedens befaßt. L 2, um Gen ug ano, 8. mi. Serbien t mehrere Ortschaften in Mittelalbanien besetzt und steht 83 mehreren Batail⸗ lonen zwei Tagemärsche von Skutari. der „Corriere della Sera“ erfährt, wäre die stalienische Regierung —.— einverstanden Es wird heuchlerisch erklärt, daß der neue atbestand in Albanien nur provisorischen Charakter habe. Wie neidsisch zu den auffallend Schielen Sie nicht srischen Gardinen Ibrer Nachbarin herüber, sondern holen Sie sosort iin nächsten Laden die 5 uhns Salm.⸗Terp.⸗Kernseise mit Nolband' biermit können Sie den gleichen Esfekt erzielen. Merke die Marke:„Luhns!“ . 5 2 Defenders be Jog n der 4 SEIN v c SEEOIHErE HEV AOEIAE. 295 G Versanò: Geit Jahrhunòerten qdwhtsich verorônet bei- 4 Nen Imisu f Gustov Gtrieboll..——.—.—.—.. ber Atmungs- uns Berôauungsorgane- f 1 Bad Gad brunm i Gehles. 5 T. TTT N FRITZ . Enorme Auswahl in Aschstoffen Tupfenwolle, Deutsche und Schweizer Fabrikate, gestickte Schleierstoffe in weiss und schwarz, farbig gestickte Schleierstoffe, glatte Schleierstoffe, Opal, Tango, Glasbatist, weisse Ripse, weisse und farbige Kleiderleinen in allen Preislagen. Durch besonders vorteilhafte Einkäufe sehr billige Preise. e N 9 GIESSEN 4833 a Villa. Wilbelmstraße 7 durch Ver⸗ setzung des Herrn Professor Dr. Hohlweg für alsbald od. später zu vermieten. 4007 H. E. 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Entzückendes Lustspiel in einem Akt. Der neue Golem. Humoreske. Der Liebestod. Drama in 2 Akten. Militär ohne Charge abwürts zahlt werktags dle Halfte. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Die Verteilung der Zinsen aus der Wolff von Todten; wart⸗ Stiftung(Junigeld) finder stistungsgemäß Donners⸗ tag, den 10. Juni 1915, morgens um 5 Übr, in der Stadtkirche statt. 8305 Anmeldung zur Landsturmrolle. Die in 1896, 1897 und vom 1. Januar bis ein⸗ schließlich 30. Mai 1898 geborenen Landsturmpflich⸗ tigen der Stadt Gießen werden blermit aufgefordert, sich vom 8. bis 10. Juni ds. 38., vormittags von S bis 1 Uhr und nachmittags von 3 bis 6 Ubr im Ratbaus, am Marktplan zur Landsturmrolle zu melden. Nicht in Gießen geborene Wehrpflichtige haben bet der Anmeldung ihren Gebuxtsschein oder einen anderen amtlichen Ausweis über ihr Geburtsdatum(Familien- stammbuch, Taufschein, Invalidenkarte, Arbeitsbuch usw.) vorzulegen. 3 Bei vorübergehender Abwesenheit der Meldepflichtigen sind ihre Eltern, Vormündex, Lehr-, Brot⸗ oder Fabrik⸗ berren zur Anmeldung verpflichtet. Eine Meldung der in den obengenannten Jahren ge⸗ borenen Leute, die freiwillig ins Heer eingetreten sind, ist nicht erforderlich. Die Unterlassung der Anmeldung wird nach den Militärgesetzen bestraft. Gießen, den 7 Juni 1915. 0 Der Oberbürgermeister: Keller. Oeffentliche Impfung. Mittwoch, den 9. Inni und die folgenden Mittwoche der nächsten 3 Monate von 5—6 Uhr nachmittags un⸗ entgeltliche Impftermine in der Turnballe der Stadt ⸗ mädcheuschule in der Schillerstraße für im Vorfahr eborene, sowie für ältere, mit der Impfung im Rück⸗ lande verbliebene Kinder. f 5 Nachschau jeweils acht Tage später, bei Meidung der gesetzlichen Strafe. Kinder, die in diesen Terminen nicht geimpft werden, sind bis zum Jahresschluß auf Kosten der Eltern impfen zu lassen, andernfalls im Januar k. Js. die Nachholung der Impfung binnen kürzester Frist unter Strafandrohung angeordnet wird. Außer den Pflichtigen werden in den Terminen auch Erwachsene auf ihren Wunsch und Kinder, die erst im laufenden Jahre geboren sind, auf Wunsch ihrer Ver⸗ treter geimpft. In der Regel werden in jedem Termin nicht mehr als 50 Impfungen vorgenommen. Kinder, deren Zurückstellung von der Impfung wegen Kränklichkeit beansprucht wird, können gleichfalls in den Terminen dem Impfarzt vorgestellt werden. 4711 Wegen der Wiederimpfung der besondere Benachrichtigung an die Schulvorsteher erfolgen. Aus einem Hause, in dem ansteckende Krankheiten, wie Scharlach, Masern, Diphtherie, Croup, Keuchbusten, Flecktyphus, rosenartige Entzündungen oder die natür⸗ lichen Pocken berrschen, dürfen Impflinge zum allgemeinen Termin nicht gebracht werden. Die Kinder müssen zum Impftermin mit rein gewasche⸗ nem Körper und mit reinen Kleidern gebracht werden. Heugras⸗Versteigerung. Samstag, den 12. Juni, Montag, den 14. Juni, und Dienstag, den 15. Juni, soll das Heugras von 55 städtischen Wiesen meistbietend versteigert werden und zwar: 7 8 den 12. Juni, nachm. 4 uhr an Ort und Stelle bei der Aktienbrauerxei, am Ohle⸗ bergweg bei der Heyligenstaedt'schen Fabrik und in der Stephansmark. 8 Zusammenkunft an der Schönen Aussicht. Montag, den 14. Juni a) vorm. 9 Ubr, Jufammenkunft am Schlachthof, von den Wiesen im Neustädterseld und am Elektrizitätswerk. b) vorm. 10½ Ubr in der Restauration von Melchior Schäfer Wwe., Kaiser⸗Allee 4, von den Wiesen im Heegstrauch und im Rußland. c) nachmittags 2 Ubr im Philosophenwald von den Wiesen am Fürstenbrunnen, im Wieseckertal, von den Hospitalwlesen in der Gemarkung Wieseck. d) nachmittags 5 Ubr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Schwarzlach. 0 Dienstag, den 15, Juni a) vormittags 9 Uhr an Ort und Stelle von den Ochsen⸗ wiesen, von den Wiesen im Stolzen morgen, am Utersbrunnen und Altentisch. b) ngchmittags 3½ Ubr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Rödgen. e) nachmittags 4 Ubr an Ort und Stelle von den Wiesen in der Gemarkung Großen⸗Buseck. Steigliebhaber, welche die Wiesen zu besichtigen be⸗ absichtigen, wollen sich an den städt. Wiesenwärter Belloßf, Wolsstraße 15, wenden. N Die Großberzoglichen Bürgermeistexeien der um⸗ 21 — j i6UUIUI— liegenden Gemeinden werden ersucht. Vo en ö ibrer Gemeinde bekannt machen 2 kahn 12 5 0 cc Schulkinder wird