Der Sleßener Anzeiger Accheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentli Fernsprech- Anschlü 3 Verlag, Geschäftsstellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. A e von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 165. Jahrgang Liehenergamiilendlätter, 8 3 wöchentl. Kreis 0 latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); 5 zweimal monatl. Land⸗ 15 wirtschaftliche 1 5 75 f 8 General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. 1 Sreitag, 21. Mai 1015 8 Bezugsoreis: monatl. 75 Pf., viertel; jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mt. 2.— viertel; jährl. ausschl, Bestellg. Zeilenpreis: loxal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich ii Gießen. Das imalienische parlament für den Krieg! 20. Mal.(WT. Westlicher Kriegsschauplatz. g Trübes, unsichtiges Wetter hemmte gestern in Flan⸗ dern und Nordwestfrankre 10 die Gefechtstätigleit. 1 15 eee nüchlich 1 4 95 15. . urde ein n icher feindlicher Vorstoß im Nahkampf abgewiesen. 1 5 7 50 Zwischen Maas und Mosel war der Artilleriekampf besonders heftig. Gegen Morgen gingen die Franzosen oͤstlich A illy in breiter Front zum Angriff vor, der überall, zumteil in erbittertem Handgemenge, von uns abge⸗ wiesen wurde. Oestlicher Kriegsschauplatz. 5 Mit den aus der Linie Shagori⸗Frauenburg im Vormarsch gemeldeten stärkeren seindlichen Kräften ist es zu keiner Gefechtsberührung gekommen. An der Dubissa wurden russische Angriffe abgeschlagen. 900 Gefangene und 2 Maschinengewehre blieben in unserer Hand. Gestern griffen wir nördlich Podubis an, nahmen die Höhe 105 und machten weitere 500 Gefangene. Die südlich des Nfiemen vordringenden russischen Träfte wurden bei Gryeszkabuda—Syntowty⸗ Szaktbülliggeschlagen. Die Reste des Feindes flohen in östlicher Richtung in die Wälder. Kleinere Abteilungen halten noch Sutki Die blutigen Verluste der Russen waren sehr schwer. Die Zahlder Gefangenen erhöhte sich deshalb nur auf 2200, ferner wurden 4 Maschi⸗ nengewehre erbeutet. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere über den San nördlich Przemysl vorgedrunge— nen Truppen wurden gestern nachmittag erneut von den Russen in e Anstürmen angegriffen. Der Feind wurde überall unter sehr erheblichen Verlusten zurückgeworfen. Heute früh gingen wir auf einem Flügel zum Gegenstoß über und stürmten die Stel⸗ lungen des Gegners, der eiligst flieht. * 0 8 Oberste Heeresleitung. Großes Hauptquartier, Amtlich.) 2* 1* Angesichts der historischen Tage in Rom wendet sich der Blick eine Weile ab von den ungeheuren Schlachtenschlägen, die in Galizien dem russischen Heere vermutlich bald den Rest geben werden. Für Deutschland, Oesterreich-Ungarn und die Türkei sind die se Geschehnisse noch bedeutungsvoller als Italiens Entschluß, in den Krieg gegen uns einzutreten, und doch vergißt man fast auf eine kurze Pause die Schlach— tenereignisse, da die italienischen Vorgänge etwas so Außer- ordentliches, Unerhörtes darbieten, in der Welt der Feind⸗ seligteiten ein kaum dagewesenes Kapitel von Treulosigkeit und Verblendung. Vor uns liegt heute der Beschluß des italienischen Parlaments, mit dem Kabinett Salandra in den Krieg einzutreten, vor uns liegt auch die gekünstelte Be— gründung dieses Ministerpräsidenten, der uns enthüllt, wie fadenscheinig und unverläßlich bei der Stimmung der Ita⸗ liener der Dreibundvertrag gewesen ist. Jenes Grünbuch, das der römischen Kammer gestern vorgelegt worden ist, ist heute schon klar und treffend von der deutschen! Regierung in deren amtlichem Organ, der„Nordd. Allg. Ztg.“, in allen Einzelheiten widerlegt worden. So wird denn auch, was Salandra in der gestrigen Kriegssitzung vorgebracht hat, vor den deutschen Lesern in seine Nichtigkeit zurückfallen. Auf dem Wege nach formalen Gründen für die italienische Kriegs⸗ erklärung wachsen nur dürftige Pflänzchen, denen nachzu⸗ gehen im Grunde kein volles Interesse mehr hat. Die ita⸗ lienische Regierung hat am Geiste des Drei—⸗ bundbertragsaufdasschmählichste gesündigt. Der Standpunkt, den Salandra über die angebliche Ver⸗ letzung des Bundesvertrages durch Oesterrez h⸗Ungarn dar⸗ legte, ist nachträglich zurecht gemacht wor⸗ den, denn sonst hätte der Verkrag mit Wien früher, schon bei Ausbruch des Krieges,„gekündigt“ werden müssen. Nein, greifen wir nach den nackten Geschäftsinteressen, die das Italien Salandras aus der Lage erwachsen sah und die er selbst, ein wenig verschämt, in seiner Rede estreift hat:„es erhob sich tatsächlich, aber unwiderruflich das Problem der nationalen Unversehrtheit Italiens“. Dazu wäre zu fragen: Sieht der Dreibundvertrag nicht solche Kriegsfälle vor, in denen selbstverständlich jeder Partner für seine Sache dem gemeinsamen Feinde gegenüber einstehen muß? War es denn immer in diesen Jahren der italtenische Standpunkt, nur dann die Pflichten des Vertrages zu erfüllen, wenn es lediglich die eigenen Interessen erheischten? Gar oft hatte man schon den Eindruck, daß Italien, im Falle auf Grund des Vertrages seine Teilnahme an einem Kriege ge⸗ boten wäre, zunächst herausrechnen wollte, auf welcher Seite sein Vorteil liege. Die Treue wurde als ein leerer Wahn ausgeschaltet. Die akademische Advokatenrede Salandras enthält keinen Hauch von Edelsinn und Ehrlichkeit gegenüber dem früheren Verbündeten, dessen Lage man in zunehmen⸗ der Weise auszubeuten versucht hat. Das italienische Volk bieht in den Krieg, geführt von Männern, die im Herzen auf der Seite der Dreibundgegner standen, im Gefolge von Hetzern, die aus der Schale Englands und Frankreichs sich abten. Die Geschichte wird darüber das Urteil fällen, und hoffentlich werden die Waffen Oesterreichs und Deutschlands in scharfes Richtschwert sein! 4 1 * * die italienische Kammer für den Arieg. Rom, 20, Mai.(WTB Nichtamtlich.) Meldung der„Agenzia Stefani“: Bei der Eröffnung der Kammer war der Saal ganz gefüllt. 480 De putierte waren anwesend, die Tribünen gedrängt voll, einschließlich derer für das diplomatische Korps, die Senatoren und die ehemaligen Deputierten. Auf der Tribüne der Deputierten bemerkt man die Botschafter der Ver einigten Staaten, Englands, Frankreichs, Rußlands und Ja⸗ pans. Auf der Tribüne erscheint Gabriele d' Annunzio, von lebhaften Zurufen im Saal und auf den Tribünen begrüßt. Nur die offiziellen ozialisten beteiligen sich nicht an der Kundgebung. Alle hervorragenden Persönlichkeiten des Parlaments sind anwesend, außer Giolitti. Um 2 Uhr tritt der Präsident Marcora in den Saal, begrüßt von stür⸗ mischem Beifall im Saale und auf den Tribünen. Alle Depu⸗ tierten, ausgenommen die 45 offiziellen Sozialisten, erheben sich von ihren Plätzen, ebenso wie das Publikum auf den Tribünen und rufen:„Es lebe der Präsident!“ Als die Kundgebung zu Ehren des Kammerpräsidenten endigte, trat Salandra in den l, hinter ihm Sonnino und die anderen Kabinettsmitglieder. Die ganze Versammlung steht u. man ruft von allen Seiten:„ lebe der Krieg!“ Im Zen⸗ trum ertönen Rufe:„Es lebe der König!“ Die Ovation wiederholt sich. Begleitet von immer mehr wachsendem Beifall und unter den Rufen:„Es lebe Italien!“ erneuert sich die Kundgebung. Salandra bringt darauf einen Gesetzentwurf ein, welcher der Regierung für den Fall des Krieges außerordentliche Befugnisse überträgt und gibt darauf die Erklärungen der Regierung ab. Salandra gab folgende Erklärung: Seitdem Italien sich zu einer Staatseinheit erhoben hat, hat es sich in der Welt der Nationen als ein Faktor der Mäßtgung, der Eintracht und des Friedens bewährt, und es kann stolz vor aller Welt verkünden, daß es diese Aufgabe mit Festigleit erfüllt hat, die sich nicht einmal vor dem schmerzlichsten Opfer gebeugt hat. In der letzten Periode von mehr als dreißig Jahren hat es das System von Bündnissen und Fre dschaften aufrechterhal⸗ ten, die hauptsächlich den Zw hatten, auf diese Art das euro⸗ päische Gleichgewicht mit ihm den Frieden besser zu sichern. Angesichts der Vornehmheit dieses Zieles hat Italien sogar nicht allein die Mängel der Sicherheit seiner Grenzen ertragen und diesem Ziele nicht nur die heiligsten nationalen Wünsche untergeordnet, sondern es mußte auch mit unterdrücktem Schmerz die methodisch angewandten Versuche an⸗ sehen, den italieuischen Charakter zu unterdrücken, welche die Natur und die Geschichte diesen edlen Landen unaus⸗ löschlich aufgedrückt hat. Das Ultimatum, das im Jahre 1914 Oesterreich-Ungarn an Serbien richtete, machte mit einem Schlage die Wirkungen unserer lange andauernden Anstrengungen zunichte, indem es das Abkommen verletzte, das uns mit Oesterreich-Ungarn ver⸗ band. Es verletzte dieses Abkommen durch ein Verfahren, in dem es unterlassen war, mit uns, sei es eine vorgängige Verständigung zu treffen, oder uns auch nur eine einfache Mitteilung zu machen, und verletzte es in der Sache, indem es darauf ausging, zu unserem Nachteil das empfindliche System territorialer Besitzungen und Einflußfphären zu stören, das sich auf der Balkanhalbinsel herausgebildet hatte. Aber mehr noch als der eine oder andere be⸗ sondere Punkt wurde der ganze Geist verletzt und sogan natterdrückt, der diesen Vertrag erfüllte. Denn indem in der Welt der schrecklichste Krieg entfesselt wurde, in direktem Gegensatz mit unseren Interessen und Gefühlen, wurde das Gleichgewicht zer⸗ stört, das das Bündnis sichern sollte, und es erhob sich tatsächlich, aber unwiderruflich das Problem der nationalen Un⸗ versehrtheit Italiens. Nichtsdestoweniger widmete sich die Regierung während langer Monate geduldig der Aufgabe, eine Verständigung zu suchen, die dem Vertrag seine Daseinsberech⸗ tigung, die er sonst verloren hätte, wiedergeben sollte. Diese Ver⸗ handlungen mußten indessen beschränkt sein nicht nur der Zeit nach, sondern auch durch die Würde, worüber hinaus die gesamten Inter⸗ essen und die Ehre unseres Landes bloßgestellt wären. Infolge⸗ dessen, und um diese höchstnt Ziele aufrecht zu erhalten, sah sich die kön gliche Regierung gezwungen, der Kaiserlich könig⸗ lichen österreichisch⸗ ungarischen Regierung am 4. Mai die Zurücknahme aller E die Aufkündigung des Bun⸗ desvertrages und die Erklärung, daß sie sich ihre Handlungs- freiheit vorbehalte, zu notifizieren. Andererseits war es aber nicht mehr möglich, Italien in seiner Isolierung ohne Sicher- heit und ohne Ansehen zu lassen, gerade in einem Augenblick, wo die Weltgeschichte in eine entscheidende Phase tritt. Angesichts dieser Sachlage und der Erwägung der Schwierigkeit der inter- nationalen Lage muß die Regierung auch politisch vorbereitet sein auf jede noch so schwere Prüfung, und sie ersucht daher die Kammer durch den vorgelegten Gesetzentwurf um die außerordentlichen Befugnisse, deren sie bedarf, Diese Maßnahme rechtfertigt sich nicht allein durch Präze⸗ denzfälle bei uns und den anderen Staaten jeder Regierungs— form, sondern sie stellt auch die beste Ordnung und sogar die mildeste Form derjenigen Befugnisse dar, welche unsere in Kraft stehende Gesetzgebung der Regierung auch in anderen Fällen zu⸗ weist, wo es sich um das höchste Gesetz handelt, nämlich um das Wohl des Staates Ohne prahlerische Worte und ohne Stolz, aber mit dem tiefen Verständnis für die Verantwortung, die uns in dieser Stunde zu⸗ fällt, haben wir das Bewußtsein, dafür Vorsorge getroffen zu haben, was die edelsten Bestrebungen und die vitalsten Interessen des Vaterlandes erforderten. Denn in seinem Namen und ihm er- eben, richten wir bewegt einen glühenden Appell an das I und über das Parlament hinaus an das Land dahin, daß alle Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden mögen, und daß von allen Seiten aufrichtiges Vergessen sich darauf herabsenke. Partei- und Klassengegensätze, die in gewöhnlichen Zeiten immer zu achtenden persönlichen Ausichten und selbst die Gründe, die dem Leben einen täglichen furchtbaren Kontrast der Bestrebungen und Grundsätze geben, müssen heute verschwinden angesichts der Notwendigkeit, die jede andere über⸗ trifft, und einer Idee, die mehr als jede andere istert an⸗ gesichts des Glücks und der Größe Italiens. les andere müssen wir von heute ab vergessen und dürfen uns nur daran erinnern, daß wir alle Italiener sind, daß wir alle mit dem⸗ selben Glauben und derselben Glut Italien lieben. Mögen die Kräfte aller in einer einzigen Kraft zusammengefaßt werden, die Herzen aller sich zu einem einzigen Herz zusammenschließen, möge ein einheitlicher Wille zu dem beschworenen Ziele führen und die Kraft und der Wille ihren einzigen leidenschaftlichen und heldenhaften Ausdruck finden in der Armee und der Flotte Italiens und in ihrem erhabenen Führer, der sich zu den Schick⸗ salen einer neuen Geschichte anführt.„Es lebe der König! Es lebe Italien!“ Jeder Satz der Rede Salandras wurde mit lebhaftem anhal⸗ tendem Beifall aufgenommen. Am Schluß erfolgte eine begeisterte Kundgebung mit Rufen:„Es lebe der König! Es lebe Italien! Es lebe die Armee!“ Salandras Rede wurde fast bei jedem Satz durch stürmischen Beifall und Rufe:„Hoch Italien! Hoch der Krieg!“ unterbrochen. Nur die offiziellen Sozialisten blieben ruhig und erhoben sich nicht von ihren Plätzen. Der Schluß der Rede wurde mit einer stürmischen Kundgebung für die Ar⸗ mee, den König' und Italien aufgenommen. Salandra beantragte sodann die Einsetzung eines Aus⸗ schusses zur Prüfung des Gesetz entwurfes und bat, daß der Ausschuß, dessen Mitglieder von dem Präsidenten zu be⸗ rufen seien, noch heute zusa mmentrete und berichte. Sein Antrag wurde angenommen. Sodann erhob sich Sonnino und legte das Grünbuch vor, von der Kammer und der Tribüne mit langen Sympathie⸗ kundgebungen begrüßt. Der Kammerdräsident teilte sodann die Namen der in die Ausschüsse berufenen Deputierten mit. Die Deputierten umdrängten die Plätze der Minister, um ihnen die Hände zu schütteln. Die Regierung verläßt die Kammer, um die Erklärungen vor dem Senat zu wiederholen. Der Vorschlag der Regierung, dem Entwurfe die Drin glich⸗ keit zuzuerkennen, wird in geheimer Kammerabstimmung mit 367 gegen 54 Stimmen angenommen.. Der Aus schuß wird von den folgenden Deputierten ge⸗ bildet; Arlotte, Aguglie, Boselli, Luzzani, Coccertu, Compans, Baccelli, Guido, Guieciardini, Barzilai, Bettolo, Bianchi, Leonardo Credero, Dari, Turati, Meda, Bissoleti, Pantano und Fino⸗ echiaro. Der Ausschuß tritt in dem Saale von Monte Citorio zusammen. Mit Ausnahme Turatis sind alle Ausschußmitglieder anwesend Der Ausschuß ernannte zum Präsidenten den Bericht⸗ erstatter Boselli als Aeltesten der Kammer und zum Sekretär Barzilai.. Unterdessen wird die Kammersitzung aufgehoben. Nach Wieder⸗ eröffnung wird Boselli den Bericht des Ausschusses erstatten. ö Rom, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer nahm mit 407 gegen 74 Stimmen und bei einer. Stimmenthaltung den Gesetzentwurf betr. Vollmach⸗ ten der Regierung im Kriegsfalle unter allgemeinen Ovatio— nen an. Rom, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Während der Pause zwischen den Sitzungen zerstreuten sich die Deputierten in den Gängen, die Erklärung der Regierung erörternd oder mit dem Grünbuch beschäftigt. Die Tribünen blieben gefüllt. Um 5 Uhr erschien Präsident Marcora wieder im Sitzungssaale, ebenso die Minister. Vor dichtgefülltem Hause ergriff Boselli als Berichterstatter des Ausschusses unter lebhaftem Beifall das Wort und erklärte, der Ausschuß schlage e in st im mig die, Annahme des Gesetzent⸗ wurfes über die außerordentlichen Maßnahmen für die Regierung vor.(Langanhaltender Beifall.) Die Gründe dazu lägen auf der Hand, denn dieser Gesetzentwurf setzte tatsächlich das Siegel auf das Werk der Regierung, welche die Stimmung des Vater⸗ landes als Ratgeberin und das Gefühl für nationale Würde als Gebieterin genommen habe.(Langanhaltender, lebhafter Beifall.) In dieser Schicksalsstunde, welche uns in einem einzigen Willen vereinigt, wird das Votum der Kammer eine neue feierliche Bestätigung eines unüberwindlichen und sicheren Glaubens an das Recht und an den Ruhm des Vaterlandes sein.(Sehr lebhafter Beifall.) Boselli fügte hinzu, der Augenblick ist gekommen, unser den unerlösten Gebieten gegebenes Versprechen zu erfüllen(Beifall) und hob das Vertrauen auf die Armee, die Marine und den Herrscher, den Fortsetzer der ruhmvollen Ueber⸗ lieferungen seiner Familie, hervor. Eine stürmische Kundgebung antwortete ihm. Alle Deputierten erhoben sich und applaudierten. Salandra und die anderen Minister drückten ihm unter neuem Beifall die Hand. Das Publikum auf den Tribünen stimmte ein. Unter den Rufen: Hoch Italien! Es lebe der König! beglückwünschte auch der Kammerpräsident den Redner. Der Deputierte Barcilai erklärte darauf, jetzt werde sich der oft geäußerte Wunsch erfüllen und schloß, die Kammer, welche der Regierung umfassende Handlungsfreiheit gebe, habe volles Vertrauen zu ihr.(Beifall.) Die Erklärung der Sozialisten. Nach Barcilai sprach Turati und begründete ausführlich die nbweichende Meinung der offiziellen Sozia⸗ listen. Der Republikaner Collajanni verzichtete auf das Wort mit dem Rufe:„Es lebe Italien!“ Ciccotti(Sozialist) sprach im Namen der anderen Sozialisten und erklärte, als Bürger und als Sozialist glaube er der Aktive der Regierung keine tatsäch⸗ liche oder moralische Hinderung bereiten zu dürfen. Wir befinden uns angesichts eines Verteidigungskrieges(). Die Sozialisten, in deren Namen ich spreche, hofften, daß ein erneuertes Europa aus diesem Kriege hervorgehen werde, und daß mam zu der so sehr gewünschten Abrüstung kommen wird. Sie wollten 855 r der Zivilisation von seinen Hindernissen befreien. (Beifall. Die Diskussion wird geschlossen. In geheimer Abstimmung wurde der Gesetzentwurf, wie bereits gemeldet, mit 407 gegen 74 Stimmen angenommen. Der Kammerpräsident Marcora ergriff das Wort, während die Minister und das Haus sich erhoben, und sagte, in dieser feier⸗ lichen historischen Sitzung hätte die Kammer den geheiligten Glauben an die Erinnerung Italiens wiedergefunden. Sie eile, ihre Pflicht gegen das Vaterland in dem festen Glauben zu erfüllen, Bronschafter in beiden Hauptstädten, dem Ersuchen Folge zu leisten. 14* 5 * 5 Pressestimmen. . Berlin, 21. Mai.„Italien will den Krieg“ schreibt die 5„Nationalzeitung“. Die Beschlüsse der beiden Kammern brücken mur das amtliche Siegel unter die Abmachungen, die von der Regierung schon seit längerer Zeit getroffen worden sind. Es bat gar keinen Zweck mehr zu leugnen oder zu beschönigen, daß der Abfall Italiens vom Dreibunde schon vor Wochen erfolgt it und daß es sich für die Regisseure, Salandra und Sonnino, 9 25 0 N daß die Eintracht, die Festigkeit, die Tapferkeit von Armee und Murine die Einigkeit des Vaterlandes vollenden würden. Es lebe unser Italien!(Sehr lebhafter Beifall.) 1 Der Präfident widmete dem König einige Worte und schloß nit einem Hoch, das von der Kammer mit wiederholtem, begei⸗ stertem Beifull aufgenommen wurde. Auf Antrag des Ministerpräsidenten Salandra vertagte die Kammer sich auf unbestimmte Zeit. Nach Schluß der Sitzung wurde d Annunzio eine große Kundgebung bereitet. Alle Deputierten, die Jpurnalisten und das Publikum sangen das Ma⸗ meli⸗Lied in unbeschreiblicher Begeisterung. Die Senatssitzung. Rom, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Auch die Straßen in der Nähe des Senatsgebäudes wurden durch Truppen letten gesperrt. Nur die Senatoren und Deputierten und die mit Tribünenkarten versehenen Personen wurden durch⸗ elassen. Auch im Senat waren der Sitzungssaal und die ribünen dicht besetzt. Ueber 230 Senatoren waren an- wesend. Um 4 Uhr tritt Präsident Mandfandi in den Saal und hinter ihm Salandra mit den übrigen Mitgliedern der Regierung. Salandra wurde stürmisch begrüßt. Man rief:„Es lebe Italien! Hoch der König, Hoch die Armee!“ Sämtliche Senatoren erhoben sich. Salandra ergreift das Wort und wiederholt die Erklärung, die er schon in der Kammer abgegeben hat, die häufig von lebhaftem Beifall unterbrochen und zum Schluß mit einer stürmischen Kund⸗ Gbblang, beantwortet wurde. Sodann wurde auf Vorschlag Salandras die Sitzung bis auf morgen nachmittag 2 Uhr vertagt. Die Schweiz Vertreterin der deutschen Juteressen iu Italien. Berlin, 21. Mai. Nach der„Kölnischen Zeitung“ würde ein Schweizer Blatt von ganz zuverlässiger privater Seite aus Mailand berichten, daß in Genua 190 Infan⸗ terie⸗Regimenter in Kriegsstärke vereinigt seien. Deut sch⸗ land habe die weitere Wahrnehmung der deut⸗ schen Interessen in Rom während des Krieges der Schweiz übertragen. Den Schutz der Interessen Oester⸗ reich⸗Ungarns werden die Vereinigten Staaten übernehmen. Amerika vertritt die österreichisch⸗nugarischen Interessen in Rom. Washington, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Ita⸗ lien und Oesterreich-Ungarn haben die Vereinigten Staa⸗ ten ersucht, ihre diplomatischen Angelegenheiten in Wien und Rom zu übernehmen, falls die Beziehungen abge⸗ brochen werden. Die Regierung in Washington beauftragte ihre noch darum Wehandelt hat, den rechten Augenblick für den Theaterstreich zu finden, dessen Schauplatz nunmehr das Parla- 5 ment geworden ist. Die gestrigen Parlamentsbeschlüsse waren der schein für den Dreibund. Besser heute eine klare Ent⸗ schei und Ankündigung des Krieges, als versteckte HFeuchelei und . . —22 Worte, 1 bei uns doch niemand mehr für :——„Freisinnigen Zeitung“ heißt es: Der Krieg, den ien munmehr mit den bisherigen Verbündeten zu führen unternimmt, ist der„den die Weltgeschichte je gesehen perlings auf dem Dache willen, eine Taube aus der Hand frei . Das italienische Volk gleicht einem Manne, der, um des ibt. Dieser Krieg konnte nur zustande kommen durch verächt⸗ ichsten Verrat an den bisherigen Bundesgenossen. 5 Das„Berliner Tageblatt“ faßt seine, Betrachtungen dahin zusammen: Wir glauben nicht, daß ein Volk, das unter solchen Verhältnissen unter so bösartigem und skrupellosem An⸗ sporn ins Kanonenfeuer hineintaumelt, lange im Traume be⸗ fangen bleiben kann, mit dem man es umspinnt hat. Die ver⸗ einten Heere Deutschlands und Oesterreichs-Ungarns werden dafür sorgen, daß das Erwachen beschleunigt wird. a „Berliner Lo kalanzeiger“ schreibt: Niemand in Italien hat es verhindern können, daß eine gewissenlose Mino⸗ rität das Recht gewalttätig mit Füßen getreten hat. Ein Zwischenfall in Konstantinopel. Konstantinopel, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter veröffentlichen folgende amtliche Mitteilung. des Presse⸗ bureaus: Ein Unterleutnant, der heute mit einer Truppen⸗ abteilung durch Pera kam, stieß beim Gehen an eine Person. Es wurde festgestellt, daß diese Person der italie⸗ nische Botschafter war. Dieser einer bedauerlichen Unacht⸗ samkeit entsprungene Zwischenfall wurde zur Befriedi⸗ gung des italienischen Botschafters gereg elt. — 8** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 20. Mai.(WB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Mai, mittags: Oestlich Jaroslau und bei Sieniawa wurden starke russische Angriffe unter schweren Verlusten des Feindes zurückgeschlagen. Die verbündeten Trup⸗ pen haben nach Osten und Südosten Raum ge⸗ wonnen. In den Kämpfen am oberen Dujestr weitere 560 J Gefangene. Die Russen wurden in einem Abschnitt nördlich Sambor aus ihrer Hauptverteidigungsstellung geworfen, eine Ortschaft zehn Kilometer südwestlich Mos⸗ eis ka erstürmt. An der Pruthlinie ist die Situation unverändert. Nördlich Kolo mea brachte ein kurzer Gegen⸗ stoß 1400 Gefangene ein.. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der russische Bericht. Petersburg, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der neralstab des Generalissimus teilt mit: In Gegend Szawle sanden am 17, und 18. Mai Teilkämpfe an der 1 mützel statt. Front Kurschany-Rossienie-Eiragola statt. In Gegend Eira— gola nahmen wir mehrere Stützpunkte des Feindes, erbeu— teten Maschinengewehre und Hunderte von Gefangenen. Ein deutscher Gegenangriff südöstlich Rossienie wurde unter roßen Verkusten für den Feind zurückgeschlagen. Am inken Ufer des Niemen fanden nur kleine Schar⸗ An der Front Narew und nördlich der cht Ruhe. Die Schlacht an der oberen d auf der ganzen galizischen Front ging weiter und erreichte am 17. Mai in vielen Gegenden eine ungeheure Heftigkeit. In Gegend Opatow wurden starke Abteilungen des Feindes in Unordnung gebracht und zogen sich am 17. Mai schnell hinter Iwaniska zurück, von un; energisch verfolgt. An der Front Tarnobcz, Eghi Pazwaduw und am unteren San wurden Kämpfe er⸗ Pilica herrs Weischsel un folgreich fortgesetzt. Im Abschnitt Jaroslau-Lezakhow gelang ses dem Feind, sich am rechten Sanufer festzusetzen. Südlich Jaroslau hielten wir beide Fluß⸗ ufer. Das Bombardement von Przemyßfsl wird fort- gesetzt. Im Abschnitt zwischen Przemysl und den großen Dujestrsümpfen warfen wir neue erbitterte Angriffe des Feindes erfolgreich zurück. Der Feind hatte dort um jeden Preis Erfolge erzielen wollen. Nach hartnäckigem Kampfe warfen wir die Deutschen aus den Schützengräben hinaus, die sie am Tage vorher zweien unserer Bataillone bei Gussa⸗ low weggenommen hatten. In Gegend Drohobyez⸗ Stryj⸗Dolina wirft der Feind trotz ungeheurer Ver⸗ luste immer neue Massen zum Sturm gegen unsere Stellun— gen. An mehreren Orten unternahmen wir gelungene Ge⸗ genangriffe und machten Hunderte von Gefangenen. An der oberen Bistritza und bei Dolatyn und Kolomea verhielt sich der von den Mißerfolgen der Vortage erschöpfte Gegner am 17. Mai passiv. Dort machten wir neuerliche Fort⸗ schritte. Die dort erbeuteten Gefangenen und Kriegsmaterial wachsen ständig.. ** * Ein neuer Völterrechtsbruch der Engländer. Berlin, 21. Mai. Ueber einen neuen Völker⸗ rechtsbruch der Engländer berichtet der Kriegs- berichterstatter Scheuermann aus Russelaer vom 20. Mai in der„Deutschen Tageszeitung“. Auf der Fahrt nach den Schlachtfeldern von Mern erfahre ich, daß auf der stark unter Feuer gehaltenen Straße 150 bis 200 Meter südlich St. Julien ein englischer Sanitätsautomobilzug, bestehend aus dem Kraftwagen und einem Anhänger, ge— funden wurde. Die Wagenführer waren durch Streufeuer getötet worden. In dem Anhängewagen, der ebenfalls das Rote Kreuz trug, war ein Maschinengewehr er- mittelt, dessen Bedienungsmann, ein Schwarzer, eben⸗ falls getötet worden ist. Zahlreiche Aerzte und Soldaten haben mir erklärt, daß die Engländer oft auf sie feuerten, trotzdem sie das rote Kreuz deutlich erkennbar trugen. Der amtliche französische Bericht. Paris, 19. Mai.(Ctr. Frkft.) Die amtlichen Mitteilungen vom Mittwoch lauten: 3 Uhr nachmittags: Das schlechte Wetter dauerte an. Kein Ereignis auf der Front während der Nacht, ausgenommen einige Kanonaden auf verschiedenen Punkten. Oestlich der Yser — 5— zwei Angriffsversuche des Feindes durch unser Feuer auf⸗ gehalten. 11 Uhr abends: Das Wetter ist immer sehr schlecht. Es herrscht ein äußerst dichter Nebel. Es gab keine Aktion den Tag über auf irgend einem Punkte der Front. In der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch versuchten die Deutschen einen Angriff im Priester⸗ walde, den wir durch unser Feuer unverzüglich zum Stehen brachten. Die englischen Verluste. London, 20. Mai.(WT. Nichtamtlich.) Die neueste Verlustliste weist 107 gefallene Offiziere auf. Die amtlichen Veröffentlichungen des Generals French heben dauernd die dem Feinde beigebrachten„un⸗ eheuren“ Verluste hervor. Es hat den Anschein, als ob der englische Oberbefehlshaber dadurch die Aufmerksamkeit von den letzten Mißersolgen im Mpern-Bogen ablenken und vor allem über die eigenen großen Verluste hinwegtäuschen will. Obgleich die englische Frontlinie sich in den letzten vier Mo⸗ naten durch Herausnehmen französischer Kräfte nur um etwa 16 Km. verlängert hat, haben sich die Offiziersverluste in unverhältnismäßiger Weisesgesteigert. Sie betrugen nach den amtlichen englischen Veröffentlichungen im Januar 254, im Februar 37, im März 1184, im April 1300. Die hohen Verluste im März wurden durch die Kämpfe bei Neuve Chapelle, deren Erfolg ein kaum nennenswerter Geländegewinn war, die im April durch die Kämpfe im Mpern-Bogen bewirkt. Für den Monat Mai scheint die Ver⸗ lustzahl gewaltig emporzuschnellen. Eine Zusammenstellung der Offiziersverluste vom 1. bis 11. Mai übersteigt schon die Gesamtzahl vom April; sie beträgt 1478, von denen 289 tot, der Rest verwundet oder dr sind. Die Ursachen für diese hohen Ziffern sind die verlustreichen Kämpfe auf der Insel Gallipoli und die englischen Angriffe südwestlich Lille. In diesen Kämpfen sollen nach Aussage von Ge⸗ sangenen die Verluste weit höher sein als bei Neuve Cha⸗ pelle. Die Gesamtzahl der englischen Offiziersverluste bis zum 1. Mai beträgt 8957, die Verluste der Marine zur See sind in dieser hohen Zahl nicht einbegriffen. London, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Mor- ning Post“ schreibt: Wir dürfen keine Zahlen nennen, aber die Verluste im Kriege müssen jetzt erheblich höher sein, als die Ergänzung durch die Rekrutie⸗ rung. Niemand erklärte je, wie Kitcheners neue Armeen zustande kommen sollen; wenn keine Ergänzungen kommen, schrumpfen die Regimenter zu Skeletten zu⸗ sammen. Lord Kitchener über die Lage. London, 20. Mai.(WT Nichtamtlich) Im Ober⸗ hause gab Lord Fitchener eine Uebersicht über die Kriegs⸗ lage: Die französische Offenswe südlich La Bassee weist bereits einen völligen Erfolg auf und schreitet mit allen Anzeichen weiterer völlig befriedigender Resultate fort. Dien britische Offenswe gegen die Kuppe von Aubers, die. vor sich geht, wird hoffentlich bedeutende 1 7 e erzielen. Die Russen halten nach verzweifeltem iderst ande gegen den österreichisch-ungarischen und deutschen Vormarsch jetzt eine starke Linie von den Ostkarpathen bis zur Weichfel mit Przemysl als Hauptbollwerk. Die Fortschritte der Truppen auf der Halbinsel Gallipoli sind wegen der großen Geländeschwie⸗ rigkeiten natürlich langsame, aber die Türken werden allmählich aus ihren sehr starken Stellungen herausgeworfen ob⸗ wohl der Feind beständig Verstärkungen heranzieht, sind die Nach⸗ richten durchaus befriedigend. Die Besetzung von Wind⸗ huk hat den letzten Abschnitt des südafrikanischen Feldzuges er⸗ öffnet. Mesopotamien wir Streitkräften gesäubert. Die Herstellung von Mun ition hat zweifellos eine beträchtliche Verzögerung infolge der 4 sast unbegrenzten Anforderungen erfahren, die an die Hilfsquellen und die Industriellen gestellt worden sind, Seitdem sind sehr erhebliche Fortschritte in der Herstellung gemacht worden. Die Herstellung hochexplosiver Granaten für Feldgeschütze ist bei Anfang des Krieges vorbereitet worden, und o die Neu⸗ artigkeit der Kriegsmunition natürlich Verzögerungen und Schwie⸗ rigkeiten für die Industriellen mit sich gebracht hat, werden wir in sehr naher Zukunft in einer befriedigenden Lage betreffs Lie⸗ serung dieser Geschosse an unsere Armee in. unseren jüngsten Offensiven und Operationen erlitten unsere und die französischen Trunpen schwere Verluste, aber die Aufgabe der Armeen erheischte große Opfer und der Geist und die Moral der Truppen waren nie höher. 5 N g f Leitartikel schließt die„Times“ aus der In einem g Rede Kitcheners im„daß augenblicklich eine 1 5 r ren befriedigende Lage betreffs der hochexplosiwen Feldgeschütze bestehe. Die Regierung habe in den Stadien des Krieges die Warnungen wegen Mangels an Munition nicht beachtet und Kitchener habe einen Anteil an d allmählich von allen feindlichen[z 1 05 3 Auberts vor zehn Tagen seien Sold weise gefallen, weil es den Feldgeschü an Munition gefehlt hatte. Angebote N M 4 tion zu fabrizieren, seien von dem Kriegsamt ruhl ab⸗ gelehnt worden. Das Kriegsamt habe geglaubt, die heu⸗ tigen Formen der Kriegführung besser zu verstehen, als di Männer an der Front. Die englischen Geschütze wären auf Schrapnells angewiesen geblieben, anstatt hochexplosive Ge⸗ schosse zu bekommen. Die Enthüllungen über die herrschende Verwirrung bei der Herstellung von Munition wären in großem Maße die Ursache der politischen Exregung der letz⸗ ten Tage gewesen. Die Episode in der Admiralität habe nur den Ausbruch der Krise herbeigeführt. Das Blatt schließt, das Kriegsamt müsse von der Kontrolle'der Kriegs vorräte entlastet werden; diese Aufgabe erfordere besondere Behörden. f 5 Demgegenüber lautet die Kritik eines englischen Augen⸗ zeugen bei den Ereignissen an den Dardanellen ganz anders. London, 20. Mai.(WTB Nichtamtlich.) Ashmead Bart⸗ lett berichtet in Londoner Blättern über die Gefechte auf Gallipoli vom 6, bis 8. Mai: Nichts ist bemerkenswerter, als die Art, wie es die Türken verstanden haben, ihre Stel⸗ lungen zu verbergen. Die türlische Infanterie wurde durch unser! furchtbares Geschützfeuer nicht erschüttert. Unsere Geschütze a ten nur geringen Schaden an ihren gut angelegten Schützen⸗ gräben anrichten. Da die Türken am 6. Mai ihr Feuer ein⸗ stellten, glaubten wir, daß sie zurückgingen oder keine Munition mehr hätten. Aber als am 7. Mai die Brigaden 87 und 88 gegen Krithia worgingen, eröffneten die Türken ein furchtbares ier aus verborgenen Gräben, deren Lage nicht ermittelt werden konnte und deren Dasein nicht vermutet worden war. Eines unserer Regimenter mußte sich unter dem schrecklichen Hagel der Gewehr⸗ und Maschinengewehrkugeln zurückziehen. rechten Flügel überschütteten die Türlen die Franzosen mit einem igen Feuer. Die Linie wankte, brach und kam flüchkend 18 8 herunter. Ein Teil der Flüchtlinge brach direkt durch die Linie der Naval Division. Das türlich e Feuer war un⸗ 8 und es war nicht möglich, ihre Batterien zu er⸗ mitteln. 1 1 Alle Berichte von der Front erwiesen die außerordentliche Schwierigkeit, die feindliche Stellung festzustellen und an⸗ 1 zugreifen. Die Schützengräben und Maschinengewehre, die im W 10 1 e— e 1 urch schwerstes Geschütz nicht beschädigt n.. mußte einzeln durch unsere Infanterie angegriffen werden. Es war deutlich, daß die Moral des Feindes durch unser Geschütz⸗ feuer, so heftig es auch war, nicht erschüttert werden konnte. Die Türken fochten mit äußerster Tapferkeit und Entschlossenheit, ihre Artillerie arbeitete meister haft. Sie schoß nur, wenn es unbedingt nötig war, um das weitere Vor⸗ rücken der Franzosen auf unserem rechten Flügel oder uns eigenes Vorgehen zu hindern. Entweder hatten sie n i Munition oder sie fürchteten, ihre Stellung unseren geschützen zu verraten. Am 8. Mai wollten unsere Truppen, ol wohl sie durch die Anstrengungen ermattet waren, die Entschei⸗ dung herbeiführen. Der Kampf begann mit einem unerhörten Feuer aus den geschütben, dann griff die Infanterie an, aber der Sobald unsere Soldaten ihre Deckung ver⸗ ewehr⸗ b 3 * E 1 9 4 55 schinengewehrfeuer Schluchten. Die Artillerie niederzuhalten. Die Truppen schrecklichen Kugelregen weg Es wurde e t⸗ liches Vorrücken gegen Krithia erreicht, aber schließlich war man an einem Punkt angelangt, wo- es unmöglich war, vorwärts zur lommen. Die Hoffnung mußte aufgegeben werden, Krithia un⸗ mittelbar zu erstürmen. Die Franzosen hatten die gleiche Er. fahrung gemacht. Schließlich setze die dem Kampf ein Ende. Wir hatten überall ein wenig Boden gewonnen, aber das Ziel des Kampfes war nicht erreicht. g 0 Der Wechsel im englischen Kabinett. (Ctr. Frkft.) Reuter meldet „d Er⸗ 5 folgendes: 1. Daß des Ministers leiden werden. 9098 N 2. Daß keinerlei Veränderungen in der* Landespolitik in Bezug auf Fortsetzung des Krie aller möglichen Energie und mit allen Hilfsmitteln g des Kabinetts ausschließlich fa sen sei und nicht irgend eine 0 der 5 min ein⸗ 1 , it, machten es doch ntit Hilfe der Iren und der Arbeiter⸗ 92 öglich, den Kampf durchzuführen; die Winterwall N n s ließen das Kabinett ebenfall nahm das Oberhaus im folgenden Herbst es auf sein absolutes Vetorecht verzichtete über die Geschicke En Kabinetts hat—— mehrfe 0 zu tun. Noch einung. Die Regierung ein bekannt, wie je der Front sein. Bei] annahen des D ist; namentli tten i— 4 5 Kabinetts ifa 5 1 London, 20. Mai. hause Asquith: eines no der Verantwortung. Bei dem Kampfe um die Kuppe von 1 Eine neue Prote London, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ neldet aus Washington unter dem 18. ds. Die Re⸗ gierung erwägt, der„New York Evening Post“ zufol eine neue Protest note an England über die handlung des amerikanischen Handels. Die Note soll ebenso klich sein, wie die Konterbande-Note vom Dezember. In amtl. Kreifen wachse die Erregung, da England trotz aller Ve ngen seine alte Politik der Verschleppung sortsetze, so daß 40 amerikanische Schiffe, darunter etwa 28 mit Baumwolle beladene, in englischen Häfen festgehalten seien. 9 . ü 5 der Seekrieg. 2 Berlin, 20. Mai.(WTB. A Die„B. Z. am ig“ meldet aus Lugano: Aus Syrakus wird ge⸗ meldet, daß ein österrei e Unter⸗ seeboot im Kanal von Malta, 30 Meilen von der Insel, gesichtet wurde. Berlin, 20. Mai.(WB. Nichtamtlich.) Die„B. 3. am 971 meldet aus Kristiania: Der finnische und Rigaer Meer busen ist für die Schiffahrt mit Aus⸗ nahme des Verkehrs innerhalb dieser Meerbusen selbst ge⸗ schlossen. Einige Häfen am Bottnischen Meere sind für die neutrale Schi t offen. London, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Reutermel⸗ dung. Die Admiralität gibt bekannt: Der Dampfer „Dumfries“ wurde am 19. Mai morgens torpediert. atzung wurde gerettet. Das Schiff treibt noch 25 Mei⸗ füdwestlich von Hartland Point. Reuter meldet aus Cardiff: Der„Dumfries“ wurde * mittag auf der Höhe von Trovese Head torpediert. Das erste Torpedo versenkte das Schiff nicht. Das Schiff von einem norwegischen Dampfer ins genommen. Beide Schiffe wurden von einem Unterseeboot verfolgt. Der Norweger durchschnitt deshalb das und te weg. Hierauf wurde ein zweites Torpedo auf den„Dumfries“ abgefeuert, der den Dampfer Sinken brachte. Das norwegische Schiff nahm die g an Bord, die dann von dem niederländi⸗ schen Dampfer„Magdalena“ nach Cardiff gebracht London, 20. Mai.(WTB Nichtamtlich.) Dem Reuter⸗ schen Bureau zufolge wurde der Fischdampfer„Chry⸗ 7485 aus Hull von einem deutschen Unterseeboot vierzig 5 805 Kinnairdshead versenkt. Die Besatzung wurde gerettet. ö London, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Lloyds Agen⸗ tur meldet aus Fraserbourgh: Ein dänischer Segler hat die Besatzung des Trawlers„Lucerne“ gelandet. Dieser ist von einem deutschen Unterseebobt in die Luft ge⸗ sprengt worden, als er sich am 20. Mai früh 40 Meilen von Pattrayhead befand. 2 Aus Portugal. Berlin, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Berl. Lokalanz.“ erfährt aus N Einer Meldung aus Madrid 5 erlag der portugiesische Ministerpräsident Chagas seinen 3 Zwei spanische Kriegsschiffe sind in Lissabon ein⸗ 0 1 Wiffabon, 20. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Havasmeldung. Angesichts der endgültigen Bildung des Ministeriums löste sich 1 N. Komitee auf. Es herrscht vollkommene yon 20. Mal(WTB Nichtamtlich.)„Nouvelliste“ meldet aus Madrid Die politische Lage in Portugal ist nun⸗ mehr die folgende: Die Demokraten triumphieren. Aber be— deutende Republikaner wie Machado, welcher ein Vorkämpfer für den Sturz der Monarchie war, der Unionistenführer Ca- macho, der Revolutionistenführer Almeida, verurteilen die jüngsten Ereignisse und erklären, sich vom politischen Leben zurückziehen zu wollen. Die Monarchisten sind entschlos⸗ 185— den Sturz des neuen Kabinetts mit allen Mitteln zu be⸗ treiben. Die gefangenen Minister werden nach Maßgabe des Gesetzes über ministerielle Verantwortlichkeit abgeurteilt wer⸗ den. Die Ruhe in Lissabon und Oporto ist nur oberfläch⸗ lich Neue Unruhen können jeden Augenblick ausbrechen. Aus dem Reiche. Berlin, 20. Mai.(WTB. Amtlich.) In der Sitzung des Bundesrats gelangten zur Annahme: Eine Vorlage betreffend Prägung von Drei⸗ und Zweimarkstücken als Denkmün⸗ zen zur Erinnerung an den verewigten Herzog Georg von Sachsen⸗Meiningen; eine Vorlage betreffend Erlaß des Wehr⸗ bdeitrags zur Vermeidung von Doppelbesteuerungen; ein Ent⸗ wurf der Verordnung wegen Aenderung des Paragraphen 8 der Verordnung betreffend Tagegelder, Fuhrkosten und Umzugskosten der Beamten der Militär⸗ und Marineverwaltung vom 11. De⸗ zember 1906; Entwurf einer Bekanntmachung über Verfüttern von grünem Roggen und Weizen.. 45 e, 0 len Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. Mai 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Reservist Heinr. Hansel, Res.⸗Ins-Agt. 223, aus Schlitz.— DOPberlt. d. Res. Amtsrichter Henner Lommel aus Weilburg.— Kriegsfreiw. Fritz Christ, Ersatz-⸗Rgt. 87, aus Heppenheim.— Hardist Albert Schmidt, Res.-Ins.⸗Regt. 205, aus Stock⸗ hausen a. d. L. 1 Ritter des Eisernen Kreuzes. Leutnant der Landw. Schimpf, Oberlehrer an der Oberrealschule in Alsfeld. Leutn. Usinger, Lehrer an der Beere in Alsfeld. Feldw. Steinacker aus Kirtorf. Oberstabsarzt Dr. Braun von Diez(1. Kl.) Unteroff, im Inf.⸗Regt. 145 A. Kraus aus Ginseldorf. Pionier Wilhelm Medebach aus Wetzlar, beim e% 16. Unteroff. Wilhelm Schneider aus Langenhahn, Oberwesterwaldkreis. n Militärische Ausbildung der Jugend. Am Samstag abend fand ein Vorpostengefecht zwischen Wieseck und Trieb statt. Am Mittwoch abend' unterrichtete ldwebel-Leutnant Ranft über Vorposten- und Feldwach— enst. Im Anschluß daran sprach Prof. Dr. Brand, Oberleutnant d. L., Über die Kämpfe des Res.-Inf-Regts. 80 auf dem rechten Flügel der kronprinzlichen Armee von Ende September ab. In außerordentlich interessanter Weise schil⸗ derte der Redner die überaus schwierigen Pionierarbeiten des modernen Krieges, wie sie z. B. nötig wurden für die Erstürmung der Höhe 191 südlich von Cernay. Begeisterter Beifall wurde ihm zuteil.— Die nächste Instruktionsstunde indet in 14 Tagen(Mittwoch, 2. Juni) statt. An diesem * 5 wird bei genügender Meldung wieder eine Ersatz- eilung zusammengestellt. * Die Entwicklu brad estern abend auf nades Kriegs⸗Seewesens date der hiesigen Orts⸗ „gruppe des Flottenvereins 5. 9 9 85 1 n ö s in der Neuen Aula In⸗ Leider hatte man sich, wie auch Ober⸗ 1 genieur Hans Lemke. bibliothekar Dr. Heuser in seiner Eigenschaft als Ortsgrup⸗ penvorsitzender in einer kurzen Einführungsansprache be⸗ merkte, in dem Interesse des Publikums getäuscht, denn der Besuch war in anbetracht des überaus zeitgemäßen Vortrags⸗ gegenstandes äußerst spärlich. Unterstützt von einer gediege— nen Auswahl von Lichtbildern gab der Redner einen ge— schichtlichen Ueberblick des weiten Weges, den die Kriegs— schiffbaukunst vom Einbaum bis zum Ueberdreadnought in einer jahrtausendelangen Entwicklung zurückgelegt hat. Ex⸗ pansionsbedürfnis, Entdeckertrieb, Raublust und Handels— beziehungen haben die Völker schon in grauer Vorzeit auf die Wogen des Meeres hinausgetrieben. Im drachenkopf⸗ geschmückten schildbewehrten Boot fuhren die Wickinger ohne nautische Kenntnisse über den Ozean und den Flußläufen nach weit ins Land hinein; mit Ramm⸗ sporn, Enterbrücken und Gefechtstürmen vernichteten die flinken Galeeren der Römer die schwerfälligere punische Flotte und erkämpften sich die Herrschaft im Mittelmeer; an die Ruder geschmiedet, in drei, vier, fünf Stockwerken, übereinander, arbeiteten bis ins Mittelalter hinein Sklaven und Verbrecher an den Rudern, um dem Schiffe neben der Kraft des Segelwindes die des Menschen zu leihen. In einer gebrechlichen, kaum 400 t großen Karavelle— unsere Dread— noughts haben bis zu 30 000 t— der„Santa Maxia“, fuhr Kolumbus über den unbekannten Ozean. Allmählich drängt das Gebot der Wehrhaftigkeit und der Beweglichkeit die Schiffe zu größeren Dimensionen, starken Bug- und Heckauf— bauten, nautischer Vervollkommnung. Mittelalterliche Schiffbaukunst feierte ihre Triumphe in den starken Koggen der Hansa, mit der diese lange Zeit die Meere eher Auf ihnen findet sich schon die neue Waffe, die damals dem Menschen in die Hand gegeben wurde, das Geschütz, freilich noch in unbeholfener, wenig brauchbarer Form. Mit seiner Entwicklung stieg auch der Gefechtswert der Kriegsschiffe. Sche die Geschützkraft auch noch nicht zum Versenken eines Schiffes und kam es stets noch zu Enterkämpfen Mann gegen Mann, so hatte man doch erkannt, daß die Entwicklung der Seekriegskunst zum Fernfeuergefecht trieb. Mit großen Schritten ging diese weiter, als die Dampfmaschine dem Schiffbau nutzbar gemacht wurde und der Panzerschutz auf⸗ kam. Von Galeere, Korvette, Fregatte und wie die Schiffs- typen alle heißen, gelangte man dann schnell zu unseren modernen Panzerschiffen, deren Entwicklung durch den Kampf um die Ueberlegenheit von Stahlpanzer oder Geschoß gekennzeichnet ist. Eine Reihe guter Bilder zeigte zum Schluß des Vortrags die wesentlichsten Typen unserer deut⸗ schen Flotte, Linienschiffe, Küstenpanzer, große und kleine Kreuzer, Torpedo⸗ und Unterseeboote, deren Verwendung und taktischen Wert der Redner kurz schilderte. e Kreiskomitee für Rotes Kreuz und Kriegshilfe. Nach Mitteilung des Kreiskomitees sind in der Zeit vom 11. April bis 11. Mai 1915 aus folgenden Gemeinden bezw. von folgenden Gebern die beistehenden Be⸗ träge an den Kreiskasserechner abgeliefert und von diesem an den Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt über⸗ wiesen worden: 1. aus Gemeinden: Hungen 175, In⸗ heiden 80, Steinheim 20, Utphe 70, Villingen 94.48 Mk., 2. von der Molkerei Hungen 200 Mk. Der Gesamt⸗ betrag der vorstehend aufgeführten Gaben beläuft sich auf 639.48 Mk. Unter Einrechnung des bisher bereits abgeliefer— ten Geldes ist hiernach bis jetzt aus den Landgemein⸗ den des 1 Gießen der Betrag von 43 515.95 Mark an den Landesverein in Darmstadt abgeführt worden. Weiter sind seit dem 11. April 1915 abgeliefert worden an den Landesverein vom Roten Kreuz in Darmstadt zur Be⸗ schaffung von Verwundeten⸗Autos. Lazarettzügen; aus den Gemeinden Ettingshausen 146.49, Großen⸗Buseck 315, Oppenrod 82.40, Staufenberg 54, insgesamt 597.89 Mk., an die Mitteldeutsche Creditbank, Filiale Gießen: für die Hinterbliebenen von Fliegern, Luftschiffern und Untersee⸗ bootleuten aus der Gemeinde Großen-Linden 26.61 Mk., auf das Konto des Kreiskomitees aus den Gemeinden Beuern 23.75, Garbenteich 100, Villingen 22, insgesamt 145.75 Mk. ** Keine besonderen Pfingstliebesgaben. Das Stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps macht bekannt: Die von der Heeresverwaltung seinerzeit gegen die Osterliebesgabensendungen erlassene Erklärung er— streckt sich sinngemäß auch gegen derartige Sendungen aus Anlaß des Pfingstfestes. Danach ist es nicht angängig, besondere Pfingstliebesgabensendungen an die Front zu schicken. Weder die Militär-Paket⸗Depots noch die Güterabfertigungsstellen übernehmen die Vorführung an⸗ läßlich des Pfingstfestes etwa geplanter geschlossener Trans— porte mit Liebesgabenpaketen. * Verbot des Ausdrucks„Sanitäter“. Der fast durchweg dienstlich und noch mehr privatim im schrift⸗ lichen und mündlichen Verkehr mit den Behörden angewen⸗ dete Ausdruck„Sanitäter“ für das Heeressanitäts⸗ personal oder Angehörige der freiwilligen Krankenpflege ist fortan verboten. Es sind unter allen Umständen nur folgende Dienstbezeichnungen zulässig: Bei dem Unterperso⸗ nal im militärischen Sanitätsdienst heißt es„Sani⸗ tätsmannschaften“(„Sanitätsfeldwebel“,„Sanitätsunter⸗ offtzier“ usw.) und bei den Angehörigen der freiwilli⸗ gen Krankenpflege„freiwillige Krankenpfleger“,„freiwil⸗ lige Krankenträger“ usw. Auch im persönlichen Verkehr hat die Anwendung des Ausdrucks„Sanitäter“ fortan nicht m tattzufinden. 0 5 Kreis Friedberg. J Bad-Nauheim, 21. Mai. Da die Zahl der Kur⸗ gäste sich ständig steigert, sind von den 9 staatlichen Badehäusern jetzt 6 geössnet. Der Charakter des Kurlebens ist anders als sonst. Er ist weniger international, doch ist eine stattliche Anzahl von Gästen aus Oesterreich-Ungarn, aus Holland, Skandinavien usw. vorhanden und es laufen auch beställdig Anfragen aus dem neu- tralen Auslande ein. Gern gesehene Gäste sind unsere Feldgrauen, die sich der Segnungen des Bades ersreuen. h Nieder-Wöllstadt, 20. Mai. Ein hiesiger Land wirt in mittleren Jahren machte seinem Leben durch Erhängen ein Ende. a Kreis Wetzlar. At Wetzlar, 20. Mai. Aus dem hiesigen Gefangenen- lager sind in letzter Zeit nach Gießen, Limburg usw. Tausende von Franzosen verlegt worden, so daß dessen Bestand nur noch aus 1600 Gefangenen besteht. Wie man hört, soll das Wetzlarer Lager nur noch mit Russen belegt, werden. Hessen⸗Nassau. h Höch st a. M., 20. Mai. Bei der heute stattgesundenen Landtags⸗Ersatzwahl im Wablkreise Höchst Wiesbaden wurde für den verstorbenen Abgeordneten Wolff- Biebrich der nationalliberale Kandidat Justizrat Dr. Haeuser(Höchst) von sämtlichen anwesenden 211 Wahlmännern zum Abgeordneten ge⸗ wählt. Zentrum, Jortschrittler und Sozialdemokraten hatten ihren Anhängern Wahlenthaltung empfohlen. 5 X Danau, 19. Mai. Nachdem erst kürzlich ein jugendlicher Postaushelser wegen Entwendung von Feldpostpaketen sestgenommen worden ist, hat nunmehr auch den 20jährigen Hilfs- anspanner Meub von hier das gleiche Schicksal erreicht, der in noch stärkerem Maße als sein Vorgänger Jeldpostpatete gestohlen hat.— Im Maine ertränkt hat sich der 24 Jahre alte Land sturm-Rekrut Louis Karb aus Hanau, der beim 2. Ersatz⸗ Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 168 in Darmstadt diente und set: einiger Zeit von diesem Truppenteile wegen unerlaubter Entfernung gesucht worden war. Karb war ein talentvoller Musiker und hatte schon an einem größeren auswärtigen Theater aushilfsweise als Kapellmeister gewirkt. m. Neustadt, 19. Mai. Der Fürsorgezögling Ludwig) Peter hatte mit mehreren Kameraden einen Ausflug nach Treysa, gemacht. Zur Rückreise benutzte er anstatt des Personenzuges einen Schnellzug, der die hiesige Station 6,09 Uhr nachmittags durchfährt. Oberhalb der Station, in der Nähe der Teichmühle, sprang, 1 Peter aus dem in voller Fahrt befindlichen Schnellzuge und zog sich glücklicherweise nur eine Verletzung 5 am Knie zu, deren Heilung er im hiesigen Schwesternhause er- wartet. Eine bahnpolizeiliche Untersuchung gegen den kühnen Springer ist eingeleitet worden. g Vermischtes. e. Aschaffenburg, 20. Mai. Der 74jährige Rentier Heinrich Risse, ein Mitkämpfer der Feldzüge von 1864, 1865 und 187% ist als Kriegs freiwilliger in das Heer eingetreten und einem Landsturmbataillon in Schleswig eingereiht worden. Der 7 5 wackere Vaterlandsverteidiger dürste vielleicht der älteste Kriegs- 8 freiwillige der Armee sein. a Handel. 2 4 Gewerkschaft Gießener Braunsteinberg⸗ werke vorm. Fernié. Der Grubenvorstand hat jetzt den Gewerken den Rechnungsabschluß und die Bilanz für das Jahr 1914 übersandt. Nach der Gewinn- und Verlustrechnung beträgt der Betriebsüberschuß Mk. 360 731, wozu noch aus Nebeneinnahmen der Betrag von 26617 kommt, so daß der Rohüberschuß im ganzen für das abgelaufene Jahr Mk. 387 348(gegen Mk. 625 188 im Vor- jahr) beträgt. Es gehen hiervon ab die Verzinsung der beiden 1 Anleihen Mk. 102 797, außerdem Nebenausgaben Mk. 68 686 und Vergütung für den Grubenvorstand Mk. 30 000. Nach Abzuig— dieser Beträge in Höhe von Mk. 201484 verbleibt ein Reingewinn von Mk. 185 863(gegen- Mk. 487 483 im Vorjahre). Hiervon wurden an Ausbeute verteilt Mk. 50 000(gegen Mk. 237 500 im Vorjahre), Von dem dann noch verbliebenen Ueberschuß in Höhe von Mark 135 863 werden zur Rückzahlung von 100 Obligationen der 1. un- leihe und 54 Obligationen der 2. Anleihe Mt. 133350 verwandt so daß Mk. 2513 auf neue Rechnung vorzutragen sind. N ———. Kirchliche Nachrichten. 1 Jsraelitische Religionsgemeinde. 0 Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage), Samstag, den 22. Mai 1915: Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. 8 Nachmittags: 4.00 Uhr. 3 Sabbataus gang: 9.10 Uhr. 0 Israelitische Religionsgesellschaft. N Gottesdienst. 5 Sabbatsefe an 22. Mai 1915: Freitag abend 7.55 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. N Samstag nachmittag 4.00 Uhr. 125 Sabbatausgang 9.10 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. ——.—(T— Amtlicher Wetterbericht. i 10 Die Wetterlage hat sich seit gestern nur wenig verändert, so daß wir mit keiner wesentlichen Aenderung der bestehenden Witte⸗ rung zu rechnen haben 5 Wetteraussichten in Hessen am Somstag, den 22. Mai 1915: Wolkig, trocken, mild, nordöstliche Winde. ———— Letzte Nachrichten. 1 Ein englisches Angebot an den Papft? 135 Zürich, 20. Mai.(Voss. Zeitung.) Von einer Seite, die 5 als sicher unterrichtet gelten kann, wird mitgeteilt, daß die eng⸗ lische Regierung dem Pap si den Antrag gemacht hat, für die Dauer des Krieges nach England über zusiedeln, wo die Re⸗ gierung einige Millionen Lire zur Bestreitung der Kosten seines Aufenthalts zur Verfügung stellen würde. Es versteht sich von selbst, daß der Papst diesen Antrag abgelehnt hat. l Eine Erklärung des französischen Kriegsministers. Genf, 21. Mai. Der französische Kriegsminister gab 1 Armecausschuß der Kammer einen ganz bestimmten Bescheid 70 die in der vorgestrigen Sitzung gestellten Fragen über die Vora 1 sicht eines direkten Zusammenwirkens der Italiener mit den Franzosen und Engländern zu Lande und zur See, ferner ob Italien sich verpflichte, spätestens am 27. Mai mllitärisch einzugreifen und ob die italienischen Streit⸗ kräfte bestimmte Aufgaben zur Förderung der Interessen des Drer⸗ verbandes gegenüber der Türkei übernommen hätten. Die mini⸗ sterielle Presse erwartet, daß es Italiens erste Aufgabe sein werde, vereint mit Serbien neben Albanien gewisse Pläne durchzuführen. Der„Eclair“ meint, das Zusammenwirken der italienischen Truu⸗ 3 den französischen solle auf das notwendigste beschränkt wer 8 2 Eine Aeußerung des bulgarischen Kriegsminifters. Wien, 21. Mai. Der Korrespondent des„Pesti Hirlap!“ meldet aus Sofia Der bulgarische Kriegs minister habe sich ihm gegenüber folgendermaßen geäußert: Für die Oeffentlichkeit habe ich nur einen einzigen Satz: Die Armee ist be⸗ reit, die wartet nur auf den Befehl. Wir haben alle Vorberei- tungen getroffen. Das übrige ist Sache der Politik. Ich wan immer der Ansicht, daß der Soldat nicht viel sprechen, sondern“ .... E er beendete den Satz nicht und machte eine kräftige bezeichnende Handbewegung. 3 Aus Griechenland. 5 Wien, 20. Mai. Das„Deutsche Volksblatt“ meldet aus Sofia: In Athen herrscht starke Erregung über Italiens Vorgehen, das besonders gegen die griechi⸗ schen Interessen auf dem Balkan bezeichnet wird. Wichti Entscheidungen stehen für die nächsten Tage bevor. g Keine serbische Ministerkrise. 1 Bukarest, 21. Mai. Das Pressebureau veröffentlicht folgende Mitteilung des serbischen Ministeriums des Aeußern: Die 1 rüchte über eine Regierungskrise sind vollständig grundlos. Auch jene Nachrichten entsprechen nicht den Tatsachen, daß zwischen Serbien und Italien in der Adriafrage ein Uebereinkommen zustande gekommen sei. N Eine Seeschlacht im finnischen Meerbusen. 993 Stockholm, 21. Mai. Stockholms Tidningen meldet! aus Haparanda: Reisende, die heute aus Finnland ein⸗ getroffen sind, berichten, sie hätten im finnischen Meerbusen Kanonendonner gehört, der sehr heftig war; die Häu⸗ ser in Helsingssors seien erschüttert worden. Ein russischess Kriegsschiff sei in scheinbar beschädigtem Zustande im Hel⸗ singforser Hasen eingelaufen. 5 985 9 Bruch Heilunglautet die Sonderausgabe, welche von dem Bruch⸗Heil⸗Institut Habenicht unter Leitung des Herrn San.-Ra 4 Dr. med. Mueller u. Dir. Habenicht der heutigen Num⸗ mer unseres Blattes beigelegt ist und für die wohl in weiten Kreisen Interesse voxausgesetzt werden darf. Das operationslose Heilver⸗ sahren der Habenicht⸗Bruch⸗Heil⸗Institute hat sich in ungezählten Fällen seit Jahren glänzend bewährt, wie zahlreiche Anerkennungs⸗ schreiben beweisen. Um jedem Bruchleidenden Gelegenheit zur Er⸗ kundigung bei Geheilten zu geben, wird auf Wunsch von dem Haupt⸗Institut in Cöln a. Ny. das Buch über den Unterleibsbrucß zugesandt, dem weitere Anerkennungsschreiben Geheülter beilegen, 14399 50 5 * Toddes-Angeige. Beuto morgen 7 Uhr versel ied nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine innigst geliebte, herzens ule brau unge e gute Mutter. Tochter, Schwiegertochter, Schwester. 8 Schwägerin, Jante und Gote Frau Elise Balser, geb. Balser im 34. Lebensjahr. Heute entschlief plötzlich und unerwartet unser guter, treu- sorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Juda Katz Metzger im bald vollendeten 76. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Gefangenenanfseher Balser und Kinder Familie Balser Familie Müller. Offenbach a. M., Rödgen b. Gießen, Alten- Buseck, den 20. Mai 1915. Die Beerdigung findet am 1. Püingstfeier' ag. 29 Mai, nachmitfags 3 Uhr, vom Sterbehause in Rödgen aus statt. 4413 Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Wieseck, Beuern, Niedermockstadt, Leipzig, Giessen, den 20. Mai 19 15. 5 SO eseseeeeseeeessess Doosesoseeeeeeeeee . Verlag von Julius Springer in Berlin W ö Soeben erschien: 5 7 Habe die Praxis wieder aufgenommen. Eine Frage! Dr. K. Ploch Wie erhalten wir der Zukunft die Die Beerdigung findet Sonntag, den 23. Mai, nachmittags um 2½ Uhr, vom Trauerbause in Wieseck aus statt. 4422 Danksagung. Für die herzliche Teilnahme, die uns Ker 2 f 25 2 bei dem Heimgange unserer lieben Ent— 5 128. erhebenden Kräfte dieses Krieges 1 schlafenen in so reichem Maße erwiesen Sprechstunden von 2 bis 4 nachmittags wurde, sagen wir innigsten Dank. nur werktags. r 1 1 d 2 Johannes Marbod Familie Heinrich Gerhard III.———˙—Q——— 2 8 f Preis 50 pfg a g* 2 ö. 425⁵¹ Steinbach, den 20 Mai 1915. 0275⁵ 17 Licht- Spiel- Haus 1 N 2 85 4 vom 18. bis Inkl. 21. Hal 1218: au beziehen durch jede uchhundun!! 5 9 r Die Gulaschkanons 5555888888856 5665605566688 4 Braunfels a. d. Lahn Se ee. eine heitere Episode aus ernster Zeit in 2 Aurugen. 5 zr: ä . Gr. alt. Garten. Wunderu. free Lage. Bes: Geschw. Thörner.]] Ein Traum vom eülden Westen, interessantes * 4.5150 Indianerschauspiel. 1115 1 5 In Inra- Gebirge, malerische Naturskizze. 18 12 * Unbegründete Eifersucht, humorist. Szene. 722 pargel! Sparge 1 1 Der Zauber der Unschuld f 74 1111 f Täglich zweimal frisch gestochen in bekannter Güte. realistisches Filmspiel in 3 Abteilungen. 71 3 Ebenso Kopf.-Salntz, Gurken usv. A emp- Purzel als Ehemann, lustige Posse. 2 G e N Heinrich Huhn. Julius ist ein Ramerg er Liebhaber, 1 1 5 Bestellungen werden täglich in meiner Wohnung, ee in Knaben, Jünglings- und Herren-Grögen 11 — 30.— abends 6 Uhr entgegen genommen. voranzeige! Ab Samstag, den 22. Hal 10161 1 f Joes oO enαοοο,fe-dsusss eee ο,/ẽ Das gewaltigste Kriegsschausplel aller Zelten l 121 1 3 0 8 3 600 0 a f— 11 4 en E ante gftige 027ů1 Die Heldin aus den Vogesen Wasch-Blusen 1 1 Ein Drama in 3 Akten, nach wahren Be ebenheiten 110* i. 1 175 D fe b S 2 II 2 I— n Emil Herold. In den Hauptrollen 151 Wasch Anzüge 1 1—2 2 vom*— 1 2 in 22 1 d 9 f.. Sie in de anchen. Die, Handlung spielt in dem kleinen 11: 8 Spanischen Garten Bahnhofstr. 4 deutschen Grenzort Schirmek in den Vogesen. ö 1. 0 en Oppen 1 7* 4 7 Filialen: Seltersweg 9, Kirchenpl. 10. Tel. 932 Kllitar v. Feldwebel abwärts zahlt Lerkiugs A une 1 Wasch Joppen Heute frischer Waggon Apfelsinen und Zitronen f Hosen in jeder Art Billige Preise! eingetrossen. Billige Preise! Achtung! A chtung! Berufs-Kleider 121 fl. Mase aus Tyrol(Oesterreich). Morgen Samstag, 22. Mal eder duese“ e:: EIträ oss Pfingstverkauf; eee f b Jedes Quantum am Potel Felsenkeller in Gießen. Mako- Hemden USW. Großaxt, holl. Butter-Kopfsalat 3 Stück 20 Pfg., 2. Sorte g. bend 50. m Greer een euer Able 8 e empfiehlt in schönster Auswahl und zu alten 11 1 1 2 Pfund 20 Pfg. Extrafeiner neuer rsing St. 15 Pfg.,* 2 721 7 . Dicker Rbabarber 3 ufd. 5 Pia. Prima oll. Schwarz- billigen Preisen i 3 4 wurzeln Pfund 15 Pfg. Dicker Meerrettich Stange f 5. 1 10 Pfg. 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