Die„Gießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Wie stark ist Italien? Während Deutschland und Oesterreich-Ungarn bei Be— — des Krieges ihre Rüstung in wenigen Tagen in den ampfzustand bringen mußten, hatte Italien Wochen und Monate geit, die gepanzerte Faust herzustellen, mit der es jetzt auf den Tisch der diplomatischen Verhandlungen schlägt. Welche Bedeutung hat zur Stunde Italien als Mili— tärmacht? Die Zahlen, die während des Tripoliskrieges genannt wurden, darf man einer heutigen Betrachtung nicht zugrunde legen, wie das vielfach geschieht. Es hat sich seitdem manches geändert. Der italienische Kriegsminister Generalleutnant Zupelli verstand es zweifellos, die Gunst der bisheri Neutralität des Landes auszunutzen, um den Umfang und die innere Stärke der italienischen Wehrmacht zu vergrößern. In seiner umgestaltenden Tätigkeit ordnete er sich freiwillig dem Generalstabschef General Cadorna unter, weil er in diesem den Höchstkommandierenden des etwaigen Krieges sieht. Das Hauptziel des Ausbaues bestand in einer Steigerung der Heeresstärken. Das italienische Wehrgesetz kennt drei Aufgebote. Für das erste und zweite Aufgebot besteht achtjährige Dienstpflicht(das erste ist im allgemeinen zwei Jahre aktiv) im stehenden Heere, vier— jährige Dienstpflicht in der Mobilmiliz und siebenjährige in der Territorialmiliz. Das dritte Aufgebot steht während der 19jährigen Wehrpflicht(vom vollendeten 20. Lebensjahr ab) in den Listen der Territorialmiliz. Das zweite Aufgebot kann im ganzen nur bis zu sechs Monaten zum aktiven Friedensdienst herangezogen werden. Die Zuteilung zum zweiten und dritten Aufgebot erfolgt auf Grund von Fa— milienrücksichten. Unter den Fahnen stehen jetzt 12 Armeekorps und drei Kavalleriedivisionen in der Gesamtstärke von etwa 650000 Mann. Wird der Krieg erklärt, so kommen sofort hinzu 12 Divisionen und Spezialtruppen in der Stärke von 250000 Mann, sowie 450 000 Mann Landwehr. Die Armee ist in vier Armeekommandos eingeteilt: Rom, Florenz, Mailand und Neapel. Jedem Armeekommando sind drei Armeekorps unterstellt. Neben diesen zwölf Armeekorps mit 25 Divisio— nen stehen die genannten drei Kavalleriedivisionen(Mai- land, Udine, Vicenca) im Bereiche des 3., 5. und 6. Armee— korps. Besondere Aufmerksamteit hat man diesmal der Ausbildung der Reserveoffiziere zugewandt. Es sind mit Beginn des Frühjahrs etwa 7000 einberufen worden. Eine Reihe von Verordnungen hat hier die früheren Verhältnisse zu verbessern gesucht. Die Feldartillerie, die Krupp⸗ ches Rohrrücklaufgeschütz mit Schutzschild und daneben ein neues Deéport⸗Geschütz führt, ist verbessert; sie hat jetzt in jeder Batterie vier Geschütze. Jedes Armeekorps besitzt jetzt nicht mehr 16, sondern 24 Batterien. Die schwere Ar- tillerie mit ihrer Kruppschen Rohrrücklauf-Feldhaubitze, iber 14,9 em, ist vermehrt, ebenso die Gebirgsartil-⸗ ler ie, die jetzt aus 46 Batterien besteht und ein 6,5 em- kalibriges Rohrrücklaufgeschütz führt. Die Luftschiffer⸗ waffe ist vollständig neu organisiert worden. Unter Auf— lösung des bisherigen Spezialistenbataillons und des Flie⸗ gerbataillons sind die Luftschiffer und Flieger zwei Trup— penkommandos unterstellt und bilden je ein Luftschiffer— und Lenkluftschifferbataillon mit beigegebener Wertstatt⸗ abteilung und ein Fliegerbataillon; letzteres verfügt über Flugzeuggeschwader und ein Schulbataillon. Die italienische Flotte hat zurzeit ungefähr folgende Stärke: 16 Linienschiffe(auch der Dreadnoughttyp ist ver— treten), 10 Panzerkreuzer, 14 geschützte Kreuzer, 4 Ka⸗ nonenboote, 36 Torpedobootszerstörer, 63 Hochsee-Torpedo— boote, 20 Unterseeboote, Schul- und Spezialschiffe, hierzu 5 Hilfskreuzer. Dies alles sind natürlich nur Zahlen und Schätzungs⸗ werte, wie sie bei jedem drohenden Kriege aufgestellt wer— den. Wirklichen Wert hat nur der Erfolg und das Zeugnis der Geschichte. In der Vergangenheit ist die italienische 3 meist sehr wenig imponierend hervorgetreten; die Mißerfolge überwiegen bei weitem die Siege. 0 9 Samstag, 15. Mai 105 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. 2 R. Lange, Gießen. 7 Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: 812. Adresse für Drahtnachrichten⸗ f Anzeiger Gießen. Der Rücktritt des Kabinetts Salandras. Wien, 14. Mai.(WT Nichtamtlich.) Zum Rücktritt Sa⸗ landras schreibt das„Neue Wiener Abendblatt“: Das Mi⸗ nisterium zog die Konsequenzen aus der selbst geschaffenen Zwangs⸗ lage. Der Rücktritt scheint die Möglichkeit einer freundschaftlichen Auseinandersetung mit Italien auf dem Wege von Zugeständ— nissen zu verstärken. Tie öffentliche Meinung Oesterrcich-Ungarns bringt der Werte der Friedenserhaltung und den Notwendigkeitcee der Lage volles Verständnis entgegen. Die„Neue Freie Presse“ sagt: Die Demission darf als ein Zeichen für die Erstarkung der Friedenskräfte in Italien gelten. Die Entente wird noch jetzt alle Hebel in Bewegung seten, um Italien in ihr Lager hinüberzuziehen. Wir hoffen jedoch, daß dies nicht gelingen und die äußerst wichtigen Entscheidungen der nächsten Tage den Glauben an eine friedliche Lösung nicht er schüttern werden.— In ähnlichem Sinne schreiben auch die übri— gen Blätter. 5. Kundgebungen in Rom. Rom, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Anläßlich der Ankunft d'Annunzios hatte sich eine mehrtausend— köpfige Menge auf dem Bahnhof versammelt. Die Via Ca vour, wo die Wohnung Giolittis liegt, war zwar abgesperrt, allein die Demonstranten gelangten, die aufgestellten Trup— pen durchbrechend, vor das Haus Giolittis und ver— anstalteten eine lär mende Demonstration. Um die Menge zu zerstreuen, wurde Kavallerie herbeigerufen, die, gegen die Demonstranten losstürmend, von diesen umringt und bejubelt wurde. Die Polizeioffiziere grüßten mit ge— zogenem Säbel. Vor dem Hotel Regina, wo d' Annunziod ab gestiegen war und von dessen Balton aus er zur Menge sprach und nach Aussage von Teilnehmern etwa 7000 Per- sonen versammelt waren, scheint kein besonderer Zwischen— fall vorgekommen zu sein. Auf dem Wege nach der Wohnung Salandras, wo sich den Demonstranten ebenfalls ver— gebens Truppen entgegenstellten, verwundete einer der De— monstranten einen Polizeiagenten. Dagegen gelang es der Menge nicht, den Weg nach dem Quirinal zu erzwingen Auf den Wegen nach der Piazza Venezia, wo die öster⸗ reichische Botschaft beim Vatikan liegt, kam es zu Aus⸗ schreitungen von Studenten und anderen jugendlichen Ele— menten. Aber auch hier war es den Demonstranten nicht möglich, ihr Ziel zu erreichen. Die Piazza Colonna war bis Mitternacht abgesperrt. In der Umgebung der Villa Malta waren starke Kavallerieabteilungen aufgestellt, um Demonstrationen gegen das Palais des Fürsten Bülow zu verhindern, der übrigens, wie die Zeitungen hervor— heben, seine gewohnten Besuche, Ausfahrten und Spazier— gänge fortsetzt. Aus verschiedenen Städten Ober-, Mittel- und Unter- Italiens werden ähnliche Demonstrationen gemeldet. Dem neuen russischen Botschafter v. Giers wurden bei seinem Eintreffen begeisterte Kundgebungen bereitet. Die inter- ventionistische Presse begrüßte Giers mit enthusiastischen Leitartikel. Rom, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.)„Agenzia Stefani“ meldet: Am Vormittag versammelten sich einige Hundert inter⸗ ventionistischgesinnte Studenten in der Universität. Sie begaben sich nach der Piazza di Monte Citorio, drangen in. den Vorsaal der Kammer ein, zertrümmerten die Scheiben und stießen die Fenster der Vorderseite ein. Den anwesenden Abgeordneten und den Dienern der Kammer gelang es, den Vor- saal von den Demonstranten zu säubern, worauf diese sich ent⸗ fernten. Insolge dieser Vorfälle wurde der Polizeikommis— sar, dem die Bewachung des Palastes der Kammer obliegt, auf Weisung des Ministers des Innern seines Amtes ent- hoben. Sein Dienst wird von dem Quästor persönlich über⸗ nommen werden. Von unserm Kriegsberichterstatter. (Unberechtigter Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Ein kleiner Krupp an der Front. g Großes Hauptquartier, 9. Mai. Eine endlos lange Ziegelmauer, hinter der man ein paar Fabrik- oder Werkstättengebäude mit Glasdächern sieht. Dann ein hohes, eisernes Tor, mit einem weißen Holztäfelchen W. d. B.-A. Eine Kunst⸗Ausstellung in Darmstadt. In der Halle des Kunstvereins sind zurzeit eine Reihe inter— Bilder von bekannten hessischen Künstlern, Mitgliedern des nstvereins und der Künstlerkolonie, ausgestellt, die in ihrer Ge⸗ samtheit ein vielseitiges und anziehendes Bild unserer heimischen Kunst gewähren und Anspruch darauf haben, auch in der ernsten 1 Zeit Beachtung zu finden! Georg Altheim ist mit einer Anzahl Landschaften vertreten, bei denen es dem Künstler wohl weniger darauf ankam, kolo⸗ ristische Probleme zu lösen, technisch Neues zu bieten, als vielmehr den Stimmungsgehalt eines Naturbildes zu erschöpfen und dem Beschauer zu vermitteln! Guter Geschmack und ein nicht alltäg⸗ liches Können sind seinen Werken eigen, wenn sie auch nicht durch⸗ weg zu fesseln vermögen. So ist z. B„Karlshof“ sauber, aber ohne besonderes malerisches Interesse, besser gelungen ist„Birken⸗ hang im Frühling“. Aus ihm spricht ein feines Empfinden für Lichtwirkungen und ein scharfes Beobachten interessanter Beleuch- tungsefsekte. Die zarten, duftigen, hellblauen, grünen und braunen Töne stimmen gut zueinander, die Farbengebung ist breitstrichig, ruhig. Aehnlich wirkt„Marienhöhe“. Hier sind die koloristischen Mittel nur sparsam verwendet; das verschwommene Grau und Blau des 8 gesehenen Bildes gibt die Stimmung eines trüben Abends wirksam wieder! Ganz auf Erfassung des Typus eines Ortsbildes kommt es in„Oberhessische Landschaft“ an. Diese ist sauber, mit bewährten Mitteln gearbeitet, und bietet eine gute ühn da ie 17 5 freil ist„ voll fein erfa „ etreue Wiedergabe der ebenen, ruhigen Flächen, 85 viel Persönlichkeit zu spüren wäre! F ener t“, in dunklem, etwas schwerem Blaugrün er Stimmung. Sehr anziehend ist auch„Winter“. Die Fe alen mit dem wirkungsvollen Kontrast von Land und Himmel gefallen ungemein. Mit einer Reihe verschiedenartiger Bilder sind Professor Beyer und Frau Anna Beyer vertreten! Der lustige„Dra⸗ goner“ ist bekannt; das Bild wirkt fast zu groß und massig für den anspruchslosen Vorwurf.„Geburtstagsmorgen“ ist ein modern angefaßtes Bild, mit sicherem Blick für den Rhythmus der be⸗ wegten und geschlossenen Linie gemalt, so daß die plastisch kom⸗ zonierte Figur sich gut aus dem Hintergrund hervorhebt. Hübsch sind die Blumen in der Ecke des Bildes lt. Das„Bildnis“ ist 8 1 als das„Porträt S. K. 85 des Großherzogs“, das 2 i läßt. Im ersten Bild 7 f. ab de al lisch und flott gefällt jedoch die Tonwertung, die frei te Wiedergabe des Gesichtsausdrucks, wirkt. Aehnliche Vorzüge hat das„Damen- frei ist, aber doch die persönliche Note ver- S bildnis“. Anna Beyer schließt sich mit einigen hübschen Blumen- bildern an, von denen„Rittersporn“ besonders zu nennen ist. Ihr „Bodensee“ ist als gut gezeichnete Landschaft ja nicht übel, aber doch ohne weiteres Interesse; den Stimmungsgehalt des Vorwurfs zu erschöpfen, ist nicht geglückt.. f Wertvolles bietet E. Eimer, dessen Bilder starke Qualitäten besitzen und interessante Probleme behandeln.„Kuhgespann“ und „Bauernhof“ sind plastisch gestaltet, die Figuren gut in den Raum komponiert, die Linienführung kräftig und die Farben frisch. Dasselbe läßt sich auch von„Im Sonnenschein“ sagen, wo die hübsche Charakteristik der drei Kinder auffällt. Eigenartige Manier verraten„Gewittersturm“ und„Bäume im Wind“, die pastos ge— malt sind und aus viereckigen Farbentupfen zusammengesetzt wur— den, was zuerst verblüfft, dann aber entschieden interessant er— scheint und zu guten künstlerischen Resultaten führt. Nur der Himmel wirkt zu unlebendig und kalt. Sehr nette Blätter, im Stil der alten, einst so beliebten Münchener Bilderbogen, sind„Winter und Frühling“,„Vorstellung“,„Begegnung“ und„Weihnachts- mann“. Sauber gezeichnete, treffsichere, lustige Sachen! Kleinere, hübsche, farbige Blätter stellt auch Professor Hart— mann aus; besonders zu nennen sind die zwei Linoleumschnitte „Zypressen“ in Schwarz-weiß und das köstliche, farbige„Schuh— macher und Poet“, das eine scharfe Charakterisierungskunst verrät. Professor Hoelschers„Bauer im Fenster“ und„Junge mit Kanne“ haben als Hauptreiz das Koloristische mit seinen leuch⸗ tenden, satten Tönen, wenn auch Zeichnung und Gruppierung flott und gewandt sind! Ganz auf koloristische Wirkungen sind seine Stilleben gestellt,„Kanne, Licht und Aepfel“ und„Japanische Puppen“ mit der hübschen Kontrastierung der bunten leider zu dem einfarbigen satt-violetten Hintergrund.„Mädchenbildnis“ ver- rät viel Persönlichkeit. 7 a g Eine glückliche Hand in Wiedergabe des Individuellen zeigen auch die Porträts von Professor Illner, von denen neben den großen Bildern des Fürsten und der Fürstin von Solms-Hohen⸗ solms⸗Lich besonders das reizende Köpfchen des kleinen Mädels in Mantel und Muff und der frische kleine Junge im grünem Kittel zu nennen sind. Das sind realistisch gesehene und flott wiedergegebene Köpfe. l g Fein gemalte„Astern“ stellt Auguste Kichler aus. Mit mehreren La⸗zschaften ist Professor H. K. Kröh vertreten.„Wild⸗ park“ hat gu? durchgeführte Perspektive und eine schön beobachtete timmung. Man sehe nur, wie hübsch die hellen Sonnenflecke aufgesetzt sind, wie scharf sie zu den dunklen, farbensatten Bäumen Otzberg“ besitzen Vorzüge ähnlicher Art. In„Odenwald bei„Nie— kontrastieren! Auch„Rabenstein“,„Judenteich“ und„Motiv am H Nr.... Niemand kann ahnen, was dahinter steckt. Erst als sich das Tor öffnet, sieht man einen deutschen Posten, der die Aus⸗ weise jedes Eintretenden prüft. Ein weiter, leerer Hof. Dann be⸗ treten wir die Haupthalle, aus der uns Hämmern und Maschinen⸗ gedröhn entgegenklingt. Ein überraschender Anblick: Zwischen Werkzeugmaschinen stehen in langen Reihen Geschütze, große deutsche Belagerungsmörser, kleine behende Feldkanonen, englische Schiffs⸗ rohre, schwere französische Kaliber und wie Zwerge zwischen den großen Brüdern die Minenwerser in ihren wechselnden Gestalten. Wir sind hier in der„Werkstatt der Belagerungsartillerie Nr....“, von den Soldaten kurzweg das Ka enlazarett ge⸗ nannt. Hierher kommen die Geschütze, die an der Front krank ges worden oder verwundet sind, um in sachverständiger Pflege binnen kurzem zu genesen oder als gänzlich Invalide nach der Heimat zurücktransportiert zu werden. Ganz nahe der damals noch heißumstrittenen, heute von uns undurchdringlich fest abgeschlossenen Front wurde anfangs Oktober eine Maschinenkonstruktionswerkstätte von uns dazu eingerichtet, mit möglichst geringem Zeitverluste die im Kampfe beschädigten Geschütze, soweit das hier draußen möglich ist, wieder in setzen. Das nötige Material war in Masse vorhanden. Die bindungen nach der vordersten Linie ließen nichts zu wünschen übrig. So fanden die 53 Arbeiter, die aus Spandau hier als Soldaten eingekleidet einrückten, günstige Vorb edingungen. In⸗ zwischen sind es ihrer 250 geworden und über Mangel au Arbeit können sie alle nicht klagen, denn sehr bald ist der Betrieb dazu übergegangen, außer den notwendigen Reparaturen auch die selb⸗ ständige Anfertigung von allerhand Kriegsbedarf zu übernehmen. Wir wenden uns zuerst der Kauonenhalle als dem eigentlichen Grundstocke des Betriebes zu. Hier sesseln selbstredend am meisten die in der Schlacht verletzten Geschütze. Unwillkürlich sagt man sich: Wenn schon die ehernen Maschinen durch das feindl. Granatfeuer so mitgenommen worden sind, wie mag es dann erst den Behienungs⸗ mannschaften ergangen sein. Aber das ist ein Trugschluß. ar nicht selten ist das Geschütz fürchterlich zugerichtet, seine Kanoniere aber sind merlwürdigerweise unversehrt geblieben. Ich sah mehrere solcher Fälle. So hat einmal ein Volltreffer einen Protzkasten von vorn nach hinten durchquert. Ec hat dabei sogar den Deckel der Protze, auf welchem zwei Kauoniere saßen, genau in der Mitte seiner ganzen Länge nach aufgeschlitzt. Aber von den Leuten ist niemand verletzt worden und das feindliche Geschoß hat, trotzdem die Protze mit Munition gefüllt war, glücklicherweise nicht gezün⸗ det, sondern ist weiter gefahren, um als Blindgänger in einem Acker stecken zu bleiben. Einem schweren Belagerungsmörser hat ein Voll⸗ treffer die stählerne Achse, rechtwinklig eingelnickt, so daß das Ge⸗ schütz bewegungsunfähig wurde. Aber auch hier ist niemand verletzt worden. Einer der merkwürdigsten Fälle aber, die man sich denken kann, ist die zweifache Beschädigung einer Feldhaubitze. Sie fam vor kurzem in die Werkstatt, weil ihr Schutzschild auf der rechten Seite von einer Granate durchschlagen worden war. Man setzte einen kräftigen Rüster auf das Loch und das Geschütz lehrte zur Front zurück. Aber schon sehr kurze Zeit danach kam es zum zwei⸗ ten Male im„Kanonenlazarett“ an. Diesmal hatten Granat⸗ splitter den Schutzschild genau an derselben Stelle zerlöchert und zerfetzt. Beide Male aber war niemand von den Kanonieren ver⸗ wundet worden. 3 Sehr häufig sind die Beschädigungen der Holzteile der Ge⸗ schütze, namentlich der Räder. Diese werden daher von dem„Holz⸗ arbeitergewerk“ der Werkstatt in den nötigen Größen auf Vorrat gearbeitet und können im Bedarfsfalle schon an Ort und Stelle erneuert werden. Zur Herstellung der Speichen wird wunder⸗ schönes Eichenholz verwendet, welches eine kleine Geschichte hat. Es stammt von einem großen Lagerplatze und war vor dem Einzuge der Deutschen von den Bäckermeistern der Stadt in aller Heimlichteit abgeholt worden, um als Brennholz zerklei⸗ nert zu werden. Dazu wäre das lostbare Material doch zu —— 22 7 132 f. Für Rheumatiker und Neuralgieleidende. Kann seit langen Jahren zum eren Male 9 wieder gehen. 1 Herr Heinrich, München, schreibt:„Da ich schon seit mehreren Jahren fürchterliche Schmerzen in meinem dente hatte und alle ärztliche Hilse, die ich bis jeh gebrauchte, vergebens war, wandte ich mich nom in meiner Verzweiflung an Togal⸗Tabletten. Nach dem Gebrauch von ca. 3 Tagen waren die Schmerzen vollständig weg und seit g Wochen empfinde ich nicht den geringsten Schmerz und kann jetzt wieder lausen, während ich früber nicht mebr wußte, wie ich vom Platze kommen sollte.“ Aehnliche Erfahrungen und noch überraschenderce Erfolge erzielten viele andexe, welche Togal nicht nur bei hheumatis⸗ 1 mus, sondern auch bei Kopsschmerzen, Hexenschuß, Ischtas, Schmersen in den Gelenken sowie bei Influenza gebrauchten. Togal löst die Harnsäure, das verbeerende Selbstgist, wodurch ebenso rasche wie anhaltende Erfolge erzielt werden. Alle Apotheken führen Tagal⸗ Tabletten. Ne Acid. acet. salje. Chinin Mig Ii. 1 der⸗Kainsbach“ gefällt wieder das helle zerstreute Licht, der Landschaft liegt und gut zu dem satten Grün klingt. 8 Auch Johannes Lippmann bietet Gutes! Vor allem„Rast beim Pflügen“ sei erwähnt. Die gut gesehenen Figuren sind wir⸗ kungsvoll aus dem Hintergrund heraus modelliert, dessen hell-leuch⸗ tende Farben zu dem kräftigen Ton der Staffage passen. Seig technisch ausdrucksfähiges Talent bezeugen auch„Gärtner unterm Apfelbaum“(mit schöͤnem Inkarnat der Figur!) und„Bauer, 8 1 7 tränkend“, eine lebendige Bildnisstudie, gut in Ton und Strich. Professor Oßwald stellt vor allem Winterbilder aus. Der Schnee, der äußerst sorgfältig in leuchtendem Blau-Weiß gemalt ist, bietet in den verschiedenen Tonwerten Interessantes. Sehr schön und lebendig wirkt auch die Luftbehandlung in„Buchen⸗ wald“. Eine reizvolle, koloristische Arbeit ist ferner„Einfahrt im Schnee“ Wie ein Rahmen wölben sich die feinstrichigen Bäume um das helle Licht des erleuchteten Hauses im Mittelpunkt und ergeben eine nicht uninteressante, wenn auch vielleicht etwas ge⸗„ zierte Komposition. Das Gleiche gilt von das„Grüne Tor“; bei „Birken im Schnee“ ist die Zusammensetzung der Bäume aus, einzelnen pastosen Farbtupfen beachtenswert! 0 Weinheimers„Römische Landschaft“ in den schweren Tönen ist etwas unlebendig, vielleicht auch zu gesucht in den ver⸗ schiedenen Abstufungen von Grün. Reizvoller mutet„Mainland⸗ schaft“ an, eine bei trübem, verschwommenem Licht gesehene Natur⸗ stimmung; das zerstreute Licht ist gut wiedergegeben. 1 H. Zernins„Märzschnee“ hat eine zu unruhige Komposi⸗ tion; die langen Baumstämme zerschneiden die Fläche zu un⸗ günstig, wenn auch Beleuchtung und Perspektive gut sind.„Heide⸗ kraut“ in seinen zarten Tönen wärkt sehr reizvoll; hier ist den landschaftliche Ausschnitt gut getroffen und bildhaft. In„Herbst⸗ nebel“ fesselt der farbliche Kontrast zwischen dem duftigen Nebel und den hellen, leuchtenden Tönen der Bäume. Auch in„Fels mit Schwarzdorn“ Peu die liebevolle Behandlung eines Natur- bildes und seine bildhafte Wiedergabe. 7 Den Schluß der Ausstellung macht die„Plastik“ eines un⸗ genannten Künstlers, einen Bogenschützen vorstellend, etwas stark pathetisch, aber eine gut durchgearbeitete Bewegungsstudie. Einige sehr feine künstlerische Handschriften, ebenfalls ohne Namen des Meisters, schließen sich an. Dr. P. * — Auch ein Standpunkt. Dem„Temps“ zufolge hat die Societe des auteurs et compositeurs dramatiques alle deutschen, österreichischen und ungarischen Mitglieder, darunter Gerhart Hauptmann, Sudermann und Siegfried Wagner, aus ihren Listen gestrichen. das über chade gewesen und als die Deutschen ankamen, mußten die ücker den so billig erworbenen Brennstoff wieder herausrücken. Neben der Flickarbeit verlangen die von der Front zurück⸗ kommenden Geschütze mancherlei andere Fürsorge. Soweit es sich um unsere eigenen handelt, werden sie, nach gründlicher Reinigung, Die allen anderen Arbeiten voraufgeht, genau darauf nachgeprüft, ob sie durch die Abnützung nicht an Treffsicherheit verloren haben. Dazu ist eine eigene Zielbahn gebaut. Hier werden auch die Züge machgesehen und wenn nötig, neu geschliffen, die Vorweiten mittels geeigneter Apparate festgestellt, neue verbesserte Zielfernrohre auf⸗ setzt usw. Viel durchgreifendere Aenderungen sind vielfach an den eroberten feindlichen Geschützen nötig, ehe wir sie für würdig halten, die in so ungeheuren Mengen in unseren Händen befindliche feindliche Munition auf die eigenen Erbauer und ihre Bundes- genossen zu schleudern. 5 Bei Maschinengewehren, für welche vier neue Schlitten und andere Ersatzteile sabrikmäßig hergestellt werden, sind namentlich die Kühlmäntel große und auch durch Gewehrfeuer leicht verletz— bare Zielpunkte. Durch Verwendung der autogenen Schweißung machen diese Reparaturen, auch wenn es sich um den völligan Ersatz des Kühlmantels handelt, wenig Schwierigkeiten und Auf- enthalt. Jedes Maschinengewehr wird aber, bevor es die Werkstatt verläßt, genau geprüft und eingeschossen. Der der Fabrik benach⸗ barte Schießplatz bietet ein malerisches Bild, welches durch die Nähe der Front und den von dorther ständig herübergrollenden Kanonendonner einen besonderen Reiz bekommt. Ein Jäger schießt das Maschinengewehr nach der vor einem hohen und breiten Erd⸗ walle aufgestellten Zielscheibe ein. Neben ihm wirkt eine Abnahme⸗ kommission, die ihre Aufgabe ebenso ruhig und sachlich erfüllt wie im tiefen Frieden, ihres verantwortungsreichen Amtes. Die Neufabrikation des Betriebes beschäftigt sich selbstver— sständlich am meisten mit dem, was man im Stellungskriege am. ötigsten braucht, nämlich mit Schützengrabenbedarf. Außer Schieß⸗ N ten, Schutzschildern usw. werden hauptsächlich Drahtverhaue angefertigt. Das für den Betrieb nötige elektrische Licht gewinnt man im Kesselhause der französischen Fabrik, welches von uns ebaut worden ist, nachdem man es in einem Zustande vorge⸗ nden hatte, der die an deutsche Ordnung und Sauberkeit ge⸗ hnten Arbeiter entsetzte. Zwei Zentimeter dick klebte der Kessel⸗ sstein an den Wänden der Kessel und als man nachfragte, ob denn diese nie gereinigt worden seien, erfuhr man, daß daran niemand gedacht habe, solange die Fabrik steht. 290 5 2 Einen sehr lohnenden Zweig der Fabrikation verdanken wir den Engländern. Diese haben uns als Beute große Mengen leichter, zu besonderen Zwecken gebauter Wagen überliefert, die sich trefflich für unsere Maschinengewehrkompagnie eignen. Man kann sie mit leichter Mühe und ohne einen Pfennig Kosten für Vaterland zu ihrem neuen Zweck umbauen. Als ein besonders„gepflegter Zweig“ der Werkstatt der Be⸗ erungs⸗Artillerie Nr.... blüht die Fabrikation von Minen⸗ fern, dieser unheimlich wirkungsvollen neuesten Waffe, welche unsere Feinde uns mit so großen Eifer nachzuahmen bestrebt sind. Die Minenwerfer sind Kinder dieses Krieges und vielleicht ist nie⸗ mals die technmische Entwicklung einer Waffe in so schneller Zeit vorwärtsgeschritten. Verglichen mit den hochentwickelten neuesten Modellen sehen die ersten Anfänge, die doch nur wenige Monate ückliegen, wie Kinderspielzeuge aus. Und doch sind auch sie sehr sam und werden bei Gelegenheit weiter verwendet. Aber ändig werden neue Vervollkommnungen eingeführt. Neben den deutschen Arbeitern in den Werkstätten werden zum Reinigen der Räume usw. auch einige Franzosen beschäftigt. iese haben wiederholt den Antrag gestellt, sie auch im eigent⸗ chen Betriebe zu verwenden, ein Ersuchen, dem selbstverständlich entsprochen werden kann. Als sie der als Fabrikleiter wir⸗ e Hauptmann darauf aufmerksam machte, daß sie doch unmög⸗ ch wünschen könnten, Kriegsmaterial gegen ihre eigenen Lands⸗ 5 herzustellen, erwiderten sie, nein, gegen Franzosen würden ie als Franzosen nicht arbeiten. Aber man solle sie gegen die Engländer, welche Frankreich verraten und in das größte Unglück irzt hätten, arbeiten lassen. Das würden sie gerne tun und allen Kräften. Es ist immerhin ein Zeichen und nur eines n vielen, daß wenigstens in den besetzten Teilen von Frankreich Einsicht aufzudämmen beginnt, wie sehr der Engländer seine mdesgenossen mißbraucht. Auch diese Saat wird an ihrem e Früchte tragen, wenn wir als Deutsche auch jetzt den Haß französischen Arbeiter gegen den perfiden Bundesgenossen nicht mützen vermögen. 5 l W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Aus Stadt und Land. Gießen, 15. Mai 1915. Gemüse, die nichts kosten. Von Ende April bis Anfang Juli wird unser wichtigstes Nahrungsmittel, die Kartoffel, in dem Maße als die Jahres⸗ it vorrückt, knapper und auch weniger schmackhaft. Da en grüne Gemüse eine willkommene Ergänzung. Wer lche möglichst billig haben will, mag sich in dieser iegszeit erinnern, daß eine Anzahl wildwachsender Pflan⸗ zen ohne große Umstände wohlschmeckende und gesunde Ge⸗ zmüse liefert. Die finger⸗ oder handlangen Triebe der unter Hecken, an Wegrändern, an Dämmen und sonstigen schatti⸗ Stellen wachsend, allbekannten Brennessel(Urtica rens L.) werden mit Handschuhen gepflückt, dann wie Spinat belesen und behandelt, und geben so ein gefundes Gemüse. An feuchten und vor allem recht schattigen Waldrändern unter Hecken, in schattigen Anlagen und Gebüschen, sind etzt die grundständigen Blätter eines in unserer Gegend t häufigen Doldengewächses erschienen, des Geiß⸗ fußes oder„Gierscher“(Aegopodium podagraria L.). Sie liefern in jugendlichem Zustande ebenfalls ein wohl⸗ bekömmliches Gemüse, das wie Spinat zubereitet wird. Eine dritte, von alt und jung gekannte Pflanze ist der auf en Kleefeldern an grasigen Feldwegen und Rainen wach⸗ ende Löwenzahn, auch Kuhblume oder Ringel⸗ blume(Leontondon Taraxacum) genannt. Wer ihn im Augenblick noch benutzen will, muß sich beeilen, damit er die bekanntlich vielgezahnten, der Pflanzenkundige sagt schrotsägeförmigen Blätter noch vor dem Aufbrechen der goldgelben Kornblüte sammeln kann. Werden die Blätter später gesammelt, so schmecken sie bitter. Die Pflanze ist auf unseren Luzerne-(ewigen Kleefeldern) in den letzten Jahren durch ihre starke Vermehrung eine arge Plage ge⸗ worden. Wer Blätter bei der zweiten oder dritten Schur der Luzerne sammeln kann, wird ein schmackhaftes Gemüse haben. Auch darf der Sammler nicht unbeachtet lassen, daß der Löwenzahn auf feuchten Standorten gewöhnlich ein nahezu ganzrandiges Blatt von der Form eines Schuhlöffels zeigt, das auch verwendet werden kann. In Frankreich werden die Löwenzahnblätter im Vorfrühling durch fach⸗ gemäße Behandlung des Gärtners gebleicht und liefern dann einen hochfeinen, von Feinschmeckern geschätzten Salat. An Salatpflanzen seien nur zwei wildwachsende angeführt. Die Brunnenkresse(Nasturtium officinale R. Br.) und das Scharbockskraut(Ranunculus Ficaria L.) auch Feigwurz genannt. Erstere ist ein Bewohner unserer Wiesen— gräben mit flutendem Wasser. Sie wird als Salatpflanze von Kennern sehr geschätzt. Das Scharbockskraut findet sich an schattigen feuchten Stellen des Waldes, an Grabenrän— dern und unter feuchten Hecken. Seine nierenförmigen Blät⸗ ter geben in jugendlichem Zustande einen erfrischenden Salat. Die zwischen den Wurzeln sitzenden zahlreichen— lichen Knöllchen, die stärkemehlhaltig sind, können, nach- dem man sie ein oder zwei Tage in Salzwasser eingeweicht hat, in derselben Weise wie Kapern(in Essig) eingemacht und wie Kapern als Fleischbeilage verwendet werden. Auf dem Westerwald und in sonstigen Gebirgsgegenden verdient der Hirschzungenknöterich(Polygonum Bistorta L.), eine Wiesenpflanze, die jedem Sommerfrischler durch ihre pracht⸗ voll rote Blütenähre auffällt, Beachtung. Seine sattgrünen Wurzelblätter liefern in den ersten Frühlingswochen ein schmackhaftes Gemüse. * * Nationaler Frauendienst. Diese vom Bund deutscher Frauenvereine beim Kriegsausbruch begründete Organisation hat bekanntlich die Aufgabe, die verdienstvolle Tätigkeit des Roten Kreuzes in zweckmäßiger Weise zu er⸗ gänzen. Als Hilfsmittel für die in dieser Absicht zu leistende vielseitige Arbeit dienen verschiedene Flugblätter: Ein an- schauliches schwarz-weiß-rotes Plakat„Krieg und Küche“, ein Aufruf an die Hausfrauen, an die jungen Mädchen, an die Schulkinder und an die Köchinnen. Ein anderes Flug⸗ blatt warnt die deutschen Soldaten vor leichtsinnigem Ver⸗ kehr und seinen verhängnisvollen Folgen. Neuerdings hat der Nationale Frauendienst drei sehr lehrreiche Tabellen über die Kriegsversorgung der Witwen und Waisen herausgegeben, die für viele Frauen, denen der Krieg das schwerste Opfer auferlegt hat, von der größten Wichtigkeit sind. Sie liegen, wie aus einem Inserat in unserer heutigen Nummer hervorgeht, bei Frau Dr. Kal b⸗ fleisch, Süd-Anlage 4, jeden Montag, Mittwoch und Frei⸗ tag von 10—12 Uhr zur Benutzung aus, werden auch auf Wunsch unentgeltlich abgegeben. „ Anlagemusik. Am Sonntag, den 16. Mat, vormittags 11½ Uhr, konzertiert in der Süd-Anlage die Kapelle des 1. Land- sturm-Bataillons Gießen. Folgende Spielsolge kommt zum Vortrag: Hochzeitsmarsch aus dem„Sommernachtstraum“ von Mendelssohn; Ouverture von Wiggert; Frühlings-Erwachen von Bach; Estudian⸗ tma-Walzer von Waldteufel; Der Musikfreund, Potpourri von Schulze; Frei weg! Marsch von Latann. Silberne Hochzeit. Heute begehen die Eheleute Karl Reuter, Dienstmann, und Frau, Katharine, geb. Rau, das Fest der Silbernen Hochzeit. Landkreis Gießen. O Nöthges, 14. Mai. Heute konnte Polizeidiener Wilhelm Paul auf eine 25jährige Dienstzeit zurückblicken. A Mainzlar, 13. Mai. Die Sammlung zur National⸗ spende für die Hinterbliebenen der Gefallenen betrug in unserer Gemeinde 161 Mt. Kreis Alsfeld. h Als feld, 13. Mai. Trotz der vielfachen Warnungen und Strasandrohungen hat die Behörde in zahlreichen Privat-Haus- haltungen des Kreises Uebertretungen des Kuchen- backverbotes sestgestellt. Zur Abwehr dieses Unsuges wurde nunmehr für den Kreisbereich der Verkauf von Sauerteig, Hese, Backpulver und ähnlichen Triebmitteln an private Haus⸗ haltungen bei einer Strafandrohung mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrase bis zu 1500 Mk. verboten. Kreis Wetzlar. w. Wetzlar, 13. Mai. Im verflossenen Jahr hat der Kreis⸗Krieger⸗Verband Wetzlar insgesamt 81. Mit- glieder durch den Tod verloren, darunter 34 Mitglieder, die im Feldzug 1914 gefallen sind. + Lützel⸗Linden, 13. Mai. Der chausseemäßige Aus- bau einer 1000 m langen Straße von Lützel-Linden nach Münch- holzhausen, veranschlagt zu 13000 Mk., soll in diesem Sommer vollzogen werden. 0 ————¾— Spielplan des Großh. Kurhaustheaters Bad⸗Nauheim. Sonntag, den 16. Mai:„Die fünf Frankfurter.“ Montag, den 17. Mai: Gastspiel des„Neuen Theaters“ Frankfurt a. M.:„Der Arzt seiner Ehe.“ Mittwoch, den 19. Mai:„Das Eiserne Kreuz.“ Hierauf:„Der zerbrochene Krug.“ Freitag, den 21. Mai:„Gold- fische.“ Sonntag, den 23. Mai(Pfingstsonntag):„Als ich noch im Flügelkleide.“ Montag, den 24. Mai(Pfingstmontag):„Im weißen Röß'l.“— Beginn der Vorstellungen abends 8 Uhr. Märkte. 5 Gießen, 15. Mai. Marktbericht. Auf dent heutigen Wochenmarkte kostete: Butter das Pfund 1,50—1,60 Mk.; Hühner⸗ eier 1 Stück 11 und 12 Pfg., 2 Stück 00 Pfg.: Enteneier 1 St. 0 Pfg. 2 St. 00 Pfg.; Gänseeier 1 St. 0—0 Pfg., 2 St. 00 Pfg.: Käse das Stück 7—8 Pfg., Käsematte 2 Stück 6—0 Pfg.: Tauben das Paar 1,00—1,40 Mk., Hühner das Stück 1,00—2,00 Mk., Hahnen das Stück 1,00 2,50 Mk., Enten das Stück 2,50—3,00 Mk., Welsche 4—5 Mk.; Ochsenfleisch das Pfund Mk. 1,04— 1,12, Rind⸗ * fleisch das Pfund 104112 Pha, Kuhfleisch 104—112 0 fleisch das Pid. 1,24— 1,30 Mk., Kalbfleisch das 96 Hammelfleisch das Pfund 96—106 Ufg.; Kartoffeln K 13,00—13,50 Mk., Weißkraut d. St. 20—30 Pig.; Zwiebeln d. Zte. 25,00— 30,00 Mk.: Milch das Liter 24 Pfg.“ Aepfel das Pfund 8 Pfg.: Nüsse 100 Stück 60 Pig.— Marktzeit von 7 bis r. 5 se. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 14. Mai. Auftrieb: Rinder 201(Ochsen 6, Bullen 13, Kühe und Färsen 176), Kälber 656, Schafe 123, Schweine 416. Tendenz: Kalber flott, Schafe ruhig, Schweine zögernd ge⸗ handelt, geräumt. Preise für 100 Pfd. Lebend- Schlacht ⸗ gewicht. Kälber. 5 Mk. Feinste Mastkälb er 27880 180138 Mittlere Mast- und beste Saugkälbern.. 78—80 130—133 Geringere Mast- und gute Saugkälber.. 74-77 123-127 Sch ase. 5 Stallmastschase: Mastlämmer und jüngere Masthammel.. 53-00 115-00 Sch weine. 5 Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht... 110.00-114.00 138.00 140.00 Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendge wicht.. 107.50—112 182.00 138.00 ke. Frautfurt a. M., 14. Mai. Auf dem Heu- und Stroh- markt war nichts angefahren. N *—. ͤ Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 4 Sonntag, den 16. Mai, Exaudi. Gottesdienst. i In der Stadtkirche. 5 Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Schwabe. a Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus⸗ gemeinde. Vormittags 9 Uhr: Pfarrassistent Hoffmann. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrassistent Hoffmann. In der Johanneskirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Ausseld. 3 Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Johanues⸗ gemeinde. N Vormittags 9 Uhr: Vormittags 11 Uhr: Pfarrer e Kinderkirche für die Lukasgemeinde. f Pfarrer Bechtols heimer. Mittwoch, den 19. Mai, abends 8 Uhr: Kriegsbetstunde. Pfarrer Bechtols heimer. Wartburg, evangelischer Jünglings⸗ und Männer⸗verein. (Diezstraße 15.) Sonntag, den 16. Mai: Vortrag. Dienstag, den 18. Mai, abends 8¼ Uhr: Bibelstunde. Donnerstag, den 20. Mai, abends 834 Uhr: Leseabend. Samstag, den 22. Mai, abends 8 ¼ Uhr: Aeltere Abteilung Gäste, besonders die Neusonfirmierten, stets willkommen. „ Bibelkränzchen für Schüler höherer Lehranstalten. 5 Für die jüngere Abteilung jeden Mittwoch von 6—7 Uhr, für die ältere Abteilung jeden Samstag von 6—7 Uhr. Bibelkränzchen für Mädchen aus der Johannesgemeinde. Jeden Dienstag von 67 Uhr im Johannessaal. 0 Evangelischer Gottesdlenst. Sonntag, den 16. Mai, vormittags 10 Uhr. Missionar Köngeter⸗ Kamerun. Kollekte. (Heil. Abendmahl für Daubringen.) 17 Kirchberg: Mainzlar: Mittwoch, den 19. Mai, abends 87 r: Kriegs — betstunde. 5 Dekan daß mann. Uatholische Gemeinde. Gottesdienst. A Samstag, den 15. Mat: Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenhell zur heil. Beichte. Sonntag, den 16. Mai, 6. Sonntag nach Ost ern: Vormittags von 6⅛ Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beichte. um 7 Uhr: Die erste heil. Messe. um 8 Uhr: Austeilung der hl. Kommunion. um 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. 5 um 11 Uhr: Hl. Messe mit Predigt. Militärgottesdienst. Nachmittags um 2 Uhr: Christenlehre; darauf atramentalische 1 Weber ih f Dienstag und Freitag abend um 8 Uhr ist Maiandacht. Diaspora⸗Gottesdienst. In Lich um 9¼ Uhr. Alles neu macht der Mai pas, böden, Flurdielen, Treppen, Fenster, Fußleisten, geölte Wände Decken, Fensterbänke. Türen, Möbel, Steinplättchen, Marmor, Kronleuchter, Porzellansachen— alles Waschbare— mit Luh ns Salm.⸗Terp. Seife gereinigt worden ist. Eine au sparsamere Abseiflauge als solche von Luhns Seise gibt es nicht. A. sk 4 N Shrun 2 kür Kinder und Kranke ebigere, mildere — Bekanntmachung. von Kleinpflaster wird die Kreisstraße Hungen— Langsdorf vom 25. Mai ab bis auf weiteres für jeden Verkehr gesperrt. 8 75 Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über Langsdorf—Betten⸗ Zum Herstellen hausen—Bellersheim— Hungen oder über Langsdorf—Nonnen⸗ roth— Hungen.. Gießen, den 11. Mai 1915. 6 0 Heuberg Kreisamt Gießen. r. Usinger. Ein 30⸗jähriger Katarrh geheilt. Mit dem wor 6 Wochen von Ihnen bezogenen Inhalator habe sehr gute Erfolge erzielt. Ich litt schon seit 30 Jahren an hlkopf⸗ und Rachenkatarrh, mehr oder weniger mit Auswurf funden, wodurch ich körperlich sehr herunterkam. Auch hatte oft einen hartnäckigen Schnupfen. Das Leiden ist jetzt voll⸗ ändig geschwunden, was bei meinem Alter von 64 Jahren gewiß 1 viel sagen will. F. Vogt, Lehrer a. D. Elberfeld, Ravensbergerstr. 40. 5 5 Es liegen mehr als 15 000 ähnlicher Anerkennungen vor, welche einem vereidigten Bücherrevisor und polizeilich beglaubigt sind. Tancrés Inhalator, der bereits von vielen Aerzten wegen seiner überraschenden Wirkungen bei Katarrhen der Luftwege in Gebrauch genommen wurde, darf nicht mit Inhalatoren älterer Konstruktion * 3 eee Sein Hauptvorzug besteht in einer viel grö⸗ ßeren Tiefenwirkung. 2 * Nicht nur bei Kehltopf⸗- und Rachenkatarrh leistet Tanerss In⸗ g alor so schätzbare Dienste, wie aus dem obigen Zeugnis des Herrn 5— Elberfeld, hervorgeht, sondern auch andere akute und chronische Fatarrhe, wie Bronchialkatarrh, Luftröhrenkatarrh, Nasenkatarrh, Stockschnupfen, Heuschnupfen, Keuchhusten, Afthmausw werden durch den kleinen Apparat sehr günstig beeinflußt, was aus den verschie⸗ bensten Anerkennungsschreiben hervorgeht. So schreibt Herr Fabrik⸗ direktor 3 Paul 1 eh Grabenstr. 27: 15 bezog von Ihnen einen Inhalationsapparat, um gegen meinen sei ca. 10 Jahren bestehenden Bronchialfatarrh auf Anraten meines Arztes energisch vorzugehen. Zu meiner großen Freude kann ich Ihnen heute schon mitteilen, daß ich mich nach konsequent durch⸗ geführter dreimaliger täglicher Inhalation heute von sämtlichen früher erlittenen Beschwerden vollständig befreit fühle. Nach meinen Erfahrungen kann ich Ihren Inhalations⸗Apparat nur bestens empfehlen, derselbe bedeutet eine große Wohltat, die sich alle Ka⸗ tarrh⸗Leidenden zu Nutzen machen sollten. Die stete Gebrauchs⸗ fertigkeit sowie das Einatmen der betr. Medikamente in gasför⸗ migem Zustand erhöht den Wert desselben ungemein, gegen der früheren umständlichen und wenig angenehmen Inhalation feucht⸗ Ferner schreibt Herr Fritz Liedschulte, Dortmund, Schützen⸗ straße 144: Ich erhielt Ihr w. Schreiben und teile Ihnen mit, daß ich inzwischen einen Ihrer Inhalations⸗Apparate hier gekauft habe. Nach ca. achttägigem Gebrauch desselben ist mein Halsleiden, mit welchem ich mich schon jahrelang herumgeschlagen hatte, spur⸗ los verschwunden. g Der mäßige Preis ermöglicht jedem Leidenden die Anschaffung. Man gibt schließlich während eines längere Zeit dauernden Katarrhs auch für andere, häufig unwirksame Mittel viel Geld aus, und weit mehr büßt man durch ein solches Leiden an Verdienst ein, selbst wenn man dabei seinem Berufe noch nachgehen kann. Die Gefahr, sich durch einen veralteten Katarrh ein dauerndes Brust⸗ 85 Halsleiden zuzuziehen, läßt sich überhaupt nicht in Geld ab⸗ schätzen. Hier erhält man dagegen einen wissenschaftlich erprobten, viele Jahre in der Familie verwendbaren Apparat, den jeder Arzt als ein ausgezeichnetes Mittel zur Bekämpfung von Katarrhen an⸗ erkennen wird. Gerade in der Uebergangszeit, wo man sich täglich gerne kostenlos und ohne Kaufzwang erteilt; man einen Katarrh holen kann, sollte jeder, der zu solchen Erkrankungen neigt, unbedingt sofort kostenfreie Aufklärung verlangen. Verlangen Sie den echten Tancr6s⸗ Inhalator, Modell B Sbebgr(oi gebenden ig g4den Bacher uuf d 88 fran Zubehör rt gebrauchsfertig) gegen N 8. kostet. Keine weiteren Unkosten, nur einmalige Anschaffung. Warnung! Achten Sie genau auf den Namen Tancrs und die patentamtliche Schutzmarke„Die Kur im Hause“, damit Sie auch wirklich den echten und 4 7—— Original⸗Tancré⸗In⸗ 2 erhalten, da minderwertige Nach 2 im Handel sind. ein zweiter Apparat kann sich wie dieser auf 15 000 isse 88 und Patienten berufen. Deutsche Firma— a g Nähere Auskunft über den O riginal⸗Tancré ird von der Firma Carl A. Tancré, See Cupon aus und sende denselben als Drucksache ein.. Firma Carl A. Tanucre, Wiesbaden 164. ö Ich wünsche Aufklärung über Ihr neues. ö stem. Es dürfen mir jedoch keine Kosten Im offenen Briesumschlag mit 3 Pfg. frankieren. * Zur Vermeidung von Verwechselungen bel Abbeftellung von Vermietungs- en oder dgl. word dringend um Angaß⸗ der Knzelgennummer gebet. Verlag des Gieß. Anzeigers Willa. Hofmaunstraste 5 auf einige Jahre zu vermieten. Anzu⸗ sehen von 11—12 Uhr. 02608 Villa Wilbhelmstraße? durch Ver⸗ setzung des Herrn Professor Dr. Hohlweg für alsbald od. später zu vermieten. 14007 H. E. JIanghardt. 2593] Die seither von Herrn Dr. Sattler innegehabte Wohnung, bestehend aus 11 Zimmern, Badezimmerusw., mit elektr. Licht und Wasserleitung ver⸗ sehen, ist per 1. Juli oder früher zu vermieten. Aug. Kilbinger, Seltersweg 7. 1 1. Alicestraße II 3. Sto gr. schöne Wohnungen sofoxt oder später beziehbar. 3361 Näh. Horst, West⸗Anlage 46. DL Zimmer- 1884] Neuen Bäne 29 Far- terre, 2 d. Theater, 7⸗Zimm.⸗Wohnung 3. 1. Juli zu verm. Fran A. Petri. 5 Zimmer⸗ Ot⸗ Anlage 45 wohnung mit Bad und elektr. Licht u. reichl. 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Mai an die Feierabendstunde eingeführt ist und in Gießen auf 12 Uhr, in den Landgemeinden auf 11 Uhr festgesetzt wurde, richten wir die dringende Bitte an unsere werten Gäste, uns in der Durchführung dieser Maßregel gütigst unterstützen zu wollen. i Da für die Wirte bei Nichteinhaltung der Feierabendstunde unter Uumständen Freiheitsstrafen verhängt werden können, ist es unumgänglich nötig, daß mit Eintritt der Feierabendstunde die Lokale geräumt sind. [Eine Verlängerung, etwa zum Austrinken der Getränke, darf unsererseits nicht zugestanden werden, da wir uns sonst strafbar machen würden. 42780 Die Verordnung bezieht sich auf sämtliche in den Wirtschaften kon⸗ öessionierte Räume ohne jede Ausnahme(Vereinszimmer u. dergl.). N Der Vereind. Gaftwirtep. Gießen u. Ungegend l. B.) Konzert-Verein Dienstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, in der neuen Aula Klavier-Abend des Groß herzoglich Hessischen Kammervirtuosen hen Pasha Rhapsodie in G-moll Intermezzo in CDur Fantasie op. I5 in C dur(Wanderer) Novellette in E-dur— Nachtstück in F-dur— Des Abends— Aufschwung— Warum— Traumes- Wirren As-dur-Ballade— Des-dur-Noc- turne Zwei Etuden aus op. 10 (Nr. 2 u. 5)— Zwei Etuden 7 Brahms Schubert V Chopin Waldesrauschen- Liebestraum— 12. Ungar. Rhapsodie Liszt Der Steinway-Flügel ist aus dem Hofpianoforte- lager von Wilhelm Rudolph. Der gesamte Reinertrag wird der Kriegs- beschädigten- Fürsorge überwiesen! Eintrittskarten zu folgenden ermässigten — Pieelsen: 1. Platz M. 3.— 2. Platz M. 2.—, 3. Platz M. 1.—, 4. Platz M. 0.50, sämtlich numeriert, Studentenkarten M. 1.—(für den zweiten Platz gültig), für Schüler und Militärpersonen, die nicht im Offiziersrange stehen, 30 Pfg., sind in der Musikalien handlung von Ernst Challier, Tel. 671 und abends an der Kasse zu haben. 41430 10 4200 Jungdeutschil Bezirk Giessen-Stadt frlhfahrsstuung dez Deli ts-Aussehusges Montag, 17. Mai, 8½ Uhr im Kaiserhof. Tagesordnung: Satzungen(Satz 16). 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