2 i Erstes Blatt Der Sletzener Anzelge Ischeint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: wöchentlich lendlätter; wöchentl. Kreis- für den Kreis Gleßen vtermal (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche deitfragen Jernsprech⸗ Face; n Adu lit ahn el A für Drahtnach⸗ richten: Anzelger Gießen. A don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 165. Jahrgang Gieß en 4 0 Anz eige 5 Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- 4 schristleiter: Aug. Goetz. General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. 4* 7 * N Samstag, 15. Mai 1915 Bezugspreis:. monatl. 75 Pf., viertel⸗ 9 jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pi. durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; 25 für Stadt und Land, 9 Vermischtes und Ge⸗ 1 richtssaal: Otto Braun; 5 für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. 8 Hauptquartier, 14. Mai.(WTB. Westlicher Kriegsschauplatz. a Starke englische Angriffe gegen unsere vor Ypern neu gewonnene Front scheiterten unter schweren Ver⸗ luften für den Feind. An der Straße Menin—Ppern gewan⸗ nen wir in Richtung Hooge weiter Gelände. In der Gegend südwestlich Lille griff der Feind nach starker Artil⸗ lerievorbereitung nur an einzelnen Stellen an. Alle An- griffe wurden abgewiesen. An der Loretto⸗Höhe und nördlich Arras verlief der Tag verhältnismäßig ruhig Größere Angriffe des Feindes fanden nicht statt. Unsere Verluste bei der Wegnahme von Carency durch den Feind betragen 600 bis 700 Mann. Ein weiterer Angriffsversuch des Feindes, uns das nordwestlich Berry⸗au⸗Bac genommene Graben⸗ stück wieder zu entreißen, scheiterte abermals. Zwischen Maas und Mo sel brach ein feind⸗ licher Vorstoß im Priesterwalde vor unseren Stellun⸗ gen in unserem Feuer zusammen. Die Insassen eines bei Hagenau zum Landen gezwun⸗ genen französischen Doppeldeckers wurden gefangen genom⸗ men. Oestlicher Kriegsschauplatz. Bei Szawle sind die Kämpfe auch gestern noch nicht abgeschlossen worden. Nördlich des Riemen an der unteren —.— machten wir bei einem nächtlichen Vorstoß 80 Ge⸗ ngene. Westlich Prasznysz gelangten Teile des ersten tur⸗ kestanischen Armeekorps nach viermaligem, vergeblichem An⸗ bis in unsere vorderen Gräben. Am Abend war der Feindüberallwiederhinausgeworfen. Er hat schwere Verluste erlitten. 120 Gefangene blie— ben in unserer Hand. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Die Vortruppen der Armeen des Generalobersten von Mackensen stehen vor Przemysl und am linten Ufer des unteren San. Rechts und links anschließend seßten die verbündeten Truppen die Verfolgung in Richtung Doling—Dobromil einerseits und über Polaniec(an der — Kielce andererseits fort. l vor Kielce bis zur Pilica bei Inow⸗ lodz haben die Russen ihre Stellungen nicht zu halten vermocht und sind imschleunigen Abzug nach Osten. Oberste Heeres leitung. .. 11 i! Je länger die Spannung dauert, in die uns Italien versetzt, desto aussichtsreicher gestaltet sich die Lage der Zen⸗ tralmächte. Wir haben in den letzten Tagen außerordentlich gute Fortschritte gemacht, auf den Kriegsschauplätzen und — so fragwürdig dies auch auf den ersten Blick aussehen mag— im Ansehen der Völker. Stellt doch sogar in Eng⸗ land, wo die Hochflut der Schmutzwellen gegen die Deut⸗ schen alles überflutet und auch die Bänke des Parlaments bespritzt, ein Blatt wie die„Daily Mail“ fest, daß Deutsch⸗ lands Stern augenblicklich im Steigen seil Un⸗ sere Fortschritte und die Beweise unserer Macht und Stärke haben Wut und Haß erweckt, aber was braucht uns der Haß ohne ein weiteres Aufgebot von feindlichen Soldaten an— zufechten? In der„Zukunft“ stellt heute Harden, ohne sie beantworten, folgende etwas verschrobene Frage auf: „Wirkt die Zerstörung des englischen Luxusdampsers Lusi⸗ tania, die ungefähr fünfzehnhundert unbewehrte Menschen ums Leben brachte, eine wesentliche Wandlung unseres Ver- hältnisses, äußeren und inneren, zu noch neutralen Staa⸗ ten?“ meint offenbar, die Marineleitung hätte vielleicht etwas behutsamer auftreten können. Nichts wäre aber ver⸗ kehrter gewesen. Wir haben— wie der Krieg sich nun ein⸗ mal gestaltet hat— das klare Recht und die Notwendigkeit für uns. Nur starkes und furchtloses Auftreten schafft uns im Kreise derer, die uns giftig anstarren, Respekt. Die„Lusi⸗ tania“ erhielt, wie heute amtlich festgestellt wird, nur einen Torpedoschuß; die zweite Explosion auf dem Schiffe rührte zweifellos von der Entzündung der mitgeführ⸗ ten nition her. Im itbrigen sollte es uns, nach der deut⸗ schen amtlichen Note, die man auch in Amerika studieren wird, nicht einfallen, über dies Geschehnis noch viel weitere Worte zu verlieren. Wir wollen den Franzosen ihren kleinen Erfolg im Westen, den sie mit der Besetzung von Carency erfochten 64 75* streitig machen; er behält jedoch seine lediglich lokale Bedeutung. Weit diese Dinge überragend stehen die Ereignisse in Galizien und Südpolen vor uns. Die deutschen Truppen sind schon vor Przemysl angekommen, und die Verfolgung der Russen vollzieht sich hemmungslos nach wohlerwogenen Plänen. Wir erkennen dies aus den letzten Berichten der deutschen und österreichisch-ungarischen Heeresleitung. Wenn noch ein Zweifel geherrscht hätte, so würde er 8 die heute der Oeffentlichkeit vorgelegten Handschreiben der beiden* der verbündeten Mächte erledigt werden. Durch solche Auszeichnungen der führenden Männer pflegt man nicht halbe Erfolge zu lohnen. In der denkbar besten Weise sind alle vorher 2 Absichten der verbündeten Felb herren verwirklicht worden, und es ist heute mit Bestimmtheit zu erwarten, daß der Sieg in Galizien und Südpolen die gesamte Lage im Osten entscheidend beeinflussen wird. Italien ist heute, trotz seiner inneren Erregung, die sich neuerdings wieder in Kundgebungen zum Ausdruck bringt, 2172 höchst interessierter Zuschauer dieser Vorgänge im Osten. die Stiuunung Ichlägt, trotz der Kundgebungen, die Die weitere berfolgung der Russen. Italien vor der Entscheidung. wohl zu einem guten Teile dafür bestimmt sind, von Oester⸗ reich möglichst große Zugeständnisse herauszuschlagen, lang⸗ sam um. Auch die Krone soll, nach neueren Nachrichten, wie die Mehrheit des Parlaments, kriegerischen Schritten abgeneigt sein. Ob Giolitti selbst das neue Kabinett bilden wird, steht dahin. So lange bei den schwankenden Stim⸗ mungen der Südländer, den unablässigen, gesteigerten Hetze— reien der Dreiverbändler noch Ueberraschungen möglich sind, wird man sich vor allzu großem Optimismus hüten müssen. * 0** Die verfolgung der Russen in Galizien. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 14. Mai.(WT. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart, den 14. Mai 1915, mittags: Der Rückzug des Feindes in Russisch⸗Polen dauertfort er greift auch auf die Abschnitte der bisherigen Pilica⸗ Front über. Von östlich Petrikau bis zur oberen Weichsel verfolgen die verbündeten Armeen Woyrsch und Dankl den zurückgehenden Gegner. Ihre Truppen haben im Berg⸗ lande nordöstlich Kielce Fuß gefaßt. Vor der Armee des Erzherzogs Josef Ferdinand ziehen sich die Russen in Mittelgalizien über den San zurück und weichen aus dem Raume Dobromil— Stari Sambor vor den Téten der Armee VBorövic und Böhm⸗Ermolli in nord⸗ östlicher Richtung. Unsere Truppen haben die Höhen süd⸗ westlich Dobromil⸗Stari Sambor unter Nach⸗ hutkämpfen erreicht. Diem allgemeinen Vorgehen haben sich auch die ver⸗ bündeten Truppen der Armee Linsingen angeschlossen, die über Turka und Skole vorgehen. Die Schlacht in Südostgalizien dauert an. Starke russische Kräfte sind bis über Obertun bis nördlich Sniatyn und bis Mahala vorgedrungen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Berlin, 14. Mai.(WTB Nichtamtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns über den weiteren Verlauf der Operationen der Verbündeten in West⸗ galizien folgendes geschrieben: Als am 6. Mai die Armee Mackensen die Wisloka über⸗ schritten und die erzherzogliche Armee nach der Einnahme von Tarnow den Feind zur Räumung der ganzen Dunajeclinie bis zur Weichselmündung gezwungen hatte, konnte die Durchbruchs⸗ schlacht von Gorlice-Tarnow als beendet angesehen werden. Auf einer Frontbreile von 160 Kilometer war der Feind im Rück- zuge; die durchbrochenen Stellungen der Russen lagen schon 30 Kilometer hinter dem Sieger, der auf der ganzen Linie die Ver⸗ folgung aufnahm. Diese zeitigte auf der weiten Front die schönsten Früchte. Am 6. Mai, nachmittags, stellte das im Anschluß an dem rechten Flügel Mackensens vorgehende öster⸗ reichische Korps in dem Karpathendorfe Tyslwa die xussi⸗ sche 48. Division und machte daber einen General, einen Obersten und gegen 3000 Mann zu Gefangenen, nahm dieser Division 16 Feldkanonen, 6 ganz neue aller Art ab. Am 7. Mean erschienen Reste dieser Division, Feldhaubitzen, zahlreiche Munitionswagen und Kriegsgerät auf der Höhe von Hyrowa-Gora vor den Truppen des Generals von Emmich. Sie wurden von einem deutschen Parlamentär aufgefordert, sich zu ergeben, doch erklärte der Divisionskommandeur, dies lönne er nicht tun, legte das Kommando nieder und verschwand mit dem Stabe in den Wäldern. 3500 Mann ergaben sich hierauf dem Korps Emmich. Nach vier⸗ tägigem Umherirren in den Karpathen ergab sich der General der Infanterie Korniloff am 12. Mai samt seinem ganzen. Stab einem österreichischen Truppenteile. Am 8. Mai hatte die österreichische 3. Armee Boroevic bereits 1200 Gefangene in Händen. General von Emmich konnte an diesem Tage 4500 mel⸗ den. Eine schwache ungarische Eskadron hatte schon am 6. Mat, unterstützt von einer deutschen Radfahrerabteilung, drer russische Eskadrons aus Krosno hinausgeworfen und damit den ersten Wislok-Uebergang(nicht zu verwechseln mit der Wisloka) in die Hand genommen und in der Stadt viel Sanitätsmaterial und Verpflegung erbeutet. In engster Zusammenarbeit mit den deutschen Truppen wur- den dem Feinde am 8. Mai auch die das Ostufer des Wislok beherrschenden Höhen entrissen. Die Garde fand auf ihrem Vormarsch zum Wislok neun russische Geschütze und 21 Munitionswagen, die der Feind auf der eiligen Flucht hatte stehen lassen. Die Besatzung von Odrzykon, die der Garde den Uebergang über den Fluß streitig machen sollte, ergab sich; die Zahl der Gefangenen betrug am 8. Mai 3000. Am nächsten Tage ergaben sich einem Garderegiment, das bei Tropie überraschend der feindlichen Nachhut in den Rücken ge— kommen war, 12 Offiziere, 3000 Mann und sechs Geschütze. Zu dieser Tagesbeute traten an anderer Stelle 2000 weitere Ge fangene, acht Maschinengewehre, ein Geschütz und leere und ge— füllte Patronenwagen. Bei der Armee Boroevic ging der Feind aus den Kar— pathen eiligst in nordöstlicher Richtung zurück. Er hatte also auch seine anfänglich bestandene Absicht, die Wislok-Linie zu halten, unter dem Druck der unaufhaltsamen Verfolgung der Verbündeten aufgeben müssen. Wenn es am 9. und 10. Mai bei der Armee Mackensen noch zu einem größeren russischen Angriff kam, so erfolgte dieser nur, um überhaupt noch den Abzug aus der langen Karpathenfront im Flusse halten zu lönnen. In der Gegend von Sanok zogen die Russen zwei eilig zu⸗ sammengeraffte Divisionen zusammen, mit denen sie am 9. und 10. Mai zum Angriff auf Besko und die dortigen Höhen. schritten, während sie weiter nördlich etwa eine Division, dabei zwei Regimenter der Festungsbesatzung von Przemysl, zu, einem Gegenstoße gegen die österreichischungarischen Truppen ansetzten. Das Ergebnis dieses letzteren in der Richtung auf Nros no geführten Angriffs war ein völliges Mißlingen, wobei einem der aus Przemysl gekommenen Regimenter 1800 Ge- sangene und 20 Maschinengewehre abgenommen wurden. Die russischen Angriffe auf Besko endeten mit einer schweren russischen Niederlage. Nachdem der Ansturm abgeschlagen war und 500 tote Russen vor der Front lagen, gingen die Truppen des Generals v. Em mich zum Angriff über. 5 Völlig geschlagen, wichen die Russen r eiligst auß Sa nok zurück, wobei die Verfolgung durch Kavallerie der Verbündeten große Ergebnisse zeitigte. An vielen Stel- len ergaben sich die Russen, so vor allem auf den Höhen und in den Wäldern südlich Bes ko. Das Kampfbild bot hier noch in den nächsten Tagen ein düsteres Bild. In ununterbrochener Reihe zogen sich die hier stark ausgebauten russischen Schützenlöcher hin In jedem dieser vielen Hunderte von Löchern lag, teilweise noch hori⸗ 1 zontal angeschlagen, je ein Gewehr mit aufgepflanztem Bajonett: in der Brustwehr waren umgekehrt eingestellte Gewehre zu sehen, an deren Schaft weiße Fetzen gebunden waren. So hatten ganze Bataillone kapituliert; 6200 Gefangene, sechs Geschütze und sie⸗ ben Munitionswagen fielen in die Hand der dort siegreichen Trup⸗ pen der Verhündeten. 2. Die Russen waren jetzt im vollen Rückzuge nach den unteren San. Die ganze 8. russische Armee räumte die Karpathen, aber auch nördlich der Weichsel wichen die Russen von der Nida in östlicher Richtung zurück. Die Wirkung des gelungenen Durchbruchs machte sich jetzt bereits auf einen Frontbreite von über 300 Kilometern geltend. Wäh⸗ rend die Nachbararmeen den Rückzug in noch verhältnismäßigen Ordnung vollziehen konnten, hatte die Auflösung der Reste den entscheidend geschlagenen Armee Radko Dimitriews einen 9 hohen Grad erreicht, und völlig durcheinandergeraten wälzten sich 2 deren, Reste in nordwestlicher Richtung zurück. Die 49. rusfischg Division vermochte von ihrem ganzen Bestande nur mehr vier Geschütze zu retten. Eine kaukasische Division brachte von 36 Kna⸗ nonen noch neun zurück. Dazu waren die russischen Verbände völlig durcheinandergeraten, da die Befehlsführung und Aufrechterhals tung der Verbindung der Truppenteile untereinander gänzlich versagt hatte. Das rechte Flügelkorps der Armee des Erzherzogs Joseph Ferdinand stellte an einem einzigen Verfolgungstage Ge⸗ fangene von 51 verschiedenen russischen Regimentern fest. um Abend des 10. Mai war die Gesamtzahl der Gefange⸗ nen, die die verbündeten Heere in Westgalizien gemacht 1 auf über 100 000 8 Die Zahl der genommenem 8 betrug etwa 80, die der erbeuteten Maschinengewehrg über 1 N 7 Auszeichnungen der Heerführer. Berlin, 14. Mai.(WTB. Amtlich.) Die„Nordd. Allg. Ztg.“ meldet: 1 Ueber die bereits gemeldete Verleihung des Ordens poux le mérite an den Erzherzog Friedrich und den General Konrad von Hötzendorff sind folgende allerhöchste Ordres er⸗ 88 gangen: 79 Großes Hauptquartier, 12. Mai 1915. Sr. K. u. K. Hoheit dem Feldmarschall Erzherzog Friedrich! Ew. K. u. K. Hoheit bitte ich, zur Erinnerung an die Tage, in denen unte ihrer zielbewußten und festen Oberleitung, die Umsicht unseren Heerführer und die unvergleichliche Tapferkeit unserer Truppen den glorreichen Sieg in der Schlacht von Gorlice und Tarnow erfochten haben, die höchste militärische Auszeichnung meines Heeres, den Orden pour le mérite, den ich Ihnen persönlich überreicht habe, anlegen zu wollen. Es wird Ew. K. u. K. Hoheit zur Be⸗ friedigung gereichen, daß ich die gleiche Dekoration Ihrem treuen Generalstabschef, dem General der Infanterie Conrad von Hötze⸗ dorff, zugedacht habe.(gez.) Wilhelm. 1 S. M. der Kaiser und König Franz Josef hat folgendes Telegramm an S. M. den Kaiser und König gerichtet? Wien(uu 13. Mai. Der Kaiser von Oesterreich am S. M. Wilbelm II., deutscher Kaiser und König von Preußen, Großes Hauptquartier. Ueberaus dankbar für Deine sehr 7 liche Mitteilung, daß Du Erzherzog Friedrich und General der In⸗ fanterie Conrad hohe Auszeichnungen verliehen hast, versichere Ich Dich meines Wunsches, dem Chef Deines Generalstabes, General der Infanterie von Falkenhayn, der in klarer Erkenntnis der Lage initiativ die Verschiebung namhafter Teile Deines tapfe⸗ ren Heeres nach Galizien angebahnt und durchgeführt hat, meine dankbare Anerkennung seines treu waffenbrüderlichen Sinnes zu bekunden. Dein gnädiges Einverständnis hoffend, verleihe Ich ihm das Großkreuz Meines St. Stefansordens und seinem bewährten Mitarbeiter, dem Chef der Operationsabteilung, Oberst Tappen, das Militärverdienstkreuz zweiter Klasse mit den Kriegsdekoration. Gottes Segen ruhe auf unseren engverbündeten Heeren. In treuer Freundschaft.(gez.) Franz Josef. 9 Wien, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs pressequartier wird gemeldet: Wie jetzt bekannt wird, erhielt den Chef des Generalstabes General der Infanterie Freiherr Con rad von Hötzendorff anläßlich der bedeutsamen Erfolge der ver⸗ eee Waffen in Westgalizien nachfolgende allerhöchste and chreiben: 4 1 Lieber General der Infanterie Freiherr von Conrad! Die von Ihnen geistvoll angelegte Operation führte zW einem schönen taktischen Erfolg in Westgalizien, der sich, so Gott will, weiter ausgestalten und zum endgültigen Siege führen wird. Das höchste Vertrauen Ihres Armeeoberkommandanten, die in⸗ nere Befriedigung, die Sie über die Frucht Ihrer Tätigkeit emv!⸗ finden müssen, ist Ihr schönster Lohn. Meine wärmste Anerken⸗ nung, mein tiefempfundener Dank und mein vollstes Vertrauen sind Ihnen sicher. ö Wien, 5. Mai 1915. Franz Josef. An den K. u. K. österreichischen General der Infanterse, Freiherr Conrad von Hötzendorff, Chef des General“? stabes für die gesamte bewaffnete Macht. Ihre Leistungen in treuer Unterstützung Sr. K. u. K. Hoheit Erzherzogs Friedrich von Oesterreich bei der Vorbereitung und im besonderen der Durchführung der glorreichen Schlacht bei Gor⸗ lice und Tarnow gehören für alle Zeiten der Geschichte an. Wie immer sind Sie dabei bemüht gewesen, die unerschittterliches Waffenbrüderschaft zwischen unsere Heeresleitungen zu fördern und zu vertiefen. In dankbarer Anerkennung verleihe ich Ihnen daher den Orden pour le mörite, den ich Ihnen persönlich überreich!g habe. 5 Schloß Pleß, 12. Mai 1915. Wilhelm R. 8 1 Deutschlands Stern im Steigen. London, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Die„Daily Mail“ schreibt:„Einige wenige von uns beginnen einzusehemn daß unsere gegenwärtige ungeheure Aufgabe nicht 3 2 wo wir sind. Augenblicklich ist Deutschlands Stern im Steigen. Das Blatt sagt weiter: Tatsächlich sind die Be⸗ richte des Deutschen Hauptquartiers in der Regel wahrheitsgemäß; außerdem werden sie mit großer Pünkt⸗ lichkeit ausgegeben. Die deutschen Angriffe beginnen gewöhnlich bei Tagesanbruch, und am Abend werden die Berichte durch die Welt telegraphiert. 8 5 Ein Bericht Freuchs⸗ d London, 14. Mai(WTB. Nichtamtlich.) General French meldet: Der Kampf östlich von Ppern dauert fort. Durch das heftige Bombardement, das heute auf den nördlichen Teil des We⸗ ges nach Meenen gerichtet war, sind einige unserer Laufgräben ver⸗ naichtet worden, was eine zeitweilige Verlegung unserer Linie nötig machte. Inzwischen ist die Linie wiederhergestellt worden. Der amtliche französische Bericht. Paris, 13. Mai.(Ctr. Frkf.) Die amtlichen Berichte vom Freitag lauten: 3 Uhr nachmittags: Nördlich von Arras haben wir am Mittwoch abend und in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag einen glänzenden Erfolg davongetragen. Bei Notre Dame de Laorette hatten wir als Herren der Schanze und der Kapelle in dem weiten Viereck von Schützengräben und Werken, das sich nörd⸗ lich der Kapelle befindet, einen sehr heftigen Gegenangriff aus⸗ zuhalten. Ein erbitterter Kampf, der die ganze Nacht andauerte, begann in diesem Viereck. Am Morgen blieben wir gänzlich dessen Herren, nachdem wir dem Feinde außerordentlich erhebliche Verluste Jiugefügt hatten. In der Nacht haben wir ebenfalls das ganze orf Carency und den Wald nördlich des Punktes 125(un⸗ mittelbar nördlich von Carency. D. Red.) im Sturme genommen. Die Besatzung, die das Dorf und den Wald hielt, umfaßt ein Bataillon des 109. Insanterieregiments, ein Bataillon des 136. Re⸗ giments, ein Bataillon bayerischer Jäger und sechs Pionierkom⸗ pagnien zu 300 Mann. Diese Truppen hatten aus Carency und dem Walde des Punktes 125 einen formidablen Schlupfwinkel ge⸗ macht. Obwohl durch die Verluste der vergangenen Tage an Toten, Verwundeten und Gefangenen sehr vermindert, setzte uns der Feind die ganze Nacht hindurch in dem Labyrinth von Blockhäusern und Laufgräben einen verzweifelten Widerstand entgegen. Bei Tages⸗ anbruch war der Widerstand gebrochen und wir machten uns zu Herren der Stellung. Unsere Truppen haben mit dem Bajonett etwa 100 Deutsche 555 und sie haben 1050 Gefangene gemacht, darunter etwa 30 Offiziere, unter denen sich ein Oberst und der Kommandant des Jägerbataillons befindet. Beim südlichen Aus⸗ gang von Souche z wurden unsere Stellungen durch den Feind heftig angegriffen. Wir sind deren Herr geblieben. Bei Neu⸗ ille sind unsere Angriffe im Dorfe und im Norden merklich vorgeschritten. Im Norden haben wir uns des Chemin des Car⸗ risres, der von Neuville nach Givenchy führt, bemächtigt, indem wir einige hundert Meter Boden gewannen. Im Dorfe selbst hielten wir gestern morgen nur den Südteil besetzt, in dem der Feind noch die Mitte und den Norden hielt. Unsere Angriffe am Ende des Nachmittags haben die Mitte der Ortschaft Haus um Haus 2 Die Deutschen sind nach dem Nordende zurückgeworfen, * abends: Die belgische Armee wurde in der letzten ach dem rechten Ufer der Heer von neuem angegriffen. Sie den zurückgeschlagen, der auf seinem Rückzuge mehrere ert auf dem Gelände zurückließ. Nördlich von Ar vas ben wir von neuem ein bedeutendes Ergebnis erlangt. Die Ein⸗ nahme von Carency ließ viel Material in unseren Besitz fallen. das noch nicht vollste geschätzt werden konnte. Man zählt unter der Beute zwei 7,7⸗Zentimeter⸗Tanonen, eine 10,5⸗Zenti⸗ Haubitze, zwei 21er— 2 ein Dutzend 9 eine oße engewehre, 3000 Gewehre, große Vorräte Granaten und Patronen. Im Walde des Punktes 125 haben Tote von drei durch Artillerie vernichteten deutschen Kom⸗ nen gefunden. Der Feind hat am Nachmittag Carency ohne iches Ergebnis beschossen. Als Herren von Carench sind wir Norden vorgedrungen, wo wir uns der Ortschaft Ablain⸗ St. Naßzaire bemächtigt haben, die wir mit Ausnahme einiger er an der Ortsgrenze, in denen der Kampf fortgesetzt wird, halten. Wir haben mehrere hundert Gefangene gemacht. Der d hat auf seinem Rückzuge die Hälfte des Dorfes in Brand steckt. Bei Neuville⸗St. Vaast haben wir im nördlichen Teil des Dorfes neue Häusergruppen genommen. Die Zahl der er⸗ beuteten großkalibrigen Kanonen und Haubitzen beläuft sich auf — In den Argonnen haben wir bei Bagatelle zwei deutsche griffe zurückgewiesen, einen in der Nacht und den zweiten am age Dieser letztere war sehr heftig. Die diesen Morgen im esterwalde gemeldeten Erfolge haben uns zu Herren der letzten deutschen Organisation gemacht, die noch in diesem Walde stand⸗ t. Die ganze Stellung ist in unseren Händen. *** Der Seekrieg. Amsterdam, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Hiesige Blätter melden aus dem Haag: 20 Offiziere und 150 Mann englischen Panzerschiffes„Goliath“ sind gerettet. 5 Ein amtlicher deutscher Bericht über die Versentung 5 der„Lusitania“. Berlin, 14. Mai.(WTB. Amtlich.) Aus dem Bericht des terseebootes, das die„Lusitania“ zum Sinken bracht hat, ergibt sich folgender Sachverhalt: Das Boot tete den Dampfer, der 11 führte, am 7. Mai 2 Uhr 22 Min. mittags an der Südküste Irlands bei schönem, Harem Wetter. Um 3 Uhr 10 Min gab es einen Torpedo⸗ schuß auf die„Lusitania“ ab, die an der Steuerbordseite in der Höhe der Kommandobrücke getroffen wurde. Der Detonation des Torpedos folgte unmittelbar eine weitere Explosion von ungemei 5 Wirkung. Das Schiff legte sich schnell nach Steuerbo über und begann zu sinken. Die Ex plosion muß auf die Ent⸗ zündung der im Schiffe befindlichen Munitions- mengen zurückgeführt werden. Der stellvertpetende Chef des Generalstabes: (gez.) Behncke. England unter der pöbelherrschaft. London, 14. Mai(WTS. Nichtamtlich) Die Ausschrei⸗ ungen gegen die Deutschen, die in London am Dienstag egonnen haben, wurden gestern mit vermehrter Gewalttätigkeit fortgesetzt. Sie ereigneten sich insbesondere in zahlreichen Stadt⸗ vierteln des östlichen und nördlichen London. Hunderttausende von Menschen nahmen daran teil oder waren mit der Ausschreitung sympathisierende Zuschauer. In einigen Seitenstraßen der Com⸗ mercial Road ist kaum ein Laden verschont geblieben. Der angerich⸗ tete Schaden wird auf 20⸗Tausend Pfund Sterling geschätzt. Der ob war nicht zufrieden damit, Türen und Fenster einzuschlagen, sondern verwüstete auch das Innere der Häuser, Treppen wurden in Stücke zerhackt, Wände und Zimmerdecken zerstört und Läden gänzlich aus geplündert. Ehe die Polizei erschien, war alle beweg⸗ liche Habe, Pianos, schwere Möbel, Betten, Bilder und selbst Kleiber geraubt und in Wagen, Handkarren und Kin⸗ derwagen fortgeschafft worden. Die Läden und Häuser wurden unter einem Steinhagel gestürmt und die Türen in kür⸗ zester Zeit eingeschlagen. Oft war ein Haus innerhalb 10 Minuten vollstandig ausgeraubt. Unter den Geplünderten befanden sich viele Teutsche, die seit Jahrzehnten in der Nachbarschaft wohnten. Es wurde kein Unterschied zwischen deutschen Staatsbürgern und Na⸗ turalisierten gemacht. Auch viele englische Läden wurden geplündert. Die Polizei war aufangs machtlos. Niemand hinderte bie Plünderer, mit ihrem Raube abzuziehen; Tausende pon Männern, Frauen und Kindern zogen von La⸗ die Aufrührer zu zerstreuen. In der Nacht wurden die Angriffe im Osten Londons erneuert und ein Laden soll dort in Brand ge⸗ steckt worden sein. Unter den Plünderern im nördlichen London 2 sich eine beträchtliche Zahl von Soldaten des Army Ser- vice-Corps. 5 In Liverpool wird der an den Gebäuden angerichtete Schaden auf 40000 Pfund Sterling geschätzt. Am Nachmittag wurden 150 Deutsche zwecks Internierung ver⸗ haftet. Auch in Newcastle haben Ausschreitungen stattgefun⸗ den. Die Londoner Polizeigerichte verurteilten die meisten zu Geld⸗ strafen und verpflichteten sie, sich künftig gesetzlich zu verhalten. In einem Falle wurde eine kurze Haftstrafe mit Zwangsarbeit verhängt.— Auch im Süden und Südwesten von London kam es zu einem Aufruhr gegen die Deutschen. Einen großen Anteil an der Zerstörung und Plünderung hatten Frauen und Kinder. Die„Daily News“ ist das einzige Blatt, das den Mut besitzt, mit aller Schärfe gegen die Pogroms gegen die Deutschen aufzutreten. Sie macht die Hetze eines Teiles der Presse dafür verantwortlich; diese sei eine öffentliche Gefahr und dürfe von der Regierung nicht geduldet werden. Das Blatt erklärt die Internierung aller Deutschen für unmöglich. Johannesburg, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Die heftigen deutsch⸗feind⸗ lichen Kundgebungen haben zur Verwüstung des Eigen— tums der Deutschen und zur Schließung von vier deutschen Läden und Bureaus geführt. Die Menge wandte sich auch gegen die dem deutschen Feinde gehörigen Kinos, die zum Schließen genötigt wurden. Gegen Abend verlor man die Kontrolle über den Mob vollständig. Die Leute liefen wie toll durch die Straßen und ver⸗ wüsteten alles, was einem feindlichen Untertan gehörte. Die Poli- zei bildete einen Kordon in der Forxstreet, um die Menge von den vornehmsten Burcaus und den Bergwerksunternehmungen ab⸗ zuhalten. Der Kordon war zu schwach und wurde durchbrochen. Gegen 8½ Uhr sah man an verschiedenen Punkten der Stadt. Flammen aufsteigen. Um 9 Uhr war das Zentrum der Stadt hell erleuchtet durch große Freudenfeuer, die mit dem Inhalt der verwüsteten Häuser genährt wurden. Kapstadt, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Auch hier ist es gestern zu deutsch⸗ feindlichen Kundgebungen gekommen. Sechs deutsche Läden wurden angegriffen und angezündet. Die Po⸗ lizei war dem Mob gegenüber machtlos. Die Menge hält selbst Ordnung. Nur in einem Falle versuchten Farbige zu plündern, Der Versuch wurde sofort vereitelt. Die Regierung erließ eine Erklärung, daß sie Maßregeln erwäge, um der neuen Lage ge⸗ recht zu werden. Sie müsse aber vorerst die Reichsregierung befragen. g Aus dem englischen Unterhaus. London, 14. Mai.(WTB Nichtamtlich) Im Unter⸗ hause teilte Asquith mit, daß sich noch 40 000 Ausländer, darunter 24000 Männer, aus feindlichen Ländern in England frei bewegen. Die Regierung beantrage, alle erwachsenen männ⸗ lichen Personen wegen der Sicherheit des Landes zu kit er- nieren, oder, wenn sie das militärische Alter überschritten, nach der Heimat zurück zu schicken. Die Frauen und Kinder würden, wenn die Umstände es gestatten, nach Hause geschickt werden. In vielen Fällen würde es ein Gebot der Gerechtigkeit und der Mensch⸗ lichkeit sein, ihnen zu gestatten, im Lande zu bleiben. Es werde eine besondere Kommission gebildet, um Ansprüche auf die Be⸗ freiung von der Repratiierung zu erledi, Man denke nicht daran, die Neutralisierten, die etwa 8000 Mann zählen, zu inter⸗ nieren. Ausnahmefälle würden besonders behandelt und die Mög⸗ lichkeit müsse geschaffen werden, um in Fällen der Notwendigkeit und Gefahr zu internieren. Bonar Law hieß die Vorschläge der Regierung gut und sagte, es sei klar, daß das Land erregt sei, und daß man leicht die Kontrolle über dasselbe verlieren könnte. Nie⸗ mand wünsche ungerecht mit den Feinden zu verfahren, aber das Land müsse fühlen, daß die Frage behandelt werde. Manchester, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich) Wie der „Manchester Guardian“ aus London meldet, hält die Regierung die Neuwahlen im Jahre 1916, falls der Krieg länger dauern sollte, eir undenkbar; sie beabsichtigt, die Legislaturperiode gesetz⸗ lich zu verlängern, solange der Krieg dauert. N **— Der Kolonialkrieg. London, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Livingstone vom 11. Mai: Eine Abteilung nordhodesischer i und die Polizeitruppe griffen am 17. März eine deutsche Patrouille schwar⸗ zer Truppen ohne deutsche Offiziere in einem mit Pallisaden versehenen Dorfe, 17 Meilen von Fife entfernt, an. Der Feind leistete mutigen Widerstand, wurde aber überwunden und verlor 18 Tote und 30 Gefangene.— In Windhuk wurde umfangreiches Eisenbahnmaterial erbeutet. Nach His⸗ sung der englischen Flagge wurde für das ganze eroberte Ge⸗ biet das Kriegsrecht proklamiert. Dann dankte General Botha den Truppen für ihre Selbstaufopferung, legte ihnen die Verantwortung, die auf ihnen ruhe, ans Herz und sagte, die Errungenschaften seien von größter Bedeutung für das Reich, da der Besitz von ganz Deutsch⸗Südwestafrika faktisch gesichert sei. Windhuk, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die deutschen Streitkräfte haben sich nach Nordwesten zurückgezogen. Der 5 der Hauptstadt ist nach Grootfontein verlegt worden. Der Aufstand in Tripolis. Tripolis, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.)„Agenzia Stefani“: Vorgestern nachmittag ist in der Gegend von Mi⸗ surata eine aus Infanterie und Kavallerie zusammen⸗ gesetzte Abteilung durch Aufständische heftig ange⸗ griffen worden. Der Angriff wurde abgeschlagen. Auf italienischer Seite sind 11 Soldaten gefallen; drei Offiziere und 29 Soldaten wurden verwundet. Aus dem Reiche. Aus dem Budgetausschuß des Reichstages. Berlin, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Bud⸗ getausschuß des Reichstages besprach heute die Frage der Volksernährung. Der Berichterstatter stellte zunächst fest, daß wir bezüglich der Ernährungsfrage„über dem Berg“ seien. Es handle sich jetzt um das neue Ernte jahr. Der Redner wünschte zunächst Vorschriften betreffs die Streckung des Getreides, einen Höchstpreis für Getreide, die Weiterverwendung von Brotkarten. Eine grundlegende Aenderung sei erwünscht bezüglich der Organisation. Der ganze Verkehr mit Getreide müsse dezentralisiert werden. Man möge dabei die Mitarbeit der Kommunen in Anspruch, nehmen und einen Ausgleich in den Kommunalverbänden vornehmen lassen unter einer Zentralausgleichstelle. Staatssekretär Dr. Delbrück stimmte dem persön⸗ lich zu. Der Bundesrat habe jedoch zu diesen Fragen noch keine Stellung genommen. Zu den meisten Aeußerungen des Berichterstatters meinte er aber, daß eine Neuprganisation mit denselben Kinderkrankheiten zu kämpfen haben werde, wie die jetzt bestehenden Organisationen, welche diese Schwie⸗ rigkeiten inzwischen überwunden hätten. Die eckungs⸗ vorschriften seien nach seiner qu zu erhalten. Die 59. und die 2 des Konsums seien, en zur Kontrolle den zu Laden. Erst der berittenen Gendarmerie gelang es, . 3 . 5 n l ichtigt. Bezüglich der Beschlagnahme des Brotge 5 Hafer 2 Gerste N eventuell ein Hande sprach sich der Staatssekretär zustimmend aus. Am tigsten sei die Regelung der Kleiefrage. Der Redner e die Beibehaltung der bestehenden Organisationen unter der Oberleitung des Reichsamtes des Innern. Die be 5 Kriegsorganisation könne auch mit Friedensschluß ihre Tä⸗ tigkeit nicht gleich einstellen; eine Uebergangszeit sei un⸗ bedingt nötig. Der Staatssekretär erklärte zum ß, daß reichend sei, sondern daß sich eine größere Reserve ergebe, als angenommen wurde, und selbst 8 ondere Zufälli wie Lagerbrände, Ernteverzögerung usw. uns nicht in Ver⸗ legenheit bringen könnten. Bezüglich der Kartoffeln hätten alle Zahlen getrogen; der Vorrat sei ein großer. Von einer Kartoffelnot werde in diesem Jahre keine Rede sein können. Die Schweinezucht sollte nicht weiter eingeschränkt wer⸗ den. Die Herstellung von Dauerware sei nicht weiter an⸗ empfohlen worden. Von einem anderen Vertreter der Re⸗ gierung wurde erklärt, der Gesamtbestand der Nahrungs⸗ mittelversorgung sei erfreulich günstig. Der König von anne auf dem östlichen Kriegs⸗ uplatz. Stuttgart, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kö⸗ nig von Württemberg reiste 1— 1 der„Staatsanzeiger“ berichtet, 1 östlichen egs⸗ schauplatz ab. Auf der Heimreise wird der König voraussi lich der Herrschaft Karlsruh in Schlesien einen kurzen such abstatten und in etwa acht Tagen wieder hierher zurück⸗ kehren. 8 ö * 5 Berlin, 14. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Unter sehr zahlreicher Beteiligung wurde heute im rsitzungs⸗ saale des Herrenhauses die Vollversammlung des Deut ⸗ schen Landwirtschaftsrates durch den Präsidenten Grafen Schwerin-Löwitz mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser, den ruhmgekrönten obersten Kriegsherrn, die Bundesfürsten und die Freien Städte eröffnet. eimer Hofrat Mehnert sprach über die Aufstellung des wirtschaftsplanes für das Et hr 1915/16. Berlin, 14. Mai.(WN. Nichtamtlich.) Das„Berl. aprt schreibt: Die Einzahlungen bei den Berliner tädtischen i e zahlungen um 4578 599 Mk., währ im März des Vor⸗ jahres das Mehr an Ei lungen nur 1613 115 Mk. be⸗ trug. Der Einzahlungsüberschuß vermehrte sich also in diesem Jahre um fast das dreifache. Im insgesamt bei den Berliner Sparkassen 10 294035 Mk. ein⸗ gezahlt gegen 7965408 Mk. im März des Vorjahres. Die Rückzahlungen betrugen 5 715 436 Mk. gegen 6352 293 Mk. im Vorjahre. Die Einzahlungen sind also in diesem re gewachsen, die Rückzahlungen gesunken. Ihr Pro 0 stellte sich im März auf 55.52 gegen 79.33 Prozent m . Vorjahres. Papst und Italien“ überschriebenen Artikels in der„Po st“ wurde die Ausgabe dieses Blattes bis auf weiteres ten. Aus Stadt und Cand. Gießen, 15. Mai 1915. gestrigen Nummer des„Gieß. Anz.“ die Mahnung der vom Reich erworbenen und noch bei den Verkäufern lagern⸗ den Vorräte sachkundig und pflichtgemäß zu behandeln und namentlich nicht alle Vorräde plößlich auf den 1 werfen. Bekanntlich sind in letzter Zeit auch im Kreise Gießen durch den behördlich beauftragten Kommissionär bei einer größeren Anzahl von Landwirten Kartoffelvorräte für Rechnung des Reichs angekauft worden. Auf die Mah⸗ nung der Reichsstelle sei für diejenigen, denen die Abnahme der Kartoffeln jetzt nicht schnell genug gehn kann, deshalb nochmals hingewiesen. Uebrigens mehren sich an allen Orten die Anzeichen dafür, daß mit einem baldigen Sin⸗ kender Kartoffelpreise gerechnet werden kann. Wenn sonst einige Monate vor der neuen Ernte die Kartoffelpreise anzogen, scheint in diesem Jahre das Gegenteil der Fall zu sein. Der Grund des verschiedentlich schon eingetretenen Preisrückganges liegt wohl in erster Linie in verfehlten Spe⸗ kulationen. Die Regierung veranstaltet heute eine Vor⸗ ratserhebung. Werden nun Höchstpreise festgesetzt und Ausfuhrverbote erlassen, wohin dann mit den großen Vor⸗ räten, die im Lande noch bei manchen Händlern und Bauern vorhanden sind? Die Zeit, in der man Speisekartoffeln als Saatkartoffeln zu Luxuspreisen verkauft, ist auch dahin. Da⸗ zu kommt, daß das warme Wetter die Kartoffel keimen und im Gewicht sinken läßt. Wir dürften also in kurzer Zeit billigere Kartoffeln haben. In Frankfurt z. B preisen die Händler den Zentner schon zu 6 Mark an, im Kreise! ö ten darf er nicht mehr als 5 Mark kosten. a . den 3 statt. Auf Veranlassung des Künstlers soll der gesamte Reinertrag mit zwei der besten Brahmsschen Kompositionen, bringt Wanderer-Fantasie von eine Reihe hervorragender Schumannscher und Chopin schließt mit Liszts selten gehörter 12. Rhapsodie. Ueber die Bedeutung eines Wilhelm Backhaus braucht nichts! zu werden. Er ist mit Recht hier und allerwärts ebenso beliebt wie künstlerisch hochgeschätzt. Daß er zu den allerersten seines Faches gehört, wurde erst neuerdings wieder bei seinen Odol 15 Klavierkompositionen und auch für das nächste Jahr nötig nen W N der Selbstversorgung der Gemeinden Für stark arbeitende Personen seien höhere Portionen. In allen einschlägigen Geschaften. unser Brotgetreide für das laufende Jahr nicht mur aus⸗ erlin, 15. Mai. Wegen des Erscheinens eines„Der e. Die Kartoffelversor gung. Wir brachten in der Reichsstelle für Kartoffelversorgung an die Landwirte, die * Kriegergräber. Aus dem Felde gelangt an das der Ane nee 7 00 ck haus in hübscher Metall⸗Felddose . Flasche 85 Pfg. ee Weh 1 PA 5 1 e bei. Die Beratungen der Generalversamml dr. nut und Darmstadt gebührend hoben. Um allen Musikfreunden den Besuch zu er⸗ n, sind die Eintrittspreise sehr niedrig angesetzt gehalten, daß jedermann sich den hohen künstlerischen 5 verschaffen und gleichzeitig im Interesse der Wohl⸗ ätigleit wirken wann. 5 * Diebstahl. Vor einigen Tagen wurde aus einem * Garten an der Kirchstraße ein gelbgestrichener Kinder⸗ Leiterwagen mit Bremsvorrichtung gestohlen. Die Kriminalpolizei erbittet sachdienliche Mitteilungen. g* Gefangene in Toulouse. Auf der im Aus⸗ hange unserer Geschäftsstelle angebrachten Photographie aus dem Gefangenenlager in Toulouse sind bisher von 21 Abgebildeten 13 erkannt worden. Eine Reihe von Familien hat auf diese Art zum ersten Male vom Schicksal eines als vermißt Geltenden erfahren. Wir empfehlen die Photographie namentlich auch der Beachtung der am mor⸗ gigen Sonntag in die Stadt kommenden Landbevölkerung. f Eisernes Kreuz. Wir berichteten kürzlich(Nr. 97 des G. A.) auf Grund einer uns aus Darmstadt gewordenen Mit⸗ teilung von der Verleihung des Eisernen Kreuzes an einen Wehr— mann A. Peter vom Res.⸗Inf.⸗Regt. 116. Von dem Regiment wird uns mitgeteilt, daß ein Wehrmann dieses Namens nicht unter den Regimentsangehörigen sei. Es handelt sich, wie wir auf Erkundigungen an der Quelle der ersten Mitteilung erfahren, um den Wehrmann Peter vom Res.⸗Inf.-Regt. 118, der das ern Kreuz 2. Klasse erhalten hat. Landkreis Gießen. m. Lollar, 14. Mai. Von schönstem Maiwetter begünstigt, hielten am Himmelsahrtstage die Jungmannschaft des Peet Lollar in Verbindung mit denen von Ns und Alen dor an der Lumda eine größere Felddienstübung ab. Das Gefecht 5 waldigen twickelte sich in dem wal und hügeligen Gelände zwischen Mainzlar und Treis. Die Uebung, die von unseren jüngsten, egern mit der größten Begeisterung durchgeführt wurde, hatte 1 schauer herangezogen. Anschließend fand am Totenberge 356) unter Buchen und Eichen Feldgot tesdienst Er wurde eingeleitet mit dem Gesange„Ein feste Burg ist Gott und schloß mit dem Liede„Ach, bleib mit deiner Beide Lieder wurden durch Herrn Lehrer Seipp⸗ ringen auf der Trompete begleitet. Nach dem Gottesdienste von den Jungmannschaften auf dem Biwakplatze das Früh⸗ . 3 ierbei fehlte nichts, was gerplatz in militärisches Gepräge gab. Jung und Alt aus den um⸗ liegenden Ortschaften waren erschienen und erfreuten sich mit schland, so daß auch der Marketender auf seine Rechnung Den Schluß bildete eine kurze Ansprache des Bahnhofs vor⸗ Reitze⸗ Lollar, des Führers der Jugendwehr Lollar, an die Jungmannschaften gerichtet war und mit einem Hoch S. M. den Deutschen Kaiser, unser tapferes Heer und unsere denmütige Flotte endete. Der gemeinsame Gesang des Liedes dir im Siegerkranz“ beschloß die Veranstaltung. Unter fischen, fröhlichem Sang marschierten dann die Jugendwehren Heimat zu. Starkenburg und Rheinhessen. rb. Darmstabt, 15. Mai Zu dem Deutschen Büh⸗ nenvereinstag, der seine diesjährige Tagung wieder, wie schon im Jahre 1903, in Darmstadt abhält, ist heute eine so reiche Versammlung von Vertretern aus allen Teilen Deutsch⸗ herbeigekommen, wie noch zu keiner früheren Tagung. Neben den ersten Repräsentanten der deutschen Bühnen, Theaterinten⸗ danten und Direktoren, sieht man hier eine große Anzahl der altesten und der jüngsten Sterne am deutschen Theaterhimmel deim frohen Wiedersehen sich die Hand drücken. Im Laufe des Tages fanden zumächst verschiedene Ausschußsitzungen und Vor⸗ besprechungen im Hoftheater und im Hotel zur Traube statt, wo auch die meisten der Teilnehmer untergebracht sind. Am Nachmit⸗ tag waren sie zu einer Festtafel in den Räumen des„Herrem⸗ Hubs“ vereint, an welcher auch der Großherzog in seiner 7 755 Felduniform, die Minister und einige andere Ehren⸗ 1 nahmen. Nach Begrüßungs⸗ und Dankesworten des Darm⸗ tädter Intendanten Dr. Eger Generalintendant b. Hülsen⸗Haeseler aus Berlin ein dreifaches Hoch auf den kunstsinnigen Großherzog Ernst Ludwig aus, worauf dieser die Aufgaben der deutschen enkunst und ihrer hier versammelten Vertreter feierte. Heut abend wohnte die Mehrzahl der Vertreter einer besonderen Aufführung der Niebergall'schen 3 lung n te vormittag im Saal der„Traube“ statt. Am Abend ist auf des Großherzogs eine Festaufführung von Verdi's„Aida“ in Hoftheater und darnach werden die Mikalieder des Deutschen Bühnenvereins bei einer Festtafel beim Groß! g zu Gaste sein. rb. Darmstadt, 14. Mai. Oberlandesgerichtsrat Fabricius ist gestern hier im 62. Lebensjahre gestorben. Er war aus Oberhessen gebürtig und stammte aus Arnsburg bei Lich, wo er am 14. Sept. 1852 als Sohn eines Oberförsters geboren 5 Nach bestandener Staatsprüfung an der Universität Gie⸗ gen war er von 1879 ab Amtsanwalt in Zwingenberg an der Bergstraße, von 1881 ab Amtsrichter in Oppenheim, von 1885 ab Amtsrichter in Mainz, von 1889 ab Landrichter und von 1893 b Landgerichtsrat—— später auch Vorsitzender der dorti⸗ en Kammer für Handelssachen. Anfangs des Jahres 1904 wurde zum Oberlandesgericht nach Darmstadt berufen und am 15. No⸗ 0 desselben Jahres zum Mitglied des Verwaltungsgerichts⸗ bofs ernannt. Er hat sich in seiner langjährigen Dienstzeit stets ils ein zuverlässiger, sehr fleißiger und tüchtiger Beamter er⸗ wiesen wofür er auch im Jahre 1909 vom Großherzog mit dem 17 Ehrenkreuz des Philippsordens ausgezeichnet wurde. Sowohl in 1 den Kreisen seiner Berufsgenossen, wie in der Bürgerschaft er⸗ Eisheiligen haben die jungen Triebe vor Nachtfrösten ver⸗ 5 1 o daß die Aussichten für die weitere Entwicklung es Rebstockes recht zufriedenstellend sind. In den Wein⸗ een, .* bergen herescht rege 9 9 t ist es gelungen, die Arbeiten auf dem lau a1. Die Bodenarbei⸗ ten werden beschleunigt ausgeführt, da sich die Unkraut⸗ bildung in den Weinbergen stark bemerkbar macht, die jungen Triebe auch bei späterer Vornahme der Bodenarbei⸗ ten leicht beschädigt werden können. Geschäftlich war es in der letzten Zeit rege. Dabei konnte festgestellt werden, daß die Nachfrage nach 1914er Wein etwas nachgelassen hat, dagegen die nach Weinen älterer Jahrgänge lebhafter geworden ist. In den letzten 8 Tagen konnten in Rhein⸗ hessen etwa 100 Stück 1914er umgesetzt werden. Kreis Wetzlar. Waldgirmes, 14. Mai. Die„dicke Eiche“ unweit Hof Bubenrod war auch diesmal das Ziel vieler Himmel fahrtsbesucher. Missionar Mohr aus Cannstadt wußte seine Erlebnisse in englischer Gefangenschast trefflich zu schildern. Dazu hielten die beiden Pfarrer Braches aus Blasbach und Teubner aus Dorlar Ansprachen. Posaunen- und Gemischter Chor wirkten bei dem christlichen Waldfest in gewohnter Weise mit. Hessen⸗Nassau. m Treysa, 14. Mai. In einer der vergangenen Nächte ver- suchte ein Einbrecher durch ein Fenster in das Haus des im Jelde stehenden Landwirts Sch. im nahen Schlierbach einzudringen. Die Frau des Landwirts hörte die verdächtigen Geräusche am Fenster und rief ihre beiden Dienstmädchen herbei, die durch zwei Fenster nach dem Einbrecher ausschauten. Das eine Mädchen glaubte den Einbrecher am anderen Fenster zu sehen, was dem etwa 14jährigen Sohne des Landwirts Veranlassung gab, nach dem Einbrecher zu schießen. Er traf jedoch nicht den Einbrecher, der längst über alle Berge war, sondern das andere Dien st— mädchen, dessen Schatten man für den Einbrecher gehalten hatte. Das verletzte Mädchen mußte ins hiesige Krarkenhaus gebracht werden. h. Frankfurt a. M., 14. Mai. Auf offener Straße er- schoß sich in der vergangenen Nacht der 25jährige Arbeiter Wittdorf aus dem Vorort Eschersheim mit einem Revolver. h. Bad Homburg v. d. H., 14. Mai. An Stelle des Kur- direktors Grafen Zeppelin, mit dem die Kurverwaltung den Vertrag nicht wieder erneuerte, wurde heute vom Magistrat der Hauptmann Richard Jeldsieper zum Kurdirektor gewählt. * Aus dem Siegerland, 14. Mai. Auf der Grube „Vereinigte Henriette“ bei Niederschelden wurden vorgestern drei junge Bergleute aus Niederndorf namens E. Stein, H. Bäumer und A. Uebach durch gif⸗ tige Gase getötet. 1 Aniversitäts⸗ Nachrichten. ll Marburg, 14. Mai. Die medizinische Fakultät der hie⸗ sigen Universität erneuerte dem Augenarzt Professor Dr. Stikling in Kassel anläßlich seines 50jährigen Doktor- jubiläums das Diplom. U. a. wird besonders darauf hin- gewiesen, daß der Gelehrte, den Ueberlieserungen seines Vaters folgend, sich um die ärztliche Kunst und die neueren Forschungen auf diefem Gebiete sehr verdient machte. Vermischtes. Was kostet der Reichstag? Die Tätigkeit unserer Reichsboten ist durch den Krieg etwas eingeschränkt worden. Früher tagte das Reichsparlament etwa sechs bis sieben Monate im Jahre, natürlich mit mancher Ferienpause dazwischen. Jetzt in der Zeit des Kampfes sind es nicht einmal soviel Wochen. Trotz- dem ist der Reichstag immer bereit. Und wenn er auch erst im März nach eindrucksvoller Tagung auseinandergegangen ist, so tritt er doch jetzt wieder zu neuer parlamentarischer Arbeit zusammen. Die Unkosten, die der Reichstag in einem Jahre verursacht, sind nicht unbeträchtlich. Sie belaufen sich auf rund 2 300 000 Mark oder genauer: im Kriegsjahre 1915 auf 2269 483 Mark. Der Hauptteil dieser Summe entfällt auf die Aufwandsentschädigungen für Reichs- tagsabgeordnete, von denen jeder etwa 3000 Mark jährlich bezieht, insgesamt 1060 900 Mark. Dazu erhalten sie noch freie Eisen⸗ bahnfahrt erster Klasse im ganzen Reiche. Die sächlichen Aus- gaben des Reichstags sind nicht gering. Sie beziffern sich auf 640 000 Mark. Hier sind alle Geschäftsbedürsnisse, Schreibgebühren usw. einbegriffen. Zur Unterhaltung der Gebäude werden etwa 60 000 Mark jährlich ausgegeben. An Gehältern werden an den Direktor des Reichstags, an die Sekretäre, die Stenographen und Unterbeamten im ganzen etwa 200 000 Mk. bezahlt. Die Bücherei erfordert an Besoldungen 30000 Mk. Für Neuanschaffungen von Büchern stehen 38 000 Mk. bereit. Auch Einnahmen stießen aber dem Reichstag zu, jährlich etwa 7500 Mk. an Eintrittsgeldern für die Besichtigung des Reichstagsgebäudes. Es ist ein Fonds aus diesen Geldern gebildet worden, der jährlich schon 6500 Mk. Zinsen bringt. brach, da der Reichstag noch keine Bestimmung über sie getrossen hat. Standesamts nachrichten. Gießen. Aufgebote: Mai 14. Heinrich Traum, Brauereiarbeiter, mit Wilhelmine Mathilde Amalie Hedwig Luise Emilie Müller, beide in Darmstadt. 1 Eheschließungen: Mai 12. Joseph Reithberger, Metzger in Frankfurt a. M., mit Maria Emma Minna Schmidt in Gießen. Geborene: Mai 3. Dem Maurer Heinrich Hofmann eine eine Tochter, Eleonore.— 5. Dem Schreiner August Eidmann eine Tochter, Käthe Johanna Klara.— 6. Dem Zigarettenarbeiter Louis Schulberg ein Sohn, Erich Joseph.— 7. Dem Musiken Wilhelm Christoph Otto Matthies eine Tochter, Irmgard Elisabeth Anna. Tem Kaufmann Hermann Karl Theodor Fuhr ein Sohn.— Dem Eisendreher Josephat Staubach eine Tochter, Gertrude Anna.— 8. Dem Chauffeur und Bankdiener Georg Anton Weippert ein Sohn, Georg Rudi.— 11. Dem Lumpen⸗ sammler Ludwig Müller eine Tochter, Elise Henriette. Diese nicht unbeträchtliche Summe liegt vorläufig ganz]? Sterbefälle: Mai 8. Georg Karl Nobert Schwalm, Zahm⸗ arzt, 46 Jahre alt, Mühlstraße 5.— 9. Johannes Ochs, Rats⸗ diener, 61 Jahre alt, Sonnenstraße 2.— 12. Juliane Müller, geb. Dechert, 68 Jahre alt, Mühlstraße 29. Im Felde gefallen: August 21. Jo Konrad Gün⸗ ther, Schreiner, Reservist, 24 Jahre alt, Schottstraße 7. Februar 7. Wilhelm Balthasar Eberhard Feuster, Erbarbeiter, Ersatz⸗Reservist, 23 Jahre alt, Wetzsteingasse 13.— Hermann Friedrich Nick, Lehramts⸗Assessor, Kriegsfreiwilliger, 26 Jahre alt, Wilsonstraße 15.— Wilhelm Theodor Dürbeck, Student Kriegsfreiwilliger, Gefreiter, 22 Jahre alt, Steinstraße 12. K Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Auf der Rückseite des nach Osten ziehenden Wirbels ist der Druck sehr schnell angestiegen. Da dieses Hochdruckgebiet jedoch der nach Osten abziehenden Depression sehr schnell zu folgen scheint, dürsten wir bereits morgen auf die Rückseite dieses hohen Druckes kommen und bei südwestlichen Winden wolkiges, doch meist trockenes Wetter zu erwarten haben. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 16. Mai 1015: Wolkig, doch meist trocken, etwas wärmer, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Der Rücktritt des Kabinetts Salandra. Lugano, 15. Mai. Als das Ministerium Salandra die Ein⸗ sicht gewann, daß der Führer der Hammermehrheit für seinen Plan nicht zu haben war, hat es, konstitutionellen Gepflogenheiten ge⸗ treu, seine Entlassung gegeben. Die Krise wird voraussichtlich, wie es die Gefährlichkeit des Augenblickes mit Rücksicht auf die künstlich gesteigerte Exregung des Volkes verlangt, schnell gelöst werden. Die interventionistische Presse ergeht sich natürlich in den wütendsten, Beschimpfungen Giolittis. Die in materieller oder geistiger Ab⸗ hängigkeit von den Ententemächten stehende Presse wird alles auf⸗ bieten, um Aufregung im Lande hervorzurufen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß es Giolitti gelingen wird, diese Bewegung zu ersticken, zumal der offizielle Sozialismus auf seiner Seite steht. Der„Corriere della Sera“ beginnt seinen Leitartikel mit den Worten: Giolitti triumphiert, aber mehr noch triumphiert Fürst Bülow. Nichts wäre gefähr⸗ licher, als anzunehmen, daß an dem von Giolittt offenbar als ausreichend erachteten Mindestprogramm der italienischen Jorde⸗ rungen noch etwas abzuhanbeln wäre. Es ist nunmehr der Weg zu freundschaftlicher in beiderseitigem Interesse liegender Fortfüth⸗ rung und Abschließung der Verhandlungen offen. Nur wenn sie von beiden Seiten mit der notwendigen Offenheit und Freundschaft⸗ lichkeit im Hinblick auf die Zukunft geführt werden, können sie den erwarteten Segen stiften. Chiasso, 15. Mai. Die Erregung in den italieni⸗ schen Städten wächst zusehends. Schon gestern sind revolutio⸗ näre Rufe bei den Kundgebungen z. B. in Parma, Bologna und Venedig laut geworden. Die Straßenkundgebungen nehmen einen Umfang und eine Heftigkeit an, wie sie bisher selbst in Italien kaum vorgekommen sind. In Genua wiederholten sich die Ge⸗ walttätigkeiten gegen das deutsche und österreichische Konsulat. In Mailand bildete sich ein ungeheurer Zug der Kriegspartei. Aim Abend nahm die Erbitterung zwi⸗ schen Friedensfreünden und Kriegsfreunden einen solchen Grad an, daß ein Zusammenstoß erfolgte, der eine Schlacht genannt werden kann. Zunächst wurden Steinwürfe und dann Re⸗ volverschüsse gewechselt. Als einer der Kriegsdemonstranten tot zusammenfiel, machten seine Parteigenossen einen Sturm auf das Lokal eines nahegelegenen sozialistischen Vereins. Schon hatten sie das Eisentor zum Eingang niedergerissen, als sie durch Schüsse aus dem Hause zum schleunigen Abmarsch veranlaßt wurden. Unterdessen kam die Polizei heran und konnte beide Parteien trennen. In Rom ist die Gewalttätigkeit der Kriegshetzer auf Grade gestiegen, daß die Anhänger des Friedens kaum ihres Lekens sicher sind. Hervorragende Politiker werden auf der Straße tätlich angegriffen und bespuckt. Die wenigen noch in Rom wei⸗ lenden deutschen Journalisten waren das Ziel von Kundgebungen! seitens ihrer italienischen Kollegen. Ueberall in Italien finden fortgesetzt Kundgebungen statt. Die Aufregung ist unbeschreiblich⸗ N * Paschitsch in Petersburg. Kopenhagen, 15. Mai. Ministerpräsident Paschitfe hat sich, wie die Petersburger„Rußkoje Wjedomostie“ meldet, nach Petersburg begeben. Nach dem„Rußkoje Slowo“ wird das ser⸗ bische Kabinett wegen der adriatischen Zusage des Dreiverbandes an Italien für diese Versprechungen, an denen Rußland beteiligt ist, keine Verantwortung gegenüber dem serhischen Volke über⸗ nehmen können. Die gesamte russische Presse richtet ben dieser Gelegenheit scharfe Angriffe gegen Serbien, weil dieses in Mazedonien bulgarisches Gebiet besetzt halte und über⸗ haupt an der jetzigen Haltung Bulgariens schuld sei. SNAToGEN von 21000 Herzten anerkanntes Kräf- tigungsmittel für Körper und Nerven. Feldposibrief-Paccungen in allen Apotheken und Drogerien. Apotheker Neumeier's Asthma-Cigashe, g, S Cigarillos Papier) D. R. G. M. No. 26122 und 26617 g Aerztlich empfohlen.— Deutsches Erzeugnis. 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Professors Hans 5 Winderstein. 3 Samstag, abends 8¼ Uubr, Vaterländisches Konzert unter Leitung des Kapellmeisters Bruno Weyersberg. Bei günstiger Witter ung Beleuchtung des Kurhauses. Veranstaltungen im Kurhaussaal abends 8 Uhr: Sonntag Tbeater:„Die fünf Frankfurter“. 85 Montag Thegter: Einmal. Gastspiel des Neuen 8 Theaters Frankfurt M.„Der Arzt seiner Eh Dienstag:„Die Märchen von der Geige“. 7 Spiel für Jung und Alt von Leina Ander Mittwoch Theater:„Das Eiserne Kreuz“,„Der 7 zerbrochene Krug“. Freitag Theater:„Goldfische“. Vorläufige Anzeigen: und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Kurhaussaal Theater„Als ich noch im Flügelkleide“. Montag, 24. Mai(2. Pfingstfeiertag), nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkavelle. Abends 8 Uhr im Kurhaus saal Theater„Im weißen Rössl“. Dienstag, 25. Mai, abends 8 Uhr, im Theatersaal 5 Lichtbilder⸗Vortrag des Ingenieurs Heinrich Lensch: Krupp und sein Werk unsere deutsche Waffenschmiede. Donnerstag, 27. Mal abends 8¼ Uhr im Konzert— haus Viertes Sinfoniekonzert der Kur⸗ kapelle unter Leitung des Königl. Professor Haus Winderstein. 142640 Verwandten, Freunden und Beka sohn, Schwager und Onkel am 13. d. M. im 43. Lebensjahre nach In beißem Kampf in Feindesland Ward Dir die Todeswunde, Die Lieben Dein im Heimatsland Traf schwer die bittere Kunde. Den Heldentod fürs Vaterland Bist Bester Du gestorben, Mit Deiner tapf'ren Hand hast Du Dir Himmelslohn erworben. Todes⸗Anzeige. Am g. April starb den Heldentod fürs Vaterland unser innigstgeliebter, hoffnungs⸗ voller, braver Sohn und Bruder Wilhelm Schmidt Ersatz⸗Reservist i. Inf. Regt. 17, 4. Komp. im blühenden Alter von 23 Jahren. In tiefem Schmerz: Familie Anton Schmidt II. Hörnsheim, 15. Mai 1915. 02662 Wiedersehn war seine Hoffnung! Selbstgekelterter prima naturreiner“ Aepfelwein im Zapf Ubslvoin.-Aellerel Mälg. Mayer,„Jum Arosa“ Te lephon 348 4²³6 Telephon 348 Dreimal täglich Konzert, vorm. i. der Trinkkur Sonntag nachm. 4 Ubr und abends 8¼ Uhr auf 5 drittes Sinfonie⸗Konzert der Kurkapelle 5 Sonntag, 23. Mai(1. Pfingstfeiertag, nachmittags Todes-Anzeige. mein innigstgeliebter Gatte, unser treusorgender Vater, Bruder, Schwieger- err bhobl. Dotomokxfthror Harl dommer Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Margarete Sommerlad geb. Weller Frankfurt a. M.(Hardenbergstr. 12), Wieseck, am 14. Mai 1915. Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. Mai, nachmittags 3 Uhr, vom Trauer- hause in Wieseck, Schulstr. 8, aus statt. Hauptstr. 6 Lotel-Aestaurant laudes, re Für Haus, Zimm. m. Pension. Mittags⸗ tisch. Reichhaltige Abendkarte. Neben der Sprudelapotheke. 428 Hotel Hessischer Hof Inh.: Fr. K im m. Telephon 10. Erstes Haus am Platze, direkt am Dad auen Dülahact ebe Zimmer mit ganzer Pension von Mk. 4.50 an aufwärts. II Sommerfrische„Honigmühle“ bei Weslar, Im Siebenmüblental mitten im Walde gelegen. 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Heute morgen entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter treusorgender Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Maurermeister Heinrich Wagner XIII. nach vollendetem 65. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen. Tan N.: Helene Wagner, geb. Bonarius Heinrich Wagner III., z. Zt. im Felde und Ehefrau, geb. Rühl, nebst Kinder. Grossen-Buseck, den 14. Mai 1915. Die Beerdigung findet statt: Sonntag, den 16. Mai, nachmittags 3 Uhr. 02668 Heute morgen 4 Uhr rief nach langem, schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden Gott der Allmächtige unsere gute unvergessliche Tochter, liebe Schwester, Schwägerin, Enkelin, Tante und Gothe Marie Mengel im Alter von 23 Jahren zu sich in eine bessere Heimat. In tiefer Trauer: Familie Johannes Mengel III. Heinrich Mengel, z. Zt. im Feld u. Familie Familie Wilnelm Schmidt Ww. Ludwig Döring, 2. Zt. im Feld u. Familie. Reiskirchen, Oppenrod, Lindenstruth, den 14. Mai 1915. Die Beerdigung findet Sonntag, den 16. Mai, nach- mittags 3½ Uhr statt. 4269 E Nationaler Frauendienst Allgem. Deutscher Frauenverein Ortsgruppe Gießen. Kriegsversorgung der Witwen u. Waisen p. Kriegsteilnehmern Die diesen Gegenstand betreffenden Tabellen des„Nationalen Frauendienstes“ stehen jedem Beteiligten zur Verfügung Süd⸗Anlage 4 11 jeden Montag, Mittwoch und Freitag, 10—12 Uhr, bei Frau Dr. Kalbfleisch, die auch bereitwilligst Auskunft erteilt. Ebenda werden diese Tabellen auf Wunsch, unentgeltlich abgegeben. 42660