c e e g* 45 1 N W N 98 7 Sweites Blatt N eien, taglich mit ee des Sonntags. „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 105. Jahrgang Gießener Anzeig General⸗Anzeiger für Oberhessen * Kriegsbriefe aus dem westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. erctater Nuchdrurk, auch aus hugs tveise, verboten) Was der Herr Abbs sagt. Großes Hauptquartier, den 10. Mai 1915. Spät abends kam ich in einer nordfranzösischen Kleinstadt an, die ich nicht nennen will, weil sie im Zusammenhange mit meinem später zu schildernden Besuche an der Front steht und weil ich meiner freundlichen Quartierwirtin keine Ungelegenheiten machen 8 dort einmal wieder französische Behörden einziehen. Vor der Stadt, die in den Erinnerungen der alten Mitkämpfer von 1870 eine große Rolle spielt, sah ich nichts mehr. Die Ein- wohner müssen um 8 Uhr ihre Häuser verschließen. Aber da das ganze Nest auf einem alten Römerlager aufgebaut ist und da ein— einer meiner Lehrer ein aufschlußreiches Gymnasialprogramm 3 über die Entwicklung moderner Städtebilder auf römischer Grund— lage geschrieben hat, fand ich geraden Weges das Haus, zu dem mich das Quartierbillett der Kommandantur verwies. Es ist auch im 0 anno 1915 nicht unvorteilhaft, über die Anlage rö— mischer Lager sicher Bescheid zu wissen. Alles lag in tiefem Dunkel und Schweigen. Auf mein erst bescheidenes. dann allmählich den berechtigten, Ansprüchen des deustchen Siegers mehr entsprechendes Sturmläuten geriet zunächst die Nachbarschaft in Exregung, die sich durch halblaut hinter schmalspaltig geöffneten Fensterläden mit ahnungs vollen Negligé— hintergründen geführte Gespräche offenbarte. auch über mir ein Fenster. logement.“ Endlich öffnete sich) „Wer will zu mir?“—„Billet de „Warten Sie, man öffnet.“ Man öffnete, nach sehr geraumer eit, zum mir aus unsichtbarem Hintergrunde verdrießlich mitzu daß ich hier nichts 5 suchen habe, da das Haus für das Stadtkommando belegt sei und man keinen Quartierzeltel] D erhalten habe. Ordnung muß sein. Also ging ich zur Kommandan⸗ tur zurück, wo man mir einen kurz angebundenen, Sergeanten mit- gab, der dem unsichtbaren Hausgeiste mit meh. Entschiedenheit als Sprachgewandtheit klar machte, daß alles in Ordnung sei. Dar⸗ auf wurde ich von einer vermummten, ältlichen Gestalt in ein schönes kleines Zimmer geführt und mit einem mürrischen:„Hof⸗ fentlich werden Sie zufrieden sein“ mir selbst überlassen. Und ich war zufrieden, denn das Bett war güt und sauber, und ich war sehr müde. Schließlich kann man den Leuten nicht böse sein. Wenn ich solchen Besuch aufnehmen müßte, würde ich ihm auch keinen Willkommenkranz über die Türe hängen. Der Anfang war also wenig versprechend. Aber ich muß mich wohl über die an einen Barbaren zu stellenden Anforderungen gut benommen haben, denn als ich am nächsten Nachmittage am, Abbs hatte sich eeendlcen ie Und wir r haben doch vom Kriege gesprochen, eigentlich von nichts als dem Kriege— Zuerst kam die große Frage, die niemand beantworten kann, ob der Krieg noch lange dauern werde. Man äußert sich höflich und sagt, da wir den Krieg niche angefangen haben, sei es unser Recht, ihn fortzusetzen, bis der Sieg ganz unser sei. Madame Genevieve wirft spitzig ein:„Deutschland kann den Krieg nicht sortsetzen, Denn es muß längst an Hungersnot zugrunde gehen.“ Woher sie denn das wisse. Sie habe schon lange vor dem Krieg gelesen, daß ein Gelehrter geschrieben habe, Deutschland werde verhungern, wenn England ihm die Zufuhr von der See ab— schneide. Deutschland beziehe sein Brot aus den Kolonien. Ueber geographische Kenntnisse mit Franzosen zu rechten, hat keinen Zweck. Ihre Unkenntnis i bodenlst Ich glaube, daß jeder Volksschüler bei uns die französische Landlarte besser kennt als ein großer Teil der gebildeten französischen Mittelschicht. Ich sollte davon gleich noch eine Probe erleben. Meine Quartier⸗ wirtin bat mich, ihr ganz ehrlich zu sagen, ob der wenige Kilo meter von ihrer Stadt gelegene Ort C. wirklich in deutschen Händen sci. Das sei kürzlich erzählt worden und es beschäftige sie sehr, da sie dort Bekannte habe und zweimal bei ihnen zu Besuch gewesen sei, so daß sie den Ort genau kenne. Ich konnte ihr das wirklich ehrlich bezeugen, denn ich war erst am Tage zuvor dort gewesen. „Aber ich kann das nicht glauben. Eine ganze Division.“ „Die haben einmal dort gestanden. Am 26. August ist diese Division vernichtet worden, che noch die Deutschen hierher kamen. Haben Sie davon nicht gehört?“ Die beiden Damen verneinen sehr entschieden, und Madame Genevieve fragt beinahe spöttisch:„Sie wollen also behaupten, daß Deutschland auch mit den Engländern fertig werde? Mit Dort stehen Engländer. solchen Truppen, welche die ganze Welt beherrschen und allein drei Millionen stark sind. O, das werden Sie uns nicht erzählen. Deutschland hat viele starke Männer, das muß man zugeben. Aber Frankreich und England zusammen haben viel mehr. Und dann alle andern Völker, welche uns helfen!“ „Vor allem die Russen,“ fällt meine Wirtin ein.„Man sagt, daß die Russen vierzig Mann gegen einen Deutschen sind. Was wollen Sie da machen. Oder wollen Sie das mit den Russen auch bestreiten?“ Na, ganz so viele werden es ja wohl nicht sein. Und wenn sie es wären, die Massen entscheiden diesen Krieg weniger als einen, je zuvor. „Aber es steht doch fest, daß die Russen einen großen Teil Deutschlands und ganz Oesterreich-Ungarn bereits besetzt haben. Wollen Sie das leugnen? Daß sie in Wien sind?“ Ja das will ich in den Tagen der russischen Niederlage in Westgalizien ziemlich entschieben leugnen. Aber ich finde keinen Freitag, IA. mai 19¹⁵„ Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Schristleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S251, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Wenn es nur Kirche, die früher uber die Religion 1 W nicht zu spät ist!“ „Ach, Frankreich brauchte einen König und brauchte einen Glauben, dann säßen wir jetzt nicht so im Unglück. Der Herr Abbe hat es gleich gesagt, damals, als der Krieg begann und noch niemand glaubte, daß ein Deutscher in Frankreich eindringen werde, daß es der Glaube sei, der die Deutschen stark mache.“ Und nun begann ein Klagen über die Zustände in Frankreich über die Räuberpolitik der Regierung. über die Vernachlässigung der Volkserziehung, über ungerechte Steuern und andere innere Angelegenheiten, daß es dem Fremden taktvoll erscheinen mußte, die Beteiligung an der Unterhaltung aufzugeben. „Sagen Sie uns noch,“ fragten mich die Damen noch zum Abschiede,„der Herr Abbé meint, Ihr Kaiser sei ein sehr reli⸗ giöser Mann und habe den Frieden gewollt, weil er gute Beziehun⸗ gen mit dem lieben Gott unterhält, Ist er sehr fromm?“ Ich will ihnen antworten, jahrstage gesagt hat: Ein Mann mit Gott ist immer in der Ma⸗ jorität! Und deshalb würden wir Deutsche siegen, auch wenn wirk⸗ lich vierzig Feinde gegen einen von uns kämen. Meine Damen waren sehr niedergedrückt. visve, der Herr Abbé weiß in der Welt Be daß ich den Herrn Abbs nicht selbst kennen gelernt habe. Ich ware gern einmal einem perständigen Franzosen in diesem Kriege be⸗ gegnet. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. —— 5 Ziehst d du, Gene⸗ Schabe, d.“ der Seelrieg. 4 London, 12. Mai.(STB. Nichtamtlich.) Der 32500 was uns unser Kaiser am Neu⸗ NN Universitäts Buch- und Steindruckerei. 4 Die„Siebener Familienblätter“ werden dem R. Lange, Gießen. Tonnen große Dampfer„Oueen Wilhelmina“ aus 1 Sunderland ist bei Amble(Northumberland) von dem⸗ selben Unterseeboot angegriffen worden, das am 8. Mai den Dampfer„Don“ versenkte. Infolge der Beschießung durch 1 das Unterseeboot ging die Mannschaft in die Boote, worauf der Dampfer durch ein Torpedo versenkt wurde Das Nachspiel des Falles„Lusitania“ im englischen Unterhaus. 5 8 London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Unterhaus. 2 18 49 führlichere Meldung.) Lord Charles Beresford fragte: Kann der Premierminister weitere Einzelheiten über den Verlust der „Lusitania“ angeben? Mit welcher Schnelligkeit sie fuhr, ob sie über Old Head of Kinsale fahren wollte oder nicht, regelmäßig beim Ein⸗ und Auslausen von Schiffen passiert 5 ob dort kein Patrouillendienst stattgefunden hat und welches das nächste Patrouillenschiff war; ob der Premierminister dem Hause versichern könne, daß alle solchen Punkte, an denen ein⸗ und aus⸗ ob Old— eden 0 gehende Schiffe vorbeizukommen pflegen, jetzt entsprechend 22 5 Schreibtische saß und meine Notizen ordnete, klopfte ich an die] Glauben. Das Gespräch wird immer ungemütlicher und zweck-] wacht werden und ob die Admiralität die Wa arnungen, welche den Türe, und eine bejahrte Magd trat ein, um mich zu fragen, ob] loser. Dazu bin ich nicht hierher gekommen, um gegen die Un- nordamerikanischen Passagieren vor ihrer Abfahrt zugegangen 32 Kaffee wach Ich lehnte freundlich ab, erfuhr aber bei der Gelegenheit, daß das Haus nur von zwei Frauen bewohnt sei, der Fed e— 5 verwitweten Eigentümerin, die ein paar Tage vor gserklärung ihren einzigen Sohn verloren hatte, und der vierzigjährigen Magd, die schon 22 Jahre in der Familie war. Madame habe nur eine Verwandte, die fünf Jahre älter und die Witwe 7 0 Notars 3 und jeden Nachmittag zu Besuch komme. uch 2 Herr Abbe Arm 8 Am nächsten Morgen a8 die S schon 5 weit, daß wir uns darüber verständigten, daß der Mai ein 8 Monat und daß das Wetter ziemlich gewitterig sei. Worauf statt des nur mit equilibristischen Künsten zu benutzenden Bambusgestelles einen wirklichen und wahrhaftigen Waschtisch in meinem Zimmer fand. Solchen Aufwand beschloß ich zu belohnen und kaufte meiner 9 einen großen Blumenstrauß, den sie exrötend und mit dem Vorbehalt entgegennahm, daß er die Farben der Trikolore aufweise und eine Hudligung des Frühlings an Frankreich sei. Wenn ich nun nicht ungalanter als der Früh⸗ —— sein wollte, konnte ich mich einer Einladung zum Kaffee für den Nachmittag nicht entziehen. Niemand werde kommen als die Cousine und vielleicht der Herr Abbe, und man werde nicht über den Krieg sprechen. * 2 in eine kleine Glasveranda geführt und Madame der weißhaarigen Verwandten, vorgestellt. Der Herr Kunst, Wissenschaft und Ceben. — Das Studium des Russischen in England. Die „Times“ gibt eine beachtenswerte Uebersicht über die Bemühun⸗ en der Engländer, das Studium des Russischen im Lande zu er⸗ 8 da man darin ein gutes Mittel zur Eroberung des rus⸗ sischen Marktes erblickt. An der Unwersität Liverpool gibt es eine besondere Schule für russische Studien, die unter Mitwirkung der Handelskammer begründet ist. Die Fakultät hat einen Professor für russische Geschichte, einen für Ethnographie, einen für Oeko⸗ nomie, einen für Geschichte und Literatur der Westslawen und einen Lektor r wussischen Sprache. Auch in der Handelsschule von Liverpool wird russisch gelehrt; an dem Kursus nehmen heute 28 Studenten teil. Die Universität hat eine russische Bibliothek von über 4000 Bänden und veröffentlicht eine„russische Revue“, eine Vierteljahrsschrift über russische Geschichte, Politik, Volks⸗ wirtschaft und Literatur, an der bedeutende russische Schriftsteller mitarbeiten. In Oxford besteht schon seit langem ein Lehrstuhl — W und die Zahl der Studenten ist in ständigem Wachs⸗ Auch Vorlesungen über das soziale Leben und die politische ge Rußlands werden abgehalten. Im e von Oxford— auch in der Bibliotheca Bodleiana sind reiche Samm⸗ lun, n aber außerdem besitzt Oxford noch die gebe 2— von russischer und anderen flawischen Literaturen gland, die im Queen's College von Professor Morfill zu- beine be eien 15 und die fast 10 Bände enthält. Auch Cam- Lehrstuhl für Russisch, und dasselbe gilt für die 5 itäten 3„Nottingham und London. Der Londoner Gemeinderat will au etwas dazu beitragen, daß das Studium des 1 in England verbreitet werde, und will russische Kurse den Handel, en und im City of London College eröffnen. Man„daß der Krieg die Zahl der Studierenden, die an den russis n ure teilnehmen, sehr erhöhen wird; es sind Unter⸗ richig kur e für ingen Preis eröffnet worden, daß jedermann —.— t* nn. Auch die Verl in England wollen das 7 52. durch Herausgabe der russischen Meisterwerke, des neuen Freundes im Lande zu verbessern. Es 1 2 un„ hinzuzufügen, daß diese ganze Bemühung den aus- weck hat,„Rußland von dem dichten Netz deutscher ——* von dem es überzogen war, zu befreien.“ Das 8 Paris“ des Krieges. In Paris ist dieser Tage das„Tout Paris“ erschienen, eine Art Adreßbuch der vornehmen Gesellschaft, und in diefem Buch, das sonst wohl mehr als ein Spiegel der Eitelkeiten zu gelten hat, findet diesmal Ernst 15 einen starken Ausdruck. Am Anfang wird ein. e die Namen, die in stärkeren Buchstaben gedruckt 75 ats der Pariser Gesellschaft gehören, die im Kriege Blattert man das Buch 45 so findet man nicht Zelte 7 8 Namen, und auf manchen Seiten „In solch einem, 7 8 2 5 achg ha erden sieht man sie zu Dutzenden. Am Ende des Buches befindet belehrbarkeit von zwei alten Damen anzurennen. Jeder Versuch aber, von andern Dingen zu reden, scheitert, denn die zwei haben sich nur auf ihre Ansichten festgebissen. Darum war ich gerade dabei, einen schicklichen Grund zum Abschiede zu finden, als die Dinge eine unerwartete Wendet 3 Madame Genevieve meinte nämlich: tes doch auf die Verbündeten reichen tapferen Engländer, die zahlreichen Russen, selbst die Japaner helfen uns. Niemand hilft Deutschland. Sein einziger Bundesgenosse Oesterreich ist von den Russen vernichtet.“ Aber, antwortete ich nun etwas ungehalten und ohne die Wirkung meiner Worte zu ahnen, wir haben noch einen Bundes⸗ genossen und der genügt uns. Uns hilft der liebe Gott. Und plötzlich sind die beiden Damen ganz still. Bis Madame Genevieve betroffen spricht:„Was immer der Herr Abbs sagt.“ Was sagt denn der Herr Abbe? Sagt er auch, daß uns der liebe Gott hilft? Doch nicht. Aber er sagt, die Deutschen seien so von ihrer guten Sache überzeugt,„tellement acharnés“, daß jeder einzelne glaube, der liebe Gott sei sein Bundesgenosse. Und vielleicht werde Frankreich den Krieg doch nicht gewinnen, weil Frankreich ein Land ohne Glauben sei und Gott es strafen werde dafür, daß die Regierung die Kirche bekämpft hat. Und was sagen Sie dazu, meine Damen? „Desto schlimmer für Frankreich, wenn es diesen Krieg verliert. Aber die Clique von Freidenkern und Anarchisten, die Frankreich beherrscht, das ist doch nicht Frankreich. Und jetzt, im Kriege hat der Glauben doch wieder zugenommen, und es gehen viele in die i als auffallende und bezeichnende Neuerung ein besonderer 15 schnitt mit der Liste der„Unerwünschten“, das heißt, von Mit⸗ gliedern der deutschen und österreichisch-ungarischen Kolonien in Paris, deren Namen früher im„Tout Paris“ erschienen und die jetzt ausgeschlossen wurden. In dieser Liste findet man manches Auffallende. Zum Beispiel stößt man auf Teutsche, die franzö⸗ sische Frauen heirateten, wirkliche Pariser Frauen, die kaum je in ihrem Leben Paris verlassen haben. Die feindlichen Unter⸗ tanen haben natürlich das Land verlassen oder sie sind interniert worden, und ihre Frauen sind mit ihnen gegangen. In vielen Fällen wissen diese Frauen nichts von Deutschland können nicht ein Wort deutsch sprechen. Es ist überraschend, auch einigen sehr französisch klingenden Namen in der Liste der„Unerwünschten“ zu begegnen; um nur ein Beispiel zu geben, dem des rafen Archambault de Talleyrand-Périgord und der Gräfin geborene von Gontaut-Biron. Die Erklärung dafür ist, daß die Familie der Talleyrand-Périgord einen deutschen Zweig hat, den in Deutschland wohl bekannten Grafen Talleyrand. — Das Geheimnis der Adele Hugo. Vor 5 wurde der Tod der Tochter von Victor Hugo adele gemel die das letzte überlebende Kind des Dichters gewesen war und ein Alter von über 80 Jahren erreicht hatte. Adele Hugo wohnte in Suresnes in einem geräumigen Hause mit einigen Dienern; sie konnte das Leben einer wohlhabenden Frau führen, da sie ein jährliches Einkommen von 100000 Franken aus den Werken ihres Vaters und von seinen Ersparnissen bezog. Die Millionärin war indessen micht in der Lage, die Früchte ihres Reichtums zu genießen, da sich schon in srüher Jugend ihr Verstand verwirrt hatte. Das Abenteuer, in dessen Folge sie so unglücklich wurde, ist noch immer von einem großen Geheimnis umgeben. Adele Hugo wurde plötz⸗ lich aus einem glanzvollen Familienleben und aus der eifrigen Pflege der Kunst, besonders der Musit, für die sie eine reiche Be⸗ gabung zeigte, herausgexissen und zu einem Schattendasein vev⸗ urteilt. So hatte auch sie wie die andern Töchter Victor Hugos ein tragisches Schicksal. Wie das Unglück über sie hereinbrach, wird man vielleicht eines Tages wisseu, wenn das Tagebuch ber- öffentlicht wird, das Adele in ihrer Jugend schrieb. Alle ihres Eindrücke vertraute sie in schnellen und zusammenhanglosen Auf⸗ zeichnungen einem Album an, in dem Mitteilungen über die Tisch⸗ gespräche ihres Vaters, Beobachtungen über ihr Leben und das der andern nebeneinander standen, und es ist anzunehmen, daß auch von ihren Liebesschmerzen darin die Rede ist. Sie schrieb, wie die Annales erzählen, nur für sich, über alles, was ihre Seele erfüllte; ihr„Tagebuch der Verbannung“, wie sie es nannte, wird als eine wichtige Ergänzung des Buches ihrer Mutter„Victor Hugo von einem Zeugen seines Lebens“ angesehen. Kurze Zeit nach dem Tode Victor Hugos kam eine Verwandte im sein Haus, sind, erhielt?— Me. g Schutze der„Lufitania“ angesichts der in den Zeitungen erschie⸗ nenen Warnung der deutschen Botschaft getroffen worden wären? —Houston fragte Churchill, ob er vor dem 7. Mai gewußt Master fragte, welche Maßregeln zum habe. daß 2 Unterseeboote seit einiger Zeit an der Südküste von Liverpooler Dampfer„Centurion“ umd„, Cand 5 wässern versenkt worden wären; ob er gewu „Lusitania“ am 7. Mai eintreffen sollte und daß die Admiralität früher Torpedobootszerstörer und andere Schiffe aussandte, um Schiffe, die Pferde aus Amerika für die Regierung gebracht. 1 ten, an der Südküste Irlands in Empfang zu nehmen und sicher zu geleiten, und welche Maßregeln die Admiralität getroffen Churchill erwiderte, es würde voreilig sein, eine wort zu geben, bevor eine Untersuchung stattgefunden habe, und es sei auch unmöglich, die Vorkehrungen der Flotte für eine Ueber⸗ wachung der Fahrzeuge nach der Küste zu veröffentlichen. Die ver⸗ sügbaren Hilfsquellen, sagte Churchill, erlauben es uns nicht, um die„Lusitania“ zu schützen und nach Liverpool zu geleiten? 2 1 4 den, Handels- und Passagierschiffen eine Eskorte von 2 8 1 stellen. da täglich durchschnittlich 200 Schiffe ankommen und ab⸗ fahren. Die Admiralität hatte Kenntnis von der deutschen Drohung und den Bewegungen der Unterseeboote. Auf Grund davon hat die „Lusitania“ eine Warnung und Weisung für ihren Kurs erhalten. Sie hat beide Zotschaften erhalten, die zweite ganz kurz vor dem Angriff. Die Admiralität hat manchmal Eskorten für Schiffe, die Truppen, Munition und an⸗ um Ausbesserungsarbeiten zu Überwachen, und sie ließ die Papiere verkaufen, die sich im Arbeitszimmer des Dichters befanden. Der Käufer veräußerte diese Papiere einem Händler in London weiter, der so in den Besitz des Tagebuches von Adele kam. Octave Uzanne hatte geglaubt, dieses Tagebuch mit Anmerkungen in Frankreich veröffentlichen zu dürfen; aber die Familie trat* wischen und setzte die Einstampfung des Buches durch. Er ver⸗ fi ert, daß er nur ein Exemplar davon behalten habe, das er geschworen habe, niemanden zu zeigen. Was stand also in diesem Tagebuch, das die Veröffentlichung unmöglich machte? Man weiß es noch nicht; aber es ist wahrscheinlich. daß Adele 2 2 — Schlüssel zu ihrem traurigen Lebensroman gegeben hat. man davon weiß, ist, daß Adele eines Tages aus dem—— entftoh, um einem englischen Offizier zu folgen, der die S Guernesey befehligte. Es heißt, daß sie sich in diesen O verliebt und die Flucht mit ihm verabredet hat, als 2 de der Vater die Eheschließung nicht erlauben wollte. wieder, daß Adele schon geistesgestört war, als sie mit. Ig, der sie keineswegs liebte und dem sie gefolgt war, 8 elbst eine d g von ihren Abfichten hatte. Nach der Lesart wurde le die Frau des Engländers, der sie nach Indien führte, wo er starb; Tatsache ist, daß 1 1872 nach— zurückkehrte, aber geistig umnachtet. e Aufklärung des Ge⸗ heimnisses wird erst erfolgen, wenn Tagebuch veröffentlicht r„und man nimmt an, daß dies jetzt nach dem Tode der Adele 1 möglich sein wird, ohne daß die Fantilie Ein⸗ spruch erhebt. 7 — Die nördlichste Bahn der Welt. Im— dieses Jahres ist in Schweden eine Eisenbahnlinie dem 13 übergeben worden, die den Anspruch darauf macht, die nördli KE Bahn der Welt zu sein. Sie geht von Kiruna nach 9 und ist 130 Kilometer lang. Ihr Ausgangspunkt liegt bereits 140 Kilometer nördlich des Polarkreises. Die Bahn dor deren sächlich dem Transport von Eisenerzen nach dem Hafen Narwik, der trotz feiner nördlichen Lage das gane Jahr über eisfrei ist. Die Erzzüge bestehen aus 40 schweren 2 die von zwei Lokomotiven gezogen werden. Da Schweden nicht über l eigene Kohlen, wohl aber über hinreichende Wasserkräfte verfügt. wird die Bahn, wie der„Prometheus“ berichtet, elektrisch betrieben“ Den Strom liefert ein am Porfusfall errichtetes Kraftwerk, er hat zunächst eine Spannung von 80 000 Volt, die in Unterwerken auß die für die Lokomotiven passende Spannung hexabgesetzt wird. Das Werk rührt von den Siemens-Schuckert⸗Werken her, die es ind Verein mit der Allmänng Svenska E. A. B. hergestellt h Die Bahn ist die bisher stärkste existierende elektrische Vollbahn⸗ anlage. Sie gestattet eine größere Produktion der Eisenerze, am denen Schweden bekanntlich sehr reich ist und aus denen es ia. liche Gewinne zieht. 4 7 Waggons, 3 5 5 daß der gesamte Seehandel von England ohne merkbaren Schaden 5 FRE 155 .* 0 dere, von der Regierung unbedingt benötigten Ladungen führten sorgen müsse, abgesehen von den allgemeinen Vorkehrungen. aben nach diesen Grundsätzen, die sich bewährt haben, gehandelt. Eine schreckliche Ausnahme, wie der Fall„Lusitauja“, darf die Aufmerksamkeit des Hauses und der Welt nicht davon ablenken, und Verlust fortgeführt wird. — 1 * * 5 delt Deutschen, Oesterreicher und Ungarn der eigenen Sicher⸗ 1 15 vom Börsenbesuch aus. Das Unterhaus nahm in zweiter Lesung die Bill an, welche die Regierung ermächtigt, die Schankwirtschaften in den Be⸗ zirken, in denen Munition hergestellt werb oder Transporte aus- geführt werden, unter olle zu nehmen. Die Bezirke werden später bestimmt werden und die Regierung darf nach dieser Bill alle Wirtschaften solcher Bezirke schließen. oder nach eigenem Er⸗ messen führen. London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Cunardlinie teilt mit, daß am 15. Mai kein Schiff abfahren wird. Auch die auf den 29. Mai festgesetzte Ausreise der„Maureta⸗ mia“ wird nicht erfolgen.— Hier sowie in Birkenhead und Manchester zerstörte der Pöbel die deutschen Läden. London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Bei einem Konzert in London am letzten Sonntag weigerte sich das Orchester, Wagners„Siegfried“-Idyll, das auf dem Programm stand, zu spielen; eine Sängerin weigerte ling Sentas Lied aus dem„Fliegenden Holländer“ zu ingen. Die„Times“ meldet aus Liverpool, daß die dorti⸗ eit halber interniert werden sollen. Einige Naturali⸗ sierte wurden aufgefordert, Liverpool zu verlassen.— Der Vorstand des Baltic-Marktes beschloß, die in England natu— ralisierten Deutschen, Oesterreicher, Ungarn und Türken zeit⸗ weise von der Börsenmitgliedschaft auszuschließen. Die Baumwollbörse und der dortige Kornhandels⸗ verein schlossen die Deutschen, Oesterreicher und Ungarn Aus dem englischen Unterhause. 1 London, 13. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Im Unter- hause sagte Mac Namara auf eine Anfrage nach der Zahl der während des Kriegs vom Feind versenkten Handelsschiffe, Traw⸗ lers usw., ihre Zahl betrage 201, die Anzahl der daber verlorenen Leben 1556. Jowett(Arbeiterpartei) fragte Grey, ob er die Mitteilung des britischen Gesandten an Griechenland, die Veni⸗ 5 1 . Der Radikle Dalziel forderte die Regierung auf, 5 Mob die nach London käme und einen 20000 Deutsche die Stadt an 20 bis 30 verschrede⸗ selos in dem Brief an den König vom 11. April erwähnt, sowie etwaige weitere Mitteilungen über die britisch⸗griechi⸗ schen Beziehungen veröffentlichen wolle. Grey verneinte. 2 0 f. F litik gegenüber den Deutschen in England einer Revision zu unterziehen. Er habe in dieser Hinsicht kein Vertrauen zur Regzierung. Die öffentliche Meinung sei für die Internie⸗ rung aller Feinde im militärischen Alter. Publikums sei nahezu erschöpft. Der Redner hätte eine Abordnung empfangen, die Tausende angesehener Citymänner vertrat, welche Die Geduld des wünschten, daß der Regierung dringend nahegelegt werde, daß die Notwendigkeit des Handelns nicht nur im öffentlichen Interesse, sondern auch im Interesse der Deutschen selbst läge. Son st se ien ernste Folgen zu erwarten. Die Regierung müsse ernste und schleunige Schritte tun. In London lebten 20000 Deut- e in voller Freiheit. Wenn ein Zeppelinangriff auf London erfolgte, würden sicherlich Tausende davon auf ihrem bereits angewiesenen Posten sein. Die Deutschen würden vor nichts Burückschrecken. Lord Charles Beresford sagte, es wäre beklagenswert, wenn aus ngel einer bestimmten Politik der Regierung der Justiz in eigene Hände nähme. Wenn ein Zeppelin 0 Brand entzündete, würden nen Stellen anzünden. Die Regierung hätte die Verant⸗ 5 Absicht Dalziels über diesen Punkt zu sprechen, erst kurz zuvor. Ich bin ni 7 . sei zu ernst geworden, als daß die Regierung nur eine Gelegen⸗ 4 wortung zu tragen. Die Bevölkerung sei sehr erbittert und würde noch erbitterter, wenn nichts geschähe. 5 Der Unterstaatssekretär Tennant sagte: Ich erfuhr die in der Lage, eine gute neue Politik anzukündigen. Bonar Law schlug einen Aufschub der Debatte vor. Die Lage heitserklärung abgeben dürfe. Tennant sagte: Da die herr⸗ schende Stimmung möglicherweise von der Regierung eine andere Behandlung als bisher verlange, wolle er am Donnerstag eine Er— * 5 11 27 2 4 5 llärung abgeben. Tennant wurde jedoch von Bonar Law genötigt, seine Erklärung schon für Mittwoch zu versprechen. Kulturblüten in England. London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Daily News“ melden aus Liver pool: Am 10. Mai haben die ret tungen gegen Deutsche einen größeren Umfang und einen gewaltsameren Charakter als tags zuvor angenommen. In verschiedenen Stadtteilen kamen solche Roheitsvergehen häufig vor. 3 die Möbel aus den Häusern, verbrannte sie auf In einigen Orten holte die der Straße und tanzte um die Scheiterhaufen. Im ganzen wurden etwa 50 Läden geplündert.— Außer den rüheren 60 Verhaftungen sind weitere vorgenommen wor⸗ den. Nachmit gestaltete sich die Lage so ernst, daß die Behörden alle senken um 6 Uhr schlostes. g ————B f Aus dem Reiche. Aus dem Budgetausschusse des Reichstages. Berlin, 12. Mai.(WT. Nichtamtlich.) In der heu⸗ tigen Sitzung des Budgetausschusses des Reichs⸗ tages wurde die Denkschrift über die 10 ehandlung der deutschen Gefangenen im feindlichen Aus⸗ lande besprochen. Ein Mitglied betonte, daß im großen und ganzen die Behandlung unserer Gefangenen in England und Frankreich befriedigend sei. Dagegen wirke erschüt⸗ ternd, was aus Rußland bekannt werde. Ein Vertreter der Militärverwaltung hob hervor, wie schwer überhaupt Berichte aus Rußland zu erhalten seien. Man habe um Hilfe bei der amerikanischen Regierung nachgesucht. Authentische Berichte lägen noch nicht vor. Vergeltungsmaßnahmen an russischen Gefangenen erschienen bei den allgemeinen Ver⸗ Pressalien nicht nur unser unwürdig, sondern auch zwecklos. Allseits gebilligt wurden die Repressalien wegen der unwürdigen Behandlung unserer Unterseeboot- gefangenen in England. Von allen Parteivertretern wurde anerkannt, daß die deutsche Militärbehörde es sich habe angelegen sein lassen, infolge der überraschend großen Gefangenenzahl die ungemein schwierige Frage der zweck⸗ 7 M hältnissen in Rußland aussichtslos. Ein anderes Ausschuß— mitglied bemängelte auch die Gefangenenbehandlung in Frankreich und England. Die Unterbringung und anders geartete Ernährung seien vielfach unbefriedigend, aber Re⸗ mäßigen Unterbringung und Verpflegung derselben nach lichteit günstig zu gestalten. Zweifellos sei die all⸗ emeine Behandlung der Gefangenen bei uns besser als im Naslanbe, besonders als in Rußland. Darauf wurde die Aussprache über die Kriegs fürsorge fortgesetzt. Schließlich wurde eine Entschließung der Konser⸗ vativen und Nationalliberalen einstimmig angenommen, den Bezügen grundsätzlich zustimmt, un baldige Einbringung eines entsprechenden Gesetzentwurfes erwartet wird. Das Gesetz soll rückwirkende Kraft für alle in der festgestellt wird, daß die Regierung einer gen gung der Abeitseinkommen bei der Kriegsversorgung neben den nach der geltenden i lernt ah eine zustehen⸗ eine möglichst W Teilnehmer des gegenwärtigen Krieges erhalten. Nächste Sitzung Freitag. l . Die Kaxtoffelvorräte. Berlin, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir er⸗ fahren, sind im Lande ausreichende Kartoffelvorräte vorhanden, so daß die Versorgung der Bevölkerung mit Kartoffeln bis zur nächsten Ernte als sicher⸗ gestellt zu betrachten ist. Wohl infolge der warmen Witte⸗ rung ist augenblicklich das Angebot erheblich größer, als die Nach⸗ frage Die Landwirte wollen verständlicherweise die Sorge für die Aufbewahrung los sein und verzichten vielfach auf die hohen Zuschläge, die ihnen von seiten des Reiches für das Rifiko den Aufbewahrung und Behandlung zugebilligt werden. Sie verlangen nur sofortige Abnahme. Der Reichsstelle für die Kartoffeloer⸗ sorgung wird daraufhin seit einiger Zeit unausgesetzt von den Ueberschußkreisen, von Kommissionären und Landwirten auf tele⸗ phonischem und telegraphischem Wege mitgeteilt, daß die Kartoffeln bereits in Waggons verladen seien oder an Orten lagerten, wo sie Gefahr liefen, zu verderben. Auf alle Fälle müsse sofort über sie. disponiert werden. Die Reichsstelle ist natürlich gar nicht in der Lage, diese Wünsche zu erfüllen, obwohl sie selbstverständlich redlich bemüht ist, allen lokalen Sonderinteressen gerecht zu wer⸗ den, und die Interessenten können nicht genug davor gewarnt werden, 1 5 ausdrückliche Vereinbarung zwischen den Bedarfs⸗ und Ueberschußverbänden oder ohne Disposition seitens der Reichs⸗ stelle Kartoffeln zu verladen oder sonstwie über sie zu verfügen. Sie allein tragen die Verantwortung, wenn die Kartoffeln nicht sofort abgenommen werden und womöglich verderben. Im übrigen bewilligte das Reich die hohen Zuschläge für Aufbewahrung, Be⸗ kandlung, Schwund und Risiko nicht als Preiserhöhung, sondern nur deshalb, damit die Landwirte die Kartoffeln möglichst lange an geeigneten Plätzen aufbewahren und sie mit sachkundiger Hand behandeln. Es liegt im nationalen Interesse, daß die Landwirt⸗ schaft sich dieser Aufgabe, für die sie reichlich entschädigt wird, auch wirklich unterzieht und nicht plötzlich alle Kartoffeln auf den Markt wirft. a Aus Mexito. London, 12. Mai.(WTB. Nichtamtlich.) Reuter mel⸗ det aus Mexiko unter dem 10. Mai. Die Truppen unter Ba⸗ rana, dem Exkommandanten der Hauptstadt, griffen die Residenz des provisorischen Präsidenten Garza an, auf den auch ein Attentat verübt wurde; der Angriff wurde ab⸗ geschlagen. Die Lage der Hauptstadt ist kritisch und ernste Ereignisse werden befürchtet. Aus Stadt und Land. Gießen, 14. Mai 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Kriegsfreiw. Hugo Stracke, Inf.⸗Agt. 143, aus Friedberg. T Kriegsfreiw. Heinz Römheld, 2. Pionier⸗Bat. Nr. 16, aus Mainz.— Res. Carl Büttner aus Hanau.— Kriegsfreiw. Hermann Wallauer, Inf.⸗Regt. 73, aus Darmstadt.— Unter⸗ offizier d. Res. Karl Burger, Inf.⸗Regt, 39, aus Schachen⸗ mühlen.— Vizewachtmeister Zirkler, Drag.⸗Regt. 23, aus Darmstadt.— Ers.-Res. Karl Seipp, Dan 251, aus Holz⸗ hausen.— Unteroff. Lehrer Wilhelm Schumann, Ref.-Inf.⸗ Regt. 83, aus Monsfelden.— Vizefeldw. Siegmund 9 öxter, Res.-Inf.-Regt. 234, aus Marburg. — * Ritter des Eisernen Kreuzes: Off.-Stellv. Wilh. Kargus aus Worms. Lehrer Heberer(Seminar- schule) aus Friedberg. Uffz. Karl Schwab aus Gambach, Inf-⸗Regt. 168. Uffz. d. R. Otto Plitt aus Biedenkopf, 2. Sanitätskomp. Unteroffiziere P. Clement, W. Tro st und E. Zwirzinsky aus Frankenberg. Leutn. Schauß aus Dillenburg, Res.-Inf.Regt 56. Oberarzt Dr. Hoeser und Stabsarzt Long aus Dillenburg. Landwehrmann Wilh. Thier aus Dillenburg. Feldunterarzt Fuldat aus Grünberg. Leutn. d. R. Richard Jochem aus Laubach. Feldunterarzt Herm. Schäfer aus Wetzlar, Garde⸗Ersatz⸗ Division. Uffz. Heinrich Theis aus Weßlar⸗Niedergirmes, Landw.-Brig.⸗Ersatz⸗Bat. Dr. H. Köhler aus Hungen, Bat.-Arzt im Landw.⸗Fußart.⸗Bat. 3. Otto Schepp aus Hungen, Inf.-Regt. 115. Wehrmann Ludwig Römer von Ettingshausen, Inf.-Regt. 88. Richard Franz aus Kohden, Inf.-Regt. 168. Leutn. Ph. Weinreich aus Darmstadt, Inf.-Regt. 233. Leutn. d. R. Friedrich Keßler aus Heuchel⸗ heim, Bayr. Inf.⸗Regt. 9. Militärische Ausbildung der Jugend. Am letzten Samstag abend wurde Patrouillen- und Vor— postendienst geübt. Am Mittwoch abend fand eine Neuein⸗ teilung der Kompagnien in Kameradschaften statt; Vor⸗ übungen für Bajonettieren reihten sich an. Sodann sprach Herr Leutnant d. R. Freitag über die Winterschlacht in Masuren im Anfang Februar, in der sein 254. Res.-Inf.⸗ Regt. mitgekämpft hatte. Die außerordentlich interessanten Schilderungen wurden unter begeistertem Beifall aufgenom- men. Am kömmenden Samstag abend findet wieder eine Ge⸗ ländeübung statt. Die 1. Kompagnie tritt um 8½ Uhr an der Germania, die 2. Kompagnie schon um 8¼ Uhr an der Mar⸗ burger Straße an. * Die drei Eisheiligen im Kriegsjahr 1915. Mamertus, Pankratius und Servatius haben in diesem Jahre ihrem Namen glücklicherweise keine Ehre gemacht. Wohl sank bei dem sternenklaren Himmel der Monta das Thermometer bedenklich tief und ein scharfer Wind strich über die frühlingsgrüne Welt dahin, doch an den jungen Feld- und Gartenpflanzen und der Obstblüte ging der Frost gnädig vorüber. Nur aus der Fuldaer* wird berichtet, daß dort vielfach dichter Reif die Aecker be⸗ deckte und den Bohnen einigen Schaden zufügte. Landkreis Gießen. Wieseck, 13. Mai. Unserem Bürgermeister Unteroffizier d. L. Karl Schomber wurde das Eiserne Kreuz verliehen, nachdem ihm im vorigen Monat die hessische Tapserkeitsmedaille zuerkannt wurde. Hungen, 11. Mai. Zu der in der Nacht vom Samstag auf Sonntag stattgehabten Felddienstübung der Jugend- kompagnie Nr. 630 hatten sich zahlreiche Teilnehmer ein— gefunden. Der Plan war, daß die rote Partei von Nonnenroth aus den von der blauen 8 besetzten Teil der Bahnlinie Hungen— Mücke erstürmen sollte. twa um ½10 Uhr nahm das Gesecht seinen Anfang. Nach Ueberrumpelung der Doppel posten gelang es der roten Partei, ungestört an den Waldrand heran- zukommen und mit Hurra die Bahnlinie zu nehmen. Kurz vor 12 Uhr nahm das Gefecht sein Ende. Danach begab sich die Kom- pagnie mit Gesang auf den Galgenberg, wo abgekocht wurde.— Mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse wurden ausgezeichnet Dr. H. Köhler, Bataillonsarzt im preußischen Landwehr-Fuß⸗ Artillerie-Bataillon Nr. 3, und Otto Schepp von hier im Leib garde-Infanterie-Regiment 115. 0 5 Kreis Büdingen. AKohden, 12. Mai. Musketier Richard Franz von hier beim Insanterie-Regiment 168 erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Kreis Schotten. erchenhain, 12. Mai. Gestern wurde hier der dies- jährige Walpurgismarkt abgehalten. Der Markt war mit Schweinen(Ferkeln) gut befahren. Nahe an 400 Stück wurden aufgetrieben. Die Preise standen auf einer Höhe, wie man sie wohl selten erlebt hat. Für das Paar Ferkel, 5—6 Wochen alt, wurden 80—90 Mk. bezahlt, und trotzdem ging der Handel über O aus flott. Gar mancher Käuser mußke wieder unverrichteter Sache Krämermarkt am Abc, war, wie sast alle A dem Lande, weniger gut besucht, doch wickelten sich auch gute und zahlreiche Händel ab. 5 4 Hessen⸗Nassau. X Hanau, 10. Mai. aus Klein-Steinheim wurden gestern im Babnhose Gelnhausen beide Beine abgequetscht. In dem St.-Vinzenz⸗Kranten⸗ bause in Hanau, wohin man den Verletzten gebracht hatte, ist er in der darauffolgenden Nacht verschieden. hie Spart Brotmarken f — —— Märkte. se. FTraulfurt a. M. Schweinemarktberteh: von 12. Mai. Ausgetrieben waren 671 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 kg Lebendgewicht 110.00 114.00 Dik., Schlachtgewicht 138/00 140.00 Nik., vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht 107.00—12.00 M., Schlachtgewicht 132.00 138.0 Mt. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 110.00 115.0) Mk. Schlachtgewicht 38.00— 40 Mk., vollfleischige Schweine von 120 bis 150 kg Lebendgewicht(0.00 00.00 Mt., Schlachtgerwicht 0f 0%—0%½%% Mk. Geschaft lebhaft, geräumt. se. Frankfurt a. M., 12. Mai.(Orig.⸗Telegr. dez„Oieß. Auz.“) Iruchtmarkt. Veil geringem Angebot und schwachem Handel ist eine wesentliche Nenderung in der Stimmung am Frucht- markt nicht zu bemerken. Es wurde gehandelt: Gerste 55—60 Mk, Mais, gesunde Ware, 58—62 Mk., Kokoskuchen 3636,50 Mark. Alles für 100 kg. se. Frautsurt a. M., 12. Mai.(Orlig.⸗Telegr. des Gieß. Anz.) Kartoffelmarkt. Kartoffeln im Großhandel Mk. 13,75 bis 14,00 Mk, im Kleinhandel Mk. 15,00— 16,00. Alles per 100 c. le. Frautfurt a. M., 12. Mai. Auf dem heutigen Heu- und Strohmarkt war' nichts angefahren. ch. Bingen, 12. Mai. Marktpreise. Weizen Mk. 00,00, Korn Ml. 00, 0, Gerste Mk. 00,00, Haser Mk. 00,00, Heu Mik. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartosseln Mt. 12,00, Erbsen Mt. 0%, Linsen Pik. 90,90. Bohnen Mt. 00.00, Weißmehl Mk. 48,50, Noggenmehl Mk. 38,00; alles für 100 Klar. Butter 1 Klgr. Mk. 3,00, Milch 1 Liter 2. Pig., Eier 10 Stück Mk. 1.10. Jo. Wiesbaden, 12. Maß, Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Hen 1,25 5,20 Mk., Heu, neues, 6,20 9,00 bit., Stroh (Richtstroh) 2,10 bis 2,50 Mk., Krummstroh 1,80—2,00 Mk., Haser⸗ roh 0,00 0,00 Mt. Alles für 50 Kilo.— Am Fruchtmarkt wurde nichts gehandelt, da jegliches Angebot sehlie. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Neligionsgemeinde. 2 Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Aulage). Samsta a. den 15. Mai 1915: Vorabend: 7.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Sabbatausgang: 9.00 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesolenst. Sabbatsej e: an 16. Mai 19158: Freitag abend 7.45 Uhr Samstag vormittag 8.00 Uhr. Samstag nachmittag 4.00 Uhr. Sabbatausgang 9.00 Uhr Wochengottesdienst: Morgens 6.00, abends 9.00 Uhr. — — Amtlicher Wetterbericht. ö Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Ueber Nordwestdeutschland lagert ein Wirbel tiesen Drucks, an dessen Südseite wir bei seivem Abzug nur schwach Na werden dürften. Da der Druck im Westen weiter anzusteigen scheint, werden wir allmählich unter den Einfluß höheren Druckes kommen. f. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 15. Mai 1918: Wolkig, siellenweise Regenfälle, lühler, nordwestliche Winde. —— Letzte Nachrichten. Von der Front in Nordfrankreich. 2 Kopenhagen, 14. Mai. Der„Times“-Korrespon⸗ dent an der französischen Nordfront nennt die Kämpfe um Arras die blutigste Schlacht dieses Krieges und der Weltgeschichte. Die Wasserläufe der Mer und die Ueberschwemmungen bieten keinen Schutz mehr für die Alliierten.— In Besprechung der französischen Durchbruchsversuche bei Arras urteilt der militärische Mit⸗ arbeiter der„Politiken“, daß hier einer jener blutigen Kämpfe um einige Schritt Boden ausgefochten werde, die dem Angreifer ganz unverhältnismäßig riesige Opfer koste⸗ ten und die Truppen aufs äußerste ermatten. 5 Aus Italien. Rom, 14. Mai. Die italienische Regierung wird noch vor Zusammentritt des Parlaments ein Grünbuch über die diplomatischen Verhandlungen, die internationale Krise gnacht und die Haltung Italiens dabei, ausgeben. Sie will damit den Parlamentariern ein eigenes Urteil über die wirkliche außerpolitische Lage Italiens ermöglichen. DDP. Rom, 14. Mai. Der Ministerrat befaßte sich hauptsächlich mit zwei Fragen. Erstens mit den amtlichen Gebietsangeboten Oesterreichs und zweitens mit der Parteilage, die durch Giolittis kriegsfeindliche Haltung ge⸗ schaffen ist. Was die erste Frage betrifft, so ist Sonnino der Ansicht, daß die„allzuspät“ gekommenen Zugeständnisse Oesterreichs nicht annehmbar seien, daß also das Ministexrium keine Veranlassung habe, seine Haltung zu ändern. Hinsichtlich des Eingreifens Gio⸗ littis beschloß das Ministerium, unentwegt seinen Weg fortzu⸗ setzen, ohne sich um die von Giolitti L Neutralität bewegung zu kümmern. Eine neue Vertagung der Kammer gilt für ausgeschlossen. 25 Die Stimmung in Rußland. Wien, 14. Mai. Aus Rußland eingetrossene neutrale Reisende berichten, daß dle— 2 in Rußland in letzter Zeit sehr gedrückt erscheine. Nicht allein die ungünstigen Nach⸗ richten vom Kriegsschauplatz, die man bewußt von oben her verschleiert, sondern auch die innerpolitische und wirtschaftliche Krise lastet schwer auf dem Lande. Aus allen Städten kommen Berichte über die Notlage und den Mangel an Lebensmitteln.— „Rußkoje Slowo“ meldet aus Moskau, die vorzeitige Stellung der Wehrfähigen des Jahres 1916 sei für die Zeit vom 16. Mai bis 1. Juni angeordnet. Eine Note Amerikas an Deutschland. Rotterdam, 14. Mai. Das Reutersche Bureau meldet aus Washington: Gestern abend hat die amerikanische Regierung eine Note in Sachen der„Lusitania“ nach Deutschland ge⸗ kabelt. Sie sei energisch gefaßt und ruse Deutschland wegen des Umkommens amerikanis Bürger und Verletzung amerikanis. Rechte zur Verantwortung. Sie hofft, daß derartige Ereignissg sich* wiederholen und erklärt, die Vereinigten Staaten seien, wenn Deutschland keine Rücksicht nehme, auf alle Eventualitäten vorbereitet. den Heimweg antreten, mancher ging auch, dem die Preise denn doch zu hoch standen. Läufer waren keine aufgetrieben.— Der sich über die angebliche energische Tonart nicht wundern. Es ift erllarlich daß Reuter seinen Wünschen durch n tendenziö Meldungen Ausdruck verleiht. D. Red)). 1. Dem Eisenbahnschaffner Fr. Schmit! Da diese Nachricht von Reuter Vac man . 3 2 mol Löwengaf e l 505 Waschen Sie 110. mit pf ohne Hage 807 28 5 NSW * 2 1 10 ucnuge 9 10 ldd ö 6 0 J eee. — 2 0 N — 2 lieg. farren m N Won Göbel& Appel,* 5 8 Ilicestraf 25 6 J f it 7 8 f 79 NN on giant ei rin(ge 5 uE Maut e Hell gent che 1 g 5 Peugraue genlsche 9 9 7 5 tige d U— a g— Nal Ine leiterin f b Schüäf erh din U Llofelk 1 5 1 IIa oieghingorf e; Rohr nor Lranffur N. g„ine er lee 22 Halb uud Ablee Auer Färberei Gebr. Röver, Halte. f d. M. Fohlen Wee tung f Wär rter ge sucht. Tüchtige, solide 5 1* cm. Vc ef e f pengler 10 Verkauf von 8 — eng! Medizinische Klinik 4 D.* n 1 Ani 19055 0 Dame a 4 5 Maun ale Packer um kauf von Wobl N 5 171 1 nei n 1 1 1 0 Heide!* fahrtspostkarten gegen Be Ai 7 7 1 IJ. Weinert 1 1 1 pespf Ha 1 vote ch ut 1 U. Ein Fuhrmann ae che 1 Age Sena. UU I. NO Hö Un 1 1 1 1 1 1 7 U tr H. D. 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Rhapsodie Liszt Der Steinway-Flügel ist aus dem Hofpianoforte- lager von Wilhelm Rudolph. Brahms Schubert Schumann * Der gesamte Reinertrag wird der Kriegs- beschädigten- Fürsorge überwiesen! intri zu folgenden ermässigten Sitebarten Pen 1p.. 50 2. Platz M. 2.—, 3. Platz M. 1.—, 4. Platz M. O. 50, Sämtlich numeriert, Studentenkarten M. 1.—(für den zweiten Platz gültig), für Schüler und Militarpersonen, die nicht im Offiziersrange stehen, 30 Pfg., sind in der Musikalien- 5 Militär- Stiefel und Gamaschen braun und schwarz empfehle Elegante Damen-, Herren- Mädchen-u. Kinderstiefel dicker kobl, große 4223 Großart., dicker, holländ. Gurken, St. 35—45 Pfg. Pfd. 50 Pfg., dicker Stange Achtung! Morgen Samsta Achtung! g, den 15. Mai: Extra großer Verkauf am Hotel Felsenkeller in Gießen. Kopfsalgt, St. 10 Pig, große erste Sorte prima Spargel, n-Rbabarber, Pfd. 10 dene Mabel St. 10 Pig, sowie B neue Möhren, 10 saft! 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