4 1 10 Sweites Blatt 8 8 detnt läglich urtt Ausnahme des Sonntags. Die„ebener henmmenbletter; werden dem Ameiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das kreisblatt für den kreis Sezen“ zweimal wöchentlich. Die„ Landwirtschaftlichen öeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. 1 105. Jahrgang Gießener Anzeigen General⸗Anzeiger für Gberhessen Samstag, J. Mai 1015 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, Gießen. *. Schrijtleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul; straße 7. Geschäftsstelle u. Verlag: S 51, Schrist⸗ leitung: S112. Adresse für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen. Der deutsche vorstoß in Murland. „In breiter Front die Linie Dünaburg— Libau erreicht!“ f Diese Meldung der deutschen Obersten Heeresleitung über⸗ raschte und erfreute wieder einmal zugleich. Kein Sieg und leine blutige Eroberung, aber eine gewaltige Leistung der Strategie und Organisation ist da in der kurländischen Nord⸗ westecke des russischen Riesenreiches von den deutschen Trup⸗ ven vollbracht. Es ist die Erwiderung auf den letzten Russen— einbruch bei Memel, eine echt deutsche Erwiderung, gründ⸗ lliüch und so kräftig, daß der-Gegner wohl für alle Zeit nichts 9 mehr n einwenden kann. Vor Ausbruch des Welt⸗ krieges dachte man sich immer Kurland als den Beginn und Hauptschauplatz einer deutsch⸗russischen Auseinandersetzung. Rußland rechnete von jeher damit, daß es Deutschland zu⸗ nächst und vor allem darauf ankäme, Libau, Windau und Riga in seine Hand zu bekommen, um die dortigen großen Depots und Ausgangspunkte in das Innere des Zaren reiches zu gewinnen. Tatsächlich begann ja auch die deutsche Kriegsführung im August vorigen Jahres damit, daß der Hasen von Libau beschossen wurde. Aber der hinterlistig vor⸗ bereitete Ueberfall durch die russische Vormobilmachung ver⸗ schab alle Pläne und Operationen. Nun hat sich Rußland durch den Memeler Raubzug die deutsche Offensive auch in Kurland zugezogen, und es mag in Petersburg recht pein⸗ liche Empfindungen auslösen, wenn man dort zugeben muß, daß der deutsche Vormarfsch, ohne„ernsthaften Widerstand“ a finden, wie es in unserm Generalstabsbericht heißt, bis zur Eisenbahnstrecke Dünaburg— Libau vorgedrungen ist. Die Spitze des deutschen Anmarsches richtet sich offen bar gegen Riga. Dünaburg liegt ja noch ziemlich weit mach Osten ab und ist vielleicht das Ziel eines unterstützen— den Vormarsches von Suwalki her über Kowno und Wilna. Libau dagegen liegt schon näher am Wege und ist für einen deutschen Landangriff schon sozusagen mürbe gemacht. Der Hafen von Libau ist neuerdings abermals von deutschen Kriegsschiffen beschossen worden. Die militärischen Anlagen Rußlands sind dort wahrscheinlich unbrauchbar geworden. In Libau hatte Rußland einen eisfreien Hafen, der uns unmittelbar aus nächster Nähe bedrohen sollte. Jetzt ist die Einfahrt und Ausfahrt zum Hafen durch Versenken von Schiffen für russische Kriegsschiffe gesperrt, so daß Libau als Stützpunkt der russischen Flotte ausgeschaltet ist. An staatlichen Anlagen findet mau in Libau eine Reparatur⸗ werft für Torpedoboote und Unterseeboote, zwei große Trockendocks und ein Schwimmdock von 1600 Tonnen Hebe⸗ kraft. An Privatanlagen sind einige von besonders großem Werte vorhanden, und zwar das Trockendock„Kaiserin Maria“ in den Abmessungen 182,9. 25,9 9,1 Meter, das für die„Imperator-Pawel“- Klasse gebaut ist, also für W enzerschiffe von ungefähr 18000 Tonnen Deplacement, and ferner ein genau mit denselben. erbautes Trockendock„Kaiser Alexander“, das für dieselbe Schiffs⸗ gattung ausreicht. Da Rußland aun leistungsfähigen Werft⸗ and Trockenanlagen keinen Ueberfluß besitzt, muß das Aus⸗ fallen der Libauschen Anlagen von der Flotte schmerzlich empfunden werden. Eine weitere Bedeutung besaß Libau als Flugzeug⸗Stützpunkt, welche Bestimmung es im Jahre 1913 erhalten hat, während Rußland früher an der Hstsee nu in Petersburg eine Flugversuchs⸗Station unterhielt. Die Tatsache, daß Libau zum Zentrum des Ostsee⸗Flug⸗ wesens gemacht wurde, zeigt deutlich die Richtung, in welcher Rußland sein zukünftiges Operationsgebiet suchte. Weitere Anlagen von militärischer Bedeutung sind in dem Gebiete von Libau nicht bekannt. Als Festung ist Libau von den Russen bereits vor einigen Jahren aufgegeben * Das Jubiläum eines modernen Stadtbauwerkes. Zum 50. Geburtstage der Wiener Ringstraße, 1. Mai. Seit 50 Jahren hat der Stephansturm den alten Ruhm der Stadt Wien mit der neuen Ringstraße teilen müssen. Verkörpert der„Steffen“ das altgeschichtliche Wien, so verknüpft sich mit der Ringstraße die Vorstellung der eleganten, lebensvollen moder⸗ nen Welt⸗ und Kauptstadt. Die Ringstraße verdient aber ihren Ruhm außerdem noch als ein Markstein in der Geschichte der mo⸗ dernen Stadlbaukunst. Sie ist eine der großartigsten, planmäßig gedachten und ausgeführten modernen Stadtbauanlagen, und ihre Bedeutung ist umsp größer, als dies Werk gerade zur Zeit des tiefsten Tiefstandes der Stadtbaukunst in Angriff genommen und durchgeführt worden ist. Vorausgegangen waren Paris und London. Paris durch die großzügige Neugestaltung der inneren Stadt, die unter dem Seinepräfekten Haußmann sich vollzog. London durch den gewaltigen Straßendurchbruch non Regents Park nach Charing Groß. Diesen Vorbildern ist auf dem europfischen Festlande zuerst Wien bei seiner großen Stadterweiterung gefolgt. Die Aufgabe dieser Stadterweiterung war die Beseitigung der alten Festungsmauern zind die Ausnützung des dadurch gewonnenen Geländes. Gewaltig reckte sich die alte Kaiserstadt, die von 232 000 Einwohnern int Jahre 1800 bis auf 467000 im Jahre 1860 wuchs und immer noch von dem Panzer der noch in die mittelalterliche Zeit zurückreichenden Wälle sich eingeschnürt sah. Diese Wälle hatten an der Innenseite eine Länge von 4,4 Kilo⸗ meter und es bezeichnet einen großen Markstein in der Geschichte der Stadt Wien, daß am 29. März 1858 mit der Niederlegung der Mauern begonnen wurde. Dieses Werk dauerte volle sechs Jahre, bis 1864, aber kaum hatte man die ersten Strecken frei⸗ gelegt, so begann schon an verschiedenen Punkten der Aufbau der ersten Ringstraßenhäuser, so daß bereits am 1. Mai 1865 die feierliche Eröffnung der Ringstraße durch den Kaiser stattfinden konnte. Es war in der Tat ein Stadtbau⸗ und Erweiterungs⸗ plan großen Stiles, den man da ins Werk setzte. Halbkreisför⸗ mig, von Donaukanal zu Donaukanal, sollte eine moderne Rie⸗ . 2 und Prachtstraße geschaffen werden, die drei stattliche Fahr⸗ amn und eine Gesamtbreite von 57 Metern haben sollte. Das Gelär de, auf deu die Ringstraße geplant war, wurde teils auf dem örunde des alten Festungswalles und Grabens gewonnen, aber schob sich auch gegen das alte Glacis hinaus. Das war ein etwe 70 Meter breiter Gürtel, der als freies Schußfeld die Alt⸗ stad, on den umgrenzenden 34 Vorstädten trennte. War der Straß nplan an sich schon groß, so gewann die Unternehmung ihre volle adtbauliche Bedeutung doch erst dadurch, vaten Wettbewerbe überlassen wurde, sondern daß Staat und die R agstr zugleich Wiens moderne n 5 Votipkirche, die Universität, das Rathaus, das Reichs ratgebaude, e Hofmuseen, das Hofburg⸗ und Hofoperntheater— wir nennen mit diesen Gebäuden mir die wichtigsten der gewaltigen Bauten, die hier von den besten Wiener Baufünstlern der Zeit, von Man⸗ 1 .* daß die Durch⸗ führun der neuen Anlage nicht einfach einem planlosen, pri⸗ Stadt nit großen, monumentalen Aufträgen eingriffen, So wurde Monumentalstraße; die worden, so daß unser Vormarsch zu Lande dort voraus- sichtlich leichtes Spiel hat. Eine viel härtere Nuß wäre in Riga zu knacken, wenn sich der deutsche Vormarsch bis dorthin erstreckt. Riga ist im Norden durch die an der Einmündung der Duna in den Rigaischen Meerbusen gelegenen Festung dritter Klasse Ust Dwinsk(Dünamünde) geschützt und im Westen durch das zwischen der 800 Meter breiten Düna und der turländischen Aa gelegene Sumpfgebiet. Hier müßten wohl starke Trup penmassen hingeworsen werden, um den Widerstand der Russen zu brechen. Eines kommt dem deutschen Ansturm ja hier jedenfalls entgegen: die politische Sympathie der Ein wohner. Die nicht russisch fühlende Bevölkerung in Kurland ist bekanntlich erdrückend groß. Rußland rechnet da mit einer nicht zu unterschätzenden Zahl von teils„unzuverlässigen“, teils direkt russen feindlichen Elementen. Die Petersburger Regierung hat sich durch die drakonischen und ungerechten Maßnahmen ihrer Kriegspolitik doppelt unbeliebt gemacht und sich die letzten Sympathien der kurländischen Bevölke rung dadurch verscherzt, daß die raubenden und plündernden Reichswehrhorden, die nach Memel vordrangen, schon vorher auf russischem Boden Vorproben ihrex Brutalität und sinn losen Zerstörungswut veranstalteten. Ein Berg von Haß hat sich da in der Einwohnerschaft aufgetürmt, und die Vergel tung wird nicht lange auf sich warten lassen. Die deutsche Faust, die nun in Kurland eingeschlagen hat, findet dort einen sesten Halt. Was hier in die deutschen Hände gerät, hilft selber mit, daß es dabei bleibt. Mit Spannung und froher Hoffnung darf man dem weiteren Verlauf der Kämpfe entgegenblicken. von der Halbinsel Gallipoli. Ihren langangetündigten Landangriff gegen die tür tischen Meerengen haben die verbündeten Franzosen und Engländer, wie zu erwarten stand, bei der Halbinsel von Gallipoli angesetzt, jenem weit vorgestreckten Finger Thra⸗ ziens, der bei den im Krimkriege berühmt gewordenen Linien von Bulair nur noch durch eine schmale Landenge mit dem curopäischen Festlande zusammenhängt. Diese Halbinsel von Gallipoli ist hochgeschichtlicher Boden. Es ist der thrazische Chersones der Alten, der zum großen Teil unter der Herr schaft des Athenerhelden Miltiades stand. Da, wo sich die Küste der Halbinsel am weitesten dem asiatischen Ufer zu⸗ drängt, haben sich mehr als einmal bedeutende geschichtliche Unternehmungen abgespielt. Von Asiens Seite her haben hier Xerxes und später die Tüirken die Meerenge übersetzt und von der Halbinsel von Gallipoli aus ist Alexander zu seinem Eroberungstzuge nach Asien aufgebrochen. Sestos liegt hier, wo nach einem der schönsten griechischen Märchen allnächtlich Hero mit der Fackel über die rasch strömende Flut des Hellesponts hinausgeleuchtet hat, um dem Geliebten das erwartete Signal zu geben; Lord Byron hat sich später den Sport gemacht, an derselben Stelle die Dardanellen zu durchschiuimmen. An der Stelle von Sestos liegt heute ein malerisches altes Türkendorf; unmittelbar hinter dem Dar danellenschlosse auf der Seite der Halbinsel Gallipoli er⸗ hebt sich steil eine weiße Felswand, in welcher eine kleine Grotte für das Grab der Hekuba gilt. Wenn Geschichte und Sage ihren Reiz auf die Halbinsel von Gallipoli ausgegossen haben, so hat sie dagegen an landschaftlicher Schönheit nicht allzuviel zu bieten. Ueberhaupt stehen ja die Dardanellen in dieser Hinsicht hinter dem märchenschönen Bosporus weit zurück, und von seinen beiden Ufern ist wieder das nördliche, das der Halb⸗ insel von Gallipoli, das minder malerische. Hier steigen die Berge, die die Halbinsel erfüllen, gewöhnlich gleich von der Küste an in wenig stumpfen Formen empor, und nur von Zeit zu Zeit öffnet sich eine kleine Küstenebene da, wo die Bergbäche ihren Weg zum Hellesponte gefunden und im Laufe der Jahrtausende ein kleines Mündungsland sich ge bildet haben. Das sind dann die Stellen, wo die bedeuten deren Ansiedelungen der Halbinsel sich finden. An einer solchen kleinen Bucht liegt Maidos, das Madytos der Griechen, noch heute in der Hauptsache ein Griechenort, der durch seine Schiffahrt bekannt ist. Mit seinen weißen Türmen und Häusern sieht es unterm Lichte der Sonne lustig genug aus, und wenn der Nordwind weht, der die ganze Sommerszeit über in dieser Gegend die Regel ist, dann drehen sich munter die Flügel der zahlreichen mit weißen Segeln ausgestatteten Windmühlen, die das eigent liche Wahrzeichen von Maidos bilden. Fährt man von Mai dos ostwärts, so kommt man zum Hauptorte der Halbinsel, von dem sie auch* erhalten hat: Galli⸗ ihren Namen poli,„auf schrofsen zerrissenen Klippen, mit einem alten Kastell und zahllosen Windmühlen am Ufer“, wie Moltke die Stadt einst beschrieben hat. Die Schönheit der Lage der Stadt ist wohl die Ursache gewesen, daß die Griechen sie einst die„Schönstadt“(Kallipolis) getauft haben, aber ihrer Lage entspricht ihr heutiger Zustand nicht mehr, denn Galli poli, obgleich Bezirkshauptstadt, ist heut eine recht verfallene Stadt, die, von manchen Resten aus dem Altertume und der älteren türtischen Zeit abgesehen, dem Reisenden nicht viel zu bieten hat. Es war die erste Stadt, die nach der bereits erwähnten Landung der Osmanen cuf europäischem Boden ihnen hier in die Hände fiel, und im Jahre 1854 diente sie den Franzosen und Engländern als Landungsplatz. Sie zählt heut ungefähr 30 000 Einwohner, neben den Türken zumeist Griechen, Armenier und Juden, die besonders Han del in Leder- und Topfwaren betreiben. Der Hasen ist zwar flach, dennoch bildet die Stadt einen ziemlich wichtigen Ausfuhrplatz mit lebhaftem Schiffsverkehre. 5 vermischtes. * Abgepaarte Feinde. Szene: ein Restaurant im Westend von London, Der Gast wird von einem stattlichen dunkel- haarigen Kellner bedient. Neugierig erkundigt er sich, welchem Volke der Kellner angehöre.„Ich bin ein Ungar“ lautet die Ant. wort.„Ja, muß denn so ein strammer Kerk, wie Sie, jetzt nicht für sein Vaterland sechten?“ fragt der Gast. Zur Erwiderung weist der Kellner auf einen seiner Kollegen im Saale und ant⸗ wortet:„Mein Kollege da ist ein Serbier, und wir haben uns verabredet, daß wir beide hier in London in unseren Stellungen bleiben— wir gleichen uns aus!“ 0 Mürkte. Heu- und Strohmarkt. 0.00 bis —— in hübscher Metall⸗Felddose , Flasche 85 Pfg.(Wetedbese een In allen einschtägigen Geschäften.(Porto 10 Pfg. nern wie Ferdinand Schmidt und Hansen, wie Jerstel und Hase⸗ nauer, van der Nüll und Siccardsburg ausgeführt wurden. Zu⸗ gleich aber führte, wie Walter Curt Behrendt treffend in seiner bei Bruno Cassirer in Berlin erschienenen interessanten Schrift über die„Einheitliche Blockfront“ bemerkt, die Vorherrschaft dieser großen Prachtbauten zur Verwendung monumentalerer Bauformen auch bei den nächstumliegenden Privathäusern, wenn diese nicht völlig von der Uebermacht der dominierenden öffent⸗ lichen Bauwerke erdrückt werden sollten. Das war der Grund, der für die Häuser am Rathaus platze eine gleichartige Architek⸗ tur und die Anlage einheitlich ausgebildeter Arkaden fordern ließ. Eben darum war auch für die Gebäudeumgebung der Votiv⸗ kirche vom Stadterweiterungsfonds als dem Verkäufer der Bau⸗ stellen eine gewisse Norm aufgestellt worden, die den Zweck hatte, „der Folie einen zur Votivpfarrkirche vassenden Charakter zu er⸗ teilen“. Bestimmte Höhe und bestimmter Umriß mußten vom Verbauer der an den Platz grenzenden Baustellen eingehalten wer⸗ den. So entstand u. a. der schöne, gegenüber der Hofoper bele⸗ gene Heinrichshof, ausgeführt nach den Plänen von Hanfen. Was das Gesamtergebnis dieses großen Unternehmens angeht, so sind ja die Urteile über die Wiener Ringstraße von jeher recht weit auseinander gegangen. Die Großartigkeit der Gesamtanlage hat freilich nie bestritten werden können, und bei der Masse des Publi- tums hat sie eigentlich sast immer ungeteilte Bewunderung erregt. Von seiten der Baukünstler und der Stadtbauer ist nicht mit Un recht der stilistische Historismus gerügt worden, der die Monu⸗ mentalbauten an der Ringstraße kennzeichnet und der den Be⸗ sucher durch einen ganzen Kursus von der Antike und der Gotik bis zu den Aus- und Nachläufern der Renaissance geleitet. Aber selbst strenge Beurteiler haben stets zugegeben, daß, diese Beschrän⸗ kung einmal zugegeben, die großen Bauten an der Ringstraße als hervorragende Leistungen anzusehen sind, und mindestens ein echtes Meisterwerk befindet sich unter ihnen: die Hofoper, um die cin wahrhaft homerischer Kampf hat geführt werden nrüssen, ehr sie in ihren heutigen Formen entftehen konnte. Dazu kommt, daß auch rein städtebaulich in der Ringstraßenanlage verschiedene Ge⸗ danken verwirklicht sind, die auch vor den heutigen Erfahrungen und Ansichten mit allen Ehren bestehen es braucht da nur an die Zusammenordwung der beiden großen Museumsgebäude zu einem geschlossenen Platzbilde erinnert zu werden. Und schließlich, wie man auch über die Einzelheiten der Anlage urteilen möge: längst ist die ganze Ringstraße in das blutvolle Leben der Kaiserstadt hineingewachsen, sie hat von ihr Charakter und Reiz empfangen, sie ist ein unlöslicher Teil von ihr geworden— und wenn man an i Stadt an der Donau denkt, so wird man zugleich immer wieder an ihre rauschende, lachende, stolze und an Schmuck⸗ wunderung denken. 2 g — Die Verstadtlichung des Kinos in Norwe⸗ ge u. Die norwegische Volksvertretung hat unlängst ein Kinemato⸗ graphen⸗Gesetz angenommen, das für die Zukunft der dortigen Lichtspielbabnen geradezu umwälzend wirken dürfte. Nach diesem werken aller Art überreiche Ringstraße mit Dankbarkeit und Be⸗ H. Gesetze laufen nämlich die Konzessionen der Kinotheater sämt lich von 1916 ab zu Ende, und es können nach diesem Zeitpunkte die Gemeinden nach Gutdünken darüber entscheiden, ob sie die Kon zessionen erneuern oder ob sie die Kinotheater in eigenen Betrieb nehmen wollen. Eine Anzahl von kleineren norwegischen Städten, wie z. B. Vardö, Tromsö, Frederikshald und Notodden, haben bereits den Entschluß gefaßt, ihre Kinos zu verstadtlichen, und nun beginnen auch die großen Städte des Landes der Frage näher zu treten. Eine politische Parteifrage ist es nicht, denn während der Antrag zur Uebernahme der Lichtspielbühnen in städtischen Be trieb in Christiania von den Sozialisten gestellt worden ist, hat in Drontheim der der Rechtenpartei angehörende Bürgermeister selbst der Stadtvertretung den Vorschlag gemacht, die dortigen Ki⸗ nos zu verstädtlichen. Als maßgebend hierfür bezeichnet er vor allem die pädagogische Wichtigkeit des Kinos; Bürgermeister Bauck hält es für die Pflicht der Stadt im Interesse der heranwachsen⸗ den Jugend die Kontrolle über die Darbietungen der Kinobühnen in die Hand zu bekommen. Nicht zu verachten ist ia ferner vom Standpunkte der städtischen Finanzen die Wahrscheinlichkeit, daß die Uebernahme der Kinotheater in städtische Verwaltung einen ansehnlichen Ueberschuß ergeben dürfte. Um den bisherigen Unter⸗ nehmungen gegenüber unnötige Härten zu vermeiden, soll der stätdische Betrieb der Kinotheater in Drontheim erst mit dem Jahre 1918 in Kraft treten. Dort gibt es gegenwärtig 5-6 Licht⸗ spielbühnen; statt ihrer follen nach dem Vorschlage des Bürger⸗ meisters künftig nur noch zwei betrieben werden— diese aber sollen Kmotheater großen Stiles werden. Dadurch hofft man auch an den Betriebs fosten zu sparen. Es darf allerdings nicht verschwie⸗ gen werden, daß sich geben die Pläne auf Verstadtlichung der Kinotheater in Norwegen auch lebhafter Widerspruch regt, so be⸗ sonders in Christiania, wo man neben anderen Bedenken daran Zweifel hat, ob das Publikum mit der Neuordnung der Dinge sich zufrieden zeigen werde. Jedenfalls ist die norwegische Kino⸗ Gesetzgebung ein Vorgang von großem Interesse, der quch bei ums wohl beachtet zu werden verdient.. Leipzig, 30. April. WTB. Nichtamtlich. Heute nrittag fand die feierliche Grundsteinlegung der Deutschen Bücherei statt. Die zahlreich aus allen deutschen Gauen zur Feier erschienenen Gäste wurden namens der sächsischen Staats⸗ regierung von Exzellenz Dr. Roscher begrüßt. Oberbürgermeister Dr. Dittrich sprach den Dank der Staatsregierung für die leb⸗ hafte Förderung des Baues aus. Was hier geschaffen worden sei in schwerer Kriegszeit, das würden einst die künftigen Geschlechter voll zu würdigen wissen. Der Vorsitzende des Börsenvereins Deutscher Buchhändler, Geheinrrat Siegismund, gab einen kurzen Rückblick stber die Entwicklung der Bücherei und sprach die uus, daß sie heute über das Jahr eröffnet werden könne. [Er dankte schließlich im Namen des Börsenvereins allen, die das große Werk unterstützt haben. Die Kapsel, die in den Schluß⸗ stein eingelassen wurde und welche die auf den Bau bezüglichen Dokumente birgt, ist durch eine mächtige Schlußplatte, die lang⸗ sam herabgelassen wurde, zugedeckt. Nit einem Hoch auf den Kriser, König und Volk schloß die würdige Feier. E 3