Srr blaut Anker. Roman von Elfriede Schulz». (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Du sprichst wie ein Dichter, Lotte. Aber unsereiner denkt so ähnlich, wenn man auch keine Worte machen kann. Darum segle ich ja. Manchmal läßt man sich treiben, ganz gleich, wohin es geht, und das ist das Schönste. Wir wollen den Tag gut ausnützen. Es ist ja nicht immer so. Abendbrot gibt es auf Deck, mein Liebling. In der Kajüte ist alles verstaut, und wir köpfen eine Kupferberg dazu." Sie freuten sich wie Kinder darauf. Gegen Abend legte sich das bißchen Wind fast ganz. Lotte deckte hausfraulich den Tisch, und Dietrich stellte den Sektkühler neben die glitzernden Glaskelche. Das Boot blieb fast auf der Stelle liegen. Er zog die Segel ganz ein. Sie tafelten in heiterer Stimmung. Es war ein unvergleichliches Mahl in der abendlichen Stille dieser weltvergessenen Gegend. „Und auf was stoßen wir an?" Dietrich beugte sich dicht vor ihre Augen und sah sieh glücklich an. „Nun — auf was?" Lotte wiegte den Kopf und Pfiff ein Liedchen vor sich hin. Sie war in eine; ausgelassenen Stimmung und mochte gar nicht denken. „Wir wollen erst einmal trinken, dann kann sich jeder etwas Besonderes denken, etwas recht Liebes, und dann wollen wir uns zu einigen suchen, und das soll gelten." „Also kurz — erst einmal auf das Glück im allgemeinen und auf die alle, die unser Glück —' na, sagen wir — verschuldet haben. Sie sollen leben!" Dann grübelten sie und sahen sich neckend an. Lottes .Hände waren ihr in den Schoß gesunken. Er umschloß sie fest und fühlte die Süßigkeit ihres jungen Leibes. Ein jäher Rausch überkam ihn, und seine Augen brannten in den ihren, aus den mädchenhafte Sehnsucht und eine mütterlich-weiche Zärtlichkeit glänzten. „Komm, laß das dumme Sinnen, Liebling, küsse mich!" „llnd nun stoßen wir an auf das Schönste, das Allerschönste in diesem Leben, das ja nur so kurz ist: die Hoffnung auf ein seliges Glück." „Alls ein seliges Glück!" Sie schwebten in einer himmlischen Heiterkeit, losgelöst von allem Irdischen, und tranken und plauderten, und Hand brannte in Hand. Dietrich köpfte eine neue Flasche. Der schäumende Wein machte ihr Blut heiß. In ihrer Seligkeit fühlten sie es kaum, wie ein glühender Strom durch ihre Herzen rollte. Und empfanden auch nicht, daß die Weiden und Erlen am Ufer lange dunkle. Schattet! über den Wasserspiegel legten, aus dem hier und da schon ein Stern aufschimmerte. „Mein Gott, es wird en lila Arabesken und den weißen Spitzen Wie log das alles da? Ein vernichtender Schlag fuhr auf sie nieder. Sie neigte den wüsten Kvpf tief auf die Brust und kniff die «UL°'l ru Ihr Atem keuchte. Ihr Blut sieberte. Mit einer ?mS ä Ä’,r bC •' Ir 1101 ? 1 H?st griff sie nach den Kleidern zog sick m sliegeiider Eile an, kaum daß sie ein paar Knüpfe an der Bluse, an den weißen Schuhen znmachte Hand flog, fie zur Tür, öffnete leise 'hin ab^ "" **" bann'-erigen Gang entlang, Sie wußte nicht, wie sie aus dem Hanse gekommeck w°r. «s war -wchalles totenstill die Sonne brach eben Mit blutigem Schein über dern See hervor. Von einem üespensterhafteii Entsetzen gejagt^ floh sie vor den roten Strahlen nach der entgegengesetzten Seite, am Seeuser entlang, daß ihr die taufeuchten Zweige ins Gesicht schlugen. . „Barmherzigkeit!" ächzte sie. „Wo war ich? — Was ist mrt mir geschehen?" Ein Rnderschlag klana an ihr Ohr. Sie h-emmte den Lauf uud lauschte, strich sich die wiloen Locken aus dem Gesicht und warf einen Blick auf ihre Kleider. Dicht am User kam ein breites, graues Fischerboot gezogen. Ein aebückter, alter Mann bewegte langsam und gleichmäßig die Ruder. Das gehetzte Mädchen rang nach einem Entschluß. Sie rief den Fischer an. Der richtete sich schwerfällig etwas hoch. „Lieber Alter — können Sie mich mitnehmen? Ich will nach Wannsee zum Bahnhof oder zu einem andern Bahnhof nach Berlin." Er sagte, er sei Fischer und mit seinem Fang auf dem Wege zum Potsdamer Markt., Wenn sie da mitwollte. Lotte suchte nach der Geldtasche. „Ich gebe Euch ein Goldstück und was ich noch habü nehmt mich mit zum Bahnhof Mannsee, nicht nach Potsdam. Ich will es Euch danken." Da fuhr der Alte den Kahn knirschend in den Ufersanch kroch mit den langen, schweren Wasserstiefeln über Bord und trug Lotte Wölflin in sein Boot. Er zog seinen Nock aus und legte ihn auf den Sitz gegenüber.» Dort kauerte sie sich nieder. „Ist Ihnen woll was passiert, Fröten? Was Schlimmes doch nich? Ruhig, Kindchen, ich fahr um und bring Sie nach Wannsee, dicht beim Bahnhof, Frölen. In fief Mmuten sind Sie dann oben." Lotte hörte nur die Ruder knarren. Sie starrte dumpf aus den feuchten Boden des Kühnes und sagte kein Wort, Jeder Gedanke schmerzte sie. Der alte Mann schüttelte den Kopf, sah ins Weite und trieb sein Fahrzeug mit der schweren Marktlast vorwärts, so gut er koikute. (Fortsetzung folgt.) Dar wunder. Novelle von Alexander CastcttL „Anne-Marie, treib die Kühe herein!" rief der alte Bahn, der mit seiner Schwiegertochter auf der Bank vor dein Hause saß Es war em Oktobernachmittag und sck-on etwas kühl. Die kleine Aun^ Marie nn vrerzehmähriges Mädel, trottete zum Hof hinaus Mail hotte ihre Holzschuhe noch curf der Straße klapperm. r . beiden andern säßen still an der Sonne. Ans ihrer großen Sttlbe horten pe das Telephon rasseln uird Worte, die sie nicht verstanden. Tort war das Nvminando für die Batterie, die hinter dem Wald irgendwo vergraben war. Ter Major und die andern Offiziere logierten int Haus, gingen aber zum Essen ins Dorf. 9^r wenn strenger Dienst war, kochte ihnen die junge Bahu eine Soupe aux choux , die den Herren ausgezeichnet schmeckte. |8f P a ^ U l)a"e drei Söhne, Ferdinand, jRobett und Gailon. Sie waren alle dret ain zweiten, fünften und seckpN,»», Verdun und Montmedy einberufen worden, und seither hatten sre nichts mehr von ihnen gehört. Nur von Gaston K^en ste vernommen, daß er in Deutschland gefangen rvar. Vermittlung des Majors hatten sie ihm sogar einett Brief schicken können. Aber es war noch keine Antwort da. mx von Ferdinand, und sie war im achten Monat schwanger Sie war eine sehr kleine, aber feste Person batte durch ihren Zustand ein ganz gelbes Gesicht bekommen' gewesen war^ *** Ätn ^ tr °k fcem f ie schon zwei Iahte verheiratet sie wit dein Alten jeden schönen Nacksmittäg, den Gott trotz des Krieges gab, m der Herbstsonne, hatte ihre Hände wie betreuend auf ihrem Leib liegeil und däminerte vor sich hin Tre beiden sprachen wenig. Ter alte Bahn war seit dem kommet ® c -5? r sechsnndfünszig Jahre alt und kannte sich plötzlich Mi Leben nicht mehr aus. Als kleiner Junge Hatto er den Krieg 1870 mttgemacht. Setne Mutter hatte damals ein Büreau de tebac gehabt, wo die deutsche,: Soldaten Zigartrn kauften und Wern tranken. Oft hatte er diese Szenen seinen ^L^ahleir müssen und ihnen erklärt: „Wir waren voller !^?bvsicht, denn der Kaiser war ia mit einem großen Heer tn Sedan, und unsere Arntee errang Sieg auf Sieg Ta eines Mends, ich war gerade bttm Bäcker uiü> hatte für eure Großnuttt^ Brot geholtt sprengten Retter über das Feld gegen das Tvrfr aL? 01 ?* 1 verfluchten Prussiens hatten den ^ üunze^ Heer gefangen. Nachher waren ste oen Herbst Md Mutter da. Sie kamen auch zu m einer Groß- — 555 Mütter, Hin ein Gtas ^iu trinken. Aber sie zahlten alles. Nur Wenn sie manchmal sechs Flaschen getrunken hatten, stellten sie ganz verstohlen eine unter den Tisch. Eure Tante Berthe, die ein fixes Mädel war, sah es aber gleich und holte die Flasche wieder vor. Tann lachten sie alle, aber gezahlt haben sie doch." Tie Nungen hatten rhm mit großen Augen zngehört, und zum 'Schluß, Mußte er immer noch von Onkel Albert erzählen, der sich bei. den Franktireurs hatte anwerben lassen. Da »vurde ein Offizier im Walde erschossen gefunden, und Onkel Lllbert wurde nngeklagt. Ter Bürgern!erster stand für ihn ein, und man schickte sogar nach Meziöres zum Platzkommandanten. Es half nichts. An einem' Morgen wurde er an der Stelle, die hieß: „Languc de chat"/ erschossen. Und vorher hatte er noch selbst das Grab graben Müssen. Diese Geschichten hatten sich Bahus Jungen von Jugend aus erngeprägt und ihm selbst standen sie hell im Gedächtnis. So i 1 r!?, c ", Deutschen jetzt 44 Jahre später wieder ins Dorf gekommen waren, aus Bahus Hof kein Schuß fiel, Mtt grimmigem Glesicht war er ihnen entgegengetreten, aber er hatte ihnen ohne Arg angeboten, was in Küche und Keller war, wnd sich im ganzen nicht schlechter mit ihnen vertragen als seine! Mütter dazumal. Nur etwas Merkwürdiges war in seinern G>ehirn eingetreten. Seinem politischer Denken nach war er leidenschaftlicher Repw- vttkaner, imd wenn ihin jetzt der Major aus der Zeitung die deutschen Erfolge übersetzte, machte er eine Faust und sagte: ,,0H ee cochon, il a foutu la France Par terre . . .!" Er meinte den Kaiser Napoleon. Die Eindrücke seiner Jugend waren stärker gewesen als die heutigen. Für ihn hatte damals das Unglüct begonnen . . . Was seine Söhne anbettaf, hatte er für Ferdinand und Robert wenig Sorge, trotzdem er nie mehr etwas von ihnen gehört hatte. „Das sind verfluchte Kerle," pflegte er zu seiner Schwiegertochter sagen, „die werden wiederkommen, aber für den Kleinen habe rch Angst, der hat keine soliden Knochen . . . aber nun ist ja alles gut . . ." schloß er jeweils seinen Worttag ab. „Hungern wird er ja wohl müssen, aber mit Wasser und Brot hält man's lmrge ans, und nachher wollen wir rhn schon wieder heraus-' füttern." Tenn, daß es in Deutschland nichts zu essen gab, oSn 1 ? 1 *?? T Überzeugt. Und es gab sich auch kaum jemand Mühe, ihn vom Gegeirteil zu überzeugen. Wenn er mit dem Major sprach, sagte er immer Exzellenz -w!d brackste ein einziges, für ihn lapidares Moment vor: „Aber England läßt ja nichts durch," und dazu lächelte er ganz pfiffig. Tann hatte er vor fünfzehn Jahren einmal einen Knecht gehabt, der ihm erzählt hatte, daß er in seiner ganzen Jugend nur Kar- tofseln und Heringe aß. „Er wohnte da oben irgendwo am Meer," Earte Bahu Seiner Exzellenz und fügte hinzu : „Was glauben Eure Exzellenz, daß diese Leute im Krieg essen, wenn sie im Aaeden schon nichts zu nagen haben . . Dabei sah er lächelnd über }eme fetten Wiesen hin. Für ihn war Deutschland ein armes und Frankreich ein gesegnetes Land. Daran ließ er nicht rütteln. Sonst war er ein guter Kerl. Er sah jetzt etwas besorgt über die Hoflnauer weg, nach den Wiesen int Norden des Dorfes: Gegen Abend begann gewöhnlich das Bombardement, und französische Schrapnells hatten ihm schon vier Kühe getütet. Das hatte ihm den Humor nicht ver- dorben ^ ^Unsere Leute schießen gut,' das sind unsere 75-Milli- meter-Ge|chütze, die machen saubere Arbeit," hatte er mit einem vergnügten Augenzwinkern gesagt und die vier Tiere der deutschen Etappenkommandantur verkauft. Er hatte dabei nickt schlecht gelöst. In der vorigen Woche hätten die Geschosse beinahe in den eingeschllagen. Wohl sechzig Schrapnells waren an einem jAbend virett Untier den .Wald gefallen und hatten in einer Wiese eine Mnze Grube ansgebohrt. Seit ein paar Tagen aber Mitten sie sich mehr nach Westen eingeschossen. „Schatz," hatte er eines Nachmittags zu Seiner Exzellenz gesagt, „daß das viele Material immer ins Leere geht . . " Seine Azellenz hatte gelacht und geantwortet: „Sieur Bahu, ich kann mich darüber nicht beklagen . . Im ganzen kamen sie Wirklich gut zusammen aus. Man hörte jetzt vom Westen her wieder schießen. ES waren deutlich dumpfe Und dann wieder hellere Artillerie- Wäge, mm War an das längst gnvöhnt. Das konnte so eine Stunde lang fortgehen. Drinn«i rasselte wieder das Telephon. Zwei Offiziere kamen den^Wald^ Qm * m ' nw Reitpeitschen in der Hand, gegen „Nun kann es ja da auch bald wieder losgehen," sagte Bahu zur Schwiegertochter, die Wäfrig und müde in die Spät- Mlttmrsionne sah. „Fühlst du dich nicht wohl?" fragte er sie. Sie sah haute wirklich) schlecht aus. , .. ^ie zuckte mir mit den Achseln. Sie sprach überhaupt in der JjP* .^nig. eeibcn. Und bei jedem Schlag zuckte die schwangere Frau fast unmerklich zusammen. Anne-Marie kam! jetzt mit den Kühen die Torfsttaße her- Irn zehnjähriger Junge lief mit einenl Stecken hinterdrein. Als ob die Tiere vom Krachen eingeschüchtert wären, gingen sie, die Köpfe fast zur Erde gedruckt, über den Hof. Kaum waren sie im Stall, ging südlich das Gewitter los. Tn kamen mich schon schwmze Punkte westlich über den Wald. Ter alte Bahu sagte: „Sie schießen wieder ins selbe Loch hinein!" Man hörte den dumpfen ausschlagenden Lmtt der Grmiaten und fast zugleich die Explosion. Eine schwarze Wölke stieg von der Erde auf. Haushoch wurden Kot und Steine geworfen. Ter Major war für einen Augenblick ans Fenster gekonimen Und starrte hinaus. „Es wird ein heißer Abend," rief Bahu. Ter andere nickte. Er hatte einen merkwürdig starren Blick, wahrend er hmübersah. Man hörte jetzt auch das Trommeln von Maschinengewehren. Aber das mußte viel weiter südlich sein. Ter Ordonnanzoffizier war her aus gekommen. Er beobachtete mtt dem Feldstecher die. SchußwiSkung. Er sagte zu Bahu: „Sie suchen uns . . . Sie müssen ahnen, daß wir in diesem Haus das Kommando haben, aber es muß wohl ein Fehler in der Karte fein, der Hof ist 30Q Meter m Weit westlich emgezeichnet ..." Bahn fragte: „Aber wenn sie doch herüberkämen , . . ?" „Tann wüßten wir ausziehen, wenn unsere Batterien sie nicht vorher All gemacht haben ..." antwortete nichts. Als guter französischer Bürger dachte er: „Wir wollen es nicht hoffen . . ." Der andere war iviedeq hineingegangen. Es begann zu däinmern. Deutlich sah man letzt die Feuer der platzenoen Granaten. Es war ein höllisches Konzert, dessen Donner unaufhörlich den Wald entlangrollte. Ter alte Bahu hatte den Mund offen. Er konnte die Erschütterungen der Lust gar nicht cmshalten. Aus dem Süden rollte das Getöie immer stärker herüber. Es muß ein scharfes Gefecht fern. Vom Dorfe her kam zugleich eine Ordonnanz auf dem Rad gesaust und bog in den Hof ein. Bahn war eben aufgestanden, um einen Schal für seine Schlvie- gertochter zu holen, als direkt vor ihrem Haus eine Granate in den Wald emichlug. Eine grelle Flamme stieg zwischen den Banm- wipseln auf, eine furchtbare Detonation erfolgte, ein Geprassel von geknickten und stürzenden Baumwipseln. Eine zweite Granate fuhr fast zugleich in die äußersten Bäume. Die Lust war sofort voll von den Exptosionsgasen, die in ttüben Schwaden wie Nrbel in der Dämmerung herüberkamen. Ter Major hatte das Fenster ausgerissen. Ms Bahn zur Besinnung kam und seitwärts sah, lag die Schwangere halb ohnmächtig aus der Bank und stieß matte und. klagende Seufzer aus. Er hatte nur einen Gedanken: „Sie gebiert. . Ter Maiov stand noch am Fenster, das Telephon rasselte unaufhörlich. Bahn hatte den Schreck in den Knien und rief: „Sie kommt nieder ... sie kommt nieder . . ." Ter Major streckte den Kopf aus dem engen Fensterflügel, verstand sofort und schrie dem Radfahrer, der eben ans der Türe trat, etwas zu. Der half dem alten Bahu, die Gebärende nach oben zu tragen. Während sie noch im Hausflur standen, ging es wieder wie ein Blitz über den Hof. Bon dem Krach zersplitterten affe Scheiben. Anne-Marie lief wie eine Verrückte vom Stall her. Ta kam Balpt wieder von oben. „Bind' die Kühe los, aber laß sie im Stall . . ." Dann klopfte er an die Türe, nahm den Hut ab und trat ein. Er zitterte und sagte: „Exzellenz, es ist ihre erste Geburt, man sollte einen Arzt haben." Der Major, der am Telephon saß, drehte den Kopf herum und starrte ihn an und schrie: „Die Linie ist belegt, ich muß mit der Batterie und dem Abschnittskommando in Verbindung bleiben, schon zlveihundert Gefangene . . . Mer rufen Sie den Radler, er soll den Stabsarzt holen im Torf . . a " Er lief ans Fenster. Der ganze Platz vor dem Haus war voll Qualm. Bahn brachte den Radler am Arm aus dem Gang herein. Der Major schrie ihm drei Worte zu, und der Radler sauste hinaus. Bahn stand immer noch da. Tn sagte der Major: „Wenn sie in den Hof schießen, dann müssen wir hinaus und ins Torf. Man muß auf alles gefaßt sein. In einer halben stunde Norden wir es wissen . . Er saß schon wieder am Apparat. „Jawohl, Punkt 193 unter schweres Feuer gekommen . . ." Bahn war hin- ausgegangen, kam wieder zurück und gettaute sich nicht mehr hinein. Er dachte immer: „Was werden wir mit Jeanne an- sangen . . ." Wieder schlugen zwei . . . drei Granaten fast gleichseitig in die Bäume. Bei jedem Schlag zog der Mte die Schultern nn. ES mx ihm jedesmal wie ein Hieb ine- Genick. Er sah den 556 Jöa? binnen und!brc Kühe Wer die Felder laufen, und Jsamie, die letzt «oben in den Wehen lag, jammerte, daß man ihre Stimtnve auf der Stiege hörte. _ Er ging föffber hinein. Oben, kam ?lnne-Marie auZ Joannes Kanmrer lrmd lief in die Küche um> trug heißes Wasser hinauf. Tonr Alten zitterten die Knie. Er ivvr kein mudtoser Mann, aber jedesmal, wenn seine Frau gebaren hatte, tvar ihm dasselbe Eirtfetzen in die Glieder gefahren. Er stieg jetzt die Treppe lnmmter und wandte sich gegen ben Statt. Während er matten auf dem Platz stand und kaum atmen kannte, kam ein Sausen uou Süden, ats ob der Sturm den Wald wegsegen wollte. Mio ein Blitzstrahl fndr es hundert Meter vor der Hofmauer Ln die Wiese. Wie jwenn ein tvcißer, grellbleirdendor Stern vont Firmlament gefallen wäre, gleißte es auf, und dann zerstob dieser Stern in Millionen Atome. Bahn war aus den Boden geworfen worden ltnb rang nach Duft 3n btefcni Augenblick fuhr das Automobil des Stabsarztes in den Hof. Bahu kroch auf die Seite, um nickst unter die Räder zu kommen. Ter andere stürzte ins Halls. Bahu blieb vorerst liegen. Es lvar ihm, als hätte er alle Glieder gebrochen, und als nahte seine letzte Sttmde. Allmählich kroch er an die Mauer und saß dort halbaufrecht. Bor sich hatte er die Blendlaterne des Automobils, und er mußte die Augen schließen. Lange lag er so und wartete apathisch auf das, was kommen trurbe. Das Schießeii hatte allmählich aufgehört. Vonl Walde her kam jetzt ein Zug von Menschen, die sich dem Hofe nahten. Es waren Leickst- und Schloervcrwmwetc. Manche trug man auf einer Bahre. Sie nahten sich und traten in d?n Hof. Der Unteroffizier, der sie führte, verlangte Milch. Man rief Anne-Marie herunter. Sie ging mit ihren klappernden Holzpantoffeln über den Hof und in den Stall. Dort standen die Kühe herum und brüllten in langgezogenen und klagenden Lauten Anne-Marie setzte sich unter das nacktste Trcr, und wahrend sie den stopf an das warme Fell der Kuh drückte, weinte sie mit zuckenden Schultern, -indes die warme Mlch in den Kessel spritzte. Bahu lvar nun aitdb heruntergekommen und hals die Milch hinanstragen. Als draußen die Soldaten tranken, ging oben das Fenster auf. und der Stabsarzt riei. als ob es ihm Freude machtez „Es ist ein Junge ..." Da faltete der alte Bahu die Hände. Die verwundetet^ Soldaten aber, die blutend und in zerfetzten Uniformen lund mit von Schmutz schwarzen Gesichtern dastanden — sie iKitten seit Monaten nur Blut und Tod gesehen, und alles, was Leben lvar. lvar in ihren Gedanken schier allsgelöscht gewesen —, sie, die aus denk Qualnc und den Schmerzen einer zehnfachen Hölle kamen, hörten dieses Wort wie die Botschaft aus einer andern Welt, und erst allmählich begriffeu sie das Wunder: es war ein Kind geboren worden. _ vermischter. • Unter aller Kanone. In einer Zeit, in der die Kanonen das Wort führen, dürfte der Ursprung der Redensart „unter aller Kanone* gewiß interessieren. Mit der Kanone steht sieht sie aber in gar keinem Zusammenhang, vielmehr scheint sie auS der friedlichen Welt der Schule herzustammen. Wenigstens stellt Professor Dr. E. Schivabe in einem interessanten Aufsatz der ^Zeitschrift für den deutschen Unterricht* diese Hovothese auf und erzählt dazu folgende Anekdote: Tie Schüler einer städtischen Lateinschule in Sachsen waren im 18. Jahrhundert im Latein besonders verwahrlost, und das erregte den berechtigten Ingrimm der studierten Väter der Stadt. Auf ihre Veranlassung hin ließ der Oberpfarrer in sämtlichen Klassen ein Exploratorium nach Art des an Fürstenschulen üblichen „Rektor-Extemporale* schreiben, die Arbeiten einsordern, und machte sich dann an die Korrektur. Das Ergebnis war sehr unbefriedigend, denn in dein Berichte an den Stadtrat teilte er mit, daß er sich einen Canon von fünf Zensuren gemacht optime, bene, sic satis, male, pessime), daß aber leider viele der Arbeiten so schlecht seien, daß sie nur als _snd omni canone“, als unter allem Canon stehend, bezeichnet werden dürften. Canon war also die Zensurenstaffel, und aus der lateiiiischen Redensart wurde dann die scherzhafte deutsche Verdrehung. * ' Gewebte Feiisterscheiben. Unsere Fensterscheiben sind lust- iind staubdicht, haben aber den Nachteil, daß sie, ivenn sie zur Lüftung geöffnet werden, iiicht nur der Außenlust, sondern auch dem darin enthaltenen Staube Zutritt geivähren. Aus diesem Griinde scheint für die Wohnungshygiene der tu den Vereinigten Staaten neuerdings sich einsühreiide Ersah einzelner Fensterscheiben durch Einsätze auS Hellem Baum,vollgewebe der Prüfung wert. Nach einein Berichte des „Prometheus" ist die Lichtdurchlässigkeit solcher gewebter Fensterscheiben bei entsprechender Auswahl de» Stoffes um so leichter zu erreichen, als er ja nur eine oder zwei Glasscheiben in jedem Fenster z»l ersetzen hat. Tie Lüftung aber der mit solchen Fenstern versehenen Räume ist ständig und gleich- inäßig und der Staubgehalt >nuß, da das Gewebe als Staubfilter wirkt, naturgemäß viel geringer sein, als in den Räumen mit offenen Fenstern. Dazu kommt »,och der Vorteil, daß fich bei beit gewebten Fensterscheiben die Lüftung dauernd und ganz selbständig vollzieht, ohne daß, wie bei geöffneten Fenstern kaum vermeidlich ist, eine Zugivirkung entsteht. Dabei sollen die geivebten Fensterscheiben so wärmedicht kein, daß die Heizung der Räume im Wiliter keine Schwierigkeiten bereitet. Auch das Neinhalten des Gewebe» ist leicht zu erreichen, wem, man eS auf auswechselbare Rahmen spannt und gegen die Wirkungen eines Platzregens wird man sich durch entsprechende Imprägnierung schützen können. Süchertlsch- - — „Run st.* Das uns vorliegende September-Helt der »Run st", Monatshefte für freie und angewandte Kunst (Verlag Bruckmann, München) bildet den Beschluß des 16. Jahrgange» dieser außerordentlich schönen Zeitschrift. Dian sieht dem ab- geschloffenen Jahrgang in der Tat nicht an, daß der Krieg unsere reproduzierenden Künste in Mitleidenschaft gezogen hätte: die Zeitschrift hat ihren alten RuhincStitel, über ein in Fülle wie Schönheit unübertreffliches Bilderlnaterial zu verfügen, auch in diesem Kriegs^ jahrgange bewährt. Aber ln anderer Hinsicht sieht man ihr den Krieg an: mit glücklichster Hand hat die Leitung, soweit dies aus dem Gebiete der bildenden Kunst möglich ist, den gewaltigen Er- eigniffen Rechnung getragen: nickt beeinträcktigt hat der Krieg diese Monatshefte, er hat sie gefördert und befruchtend aus sie gewirkt. Zeugnisse des Hockstandes unserer Kultur ivie diese Zeitschrift verdienen auch in Zeiten >vie jetzt die volle Unterstützung des Volkes; jedem gebildeten Hanse sei also „Die Kunst* in ihrem neuen Jahrgang empfohlen, eine Fülle von Schönheit und künstlerischer Anregung wird es a,ls jedem Hefte schöpfen. — D i e „L i l l e r K r i e g s z e i t u n g", die von Paul Oskar Höcker und Georg Freiherr v. Ompteda herauögegeben und ln Frankreich gedruckt wird, ist die bekannteste und beliebteste der Veröffentlichungen, die für Misere Truppen im Felde ins Leben gerufen sind: auch in der Heimat ist die Nachfrage eine sehr rege. Tie biSher»ersckielienen Nummern sind aber vollständig vergriffen und können nicht mehr nachgedriickt werden. Die foebeit im Verlage von W. Bobach & Co., Leipzig, erscheinende Buchausgabe der „Liller KriegSzeitnng* ist eine „Auslese a,ls Nummer 1—40 mit 50 Bildern* (Preis gebunden 4 Mk.i, die die Herausgeber der „Liller Kriegszeitung* veranstaltet haben. Diese Auslese wird allen denjenigen einen mtllkominenen Ersatz bieten, deren Wunsch, eine vollständige Ausgabe der bisher erschienenen Nummern zu erhalten, unerfüllt bleiben muß. Tie Auslese bietet ein möglichst genaues Abbild der Zeitung. Namhafte Schriftsteller, Künstler und Gelehrte, die im Felde stehen, einfache Soldaten und Offiziere aller Rangstufen haben sich zu reger Mitarbeit vereint. Schilderungen von Heldentaten, Kricgserlebniffe, humoristische und belehrende Beiträge, ernste und heitere Gedichte usw. reihe», sich in bunter Folge aneinander. So bietet die „Liller KriegSzeitnng" mit ihren herzerfrischenden Schilderungen der Celbsterlebnisse in großer Zeit ein anschauliches Bild des Lebens in und hinter der Front, und spiegelt d»e Stimmung wider, die unsere Heldeutruppen beseelt, die sie alle Strapazen srerrdig ertragen läßt und sie unaufhaltsam zum Siege führt. Schach-Ausgabe. Schwarz. Weiß setzt mit dem dritten Zuge Matt. Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger NunmEkk Schleie, Oelle, »keine, Eiter, Iris, Tisch, Vinte, .Ente, Natter, Plrntt, After, Racine, Trier, Iller, Ellipse; Schlitte npartie. tzchrislleitung: Aug. Goeh. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversitätS-Buch- und S1eindrncke«i. R. Lange, Gieße»